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Grundprinzipien wirtschaftlichen und sozialen Handelns

 

 

 

 Gliederung:

 

    1. Einführung

    2. Ökonomisches Prinzip

    3. Arbeitsteilung

    4. Produktionsumwege

    5. Tausch    

    6. Wettbewerb

    7. Countervailing power

    8. Drohung

    9. Das Prinzip freier Entscheidungen

  10. Haftungsprinzip und Kapitalgesellschaft

  11.Versicherungs- versus Versorgung

  12. Die Spekulation

  13. Verteilungsprinzipien

  14. Solidaritäts-  und Subsidiaritätsprinzip

 

 

Kapitel 5: Tausch

 

 

Gliederung:

 

1. Das Problem

2. Der direkte Tausch

3. Geldwirtschaft

4. Bestimmungsgründe des Geldwertes

5. Wirkungen eines sinkenden Geldwertes

6. Giralgeld

7. Kontrolle über die Schaffung von Giralgeld

8. Exporte und Importe  

 

 

1. Das Problem   

 

In Kapitel 3 haben wir erfahren, dass Arbeitsteilung und Spezialisierung eines der wichtigsten Ursachen für die gewaltigen Produktivitätssteigerungen zu Beginn der Industrialisierung waren. Wir hatten ebenfalls bereits darauf hingewiesen, dass Arbeitsteilung und Spezialisierung nur möglich sind, wenn mehrere Voraussetzungen vorliegen. Eine dieser notwendigen Voraussetzungen besteht darin, dass derjenige, welcher sich spezialisiert, überhaupt Tauschpartner für seine Produkte findet.

 

Die Arbeitsteilung besteht ja darin, dass nicht mehr alle Güter, welche benötigt werden,  selbst produziert werden,  sodass auf jeden Fall die restlichen, nicht mehr selbst hergestellten Güter von anderen Personen bezogen werden müssen. Gleichzeitig gilt aber auch, dass der Einzelne mehr Güter produziert, als er selbst benötigt, sodass auch die Notwendigkeit besteht, die restlichen, für den Eigenbedarf nicht benötigten Waren anderen Personen zur Verfügung zu stellen.

 

Mit anderen Worten: Derjenige, welcher sich spezialisiert, braucht im Austausch für die selbst produzierten, aber nicht selbst benötigten Waren von anderen Personen Waren, die er nicht selbst herstellt, die er aber unbedingt benötigt. Es besteht also ein Bedarf nach Austausch diverser Güter.

 

 

2. Der direkte Tausch

 

Dieser bei Arbeitsteilung notwendige Austausch von Waren ist jedoch nun mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Die privaten Personen müssen ja nun einen Tauschpartner finden, der auf der einen Seite gerade die Güter selbst produziert und nicht für den eigenen Bedarf benötigt, welche die erste Person gerade nachfragt. Zum andern muss aber gerade dieser Tauschpartner selbst diese Güter nachfragen, welche die erstgenannte Person zum Austausch anbietet.

 

In der Regel ist davon auszugehen, dass es zwar sicherlich eine ganze Reihe von Individuen (B,C,D…) gibt, welche die benötigten Güter anbieten können und dass es auch wiederum eine Reihe von Individuen (E,F,G…) gibt, welche die vom erstgenannten Individuum A angebotenen Güter benötigen, es dürften jedoch nur sehr selten Individuen gefunden werden, welche diese beiden Eigenschaften (Bedarf der angebotenen und Angebot der benötigten Waren) auf sich vereinigen.

 

Und diese Schwierigkeiten werden um so größer sein, je weniger Individuen auf einem Raum zusammen leben, denn in diesem Falle muss der Tauschwillige seine Suche auf einen immer größer werdenden Raum ausdehnen. Und diese Schwierigkeiten können so groß werden, dass sich die Ausweitung einer Spezialisierung nicht mehr lohnt, da die im Zuge der Spezialisierung gewonnene Produktivitätssteigerung durch die im Zuge der Suche nach einem geeigneten Tauschpartner entstehenden Zusatzkosten überkompensiert werden. Es wird kein Wohlfahrtsgewinn mehr erzielt, wenn die selbst produzierten, aber selbst nicht mehr benötigten Waren keinen Tauschpartner finden und deshalb weggeworfen werden müssen und wenn es gleichzeitig an den Gütern mangelt, welche man aufgrund der Spezialisierung gar nicht selbst produziert hat.

 

 

3. Geldwirtschaft

 

Hier brachte erst die Einführung eines allgemein anerkannten Tauschmittels einen entscheidenden Durchbruch. Wenn es nämlich ein spezielles Gut gibt, dass allgemein als wertvoll angesehen wird, besteht die Möglichkeit, durch Aufteilung des Tauschvorganges in zwei Akte relativ leicht zum Ziel zu kommen. Man kann dann nämlich die selbst produzierte und nicht selbst benötigte Ware in einem ersten Schritt gegen dieses allgemeine Tauschmittel tauschen und dann in einem zweiten Schritt mit diesem allgemeinen Tauschmittel das benötigte Gut erwerben.

 

Gerade weil dieses Gut ja allgemein als wertvoll an gesehen wird, kann man davon ausgehen, dass jeder, welcher bestimmte Waren anbietet, auch bereit ist, im Tausch dieses allgemein akzeptierte Tauschmittel anzunehmen und umgekehrt kann jeder, welcher im Tausch eine Ware erwerben will, davon ausgehen, dass er einen Tauschpartner findet, welcher die von ihm selbst benötigte Ware anbietet und bereit ist, dieses Gut gegen das allgemeine Tauschmittel herzugeben.

 

Allerdings wird man nicht erwarten können, dass jedes beliebige Gut als allgemeines Tauschmittel anerkannt wird, es bedarf stets einer Reihe von Voraussetzungen, damit ein Gut auch als allgemeines Tauschmittel akzeptiert wird.

 

Eine erste Voraussetzung hierfür bestand im Verlaufe der Einführung darin, dass das als Tauschmittel zu wählende Gut einen von den meisten Tauschpartnern akzeptierten hohen Wert als Gebrauchsgut aufwies. In diesem Falle konnte nämlich derjenige, welcher dieses Tauschmittel gegen die von ihm angebotenen Waren angenommen hatte, für den Fall, dass er mit diesem Tauschmittel doch nicht gerade die benötigten Waren kaufen kann, dieses Gut selbst als normale Ware verwenden.

