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Funktionen und Dysfunktionen von Gewinnen

 

 

Gliederung:

 

1. Das Problem

2. Gewinn als Risikoprämie

3. Arbitrage- und Spekulationsgewinne

4. Differentialgewinne

5. Monopolgewinne

6. Kreislaufgewinne

 

 

1. Das Problem

 

Den Gewinnen wird sowohl im Rahmen des Liberalismus wie auch des Marxismus eine zentrale Rolle zugedacht. Wenn Adam Smith, der Begründer des Frühliberalismus, davon spricht, dass in einer freien Marktwirtschaft das Angebot an Gütern wie von einer unsichtbaren Hand am Bedarf der Konsumenten ausgerichtet werde, dass es also keiner lenkenden Hand des Staates bedürfe, um diese Aufgabe sachgerecht zu erfüllen, dann liegt es letzten Endes an den Gewinnen und an dem Bestreben der Unternehmer, einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen, welche zu diesem positiven Ergebnis führen.

 

Es sei dem wechselseitigen Wettbewerb der Unternehmer zu verdanken, dass die Unternehmer immer dann einen Gewinn erzielen, wenn sie ihr Angebot am Bedarf der Konsumenten ausrichten. Denn, wenn die Unternehmer stets nach Senkung der Kosten streben und diese Senkungen in einem verringerten Preis an die Konsumenten weitergeben, erlangen sie einen Wettbewerbsvorsprung vor den anderen Anbietern, was zur Folge hat, dass sich die Konsumenten verstärkt ihren Produkten zuwenden.

 

Und diese Ausrichtung der Produktion am Bedarf der Konsumenten setzt allerdings zweierlei voraus: Erstens, dass ein intensiver Wettbewerb unter den Anbietern besteht und dass sich die Unternehmer darum bemühen, einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen.

 

Für Karl Marx hingegen sind die Unternehmergewinne die eigentliche Schlüsselgröße, welche dafür verantwortlich ist, dass die kapitalistische Gesellschaft zwangsläufig sich selbst zerstört und in einer kommunistischen Wirtschaft endet.

 

Auf allen Märkten, auch auf den Arbeitsmärkten, entspreche der Wert einer Ware ihren Herstellungskosten. Dies gelte also auch für die Ware „Arbeit“. Also entspreche der Lohnsatz dem Existenzminimum, das zur Regeneration der Arbeitskraft notwendig sei. Da aber der Arbeitnehmer mit seiner Arbeitskraft einen höheren Wert erzeuge, falle die Differenz zwischen dem Preis für Arbeit und dem vom einzelnen Arbeitnehmer erzeugten Gesamtwert als Mehrwert dem Unternehmer zu, wobei der Ausdruck Mehrwert dem gängigen Begriff des Gewinnes entspricht.

 

Der Wettbewerb der Unternehmer zwinge nun die Unternehmer, diesen Mehrwert wiederum zur Verbesserung der Produktion im Betrieb zu investieren, Karl Marx spricht in diesem Zusammenhang von der Akkumulation. Und da eine Verbesserung der Produktionstechnik in aller Regel über eine Erhöhung der Kapitalintensität gehe, also pro Produkteinheit immer mehr Kapital und damit immer weniger Arbeit benötigt werde, verschlechtere sich mit zunehmender Entwicklung die organische Zusammensetzung des Kapitals und dies habe zur Folge, dass der Gesamtwert der Produktion mit den geleisteten Arbeitsstunden zurückgehe, da ja nur Arbeit Wert erzeuge. Und mit dem Rückgang der Arbeitsnachfrage werde der Lohn immer mehr auf das Existenzminimum gedrückt.

 

Gleichzeitig führe der Wettbewerb der Unternehmer untereinander dazu, dass immer mehr kleinere Unternehmungen Konkurs gehen und von den größeren Unternehmungen übernommen werden. Es finde also ein Konzentrationsprozess statt, der dazu führe, dass es immer weniger und immer größere Unternehmungen gäbe.

 

Damit seien aber die Voraussetzungen für einen politischen Umsturz gegeben. Auf der einen Seite steige die Bereitschaft der Arbeitnehmer zu einer Revolution, auf der anderen Seite könnten dann die wenig übriggebliebenen Unternehmungen leicht vom Staat übernommen und in eine staatliche Planwirtschaft überführt werden.

 

Gewinne stellen für links orientierte Politiker ein Ärgernis dar, das es zu bekämpfen gilt. Ein erster Versuch hierzu stellt die Besteuerung von Gewinnen dar. Mit dieser Frage befasste sich mein Artikel: ‚Unternehmungsbesteuerung und Gerechtigkeit‘ (siehe Archiv, Finanzpolitik). Ich hatte in diesem Artikel gezeigt, dass die neoklassische Finanztheorie zunächst zu beweisen versucht hatte, dass Gewinnsteuern zu den ganz wenigen Steuerarten gehören, welche nicht auf andere Bevölkerungsgruppen überwälzt werden können.

