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Pathologie der Marktwirtschaft

 

 

 

Gliederung der Vorlesung:

 

1. Problemeinführung

2. Pathologische Branchen

3. Wettbewerb versus Monopol

4.  Externe Kosten und Erträge

5.  Der Allokationsmechanismus

6.  Der Verteilungsmechanismen der Wohlfahrt

7.  Die Weiterentwicklung des Liberalismus

 

 

Kapitel 06.  Verteilungsmechanismen der Wohlfahrt

 

 

 

Gliederung:

 

1.Verteilung und Allokation uno actu

2. Das Leistungsprinzip

3. Die Einkommensverteilung bei monopolistischen Marktformen

4. Einkommensverteilung bei einem bilateralen Monopol

5. Die Verteilung der Wachstumsgewinne

 

 

 1.Verteilung und Allokation uno actu

 

Nachdem wir uns im vorhergehenden Kapitel darüber klar geworden sind, wie der Allokationsmechanismus einer Marktwirtschaft funktioniert und welche Umstände zu pathologischen Erscheinungen führen, wollen wir uns in diesem Kapitel mit der Frage befassen, nach welchen Prinzipien der Verteilungsmechanismus der Marktwirtschaft abläuft und welche Faktoren dazu beitragen können, dass die Verteilung der Einkommen und der Wohlfahrt oftmals unbefriedigend ausfällt.

 

Als erstes gilt es festzustellen, dass in einer Marktwirtschaft die Verteilung der Einkommen (die Distribution) und die Aufteilung der knappen Ressourcen auf die einzelnen Verwendungsarten (die Allokation) uno actu erfolgt. Dies will heißen, dass es diesselbe Steuerungsgröße ist der Preis bzw. das Verhältnis der Preise zueinander, welche darüber entscheidet, wie die Allokation und wie die Distribution ausfallen.

 

In einer Marktwirtschaft werden die Entscheidungen der einzelnen Marktteilnehmer durch die Preise und zwar weniger durch die absolute Höhe als vielmehr durch das Verhältnis der Preise untereinander gelenkt. Es sind die Preise der Güter, aber auch der Produktionsfaktoren, welche darüber entscheiden, wie die knappen Ressourcen verwendet werden. Es sind aber grundsätzlich die gleichen Preise, welche auch darüber entscheiden, wie die Einkommen auf die einzelnen Marktteilnehmer aufgeteilt werden.

 

Kommt es z. B. zu einer Steigerung des Preises p1 des Gutes X1 im Vergleich zum Preis p2 des Gutes X2, so führt dies auf der einen Seite dazu, dass von Gut X1 mehr und von Gut X2 weniger produziert wird. Auf der anderen Seite steigen jedoch wegen des gestiegenen Umsatzes in aller Regel auch die Gewinne der Produzenten des Gutes X1 und aufgrund der dadurch ausgelösten vermehrten Nachfrage nach den in diesem Bereich beschäftigten spezifischen Arbeitskräften deren Lohnsätze und Lohneinkommen.

 

Auch dann, wenn sich die Marktform ändert,wenn also z. B. die Marktform eines vollständigen Wettbewerbs in ein Monopol übergeht, werden hiervon gleichermaßen die Allokation und die Distribution beeinflusst. In allokativer Hinsicht führt ein Angebotsmonopol auf den monopolisierten Gütermärkten zu einer Verknappung des Gutes, in distributiver Hinsicht hingegen zu einem Anstieg des Gewinnes beim Monopolisten und damit zugleich zu einer Verminderung in den realen Einkommen der Käufer dieser Güter.

 

Die Verknappung des Güterangebotes wirkt sich jedoch auch verringernd auf die Nachfrage nach Produktionsfaktoren aus, und das hinwiederum löst einen Rückgang der Faktorpreise, also z. B. der Lohnsätze aus. Besitzen dann die Unternehmer auch auf dem Arbeitsmarkt ein Nachfragmonopol, so verringert sich die Nachfrage nach Arbeitskräften und mit ihr auch der Lohnsatz um ein Weiteres.