 

Nun mag es zwar richtig sein, dass die Einführung eines bestimmten Gutes als allgemein anerkanntes Tauschmittel nur dadurch möglich wurde, dass es sich hierbei um ein Gut gehandelt hat, das auch unabhängig von der Eigenschaft als Tauschmittel einen hohen Gebrauchsnutzen stiftet. Diese Eigenschaft ist jedoch keinesfalls wesentliche Voraussetzung dafür, dass ein Tauschmittel allgemein akzeptiert wird. Hierfür ist nämlich allein von Bedeutung, dass diejenigen, welche das Tauschmittel als Gegenleistung für eine Ware annehmen, Vertrauen gegenüber diesem Gut haben. Dieses Vertrauen mag zwar historisch gesehen dadurch ermöglicht worden sein, dass sich das Tauschmittel auch als Gebrauchsgut eignete. Diese Eigenschaft (das Vertrauen) kann jedoch auch auf andere Weise hervorgerufen werden.

 

Heutzutage können wir davon ausgehen, dass dieses Vertrauen in Geld vor allem dadurch hervorgerufen wird, dass der Staat die Garantie gibt, dass dieses Tauschmittel als allgemein anerkanntes Tauschmittel zu gelten hat. Und dies bedeutet, dass jeder, der seine Schuld in Form des vom Staat garantierten Geldes beglichen hat, dadurch seine Schuld endgültig abgelöst hat. Derjenige, dem ein Individuum Geld schuldet, kann nicht verlangen, dass die Schuld in Form eines anderen Tauschmittels beglichen wird, eine solche Klage hätte vor keinem Gericht Erfolg.

 

Wir werden weiter unten sehen, dass der Wert eines Gutes als Tauschmittel nicht wesentlich vom Gebrauchswert dieses Tauschmittels abhängt, so hat heutzutage der Gebrauchswert einer Banknote von sagen wir 500 € einen Wert, der weit unter 500 € liegt und durch die Kosten der Herstellung und Sicherung dieser Banknote bestimmt wird.

 

Selbstverständlich muss ein solches Tauschmittel bestimmte andere Eigenschaften aufweisen, um ein allgemein akzeptiertes Tauschmittel zu werden. Es muss ohne große Kosten transportiert werden können, um die Tauschvorgänge jederzeit ausführen zu können. In grauer Vorzeit wurden z. B. Rinder oder Schafe als solches Tauschmittel eingesetzt. Es ist aber klar, dass sich ein solches Tauschmittel langfristig nicht durchsetzen konnte, da die Mitnahme dieser Tiere nur mit hohem Aufwand erfolgen konnte. In diesem Sinne hatten sich z. B. Muscheln, die im Altertum oftmals als Tauschmittel gewählt wurden, eine sehr viel bessere Eignung zum Tauschmittel.

 

Das Tauschmittel muss weiterhin wertbeständig sein, der Wert darf nicht unmittelbar nach vollzogenem Tausch seinen Wert durch Witterung oder anderer Einflüsse einbüßen, es muss auch eindeutig seinen Wert erkennen lassen und es muss auch gestückelt werden können, sodass alle möglichen Tauschvorgänge unabhängig von dem Gesamtwert eines Tausches auch durchgeführt werden können. Auch in dieser Sicht schnitten als allgemein akzeptierte Tauschmittel auf der einen Seite Rinder und Schafe sehr schlecht und auf der anderen Seite Muscheln sehr gut ab.

 

Das Geld fungiert jedoch nicht nur als Tauschmittel. Gleichzeitig hat das Geld auch die Eigenschaft einer allgemeinen Recheneinheit. Mit Hilfe des Geldes ist es überhaupt erst möglich, den Wert eines Gutes nur mit dem Wert eines einzigen, anderen Gutes zu vergleichen. Ohne allgemeine Recheneinheit hätten wir genauso viele Werte eines Gutes wie es insgesamt Waren gäbe (minus einem).

 

Ein solcher Vergleich ist jedoch notwendig, um jeweils die Güterkombination zu finden, welche mit gegebenen Ressourcen den höchsten Nutzen stiftet. Gewinnmaximierung und Nutzenmaximierung kann nur derjenige erreichen, der die einzelnen möglichen Alternativen jeweils mit einander vergleichen kann. Mit Hilfe des Geldes als allgemeine Recheneinheit können also auf diese Weise wiederum enorme Wohlfahrtszuwächse erreicht werden.

 

Auch im Hinblick auf das Geld als Recheneinheit müssen einzelne Voraussetzungen erfüllt sein. Auch hier gilt, dass Geld nur dann, wenn das Geld wertbeständig ist, überhaupt für alternative Verwendungsarten der Ressourcen, welche in unterschiedlichen Perioden zur Verfügung stehen, als Recheneinheit  fungieren kann. Dies setzt also voraus, dass der Staat bzw. in seinem Auftrag die Notenbank alles mögliche tut, um diesen Wert zu erhalten und vor allem zu verhindern, dass der Geldwert mit der Zeit in Form von allgemeinen Preissteigerungen schwindet.

 

Geld dient drittens auch als Wertaufbewahrungsmittel. Wenn ein Verkäufer einer Ware als Gegenwert Geld erhält, so wird er in aller Regel dieses Geld nicht wieder sofort zum Kauf von Gütern einsetzen. Er wird es für eine gewisse Zeit in Kasse halten. Sehr oft muss damit gerechnet werden, dass die möglichen Verwendungsarten des Geldes zeitlich verteilt sind und dass nicht immer gerade die zur Verfügung stehenden Verwendungsarten die Verwendungen sind, welche den höchsten Nutzen stiften, sodass der Nutzen steigt, wenn das Geld erst nach Ablauf einiger Perioden eingesetzt wird. Also trägt das Geld auch in seiner dritten Eigenschaft, nämlich als Wertaufbewahrungsmittel dazu bei, die Wohlfahrt beachtlich zu steigern.

 

Es leuchtet ohne weiteres ein, dass Geld diese dritte Aufgabe nur erfüllen kann, wenn es im Zeitablauf wertbeständig ist. Gleichzeitig dürfen die Kosten der Geldaufbewahrung nicht zu hoch sein, weil ja sonst gerade der erwähnte Wohlfahrtsgewinn bei der Wertaufbewahrung verloren ginge.