 

Überwälzung bedeutet weder illegale Steuerhinterziehung noch legale Steuerumgehung, bei denen der Steuerpflichtige keine Steuern entrichtet. Von Steuerüberwälzung spricht man hingegen immer dann, wenn der Steuerpflichtige zwar die geschuldeten Steuern zahlt, aber dennoch in der Lage ist, diese Ausgaben auf andere Marktteilnehmer weiterzuwälzen, z. B. dadurch, dass er die Verkaufspreise um den Betrag der Steuererhöhung ansteigen lässt und damit die Steuerlast auf die Konsumenten weiterwälzt.

 

Im Allgemeinen geht man in der Finanztheorie davon aus, dass Steuern zu einem großen Prozentsatz tatsächlich überwälzt werden können. Für Unternehmer gilt generell, dass sie die Produktion aufgenommen haben, um Einkommen zu erwerben und dies setzt voraus, dass sich zumindest die bei der Produktion entstehenden Kosten im Güterpreis niederschlagen. Ganz generell können wir also unterstellen, dass die Unternehmer in aller Regel auch die Absicht haben, Kosten jeder Art – und dies sind für sie auch die zu zahlenden Steuern – auf den Verkaufspreis aufzuschlagen.

 

Wie steht es aber mit der Möglichkeit, diese Absicht auch in die Tat umzusetzen? De facto hängt das Ausmaß der Steuerüberwälzung entscheidend von der Marktposition der Unternehmer ab und diese Marktposition messen wir an dem Verhältnis von Angebots- und Nachfrageelastizität.

 

Je geringer die Nachfrageelastizität ausfällt, je weniger also mit anderen Worten die Nachfrager in der Lage sind, bei Preissteigerungen auf andere Produkte auszuweichen und somit ihre Nachfrage bei Preissteigerungen einzuschränken, um so stärker ist die Machtposition der Anbieter und damit auch ihre Möglichkeit, die Steuerkosten auf den Preis aufzuschlagen.

 

Entscheidend ist hierbei, dass eine Steuererhöhung für alle inländischen Konkurrenten gleichermaßen gilt, ein Unternehmer kann also im Allgemeinen damit rechnen, dass er dann, wenn er die Steuern auf den Verkaufspreis aufschlägt, trotzdem nicht befürchten muss, auf diesem Wege Kunden an die Mitbewerber zu verlieren, da ja auch diese in gleicher Weise bestrebt sein werden, ihre Steuern ebenfalls zu überwälzen.

 

Warum aber galten nun lange Zeit Steuern auf den Gewinn als nicht überwälzbar? Der Grund liegt darin, dass jede Gewinnsteuer zwar den verbleibenden Nettogewinn schmälert, dass sich aber die Produktionsmenge, bei welcher der Anbieter sein Gewinnmaximum erzielt, hierdurch nicht verändert. Die Ausbringungsmenge, bei welcher der Unternehmer seinen Gewinn maximieren kann, hängt ja entscheidend von der Lage der Nachfragekurve ab und der Verlauf dieser Reaktionskurve verändert sich ja bei Einführung oder Erhöhung der Gewinnsteuer nicht.

 

Mit anderen Worten: Das Verhalten der Nachfrager wird durch den Verlauf der Nachfragekurve bestimmt, eine Preiserhöhung akzeptieren die Käufer nur in dem Maße, in dem sich das Angebot verknappt. Da aber die Erhebung einer Gewinnsteuer nichts daran ändert, bei welcher Produktionsmenge die Unternehmer ihr Gewinnmaximum erzielen, haben die Unternehmer trotz Minderung ihres Nettogewinnes auch keinen Anlass, ihre Produktionsmenge zu vermindern, aber nur in diesem Falle wären sie überhaupt in der Lage, die Gewinnsteuer auf die Abnehmer abzuwälzen.

 

Carl Föhl setzte in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts dieser These die Gegenthese entgegen, dass Gewinnsteuern nicht nur nicht unüberwälzbar seien, sondern dass sogar damit gerechnet werden müsse, dass Gewinnsteuern hundertprozentig überwälzt würden und dass es eben wegen des Versuches, die Gewinne in starkem Maße zu besteuern, überhaupt erst zu diesem Ärgernis: der Inflation in den Preisen und damit auch in den Bruttogewinnen gekommen sei.

 

Dass Carl Föhl zu ganz anderen Ergebnissen über die Frage nach der Überwälzbarkeit von Gewinnsteuern als die Neoklassiker gekommen ist, liegt darin begründet, dass die Neoklassiker ihre Thesen aus einem Mikromodell abgeleitet haben, während Carl Föhl ein gesamtwirtschaftliches Modell zugrunde gelegt hatte. Während in einem Mikromodell die Einführung (oder Erhöhung) einer Gewinnsteuer lediglich die Lage der Kosten- und damit Angebotsfunktion beeinflusst – der mögliche Einfluss auf die Nachfragefunktion wird als zu geringfügig vernachlässigt – zeichnen sich gesamtwirtschaftliche Modelle dadurch aus, dass auch die Einflüsse auf die Nachfrage Berücksichtigung finden.

