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Analyse des bestehenden Steuersystems

 

 

 

Gliederung:

 

1. Ziele und Mittel

2. Verbrauchs- und Umsatzsteuern

3. Einkommenssteuer

4. Vermögens- und Erbschaftssteuer

5. Kraftfahrzeug- und Mineralölsteuer

6. Sozialabgaben

7. Gewinnsteuern

8. Zölle und Subventionen

9. sonstige Steuern (Körperschaftsteuer, Grundsteuern, Gewerbesteuern)

 

 

 

Kapitel 8. Zölle und Subventionen Forts. 1

 

 

Gliederung:

 

1. Einführung

2. Zölle

    a. Einteilungskriterien

    b. Ziele der Zollpolitik

    c. Finanzzölle

    d. Schutzzölle

    e. Erziehungszölle

    f. verteilungspolitische Effekte

    g. Zollschutz und das Heckscher-Ohlin-Theorem

    h. das Zolloptimum

    i. gesamtwirtschaftliche Effekte

3. Subventionen

   a.  Funktionen und Dysfunktionen von Subventionen

   b. Der Einfluss von Subventionen auf die internationale Arbeitsteilung

   c. Einfluss auf Konsumenten- u. Produzentenrente

   d. Subvention und Wohlfahrtsänderung

   e. Reaktionen des Auslandes

4. Das Außensteuergesetz

    a. Zielsetzungen des AStG 

    b. Sind unterschiedliche Steuersätze in der EU unerwünscht?

    c. Abwehr gewisser Praktiken der MK zur Verminderung der Steuerbelastung

    d. Wohnsitzverlagerung in ein Gebiet mit niedriger Besteuerung

    e. Sicherung nicht liquidierter Wertzuwächse bei Auswanderung

    f. Ausweitung beschränkter Steuerpflicht bei Verlagerung von Kapitalanlagen ins Ausland

 

 

 

2e. Erziehungszölle

 

Als drittes folgt die Analyse der Forderung nach Erziehungszöllen im Sinne Friedrich List’s.

 

Die wohlfahrtssteigernde Wirkung eines Freihandels im Sinne von Smith gelte – laut List – nur für Industrien auf gleichem Entwicklungsniveau. Deshalb müsse eine noch nicht voll entwickelte Industriegesellschaft bis zur Ausreifung geschützt werden.

 

Friedrich List entwickelte folgende These: Es sei ein vorübergehender Schutz notwendig, da im Zusammenhang mit der Industrialisierung zunächst Entwicklungskosten entstehen, die bei den bereits voll entwickelten Volkswirtschaften wegfallen. Dadurch entstünden bei Freihandel Wettbewerbsnachteile für die einheimische Industrie.

 

Gegen den Schutzzollgedanken von Friedrich List richtet sich folgende Kritik: Es ist schwer, Zölle wiederum abzubauen; aufgrund der Marktzugangsbegrenzungen entfallen weiterhin Rationalisierungsanreize. Bei Unterstellung eines langfristigen Kalküls müssten die Unternehmer eigentlich auch bereit sein, vorübergehende Verluste zu tragen. Wenn aber auch langfristig keine Gewinnchance besteht, ist es auch volkswirtschaftlich nicht erwünscht, dass diese Güter im Inland produziert werden. Die Politiker sind aber nicht in der Lage, im Voraus festzustellen, ob Investitionen langfristig Vorteile bringen.

 

Nur bei Existenz externer Effekte wäre unter Umständen ein Schutz berechtigt, da in diesem Falle ein langfristiger volkswirtschaftlicher Gewinn vorliegen kann, gleichzeitig aber privatwirtschaftlich trotzdem auch langfristige Verluste entstehen können. Auch dann, wenn die erwarteten Erträge die Entwicklungskosten übersteigen, ist nicht klar, ob diese Erträge nur der Unternehmung zufließen, die diese Kosten aufgebracht hat.  Allerdings kann in diesen Fällen über eine Patentschutzgesetzgebung ein sehr effizienterer Schutz geschaffen werden. Während der Dauer des Patenschutzes hat nämlich ein Innovator (ein Unternehmer, welcher eine Erfindung einführt) einen effektiven Schutz vor Mitbewerber, welche neue Verfahren übernehmen (imitieren) wollen, ohne sich an den Entwicklungskosten zu beteiligen.

 

In der Realität werden allerdings gerade diejenigen Industrien durch eine Schutzzollpolitik gefördert, welche hohe, negative externe Effekte aufweisen.

 

 

2f. verteilungspolitische Effekte

 

Als viertes folgt die Analyse verteilungspolitisch begründeter Zölle: Ausgangspunkt bildet die Common-Sense-These, wonach eine Konkurrenz mit Niedriglohnländern zu einem Druck auf die Lohnhöhe im Inland führe. Kritisch wäre allerdings anzumerken, dass ein hoher Lohn (l) zumeist dazu führt, dass im Inland eine höhere Produktivität (pr) erzielt wird; für die Wettbewerbsfähigkeit kommt es jedoch nicht auf das Verhältnis der Stundenlöhne (l), sondern der Lohnstückkosten (l/p) an. Es gilt die Formel:

 

p = f(L/X)  = f( (l * A) / X)  = f(l /pr )

 

p: Güterpreis

L: Lohnsumme

X: Gütermenge

l: Lohnsatz

A: Arbeitsmenge

pr: Arbeitsproduktivität

 

Obige Gleichung zeigt, dass nur Lohnsatzsteigerungen, die größer sind als die Produktivitätssteigerung, die Güterpreise erhöhen und so die Wettbewerbsfähigkeit gefährden.

 

 

2g. Zollschutz und das Heckscher-Ohlin-Theorem

 

Als fünftes sei die Rechtfertigung eines Zollschutzes im Zusammenhang mit dem Heckscher-Ohlin-Theorem besprochen: Freihandel benachteiligt den jeweils knappen Faktor. Bei Autarkie erzielt der knappe Faktor einen hohen Faktorpreis, bei Freihandel werden die betreffenden Güter verstärkt importiert, deshalb sinken im Inland die Nachfrage nach dem knappen Faktor und damit auch der Faktorpreis. Freihandel benachteiligt also die Arbeitnehmer in den Ländern mit Arbeitsknappheit. Zur Vermeidung dieser Nachteile sei eine Zollpolitik erforderlich.

