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Sind wir auf dem Weg zu einer Share Economy? Forts.

 

 

 

Gliederung:

 

1. Einführung

2. Lehrgeschichtliche Konzepte

3. Das Beispiel des Car Sharing

4. Share Economy im Bereich des Computers

 

 

 

 

3. Das Beispiel des Car Sharing

 

Nachdem wir im vorhergehenden Abschnitt gezeigt haben, welche Konzepte mit dem Begriff ‚teilen‘ im Verlaufe der wirtschaftswissenschaftlichen Lehrgeschichte verbunden wurden und dass hier ‚teilen‘ immer im Sinne eines einseitigen Transfers verstanden wurde, also unter diesem Begriff ein ‚Teilen‘ des Reichtums angesprochen wurde, wollen wir nun im weiteren Verlauf dieses Artikels auf den heute verwendeten Begriff der Share Economy etwas ausführlicher eingehen.

 

Wir wollen dies anhand zweier Beispiele aus dem Bereich der Verkehrswirtschaft und des Computers aufzeigen. Hierbei soll als erstes dargelegt werden, wie dieser Begriff heute verwandt wird, als zweites wollen wir die Frage untersuchen, inwieweit denn diese Beispiele darauf verweisen, dass gegenüber der Vergangenheit wesentliche Änderungen eingetreten sind und abschließend drittens wollen wir untersuchen, wie denn diese neuere Entwicklung zu bewerten ist, einmal aus der Sicht der Einzelnen, welche in einer solchen Share Economy agieren, zum andern aber auch aus der Sicht der gesamten Volkswirtschaft.

 

Beginnen wir mit dem Verkehrssektor, dem ‚Car Sharing‘. Wer von Car Sharing spricht, meint damit eine Vorgehensweise, bei der sich mehrere Individuen in ein Kraftfahrzeug teilen. Im Gegensatz zur Vergangenheit, in welcher die einzelnen Bürger zumeist in Besitz eines oder auch mehrerer Autos waren, ist beim Car Sharing nachwievor eine Unternehmung Besitzerin dieses Kraftfahrzeuges, sie stellt das Auto einzelnen Personen leihweise zur Verfügung, in dem an verschiedenen öffentlichen Plätzen Kraftfahrzeuge dieser Firma geparkt werden und diejenigen, welche zuvor ein Anrecht auf Mitbenutzung solcher Kraftfahrzeuge erworben haben, jederzeit das Recht haben, solche Kraftfahrzeuge zeitweise zu benutzen.

 

Ein ‚Teilen‘ findet hier in dem Sinne statt, dass ein- und dasselbe Fahrzeug von mehreren Personen benutzt werden kann. Benötigt ein Teilnehmer dieser Share Economy ein Fahrzeug, so geht er zu einem dieser Plätze, an denen solche Share Cares geparkt werden, fährt mit diesem Wagen dann an sein Fahrziel und stellt diesen Wagen an dem – dem Zielort am nächsten gelegenen – Parkplatz für diese Fahrzeuge ab.

 

Als erstes gilt es festzustellen, dass diese hier zum Zuge kommende Art des Teilens nichts mit dem im vorhergehenden Abschnitt erwähnten Begriff des Teilens gemeinsam hat. Es findet hier kein einseitiger Transfer statt, wer solche Share Cars benutzt, zahlt für diese Leistung an eine Unternehmung, welche Mietwägen anbietet, einen entsprechenden Preis.

 

Was hat sich denn nun im Bereich des Verkehrssektors gegenüber früheren Zeiten, in denen es solche Share Cars noch nicht gab, Wesentliches geändert? Natürlich kann festgehalten werden, dass ein Großteil der Bürger in viel größerem Maße als bisher im Verkehr darauf verzichtet, sich mittels eines eigenen Autos fortzubewegen, da eben solche Share Cars benutzt werden, wenn Individuen sich an andere Orte begeben wollen. Aber bereits die Frage, ob deshalb tatsächlich die privaten Haushalte in ihrer Gesamtheit über weniger Kraftfahrzeuge verfügen werden, bleibt fraglich. Auch dann, wenn man sich im täglichen beruflichen Verkehr der Share Cars bedient, werden sehr viele Bürger trotzdem nicht auf den Besitz eines eigenen Autos verzichten, da – wie wir noch sehen werden – mit der Benutzung dieser Einrichtung beachtliche Unannehmlichkeiten verbunden sind, sodass man bisweilen eben trotzdem auf ein eigenes Auto zurückgreifen möchte und vor allem, da ja der Besitz eines eigenen Autos als Statussymbol hoch geschätzt wird, auf das wenige Bürger – sofern sie es sich nur leisten können – verzichten werden.

 

Auch die Frage, ob bei einer Ausweitung dieser Einrichtungen die Anzahl der produzierten Kraftfahrzeuge zurückgehen wird, ist mehr als unklar. Nehmen wir an, dass aufgrund des Übergangs zu einer solchen Share Economy im Verkehrssektor die Kosten pro Wegstrecke (pro gefahrenem Km) gesenkt werden könnten, so muss doch berücksichtigt werden, dass gerade die Verbilligung der Verkehrsleistungen die Konsumenten veranlassen könnte, mehr von diesen Leistungen in Anspruch zu nehmen, vermutlich werden auch solche Bürger bisweilen von diesen Möglichkeiten Gebrauch machen, welche sich in der Vergangenheit kein eigenes Auto leisten konnten.

 

Auch können wir ja nicht davon ausgehen, dass in der jüngsten Vergangenheit die Fortbewegung im Verkehr nur mittels eines eigenen Autos stattfand, welche nun durch eine Beteiligung an der Share Economy abgelöst wird. Auch heute schon teilen sich sehr viele Bürger in der Benutzung von Kraftfahrzeugen, so vor allem dadurch, dass man sich nicht mit dem eigenen Auto fortbewegt, sondern den öffentlichen Nah-und Fernverkehr benutzt und mit einer Straßenbahn, einem Omnibus, bei größeren Strecken mit der Eisenbahn, mit Schiffen oder Flugzeugen zum jeweiligen Zielort fährt.

 

Auch hier werden Fahrzeuge benutzt, die sich nicht im Besitz der Benutzer, sondern privater oder auch öffentlicher Unternehmungen befinden. Wer es sich leisten kann, wird auch für geringere Strecken ein Taxi bestellen, vor allem deshalb, weil zwar der zurückgelegte km hier wesentlich teurer ist als bei Benutzung der öffentlichen Verkehrsbetriebe, erst reicht bei Benutzung eines eigenen Autos, aber weil diese Art des Verkehrs doch geeignet ist, ein Großteil der Unannehmlichkeiten bei Teilnahme am öffentlichen Verkehr zu vermeiden. Der Einsatz eines Taxis bringt auch gegenüber der Benutzung eines eigenen Kraftfahrzeuges unter Umständen Vorteile, da man als Taxibenutzer nicht selbst dem Stress des Verkehrs ausgesetzt ist.

