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Widersprüche in der Bibel

 

 

Gliederung:

 

 1. Inspiration des Hl. Geistes und Widersprüche in der Bibel

 2. Schöpfungsbericht

 3. Erbsünde, Voraussetzung für Schuld ist das Können

 4. Rächender Gott bis ins Dritte Glied- barmherziger Gott

 5. Freiheit des Menschen - Vorherbestimmung

 6. Holocaust und Allmacht Gottes

 7. Feindesliebe - Vernichtung der Feinde durch Gott

 8. Tod Jesu notwendig zur Erlösung der Menschen?

                 9. Ein Gott drei Personen

               10. Bindung Gottes an Entscheidungen der Kirchenbehörde

               11. Gleichheit vor Gott und Patriarchalismus

               12. Am Sabbat heilen trotz Sabbatruhe

               13. Von Gott kein Bildnis machen Jesusbilder

               14. Kein Reicher ins Himmelreich, trotzdem ist Zachäus Heil widerfahren.

               15. Alle Sünden werden vergeben, nicht die Sünde gegen den heiligen Geist

 

 

 

 Kapitel 7. Feindesliebe - Vernichtung der Feinde durch Gott

 

 

 

Gliederung:

 

1. Problemeinführung

2. Die Aufforderung zur Feindesliebe

3. Feindesliebe versus Nächstenliebe

4. Staatsfeinde und persönliche Feinde

5. Die Unterscheidung zwischen Gerechte und Sünder

6. Wer gilt als unser Feind?

7. Formen der Feindesliebe

8. Wohlfahrtsgewinne einer Verteidigung

9. Feindesliebe und Selbstmordattentate

                10. Aggression und  Innenverhältnis der angreifenden Staaten

 

 

 

1. Problemeinführung

 

Seit der Vertreibung der ersten Menschen aus dem Paradies herrscht Knappheit. Die Nahrungsmittel und sonstigen Bedarfsobjekte müssen erst durch mühsame Arbeit aufbereitet (produziert) werden und reichen nicht aus, alle Bedürfnisse zu befriedigen. Die Bedürfnisse gehen hierbei zumeist weit über das Lebensnotwendige hinaus.

 

Knappheit kann nur dadurch beseitigt werden, dass die Menschen entweder ihren Bedarf nach Möglichkeit einschränken oder aber den ihnen zur Verfügung stehenden Vorrat an materiellen Ressourcen vergrößern. Diese Vergrößerung des individuellen Vorrats kann nun einmal dadurch erreicht werden, dass man die der gesamten Menschheit zur Verfügung stehenden Ressourcen insgesamt zu vergrößern versucht oder aber auch dadurch, dass man sich auf Kosten der Anderen bereichert. In diesem Falle geht also die eigene Knappheitsüberwindung auf Kosten eines Anderen, man erreicht eine individuelle Wohlfahrtssteigerung dadurch, dass man anderen Menschen Schaden zufügt.

 

In diesem Kampf ums Überleben beschreiten die Menschen immer wieder diesen zweiten Weg. Die zehn Gebote Gottes waren nun gerade deshalb notwendig, um möglichst zu verhindern, dass die Menschen diesen zweiten Weg der Knappheitsüberwindung beschreiten. Gott hat hierbei im Zusammenhange mit dem Dekalog den Menschen verboten zu töten, andere zu bestehlen und sich durch Unwahrheit zu bereichern, schon das Begehren des Hab und Gut des Anderen wird den Menschen verboten.

 

Es gehört nun zu den natürlichen Rechten eines Menschen, sich zur Wehr zu setzen, wenn er angegriffen wird. Allerdings unterscheidet unsere Gesellschaft zwischen den Angriffen auf die gesamte Bevölkerung seitens eines anderen Volkes und den Angriffen, welche Privatpersonen von anderen Individuen zu erleiden haben. Es entspricht dem Völkerrecht, dass sich ein Volk gegen äußere Feinde zur Wehr setzen darf. In diesem Falle ist es sogar erlaubt, den angreifenden Gegner zu töten, sofern der Angriff nicht auf andere (friedlichere) Weise verhindert werden kann.

 

Diese Rechte gelten im Prinzip auch dann, wenn einzelne Menschen angegriffen werden, der Einzelne darf sich wehren und dann, wenn eine Gegenwehr nicht anders möglich und das eigene Leben in Gefahr ist, sogar äußerstenfalls den Angreifer töten. Es ist jedoch dem Einzelnen untersagt, das Recht selbst in die Hand zu nehmen und im Sinne einer Lynchjustiz den vermeintlich Schuldigen selbst zu bestrafen.