 

Carl Föhl argumentierte wie folgt: Der Staat, der z. B. durch Einführung einer Gewinnsteuer seine Steuereinnahmen um 1 Mrd. Euro erhöht, wird diese Mehreinnahmen wieder voll verausgaben und damit die Erlöse der Unternehmungen ebenfalls um 1 Mrd. erhöhen. Dies bedeutet jedoch, dass nicht nur die Kosten, sondern auch die Erlöse der Unternehmungen um den gleichen Betrag erhöht werden und dies wiederum bedeutet, dass die Nettogewinnsumme unverändert blieb, die Unternehmer konnten also die Gewinnsteuer voll auf den Güterpreis abwälzen. Und es war die Einführung der Gewinnsteuer, welche dann überhaupt erst zu der Inflation der Bruttogewinne geführt habe.

 

In der anschließenden Diskussion wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die Einführung oder Erhöhung einer Gewinnsteuer die Lage sowohl der Konsum- wie auch der Investitionsfunktion verändern kann und dass es auf diesem Wege sehr wohl möglich werden kann, dass eine vollständige Überwälzung der Gewinnsteuer unmöglich wird. Es bleibt allerdings bei der Feststellung, dass Gewinnsteuern sehr wohl überwälzt werden können, dass nur nicht – wie von Föhl anfänglich unterstellt – mit einer 100 prozentigen Überwälzung gerechnet werden muss.

 

In einem weiteren Artikel über ‚Mehr Gerechtigkeit durch Nivellierung Teil I und II‘ (siehe ebenfalls im Archiv) habe ich weiterhin die Frage untersucht, ob die Nivellierungsbemühungen tatsächlich dazu führen, dass das Realeinkommen der Arbeitnehmer auf lange Sicht erhöht wird. Wir haben gesehen, dass Nivellierungsversuche zumeist dazu führen, dass auf diesem Wege nur für kurze Zeit die realen Lohneinkommen erhöht werden können und dass von einem bestimmten zukünftigen Zeitpunkt ab die Lohneinkommen sogar weniger wachsen als es ohne Nivellierung der Fall wäre.

 

Wir sahen den Grund für diese Entwicklung in zwei Tatbeständen. Da die Sparneigung um so geringer ausfällt, je geringer das Einkommen ist, wird bei einer Nivellierung der Einkommen die gesamtwirtschaftliche Sparsumme und damit auch die Wachstumsrate des Volkseinkommens verringert werden. Dies bedeutet, dass auch die Lohneinkommen weniger schnell wachsen werden.

 

Darüber hinaus hängt das wirtschaftliche Wachstum nicht nur vom Umfang der Kapitalbildung, sondern auch davon ab, in welchem Umfang Risikokapital zur Verfügung gestellt wird. Jede Produktion in einer freien Marktwirtschaft ist mit hohen Risiken verbunden und die Unternehmungen sind nur dann zur Aufrechterhaltung der Produktion bereit, wenn ausreichend Risikokapital zur Verfügung gestellt wird.

 

Auch im Hinblick auf diese Frage hängt der Umfang einer solchen Bereitschaft von der Höhe der individuellen Vermögen ab. Bereitschaft und Möglichkeit, bei der Kapitalanlage Risiken einzugehen, sinkt wiederum in dem Maße, in dem der Einzelne über weniger Vermögen verfügt.

 

Ein hoher individueller Vermögensstand erlaubt, das Kapital zu streuen und gerade dies ermöglicht es, auch riskante Anlagen zu wählen, da damit gerechnet werden kann, dass nicht alle Anlagen zur gleichen Zeit zu Verlusten führen. Wer hingegen nur über eine geringe Vermögenssumme verfügt, kann nicht oder weniger streuen und dies bedeutet, dass im Verlustfalle das gesamte Vermögen verloren geht. Gelingt es also die Vermögen zu nivellieren, so ist die durchschnittliche Vermögensmasse der Vermögenden geringer und damit auch die Risikobereitschaft und mit ihr die zu erwartende Wachstumsrate.

 

Wir wollen nun unsere Analyse der Gewinne fortsetzen, in dem wir für die einzelnen Gewinnarten überprüfen, inwieweit sie die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt fördern oder aber auch behindern. Wir wollen hierbei die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt als Summe der individuellen Wohlfahrt einer Bevölkerung verstehen, wobei allerdings nur dann von Wohlfahrtssteigerungen gesprochen werden soll, wenn die in der Wirtschaftsordnung festgelegten Werte nicht verletzt werden.

 

Als erstes müssen wir uns allerdings noch etwas ausführlicher mit dem Begriff: Gewinn auseinandersetzen. Nicht alle Einnahmen eines Unternehmers werden in gleichem Sinne als Gewinn verstanden, wie dies z. B. für die Einnahmen gilt, welche ein Arbeitnehmer von seinem Arbeitgeber für seine Arbeitsleistung erhält. Im Allgemeinen gilt der ausbezahlte Lohn restlos als Lohneinkommen. Es ist sogar so, dass der Arbeitgeber vom Bruttolohn bereits die Lohnsteuer sowie die Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung vorweg abzieht, sodass der dem Arbeitnehmer ausgezahlte Lohn das Nettolohneinkommen (das privat verfügbare Lohneinkommen) des Arbeitnehmers darstellt.