 

Wir haben davon gesprochen, dass in einer Marktwirtschaft Allokation und Distribution im Prinzip uno actu erfolgen. Im Prinzip will heißen, dass es von dieser Regel eine bedeutende Ausnahme gibt. Während nämlich sowohl bei vollständiger Konkurrenz sowie bei einem Monopol oder auch Oligopol, die morphologische Struktur des Marktes das Verhalten der Marktteilnehmer und damit auch die Ergebnisse des Marktprozesses nachhaltig beeinflusst, gilt dies nicht für die Marktform des bilateralen Monopols. Wenn es auf beiden Marktseiten jeweils nur einen Marktteilnehmer gibt, dann legt diese morphologische Marktstruktur das Verhalten der Marktteilnehmer nicht mehr eindeutig fest.

 

Die Marktteilnehmer können sich im Rahmen eines bilateralen Monopols vielmehr sowohl als Mengenanpasser als auch als Monopolisten verhalten, sie können Optionsfixierung betreiben, in dem sie die Teilnehmer auf der Marktgegenseite vor die Wahl (Option) stellen, entweder die angebotene bzw. die nachgefragte Menge und den Preis zu akzeptieren oder ganz auf einen Vertragsabschluss zu verzichten.

 

Sie können schließlich die Strategie der schrittweisen Anpassung anwenden, in dem sie sich zunächst auf die Merkmale beschränken, in denen sie übereinstimmender Meinung sind und dann erst in einem zweiten Schritt bei den zunächst kontroversen Fragen nach einer Einigung suchen, welche beiden Partnern noch Vorteile gegenüber dem bisherigen Zustand versprechen.

 

Dieser Unterschied bewirkt aber auch, dass nun die Distribution verändert werden kann, ohne dass hierdurch die Allokation berührt wird. Wenden z. B. die beiden Partner die Strategie einer schrittweisen Anpassung an, so fällt das allokative Ergebnis genauso aus wie es sich bei vollständiger Konkurrenz ergeben hätte, die Einkommensverteilung hingegen kann aber sehr wohl von der Verteilung bei vollständiger Konkurrenz mehr oder weniger abweichen.

 

Da aber im Rahmen der Wohlfahrtstheorie nachgewiesen wurde, dass bei vollständiger Konkurrenz (und bei Fehlen externer Effekte) im Gleichgewicht gerade das Wohlfahrtsoptimum erreicht wird, bedeutet dies, dass die Einkommensverteilung zugunsten z. B. der Arbeitnehmer bei einem bilateralen Monopol (wie es in den Tarifverhandlungen zwischen dem Arbeitgeberverband und den Gewerkschaften der Fall ist) beeinflusst werden kann, ohne dass dies – wie sonst in einer Marktwirtschaft – gleichzeitig stets negative Folgen für die Allokation nach sich zieht.

 

 

 2. Das Leistungsprinzip bei vollständiger Konkurrenz

 

Das grundlegende Prinzip, wonach in einer funktionierenden Marktwirtschaft das Volkseinkommen auf die einzelnen Individuen als Anbieter von Produktionsfaktoren verteilt wird, ist das Leistungsprinzip. Danach soll jeder nach seiner Leistung entlohnt werden und die Leistung soll danach bemessen werden, was der einzelne zum Zustandekommen der gesamten Produktion beigetragen hat. Wer z. B. länger arbeitet als ein anderer, soll auch dementsprechend ein höheres Lohneinkommen erhalten und wer eine höhere Leistung pro Arbeitsstunde erbringt, hat nach diesem Prinzip auch einen höheren Lohnsatz zu erhalten.

 

Nun lässt sich die Leistung eines einzelnen Marktteilnehmers nach subjektiven oder objektiven Kriterien bestimmen. Zumeist fallen beide Maßstäbe auseinander, derjenige, welcher eine Leistung erbringt, schätzt die von ihm erbrachte Leistung oftmals höher ein als derjenige, der die Leistung nachfragt. Der Leistungserbringer neigt oftmals dazu, seine Arbeit zu überschätzen, während der Nachfrager nach einer Leistung diese bisweilen auch unterschätzt.

