Abkehr von der Wegwerfgesellschaft

 

Im Zusammenhang mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine wurde die Forderung erhoben, auf russisches Gas, Öl und auf russische Kohle zu verzichten, um sich auf diese Weise von russischen Energiequellen unabhängig zu machen. Das gelingt natürlich nur in dem Maße, als man entweder weniger Energie nachfragt, oder andere Länder findet, welche die fossilen Energierohstoffe anbieten oder als man schließlich den Energiebedarf mit erneuerbaren Energiequellen zu befriedigen sucht.

 

Eine Abhängigkeit vom Ausland entsteht jedoch nicht nur im Zusammenhang mit den Energierohstoffen. Rohstoffe werden auch ganz generell zur Erzeugung zahlreicher Produkte benötigt und viele dieser Rohstoffe werden nur von einzelnen, wenigen Ländern gefördert. So entsteht auch auf diese Weise eine Abhängigkeit vom Ausland, welche uns in Zukunft - auch im Zusammenhang mit den erneuerbaren Energien - in große Schwierigkeiten bringen kann.

 

Im Gegensatz zu den Energierohstoffen kann die Unabhängigkeit von den anderen Rohstoffen nicht immer durch Diversifizierung erreicht werden, da bestimmte Rohstoffe, vor allem die seltenen Erden nur von einem Land oder nur von ganz wenigen Ländern überhaupt angeboten werden. Hier können wir nicht auf andere Länder ausweichen, weil es keine anderen Länder gibt.

 

Wohl ist es möglich, diese Abhängigkeit dadurch abzubauen, dass man die Endprodukte nach Gebrauchsende recykelt. Im Gegensatz zu den Energierohstoffen, welche beim Konsum verbraucht werden, werden die Rohstoffe, welche für die Produktion der verschiedensten Produkte benötigt werden, nur gebraucht. Sie können also nach Abgabe der gebrauchten Güter wiederum durch Rezyklen zurückgewonnen werden und für neue Produkte eingesetzt werden.

 

Auch ist es möglich, dass Produkte dann, wenn sie fehlerhaft werden, nicht einfach wie bisher weggeworfen und durch neue Produkte ersetzt werden, sondern durch Reparatur wiederum in Gang gesetzt werden. Natürlich sollten dann, wenn aufgrund des technischen Fortschrittes Produkte mit wesentlich verbesserten Eigenschaften hergestellt werden können, durchaus nach wie vor in Zukunft alte Produkte durch verbesserte Produkte ersetzt werden. Es sollte eben nur vermieden werden, dass geringe, durchaus ohne großen Aufwand behebbare Fehler nicht automatisch dazu führen, diese Ware zu entsorgen und durch neue Waren zu ersetzen, obwohl diese Waren auch nicht wesentlich bessere Qualitäten als die bisherigen aufweisen.

 

Augenblicklich wird fast bei allen Produkten dem einzelnen Verbraucher gar nicht die Möglichkeit gegeben, bei Mängeln ein Produkt reparieren zu lassen. Hier sollte der Verbraucher die Möglichkeit erhalten, selbst zu entscheiden, ob eine Reparatur durchgeführt oder ein neues Grät angeschafft werden soll.

 

Neben diesem Vorteil einer Stärkung des Selbstbestimmungsrechtes der Verbraucher hat ein Rezykeln noch einen weiteren Vorteil. Von Umweltschützern wird im Allgemeinen beklagt, dass in unserer Wegwerfgesellschaft knappe Resourcen in einem so starken Ausmass bei der Produktion eingesetzt werden, dass damit die heutige Gesellschaft auf Kosten der zukünftigen Gesellschaft lebe. In dem Maße, in dem es gelingt, die in den Produkten gebrauchten Rohstoffe zurückzugewinnen, wird auch umweltpolitisch dazubeigetragen, dass die heutige Gesellschaft weniger auf Kosten der zukünftigen Generationen lebt.

 

In der Öffentlichkeit wird oftmals festgestellt, dass ein solcher unbedingt notwendige Schritt in einer Marktwirtschaft gar nicht möglich sei, da die Unternehmungen aus Gewinninteresse nicht einer Entwicklung zustimmen werden, bei der weniger neue Produkte nachgefragt werden. Es sei deshalb notwendig, dass das marktwirtschaftliche System als solches aufgegeben werde.

 

Diese Argumentation folgt einem Denkschema, das im Verlaufe der Neuzeit wiederholt vorgetragen wurde. So wurde z. B. zu Beginn der industriellen Revolution die Einführung von Maschinen in der Maschinenstürmerbewegung bekämpft, aus Furcht, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften drastisch gesenkt werde und auf diesem Wege Massenarbeitslosigkeit entstehe.

 

Diese Befürchtungen haben sich zumindest langfristig nicht bewahrheitet. Anstelle der bisherigen Arbeitsplätze sind neue Arbeitsplätze entstanden, heutzutage besteht sogar eine generelle starke Knappheit an Facharbeitskräften, vor allem aber konnte nur aufgrund dieser technischen Erneuerungen der Wohlstand auch für eine größere Arbeitnehmergruppe erreicht werden.

 

Es ist klar, dass eine Umstellung von einer Wegwerfgesellschaft zu einer Gesellschaft mit grundsätzlichem Rezykling fast aller Rohstoffe eine generelle, alle Bevölkerungsschichten betreffende Anpassung notwendig macht. Als erstes ist es wichtig, dass die Verbraucher selbst bereit sind, die bereits gekauften Produkte solange zu verwenden, als diese noch intakt sind und als nicht neue Produkte wesentliche Verbesserungen vorsehen. Sie müssen auch bereit sein, reparierbare Produkte gegebenenfalls reparieren zu lassen.

 

Besteht diese Bereitschaft, werden sich auch Unternehmungen finden, welche vermehrt Reparaturen anbieten. Notfalls kann der Staat gewisse Starthilfen vorsehen.

 

Genauso wichtig ist aber auch, dass bei der Produktion neuer Produkte die Trennung der einzelnen Rohstoffe beim Recycling-Prozess wesentlich erleichtert wird. Bisher ist gerade die Trennung der einzelnen Rohstoffe im Recycling-Prozess bisweilen äußerst schwierig und kostspielig, was die Umstellung weg von einer Wegwerfgesellschaft erschwert.

 

Langfristig ist aber damit zu rechnen, dass sich genügend Unternehmungen finden werden, welche diese Erfordernisse auch erfüllen werden. Ein Übergang zu einem ganz anderen Wirtschaftssystem ist deshalb nicht notwendig und würde neue Probleme aufwerfen. Nachwievor führt eine weitgehende Konsumfreiheit der Bürger zu hohen Risiken in der Produktion und diese Risiken können nur von Bürgern verkraftet werden, welche über ein größeres Vermögen verfügen.