 

Anderes gilt für die Gewinneinkommen. Die Einnahmen, welche ein Unternehmer beim Verkauf seiner Produkte erzielt, sind in seiner Gesamtheit noch kein Einkommen, es sind die Verkaufserlöse. Von diesen Einnahmen sind als erstes die Ausgaben abzuziehen, die den Unternehmern dadurch entstehen, dass sie zur Produktion Rohstoffe und Halbfabrikate benötigen, dass sie Zinsen und Pachten an die Kapitalgeber und Grundstücksbesitzer und vor allem Löhne an die Beschäftigten zu zahlen haben. Nur das, was nach diesen Abzügen übrigbleibt, gilt als das Einkommen eines Unternehmers.

 

Aber auch diese Einkommen enthalten zumeist Teile, die nicht zum Gewinn im engeren Sinne gerechnet werden können. Prinzipiell gilt, dass ein Unternehmer die für die Produktion benötigten Produktionsfaktoren wie Arbeit, zur Verfügungsstellung von Grundstücken sowie Kapital zum Teil auch selbst erbringen kann, in diesem Falle sprechen wir vom Unternehmerlohn für erbrachte Arbeit, von Eigenzinsen für das Eigenkapital sowie von einer fiktiven Miete für die selbst zur Verfügung gestellten Grundstücke. Erst wenn wir diese Posten vom Einkommen der Unternehmer abgezogen haben, bleibt als Restgröße der Gewinn im engeren Sinne des Wortes übrig.

 

 

2. Gewinn als Risikoprämie

 

Nun gibt es in einer Marktwirtschaft unterschiedliche Tatbestände und Leistungen der Unternehmer, welche einen Gewinn herbeiführen. Als erstes kann ein Gewinn dadurch entstehen, dass der Unternehmer ein Risiko übernimmt. Ein Unternehmer bezweckt mit seinen Entscheidungen Erlöse, er macht sich Gedanken über die zu erwartende Höhe dieser Erlöse, er kann aber in aller Regel nicht sicher sein, dass der erhoffte Ertrag auch tatsächlich eintritt.

 

Nun lassen sich zwar viele Risikotatbestände versichern, in diesem Falle übernimmt nicht der Unternehmer das erwartete Risiko, dieses wird vielmehr von einer Versicherung übernommen, welche für diese Leistung mit einem Versicherungsbeitrag bezahlt wird.

 

Aber es ist in einer Marktwirtschaft nicht möglich, alle mit einer Produktion verbundenen Unsicherheiten versichern zu lassen, es bleibt für den Unternehmer immer ein Restrisiko, das er selbst tragen muss und für dessen Übernahme er bei Erfolg eine Art Risikoprämie mit seinem Gewinneinkommen erwarten kann. Die Bezeichnung ‚Restrisiko‘ deutet allerdings nicht an, dass es sich hierbei nur um einen kleinen Anteil des Gesamtrisikos handelt. Ganz im Gegenteil muss zumeist davon ausgegangen werden, dass dieses Restrisiko sogar den größten Teil des Gesamtrisikos ausmacht.

 

Ein allgemeines vom Unternehmer zu tragendes Risiko entsteht vor allem im Zusammenhang mit Erfindungen (Innovationen). J. A. Schumpeter spricht sogar in diesem Zusammenhang nur dann von Unternehmern, wenn diese Innovationen durchführen. Die Wohlfahrt einer Bevölkerung wird vor allem dadurch gesteigert, dass neue Technologien und neue, bisher unbekannte Produkte eingeführt werden.

 

Hingegen werden Produzenten, welche sich bei gleichbleibender Produktionstechnik darauf beschränken, die Produktionsfaktoren einzukaufen, die gleichbleibende Produktion durchzuführen und die Waren zu verkaufen, von Schumpeter als ‚Wirte‘ bezeichnet.

 

Gewinne entstehen bei Innovationen vor allem dadurch, dass der Erfinder eine gewisse Zeit seine Erfindung als einziger Produzent anbietet, dass also diese Güter ausgesprochen knapp sind und deshalb einen hohen Preis erzielen können. Der vorübergehende Patentschutz verhindert, dass dem Erfinder sehr schnell Konkurrenz entsteht, aufgrund derer Preissenkungen und damit auch Gewinnschmälerungen zu erwarten wären. Aber auch ohne Patentschutz verginge eine gewisse Zeit, bis andere Unternehmungen in der Lage wären, mit diesen neuen Technologien zu produzieren oder neue Produkte anzubieten.

 

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass ein Großteil der Erfindungen (keineswegs alle!) im Allgemeinen die Wohlfahrt einer Bevölkerung erhöhen, auch dann, wenn man einräumen muss, dass in Folge dieser Erfindungen oftmals auch Beeinträchtigungen einhergehen. Es ist dann aber eher Aufgabe der Politik, diese Beeinträchtigungen zu bekämpfen, als die Innovationen insgesamt zu verbieten.

