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Der Traum vom ewigen Leben

 

 

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Gliederung:

 

1. Einführung

2. Bestimmungsgründe der Lebenserwartung

3. Die Haltung der Religionen

4. Erstes Problem:   Ausreichende Versorgung?

5. Zweites Problem: Probleme der Altersversorgung

6. Drittes  Problem: Das Problem der Überalterung

7. Viertes Problem:  Eine Welt ohne Unsicherheit?

8. Verlängerung des Lebens um jeden Preis?

9. Schlussfolgerungen

 

 

 

 

1. Einführung

 

Der Traum vom ewigen Leben gehört auf der einen Seite zu den ältesten und auch wohl am sehnlichsten herbeigeführten Wünschen der Menschheit, aber auf der anderen Seite auch zu den Sehnsüchten, welche – zumindest bis vor Kurzem – als unerfüllbar angesehen wurden. Es galt bis zu dem heutigen Tag zu den schmerzlichsten, aber unwiderlegbaren Tatsachen, dass der Mensch sterben muss und zwar nicht nur im Allgemeinen, welches durchaus auch Ausnahmen zulässt, sondern buchstäblich für Jeden, ohne jede Ausnahme.

 

Es nimmt deshalb auch nicht Wunder, dass sich die Heiligen Schriften der verschiedenen Religionen und die klassischen Mythen mit diesem Thema ausführlich befassen. So erfahren wir z. B. in der Heilgen Schrift des Judentums und der Christen, dass den Menschen anfangs tatsächlich von Gott bestimmt war, im eigens von Gott für die Menschen geschaffenen Paradies ewig zu leben, dass sie aber durch Ungehorsam diese Aussicht verspielt haben und aus dem Paradies vertrieben wurden. Damit war aber der Traum vom ewigen Leben nicht ausgespielt, denn zumindest nach dem christlichen Glauben geht der gottfürchtige Mensch nach seinem Tode am Ende der Zeiten in das Himmelreich ein, wo er mit Gott für ewig als vom menschlichen körper befreite Seele weiter besteht.

 

Aber auch die nicht religiös motivierten Mythen behandeln das Thema der Sterblichkeit. So gibt es in den altgriechischen Mythen immerhin die Götter, welche im Gegensatz zu den Menschen, den Sterblichen, unsterblich sind. In der ägyptischen Geschichte des Altertums sterben zwar die Pharaonen eines natürlichen Todes, leben aber dann als zu Göttern erhoben – für die Menschen unsichtbar – ewig weiter.

 

In dem Spielfilm von Russell Mulcahy aus dem Jahr 1986 über den Highländer gibt es sogar eine kleine Gruppe Unsterblicher unter den Menschen. Mit dem ersten gewaltsamen Tod wird die Unsterblichkeit bei diesen Auserwählten wirksam; fortan altern sie nicht mehr, können allerdings keine Kinder zeugen und nur durch Enthauptung getötet werden. Sie bekämpfen sich in der Folge gegenseitig, um die Kräfte aller Unsterblichen in sich zu vereinen und die Welt zu beherrschen. Nur einer von ihnen kann schließlich überleben, um am Ende die gesammelte Kraft anwenden zu können.

 

Wenn die Menschen schon allgemein als sterblich gelten, aber den Wunsch haben, unsterblich zu sein, wollen sie auch wissen, warum eine Unsterblichkeit nicht möglich ist, bzw. bis vor Kurzem als unmöglich gegolten hatte. Der nichtreligiöse Mensch ist mit der Antwort der Bibel nicht zufrieden, er versteht nicht, weshalb er – viele Generationen nach der Entstehung der ersten Menschen – die Sterblichkeit als Strafe seiner Ureltern hinnehmen soll.

 

Die Wissenschaft hat es sich schon seit jeher zur Aufgabe gemacht, nach den Ursachen des menschlichen Seins und Vergehens zu fragen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass im Rahmen der Wissenschaften schon längst die Frage diskutiert wurde, woran es denn liegt, dass der Mensch ohne bisherige Ausnahmen eines Tages stirbt.

 

Der wohl wichtigste Grund dafür, dass alle Menschen eines Tages sterben müssen, wird im Rahmen der Wissenschaften damit erklärt, dass die alltäglichen Mühen, denen die Menschen ausgesetzt sind, zu einer Abnutzung nahezu aller menschlichen Organe führen und dass dem menschlichen Körper offensichtlich die Fähigkeit abgeht, immer dann, wenn einzelne Körperteile absterben, diese sofort wiederum durch neue Organe zu ersetzen.

 

Es ist dann wie bei einer Lampe, die mit tausenden dünnen Fäden an einer Decke hängt und bei der mit der Zeit aufgrund zahlreicher Erschütterungen immer wieder ein einzelner Faden reißt, wobei die Kraft der übrig gebliebenen, heilen Fäden zunächst immer noch ausreicht, um die Lampe zu halten. Aber wenn immer wieder ein weiterer Faden reißt, sind die übrig gebliebenen heilen Fäden eines Tages nicht mehr in der Lage, die Lampe zu halten und die Lampe fällt dann zu Boden, dem äußeren Anschein nach aufgrund einer kleinen unscheinbaren Ursache, beim x-ten Abriss eines Fadens hielt die Lampe noch und nur wegen des Abrisses eines einzigen weiteren Fadens fällt die Lampe schließlich auf den Boden.

 

Dieses Beispiel erklärt dann auch, warum zwar jeder Mensch eines Tages stirbt, die tatsächliche Lebensdauer bei den einzelnen Menschen jedoch trotzdem variiert, einzelne Menschen sterben bereits bei der Geburt, der Mensch, dem in der heutigen Zeit bisher das längste, zumindest bekannte Leben beschert war, wurde immerhin 135 Jahre.

 

Man kann diese unterschiedliche Lebenszeit der einzelnen Individuen vor allem auf zwei unterschiedliche Entwicklungen zurückführen. Auf der einen Seite wissen wir, dass sich die genetischen Erbanlagen unterscheiden (gerade aus diesem Grunde können wir auch einzelne Individuen über einen DNS-Test eindeutig identifizieren), deshalb dürften die einzelnen menschlichen Organe auch eine unterschiedliche Widerstandskraft aufweisen. Auf der anderen Seite sind jedoch die einzelnen Menschen während ihres Lebens auch unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt, beide Tatbestände haben dann zur Folge, dass die tatsächliche Lebensdauer bei jedem Menschen unterschiedlich ausfällt.

 

Aber warum reichen die menschlichen Erbanlagen nicht aus, um abgestorbene Körperteile wiederum zu ersetzen? Diese Tatsache erscheint vor allem deshalb für verwunderlich, da ja die Erbanlagen eines jeden Menschen doch die Informationen für die Erzeugung jedes menschlichen Organs enthalten, schließlich entwickelte sich ja der menschliche Embryo nach der Befruchtung einer weiblichen Eizelle mit einem männlichen Samen eben aufgrund dieser in jeder DNA vorhandenen Informationen über die Bildung menschlicher Organe.

 

In ganz seltenen Fällen ist der menschliche Körper ja auch in der Lage, Organe zu ersetzen, so erhält jeder Mensch nach Absterben der ersten Zähne in frühen Kindheitsjahren zweite Zähne. Warum sind die menschlichen Erbanlagen nicht in der Lage, z. B. dritte Zähne zu entwickeln, wenn ein zweiter Zahn gezogen werden muss und überhaupt, warum lässt sich diese Methode, einen zweiten Zahn zu entwickeln nicht auf alle anderen Organe übertragen, obwohl doch die Erbanlagen die Informationen zur Bildung aller menschlichen Organe enthalten?

 

Und wenn wir uns in der Tierwelt umsehen, gilt zwar generell auch für die Tiere, dass diese sterblich sind, es gibt jedoch von dieser Regel hier tatsächlich einige wenige Ausnahmen. So kennen wir Lebewesen auf niedrigsten Niveau, welche tatsächlich in der Lage sind, abgestorbene Körperteile zu ersetzen. So ist z. B. von dem Plattenwurm bekannt, dass er dann, wenn man den hinteren Teil seines Körpers abschneidet, dieser Teil wiederum nachwächst.

 

Eine ganz neue Situation entstand in dem Augenblick, in dem die DNA der Menschen nicht nur entschlüsselt war, sondern auch erste erfolgreiche wissenschaftliche Versuche unternommen wurden, defekte DNA-Ketten zu entfernen und durch gesundes DNA-Material zu ersetzen. Nun träumen einige Zukunftsforscher von der Möglichkeit, das Erbmaterial der Menschen so zu verändern, dass die Menschen gar nicht mehr sterben müssen. Von der Idee bis zur Verwirklichung ist aber auch hier ein sehr weiter Weg und es ist keinesfalls bereits erwiesen, dass ein solches Experiment je gelingen wird.

 

Unabhängig jedoch von der Frage, wie realistisch solche Träume vom ewigen Leben sind, entsteht die ganz andere Frage, wieweit denn solche Pläne überhaupt wünschenswert sind. Wenn eine Person, welche an Nierenversagen leidet und ohne Transplantation einer fremden Niere dem sicheren Tod geweiht gewesen wäre, nun aufgrund der ihr eingepflanzten Niere weiterleben und damit ihr Leben verlängern kann, besteht kein Zweifel, dass es sich hierbei um eine durch und durch erwünschte Operation handelt.

 

Fragen wir jedoch, ob es angesichts der großen Gruppe von Menschen, welche aufgrund der Verlängerung der allgemeinen Lebenserwartung nun gegenüber ihren Großeltern zwar fast 10 Jahre länger leben können, aber de facto ein lebensunwürdiges Leben verbringen, täglichen Schmerzen ausgesetzt sind, weder allein essen noch die Notdurft verrichten können und auch jede Freude am Leben verloren haben und deshalb die hoffentlich baldige Erlösung ersehnen, ob diese Art von Lebenserwartung überhaupt wünschenswert ist und mit allen technischen und politischen Mitteln ermöglicht werden soll.

 

Natürlich hängt diese Frage mit der ganz anderen Frage zusammen, ob wir Menschen überhaupt das Recht haben, über das Ende des Lebens selbst zu entscheiden. Hierbei besteht jedoch ein essentieller Unterschied zwischen der Überzeugung, dass das Leben heilig ist und niemand das Recht hat, Leben, auch das eigene Leben, nicht bewusst zu beenden und der weiteren Frage, ob wir es hinnehmen müssen, dass das Leben der einzelnen Menschen mittels Apparaturen ohne Rücksicht darauf, ob es sich überhaupt um ein menschenwürdiges Leben handelt, verlängert wird, ohne dass wir selbst darüber befinden dürfen, ob wir eine solche künstliche Verlängerung überhaupt wünschen.

 

Zumindest auch führende katholische Moraltheologen haben versichert, dass das christliche Verbot einer Selbsttötung nicht auch verlange, dass der Mensch jeder möglichen künstlichen Verlängerung des Lebens zustimmen müsse. Und dies bedeutet, dass wir den Hippokrates-Eid des Arztes und damit jede technisch mögliche Verlängerung eines Lebens ohne Rücksicht darauf, ob mit der Verlängerung des Lebens auch eine Verlängerung eines – aus der Sicht des Betroffenen – lebenswerten Lebens verbunden ist, überdenken sollten und dem Einzelnen durchaus auch das Recht zusprechen sollten, einer künstlichen Verlängerung des Lebens zu widersprechen, wenn dieses verlängerte Leben kein lebenswürdiges Weiterleben ermöglicht.

 

Selbstverständlich muss garantiert sein, dass es allein der Betroffene selbst ist, der letztendlich darüber entscheiden kann, ob eine künstliche Verlängerung des Lebens auch dann vorgenommen werden soll, wenn nicht davon ausgegangen werden kann, dass die zusätzlich gewonnenen Lebensjahre auch ein menschenwürdiges Leben garantieren.

 

Aber nicht nur die Frage, ob ein künstlich verlängertes Leben auch zu einem zusätzlichen menschenwürdigen Leben führt, steht zur Diskussion, wenn wir darüber diskutieren, ob Unsterblichkeit wirklich ein erstrebenswertes Ziel darstellt. Könnten wir nämlich eines Tages für den größten Teil der Menschheit ein ewiges Leben garantieren, würden automatisch neue, essentielle Probleme entstehen, welche ihrerseits die Existenz der Menschheit in Frage stellen.

 

So wird schon heute in Frage gestellt, ob wir tatsächlich in der Lage sind, alle Menschen zu ernähren, wenn die Bevölkerung ohne den hier diskutierten Sprung zur Unsterblichkeit in den nächsten Jahrzehnten so ansteigt, wie es aufgrund unserer demographischen Modelle zu erwarten ist. Danach wird die Menschheit zwar nicht unendlich wachsen, sehr wohl aber einem Gesamtumfang von etwa elf Milliarden im Jahre 2100 zusteuern, wobei befürchtet werden muss, dass ohne die Entdeckung revolutionärer Produktionsmethoden schon bei heutigem Wissensstand nicht alle Menschen ausreichend ernährt werden können.

 

Auch ist im Augenblick vollkommen unklar, wie das Problem der Alterssicherung bei Unsterblichkeit des Menschen gelöst werden soll, ist die Bevölkerung doch schon heute angesichts einer Verlängerung des Lebens im Durchschnitt um etwa 10 Jahre gegenüber der Zeit vor dem 2. Weltkrieg nicht bereit, deshalb zur Finanzierung dieser zusätzlichen Lebenszeit einige wenige Jahre mehr erwerbstätig zu arbeiten.

 

Aufgabe dieses Artikels wird es vor allem sein, diese und weitere Probleme zu benennen, die zumindest gelöst sein müssen, bevor man überhaupt ernsthaft darüber diskutiert, ob ein ewiges Leben tatsächlich wünschenswert ist.

 

 

2. Bestimmungsgründe der Lebenserwartung

 

Beginnen wir unsere Analyse damit, dass wir den geschichtlichen Verlauf der Lebenserwartung in den hochentwickelten Ländern verfolgen und uns nach den wichtigsten Bestimmungsgründen für diese Entwicklung fragen. Nachdem im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit die durchschnittliche Lebenserwartung bei etwa 40, 50 Jahren lag und nur wenige die heutige allgemeine Lebenserwartung erreicht haben, konnte die Lebenserwartung in den folgenden Jahrzehnten spürbar erhöht werden, vor allem in den letzten Jahrzehnten ist sie stark angestiegen. So lebt heute ein Deutscher im Durchschnitt bis zu einem Alter von 70 bis 80 Jahren und es ist auch damit zu rechnen, dass dieser Anstieg in den nächsten Jahrzehnten anhält. Es wird sogar vermutet, dass ein beachtlicher Prozentsatz der heute geborenen Babys mehr als 100 Jahre leben wird.

 

Trotzdem kann wohl nicht davon ausgegangen werden, dass das Lebensalter während der gesamten historischen Zeit kontinuierlich angestiegen ist. So wird z. B. im Alten Testament davon gesprochen, dass die Menschen in der Frühzeit mehrere Jahrhunderte gelebt hätten. Allerdings müssen wir uns hierbei darüber klar werden, dass im Altertum zunächst eine andere Zeitrechnung galt, erst allmählich wurde für ein Jahr etwa 365 Tage berechnet. In der vorhistorischen Zeit wurde ein Jahr oftmals mit einem Erntezyklus verbunden und dies bedeutet dann auch, dass ein Jahr im Altertum nur einen Zeitraum von 30 bis 50 % unserer heutigen Jahre betragen hatte.

 

Dass in der Neuesten Zeit die Lebenserwartung so stark ansteigen konnte, hat eine Vielzahl von Ursachen. Zu Beginn des Industriealters starben erstens sehr viele Kinder bereits bei ihrer Geburt. Diese Kindersterblichkeit konnte wesentlich durch Verbesserung der hygienischen Verhältnisse reduziert werden.

