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Widersprüche in der Bibel

 

 

 

Gliederung:

 

 1. Inspiration des Hl. Geistes und Widersprüche in der Bibel

 2. Schöpfungsbericht

 3. Erbsünde, Voraussetzung für Schuld ist das Können

 4. Rächender Gott bis ins Dritte Glied- barmherziger Gott

 5. Freiheit des Menschen - Vorherbestimmung

 6. Holocaust und Allmacht Gottes

 7. Feindesliebe - Vernichtung der Feinde durch Gott

 8. Tod Jesu notwendig zur Erlösung der Menschen?

                 9. Ein Gott drei Personen

                 10. Bindung Gottes an Entscheidungen der Kirchenbehörde

                 11. Gleichheit vor Gott und Patriarchalismus

                 12. Am Sabbat heilen trotz Sabbatruhe

                 13. Von Gott kein Bildnis machen Jesusbilder

                 14. Alle Sünden werden vergeben, nicht die Sünde gegen den heiligen Geist

 

 

 

Kapitel  14. Alle Sünden werden vergeben, nicht die Sünde gegen den heiligen Geist

 

 

 

Gliederung:

 

1. Das Problem

2. Die Vergebung der Sünden in der Heiligen Schrift

3. Mögliche Interpretationsversuche

4. Der Textzusammenhang bei Matthäus und Markus

5. Der Textzusammenhang bei Lukas und im Hebräerbrief

6. Die Interpretation im jüdischen Neuen Testament

 

 

 

1. Das Problem

 

Wir wollen uns in dem letzen Kapitels dieser Vorlesung mit der sogenannten Sünde wider den Heiligen Geist befassen. Mit dem Thema des Heiligen Geistes haben wir uns bereits zwei Mal auseinandergesetzt. Wir haben im ersten Kapitel die Frage aufgeworfen, ob die Feststellung, dass auf den ersten Blick zwischen den verschiedenen Aussagen der Heiligen Schrift Widersprüche bestünden, nicht selbst wiederum einen Widerspruch mit dem anderen Glaubenssatz der christlichen Kirchen enthält, wonach der Heilige Geist selbst darüber wache, dass die Glaubenswahrheiten der Bibel korrekt dargestellt und im geschichtlichen Verlauf bis zum Ende der Zeiten erhalten bleiben. Wir hatten dort gesehen, dass ein richtiges Verständnis darüber, welche Rolle der Heilige Geist spielt und wie er die Menschen beeinflusst, zu einer Auflösung dieses Widerspruches führt.

 

Wir begegneten dann im neunten Kapitel, das sich mit der Trinitätslehre der katholischen Kirche beschäftigt hat, der Bedeutung des Heiligen Geistes erneut. Hier ging es primär darum, die Unterschiede (Widersprüche) zwischen dem Glauben der Juden, der allein durch die Aussagen des Alten Testamentes bestimmt wird und dem Glauben der Christen herauszuarbeiten. Nach dem Verständnis beider Religionen gibt es zwar nur einen einzigen Gott, im Gegensatz zu den Juden wird von den Christen Jesus jedoch zwar als wahrer Mensch, gleichzeitig aber auch als wahrer Gott verehrt, während die Juden in Jesus lediglich einen Propheten sehen.

 

Entsprechend der Trinitätslehre äußert sich der einzige Gott in drei Personen, in Gott Vater, der die Welt erschaffen hat, in Jesus, der Menschengestalt angenommen hat und den Menschen die Voraussetzung für die Erlösung gebracht hat und dem Heiligen Geist, der die Menschen immer wieder anhält, die Weisungen Gottes zu befolgen und der bemüht ist, die Menschen vor sündhaftem Verhalten zu bewahren. Allerdings hatten wir hier gesehen, dass der Begriff der Person im Rahmen der Trinitätslehre nicht in dem heutigen Gebrauch, sondern in seiner ursprünglichen Bedeutung als Rolle bzw. Erscheinungsform aufgefasst wird.

 

Die Kernaussage der hier in diesem letzen Kapitel thematisierten These besteht in dem Ausspruch Jesu, dass im Gegensatz zu allen anderen Sünden die Sünden wider den Heiligen Geist nie verziehen würden. Diese Aussage begegnet uns z. B.  im Matthäusevangelium Kapitel 12, wenn Jesus spricht:


31 ‚Darum sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden, aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben.

32  Auch dem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden; wer aber etwas gegen den Heiligen Geist sagt, dem wird nicht vergeben, weder in dieser noch in der zukünftigen Welt.‘

 

Gerade diese Aussage, welche nicht nur bei Matthäus, sondern auch in den Evangelien des Markus sowie des Lukas mit nahezu gleicher Formulierung Erwähnung findet und welche deshalb sicherlich von Jesus zumindest dem Inhalt nach ausgesprochen wurde, hat nun wie kaum eine andere Stelle des Neuen Testamentes für Verwirrung gesorgt und zu den unterschiedlichsten Interpretationen Anlass gegeben.

