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Gliederung der Vorlesung:

 

01. Einführung

02. Leitbilder

03. Tarifverhandlungen  

04. Gesamtwirtschaftliche Verteilungstheorie

05. Institutionelle Unterschiede

06. Finanzpolitik

07. Geschichte der Sozialversicherung

08. Rentenversicherung

09. Krankenversicherung

10. Arbeitslosenversicherung

11. Vermögenspolitik

12. Bildungspolitik

 

 

 

Kapitel 12: Bildungspolitik

 

 

Gliederung:

 

01. Keine Umverteilung der Arbeit im engeren Sinn

02. Determinanten der Verteilung der Arbeit

03. Abbau institutioneller Beschränkungen

04. Senkung der privaten Ausbildungskosten

05. Der allokative Aspekt der Bildungspolitik

06. Umverteilung durch Bildungspolitik?

 

 

 

01. Keine Umverteilung der Arbeit im engeren Sinn

 

Im Gegensatz zum Kapital kann die Arbeitskraft nicht in dem Sinne umverteilt werden, dass dem einen Wirtschaftssubjekt Produktionsfaktoren entzogen und diese dem anderen überlassen werden. Die Arbeitskraft ist in einem freiheitlichen Staat höchstpersönlich. Trotzdem gestattet auch der Produktionsfaktor Arbeit gewisse Einflussmöglichkeiten auf seine endgültige Verteilung. Die Arbeitskraft lässt sich nämlich in recht unterschiedlicher Weise für produktive Zwecke einsetzen. Die Einsatzmöglichkeiten des Produktionsfaktors Arbeit sind jedoch durchaus unterschiedlich verteilt und lassen sich auch zum Teil politisch beeinflussen.

 

Die Aufgabe einer bildungspolitisch orientierten Verteilungspolitik kann darin gesehen werden, diese Unterschiede in den Einsatzmöglichkeiten der Arbeitskraft abzubauen. Während sich die Ungleichheiten bei der Verteilung des Produktionsfaktors Kapital in erster Linie auf die Quantität beziehen, werden die Ungleichheiten beim Produktionsfaktor Arbeit vorwiegend durch Qualitätsunterschiede begründet.

 

 

02. Determinanten der Verteilung der Arbeit

 

Allerdings finden sich im Zusammenhang mit den sozialen Risiken auch beim Faktor Arbeit quantitative Unterschiede. Die Arbeitsfähigkeit kann zeitweise oder für immer erlahmen, wobei die einzelnen Wirtschaftssubjekte in recht unterschiedlichem Maße von den sozialen Risiken befallen werden. Soweit Unterschiede in der Verteilung der Arbeitskraft auf die ungleiche Risikostreuung zurückzuführen sind, kann der Staat dadurch verteilungspolitisch wirksam werden, dass er die Risiken soweit wie möglich senkt und damit die Differenzierung in der Risikenverteilung verringert.

 

Eine erfolgreiche Bekämpfung der Risiken hat nämlich nicht nur eine Verringerung des gesamtwirtschaftlichen Risikoausmaßes zur Folge. Da wie gesagt die einzelnen Wirtschaftssubjekte in unterschiedlichem Maße von den Risiken befallen werden, bedeutet eine Verringerung des Risikoausmaßes in der Regel gleichzeitig eine Nivellierung der Risikostreuung.  Die sozialen Risiken beziehen sich insbesondere auf Krankheiten, Frühinvalidität, Unfälle und unfreiwillige Arbeitslosigkeit. Jeder dieser vier Tatbestände kann eine zeitweise oder immer währende Arbeitsunfähigkeit herbeiführen.

 

Die Einsatzmöglichkeiten des Produktionsfaktors Arbeit sind jedoch nicht nur aufgrund einer ungleichen Risikostreuung ungleich verteilt. Ungleichheiten ergeben sich zweitens aus einer unterschiedlichen Begabungsstreuung und einer unterschiedlichen Ausschöpfung von Begabungsreserven. Wenn man von eugenischen Maßnahmen absieht, lassen sich die Unterschiede in der Begabung im eigentlichen Sinne des Wortes politisch nicht beeinflussen, da die Begabungsunterschiede in erster Linie erbbedingt sind.

 

Die verteilungspolitischen Maßnahmen beziehen sich somit vor allem auf den Versuch, eine gleichmäßigere Ausschöpfung von Begabungsreserven zu ermöglichen. Diese Ausschöpfung der Begabungsreserven erfolgt u. a. über eine intensivere Ausbildung der Arbeitskräfte. Die Tatsache, dass in der Vergangenheit einem Teil der Bevölkerung der Zugang zu den weiterführenden Bildungseinrichtungen bisweilen de jure, aber auf jeden Fall de facto verwehrt war, wird in der Literatur als Ungleichheit der Bildungschancen bezeichnet. Der Staat hat in den letzten Jahrzehnten vor allem zwei Maßnahmen ergriffen, um dieses Bildungsmonopol abzubauen.

 

Der Staat hat erstens die institutionellen Beschränkungen des Zugangs zu den Bildungseinrichtungen zum größten Teil beseitigt, bzw. dort, wo ein freier Zugang aufgrund der Knappheit der Bildungsgüter nicht möglich war, die Auslesekriterien an den Grundsätzen der Chancengleichheit und der individuellen Leistung ausgerichtet.

 

Er hat zweitens in wachsendem Maße einen Teil der direkten und indirekten Bildungskosten übernommen, so dass der vom einzelnen Bildungswilligen bei der Inanspruchnahme der Bildungseinrichtungen zu zahlende Preis wesentlich unter die gesamtwirtschaftlichen Kosten gedrückt wurde.

 

 

03. Der Abbau institutioneller Beschränkungen

 

Bis vor etwa 4 Jahrzehnten erreichte nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz der Bevölkerung die höheren Bildungsstätten. Im Jahre 1960 studierten in Westdeutschland 200.000, im Jahre 1970 510.000, und in Gesamtdeutschland studierten im Jahre 1995 1.6 Mio. und 2013 über 2,6 Mio. Personen. In der Vergangenheit war einem großen Teil der Bevölkerung der Zugang zu den höheren Bildungsstätten verwehrt. Eine institutionelle Beschränkung des freien Zugangs zu den Bildungseinrichtungen kann hierbei auf formell-gesetzlichem, aber auch auf informellem Wege erfolgen.

 

Es genügt somit nicht, institutionelle Beschränkungen auf dem Gesetzeswege abzubauen. Es ist durchaus möglich, dass de jure ein freier Zugang zu den Bildungsgütern gewährt wird und dass trotzdem bestimmte Bevölkerungsgruppen de facto vom Zugang ausgeschlossen bleiben oder ihnen zumindest der Zugang bedeutend erschwert wird (Problem der Rassendiskriminierung in einzelnen Staaten). Allerdings sehen sich die Regierungen oftmals veranlasst, aufgrund eines Nachfrageüberhanges einen Numerus clausus zu verhängen und auf diese Weise wiederum den freien Zugang zu den weiterführenden Bildungsstätten zu verringern.

