Startseite

 

A L L G E M E I N E

W I R T S C H A F T S P O L I T I K

 

V O N  B E R N H A R D  K Ü L P

 

 

 

Gliederung:

 

01. Betrachtungsweisen            

02. Methoden                              

03. Zielanalyse                            

04. Mittelanalyse                      

05. Trägeranalyse                        

06. Politische Ökonomie              

07. Wohlfahrtstheorie                

08. Ordnungsanalyse                  

09. Ordnungskonzeption           

10. Ordnungsdynamik       

 

Kapitel 8: Ordnungsanalyse Teil IV

 

 

Gliederung:

 

1. Einführung in die Problematik

2. Merkmale der einzelnen Ordnungstypen

3. Die Unterscheidung verschiedener Ordnungssysteme

4. Die Zieleignung der einzelnen Ordnungstypen

5. Zur Pathologie der Ordnungstypen

 

 

 

5. Zur Pathologie der Ordnungstypen

 

Bei unseren bisherigen Überlegungen gingen wir stets von der stillschweigenden Annahme aus, dass die einzelnen Ordnungssysteme funktionieren. Die Zieleignung des Marktes z. B. wurde abgeleitet unter der Annahme, dass funktionierende Wettbewerbsmärkte vorliegen. Wir haben nun zu berücksichtigen, dass – und dies gilt für alle Ordnungssysteme – ein Ordnungstyp nur unter bestimmten Voraussetzungen die ihm zugedachten Funktionen erfüllen kann. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, werden diese Aufgaben entweder überhaupt nicht oder zumindest nur mangelhaft erfüllt. Wir sprechen hier von pathologischen Ordnungen.

 

Dass ein Ordnungssystem seine Aufgaben nicht befriedigend erfüllt, wurde schon sehr früh für marktwirtschaftliche Systeme nachgewiesen. Man sprach von einer idealtypischen Marktordnung, die nur in der Theorie die vorausgesagten Ergebnisse liefere und unterschied diese von den realen, tatsächlich vorliegenden Marktwirtschaften. Es entstand hieraus die Kritik am marktwirtschaftlichen System und die Forderung, bestimmte Aufgaben, die ursprünglich dem Markt aufgegeben waren, von anderen Ordnungssystemen, vor allem vom Staat, erfüllen zu lassen.

 

Übersehen wurde hierbei, dass Abweichungen vom Ideal in allen realen Systemen zu erwarten sind, dass es in Wirklichkeit auch pathologische Verhandlungs- Wahl- und Bürokratiesysteme gibt. Damit ändern sich jedoch die Schlussfolgerungen, die aus diesen pathologischen Ordnungsformen zu ziehen sind. Das Vorliegen pathologischer Vorgänge allein sagt nichts darüber aus, ob die bestehende Marktordnung durch ein anderes System zu ersetzen ist. Es muss ja mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass die alternativen Ordnungsformen noch größere Mängel aufweisen und dass der Markt deshalb unter Umständen zwar eine unbefriedigende, durchaus schlechte Ordnung und trotzdem die beste unter den möglichen Ordnungen darstellt.

 

Es geht nicht an, dass man einen tatsächlichen Markt mit den Ergebnissen vergleicht, die unter realen Bedingungen zu erwarten sind und dann sich für ein anderes Ordnungssystem deshalb entscheidet, weil dieses System unter idealtypischen Bedingungen bessere Ergebnisse erwarten lässt. Diese als Nirwana-Ansatz gebrandmarkte Vorgehensweise führt zu falschen Ergebnissen, stets sind die einzelnen Systeme auf ihre Tauglichkeit hin so zu untersuchen, dass entweder idealtypische oder reale Systeme miteinander verglichen werden.

 

Ordnungssysteme sind dann unbefriedigend, wenn entweder die Voraussetzungen dafür fehlen, dass es überhaupt zu einem Ausgleich von Angebot und Nachfrage kommt, es ist dies die Frage nach der Existenz oder der Stabilität eines Gleichgewichtes. Wir sprechen hier vom Versagen des Ordnungssystems.

 

Oder sie befriedigen nicht, wenn die realisierten Lösungen als suboptimal zu bezeichnen sind. Die Feststellung suboptimaler Ergebnisse setzt allerdings voraus, dass wir zuvor festgelegt haben, wann wir von einer optimalen Lösung eines Problems sprechen können. Es ist dies die Frage, die im Rahmen der traditionellen auf Vilfredo Pareto zurückgehenden Wohlfahrtstheorie untersucht wird. Innerhalb dieser Theorie wurde aufgezeigt, dass die beste unter allen faktisch möglichen Lösungen nur erwartet werden kann, wenn wir auf der einen Seite auf allen Märkten und auf beiden Marktseiten eine vollständige Konkurrenz unterstellen können, dass also alle Marktpartner darauf verzichten, ihr Ergebnis durch Anwendung monopolistischer Verknappungsstrategien zu verbessern.

