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A L L G E M E I N E

W I R T S C H A F T S P O L I T I K

V O N  B E R N H A R D  K Ü L P

 

 

 

 

Gliederung:

 

01. Betrachtungsweisen            

02. Methoden                              

03. Zielanalyse                            

04. Mittelanalyse                      

05. Trägeranalyse                        

06. Politische Ökonomie              

07. Wohlfahrtstheorie                

08. Ordnungsanalyse                  

09. Ordnungskonzeption           

10. Ordnungsdynamik       

 

 

Kapitel 9: Ordnungskonzeptionen Teil III

 

 

Gliederung:

 

01. Einführung

02. Der Laisser-faire-Liberalismus

03. Der Ordo-Liberalismus

04. Der Volkskapitalismus

05. Der Versorgungsstaat

06. Die Globalsteuerung

07. Die Planifikation

08. Die Konzertierte Aktion

09. Die Verstaatlichung der Schlüsselindustrien

10. Der Konkurrenzsozialismus

11. Das Jugoslawische Modell

12. Die Zentralverwaltungswirtschaft

 

 

 

09. Die Verstaatlichung der Schlüsselindustrien

 

Das Konzept der Verstaatlichung der Schlüsselindustrien, so wie es von den deutschen Sozialdemokratien bis zum Bad Godesberger Programm von 1959 vertreten wurde, ging in der Kritik an der Marktwirtschaft (am Kapitalismus) sehr viel weiter als die bisher besprochenen Ordnungskonzeptionen und näherte sich auch dem Konzept einer staatlichen Planwirtschaft sehr viel näher an.

 

Natürlich teilten auch die Sozialdemokraten bis zu diesem Zeitpunkt die Kritik aus sozialer Sicht, so wie sie z. B. von den Vertretern des Volkskapitalismus gegenüber einer reinen Marktwirtschaft erhoben wurden und die in der Aussage wurzelte, dass die sozialen Belange der breiten Masse des Volkes zu wenig Berücksichtigung fänden und dass sich die Einkommensverteilung zuungunsten der Arbeitnehmer entwickeln würde.

 

Auch die Sozialdemokraten übten darüber hinaus an den Allokationsergebnissen des Marktes Kritik, wie sie z. B. von den Vertretern einer Planifikation in Frankreich lange Zeit erhoben wurde, wobei vor allem die Möglichkeiten des Marktversagens und der Marktmängel in den Mittelpunkt der Kritik gestellt wurden.

 

Aber es blieb bei den Sozialdemokraten nicht bei dieser Kritik. Genauso, wie die Altliberalen eine tiefe Abneigung gegen jede Art staatlicher Einflussnahme auf die Wirtschaft hegten, genauso waren die Sozialdemokraten davon überzeugt, dass das Privateigentum und das Gewinnstreben der Unternehmer die eigentliche Ursache für die festgestellten Missverhältnisse darstelle und damit als etwas Schlechtes per se angesehen werden müsse. Also müsse eigentlich das gesamte erwerbswirtschaftlich eingesetzte Kapital verstaatlicht werden.

 

Aus welchen Gründen beschränkten sich die Sozialdemokraten bis zum Bad Godesberger Programm jedoch trotzdem auf die Forderung, nicht alle Unternehmungen, sondern nur die Schlüsselindustrien zu verstaatlichen? Der Grund hierfür lag in der Tatsache, dass sich die Sozialdemokraten schon sehr früh zu einem freiheitlichen Sozialismus bekannten und darüber hinaus in den negativen Erfahrungen, welche der Sozialismus in den kommunistischen Ländern (in Russland) mit planwirtschaftlichen Systemen gemacht hatte.

 

Auf der einen Seite lehnte man eine Diktatur des Proletariats, so wie sie von den russischen Kommunisten propagiert und praktiziert wurde, ab. Auf der anderen Seite befürchtete man, dass bei einer totalen Verstaatlichung aller Unternehmungen die staatliche Planungsbehörde so viel Macht erlangen könne, dass sich diese der Kontrolle durch das Parlament entziehen könnte.

 

Daher forderten die Sozialdemokraten lediglich die Verstaatlichung der sogenannten Schlüsselindustrien, man war der Überzeugung, dass auch bei dieser Beschränkung in der Verstaatlichung auf wenige Wirtschaftszweige das eigentliche Ziel dieser Ordnungskonzeption: nämlich die Ausrichtung der Produktion an den Bedürfnissen des Volkes, vor allem der Arbeitnehmer erreicht werden könne.

 

Was verstand man nun unter Schlüsselindustrien? Unter diesem Begriff wurden die Energieindustrien, vor allem die Förderung von Kohle, weiterhin die Stahlproduktion, sowie das Bankengewerbe verstanden. Es fallen also eigentlich nicht nur Industrien im engeren Sinne unter diesen Begriff, denn nur die Produktion von Stahl erfolgt mit industriellen Methoden. Die Energiewirtschaft beschränkte sich zumindest zu der damaligen Zeit auf die Förderung von Kohle, also auf den Bergbau, der Bankenapparat war und ist ein Wirtschaftszweig aus dem Bereich der Dienstleistungen.

 

Man war nun der Überzeugung, dass auch bei einer Verstaatlichung nur der Schlüsselindustrien eine Lenkung aller Märkte garantiert werden könne. Nahezu zur Produktion und zum Konsum aller Güter würde nämlich Energie benötigt. Ein Bedarf an Stahl besteht – oder bestand damals – insbesondere in der Auto- und Maschinenindustrie; Maschinen werden jedoch wiederum zur Produktion der meisten Güter eingesetzt, sie stellen einen Teil der Produktionskapazität dar.