 

 

04. Senkung der privaten Ausbildungskosten

 

Aber auch dann, wenn es gelingt, alle institutionellen Beschränkungen, sowohl die formellen wie die informellen, abzubauen, darf nicht erwartet werden, dass die Bildungsgüter in dem erwünschten Ausmaß nachgefragt werden. Das Ziel einer breiten Streuung der Bildungsgüter kann nämlich nicht nur an Beschränkungen auf der Angebotsseite scheitern, es ist vielmehr damit zu rechnen, dass auch Nachfragefaktoren diesem Ziel hinderlich sind. Die mit der Ausbildung verbundenen Kosten erscheinen vielen zu hoch, um die Bildungsgüter in vollem Maße in Anspruch zu nehmen.

 

Ein zweiter Maßnahmenkomplex bezieht sich somit auf die Senkung des Effektivpreises, der bei der Inanspruchnahme der Bildungsgüter zu entrichten ist, oder was gleichbedeutend ist, auf die teilweise oder gesamte Übernahme der mit der Ausbildung verbundenen Ausgaben. Diese mit der Ausbildung verbundenen Ausgaben beruhen auf zwei grundverschiedenen Tatbeständen.

 

Auf der einen Seite sind mit der Ausbildung wie mit der Inanspruchnahme eines jeden Gutes bestimmte Kosten verbunden. Es müssen Lehrstätten errichtet, Lehrkräfte angestellt und Lehrmittel angeschafft werden. Die Summe dieser Aufwendungen wollen wir als die Ausbildungskosten im engeren Sinne bezeichnen. Soweit die von den Bildungswilligen zu entrichtenden Gebühren kostendeckend sind, fallen die durchschnittlichen Ausbildungskosten pro Inanspruchnahme der Bildungsgüter mit diesen Gebühren zusammen. Auf der anderen Seite kann der Bildungswillige während seiner Ausbildungszeit in der Regel keiner Erwerbstätigkeit oder doch nur in vermindertem Maße nachgehen.

 

Die Ausbildung verursacht somit zweitens einen Einkommensausfall, der ebenfalls zu den mit der Ausbildung verbundenen Kosten im weiteren Sinne gerechnet werden muss. In einer Reihe von Staaten gingen die Regierungen in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg dazu über, die Ausbildungskosten teilweise oder ganz zu übernehmen. Die Teilnahme an den einzelnen Bildungseinrichtungen ist entweder gebührenfrei oder die Höhe der Gebühr liegt weit unter den effektiven gesamtwirtschaftlichen Durchschnittskosten der Inanspruchnahme.

 

In der Diskussion um die Abschaffung oder Wiedereinführung von Studiengebühren überwiegt allerdings der Allokationsaspekt, den wir später behandeln werden. Hier sei nur darauf hingewiesen, dass auch bei Erhebung von Studiengebühren die eigentlichen Ausbildungskosten im engeren Sinn nicht unbedingt beim Studierenden liegen, da der Staat u. U. Kredite zur Finanzierung der Studiengebühren gewähren kann. Die Erfahrungen zeigen allerdings, dass selbst eine vollständige Gebührenfreiheit nicht ausreicht, die finanziell begründete relativ geringe Inanspruchnahme der Bildungseinrichtungen seitens der Empfänger geringen Einkommens entscheidend zu vergrößern.

 

Es wurde deshalb der Versuch unternommen, zumindest einen Teil der mit der Ausbildung verbundenen Einkommensverluste auszugleichen. Zwei Möglichkeiten eines solchen finanziellen Einkommensausgleiches werden diskutiert und praktiziert:

 

Auf der einen Seite wird den Bildungswilligen oftmals ein Kredit gewährt, den diese nach Abschluss der Ausbildung und nach Aufnahme der neuen Berufstätigkeit zurückzuzahlen haben. Auf der anderen Seite werden verlorene Zuschüsse gefordert. Befassen wir uns zunächst mit der Gewährung verlorener Zuschüsse.

 

Eine gewisse Berechtigung für eine teilweise Gewährung von verlorenen Zuschüssen besteht in dem Umstand, dass Bildung z. T. den Charakter externer Erträge aufweist. Da die finanziellen Möglichkeiten des Staates stets begrenzt sind, entsteht hier die Frage, ob der Bezug dieser Einkünfte von individuellen Leistungsnachweisen und von der Bedürftigkeit abhängig gemacht werden soll. Allerdings führen verlorene Zuschüsse langfristig zu einer inversen Einkommensumverteilung. Die Gruppe der Akademiker zählt nämlich bezogen auf das Lebenseinkommen eindeutig zu den Empfängern höherer Einkommen. Es ist aber prinzipiell unerwünscht, dass der Staat Einkommen invers, d. h., von den Empfängern geringeren Einkommens (den Arbeitnehmern ohne akademische Ausbildung) zu den Empfängern höheren Einkommens (den Akademikern) umverteilt.

 

Die finanzielle Situation der Studenten ist nicht deshalb kritisch, weil ihr Lebenseinkommen im Durchschnitt zu gering ist, sondern deshalb, weil sie während der Dauer des Studiums über zu geringe finanzielle Ressourcen verfügen. Es bedarf also eher einer zeitlichen Einkommensumschichtung als einer echten personellen Einkommensumverteilung.

 

Allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass der Einkommensunterschied zwischen Akademikern und sonstigen Personen nicht an dem Durchschnitt der augenblicklichen Einkommen gemessen werden kann. Bildung stellt eine Investition in human capital dar, nur der Gegenwartswert über das gesamte Lebenseinkommen kann darüber Auskunft geben, in welchem Maße sich die einzelnen Einkommen unterscheiden. Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass die Akademiker sehr viel später ins Berufsleben eintreten und teilweise auch krankheitsbedingt sehr viel früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Das Lebenseinkommen bezieht sich also auf eine sehr viel kürzere Erwerbsphase.

 

Allerdings dürfte bei diesem Vergleich der Einkommen weniger die tatsächliche Erwerbsphase von Bedeutung sein, als diejenige, die erwartet werden kann. Der Eintritt ins Erwerbsleben kann durch Ausweitung des Studiums verzögert werden. Es leuchtet ohne weiteres ein, dass bei der Frage der Berechtigung einer Umverteilung zugunsten der Akademiker nur die Studienlänge berücksichtigt werden sollte, die aus sachlichen Gründen notwendig ist. Andererseits ist damit zu rechnen, dass – wie bereits erwähnt – ein Teil der Akademiker früher als andere Berufsgruppen aus dem Erwerbsleben ausscheidet.

 

So gilt, dass aufgrund eines höheren Stresses im Berufsleben bei den Führungskräften die Gefahr größer ist, krankheitsbedingt vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden zu müssen. Empirische Untersuchungen in den USA hatten ergeben, dass nur diejenigen Akademiker ein höheres Lebenseinkommen beziehen, die über das 55. Lebensjahr hinaus erwerbstätig bleiben.

 

Allerdings ist der freie Markt nicht in der Lage, diese zeitliche Umschichtung in befriedigendem Maße ohne staatliche Hilfe durchzuführen. Die Banken sind nur bei entsprechenden finanziellen Sicherheiten bereit, Kredite zu gewähren. Diese liegen jedoch gerade bei der Ausbildung nicht vor. Deshalb bedarf es sehr wohl einer nicht marktlichen Einrichtung zur Organisation von Ausbildungskrediten.