 

Zweitens führten die zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen zum Tode vieler vor allem junger Menschen, der Umstand, dass mit ganz wenigen Ausnahmen innerhalb Europas nach dem zweiten Weltkrieg keine größeren Kriege mehr stattfanden, hat dazu beigetragen, dass weniger Menschen in der Blüte ihrer Jahre wegstarben und diese erfreuliche Tatsache hat die durchschnittliche Lebenserwartung auf dem europäischen Kontinent entscheidend erhöht.

 

Drittens hat in den letzten beiden Jahrhunderten auch die Industrialisierung wesentlich zum Verlauf der durchschnittlichen Lebenserwartung beigetragen. Zunächst hat sowohl die Erfindung und Einführung der Kraftfahrzeuge sowie der technischen Produktionsanlagen zu einer Vielzahl von tödlich endenden Unfällen im Straßenverkehr sowie in den Industriebetrieben geführt, in den letzten Jahrzehnten gelang es jedoch die Sicherheit sowohl im Straßenverkehr wie auch in den einzelnen Betrieben entscheidend zu verbessern, sodass die Zahl der durch Unfälle verursachten Todesfälle stark reduziert werden konnte. Hierzu hat sowohl die Entwicklung technischer Verfahren der Unfallvermeidung wie aber auch gesetzgeberische Maßnahmen beigetragen, welche einen verantwortungsvolleren Umgang mit diesen technischen Geräten erzwangen.

 

Viertens trugen aber auch zahlreiche Fortschritte in der Medizin zu einer Verlängerung der durchschnittlichen Lebenserwartung bei. So konnten durch Vorsorgemaßnahmen wie z. B. Impfung viele Seuchen vermieden werden oder es konnte zumindest erreicht werden, dass eine Seuche in geringen Fällen zum Tode führte. Allerdings ist gerade diese Möglichkeit in jüngsten Jahren stark verringert worden, teilweise wegen eines zu leichtfertigen Umgangs mit Impfungen. Die Abtötung von Bakterien und Viren trägt nämlich selbst wiederum dazu bei, dass deshalb, weil es nie gelingt, alle Bakterien zu töten, die widerstandsfähigsten Bakterien überleben, sich vermehren können und gerade deshalb auch gegenüber den Impfungen resistent sind.

 

Weiterhin hat die medizinische Forschung dazu beigetragen, dass Menschen, welche an bestimmten Organen wie Nieren oder auch am Herzen an und für sich tödlich erkrankten, dadurch gerettet werden konnten, dass es gelang, fremde Organe erfolgreich zu transplantieren. Ganz generell haben sich aufgrund medizinischen Fortschritts die Möglichkeiten verbessert, auf dem Wege der Operationen einen frühen Tod abzuwenden.

 

Vertiefte Erkenntnisse über den menschlichen Körper haben es sicherlich auch ermöglicht, allein durch Einnahme von Medikamenten das Leben vieler Erkrankter zu verlängern. Allerdings ist es auf diesem Wege nur in seltenen Fällen möglich, allein durch Einnahme von Medikamenten das Leben zu verlängern. Die meisten Medikamente zeichnen sich dadurch aus, dass immer nur ein Bruchteil der Patienten, welchen diese Medikamente verabreicht werden, tatsächlich von ihrer Krankheit geheilt werden. In Wirklichkeit dürfte dieser Prozentsatz noch geringer sein als empirische Untersuchungen ergeben haben, weil ein beachtlicher Teil der Patienten aufgrund eines Placeboeffektes geheilt wurden und deshalb ihre Krankheit auch dann geheilt worden wäre, wenn ihnen ein Placebo, also ein Medikament ohne jeglichen Wirkstoff, verabreicht worden wäre.

 

Der Grund für diese nur begrenzte Wirksamkeit von Medikamenten muss vermutlich darin gesehen werden, dass der Heilungsprozess in aller Regel eben nicht nur von dem mit den  Medikament vereinnahmten Wirkstoff, sondern von mehreren zusätzlichen Umweltbedingungen (Nebenbedingungen) sowie dem aktiven Verhalten der Patienten, den diese in unterschiedlichem Maße ausgesetzt sind, abhängt.

 

Weiterhin hat es auf medizinischem Gebiet auch eine systematische durch gesetzgeberische Maßnahmen erzwungene Vorsorge ermöglicht, dass insgesamt weniger Krankheiten zum Tode führen. So sehen z. B. die Einrichtungen der gesetzlichen Krankenversicherung vor, dass derjenige, welcher sich einer Vorsorgeuntersuchung unterzieht, gewisse finanzielle Vergünstigungen erfährt.

 

Ganz generell hängt die Lebensdauer schließlich auch vom allgemeinen Konsumverhalten der Bürger ab. Rauchen, übermäßiger Alkoholgenuss, die regelmäßige Einahme von Drogen, aber auch der vermehrte Genuss von Zuckerwaren trug in der Vergangenheit zu einer Verkürzung der Lebensdauer bei und aus den gleichen Gründen könnte deshalb ein Umdenken in der Bevölkerung und ein stärkeres gesundheitspolitisches Verhalten der Bevölkerung in Zukunft zu einer Verlängerung der durchschnittlichen Lebensdauer führen.

 

 

3. Die Haltung der Religionen

 

Befassen wir uns nun etwas ausführlicher mit der christlichen Lehre über das ewige Leben, beispielhaft für die Haltung der Religionen zu dem Traum vom ewigen Leben.

 

In dem zweiten Schöpfungsbericht der Genesis, des ersten Buches des Alten Testamentes erfahren wir, dass Gott, nachdem er die ersten Menschen erschaffen hatte, diesen ein Paradies geschenkt habe, das diese Menschen von allen heute üblichen alltäglichen Sorgen befreite. Dieses Paradies enthielt die verschiedensten köstlichen Früchte, sodass die ersten Menschen über ausreichend Nahrung verfügten und auch keinerlei Anstrengungen machen mussten, um diese Nahrungsmittel zu konsumieren.

 

Inmitten dieses Paradieses – so berichtet uns die Bibel – standen zwei Bäume: der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Gott gab hierauf den Menschen nur ein Gebot: ‚Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben.‘

 

Adam und Eva – die ersten Menschen – hielten sich jedoch nicht an dieses Gebot und ließen sich von der Schlange als Sinnbild des Bösen verführen, von den Früchten des Baumes von Gut und Böse zu essen. Der Böse hatte ihnen vorgegaukelt, dass sie dann, wenn sie von diesen Früchten essen würden, keinesfalls sterben würden, ja sogar selbst wie Gott werden würden.

 

In Wirklichkeit jedoch wurden sie keineswegs wie Gott und wurden aus dem Paradies vertrieben. Da ihnen nun nicht mehr außerhalb des Paradieses der Baum des Lebens zur Verfügung stand, verloren sie nicht nur die Vorzüge eines Paradieses, sich nicht um den alltäglichen Lebensunterhalt kümmern zu müssen und ewig zu leben, ganz im Gegenteil mussten sie nun wie von Gott angekündigt, viel Leid erfahren, zur Frau sprach Gott:

 

‚Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. Unter Schmerzen gebierst du Kinder. Du hast Verlangen nach deinem Mann; er aber wird über dich herrschen.‘

 

Zu Adam sprach er: ‚Weil du auf deine Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem zu essen ich dir verboten hatte: So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen. Unter Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens. Dornen und Disteln lässt er dir wachsen und die Pflanzen des Feldes musst du essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden; von ihm bist du ja genommen. Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück.‘

 

Wie haben wir diesen Schöpfungsbericht zu interpretieren? Bevor wir mit dem Versuch einer Interpretation beginnen, sollten wir uns darüber klar sein, dass die in der Bibel enthaltenen Berichte nach Meinung der modernen Bibelexegese nicht als wortwörtliche Tatsachenberichte verstanden werden können. Die gesamten Bibeltexte erheben gar nicht den Anspruch, wie ein stenographisches Protokoll über tatsächliche Ereignisse zu berichten, vielmehr gelten die Berichte der Bibel über historische Ereignisse als das Bemühen, die Glaubenswahrheiten und die religiösen Wertüberzeugungen anhand von dem Leser oder Zuhörer bekannten Tatsachen näherzubringen.

 

Wir haben hierbei davon auszugehen, dass unsere Sprache zum Verständnis unserer irdischen Zusammenhänge gebildet wurde und deshalb metaphysische, also mit unseren Wahrnehmungsorganen gar nicht erfassbare Dinge gar nicht beschreiben kann. Wenn die Bibel trotzdem uns metaphysische Probleme näher bringen will, tut sie dies, in dem sie in Gleichnissen auf irdische Zusammenhänge hinweist, aber nur deshalb, um auf diese Weise uns die metaphysischen Fragen näherzubringen.

 

Im Grunde geht es der Bibel darum, Antworten auf die beiden Fragen nach der Herkunft der Menschen und nach dem Sinn der Menschen zu geben. Danach geht der Bibeltext davon aus, dass letzten Endes die gesamte Welt einschließlich des Menschen von Gott erschaffen wurde und dass uns Gott den Auftrag erteilt hat, unseren Mitmenschen nicht zu schaden und ihnen zu helfen, wenn sie der Hilfe bedürfen.

 

Deshalb dürfen wir auch nicht den Bericht über die Erschaffung der Tiere und des Menschen wortwörtlich fassen. Die Bibel will uns nicht sagen, dass Gott im Anbeginn der Zeiten mit einem Eimer Lehm zunächst die Tiere erschaffen hat, dass er dann diesen Eimer weggestellt hat, einen zweiten Eimer mit einem etwas anderen Lehm hervorgeholt hat und aus diesem andersgearteten Lehm den Menschen gebildet hat. Wir können sehr wohl die Frage, auf welchem Wege denn alles Irdische entstanden ist, den Wissenschaften überlassen.

 

Gott selbst hat – wenn wir vom Bibeltext ausgehen    zweimal (unmittelbar nach der Erschaffung des Menschen und das zweite Mal nach der Sintflut) die Menschen aufgefordert, sich die Erde untertan zu machen und dies setzt zwingend voraus, dass die Menschen zunächst die Gesetze der Natur studieren. Und Gott gab uns zu diesem Zwecke unsere Sinne, mit denen wir die irdischen Dinge wahrnehmen können und den Verstand, mit dessen Hilfe wir aus diesen Beobachtungen Schlussfolgerungen ziehen können.

 

Richtig betrachtet können Wissenschaft und Glauben gar nicht in einen Widerspruch geraten. Was wir mit unseren Wahrnehmungsorganen erkunden können, kann im Rahmen der Wissenschaften geklärt werden. Hierzu bedarf es keiner Bibel. Auf der anderen Seite kann jedoch die Wissenschaft die metaphysischen Fragen und die Frage nach der letztlichen Sinngebung des Menschen nicht beantworten, da wir gar keine Sinne haben, mit deren Hilfe metaphysische Fragen und Bewertungen beantwortet werden können. Hierzu bedarf es einer Weltanschauung, welche sich nie mit menschlichen Mitteln endgültig beweisen lassen. Bereits Bentham hat nachgewiesen, dass sich nur Faktenzusammenhänge, nicht aber Bewertungen mit den Mitteln der Wissenschaft beweisen lassen.

 

Nach diesen Vorbemerkungen wollen wir uns nun im Folgenden der Interpretation des zweiten Schöpfungsberichtes der Bibel zuwenden. Eine zentrale Rolle spielen hierbei die beiden Bäume inmitten des Paradieses und zwar der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.

 

Auch hier gilt, dass diese beiden Bäume nicht wörtlich zu verstehen sind, sie sind ein Symbol dafür, dass die Menschheit zu Beginn vor einer zentralen Entscheidung über die Weiterentwicklung stand. Der Baum des Lebens steht hierbei dafür, dass die Menschen die Möglichkeit gehabt hätten, hier im Paradies auf Erden ewig zu leben. Dafür spricht der Hinweis im Buch Genesis, Kapitel 3, 3, hier heißt es: ‚Dass er (der Mensch) jetzt nicht die Hand ausstreckt, auch vom Baum des Lebens nimmt, davon isst und ewig lebt!

 

Das Symbol des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse hingegen will andeuten, dass der Mensch eben auch  – wie er es ja auch getan hat – sterblich werden könne, sofern sich Mann und Frau geschlechtlich vereinen. Das Wort ‚Erkennen‘ wird hier in dem Sinne verwendet, dass sich Mann und Frau im geschlechtlichen Verkehr vereinen und damit erkennen. So heißt es z. B. im Buch Genesis, Kapitel 4,1: ‚Adam erkannte Eva, seine Frau; sie wurde schwanger und gebar Kain.‘

 

Warum aber wird hier vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gesprochen? Wir erinnern uns, dass der Böse Eva mit den Worten verführt hatte: ‚Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.‘

 

Natürlich erwarteten Adam und Eva nicht, dass sie nach dem Essen der Frucht dieses Baumes erkennen könnten, was gut und böse sei. Das wussten sie schon. Gott hatte ihnen ja gesagt, dass sie die Früchte dieses Baumes nicht essen dürfen und dass sie dann, wenn sie diesem Gebot nicht folgen würden, sterben müssten. Es war ein einfaches und für Adam und Eva eindeutig erkennbares Ziel. Adam und Eva vermeinten vielmehr, dass sie so wie Gott selbst bestimmen könnten, was gut und was böse sei, wenn sie diese Früchte essen würden.

 

Dass also symbolhaft mitten im Paradies der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse stand, will besagen, dass den ersten Menschen zwei Entwicklungen möglich gewesen waren. Erste Möglichkeit: Sie fahren in dem Verhalten fort, das auch ihre Vorfahren, hochentwickelte Tiere, vor ihnen taten, sich nämlich durch geschlechtlichen Verkehr zu vermehren. Wir hatten bereits erwähnt, dass der Schöpfungsbericht keine Antwort darauf geben will, wie sich die Entwicklung des Lebens tatsächlich vollzogen hat.

 

Diese Frage ist – auch nach christlichem Verständnis – Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen und die Wissenschaft kam zu dem Ergebnis, dass sich das Leben hier auf Erden dadurch entwickelt hat, dass beginnend von einfachsten Lebewesen durch Vereinigung und Mutation immer höher stehende Lebewesen entstanden sind, bis dann zur Krönung der Mensch entstanden ist.

 

Und diese Sicht widerspricht keineswegs dem Schöpfungsbericht, wonach Gott Himmel und Erde erschaffen hat, nur dass wir nun eben aufgrund unseres wissenschaftlichen Schaffens, zu dem uns Gott eigens aufgefordert hatte, wissen, dass sich die Menschen aus den Tieren weiterentwickelt haben. Die Aussage, dass Gott den Menschen erschaffen hat, bleibt wahr und ist nun so zu verstehen, dass Gott die Naturgesetze geschaffen hat und den Urknall, den Urbeginn alles Irdischen ausgelöst hat und dass eben diese Naturgesetze letztendlich auch den Menschen hervorgebracht haben.

 

Eine zweite Möglichkeit bestand eben darin, dass die Menschen – anders als ihre tierischen Vorfahren – bewusst im Sinne des ihnen gegebenen Gebotes darauf verzichtet hätten, sich geschlechtlich zu vereinen, also enthaltsam geblieben wären und auf diese Weise all die Probleme, welche mit der Knappheit der materiellen Ressourcen verbunden sind, vermieden hätten.

 

Wir wollen also festhalten, dass entsprechend der Aussagen des Alten Testamentes Gott ursprünglich geplant hatte, dass die Menschen im Gegensatz zu den Tieren ewig leben könnten, dass er aber den Menschen frei stellte, sich selbst für diese Lösung zu entscheiden und dass die ersten Menschen entgegen der Absicht Gottes sich dennoch dafür entschieden haben, mit der Vermehrung fortzufahren.

 

Damit wurde Gottes Plan vorerst verhindert, die Menschen blieben sterblich. Vorerst allerdings, da Gott stets seinen Willen letztendlich durchsetzen wird, was Gott beschlossen hat, wird er auch letztendlich verwirklichen. Da die ersten Menschen sich allerdings dazu entschlossen hatten, der Aufforderung Gottes zur geschlechtlichen Enthaltsamkeit nicht zu folgen, hat Gott einen zweiten Weg gewählt, das Ziel des ewigen Lebens für die Menschen doch noch zu verwirklichen. Die Menschen sterben zwar, alle ohne Ausnahmen, sie versinken jedoch entsprechend den Aussagen des Neuen Testamentes nicht ins Nichts, sondern können, wenn sie den Geboten Gottes gefolgt sind, als Seele ohne irdischen Körper schließlich in das Himmelreich eingehen und dort ewig weiterleben.