 

Wird einem Volk oder auch einer Einzelperson durch Andere Schaden zugefügt, so entspricht es dem allgemeinen Rechtsempfinden, dass diese Tat gesühnt werden muss, dass der Täter angemessen (im Verhältnis zu dem angerichteten Schaden und der Schwere der eigenen Schuld) bestraft wird. Erst dann, wenn die Sühne vollzogen wurde, gilt das rechtliche Gleichgewicht als wiederhergestellt.

 

In der Heiligen Schrift tritt dieser Sühnegedanke hinter dem Akt der Reue und Umkehr in den Hintergrund. Zwar sieht auch die Thora der Juden eine Bestrafung der einzelnen Übeltäter vor, aber wichtiger als die Bestrafung ist, dass der Übeltäter seine Tat bereut und zur Umkehr (also zur Beachtung der Weisungen Gottes) bereit ist. So sah z. B. die Thora zwar eine Steinigung einer auf frischer Tat ertappten Ehebrecherin vor, da offensichtlich Recht und Ordnung nur aufrechterhalten werden konnten, wenn diejenigen, welche gegen das Gesetz verstoßen hatten, auch angemessen verurteilt wurden.

 

Jesus hingegen sprach zu der Ehebrecherin, welche die Schriftgelehrten ihm zugeführt hatten, entsprechend dem Johannesevangelium Kapitel 7:

 

10 ‚Er richtete sich auf und sagte zu ihr: ‚Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?

11 Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!‘

 

Jesus verurteilte also die Ehebrecherin nicht, sondern forderte sie allein auf, nicht mehr zu sündigen, also zu bereuen und umzukehren.  Hierbei hält Jesus sehr wohl Ehebruch für eine schwere Sünde. Weiterhin sagt Jesus nach Matthäus Kapitel 5:

 

43  ‚Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.

44  Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.‘

 

Doch steht diese Aufforderung Jesu nicht in Widerspruch zu den Stellen im Alten Testament, in denen Gott befiehlt, diejenigen Städte, welche von Gott abgefallen sind, zu vernichten, eine Aufforderung, welche sicherlich alles andere als Liebe gegenüber den Feinden bedeutet? Auch erfahren wir doch im Alten Testament wiederholt, dass Gott seine Feinde sehr wohl vernichtet hat und ist es den Menschen nicht erlaubt, das zu tun, das uns Gott selbst mit seinen Feinden vorlebt? Erfahren wir hier nicht, dass der Gott der Juden dem Menschen erlaubt, gegen Feinde mit aller Härte vorzugehen, wie auch er seine Feinde vernichtet?

 

Dieser Anspruch (das, was man selbst tun darf, daran zu messen, was auch Gott tut) galt zwar sicherlich zu der Zeit, als sich der jüdische Glaube bei Abraham herausbildete, geradezu als ungeheuerlich. Bei der Zwiesprache, welche Gott mit Abraham über die von Gott beabsichtigte Vernichtung von Sodom und Gomorra geführt hatte, hielt Abraham jedoch Gott vor, dass auch er, der Gott, bei der Zerstörung dieser beiden Städte nicht gleichzeitig die Gerechten zusammen mit den Sündern vernichten dürfe: Nach dem Buch Genesis, Kapitel 18 sprach Abraham zu Gott:

 

24  ‚Vielleicht gibt es fünfzig Gerechte in der Stadt: Willst du auch sie wegraffen und nicht doch dem Ort vergeben wegen der fünfzig Gerechten dort?

25  Das kannst du doch nicht tun, die Gerechten zusammen mit den Ruchlosen umbringen. Dann ginge es ja dem Gerechten genauso wie dem Ruchlosen. Das kannst du doch nicht tun. Sollte sich der Richter über die ganze Erde nicht an das Recht halten?‘

 

 

2. Die Aufforderung zur Feindesliebe

 

Die Aufforderung, die Feinde zu lieben, findet sich vor allem bei Matthäus Kapitel 5, in welchem über die Bergpredigt Jesu berichtet wird. Dort lesen wir:

 

38  ‚Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. 

39  Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.

40 Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel.

41 Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm.

42 Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.

43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.

44  Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen,

45  damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

46  Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner?

47  Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?

48  Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.‘

 

Jesus bezieht sich hierbei auf das 3. Buch Moses, auf Levitikus Kapitel 19, Vers 18: ‚An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr‘.