 

Zunächst wollen wir festhalten, dass eine solche Aussage auf den ersten Blick in Widerspruch steht zu der ansonsten in der gesamten Heiligen Schrift durchgehend gelehrten Auskunft, dass der Gott der Juden und der Christen im Vergleich zu den Göttern der Heiden nicht nur ein gerechter, sondern auch ein barmherziger Gott ist, der den Menschen immer wieder ihre Vergehen verziehen hatte, sofern nur die Menschen ihre Tat bereuen und zur Umkehr bereit sind.

 

 

2. Die Vergebung der Sünden in der Heiligen Schrift

 

Von dieser großzügigen Haltung Gottes den Menschen gegenüber wird ansonsten keine andere Sünde ausgenommen, mag sie noch so groß sein, noch hört die Barmherzigkeit Gottes dort auf, wo Menschen immer wieder in Sünde fallen. In der heidnischen Welt ist man zwar im Allgemeinen bereit, jedem eine zweite Chance einzuräumen; wenn jedoch ein Täter eine Tat ein drittes oder viertes Mal wiederholt, wird dieser als Wiederholungstäter abgestempelt, der weggesperrt werden muss, um die Bevölkerung vor diesem Verbrecher zu schützen.

 

Demgegenüber erfahren wir im Matthäusevangelium, Kapitel 18 über die Pflicht zur Vergebung eines Christen:

 

21 ‚Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal?

22  Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.‘

 

Und diese Aussage ist natürlich nicht so zu verstehen, dass wir beim achtundsiebzigstenmal nicht mehr vergeben sollen, sondern dass wir aufgefordert sind, reuigen Sündern unbegrenzt immer wieder zu verzeihen, genauso wie auch Gott den reuigen Sündern immer wieder verzeiht.

 

Zahlreiche Bibelstellen sowohl im Alten wie auch im Neuen Testament lassen auch erkennen, dass dieses Verzeihen nicht nur für kleinere, also lässige Sünden gilt, dass Gott vielmehr auch den schwersten Sünden gegenüber Nachsicht walten lässt. Für Gott zählt nicht die Schwere der Tat, sondern allein die Aufrichtigkeit der Reue und der Umkehr.

 

Nach der Vertreibung Adam und Evas aus dem Paradies wird im ersten Buch Moses im Kapitel 4 als erste größere Verfehlung der Menschen die Tötung Abels durch Kain erwähnt:

 

3  ‚Nach einiger Zeit brachte Kain dem Herrn ein Opfer von den Früchten des Feldes dar;

4  auch Abel brachte eines dar von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Der Herr schaute auf Abel und sein Opfer,

5  aber auf Kain und sein Opfer schaute er nicht. Da überlief es Kain ganz heiß und sein Blick senkte sich.

6  Der Herr sprach zu Kain: Warum überläuft es dich heiß und warum senkt sich dein Blick?

7  Nicht wahr, wenn du recht tust, darfst du aufblicken; wenn du nicht recht tust, lauert an der Tür die Sünde als Dämon. Auf dich hat er es abgesehen, doch du werde Herr über ihn! 

8  Hierauf sagte Kain zu seinem Bruder Abel: Gehen wir aufs Feld! Als sie auf dem Feld waren, griff Kain seinen Bruder Abel an und erschlug ihn.

9  Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er entgegnete: Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders?

10  Der Herr sprach: Was hast du getan? Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden.

11  So bist du verflucht, verbannt vom Ackerboden, der seinen Mund aufgesperrt hat, um aus deiner Hand das Blut deines Bruders aufzunehmen.

12  Wenn du den Ackerboden bestellst, wird er dir keinen Ertrag mehr bringen. Rastlos und ruhelos wirst du auf der Erde sein.

13  Kain antwortete dem Herrn: Zu groß ist meine Schuld, als dass ich sie tragen könnte.

14  Du hast mich heute vom Ackerland verjagt und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen; rastlos und ruhelos werde ich auf der Erde sein und wer mich findet, wird mich erschlagen.

15  Der Herr aber sprach zu ihm: Darum soll jeder, der Kain erschlägt, siebenfacher Rache verfallen. Darauf machte der Herr dem Kain ein Zeichen, damit ihn keiner erschlage, der ihn finde.

16  Dann ging Kain vom Herrn weg und ließ sich im Land Nod nieder, östlich von Eden.‘

 

Zwar erfahren wir, dass Gott den Kain wegen seiner Tat zunächst verflucht und ihm ein besonders schweres Leben voraussagt. Er kann jedoch weiterleben und Gott machte Kain ein Zeichen, nicht etwa um Kain als Ausgestoßenen zu brandmarken, der für den Rest der Menschen zum Freiwild wird, das von jedem erschossen werden darf, ohne dass diese Tat eine Strafe nach sich ziehen würde. Ganz im Gegenteil dient dieses Kainszeichen dazu, die anderen Menschen davon abzuhalten, Kain zu töten. Es wird jeder, der versucht, Kain zu töten, siebenfacher Rache verfallen. Und dieser Schutz Kains vor seinen Mitmenschen wird offensichtlich Kain deshalb gewährt, weil er seine Tat bereut und bekennt, dass seine Schuld zu groß sei, als dass er sie tragen könnte.