 

Hier beginnt nun die christliche Lehre von der gemeinsamen jüdischen Wurzel abzuweichen. Zwar wird auch in der jüdischen Bibel, im Alten Testament, von der Möglichkeit der Auferstehung der Menschen nach dem irdischen Tode gesprochen. Über diese Möglichkeit wird jedoch in den zentralen Büchern des Alten Testamentes nur sehr sporadisch gesprochen und sie bleibt auch weitgehend ungewiss. Als tatsächliche Möglichkeit einer Auferstehung wird erst in den sehr spät erschienenen Büchern der Makkabäer erzählt. So hatten auch die Sadduzäer, welche sich zwar zur Zeit Jesu auf etwa 40 Familien beschränkten, aber stets die Hohenpriester und damit die entscheidenden Führungskräfte des Judentums stellten, den Glauben an eine Auferstehung der Menschen nach dem Tode abgelehnt.

 

Hier brachte Jesus durch sein Leben und Sterben und der darauf folgenden Auferstehung am dritten Tage nach seiner Kreuzigung die entscheidende Wende. Genauso, wie es Jesus vorgelebt hatte, geht die christliche Lehre davon aus, dass alle Menschen nach ihrem Tode am Ende der Zeiten auferstehen und in das ewig währende Himmelreich eingehen können, sofern sie nur nach den Geboten Gottes hier auf Erden gehandelt haben. Und dies bedeutet dann auch gleichzeitig, dass die christliche Religion davon ausgeht, dass die Menschen sehr wohl – allerdings erst nach ihrem irdischen Tode –, zu einem ewigen Leben berufen sind.

 

Also träumen auch die gläubigen Christen – wenn auch in anderem Sinne als die Atheisten – von einem ewigen Leben. Und entsprechend dieser christlichen Lehre bedarf es gar nicht der eingangs erwähnten revolutionären Entwicklungen in der Genforschung, um diesen Traum des Menschen zu verwirklichen. Jesus hat uns danach gezeigt, dass jeder Mensch, der hier auf Erden gottgefällig gelebt hat, das ewige Leben erreichen wird.

 

Und dieses ewige Leben ist dann auch mit sehr viel mehr Freuden verbunden als jemals verwirklicht werden könnte, wenn wir aufgrund der Entdeckungen in der Genforschung jemals unsterblich würden. Auch eine solche Unsterblichkeit würde nicht von selbst all das Leid, das Menschen anderen Menschen zufügen, ungeschehen lassen.

 

 

4. Erstes Problem:   Ausreichende Versorgung?

 

Wenden wir uns nun einem ersten Problem zu, das dann vermehrt auftritt, wenn wir tatsächlich eines Tages für den größten Teil der Menschheit ein ewiges Leben hier auf Erden ermöglichen könnten.

 

Wir haben nämlich zu überprüfen, ob auch dann, wenn Menschen ganz generell nicht mehr sterben, eine ausreichende Versorgung mit materiellen Gütern garantiert wäre. Wir haben davon auszugehen, dass bereits heute etwa 815 Millionen Menschen pro Jahr auf der Welt nicht genug zu essen haben und wegen unzureichender Versorgung sterben müssen und dass aufgrund des prognostizierten starken Wachstum der Menschheit bis auf etwa 11 Mrd. Menschen im Jahre 2100 auch dann, wenn wie bisher jeder Mensch eines Tages sterben wird, bisher unklar ist, wie dieses Problem einer mangelnden Ernährung für die nahe Zukunft gelöst werden kann.

 

Dass heutzutage so viele Menschen vor Hunger sterben, hat mehrere Gründe. Zwar ist es richtig, dass auch die materiellen Ressourcen, welche für eine ausreichende Ernährung erforderlich sind, knapp sind und deshalb für den weltweiten Hunger mit verantwortlich sind. Aber auch die kriegerischen Auseinandersetzungen vor allem in den afrikanischen Ländern sowie die Unfähigkeit der afrikanischen Politiker, die Herrschaft der Stämme zu überwinden und zu einer nationalen Einigung zu gelangen, trugen in der jüngsten Vergangenheit wesentlich dazu bei, dass viele Menschen vor Hunger starben.

 

Selbst dort, wo ausländische Hilfe angeboten wurde, um die stärkste Not zu lindern, konnten wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen und wegen der Unfähigkeit der Regierungen die Nahrungsmittel und Medikamente  nicht immer in die Gebiete der notleidenden Bevölkerung gebracht werden. Dass nicht nur fehlende materielle Ressourcen für diese große Not verantwortlich sind, zeigt vor allem die Tatsache, dass es vor einigen Jahren gelungen ist, die Zahl derjenigen, welche wegen zu geringer Nahrung und wegen Seuchen gestorben sind, in beachtlichem Umfang zu verringern, dass aber dieser Trend in den letzten Jahren gestoppt und sogar umgedreht wurde und dass diese veränderte Entwicklung eindeutig auf die drastische Zunahme der kriegerischen Auseinandersetzungen in den afrikanischen Staaten zurückgeführt werden kann.

 

Wir kommen also zu dem Ergebnis, dass schon heutzutage die Ernährungsbasis kaum ausreicht, um alle Menschen hier auf Erden in ausreichendem Maße zu ernähren. In Anbetracht dessen, dass wir davon ausgehen müssen, dass die Weltbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten weiter stark wachsen wird und deshalb wohl Ende dieses Jahrhunderts die Zahl von 11 Mrd. überschritten werden wird, entsteht die berechtigte Sorge, dass ohne drastische Veränderungen die Ernäherungsbasis nicht garantiert ist und dass es deshalb notwendig wird, gerade auf dem Gebiete der Erzeugung von Nahrungsmitteln nach neuen Methoden Ausschau zu halten, bevor wir uns – falls überhaupt möglich – der Verwirklichung unseres Traumes nach ewigem Leben hier auf Erden zuwenden können.

 

Zwar brauchen wir nicht zu befürchten, dass dieses Bevölkerungswachstum unendlich weitergehen wird. Wir können durchaus damit rechnen, dass das Bevölkerungswachstum in den afrikanischen, südamerikanischen und teilweise auch asiatischen Kontinenten eines Tages aus den selben Gründen, welche für den europäischen und nordamerikanischen Kontinent gegolten haben, einen Gipfelpunkt erreichen wird und von diesem Zeitpunkt ab sogar vermutlich wiederum in beachtlichem Maße sinken wird. Verantwortlich für diese Umkehr in der Bevölkerungsentwicklung der Länder in Europa und in Nordamerika war vor allem der Rückgang in der Geburtenrate der hochentwickelten Länder.

 

Hierfür waren selbst wiederum zwei Faktoren verantwortlich: Auf der einen Seite brachte die Entwicklung der ‚Pille‘ die Möglichkeit, geschlechtlich zu verkehren, ohne damit rechnen zu müssen, dass der Geschlechtsakt auch tatsächlich zur Geburt führt. Wenn die Frauen vor dem Geschlechtsakt die Pille einnehmen, so wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Befruchtung verhindert. Auf diese Weise wurde es möglich, selbst zu bestimmen, wann die Ehepartner die Geburt eines Kindes planen. Und wenn die Ehepartner kein weiteres Kind wünschen, so brauchen sie trotzdem nicht auf den geschlechtlichen Verkehr verzichten.

 

Auf der anderen Seite hat sicherlich der Umstand, dass im Zuge der Emanzipationsbewegung immer mehr Frauen ganztätig erwerbstätig wurden, ebenfalls dazu beigetragen, dass der Kinderwunsch zurückgestellt wurde und dass die Ehepartner für die ersten Ehejahre auf die Geburt von Kindern verzichtet haben.

 

Und wenn wir also bereits ohne dass wir eines Tages in Zukunft in der Lage wären, für die Menschen ganz allgemein ein ewiges Leben zu garantieren, ernsthafte Ernährungsprobleme befürchten müssen, wird diese Sorge sicherlich um ein Vielfaches größer, wenn uns dieser Zukunftstraum vom ewigen Leben tatsächlich eines Tages gelingen würde. Denn in diesem Falle könnten wir nicht mehr damit rechnen, dass das Bevölkerungswachstum eines Tages ein Ende findet und dies wiederum würde bedeuten, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis wiederum die materiellen Ressourcen keine ausreichende Ernährung für alle Menschen ermöglichen.

 

Gerade wegen dieser Gefahr auch ohne, dass der Traum vom ewigen Leben eines Tages erfüllt wird, wird seit längerer Zeit im Rahmen der Wissenschaft die Frage diskutiert, auf welchem Wege es möglich ist, die Ernährungsbasis zu erweitern und damit diese Gefahr zumindest für die nächsten Jahrzehnte zu bannen. Hierbei wird an unterschiedliche Möglichkeiten gedacht.

 

Eine erste Möglichkeit, die Ernährungsbasis entscheidend auszuweiten, besteht in der Genmanipulation. Es konnte gezeigt werden, dass durch genetische Veränderung in einzelnen Nahrungsfrüchten wie z. B. dem Getreide der Ertrag um ein vielfaches vergrößert werden könnte.

 

Gegen diesen Versuch, durch genetische Veränderungen die Nahrungsbasis drastisch zu erhöhen, entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten eine zunehmende Gegnerschaft gegen jede Art von genveränderten Nahrungsmitteln. So wird z. B. die Einfuhr genveränderter Produkte in die Europäische Gemeinschaft untersagt und die Ablehnung internationaler Freihandelsabkommen wird unter anderem gerade auch damit begründet, dass die nichteuropäischen Staaten eine Aufweichung dieser Verbote verfolgen.

 

Nun ist es sicherlich unbestritten, dass genveränderte Produkte in Einzelfällen durchaus zu schädlichen Auswirkungen geführt haben und dass darüber hinaus die Frage, ob und mit welchen schädlichen Nebenwirkungen im Zusammenhang mit genveränderten Produkten gerechnet werden muss, noch weitgehend ungeklärt ist.

 

Trotz allem ist diese generelle Ablehnung jeglicher Genveränderung unbegründet. Es gilt nämlich ganz generell, dass jede von Menschen erfundene neue Technologie zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann und dass vor allem immer damit gerechnet werden muss, dass auch dann, wenn zunächst davon ausgegangen werden konnte, dass die positiven Wirkungen einer neuen Technologie die negativen Nebenwirkungen überwiegen, in Zukunft eines Tages weitere unerwünschte Nebenwirkungen bekannt werden.

 

Aus dieser Tatsache muss der Schluss gezogen werden, dass bei jeder zur Diskussion stehenden neuen Technologie vor ihrer Anwendung ernsthaft überprüft werden muss, mit welchen negativen Begleiterscheinungen gerechnet werden muss. Hierbei muss man davon ausgehen, dass es wohl keine vom Menschen entwickelte Technologie gibt, welche überhaupt keine negativen Nebenwirkungen hat. Wollte man deshalb jede Technologie verbieten, welche negative Nebenwirkungen aufweist, müssten wir auf jede bisher erreichte Wohlstandssteigerung durch technischen Fortschritt verzichten.

 

Trotzdem haben sich in der Vergangenheit zahlreiche Technologien bewährt, da trotz Vorhandenseins einzelner negativer Nebeneffekte die Summe der positiven Effekte die der negativen eindeutig überwog.

 

Allerdings muss man sich darüber hinaus bewusst sein, dass auch dann, wenn zunächst die positiven Wirkungen die bekannten negativen Effekte überwiegen, trotzdem in Zukunft weitere negative Effekte bekannt werden können und dass diese dann bisweilen die positiven Effekte überwiegen, sodass man dann die weitere Produktion dieser Produkte verbieten muss.

 

Diese Überlegungen gelten – wie bereits bemerkt – für alle technischen Erfindungen und damit auch für den Versuch, Veränderungen durch Genmanipulation zu erzielen. Es gibt keinen Grund, von dieser Vorgehensweise abzugehen, wenn es darum geht, ob bestimmte genmanipulierte Produkte erlaubt werden sollen. Es reicht vollkommen aus, dass man im Hinblick auf eine Genveränderung genauso verfährt, wie man bei jeder technischen Erneuerung zu verfahren hat, dass man nämlich erstens überprüft, welche unerwünschten Nebeneffekte nach heutigem Wissensstand erwartet werden müssen und dass man  nur dann eine Erlaubnis zur Produktion erteilt, wenn die erwarteten positiven Effekte die negativen überwiegen und wenn zweitens immer dann, wenn sich im Nachhinein erweist, dass nun aufgrund bisher nicht bekannter negativer Effekte die positiven Effekte die negativen Wirkungen übersteigen, die weitere Produktion dieser Produkte verboten wird.

 

Ein zweiter Versuch, die Ernährungsbasis auszuweiten, besteht in dem Bemühen, die Ernährungsweise entscheidend zu verändern. So geht man davon aus, dass mit den vorhandenen, für die Ernährung wesentlichen Ressourcen sehr viel mehr Menschen ernährt werden könnten, wenn man von einer vorwiegend auf tierischer Nahrung basierten Ernährung auf eine vegetarische oder sogar vegane Ernährung umstellen würde.

 

Der Umweg, dass sich Tiere vorwiegend vegetarisch ernähren und der Mensch dann über den Konsum tierischer Nahrung die in den pflanzlichen Objekten befindlichen Nährstoffe zu sich nimmt, sei auf der einen Seite eine Vergeudung wertvoller, knapper Ressourcen und belaste auf der anderen Seite auch die Umwelt stärker als wenn sich die Menschen vorwiegend vegan ernähren würden.

 

Allerdings enthält Fleisch einige essentielle, also für das menschliche Leben unerlässliche Säuren, die bei einer ausschließlich veganen Ernährung nur bei einigen ganz wenigen Nahrungsmitteln enthalten sind. Es bedarf also bei einer veganen Ernährung einer sehr viel bewussteren Vorgehensweise als bei der heutigen Ernährung, bei der im Allgemeinen bei einer ausgewogenen, nicht einseitigen Nahrungsaufnahme sichergestellt ist, dass auch alle lebenswichtigen Nährstoffe zu sich genommen werden.

 

Einige Phantasten träumen auch davon, dass man die Knappheit der Nahrungsmittel dadurch überwinden könnte, dass man Insekten wie etwa Heuschrecken und andere niedere Lebewesen konsumiere, welche durchaus lebenswichtige Bausteine enthalten.

 

Und einige Forscher gehen sogar soweit, dass sie davon ausgehen, dass unsere Weltraumforschung eines Tages (und zwar schon recht bald) die Möglichkeit eröffne, dass Menschen bei einer Überbevölkerung auf einen anderen Planeten ausweichen könnten. Schon feiert man das Entdecken eines Planeten, das die Voraussetzungen für das Entstehen organischen Lebens ermöglicht.

 

Trotzdem ist der Weg von dieser Entdeckung bis zu der praktischen Möglichkeit, dass ein größerer Teil der Menschheit und nicht nur etwa eine Handvoll Menschen sich auf den Weg zu einem andern Planten aufmachen können, noch sehr weit und alle Pläne eines solchen Ausweges sind heute noch Science Fiction, man sollte sich hüten, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen.

 

Selbst dann, wenn es der Wissenschaft eines (heute noch weit entfernten) Tages gelingen sollte, einen Planeten im Weltall ausfindig zu machen, der nicht nur primitive organische Wesen hervorbringen kann, auf dem vielmehr all die Bedingungen erfüllt sind, damit auch Menschen auf diesem Planeten überleben können, wer sagt uns denn, dass dann auf diesem Planeten eben wegen dieser günstigen Bedingungen für höheres Leben nicht bereits intellektuelle Lebewesen vorhanden sind, dass diese vor ähnlichen Problemen stehen wie wir selbst und dass diese Lebewesen dann uns Menschen genauso mit Waffengewalt vertreiben, wie es unsere Vorfahren im Mittelalter gegenüber den Barbaren getan haben und wie einige von uns heutzutage gegenüber Flüchtlingen vorzugehen beabsichtigen. In diesem Falle aber wäre der Exodus weg von  der Erde eine Wanderung zu einem Massengrab.

