Inflationsausgleich für Alle?

 

Die derzeitige Inflationsrate der BRD ist auf 7,4% angestiegen und es ist zu befürchten, dass sie weiter steigen wird. Die Regierung der BRD sieht nun vor, nicht nur die Empfänger geringen Einkommens, sondern die gesamte Bevölkerung zu entlasten.

 

In diesem Artikel möchte ich erstens zeigen, dass ein solcher allgemeiner Inflationsausgleich auf der einen Seite den Bürgern keine wesentliche Entlastung bringen wird, aber auf der anderen Seite zu unerwünschten Wirkungen führen wird, zweitens dass ein Inflationsausgleich bei den Empfängern geringer Einkommen zu keinen ernsten Schwierigkeiten führen wird und dass es drittens besser wäre, wenn man sich nicht darauf beschränken würde, an den Symptomen zu kurieren, sondern die Inflation als solche bekämpfen würde, dass aber eine wirksame Stabilitätspolitik wegen verfehlter Politik in der Vergangenheit auf größte Schwierigkeiten stößt.

 

Wenden wir uns zunächst der Frage zu, weshalb ein allgemeiner Inflationsausgleich für Alle keine befriedigende Lösung bringt. Welche Wirkungen von einem allgemeinen Inflationsausgleich ausgehen, hängt entscheidend davon ab, wie diese staatlichen Aufwendungen finanziert werden. Grundsätzlich sind drei Arten der Finanzierung möglich. Man reduziert erstens bei gleichem Steueraufkommen die Staatsausgaben für bisher vorgesehene staatliche Infrastrukturinvestitionen bzw. für konsumtive Aufwendungen des Staates, oder aber man erhöht zweitens das Steuervolumen oder aber man dehnt drittens die Staatsverschuldung durch Aufnahme weiterer staatlicher Kredite aus.

 

Keine dieser Finanzierungsarten führt zu einer spürbaren Entlastung der Bürger. Kürzt der Staat seine Ausgaben für Infrastrukturmaßnahmen, gefährdet er das wirtschaftliche Wachstum. Kürzt er jedoch seine Konsumausgaben (Aufwendungen zugunsten sozial schwacher Bürger), gefährdet er die sozialpolitischen Ziele. Erhöht er jedoch die Steuersätze, so müssen die Bürger die ihnen gewährten Zuwendungen über erhöhte Steuern selbst finanzieren, ihr Nettoeinkommen wird nicht erhöht. Da aber jede Steuereintreibung mit Verwaltungskosten verbunden ist, erhöht sich im Endergebnis die Steuerlast des Bürgers, er verfügt am Ende über ein geringeres Nettoeinkommen als bisher, trotz der zusätzlichen staatlichen Zuwendungen.

 

Was gilt jedoch dann, wenn der Staat die zusätzlichen Aufwendungen mit Krediten finanziert und damit die staatliche Gesamtverschuldung vergrößert? Wenn auch in diesem Falle das nominelle Nettoeinkomen der Büger vergrößert wird, erfährt er trotzdem keine reale Entlastung. Eine Zunahme der staatlichen Kredite ist ja mit einem Zuwachs an umlaufendem Geldvolumen verbunden. Die zusätzliche Geldmenge wird jedoch zu einer Zunahme der Inflationsrate führen, da nicht erwartet werden kann, dass aufgrund dieser größeren Geldmenge in gleichem Umfang entweder die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes oder das reale Gütervolumen ansteigt. Stets gilt die Gleichung:

G x U = P x X bzw. P = (G x U) /X, mit

 

G: umlaufende Geldmenge

U: Umlaufsgeschwindigeit des Geldes

X: reales Inlandsprodukt

P: Preisniveau aller Güter.

 

Die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes hängt von langfristigen Zahlungsgewohnheiten ab und wird deshalb sicherlich nicht aufgrund der augenblicklichen Preissteigerungen ansteigen. Die augenblicklichen Preissteigerungen dienen aber auch nicht dazu, wachstumssteigernde Investitionen auszulösen. Und dies bedeutet, dass die Umlenkung der bisher spekulativ angelegten Gelder zum größten Teil zu weiteren Preissteigerungen führen wird.

 

Dies bedeutet aber, dass die Bürger trotz höheren Nominaleinkommen keine Entlastung erfahren, da die zusätzlichen Einkünfte dafür verwandt werden müssen, um die zusätzlich erhöhten Preise zu bezahlen.

 

Wenden wir uns nun der Frage zu, wie ein Inflationsausgleich zu beurteilen ist, der sich auf die Empfänger geringen Einkommens beschränkt. Ein solcher Inflationsausgleich ist dringend geboten, da die Preissteigerungen bei lebenswichtigen Gütern ohne Inflationsausgleich bei Empfängern niederer Einkommen dazu führen, dass ein Großteil der Empfänger geringen Einkommens in ernsthafte Schwierigkeiten geraten wird.