 

Dieses Beispiel zeigt also, dass selbst eine der schwersten Verbrechen, das Töten eines Menschen, nicht zur Auslöschung dieses Sünders führt, sondern dass ihm durchaus verziehen wird, sofern er ehrlich seine Tat bereut. Fahren wir fort mit Beispielen, wie Gott mit Sündern umgeht. Im zweiten Buch Samuel, Kapitel 11 wird über Verfehlungen Davids gesprochen:

 

1 ‚Um die Jahreswende, zu der Zeit, in der die Könige in den Krieg ziehen, schickte David den Joab mit seinen Männern und ganz Israel aus und sie verwüsteten das Land der Ammoniter und belagerten Rabba. David selbst aber blieb in Jerusalem.

2  Als David einmal zur Abendzeit von seinem Lager aufstand und auf dem Flachdach des Königspalastes hin– und herging, sah er von dort aus eine Frau, die badete. Die Frau war sehr schön anzusehen.

3  David schickte jemand hin und erkundigte sich nach ihr. Man sagte ihm: Das ist Batseba, die Tochter Ammiëls, die Frau des Hetiters Urija.

4  Darauf schickte David Boten zu ihr und ließ sie holen; sie kam zu ihm, und er schlief mit ihr – sie hatte sich gerade von ihrer Unreinheit gereinigt. Dann kehrte sie in ihr Haus zurück.

5  Die Frau war aber schwanger geworden und schickte deshalb zu David und ließ ihm mitteilen: Ich bin schwanger.

6  Darauf sandte David einen Boten zu Joab (und ließ ihm sagen): Schick den Hetiter Urija zu mir! Und Joab schickte Urija zu David.

7  Als Urija zu ihm kam, fragte David, ob es Joab und dem Volk gut gehe und wie es mit dem Kampf stehe.

8  Dann sagte er zu Urija: Geh in dein Haus hinab und wasch dir die Füße! Urija verließ das Haus des Königs und es wurde ihm ein Geschenk des Königs nachgetragen.

9  Urija aber legte sich am Tor des Königshauses bei den Knechten seines Herrn nieder und ging nicht in sein Haus hinab.

10  Man berichtete David: Urija ist nicht in sein Haus hinabgegangen. Darauf sagte David zu Urija: Bist du nicht gerade von einer Reise gekommen? Warum bist du nicht in dein Haus hinuntergegangen?

11  Urija antwortete David: Die Lade und Israel und Juda wohnen in Hütten und mein Herr Joab und die Knechte meines Herrn lagern auf freiem Feld; da soll ich in mein Haus gehen, um zu essen und zu trinken und bei meiner Frau zu liegen? So wahr du lebst und so wahr deine Seele lebt, das werde ich nicht tun.

12  Darauf sagte David zu Urija: Bleib auch heute noch hier; morgen werde ich dich wegschicken. So blieb Urija an jenem Tag in Jerusalem. Am folgenden Tag

13  lud David ihn ein, bei ihm zu essen und zu trinken, und machte ihn betrunken. Am Abend aber ging Urija weg, um sich wieder auf seinem Lager bei den Knechten seines Herrn niederzulegen; er ging nicht in sein Haus hinab.

14  Am anderen Morgen schrieb David einen Brief an Joab und ließ ihn durch Urija überbringen.

15  Er schrieb in dem Brief: Stellt Urija nach vorn, wo der Kampf am heftigsten ist, dann zieht euch von ihm zurück, sodass er getroffen wird und den Tod findet.

16  Joab hatte die Stadt beobachtet und er stellte Urija an einen Platz, von dem er wusste, dass dort besonders tüchtige Krieger standen.

17  Als dann die Leute aus der Stadt einen Ausfall machten und gegen Joab kämpften, fielen einige vom Volk, das heißt von den Kriegern Davids; auch der Hetiter Urija fand den Tod.

18  Joab schickte (einen Boten) zu David und ließ ihm den Verlauf des Kampfes berichten…

 

26  Als die Frau Urijas hörte, dass ihr Mann Urija tot war, hielt sie für ihren Gemahl die Totenklage.

27  Sobald die Trauerzeit vorüber war, ließ David sie zu sich in sein Haus holen. Sie wurde seine Frau und gebar ihm einen Sohn. Dem Herrn aber missfiel, was David getan hatte.‘

 

Wir erfahren hier, dass ausgerechnet David der von Gott auserwählte und gesalbte König zweier Vergehen beschuldigt wird, die zu den schwersten Verbrechen gehören. Er hat Ehebruch begangen und als dann feststand, dass die Frau, mit der er Ehebruch begonnen hatte, schwanger wurde und diese Tatsache nicht mehr vor dem Ehemann dieser Frau verheimlicht werden konnte, verfügte er, dass dieser Ehemann an die vorderste Front gestellt wurde, wo er mit Sicherheit umkommen musste. Dies war eindeutig ein geplanter Totschlag.

 

Obwohl beide Vergehen, sowohl der Ehebruch wie auch der geplante Totschlag nach der Thora mit dem Tod geahndet wurden, durfte David am Leben bleiben. Er wurde zwar von Gott damit bestraft, dass der Tempel nicht mehr zu Lebzeiten Davids beendet werden konnte, David konnte jedoch weiterregieren, da er offensichtlich seine Tat bereut hatte. So heißt es im 2. Buch Samuels in Kapitel 12:

 

1 ‚Darum schickte der Herr den Natan zu David; dieser ging zu David und sagte zu ihm: In einer Stadt lebten einst zwei Männer; der eine war reich, der andere arm.