 

Auf der anderen Seite kann nur dann mit der bestmöglichen Lösung gerechnet werden, wenn sowohl bei den Produktions- wie Konsumentscheidungen alle Kosten (Analoges gilt für die Erträge), welche der Gesamtwirtschaft anfallen, mit in das Maximierungskalkül einbezogen werden. Liegt eine dieser beiden Voraussetzungen nicht vor, kann mit keiner optimalen Lösung gerechnet werden, wir sprechen hier von den Mängeln eines Ordnungssystems.

 

Wenden wir uns zunächst der Frage zu, unter welchen Bedingungen ein Versagen einer Ordnung vorliegt. Es wird vorausgesetzt, dass überhaupt eine Lösung denkbar ist, bei welcher Angebot und Nachfrage übereinstimmen, dass also eine Gleichgewichtslösung existiert. Auf Märkten ist dies genau dann der Fall, wenn es einen Schnittpunkt zwischen der Angebots- und Nachfragekurve gibt, wenn es also mit anderen Worten einen Preis gibt, bei dem die Anbieter genau die Gütermenge anbieten, welche zu diesem Preis von den Nachfragern nachgefragt wird.

 

Man kann dieses Problem noch dadurch einengen, dass ein solcher Schnittpunkt bei realistischen Preisen und Mengen vorliegen muss. Wenn der Schnittpunkt z. B. bei Preisen erreicht würde, welche niemals von den Nachfragern gezahlt werden könnten oder wenn sich eine Gleichheit von Angebot und Nachfrage erst bei Gütermengen einstellen würde, die schon aus Mangel an Ressourcen gar nicht produziert werden könnten, muss ebenfalls davon gesprochen werden, dass kein Gleichgewicht existent ist.

 

Viel wichtiger als die Frage nach der Existenz eines Gleichgewichtes ist jedoch die Frage nach der Stabilität des Gleichgewichtes, also die Frage, ob wir damit rechnen können, dass der Gleichgewichtspunkt von einer beliebigen Ausgangslage von selbst erreicht wird, ob also eine Tendenz zum Gleichgewicht besteht. Wir gehen also davon aus, dass aus irgendwelchen Gründen – wir sprechen von Datenänderungen – ein Ungleichgewicht entsteht, dass also eine der beiden Kurven verschoben wird und ein neuer Schnittpunkt entsteht und wir überprüfen, ob der Markt von sich aus zu dem neuen Gleichgewichtspunkt findet.

 

Damit eine solche automatische Tendenz zum Gleichgewicht vorliegt, bedarf es zweierlei Voraussetzungen. Auf der einen Seite muss das Auftreten eines Ungleichgewichtes zu Preisänderungen führen, und zwar ein Angebotsüberhang muss zu Preissenkungen, ein Nachfrageüberhang hingegen muss zu Preiserhöhungen führen. Nur in diesem Falle sprechen wir von normalen Preisreaktionen.

 

Weiterhin müssen diese Preisvariationen ganz bestimmte Veränderungen im Angebot und/oder in der Nachfrage auslösen. Eine Preiserhöhung muss z. B. entweder eine Verminderung der Nachfrage und/oder eine Erhöhung des Angebotes nach sich ziehen. Beide Wirkungen vermindern das Ungleichgewicht und lösen somit eine Tendenz zum Abbau des Ungleichgewichtes aus. Analoges gilt für Preissenkungen. Nur Reaktionen in dieser Richtung werden als normal bezeichnet.

 

Es leuchtet nun ohne weiteres ein, dass diese Gleichgewichtstendenz in der Regel um so größer ist, je schneller Preisänderungen bzw. Mengenanpassungen erfolgen und je größer die Mengenänderungen sind, welche durch eine Preisvariation von einem Prozent ausgelöst werden. Das Ausmaß einer Preisreaktion messen wir mit der Preisreagibilität, das der Mengenrektion mit Hilfe der Preiselastizität von Angebot und Nachfrage. Politisch tragbar ist ein Marktsystem nur dann, wenn diese Gleichgewichtstendenz in überschaubaren Zeiträumen erfolgt.

 

Vor einer Missinterpretation einer Gleichgewichtstheorie muss allerdings gewarnt werden. Die These, dass auf Märkten im Allgemeinen eine Gleichgewichtstendenz bestehe, besagt weder, dass in jedem Augenblick oder auch nur in der Regel ein Gleichgewicht tatsächlich gegeben ist und auch nicht, dass es erwünscht wäre, dass möglichst immer Gleichgewichtszustände vorliegen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Wir haben davon auszugehen, dass permanent Datenänderungen eintreten, welche vom Gleichgewicht wegführen.

 

Diese Datenänderungen sind auch in der Regel erwünscht, so führen Datenänderungen in der Technik zu einer Verbesserung der Produktion und damit zu einer Wohlfahrtssteigerung und auch Datenänderungen im Bedarf bringen zum Ausdruck, dass sich die Konsumenten um eine bessere Allokation ihrer materiellen Ressourcen bemühen, diese Datenänderungen sind Ausfluss der freien Entscheidungen der privaten Haushalte.