 

Kritisch wäre folgendes anzumerken: Aufgrund des Leontief-Paradoxons muss bestritten werden, dass z. B. in den USA vorwiegend arbeitsintensive Produkte eingeführt werden (wurden). Die Arbeit wird nämlich nicht durch Freihandel benachteiligt, wenn ein hoher human capital-Anteil besteht, wenn weiterhin eine hohe Nachfrage nach kapitalintensiven Produkten vorhanden ist oder wenn die Faktorintensitäten umschlagen. Auch wenn ein Nachteil nachzuweisen wäre, bleibt die Frage, ob es nicht bessere Wege zur Lösung dieses Problems gibt als eine Zollerhebung. Diese führt nämlich immer zu Wohlfahrtsverlusten.

 

Man könnte alternativ Freihandel zulassen und die hierbei entstehenden Minderungen des Einkommens durch entsprechende Kompensationszahlungen im Sinne des Kaldor-Hicks-Kriterums ausgleichen. Auch hier gilt nämlich, dass ein Vergeltungszoll des Auslandes die erwünschte Zollwirkung wiederum zunichte machen könnte.

 

 

2h. Das Zolloptimum

 

Als sechstes wollen wir uns mit der Rechtfertigung von Zöllen aufgrund des Theorems vom Zolloptimum beschäftigen: Das Handelsgleichgewicht liegt im Allgemeinen nicht auf der höchstmöglichen Handelsindifferenzkurve. Deshalb entsteht die Frage, ob die inländische Wohlfahrt nicht durch eine Zollerhebung verbessert werden könnte. Ausgangsthese bildet die Feststellung, dass jede Zollerhöhung zu einer Verbesserung der Terms of Trade führt  und damit zu einer partiellen Wohlfahrtssteigerung.

 

Wenn der Staat einen Importzoll erhebt, wird dem Ausland quasi nur der Teil des gesamten Angebotes an Exportgütern angeboten, der nach Zollabzug verbleibt. Dies bedeutet, dass die inländische Tauschkurve im Umfang der Zolleinnahmen nach links verschoben wird. Dadurch entsteht ein neuer Schnittpunkt der durch Zölle modifizierten Tauschkurve (TImod) des Inlandes mit der Tauschkurve des Auslandes (TAmod). Dieser Schnittpunkt liegt auf einer Handelsindifferenzkurve des Inlandes mit höherem Nutzen, da der Schnittpunkt höheren Terms of Trades (ToT) entspricht. 

 

Es lässt sich anhand folgender Graphik zeigen, dass eine Zollerhöhung solange eine Wohlfahrtssteigerung auslöst, bis die durch den Schnittpunkt gehende inländische Handelsindifferenzkurve die ausländische Tauschkurve tangiert. 

 

 

 

Ausgangspunkt bildet der Schnittpunkt der blauen Tauschkurve des Inlandes (TI) mit der grünen Tauschkurve des Auslandes (TA), bei welchem Gleichgewicht unter den Bedingungen des Freihandels besteht. Diesem Schnittpunkt entspricht die Handelsindifferenzkurve (HIFH).

 

Durch Erhebung eines Importzolles des Inlandes wird die inländische Tauschkurve nach links verschoben (TImod). Der neue Schnittpunkt der inländischen mit der ausländischen Tauschkurve liegt auf einer Handelsindifferenzkurve (HIz) mit eindeutig höherem Wohlfahrtsniveau des Inlandes.

 

Dort, wo eine inländische Handelsindifferenzkurve (HIopt) die ausländische Tauschkurve TA tangiert, liegt das höchstmögliche Wohlfahrtsniveau des Inlandes. Ein optimaler Zoll ist also dann gegeben, wenn die Zölle solange angehoben werden, bis die hierdurch nach links verschobene inländische Tauschkurve (TI) gerade diesen Tangentenpunkt (der inländischen Handelsindifferenzkurve mit der ausländischen Tauschkurve) schneidet.

 

Auch diese Analyse unterlag der Kritik: Es muss nämlich unterschieden werden zwischen den Terms of Trades aus der Sicht der Privaten und der Volkswirtschaft. Die Volkswirtschaft (Staat und Private) hat mit wachsenden Zöllen für eine Importgütereinheit immer weniger Exportgüter an das Ausland zu entrichten. Die Privaten hingegen haben bei wachsenden Zöllen für eine Importgütereinheit immer mehr Exportgüter zu zahlen. Eine endgültige Beurteilung ist weiterhin nur möglich, wenn man die Verwendung der Zolleinnahmen mit berücksichtigt. Denn von der Verwendung der Zolleinnahmen hängt es ja ab, welchen Gesamtgewinn an Wohlfahrt eine Volkswirtschaft bei Erhebung von Zöllen erzielt.

 

 

 

Die obenstehende Graphik vergleicht miteinander drei verschiedene Ausdrücke für die Terms of Trade. Der Schnittpunkt der grünen ausländischen mit der blauen inländischen Tauschkurve markiert die Terms of Trade (ToTFH), welche bei Freihandel erzielt worden wären. Der Schnittpunkt der modifizierten (dunkelblauen) inländischen Tauschkurve mit der ausländischen Tauschkurve gibt an, welche Terms of Trade (ToTz) für die gesamte Volkswirtschaft aufgrund der Zollerhebung erreicht wurde.

 

Ziehen wir von diesem Schnittpunkt ausgehend eine waagrechte Linie nach rechts, so zeigt der Schnittpunkt dieser roten Linie mit der inländischen modifizierten Tauschkurve an, welche Terms of Trade für die Privaten gelten. Diese Graphik zeigt deutlich, dass aufgrund der Zollerhebung zwar die gesamtwirtschaftlichen, nicht aber die privatwirtschaftlichen Terms of Trade verbessert wurden. Die Privaten müssen sogar eine Verschlechterung ihrer Wohlfahrt aufgrund der Zollerhebung hinnehmen.

 

Zweitens sollte erwähnt werden, dass die Wohlfahrt einer Volkswirtschaft nicht nur von den Terms of Trade, sondern auch vom Außenhandelsvolumen abhängt. Dieses wird jedoch durch eine Zollerhöhung vermindert. Mengen- und Preiseffekte wirken gegeneinander; es gibt eine bestimmte Zollhöhe, bei der ein Optimum erreicht wird; und dies entspricht dem Zoll, bei dem die inländische Tauschkurve die HI-Kurve tangiert.

 

Zur Beweisführung ist darauf hinzuweisen, dass eine Analogie zum Verhalten eines Monopolisten besteht, der vor der Frage steht, ob er durch eine weitere Preissteigerung seinen Gewinn vermehren kann. Eine Preissteigerung verursacht eine Zunahme des Stückgewinnes; der Gesamtgewinn steigt partiell im gleichen Ausmaß wie der Preis an. Gleichzeitig sinkt die Nachfragemenge und damit wiederum partiell der Gesamtgewinn. Welche partielle Tendenz überwiegt, hängt bekanntlich von der Nachfrageelastizität ab.