 

 

5. Zweites Problem: ausreichende Altersversorgung

 

Wenden wir uns nun einem zweiten Problem zu, das dann, wenn wir den Traum vom ewigen Leben jemals verwirklichen könnten, auf uns zukommt. Wenn wir in einem ersten Schritt davon ausgehen, dass die wichtigsten Eckdaten unserer Altersversicherung erhalten blieben, entstünde in der Tat ein weiteres großes und ungelöstes Problem.

 

Unsere derzeitige gesetzliche Alterssicherung basiert auf dem Grundgedanken des Umlageverfahrens, wonach die heutigen Renten der nicht mehr erwerbstätigen Arbeitnehmerschaft aus den Beiträgen der heutigen Erwerbstätigen finanziert werden. Dieser Grundsatz gilt auch für den Fall, dass ein Teil der Einnahmen der Rentenversicherungsanstalt in Form von Bundeszuschüssen aus Steuereinnahmen abgedeckt wird. Für die Gesamtbevölkerung ist es schließlich gleichgültig, auf welchem Wege den Erwerbstätigen die Finanzierung der Altersrenten zugemutet wird, gleichgültig, ob diese Finanzierung über erhöhte Beiträge oder Steuern erfolgt, in beiden Fällen verringert sich das verfügbare Einkommen der Erwerbstätigen, wenn die Summe der Rentenauszahlungen ansteigt.

 

Wenn wir nun zusätzlich davon ausgehen, dass das Alter, in dem die Erwerbstätigen aus dem Erwerbsleben ausscheiden, im Durchschnitt unverändert bleibt, entstünde in der Tat ein enormes Finanzierungsproblem der Altersversicherung. Denn dadurch, dass nun nicht mehr wie heutzutage jedes Jahr ein Teil der Rentner wegstirbt und damit für die in jedem Jahr neu hinzukommenden Rentnern ein Gegengewicht entsteht und somit die Gesamtsumme der Rentner und der Rentenzahlungen stabilisiert werden kann, wächst bei ewigem Leben Jahr für Jahr die Zahl der Rentner und damit auch die aufzubringende Beitragssumme.

 

Und da bei sonst gleichbleibenden Daten (vor allem bei weitgehender Konstanz der Geburtenrate) die Zahl der Erwerbstätigen nicht erhöht wird, bedeutet dies gleichzeitig, dass der einzelne Versicherte Jahr für Jahr einen wachsenden Anteil seines Bruttoeinkommens für die Finanzierung der Renten verwenden müsste. Es ist klar, dass ein solches Ergebnis politisch nicht hingenommen würde, dass also zusätzliche Maßnahmen notwendig werden, um einen Kollaps der Altersversicherung zu vermeiden.

 

Was ist zu tun, welche Wege sind möglich, um aus diesem Dilemma herauszukommen? Man könnte sich die Sache einfach machen und davon ausgehen, dass wir dann, wenn wir eines Tages tatsächlich unsterblich würden, auch gar keiner gesetzlichen Alterssicherung mehr bedürften und deshalb diese Einrichtung schlichtweg abschaffen könnten.

 

Wer ewig lebt, altert auch nicht, kann also prinzipiell auch ewig erwerbstätig bleiben und für seinen Unterhalt selbst sorgen. Natürlich habe der Einzelne durchaus die Möglichkeit, durch Sparen und über private Versicherungsverträge Teile des heutigen Einkommens zurückzulegen und damit die Voraussetzung zu schaffen, in späteren Jahren nicht mehr oder auch in geringerem Umfang arbeiten zu müssen, da man auf diese Sparrücklagen zurückgreifen könnte.

 

Wichtig sei, dass man nun davon ausgehen könne, dass nicht größere Bevölkerungsgruppen ohne eigenes Verschulden im Alter in Armut verfallen müssten. Jeder habe die Möglichkeit, durch eigene Erwerbstätigkeit auch in späteren Jahren sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen oder dann, wenn er in späteren Jahren nicht mehr in gleichem Umfange erwerbstätig sein möchte, eine verminderte Erwerbstätigkeit im Alter durch Sparrücklagen auszugleichen. Der Staat habe also dann nicht mehr die Verpflichtung, eine Vorsorge im Alter auf dem Wege des Versicherungszwanges sicherzustellen.

 

Aber ein solcher Vorschlag würde am Widerstand eines Großteils der Bevölkerung scheitern. Dies lässt sich bereits aus den finanziellen Schwierigkeiten ermessen, denen die heutige gesetzliche Altersversicherung ausgesetzt ist. Die letzten Jahrzehnte waren dadurch ausgezeichnet, dass auf der einen Seite die Geburtenrate zurückging und damit die Gruppe der Erwerbstätigen, welche die Finanzierung der heutigen Renten tragen soll, immer kleiner wurde mit der Folge, dass die Erwerbstätigen einen immer größer werdenden Anteil ihres Bruttoeinkommens für die Rentenversicherung verwenden müssen.

 

Zwar zeichnet sich in den letzten Jahren ein Anstieg in der Geburtenrate ab. Aber selbst dann, wenn diese Umkehr auf Dauer sein sollte, eine spürbare Entlastung ist erst in etwa 20 Jahren zu erwarten, wenn die heute Neugeborenen ins Erwerbsleben eintreten und damit die Zahl der Erwerbstätigen wiederum vergrößern. In den beiden nächsten Jahrzehnten wird dieser Umschwung keine spürbare Entlastung der Rentenversicherung bringen.

 

Auf der anderen Seite stieg jedoch seit Ende des zweiten Weltkrieges die durchschnittliche Lebenserwartung drastisch um etwa 10 Jahre an und diese Entwicklung hat dazugeführt, dass die Zahl der älteren Bevölkerung, welche einen Anspruch auf Rente hat, enorm angestiegen ist.

 

Es ist klar, dass die Finanzierung der Rentenversicherung in dramatische Schwierigketen gerät, wenn zur gleichen Zeit die Zahl der Beiträge zahlenden Erwerbstätigen zurückgeht und die Zahl der Renten beanspruchenden Rentner ansteigt. Solange man nicht bereit ist, die Erwerbsdauer auszuweiten, müssen entweder die Beitragssätze drastisch erhöht und/oder das durchschnittliche Rentenniveau ebenfalls drastisch verringert werden.

 

Die Wissenschaft hat bereits seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts darauf hingewiesen, dass wir ohne drastische Veränderungen in der gesetzlichen Altersversicherung einer Katstrophe zusteuern, welche ab der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreicht. Es müsse damit gerechnet werden, dass jeder Erwerbstätige im Durchschnitt etwa 70% des Renteneinkommens eines Rentners übernehmen müsse oder da dies kaum realisiert werden könnte, dass das Niveau der durchschnittliche Rente kaum mehr über dem Existenzminimum liegen könnte. Nur eine spürbare Ausweitung der Erwerbsdauer um mehrere Jahre könne Abhilfe bringen.

 

Hierbei ist davon auszugehen, dass dann, wenn die Erwerbstätigen ein Jahr länger arbeiten, die Altersversicherung auf doppelte Weise entlastet wird. Auf der einen Seite nimmt die Zahl der beitragszahlenden Erwerbstätigen um einen Jahrgang zu, auf der anderen Seite verringert sich die Zahl der Rentner ebenfalls um einen Jahrgang. Also würden in diesem Falle die Einnahmen steigen und die Ausgaben verringert werden und auf diese Weise das finanzielle Ungleichgewicht der gesetzlichen Rentenversicherung von zwei Seiten aus abgebaut.

 

Wie haben die Politiker auf diese Ermahnungen seitens der Wissenschaft reagiert? Jahrzehnte lang schauten die Politiker weg und nahmen sich nicht diesem dringendem Problem an. Während der ersten großen Koalition zwischen CDU und SPD fand sich die Politik schließlich bereit, eine Minimallösung anzusteuern und in kleinen Schritten – zeitlich auf einen Zeitraum von 20 Jahren verteilt – die durchschnittliche Erwerbszeit um zwei Jahre auszuweiten.

 

Aber nicht genug damit. Anstatt dass die Politiker zufrieden gewesen seien, dass diese notwendigen, aber sicherlich sehr unpopulären Maßnahmen nun eingeleitet sind, waren die regierenden Politiker in der Folgzeit darum bemüht, diese notwendigen Schritte teilweise wiederum zurückzunehmen. So wurde vor allem beschlossen, dass Arbeitnehmer dann, wenn sie 45 Jahre erwerbstätig waren, vorzeitig (also bereits mit 65 Jahren) die Erwerbszeit bei voller Rente beenden konnten. Gleichzeitig ist die Bereitschaft, durch weitere Maßnahmen die drohende Katastrophe der gesetzlichen Altersversicherung einzuleiten gesunken, die Politiker überbieten sich in dem Versuch, öffentlich zu versprechen, dass unter ihrer Führung weder das Rentenniveau gekürzt, noch die Erwerbsdauer ausgeweitet werde. Es ist unklar, wie ein solches Versprechen umgesetzt werden soll, ohne dass die Beitragssätze zur Rentenversicherung unzumutbar erhöht werden.

 

Diese Entwicklung zeigt, dass eine Ausweitung der Erwerbszeit zwar notwendig, aber in der Bevölkerung und auch bei fast allen Politikern äußerst unpopulär ist und dass deshalb der Traum vom ewigen Leben wohl kaum so realisiert werden kann, dass dann auch jeder für immer erwerbstätig sein wird.

 

Aber selbst der Weg einer geringfügigen und sich nur sehr allmählich entwickelnden Ausweitung der durchschnittlichen Erwerbsdauer, die wohl einzige akzeptable Lösung, wäre dann, wenn es uns eines Tages tatsächlich gelingen würde, für die Masse der Bevölkerung ein ewiges Leben zu garantieren, keine brauchbare Lösung, und dies aus einem einfachen Grund. Ewiges Leben bedeutet ex definitione unendliches Leben. Wenn man nun von einer unendlichen Größe eine endliche Größe abzieht, dann verbleibt als Rest immer noch eine unendliche Größe.

 

Es findet also mit andern Worten keinerlei langfristige finanzielle Entlastung im Rahmen der Alterssicherung statt, wenn die jüngeren Erwerbstätigen bereit wären, für das ewige Leben einige wenige Jahre länger als bisher zu arbeiten. Nach wie vor wäre die Versichertengemeinschaft nicht in der Lage, die jedes Jahr wachsende Zahl von Rentnern zu finanzieren. Ein Versuch, dies zu tun, gliche dem griechischen Halbgott in der griechischen Mythenwelt, der einen Felsbrocken in die Höhe stemmen musste, aber nie ans Ziel gelangte, da der Felsbrocken immer wieder von neuem nach unten fiel.

 

Aber wie könnte das Problem der materiellen Absicherung im Alter realisiert werden, wenn die Forderung, jeder müsse eben zeit seines ewigen Lebens erwerbstätig bleiben, gar nicht realisierbar ist? Nun der Traum vom ewigen Leben ist nicht der einzige Traum, der von Phantasten geträumt wird. Genau so wie es eines Tages möglich sei, die Sterblichkeit des Menschen zu überwinden, müsse es auch möglich sein, die Knappheit zu überwinden und aufgrund der jährlichen Produktivitätssteigerungen soviel mehr an Produkten zu erzeugen, dass die Bedürfnisse des jährlichen Zuwachses an Menschen befriedigt werden könnten.

 

Im Zeitverlauf wird ja dann, wenn eines Tages die Menschen nicht mehr sterben werden, die Menschheit nur langsam wachsen, indem jeweils der älteste Jahrgang, der bisher gestorben ist, nun weiterlebt und die Zahl der gesamten Menschheit vergrößert. Warum soll es nicht möglich sein, das Knappheitsproblem durch technischen Fortschritt zu überwinden, wenn sich auch die Unsterblichkeit nur in kleinen Schritten durchsetzt?

 

Ganz gleichgültig, ob dieser weitere Zukunftstraum realisiert werden kann, dieses Beispiel zeigt auf jeden Fall, dass es nicht damit getan ist, durch wissenschaftlichen Fortschritt in der Genetik die Unsterblichkeit zu erlangen, dass vielmehr dieses Ziel nur dann eine Verbesserung unseres Lebens herbeiführen kann, wenn weitere zusätzliche Probleme zunächst gelöst werden können. In vorhergehenden Abschnitt hatten wir bereits gesehen, dass auch schon heute unklar bleibt, wie wir die heute noch bestehende große Hungersnot überwinden können.

 

Wir haben gesehen, dass auch zur Realisierung dieses Zieles weitere, bisher nicht bekannte Verbesserungen erreicht werden müssen, um das Knappheitsproblem zu überwinden. Und dies bedeutet nun, dass immer dann, wenn es uns gelingt ein Loch zuzustopfen, ein weiteres Loch an anderer Stelle entsteht. Und dann gleicht die menschliche Situation in der Tat einer Sisyphusarbeit.

 

Wir hatten im vorhergehenden Abschnitt gesehen, dass eine der Möglichkeiten, den Nahrungsspielraum auszuweiten in einer Genmanipulation von Pflanzen besteht. Wir haben aber auch gesehen, dass sich gegen diese Versuche ein enormer Widerstand formiert hatte und dass heute zumindest in Europa jede Genmanipulation abgelehnt wird.

 

Ein dritter Ausweg aus diesem Dilemma (, dass Unsterblichkeit ein Problem der Alterssicherung auslöst) wird bisweilen darin gesehen, dass man in Zukunft die eigentliche Produktion zusätzlicher Güter Robotern überlassen könne. Es wird davon geträumt, dass in naher Zukunft alle physische Arbeiten von Robotern durchgeführt werden könnten und dass deshalb der zukünftige Mensch gar nicht mehr physisch arbeiten müsse.

 

Aber auch hier gilt, dass bei näherer Überprüfung dieser These weitere ungelöste Probleme entstehen. In der Tat lässt sich auch schon in der Vergangenheit feststellen, dass der technische Fortschritt vor allem darin bestand, dass der Arbeitnehmer entlastet wurde, die Erfindung von Werkzeugen machte es möglich, dass der einzelne Arbeitnehmer mehr leisten konnte, im weiteren Verlauf wurden Maschinen erfunden, welche Teile der bisherigen menschlichen Arbeit übernahmen, die Entwicklung zum Roboter stellt nichts anders dar, als diese technischen Veränderungen weiterzuführen und zu vervollkommnen.

 

Obwohl auf diese Weise in der Tat ein Teil der Produktionsaufgaben vom Produktionsfaktor Arbeit auf den Produktionsfaktor Kapital übertragen wurde, führte dieser Prozess weniger dazu, dass Arbeitnehmer arbeitslos wurden, sondern dass auf der einen Seite Arbeitnehmer immer stärker im Dienstleistungssektor beschäftigt wurden und dass aufgrund der zunehmenden Arbeitsproduktivität die Menge an Produkten ausgeweitet werden konnte.

 

Vielleicht wäre es technisch gesehen eines Tages tatsächlich möglich, auch die heute noch von Menschen ausgeführten kontrollierenden Tätigkeiten im Dienstleistungssektor Maschinen zu übertragen. Es fragt sich jedoch, ob eine solche Entwicklung tatsächlich zu einer allgemein akzeptierten Lösung führen würde. Sollen wir wirklich die Entscheidung darüber, welche technischen Erneuerungen wünschenswert sind, Robotern überlassen oder da Roboter selbst ja keine Selbstbestimmung kennen und nur das ausführen, wozu sie programmiert wurden, wollen wir wirklich zulassen, dass einige wenige Mächtige und Sachverständige bis ins Kleinste festlegen, wie die menschlichen Probleme gelöst werden sollen?