 

Wenn vom Leistungsprinzip gesprochen wird, denkt man stets an einen objektiven Maßstab, der Sinn jeder Produktion liegt primär darin, welche Nutzensteigerung der Leistungserbringende dem Endverbraucher erbracht hat und nicht welches Arbeitsleid der einzelne aufwenden musste, um seine Leistung zu vollbringen. Leistung besteht hierbei nicht nur darin, dass Arbeit erbracht wird, sondern ganz generell das Zurverfügungstellen und Aufbereiten knapper, für die Produktion notwendiger Ressourcen.

 

Leistung erbringt zunächst einmal der einzelne Arbeitnehmer durch seine produktiven Tätigkeiten. Leistung erbringt aber auch derjenige, welcher Kapital zur Verfügung stellt, wenn z. B. das Angebot an Kapital mit Risiken verbunden ist und wenn die Bereitschaft, Risikokapital zur Verfügung zu stellen, knapp ist und ohne eine Entlohnung in nicht ausreichendem Maße zur Verfügung gestellt würde.

 

Maßgeblich dafür, dass ein Beitrag eines Individuums als Leistung anerkannt wird, ist nicht das bei der Leistungserbringung entstandene Arbeitsleid, auch derjenige, welcher Freude an seiner Arbeit empfunden hat, hat Leistung erbracht, der einzige Maßstab der Leistung liegt an der Nutzensteigerung (Wohlfahrtssteigerung), welche die Konsumenten letztlich aufgrund der Leistungserbringung erfahren werden.

 

Im Rahmen der Wohlfahrtstheorie wird nun der Beitrag des Einzelnen zur allgemeinen Wohlfahrtssteigerung daran gemessen, um wie viel das Zurverfügungstellen der letzten Einheit des angebotenen Produktionsfaktors das Inlandsprodukt vergrößert hat. Man spricht hierbei vom Grenzprodukt der Arbeit oder des Kapitals.

 

Nun ist von Bedeutung, dass nicht in jedem Falle das Angebot eines Produktionsfaktors gerade mit einem Faktorpreis entlohnt wird, der diesem Grenzprodukt entspricht. Die Wohlfahrtstheorie hat vielmehr gezeigt, dass eigentlich nur dann mit wenigen Ausnahmen damit gerechnet werden kann, dass die Produktionsfaktoren gerade mit ihrem Grenzprodukt entlohnt werden, wenn auf allen Märkten eine vollständige und vollkommene Konkurrenz gegeben ist.

 

Eine vollständige Konkurrenz ist notwendig, damit die Produktionsfaktoren zu ihren Grenzprodukten entlohnt werden, eine vollkommene Konkurrenz hingegen ist ebenfalls notwendig, damit Produktionsfaktoren gleicher Qualität auch zu gleichen Faktorpreisen entlohnt werden.

 

Von vollständiger Konkurrenz sprechen wie hierbei dann, wenn eine Vielzahl von Nachfragern auf eine Vielzahl von Anbietern stößt. Von vollkommener Konkurrenz wird hingegen immer dann gesprochen, wenn die Marktteilnehmer den Wert eines Gutes allein an der Höhe des Preises sowie der Qualität des nachgefragten bzw. angebotenen Gutes messen. Der Wettbewerb würde hingegen als unvollkommen bezeichnet, wenn der Kauf oder Verkauf einer Ware wegen der persönlichen Beziehungen der Marktteilnehmer stattfinden würde und deshalb unter Umständen Güter gekauft werden, welche nicht den geringsten Preis oder die beste Qualität aufweisen.

 

Nun reicht es allerdings nicht aus, dass auf allen Märkten Wettbewerb gegeben ist, um das Leistungsprinzip durchzusetzen. Im Grunde genommen kann man nur von einer gerechten Entlohnung und davon sprechen, dass jeder nach seiner Leistung entlohnt wird und dass deshalb eine unterschiedliche Entlohnung auch auf eine unterschiedliche Leistungsbereitschaft zurückzuführen ist, wenn auch jeder in der Lage wäre, die gleiche Leistung zu erbringen. Unterschiede müssten dann eigentlich allein auf Unterschiede in der Bereitschaft zur Leistung liegen. Ein einzelner Arbeitnehmer bietet also z. B. weniger Arbeitsstunden an als andere Arbeitnehmer, weil er den Nutzen aus der dadurch gewonnenen Freizeit höher einschätzt als der Nutzen des Einkommens, das der einzelne aus der erwerblichen Arbeit erhält.