 

Nur dann, wenn diese Elastizität kleiner als eins ist, überwiegt der positive Preiseffekt. Ex definitione ist hier der prozentuale Rückgang der Menge geringer als der prozentuale Anstieg des Preises. Bei Unterstellung linearer Nachfragekurven, die die Achsen schneiden, steigt die Elastizität der Nachfragekurve vom Schnittpunkt mit der x-Achse aus gerechnet bei sukzessiver Verknappung der Gütermenge. Das Umsatzmaximum ist dort erzielt, wo die Elastizität der Nachfrage den Wert eins erreicht.

 

 

 

Diese Schlussfolgerungen lassen sich auch anhand der Marshallschen Tauschkurven beweisen. Eine sukzessive Zollerhöhung führt ceteris paribus zu einer Verlagerung der inländischen Tauschkurve nach links. Damit findet eine Bewegung entlang der ausländischen Tauschkurve statt und zwar in Richtung: Ursprung. Die Terms of Trade für das zollerhebende Land steigen an. Dies entspricht der Zunahme des Stückgewinnes; es ist dies der Preiseffekt. Gleichzeitig werden zunächst Handelsindifferenzkurven mit einem höheren Wohlfahrtsindex geschnitten. Dies ist gleichbedeutend damit, dass der positive Mengeneffekt zunächst überwiegt.

 

Es gibt jedoch eine kritische Zollhöhe, bei der die ausländische Tauschkurve eine Handelsindifferenzkurve tangiert. Bei dieser Zollhöhe ist das Optimum an Wohlfahrt erreicht. Bei weiteren Zollerhöhungen werden wiederum Handelsindifferenzkurven geschnitten, die eine geringere Wohlfahrt anzeigen.

 

 

 

Entscheidend ist jedoch eine dritte Kritik: Wenn das Ausland Retorsionszölle einführt, gehen auf der einen Seite die Gewinne im Zusammenhang mit den Terms of Trade zurück. Gleichzeitig vermindert sich das Außenhandelsvolumen erneut. Per Saldo verbleibt es beim negativen Mengeneffekt.

 

 

Obige Graphik zeigt eine Situation, bei der In- und Ausland Importzölle erheben und infolgedessen sowohl die inländische Tauschkurve nach links und die ausländische Tauschkurve nach rechts verschoben werden. Das Wohlfahrtsniveau nach Zollerhebung beider Länder liegt nun nicht nur eindeutig unterhalb dem Wohlfahrtsniveau bei einseitiger Zollerhebung des Inlandes, sondern auch unter dem Wohlfahrtsniveau, das bei Freihandel – also bei Verzicht auf eine Zollerhebung – eingetreten wäre.

 

 

2i. gesamtwirtschaftliche Effekte

 

Als siebtes sollen schließlich Zölle analysiert werden, welche gesamtwirtschaftliche Zielsetzungen verfolgen: Folgende Begründungen werden hierfür genannt: Eine Zollerhöhung sei notwendig, da eine Wechselkursvariation oftmals nicht möglich und eine Anpassung über eine Deflation nicht erwünscht sei. Als weitere Begründung für Zölle wird angeführt, dass auf diesem Wege eine selektive Wirkung erzielt werden könnte, indem man einzelne Güter von der Zollerhebung befreit, im Gegensatz zu Wechselkursänderungen, die stets alle Güter betreffen.

 

 

3. Subventionen

 

Das Ziel der Bundesregierung, die Subventionierung der Erzeugung alternativer Energiearten schrittweise abzubauen, begegnete bei der Opposition sowie bei den Umweltschützern heftiger Kritik. Es wird der Regierung vorgeworfen, sie betreibe die vor kurzem eingeleitete Energiewende nur halbherzig, anstatt darauf hinzuwirken, dass der Strom, welcher mit alternativen Energiequellen erzeugt wird, möglichst bald mit den bisherigen Energiequellen wettbewerbsfähig werde, verringere die Regierung die Anreize zu einem möglichst schnellen Umstieg auf alternative Energiequellen und versuche auf diese Weise, den Ausstieg aus der Atomenergie hinauszuzögern.

 

Es ist nun nicht meine Absicht, mit diesem Artikel Motivforschung zu betreiben, also auch nicht die Frage zu untersuchen, welche Gründe die derzeitige Regierung letztlich bewogen haben, ob sie unter Umständen gar nicht ernsthaft das Ziel verfolgt, aus der Gewinnung von Strom aus der Atomenergie auszusteigen. Es soll in diesem Artikel vielmehr allein um die generelle Frage gehen, wie denn der Versuch der Regierungen, die Produktion bestimmter Güter mit Hilfe von Subventionen zu fördern, zu beurteilen ist, inwieweit also eine Subventionierung von Unternehmungen tatsächlich zu dem erwünschten Erfolg führt und damit auch den Übergang zu einer kostengünstigen Massenproduktion erleichtert.

 

Die Problematik einer Subventionierung bestimmter Güter seitens des Staates habe ich bereits in meinem Artikel zur ‚Rechtfertigung von Subventionen‘ im Februar 2007 im Internet behandelt. Ich hatte in diesem Artikel aufgezeigt, dass die Wirtschaftswissenschaft ganz generell gegenüber einer Subventionierung von einzelnen Gütern äußerst skeptisch ist und lediglich in Ausnahmefällen eine Subventionierung als wohlfahrtssteigernd einstuft und es in jedem Fall für notwendig hält, Subventionierungen von vornherein lediglich als eine vorübergehende Starthilfe einzuführen. Ich werde in dem folgenden Abschnitt die wichtigsten Ergebnisse dieses Artikels zusammenfassen, sie gelten auch heute noch und sind auch auf die Frage nach der Berechtigung der Subventionierung von Strom aus alternativen Energien anzuwenden.

 

Allerdings soll im Mittelpunkt dieses Artikels ein anderer Aspekt im Vordergrund stehen. Während sich nämlich die in dem erwähnten Artikel dargelegten Argumente in erster Linie auf binnenwirtschaftliche Zusammenhänge beziehen, soll im Mittelpunkt dieses Artikels die außenwirtschaftliche Problematik von Subventionen behandelt werden. Ich werde zeigen, dass es sich bei den Subventionen im Grunde genommen um das gleiche Instrument handelt wie bei den Zöllen, nur dass eben eine Subvention eine Art negativer Zoll oder auch der Zoll eine Art negative Subvention darstellt.