 

Positiv formuliert besagt die Gleichgewichtslehre lediglich, dass der Markt von sich aus Ungleichgewichte abbaut, sodass man nicht befürchten muss, dass sich die Ungleichgewichte kumulieren. Es ist davon auszugehen, dass keine Wirtschaftseinheit – weder die Haushalte noch die Unternehmungen – eine unbegrenzte Kapazität zum Ertragen von Ungleichgewichten besitzt, dass also z. B. eine Unternehmung, welche nur Verluste erzielt, eines Tages Konkurs anmelden muss und zusammenbricht.

 

Würde eine unbegrenzte Kumulation von Ungleichgewichten stattfinden, müssten also über kurz oder lang die einzelnen Wirtschaftseinheiten diese Kapazitätsgrenze erreichen und eines Tages würde der Markt notwendigerweise zusammenbrechen. In der Realität käme es natürlich in der Regel gar nicht zu diesen Zusammenbruch, die Politik würde sich veranlasst sehen, schon vor einem endgültigen Zusammenbruch in den Markt einzugreifen.

 

Auch im Rahmen einer Verhandlungslösung muss mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass in Einzelfällen die Vorstellungen der Tarifpartner soweit auseinander liegen, dass die Tarifparteien zu keiner Einigung gelangen. Es gibt dann keine Lösung, welcher beide Partner zustimmen können. Man hilft sich aus dieser Schwierigkeit dadurch heraus, dass man einen neutralen Dritten hinzuzieht, welcher neue Lösungsmöglichkeiten aufzeigt und damit die Arbeitsstreitigkeiten schlichtet. Auch der Umstand, dass die Gewerkschaften zum Streik aufrufen, also die Streikdrohungen wahr machen, kann unter gewissen Voraussetzungen dazu beitragen, dass der Druck auf die Arbeitgeber zunimmt und dass sie unter diesem Druck bereit sind, den Vorstellungen der Gewerkschaften stärker als bisher entgegen zu kommen.

 

Innerhalb eines Wahlsystems sind mehrere Faktoren bekannt, welche das Zustandekommen eines Beschlusses und damit ein Gleichgewicht verhindern können. So kann bei Stimmengleichheit für die alternativ zur Diskussion stehenden Programme kein Mehrheitsbeschluss zustande kommen. Diese erste Schwierigkeit kann jedoch relativ leicht durch institutionelle Vorkehrungen behoben werden. So kann vorgesehen werden, dass die Zahl der Abstimmenden (also z. B. die Zahl der Abgeordneten) stets eine ungerade Zahl darstellt und dass aus diesen Gründen eine Pattstellung gar nicht auftreten kann. Oder aber man sieht vor, dass bei Pattsituationen der Vorsitzende des Parlamentes den Ausschlag für das Stimmenverhältnis abgibt.

 

Größere Schwierigkeiten sind zu erwarten, wenn das sogenannte Arrow-Paradox vorliegt. Hier können mehrere alternative Programme eine Mehrheit erzielen in Abhängigkeit davon, in welcher Reihenfolge abgestimmt wird.

 

Machen wir uns dieses Theorem anhand eines einfachen Beispieles klar. An einer Abstimmung sollen 3 Personen (oder Parteien): P1, P2, P3 teilnehmen. Zur Abstimmung stünden drei Alternativen: A1, A2, A3. Für die einzelnen Parteien gelte folgende Rangskala:

 

P1: A1 > A3 > A2    

P2: A3 > A2 > A1   

P3: A2 > A1 > A3

 

Zur Abstimmung käme zunächst die Frage, ob A1 oder A2 gewählt werden solle. Entsprechend den Präferenzskalen entscheidet sich P1 für A1, P2 für A2 und P3 für A2. Es ergibt sich also eine Mehrheit für A2.

 

An zweiter Stelle stünde zur Diskussion, ob A2 oder A3 gewählt werden soll. P1 entscheidet sich entsprechend seiner Präferenzskala für A3, P2 für A3 und P3 für A2. Die Mehrheit spricht sich also für A3 aus. Es gilt die kollektive Rangfolge: A3 > A2 > A1.

 

Nun unterstellen wir, dass in einer etwas anderen Reihenfolge abgestimmt worden wäre. An erster Stelle wäre über die Frage abgestimmt worden, ob A1 oder A3 gewählt werden soll. P1 hätte sich für A1, P2 für A3, P3 für A1 entschieden. Gesiegt hätte also die Alternative A1.

 

Nun wäre in einem zweiten Schritt darüber entschieden worden, ob die Gruppe die Alternative A1 oder A2 bevorzuge. P1 würde sich wiederum für A1, P2 für A2, P3 schließlich für A2 entscheiden. Nun  würde die Alternative A2 gewählt werden. Es gelte also in diesem Falle die kollektive Rangskala: A2 > A1 > A3.

 

Je nach zufälliger Reihenfolge der Abstimmungen käme es also – auch bei rationalem Verhalten der Individuen – zu unterschiedlichen Ergebnissen, was einen Widerspruch bedeutet. Es kann nicht zur gleichen Zeit die kollektive Rangfolge: A3 > A2 > A1 und A2 > A1 > A3 gelten. Bei der ersten Abstimmungsreihenfolge würde die Alternative A3 Platz 1, bei der zweiten Abstimmungsreihenfolge jedoch Platz 3 erreichen. Das kann nicht sein. Es ist also unmöglich, aus widerspruchsfreien individuellen Indifferenzkurven stets eine ebenfalls widerspruchsfreie kollektive Indifferenzkurve abzuleiten.