 

Man könnte vielleicht die Roboter auch so programmieren, dass nicht die Zielsetzungen des Programmierers oder des Machthabers, der diese Programmierung in Auftrag gibt, sondern der Zufall entscheidet. Aber auch hier müssen wir uns fragen, ob wir es tatsächlich für einen wünschenswerten Fortschritt halten, dass z. B. ein selbstfahrendes Auto in Konfliktsituationen willkürlich entscheidet, wer gerade getötet wird oder um ein zweites Beispiel zu bringen, soll wirklich der Zufall darüber entscheiden, wie wir die von Terroristen ausgehende Gefahr bekämpfen? Die in dem Zukunftsroman 1984 entwickelten Horrorszenen wären demgegenüber geradezu harmlos.

 

Halten wir also fest, dass es augenblicklich noch keine überzeugende Lösung dafür gibt, das Problem der Altersversorgung bei Verwirklichung einer Unsterblichkeit des Menschen einigermaßen befriedigend zu lösen.

 

 

6. Drittes  Problem: Das Problem der Überalterung

 

Wenden wir uns einem dritten Problem zu, das dann entsteht, wenn es uns tatsächlich gelänge, eines Tages die Menschen unsterblich sein zu lassen: dem Problem der Überalterung. Auch dieses Problem ist auch heute schon im Zusammenhang mit der Verlängerung der durchschnittlichen Lebensdauer virulent, so wird allseits beklagt, dass der Anteil der älteren Menschen zuungunsten der jüngeren Wähler stark zugenommen habe. Es wird schon heute befürchtet, dass sich in der Politik immer mehr einseitig die Anschauungen der älteren Bevölkerungsgruppen durchsetzen würden.

 

Diese Kritik ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil man im Allgemeinen davon ausgeht, dass die Bereitschaft zur Erneuerung mit zunehmendem Alter zurückgehe, dass Ältere vielmehr an der Erhaltung des Bestehenden und weniger an Erneuerungen sowie an der Anpassung der Werte an die zukünftige Entwicklung interessiert seien. Es bestünde deshalb die Gefahr, dass der allgemeine Wachstumsprozess der vergangenen Jahrzehnte gestoppt werde und dass gerade auf diese Weise die für die Lösung des weltweiten Hungers unerlässliche Verbesserung und Vermehrung der Produktion verhindert werde.

 

Nun muss man allerdings bei der Beantwortung dieser Frage unterscheiden, für welche Gesellschaftssysteme dieses Übergewicht der älteren Bevölkerungsgruppen gilt. Im Hinblick auf das politische System mag diese Einschätzung gelten. Dieses Übergewicht ist übrigens nicht nur im Hinblick auf das aktive Wahlrecht zu beobachten. Es verschiebt sich mit der Ausweitung der durchschnittlichen Lebensdauer nicht nur der Anteil der älteren Wahlberechtigten. Gleichzeitig stellen sich auch sehr viel mehr aktive Politiker mit einem höheren Lebensalter zur Wahl und bestimmen damit die politischen Geschicke der Bevölkerung in stärkerem Maße als dies für ein Gleichgewicht zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen angemessen wäre. 

 

Dieses Übergewicht gilt jedoch – zumindest bis heute – nicht auch für das wirtschaftliche System. Die Produktion ist heutzutage in weiten Bereichen vielmehr vorwiegend am Bedarf der jüngeren Generationen ausgerichtet. Dies gilt einmal für die Errungenschaften im Zusammenhang mit dem Computer und seiner virtuellen Welt. Während sich die heutige ältere Generation immer noch bei der Bedienung eines Computers schwer tut und sich allenfalls mit einfachen Handys begnügt, welche lediglich ein Telefonieren erlauben, gibt es heutzutage kaum einen Jugendlichen, der nicht über die neuesten IPhones und Tablets verfügt, vor allem ist die Zeit, die ein Jugendlicher mit diesen Geräte verbringt, um ein Vielfaches höher als bei den älteren Generationen.

 

Diese Entwicklung hängt vorwiegend damit zusammen, dass der Computer erst in einer Zeit entwickelt wurde als die heute älteren Jahrgänge bereits ein Alter erreicht hatten, in dem normaler Weise keine neuen Verhaltensweisen mehr erlernt werden und die Einzelnen vorwiegend bestrebt sind, das bisher Bekannte zu bewahren. Sobald diese Generation nicht mehr lebt, dürften sich die Gepflogenheiten im Hinblich auf Computer und Tablets in allen Altersgruppen angenähert haben, es sei denn dass die Entwicklung in der Kommunikation erneut eine grundlegend neue Technik hervorbringt.

 

Das Übergewicht der Jüngeren im Konsumbereich bezieht sich aber zweitens auch auf all die Güter, deren Nachfrage auf Mode beruht. Der Grund dafür, dass auch diese Märkte nach wie vor von den jüngeren Generationen bestimmt werden, hängt damit zusammen, dass Mode vor allem dazu dient, sich von der Elterngeneration abzunabeln und sich schon in der Kleidung deutlich von den älteren Generationen abzuheben. Mode kommt und geht und auch das Bemühen der jeweils jüngeren Generationen, sich selbstständig zu machen, wendet sich in jeder Generation anderen Artikeln zu.

 

Die Feststellung, dass heutzutage im wirtschaftlichen System im Gegensatz zum politischen System eher die jüngeren Generationen bestimmend sind, gilt nicht nur für den Konsum-, sondern auch für den Produktionsbereich. In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg waren es zwar zunächst vor allem die älteren Jahrgänge, welche die Führungspositionen innehatten und die jüngeren Jahrgänge hatten keine Chancen, zu den obersten Führungsschichten aufzusteigen, da die älteren Führungskräfte weit über das für die unteren Arbeitnehmerschichten geltende Verrentungsalter ihre Positionen beibehielten.

 

Etwa seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts schlug diese Entwicklung um, vor allem die führenden Unternehmungen leiteten bewusst eine radikale Verjüngung des Führungspersonals ein und der Staat gab hierzu entscheidende Starthilfen, in dem er eine Frühverrentung dieser Arbeitskräfte finanziell unterstützte.

 

Seit dieser Zeit wurden über viele Jahre hinweg auch Führungskräfte, welche durchaus sowohl von ihrer Befähigung als auch von ihrer Bereitschaft her durchaus auch über die normalen Altersgrenzen hinaus ihre erwerbswirtschaftliche Arbeit hätten fortsetzen können, trotzdem bei Erreichen der normalen Altersgrenze in den Ruhestand geschickt.

 

Erst in den jüngsten Jahren steigt wiederum die Bereitschaft der Unternehmungen, auch auf ältere Arbeitskräfte zurückzugreifen und diese zu ermutigen, länger als die generell geltende Erwerbsdauer beschäftigt zu bleiben. Für diese erneute Umkehr sind vor allem zwei Entwicklungen verantwortlich. Auf der einen Seite hat der starke Rückgang in der Geburtenrate in der Vergangenheit dazu geführt, dass es fast überall an jungen Fachkräften mangelt, sodass die Unternehmungen notgedrungen bereit waren, auch auf ältere Arbeitskräfte zurückzugreifen.

 

Auf der anderen Seite hat jedoch der technische Fortschritt der jüngsten Vergangenheit auch dazugeführt, dass vor allem physische Arbeit immer mehr von Maschinen, sogenannten Robotern übernommen werden kann. Wenn die Unternehmungen in der Vergangenheit weniger auf ältere Arbeitnehmer zurückgriffen, dann lag dies vor allem daran, dass die physische Arbeitskraft mit dem Alter zurückgeht. Im Gegensatz hierzu steigt jedoch mit dem Alter die Erfahrung und damit auch die Befähigung, verantwortliche Aufgaben zu übernehmen. Deshalb führt der technische Fortschritt automatisch dazu, dass der Arbeitswert der älteren Arbeitnehmer wiederum ansteigt.

 

Würden wir nun eines Tages den Zukunftstraum der Unsterblichkeit verwirklichen können, würden diese hier aufgezeigten Gefahren wesentlich verschärft. Der Anteil der Älteren innerhalb der Gesamtbevölkerung würde jedes Jahr steigen, da ja jedes Jahr die Bevölkerung um all diejenigen vorwiegend älteren Jahrgänge, die heutzutage unter Normalbedingungen sterben, ansteigt und dieser Anstieg würde nur dann etwas vermindert, wenn gleichzeitig die Geburtenrate ansteigen würde.

 

Nun stellen wir zwar in den letzten Jahren in der Tat einen Anstieg der Geburtenrate gerade in Deutschland fest. Dieser Anstieg bewirkt jedoch nur, dass der drastische Rückgang in der Geburtenrate gerade in den letzten Jahrzehnten wieder rückgängig gemacht würde. Es gibt keinen Grund dafür, dass die Geburtenrate stetig, das heißt Jahr für weiter steigt, wenn einmal wiederum wie in der Vergangenheit die Geburtenrate ausreicht, dass im Durchschnitt jede Familie etwa 2 - 3 Kinder zur Welt bringt.

 

Aber ein solches vorübergehendes Ansteigen in der Geburtenrate kann kein Gleichgewicht zwischen Geburtenrate und jährlichem Anstieg derjenigen, welche nun nicht mehr sterben, herbeiführen, eine solche Entwicklung könnte nur sichergestellt werden, wenn es der Genforschung nicht nur gelingen würde, nahezu alle Menschen unsterblich zu machen, sondern wenn darüber hinaus es der Genforschung auch gelingen würde, die Geburtsfähigkeit der Frauen nach oben unbegrenzt auszudehnen. Aber damit können wir nicht rechnen.

 

Und diese Entwicklung hätte zur Folge, dass nicht nur die gesamte Bevölkerung Jahr für Jahr ansteigt, sondern darüber hinaus, dass auch der Anteil der älteren Jahrgänge an der Gesamtbevölkerung Jahr für Jahr ansteigen würde. Was sind nun die wahrscheinlichen Folgen einer solchen Entwicklung?   

 

In erster Linie ist davon auszugehen, wie bereits bemerkt, dass mit zunehmendem Alter die Menschen konservativer werden und um Erhaltung der erworbenen Werte kämpfen, während umgekehrt gilt, dass je jünger jemand ist, er um so eher bereit ist, sich für Neues und für die Beseitigung des Bestehenden einsetzt. Junge Menschen sind Reformer oder sogar Revolutionäre, ältere Menschen neigen zu einer eher konservativen, also erhaltenden Haltung.

 

Dass sich Jung und Alt auf diese Weise unterscheiden, liegt in der Entwicklung menschlichen Lebens begründet. Junge Menschen sind weniger verbraucht als ältere Menschen, sie verfolgen vor allem das Ziel, sich von der Elterngeneration abzunabeln. Während ihrer Kindheit standen sie unter dem Schutz ihrer Eltern und der älteren Menschen, es wurde vor allem von ihren Eltern zu ihren Gunsten entschieden, aber die Möglichkeit, für sich selbst zu entscheiden, war äußerst begrenzt. In einem Emanzipationsprozess versuchen nun die Jüngeren, diese Fesseln  abzuschütteln.

 

Für die ältere Generationen gilt hingegen, dass sie bereits sehr viel für ihr eigenes Wohl erreicht haben, dass ihre Durchsetzungskraft langsam nachlässt und dass sie sich deshalb in erster Linie für die Erhaltung des bereits Erreichten einsetzen.

 

Wird nun mit der Zeit der Einfluss der Älteren schon allein zahlenmäßig immer größer, dann schlägt sich dieser Wandel in der Motivation der Mehrheit in einem Rückgang des wirtschaftlichen Wachstums nieder. Wachstum setzt immer voraus, dass Erneuerungen gewagt werden, jede Erneuerung ist jedoch mit einem sehr hohen Risiko behaftet, von der Idee bis zur Realisierung ist ein weiter Weg, zu Beginn dieses Prozesses ist keineswegs klar, ob die technische Verwirklichung einer neuen Idee erfolgreich ist, ob die Erneuerung auch von der hiervon betroffenen Bevölkerung angenommen wird. Wenn also die Bereitschaft, Risiken zu übernehmen, zurückgeht, wird auch das wirtschaftliche Wachstum zurückgehen.

 

Aufgrund des Umstandes, dass die jüngeren Jahrgänge immer mehr in die Minderheit geraten und die Lebensdauer der Älteren immer mehr anwächst, macht es wahrscheinlich, dass der Kampf um Führungspositionen in Wirtschaft und Politik wieder größer wird und dass die Älteren nicht bereit sein werden, ihre Führungspositionen zugunsten der Jüngeren aufzugeben.

 

Und es besteht die Gefahr, dass gerade deshalb, weil viele der jüngeren potentiellen Führungskräfte leer ausgehen, obwohl sie sehr viel besser für Führungsaufgaben als die sich im Amt befindlichen älteren Jahrgänge geeignet sind, wird dazu führen, dass auch für jüngere Angestellte Quoten vorgeschrieben werden. Die Folge einer solchen Quotenregelung wird jedoch sein, dass immer weniger auf die individuelle Leistung abgehoben wird mit der weiteren Folge, dass die Produktivität zusätzlich zurückgeht und mit ihr erneut das wirtschaftliche Wachstum. Dies hätte jedoch zur Folge, dass gerade die in den beiden vorhergehenden Abschnitten geschilderten Gefahren zunehmen würden, sodass die bereits geschilderten Probleme ansteigen würden.

 

Hierbei ist zu befürchten, dass sowohl die zu erwartenden Verhaltensweisen der jüngeren als auch der älteren Jahrgänge dysfunktional wirken. An und für sich benötigt die Volksgemeinschaft durchaus beide Verhaltensweisen. Auf der einen Seite ist nur dann mit Fortschritt zu rechnen, wenn auch stets Erneuerungen gewagt werden. Und fast jede Erneuerung erhöht die Wahrscheinlichkeit, die anstehenden Probleme zu lösen. Auf der anderen Seite birgt jedoch ein zu schneller und rapider Wandel die Auflösung der Gesellschaft, da Regeln voraussetzen, längere Zeit Bestand zu haben, sie können überhaupt nur dann zum Erfolg führen, wenn sie für eine längere Zeit gültig sind.

 

Aber aus welchen Gründen sind diese Veränderungen bei Jung und Alt dysfunktional? Betrachten wir hierzu das Verhalten der Jüngeren etwas genauer. Wie bereits erwähnt, sind es die Jüngeren, welche eine Erneuerung benötigen, um sich von der Elterngeneration abzuheben. Es besteht aber bei diesem Versuch die Gefahr, dass das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird. Um diese Gefahr besser zu erkennen, wollen wir davon ausgehen, dass Regeln stets aus einem auf lange Sicht gültigen Wert bestehen, wobei allerdings bei Änderung der Ausgangsbedingungen ihre konkrete Anwendung immer wieder an die Veränderungen in der gesellschaftlichen Umwelt angepasst werden muss.

 

Wir haben also davon auszugehen, dass bestimmte Grundsätze sehr wohl je nach Ausgangssituation anders ausgelegt werden können und auch müssen und dass es sehr wohl notwendig ist, zwischen der Grundmaxime und ihrer Anwendung im konkreten Einzelfall zu unterscheiden. Die Grundmaxime ist für immer gültig. Dies gilt insbesondere für die Verbote des Tötens, des Raubens und für das Wahrheitsgebot. Ohne diese grundlegenden Werte lässt sich keine gerechte und friedliche Ordnung realisieren. Diese Gebote galten bereits für das alte Israel und werden heute noch weitgehend auch von Nichtgläubigen bejaht.

 

Die äußeren Umstände können sich jedoch sehr wohl ändern und dies bedeutet, dass in jedem Einzelfall überprüft werden muss, ob die für die Gültigkeit dieser Norm geltenden Bedingungen auch tatsächlich vorliegen. Nun wurden im Verlauf der Geschichte bei der Einführung und Verteidigung bestimmter Normen zumeist nicht zunächst die immer gültige Norm benannt und dann die Voraussetzungen bestimmt, unter denen der Sinn dieser Norm erfüllt wird. Vielmehr beziehen sich Verbote zumeist bei ihrer Einführung und Begründung auf die gerade vorherrschende Situation.