 

Auch dann, wenn man in der Finanzierung des Studiums in erster Linie ein Problem der zeitlichen Umschichtung des Lebenseinkommens sieht, sind im Zusammenhang mit der Abwicklung dieser Finanzierung sozialpolitische und verteilungspolitische Aspekte zu berücksichtigen.

 

Es entsteht erstens die Frage, in welcher Zeitspanne diese Kredite zurückgezahlt werden sollen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass in die ersten Jahre der Berufstätigkeit oftmals die Gründung einer Familie und die Einrichtung einer Wohnung fällt, sodass der Bedarf im Vergleich zu dem Einkommen in diesen Zeiten relativ hoch ist und gerade deshalb eine Zurückzahlung der Kredite in dieser Phase erschwert ist.

 

Es bleibt die weitere Frage, ob auch diejenigen zur Kreditrückzahlung verpflichtet werden sollen, die zwar in den Genuss der Kredite gekommen sind, aber aufgrund eines vorzeitigen Abbruches des Studiums oder trotz der Ausbildung nicht - wie beabsichtigt - in eine höhere Einkommensstufe aufsteigen konnten.

 

Im Allgemeinen wird die Meinung vertreten, dass nur diejenigen diese Kredite zurückzuzahlen haben, die in ihrem Studium erfolgreich waren und deshalb aufgrund eines überdurchschnittlich hohen Einkommens auch in der Lage sind, diesen Kredit zurückzuzahlen. Die Zurückzahlungspflicht wird somit hier für diejenigen verneint, die ihr Studium abgebrochen, bzw. die Examina nicht bestanden haben.

 

Es ist sinnvoll, die Rückzahlungspflicht solange zu stunden, als der Einzelne trotz erfolgreichen Studienabschlusses keine adäquate Beschäftigung gefunden hat. Weiterhin entsprach es bis vor Kurzem weitgehender Überzeugung, dass die Studienkredite zumindest nicht zu normalen Marktzinsen verzinst werden sollten.

 

Selbstverständlich lassen sich auf diesen aufgezeigten Wegen (durch Abbau der institutionellen Beschränkungen und durch finanzielle Unterstützungen der Bildungswilligen) nicht alle Schwierigkeiten beseitigen. So weisen psychologische Untersuchungen darauf hin, dass eine Ausschöpfung der Bildungsreserven in der ersten Generation nicht in vollem Maße gelingen kann, da die Gefahr besteht, dass bereits in der vorschulischen Kindheit aufgrund mangelnder Ausbildung der Eltern Bildungsmöglichkeiten endgültig verbaut wurden.

 

 

05. Der allokative Aspekt der Bildungspolitik

 

Allokationspolitisch geht es darum, Angebot und Nachfrage im Bildungsmarkt in Übereinstimmung zu bringen. Angebot und Nachfrage müssen einmal gesamtwirtschaftlich übereinstimmen; darüber hinaus muss sich auch die Struktur von Angebot und Nachfrage entsprechen. Weiterhin geht es hierbei einmal darum, einen Ausgleich zwischen den Wünschen und Vorstellungen der Auszubildenden und dem konkreten Angebot an Studienplätzen herbeizuführen (Gleichgewicht des Bildungsmarktes).

 

Zum andern kann aber nur dann von einer befriedigenden Lösung des hier zur Diskussion stehenden Allokationsproblems gesprochen werden, wenn ein Ausgleich zwischen der Beschäftigungsnachfrage der Akademiker und dem Angebot der Unternehmungen an Arbeitsplätzen, die eine akademische Ausbildung voraussetzen, erreicht ist (Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt). Eigentlich wäre es erwünscht, dass dieser Ausgleich von selbst eintreten würde, de facto bestehen jedoch große Ungleichgewichte, aufgrund derer sich der Staat oftmals veranlasst sieht, diesen Ausgleich ex post durch einen Numerus clausus herbeizuführen.

 

Dass auch heutzutage noch nicht alle Personen Zugang zu den weiterführenden Bildungseinrichtungen haben und aufgrund der Knappheit der Bildungsgüter ausgeschlossen werden, zeigt das Beispiel des Numerus clausus an einigen Fakultäten der Hochschulen.

 

Nun könnte man versucht sein, bei einem zu geringen Angebot an Bildungsgütern trotzdem jedem Studienwilligen einen Zugang zu ermöglichen; de facto besteht jedoch diese Möglichkeit nicht. Man geht hier von der Tatsache aus, dass das Bildungsangebot nicht beliebig gestückelt werden kann und dass der Wert der Ausbildung nahezu auf null absinkt, wenn nicht für jeden, der die Bildungseinrichtungen in Anspruch nimmt, eine Mindestausbildung garantiert wird.

 

Gerade die Tatsache, dass die Bildungseinrichtungen in immer stärkerem Maße vom Staate finanziert und kontrolliert werden, hat Auswirkungen auf das Allokationsproblem. Bildungsgüter werden auf diese Weise nämlich als Kollektivgüter angeboten.

 

Die Finanztheorie hat gezeigt, dass das Angebot von und die Nachfrage nach Kollektivgütern anderen Gesetzmäßigkeiten folgen als Angebot und Nachfrage an bzw. nach Individualgütern. Die Meinungen darüber, in welcher Weise der Übergang von einer individuellen zu einer kollektiven Lösung und insbesondere der Übergang zu einem demokratischen Willensbildungsprozess die Allokation beeinflusst, gehen weit auseinander.

 

P. Widmaier sprach von einer Tendenz zu einer suboptimalen Ausstattung mit Bildungsgütern, wobei er die These vertrat, dass generell das Angebot an Bildungsgütern zu gering sei. Demgegenüber gehen andere von der These aus, dass kollektive Lösungen die Tendenz in sich tragen, die Nachfrage nach Kollektivgütern stärker anzuheben, als es dem Interesse der Nachfragenden selbst entspricht.

 

Den Grund für ein suboptimales Angebot an Bildungsgütern sehen Widmaier und andere in der Tatsache, dass Ausbildung ein Kollektivgut darstellt. Es wird unterstellt, dass auch die Entscheidungen innerhalb eines Kollektivs letzten Endes von einzelnen Individuen ausgehen und dass die Bereitschaft, zur Finanzierung von Kollektivgütern beizutragen, gering ist, da der Zusammenhang zwischen Leistung und Gegenleistung für den Einzelnen nicht mehr evident ist.

 

Je größer deshalb die Gruppe sei, um so weniger Individuen seien bereit, Kollektivlösungen zuzustimmen; im Endeffekt würden somit weniger Kollektivgüter angeboten als es dem Interesse der Gesamtgruppe entspricht.

 

Ein ganz anderer Zusammenhang wird angesprochen, wenn bisweilen die entgegengesetzte Meinung vertreten wird, die Nachfrage nach Kollektivgütern sei größer als es dem paretianischen Optimum entspreche. Eine kollektive Lösung eines wirtschaftlichen Problems unterscheide sich in erster Linie dadurch von einer individuellen, dass der für die Produktion aufzubringende Preis unabhängig von der Inanspruchnahme des Gutes erhoben werde, dass aber die Inanspruchnahme dieser Güter selbst quasi zum Nulltarif erfolge.