 

Die Fähigkeiten, Leistungen zu erbringen, sind jedoch aus zweierlei Gründen durchaus unterschiedlich. Auf der einen Seite ist die Arbeitsqualität von Arbeitnehmer unterschiedlich, Unterschiede in der Arbeitsqualität erbringen jedoch auf einem funktionierenden Markt auch unterschiedliche Lohnsätze. Auf der anderen Seite verfügen die einzelnen Bürger über ein unterschiedliches Vermögen, das erwerbswirtschaftlich eingesetzt werden kann und deshalb auch zu unterschiedlichen Einkommen führen wird.

 

Unterschiede in der Arbeitsqualität können einmal durch ein unterschiedliches Ausbildungsniveau begründet sein. Hier besteht die Möglichkeit, Unterschiede im Leistungsvermögen dadurch abzubauen, dass  man möglichst allen Bürgern den Zugang zu den weiterführenden Schulen garantiert. Es verbleiben aber immer noch beachtliche Begabungsunterschiede, die auf erbliche Faktoren zurückgeführt werden müssen. Nicht jeder kann das Genie eines Einsteins erreichen, nicht jeder hat den Marschallstab im Tornister, kann also allein durch Ausbildung an die höchsten Positionen aufrücken.

 

Vermögensunterschiede hingegen können einmal darin begründet liegen, dass der Vermögende in der Vergangenheit überdurchschnittliche Arbeitsleistungen erbracht und/oder einen größeren Teil des erworbenen Einkommens gespart hat. Vermögensunterschiede, welche auf Ersparnisse in der Vergangenheit zurückgeführt werden können, widersprechen nun nicht dem Leistungsprinzip, zwar sind in der gegenwärtigen Periode die Besitzenden begünstigt, da sie über mehr Produktionsfaktoren verfügen als die Vermögenslosen (die Proletarier), aber diese Unterschiede sind auf unterschiedliche Leistungen in der Vergangenheit zurückzuführen und entsprechen deshalb sehr wohl dem Leistungsprinzip.

 

Vermögensunterschiede können aber zum Teil auch dadurch erklärt werden, dass Vermögen durch Erbschaften oder auch durch Beteiligung an einer Lotterie übertragen  werden können. Hier kann die bessere Ausstattung mit Kapital nicht auf eine individuelle Leistung des Besitzenden zurückgeführt werden und entspricht deshalb auch nicht mehr dem Leistungsprinzip.

 

Allerdings erfüllt das Erbrecht bestimmte gesellschaftliche Funktionen. Dadurch, dass der Staat eine Vererbung von Vermögen zulässt, ohne dass die Erben zuvor für den ihnen übergegebenen Nachlass eine Leistung erbringen mussten, soll auf der einen Seite der Familienerhalt gefördert werden, der Familie kommt jedoch in unserer Gesellschaft eine entscheide Funktion im Hinblick auf den Bevölkerungserhalt sowie in der Erziehung der heranwachsenden Kinder zu. Gleichzeitig wird jedoch darüber hinaus davon ausgegangen, dass aufgrund des Umstandes, dass Vermögen weitervererbt und dass deshalb Unternehmungen über den Tod der Unternehmer weitergeführt werden können, entscheidende Wachstumsimpulse freigesetzt werden können.

 

Das Ziel einer gerechten Verteilung steht also hier in einem Konflikt zu den familien- und wachstumspolitischen Zielen einer Gesellschaft, es bedarf also gewisser Kompromisse, aufgrund derer durchaus im Einzelfall ein teilweiser Verzicht auf volle Realisierung der verteilungspolitischen Zielsetzungen hingenommen werden muss.