 

Allerdings kann der Versuch, Geld in seiner dritten Funktion einzusetzen, auch zu größeren Verlusten führen. Wer Geld in Kasse hält, hat  nicht nur Aufbewahrungskosten, ihm  entgeht auch der Zinsertrag, den er erzielen könnte, wenn er das nicht benötigte Geld auf dem Kapitalmarkt zinsbringend anlegen würde. Dieses Argument gewinnt dadurch noch an Bedeutung, da normalerweise mit allgemeinen Preissteigerungen gerechnet werden muss, mit anderen Worten, da das Geld eben zumeist nicht vollständig wertbeständig ist. In Wirklichkeit kann man davon ausgehen, dass der Zinsertrag in allererster Linie ein Entgelt dafür ist, dass Geld im Zeitablauf seinen Wert verliert. Allerdings bestimmt auch das mit einer Wertanlage verbundene Risiko die Höhe des Zinssatzes.

 

Nun könnte man fragen, warum es denn überhaupt sinnvoll sein kann, Geld in  Kasse ohne jeglichen Zinsertrag zu halten. Keynes hat in seiner Liquiditätstheorie gezeigt, dass es in gewissen Zeiten durchaus sinnvoll und rational sein kann, vorübergehend Geld in Kasse zu halten und bewusst auf den Zinsertrag zu verzichten. Wird Geld nämlich in festverzinslichen Wertpapieren angelegt, so sind in Zeiten des Konjunkturabschwungs Kursverluste zu befürchten, die ohne weiteres größer ausfallen können als der in diesen Zeiten ohnehin geringe Zinsertrag. In diesem Falle ist es durchaus rational, das Geld vorübergehend in Kasse zu halten.

 

 

4. Bestimmungsgründe des Geldwertes

 

Wovon hängt denn nun der eigentliche Wert des Geldes als allgemein akzeptiertes Tauschmittel ab? Im Verlauf der Entwicklung der Wirtschaftstheorie wurde schon sehr früh erkannt, welches die wahren Bestimmungsgründe des Geldwertes sind. So hat bereits Jean Bodin, ein Vorläufer des Merkantilismus im 16. Jahrhundert, erste Ansätze einer Quantitätstheorie des Geldes entwickelt. Bodin hatte nämlich erkannt, dass in allererster Linie die umlaufende Geldmenge den Geldwert (das Preisniveau) bestimmt.

 

In aller Regel war man allerdings in der damaligen Zeit der Auffassung, dass der Warenwert des Geldes auch den Tauschwert des Geldes bestimme. Auf dieser Grundlage formulierte Thomas Gresham, englischer Finanzpolitiker und königlicher Finanzagent unter König Eduard VI. das nach ihm benannte Gesetz, wonach das schlechtere Geld (im Sinne seines Warenwertes) das wertvollere (z. B. Gold) aus dem Umlauf vertreibe, da jeder bemüht sei, seine Verpflichtungen mit schlechterem Geld zu begleichen und das gute Geld zu behalten. Das gute Geld werde also gehortet.

 

Im Allgemeinen waren die Klassiker wie vor allem Adam Smith der Auffassung, der monetäre Bereich lege sich wie ein Schleier über den realwirtschaftlichen Bereich, ohne ihn zu beeinflussen. Auch Leon Walras, der Begründer der neoklassischen Lausanne-Schule versuchte in seinem Gleichungssystem zu zeigen, dass die realen Verhältnisse die Preisrelationen der einzelnen Güter zueinander bestimmen und dass das Geld lediglich das Niveau der Preise festlege, aber keinen Einfluss auf die Preisrelationen – und darin liegt die eigentliche Bedeutung der Preise  – ausübe.

 

Keynes schließlich hatte im Rahmen seiner Liquiditätstheorie darauf hingewiesen, dass der Geldwert auch bei Konstanz der Geldmenge durch Veränderungen in der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes verändert werden kann, die selbst wiederum durch Schwankungen in der Zinshöhe ausgelöst sind. Und er hat vor allem darauf aufmerksam gemacht, dass wir nicht immer davon ausgehen können, dass die reale Gütermenge allein von dem Angebot an materiellen Ressourcen abhängt, sodass unter Umständen gerade durch eine Vermehrung der Geldmenge auch die Gütermenge erhöht werden kann und dass in diesem Umfang der Geldwert auch  bei einem Anstieg der Geldmenge konstant bleiben kann.

 

Die eigentlichen Bestimmungsgründe des Geldwertes lassen sich recht gut anhand der von Irving Fisher entwickelten Verkehrsgleichung beleuchten. Danach gilt folgende Gleichung:

 

G * U = P * H,

 

wobei G die in einer Volkswirtschaft umlaufene Geldmenge, U die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes, P der Durchschnitt der Güterpreise, das sogenannte Preisniveau und schließlich H das Handelsvolumen, also der reale Gesamtwert der gesamten in einer Volkswirtschaft gehandelten Güter, umschreibt.

 

Der Begriff der Umlaufsgeschwindigkeit bedarf noch einer etwas genaueren Umschreibung. Er umschreibt, wie oft im Durchschnitt eine Geldeinheit (z. B. eine Banknote) innerhalb einer Periode einen Warentausch vermittelt. Wenn also jeder Geldschein im Durchschnitt dreimal in einer Periode bei einem Kauf den Besitzer des Geldscheines wechselt, wäre de Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes 3.

 

Bei der Fisher’schen Verkehrsgleichung handelt es sich um eine tautologische, also immer wahre Aussage, sie gilt ex definitione. Und zwar stellt diese Formel die Angebots- und die Nachfrageseite aller Käufe innerhalb einer Periode und einer Volkswirtschaft gegenüber. Betrachten wir die getauschte Wertsumme von der Seite der Nachfragenden aus, dann entspricht dem Wert der getauschten Güter die Wertsumme des Geldes, das die Besitzer wechselt, wobei sich die Wertsumme des Geldes (G * U) aus dem Produkt aus Anzahl der Geldeinheiten (G) multipliziert mit der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes (U) ergibt.

 

Wir können die getauschte Wertsumme aber auch aus der Sicht der Anbieter betrachten. In diesem Falle entspricht dieser Wert dem Wert der Gütermengen (H) multipliziert mit dem Preisniveau (P). Hierbei ist dieses Produkt eine Kurzformel für eine Summe aller gehandelten mit ihren jeweiligen Preisen (pn) gewichteten Güter (hn):

 

p1 * h1 + p2 * h2 + …….. pn * hn

 

 

Beide Seiten müssen also aus logischen Gründen gleich groß sein, da sie sich ja immer auf die gleichen gehandelten Güter beziehen, nur einmal aus der Sicht des Nachfragers und einmal aus der Sicht des Anbieters.