 

Wir wollen also festhalten, dass auch bereits in der Vergangenheit in großem Maße Entfernungen mit Hilfe von Fahrzeugen zurückgelegt wurden, die sich nicht im Besitz der Bürger befanden, welche diese Fahrzeuge benutzen. Und diese Entwicklung begann bereits im Jahre 1835, als die erste Eisenbahnstrecke zwischen Nürnberg und Fürth eröffnet wurde.

 

Der wichtigste Unterschied zwischen der Mitbenutzung von Fahrzeugen im öffentlichen Nah- und Fernverkehr zum heutigen Car Sharing liegt darin, dass die öffentlichen Verkehrsmittel einer Vielzahl von Reisenden ermöglicht, zur gleichen Zeit das gemeinsame Verkehrsziel zu erreichen, während beim Car Sharing im Prinzip zur gleichen Zeit nur eine Person (bzw. eine kleine Personengruppe) das Fahrzeug benutzt.

 

Eine andere, auch heute schon mögliche Alternative zu dem persönlichen Besitz eines Kraftfahrzeuges liegt in der Möglichkeit, ein Kraftfahrzeug zu leasen (mieten). Das Eigentum des geleasten Fahrzeuges bleibt dann bei der Leasing-Firma, der Unterschied zu dem Share Car System liegt dann darin, dass die Benutzung dieses Fahrzeuges ausschließlich bei der Person liegt, welche diesen Wagen gemietet hat. Wagen werden vor allem dann geleast, wenn der Benutzer möglichst schnell in den Genuss der jeweils neuesten Technologie kommen will. Bei den geleasten Fahrzeugen werden zumeist jeweils die neuesten Modelle angeboten, auch dann, wenn der Leasing-Vertrag bereits einige Jahre zurückliegt, wird dann in aller Regel das bisher benutzt Modell gegen ein neueres Modell ausgetauscht. Erwirbt hingegen ein Bürger das Eigentum an seinem Fahrzeug, lohnt sich für ihn der Erwerb eines Neuwagens erst dann, wenn ein Großteil der Anschaffungskosten bereits abgeschrieben ist.

 

Der Einsatz gemeinsam genutzter Fahrzeuge liegt bereits in den Anfängen der Industrialisierung und in dieser Zeit war sogar der Anteil derjenigen Bürger, welche sich ein individuelles Auto leisten konnten, gering, sodass in diesen Zeiten der Anteil der gemeinsam genutzten Fahrzeuge damals im Gegensatz zu heute sehr viel größer war. Es war die enorme Steigerung der wirtschaftlichen Wohlfahrt, welche in der jüngsten Vergangenheit auch Bürgern, welche nicht zu der kleinen Gruppe der Superreichen zählte, die Möglichkeit eröffnete, sich ein eigenes Auto zu leisten.

 

Wenn wir uns die Frage stellen, worin denn eigentlich das Wesentliche dieser frühen Art des Teilens wirtschaftlicher Güter lag, so müssen wir erkennen, dass das hier zugrunde liegende Prinzip zusammenhängt mit dem Beschreiten von produktivitätssteigernden Produktionsumwegen. Das klassische Beispiel eines Produktionsumweges ist das Beispiel eines Fischers, welcher zunächst mit bloßen Händen die Fische fängt und eines Tages einen Produktionsumweg beschreitet, indem er zunächst ein Netz herstellt, um dann mit Hilfe dieses Netzes eine viel größere Anzahl von Fischen zu fangen. Obwohl  er in der Zeit, während der er das Netz herstellt, weniger Fische fängt, lohnt sich dieser Produktionsumweg im Allgemeinen, da nun pro Arbeitsstunde wesentlich mehr Fische gefangen werden können.

 

Dieses Prinzip der Produktionsumwege wird nun bereits seit Beginn der Industrialisierung in fast allen Wirtschaftszweigen in großem Stil angewandt. Der Produktionsprozess findet in mehreren Stufen statt. Zunächst werden auf der ersten Produktionsstufe Rohstoffe gefördert. Bevor diese verarbeitet werden können, werden auf einer zweiten Stufe Maschinen erstellt, mit deren Hilfe die Rohstoffe und dann die Halbfabrikate zu Endprodukten wesentlich kostengünstiger als bisher hergestellt werden können. Auf der letzten Stufe wird dann unter Umständen die Benutzung der Fahrzeuge den einzelnen Konsumenten zur Verfügung gestellt.

 

Im Grunde wird hier auf allen Stufen das gleiche Prinzip angewandt. Genauso, wie auf der letzten Produktionsstufe z. B. beim Share Car System die Nutzung eines Fahrzeuges einer Vielzahl von Konsumenten zur Verfügung gestellt wird, sich also mehrere Personen in die Nutzung eines Kraftfahrzeuges teilen, genauso werden auf den früheren Produktionsstufen die Maschinen dazu benutzt, um Güter zu produzieren, welche von verschiedenen Konsumenten nachgefragt werden. In beiden Fällen wird zunächst ein dauerhaftes Gut (ein Kraftfahrzeug oder eine Maschine) produziert, um mit Hilfe dieses Gerätes den Konsumenten bestimmte Güter bzw. Nutzungen zur Verfügung zu stellen. Bei der Maschine handelt es sich um ein mit dieser Anlage produziertes sachliches und dauerhaftes Gut, beim Car Sharing richtet sich die Nachfrage der Kunden nach bestimmten Nutzungen eines Kraftfahrzeuges.

 

Wie ist nun diese Entwicklung zum Share Car System zu beurteilen? Da hier – wie bereits festgestellt – kein Teilen im Sinne eines einseitigen Transfers stattfindet, die Nutzung des Wagens muss ja bezahlt werden, es gilt nach wie vor das ‚do ut des‘ Prinzip (Leistung gegen gleichwertige Gegenleistung), entfällt auch die moralische Qualität, welche im Allgemeinen mit dem Begriff des Teilens verbunden wird. Das System des Share Car erwächst aus eigennützigen und eben nicht altruistischen Motiven.

 

Es sind somit reine Überlegungen der Zweckmäßigkeit, ob der Übergang zu einem Share Car System als positiv eingestuft werden kann. Der einzelne Konsument, der sich an diesem System beteiligt und nicht bzw. in geringerem Maße als bisher sein eigenen PKW benutzt, tut dies allein deshalb, weil er sich hiervon materielle Vorteile verspricht. Der Übergang zum Share Car bringt für den einzelnen Benutzer Vor- und Nachteile, man wählt jedoch diesen Weg, weil man sich erhofft, dass die Vorteile überwiegen.

