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A L L G E M E I N E

W I R T S C H A F T S P O L I T I K

 

V O N  B E R N H A R D  K Ü L P

 

 

 

Kapitel 0: Der Gegenstand dieser Vorlesung

 

 

Vorwort:

 

Mit dieser Vorlesung beginnt eine Neuauflage meines Vorlesungszyklus, beginnend mit der Einführungsvorlesung und weitergeführt mit Vorlesungen über Konjunktur- und Wachstumspolitik, Außenwirtschaftspolitik und Sozial- und Verteilungspolitik.

 

Hierbei soll bezogen auf den materiellen Inhalt dieser Vorlesungen noch stärker als bisher eine Aufgabenteilung zwischen den Vorlesungen und den Artikeln meiner Webseite betont werden. In den Artikeln soll jeweils entweder eine aktuelle politische Frage oder auch ein neues Forschungsthema diskutiert werden. Die Vorlesungen hingegen dienen in erster Linie dazu, einen systematischen Überblick über den Gesamtbereich der Wirtschaftspolitiklehre zu geben.

 

Hierbei ist von besonderer Bedeutung, dass eine Vorlesung nicht als Kochbuch verstanden werden soll, das für die jeweils auftretenden, aktuellen Probleme der Wirtschaftspolitik Rezepte entwickeln will, die dann jeweils angewandt werden können.

 

Ein solches Vorgehen ist gar nicht möglich, aber auch nicht notwendig. Es ist nicht möglich, da wir in einer sich schnell verändernden Zeit leben. Die Übungsfälle, welche in einer Vorlesung behandelt werden, sind zumeist bereits politisch gelöst, wenn der einzelne Student sein Studium abgeschlossen hat.

 

Zumeist sind die in diesem Jahr verabschiedeten Gesetze bereits nach einem oder zwei Jahren Makulatur, einmal deshalb, weil sich die Rahmenbedingungen verändert haben, die alten Probleme gar nicht mehr bestehen und neue, ganz andere Schwierigkeiten entstanden sind.

 

Zum andern aber auch deshalb, weil Politiker oftmals gar nicht bereit sind, auf die Wissenschaft zu hören, also in einem ersten Schritt nach den Ursachen eines Übels forschen und erst in einem zweiten Schritt den Versuch unternehmen, diese Ursachen zu beseitigen oder zumindest zu vermindern, um auf diese Weise eine anhaltende Lösung des vorliegenden Problems zu erreichen.

 

Viele Politiker handeln nach der Maxime: Wichtig vor allem ist, dass überhaupt etwas geschieht, was im einzelnen verändert wird, ist zweitrangig, der Bevölkerung fehlt ohnehin der Überblick, um beurteilen zu können, ob eine konkrete Maßnahme wirklich in der Lage ist, das Übel an der Wurzel zu beseitigen.

 

Andere Politiker sehen die Probleme unserer Gesellschaft allein als ein moralisches Problem an und sie meinen, es reiche, wenn man einfach per Gesetz die als richtig angesehene Lösung vorschreibt. Die Gegner, welche sachliche Einwendungen gegen diese Vorgehensweise vorbringen und die darauf hinweisen, dass eben nur bei einer Bekämpfung der eigentlichen Ursachen das Übel anhaltend beseitigt werden kann, werden dann als amoralisch abqualifiziert und bekämpft. Es wird so getan, als ob sie sich gegen die zur Diskussion stehenden Ziele selbst wenden würden, während sie nur darauf hinweisen, dass falsche Mittel, welche das Problem gar nicht lösen können, eingesetzt werden.

 

Ein Kochbuch als Rezeptsammlung ist aber auch gar nicht notwendig. Im Zeitalter des Computers und des Internet gibt es zahlreiche Datenbanken, aus denen man jederzeit die konkreten Zahlen, die zu einer Beurteilung der augenblicklichen Lage benötigt werden, abrufen kann. Diese Daten sind nicht nur vorhanden und werden permanent aktualisiert, sondern stehen auch einem größeren Kreis von Personen zur Verfügung. Die Kosten des Abrufs dieser Daten sind auch im Vergleich zu den effektiven Kosten eines früheren Studiums relativ klein oder könnten zumindest bei Einhaltung marktwirtschaftlicher Kriterien (vor allem bei Vermeidung eines monopolistischen Angebotes dieser Lösungen) klein gehalten werden.