 

Das Bankengewerbe kommt schließlich dadurch ins Spiel, dass nahezu alle Unternehmungen Kredite benötigen, welche ihnen von den Banken geliehen werden. Für die großen Kapitalgesellschaften komme noch hinzu, dass sie ihr Kapital vorwiegend auf den Kapitalmärkten erwerben und dass die Banken hierzu Hilfestellungen leisten. Aber gerade die großen Kapitalgesellschaften sind es, welche nach Meinung der Sozialisten für die mangelnde Ausrichtung der Produktion an den Bedürfnissen des Volkes verantwortlich seien.

 

Indem der Staat nun die Kontrolle über die Kreditvergabe und über die Zuteilung von Stahl und Energie bei einer Verstaatlichung der Schlüsselindustrien übernehme, sei er in der Lage, die gesamte Produktion einer Volkswirtschaft an den Vorstellungen der Regierung auszurichten.

 

Die Möglichkeit, dass es neben Marktversagen auch Politikversagen gibt und dass das Politikversagen im konkreten Einzelfall größer sein kann als das Marktversagen, wird bei dieser Konzeption nicht berücksichtigt. Gleichzeitig wird übersehen, dass ein bürokratisches System in hohem Maße ineffizient ist und damit einem System freier Unternehmungen unterlegen ist.

 

Der Bürokratie mangelt es an Anreizen, jeweils die effizienteste Lösung für die Produktion von Gütern anzusteuern, der Bürokrat hat nicht für die Verluste aufzukommen, welche von ihm verursacht werden, er ist deshalb auch zu riskanten Aufgaben bereit; er erhält auch nicht die Gewinne, die er erwirtschaftet hat. Werden aber Verluste und Gewinne auf politischem Wege angerechnet, so sind es im Allgemeinen die Politiker und nicht die Bürokraten, welche die einzelnen konkreten Entscheidungen treffen und umsetzen.

 

 

10. Der Konkurrenzsozialismus

 

Die von Oskar Lange entwickelte Ordnungskonzeption des Konkurrenzsozialismus unterscheidet sich von den bisher behandelten Vorstellungen des Sozialismus vor allem in der Begründung. Sein Ziel besteht darin, eine Theorie der staatlichen Planung einer sozialistischen Volkswirtschaft zu entwickeln.

 

Ausgangspunkt seiner Überlegungen sind die Ergebnisse der neueren Wohlfahrtstheorie. Geht man von der von Vilfredo Pareto entwickelten Wohlfahrtstheorie aus, so wird das Wohlfahrtsoptimum einer Volkswirtschaft durch den Tangentialpunkt der Transformationskurve mit einer kollektiven Indifferenzkurve bestimmt. Betrachten wir diesen Zusammenhang anhand folgender Graphik:

 

 

Beschreibung: w0

 

 

Auf den Koordinaten werden die zu produzierenden Mengen zweier Güter (Güterbündel) x1 und x2 abgetragen. Die rote Kurve gibt die Transformationskurve wieder, die angibt, welche Güterkombinationen mit den gegebenen Ressourcen produziert werden können. Die blauen Kurven geben der kollektiven Indifferenzkurve wieder, welche alle die Güterkombinationen miteinander verbinden, welche eine gleich hohe Wohlfahrt garantieren.

 

Die angestrebte Güterkombination muss erstens auf (oder allenfalls unter) der Transformationskurve liegen, da nur solche Kombinationen überhaupt möglich sind. Zweitens sollte aus der Zahl der möglichen Kombinationen jene ausgewählt werden, welche die höchste Wohlfahrt garantiert. Da die Indifferenzkurven umso weiter vom Koordinaten-Ursprung entfernt sind, je größer die Wohlfahrt ist, welche diese Kurve widerspiegelt, erfüllt genau derjenige Punkt des Diagramms diese Bedingung, bei dem eine kollektive Indifferenzkurve die Transformationskurve tangiert.

 

Diejenigen Güterkombinationen, welche auf der am untersten eingezeichneten Indifferenzkurve liegen und die Transformationskurve schneiden, aber nicht tangieren, sind zwar möglich, bringen jedoch nicht die höchstmögliche Wohlfahrt zum Ausdruck; diejenigen Güterkombinationen, welche auf einer Indifferenzkurve liegen, welche die Transformationskurve überhaupt nicht berühren, würden zwar eine höhere Wohlfahrt als der Tangentialpunkt anzeigen, sind jedoch nicht realisierbar, da sie gar nicht auf der Transformationskurve liegen.

 

Nun hat die traditionelle Wohlfahrtstheorie nachgewiesen, dass in einer Marktwirtschaft unter ganz bestimmten Bedingungen der Tendenz nach gerade das Wohlfahrtsoptimum angesteuert werde. Zu den zwei wichtigsten Voraussetzungen zählt einmal die Forderung, dass keine externen Kosten vorliegen, dass also alle einer Volkswirtschaft entstehenden Kosten von den Unternehmungen, welche diese Kosten verursachen, auch getragen werden. Zum andern muss auf allen Märkten und auf beiden Marktseiten vollständige Konkurrenz herrschen.

 

Unterstellen wir einmal der Einfachheit halber, dass keine externen Kosten vorlägen, so lässt sich relativ einfach nachweisen, dass bei Vorhandensein vollständiger Konkurrenz und im Gleichgewicht genau die Güterkombination verwirklicht wird, welche dem Tangentialpunkt der Transformationskurve mit einer kollektiven Indifferenzkurve entspricht und welche somit ein Wohlfahrtsoptimum garantiert.