 

Solche zyklischen Mehrheiten können nur dann vermieden werden, wenn die Zahl der Alternativen auf zwei reduziert wird oder wenn die Präferenzen der Stimmberechtigten weitgehend übereinstimmen. Eine faktische Reduzierung auf zwei Alternativen findet in der Regel bei Mehrheitswahlsystemen statt, wo nur zwei große Parteien sich zur Wahl stellen und die eine Partei als Sieger aus den Wahlen hervorgeht. Hier stehen bei den Abstimmungen im Parlament vorwiegend zwei Programme zur Abstimmung: das Programm der Regierung und das der Opposition.

 

Eine weitere Voraussetzung für Beschlussunfähigkeiten liegt dann vor, wenn qualifizierte Mehrheiten oder sogar Einstimmigkeit für das Zustandekommen eines Beschlusses verlangt werden. So sahen z. B. bis vor kurzem die Satzungen der Europäischen Union vor, dass alle Mitglieder der EU-Kommission einer Vorlage zustimmen mussten, damit diese Vorlage als verabschiedet gilt.

 

Schließlich besteht bei verteilungspolitischen Fragen die Möglichkeit, dass in Proporzwahlsystemen mit mehreren kleineren Parteien ein langfristiges Gleichgewicht verhindert wird, auch dann, wenn sich alle Parteien rational verhalten. Da gerade in der Verteilungspolitik die Vorstellungen über eine gerechte Verteilung der Einkommen sehr differieren, sehen sich die Politiker gezwungen, sich auf minimale Mehrheiten zu stützen. Hier kann eine Opposition dadurch eine Wendung herbeiführen, dass sie eine anders zusammen gesetzte Mehrheit herbeiführt. Langfristig ergibt sich dann ein Hin- und Herpendeln zwischen unterschiedlichen Mehrheiten und damit eine instabile Situation. Vor allem Friedrich von Hayek hat auf dieses Problem hingewiesen.

 

Ein bürokratisches System kann schließlich ebenfalls aus verschiedenen Gründen handlungsunfähig werden. Dies gilt z. B. dann, wenn einzelne Abteilungen einer Regierung nicht ausreichend aufeinander abgestimmt sind und sich gegenseitig blockieren. Nehmen wir den Fall, dass eine zur Abstimmung stehende Frage die Kompetenz zweier Ministerien berühre, dass das Ministerium A von der Partei S, das Ministerium B jedoch von der Partei C geführt werde und dass beide Parteien sehr unterschiedliche Vorstellungen über die Lösung der anstehenden Frage besitzen, dann kann es durchaus dazu kommen, dass sich im Vorfeld der Beratungen beide Instanzen gegenseitig blockieren.

 

Auch wäre es denkbar, dass es an einem Treueverhältnis zwischen Vorgesetzten und Untergebenen mangelt und dass aus diesen Gründen die untergebenen Bürokraten sich weigern, die Beschlüsse der Regierung korrekt auszuführen.

 

Wenden wir uns nun  der Problematik der Systemmängel und zwar zunächst der Frage nach der Bedeutung externer Effekte zu. Wie bereits kurz angedeutet, sprechen wir immer dann von externen Effekten, wenn bei der Produktion oder beim Konsum einzelner Güter der Volkswirtschaft Kosten entstehen, welche dem Produzenten oder Konsumenten nicht angerechnet werden. Analoges gilt für volkswirtschaftliche Erträge, welche nicht dem Produzenten zufallen.

 

Das wohl wichtigste Beispiel externer Kosten ist die Umweltbelastung: Bei der Produktion werden Abgase in die Luft oder in die Gewässer abgeleitet, es entstehen hierdurch Beeinträchtigungen des Klimas (Ozonloch) oder Gesundheitsgefährdungen der Anrainer. Das wichtigste Beispiel für externe Erträge sind die Kollektivgüter im Sinne von Mancur Olson: Individuen, welche nicht bereit sind, sich an den Kosten der Entstehung dieser Güter zu beteiligen, können nicht vom Konsum dieser Güter ausgeschlossen werden.

 

Externe Kosten entstehen in marktwirtschaftlichen Systemen im Zusammenhang mit freien Gütern, für die es keine Eigentumsrechte weder privater Personen noch des Staates gibt, über welche also frei verfügt werden kann, ohne dass den Benutzern dieser Güter Kosten entstehen. Diese Güter gelten als nicht knapp und erzielen deshalb auch auf Märkten keinen Preis.

 

Existieren jedoch externe Kosten (und analoges gilt für externe Erträge) so versagt der Marktmechanismus und führt deshalb nicht mehr automatisch zu einem Wohlfahrtsoptimum. Ohne externe Kosten werden Güter nur dann produziert, wenn die bei der Produktion entstehenden Kostenzuwächse geringer sind als die Nutzensteigerungen, welche durch die Produktion entstehen.