 

Genauso wie bei einer privaten Lösung hat auch bei einer kollektiven Lösung in der Regel die Gesamtheit der Nutznießer für die Finanzierung der Kollektivgüter aufzukommen. Insofern hatten K. Wicksell und andere recht, wenn sie die Steuern und Beiträge als Preise für Kollektivgüter ansahen. Der Unterschied zwischen Steuern auf der einen und Preisen für Individualgüter auf der anderen Seite liegt jedoch darin, dass die Steuerhöhe in keinem unmittelbaren Verhältnis zur individuellen Inanspruchnahme steht.

 

Das gilt sowohl in zeitlicher Hinsicht, die Steuern und Beiträge werden nicht bei der Inanspruchnahme der Kollektivgüter, sondern unabhängig davon in periodischen Abständen erhoben. Das gilt aber auch in der Hinsicht, dass das Ausmaß der Steuerpflicht in keinem Verhältnis zum Ausmaß der individuellen Inanspruchnahme der Kollektivgüter steht. Gerade aufgrund dieser Trennung zwischen Inanspruchnahme und Entrichtung des Preises wird beim Konsumenten der Eindruck erweckt, dass die Inanspruchnahme bedeutend billiger sei, als sie es tatsächlich ist.

 

Bei der Inanspruchnahme des Kollektivgutes entstehen den Individuen de facto geringere Kosten als der Gemeinschaft, so dass das Individuum ein Interesse daran hat, mehr Kollektivgüter nachzufragen als es dem paretianischen Optimum entspricht.

 

Der Einwand, dass diese Mehrnachfrage letzten Endes doch vom Einzelnen getragen werden müsse und dass es deshalb nicht im Interesse des Einzelnen liege, aufgrund des zu geringen Preises eine Mehrnachfrage auszuüben, verkennt das eigentliche Problem eines Kollektivgutes. Denn eine Erhöhung der Steuern ist nur dann zu befürchten, wenn alle Individuen aufgrund dieses Umstandes eine Mehrnachfrage ausüben würden. Der Einzelne verhält sich – im Hinblick auf sein persönliches Interesse – durchaus rational, wenn er diese Mehrnachfrage aufrecht erhält. Er muss davon ausgehen, dass die übrigen Konsumenten auch dann auf ihre Mehrnachfrage verharren, wenn er dank dieser gesamtwirtschaftlichen Einsicht auf die eigene Mehrnachfrage verzichten würde. Auch bei voller Kenntnis der gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge stellt sich der Einzelne besser, wenn er die Mehrnachfrage ausübt.

 

Bildungspolitische Maßnahmen können jedoch nicht nur daran scheitern, dass die Angebotsstruktur nicht der Nachfragestruktur entspricht, sondern auch daran, dass das Ziel der Vollbeschäftigung gefährdet wird. Wir haben davon auszugehen, dass die Gefahr der Arbeitslosigkeit bei den Arbeitskräften, die eine langwierige Ausbildung erfahren haben, groß ist, weil der Marktmechanismus auf diesen Märkten schlechter funktioniert als auf anderen. Da das Angebot an diesen Arbeitskräften eine Ausbildung voraussetzt, wird auch bei beachtlichen Steigerungen der Entlohnungssätze das Angebot kurzfristig nicht ansteigen.

 

Wenden sich aufgrund dieses Lohnanstieges Arbeitskräfte vermehrt der Ausbildung dieser speziellen Berufe zu, so wird sich das Angebot zwar langfristig vergrößern. Dieser Zuwachs tritt jedoch verspätet auf, zu einer Zeit, in der vielleicht die Entwicklung der Nachfrage bereits eine Verringerung des Angebotes notwendig macht. Es besteht die Möglichkeit, dass das Arbeitsangebot nun insgesamt zu groß ist. Eine größere Markttransparenz könnte die Gefahr der Arbeitslosigkeit vermindern, obwohl bei freier Berufswahl eine endgültige Lösung diese Problems nicht möglich erscheint.

 

Diese Zusammenhänge zwischen Einkommenszuwächsen und Reaktion des Arbeitsangebotes lassen sich anhand des Cobwebsystems veranschaulichen. Die dem Cobwebsystem zugrundeliegende Theorie wurde zwar zunächst für landwirtschaftliche Produkte wie etwa das Angebot an Schweinefleisch entwickelt. De facto hat jedoch die in diesem Theorem unterstellte Gesetzmäßigkeit nichts mit den spezifischen Eigenarten der landwirtschaftlichen Produkte zu tun. In Wirklichkeit treten Cobwebprozesse überall dort auf, wo die Reaktion von Angebot oder Nachfrage verzögert auf Preisänderungen reagieren. Hierbei werden drei dynamische Verläufe unterschieden: der explodierende Verlauf, der gedämpfte Verlauf und das perpetuum mobile. 

 

Wir gehen hierbei von einer Nachfragsteigerung nach – von Akademikern angebotenen – Leistungen aus, die durch eine Verschiebung der Nachfragekurve nach rechts oben zum Ausdruck gebracht wird. Weiterhin gehen wir davon aus, dass das Angebot an akademischen Leistungen kurzfristig auf Preisänderungen nicht reagiert, dass also die Angebotskurve kurzfristig eine Parallele zur Ordinate darstellt. Erst nach Ablauf einer Periode oder auch mehreren Perioden reagiert das Angebot auf Preisänderungen der Vorperiode.

 

Kurzfristig gesehen steigt der Preis aufgrund der Nachfragesteigerung bis zum Schnittpunkt der neuen Nachfragekurve mit der kurzfristig vollkommen starren Angebotskurve. Langfristig hingegen reagiert das Angebot auf die Preissteigerung entsprechend der langfristig gültigen elastischen Angebotskurve. Diese Angebotsausweitung schießt jedoch über die Nachfrage hinaus, weil ja auch der Preis kurzfristig stärker als erwünscht angestiegen ist und führt deshalb in der nächsten Periode zu entsprechenden Preissenkungen und Angebotsanpassungen und so weiter.

 

Dieses Spiel von Preisveränderung und langfristiger Angebotsanpassung erfolgt nun über eine Vielzahl von Perioden, wobei es nun von dem Verhältnis der Elastizitäten von Angebot und Nachfrage abhängt, ob der Preis tendenziell vom Gleichgewicht wegführt oder zum Gleichgewicht hinführt oder schließlich sogar im Sinne eines perpetuum mobile unbegrenzt um den Gleichgewichtspreis pendelt.

 

Wenn die Elastizität der Nachfrage geringer ist als die des Angebots, führt dies zu einem explodierendem Fall, falls jedoch die Elastizität der Nachfrage größer als die des Angebots ist, liegt ein gedämpftes System vor, gleich hohe Elastizitäten führen schließlich zum perpetuum mobile.

 

Betrachten wir zuerst den Fall eines explodierenden Cobwebsystems:

 

 

 

Betrachten wir als nächstes den Fall eines gedämpften Cobwebsystems:

 

 

Schließlich betrachten wir das Perpetuum mobile:

 

 

Eine größere Markttransparenz wäre sowohl für die voraussichtliche Entwicklung der Nachfrage wie des Angebotes nach bzw. an qualifizierten Arbeitskräften erforderlich. Beide Entwicklungsreihen hängen jedoch von so vielen Unsicherheitsfaktoren ab, dass von dieser Seite eine entscheidende Verminderung des Arbeitslosenrisikos kaum zu erwarten ist.