 

In einem ersten Schritt wird nachgewiesen, dass immer dann, wenn die Unternehmer bestrebt sind, die Produktion ihrer Güter soweit auszuweiten, bis die Grenzkosten den vorgegebenen Preisen entsprechen, im Gleichgewicht die Grenzrate der Transformation den Grenzkostenverhältnissen und diese den Preisverhältnissen entsprechen. Herrscht vollständige Konkurrenz, dann werden die Unternehmer nämlich gerade dann ihren Gewinn maximieren, wenn diese Grenzkosten-Preisregel erfüllt ist.

 

In einem zweiten Schritt wird nachgewiesen, dass die Haushalte genau dann ihren Nutzen maximieren, wenn die Grenzrate der Substitution dem Preisverhältnis der Güter entspricht. Sind zwei Größen einer Dritten gleich, so sind sie auch untereinander gleich. Entspricht sowohl die Grenzrate der Substitution sowie der Transformation dem Güterpreisverhältnis, so entspricht notwendigerweise auch die Grenzrate der Substitution der Grenzrate der Transformation. Da die Gleichheit beider Grenzraten die Voraussetzung für ein Wohlfahrtsoptimum darstellt, ist somit nachgewiesen, dass bei vollständiger Konkurrenz (und Vermeidung von externen Kosten) das Wohlfahrtsoptimum realisiert wird.

 

Nun geht Oskar Lange davon aus, dass in der Realität diese Voraussetzung nicht erfüllt ist. Die Märkte weisen Monopole und Oligopole auf, weiterhin werden nicht alle volkswirtschaftlichen Kosten den verursachenden Unternehmungen angelastet. Aus diesen Gründen müsse davon ausgegangen werden, dass der freie Markt in der Realität keine optimale Lösung ansteuere.

 

Hier setzt nun der Lösungsvorschlag von Oskar Lange an. Wenn bei vollständiger Konkurrenz eine optimale Lösung erzielt werden könnte, dann kann Optimalität auch dann erreicht werden, wenn die Produktionsleiter angehalten werden, sich wie freie Unternehmer auf Konkurrenzmärkten zu verhalten, und ihre Produktion solange auszuweiten, bis die Grenzkosten den Güterpreisen entsprechen. Die Unternehmungen werden verstaatlicht und die Produktionsleiter sind weisungsgebunden.

 

Allerdings funktioniert dieses Modell nur dann, wenn die vom Staat gesetzten Preise die Knappheiten der Güter widerspiegeln und somit den Gleichgewichtspreisen auf den Märkten entsprechen. Da bei Unterstellung einer Konsumentensouveränität der Staat die Knappheitsrelationen nicht im Voraus kennen kann, gilt es den Gleichgewichtsmechanismus zu simulieren. Die staatliche Behörde geht von beliebigen Preisen aus und variiert diese solange, als sich Angebot und Nachfrage nicht entsprechen, wobei ein Angebotsüberhang mit Preissenkungen, ein Nachfrageüberhang jedoch mit Preissteigerungen beantwortet werden muss.

 

Zur Kritik muss allerdings festgestellt werden, dass diese Konzeption alle verwaltungsinternen Koordinationsprobleme vernachlässigt. Innerhalb einer Marktwirtschaft halten die Unternehmer die Preis-Grenzkosten-Regel aus eigenem Interesse ein. Die Unternehmer versuchen ihren Gewinn zu maximieren und dies ist genau dann der Fall, wenn die Unternehmer die Preis-Grenzkosten Regel einhalten.

 

Für die Produktionsleiter stellt diese Regel zunächst nur eine Anweisung dar und es muss geprüft werden, ob bzw. unter welchen Bedingungen die Produktionsleiter ein Interesse daran haben, diese Anweisungen zu übergehen. Da die übergeordneten Behörden keinesfalls den Verlauf der Grenzkosten per se kennen, sondern auf die Angaben der Produktionsleiter angewiesen sind, muss mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass die Produktionsleiter den Versuch unternehmen, die Höhe der Grenzkosten zu verschleiern.

 

Nur eine Theorie, welche auf der einen Seite die einzelnen Motive der Produktionsleiter, auf der anderen Seite die innerhalb der Bürokratie wirkenden Anreizsysteme beschreibt, kann klären, ob und unter welchen Bedingungen damit gerechnet werden kann, dass die Preis-Grenzkosten-Regel von den Produktionsleitern auch eingehalten wird.

 

 

11. Das Jugoslawische Modell

 

Eine besondere Variante einer sozialistischen Planwirtschaft finden wir in dem Modell, welches Tito in der unmittelbaren Zeit nach dem zweiten Weltkrieg in Jugoslawien verwirklicht hatte. Während bei den meisten sozialistischen Modellen die Kritik am kapitalistischen System dazu führte, dass das erwerbswirtschaftliche Privateigentum in die Hände des Staates gelegt, also verstaatlicht wurde, findet im jugoslawischen Modell eine Sozialisierung des erwerbswirtschaftlichen Privateigentums statt, bei der das bisherige Privateigentum in ein Eigentum der jeweiligen Belegschaft der einzelnen Betriebe überführt wurde. Man war der Überzeugung, dass sich die Mängel des Monopolkapitalismus durch eine Überführung des Produktionskapitals in die Hände der Belegschaft überwinden ließen.