 

In diesem Text wird zwar nicht davon gesprochen, dass die Feinde gehasst werden sollen oder zumindest gehasst werden dürfen. Trotzdem entsprach es weitgehendem Selbstverständnis der Juden, die Feinde zu verfolgen, zu hassen und ihnen Schaden zuzufügen. Im Psalm 139,21f. heißt es z. B.:

 

‚Soll ich die nicht hassen, Herr, die dich hassen, die nicht verabscheuen, die sich gegen dich erheben? Ich hasse sie mit glühendem Hass; auch mir sind sie zu Feinden geworden‘.

 

Und lesen wir nicht wiederholt im Alten Testament, dass Gott seine Feinde vernichtete und sollte es den Menschen als Ebenbilder Gottes deshalb nicht auch erlaubt sein, Ihre Feinde zu hassen und zu verfolgen? Im Deuteronomium 28,7 lesen wir:

 

‚Der Herr stößt die Feinde, die sich gegen dich erheben, nieder und liefert sie dir aus. Auf einer Straße ziehen sie gegen dich aus, auf sieben Straßen fliehen sie vor dir‘,

 

Und bei Micha 5,8 heißt es:

 

‘Du wirst die Hand gegen deine Feinde erheben und alle deine Gegner werden ausgerottet‘.

 

 

3. Feindesliebe versus Nächstenliebe

 

Somit scheint es auf den ersten Blick, dass zumindest das Gebot der Feindesliebe im Gegensatz zum Gebot der Nächstenliebe im engeren Sinne von Jesus als ein neues Gebot eingeführt wurde. Das Gebot der Nächstenliebe, das Jesus ja neben dem Gebot der Liebe zu Gott als das wichtigste Gebot überhaupt bezeichnet hat, entspricht zwar sehr wohl der alttestamentlichen Tradition und auch Jesus, der von einem Schriftgelehrten nach dem wichtigsten Gebot gefragt wurde, verwies auf die Gottes- und Nächstenliebe und hat ex pressis verbis in diesen beiden Geboten eine Zusammenfassung des Dekalogs als auch der Lehren der Propheten gesehen. Bei Matthäus Kapitel 22 lesen wir:

 

34  ‚Als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie (bei ihm) zusammen.

35  Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn:

36  Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?

37  Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.

38  Das ist das wichtigste und erste Gebot.

39  Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. 

40  An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.‘

 

Nun lässt sich das Gebot der Nächstenliebe bekanntlich in zwei Versionen darstellen. Bei Matthäus erfahren wir – wie gezeigt –, dass wir den Nächsten genauso lieben sollen wie wir uns selbst lieben. Hebt man allerdings auf die hebräische oder aramäische Wurzel dieses Gebotes ab, lautet die Übersetzung dieser Anweisung: Achte deinen Nächsten, denn er ist wie du.

 

In dieser zweiten Interpretation wird dieses Gebot daraus abgeleitet, dass alle Menschen von Gott erschaffen wurden, deshalb auch von Gott gleichermaßen geliebt werden und dass deshalb auch die Menschen sich gegenseitig achten und lieben sollen. Dieses Gebot gilt dann eigentlich für alle Menschen, für die näheren Verwandten und Bekannten, für die Mitglieder des eigenen Volksstammes, aber auch für die Feinde, weil sie ja ebenfalls von Gott geschaffene Menschen sind.

 

In diesem Sinne müsste eigentlich auch die Feindesliebe unter das Gebot der Nächstenliebe fallen und die von Jesus geforderte Feindesliebe wäre dann ebenfalls bereits im Alten Testament verankert.

 

 

4. Staatsfeinde und persönliche Feinde

 

Das Alte Testament unterscheidet nun deutlich zwischen den feindlichen Völkern, welche Gott und das auserwählte Volk der Juden bekämpfen, hier wird stets darum gebeten, dass Gott diese Feinde vernichte. Ganz anderes gilt jedoch für den persönlichen Feind des Einzelnen. Hier lesen wir bereits im Alten Testament, im Buch Exodus Kapitel 23:

 

3 ‚Wenn du dem verirrten Rind oder dem Esel deines Feindes begegnest, sollst du ihm das Tier zurückbringen. Wenn du siehst, wie der Esel deines Gegners unter der Last zusammenbricht, dann lass ihn nicht im Stich, sondern leiste ihm Hilfe...‘

 