 

Gehen wir von einer beliebigen Aufteilung der materiellen Ressourcen auf die einzelnen Güter aus und fragen wir uns, ob eine Veränderung in der Aufteilung Nutzenzuwächse verspricht; wir produzieren also von der einen Güterart A eine Einheit weniger und verwenden die hierdurch freigewordenen Produktionsfaktoren zur Produktion eines anderen Gutes B. Die volkswirtschaftlichen Kostenzuwächse einer solchen Allokationsveränderung liegen darin, dass nun bei den vermindert produzierten Gütern ein Nutzenverlust eintritt.

 

Dieser Nutzenverlust wird verglichen mit dem Nutzenzuwachs bei den vermehrt produzierten Gütern. Solange die Nutzenzuwächse größer sind als die Nutzenentgänge, wirkt die Allokationsänderung wohlfahrtssteigernd, das Wohlfahrtsoptimum ist noch nicht erreicht. Umgekehrt gilt, dass dann, wenn die Nutzenentgänge den Nutzenzuwächsen entsprechen, das Wohlfahrtsoptimum erreicht ist, keine Veränderung in der Allokation könnte eine Nutzensteigerung per saldo herbeiführen.

 

Wenn jedoch nun ein Teil der einer Volkswirtschaft entstehenden Kosten gar nicht in das Rentabilitätskalkül der wirtschaftenden Personen eingeht, wenn also die tatsächlich entstehenden Kosten zu gering veranschlagt werden, erzielen diese Güter einen zu geringen Preis, es wird von diesen Gütern zu viel produziert, von den anderen Gütern zu wenig und dies bedeutet, dass die Aufteilung der Ressourcen auf die einzelnen Güter mehr oder weniger von der optimalen Allokation abweicht.

 

Externe Effekte treten auch im Zusammenhang mit Verhandlungslösungen auf. So sind etwa von Arbeitskämpfen nicht nur die unmittelbar betroffenen Arbeitnehmer und Arbeitgeber betroffen, sondern auch dritte Gruppen, z. B. die Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Zuliefererfirmen oder die Bevölkerung unmittelbar (Arbeitskämpfe beim Personenverkehr oder bei der Müllabfuhr). In all diesen Fällen verursachen die streitenden Parteien Kosten, welche nicht unmittelbar von den streitenden Parteien gezahlt werden, sondern von Dritten.

 

Eine besondere Art von externen Effekten ist in Wahlsystemen zu erwarten. Politiker können ihre Chancen zur Wiederwahl dadurch vergrößern, dass sie ihre Aktivitäten vorwiegend auf Maßnahmen richten, deren positiv eingeschätzte Wirkungen kurzfristig spürbar werden, oder deren negativ eingeschätzte Wirkungen erst in weiterer Zukunft sichtbar werden. Die Politiker können sich ein solches Verhalten deshalb leisten, weil erfahrungsgemäß die Wähler ein sehr kurzes Gedächtnis haben, sie richten ihre Wahlentscheidung an den unmittelbar vor den Wahlen sichtbaren Maßnahmen der Politiker aus und vergessen hierbei die Nutzeneinbußen, welche sie unmittelbar nach der letzen Wahl erfahren mussten.

 

Die Wahrscheinlichkeit externer Effekte ist vor allem in bürokratischen Systemen hoch. Da bei den Entscheidungen von Bürokraten nicht deren Vermögen eingesetzt wird, können sie auch nicht materiell durch Vermögensverluste für Fehlentscheidungen herangezogen werden. Nun könnte man allerdings die Verantwortlichkeiten der Bürokraten auch dadurch aufrechterhalten, dass Bürokraten bei Fehlentscheidungen entlassen oder degradiert werden bzw. eine sonst anstehende Beförderung ausgesetzt würde.

 

Diese Möglichkeiten sind jedoch in praxi oftmals dadurch verbaut, dass eine Nichtbeförderung durch eine Regelförderung (man wird nach einer Reihe von Dienstjahren automatisch befördert) ausgeschlossen ist oder dass eine Entlassung von beamteten Bürokraten nicht möglich ist, da sie auf Lebenszeit eingestellt wurden und eine Entlassung nur bei sehr extremen Verfehlungen überhaupt erlaubt ist.

 

Es verbleibt dann nur noch die Möglichkeit, dass sich die Bürokraten für ihre Handlungen öffentlich oder vor einem Kontrollgremium des Parlamentes rechtfertigen müssen. Aber auch diese Möglichkeiten sind in der Praxis dadurch stark eingeschränkt, dass die Bürokraten oftmals über bessere Informationen verfügen als die Öffentlichkeit oder die Parlamentarier, welche diese Bürokraten kontrollieren sollen.