 

Wenn man will, kann man  die Verkehrsgleichung auch als Definitionsgleichung der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes verstehen. Wir lösen hierzu obige Gleichung nach der Variablen U auf:

 

 

Hier wird der Wert der Umlaufsgeschwindigkeit dadurch ermittelt, dass man den Gesamtwert der gehandelten Waren auf die Gesamtzahl aller Geldeinheiten bezieht.

 

Von der aus logischen Gründen immer richtigen Verkehrsgleichung ist die Quantitätstheorie zu unter­scheiden, so wie sie vor allem von David Ricardo entwickelt wurde. Die Quantitätstheorie geht zwar von der Verkehrsgleichung aus, sie formuliert jedoch Hypothesen über die Beziehung dieser vier Variablen, welche keinesfalls bereits aus logischen Gründen wahr sind, sondern echte falsifizierbare Annahmen darstellen.

 

Man kann auch davon sprechen, dass die Fisher‘sche Verkehrsgleichung die monetären Zusammenhänge ex post, also nach vollzogenem Tausch beschreibt, während die Quantitätstheorie eine ex ante Betrachtung darstellt, die darüber etwas aussagt, von welchen Bestimmungsgründen die einzelnen Variablen der Verkehrsgleichung abhängen und bei welcher Entwicklung von einem Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage gesprochen werden kann.

 

Die erste Hypothese der Quantitätstheorie besagt, dass Geldmengenzuwächse zu Preissteigerungen führen, wobei bei einer strengen Auslegung der Umfang der Preissteigerungen auch unmittelbar dem Umfang der Vermehrung der Geldmenge entspricht.

 

Da die Verkehrsgleichung ex definitione gilt, tritt diese Wirkung einer Geldzunahme deshalb auf, weil man unterstellt, dass erstens die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes (U) von den Zahlungssitten bestimmt wird und diese zumindest kurzfristig als konstant angesehen werden können. Zweitens geht man weiterhin davon aus, dass das Handelsvolumen wiederum kurzfristig konstant ist und von der Menge der vorhandenen Produktionsfaktoren abhängt und deshalb vor allem nicht mit Hilfe einer Vermehrung der Geldmenge ausgeweitet werden kann.

 

Hinter dieser zweiten Annahme steht die neoklassische These, dass Märkte von sich aus die Tendenz aufweisen, Ungleichgewichte automatisch abzubauen. Es wird also unterstellt, dass Vollbe­schäftigung herrscht oder bei vorübergehender Unterbeschäftigung relativ schnell wieder hergestellt wird. Es bedarf also keiner Geldvermehrung, um Vollbeschäftigung herbeizuführen, man vertraut auf die Wirksamkeit des Preismechanismus (Lohnmechanismus).

 

Beide Annahmen wurden in der Folge – wie bereits erwähnt  – vor allem von Keynes kritisiert. Keynes geht davon aus, dass die Nachfrage nach Geld kurzfristig unter anderem auch von der Zinshöhe abhängt. Vor allem, wenn der Zins konjunkturbedingt besonders niedrig ist und vermutlich sein Konjunkturtief erreicht hat, wird mit baldigen Zinssteigerungen gerechnet, die selbst wiederum bei den festverzinslichen Wertpapieren Kursverluste auslösen. Wegen der Gefahr dieser Kursverluste werden Gelder nicht zinsbringend angelegt, sondern vorübergehend in Kasse gehalten.

 

Eine Mehrnachfrage nach Kasse ist jedoch in den Ausdrücken der Verkehrsgleichung gleichbedeutend damit, dass die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes zurückgeht. Je mehr und je länger Geld in Kasse gehalten wird, umso weniger finanziert es Warenkäufe und vermindert auf diese Weise die Umlaufsge­schwindigkeit des Geldes.

 

Keynes übte noch aus einem zweiten Grund Kritik an der Hypothese der Quantitätstheorie, dass Geldzu­wächse immer zu Preissteigerungen führten. Keynes unterstellt, dass der Markt nicht in der Lage ist, Arbeitslosigkeit abzubauen. Dies bedeute jedoch keineswegs, dass auf den Gütermärkten keine Gleich­gewichts­mechanismen am Werk seien. Es wird nur geleugnet, dass diese Gleichgewichtstendenzen von Preisvariationen ausgehen und dass sowohl von der Angebots- wie von der Nachfrageseite Ungleichgewichte abgebaut werden.

 

Folgt man den Überlegungen von Keynes, reagieren die Unternehmer auf Marktungleichgewichte dadurch, dass sie unmittelbar, das heißt ohne Preiskorrekturen, ihre Angebotsmenge anpassen. Ein Angebotsüberhang führt automatisch dazu, dass die Unternehmer ihre Produktion verringern, während umgekehrt ein Nachfrage­überhang die Unternehmer veranlasst, die Produktion auszuweiten.

 

Indem nun eine Geldausweitung die Nachfrage steigere und damit Nachfrageüberhänge hervorrufe, führe der Zuwachs der Geldmenge – entgegen der Ansichten der Neoklassiker – dazu, dass die Gütermenge, also das Handelsvolumen steige.

 

Gegen die Quantitätstheorie wurde schließlich ein dritter Vorwurf erhoben: Es bleibt in dieser Theorie unklar, auf welchem Wege denn Veränderungen in der Geldmenge schließlich allgemeine Preissteigerungen hervorrufen. Sowohl die Klassiker wie auch die Neoklassiker sind sich darin einig, dass Güterpreise auf den einzelnen Märkten gebildet werden und durch Interaktionen zwischen Angebot und Nachfrage zustande kommen. Eine befriedigende Geldtheorie muss klar stellen, unter welchen Bedingungen eine Veränderung des Geldangebotes zu einer Veränderung des Zinssatzes führt, weiterhin wann Zinsvariationen eine Variation in der Nachfrage nach Güter herbeiführen und inwieweit schließlich Nachfragesteigerungen Preis­steigerungen auslösen.

 

Dieser Vorwurf gilt allerdings nur gegen die älteren Versionen der Quantitätstheorie, während die Neoquantitätstheorie expressis verbis diese drei Fragen zu beantworten versucht.