 

Wie bei den Plänen der französischen Planifikation vertraut man ansonsten weitgehend auf die Wirksamkeit der Märkte. Bestehende Marktunvollkommenheiten sollen durch indikative gesamtwirtschaftliche Pläne und durch staatliche Subventionspolitik überwunden und korrigiert werden. Für das in den Betrieben eingebrachte Kapital sowie für die den Betrieben gewährten Produktionskredite werden keine Zinsen erhoben, da von der sozialistischen Vorstellung ausgegangen wird, dass nur Arbeit Wert schaffe und dass deshalb auch nur der Arbeits-, aber nicht der Kapitaleinsatz einen Einkommensbezug rechtfertige.

 

Kritisch muss angemerkt werden, dass von diesem System Fehlanreize ausgehen. So führt die Ausschaltung des Kapitalmarktmechanismus zu einem ineffizienten Einsatz der Ressourcen. Der Zins hat wie jeder Preis in einem marktwirtschaftlichen System nicht nur die Funktion, dem Sparenden für den vorübergehenden Konsumverzicht eine Entschädigung zu zahlen, sondern in erster Linie dafür Sorge zu tragen, dass das knappe Kapital effizient eingesetzt wird, also jeweils in die Produktionen fließt, in welchen das Kapital den höchstmöglichen Ertrag erwirtschaftet.

 

Diese allokative Aufgabe entfällt nun nicht einfach deshalb, weil man von einem rein marktwirtschaftlichen zu einem sozialistischen System übergeht. Auch in einem sozialistischen Staat gilt, dass der Produktionsfaktor Kapital knapp ist und dass Wachstumsverluste eintreten, wenn nicht für einen effizienten Einsatz des Kapitals gesorgt wird. Für eine Bürokratie ist es nämlich vollkommen unmöglich, zu erkennen, in welchen Wirtschaftszweigen der Kapitaleinsatz optimal erfolgt, zumindest dann, wenn man die Produktion an die Wünsche der Konsumenten anpassen möchte. Bei einem Zinssatz von null werden auch solche Produktionen ausgeweitet, welche einen geringeren Kapitalertrag versprechen, als es dem Zinssatz  entspricht.

 

Auf der einen Seite kommt es bei einem zu niedrigen Zinssatz zu einer Übernachfrage nach Krediten, die staatlichen Behörden müssen das zu knappe Kapital zuteilen, mangels einwandfreier Effizienzkriterien werden politische Kriterien angewandt, welche zu ineffizienten Produktionen verleiten.

 

Auf der anderen Seite muss befürchtet werden, dass dort, wo Kapital ineffizient eingesetzt wird, wo also zusätzliche Produktionskapazitäten aufgebaut werden, welche gar nicht den Konsumentenwünschen entsprechen, über kurz oder lang die einzelnen Betriebe wegen Zahlungsunfähigkeit geschlossen werden müssen und hierbei Kapital vernichtet wird. Die Folge ist eine Reduktion im wirtschaftlichen Wachstum.

 

Ein zweiter Mangel des jugoslawischen Modells besteht darin, dass auch der Arbeitsmarkt ins Ungleichgewicht kommt. Es ist ein gravierender Fehler, zu meinen, dass dann, wenn die Interessen der Betriebe in die Hände der jeweiligen Belegschaft gelegt werden, automatisch die Interessen der gesamten Arbeitnehmerschaft bestmöglich vertreten werden. Auf diesem Wege kann das Problem der Arbeitslosigkeit nicht befriedigend gelöst werden.

 

Die Interessen der beschäftigten Arbeitnehmer weichen nämlich sehr oft von den Interessen der noch nicht beschäftigten Arbeitslosen ab. Die Belegschaft vertritt immer nur die Interessen der beschäftigten Arbeitnehmer, es muss z. B. befürchtet werden, dass die Belegschaft auch solche Lohnsteigerungen erzwingt, welche dazu führen, dass nicht alle Arbeitnehmer eine Beschäftigung finden. Es wird also hierbei übersehen, dass die Belegschaft die Interessen der arbeitslosen Arbeitnehmer nicht vertreten kann.

 

 

12. Die Zentralverwaltungswirtschaft

 

Zum Abschluss wollen wir uns der Ordnungskonzeption der Zentralverwaltungswirtschaft zuwenden, dem Gegenpol einer reinen, marktwirtschaftlichen Verkehrswirtschaft, folgen wir der von Walter Eucken vorgenommenen Einteilung.

 

Vertreter einer reinen Zentralverwaltungswirtschaft waren auf der einen Seite die Kommunisten im ehemaligen Ostblock, obwohl natürlich festgestellt werden muss, dass sich Karl Marx zwar ausführlich mit den vermeintlichen Schwächen eines kapitalistischen Wirtschaftssystems befasst hat, aber sich nur sehr wenige Gedanken darüber machte, wie denn eine kommunistische Wirtschaft funktionieren würde, auf welchem Wege – nach Wegfall der Märkte – die Allokation geregelt werde.

 

Karl Marx war viel zu sehr davon überzeugt, dass eine von den Gewinninteressen der Kapitalisten befreite Wirtschaft, in welcher Kapital eingesetzt wird, Güter in Überfluss produzieren könne und deshalb auch in der Lage sei, alle Bedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen; angesichts dieses erhofften Überflusses traten Probleme einer effizienten Allokation der Ressourcen in den Hintergrund.

 

Eine Zentralverwaltungswirtschaft wurde weiterhin in den westlichen Staaten in der Zeit während der Kriege verwirklicht, hier allerdings weniger als eine erwünschte Ordnungsform, sondern eher, da man keine andere Möglichkeit sah, während eines Krieges marktwirtschaftliche Regulierungen zuzulassen. Eine Kriegswirtschaft zeichnet sich durch eine besonders starke Knappheit materieller Ressourcen aus. Die Kriegsziele und die Versorgung der Armeen mit den kriegswichtigen Gütern haben eindeutigen Vorrang. Hier würde eine marktwirtschaftliche Lenkung nur stören.