 

Allerdings scheint mir eine Korrektur des gegenwärtigen Patentrechtes notwendig. Der Patentschutz ermöglichte unbestritten einen enormen technischen Fortschritt. Nur weil es einen Patentschutz gab, waren Unternehmer, welche eine Innovation durchführen wollten, davor geschützt, dass nach Abschluss der Erkundigungsphase Konkurrenten auftauchen, welche diese Verfahren imitieren, ohne die hohen Entwicklungskosten zu zahlen und welche gerade deshalb die Möglichkeit hatten, durch Preissenkungen die Innovatoren aus dem Markt zu drängen.

 

Der Patentschutz hat während der geschützten Zeit eine Verminderung des Wettbewerbes zur Folge, man sah darin den notwendigen Preis, der zu zahlen sei, da ja die Ausschaltung des Wettbewerbes nur vorübergehend erfolge. Aber gerade diese Annahme war falsch.

 

Gerade wegen des Patentschutzes und aus anderen Gründen war der technische Wandel in den letzten Jahrzehnten so rasant verlaufen, dass nach Auslaufen des Patentschutzes die geschützten Güter zumeist bereits durch neue Erfindungen verdrängt wurden. Dies bedeutet jedoch, dass durch den Patentschutz der Wettbewerb auf Dauer eingeschränkt wurde und damit eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen funktionierenden Markt aufgehoben oder zumindest stark verringert wurde.

 

Das mit der Einführung des Patentschutzes verfolgte Ziel lässt sich jedoch auch auf andere Weise sicher stellen, und zwar dadurch, dass man für die Patente die Vergabe von Lizenzen vorschreibt. In diesem Falle wird verhindert, dass Imitatoren Verfahren anwenden können, ohne sich an den Entwicklungskosten zu beteiligen, sie haben sich ja über die Lizenzgebühr an den Entwicklungskosten zu beteiligen, trotzdem bleibt der Wettbewerb erhalten.

 

Das derzeitige Patentrecht sieht sogar eine solche Lizenzvergabe vor, falls es das öffentliche Interesse verlange, nur dass offensichtlich die Rechtsprechung in der Vergangenheit in der Verringerung des Wettbewerbes bisher fälschlicher Weise keine essentielle Gefährdung des marktwirtschaftlichen Systems gesehen hat. Es bedürfte also gar keiner Änderung der Gesetzgebung, es wäre ausreichend, wenn die Rechtsprechung diesem Erfordernis besser als bisher entsprechen würde.

 

 

3. Arbitrage- und Spekulationsgewinne

 

Wenden wir uns nun einer zweiten Gewinnart zu, den Gewinnen, welche aus Arbitrage sowie Spekulation entstehen. Unter Arbitrage verstehen wir eine Tätigkeit eines Produzenten, welcher nach Preisdifferenzen bei gleicher Qualität Ausschau hält und aus diesen Differenzen Gewinn zieht. Er kauft die Waren mit den geringeren Preisen auf und verkauft sie dann zu einem Preis, der vielleicht etwas unter dem höchsten Preis liegt, aber in etwa diesem höheren Preis entspricht.

 

Darin kann in der Tat eine geringfügige Leistung gesehen werden. Auf diese Weise profitieren auch die Verbraucher, die sich sonst vielleicht mit den höheren Preisen zufrieden gegeben hätten, sie erreichen einen gewissen Preisnachlass, ohne dass sie in einem ersten Schritt Erkundungen über das Angebot mit dem geringsten Preis gezogen haben, sie ersparen sich also die Kosten dieser Exploration und zahlen dadurch einen Preis, da ja der Arbitrage betreibende Produzent diese Ware nicht zu seinem Einkaufspreis weiter verkauft.

 

In dieser Tätigkeit kann auch ein gewisser gesamtwirtschaftlicher Gewinn gesehen werden, da ja der Produzent, der Arbitrage betreibt, sich spezialisieren kann und damit diese Aufgabe effizienter lösen kann als der jeweilige Konsument. Natürlich ist dieser Gewinn begrenzt, gerade deshalb wird der Produzent ja in diesem Falle entsprechend der von Schumpeter eingeführten Terminologie auch nur als ‚Wirt‘ bezeichnet.

 

Aber diese Gewinne sind berechtigt, da Preisunterschiede zumeist dadurch entstehen, dass Datenänderungen eintreten, ein Gut wird z. B. knapper, diese Veränderungen in der Knappheitslage führt zu einer entsprechenden Veränderungen in den Preisverhältnissen, welche ein Optimum garantieren. Trotzdem braucht es Zeit, bis sich diese Anpassungen vollzogen haben.

 

Der Wirt verkürzt diesen Zeitraum, die Nachfrage richtet sich somit aufgrund dieser Arbitrage schneller als sonst an diesen Datenveränderungen aus und dies verringert den Zeitraum, in dem die Nachfrage trotz größerer Knappheit, eben wegen der zu niedrigen Preise unverändert bleibt und auch das Angebot noch keinen Anreiz hat, wegen der Verknappung die Produktion auszuweiten und somit die Knappheit zu überwinden.