 

Als Vorteil gilt vor allem, dass unter Umständen der Preis, den der einzelne für einen Kilometer zu zahlen hat, beim Car Sharing geringer ausfällt als wenn man seinen eigenen Wagen benutzt. Kostenvorteile erhofft man sich vor allem daraus, dass der eigene Wagen ja nur wenige Stunden selbst benutzt werden kann, die übrige Zeit also nicht Nutzen bringend eingesetzt werden kann, während beim Car Sharing theoretisch die Möglichkeit besteht, dass eben ein Wagen den ganzen Tag über von verschiedenen Personen benutzt werden kann.

 

Diese Annahme ist jedoch keinesfalls selbstverständlich. Die Kosten, welche mit dem Betrieb eines Fahrzeuges entstehen, liegen zum Teil darin, dass eine Karosserie mit der Zeit abgenutzt wird. Dies ist jedoch in erster Linie dann gegeben, wenn das Fahrzeug gefahren wird. Durch Wind und Wetter und dem Streusalz auf den Straßen im Winter werden die Karosserien stark abgenutzt, während die Karosserie eines Wagens, der in einer trockenen Garage geparkt wird, nur in geringerem Maße an Wert verliert. Ähnliches gilt auch für den Motor und die elektrischen Anlagen des Wagens. Die Motoren sind so konstruiert, dass sie vor allem durch das Befahren verschleißen. Also entstehen im Zusammenhang mit der Benutzung von Kraftfahrzeugen zu einem großen Teil Kosten dann, wenn der Wagen benutzt wird, der Wertverlust, der dadurch entsteht, dass ein Wagen den größten Teil der Zeit in einer geschlossenen Garage geparkt wird, ist relativ gering und besteht oftmals vor allem darin, dass Kraftfahrzeuge relativ schnell veralten, weil neuere, bessere PKW’s angeboten werden.

 

Es kommt nun noch hinzu, dass auf der einen Seite ein Großteil der Konsumenten, welche sich am Car Sharing beteiligen, trotzdem nicht auf einen eigenen Kraftwagen verzichtet. In diesem Falle wird ja dieser Wagen dann in viel geringerem Maße eingesetzt, als dann, wenn sich ein Bürger nicht an diesem System beteiligt. Auf der anderen Seite lässt sich ein Car Sharing gar nicht so organisieren, das nun jeder Wagen der Car Share Unternehmungen den ganzen Tag über benutzt werden kann. Auch hier muss damit gerechnet werden, dass immer nur ein Teil der zur Verfügung stehenden Wägen zum Einsatz kommt, sodass auch für diese Wägen damit gerechnet werden muss, dass sie eine beachtliche Zeit ungenutzt bleiben. Wenn nun diese Wägen im Freien geparkt werden, sind sie sogar noch in stärkerem Maße den Witterungsbedingungen ausgesetzt als der Teil der Fahrzeuge im Eigentum der Benutzer, welche in einer geschlossenen Garage gehalten werden.

 

Trotzdem wollen wir einmal davon ausgehen, dass insgesamt die Nutzungskosten beim Car Sharing geringer ausfallen als in dem Falle, in dem vorwiegend eigene Fahrzeuge benutzt werden. Diesen Vorteilen stehen jedoch nun auch beachtliche Nachteile gegenüber. Wir können ja nicht erwarten, dass dieses System jemals so ausgebaut werden kann, dass vor jeder Haustür genauso ein Car Share Wagen steht wie sich normalerweise das eigene Auto in einer Garage im oder in der Nähe des Wohngebäudes befindet. Also wird man eine gewisse Strecke vom Ausgangsstandort zum Parkplatz eines Car Share Autos zu Fuß zurücklegen müssen und man wird weiterhin den Wagen wiederum in einer gewissen Entfernung von dem eigentlichen Zielort abstellen müssen. Diese Unannehmlichkeiten mögen zwar gering sein, wenn man ohne jegliches Gepäck seine Fahrt antreten kann. Wer aber z. B. mit mehreren Aktenkoffern zu seiner Arbeit gehen muss oder eine längere Reise plant, welche größeres Gepäck erfordert, sind die Unannehmlichkeiten beachtlich groß.

 

Wer eine Mitfahrgelegenheit sucht, wird vielleicht sogar zuhause abgeholt und an den Zielort gefahren, Unannehmlichkeiten entstehen hier dennoch, da in zeitlicher Hinsicht Absprachen getroffen werden müssen, da auf der einen Seite bestimmte Termine vorschreiben, wann man am Zielort sein muss, aber auf der anderen Seite zumeist nicht damit gerechnet werden kann, dass die Termine der einzelnen beteiligten Personen deckungsgleich sind.

 

Nicht jede Fahrt im Car Sharing wird also per saldo einen Vorteil bringen. Man kann aber davon ausgehen, dass in dem Maße, in dem ein solches System tatsächlich eingerichtet wird, auch per saldo Vorteile erreicht werden. Auf der einen Seite werden die einzelnen Konsumenten dieses System nur benutzen, wenn es ihnen per saldo Vorteile bringt, auf der anderen Seite werden sich nur Unternehmer finden lassen, welche solche Gelegenheiten anbieten, wenn die Produktivitätssteigerung so groß ist, dass die Nutzungen den Konsumenten nicht nur zu einem geringeren Preis als bisher üblich angeboten werden können, sondern, wenn auf diese Weise zusätzliche Unternehmungsgewinne erzielt werden können.

 

Unsere bisherigen Überlegungen beschränkten sich auf die Frage, ob ein Car Sharing den einzelnen Konsumenten per saldo Nutzen bringt. Fragen wir uns zum Abschluss, inwieweit der Übergang zu einem solchen System aus gesamtwirtschaftlicher, vor allem auch umweltpolitischer Sicht erwünscht ist. Die Teilnahme am Verkehr bringt ja umweltpolitisch in erster Linie deshalb eine Belastung, da zumindest im Augenblick noch der überaus größte Teil des Straßenverkehrs mit Kraftstoffen erfolgt, bei deren Verbrennung Umweltgifte (vor allem in Form von Kohlendioxid) erzeugt werden. Da wie gezeigt, sich dieses System nur durchsetzen wird, wenn beachtliche Kostensenkungen zu erwarten sind und da eine Verringerung des Nutzungspreises eine Zunahme der Nachfrage zur Folge hat, wirkt sich der Übergang vermutlich umweltschädlich aus, im Gegensatz z. B. dann, wenn ein Großteil der Verbraucher vom eigenen Wagen auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigt. Hier kann erwartet werden, dass der Ausstoß von Umweltgiften pro gefahrenem KM und Person bei Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel zurückgeht.