 

Mit der Quantitätstheorie verbindet sich noch eine zweite Hypothese: Es wird festgestellt, dass Steigerungen in den Güterpreisen immer nur dadurch verursacht werden können, dass auch die Geldmenge im Verhältnis zur Gütermenge angehoben wurde. Das Geldmengenwachstum ist entsprechend den Thesen der Quantitäts­theorie somit nicht nur ausreichende, sondern auch notwendige Voraussetzung dafür, dass es zu Preis­steigerungen kommt.

 

Dieser These widersprechen sowohl die keynesianische Inflationstheorie wie auch die Angebotstheorie der Inflation. Entsprechend der keynesianischen Inflationstheorie ist ein Nachfrageüberhang auf den Gütermärkten wesentliche Voraussetzung dafür, dass Preissteigerungen eintreten. Zwar mag diese Nachfragesteigerung von einem Geldzuwachs begleitet sein, es ist jedoch nach Meinung der Keynesianer die Veränderung in dem Nachfrageverhalten und nicht die bloße Geldvermehrung, welche für die Inflation verantwortlich ist.

 

Auch die Angebotstheorie der Inflation, so wie sie etwa von Sidney Weintraub formuliert wurde, geht davon aus, dass nicht so sehr die Geldmenge für Inflationsprozesse verantwortlich ist. Auch hier wird davon ausgegangen, dass die Zunahme des Preisniveaus durch ein elastisches Geldangebot alimentiert werden muss. Maßgeblich für den Inflationsprozess sei jedoch der Anstieg in den Stückkosten bei der Güter­produktion.

 

Wir wollen also festhalten: Eine Vermehrung der umlaufenden Geldmenge führt zu Preissteigerungen und verletzt deshalb das Ziel der Geldwertstabilität, wenn sie nicht begleitet wird von einer Verminderung in der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes und genau in dem Umfang, in dem zusätzlich das Geldmengenwachstum das Wachstum der Güterproduktion übersteigt.

 

Wenn die Geldmenge nur dann ausgeweitet wird, wenn aus welchen Gründen auch immer die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes zurückgeht oder wenn das Güterangebot ansteigt, gehen von dieser Vermehrung der Geldmenge keine wesentlichen Inflationstendenzen aus. Sie sind sogar notwendig, um einen Deflationsprozess zu verhindern. Positiv ausgedrückt: Die umlaufende Geldmenge ist stets so von der Notenbank zu steuern, dass die umlaufende Geldmenge dem Quotienten aus Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes und Handelsvolumen entspricht. Diese Zusammenhänge werden bei einer Umformulierung der Verkehrsgleichung deutlich:

 

 

5. Wirkungen eines sinkenden Geldwertes

 

Fragen wir uns nun, warum denn eigentlich eine Geldwertstabilität (die Verhinderung einer Inflation) so wichtig ist? Haben uns die Klassiker nicht gelehrt, dass es für den Erfolg des marktwirtschaftlichen Prozesses allein auf die Preisrelationen und eben gerade nicht auf das Preisniveau ankommt? Und haben uns die Keynesianer nicht klar zu machen versucht, dass es sogar einer gewissen geringfügigen Inflation von einigen wenigen Prozentpunkten jährlich bedürfe, um Vollbeschäftigung und Wachstum zu erreichen?

 

In Beantwortung dieser Fragen gilt es erstens daraufhinzuweisen, dass nahezu jeder Inflationsprozess auch zu einer Verschiebung in den Preisrelationen führt und auf diesem Umwege die Ausrichtung der Produktion am Bedarf der Konsumenten verhindert. Ungefährlich wäre eine Inflation für den Allokationsmechanismus nur dann, wenn bei einer Inflation alle Preise zur gleichen Zeit und in gleichem Umfang ansteigen würden. In Wirklichkeit vollziehen sich jedoch Inflationsprozesse in der Weise, dass die Preissteigerung auf einzelnen Märkten beginnt und dass dann aufgrund der vielfältigen substitutiven wie auch komplementären Zusammenhänge zwischen den einzelnen Gütern dieser Prozess der Preissteigerung auf die übrigen Märkte übertragen wird.

 

Eine Inflation ist jedoch zweitens auch aus verteilungspolitischen Gründen höchst unerwünscht, da sie die Einkommensrelationen (die Preisverhältnisse der Produktionsfaktoren) verschiebt und zwar aus Gründen, die nichts mit Gerechtigkeitsvorstellungen zu tun haben. Gläubiger werden zugunsten der Schuldner, Lohnempfänger zugunsten der Selbständigen, Empfänger von Fixeinkommen zugunsten derjenigen Arbeitnehmer benachteiligt, deren Lohn jährlich in Tarifverhandlungen an die Preissteigerungen angepasst wird.

 

Unsere bisherigen Überlegungen haben gezeigt, dass die Einführung des Geldes als allgemein akzeptiertes Tauschmittel und gesetzlich anerkannten Zahlungsmittel einen enormen Wachstumsschub gebracht hatte. Nur auf diesem Wege war es überhaupt möglich, in großem Stile Arbeitsteilung zu betreiben und die Vorteile einer Spezialisierung zu erlangen.

 

 

6. Giralgeld

 

Dabei blieb es jedoch im Zusammenhang mit dem Tausch nicht. Auch die Weiterentwicklung von einer reinen Geldwirtschaft zu einer Kreditwirtschaft brachte einen weiteren immensen Produktivitätsschub. Die privaten Haushalte zahlen ihre Ersparnisse an private Banken und diese leihen diese Gelder an investitionswillige Unternehmer aus. Hierbei entsteht eine neue Form des Geldes, die allgemein als Giralgeld bezeichnet wird. Mit Hilfe eines von einer privaten Bank zur Verfügung gestellten Kredites können die Kreditnehmer genauso, wie wenn sie über gesetzliche Banknoten verfügen würden, ihre Käufe bezahlen.

 

Lange Zeit wurde nun innerhalb der Wirtschaftswissenschaft darüber gestritten, ob beim Giralgeld wirklich echtes Geld im Sinne eines allgemeinen Tauschmittels vorliege und ob deshalb die Privatbanken die Möglichkeit haben, Geld zu schöpfen und damit nachhaltig die umlaufende Geldmenge erhöhen können. So wurde zur Zeit der Klassiker von den Vertretern der sogenannten Bankingtheorie die These vertreten, dass die Privatbanken lediglich das ihnen in Form von Ersparnissen zur Verfügung gestellte Geld an die Unternehmer ausleihen, dass auf diese Weise kein neues Geld geschaffen und die Geldmenge ausgeweitet werden könne. Die Privatbanken würden zwar mit ihren Krediten den Unternehmungen die Möglichkeit verschaffen, auf diese Weise Waren wie mit Geld zu kaufen, in gleichem Umfange würden jedoch die auf Bankkonten eingezahlten Ersparnisse sozusagen stillgelegt, sodass die Menge des umlaufenden Geldes auf diese Weise nicht verändert werde. Nur die Notenbank sei in der Lage, Geld zu schöpfen.