 

Vielleicht wird dieser notwendige Kompromiss dadurch etwas annehmbarer, dass unsere Verfassung vorschreibt, dass Eigentum verpflichtet, dass die Vererbung großer Vermögensmassen zunächst einmal den Zweck verfolgt, dass Vermögen in erster Linie für die Wahrung gesellschaftlicher Aufgaben eingesetzt wird und dass erst an zweiter Stelle Erben Vermögen erhalten haben, um ihren persönlichen Konsum steigern zu können.

 

Eine solche gesellschaftliche Aufgabe des Eigentums besteht vor allem darin, dass ein hohes Wachstumsniveau und eine positive Wachstumsrate immer voraussetzen, dass in ausreichendem Maße Risikokapital zur Verfügung gestellt wird. Erfahrungsgemäß ist jedoch nur derjenige überhaupt in der Lage, unternehmerische Risiken zu übernehmen, der auch über entsprechend große Vermögensmassen verfügt.

 

Wäre das Erwerbsvermögen gleichmäßig auf die gesamte Bevölkerung verteilt, wäre es nämlich undenkbar, dass in ausreichendem Maße Risikokapital zur Verfügung gestellt würde, da die Risikobereitschaft in der Masse der Bevölkerung gering ist und da die volle Übernahme der unternehmerischen Risiken auch erst ab einem bestimmten Vermögensumfang zumutbar ist. Vor allem kann der Vermögende auch dadurch sehr wohl gesellschaftliche Aufgaben übernehmen, dass er Stiftungen einrichtet, welche Gemeinwohlziele (wie z. B. die Förderung der Wissenschaft oder Kunst) verfolgen.

 

Stets sollte bedacht werden, dass ein Multimillionär und Multimilliardär zumeist gar nicht in der Lage ist, sein gesamtes Vermögen für eigene Bedürfnisse zu verwenden, der größte Teil des Vermögens muss dann ohnehin für öffentliche Zwecke eingesetzt werden. In diesem Falle besteht aber weniger die Gefahr, dass Vermögen für private Bedürfnisse eingesetzt werden. Zur Diskussion steht vielmehr die ganz andere Frage, ob die Zwecke, für welche die Vermögensmasse eingesetzt wird, die Wohlfahrt der Bevölkerung mehren oder vermindern heldfen. Gerade weil das Grundgesetz vorschreibt, dass das Eigentum verpflichtet, könnte der Staat sehr wohl per Gesetz missbräuchlichen Einsatz von Vermögen ahnden.

 

Sicher wird man einwenden können, dass oftmals das Eigentum gemessen an diesem Maßstab missbräuchlich angewandt wird. Es wäre jedoch falsch zu unterstellen, dass dann, wenn nur der Staat über größere Vermögensmassen verfügen dürfte, nicht aber private Personen, die Missbrauchsgefahr gebannt wäre. Es fragt sich sogar, ob von denjenigen, welche im Namen der Öffentlichkeit über Vermögen verfügen, weniger Missbrauch herbeigeführt wird als von privaten Eigentümern. Schließlich handelt es sich bei den Politikern und Beamten, welche im Auftrag der Gesamtgesellschaft agieren und den privaten Unternehmern, um den gleichen Menschenschlag.

 

Da nämlich in unserer hoch komplexen Gesellschaft Führungskräfte stets aufgrund ihrer Kompetenz ausgewählt werden, wird man nicht erwarten können, dass die politischen Führungskräfte per se eine höhere moralische Qualität aufweisen als diejenigen, welche aus eigener Verantwortung handeln. Gerade aus diesen Gründen dürfte der Prozentsatz derjenigen, welche moralisch verwerflich handeln, bei Politikern und Beamten nicht wesentlich niedriger liegen als bei normalen Privatpersonen.