 

Nehmen wir die Aufforderung Gottes in der Bibel ‚Wachset und mehret euch‘. Diese Aufforderung wurde zu einer Zeit ausgesprochen, in der die Erde von Menschen leer war. Also wurde darauf hingewiesen, es sei notwendig, dass sich die Menschen vermehren. Menschen verlieren im Alter (zumindest bis zum heutigen Zustand) die Fähigkeit, für ihren Unterhalt zu sorgen, sie sind auf die Hilfe der jüngeren Erwerbsfähigen dringend angewiesen und hieraus folgt, dass das friedliche Nebeneinander der jüngeren und älteren Menschen es notwendig macht, dass zu jeder Zeit genügend jüngere Erwerbstätige vorhanden sind, welche die  Versorgung der Alten sicherstellen.

 

Es ist klar, dass der hier verkündete Grundsatz nicht besagt, dass sich die Menschen wie die Karnickel vermehren sollen, dass es also nicht darum geht, so viel Kinder wie nur möglich zu erzeugen. Der hinter dieser Aufforderung stehende Grundsatz will vielmehr sicherstellen, dass die für ein friedliches Leben notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind. De facto kann dieses Ziel sowohl dann verfehlt werden, wenn die Bevölkerung zu gering als auch zu groß ist.

 

Bei einer zu geringen Geburtenrate besteht die Gefahr, dass das Problem der Versorgung im Alter nicht mehr befriedigend realisiert werden kann, wenn jedoch die Bevölkerung zu stark wächst, besteht die Gefahr, dass nicht mehr alle Menschen ernährt werden können und vor Hunger sterben. Nur deshalb, weil damals, als dieser Grundsatz erstmals verkündet wurde, die Erde leer war und weil im Allgemeinen Grundsätze bereits in ihrer Anwendungsform formuliert werden, wurden die Menschen aufgefordert, sich zu vermehren. Ändern sich jedoch die Voraussetzungen, indem z. B. bereits mehr Menschen auf der Erde leben als natürliche Ressourcen vorhanden sind, verlangt der gleiche Grundsatz, dass das Wachstum der Menschen verringert wird und an die zu knappen materiellen Ressourcen angepasst wird.

 

Wenn also nun bereits heute aufgrund einer zu geringen Geburtenrate in der Vergangenheit sowie einer drastischen Erhöhung der durchschnittlichen Lebensdauer eine Überalterung unserer Gesellschaft eingetreten ist und diese Überalterung bereits heute den Wachstumstrend bremst, gelten diese Befürchtungen erst recht für den Fall, dass es uns eines Tages gelingt, die meisten Menschen unsterblich zu machen.

 

Es besteht nun die Gefahr, dass aufgrund eines permanenten Anstiegs der älteren Jahrgänge immer stärker am Wortlaut der Maximen festgehalten wird und dass sogar der Versuch gemacht wird, zu den ursprünglichen Formulierungen dieser Grundsätze zurückzukehren, obwohl heutzutage ganz andere Voraussetzungen bestehen als zu der Zeit, als diese Grundsätze eingeführt wurden.

 

Aber gerade diese mangelnde Bereitschaft, bei grundsätzlicher Gültigkeit der Grundmaximen diese Grundsätze immer wieder an die veränderte Situation anzupassen, eine Haltung, welche vor allem bei den älteren Menschen beobachtet werden kann, hat selbst wiederum Einfluss auf das Verhalten der Jüngeren, welche nun die Grundsätze als solche über Bord werfen, obwohl es lediglich erwünscht und notwendig gewesen wäre, die gleichbleibenden Grundsätze an die veränderte Situation anzupassen.

 

Es entsteht auf diese Weise ein Teufelskreis, indem sich falsche Grundsätze sowohl bei den Älteren wie auch bei den Jüngeren wechselseitig hochschaukeln und somit von einer vernünftigen Lösung wegführen. Die bestehende Ordnung ist auf diese Weise in Gefahr, weil dann von den Jüngeren weniger die eigentlich stets notwendigen Anpassungen der immer gültigen Grundsätze, also Reformen durchgeführt werden, sondern revolutionäre Ideen verfolgt werden, aufgrund derer auch die eigentlich immer gültigen Grundwerte über Bord geworfen werden. Andererseits wird von den Älteren auch die ursprüngliche Anwendung der Grundsätze verteidigt, obwohl es nur notwendig wäre, die Grundsätze als solche zu verteidigen und diese an die veränderte Situation anzupassen.

 

 

                 7. Viertes Problem: Eine Welt ohne Unsicherheit?

 

Im Zusammenhang mit der Erlangung eines ewigen Lebens entsteht ein weiteres Problem in der Frage, wie die Unsicherheiten unseres Lebens bewältigt werden können.

 

Der Fluch der Menschheit bestand ja nicht nur darin, dass bisher ausnahmslos jeder Mensch eines Tages sterben musste, sondern dass er darüber hinaus verschiedensten Krankheiten und Unfällen ausgesetzt war, welche die Qualität des Lebens stark eingeschränkt haben. Nicht genug damit, dass sich diese Schicksalsschläge immer wieder ereignen und somit das Leben vergällen, es kratzt an der Idee der Gleichheit der Menschen, dass sich diese Unglücksfälle in unterschiedlichem Maße auf die einzelnen Menschen verteilen.

 

Zwar erkrankt wohl fast jeder Mensch ab und zu an geringfügigen Krankheiten wie Erkältungen und nicht lebensbedrohende Grippen, trotzdem gibt es Glückspilze, welche zeit ihres Lebens keiner ernstzunehmenden Krankheit ausgesetzt sind und es gibt wiederum andere Menschen, welche im Hinblick auf ihre Gesundheit von einer Vielzahl von Krankheiten verfolgt werden.

 

Und wir müssen noch hinzufügen, dass diese Ungleichverteilung keineswegs immer oder auch nur schwergewichtig diejenigen trifft, welche es an Vorsorge vernachlässigt hatten, das Schicksal teilt seine Schläge willkürlich aus, verschont manchen, obwohl er sorglos dahin lebt und schlägt bisweilen auch diejenigen, welche sehr wohl sich in jeder Hinsicht vorbildlich verhalten haben. Die Schilderung der Schicksalschläge Hiobs im Alten Testament hat diese Erschwernisse ausgiebig dargelegt.

 

Diese Unsicherheit über die Frage, wen denn das Schicksal treffen wird und wie die Verteilung der Unglücksfälle auf die gesamte Bevölkerung verteilt ist, war nun in der Vergangenheit zwar auf der einen Seite eine große Belastung für die Bevölkerung, hatte jedoch auf der anderen Seite auch etwas Gutes. Gerade der Umstand, dass nie eindeutig vorhergesehen werden konnte, wen das Schicksal letzten Endes treffen werde, machte es überhaupt erst möglich, die Unsicherheit über diese Ereignisse im Rahmen einer Versicherung anzugehen und zu bewältigen.

 

Bringen wir einige Beispiele. Nehmen wir als erstes Beispiel den Ausbruch einer Krankheit, wie z. B. der Grippe. Die Krankenversicherung kann nun denjenigen, welche von dieser Krankheit befallen werden, eine Sicherheit insofern gewähren, als sie zwar nicht die mit der Krankheit verbundenen unmittelbaren Schmerzen und Einschränkungen vermindern kann, als sie aber dennoch die materiellen Kosten, welche im Zusammenhang mit der Behandlung dieser Krankheit entstehen, übernimmt.

 

Die Krankenversicherung erreicht diese Entlastung dadurch, dass sie die aufgrund der Krankheit entstandenen Kosten in Form von Beiträgen von jedem Versicherten erhebt, sodass jeder Versicherte unabhängig davon, ob er von dieser Krankheit befallen wurde oder nicht, über seinen Beitrag zur Mitfinanzierung herangezogen wird.

 

Aber gerade durch diese Art Umverteilung sind die Kosten, welche bei dem Erkrankten entstehen, auf der einen Seite wesentlich geringer und auf der anderen Seite wesentlich sicherer geworden. Ohne Versicherung hätte ja der Erkrankte alle im Zusammenhang mit der Krankheit entstehenden Kosten allein tragen müssen. Vor allem aber sind die Versicherten insofern besser als ohne Versicherungsabschluss gestellt, dass sie im voraus wissen, wie groß die finanzielle Belastung aufgrund von plötzlich hereinbrechenden Krankheiten Monat für Monat sein wird.

 

Die durch geringere Krankheiten wie z. B. Grippe entstehenden Kosten, die fast Jeden einmal treffen werden, mögen zwar bezogen auf das gesamte Leben eines Individuums gerechnet sogar weitgehend gleich hoch sein. Der Sicherungseffekt kommt jedoch auch hier zum Tragen, da ohne Versicherung unklar bliebe, zu welchen Zeiten der Einzelne von dieser Krankheit befallen wird und deshalb die Gefahr bestünde, dass die Krankheit den Einzelnen gerade dann befällt, wenn er aufgrund anderer Umstände ohnehin überdurchschnittlich belastet wird.

 

Aber es gilt nicht für alle Krankheiten, dass über das ganze Leben eines Einzelnen gerechnet fast jeder in gleichem Umfang von dieser Krankheit betroffen wird. Es gibt auch Krankheiten, von denen nur ganz wenige Individuen betroffen werden, deren Kosten jedoch zusätzlich die finanziellen Möglichkeiten der Einzelnen bei weitem übertreffen.

 

Es gibt Krankheiten, deren Heilung ein Vielfaches von dem betragen, das ein Arbeitnehmer durchschnittlich an Einkommen verdient. Hier wäre es ohne Versicherung ganz unmöglich, dass der größte Teil der Arbeitnehmer solche Kosten selbst tragen könnte, diese Krankheit könnte dann einfach nicht behandelt werden, dieses Individuum müsste vielleicht sterben oder auf jeden Fall starke Behinderungen für sein weiteres Leben erleiden. Da jedoch diese Krankheiten im Allgemeinen nur in sehr geringem Umfang auftreten, kommt der Verteilungseffekt einer Versicherung voll zum Tragen und die finanzielle Belastung für Jeden ist durchaus tragbar.

 

Was würde sich nun in diesem Zusammenhange ändern, wenn es uns eines Tages gelingen würde, dass der größte Teil der  Menschen unsterblich würde? Eine solche Entwicklung hätte die fatale Folge, dass es nun nicht mehr wie bisher möglich wäre, die Lasten der Krankheiten auf dem Versicherungswege auf die Gesamtheit von Versicherten zu übertragen und damit tragbar zu machen.

 

Während nämlich in den letzten Jahrzehnten die Verlängerung der durchschnittlichen Lebensdauer der Menschen vorwiegend auf dem Wege möglich wurde, dass vor allem die Zahl der Verkehrs- und Betriebsunfälle mit tödlichem Ausgang verringert werden konnte, hängt der Sprung zur Unsterblichkeit mit den wissenschaftlichen Fortschritten im Bereich der Genforschung zusammen.

 

Wie wir bereits weiter oben angedeutet haben, geht man in der Genforschung davon aus, dass das menschliche Genmaterial sehr wohl die Anweisungen enthält, die einzelnen Organe des menschlichen Körpers aufzubauen und dass es deshalb grundsätzlich möglich sein müsse, mit Hilfe des in den menschlichen Genen enthaltene Wissen über den Neubau einzelner Organe verbrauchte Teile des menschlichen Körpers durch neue Organe zu ersetzen.

 

So kennt z. B. das Genmaterial des Menschen, die Möglichkeit, Zähne zu ersetzen, jeder Mensch erhält in seiner Kindheit zweite Zähne, nur ist das Genmaterial nicht in der Lage, dieses Wissen ein drittes und viertes Mal, immer dann, wenn die bisherigen Zähne verbraucht sind, einzusetzen und neue Zähne zu bilden.

 

Das Genmaterials anderer Lebewesen lässt es zu, dass Zähne auch öfters ersetzt werden, es gibt sogar einzelne Lebewesen, welche schon heute eine Art Unsterblichkeit aufweisen, so ist z. B. bekannt, dass der Plattenwurm die Fähigkeit besitzt, dass dann, wenn ein Teil seines Rumpfes abgeschnitten wird, dieses Teil nachwächst.

 

Einzelne Genforscher erhoffen sich nun, durch Veränderung in den Gen-Ketten auch dem Menschen die Fähigkeit zu geben, in gleicher Weise verbrauchte Organe zu ersetzen. Und da der Umstand, dass bisher alle Menschen eines Tages ohne Ausnahmen sterben mussten, im Allgemeinen damit erklärt wird, dass sich im Verlauf des menschlichen Lebens die einzelnen Organe verbrauchen, müssen die Menschen bis heute unweigerlich deshalb sterben, da das menschliche Genmaterial nicht die Befähigung besitzt, verbrauchte Organe mit Ausnahme der ersten Zähne beliebig zu ersetzen.

 

Die Befähigung, das Genmaterial zu verändern (man öffnet die DNA-Ketten, schneidet fehlerhafte Gene heraus und ersetzt diese durch funktionsfähige Gene), setzt aber voraus, dass wir zuvor die Struktur der Gen-Ketten kennen, dass wir also eindeutig feststellen können, wenn einzelne DNA-Teile fehlerhaft sind. Und gerade in diesem Wissen liegt das Fatale. Wenn wir genau voraussagen können, welche Menschen in Zukunft von einer bestimmten Krankheit betroffen werden, sind auch die Kosten bekannt, welche den einzelnen Individuen im Zusammenhang mit diesen Krankheiten entstehen werden. In diesem Falle aber fehlt die freiwillige Bereitschaft all derjenigen, welche nicht von dieser Krankheit betroffen sind, zur Finanzierung dieser Kosten einen Versicherungsbeitrag zu zahlen.

 

Es ist ja bisher gerade die Ungewissheit darüber, ob man nicht selbst von bestimmten Krankheiten eines Tages befallen werden wird, welche die generelle Bereitschaft schafft, sich wegen dieser Unsicherheit durch allgemeine Beiträge zur Krankenversicherung abzusichern. Entfällt diese Unsicherheit, so gibt es auch keinen Grund, weshalb jemand freiwillig bereit sein sollte, sich gegen Ereignisse zu versichern, welche mit Sicherheit nicht eintreten.

 

Nun könnte man etwas voreilig einwenden, dass es auch keiner Versicherung mehr bedürfe, wenn es uns eines Tages gelingen würde, die Menschen unsterblich zu machen. Denn dann wären wir ja auch für alle Menschen in der Lage, die krankhaften Gene durch gesunde zu ersetzen, sodass also auch kein Mensch mehr vor den materiellen Folgen einer Krankheit durch eine Versicherung geschützt werden müsste.

 

Diese Schlussfolgerung wäre aus verschiedenen Gründen ein Trugschluss. Als erstes bedeutet die Kenntnis der Gene, welche für ein bestimmtes Ereignis verantwortlich sind, keinesfalls bereits auch die Umsetzung dieser Erkenntnis in den einzelnen Genabschnitten. Oftmals weis man zwar, welches Gen hauptverantwortlich für eine bestimmte Wirkung ist, aber zumeist zeigt dann die Praxis, dass diese Umsetzung nur dann zum erhofften Erfolg führt, wenn gleichzeitig weitere Gene vorhanden sind. Bisweilen ist zwar der erhoffte Zusammenhang in einem ersten Experiment geglückt, dieser Erfolg trat jedoch nur deshalb ein, weil weitere Voraussetzungen gegeben waren, von deren Existenz und Bedeutung für diesen Zusammenhang aber zunächst nichts bekannt war.