 

In dem einen Fall – bei der Einführung von Importzöllen – versucht der Staat seine Einnahmen so zu gestalten, dass von der Erhebung dieser speziellen Steuern zusätzlich die Wirkung ausgeht, einheimische Unternehmungen vor der Konkurrenz aus dem Ausland zu schützen. In dem andern Fall – bei der Subventionierung einheimischer Produkte – soll ebenfalls die einheimische Industrie vor ausländischer Konkurrenz geschützt werden, in  dem der Staat durch die Subvention die effektiven Kosten der einheimischen Produktion reduziert. Während allerdings das erstgenannte Instrument dem Staat zusätzliche Einnahmen bringt, hat der Staat bei dem zweitgenannten Instrument Finanzmittel aufzubringen, um sein Ziel zu erreichen. In der Wirkung auf die einheimische Güterproduktion allerdings handelt es sich in beiden Fällen um den Versuch, über eine Veränderung der Preisrelationen die internationale Arbeitsteilung zu beeinflussen.

 

 

3a.  Funktionen und Dysfunktionen von Subventionen

 

Wie bereits angedeutet, möchte ich mich in diesem Abschnitt darauf beschränken, die wichtigsten Argumente pro und kontra Subventionen, welche ich in einem hier im Internet veröffentlichten Artikel Ende 2007 vorgetragen hatte, zusammenzufassen. Wir hatten hierbei zwischen Anpassungs-, Erhaltungs- und Gestaltungsinvestitionen unterschieden.

 

Von Anpassungsinvestitionen spricht man hierbei immer dann, wenn die Zielsetzung verfolgt wird, einer Gruppe von Menschen die Anpassung an eine nicht vorhersehbare und auch nicht von ihnen zu verantwortende Änderung und Gefährdung der wirtschaftlichen Existenz zu erleichtern.

 

Hier scheint es aus Gerechtigkeitsgründen geboten, den so Betroffenen zu helfen, sich an die neue Situation anzupassen. Diese Hilfe sollte einmalig sein und darf nur für Ausnahmesituationen gewährt werden. Am besten wäre es, wenn die Subventionsdauer maximal immer nur auf ein Jahr festgesetzt würde und dann in dringenden Ausnahmefällen nochmals um ein Jahr verlängert werden könnte. Wichtig ist hierbei, dass die Verlängerung nicht automatisch eintritt, sondern erst nach Überprüfung darüber, ob diese Verlängerung notwendig und vertretbar ist.

 

Auch sollten diese Subventionen nur in Ausnahmefällen als verlorene Zuschüsse, also als echte Subventionen gewährt werden. Zunächst ist daran zu denken, dass der Staat oder eine andere öffentliche Institution Bürgschaften leistet, damit der Betroffene kreditwürdig wird und sich von selbst der Situation anpassen kann. Auch ist an verbilligte Kredite zu denken, wobei in diesem Falle nur die Zinseinsparungen den Charakter einer Subvention erhalten. Überhaupt könnte man vorsehen, dass jeder Begünstigte dann, wenn sich seine Situation wieder normalisiert hat, die Subventionsbeträge nach Möglichkeit zurückzuzahlen hat.

 

Wenden wir uns nun den sogenannten Erhaltungssubventionen zu, die den Zweck verfolgen, Wirtschaftszweige gegen die Marktgesetze, die ein Schrumpfen eines Wirtschaftszweiges angezeigt erscheinen lassen, zu erhalten. Der Staat übernimmt hierbei durch die Subventionen einen Teil der Kosten und ermöglicht es auf diese Weise den Betrieben trotz volkswirtschaftlicher Verluste weiter zu existieren.

 

Begründet werden diese Erhaltungssubventionen einmal mit autarkiepolitischen Argumenten. So wird z. B. argumentiert, dass die nationale Existenz eines Staates gefährdet werden könnte, wenn das Land nicht über genügend Energie- und Nahrungsrohstoffe verfüge, um die Bevölkerung mit ausreichender Energie bzw. Nahrung zu versorgen, sodass der Staat in Notzeiten in existenzielle Abhängigkeit des Auslandes geraten könne.

 

Diese Abhängigkeit ergibt sich jedoch im Allgemeinen nur bei einer bestimmten Versorgungspolitik des Staates. So hatte z. B. die Bundesrepublik Deutschland vor Ausbruch der ersten Ölkrise in der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts einen großen Anteil seines Ölbedarfs aus einigen wenigen arabischen Staaten (vor allem Libyen) bezogen, sodass der Ölboykott der arabischen Staaten Anfang der 70er Jahre in der Tat die Bundesrepublik in eine Energiekrise stürzte.

 

Dieser Gefahr kann man jedoch vorbeugen (und man hatte in der Zwischenzeit vorübergehend auch diesen Weg gewählt), in dem man die Öleinfuhren diversifizierte, also Öl aus vielen Ländern bezieht (Europa, Russland, Südamerika), sodass der Ausfall von Öl aus einem einzigen Lieferantenland kaum mehr die einheimische Wirtschaft ernsthaft gefährden kann. Weiterhin hat man Öllager bei den Firmen erzwungen, mit Hilfe derer vorübergehende kurze Engpässe (von etwa 100 Tagen) überwunden werden können.

 

Erhaltungssubventionen werden auch mit sozialpolitischen, vorwiegend arbeitsmarktpolitischen Argumenten verteidigt. Mit der Erhaltung eines Wirtschaftszweiges will man den Erhalt von Arbeitsplätzen garantieren und damit eine drohende Massenarbeitslosigkeit vermeiden.

 

Dies ist jedoch ein sehr fragwürdiges Argument. Wenn ein Wirtschaftszweig auf lange Sicht gegenüber dem Weltmarkt konkurrenzunfähig geworden ist, so lässt sich dieser Wirtschaftszweig auch nicht auf lange Sicht gegen die Marktgesetze aufrechterhalten. Wollte man trotzdem diesen Wirtschaftszweig durch Gewährung von Subventionen künstlich am Leben erhalten, würde der Bedarf an Subventionen immer größer, der Staat geriete immer mehr in finanzielle Bedrängnis und würde sich schließlich gezwungen sehen, diese finanzielle Unterstützung abrupt einzustellen. Da der Staat vor allem in Zeiten des Konjunkturrückganges einen Rückgang seiner Einnahmen  zu erwarten hat, erfolgt dann die Subventionskürzung und der darauf folgende Zusammenbruch der bisher finanziell gestützten Unternehmungen genau in einem Zeitpunkt, in dem die in den schrumpfenden Industriezweigen entlassenen Arbeitskräfte Schwierigkeiten haben, in benachbarten Wirtschaftszweigen unterzukommen.   

 

Da die Entwicklung einer Volkswirtschaft immer damit verbunden sein wird, dass neue Wirtschaftszweige entstehen und alte wegen mangelnden Bedarfs oder aber auch wegen im Vergleich zum Ausland unterlegener Technologien verschwinden müssen, würde der Gesamtwohlfahrt eines Landes sehr viel besser entsprochen, wenn man den notwendigen Wandel und die Strukturverschiebungen zulassen und nicht hinausschieben würde.