 

Ganz im Gegensatz hierzu liegt die eigentliche Aufgabe des Studiums der Lehre von der Wirtschaftspolitik darin, das Lernen von Problemlösungen selbst zu erlernen. Da immer wieder neue Probleme auftreten, kann der Praktiker auf keine vorgegebenen Lösungen zurückgreifen. Da es diese Probleme in der Vergangenheit in der heute auftretenden Weise gar nicht gab, kann es auch keine fertigen Rezepte zur sachgerechten Lösung dieser anstehenden Probleme geben.

 

Wohl aber kann der Student im Verlaufe seines Studiums lernen, wie man vorzugehen hat, wenn neue Probleme auftauchen und neue, bisher unbekannte Rezepte zur Lösung der Probleme entwickelt werden müssen.

 

Natürlich bedeutet diese Aufgabenstellung nicht etwa, den Lernstoff, das Erlernens des Lernens, selbst vollkommen abstrakt ohne Bezug auf die Wirklichkeit zu lehren. Nichts hilft für das Erkennen und Lernen von Aufgaben mehr, als dass man die abstrakten Thesen anhand praktischer, von dem Lernenden bereits weitgehend bekannten Beispielen bespricht. Nur dass eben diese Beispiele nicht dazu dienen, dann später bei Auftreten eines bestimmten Problems aus der Mottenkiste hervorgeholt und angewandt zu werden, sondern allein dazu, aufzuzeigen, auf welchem Wege auch Lösungen gefunden werden können, wenn keine fertigen Rezepte bereits vorliegen.

 

Auch in formeller Hinsicht, also im Zusammenhang mit der Frage, wie der Lernstoff dieser Vorlesungen vorgestellt werden soll, wurden Veränderungen vorgenommen. Dieser Vorlesungszyklus wurde bisher in PowerPoint-Dateien vorgestellt. Ich möchte die Neuauflage dieses Vorlesungszyklus nun in Word-Dateien veröffentlichen. Bei allen Vorzügen, welche das Programm PowerPoint aufweist, sind einige Probleme der Darstellung sehr ungenügend gelöst. Eigentlich eignet sich das Programm ‚PowerPoint‘ vorwiegend für Überschriften und Gliederungen sowie komplizierte Graphiken, aber weniger für zusammenhängende Texte, welche nun einmal in jeder Vorlesung, welche als selbständiges Medium angeboten wird, unerlässlich sind.

 

Wenn man nun diesen Text nicht in dem hässlichen Ziehharmonika-Stil darstellen will, sondern den im Buchdruck schon immer verwendeten Blocksatz wählt, dann vermisst man in PowerPoint die Möglichkeit einer automatischen Silbentrennung. Es entstehen dann in wissenschaftlichen Texten, welche ja stets sehr lange Fachbegriffe kennen, unschön aussehende große Lücken zwischen den einzelnen Worten.

 

Man kann zwar in mühevoller Kleinarbeit harte Trennungsstriche vorsehen und dadurch diese Lücken weitgehend vermeiden, aber bei jeder geringsten Textänderung erscheinen diese harten Trennungsstriche an der falschen Stelle, sie müssen mühsam per Hand beseitigt werden und es müssen neue Trennungsstriche an den passenden Stellen gesetzt werden.

 

Noch schlimmer gestaltet sich die Arbeit, wenn man ganze Sätze oder sogar Absätze in den Text neu einfügen möchte. Anders als im Word-Programm muss man nämlich die dann überschießenden Zeilen mit Hand markieren, ausschneiden und auf der nächsten Seite einfügen. Da aber dadurch auch diese Seite überfließende Zeilen erhält, muss auch diese Prozedur für diese und für alle weiteren Seiten bis zum Ende eines Kapitels vorgenommen werden.