 

Diese Auffassung konnte im Verlauf der Geschichte der wirtschaftswissenschaftlichen Lehrmeinungen eindeutig widerlegt werden. Nehmen wir z. B. an, dass private Kunden insgesamt 1 Million Gelder als Ersparnisse auf Bankkonten einzahlen und unterstellen nun, dass die privaten Banken diese eine Million den Unternehmungen in Form von Krediten zur Verfügung stellen. Diese Kreditgabe erfolgt nun nicht etwa in der Form, dass den Kreditnehmern die Kreditsumme als gesetzliche Banknoten ausgezahlt werden. Die Unternehmer erhalten vielmehr das Recht, in Höhe des gewährten Kredites Überweisungen von ihrem Konto auf das Bankkonto derjenigen, von denen die Kreditnehmer Waren kaufen, vorzunehmen.

 

Bis zu diesem Schritt ist in der Tat noch kein neues Geld geschaffen worden, es fand nur eine Transformation der einen Geldform (den Banknoten) in eine andere Form eines Zahlungsmittels (der Überweisung) statt. Die Story geht jedoch weiter. Die privaten Banken insgesamt können nämlich davon ausgehen, dass der größte Teil der Gelder, die auf diese Weise auf andere Bankkonten überwiesen wurden, wiederum zu den Banken zurückfließen, da eben auch diejenigen, welchen diese Gelder überwiesen wurden, Konten im gesamten Bankensystem haben. Nur der kleinere Teil dieser Kreditsumme verlässt das Bankensystem und wird somit an private Haushalte oder auch Unternehmungen als Bargeld in Form gesetzlicher Zahlungsmittel ausgezahlt.

 

Dies bedeutet jedoch, dass die Banken in ihrer Gesamtheit in der Lage sind, diese zurückfließenden Gelder erneut in Form von Krediten auszuleihen. Die in unserem Beispiel erwähnte eine Million Kredite würden z. B. zu 75% erneut auf private Bankkonten zurücküberwiesen, es könnten also dann Kredite im Umfang von 750 000 Euro erneut gewährt werden, von diesen 750 000 Euro würden jedoch erneut 75%, als etwa  562 000 € in den Bankenapparat zurück fließen, also könnten auch diese Gelder ein drittes Mal ausgeliehen werden. Und dieser eingeleitete Prozess könnte im Prinzip unbegrenzt fortgesetzt werden.

 

Entsprechend der Summenformel einer unendlichen geometrischen Reihe entsteht auf diese Weise ein Gesamtvolumen an Giralgeld (GS), das die Summe der Ersparnisse (S) um ein vielfaches übersteigt, wobei die Höhe dieses Betrages davon abhängt, wie viel Gelder als Bargeld ausgezahlt werden (1 - beta) und damit das Bankensystem verlassen. Die Gesamtmenge des vom Bankenapparat geschaffenen Giralgeldes bestimmt sich nach folgender Gleichung:

 

Es kann also mit anderen Worten nicht bestritten werden, dass nicht nur die Notenbank, sondern auch die privaten Banken in ihrer Gesamtheit Geld schaffen können. Diese Tatsache wirft jedoch ein ernstzunehmendes Problem auf. Wir hatten oben gezeigt, dass das reibungslose Funktionieren einer Marktwirtschaft voraussetzt, dass der Wert des Geldes stabil (unverändert) bleibt und dass dieses Ziel nur erreicht werden kann, wenn die Wertsumme des umlaufenden Geldes (Geldmenge mal Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes) nur in dem Maße ansteigt, als entweder das reale Handelsvolumen zunimmt oder die Umlaufsgeschwindigkeit zurückgeht. Dafür, dass Geldwertstabilität besteht, ist in erster Linie die Notenbank verantwortlich. Wie kann sie aber diese Geldwertstabilität garantieren, wenn sie nicht allein die umlaufende Geldmenge kontrolliert?

 

 

7. Kontrolle über die Schaffung von Giralgeld

 

Betrachten wir hierzu zunächst noch einmal die Fisher’sche Verkehrsgleichung. Wir können den Umstand, dass auch private Banken Geld schaffen können, einmal so interpretierten, dass sich die umlaufende Geldmenge nun sowohl auf Banknoten (einschließlich der vom Staat geprägten Münzen) als auch auf das von den Privatbanken geschaffene Giralgeld bezieht.

 

Eine zweite mögliche Interpretation besteht darin, dass man in der Fisher’schen Verkehrsgleichung nach wie vor die Geldmenge mit der von der Notenbank in Umlauf gebrachten Banknoten einschließlich der Münzen gleichsetzt und den Tatbestand der Giralgeldschöpfung als eine Erhöhung der Umlaufsgeschwindigkeit der Geldmenge ansieht. Ein- und derselbe Geldschein vermittelt nun eine Vielzahl von Käufen, dadurch, dass es den Privatbanken gelingt, die eingezahlten Spargelder mehrfach auszugeben. Diese zweite mögliche Interpretation bietet sich sogar an, da ja die Notenbank nur die Banknotenmenge unmittelbar kontrollieren kann.

 

Da die Notenbank somit nicht mehr die gesamte Geldmenge bzw. deren Umlaufsgeschwindigkeit auf direktem Wege kontrollieren kann, hat man etwa seit der großen Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts den Versuch unternommen, der Notenbank Instrumente zur Verfügung zu stellen, mit deren Hilfe sie die Giralgeldmenge auf indirektem Wege beeinflussen kann.

 

Zu diesen Instrumenten zählen insbesondere neben der Leitzinspolitik, über welche die Notenbank im Prinzip in der Form der Diskont- und Lombardpolitik schon immer verfügte, die Mindestreservepolitik sowie die Offenmarktpolitik. Im Rahmen der Mindestreservepolitik hat die Notenbank das Recht, von den Privatbanken zu verlangen, bei der Notenbank eine Mindestreserve zu hinterlegen, welche vor allem vom Umfang der Verbindlichkeiten abhängt, wobei die Höhe dieser Mindestreserve von der Notenbank variiert werden kann.