8 ‚Einen Fremden sollst du nicht ausbeuten. Ihr wisst doch, wie es einem Fremden zumute ist; denn ihr selbst seid in Ägypten Fremde gewesen.‘

 

Und im Buch der Sprüche, in Kapitel 24 und 25 finden wir folgende Aufforderung:

 

17 ‚Freu dich nicht über den Sturz deines Feindes, dein Herz juble nicht, wenn er strauchelt.‘

 

25,21 ‚Hat dein Feind Hunger, gib ihm zu essen, hat er Durst, gib ihm zu trinken; so sammelst du glühende Kohlen auf sein Haupt und der Herr wird es dir vergelten.‘

 

Schließlich heißt es im Buch Hiob. In Kapitel 31:

 

29 ‚Wenn ich am Unglück meines Feinds mich freute und triumphierte, dass Unheil ihn traf –  habe ich doch meinem Mund zu sündigen verboten, sein Leben mit Fluch zu verwünschen.‘

 

 

5. Die Unterscheidung zwischen Gerechte und Sünder

 

Aber auch dort, wo im Alten Testament davon gesprochen wird, dass Gott diejenigen bestraft und vernichtet, welche seine Weisungen nicht beachten, trifft die Rache eigentlich nur diejenigen, welche Gottes Weisungen missachtet haben, die Gerechten werden wie im Beispiel der Vernichtung der Städte Sodom und Gomorra gerettet und Gott verschont auch jeden, der seine Taten bereut und zur Umkehr bereit ist.

 

Es fragt sich, ob Textstellen im Alten Testament, welche ex pressis verbis von einer Weisung Gottes sprechen, in den – den Israeliten übergegebenen – Erbstädten alles Leben – also auch das unschuldige Leben der Kinder – auszulöschen, nicht auch so gedeutet werden können, dass hier eher die Meinung der Menschen über die Absichten Gottes und weniger die von Gott verkündeten Weisungen selbst wiedergegeben werden.

 

Der Unterschied zwischen dem Alten und dem Neuen Testament bestünde also in der Frage der Feindesliebe weniger darin, dass das Alte Testament einen Feindeshass, das Neue Testament hingegen die Feindesliebe gebietet, sondern eher darin, dass Jesus die Feindesliebe stärker betonte als dies im Alten Testament geschah.

 

 

6. Wer gilt als unser Feind?

 

Fragen wir uns nun weiter, wer denn als unser Feind zu gelten habe. Zwei Antworten sind möglich. Es kann erstens an die persönlichen Feinde im Alltagsleben gedacht sein, also z. B. an konkurrierende Unternehmer oder Arbeitnehmer, an rivalisierende Parteien oder schließlich an die alltäglichen Streitigkeiten zwischen Nachbarn. Zweitens kann hier jedoch auch das Verhalten gegenüber den Mitgliedern anderer Volksstämme angesprochen sein, mit denen unsere Volksgemeinschaft in kriegerischen Auseinandersetzungen steht.

 

Im 6. Kapitel des Lukasevangeliums sagt Jesus unter anderem:

 

35 ‚Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.‘

 

Dieser Passus deutet darauf hin, dass Jesus in erster Linie an die persönlichen Feinde im Zusammenhang mit der Forderung nach Feindesliebe denkt.

 

Es fällt immerhin auf, dass Jesus in diesem Zusammenhang nicht von den Hauptfeinden der Juden – nämlich den Römern, der damaligen Besatzungsmacht Israels – gesprochen hat, obwohl die Römer die eigentlichen nationalen Feinde der Juden waren, die sie unterjocht hatten und deshalb von den Juden auch in besonderem Maße gehasst wurden. Die Erwartungen der damaligen Juden an den Messias bestanden ja gerade darin, dass sie von dem Joch der Römer befreit werden, dass also die Römer vernichtend geschlagen werden.

 

Natürlich bedeutet dies nicht, dass nach christlicher Auffassung nationale Feinde gehasst und deshalb auch vernichtet werden dürften (sollten). Nach christlicher Überzeugung – aber nicht nur nach ihr – sind kriegerische Auseinandersetzungen nur in Ausnahmefällen erlaubt, dann nämlich, wenn feindliche Staaten ein Volk überfallen und dieses Volk nur dadurch seine Existenz retten kann, dass es sich mit Waffengewalt zur Wehr setzt. Nach christlicher Überzeugung sind Angriffskriege immer unerwünscht, selbst dann, wenn die feindlichen Regierungen den Geboten Gottes zuwiderhandeln.