 

Man könnte sich weiterhin vielleicht erhoffen, dass beim Übergang zu einem Car Sharing System insgesamt weniger Kraftfahrzeuge produziert werden müssen, da ja nun ein und derselbe Wagen von mehreren Personen benutzt wird und dass auf diese Weise weniger wertvolle Rohstoffe benötigt werden, die dann in stärkerem Maße auch den zukünftigen Generationen zur Verfügung stehen. Eine solche Argumentation wäre jedoch fragwürdig. Erstens handelt es sich hierbei um Rohstoffe, die bei der Produktion nur gebraucht und nicht verbraucht werden, somit zu einem beachtlichen Teil recycelt werden können und für die auch durchaus Substitute durch neue chemische Verbindungen gewonnen werden können. Wichtiger ist jedoch der Einwand, dass ein Großteil der Teilnehmer an einem Car Sharing System gar nicht auf den Besitz eines eigenen Autos verzichtet und dass darüber hinaus ja auch notwendiger Weise ein Teil der von der Sharing Unternehmung betriebenen Kraftfahrzeuge ebenfalls nicht den ganzen Tag über gebraucht werden, sodass sich die Einsparung von Fahrzeugen in Grenzen hält.

 

Auch in wettbewerblicher Hinsicht birgt das Car Sharing System Gefahren. Auch bei diesem System dürften die Kostenvorteile nur dann erwartet werden können, wenn das Share Car System in großem Stil, also von wenigen großen Unternehmungen betrieben wird. Auch bei diesem System kommt ein technischer Fortschritt zum Tragen, der größenintensiv ist, das heißt, bei dem die Kostensenkungen dadurch erzielt werden, dass in Masse produziert wird.

 

Eine Marktwirtschaft führt nur dann zu befriedigenden Ergebnissen, wenn ein intensiver Wettbewerb auf allen Märkten besteht. Ein Wettbewerb ist einmal aus Effizienzgründen notwendig, nur bei intensivem Wettbewerb haben die Unternehmungen einen Anreiz, die Güter an den Bedarf der Konsumenten auszurichten und permanent nach Qualitätsverbesserungen und Kostensenkungen Ausschau zu halten. Ein System, bei dem fast jeder Bürger über ein privates Fahrzeug verfügt, kann natürlich in weit besserem Maße den unterschiedlichsten Wünschen der einzelnen Konsumenten entsprechen als ein Car Sharing System, in dem eben der gleiche Wagen unterschiedlichen Bedürfnissen entsprechen muss. Darüber hinaus verhindert eine Monopolisierung, dass die Unternehmer einen Anreiz haben, die Produktivitätssteigerungen in Form von Preissenkungen an die Konsumenten weiterzugeben.

 

 

4. Share Economy im Bereich des Computers

 

Wir wollen uns nun einem weiteren Beispiel einer Share Economy: dem Cloud-Computing (dem Rechnen in der ‚Wolke‘) zuwenden. Auch hier geht es wie beim Car Sharing primär darum, dass in der Vergangenheit Einrichtungen (Programme) von den Endverbrauchern zuerst käuflich erworben werden mussten, um sie dann nutzen zu können und dass nun im Gegensatz hierzu diese Programme oder Speicherkapazitäten nun nicht mehr vom Endverbraucher käuflich erworben werden, sondern von einem Betreiber im Internetnetz angeboten werden, auf die dann der Endverbraucher bei Bedarf zugreifen kann.

 

Nehmen wir als Beispiel ein Textprogramm, das bisher von jedem Benutzer zunächst erworben werden musste, und zwar auf die Weise, dass Datenträger wie CD’s oder DVD’s angeschafft wurden, welche dann auf dem eigenen Computer installiert werden mussten und erst dann für die beabsichtigten Aufgaben des Schreibens benutzt werden konnten. Auf dem permanenten Speichermedium des individuellen Rechners befand sich somit einmal das Textprogramm, das diese Aufgaben zu erfüllen hatte, sowie die Texte, welche mit Hilfe dieses Programms angefertigt wurden.

 

Beim Cloud-Computing erübrigt sich die eigene Anschaffung und Installierung des Programms auf dem individuellen Rechner. Wer einen Text schreiben will, meldet sich nun im Internet beim Betreiber dieser Wolke an und hat hierfür in aller Regel eine Lizenzgebühr zur Benutzung dieser Einrichtungen zu entrichten oder auch eingespielte Werbetexte hinzunehmen. Er hat dann weiterhin verbindlich zu erklären, dass er bestimmte Regeln, welche in den Geschäftsbedingungen formuliert sind, einzuhalten bereit ist. Nach dieser Prozedur kann er dann sofort mit der Texteingabe beginnen, wobei in der Regel nicht nur das Programm, sondern auch der geschriebene Text nun nicht mehr auf dem individuellen Speicher abgelegt wird.

 

Als Vorteil dieser neuen Technologie wird darauf hingewiesen, dass der Endverbraucher auf diese Weise Rechnerleistung und Rechnerkapazität einsparen könne. Er rufe vielmehr diese Leistungen erst bei Bedarf beim Betreiber dieser Dienste ab, wobei diese Vorgehensweise gegenüber den bisherigen Techniken vor allem dort Vorteile verspreche, wo der Endverbraucher nur an bestimmten eng begrenzten Zeiten diese Dienste benötige. Während er bei der bisherigen Vorhergehensweise für die gesamte Zeit eine hohe, kaum genutzte Kapazität vorhalten musste, wird er nun beim Cloud-Computing diese Kapazitäten nur bei Bedarf in Anspruch nehmen und kann auf diese Weise diese Kapazitäten in den übrigen Zeiten für andere Benutzer freigeben.

 

Cloud-Computing (deutsch etwa: Rechnen in der Wolke) umschreibt somit die Möglichkeit, Rechenkapazitäten, Datenspeicher, Netzwerkkapazitäten oder auch fertige Software über ein Netzwerk zur Verfügung zu stellen. Aus Nutzersicht scheint die zur Verfügung gestellte abstrahierte IT-Infrastruktur fern und undurchsichtig, wie von einer „Wolke“ verhüllt.

 

Ebenso wie die Virtualisierung ermöglicht „Cloud-Computing“ Kostenvorteile gegenüber konventionellen Systemen. Dies ist der Fall, wenn sich beispielsweise die Bezahlung nach der Dauer der Nutzung des Dienstes richtet und der Dienst nur gelegentlich genutzt wird. Lokale Ressourcen (Software und Hardware) lassen sich so beim einzelnen Endverbraucher offensichtlich einsparen.

 

Problematisch bleibt jedoch die Datensicherheit: Das Grundproblem, dass die Betreiber dieser Dienste Zugriff auf die Nutzerdaten während der Verarbeitung haben, ist hier nicht gelöst. Kritiker befürchten daher, dass die Kontrolle der privaten Daten von Benutzern durch die marktbeherrschenden Anbieter, wie etwa Google, erneut zunehme und dass das Problem der Datensicherheit und Wahrung einer privaten Sphäre, welches ohnehin im Bereich des Internets bislang nicht gelöst ist, um ein weiteres verschärft wird.