 

Die Offenmarktpolitik besteht hingegen darin, dass die Notenbank auf den Geld- und vor allem Kapitalmärkten als Käufer oder Verkäufer auftreten kann, und durch ihr Intervenieren die umlaufende Geldmenge vergrößern oder verringern kann sowie Einfluss auf die Höhe des allgemeinen Zinsniveaus gewinnen kann.

 

Die Europäische Notenbank hat allerdings bisher darauf verzichtet, das Instrument der Mindestreserve anzuwenden, sie kontrolliert die Giralgeldmenge vorwiegend dadurch, dass sie den Privatbanken zum Leitzins Kredite gewährt sowie dadurch, dass sie als Offenmarktpolitik betreibt. Der Unterschied zwischen beiden geldpolitischen Instrumenten besteht vorwiegend darin, dass im Rahmen der Leitzinspolitik die Privatbanken Wertpapiere bei der Notenbank hinterlegen, welche sie jedoch bei Rückzahlung dieser Kredite wiederum zurücknehmen müssen, während bei der Offenmarktpolitik die Notenbank die Wertpapiere endgültig kauft oder verkauft.

 

Die geldpolitische Wirkung dieser beiden Instrumente besteht dann darin, dass über diese Politik in Zeiten des Konjunkturtiefs zunächst Notenbankgeld zu den Privatbanken fließt, verbunden mit der Erwartung, dass die Privatbanken ihrerseits ihr Kreditvolumen gegenüber ihren Kunden erweitern. Eine Zunahme der Geldmenge wird aber automatisch von einer Reduzierung des Zinssatzes begleitet. Gleiches gilt mutatis mutandis für eine kontraktive Geldpolitik in Zeiten des Konjunkturhochs.

 

Hierbei kann die Notenbank wie bei der Leitzinspolitik primär des Zinssatz festlegen und darauf vertrauen, dass die Herabsetzung des Zinssatzes auch zu einer verstärkten Kreditnahme der Privatbanken bei der Notenbank führt. Diese Vorgehensweise ist auch im Rahmen der Offenmarktpolitik möglich, wenn die Notenbank den Zinssatz, zu dem sie Wertpapiere aufkauft (und damit die umlaufende Geldmenge erhöht) herabsetzt. Die Notenbank kann jedoch im Rahmen der Offenmarktpolitik auch eine bestimmte Geldmenge anbieten und dann darauf setzen, dass aufgrund der Zunahme der umlaufenden Geldmenge der Zinssatz nachgibt.

 

Die Grenzen dieser Politik bestehen natürlich darin, dass die Privatbanken bei diesem Vorgehen mitspielen. Die Notenbank kann die Privatbanken weder zwingen, sich vermehrt bei der Notenbank zu verschulden noch Wertpapiere anzukaufen oder abzustoßen. Sie kann nur darauf hoffen, dass die Anreize, welche von einer Veränderung im Zinssatz ausgehen, ausreichen um die Banken zu veranlassen, mehr Geld nachzufragen oder bei Zinserhöhungen ihre Geldnachfrage zu reduzieren.

 

Eine kontraktive Geldpolitik stößt auf eine weitere Grenze insofern, als die Notenbank natürlich nur die Wertpapiere verkaufen kann, welche sich in ihrem Besitz befinden. In der Vergangenheit vor allem unmittelbar nach Kriegsende kam es vor, dass die Notenbank mangels Wertpapiere in ihrem Portefeuille gar nicht den Umfang an Wertpapierverkäufen durchführten konnte, der konjunkturpolitisch als notwendig erachtet wurde. Der Staat versuchte diese Behinderung dadurch zu überwinden, dass er Wertpapiere (sogenannte Mobilisierungspapiere) eigens neu schuf, um der Notenbank Spielraum für eine kontraktive Offenmarktpolitik zu geben.

 

Unsere bisherigen Überlegungen haben also gezeigt, dass der Tausch durch Einführung der Kreditwirtschaft wesentlich gefördert wurde. Wenn man will, kann man in der Einführung von Kreditkarten sowie des online Bankings und der Abwicklung von allgemeinen Geschäften im online Handel schlechthin eine vierte Entwicklungsstufe (direkter Tausch Ware gegen Ware, Tausch mittels Geld, Tausch durch Gewährung von Krediten) sehen, welche von neuem die Möglichkeiten des Gütertauschs um ein weiteres vergrößert hat.

 

Genauso nämlich, wie die Kreditvergabe der Banken die Umlaufsgeschwindigkeit des Banknotengeldes vergrößert hat, führt auch der Handel aufgrund der Kreditkarten sowie aufgrund der Internet-Geschäfte erneut zu einer Zunahme der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes. Kreditkarten können überzogen werden und von dieser Möglichkeit wird reichlich Gebrauch gemacht. Die Möglichkeit von zu Hause aus Geschäfte zu tätigen, hat die beim Kauf notwendigen Transaktionskosten wesentlich gesenkt, was sich wiederum in einer Zunahme der Kaufbereitschaft niedergeschlagen hat.

 

Diese Reduzierung der bei einem Tausch anfallenden Transaktionskosten mag einerseits als ein volkswirtschaftlicher Gewinn angesehen werden, andererseits wird auf diese Weise aber auch die Kontrolle der Notenbank über die Giralgeldschöpfung schwieriger, sodass mit dieser vierten Stufe in der Entwicklung des Tausches hohe Wohlfahrtsverluste dadurch entstehen, dass das Ziel der Geldwertstabilität immer weniger erreicht werden kann.

 

 

8. Exporte und Importe  

 

Wir haben bei unseren bisherigen Überlegungen außenwirtschaftliche Bezüge ausgeklammert. Zwar gelten die bisher vollzogenen Schlussfolgerungen im Wesentlichen auch für den internationalen Tausch, auch hier werden Waren und Dienstleistungen gegen Geld getauscht, nur dass eben die Waren, welche ein Land vom Ausland importiert, in aller Regel in ausländischem Geld bezahlt werden müssen, sodass die Importeure zunächst das einheimische Geld in ausländisches Geld (in Devisen) wechseln müssen. Hierbei kommt es nicht in erster Linie darauf an, ob ein Austausch von Gütern zwischen verschiedenen Staaten stattfindet, sondern ob Waren aus anderen Währungsgebieten bezogen werden. In diesem Sinne können mehrere völkerrechtlich gesehen unabhängige Staaten eine Währungsgemeinschaft bilden– wie dies z. B. in Europa der Fall ist – und wenn man will, bildet eben diese Währungsgemeinschaft eine eigene Volkswirtschaft.