 

Wir können also in der Tat von einem gewissen volkswirtschaftlichen Nutzen sprechen, dieser hält sich allerdings in Grenzen, aber auch die Gewinne aus der Arbitrage halten sich in Grenzen und sind auch nur von kurzer Dauer, da ja die Preisdifferenzen eben durch die Arbitrage von selbst abgebaut werden.

 

Wir hatten die Preisdifferenzen damit erklärt, dass aufgrund aufgetretener Knappheit die Preise ansteigen. Was gilt für den umgekehrten Fall, dass z. B. wegen Verringerung der Nachfrage die Preise sinken, dies jedoch ebenfalls nicht im selben Augenblick bei allen Produzenten eintritt und somit für eine gewisse Übergangszeit ebenfalls Preisdifferenzen entstehen?

 

Hier liegen die Verhältnisse etwas komplizierter. Zwar kann ein Unternehmer auch hier mit Arbitrage Gewinne erzielen, indem er die Waren mit schon niedrigeren Preisen aufkauft und sie wiederum mit höheren Preisen zu verkaufen versucht. Ganz im Gegensatz zu dem ersten Beispiel (Preis steigt!) erzielt hier der Unternehmer seinen Gewinn dadurch, dass er die Ware zunächst verknappt und auf diese Weise einen höheren Preis erzielen kann.

 

Die zentrale Aufgabe des Wirtschaftssystems besteht jedoch in der Bewältigung von Knappheit und jeder Versuch eines Unternehmers, durch künstliche Verknappung Gewinne zu erzielen, ist kontraproduktiv. Ganz im Gegensatz zum ersten Beispiel wird hier also der Anpassungsprozess verzögert und dies bedeutet volkswirtschaftlich die Erhöhung von Reibungsverlusten.

 

Die beste Strategie liegt darin, dass die Konsumenten diese Verkäufer dadurch abstrafen, dass sie ihre Nachfrage anderen Produzenten zuwenden. In diesem Falle würde die Arbitrage zu Verlusten führen, das beste Mittel, um diese dysfunktionalen Praktiken zum Verschwinden zu bringen.

 

Eine besondere Art von Arbitrage liegt bei der Spekulation vor. Wer spekuliert, berücksichtigt bei seinen wirtschaftlichen Entscheidungen nicht nur den augenblicklichen Preis, er erweitert vielmehr seinen Horizont dadurch, dass er auch nach der Preisentwicklung der nächsten Perioden fragt und überprüft, ob er auf diese Weise seinen Nutzen vergrößern kann, dass er z. B. bereits heute Waren kauft, welche er erst in der nächsten Periode benötigt.

 

Wenn z. B. erwartet wird, dass der Preis eines Gutes in der nächsten Periode steigt und dieses Gut lagerfähig ist, dann lohnt es sich für einen Konsumenten, dieses Gut bereits heute zu kaufen, da heute der Preis noch niedriger ist als in der nächsten Periode, weiterhin dieses Produkt zu lagern und es erst in der nächsten Periode – wie vorgesehen – zu konsumieren.

 

Wenn umgekehrt eine Reduzierung des Preises für die nächste Periode erwartet wird, dann kann ein Konsument unter Umständen seinen Nutzen dadurch vergrößern, dass er seinen Konsum falls möglich auf die nächste Periode aufschiebt. Er könnte seinen Nutzen auch dadurch vergrößern, dass er in der Vergangenheit, als die Preise noch niedriger als heute lagen, diese Waren damals gekauft und auf Lager gelegt hätte. Auch hier wäre Voraussetzung, dass dieses Gut überhaupt lagerfähig ist.

 

Unsere bisherigen Überlegungen bezogen sich auf das Verhalten von Konsumenten. Da ein solches Verhalten zumeist den Nutzen der Betroffenen vergrößert, liegt in diesem spekulativen Verhalten ein volkswirtschaftlicher Gewinn und ist deshalb ganz allgemein zu begrüßen.

 

Wenn allerdings in der Öffentlichkeit spekulatives Verhalten verurteilt wird, bezieht man sich nicht auf das Verhalten von Konsumenten, sondern von Produzenten. Auch Produzenten können gewinnbringend spekulieren. Genauso wie die Konsumenten kaufen sie Güter bereits heute auf, wenn eine Preissteigerung für die nächste Periode erwartet werden kann. Im Gegensatz zu den Konsumenten kaufen sie diese Güter allerdings nicht für den eigenen Verbrauch auf, sondern beabsichtigen, diese Güter in der nächsten Periode zu einem höheren Preis absetzen zu können und damit aus dieser Preisdifferenz einen Gewinn zu erzielen.

 

Wie ist ein solches Verhalten zu beurteilen? In der Öffentlichkeit wird diese Art Spekulation oftmals verurteilt, weil der Spekulant sozusagen die günstigen noch billigen Waren den Konsumenten wegschnappt und somit die Konsumenten zwingt, diese Waren bereits heute zu den an für sich erst morgen höheren Preisen zu erwerben.