 

Gleichzeitig würde der Staat auch langfristig überfordert, da irgendeinmal fast jeder Wirtschaftszweig in Bedrängnis geraten kann. Und da man bei einer solchen Subventionspolitik Hilfe vom Staat erwarten kann, werden die einzelnen Unternehmungen auch weniger eigene Anstrengungen unternehmen, gar nicht in eine Krise zu geraten oder von selbst aus der Krise herauszufinden.

 

Bei den Gestaltungsinvestitionen  schließlich will der Gesetzgeber bewusst die Marktgesetze durchbrechen und Änderungen gegen den Markt erzwingen, während bei den Erhaltungssubventionen die Verhinderung einer marktgerechten Änderung das Ziel ist. Zwei Zielgruppen stehen hier zur Diskussion: Entweder soll erstens die Produktion bestimmter Produkte (Tabak, Alkohol, Drogen, aber auch Luxusgüter etc.) verhindert werden oder zweitens soll die Produktion bestimmter Güter ermöglicht und finanziell gefördert werden, da der Gesetzgeber diese Produktion für erwünscht hält, der Markt jedoch – aus welchen Gründen auch immer – die Produktion dieser Güter verhindert. 

 

Im ersten Falle steht natürlich weniger die Zahlung von Subventionen, als die Erhebung von Steuern zur Diskussion, vor allem dann, wenn sich diese Maßnahmen unmittelbar an den Konsumenten der fraglichen Güter richten. Es ist aber wegen des gleichen Sachverhaltes zweckmäßig, auch solche Steuern in diesem Zusammenhang zu diskutieren, bei denen eine Veränderung des Produktions- und Konsumverhaltens angestrebt wird.

 

Subventionen haben hier als problematisch zu gelten, da die Unternehmungen in diesem Zusammenhang eine Kompensationszahlung dafür erhalten, dass sie die Produktion der zu ächtenden Güter drosseln und wegen dieser Produktionseinschränkung andernfalls Verluste erleiden würden.

 

Es geht hier darum, dass man bewusst die Konsumentensouveränität durchbrechen will. Der Gesetzgeber ist der Auffassung, dass der Konsument ohne staatlichen Eingriff gegen sein wohlverstandenes Eigeninteresse verstoßen würde, dass man ihn dazu zwingen müsse, den Konsum dieser Güter einzuschränken. Man spricht hierbei von einem meritorischen Verhalten des Staates, der Staat handle hier in wohlverstandenem Interesse für den einzelnen Bürger.

 

Eine solche Haltung widerspricht liberalen Grundsätzen, nach denen der einzelne Bürger selbst und frei über seine Einkommensverwendung entscheiden solle. Nach liberaler Überzeugung ist das einzelne Individuum im Allgemeinen besser in der Lage, zu bestimmen, bei welcher Einkommensverwendung seine eigene Wohlfahrt optimiert sei; das gilt auch dann, wenn man damit rechnen müsse, dass der einzelne in Einzelfällen durchaus Entscheidungen treffen könne, die sich im Nachhinein – auch aus der Sicht des Individuums selbst – als falsch herausstellen könnten. Insgesamt und aus längerer Sicht könne der Bürger trotzdem bei freien Entscheidungen sein Gesamtwohl besser realisieren. Aus Fehlern kann man bekanntlich lernen.

 

Nun kann man kaum bezweifeln, dass wir in der Realität weit von einer funktionsfähigen Konkurrenzwirtschaft entfernt sind, dass in vielen Bereichen Monopole und Konzerne die Wirtschaft vom Optimum wegführen. Auch die Existenz von externen Effekten kann kaum geleugnet werden. Dies gilt insbesondere im Zusammenhang mit ökologischen Umweltproblemen.

 

Diese Schwäche der Marktwirtschaft hängt damit zusammen, dass einerseits im Zusammenhang mit der Einführung von Innovationen immer wieder Monopole entstehen, zumindest solange, bis es Konkurrenten gelungen ist, diese Innovationen zu übernehmen oder verwandte Innovationen einzuführen; dass andererseits Umweltgüter teilweise freie Güter darstellen, und insofern vergeudet werden. Dieser Mangel liegt letztlich an der Eigentumsordnung, die es versäumt hat, die Eigentumsrechte der knappen Umweltgüter zu bestimmen.

 

Es ist jedoch falsch zu meinen, diese Mängel könnten am besten dadurch überwunden werden, dass der Staat mit Hilfe von Steuern und Subventionen in den Marktprozess eingreift und diesen korrigiert. Mehrere Gründe sprechen dafür, dass ein solcher Weg nicht zum Erfolg führt.

 

Erstens ist es zwar richtig, dass jede konkrete Marktwirtschaft Marktmängel aufweist und insofern das wirtschaftliche Optimum mehr oder weniger verfehlt. Es wäre jedoch falsch zu meinen, dass eine politische Wirtschaftsordnung, vor allem das wirtschaftspolitische Instrumentarium keine Mängel aufweist; ganz im Gegenteil sind die politischen Mängel bei dem Versuch, wirtschaftliche Probleme zu lösen, im Allgemeinen größer als die Mängel des Marktes. Dies hängt vorwiegend mit den unterschiedlichen Anreizsystemen in Politik und Wirtschaft zusammen.

 

Da der wirtschaftliche Erfolg innerhalb einer staatlichen Bürokratie nicht dem angerechnet wird, der ihn bewirkt, ist der Anreiz zu einer gezielten Effizienzsteigerung auch gering. Weiterhin gilt, dass der Bürokrat im Gegensatz zum privaten Unternehmer nicht für seine Fehler mit eigenem Vermögen haftet und deshalb auch Lösungen vorantreibt, die für die Allgemeinheit, aber nicht unbedingt für den einzelnen entscheidenden Politiker viel zu riskant sind.

 

Zweitens eignen sich fiskalische Instrumente wohl kaum zur Behebung von Allokationsmängeln. Dies hat die Diskussion um die Pigousteuer deutlich gezeigt. Arthur Cecil Pigou hatte bekanntlich vorgeschlagen, den Unternehmungen, die externe Kosten verursachen, die also Kosten verursachen, für die sie nicht aufkommen müssen, da es sich um freie Umweltgüter handelt, eine Umweltsteuer aufzuerlegen, die gerade der Höhe der Umweltkosten entspräche. Würde dieses Konzept funktionieren, so würden die Unternehmer wiederum zusammen mit den Umweltsteuern die vollen gesamtwirtschaftlichen Kosten tragen und der Markt würde dann automatisch dafür sorgen, dass gerade eine optimale Gütermenge angesteuert werde.