 

Im Grunde gibt es noch keine sicheren Methoden zur Verhinderung des Datenklaus und der Verseuchung der privaten Computer, es gibt auch wenige überzeugende Versuche, dieses Problem von Grund auf zu lösen. Die Hersteller der Systemprogramme wie etwa des von Microsoft entwickelten Windows bemühen sich, durch permanente Updates zu den vorliegenden Systemprogrammen die entstehenden Lücken und Eingriffsmöglichkeiten zu stopfen, gleichzeitig hat sich ein wachsender Industriezweig entwickelt, welcher Programme zum Aufdecken von Viren etc. und zur Beseitigung dieser Gefährdungen anbietet.

 

Diese Vorgehensweise bringt jedoch allenfalls für sehr kurze Zeit eine Lösung, da ja eine große Schar von professionellen und laienhaften Hackern auch permanent damit beschäftigt ist, neue Lücken zu entdecken und auf diesem Wege in die Computersysteme einzudringen. Was bleibt ist die Tatsache, dass die Computersysteme immer langsamer werden, je länger sie eingesetzt werden, was es selbst wiederum notwendig macht, neue Programme zu erwerben, welche vorwiegend diese Schwächen zu beseitigen versuchen, aber gerade dadurch, dass sie neu geschrieben werden, die Gefahr beinhalten, dass neue Lücken entstehen, in welche die Virenprogramme erneut eindringen können.

 

Diese Auseinandersetzung zwischen Herstellern von Programmen und Hackern wird zu einer permanenten Einrichtung, im Grunde haben die beteiligten Unternehmungen auch gar kein großes Interesse daran, sich um eine dauerhafte Lösung dieses Problems zu bemühen, da sie ja auch durch die Notwendigkeit, die bestehenden Probleme zu lösen, immer wieder die alten Programme in revidierter Fassung anbieten können und auch immer wieder Antivirus-Programme nachgefragt werden, um diese Bedrohungen des Computers zu bekämpfen.

 

Die Frage, wie denn eine grundlegende Lösung dieser Bedrohungen erfolgen könnte, lässt sich vielleicht mit Hilfe der politischen Ökonomik angehen. Die politische Ökonomik stellt jenen Zweig der Wirtschaftswissenschaft dar, der die im Rahmen der Wirtschaftstheorie entwickelten Methoden auch auf nichtwirtschaftliche Phänomene anzuwenden versucht. Hinter dieser Vorgehensweise steht die Feststellung, dass die meisten modernen gesellschaftlichen Subsysteme in vielen Punkten gleiche Strukturen und Anreizsysteme aufweisen, sodass damit zu rechnen ist, dass auch in nichtwirtschaftlichen Subsystemen ähnliche Gesetzmäßigkeiten wie im wirtschaftlichen Bereich festzustellen sind.

 

Hierbei muss man sich allerdings von vornherein darüber klar sein, dass eine vollständige Beseitigung dieser Bedrohungen gar nicht möglich ist. Alle Techniken – nicht nur im Bereich des Computers – , welche zur Lösung aktueller Probleme entwickelt werden, sind immer ohne Ausnahme unvollkommen, da auch unser Wissen, das in solchen Programmen angewandt wird, stets unvollkommen ist. Trotzdem wird man davon ausgehen können, dass diese Art von Unvollkommenheit in fast allen menschlichen Bereichen keinesfalls zu einem Zusammenbruch der Systeme geführt hat. Die Bedrohungen, welche derzeit den gesamten Computerbereich befallen, gehen jedoch über diese allgemeinen Behinderungen hinaus und haben bisher wohl Jahr für Jahr Schäden in Milliardenhöhe verursacht.

 

Eine der wichtigsten Aussagen dieser politischen Ökonomik besteht in der Feststellung, dass unerwünschte, weil schädliche Aktivitäten am besten dadurch bekämpft werden, dass die Kosten, welche den Verursachern dieser Schäden erwachsen, erhöht oder – was das gleiche bedeutet – die zu erwartenden Erträge reduziert werden. Versuchen wir das Problem der Datensicherheit einmal unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten. Die Erträge der Angriffe auf die Datensicherheit im Computer sind augenblicklich so groß, weil die einzelnen auf den Rechnern installierten Systemprogramme zu einem großen Teil die gleiche Struktur aufweisen und damit die gleichen Zugriffsmöglichkeiten für Hacker eröffnen.

 

Es gibt Systemprogramme wie z. B. Unix oder Linux, welche in ihrer Architektur von den Anwendern verändert werden können, sodass sich auch die Angriffsflächen von Computer zu Computer unterscheiden. Diese Unterschiede haben einen entscheidenden Einfluss auf die Kosten oder Erträge eines Hackers. Schreibt ein Hacker ein Virenprogramm für ein Betriebssystem wie z. B. Windows, so kann er davon ausgehen, dass ein einziges Programm in der Lage ist, Tausende und Abertausende Computer zu verseuchen. Bei Anwendung von Unix oder ähnlichen Programmen könnte ein Hacker nur dann den gleichen Erfolg haben, wenn er für jede einzelne individuelle Variation des Betriebssystem ein eigenes Programm entwickeln würde. Aber gerade ein solches Verfahren wäre für den Hacker viel zu kostspielig oder hätte einen zu geringen Ertrag. Und so ist es auch unter anderem zu erklären, dass Hackerangriffe auf Unix-Systeme weit geringer erfolgen als auf Betriebssysteme wie Windows mit einer geschlossenen und identischen Architektur.

 

Weiterhin fällt auf, dass die Bereitschaft, das Hackerunwesen wirksam zu bekämpfen, äußerst gering ist. Unternehmungen, welche von Hackerangriffen befallen wurden, ziehen es oftmals vor, diese Hacker eher selbst einzustellen als sie gerichtlich zu belangen. Sie versprechen sich dadurch für die Zukunft einen besseren Schutz vor weiteren Hackerangriffen, da natürlich die Tatsache, dass es diesen Angestellten bisher gelungen ist, Computer anzugreifen, die beste Gewähr dafür darstellt, dass auch diese Angestellten sehr viel besser in der Lage sind, weitere Hackerangriffe zu erkennen, als Angestellte, welche sich nur theoretisch mit den Möglichkeiten dieser Art von Bedrohungen befasst haben. Wo aber kein Ankläger auftritt, wird auch kein Richter tätig werden.