 

Oftmals fehlen auch einfach die finanziellen Mittel, um eine Änderung erfolgreich durchzuführen. Weiterhin müssen wir bedenken, dass auch dann, wenn es prinzipiell möglich wäre, nur solche Geburten stattfinden zu lassen, bei denen keine kranken Gene erwartet werden, trotzdem wegen zu geringerer Kontrolle immer wieder Kinder mit defekten Genen geboren werden. Und in gleicher Weise gilt, dass es bei Kindern mit krankhaften Genen trotz prinzipieller Möglichkeit immer wieder in Einzelfällen de facto unterlassen wird, die krankhaften Gene operativ gegen gesunde Gene auszutauschen. Selbst dann, wenn wir einen Überwachungsstaat hätten, würden immer wieder Geburten stattfinden, bei denen kranke Gene auftreten oder bei denen de facto kein Austausch krankhafter DNA-Ketten  stattfindet.

 

Aber selbst dann, wenn der Staat eine 100 prozentige Kontrolle über die Geburten gewinnen könnte, müssen wir berücksichtigen, dass diese Korrekturen von Menschen entschieden und durchgeführt werden und dass Menschen niemals 100 prozentig fehlerfrei sind.

 

Bringen wir als Beispiel den Verkehr mit Kraftfahrzeugen. Rein technisch gesehen lässt sich der Verkehr sehr wohl ohne Unfälle regeln. Wir müssen nur eindeutige Vorfahrtsregeln erlassen und die einzelnen Verkehrsteilnehmer müssen diese Regeln stets einhalten. Trotzdem sterben nach der Statistik der UNO jedes Jahr auf der gesamten Welt mehrere Millionen Menschen im Verkehr und eine zweistellige Anzahl von Personen erleidet dauerhafte Schäden.

 

Dass sich trotz der theoretischen Möglichkeit eines unfallfreien Verkehrs so viele Unfälle in praxi ereignen, liegt daran, dass im Verkehr nicht nur ein perfektes Verhalten im Großen und Ganzen erforderlich ist, sondern dass in jeder einzelnen Sekunde ein richtiges Verhalten gefordert werden muss. Ein PKW-Fahrer mag in 99,999 % der gefahrenen Zeit aufmerksam den Verkehr beobachten, es reicht, dass er einige wenige Sekunden nicht auf die vor ihm liegende Fahrplan schaut, dass dann unter Umständen gerade ein Wild auf die Fahrbahn läuft und schon hat sich ein Unfall ereignet, in den dann vielleicht bei einer Massenkarambolage eine Vielzahl von Fahrzeugen und Personen verwirklicht sind. Kein Mensch ist so perfekt, dass er in jeder einzelnen Sekunde genau das tut, was für einen reibungslosen Verkehr notwendig wäre.

 

Und diese Unvollkommenheit gilt für alle menschlichen Handlungen, also auch für die Mediziner, welche in Operationen die Korrekturen an den menschlichen Genen vornehmen.

 

Nun könnte man einwenden, dass diese Unvollkommenheit des Menschen eben dadurch überwunden werden könnte, dass man diese Aufgaben Maschinen, sogenannten Robotern überträgt. Maschinen kennen diese Unzulänglichkeit des Menschen nicht, Maschinen seien unfehlbar, wird behauptet.

 

Diese Vorstellung mag zwar weit verbreitet sein, entspricht jedoch aus mehreren Gründen einer Illusion. Erstens werden Maschinen von Menschen programmiert und diese Programme können fehlerhaft sein, entweder deshalb, weil die theoretischen Zusammenhänge, die den Programmen zugrunde liegen, noch unvollkommen sind oder weil ein Programmierer einfach wegen seiner Unvollkommenheit Fehler machte. Und wenn ein Programm fehlerhaft ist, dann sind die Ergebnisse aller Routinen, welche ein falsch programmierter Roboter durchführt, falsch. Wäre dieselbe Routine von Menschenhand vorgenommen worden, so hätten zwar einige Individuen Fehler begangen, aber andere – zumeist die überwiegende Mehrheit – hätte die Routine korrekt ausgeführt.

 

Zweitens können auch Maschinen mit korrekt erstellten Programmen durchaus im Einzelfall versagen. Maschinen können ausfallen oder zu unerwünschten Ergebnissen führen wegen Materialermüdung bezw. einem natürlichem Verschleiß einzelner Maschinenteile, sie können bisweilen auch wegen vorübergehendem Stromausfall oder Schwankungen in der Stromstärke ihre Aufgabe nicht mehr korrekt erfüllen.

 

Drittens schließlich besteht in all den Fällen, in denen diese Maschinen durch Funk oder Internet von einer dritten Stelle aus gesteuert werden, die Gefahr, dass Terroristen oder andere subversive Individuen bewusst Einfluss ausüben, um Schaden hervorzurufen. Angesichts der immer mehr wachsenden Bedrohung seitens der Terroristen dürfen diese Gefahren nicht unterschätzt werden.

 

Dies bedeutet, dass auch dann, wenn für die Mehrheit der Menschen eines Tages eine Unsterblichkeit möglich wird, es immer einen nicht zu vernachlässigenden Anteil von Menschen mit Genen geben wird, für welche kein ewiges Leben ermöglicht wird. Und für diese Gruppe ist kein Versicherungsschutz möglich.

 

Nun könnte man hoffen, dass eben in diesem Falle der Kranken- und Unfallschutz vom Staat übernommen werden müsse, dass ein einheitliches Versorgungswerk errichtet werden müsse, wobei die Ausgaben dieser Einrichtung dann aus Steuermitteln zu finanzieren wären.

 

Diese an und für sich durchaus mögliche Lösung bringt jedoch keine echte Entlastung, sondern verlagert das Problem lediglich. Auch dann nämlich, wenn der Traum vom ewigen Leben eines Tages tatsächlich realisiert werden könnte, die Knappheit der Ressourcen, der Zwang zum Haushalten bliebe nach wie vor bestehen. Knappheit bedeutet jedoch, dass kein Ziel des Staates 100 prozentig realisiert werden kann, dass also an jedem Ziel, auch an dem Ziel des ewigen Lebens Abstriche vorgenommen werden müssen.

 

So wird sicherlich auch sehr bald argumentiert werden, dass das Ziel der Sicherheit vor Terroristen eindeutig vorrangig vor dem Ziel der Erhaltung eines jeden einzelnen Lebens habe. Es besteht dann die Gefahr, dass die unselige Diskussion darüber wieder auflebt, ob das Leben kranker Menschen, die zum öffentlichen Wohl sowieso keinen Beitrag leisten könnten, wert sei, erhalten zu werden und mit hohen Geldbeträgen am Leben erhalten wird. Die heutige Wertvorstellung, dass alles menschliche Leben heilig sei und unangetastet bleiben müsse und dass es ein unverzichtbares Menschenrecht auf Leben für jedes einzelne Individuum gebe, würde zumindest aufgeweicht.

 

Gleichzeitig wird der Umstand, dass die Erhaltung eines Lebens (auf dem Wege der Genmanipulation) äußerst kostspielig ist, dazu führen, dass die öffentliche Kontrolle über das private Leben um ein Weiteres ausgeweitet wird und dass damit das Recht auf Intimsphäre eines Jeden nicht mehr gewährt werden könnte. 

 

 

8. Verlängerung des Lebens um jeden Preis?

 

Überprüfen wir nun, inwieweit eine Verlängerung des Lebens um jeden Preis ein von Allen geteiltes Ziel darstellt. Da es sich hierbei um eine Bewertung eines Sachverhaltes und somit nicht um einen Sachverhalt selbst handelt, kann diese Frage auch nicht eindeutig mit den Denkwerkzeugen der Wissenschaft geklärt werden. Schon Jeremy Bentham hat aufgezeigt, dass Bewertungen niemals durch wissenschaftliche Verfahren endgültig geklärt werden können, dass jedes Schlussverfahren, das zu einer bewertenden Aussage kommt, mindestens eine Wertprämisse enthalten muss, welche selbst nicht mit wissenschaftlichen Mitteln bewiesen werden kann und deshalb ohne näheren Beweis postuliert werden muss.

 

Dies bedeutet jedoch auch, dass in der Frage, ob jede Lebensverlängerung per se etwas Positives und Wünschenswertes darstellt, nicht unbedingt für alle Diskutierenden in gleicher Weise beantwortet werden kann. Beginnen wir mit der Haltung der gläubigen Christen.

 

Der vorhergehende Abschnitt hat gezeigt, dass zwar Christen aufgrund ihres Glaubens davon überzeugt sind, dass sie zumindest dann, wenn sie hier auf Erden den Geboten Gottes gefolgt sind, das ewige Leben erreichen werden. Dieses ewige Leben unterscheidet sich jedoch in mehrerer Hinsicht von dem ewigen Leben, von dem heute einige Atheisten träumen.

 

Als erstes bezieht sich das ewige Leben eines gläubigen Christen auf ein Leben, das erst nach dem Tode beginnt, der Einzelne muss zuvor sterben, bevor er die Ewigkeit erlangen kann. Ganz im Gegensatz hierzu träumt ein Atheist – falls er überhaupt diesen Traum hat – von einem ewigen Leben bereits hier auf Erden, er muss also nicht, wie der gläubige Christ unterstellt, zunächst einmal sterben, bevor er in den Genuss des ewigen Lebens gelangt.

 

Darüber hinaus unterscheiden sich jedoch zweitens auch die Zustände der Einzelnen, welche Menschen in diesem ewigen Leben zu erwarten hoffen. Wir haben in diesem Artikel gezeigt, dass gerade dann, wenn es eines Tages gelingen könnte, für die Mehrzahl der Menschen ein ewiges Leben hier auf Erden zu erreichen, eine Vielzahl von ernstzunehmenden Problemen entsteht, aufgrund derer es eindeutig – ganz im Gegensatz zu den Prophezeiungen derjenigen, welche an der Möglichkeit eines ewigen Lebens hier auf Erden ohne zu sterben glauben–, zu einer wesentlichen Verschlechterung der Lebensqualität kommen kann.

 

Aber selbst dann, wenn es der Wissenschaft eines Tages gelingen könnte, diese gravierenden Mängel zu beseitigen, würde die Zufriedenheit, die ein einzelner Mensch bei einem Leben ohne Tod maximal erreichen könnte, gegenüber den Zuständen, die sich der Gläubige im Jenseits erhofft, weit zurückbleiben und eine ganz andere, und zwar geringere Qualität aufweisen.

 

Die Probleme nämlich, welche die Verwirklichung des Traumes vom ewigen Leben hier auf Erden erschweren, stellen im Grunde technische Probleme dar, welche unter Umständen mit Hilfe einer Verbesserung in der Technik, also durch technischen Fortschritt allenfalls vermindert werden können.

 

Es ist aber aus grundsätzlichen Gründen gar nicht möglich, hier auf Erden alle Probleme, welche das tägliche Leben erschweren, restlos zu lösen. Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse über empirische Zusammenhänge gelten nahezu immer nur unter einschränkenden Bedingungen. Wenn wir eine These aufstellen, dass das Ereignis x ein anderes Ereignis y auslöst, so gilt dieser Zusammenhang nahezu immer nur unter einem bestimmten Satz von Nebenbedingungen. Fast immer müssen zum Eintreten einer bestimmten Folge (x führt zu y) andere Tatbestände erfüllt sein und zumeist auch wieder andere Tatbestände bewirken gerade, dass dieses prognostizierte Ereignis eben nicht eintreten kann.

 

Nun gibt es kein exaktes wissenschaftliches Verfahren, um abschließend festzustellen, ob wir tatsächlich alle diese Nebenbedingungen, welche für das Eintreten eines anderen Ereignisses unbedingt erforderlich sind, erfüllt haben. Im Allgemeinen wurden in der Vergangenheit solche Nebenbedingungen eher zufällig festgestellt. Und diese Unmöglichkeit, eindeutig zu wissen, ob alle Nebenbedingungen bereits bekannt sind, hängt selbst wiederum damit zusammen, dass wir in einer offenen und nicht geschlossenen Welt leben, deren Daten immer wieder von außen verändert werden können.

 

Und diese in der Natur des Menschen und unseres Kosmos liegende Unmöglichkeit hat nun selbst wiederum zur Folge, dass wir immer wieder damit rechnen müssen, dass die Maßnahmen, welche wir zugunsten einer allgemeinen menschlichen Wohlfahrtssteigerung einführen werden, von unerwünschten und nicht vorhergesehenen Nebenwirkungen begleitet sein werden. Es ist deshalb auch gar nicht möglich, eines Tages ein umfassendes und nicht durch Leid getrübtes Glück für restlos alle Menschen jemals zu erreichen.

 

Aber selbst dann, wenn es uns gelingen würde, diese Nebenbedingungen eines Tages restlos zu erkennen und darüber hinaus auch die Macht und den Willen hätten, für jeden Einzelnen diese Bedingungen der Glückseligkeit zu realisieren, bliebe immer noch im Gegensatz zu den Hoffnungen eines Gläubigen auf ein ewiges Leben nach dem Tode ein wesentlicher und entscheidender Unterschied übrig.

 

Wir mögen nämlich im Hinblick auf die technischen Möglichkeiten noch so große Erfolge feiern, inwieweit die einzelnen Menschen Glück und Zufriedenheit erfahren, hängt ganz entscheidend auch davon ab, inwieweit die einzelnen Menschen auch im moralischen Sinne stets das Gute und Richtige tun.

 

Selbst dann, wenn wir davon ausgehen könnten, dass der größte Teil der Menschen tatsächlich bereit wäre, die sittlichen Gebote ausnahmslos zu erfüllen – schon dies ist fast eine Unmöglichkeit, nahezu jeder noch so moralisch handelnden Person unterlaufen bisweilen Fehler –, es müsste stets damit gerechnet werden, dass vereinzelte Individuen zu dieser Einhaltung der moralischen Maßstäbe nicht bereit wären und wenn diese darüber hinaus über Macht verfügen, dann auch Unglück größten Ausmaßes über die Menschheit bringen können.

 

Je mehr wir die Technik vervollkommnen, verbessern wir nämlich nicht nur die wohlfahrtssteigernden Umstände, sondern eben auch die Möglichkeiten, Leid und Elend über die Menschen zu bringen und dieses zu vergrößern. Dass wir uns z. B. mit Hilfe eines schnellen Autos fortbewegen können, hat sicherlich zu genereller Wohlfahrt geführt. Das gleiche Auto kann aber von einem Verbrecher dadurch missbraucht werden, dass er das Auto als Waffe einsetzt, in Passanten fährt und diese tötet.

 

Aber gerade in diesen Unvollkommenheiten unterscheiden sich die Träume vom ewigen Leben hier auf Erden gegenüber den Hoffnungen, welche die Gläubigen auf ein Leben nach dem irdischen Tode hegen. Der Gläubige geht davon aus, dass eben nur derjenige in das ewige Leben nach seinem Tode eingeht, der bereits hier auf Erden bereit war, die Gebote Gottes zu befolgen und nach Auskunft der Heiligen Schrift der Christen besteht das wichtigste Gebot gerade darin, dem jeweils Anderen nicht zu schaden und ihm zu helfen, wenn er in Not gerät. Dies bedeutet aber, dass das den Christen prophezeite ewige Leben gerade nicht dadurch getrübt werden wird, dass im moralischen Sinne schlechte Menschen den anderen Menschen Leid zufügen.

 

Auch im Hinblick auf die technischen Verbesserungen, welche sich die atheistischen Menschen erhoffen, besteht ein wesentlicher Unterschied zu den Hoffnungen eines Gläubigen. Gläubige erwarten nicht, dass all die hier auf Erden realisierten Errungenschaften auch im Jenseits zu erwarten sind. Diese technischen Errungenschaften werden aber auch gar nicht im Jenseits gebraucht, da ja der Traum des gläubigen Menschen beinhaltet, dass der Mensch nach seinem Tode gar nicht mehr über einen irdischen Körper verfügt und gerade deshalb auch gar nicht dieser technischen Errungenschaften bedarf. In diesem Falle aber fallen natürlich auch die oben beschriebenen unerwünschten Nebenwirkungen weg, welche sich eben nur auf die irdische und körperliche Wohlfahrt beziehen.