 

Das Problem liegt jedoch darin, dass gerade deshalb, weil es für Umweltgüter keinen freien Markt gibt, auch die Höhe der externen Kosten den staatlichen Organen nicht bekannt ist und dass deshalb auch die Umweltsteuer in der Regel nicht das exakte Ausmaß erreichen kann, das es zur Korrektur der Marktmängel haben sollte. Die Steuern können zu hoch oder zu niedrig angesetzt werden.

 

Zur Lösung der externen Kosten eignet sich viel besser die Simulation von Umweltmärkten. Der Staat kreiert Umweltverschmutzungsrechte, die auf einem freien Markt an die Unternehmungen verkauft werden, die Güterproduktionen planen, die zu einer Umweltverschmutzung führen. Auf diese Weise hören die Umweltgüter auf, freie Güter zu sein, sie erhalten einen Preis, der sich auf dem Markt nach den Knappheitsverhältnissen einstellen kann.

 

Auch der zweite Marktmangel: das Monopolproblem lässt sich sehr viel besser durch Monopolkontrolle und Öffnung der Weltmärkte lösen als dadurch, dass eine staatliche Bürokratie die Steuerung der Produktion auf dem Wege von Subventionen oder Steuern vornimmt.

 

Zu den an zweiter Stelle genannten Zielen der Gestaltungssubventionen zählt auch der Versuch, über finanzielle Anreize die Einführung neuer Technologien zu begünstigen und zu beschleunigen. So hat man vor allem in den 70er Jahren die Nutzung von Atomstrom subventioniert, so wird heutzutage die Entwicklung alternativer Energiequellen (insbesondere die Solarzellentechnologie) finanziell gefördert.

 

Atomenergie ist in Deutschland jahrzehntelang massiv subventioniert worden. Bund und Länder haben mit ihrer Förderpolitik dafür gesorgt, dass Strom aus Atom heute billig abgegeben werden kann. Laut Wissenschaftsrat sind seit 1974 rund 23 Milliarden Mark allein aus dem Forschungsministerium in die Atomkraft geflossen. Im gleichen Zeitraum wurden für die Erforschung der erneuerbaren Energien  sechs Milliarden Mark gewährt. 

 

Der angeblich so günstige Atomstrom hätte einen viel höheren Preis erlangt und wäre vermutlich nie konkurrenzfähig geworden, hätte er sich unter Marktbedingungen durchsetzen müssen. Für viele Kosten, welche die Atomkraft verursacht, müssen die Betreiber gar nicht aufkommen.

 

Die Ausgaben für die Entsorgung des Jahrtausende strahlenden Atommülls sind z. B. nur schwer zu errechnen. Zwar machen die Atomenergie-Unternehmungen für jede abgerechnete Kilowattstunde Strom mehr als drei Pfennige Rückstellungen für die Entsorgung. Aber es ist mehr als fraglich, ob dieses Geld ausreichen wird. Ebenso unsicher ist, ob das Geld überhaupt noch vorhanden sein wird, wenn es gebraucht wird. Denn die Elektrizitätsunternehmen sind nicht verpflichtet, ihre Entsorgungsrückstellungen – wie z. B. in der Schweiz üblich – in einem speziellen Fonds sicher anzulegen. Sie dürfen mit dem Geld spekulieren und tun dies auch, z. B. beim versuchten Einstieg in den Telekommunikationsmarkt. 

 

Müssten die Betreiber von Atomkraftwerken für die Folgen des größten anzunehmenden Unfalls (GAU) haften, würde Atomstrom unbezahlbar werden. Schätzungen der materiellen Schäden eines Kernschmelzunfalls im AKW Biblis ergaben die unvorstellbare Größenordnung von rund 10 Billionen Mark (10.000.000.000.000). Das ist etwa dreimal so viel wie das jährliche deutsche Bruttoinlandsprodukt. Die Enquetekommission des deutschen Bundestages „Schutz der Erdatmosphäre“ gibt auf Grund dieser Schätzungen für eine realistische Haftpflichtabsicherung einen Versicherungsaufschlag von rund 3,50 Mark/kWh an. Dadurch würden sich die Kosten des Atomstroms mehr als verzehnfachen. 

 

Es wäre sehr viel effizienter gewesen, wenn man auf die Subventionierung des Atomstromes verzichtet und sich politisch darauf beschränkt hätte, für eine bestmögliche Absicherung gegenüber den Sicherheitsrisiken zu sorgen. Die Wahrscheinlichkeit eines gravierenden Störfalls ist zwar extrem gering, wenn er aber eintritt, sind die materiellen und immateriellen Folgen verheerend. Aus heutiger Sicht kann man die Investition in den Atomstrom vermutlich für eine Fehlentscheidung halten.

 

Diese kritischen Überlegungen gelten jedoch im Prinzip für jeden Versuch, durch Subventionierungen die Einführung neuer Technologien finanziell zu fördern. Der Staat hat genau so wenig wie Privatunternehmungen Kenntnisse darüber, ob sich eine bestimmte Zukunftstechnologie so entwickeln wird, dass die Produktion in Zukunft einmal im volkswirtschaftlichen Sinne rentabel und wünschenswert werden wird.

 

Ganz generell sind Subventionierungen verteilungspolitisch unerwünscht. Subventionierungen greifen genauso wie alle anderen fiskalpolitischen Maßnahmen in die Allokation ein, in dem sie die Preisrelationen verfälschen. Dies bedeutet im Allgemeinen einen Wohlfahrtsverlust, der verteilungspolitisch zur Folge hat, dass auch weniger Ressourcen für soziale Zwecke zur Verfügung stehen.

 

Darüber hinaus kann eine an Gerechtigkeitskriterien orientierte Verteilungspolitik nur zentral effizient ihre Aufgabe erfüllen. Nur bei einer Umverteilung, die von einer zentralen Stelle ausgeht, kann sichergestellt werden, dass jeder einzelne, der nach sozialen Kriterien begünstigt werden soll, auch den Umfang an Leistungen erhält, den er nach Gerechtigkeitskriterien erhalten sollte.

 

Jeder Versuch, Umverteilung an den unterschiedlichsten Stellen wie Sozialversicherung, öffentlicher Verkehr, Bildungswesen usw. durchzuführen, verringert nicht nur die Gesamtwohlfahrt, sondern macht es von individuellen Entscheidungen der zu Begünstigten abhängig, in welchem Maße diese die Leistungen in Anspruch nehmen können und somit verteilungspolitisch begünstigt werden. Dezentrale Umverteilung ist also nicht nur aus allokationspolitischen Gründen falsch, sie ist gerade auch in verteilungspolitischer Sicht höchst ineffizient.