 

So verständlich diese Vorgehensweise einzelner Unternehmungen aus der Sicht dieser Unternehmungen auch sein mag, so schädlich ist sie für die gesamte Volkswirtschaft. Das Agieren als Hacker wird so zur besten Gewähr, später als Computerfachmann angestellt zu werden. Das Gesellschaftssystem stellt somit einen Anreiz dar, immer wieder neue Hacker zuzulassen und damit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen zur wirksamen Bekämpfung dieser Bedrohungen verspielt. Nur dann, wenn der Staat genauso wie er sonstige Strafdelikte verfolgt, auch bei diesen Angriffen vorging und wenn darüber hinaus die Unternehmungen bei Strafe gesetzlich verpflichtet würden, Hackerangriffe stets zu melden, bestünde Hoffnung auf eine wirksame Bekämpfung des Hackertums. Auch hier sind die zu erwartenden Kosten einer Hackeraktivität heutzutage extrem gering und gerade deshalb bleibt auch die Bereitschaft für diese ungesetzlichen Aktivitäten hoch.

 

Die Bekämpfung der Bedrohungen der Computer erfolgte in der Vergangenheit in erster Linie dadurch, dass Programme geschrieben und verändert werden, um ein Eindringen von Viren oder ähnlichen Bedrohungen zu verhindern. Weiterhin sind die Hersteller von Betriebssystemen bemüht, durch schnell wechselnde Updates der bestehenden Betriebssysteme erkannte Lücken zu schließen und die Hersteller von Antivirenprogrammen schreiben immer wieder neue Programme und spähen mögliche Definitionen von Viren aus, um auf diesem Wege das Eindringen von Schädlingen zu verhindern.

 

Es fragt sich jedoch, ob auf diese Weise (auf dem Wege einer Änderung der Systemprogramme) überhaupt eine erfolgreiche Bekämpfung möglich ist. Wenn es nämlich möglich ist, allein durch Änderung der Systemprogramme Lücken zu schließen, müsste es theoretisch doch eigentlich auch immer möglich sein, durch ein Virenprogramm, diese geänderten Programmanweisungen selbst wiederum so umzuprogrammieren, dass neue Angriffsflächen entstehen, sofern nur die Hacker eine Lücke finden, welche es ihnen erlaubt, in das Programm einzudringen. Dies stellt ein Versuch ohne Ende dar. Die Hersteller von Systemprogrammen werden sich zwar bemühen, die Programme so zu schreiben, dass keine Bedrohungen von außen möglich sind. Aufgrund der Tatsache, dass unser technisches Wissen auf allen Bereichen immer mehr oder weniger unvollkommen ist, wird es jedoch niemals möglich sind, alle Lücken auf alle Zeiten zu schließen, vor allem deshalb, weil jedes neue Programm die Gefahr enthält, dass auch wiederum neue Lücken geschaffen wurden. Diese Unvollkommenheit gilt vor allem deshalb, weil ja bei der Programmierung gar nicht bekannt ist, welche Angriffe auf das System potenzielle Hacker in Zukunft planen.

 

Nur dann, wenn wir unterstellen könnten, die Befähigungen und Kenntnisse auf diesem Gebiet seien so verteilt, dass bei den Herstellern die am meisten befähigten Fachkräfte angestellt sind, während bei den Hackern die auf diesem Gebiete Dümmsten angesiedelt seien, könnte diese Gefahr vielleicht auf die bisherige Weise einigermaßen beseitigt werden. Es gibt aber keinen Grund für diese Annahme. Ganz im Gegenteil ist zu befürchten, dass die Hacker stets einen Vorsprung vor den Programmierern der Unternehmungen besitzen. Die Hacker befassen sich mit einem gegebenen und vermutlich ihnen weitgehend bekannten Systemprogramm, sie sind es, die neue Angriffe ausdenken, während die Hersteller der Systemprogramme zunächst im Dunkeln tappen, abwarten müssen, von konkreten Angriffen bei den Benutzern zu erfahren, dann die Ursache dieser Angriffe zu eruieren und schließlich Schritte zur Abwehr dieser Angriffe zu überlegen.

 

Die Hersteller von System- und Antivirenprogrammen werden bei diesem Verfahren stets einige Schritte hinterherhinken, auch ist hier kein Ende abzusehen, nach einer erfolgreichen Abwehr besteht bereits weiterhin die Gefahr eines nächsten Angriffs. Es kommt noch hinzu, dass ja nicht nur die Hacker für sich Erfolge verbuchen, sondern in der Zwischenzeit eine durchaus profitable Industrie zur Herstellung von Antivirusprogrammen entstanden ist. Das eigentliche Interesse sowohl der Hacker wie auch derjenigen, welche diese Angriffe professionell zu bekämpfen versuchen, an einer echten Lösung dieses Problems ist hier zweitrangig – man verdient ja an der augenblicklichen Situation –, der eindeutige Verlierer ist hier nur der Anwender des Computers.

 

Es fragt sich, ob nicht der zusätzliche Versuch, durch Einführung physischer Barrieren Angriffe von außen abzuwehren, eine gewisse Verringerung des durch diese Angriffe entstandenen Schadens bringen könnte. Im Gefängniswesen wurde eine relativ sichere Methode entwickelt, um zu verhindern, dass keine Personen ungewollt in ein Gefängnis eindringen können. Es wird ein physisch sowohl nach innen wie nach außen abgegrenzter Bereich (eine Schleuße) geschaffen, in den jeder, der das Gefängnis betritt, zuerst gelangen muss und dort überprüft werden kann, ob er z. B. Waffen hereinschmuggeln will. Es werden nur dann die Schranken geöffnet, wenn zuvor geklärt wurde, dass von diesen Personen keinerlei Bedrohung ausgeht. Allerdings darf die Überprüfung der Einlass suchenden Personen nicht etwa durch einen Wärter innerhalb der Schleuße erfolgen, da dieser ja bedroht werden könnte und da über diese Bedrohung doch wiederum ein Eindringen erzwungen werden könnte. Diese Überprüfung ist somit auf indirekte Weise z. B. über ein elektronisches – von außerhalb dieses Korridors gesteuertes – Verfahren durchzuführen.

 

Warum lässt sich ein solches physisches Verfahren nicht auch auf den Computer übertragen? In diesem Falle würde jedes neue Programm einschließlich notwendig gewordener Korrekturen an bestehenden Programmen zunächst in eine vom sonstigen Computer getrennte Box geleitet, dort gewissermaßen auf Herz und Nieren überprüft, wobei dann, wenn der Computer mitteilt, das keine Bedrohungen festgestellt werden konnten, der Anwender des Computers auf physische Weise, z. B. über eine Taste die Übertragung dieses Programms in den eigentlichen Computer veranlasst. Diese Taste muss natürlich von den sonstigen Tasten so weit entfernt liegen, dass ein versehentlicher Tastenklick weitgehend ausgeschlossen ist.

 

Hier wäre es ohne weitere Anstrengungen nicht mehr möglich, dass schädliche Virusprogramme in die Computer eindringen können. Natürlich wären auch hier keinesfalls alle Möglichkeiten eines ungewollten Angriffs auf den Computer unterbunden, aber immerhin dürften auch hier wiederum die Kosten, die ein potenzieller Hacker aufwenden muss, in starkem Maße erhöht worden sein, was nach Vorstellung der politischen Ökonomik das Ausführen solcher Aktivitäten entscheidend reduzieren dürfte.