 

Welche Wirkungen gehen nun von einem begrenzten Inflationsausgleich aus? Wir haben uns hierbei klarzumachen, dass Preissteigerungen in einer Marktwirtschaft dann auftreten, wenn Güter knapp werden, wenn also das Angebot nicht ausreicht, um die Nachfrage zu befriedigen.

 

Preissteigerungen dienen aber gleichzeitig dazu, die Knappheit zu beseitigen. Gestiegene Preise stellen über Gewinnsteigerungen für die Anbieter einen Anreiz dar, das Angebot auszuweiten. Für die Nachfrager entsteht bei Preissteigerungen ein Anreiz, die Nachfrage einzuschränken. Somit bewirkt eine Preissteigerung, dass das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage von zwei Seiten abgebaut wird: das Angebot steigt, die Nachfrage sinkt und der Nachfrageüberhang wird also abgebaut.

 

Führen wir nun einen auf Empfänger geringen Einkommens beschränkten Inflationsausgleich ein, bleiben diese Marktungleichgewicht abbauenden Anreize bestehen. Nachwie vor haben die Anbieter einen Anreiz, ihr Angebot auszuweiten, gleichzeitig haben auch die Nachfrager ein Interesse daran, ihre Nachfrage zu verringern. Dieser Anreiz gilt nun nur nicht mehr für die Empfänger geringen Einkommens. Da diese Gruppe ohnehin bisher ihre Nachfrage auf das existentiell Notwendige beschränkt hatte und deshalb gar nicht in der Lage wäre, ihre Nachfrage wesentlich einzuschränken, wäre ohnehin die Nachfragereduzierung bei dieser Gruppe ohne Inflationsausgleich vernachlässigbar gering. Wir halten also fest: Durch diese Maßnahme werden die Empfänger geringen Einkommens entlastet, ohne dass negative Sekundärwirkungen auf das wirtschaftliche Wachstum zu erwarten wären.

 

Wenden wir uns zum Abschluss der Frage zu, ob nicht eine Bekämpfung der Inflation eine bessere Lösung bringen würde. Inflationen werden im Allgemeinen dadurch bekämpft, dass die Notenbank den Zinssatz erhöht und damit die Bereitschaft der Unternehmer zu weiteren mit Krediten finanzierten Investitionen verringert.

 

Eine solche Zinserhöhung wird im Allgemeinen in Zeiten der konjunkturellen Erhitzung notwendig. Ein konjunktureller Aufschwung ist nur solange sinnvoll, als noch Ressourcen (Arbeitskräfte oder Rohstoffe) frei sind. Sobald die vorhandenen Ressourcen in der Produktion eingesetzt sind, gilt es weitere Nachfragesteigerungen durch Zinserhöhungen zu bremsen, da diese weitgehend in weiteren Preissteigerungen verpuffen würden.

 

Die augenblickliche Situation zeichnet sich dadurch aus, dass nicht eine konjunkturelle Überhitzung zu Preissteigerungen geführt hat, dass vielmehr Lieferengpässe auf einzelnen Märkten die Produktion behindern. Deshalb würde eine Zinserhöhung gegenwärtig weiterhin notwendige Investitionen und damit das wirtschaftliche Wachstum behindern.

 

Die augenblicklichen Preissteigerungen sind auf die verfehlte Politik der Zentralnotenbank in der Vergangenheit zurückzuführen. Die Geldmenge wurde enorm erhöht, dieses zusätzliche Geld führte aber nicht zu einer Steigerung der Investitionen, sondern wurde spekulativ in Gold, Grundstücken und Wertpapieren angelegt. Als dann bei Energie und bei einigen anderen Produkten knappheitsbedingt die Preise anstiegen, veringerte sich trotzdem nicht die Nachfrage bei anderen Gütern, sondern konnte durch Abzug der spekulativ angelegten Gelder bezahlt werden.

 

Zur Inflationsbekämpfung notwendig wäre, dass die Notenbank die in früheren Zeiten aufgekauften Wertpapiere wiederum verkauft. Dies stößt jedoch auf Schwierigkeiten, weil es sich hierbei größtenteils um wertlose Wertpapiere handelt. So rächt sich der Versuch der Notenbank, nicht primär die Währung zu stabilisieren, sondern Konjunkturpolitik zu treiben, eine Aufgabe, die eigentlich dem Staat vorbehalten ist. Nun ist die Notenbank aufgrund der verfehlten Geldpolitik in der Verganheit aus konjunkturellen Gründen nicht mehr in der Lage, eine Inflation wirksam zu bekämpfen. Eine Zinserhöhung würde das notwendige wirtschaftliche Wachstum behindern, ein Verkauf der Wertpapiere und damit eine Verringerung der umlaufenden Geldmenge ist nicht möglich, da die meisten im Portefeuille der Notenbank befindlichen Wertpapiere marode sind.