2  Der Reiche besaß sehr viele Schafe und Rinder,

3  der Arme aber besaß nichts außer einem einzigen kleinen Lamm, das er gekauft hatte. Er zog es auf und es wurde bei ihm zusammen mit seinen Kindern groß. Es aß von seinem Stück Brot und es trank aus seinem Becher, in seinem Schoß lag es und war für ihn wie eine Tochter.

4  Da kam ein Besucher zu dem reichen Mann und er brachte es nicht über sich, eines von seinen Schafen oder Rindern zu nehmen, um es für den zuzubereiten, der zu ihm gekommen war. Darum nahm er dem Armen das Lamm weg und bereitete es für den Mann zu, der zu ihm gekommen war.

5  Da geriet David in heftigen Zorn über den Mann und sagte zu Natan: So wahr der Herr lebt: Der Mann, der das getan hat, verdient den Tod.

6  Das Lamm soll er vierfach ersetzen, weil er das getan und kein Mitleid gehabt hat.

7  Da sagte Natan zu David: Du selbst bist der Mann. So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe dich zum König von Israel gesalbt und ich habe dich aus der Hand Sauls gerettet.

8  Ich habe dir das Haus deines Herrn und die Frauen deines Herrn in den Schoß gegeben und ich habe dir das Haus Israel und Juda gegeben, und wenn das zu wenig ist, gebe ich dir noch manches andere dazu.

9  Aber warum hast du das Wort des Herrn verachtet und etwas getan, was ihm missfällt? Du hast den Hetiter Urija mit dem Schwert erschlagen und hast dir seine Frau zur Frau genommen; durch das Schwert der Ammoniter hast du ihn umgebracht.

10  Darum soll jetzt das Schwert auf ewig nicht mehr von deinem Haus weichen; denn du hast mich verachtet und dir die Frau des Hetiters genommen, damit sie deine Frau werde.

11  So spricht der Herr: Ich werde dafür sorgen, dass sich aus deinem eigenen Haus das Unheil gegen dich erhebt, und ich werde dir vor deinen Augen deine Frauen wegnehmen und sie einem andern geben; er wird am hellen Tag bei deinen Frauen liegen.

12  Ja, du hast es heimlich getan, ich aber werde es vor ganz Israel und am hellen Tag tun.

13  Darauf sagte David zu Natan: Ich habe gegen den Herrn gesündigt. Natan antwortete David: Der Herr hat dir deine Sünde vergeben; du wirst nicht sterben.‘



Auch von Salomo erfahren wir im ersten Buch der Könige, Kapitel 11 über frevelhafte Taten, die eigentlich nach der Thora mit dem Tod bestraft werden müssten:

 

1 ‚König Salomo liebte neben der Tochter des Pharao noch viele andere ausländische Frauen: Moabiterinnen, Ammoniterinnen, Edomiterinnen, Sidonierinnen, Hetiterinnen.

2  Es waren Frauen aus den Völkern, von denen der Herr den Israeliten gesagt hatte: Ihr dürft nicht zu ihnen gehen und sie dürfen nicht zu euch kommen; denn sie würden euer Herz ihren Göttern zuwenden. An diesen hing Salomo mit Liebe.

3  Er hatte siebenhundert fürstliche Frauen und dreihundert Nebenfrauen. Sie machten sein Herz abtrünnig.

4  Als Salomo älter wurde, verführten ihn seine Frauen zur Verehrung anderer Götter, sodass er dem Herrn, seinem Gott, nicht mehr ungeteilt ergeben war wie sein Vater David.

5  Er verehrte Astarte, die Göttin der Sidonier, und Milkom, den Götzen der Ammoniter.

6  Er tat, was dem Herrn missfiel, und war ihm nicht so vollkommen ergeben wie sein Vater David.

7  Damals baute Salomo auf dem Berg östlich von Jerusalem eine Kulthöhe für Kemosch, den Götzen der Moabiter, und für Milkom, den Götzen der Ammoniter.

8  Dasselbe tat er für alle seine ausländischen Frauen, die ihren Göttern Rauch– und Schlachtopfer darbrachten.

9  Der Herr aber wurde zornig über Salomo, weil sich sein Herz von ihm, dem Gott Israels, abgewandt hatte, der ihm zweimal erschienen war 

10  und ihm verboten hatte, fremden Göttern zu dienen. Doch Salomo hielt sich nicht an das, was der Herr von ihm verlangt hatte.

11  Daher sprach der Herr zu ihm: Weil es so mit dir steht, weil du meinen Bund gebrochen und die Gebote nicht befolgt hast, die ich dir gegeben habe, werde ich dir das Königreich entreißen und es deinem Knecht geben.

12  Nur deines Vaters David wegen werde ich es nicht schon zu deinen Lebzeiten tun; erst deinem Sohn werde ich es entreißen.‘

 

Wenn man die einzelnen Weisungen des Dekalogs überhaupt gewichten will, so liegt sicherlich in der Tatsache, dass Salomo neben Jahwe auch heidnische Götter verehren ließ, das größtmögliche Verbrechen vor. Aber auch hier kann Salomo bis zu seinem Tode weiterregieren und wird nur dadurch bestraft, dass sein Reich nach seinem Tode in zwei Teile (Nord- und Südreich) geteilt wird.