 

Heilige Kriege in diesem Sinne entsprechen deshalb auch nicht der christlichen Lehre, wonach Gott dem Menschen die Freiheit gelassen hat, sich für ihn oder gegen ihn zu entscheiden. Gott wünscht, dass sich der Mensch freiwillig für ihn entscheidet und nicht dass er durch kriegerische Unterwerfung zum Glauben gezwungen werde. In diesem Sinne hat Karl der Große bei der Unterwerfung der Sachsen sicherlich nicht im Sinne des Evangeliums gehandelt.

 

 

7. Formen der Feindesliebe

 

Fragen wir uns im Weiteren, in welchen Handlungen sich die Feindesliebe äußert. Im 6. Kapitel Vers 27 – 36 des Lukasevangeliums spricht Jesus von der Vergeltung und von der Liebe zu den Feinden:

 

‘Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln. Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd. Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück. Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen‘.

 

Besondere Beachtung dieser Bibelstelle erfuhr hierbei die Forderung, ‚dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin‘. Wir wollen uns mit dieser Forderung etwas ausführlicher befassen. Sie hat aus mehreren Gründen Widerspruch erfahren.

 

Als erstes kann man feststellen, dass sich die Menschen im Allgemeinen nicht nach dieser Maxime verhalten. Dies gilt gleichermaßen für das Verhalten der einzelnen Menschen untereinander, also für persönliche Feindschaften wie auch für die Beziehungen feindlicher Völker untereinander. Es wird davon gesprochen, dass sich allenfalls Heilige in dieser Weise verhalten und dass man von normalen Menschen nicht erwarten könne, dass sie sich entsprechend dieser Maxime verhalten.

 

Zweitens wird in der öffentlichen Diskussion im Allgemeinen – vor allem auch im Völkerrecht – davon ausgegangen, dass die Menschen auch das Recht haben, sich zu verteidigen, sich also zu wehren und zurückzuschlagen, wenn sie angegriffen werden. Auch diese Überzeugung gilt sowohl für die persönlichen Beziehungen einzelner Menschen zueinander wie für die Beziehungen feindlicher Völker zueinander, wenn auch in Beziehung zu den persönlichen Feinden der einzelne nicht das Recht selbst in die Hand nehmen darf und die Strafverfolgung der Täter allein beim Staat liegt.

 

Drittens lässt sich auch zeigen, dass ein wehrhaftes Verhalten dazu beitragen kann, Gewalt unter den Menschen zu reduzieren. Die Bereitschaft, sich zu wehren und sich nicht alles gefallen zu lassen, führt unter bestimmten Voraussetzungen dazu, dass der Erfolg des Angreifers verringert wird und dass gerade der Umstand, dass der Angreifer über das wehrhafte Verhalten der Angegriffenen Bescheid weiß, den Angreifer oftmals davon abhält, einen Angriff zu wagen.

 

 

8. Wohlfahrtsgewinne einer Verteidigung

 

Diese Beweisführung mag zwar auf den ersten Blick überzeugend erscheinen, sie ist jedoch nur unter bestimmten Annahmen gültig. Zu den wichtigsten Annahmen dieser Beweisführung, die zumeist stillschweigend gemacht werden, zählt die Annahme, dass sich beide Konfliktparteien rational verhalten und dass der Angreifer das Ziel verfolgt, seinen Reichtum und seinen Einfluss zu vergrößern, während der Angegriffene seine Unabhängigkeit verteidigt und so wenig wie möglich materielle Einbußen in Kauf nimmt. Es wird weiterhin unterstellt, dass die Konfliktparteien über das Verteidigungs- bzw. Angriffspotenzial und darüber hinaus über das wahrscheinliche Verhalten des Gegners informiert sind.

 

Unterstellen wir diese Annahmen, dann wird der Angegriffene – bevor er sich zur Wehr setzt – überdenken, ob seine Verteidigung erfolgreich sein kann. Wenn die Übermacht des Feindes überwältigend ist, wenn fest damit gerechnet werden muss, dass der Angegriffene schließlich eine Niederlage hinnehmen muss, gleichgültig ob er Widerstand leistet oder nicht, dann ist es entsprechend diesem Kalkül auch für den Angegriffenen zweckmäßig, auf Widerstand zu verzichten, mag er noch so sehr im Recht sein und die Verteidigung dem Völkerrecht (bei nationalen Auseinandersetzungen) oder der allgemeinen Rechtslage (bei persönlichen Streitigkeiten) entsprechen.