 

Fragen wir uns nun, wie denn diese Einführung eines Cloud-Computing zu beurteilen ist. Als erstes können wir feststellen, dass auch hier genauso wie beim bereits besprochenen Beispiel des Car Sharing ein Teilen im Sinne eines einseitigen Transfers nicht stattfindet, es sind die in einer Marktwirtschaft schon immer vorhandenen do ut des - Geschäfte, welche hier implantiert werden, es geht hier also nicht um ein unentgeltliches Teilen der eigenen Ressourcen mit anderen.

 

Zugunsten eines Cloud-Computing wird – wie oben bereits erwähnt – angeführt, dass auf diese Weise Speicherkapazitäten eingespart werden könnten, da nicht jeder Benutzer eines Computers auf Dauer die jeweils maximale Speicherkapazität vorhalten müsse. Nun muss man sich allerdings darüber im Klaren sein, dass bei wohl keinem andern Gut als gerade bei Speicherchips in den letzten Jahrzehnten ein starker Preisverfall eingetreten ist.

 

Ich entsinne mich, dass mir Anfang der 70 er Jahre ein Assistent eines meiner Kollegen hier an der Freiburger Universität stolz verkündet hatte, dass er nun seinen Apple-Computer – die Personal Computer von Microsoft gab es damals noch nicht – auf den maximalen Wert von 64 KB (!!!) RAM aufgerüstet habe. Heutzutage weisen normale in privaten Haushalten gebrauchte Personal Computer oftmals mehrere Gigabyte RAM und Festplatten mit einer Speicherkapazität von einem Terabyte auf und trotzdem ist der Gesamtwert dieser Speichermodule gegenüber früher nicht wesentlich gestiegen. Eine ähnliche Entwicklung ist in den letzten Jahrzehnten bei dem Leistungsvermögen der Mikroprozessoren festzustellen. Insofern dürfte eine Einsparung von Speicher- und Prozessorkapazitäten sicherlich nicht zu den vordringlichsten Problemen gehören, vor allem, wenn man die oben aufgeführten Mängel bei der Sicherheit der persönlichen Daten mitberücksichtigt. 

 

Auch hier gilt es ähnlich wie beim Car Sharing festzustellen, dass das zentrale Zurverfügungstellen von Speicherkapazitäten ebenfalls mit Leerkapazitäten verbunden sein dürfte, da ja zumindest in den privaten Haushalten die Benutzung der Computer nur zeitweise erfolgt und da das Einschalten bestimmter Programme sicherlich Spitzen (Täler und Berge) aufweist, zur Nachtzeit werden nur ganz wenige Benutzungen stattfinden, während sich zu bestimmten Zeiten die Benutzungen häufen werden. Ein echte Einsparung von Speicherkapazitäten würde jedoch nur eintreten, wenn sich die Benutzungen etwa gleichmäßig über den Tag verteilen würden. Auch muss berücksichtigt werden, dass der mit der Betreibung von Computern verbundene Energiebedarf bei einer Verlagerung der wichtigsten Programme ins Internet bei einem Computer Sharing größer ausfallen dürfte als bei Hinterlegung der Programme zuhause am eigenen Computer, da sich das Computer Sharing nur reibungslos durchführen lässt, wenn die zentralen Adressen rund um die Uhr Tag und Nacht zur Verfügung stehen, während ja wohl die meisten Computer zuhause täglich nur einige wenige Stunden eingeschaltet werden.

 

Im Zusammenhang mit der Diskussion des Car Sharing hatten wir darauf hingewiesen, dass der Übergang zu diesem System auch zu einer erheblichen Zunahme monopolistischer Macht der Unternehmungen führen dürfte. Ähnliche Phänomene lassen sich auch beim Computer Sharing beobachten. Allerdings sind diese Machtverschiebungen zugunsten einiger weniger großer Anbieter von Computeranwendungen auch schon vor dem Beginn dieser Technologien festzustellen.

 

Wenn sich nämlich das Computer Sharing vor allem darin äußert, dass nun die einzelnen Computerprogramme nicht mehr käuflich von den Endverbrauchern erworben werden, sondern dass die Endverbraucher unmittelbar auf die ins Internet gestellten Programme zugreifen, so hat sich diese Entwicklung bereits viele Jahre früher bemerkbar gemacht. Wer nämlich ein Computerprogramm wie z. B. ein Text-, Übersetzungs- oder Rechenprogramm bisher erworben hatte, erhielt hiermit keinesfalls das alleinige Verfügungsrecht über das Programm, er erhielt vielmehr eine Lizenz zur Anwendung dieses Programms, wobei diese Anwendungen zumeist einer Vielzahl von Beschränkungen unterliegen, so etwa, dass ein Programm nur auf einem einzigen Computer angewandt, dass es nicht verändert oder an andere Personen weiterverkauft oder verschenkt werden darf.

 

Der eigentliche Unterschied des Computer Sharings zu diesem bereits bekannten Lizenzverfahren besteht dann vorwiegend nur darin, dass die Missbrauchsmöglichkeiten seitens der Benutzer dieser Programme um ein weiteres verringert werden. Während es vielleicht noch bei dem bisherigen Lizenzverfahren dem einen oder anderen Benutzer je nach vertieften Computerkenntnissen möglich war, das Programm zu überlisten und entgegen der Geschäftsbedingungen einzusetzen, erhalten nun beim Computersharing nur noch ganz wenige Zugriff auf den jeweiligen Programmtext.

 

Dass auf diese Weise eine unerwünschte Verschiebung der Machtverhältnisse zugunsten der Anbieter dieser Programme erfolgt ist, soll anhand eines Vergleichs mit einem Bücherkauf zeitlich vor der Einführung des Computers dargestellt werden. In früheren Zeiten erwarb derjenige, welcher ein Buch kaufte, alle möglichen Rechte an diesem Produkt. Es war vollkommen gleichgültig, an welcher Stelle er dieses Buch las, im Arbeitszimmer oder Wohnzimmer oder aber auch vielleicht im Bett, weiterhin konnte er Bücher auch mitnehmen, wenn er verreiste, also z. B. in den Urlaub fuhr, man brauchte auch kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man dieses Buch an einen Freund auslieh oder sogar verschenkte.