 

Dass vor allem aber auch Jesus die im Alten Testament gezeigte Bereitschaft Gottes, dem bereuenden Sünder zu verzeihen, als maßgebend gelehrt hat, geht z. B. aus der Stelle im Johannesevangelium Kapitel 8 hervor, in welcher Schriftgelehrte Jesus eine frisch ertappte Ehebrecherin vorführten und an Jesus die Frage richteten, ob diese Frau so wie es Moses befohlen habe, gesteinigt werden solle:

 

3 ‚Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte

4 und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt.

5 Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du?

6 Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde.

7 Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.

8 Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.

9 Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand.

10 Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?

11 Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!‘

 

Auch hier stellt Jesus zwar fest, dass diese Frau gesündigt hatte und er fordert sie auf, Reue zu zeigen und umzukehren, er verurteilt sie jedoch nicht und lässt sie deshalb auch nicht entsprechend der Thora für ihre Tat steinigen.

 

Es ist klar, dass die Aussage Jesu, dass demjenigen, der gegen den Heiligen Geist lästere, keine Vergebung, weder hier auf Erden noch am Ende der Zeiten gewährt werden könne, seine Zuhörer aufs Äußerste beunruhigt hat. Genauso, wie die Jünger Jesu die andere Aussage ihres Meisters, eher gehe ein Kamel durch ein Nadelöhr, stark beunruhigt hatte und zu der verzweifelten Frage an Jesu geführt hatte, wer könne denn dann überhaupt noch das himmlische Leben erreichen, genauso dürfte auch die Aussage, eine Lästerung des Heiligen Geistes werde niemals vergeben, für eine Verunsicherung vieler Gläubiger geführt haben.

 

 

3. Mögliche Interpretationsversuche

 

Und es ist dann nur zu verständlich, dass innerhalb der Bibelexegese verschiedene Versuche unternommen wurden, nachzuweisen, dass dieses Verdikt nur ganz wenige Gläubige treffen würde. Als erstes wurde darauf hingewiesen, dass Jesus selbst nicht davon gesprochen habe, dass jede Sünde gegen den Heiligen Geist diesen Bann zur Folge habe, er habe nur davon gesprochen, dass eine Lästerung des Heiligen Geistes nicht verziehen werde.

 

Ich frage mich, ob dieser Versuch, die Tragweite der hier zu diskutierenden  Aussage Jesu tatsächlich mindern kann. Eine Lästerung richtet sich immer gegen den, über den gelästert wird. Natürlich mag es richtig sein, dass eine Lästerung nur eine Art und Weise darstellt, wie man sich gegen jemand wenden kann. Nun wissen wir jedoch, dass Jesus nicht wie ein Dozent der Philosophie an den Anfang seiner Ausführungen den letztlichen Grundwert benennt, von dem alles abgeleitet wird, er nimmt vielmehr fast immer ein konkretes Ereignis zum Anlass, über moralische Fragen Auskünfte zu erteilen.

 

Hier gilt fast immer der Grundsatz des Pars pro Toto, das erwähnte Ereignis soll vielmehr auf den übergeordneten allgemeineren Grundsatz hinführen, es ist eben gerade nicht nur der konkrete Einzelfall angesprochen, anhand dessen ein übergeordneter Grundsatz erklärt wird. Es gibt auch wenig Sinn, wenn z. B. im Hinblick auf einen tätlichen Angriff gegenüber einem Mitmenschen gesagt würde, diesem Angegriffenen sei nicht ein genauso großes Unrecht geschehen, als wenn gegen ihn gelästert worden wäre. Es ist immer die Schwere des Angriffs, die darüber entscheidet, wie groß das Unrecht war, auch eine Lästerung könnte so vorsichtig vorgetragen worden sein, dass hier nur ein geringes Vergehen vorliegen würde. Warum sollte diese Einschätzung nicht auch gelten, wenn es um Sünden wider den Heiligen Geist handelt?

 

In diesem Zusammenhang wird dann auch zumeist betont, dass an der besagten Bibelstelle ausdrücklich vermerkt wurde, dass ein Angriff gegen den Menschensohn weniger wiege und deshalb eher verziehen werden könne als ein Angriff gegen den Heiligen Geist.

 

Diese Feststellung ruft mehr zusätzliche Fragen auf als dass sie eine befriedigende Antwort liefert. Christen glauben daran wie die Israeliten, dass es nur einen einzigen Gott gibt, im Gegensatz zu den Juden lehrt allerdings die christliche Religion, dass dieser eine Gott den Menschen in drei Personen sich zu erkennen gebe, wobei der Begriff der Person im ursprünglichen Sinne dieses Wortes verstanden wird und auf unterschiedliche Erscheinungsformen hinweist. Warum in aller Welt sollte eine Abwendung von Gott anders beurteilt werden, je nachdem, gegen welche Erscheinungsform dieser Angriff geführt wurde.