 

Eine Zentralverwaltungswirtschaft zeichnet sich dadurch aus, dass alle wesentlichen wirtschaftlichen Grundentscheidungen von einem zentralen staatlichen Plan ausgehen. Diese Feststellung sagt zunächst nichts über die Größe der zentralen Planungsbehörde aus. Diese hängt wesentlich vom Umfang der gesamten Volkswirtschaft ab. In großen Industriegesellschaften bedarf es einer umfangreichen Planungsbehörde, welche sich auf zahlreiche Ebenen verteilt, welche hierarchisch gegliedert sind.

 

Eine zentrale Behörde formuliert die Grundziele der Planung und legt die Aufteilung der knappen Ressourcen auf die einzelnen großen Wirtschaftszweige fest. Untergeordnete Stellen konkretisieren diese Pläne nach den genauen Vorgaben der Zentrale. Sie erhalten exakte Anweisungen, welche von oben nach unten weitergegeben werden. Da allerdings die zentrale Planung eine Vielzahl von Einzelfakten voraussetzt, welche nur auf unterster Ebene eruiert werden können, muss zeitlich vor der Festlegung der Planungsziele zunächst die Erhebung der für die Planung notwendigen Fakten erfolgen, wobei hier der Datenfluss von der untersten zur obersten Stelle erfolgt.

 

Im Gegensatz zur Planifikation und auch dem jugoslawischen Modell liegt hier keine indikative, sondern eine imperative Planung vor. Die Zentrale beschränkt sich bei der Zentralverwaltungswirtschaft nicht darauf, nur anzugeben, welche Allokation der knappen Ressourcen erwünscht ist, sie legt die einzelnen Verwendungsarten der knappen Ressourcen bindend fest.

 

In der reinen Form einer Zentralverwaltungswirtschaft erfolgt die Planung bis hin zu dem erlaubten Konsum der einzelnen Haushalte. Diesen werden die Konsumgüter in Form von Bezugsscheinen (z. B. Lebensmittelkarten) zugeteilt. Formal erhalten die Beschäftigten zwar wie in der Marktwirtschaft Einkommen, es werden weiterhin für die einzelnen Güter Preise festgelegt, welche beim Bezug der Konsumgüter aus dem Einkommen bezahlt werden müssen. Im Gegensatz zum freien Markt kann der Haushalt aber nur die Güter und in den Mengen kaufen, für welche er Bezugsscheine besitzt. Die Preise besitzen hier auch nicht wie in Marktwirtschaften die Funktion, die Knappheit der einzelnen Güter und Ressourcen anzuzeigen und damit die Produktion zu lenken.

 

Soweit zur Darstellung der Zentralverwaltungswirtschaft in ihrer reinsten Form. Im Zuge der Verwirklichung dieser Ordnungskonzeption wurden zwei Varianten entwickelt: Auf der einen Seite eine staatliche Planwirtschaft mit Konsumfreiheit der Haushalte, auf der anderen Seite eine Dezentralisierung der Planungsbehörde mit mehr oder weniger großen Entscheidungsspielräumen für die untergeordneten Planbehörden.

 

Diese Auflockerung der staatlichen Planwirtschaft erfolgte vor allem im Zuge des Wettbewerbs der Systeme, welcher sich zwischen den westlich orientierten Volkswirtschaften und dem Ostblock des Kommunismus etwa seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt hatte. So führte Chruschtschow 1953 nach dem Tode Stalins im Zuge einer generellen Liberalisierung der Wirtschaft eine begrenzte Konsumfreiheit ein.

 

Später wurde vor allem in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts unter Gorbatschow eine weitgehende Dezentralisierung der Planung eingeleitet, die obersten Planungsbehörden beschränkten sich auf die Festlegung der wichtigsten Grundziele der Planung, während die untergeordneten Planungsstellen weitgehende Spielräume der Entscheidung erhielten.

 

Die Frage, ob im Rahmen einer Zentralverwaltungswirtschaft überhaupt eine effiziente Planung durchgeführt werden könne, wurde lange Zeit kontrovers diskutiert. Walter Eucken war noch der Meinung, dass in diesem Wirtschaftssystem überhaupt keine rationale Wirtschaftsplanung möglich sei. Eine Festsetzung von Verrechnungspreisen für die einzelnen Konsumgüter sei erst möglich, wenn die Knappheit und damit auch die Preise der einzelnen Produktionsfaktoren bekannt seien. Die Knappheit der Produktionsfaktoren und damit auch die angemessene Höhe der Faktorpreise könne jedoch selbst wiederum erst festgelegt werden, wenn die Preise der Endprodukte und mit ihnen die exakte Nachfrage dieser Güter bekannt sei. Nur ein marktwirtschaftliches System sei in der Lage, durch simultane Bestimmung aller Preise – der Endprodukte wie der Produktionsfaktoren – dieses Allokationsproblem befriedigend zu lösen.

 

Als weiteres Argument für die Unmöglichkeit einer zentralen effizienten Wirtschaftsrechnung wurde in der Zeit unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg darauf hingewiesen, dass die damals bekannten Rechenanlagen überhaupt nicht in der Lage seien, Gleichungssysteme mit Funktionen höheren Grades auszurechnen. Bekanntlich gehen wir in der Produktionstheorie von Cobb-Douglas-Produktionsfunktionen aus, welche durch nichtlineare Parameter bestimmt sind.