 

Das Arbeitslosenrisiko bei akademischen Berufen ließe sich darüber hinaus durch eine größere Flexibilität der Ausbildung verringern. Diese Forderung nach größerer Flexibilität kann sich einmal auf die größtmögliche Durchlässigkeit während des Ausbildungsganges (also auf die Möglichkeit während der Ausbildung auf einen anderen Ausbildungsgang überzuwechseln) beziehen.

 

Größere Flexibilität kann jedoch auch bedeuten, dass sich die Ausbildung während ihrer ersten Stufe auf die Vermittlung generellen Wissens beschränkt bzw. dass erst sehr spät im Ausbildungsprozess mit einer Spezialisierung begonnen wird. Auf diese Weise könnte erreicht werden, dass die Arbeitskräfte bei einem Überangebot auf dem einen Markte schneller auf einen anderen Markt überwechseln können. Aber auch hier muss vor einem zu großen Optimismus gewarnt werden. Die Entwicklung des wissenschaftlichen Fortschrittes war nur möglich aufgrund einer weitgehenden Spezialisierung des Wissens, welche automatisch den Anteil des allgemeinen Wissens reduziert.

 

Die Entscheidung darüber, welcher Beruf ergriffen werden soll, wird oftmals unabhängig von der Frage nach den Berufsmöglichkeiten der Absolventen in der Industrie gefällt. So wird oftmals gefordert, dass jeder Bürger, unabhängig von den tatsächlichen Berufschancen ein verfassungsmäßig geschütztes Recht auf Ausbildung besitzen soll. Es verwundere deshalb nicht, wenn das Angebot an Akademikern der Nachfrage der Industrie nicht entspreche und wenn deshalb Arbeitslosigkeit bei den Akademikern entstehe. Es wird deshalb eine bedarfsorientierte Planung der Bildungspolitik gefordert, die das staatliche Bildungsangebot an der zu erwartenden Nachfrage ausrichten solle.

 

Diese Forderungen übersehen, dass hier vom Staat mehr verlangt wird, als er leisten kann. Gerade wegen der zeitlichen Länge des Studiums kann zumindest in einer Marktwirtschaft nicht festgestellt werden, wie sich der Bedarf für einzelne Berufe nach 3 – 5 Jahren (so lange dauert im Allgemeinen die tatsächliche Ausbildungszeit) entwickeln wird.

 

Soweit sich aber bestimmte Tendenzen in der Berufsentwicklung abzeichnen, ist es nicht einzusehen, weshalb der Staat diese Entscheidung den einzelnen Bildungswilligen abnehmen soll, warum die Einzelnen aufgrund ihrer sehr individuellen Risikobereitschaft diese Entscheidung nicht sehr viel zweckmäßiger fällen können als der Staat in einer globalen Grundsatzentscheidung.

 

Natürlich muss man sich darüber im Klaren sein, dass die Nachfrage nach Ausbildung um so größer ausfällt, je stärker die individuellen Ausbildungskosten von den gesamtwirtschaftlichen Ausbildungskosten abweichen. In diesem Falle bleibt wegen Knappheit der Güter dem Staat nichts anderes übrig, als gewisse Begrenzungen im Studium vorzusehen.

 

Alternativ hierzu wird vorgeschlagen, Bildungsgutscheine einzuführen, die den Studenten für eine begrenzte Studienzeit kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Diese Zeit bezieht sich auf die Regelstudienzeit plus 2 – 4 Semester zur Vorbereitung auf das Abschlussexamen.

 

Überschreitet der einzelne Student diese Zeiten, so soll er für jedes weitere Semester eine bestimmte Gebühr entrichten. Die Effizienz dieser Bildungsgutscheine wird im Allgemeinen gering eingeschätzt. Nur ein sehr geringer Prozentsatz der Studenten wird nämlich diese festgesetzte Zeit überschreiten.

 

Für die Masse der Studenten gehen somit keine Effekte auf die tatsächliche Studienzeit aus. Es werden aus den gleichen Gründen auch keine nennenswerten zusätzlichen Finanzierungsmittel gewonnen. Schließlich ist zu bezweifeln, ob der Staat wirklich bestrebt sein sollte, die Studienzeit einer relativ kleinen Studentengruppe zu begrenzen.

 

Jeder Studierende hat bereits einen massiven Anreiz, sein Studium so kurz wie möglich zu halten, da die Einstellungschancen mit wachsender Studiendauer drastisch zurückgehen. Es ist weiterhin fraglich, ob eine erzwungene Verkürzung des Studiums die knappen Ressourcen der Universitäten entlastet, da die Zahl der Prüfungen auf diesem Wege wohl kaum reduziert wird, aber weniger die Lehr- als die Prüfungskapazitäten knapp sind.

 

Ob eine Vorlesung vor 100 oder 200 Studenten abgehalten wird, scheitert allenfalls an zu geringen Vorlesungsräumen. Lehrkräfte brauchen im Allgemeinen bei Zunahme der Studentenzahlen nicht vergrößert werden. Die Anzahl der notwendigen Prüfungen steigt jedoch automatisch mit der Zahl der Studierenden. Sie steigt sogar überproportional an, wenn aufgrund der Überfüllung einer Universität die persönliche Betreuung des einzelnen Studenten zurückgeht.

 

Es kann weiterhin nicht damit gerechnet werden, dass eine Ausweitung der Bildungsausgaben automatisch und in jedem Falle die Verteilung des Zugangs zu den Bildungseinrichtungen verbessert. Es besteht erstens die Gefahr, dass die Finanzierungsmittel so ineffizient angelegt werden, dass das reale Angebot an Bildungsleistungen kaum oder nicht im erwünschten Maße zunimmt.

 

Auch die Bildungsgüter werden wie fast jedes Gut aus der Kombination mehrerer komplementär zueinander stehender Produktionsfaktoren erstellt. Es kann somit nur dann eine Zunahme des Angebotes der Bildungsgüter erwartet werden, wenn alle komplementären Faktoren vermehrt werden. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, entstehen Engpässe, die eine Vermehrung des Gesamtangebotes oftmals verhindern.

 

Wenn auch das Risiko eines Akademikers groß ist, keinen geeigneten Arbeitsplatz zu finden, ist dieses Risiko doch wesentlich kleiner als das Risiko der Arbeitslosigkeit ungelernter Arbeitskräfte, da die moderne Produktionstechnik eine Mindestausbildung voraussetzt und den Ausgebildeten begünstigt.

 

 

06. Umverteilung durch Bildungspolitik?

 

Fragen wir uns nun, wie sich eine Reform im Bildungswesen auf die Verteilung der Einkommen auswirkt. Eine erste Wirkung der Bildungspolitik auf die Einkommensverteilung kann darin gesehen werden, dass aufgrund einer gleichmäßigeren Verteilung der Arbeitsqualitäten der Forderung nach Chancen-Gleichheit besser als bisher entsprochen wird. Bei der Diskussion über das Leistungsprinzip mussten wir feststellen, dass eine unterschiedliche Leistungserstellung nicht so sehr auf einen unterschiedlichen Leistungswillen, sondern in stärkerem Maße auf Unterschiede im Leistungsvermögen zurückzuführen ist und dass deshalb in der Wirklichkeit die Voraussetzungen für die Realisierung des Leistungsprinzips oftmals fehlen. Man wird mit Sicherheit annehmen können, dass ein Teil dieser Unterschiede auf dem Wege der Bildungspolitik abgebaut werden kann.