 

Dass eine solche Interpretation unwahrscheinlich ist, geht schon aus den Äußerungen Jesu, die er zur Erklärung dieser Bewertung gemacht hat, hervor. Jesus hatte einen Besessenen geheilt und die umstehenden Schriftgelehrten hatten diese Heilung damit erklärt, dass er den bösen Geist durch Beelzebub ausgetrieben hätte. Er weist diesen Vorwurf damit zurück, dass dann der Satan mit sich selbst im Streit liegen würde, aber wie könnte dann sein Reich noch Bestand haben? Müsste man hier nicht a fortiori davon ausgehen, dass Gott auch nicht danach unterscheidet, in welcher Erscheinungsform sich ein sündiger Mensch gegen Gott erhebt?

 

Bisweilen wird in der Bibelexegese auch der Versuch unternommen, die Tragweite dieses Bannfluches dadurch zu mildern, dass das Nichtvergeben einer Sünde gegen den Heiligen Geist nur zu befürchten sei, wenn diese Lästerung des Heiligen Geistes ex pressis verbis laut – für jeden vernehmbar – ausgesprochen worden sei, dieser Bannfluch treffe nicht denjenigen, welcher nur in Gedanken eine Lästerung des Heiligen Geistes erwogen hätte.

 

Auch diese Deutung widerspricht der Denkungsweise Jesu an anderen Stellen der Bibel. In der Bergpredigt nach dem Matthäusevangelium Kapitel 5 sagt Jesus z. B.:

 

27 ‚Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen.

28 Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.‘

 

Jesus fährt dann fort:

 

33 ‚Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast.

34 Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron,

35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel für seine Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs.‚

 

Diese Äußerungen zeigen deutlich, dass es nicht auf den äußeren Anschein und damit auch nicht in erster Linie auf die gemachte Äußerung, sondern stets auf die innere Haltung ankommt. In diesem Sinne muss auch gelten, dass sich nicht nur derjenige, welcher offen den Heiligen Geist lästert, sondern bereits derjenige, welcher sündhafte Gedanken gegen den Heiligen Geist mit sich trägt, sündhaft geworden ist.

 

Biweilen wird davon gesprochen, dass dieser Bannstrahl ohnehin deshalb für heutige Menschen nicht mehr gelten könne, weil Jesus ja nicht mehr unter uns weile. Aber wieso sollte die Bedeutung und Bewertung dieser Aussage davon abhängen, ob Jesus noch unter uns weilt? Gerade wenn Jesus davon spricht, dass eine Sünde gegen den Menschensohn – also gegen Jesus – verziehen werden könne, dürfte damit auch angedeutet worden sein, dass Sünden gegen den Heiligen Geist unabhängig davon, ob sich dieses sündhafte Verhalten gegen Jesus richtet, für alle Zeiten das gleiche Gewicht aufweisen.

 

Der Tenor der Aussagen Jesu geht vielmehr dahin, dass Gott den Heiligen Geist den Menschen gerade dann geschickt hat, als Jesus die Erde verließ, ganz davon abgesehen, dass Menschen sich auch gegen den Menschensohn aussprechen können, wenn dieser bereits in den Himmel aufgefahren ist. Es spricht also wenig dafür, dass Sünden gegen den Heiligen Geist nur zu Zeiten Jesu überhaupt begangen werden konnten.

 

 

4. Der Textzusammenhang bei Matthäus und Markus

 

Wir hatten in einem vorhergehenden Kapitel bereits darauf hingewiesen, dass der wahre Sinn einer Bibelstelle nicht erkannt werden kann, wenn man ihn aus dem Zusammenhang herausreißt und isoliert zu bewerten versucht. Eine Aussage kann nur dann richtig verstanden werden, wenn auch der Zusammenhang, in dem diese Bibelstelle ausgesprochen wurde, zur Beurteilung herangezogen wird. Folgen wir deshalb dem Begleittext, in dem das Nichtvergeben einer Lästerung gegen den Heiligen Geist von Jesus geäußert wurde. Bei Matthäus Kapitel 12 erfahren wir:

 

22  ‚Damals brachte man zu ihm einen Besessenen, der blind und stumm war. Jesus heilte ihn, sodass der Stumme wieder reden und sehen konnte.

23  Da gerieten alle Leute außer sich und sagten: Ist er etwa der Sohn Davids?

24  Als die Pharisäer das hörten, sagten sie: Nur mit Hilfe von Beelzebul, dem Anführer der Dämonen, kann er die Dämonen austreiben.

25  Doch Jesus wusste, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Jedes Reich, das in sich gespalten ist, geht zugrunde, und keine Stadt und keine Familie, die in sich gespalten ist, wird Bestand haben.

26  Wenn also der Satan den Satan austreibt, dann liegt der Satan mit sich selbst im Streit. Wie kann sein Reich dann Bestand haben?

27  Und wenn ich die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben dann eure Anhänger sie aus? Sie selbst also sprechen euch das Urteil.

28  Wenn ich aber die Dämonen durch den Geist Gottes austreibe, dann ist das Reich Gottes schon zu euch gekommen.

29  Wie kann einer in das Haus eines starken Mannes einbrechen und ihm den Hausrat rauben, wenn er den Mann nicht vorher fesselt? Erst dann kann er sein Haus plündern.

30  Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.

31  Darum sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden, aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben.

32  Auch dem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden; wer aber etwas gegen den Heiligen Geist sagt, dem wird nicht vergeben, weder in dieser noch in der zukünftigen Welt.