 

Der Verzicht auf einen bewaffneten Widerstand bringt nämlich dem Angegriffenen einen zweifachen Vorteil. Auf der einen Seite hat er ohne Widerstand geringere Verluste an Menschenleben und Besitz zu beklagen, da nahezu jeder Widerstand dazu führt, dass Menschen getötet und dass materielle Ressourcen vernichtet oder aufgebraucht werden.

 

Auf der anderen Seite kann der Unterlegene damit rechnen, dass er dann, wenn er auf den Widerstand verzichtet, bei den Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen bessere Bedingungen erreichen kann. Der Angreifer wird nämlich ebenfalls dann, wenn es zu Kämpfen kommt, im Allgemeinen Verluste an Menschen und Material erleiden und deshalb günstiger dastehen, wenn sich der Angegriffene ohne Widerstand ergibt.

 

Er wird sich also dann, wenn er seine Angriffsziele auch ohne Kampf erreichen kann, besser stellen. Die Aussicht, die Angriffsziele ohne kriegerischen Einsatz, also mit geringeren Kosten lediglich auf dem Verhandlungsweg zu erreichen, macht es auch für den potenziellen Angreifer vorteilhaft, dem Feind gewisse Zugeständnisse zu machen für den Fall, dass dieser sich ohne Gegenwehr ergibt.

 

Für den Angreifer gilt, dass sich nicht jeder Angriff lohnt. Wenn sich die Angegriffenen wehren und die Verteidigungsmacht groß ist, so besteht die Gefahr, dass der Angreifer geschlagen wird und dass damit das Ziel des Angreifers verfehlt wird. Da fast jeder Angriff auch für den Angreifer mit hohen Verlusten an Menschenleben und an materiellen Ressourcen verbunden ist, wird ein rational handelnder Politiker nur dann zum Angriff übergehen, wenn er davon überzeugt ist, dass er reelle Chancen zum Siegen hat.

 

Er wird also auf einen Angriff verzichten, wenn er entweder befürchten muss, im Kampf nicht erfolgreich zu sein, also besiegt zu werden oder wenn die Kosten, die eine kriegerische Auseinandersetzung mit sich bringt, höher veranschlagt werden als die Wohlfahrtsmehrung, die sich der Angreifer mit seinem Angriff erhofft. Hierbei kann die Wohlfahrtsmehrung einmal darin bestehen, dass der Angreifer Zugriff auf materielle Ressourcen erhält, zum andern aber auch darin, dass er das Verhalten des unterlegenen Staates beeinflussen kann und damit in Zukunft jene Aktivitäten des anderen Volkes verhindern kann, die seine eigene Wohlfahrt beeinträchtigen.

 

Wir können also festhalten, dass der Versuch der potenziell Angegriffenen, sich zur Wehr zu setzen und eine Verteidigungsmacht aufzubauen, bei rationalem Verhalten beider Konfliktparteien nicht nur dazu beiträgt, dass Angriffe abgewehrt werden können, sondern auch, dass es insgesamt zu einer geringeren Zahl von Angriffen kommt und damit letzten Endes die Wohlfahrt beider Konfliktparteien erhöht wird.

 

Die in diesem Modell unterstellten Annahmen entsprechen jedoch keinesfalls immer der Wirklichkeit. Es gibt mehrere Gründe dafür, dass sich bei konkreten Auseinandersetzungen die Konfliktparteien nicht immer in diesem Sinne rational verhalten.

 

Als erstes muss bezweifelt werden, ob die Konfliktpartner in jedem Falle die Informationen über ihre Gegner besitzen, die notwendig sind, sich im obengenannten Sinne rational zu verhalten. Wiederholt hat sich im Verlaufe der Geschichte der Aggressor maßlos überschätzt und Angriffe begonnen, obwohl bei rationaler Überlegung es eigentlich hätte klar sein müssen, dass der Angriff erfolglos bleiben wird und dem Angreifer Verluste bringen wird.

 

Zweitens sind bei feindlichen Auseinandersetzungen immer auch Emotionen im Spiel, welche ein rationales Kalkül unterbinden. Gerade die Tatsache, dass bei der kriegerischen Auseinandersetzung Menschen verletzt und getötet werden, bringt es mit sich, dass die Gegner gehasst werden und dass man auf Rache sinnt und auch dann zum Gegenangriff ‚bläst‘, wenn ein solcher Angriff irrational erscheint und die eigenen Erfolgsaussichten verschlechtert.