 

Mit den bildungspolitischen Maßnahmen werden allerdings bisweilen weitergehende Hoffnungen verbunden. Es wird unterstellt, dass der Abbau des Bildungsmonopols nicht nur die Chancengleichheit vergrößert, sondern darüber hinaus den Differenzierungsgrad der Einkommen vermindert. Der Differenzierungsgrad der Einkommen wird hier in Abhängigkeit vom Differenzierungsgrad der Verteilung der Produktionsfaktoren gesehen. Es ist jedoch fraglich, ob die Bildungspolitik tatsächlich in der Lage ist, eine maßgebliche Nivellierung der Einkommen herbeizuführen.

 

Einkommen sind Preise, die in einer Marktwirtschaft von Angebot und Nachfrage abhängen. Über bildungspolitische Maßnahmen wird allein die Angebotsseite der Produktionsfaktorenmärkte beeinflusst. Es ist keinesfalls selbstverständlich, dass sich die Nachfrage der Arbeitgeber diesen Angebotsänderungen kurzfristig und vollständig anpasst.

 

Auf der einen Seite hängt die hierarchische Staffelung der Arbeitsplätze und damit die Nachfrage nach Akademikern von Investitionsentscheidungen ab und kann deshalb allenfalls langfristig beeinflusst werden. Auf der anderen Seite engen die den Unternehmungen gestellten Produktionsaufgaben und die vorgegebenen Produktionstechniken den Handlungsspielraum für Variationen in der hierarchischen Staffelung der Arbeitsplätze weitgehend ein.

 

Eine industrialisierte Massengesellschaft wird immer Führungskräfte benötigen und die Anzahl dieser Führungspositionen wird stets im Vergleich zum Gesamtangebot an Arbeitskräften gering sein. Aufgrund dieser Beschränkungen auf der Nachfrageseite kommt der Nivellierungsprozess nicht voll zum Zuge.

 

Die bildungspolitischen Maßnahmen werden zwar dazu führen, dass insgesamt weniger Arbeitskräfte geringerer Qualität und mehr Arbeitskräfte höherer Qualität angeboten werden. Die technischen Beschränkungen auf der Nachfrageseite bewirken jedoch, dass das Angebot an höherer Arbeitsqualität nicht voll beschäftigt werden kann und dass deshalb diejenigen qualifizierten Arbeitskräfte, die in höheren Positionen nicht eingestellt werden können, notwendigerweise zu den Arbeitsplätzen mit geringeren Leistungsanforderungen zurückwandern werden. Man kann diesen Zusammenhang auch noch von einer anderen Seite aus beleuchten.

 

Unterstellen wir, dass die Entlohnung der Produktionsfaktoren wenn auch nicht dem Wertgrenzprodukt entspricht, so immerhin von diesem mitbestimmt wird. Die Höhe des Wertgrenzproduktes hängt nun einmal von der Arbeitsqualität, zum anderen aber auch von der Qualität des komplementären Kapitalgutes ab. Sofern wir limitationelle Produktionsprozesse annehmen können, führt die Erhöhung der Arbeitsqualität zu keiner entsprechenden Zunahme im Wertgrenzprodukt und damit auch nicht in der Entlohnung, sofern nicht gleichzeitig die Qualität des komplementären Kapitalfaktors erhöht wird. Somit ist die Ausbildung keine ausreichende Bedingung für eine Veränderung in der Einkommensverteilung.

 

Die Vorstellung, dass die bildungspolitische Aufgabe des Staates um so besser erfüllt wird, je mehr Jugendlichen ein Hochschulabschluss ermöglicht wird, ist eindeutig falsch. Es kommt vielmehr darauf an, dass Angebot und Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitskräften einander entsprechen. Es ist gleichermaßen unerwünscht, wenn mehr Arbeitnehmer einen Hochschulabschluss erfahren als von Seiten der Unternehmungen Facharbeitskräfte nachgefragt werden oder wenn die Nachfrage der Unternehmungen nach Arbeitnehmern mit einem Hochschulabschluss mangels ausreichendem Angebot nicht erfüllt werden kann.

 

Wenn das Angebot an hochqualifizierten Arbeitskräften zu gering ist, können nicht die optimalen Produktionen realisiert werden, es entsteht ein volkswirtschaftlicher Wohlfahrtsverlust. Wenn aber das Angebot an hochqualifizierten Facharbeitskräften die Nachfrage übersteigt, treten Wohlfahrtsverluste  bei allen Beteiligten auf.

 

Die Akademiker, welche keinen ihrer Ausbildung entsprechenden Arbeitsplatz finden, werden auf minderwertige Arbeitsplätze verwiesen, sie sind damit unzufrieden, da sie ihre beruflichen Kenntnisse nicht einsetzen können und sie sind auch mit dieser Lage unzufrieden, da dem niederwertigen Arbeitsplatz auch eine geringere Entlohnung entspricht als dann, wenn sie entsprechend ihrer Ausbildung eingestellt worden wären.

 

Dadurch, dass also Facharbeitskräfte nicht ausbildungsgerecht beschäftigt werden, verdrängen sie gleichzeitig die Arbeitskräfte, welche an und für sich für diese Positionen ausgebildet sind, nun aber ebenfalls minderwertige Aufgaben übernehmen müssen. Dieser Verdrängungswettbewerb setzt sich nach unten weiter, auf allen Stufen entsteht bei den Betroffenen Unzufriedenheit, da sie nicht ihrer Ausbildung entsprechend beschäftigt werden und sich gerade aus diesen Gründen mit einem geringeren Gehalt zufrieden geben müssen. Am härtesten trifft jedoch das Los die völlig ungelernten Arbeitskräfte, da für sie keine Verwendung mehr besteht und sie deshalb arbeitslos werden.

 

Auch für die betroffenen Unternehmungen entstehen im Zusammenhang mit diesem Verdrängungswettbewerb zusätzliche Kosten. Schließlich sind die Arbeitnehmer für ihre Arbeit nicht nur überqualifiziert, sondern gerade für die Aufgaben, welche sie nun zu erfüllen haben, nicht ausgebildet, ihre Produktionsleistung ist suboptimal. Gleichzeitig entstehen den Unternehmungen aber auch deshalb zusätzliche Verluste, da die Gewerkschaften in den Tarifverhandlungen zumeist durchgesetzt haben, dass die einzelnen Arbeitnehmer entsprechend ihrer Ausbildung entlohnt werden, auch dann, wenn sie gar nicht entsprechend dieser Ausbildung beschäftigt werden.

 

Schließlich trägt dieser Verdrängungswettbewerb auch dazu bei, dass die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt beeinträchtigt wird, da ja in diesem Falle die einzelnen betroffenen Arbeitnehmer nicht in den Verwendungen eingesetzt werden, für die sie ausgebildet wurden.