 

Das gleiche gilt natürlich auch für den Fall, dass man ganze Sätze (oder Absätze) streichen möchte, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Den dadurch entstehenden Leerraum muss man nun dadurch auffüllen, dass man Zeilen der nächsten Seite auf die vorhergehende Seite überträgt. Auch hier ist diese Prozedur bis zum Ende des Kapitels für jede folgende Seite (Folie) zu wiederholen.

 

Der Text der Vorlesung wird also in dieser Neuauflage in Word dargestellt. Das Word-Programm gestattet allerdings selbst wiederum nicht, komplizierte Graphiken etc. animiert darzustellen. Da es aber das Verständnis komplexer Graphiken entscheidend erleichtert, wenn sie animiert, d. h. in mehreren Schritten vorgestellt werden, wird dort, wo es notwendig erscheint, ein Link auf eine PowerPoint-Datei gesetzt, die dann die Graphik in mehreren Schritten entwickelt.

 

Voraussetzungen:

 

Diese Vorlesung setzt voraus, dass der Leser über ausreichende Grundkenntnisse in Wirtschaftstheorie verfügt.

 

 

Literatur zur Vertiefung:

 

Zur Wirtschaftstheorie: wird Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, 9. Aufl., München 2007 empfohlen.

 

Zur allgemeinen Wirtschaftspolitik kann die von Bernhard Külp und Norbert Berthold veröffentlichten Grundlagen der Wirtschaftspolitik, München 1992 zugrunde gelegt werden. Allerdings wird ja gerade in dieser Vorlesung der Inhalt dieses Lehrbuches ausführlich dargestellt.

 

 

Aufgabe dieser Vorlesung:

 

Die Aufgabe einer Lehre von der Wirtschaftspolitik besteht in der Anwendung der wirtschaftstheoretischen Zusammenhänge auf die praktische Wirtschaftspolitik. Eine solche Abhandlung kann natürlich nur derjenige verstehen, der bereits über ausreichende Kenntnisse der Wirtschaftstheorie verfügt. Zwar werde ich mich in dieser Vorlesung darum bemühen, die jeweils zur Sprache kommenden wirtschaftstheoretischen Zusammenhänge kurz zu umreißen. Trotzdem wäre zu befürchten, dass derjenige, der bisher überhaupt keine Wirtschaftstheorie studiert hat, bei diesen Darlegungen Verständnisschwierigkeiten haben wird. Es ist deshalb dringend zu empfehlen, sich vor dem Studium der Wirtschaftspolitiklehre mit den Grundlagen der Wirtschaftstheorie auseinanderzusetzen.

 

Warum bedarf es überhaupt neben der Darstellung der Wirtschaftstheorie einer eigenen Vorlesung über die Lehre der Wirtschaftspolitik? Der Grund liegt darin, dass das Wissen theoretischer Zusammenhänge allein noch nicht ausreicht, dieses theoretische Wissen auf konkrete Beispiele der Wirtschaftspolitik anzuwenden. Die Situation gleicht einem Fahrschüler, welcher eine Bedienungsanleitung eines Kraftfahrzeuges studiert hat, man wird auch hier feststellen müssen, dass die beim Steuern eines Fahrzeuges notwendigen Fähigkeiten erst allmählich bei praktischen Fahrübungen erworben werden. Es ist zweierlei, sich ein theoretisches Wissen anzueignen und dieses Wissen dann in die Tat umzusetzen. Die Aufgabe der Wirtschaftspolitiklehre besteht gerade darin, diese Fähigkeiten zur Anwendung theoretischen Wissens zu erlernen.

 

In dieser einleitenden Vorlesung sollen die wichtigsten Problemstellungen der Wirtschaftspolitiklehre dargestellt werden. Hierbei sollen folgende Gegenstände und Ziele zur Sprache kommen:

 

01. Betrachtungsweisen            

02. Methoden                              

03. Zielanalyse                            

04. Mittelanalyse                      

05. Trägeranalyse                        

06. Politische Ökonomie              

07. Wohlfahrtstheorie                

08. Ordnungsanalyse                  

09. Ordnungskonzeption           

10. Ordnungsdynamik