 

 

3b. Der Einfluss von Subventionen auf die internationale Arbeitsteilung

 

Zur Beantwortung der Frage nach dem Einfluss staatlicher Subventionen auf die internationalen Handelsströme wollen wir ein einfaches mikroökonomisches Zweigüterdiagramm unserer Analyse zugrunde legen. Wir untersuchen in unserem Modell zwei Länder: das Inland und das Ausland. Wir beschränken uns auf die Produktion eines einzelnen Gutes, das unter Umständen zum Teil ins Ausland exportiert oder aber auch vom Ausland importiert wird.

 

Wir benutzen für unsere Analyse also ein Zwei-Quadrantendiagramm. Im Nordost-Diagramm tragen wir auf der X-Achse die Menge dieses Gutes ab, welche von den inländischen Unternehmungen angeboten und von den inländischen Haushalten nachgefragt wird. Auf der Y-Achse tragen wir hingegen den im Inland gültigen Preis dieses Gutes, berechnet in einheimischer Währung ab. Wir gehen hierbei von einem normalen Verlauf der Angebots- und Nachfragenkurven aus, sodass in unserem Diagramm die Angebotskurve von links nach rechts ansteigt, die Nachfragekurve hingegen von links nach rechts abfällt. Nur der Einfachheit halber wird von einem linearen Verlauf beider Kurven ausgegangen.

 

In gleicher Weise tragen wir im Nordwest-Diagramm auf der Abszisse die Menge des Gutes ab, welche von den ausländischen Unternehmungen angeboten und von den ausländischen Haushalten nachgefragt wird, allerdings spiegelbildlich versetzt, also ausgehend vom Koordinatenursprung nach links. Der im Ausland gültige Preis wird wiederum auf der Ordinate nach oben abgetragen, wobei dann, wenn in beiden betrachteten Ländern unterschiedliche Währungen gelten, die Preise im Ausland über den Wechselkurs in einheimische Währung umgerechnet werden können, sodass jederzeit die im Ausland geltenden Preise mit denen im Inland verglichen werden können. Auch für das Ausland soll ein normaler Verlauf der Angebots- und Nachfragekurve unterstellt werden, wegen der spiegelbildlichen Anordnung bedeutet dies, dass die Angebotskurve nach rechts fällt und die Nachfragekurve nach rechts ansteigt.

 

Wir wollen unsere Analyse damit beginnen, dass wir für beide Länder die gleichen Startbedingungen unterstellen, wir gehen also von gleichen Produktionsverhältnissen und einem damit identischen Verlauf der Angebotskurven sowie von einer gleichen Bedarfsstruktur und damit auch einem identischen Verlauf der Nachfragekurven im In- und Ausland aus.

 

Über den Wechselkurs umgerechnet wird auch jeweils im In- und Ausland der gleiche Preis erzielt, gerade deshalb lohnt es sich weder für die inländischen Anbieter die Ware zu exportieren noch für die ausländischen Nachfrager die Ware zu importieren. Da bei einem Export (Import) auf jeden Fall zu den normalen identischen Produktionskosten noch zusätzlich Transportkosten entstehen, wären die Preise der vom jeweiligen Ausland bezogenen Waren fast immer höher als die Waren, welche im Inland produziert wurden. Somit sind im Ausgangszustand nicht nur die Preise im In- und Ausland identisch, es findet auch kein Außenhandel zwischen beiden Ländern in diesem Gut statt.

 

 

 

 

Wir wollen nun unterstellen, dass die inländische Regierung die Produktion dieses Gutes dadurch fördern möchte, dass sie die Produktion dieses Gutes subventioniere. Für jede im Inland produzierte Einheit dieses Gutes werde eine Subvention in Höhe von s Währungseinheiten gezahlt. Diese Subventionierung führt nun dazu, dass die Nettokosten der Produktion aus der Sicht der einzelnen Unternehmungen um den Betrag der Subvention pro Stück sinken.

 

Wir können diese Wirkung in unserem Diagramm insoweit darstellen, dass die inländische Angebotskurve um den Betrag der Subvention pro Stück parallel nach unten verschoben wird (siehe gestrichelte Angebotskurve). Die der gesamten Volkswirtschaft im Zusammenhang mit der Produktion dieses Gutes entstehenden Kosten bleiben zwar zunächst von der Subventionierung unberührt, da aber der Staat einen Teil der Kosten in Form einer Subvention übernimmt, entstehen dem Unternehmer nur noch Kosten in Höhe der Differenz zwischen den tatsächlichen Stückkosten abzüglich der Subvention pro Stück.

 

Diese Verringerung der inländischen Angebotskurve bewirkt nun, dass der neue Schnittpunkt beider inländischen Kurven (das Gleichgewicht bei Autarkie) bei einer größeren Angebotsmenge und einem geringeren Preis liegt. Wäre überhaupt kein Außenhandel gestattet, entspräche dieser neue Schnittpunkt auch dem neuen Gleichgewichtszustand. Die verkaufte Menge würde steigen, der erzielte Preis hingegen sinken.

 

Nun wollen wir aber unterstellen, dass internationale Beziehungen möglich sind. In diesem Falle gelingt es den inländischen Unternehmungen einen Teil der Produktion zu exportieren. Der im Inland realisierte Preis ist nun geringer als der Preis im Ausland, der ja zunächst konstant bleibt, da sich weder der Bedarf noch die angewandte Technik im Ausland annahmegemäß verändert hat. Es lohnt sich deshalb für die ausländischen Verbraucher, dieses Gut zu importieren.

 

Die inländischen Unternehmer können somit aus zweierlei Gründen ihren Absatz vergrößern: Auf der einen Seite steigt der Absatz gegenüber den inländischen Verbraucher, welche ja entsprechend dem Verlauf der inländischen Nachfragekurve bei niedrigeren Preisen auch eine größere Gütermenge nachfragen. Auf der anderen Seite können jedoch die inländischen Unternehmer auch Waren ins Ausland exportieren, da ja ihr Preis nun geringer ausfällt als der Preis der ausländischen Unternehmer. Dies ist aber wiederum gleichbedeutend damit, dass die ausländischen Unternehmer weniger absetzen können, da sie ja einen Teil ihrer Kunden an die Unternehmer des anderen Landes verlieren.