 

 

Zusammenfassung:

 

01. Im Gegensatz zum Kapital kann die Arbeitskraft nicht in dem Sinne umverteilt werden, dass dem Einen Wirtschaftssubjekt Produktionsfaktoren entzogen und diese Anderen überlassen werden. Die Arbeitskraft ist in einem freiheitlichen Staat ein höchstpersönliches Gut.

 

02. Die Arbeitsfähigkeit kann zeitweise oder für immer erlahmen, wobei die einzelnen Wirtschaftssubjekte in recht unterschiedlichem Maße von den sozialen Risiken befallen werden. Eine erfolgreiche Bekämpfung der Risiken hat nicht nur eine Verringerung des gesamtwirtschaftlichen Risikoausmaßes zur Folge, sie bedeutet auch in der Regel gleichzeitig eine Nivellierung der Risikostreuung.

 

03. Ungleichheiten ergeben sich weiterhin aus einer unterschiedlichen Begabungsstreuung und einer unterschiedlichen Ausschöpfung von Begabungsreserven.

 

04. Wenn man von eugenischen Maßnahmen absieht, lassen sich die Unterschiede in der Begabung im eigentlichen Sinne des Wortes politisch nicht beeinflussen, da die Begabungsunterschiede in erster Linie erbbedingt sind. Die verteilungspolitischen Maßnahmen beziehen sich somit vor allem auf den Versuch, eine gleichmäßigere Ausschöpfung von Begabungsreserven zu ermöglichen. Diese Ausschöpfung der Begabungsreserven erfolgt u. a. über eine intensivere Ausbildung der Arbeitskräfte.

 

05. Bis vor etwa 4 Jahrzehnten erreichte nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz der Bevölkerung die höheren Bildungsstätten. In der Vergangenheit war einem großen Teil der Bevölkerung der Zugang zu den höheren Bildungsstätten verwehrt. Eine institutionelle Beschränkung des freien Zugangs zu den Bildungseinrichtungen kann auf formell-gesetzlichem, aber auch auf informellem Wege erfolgen.

 

06. Das Ziel einer breiten Streuung der Bildungsgüter kann nicht nur an Beschränkungen auf der Angebotsseite scheitern, auch Nachfragefaktoren können diesem Ziel hinderlich sein. Die mit der Ausbildung verbundenen Kosten erscheinen vielen zu hoch, um die Bildungsgüter in vollem Maße in Anspruch zu nehmen. Ein zweiter Maßnahmenkomplex bezieht sich somit auf die Senkung des Effektivpreises, der bei der Inanspruchnahme der Bildungsgüter zu entrichten ist.

 

07. Auf der einen Seite sind mit der Ausbildung wie mit der Inanspruchnahme eines jeden Gutes bestimmte Kosten verbunden. (Ausbildungskosten im engeren Sinne), auf der anderen Seite kann der Bildungswillige während seiner Ausbildungszeit in der Regel keiner Erwerbstätigkeit nachgehen.

 

08. Die Ausbildung verursacht somit zweitens einen Einkommensausfall. Zwei Möglichkeiten eines solchen finanziellen Einkommensausgleiches werden praktiziert. Auf der einen Seite kann den Bildungswilligen ein Kredit gewährt werden, den diese nach Abschluss der Ausbildung und nach Aufnahme der neuen Berufstätigkeit zurückzuzahlen haben. Auf der anderen Seite werden verlorene Zuschüsse gefordert.

 

09. Eine gewisse Berechtigung für eine teilweise Gewährung von verlorenen Zuschüssen besteht in dem Umstand, dass Bildung z. T. den Charakter externer Erträge aufweist. Da die finanziellen Möglichkeiten des Staates stets begrenzt sind, entsteht die Frage, ob der Bezug dieser Einkünfte von individuellen Leistungsnachweisen und von der Bedürftigkeit abhängig gemacht werden soll.

 

10. Allerdings führen verlorene Zuschüsse langfristig zu einer inversen Einkommensumverteilung. Die Gruppe der Akademiker zählt bezogen auf das Lebenseinkommen zu den Empfängern höherer Einkommen. Die finanzielle Situation der Studenten ist nicht deshalb kritisch, weil ihr Lebenseinkommen im Durchschnitt zu gering ist, sondern deshalb, weil sie während der Dauer des Studiums über zu geringe finanzielle Ressourcen verfügen. Es bedarf also eher einer zeitlichen Einkommensumschichtung als einer echten personellen Einkommensumverteilung. Da Bildung Investition in Humankapital darstellt, kann nur der Gegenwartswert über das gesamte Lebenseinkommen darüber Auskunft geben, in welchem Maße sich die einzelnen Einkommen unterscheiden.

 

11. Der freie Markt ist nicht in der Lage, diese zeitliche Umschichtung in befriedigendem Maße ohne staatliche Hilfe durchzuführen. Es entsteht die Frage, in welcher Zeitspanne diese Kredite zurückgezahlt werden sollen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass in die ersten Jahre der Berufstätigkeit oftmals die Gründung einer Familie und die Einrichtung einer Wohnung fällt, sodass der Bedarf im Vergleich zu dem Einkommen in diesen Zeiten relativ hoch ist.

 

12. Es wird die Frage teils kontrovers diskutiert, ob nur diejenigen diese Kredite zurückzuzahlen haben, die in ihrem Studium erfolgreich waren und deshalb aufgrund eines überdurchschnittlich hohen Einkommens auch in der Lage sind, diesen Kredit zurückzuzahlen.

 

13. Allokationspolitisch geht es darum, Angebot und Nachfrage im Bildungsmarkt in Übereinstimmung zu bringen. Darüber hinaus muss die Struktur von Angebot und Nachfrage übereinstimmen. Zum andern ist ein Ausgleich zwischen der Beschäftigungsnachfrage der Akademiker und dem Angebot der Unternehmungen an akademischen Arbeitsplätzen notwendig.

 

14. Das Bildungsangebot kann nicht beliebig gestückelt werden. Der Wert der Ausbildung würde nahezu auf null sinken, wenn nicht für jeden, der die Bildungseinrichtungen in Anspruch nimmt, eine Mindestausbildung garantiert wird.

 

15. Gerade die Tatsache, dass die Bildungseinrichtungen in immer stärkerem Maße vom Staate finanziert und kontrolliert werden, hat Auswirkungen auf das Allokationsproblem. Bildungsgüter werden als Kollektivgüter und damit suboptimal angeboten. Je größer deshalb die Gruppe ist, um so weniger Individuen sind bereit, Kollektivlösungen mitzutragen; im Endeffekt werden somit weniger Kollektivgüter angeboten als es dem Interesse der Gesamtgruppe entspricht.

 

16. Ein ganz anderer Zusammenhang wird in der These angesprochen, die Nachfrage nach Kollektivgütern sei größer als es dem paretianischen Optimum entspreche. Bei der Inanspruchnahme des Kollektivgutes entstehen den Individuen de facto geringere Kosten als der Gemeinschaft, so dass das Individuum ein Interesse daran hat, mehr Kollektivgüter nachzufragen als es dem paretianischen Optimum entspricht.

 

17. Wir haben davon auszugehen, dass die Gefahr der Arbeitslosigkeit bei den Arbeitskräften, die eine langjährige Ausbildung erfahren haben, groß ist, weil der Marktmechanismus auf diesen Märkten schlechter funktioniert als auf anderen. Da das Angebot an diesen Arbeitskräften eine Ausbildung voraussetzt, wird auch bei beachtlichen Steigerungen der Entlohnungssätze das Angebot kurzfristig nicht ansteigen.