 

Genau genommen erweisen die Spekulanten in diesen Fällen jedoch der Volkswirtschaft genau den gleichen Dienst wie in den oben beschriebenen positiv beurteilten Arbitragefällen. Auch hier steigt der Preis in Zukunft aufgrund einer zunehmenden Knappheit der Güter, auch hier erfordert diese Veränderung in der Knappheit, dass sich Angebot und Nachfrage möglichst schnell an die veränderte Datenlage anpassen und dieser Anpassungsprozess wird durch die Spekulation der Unternehmer verkürzt. Damit werden also wiederum die volkswirtschaftlichen Reibungsverluste verringert.

 

Wie ist es aber zu beurteilen, wenn sich die Spekulanten nicht darauf beschränken, die Ware aufzukaufen und sofort wiederum zu einem höheren Preis zu verkaufen, sondern die Ware zurück halten, um dann in der nächsten Periode einen noch höheren Preis zu erzielen? Hier verknappt der Spekulant Waren und jede künstliche Verknappung stellt einen volkswirtschaftlichen Verlust dar und ist deshalb zu verurteilen.

 

Allerdings ist es in diesem Falle vorteilhafter, wenn alles getan wird, um die Knappheit zu beseitigen. Nehmen wir den Vorwurf, dass Spekulanten Grundstücke aufkaufen, sie aber nicht für die Bebauung bereits heute einsetzen, sondern darauf spekulieren, diese Grundstücke in den nächsten Perioden zu einem dann noch höheren Preis weiter verkaufen zu können.

 

Diese Strategie hilft den Spekulanten jedoch nur dann, wenn die Grundstücke knapp gehalten werden. Es ist Aufgabe der Gemeinden, jeweils soviel Grundstücke zur Bebauung freizugeben, wie auch nachgefragt werden. Kommen die Gemeinden dieser Verpflichtung nach, fällt die Spekulation in sich zusammen, da in diesem Falle auch niemand bereit sein wird, Grundstücke mit überhöhten Preisen zu erwerben. Ein ausreichendes Angebot an bebaubaren Grundstücken ist die beste Voraussetzung, die Grundstückpreise auf die Höhe zu bringen, welche der Knappheit entspricht.

 

Ein besonderer Fall bei der Beurteilung spekulativer Geschäfte liegt dann vor, wenn der Spekulant nicht Erhöhungen, sondern Reduzierungen im Preis für die Zukunft erwartet. Wie ist eine solche Art Spekulation überhaupt möglich?

 

Nehmen wir den Fall, dass ein Spekulant es auszunutzen versucht, aus dem erwarteten Kursverlust einzelner Wertpapiere Gewinn zu schlagen. Er verkauft zum heutigen Zeitpunkt, in dem der Wertpapierkurs noch relativ hoch ist, zu dem heute geltenden Kurs Wertpapiere für die zukünftige Periode (Termingeschäft), wobei er diese Wertpapiere noch gar nicht besitzt, sondern erst in der zukünftigen Periode für einen dann erwarteten niedrigeren Preis zu erwerben versucht.

 

Im Gegensatz zu der oben besprochenen, gesamtwirtschaftlich positiv zu beurteilenden Spekulation, liegt in diesem Falle eine unerwünschte Spekulation vor. Zwar wird aufgrund des heutigen vermehrten Angebotes der Kurs tendenziell fallen, da aber keinesfalls sicher damit gerechnet werden kann, ob der Spekulant in der zukünftigen Periode die Wertpapiere in dem erforderlichen Ausmaß erwerben kann, handelt es sich hierbei um eine äußerst riskante Transaktion.

 

Auch eine solche Handlung könnte aus gesamtwirtschaftlicher Sicht noch hingenommen werden. Besonders verwerflich wird diese dann, wenn diese Wette auf den Kursverfall so ausgestaltet wird, dass der Spekulant Zertifikate kreiert und diese an andere verkauft, um auf diese Weise das mit diesem Geschäft verbundene Risiko auf andere abzuwälzen, die sich zumeist gar nicht dieses überhöhten Risikos bewusst sind.

 

Ein weiterer Fall einer volkswirtschaftlich unerwünschten Spekulation liegt bei den sogenannten destabilisierenden Spekulationen vor. So wirkte vor allem während des Systems fester Wechselkurse (IWF und EWS) eine Spekulation auf eine Ab- oder Aufwertung destabilisierend.

 

In einem System fester Wechselkurse ist es Aufgabe der Notenbanken, durch Ankauf und Verkauf von Devisen den offiziell festgesetzten Wechselkurs zu halten. Ist z. B. die private Nachfrage nach Devisen aufgrund eines Importüberschusses größer als das Angebot, dann würde ohne Intervention der Notenbanken der Währungskurs des Landes mit dem Importüberschuss sinken. Um dies zu verhindern, hat die Notenbank des Importlandes im Rahmen eines Systems fester Wechselkurse Devisen in dem Umfang anzubieten, dass das Gesamtangebot an Devisen der Nachfrage entspricht und der Devisenkurs stabil bleibt.

