Zur Frage der Zukunftsbelastung

 

Anlässlich des Erdüberlastungstages wird davon gesprochen, dass wir mehr verbrauchen, als die Erde "nachliefern" könne, dass wir also auf Pump leben und wenn man den Verbrauch global zusammenrechne und aufsummiere, dann sei das heute bereits der Fall.

 

Aber sind die Zusammenhänge tatsächlich so einfach und eindeutig? Für die westlichen Industrienationen gilt, dass sie vor dem Industrialisierungsprozess im 19. und 20. Jahrhundert über weit mehr natürliche Rohstoffe als heute verfügt haben und trotzdem eine wesentlich geringere Wohlfahrt als heute, gemessen am realen Inlandsprodukt pro Kopf, erzielt haben.

 

Der Grund hierfür liegt darin, dass im Zuge des Industrialisierungsprozesses unser Wissen über die Produktionsprozesse entscheidend vergrößert werden konnte. So war es möglich, mit gleichem Arbeitseinsatz und gleichem Einsatz an natürlichen Rohstoffen weit mehr als bisher zu produzieren, sodass nicht nur einige wenige reiche Bürger, sondern große Teile der Arbeitnehmerschaft ihren Lebensstandard entscheidend verbessern konnten.

 

Dieses Wissen geht nicht verloren und kann an die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden. Ja gerade in den letzten Jahrzehnten konnten einige wichtige Ursachen des heutigen Klimawandels erkannt werden und somit die Voraussetzungen geschaffen werden, um diesen Klimawandel zwar wohl nicht zu stoppen, aber in seinem verherenden Ausmaß zu reduzieren.  Gleichzeitig wurden Möglichkeiten aufgezeigt, auf welche Weise die negativen Folgen dieses Klimawandels zumindest gemildert werden können.

 

Die Wohlfahrt der zukünftigen Generationen hängt darüber hinaus aber auch davon ab, wieviel Kapital in der heutigen Generation gebildet wird. Ganz allgemein gilt, dass die zur Verfügung stehenden Produktionsfaktoren für den augenblicklichen Konsum oder aber teilweise gespart und für die Vergrößerung der Produktionskapazität eingesetzt werden können, wobei man davon ausgehen kann, dass auf diese Weise in Zukunft die Produktion auch der Konsumgüter bei gleichem Einsatz natürlicher Rohstoffe und Arbeitskräfte vergrößert werden kann. Also auch ein heute realisierter Zuwachs des Kapitalvermögens kommt den zukünftigen Generationen zugute.

 

Während in der Vergangenheit nur einige wenige besonders reiche Familien ihren Kindern Vermögen vererben konnten, wird heutzutage von einem größeren Teil der Empfänger mittleren Einkommens Vermögen an ihre Kinder vererbt,  auch nimmt die heutige Jugend in viel stärkerem Maße als früher am Wohlstand ihrer Eltern teil.

 

Auch im Hinblick auf die Rohstoffe bedarf es einiger zusätzlicher Bemerkungen. Im Allgemeinen unterscheiden wir zwischen natürlichen Rohstoffen, welche verbraucht und solchen, welche nur gebraucht werden, also durch Produktion und Konsumtion nicht verloren gehen.

 

Zu den Rohstoffen, welche verbraucht werden und als solche nicht mehr den zukünftigen Generationen zur Verfügung stehen, zählen insbesondere die Energierohstoffe. Die Rohstoffe, welche bei der Produktion eingesetzt werden, werden an und für sich durch Produktion und Konsum nicht vernichtet, sie können grundsätzlich nach Gebrauch wieder durch Rezyklen zurückgewonnen werden.

 

Allerdings lebten wir in den letzten 100 Jahren in einer Wegwerfgesellschaft, in der auf die Rückgewinnung dieser Rohstoffe verzichtet wurde. Man verzichtete auf diese Rückführung, weil man von der Vorstellung ausging, dass der technische Fortschritt so rasant sei, dass man die heutigen (auch sonst langlebigen Güter) nach kurzer Zeit durch qualitativ bessere Waren ersetzen könne und dass man deshalb auf die Haltbarkeit oder auch Fähigkeit zum Rezyklen verzichten könne. Das bedeutet, dass auch die eigentlich nichtverbrauchbaren Rohstoffe de facto wie verbrauchbare Rohstoffe behandelt wurden.

 

Wegen der zunehmenden Knappheit dieser natürlichen Rohstoffe wurde die Notwendigkeit zur Rückgewinnung der Rohstoffe immer deutlicher. Die Schwierigkeit liegt aber darin, dass einige Waren gar nicht rezykelt werden können, während für den größten Teil der Waren gilt, dass ein Rezyklen nur mit extrem hohen Kosten überhaupt möglich ist. Hierbei geht es in erster Linie um die Fähigkeit, die einzelnen in den Waren miteinander verbundenen Rohstoffe wieder zu trennen.

 

Diese Schhwierigkeit liegt aber nicht in der Natur der Sache, diese Schwierigkeiten bestehen nur deshalb, weil man es bisher nicht für notwendig gehalten hatte, Rohstoffe zurückzugewinnen. Hier bedarf es zweierlei: Es müssen neue Produktionsverfahren entwickelt werden, welche es gestatten, nach Gebrauch die einzelnen Rohstoffe mit angemessenen Kosten zu trennen und es müssen weiterhin neue Verfahren entwickelt werden, um die Möglichkeiten der Trennung der einzelnen Rohstoffe zu verbessern.

 

So ist es denkbar und wünschenswert, dass das Rezyklen der einzelnen Waren zum Normalfall wird und dass der größte Teil der eingesetzten Rohstoffe zurückgewonnen werden kann. Eine solche Entwicklung würde auch die Abhängigkeit der einzelnen Staaten von den Ländern, welche diese Rohstoffe bisweilen als Einzige fördern und auf diese Weise eine Monopolmacht haben, entscheidend verringern.