 

18. Wenden sich aufgrund dieses Lohnanstieges Arbeitskräfte vermehrt der Ausbildung dieser speziellen Berufe zu, so wird sich das Angebot zwar langfristig vergrößern, dieser Zuwachs tritt jedoch verspätet auf.

 

19. Eine größere Markttransparenz könnte die Gefahr der Arbeitslosigkeit vermindern, obwohl bei freier Berufswahl eine endgültige Lösung diese Problems nicht möglich erscheint.

 

20. Das Arbeitslosenrisiko ließe sich darüber hinaus durch eine größere Flexibilität der Ausbildung verringern. Diese Forderung nach größerer Flexibilität kann sich auf die größtmögliche Durchlässigkeit während des Ausbildungsganges beziehen.

 

21. Es wird bisweilen eine bedarfsorientierte Planung der Bildungspolitik gefordert, die das staatliche Bildungsangebot an der zu erwartenden Nachfrage ausrichten solle.

 

22. Diese Forderungen übersehen, dass hier vom Staat mehr verlangt wird, als er leisten kann. Gerade wegen der zeitlichen Länge des Studiums kann zumindest in einer Marktwirtschaft nicht festgestellt werden, wie sich der Bedarf nach den einzelnen Berufen langfristig verändern wird.

 

23. Alternativ hierzu wird vorgeschlagen, Bildungsgutscheine einzuführen, die den Studenten für eine begrenzte Studienzeit kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

 

24. Das Risiko der Arbeitslosigkeit ist bei den Akademikern allerdings wesentlich geringer als das der ungelernten Arbeitskräfte, da die heutige Produktionstechnik eine Mindestausbildung voraussetzt, über die viele ungelernten Arbeitnehmer nicht verfügen.

 

25. Eine erste Wirkung der Bildungspolitik auf die Einkommensverteilung kann darin gesehen werden, dass aufgrund einer gleichmäßigeren Verteilung der Arbeitsqualitäten der Forderung nach Chancengleichheit besser als bisher entsprochen wird. Es ist allerdings fraglich, ob die Bildungspolitik tatsächlich in der Lage ist, eine maßgebliche Nivellierung der Einkommen herbeizuführen. Durch Bildungspolitik wird allein die Angebotsseite der Produktionsfaktorenmärkte beeinflusst. Es ist keinesfalls selbstverständlich, dass sich die Nachfrage diesen Angebotsänderungen kurzfristig und vollständig anpasst.

 

26. Auf der einen Seite hängt die hierarchische Staffelung der Arbeitsplätze von Investitionsentscheidungen ab und kann deshalb allenfalls langfristig beeinflusst werden. Auf der anderen Seite engen die den Unternehmungen gestellten Produktionsaufgaben und die vorgegebenen Produktionstechniken den Handlungsspielraum für Variationen in der hierarchischen Staffelung der Arbeitsplätze weitgehend ein.

 

27. Eine industrialisierte Massengesellschaft wird immer Führungskräfte benötigen, und die Anzahl dieser Führungspositionen wird stets im Vergleich zum Gesamtangebot an Arbeitskräften gering sein. Werden mehr Akademiker ausgebildet als benötigt werden, besteht die Gefahr des Verdrängungswettbewerbes, sodass auch Nichtakademiker von dieser Ungleichgewichtssituation negativ betroffen werden.

 

 

Fragen zu Kapitel 12:

 

01. Inwiefern hängt die Arbeitsfähigkeit auch von den sozialen Risiken ab?

 

02. Was versteht man unter dem Bildungsmonopol?

 

03. Haben in der Vergangenheit nur institutionelle Faktoren zu einem Bildungsmonopol geführt?

 

04.  Was versteht man unter einem Numerus clausus?

 

05. Was versteht man unter Ausbildungskosten?

 

06. Auf welchem Wege lassen sich die individuellen Ausbildungskosten der Studierenden senken?

 

07. Wie lassen sich verlorene Zuschüsse teilweise rechtfertigen?

 

08. Warum sind aber aus distributiven Gründen verlorene Zuschüsse zum größten Teil unerwünscht?

 

09. Ist die finanzielle Notlage der Studenten ein Problem der interpersonellen Umverteilung?

 

10. Warum bedarf es trotzdem staatlicher Maßnahmen, um diese intertemporäre Umschichtung des Lebenseinkommens zu garantieren?

 

11. Welche zwei allokationspolitische Ziele sind im Rahmen der Bildungspolitik zu unterscheiden?

 

12. Was versteht man unter Verdrängungswettbewerb?

 

 

 

Antworten zu Kapitel 12:

 

01. Die Arbeitsfähigkeit kann durch Krankheit oder Unfall zeitweise beeinträchtigt werden.

 

02. Von Bildungsmonopol spricht man dann, wenn der Zugang zu den höheren Bildungsstätten nur einer kleinen Bevölkerungsschicht vorbehalten bleibt.

 

03. Ein Bildungsmonopol kann auch dadurch entstehen, dass bestimmten Bevölkerungsgruppen der Zugang zu den höheren Bildungsstätten auf informellem Wege verwehrt wird.

 

04. Von einem Numerus clausus spricht man dann, wenn der freie Zugang zu Bildungsstätten aufgrund einer Knappheit von Studienplätzen begrenzt wird.

 

05. Unter Ausbildungskosten versteht man einmal die direkten Kosten der Ausbildung, zum andern der durch Ausbildung entstandene Einkommensausfall.

 

06. Die individuellen Ausbildungskosten lassen sich entweder durch verlorene Zuschüsse oder durch zinsgünstige Kredite senken.

 

07. Verlorene Zuschüsse lassen sich teilweise damit rechtfertigen, dass die Ausbildung aufgrund externer Effekte indirekt auch denjenigen zugute kommt, die kein Studium aufgenommen haben.

 

08. Verlorene Zuschüsse führen zu einer unerwünschten inversen Umverteilung, da das Lebenseinkommen der Akademiker im Durchschnitt höher liegt als das der sonstigen Arbeitnehmer. 

 

09. Die finanzielle Notlage ist kein Problem der interpersonellen Umverteilung, sondern der intertemporären Umschichtung des Lebenseinkommens.

 

10.  Der Markt allein ist nicht in der Lage, die intertemporäre Umschichtung des Lebenseinkommens zu garantieren, da für Kredite an Studenten die von  den Banken verlangten Sicherheiten fehlen.

 

11. Allokationspolitisch geht es im Rahmen der Bildungspolitik einmal darum, für einen Ausgleich zwischen der Nachfrage und dem Angebot nach bzw. an Studienplätzen zu sorgen. Zum andern gilt es jedoch auch einen Ausgleich von Angebot und Nachfrage auf den nachgelagerten Arbeitsmärkten herbeizuführen.

 

 12. Zu einem Verdrängungswettbewerb kommt es immer dann, wenn nicht alle ausgebildeten Akademiker einen ihren Arbeitsqualifikationen entsprechenden Arbeitsplatz finden und deshalb die Bewerber der Arbeitsplätze mit geringeren Anforderungen verdrängen.