 

 

3. Die Einkommensverteilung bei monopolistischen Marktformen

 

Wir wollen uns nun mit dem Einfluss der jeweils verwirklichten Marktform auf den Verteilungsmechanismus des Marktes etwas näher befassen. Dass bei vollständiger Konkurrenz der Faktorpreis gerade dem Wertgrenzprodukt des Faktors (also dem mit dem Güterpreis multiplizierten physischen Grenzertrag dieses Faktors) entspricht, liegt daran, dass sich wegen des geringen Marktanteils des einzelnen Unternehmers am Gesamtumsatz einer Branche eine aktive Preispolitik nicht lohnt, der Preis wird vielmehr aus dem Markt genommen und der einzelne Unternehmer passt die Menge seines Güterangebotes dieser Situation an.

 

Sein Gewinnmaximum erzielt der Unternehmer gerade dann, wenn der Güterpreis den Grenzkosten (dem Kostenzuwachs bei dem zuletzt produzierten Güterzuwachs) entspricht. Für die Faktormärkte gilt analog hierzu, dass eine Rentabilitätsorientierung der Unternehmung dazu führt, dass sie gerade dann ihr Gewinnmaximum erzielt, wenn der Faktorpreis (also z. B. der Lohnsatz) gerade dem mit dem Güterpreis multiplizierten Grenzertrag des Faktors (der Arbeit) entspricht.

 

Wenn es nun den Unternehmern aufgrund einer monopolistischen oder auch oligopolistischen Marktstruktur gelingt, über eine aktive Preispolitik ihre Rentabilität zu verbessern, ist damit zu rechnen, dass der Unternehmer gerade dann sein Gleichgewicht auf den Gütermärkten erlangt, wenn nicht der Preis wie bei vollständiger Konkurrenz, sondern nur noch der Grenzerlös den Grenzkosten entspricht.

 

Es gilt hierbei zu berücksichtigen, dass sich der Grenzerlös aus zwei Komponenten zusammensetzt. Wenn ein Unternehmer eine Gütereinheit mehr produziert, erzielt er auf der einen Seite einen Erlöszuwachs dadurch, dass er für die zuletzt verkaufte Gütereinheit den Preis dieses Gutes erhält. Auf der anderen Seite muss er jedoch davon ausgehen, dass nun aufgrund der Tatsache, dass nun das Güterangebot ausgeweitet wurde, entsprechend dem Gesetz der Preisunterschiedlichkeit (alle Güter der gleichen Qualität erzielen den gleichen Preis) für alle Güter ein etwas niedriger Preis erzielt wird.

 

Der Monopolist steht ja einer negativ geneigten Preis-Absatzkurve (Nachfragekurve) gegenüber, dies bedeutet jedoch, dass ein vermehrtes Angebot bei nur sinkenden Preisen abgesetzt werden kann. Diese partielle Erlösminderung gilt es von dem partiellen Erlöszuwachs abzuziehen,  die hierdurch erzielte Erlössumme entspricht dann dem gesamten Erlöszuwachs. Und dieser Erlöszuwachs ist im Monopolfalle somit stets geringer als der Preis dieses Gutes.

 

Bezogen auf den Faktormarkt bedeutet dies: Der Faktorpreis erreicht sein Gleichgewicht nun nicht mehr dann, wenn der mit dem Güterpreis multiplizierte Grenzertrag dieses Faktors dem Faktorpreis (z. B. dem Lohnsatz) entspricht. Vielmehr muss nun der Grenzertrag mit dem Grenzerlös multipliziert werden, um den Kostenzuwachs zu ermitteln, den ein Unternehmer dadurch erleidet, dass er aufgrund der vermehrten Produktion nun auch mehr Produktionsfaktoren (Arbeitskräfte) beschäftigen muss. Der Grenzerlös ist jedoch wie gezeigt bei monopolistischen Marktstrukturen geringer als der Güterpreis.

 

Fragt der Unternehmer nämlich eine Faktoreinheit mehr nach, so setzen sich die vermehrten Grenzkosten wiederum aus zwei Komponenten zusammen: Auf der einen Seite hat der Unternehmer einen Kostenzuwachs in Höhe eines Lohnsatzes und zwar deshalb, weil er eine Arbeitseinheit mehr beschäftigt (l*dA).