33  Entweder: der Baum ist gut – dann sind auch seine Früchte gut. Oder: der Baum ist schlecht – dann sind auch seine Früchte schlecht. An den Früchten also erkennt man den Baum.

34  Ihr Schlangenbrut, wie könnt ihr Gutes reden, wenn ihr böse seid? Denn wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund.

35  Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil er Gutes in sich hat, und ein böser Mensch bringt Böses hervor, weil er Böses in sich hat.

36  Ich sage euch: Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie am Tag des Gerichts Rechenschaft ablegen müssen;

37  denn aufgrund deiner Worte wirst du freigesprochen und aufgrund deiner Worte wirst du verurteilt werden.‘

 

Wie bereits erwähnt, begegnet uns dieser Bannfluch in allen drei synoptischen Evangelien (Matthäus, Markus und Lukas). Während sich jedoch das Matthäusevangelium eng an den Text des früheren Markusevangelium anlehnt, wird bei Lukas die besagte Aussage in einen ganz anderen Zusammenhang gestellt. Bei Lukas Kapitel 12 heißt es:

 

4  ‚Euch aber, meinen Freunden, sage ich: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, euch aber sonst nichts tun können.

5  Ich will euch zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem, der nicht nur töten kann, sondern die Macht hat, euch auch noch in die Hölle zu werfen. Ja, das sage ich euch: Ihn sollt ihr fürchten.

6  Verkauft man nicht fünf Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch vergisst Gott nicht einen von ihnen.

7  Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.

8  Ich sage euch: Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem wird sich auch der Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen.

9  Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, der wird auch vor den Engeln Gottes verleugnet werden.

10  Jedem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden; wer aber den Heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben.

11  Wenn man euch vor die Gerichte der Synagogen und vor die Herrscher und Machthaber schleppt, dann macht euch keine Sorgen, wie ihr euch verteidigen oder was ihr sagen sollt.

12  Denn der Heilige Geist wird euch in der gleichen Stunde eingeben, was ihr sagen müsst.‘

 

Bei Matthäus genauso wie bei Markus ist die Heilung eines Besessenen der äußere Anlass dafür, dass von einer Lästerung des Heiligen Geistes gesprochen wird. Die Schriftgelehrten kritisieren diese Heilung durch Jesus, indem sie behaupten, Jesus hätte den Besessenen dadurch geheilt, dass er mit Hilfe des Beelzebub die bösen Geister vertrieben habe. 

 

Um diesen Vorwurf besser zu verstehen, muss man sich darüber klar werden, dass zu der Zeit Jesu generell die Auffassung vorherrschte, ein Besessener werde von einem Teufel beherrscht und sei deshalb nicht mehr von Sinnen. In einem gesunden, nicht geistig Kranken hingegen wohne der Heilige Geist. Heute wissen wir natürlich, dass auch Geisteskrankheiten einfach spezielle Krankheiten darstellen, welche genau so gut oder auch schlecht wie jede andere Krankheit geheilt werden können.

 

Geisteskrank zu sein ist somit nach heutigem Verständnis nicht einer Frage der moralischen Qualität eines Menschen, sondern verweist auf menschliche Mangelerscheinungen, welche im Prinzip durch medizinische Anwendungen heilbar sind und deshalb auch nicht bedeuten, dass die geisteskranken Menschen vom Teufel beherrscht werden.

 

Jesus hingegen geht es bei diesen Aussagen um ein moralisches Problem: Inwieweit nämlich ein Mensch bereit ist, auf die Stimme Gottes, also den Heiligen Geist zu hören und damit Gutes zu tun und immer dann, wenn er diese Ermahnungen des Heiligen Geistes missachtet, also gegen diese Versuche lästert, fällt dieser Mensch in Sünde, da er sich von den Verlockungen des Bösen  (des Teufels) verführen lässt.

 

 

5. Der Textzusammenhang bei Lukas und im Hebräerbrief

 

Bei Lukas wird diese fragliche Aussage, dass eine Lästerung des Heiligen Geistes nicht verziehen werde, gar nicht in den Zusammenhang der Heilung eines Geisteskrankheiten gestellt, es geht vielmehr darum, dass sich die Gläubigen darum bemühen sollen, Jesu nachzufolgen, damit auch Jesus dann beim Endgericht sich für diese Menschen verwenden kann und sie sollten einfach – ohne groß nachzudenken – den Hinweisen des Heiligen Geistes folgen, da dieser ihnen eingebe, wie sie sich bei einer Verfolgung verhalten sollten.

 

In diesem Zusammenhang kommt es dann auch weniger auf die folgende Aussage an, dass demjenigen nicht vergeben werde, der auf diese Stimme des Heiligen Geistes nicht folge. Der Gegensatz zwischen Handlungen, welche gegen den Menschensohn und welche gegen den Heiligen Geist gerichtet sind, tritt hier in den Hintergrund, denn hier ist es ja gerade der Heilige Geist, der den Menschen sagt, wie sie sich in der Nachfolge Jesu verhalten sollten.