 

Bei Erwerb von Computerprogrammen erhält man lediglich die Lizenz für einen Computer, es ist also z. B. nicht erlaubt, dass man die gleiche Lizenz sowohl am Arbeitsplatz als auch zuhause einsetzt. Eine Lizenz bezieht sich stets auf einen ganz bestimmten Rechner, sie gilt zumeist auch nur für eine begrenzte Zeit. Es ist zwar richtig, dass viele Programmanbieter ein ganzes Paket von Lizenzen z. B. zum Gebrauch an zwei oder drei Rechnern zur Verfügung stellen, aber auch hier stellt diese Praxis eine Einschränkung des Anwenders dar, da ja viele Benutzer nur über einen einzigen Computer verfügen. Werden sie trotzdem gezwungen, zwei oder drei Lizenzen zu erwerben, so wird der Grundsatz einer funktionierenden Marktwirtschaft, dass für die gleiche Leistung auch ein gleiches Entgelt zu zahlen ist (Gesetz der Preisunterschiedslosigkeit), verletzt. Wer es wagt, die käuflich erworbene Lizenz an andere auszuleihen oder zu verschenken und dabei vergisst, diese Software auf dem eigenen Rechner zu deinstallieren, macht sich sogar strafbar.

 

Diese rechtliche Entwicklung wird in der Öffentlichkeit als ein Triumph gegen missbräuchliche Benutzung von Software (Computerpiraterie) gefeiert. Es wird gar nicht gesehen, dass eine solche Vorgehensweise sicherlich nicht den Grundideen einer freien Marktwirtschaft entspricht. Mit der Einführung einer marktwirtschaftlichen Ordnung wird das Ziel verfolgt, die Produktion der Güter an den Bedarf der Konsumenten anzupassen, es gilt die Konsumentensouveränität, es ist der Konsument, welcher zu bestimmen hat, welche technisch möglichen Verfahren angewendet werden sollen und wie die knappen materiellen Ressourcen auf die einzelnen technisch möglichen Verwendungsarten aufgeteilt werden sollen und er hat auch das Recht, seine Konsumwünsche jederzeit zu verändern ohne dass er für mögliche Erlösrückgänge beim Produzenten aufkommen muss. Dieses Prinzip wird immer dort verletzt, wo der Versuch unternommen wird, dem Konsumenten bestimmte Produkte oder Techniken aufzuzwingen.

 

Die Wohlfahrtstheorie hat zwar nachgewiesen, dass ein effizienter Einsatz der knappen Ressourcen nur dann gewährt ist, wenn der von den Endverbrauchern zu zahlende Preis gerade den aufzuwendenden Grenzkosten entspricht. Es folgt somit aus diesem Prinzip, dass alle Kosten, welche den Unternehmungen im Zusammenhang mit der Produktion entstehen, ja sogar alle Kosten, welche einer Volkswirtschaft bei der Produktion entstehen, im Güterpreis an den Konsumenten weitergewälzt werden. Auch aus verteilungspolitischer Sicht hat ein Unternehmer, welcher zur Produktion bestimmter Güter Kosten aufbringen muss, das Recht, diese Kosten im Güterpreis ersetzt zu bekommen, nur dann wird auch seine Leistung angemessen entlohnt. Dieses Prinzip verlangt aber auch, dass immer dann, wenn bei der Produktion aufgrund des technischen Fortschrittes Kostensenkungen erzielt werden, diese den Endverbrauchern in Form von Preissenkungen weitergegeben werden.

 

Produktivitäts- bzw. Nutzensteigerungen vollziehen sich allerdings nicht nur bei der Produktion im engeren Sinne, also in den Produktionsstätten. Auch dann, wenn die Güter den Bereich der Produktion verlassen haben und in den Bereich der privaten Haushalte übergegangen sind, können sehr wohl Nutzensteigerungen durch Änderung des Konsumverhaltens auftreten. Eine solche Nutzensteigerung liegt immer dann vor, wenn eine bereits gekaufte Ware gegenüber früher Nutzen steigernd im Konsumbereich eingesetzt werden kann, ohne dass hierdurch die direkten Kosten der Unternehmung, welche dieses Gut hergestellt hat, ansteigen. Wenn es also einem Konsumenten gelingt, eine Ware z. B. ein Computerprogramm, welche (bzw. welches) er zuvor lediglich an einem ganz bestimmten Standort nutzen konnte, nun auch an anderen Standorten einzusetzen, so liegt hier eine solche Nutzensteigerung vor, welche beim Hersteller dieser Ware keine unmittelbare Kostensteigerung verursachte. Auch dann, wenn eine Person eine Ware an einen Bekannten verleiht, ohne hierfür eine Entschädigung zu verlangen, findet eine solche Nutzensteigerung statt, sofern wiederum der betroffenen Unternehmung hierdurch keine zusätzlichen Kosten entstehen.

 

Die Vergabe von Lizenzen, welche bewusst technisch mögliche Nutzensteigerungen im Haushalt – ohne dass den Unternehmungen weitere Kosten entstehen – verbietet, widerspricht diesem marktwirtschaftlichen Prinzip. Nun könnte man zwar entgegnen, dass dadurch, dass z. B. ein Computerprogramm zusätzlich an einem weiteren Computer eingesetzt wird, den Herstellern dieses Programmes doch wiederum Kosten im Sinne von Erlösminderungen, also sogenannte Opportunitätskosten entstehen. Eine solche Argumentation würde jedoch das marktwirtschaftliche Prinzip der Konsumentensouveränität auf den Kopf stellen.

 

Die Aufgabe einer Unternehmung in einer freien Marktwirtschaft besteht darin, dem Bedarf der Konsumenten zu entsprechen. Wenn die Konsumenten ihren Bedarf ändern, können hierdurch ausgelöste Erlösminderungen selbstverständlich nicht dem Konsumenten angerechnet werden, dies hieße die Freiheit der Konsumenten, ihren Bedarf selbst festzulegen, aufzuheben. Nur dann, wenn diese Verhaltensänderungen der Konsumenten die tatsächlichen Kosten der Produktion erhöhen würden, wäre es auch im Sinne der Konsumentensouveränität erwünscht, die Konsumenten an diesen Kostensteigerungen zu beteiligen. Jede Produktionsentscheidung ist mit einem Risiko verbunden. So kann z. B. der Bedarf der Konsumenten anders ausfallen, als vom Unternehmer angenommen wurde. Gerade weil Unternehmungen in einer freien und funktionierenden Marktwirtschaft immer dieses Risiko zu tragen haben, sind bei Erfolg Gewinne auch moralisch gerechtfertigt, aber bei Misserfolg genauso Verluste bzw. Erlösminderungen hinzunehmen.

 

In dem Maße, wie durch Einführung und Verbreitung des Computer Sharing‘s die Nutzungsmöglichkeiten des Computeranwenders um ein weiteres eingeschränkt werden, ohne dass sich diese Einschränkungen aus der Knappheit der Ressourcen ergibt, liegt eine nicht notwendige und damit auch nicht politisch erwünschte Entwicklung vor. Hier wird die Möglichkeit verringert, über den Wettbewerb ein den Konsumenten entsprechendes Marktergebnis zu erzielen.