 

In Antwort auf diese Kritik hatte K. Paul Hensel, ein Schüler von Walter Eucken, darzulegen versucht, dass im Rahmen einer Zentralverwaltungswirtschaft sehr wohl eine rationale Wirtschaftsrechnung möglich sei und zwar dadurch, dass sich die Planung auf Mengengrößen beschränkt.

 

Weiterhin sind auf der einen Seite die Kapazitäten der Computeranlagen in der Zwischenzeit um ein Vielfaches vergrößert worden, auf der anderen Seite wurde mit der Entwicklung des Konzeptes des ‚linear programming’ der Versuch unternommen, die Produktionsprozesse durch lineare Produktionsfunktionen abzubilden und damit die Berechenbarkeit der Produktionsprozesse zu erhöhen.

 

Kritisch muss allerdings angeführt werden, dass in allen Modellen einer staatlichen bürokratischen Wirtschaft alle Koordinationsprobleme außer Acht gelassen werden. Es wird wie selbstverständlich unterstellt, dass die Anweisungen von Behörden 100%ig von den untergeordneten Stellen befolgt werden.

 

De facto zeigt die Erfahrung, dass sich auch Bürokraten von Eigeninteressen leiten lassen, dass sie oftmals auch gegenüber den Politikern über ausreichend Macht verfügen, um die Anweisungen zu umgehen. Es ist das eine, die idealtypische Funktionsweise eines Wirtschaftssystems zu beschreiben und ein ganz anderes, nach den konkreten Abläufen dieses Systems zu fragen.

 

Die Theorie der staatlichen Planwirtschaft hat sich vorwiegend auf die idealtypische Betrachtung beschränkt. Die Kritik an den Modellen einer staatlichen Planwirtschaft hat darauf hingewiesen, dass sich nicht nur in Marktwirtschaften, sondern in allen realen Systemen, vor allem auch in den Systemen einer staatlichen Planwirtschaft immer wieder Versagen und Mängel einstellen, die das Ergebnis des realen Wirtschaftsprozesses mehr oder weniger von den idealtypischen Ergebnissen abweichen lassen.

 

Diese realen Schwierigkeiten sind vor allem dann zu erwarten, wenn die Zentralverwaltungswirtschaft Konsumfreiheit zulässt. Diese Tatsache erhöht die Zweifel an der Effizienz staatlicher Planung, da heutzutage eine Wirtschaftsordnung ohne Konsumfreiheit in keinem verbleibenden kommunistischen Staat denkbar ist.

 

Zusammenfassung:

 

01. Die einzelnen Ordnungskonzeptionen unterscheiden sich vor allem in der Frage der Gewichtung der Ziele, der Definition der Ziele, der Beurteilung der Effizienz der einzelnen Ordnungssysteme.

 

02. Der Laisser-faire-Liberalismus (A. Smith u. a.) sieht die individuelle Entscheidungsfreiheit vom Staat bedroht. Er geht davon aus, dass nur der Markt einen funktionierenden Koordinationsmechanismus kennt, um die Produktion an den Konsumentenwünschen auszurichten. Sozialpolitische Ziele werden nur soweit anerkannt, als es um die Bekämpfung von Armut geht. Die Möglichkeiten von Marktmängeln werden in zu geringem Maße berücksichtigt.

 

03. Der Ordo-Liberalismus (Freiburger Schule) sieht die Gefährdung der individuellen Entscheidungsfreiheit nicht nur durch den Staat, sondern auch durch private Interessengruppen. Deshalb ist es Aufgabe des Staates, nicht nur eine Wettbewerbsordnung herzustellen, sondern diese Ordnung auch stets durch aktive Wettbewerbspolitik zu verteidigen. Der Neoliberalismus fordert einen starken Staat, der sich allerdings auf marktkonforme Maßnahmen beschränkt. Es wird vernachlässigt, dass die Macht privater Interessengruppen oftmals auf eine fehlerhafte Wettbewerbspolitik zurückgeführt werden muss.

 

04. Auch der Volkskapitalismus bejaht die Marktwirtschaft, da diese die individuelle Entscheidungsfreiheit sichert. Aus sozialpolitischen Gründen wird jedoch eine Reform der Eigentumsordnung angestrebt, die in einer breiteren Streuung des Vermögens beruht. Verfügen auch die Arbeitnehmer über Vermögen, so verbessert sich die Einkommensverteilung zugunsten der Arbeitnehmer, der einzelne ist mit seinem Vermögen gegen die sozialen Risiken abgesichert, gleichzeitig wird der Arbeitnehmer als Miteigentümer in die Unternehmungen integriert. Insgesamt wird allerdings die Rolle des Privateigentums zur Lösung der Sicherungs- und Verteilungsprobleme überschätzt.

 

05. Nach der Konzeption des Versorgungsstaates (Schweden der Nachkriegszeit) wird die Allokation dem freien Markt überlassen, Verteilungs- und Sicherungsprobleme werden im Rahmen großzügiger Wohlfahrtseinrichtungen angegangen. Der schwedische Wohlfahrtsstaat scheiterte an der Überforderung der Wirtschaft aufgrund einer zu hohen Steuerlast, sowie an der Ineffizienz der bürokratischen Sicherungssysteme.