 

Wenn also aus der Sicht der einzelnen Individuen, welche außenwirtschaftliche Beziehungen zu anderen Volkswirtschaften pflegen, auch hier Waren gegen (ausländisches) Geld getauscht werden, aus der Sicht der gesamten Volkswirtschaft geht es im Grunde genommen wiederum wie beim direkten Tausch darum, dass der gesamte Wert der importierten Waren auf lange Sicht dem Wert aller Exportgüter entsprechen muss.

 

Wenn die Inländer Waren aus anderen Währungsgebieten erwerben wollen, müssen sie hierzu Geld besitzen, das in diesem anderen Land anerkannt ist und dies bedeutet, dass dieses ausländische Geld zunächst durch Exporte erworben werden muss. Kurzfristig ist es zwar möglich, dass eine Volkswirtschaft bereits über Devisen verfügt und dass deshalb in der Periode, in der Güter importiert werden, diese aus diesem Bestand an bereits vorhandenen Devisen bezahlt werden.

 

Aber in aller Regel verfügt eine Volkswirtschaft nur dann über einen Vorrat an Devisen, wenn diese in früheren Perioden erworben wurden und dies wiederum setzt voraus, dass diese Volkswirtschaft in den vorhergehenden Perioden Exportüberschüsse erzielt hat, also bezogen auf den Wert mehr Güter exportiert als es Waren importiert hat. Auf lange Sicht gilt also der Grundsatz, dass der Wert der Importe dem Wert der Exporte entsprechen muss.

 

Somit entsteht im Zusammenhang mit dem internationalen Handel ein weiteres Problem. Bei unseren binnenwirtschaftlichen Überlegungen hatten wir gesehen, dass wir nur dann mit einem reibungslosen Handel rechnen können, wenn dafür Sorge getragen wird, dass der Wert des Geldes im Zeitablauf stabil bleibt. Berücksichtigen wir nun zusätzlich den internationalen Handel, so bedarf es zusätzlich zu dieser Geldwertstabilität einer Stabilität der Währungen, das heißt das Austauschverhältnis der Währungen untereinander sollte ebenfalls keinen zu großen Schwankungen ausgesetzt sein.

 

Sind nämlich die Austauschverhältnisse zwischen den einzelnen Währungen größeren Schwankungen ausgesetzt, so besteht die Gefahr, dass das mit außenwirtschaftlichen Geschäften verbundene Risiko so stark ansteigt, dass die Bereitschaft zu internationalem Handel stark zurückgeht und dass mit diesem Rückgang in der internationalen Arbeitsteilung die Produktivität zurückgeht oder dass zumindest in Zukunft mit geringeren Steigerungen in der Produktivität zu rechnen ist.

 

Jeder Handel ist zwar mit Risiken verbunden. Fast jeder Unternehmer muss befürchten, dass die notwendige Nachfrage nach seinen Produkten zurückgeht, da sich unter Umständen der Bedarf der Endverbraucher wandelt oder da ein Teil der bisherigen Kunden zu anderen Produzenten abwandert, weil diese kostengünstiger produzieren können oder da sich schließlich die Kosten der Rohstoffe drastisch erhöht haben.

 

Diese Risiken gelten natürlich a fortiori für den internationalen Handel, sie sind hier im Allgemeinen höher als im Binnenhandel, da es für den einzelnen Produzenten in aller Regel mit höheren Kosten verbunden ist, die im Ausland geltenden Absatzmöglichkeiten und staatlichen Regelungen zu erkunden.

 

Zu diesen Risiken tritt jedoch im Zusammenhang mit dem Außenhandel ein zusätzliches Risiko auf, das eben darin besteht, dass sich die Wechselkursverhältnisse verändert haben und dass aus diesem Grunde die im Export erzielten Erlöse in einheimischer Währung gerechnet geringer als geplant ausfallen bzw. die für den Import notwendigen Kosten unerwartet ansteigen.

 

So ist zu befürchten, dass auch dann, wenn eine Volkswirtschaft über genügend risikobereite Unternehmer verfügt, welche bereit sind, die im Binnenhandel auftretenden Unsicherheiten zu tragen, trotzdem bei zu starken Wechselkursschwankungen die Bereitschaft fehlt, die im Außenhandel zusätzlich auftretenden Risiken zu übernehmen.

 

Im Rahmen der in der Vergangenheit geltenden Währungssysteme (im IWF und EWS) versuchte man dieses Problem vorwiegend dadurch zu lösen, dass die Notenbanken verpflichtet wurden, durch Ankauf oder Verkauf von Devisen auf eine Stabilität der Wechselkursverhältnisse hinzuwirken. Dieses Ziel kann jedoch nur dann gelingen, wenn die am Außenhandel beteiligten Volkswirtschaften ausreichende Mechanismen kennen, um vorübergehende Ungleichgewichte in den Zahlungsbilanzen abzubauen.

 

Mit dem An- und Verkauf von Devisen allein kann dieses Problem nicht befriedigend gelöst werden. Wenn nämlich eine Volkswirtschaft auf Dauer mehr Güter importieren als exportieren will und wenn deshalb die Gefahr besteht, dass wegen der Knappheit an Devisen der Kurs der eigenen Währung absinkt, dann kommt die Notenbank sehr schnell in die Situation, dass sie nicht über ausreichend Devisenvorräte verfügt, mit deren Hilfe sie die Kursverluste der eigenen Währung stoppen könnte. Bei Importüberschüssen ist ja die Notenbank nur dann in der Lage, diese Abwertung der eigenen Währung zu verhindern, wenn die Notenbank über ausreichend Devisen verfügt und sie kann dies nur dann, wenn in den vergangenen Perioden Exportüberschüsse erzielt wurden.

 

Langfristige Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen lassen sich somit nur dann verhindern, wenn eine Volkswirtschaft von sich aus, aufgrund der Mobilität der Produktionsfaktoren und der Nachfrage nach Gütern, in der Lage ist, vorübergehende Ungleichgewichte abzubauen. Gerade an diesem Problem scheiterten in der Vergangenheit die Bemühungen, innerhalb des IWF (Internationalen Währungsfonds) oder des EWS (des Europäischen Währungssystems) eine Wechselkursstabilität allein durch die Devisenpolitik der Notenbanken sicher zu stellen.