 

In ähnlicher Weise wie die externen Effekte führt auch eine einseitige Monopolisierung von Märkten zu suboptimalen Ergebnissen. Der Monopolist erlangt eine Kontrolle über das gesamte Angebot (die gesamte Nachfrage) eines Marktes, kann deshalb sein Angebot bzw. seine Nachfrage verknappen und damit ein für ihn günstigeres Ergebnis erzielen. Nur bei einem bilateralen Monopol wird unter bestimmte idealen Voraussetzungen die gleiche Allokation wie bei vollständigem Wettbewerb realisiert, sodass in diesen Fällen auch die Aufteilung der Ressourcen optimal erfolgt. Zu diesen Voraussetzungen zählen homothetische Nutzenfunktionen (der Grenznutzen des Einkommens bleibt konstant!), weiterhin homogen-lineare Produktionsfunktionen und eine schrittweise Verhandlungsstrategie.

 

Die Verhandlungslösung entspricht der Marktform des bilateralen Monopols. Somit ist hier prinzipiell eine optimale Allokation denkbar. John Kenneth Galbraith spricht in diesem Zusammenhang von countervailing powers, welche die Funktionen des Wettbewerbs übernehmen.

 

Allerdings gilt es einschränkend festzustellen, dass eine optimale Allokation nur unter einschränkenden Bedingungen erreicht werden kann und dass zumindest die Annahme eines konstanten Grenznutzens des Einkommens nach Auffassung der meisten Wirtschaftswissenschaftler nicht der Wirklichkeit entspricht. Im Allgemeinen geht man von der Annahme aus, dass ein Millionär einen bedeutend geringeren Nutzenzuwachs erfährt, wenn sein Einkommen um eine Einheit erhöht wird als wenn dieselbe Einkommenssteigerung bei einem Individuum mit sehr geringem Einkommen stattfindet. Also wird man unter realistischen Bedingungen davon ausgehen müssen, dass die Verhandlungslösung in der Regel zu suboptimalen Verhandlungsergebnissen führt.

 

Ein Wahlsystem kann nur dann zu optimalen Ergebnissen führen, wenn die Wähler zwischen mehreren Parteien wählen können. Allerdings wäre es falsch, wenn man von der Annahme ausging, dass die Ergebnisse eines Wahlsystems umso besser ausfallen, je größer die Zahl der Parteien ist, die sich zur Wahl stellen. Im Rahmen der ökonomischen Theorie der Demokratie konnte gezeigt werden, dass das im wesentlichen auf zwei konkurrierende Parteien beruhende Mehrheitswahlrecht in der Regel zu besseren Ergebnissen führt als ein Proporzwahlsystem, bei dem sich im allgemeinen eine Vielzahl kleiner Parteien zur Wahl stellt.

 

Der Grund hierfür liegt insbesondere darin, dass in Mehrheitswahlsystemen die Parteien viel stärker unter Druck stehen, die Interessen möglichst vieler Bevölkerungsgruppen zu berücksichtigen, während in Proporzwahlsystemen die Gefahr besteht, dass die einzelnen Parteien in stärkerem Maße die Interessen kleinerer Gruppen zu vertreten versuchen. In einem Mehrheitswahlsystem kann eine Partei nur dann die Regierung bilden, wenn es ihr gelingt die Mehrheit der Wählerstimmen zu erhalten. Dies ist jedoch im Allgemeinen nur möglich, wenn keine größere Bevölkerungsgruppe benachteiligt wird.

 

Im Rahmen eines Proporzwahlsystems kann ohnehin keine Partei hoffen, die Mehrheit der Stimmen zu erlangen, es müssen also Koalitionsregierungen mit einer Mehrzahl von Parteien gebildet werden. Um an der Regierung beteiligt zu werden, kommt es nicht darauf an, möglichst viele Wähler zu vertreten, auch eine Partei, welche nur eine kleine Bevölkerungsgruppe vertritt, hat Chancen an der Regierung beteiligt zu werden.

 

Die Erfahrung hat darüber hinaus gezeigt, dass Mehrheitswahlsysteme sehr viel stabiler sind als Proporzwahlsysteme. In einem Mehrheitswahlsystem reicht es im Allgemeinen aus, dass eine etwas größere Bevölkerungsgruppe mit der bisherigen Regierung unzufrieden ist, um bei der nächsten Wahl eine Ablösung der Regierung durch die Opposition zu erreichen. Aber gerade deshalb kann auch bei größerer Unzufriedenheit der Wähler das demokratische System beibehalten werden, nur die Partei, welche die Regierung stellt, ist abgelöst worden.

 

In Proporzwahlsystemen besteht hingegen die Gefahr, dass die auf dem Boden der demokratischen Ordnung stehenden Parteien ohnehin bereits der Regierung angehören, sodass bei großer Unzufriedenheit mit der bisherigen Regierung die Gefahr besteht, dass radikale Parteien die Oberhand gewinnen und diese die bestehende demokratische Ordnung zu überwinden versuchen.

 

Es kommt also für einen wirksamen Wettbewerb im Wahlsystem weniger darauf an, dass möglichst viele Parteien miteinander konkurrieren. Trotzdem gibt es auch im politischen Wahlsystem die Gefahr einseitiger Monopolisierungen, so z. B. dann, wenn zu einem Einparteiensystem übergegangen wird, wenn eine Allparteienregierung gebildet wird oder wenn sich die bestehenden Parteien absprechen, bestimmte besonders kritische Probleme aus dem Wahlkampf herauszuhalten.