 

06. Entsprechend dem Konzept der Globalsteuerung (K. Schiller) bleibt die Allokation dem freien Markt überlassen. Der Markt versage jedoch vorwiegend aufgrund von Mängeln des Kapitalmarkts bei der Lösung der gesamtwirtschaftlichen Probleme. Deshalb habe der Staat Beschäftigungs-, Stabilitäts- und Wachstumspolitik zu betreiben. Diese Konzeption lässt jedoch außer Acht, dass Arbeitslosigkeit nicht immer aufgrund zu geringer Güternachfrage auftritt, dass gerade die staatliche Konjunkturpolitik konjunkturelle Instabilität auslösen kann und dass eine staatliche Defizitpolitik daran scheitern kann, dass sie private Investitionen verdrängt.

 

07. Die Planifikation der französischen Nachkriegszeit war geprägt durch Misstrauen gegenüber den Allokationsleistungen des Marktes. Da man jedoch die individuelle Entscheidungsfreiheit erhalten wollte, überließ man das Marktangebot zunächst den Unternehmungen, versuchte jedoch durch eine indikative Planung die Marktergebnisse zu beeinflussen. Man erhoffte sich auch ohne staatlichen Zwang einen effektiven Einfluss dadurch, dass die Unternehmungen an der Aufstellung der Wirtschaftspläne beteiligt wurden und dass bei Misserfolg eine Sozialisierung der Industrie drohte. Der effektive Einfluss der Planifikation blieb gering.

 

08. Die Konzeption der Konzertierten Aktion (K. Schiller) ging von dem Kollektivgutdilemma aus, dass Geldwertstabilität zwar jedem Arbeitnehmer zugute komme, dass die Lohnpolitik der Gewerkschaften trotzdem Geldwertstabilität in zu geringem Maße berücksichtige, da ein Lohnverzicht nur stabilisierend wirke, wenn alle Gewerkschaften Zurückhaltung üben. Ähnlich wie in der Planifikation sollte auch im Rahmen der Konzertierten Aktion ein stabilitätskonformes Verhalten der Tarifpartner ausgelöst werden. Dies sollte zum einen über eine Beteiligung der Tarifpartner an der Formulierung lohnpolitischer Orientierungsdaten erfolgen, zum anderen über eine versteckte Drohung, die Tarifautonomie bei Nichterfolg einzuschränken. De facto gingen jedoch von der Konzertierten Aktion Fehlanreize aus, die nach wie vor Trittbrettfahrerverhalten begünstigten.

 

09. Das Konzept der Verstaatlichung von Schlüsselindustrien (SPD vor Godesberger Programm) geht von allgemeinen Marktmängeln aus und überträgt die Lenkung der Volkswirtschaft staatlichen Bürokratien, die durch das Parlament kontrolliert werden sollen. Man beschränkt sich allerdings auf die Verstaatlichung einiger weniger Schlüsselindustrien (Stahl, Energie und Banken), da auf diesem Wege die gesamte Industrieproduktion kontrolliert werden könne, und da man bei einer totalen Verstaatlichung aller Industrien eine gegenüber dem Parlament zu starke Bürokratie befürchtete. Die Möglichkeit, dass Politikversagen größer ist als Marktversagen, wird nicht berücksichtigt. Gleichzeitig wird die Ineffizienz eines bürokratischen Systems übersehen.

 

10. Entsprechend dem Konzept des Konkurrenzsozialismus (O. Lange) würde der Markt unter idealtypischen Bedingungen optimale Ergebnisse liefern. In der Realität müsse jedoch mit Marktunvollkommenheiten gerechnet werden. Als Lösung wird vorgeschlagen, das Erwerbsvermögen zu verstaatlichen und die Produktionsleiter anzuweisen, sich so zu verhalten, wie sich die Unternehmer unter Konkurrenzbedingungen verhalten würden. Die Preise werden hierbei nicht durch den Markt ermittelt, sondern vom Staat festgesetzt. Wie alle planwirtschaftlichen Konzepte vernachlässigt auch dieses Konzept alle Koordinationsprobleme, die innerhalb bürokratischer Systeme entstehen. Vor allem bleibt unklar, wie die staatliche Bürokratie Knappheitspreise eruieren kann (Informationsproblem extrem groß).

 

11. Das im Nachkriegs-Jugoslawien realisierte Ordnungsmodell versucht die Mängel des Monopolkapitalismus dadurch zu überwinden, dass das Produktionskapital in die Hände der Belegschaft gelegt wird. Man vertraut weitgehend auf die Marktkräfte, die durch indikative Planung und durch staatliche Subventionspolitik korrigiert werden. Kritisch muss angemerkt werden, dass von diesem System Fehlanreize ausgehen. Die Ausschaltung des Kapitalmarktmechanismus führt zu ineffizientem Einsatz von Kapital. Gleichzeitig stehen die Interessen der Belegschaft in Konflikt mit den Interessen der Arbeitslosen.

 

12. Die Zentralverwaltungswirtschaft (weitgehend in den Ostblockstaaten nach dem 2. Weltkrieg angewandt) sieht eine imperative Planung des gesamten Wirtschaftsprozesses durch staatliche Behörden vor. Im Zuge des Systemwettbewerbes sahen sich die kommunistischen Staaten allerdings veranlasst, eine begrenzte Konsumwahl zuzulassen und einen Teil der Planung dezentralen Planungsbehörden zu übertragen - bedingt durch die stark ineffiziente Produktionsweise zentraler Planung. Auch hier gilt wiederum, dass der Kommunismus sich zwar intensiv mit den Mängeln des Marktes auseinandergesetzt, aber alle Koordinationsprobleme im Zusammenhang mit zentralen Planungen aus der Betrachtung ausgeklammert hat.