 

Es kommt dann sehr leicht zu einer Spirale der Gewalt. Ein erster Schlag hat zu Menschenverlusten geführt, die geschlagene Seite schlägt zurück. Um gegenüber dem Angreifer einen Anreiz zu setzen, in Zukunft auf weitere Angriffe zu verzichten, wird in stärkerem Maße zurückgeschlagen, als eigene Verluste zu beklagen waren. Auch diese Gegenangriffe werden durch weitere erneut verstärkte Gewalttaten beantwortet.

 

Es wird dabei außer Acht gelassen, dass die Angriffe des Verteidigers nur aus einer Reaktion auf die anfänglichen Übergriffe des Verteidigers zustande kamen. Es kommt dann sehr schnell zu einem Zustand, bei dem gar nicht mehr klar ist, wer den Anderen angreift und wer sich nur verteidigt. Auch dann, wenn bei rationaler Überlegung den Konfliktparteien klar würde, dass es in beiderseitigen Interesse der Konfliktparteien läge, den gegenseitigen Kampf zu beenden, ist keine Partei bereit, den ersten Schritt zu wagen, weil dieser leicht als Schwäche eingestuft wird und auf diese Weise die Gefahr mit sich bringt, dass bei zukünftigen Verhandlungen derjenige den Kürzeren zieht, der diesen ersten Schritt wagt.

 

Selbst dann, wenn sich beide Seiten aus einem rationalen Kalkül heraus zu einer Beendigung der kriegerischen Auseinandersetzungen und zu Verhandlungen bereitfinden, besteht immer noch die Gefahr, dass dieser Einigungsprozess schnell wiederum beendet wird, da es immer kleine terroristische Gruppen gibt, die gar nicht an der Einigung interessiert sind und die auf eine Zerstörung aller überkommenen Ordnungen aus sind. Es ist also dann immer zu befürchten, dass einige kleine terroristische Gruppen erneut Angriffe durchführen und dass sich dann auch die rational denkenden Politiker gezwungen sehen, diese Angriffe erneut durch Gegenangriffe zu beantworten.

 

Im Allgemeinen wird man unterstellen können, dass gute Politiker durchaus Herr ihrer Emotionen sind, dass sie ihre Ziele nicht durch Ausbruch von Emotionen verraten. Emotionen werden von Politikern vielmehr oftmals lediglich dafür eingesetzt, um ihre Ziele besser zu erreichen und ihre eigenen Landsleute zu dem Kampf mit dem Feind zu verpflichten. Sie spielen mit den Emotionen ihrer Untergegebenen wie auf einem Klavier.

 

Es ist jedoch zu befürchten, dass sie die Emotionen ihrer Untergebenen dann nicht mehr zügeln können, wenn ein rationales Handeln eine Beendigung der kriegerischen Handlungen nahelegt. Es besteht dann die Gefahr, dass sie gegen besseres Wissen mit den kriegerischen Handlungen fortfahren müssen, da sie sonst die Kontrolle über ihre eigenen Landleute verlieren würden und diese eine friedfertige Politik nicht verstehen.

 

 

9. Feindesliebe und Selbstmordattentate

 

Liegt aber auch bei den religiös motivierten Selbstmordattentätern rationales Handeln im oben definierten Sinne vor? Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass der Tod zumindest der eigenen Landsleute als größter Verlust angesehen wird und dass deshalb im Zusammenhang mit kriegerischen Auseinandersetzungen das Ziel verfolgt wird, solche Verluste zu vermeiden oder wo dies nicht möglich ist, so klein wie möglich zu halten. Die Selbstmordattentäter stürzen sich jedoch bewusst selbst in den Tod. Sie können auf diese Weise nicht nur ihr Ziel, den Gegner zu vernichten, besser erreichen, sie werden auch gegenüber den Feinden unangreifbar. Die Gegenseite kann nun nicht mehr darauf bauen, dass ihr Feind alles tun wird, um eigene Menschenverluste zu vermeiden und deshalb auch zu einem Nachgeben gezwungen werden kann, wenn solche Verluste vermieden werden können.

 

Die Belohnung, welche den Selbstmordattentätern für solche Taten versprochen wird, bezieht sich nicht mehr auf irdische Güter und auf persönliche Freiheiten. Es wird ihnen vorgegaukelt, dass Gott selbst zu diesen Taten aufgerufen habe, es sei ein heiliger Krieg gegen die Ungläubigen und die Belohnung der Täter bestehe darin, dass sie unmittelbar nach ihrem Tod in den Himmel aufgenommen würden.