 

Aber gerade dieser Prozess der Verlagerung der Nachfrage trägt selbst dazu bei, dass sich die Preise im In- und Ausland wiederum einander annähern. Die inländischen Preise steigen nämlich, da wegen der positiven Neigung der inländischen Angebotskurve die Stückkosten und mit ihnen die Preise mit wachsender Produktion ansteigen. Gleichzeitig sinken jedoch die Preise im Ausland, da dort weniger produziert wird und deshalb die Stückkosten und mit ihnen wiederum die Preise zurückgehen.

 

Ein neues Gleichgewicht ist dann erreicht, wenn die Preise im In- und Ausland wiederum die gleiche Höhe erreicht haben. In diesem Falle lohnt es sich ja für die ausländischen Kunden nicht mehr, ihre Importnachfrage zu vergrößern. Das Exportangebot der inländischen Anbieter gegenüber dem Ausland entspricht im Gleichgewicht der Importnachfrage des Auslandes (siehe orangefarbene Linien).   

 

 

 

 

 

Wie wurde nun durch diese Veränderungen die allgemeine Wohlfahrt verändert? Fragen wir uns  zunächst einmal nach den Auswirkungen der – beide Länder umfassenden – Wohlfahrt. An den  realen Bedingungen (am Bedarf und an der angewandten Technik) hat sich weder im In- noch im Ausland etwas verändert. Deshalb war auch der optimale Zustand gerade dadurch erreicht, dass kein Außenhandel betrieben wurde. Die Tatsache, dass nun nach der Subventionierung der inländischen Produktion ein Teil in das Ausland exportiert wird, bedeutet, dass von der bisherigen optimalen Allokation abgewichen wird. In der Sprache der Viner’schen Integrationstheorie finden handelsablenkende, also wohlfahrtsmindernde Effekte statt, da die Produktion von den Stätten, in denen geringere Kosten anfallen, auf andere Produktionsstätten mit höheren Stückkosten verlagert wird und somit die knappen Ressourcen nicht effizient eingesetzt werden.

 

Man mag einwenden, dass doch annahmegemäß die Stückkosten in beiden Ländern identisch sind und sich die Frage stellen, ob es unter diesen Annahmen nicht gleichgültig sei, in welchem Land diese Güter produziert werden? Eine solche Betrachtung übersieht jedoch, dass sich die Kosten gerade aufgrund dieser Änderung der Allokation verändern. Als erstes gilt daraufhinzuweisen, dass der Export der Güter in aller Regel und im Durchschnitt höhere Transportkosten verursacht, als wenn diese Güter im Inland abgesetzt werden.

 

Von größerer Bedeutung ist jedoch der Umstand, dass entsprechend dem Verlauf der in- und ausländischen Angebotskurve die Höhe der Stückkosten von der Ausbringungsmenge abhängt. Dies bedeutet, dass gerade der Umstand, dass die inländische Produktion nun ausgeweitet wird, die inländischen gesamtwirtschaftlichen Stückkosten ansteigen lässt und dass darüber hinaus die Reduzierung der ausländischen Produktion zu einer Verringerung der ausländischen Stückkosten führt. Fragen wir also nach der Höhe der Stückkosten für die letzte Gütereinheit, welche nun statt von den ausländischen Unternehmern von den inländischen Unternehmern produziert wird, so steigen die realen Stückkosten auf jeden Fall, sie steigen, weil die inländischen Kosten ansteigen, die ausländischen Stückkosten hingegen sinken. Diese Verlagerung der Produktionsstätten führt somit zu einer ineffizienten Allokation.

 

Mit einem gegebenen Bestand an Ressourcen im In- und Ausland hätte also auf jeden Fall eine größere Produktionsmenge erstellt werden können. Es bleibt aber nicht bei diesem realen Wohlfahrtsverlust. Wir haben zu berücksichtigen, dass sich auch die binnenwirtschaftliche Allokation im In- und Ausland verschlechtert. Betrachten wir zunächst einmal die Verhältnisse im Inland. Da sich an den realen Bedingungen (Bedarf und Technik) nichts geändert hat, ist auch eine andere Aufteilung der inländischen Ressourcen auf die verschiedenen Produkte nicht erwünscht.

 

De facto reagieren jedoch die Haushalte auf die tatsächlich eingetretene Preissenkung bei dem zur Diskussion stehenden Gut mit einer Mehrnachfrage. Folglich müssen sie bei sonst unveränderten Verhältnissen die Nachfrage bei anderen Gütern notwendiger Weise einschränken. Diese Verlagerung der Nachfrage ist auf jeden Fall suboptimal, vorausgesetzt, dass die bisherige Allokation nicht bereits suboptimal war und zufälliger Weise nun gerade eine Allokation gewählt würde, die besser als die bisherige Allokation dem Wohlfahrtsoptimum entspricht.

 

Ähnliche Überlegungen gelten für das Ausland. Auch hier führen die Preissenkungen dazu, dass von dem fraglichen Gut mehr nachgefragt wird und deshalb die Nachfrage bei anderen Gütern eingeschränkt werden muss.

 

Wenn also die gesamte Wohlfahrt beider Länder zusammen aufgrund der Subventionierung der inländischen Regierung zurückgeht, könnte es immer noch sein, dass die Wohlfahrt des Inlandes aufgrund der Einführung der Subvention auf Kosten des Auslandes verbessert wird. Genauso wie die allgemeine Außenwirtschaftstheorie zu dem Ergebnis kam, dass eine einseitige Einführung eines Importzolles die Wohlfahrt des zolleinführenden Landes vergrößert, obwohl die Gesamtwohlfahrt aller Länder zurückgeht, könnte ja eine Subventionierung ebenfalls zur Folge haben, dass das die Subvention gewährende Land von dieser Maßnahme profitiert.

 

Die inländische Wohlfahrtssteigerung bei einer Einführung eines Importzolles liegt darin begründet, dass die Terms of Trade (die Austauschverhältnisse zwischen Import- und Exportgütern) für das Inland verbessert werden. Da der Staat einen Teil des Preises für importierte Güter einbehält, die ausländischen Unternehmer also einen geringeren Erlös erzielen, erhält das Inland für jede exportierte Gütereinheit mehr Importgütereinheiten.

 

Subventionen werden hingegen – so wollen wir unterstellen – unabhängig davon gezahlt, ob eine inländische Firma ihre Produkte ins Ausland oder ins Inland liefert. Der Preis der subventionierten Produkte sinkt zwar absolut, trotzdem erhalten die subventionierten Unternehmer für ihre Ware netto einen höheren Ertrag, da ein Teil der Kosten vom Staat getragen wird. Allerdings erhöhen die Unternehmer ihren Gewinn vor allem deshalb, weil sie einen höheren Absatz haben, während die Gewinne der inländischen Unternehmer bei einem Importzoll vor allem aufgrund der verbesserten Terms of Trade steigen.

 

 

 

Fortsetzung folgt!