 

 

Fragen zu Kapitel 9:

 

01.  Wie lauten die Grundfragen jeder Ordnungskonzeption?

 

02. Worin bestand die Grundkonzeption des Laissez-faire-Liberalismus?

 

03. Worin unterscheidet sich der Ordo-Liberalismus vom Laissez-faire-Liberalismus?

 

04. Worin unterscheidet sich der Volkskapitalismus vom Liberalismus?

 

05. Von welchen Zielvorstellungen ging die Idee des Versorgungsstaates aus?

 

06. Von welchen Überzeugungen ging die Konzeption der Globalsteuerung aus?

 

07. Von welchen Überlegungen ging die Konzeption der Planifikation aus?

 

08. Was meint Karl Schiller damit, dass die Geldwertstabilität ein Kollektivgut sei?

 

09. Warum beschränkte die SPD ihre Sozialisierungsforderung zunächst auf

Schlüsselindustrien?

 

10. Warum werden die Vorstellungen Oskar Langes als Konkurrenzsozialismus bezeichnet?

 

11. Wodurch zeichnete sich das Jugoslawische Modell aus?

 

12. Worin liegen die Kennzeichen einer reinen  Zentralverwaltungswirtschaft?

 

 

Antworten zu Kapitel 9:

 

01. Jede wirtschaftliche Ordnungskonzeption sucht die Frage zu beantworten, welche Ziele im einzelnen verfolgt werden, mit welchen Mitteln diese Ziele angestrebt werden und welchen Trägern diese wirtschaftspolitischen Aufgaben übertragen werden sollen.

 

02. Der Laissez-faire-Liberalismus ging von der Grundüberzeugung aus, dass der Markt alle wirtschaftlichen Probleme bestmöglich lösen könne und dass sich deshalb der Staat vollkommen aus der Wirtschaft heraushalten solle.

 

03. Der Ordo-Liberalismus sah die marktwirtschaftliche Ordnung nicht nur durch den Staat, sondern auch durch private Interessengruppen bedroht und sah es deshalb als wichtige Aufgabe des Staates an, die Wettbewerbsordnung durch ein Kartellverbot ständig zu erhalten.

 

04. Der Volkskapitalismus war der Auffassung, dass die sozialen Mängel einer reinen Marktwirtschaft dadurch vermindert werden könnten, dass die Masse der Arbeitnehmer einen Zugang zum erwerbswirtschaftlichen Vermögen erhält.

 

05. Das Konzept des Versorgungsstaates sieht für die Produktion eine Lenkung durch den Markt vor, welche jedoch durch zahlreiche Wohlfahrtseinrichtungen in sozialer Hinsicht ergänzt werden muss.

 

06. Entsprechend der Konzeption der Globalsteuerung wird die Allokation optimal vom Markt gesteuert, der Kapitalmarkt versage jedoch, sodass die gesamtwirtschaftlichen Ziele der Vollbeschäftigung, der Geldwertstabilität sowie eines angemessenen Wachstums durch ein staatliches Eingreifen in den Markt gesichert werden müssen.

 

07. Im Rahmen der Planifikation war man der Überzeugung, dass Marktmängel eine optimale Allokation verhindern. Um jedoch eine möglichst große Freiheit der Produzenten zu erhalten, beschränkte man sich auf den Vorschlag einer indikativen Planung, bei der sich der Staat darauf beschränkt anzuzeigen, in welche Richtung die Investitionen gehen sollten. Durch Beteiligung der Privaten an den staatlichen Plänen und aufgrund einer versteckten Androhung, bei Misserfolg die Industrie zu verstaatlichen, versuchte man, den Erfolg dieser Politik zu garantieren.

 

08. Karl Schiller sprach im Zusammenhang mit dem Ziel der Geldwertstabilität von einem Kollektivgut, da auf der einen Seite Geldwertstabilität zwar jedem Bürger zugutekomme, da es jedoch auf der anderen Seite für einen Bürger nur dann vorteilhaft wäre, sich konform diesem Ziel gegenüber zu verhalten, wenn er damit rechnen könnte, dass auch fast alle anderen Bürger ein stabilitätskonformes Verhalten an den Tag legten.

 

09. Während der Weimarer Republik beschränkten die Sozialdemokraten ihre Sozialisierungsforderung auf die Schlüsselindustrien, da sie auf der einen Seite befürchteten, dass bei einer totalen Sozialisierung die Macht der staatlichen Bürokratie und die Ge-fahr eines Machtmissbrauches zu groß sei. Auf der anderen Seite waren sie aber auch der Überzeugung, dass sich bei einer Beschränkung der Sozialisierung auf die Schlüsselindustrien die gesamte Wirtschaft auf indirekte Weise lenken lasse.

 

10. Innerhalb eines Konkurrenzsozialismus erfolgt eine Lösung des wirtschaftlichen Allokationsproblems genauso, wie sie im Rahmen einer Konkurrenzwirtschaft unter idealtypischen Bedingungen erfolgen würde.  Die Betriebsleiter sollen sich hier genauso verhalten, wie sich die Unternehmer bei vollständiger Konkurrenz verhalten würden.

 

11. Das Jugoslawische Modell sah keine Verstaatlichung der Unternehmungen, sondern eine Überführung des unternehmerischen Eigentums in die Hände der Belegschaft vor. Man vertraute weitgehend auf die Marktkräfte, welche man durch indikative Planung zu beeinflussen versuchte.

 

12. In einer reinen Zentralverwaltungswirtschaft werden alle relevanten Entscheidungen von einer zentralen Verwaltungsbehörde entschieden, die Lenkung der Produktion erfolgt nicht über Preise, sondern über eine Planung der Mengen.