 

Rationales Verhalten im obengenannten Sinne kann unter diesen Voraussetzungen nicht mehr erwartet werden. Es wird deshalb auch fragwürdig, ob eine bloße Gegenwehr gegen diesen Terror dazu beiträgt, die Terroristen dazu zu bewegen, den Angriff zu beenden.

 

Natürlich widerspricht ein terroristisches Verhalten diametral den Geboten Gottes. Und dies gilt nicht nur im Hinblick auf christliche Religionen. Da Gott gerecht und barmherzig ist, wird er niemals das Abschlachten von unschuldigen Menschen, vor allem von Kindern gutheißen, terroristische Akte sind das Gegenteil dessen, was in den Geboten der Nächstenliebe einschließlich der Feindesliebe gefordert wird und solche Handlungen ausgerechnet im Namen Gottes zu verüben, ist wohl die größte Beleidigung Gottes, die man sich vorstellen kann.

 

Heilige Kriege wurden im Mittelalter auch im Namen des christlichen Gottes angezettelt, heute werden Angriffskriege aller Art von allen christlichen Kirchen eindeutig verurteilt; leider wird auch heute noch im Namen des islamischen Gottes zumindest vereinzelt von islamischen Religionsführern und Politikern zu heiligen Kriegen aufgerufen.

 

 

10. Aggression und  Innenverhältnis der angreifenden Staaten

 

Die moderne Konflikttheorie hat darauf aufmerksam gemacht, dass das Innenverhältnis zwischen Führen und Geführten auch das Konfliktverhalten nach außen mitbestimmt. Besteht die Gefahr, dass aufgrund innerer Konflikte die Gefolgschaft in Frage gestellt wird, brechen die Führer oftmals einen äußeren Konflikt vom Zaun, um von den inneren Schwierigkeiten abzulenken. Es besteht zumeist Einigkeit darüber, dass dann, wenn eine Gemeinschaft von außen bedroht wird, innere Zwistigkeiten zu schweigen hätten.

 

Wenn aber innere Schwierigkeiten zum Ausbruch von kriegerischen Handlungen mit Nachbarvölkern führen können, kann nicht mehr damit gerechnet werden, dass auf feindliche Angriffe dann verzichtet wird, wenn sie bei rationaler Überlegung dem angreifenden Staat per Saldo Wohlfahrtsverluste bringen. Das Wohl der Gemeinschaft spielt dann in dem Kalkül der Herrschenden eine geringere Rolle, entscheidend ist dann vielmehr, ob die Herrschenden darauf hoffen, durch Ausbruch kriegerischer Handlungen nach außen ihre Position im eigenen Land zu stärken.

 

Bei der Bewertung und Auslegung der Aufforderung, auch die andere Backe hinzuhalten, sollten wir uns darüber hinaus auch an das erinnern, was wir bereits an anderer Stelle im Zusammenhang mit der Bedeutung der Gleichnisse festgestellt haben. Wir haben dort gesehen, dass bestimmte Feststellungen nicht wörtlich auszulegen sind, dass also z. B. die Aussage, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe als ein Reicher ins Himmelreich, sicherlich nicht so zu verstehen ist, dass es einem Reichen vollkommen unmöglich ist, ins Himmelreich einzugehen. Es sollte eben nur darauf hingewiesen werden, dass es für einen Reichen außerordentlich schwer ist, sich stets moralisch richtig zu verhalten. Es entspricht orientalischer Denkweise und auch der Intention von den in der Bibel erzählten Gleichnissen, dass der Grundgedanke pointiert hervorgehoben und zugespitzt formuliert wird, um überhaupt wahrgenommen zu werden.

 

Übertragen auf die Forderung, auch die andere Backe hinzuhalten, bedeutet es sicherlich nicht, dass die Christen aufgefordert sind, sich bei jedem Angriff wehrlos zu ergeben oder auch wegzulaufen und sich zu verkriechen. Wer seinem Gegner die andere Backe hinhält, läuft aber gerade nicht weg, er stellt sich, er beschämt unter Umständen den Angreifenden, in dem er durch sein Verhalten das Unrecht des Angreifenden für die Umgebung – also für dritte, nicht in den Konflikt verstrickte Nationen – deutlich macht. Gleichzeitig stellt die Aufforderung einen Weg dar, wie man bei kriegerischen Auseinandersetzungen aus dem oben geschilderten Zirkel der Eskalation der Gewalt wiederum ausbrechen kann.