 

Das bürokratische System zeichnet sich dadurch aus, dass auch in einem idealtypischen Fall keine Konkurrenz auf der Angebotsseite gegeben ist. Die in den anderen Ordnungssystemen vorgesehene Funktion des Wettbewerbs erfolgt hier dadurch, dass die Bürokratie der Kontrolle durch das Parlament unterliegt. Hier besteht jedoch die Gefahr, dass die Bürokraten gegenüber den Parlamentariern einen so großen Informationsvorsprung besitzen, dass die parlamentarische Kontrolle ineffektiv wird.

 

Genau diese These wird von William A. Niskanen im Rahmen seiner Bürokratietheorie vertreten. Niskanen vertritt die Auffassung, dass die Bürokraten aufgrund eines Informationsvorsprunges über eine Optionsfixierungsmacht gegenüber der Regierung verfügen und deshalb die Möglichkeit haben, die Staatsausgaben in bedeutend stärkerem Maße auszuweiten, als dies den Wünschen der Wähler entspricht.

 

 

Zusammenfassung:

 

01. Im Rahmen der Ordnungsanalyse steht die Frage nach der Koordination von Einzelentscheidungen im Mittelpunkt.

 

02. Eine Koordination wird einmal wegen externer Effekte, zum andern wegen einer arbeitsteiligen Produktionsweise notwendig.

 

03. Nicht nur Marktwirtschaften, sondern auch staatliche Planwirtschaften bedürfen einer Koordination.

 

04. Elemente einer jeglichen Ordnung sind Informationen sowie Anreizsysteme.

 

05. Die einzelnen Ordnungen unterscheiden sich darin, ob die Informationen vorwiegend normativer oder explikativer Natur sind und ob sie stark oder schwach gebündelt sind.

 

06. Bei den Anreizsystemen kann zwischen positiven und negativen Anreizen unterschieden werden; weiterhin ergeben sich Unterschiede darin, ob das materielle Interesse, die soziale Position oder das Gewissen des einzelnen angesprochen wird.

 

07. Dahl und Lindbloom unterscheiden zwischen Markt- Verhandlungs-, Bürokratie- und Wahlsystemen.

 

08. Kenneth E. Boulding unterscheidet zwischen drei Ordnungstypen: dem Tausch, der Drohung und den integrativen Ordnungsformen. Der Ordnungstyp des Tausches entspricht in etwa dem Marktsystem. Es findet ein ‚Do et des’ statt, der Leistung des einen entspricht eine im Prinzip gleichwertige Gegenleistung des anderen. Das System der Drohung findet vor allem in den Tarifverhandlungen statt, die Drohung zeichnet sich dadurch aus, dass der eine Partner eine bestimmte Leistung von dem anderen Partner verlangt, diesem eine Sanktion für den Fall androht, dass er nicht bereit ist, diese Leistung anzubieten; die Gegenleistung des Drohenden besteht dann darin, dass er verspricht, bei Erfüllung der Leistung darauf zu verzichten, die Drohung wahr zu machen. Man kann auch davon sprechen, dass hier der Leistung des Bedrohten ein negatives Gut des Drohenden entspricht. Integrative Systeme wie z. B. die Familie oder eine Freundschaft zeichnen sich schließlich dadurch aus, dass die Leistungen der Einzelnen keines äußeren Anreizes bedürfen und dass deshalb auch keine Gegenleistung erwartet werden kann.

 

09. Robert A. Dahl und Charles E. Lindblom unterscheiden zwischen vier verschiedenen Ordnungssystemen: dem Tauschsystem, der Verhandlung, der Hierarchie (der Bürokratie) und der Polyarchie (dem Wahlsystem). Das Unterscheidungsmerkmal der einzelnen Ordnungstypen liegt hier in der Unterscheidung zwischen Führern und Geführten.

 

10. Der Ordnungstyp des Tausches entspricht in etwa dem Marktsystem. Es findet ein ‚Do et des’ statt, der Leistung des einen entspricht eine im Prinzip gleichwertige Gegenleistung des anderen.

 

11. Bei den Verhandlungen findet eine wechselseitige Kontrolle der beiden Seiten statt, also von den Führern (Unternehmungen) zu den Geführten (Arbeitnehmern) und umgekehrt von den Geführten (Gewerkschaften) zu den Führern (Unternehmungen) statt.

 

12. Polyarchien (Wahlsysteme) zeichnen sich dadurch aus, dass die Führer (die Politiker) von den Geführten (Wählern) kontrolliert werden, während in einer Hierarchie (Bürokratie) eine einseitige Kontrolle von den Führern (Bürokraten) zu den Bürgern Geführten) stattfindet.