 

Wenn nun die eigene Inflationsrate auch auf lange Sicht die der Partnerländer übersteigt, führt dies bei freiem Handel zu einem permanenten Mangel an Devisen, mit denen die Importe zu bezahlen sind. In diesem Falle müsste also auch die Notenbank des Importlandes in jeder Periode Devisen anbieten. Damit stößt jedoch die Notenbank an ihre Grenzen, sie kann nicht mehr Devisen anbieten als sie zuvor durch Exportüberschüsse erworben hatte. Also kommen die Staaten mit dem Devisenbilanzdefizit gar nicht darum, über kurz oder lang ihre Währung abzuwerten.

 

In einem solchen Fall lohnt es sich, auf eine Abwertung zu spekulieren, also die Währung des Landes, welche in diesem Zusammenhang aufgewertet würde, zu kaufen, um sie dann mit Gewinn nach der Währungskursänderung wiederum zu verkaufen.

 

Eine solche Spekulation ist nun für den einzelnen Spekulanten fast risikolos, da fest damit gerechnet werden kann, dass diese Währungskorrektur alsbald erfolgt, unsicher ist allenfalls, ob diese Abwertung in der nächsten oder erst in einer der folgenden Perioden erfolgt. Gerade wegen dieser hohen Sicherheit ist auch damit zu rechnen, dass in Zeiten vor einer Währungskorrektur in großem Umfang spekuliert wird und dass sich auch Laien, welche im Gegensatz zu Börsenmaklern die zu erwartende Entwicklung gar nicht richtig einschätzen können, an dieser Spekulation beteiligen.

 

In diesem Falle sehen sich die Notenbanken gezwungen, sehr viel schneller und häufiger und in stärkerem Umfang Währungskorrekturen vorzunehmen als sie ohne diese Spekulationen nötig gehabt hätten. Das System verliert auf diese Weise an Stabilität, es kommt aufgrund der Spekulation zu stärkeren Wechselkursschwankungen, das Gegenteil dessen, was eigentlich mit der Einführung eines Systems fester Wechselkurse beabsichtigt war.

 

Man spricht hier deshalb von destabilisierenden, volkswirtschaftlich unerwünschten Spekulationen und gerade diese unerwünschte Wirkung hatte Tobin veranlasst, eine Spekulationssteuer (die sogenannte nach ihm benannte Tobinsteuer) vorzuschlagen.

 

Allerdings würde bei der Einführung einer solchen Steuer gewissermaßen das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, da auf diesem Wege nicht nur die destabilisierende, sondern zugleich auch die stabilisierende und volkswirtschaftlich erwünschte Spekulation unterbunden bzw. erschwert würde.

 

Sehr viel erfolgreicher dürfte es sein, wenn man zu Spekulationsgeschäften an Börsen nur Börsenmakler zulässt, welche in Börsengeschäften ausgebildet sind und im Allgemeinen auch über die Kenntnisse verfügen, welche für erfolgreiche Spekulationsgeschäfte notwendig sind.

 

Dass Spekulationsgeschäfte oftmals destabilisierend wirken, hängt in erster Linie damit zusammen, dass sich an diesen Geschäften auch Laien beteiligen, welche nicht über die notwendigen Kenntnisse für Spekulationsgeschäfte verfügen und deshalb falsche Entscheidungen treffen.

 

Nehmen wir als Beispiel die Zerstörung des World Trade Centers im Jahre 2001. Dieser terroristische Akt führte kurzfristig aufgrund panischer Reaktionen zu einem enormen Kurssturz nahezu aller an den Börsen gehandelten Wertpapiere, obwohl diese Zerstörung die gesamtwirtschaftlichen Knappheitsverhältnisse kaum negativ beeinflusst hatte.

 

Nur weil Laien, welche aus Unkenntnis über die Ursachen von Kursveränderungen von der Annahme ausgingen, dass dieser terroristische Akt notwendiger Weise zu einem langfristig anhaltenden allgemeinen Kursverfall führen müsse, verfielen sie in Panik und verkauften ihre Wertpapiere und lösten gerade auf diese Weise diesen anfänglichen starken Kursverlust aus.

 

Die Börsenmakler hingegen, welche sich bewusst waren, dass diese Kursverluste nur kurzfristig anhalten würden, spekulierten auf einen baldigen Wiederanstieg der Kurse und kauften deshalb Wertpapiere zu dem vermindernden Kurs auf und trugen gerade aufgrund dieser Spekulation zu einer Verminderung des Kursverfalls bei. Wir können also davon ausgehen, dass der Versuch, nur Börsenmaklern mit Grundwissen über die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge der Kursbewegungen der Zutritt zu den Börsen erlaubt wird, ein sehr viel effizienteres Mittel darstellt, gesamtwirtschaftlich unerwünschte Spekulationen zurückzudrängen.

 

Fortsetzung folgt!