 

Diese Verwischung zwischen einer Handlung gegen den Menschensohn und gegen den Heiligen Geist begegnet uns dann auch im Hebräerbrief des Paulus im 10. Kapitel. Dort steht geschrieben:

 

26 ‚Denn wenn wir vorsätzlich sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, gibt es für diese Sünden kein Opfer mehr,

27  sondern nur die Erwartung des furchtbaren Gerichts und ein wütendes Feuer, das die Gegner verzehren wird. 

28  Wer das Gesetz des Mose verwirft, muss ohne Erbarmen auf die Aussage von zwei oder drei Zeugen hin sterben. 

29  Meint ihr nicht, dass eine noch viel härtere Strafe der verdient, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten, das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, verachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat? 

30  Wir kennen doch den, der gesagt hat: Mein ist die Rache, ich werde vergelten, und ferner: Der Herr wird sein Volk richten. 

31  Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.‘

 

Hier wird darauf abgehoben, dass es das vorsätzliche Sündigen ist, das die Strafe Gottes nachsichzieht und die Verfehlungen gegenüber Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist werden zusammen in einem Satz aufgeführt: Die besonders harte Strafe trifft hier jeden der sich gegen Gott stellt, gleichgültig, ob er den Sohn Gottes mit Füßen tritt, ob er das Blut des Bundes, durch das Jesus geheiligt wurde, der aber von Gott Vater den Menschen angeboten wurde, verachtet oder schließlich ob der Heilige Geist, der den Menschen anleitet, Jesu Vorbild zu folgen, schmäht. Von einem Gegensatz zwischen dem Menschensohn und dem Heiligen Geist ist hier gar nicht mehr die Rede.

 

 

6. Die Interpretation im jüdischen Neuen Testament

 

Diese Überlegungen werden dadurch noch bestärkt, wenn man die jüdische Übersetzung des Neuen Testamentes, welche von David Stern verfasst wurde, heranzieht. Bei der Interpretation von Aussagen des Neuen Testamentes ist immer davon auszugehen, dass die vier Evangelen zwar in griechischer Sprache abgefasst wurden, dass aber Jesus mit Sicherheit nicht in griechischer, sondern in hebräischer und aramäischer Sprache zu seinen Jüngern und zu den Schriftgelehrten gesprochen hat. Also wird man ein echtes Verständnis der einzelnen Worte Jesu nur erhalten, wenn man sich stets darüber klar wird, in welchem Sinne der von Jesus gesprochene hebräische Text verstanden wurde. David Stern übersetzt hierbei die Stelle bei Matthäus, Kapitel 12,32:

 

‚Man kann etwas gegen den Sohn des Menschen sagen und Vergebung erlangen, doch wer nicht aufhört, gegen den Ruach Ha Kodesch (Heiligen Geist) zu reden, dem wird nicht vergeben werden…‘

 

In dieser Übersetzung wird der Schwerpunkt der Aussage also darauf gelegt, dass eine Vergebung sündhaften Verhaltens dann nicht erfolgen wird, wenn der Sünder nicht aufhört zu sündigen und das will doch heißen, dass er auch nicht aufhört, auf die Zusprache des Heiligen Geistes zu hören. Und da die Zusprache des Heiligen Geistes eben gerade darin besteht, dass er ihn auffordert, das sündige Leben zu beenden, wird das Nichtvergeben damit begründet, dass der Sünder in diesem Falle gar nicht zur Reue und zur Umkehr bereit ist. Denn die Reue und Umkehr würde ja gerade dadurch ausgelöst, dass der sündige Mensch den Ermahnungen des Heiligen Geistes folgen würde und damit aufhören würde, den Heiligen Geist zu lästern.

 

Eine solche Interpretation steht jedoch auch gar nicht mehr in einem Widerspruch zu den anderen Äußerungen Jesu und auch der Propheten. Die Feststellung, dass Gott dem sündigen Menschen verzeiht, gilt ja stets nur unter dem Vorbehalt, dass der Mensch seine Sünden bereut und zur Umkehr bereit ist und damit den Ermahnungen des Heiligen Geistes zu folgen bereit ist.

 

Es geht also hier gar nicht mehr darum, zwischen Sünden gegen den Menschensohn und dem Heilgen Geist zu unterscheiden, es gibt nur einen Gott und deshalb richten sich letzten Endes alle Sünden gegen Gott Vater, gegen Jesus wie gegen den Heiligen Geist. Die Erscheinungsform Heiliger Geist kommt hier nur deshalb eiligen

ins Spiel, weil nur dem reuigen Sünder verziehen wird, es aber Gott in der Erscheinungsform des Heiligen Geistes ist, der den Sünder anhält, umzukehren. Wer nicht umkehrt, also dem Drängen des Heiligen Geistes Widerstand entgegensetzt, lästert damit auch den Heiligen Geist. Ihm wird nicht verziehen, weil er gar nicht zur Umkehr bereit ist und verstockt dem Drängen des Heiligen Geistes Widerstand entgegensetzt.

 

Es geht hier auch nicht darum, dass ein Mensch noch nicht alle Zweifel ausgeräumt hat, obwohl er sich ehrlich darum bemüht, zum wahren Glauben zu finden. Die Verstocktheit, die hier angesprochen wird, besteht darin, dass er gar nicht glauben will, dass er vielmehr alle Gewissensregungen systematisch zu unterdrücken versucht.