 

 

Fragen zu Kapitel 8:

 

01. Worin besteht die Hauptaufgabe einer Wirtschaftsordnung?

 

02. Worin liegen die wichtigsten Unterschiede zwischen den einzelnen Wirtschaftsordnungen?

 

03. Aus welchen beiden Elementen besteht eine Wirtschaftsordnung?

 

04. Welche Unterschiede weisen Informationen auf?

 

05. Worin können sich die Anreizsysteme unterscheiden?

 

06. Welche Ordnungsformen unterscheiden Dahl und Lindbloom?

 

07. Worin besteht bei der Drohung die Gegenleistung?

 

08. Welches System entspricht in der Realität noch am ehesten einem System der Drohung?

 

09. Was ist nach Dahl und Lindbloom beim Tausch das Entscheidende?

 

10. Welchem Ordnungssystem ist das bei Dahl und Lindbloom gewählte Unterscheidungskriterium der Führer und der Geführten entlehnt?

 

11. Welchen Bezugspunkt wählt Philipp Herder-Dorneich in seiner Theorie der Scheine?

 

12. Worin besteht der ordnungspolitische Beitrag von Albert O. Hirschmann?

 

 

Antworten zu Kapitel 8:

 

01. Die Hauptaufgabe jeder Wirtschaftsordnung besteht darin, die wirtschaftlich relevanten Entscheidungen der Wirtschaftssubjekte zu koordinieren. 

 

02. Der wichtigste Unterschied zwischen marktwirtschaftlichen und staatlich planwirtschaftlichen Ordnungssystemen besteht in dem Freiheitsgrad, der den einzelnen Haushalten und Betrieben eingeräumt wird.

 

03. Jede Wirtschaftsordnung enthält einerseits Informationen andererseits Anreize verschiedenster Art.

 

04. Informationen können sich einerseits darin unterscheiden, ob sie explikativer oder normativer Natur sind (Du kannst…, Du sollst…) , andererseits ergeben sich Unterschiede auch darin, ob die Informationen schwach (Beispiel: Ampel) oder stark (Beispiel Verordnung) gebündelt sind.

 

05. Anreizsysteme können aus positiven Anreizen (z. B. Prämien) oder aus negativen Anreizen (z. B. Strafen) bestehen. Sie können sich weiterhin an unterschiedliche seelische Instanzen (materielles Interesse, Machtinteressen, soziales Gewissen) richten.

 

06. Dahl und Lindbloom unterscheiden Markt-, Verhandlungs-, Wahl- und Bürokratiesysteme, wobei der Hauptunterschied in der Gewichtung der einzelnen Elementen besteht.

 

07. Bei der Drohung entspricht das Versprechen des Drohenden, bei Erfüllung der Forderung auf die Durchführung der Drohung zu verzichten.

 

08. Das gegenwärtige System der Tarifverhandlungen basiert im Wesentlichen auf der Möglichkeit der Gewerkschaften, ihre Lohnforderungen mit einer Streikdrohung für den Fall zu verbinden, dass die Arbeitgeber auf die Lohnforderungen der Gewerkschaften nicht eingehen.

 

09. Der Tausch zeichnet sich dadurch aus, dass sich alle Beteiligten, die Führer (Unternehmer) wie die Geführten (die Haushalte als Konsumenten und Anbieter von Produktionsfaktoren) untereinander und gegenseitig kontrollieren. Die Unternehmer üben eine Kontrolle gegenüber den Mitbewerbern als auch gegenüber den Konsumenten aus, genauso wie die Konsumenten untereinander als auch gegenüber den Unternehmungen Kontrolle ausüben.

 

10. Die Unterscheidung zwischen Führern und Geführten ist dem bürokratischen System entlehnt. Es wäre jedoch besser, wenn man einfach von Angebot und Nachfrage spricht, wobei man dieses Begriffspaar jeweils auf den Output des Systems bezieht. In diesem Sinne sind die Unternehmer stets Anbieter, obwohl sie natürlich auf den Faktormärkten (beim Input also) auch als Nachfrager auftreten. Ähnliches gilt für die Haushalte, die bezogen auf die Outputseite als Nachfrager, aber gleichzeitig auf den Inputmärkten als Anbieter von Produktionsfaktoren auftreten.

 

11. Herder-Dorneich untergliedert die Ordnungssysteme nach der Art der Steuerungsmittel und unterscheidet zwischen Berechtigungs-, Wahl- und Geldscheinen.

 

12. Der ordnungspolitische Beitrag von Albert O. Hirschmann beruht auf der Unterscheidung zwischen Abwanderung und Widerspruch als wichtige gesellschaftliche Mechanismen, von denen eine Kontrolle der Führungskräfte ausgeht. Einer ähnlichen Einteilung begegnen wir im Marktformenschema zwischen vollständigem Wettbewerb und bilateralem Monopol. Der Wettbewerb der Anbieter untereinander ermöglicht es dem Nachfragenden, bei Unzufriedenheit zu einem anderen Anbieter überzuwechseln. Beim bilateralen Monopol geht von den Gegenkräften die dem Wettbewerb zugedachte Kontrollfunktion aus. Die einzelnen Mitglieder einer Marktseite können auf ihre Verhandlungsführer nur dadurch Druck ausüben, dass sie die Führungspersonen bei Unzufriedenheit abwählen können.