 

Welche Schlussfolgerungen sind jedoch für diejenigen zu ziehen, welche an keinen Gott und an kein Leben nach dem Tode glauben? An welchem Kriterium lässt sich in diesem Falle die Frage klären, welche Qualität ein erweitertes Leben aufweist und inwieweit deshalb ein ewiges Leben hier auf Erden eine in jedem Fall wesentliche Verbesserung des menschlichen Lebens zur Folge hat?

 

Nun haben wir weiter oben gesehen, dass die Hoffnungen auf eine entscheidende Erhöhung des Lebensalters darauf beruhen, dass die Erbanlagen der Menschen verändert werden. Im Allgemeinen wird man erwarten können, dass hier die Lebensverlängerung dadurch erfolgt, dass die sonst üblichen Abnutzungserscheinungen hinausgezögert oder sogar vermieden werden. Da aber der größte Teil der im Alter auftretenden Beschwerden eben aufgrund dieser Abnutzungserscheinungen auftritt, dürfte bei diesen Maßnahmen zugleich mit der Verlängerung des Lebens auch die Lebensqualität im Alter allgemein ansteigen.

 

Trotzdem ist auch in diesem Falle ein weiteres Problem angesprochen: Die Abwägung von Vor- und Nachteilen bei einer Verlängerung des Lebens ist nicht nur für die einzelnen Individuen von Bedeutung, auch der Staat, welcher im Auftrage der Volksgemeinschaft handelt, hat die Frage nach Vor- und Nachteilen einer Lebensverlängerung zu stellen.  In diesem Zusammenhange muss  befürchtet werden, dass der Druck auf den Staat größer wird, Lösungen zu präferieren, welche die der Allgemeinheit anfallenden Kosten minimieren.

 

Natürlich ist es zunächst höchst wünschenswert, wenn die Lebensdauer der Menschen allgemein stark angehoben werden kann. Wir müssen jedoch bedenken, dass vor allem Eingriffe in das Erbgut des Menschen auf der einen Seite sehr kostspielig sein werden und dass auf der anderen Seite niemals damit gerechnet werden kann, dass diese Verbesserung der Erbanlagen bei restlos allen Menschen gelingen kann. In diesem Falle jedoch wird das Gefälle zwischen den einzelnen Menschen noch wesentlich höher als zu der heutigen Zeit.

 

In der Öffentlichkeit wird seit langer Zeit beklagt, dass ein immer größer werdender Anteil der Bevölkerung vor allem im Alter in Armut verfalle. Hier geht es jedoch nur um die Verteilung materieller Güter und wir wissen, dass Glück und Zufriedenheit gar nicht in erster Linie eine Frage der Ausstattung  mit materiellen Gütern ist, sondern vielmehr davon abhängt, inwieweit die Erwartungen realisiert werden können. Es gibt zahlreiche super Reiche, die trotzdem nie so etwas wie Glück und Zufriedenheit erreicht haben und es gibt aber auch genauso Bürger, deren Einkommen nicht viel über einem Mindesteinkommen liegt und welche trotzdem einen inneren Frieden gefunden haben.

 

Würde nun durch genetische Eingriffe die Erbausstattung der Menschen ganz allgemein wesentlich erhöht, würde dieses Gefälle in der Bevölkerung nicht nur zunehmen, sondern gleichzeitig die Lage der weniger begünstigten Personen drastisch verschlechtert. Wenn es der Menschheit gelungen wäre, für viele ein fast ewiges Leben zu ermöglichen, würde trotzdem die allgemeine Knappheit weiter bestehen, ja sogar – wie wir gesehen haben – drastisch zunehmen und dies wiederum würde dazu führen, dass aus Knappheitsgründen immer häufiger die Frage gestellt würde, ob es wirklich notwendig sei, auch die Lage derjenigen, deren Erbgut nicht verbessert werden konnte, zu verbessern.

 

Man würde daraufhin weisen, dass es doch sehr viel besser sei, wenn man die ohnehin zu geringen materiellen Ressourcen zur Förderung derjenigen einsetze, welche auch aufgrund ihrer höheren Leistungsfähigkeit für die Gesellschaft mehr tun könnten. Und man würde immer häufiger die These hören, dass sich unsere Gesellschaft einfach nicht erlauben könne, auch solche Menschen mitzuschleppen, welche ohnehin aufgrund ihrer schlechten Erbanlagen für die Gesellschaft keinen Beitrag erbringen könnten. Es bestünde dann die Gefahr, dass die Ärmeren und Kränkeren zu einer Art Untermensch würden.

 

Dies bedeutet aber, dass für eine große Zahl von Menschen eine tatsächliche Verlängerung des Lebens nicht automatisch mit einem Rückgang der heutzutage im Alter auftretenden Beschwerden verbunden ist. Trotz der in der Vergangenheit bereits erreichten Verlängerung der durchschnittlichen Lebenszeit wird bisher jede Verlängerung des Lebens für den Einzelnen sowohl als positiv als auch negativ empfundene Veränderung wahrgenommen. Und es liegt nahe, nur dann von einem eindeutig positiven Gesamteffekt zu sprechen, wenn die Summe der Glücksgefühle die der negativen Gefühle überwiegt.

 

Und da im Allgemeinen heutzutage gerade die späteren Lebensjahre die Lebensqualität deutlich verschlechtern, ist in diesem Falle sehr bald ein Punkt erreicht, von dem ab die Wohlfahrt des Einzelnen bei einer Verlängerung seines Lebens nicht mehr per saldo steigt.

 

Hierbei sind es vor allem zwei Faktoren, welche im Alter die Lebensqualität verschlechtern. Auf der einen Seite nimmt sowohl die Häufigkeit wie auch die Schwere der Schmerzen zu. Von einem bestimmten Alter an wird nahezu jeder fast täglich bestimmte Schmerzen verspüren. Auch dann, wenn es mit Hilfe von Schmerzmitteln gelingt, die Stärke dieser Beschwerden zu mildern, erfolgt die Milderung zumeist auf Kosten des Bewusstseins und ist deshalb fast genauso die Lebensqualität vermindernd als wenn Schmerzen ausgehalten werden müssten.

 

Neben der Zunahme der Schmerzen zeichnen sich jedoch die älteren Lebensjahre auf der anderen Seite auch dadurch aus, dass die Lebensfunktionen immer mehr zurückgehen. Die Sehkraft lässt im Alter nach, man hört schlechter und die Verständigung wird schwerer, Arthrose in den Fingern verringert die Bewältigung alltätiger Aufgaben, Arthrose in den Knie- und Fußgelenken erschwert die Fortbewegung usw., usf.

 

Es ist also davon auszugehen, dass sich die Älteren selbst nur dann für eine Verlängerung ihres Lebens aussprechen, wenn eine Mindestlebensqualität garantiert ist. Hier wird man fordern müssen, dass diese Entscheidung allein ein Recht des einzelnen Betroffenen darstellt, es kann nicht hingenommen werden, dass andere etwa Angehörige oder Ärzte oder staatliche Behörden darüber befinden.

 

Schwierig wird es allerdings bei der Umsetzung dieses allgemein akzeptierten Grundsatzes, wenn in der Zeit, in der diese Entscheidung ansteht, der Betroffene gar nicht mehr selbst darüber bestimmen kann, wie entschieden werden soll. Entweder ist der Betroffene z. B. aufgrund eines Unfalls bewusstlos, sodass in jedem Falle ein anderer die Entscheidung treffen muss oder aber er hat aufgrund einer fortschreitenden Demenz im Alter gar nicht mehr die Fähigkeit, eigenständige Entscheidungen zu treffen.

 

Diese Schwierigkeit kann dadurch gemildert werden, dass man Jeden anhält, schon sehr früh eine Patientenverfügung zu schreiben, in der festgehalten wird, wie im Ernstfall zu entscheiden ist. Leider kann auch dieser Ausweg keine 100 prozentige Lösung bringen, da auf der einen Seite nicht alle Personen eine solche Verfügung anfertigen, sie können wohl kaum dazu gezwungen werden und da auf der anderen Seite fast immer unklar bleibt, ob der Betroffene im Ernstfall eigentlich diese Verfügung auch noch bejaht.

 

Gerade wegen dieser Mängel einer Patientenverfügung, muss sorgsam darauf geachtet werden, dass es nicht zur Regel wird, dass quasi durch eine Hintertür Andere letztendlich diese Entscheidung fällen. Ein solches Vorgehen muss wo immer nur möglich vor allem deshalb vermieden werden, weil Andere, vor allem auch der Staat, auch eigene Interessen vertreten, die oftmals dem Eigeninteresse des Betroffenen zuwiderlaufen.

 

 

9. Schlussfolgerungen

 

Fassen wir die Ergebnisse unserer Überlegungen zusammen. Der Umstand, dass es der Wissenschaft gelang, die DNA des menschlichen Erbgutes zu entschlüsseln und vor allem die Möglichkeit der Genmanipulation, also der Versuch, kranke Ketten der DNA durch gesunde zu ersetzen, brachte auch im Hinblick auf den Traum zur Unsterblichkeit der Menschen neue Antriebe, bereits heute schwärmen einige Genforscher davon, dass es in absehbarer Zeit gelingen könne, den Traum vom ewigen Leben hier auf Erden zu verwirklichen.

 

In diesem Artikel ging es mir weniger um die Frage, welchen Wert denn ein solcher Traum hat, obwohl natürlich weniger die Frage zur Diskussion steht, das menschliche Leben soweit wie nur möglich zu verlängern, sondern vielmehr die Qualität des Lebens trotz Alterung zu erhalten. Nur eine Lebensverlängerung, welche auch im Alter ein menschenwürdiges Leben ermöglicht, stellt eine Errungenschaft der Menschheit dar.

 

Das Ziel meines Artikels bestand vielmehr in erster Linie darin, aufzuzeigen, dass es nicht ausreicht, dass die Genforschung im Hinblick auf das Ziel der Unsterblichkeit des Menschen Fortschritte erzielt, dass vielmehr gerade bei oder eigentlich vor dieser Verwirklichung eine ganze Reihe neuer schwerwiegender Probleme auftauchen, welche zuvor erforscht und gelöst werden müssen. Von der Erfindung der Genmanipulation bis zur generellen Unsterblichkeit der Menschen ist ein weiter Weg. Die Möglichkeit der Reparatur des menschlichen Genmaterials ist erst der erste Schritt. Hierfür gibt es mehrere Gründe.

 

Ein erster Grund liegt bereits im Bereich der Genforschung selbst. Wir können nämlich nicht erwarten, dass die naturwissenschaftlichen Zusammenhänge so einfach wären, dass eine Größe y stets und allein eine andere Größe x beeinflusst. Fast immer müssen wir davon ausgehen, dass eine Vielzahl von Faktoren Einfluss auf bestimmte Variablen nimmt, dass also das Ereignis x eben nicht nur das Vorhandensein eines anderen Ereignisses y voraussetzt, sondern dass das Ereignis x im Allgemeinen nur dann eintritt, wenn ein ganzer Satz weiterer Variabler w1...wn gegeben ist und wenn eine dritter Satz von  Variablen v1vm gerade nicht gegeben ist. Für die Genforschung besagt dies, dass vermutlich nicht ein einziges Gen für eine ganz bestimmte Aufgabe allein verantwortlich ist, dass vielmehr erst das Zusammenwirken mehrerer Gene eine bestimmte Lösung bewirkt.

 

Wichtig ist hierbei, dass es keine Möglichkeit gibt, mit Sicherheit anzugeben, ob man bereits alle diese weiteren mitbestimmenden Faktoren erkannt hat. Und selbst dann, wenn es uns möglich wäre, davon zu sprechen, dass wir alle bestehenden, einen Zusammenhang begründenden Faktoren kennen würden, wir können auch dann noch nicht sicher sein, dass in Zukunft neue Faktoren auftreten, welche den Erfolg eines bestimmten Ereignisses voraussetzen oder auch behindern. Wir leben nämlich nicht in einer geschlossenen, sondern in einer offenen Welt, wir haben stets damit zu rechnen, dass in Zukunft neue Faktoren in unsere Welt eintreten und die Gesetzmäßigkeiten hier auf Erden maßgebend beeinflussen. Es wird also mit anderen Worten noch sehr viel Zeit vergehen, dass auf dem ‚Atlas der Genforschung‘ alle bisherigen schwarzen Flecken aufgeklärt sind.

 

Wir erwähnten zweitens bereits, dass es weniger darum geht, das menschliche Leben einfach quantitativ zu verlängern und dass keinesfalls jede Verlängerung der durchschnittlichen Lebensdauer des Menschen wünschenswert ist, sondern dass es nur erwünscht ist, menschenwürdiges Leben zu verlängern. Darüber aber, was als menschenwürdig angesehen wird, darüber bestehen heutzutage noch große Meinungsverschiedenheiten, klar ist eigentlich nur, dass es auf der einen Seite allgemeingültiger Kriterien bedarf, an denen die Menschenwürde gemessen wird und dass auf der anderen Seite diese Frage niemals ohne Mitwirkung des jeweils Betroffenen entschieden werden sollte.

 

Ich habe drittens in den vorhergehenden Abschnitten dieses Artikels einige Probleme benannt, welche neu entstehen, wenn es uns in Zukunft gelingen sollte, eine generelle Unsterblichkeit des Menschen zu ermöglichen. Und wir müssen auch damit rechnen, dass sicherlich weitere schwerwiegende Probleme in Zukunft im Zusammenhang mit der Verwirklichung des Traums vom ewigen Leben auftreten werden, die es ebenfalls zu bewältigen gilt. Dies heißt aber nicht unbedingt, dass wir uns aufgrund dieser vermutlichen Entwicklung von dem Traum nach ewigen Leben endgültig verabschieden sollten.

 

Die Menschheit stand in jeder Entwicklungsstufe vor ernstzunehmenden Problemen. Probleme sind aber dazu da, gelöst zu werden und die vergangene Entwicklung der Wissenschaft hat gezeigt, dass es der Menschheit sehr oft gelungen ist, Probleme einer Lösung zuzuführen, von denen sehr oft zunächst davon ausgegangen wurde, dass sie unlösbar sind. Aber auch dann, wenn wir diesen Optimismus teilen, wird noch sehr viel Arbeit zu leisten sein und deshalb auch sehr viel Zeit verstreichen, bevor Unsterblichkeit tatsächlich für den größten Teil der Menschen möglich wird und auch ein Mehr an Zufriedenheit auslöst.

 

Viertens schließlich bezogen sich unsere Bedenken fast ausschließlich einerseits auf die notwendige Entwicklung in der Technologie, andererseits auf Probleme, welche es im Rahmen der politischen Ordnung zu lösen gilt. Trotzdem müssen wir davon ausgehen, dass die Frage, ob wir tatsächlich eines Tages unsterblich werden und ob uns diese Veränderung tatsächlich eine Verbesserung des Lebens hier auf Erden ermöglicht, auch ganz entscheidend davon abhängt, wie sich unsere kulturellen Gesellschaftssysteme entwickeln werden.

 

Wir hatten bereits kurz angedeutet, dass aufgrund der aufgezeigten neuen Probleme hohe Anforderungen an das moralische Niveau der Entscheidenden gestellt werden müssen, dass z. B. durchaus die Gefahr besteht, dass aus Kostengründen das Entstehen von neuem Leben, das krankhafte Gene enthält, die auch nicht durch Genmanipulation geheilt werden können oder bei deren Heilung zu hohe Kosten anfallen, künstlich verhindert wird.

 

Nun können wir allerdings im Gegensatz zu den technischen Systemen im kulturellen Bereich keine wesentlichen Verbesserungen feststellen, ganz im Gegenteil lässt sich in den letzten Jahrzehnten ein genereller Verfall der Sitten feststellen. Angesichts dieser Entwicklung muss befürchtet werden, dass der Traum vom ewigen Leben nur dann wünschenswert sein wird, wenn es uns zusätzlich gelingt, den Abwärtstrend in der moralischen Haltung zu stoppen und genauso wie in den anderen Gesellschaftssystemen auch im Hinblick auf die Verinnerlichung der moralischen Werte sowohl bei den Führungskräften wie auch bei der gesamten Bevölkerung einen Fortschritt zu erzielen.