 

Da aber das Mehrangebot an Gütern dazu führt, dass der Grenzerlös stärker sinkt als der Güterpreis, bedeutet dies gleichzeitig, dass auch der zu gewährende Lohnsatz aufgrund der induzierten Mehrnachfrage nach Arbeit geringer ausfällt, als wenn auf den Gütermärkten Konkurrenz herrschen würde. Es gilt nämlich nun die Amoroso-Robinsonformel:

 

 

 

Mit l: Faktorpreis, z. B. Lohnsatz  p: Güterpreis  h: Nachfragelastizität auf dem Gütermarkt  gp: Grenzertrag des Faktors (der Arbeit).

 

Je geringer die Nachfrageelastizität auf den Gütermärkten ist, um so größer ist der Rückgang des Lohnsatzes. Die Nachfrageelastizität ist somit ein Maßstab für die Monopolmacht der Unternehmer, je geringer diese Elastizität ausfällt, um so größer ist die Macht der Unternehmer und um so mehr weicht der Lohnsatz von einem Lohnsatz ab, der bei vollständiger Konkurrenz erzielt worden wäre. Bei vollständiger Konkurrenz tendiert nämlich die Nachfrageelastizität (Preis-Absatzkurve der Unternehmer) aus der Sicht der Unternehmer gegen unendlich, der zweite Term in der Klammer der obigen Gleichung geht somit in dioesem Falle gegen null.

 

Wenn wir nun zusätzlich unterstellen, dass die Unternehmer auch auf den Arbeitsmärkten (zusätzlich zu den Gütermärkten) eine monopolistische Stellung erlangt haben, dann steigen die Grenzausgaben des Unternehmers bei Mehrnachfrage einer Arbeitseinheit über den Lohnsatz hinaus. Fragt nämlich der monopolistische Unternehmer auf dem Arbeitsmarkt eine Arbeitseinheit mehr nach, so hat der Unternehmer einmal gerade den Lohnsatz für die zusätzliche Arbeitseinheit zu entrichten. Zum andern muss er jedoch für jeden bisher beschäftigten Arbeitnehmer einen Lohnaufschlag zahlen, da die Arbeitsangebotskurve im Normalfall eine positive Steigung aufweist, zumindest soweit, als auch auf den Arbeitsmärkten das Gesetz der Preisunterschiedslosigkeit gilt. Es gilt somit die Formel:

 

 

bzw:

 

 

Diese Amoroso-Robinson-Formel zeigt, dass sowohl ein Angebotsmonopol auf den Gütermärkten als auch ein Nachfragemonopol auf den Arbeitsmärkten zu einer Reduzierung des Lohnsatzes führt im Vergleich zum Lohnsatz, welcher bei vollständiger Konkurrenz auf beiden Märkten (Güter- und Arbeitsmarkt) erzielt worden wäre.

 

Wir können diese Zusammenhänge auch anhand einer Graphik aufzeigen. Wir benutzen hierzu ein Drei-Quadranten-Diagramm. Auf der Abszisse des Quadranten Nordost tragen wir hierzu die Gütermenge (X) und auf der Abszisse den Güterpreis (p) ab. Die nach unten führende Ordinate des Quadranten Südost hingegen misst die eingesetzte Arbeitsmenge (A). Auf der nach links führenden Ordinate des Quadranten Südwest schließlich wird der Lohnsatz abgetragen.

 

In den Quadranten Nordost zeichnen wir eine negativ geneigte (konjekturale) Güternachfragekurve, die hieraus abgeleitete Grenzerlöskurve sowie die positiv verlaufende Grenzkostenkurve ein. Die Grenzerlöskurve beginnt bei der Menge 1 im Punkt der Nachfragekurve, weist jedoch eine stärkere Neigung auf als die Nachfragekurve.

 

Der Quadrant Südost zeigt den Verlauf der Beschäftigungsfunktion, gibt also an, wie die Beschäftigung (A) von der Produktionsmenge (X) abhängt. Unterstellt sei eine Cobb-Douglas-Funktion, sodass bei steigender Produktion zwar die gesamte Gütermenge steigt, aber die jeweiligen Grenzerträge zurückgehen.

 

In den Quadranten Südwest schließlich tragen wir die Arbeitsangebotskurve ein. Es wird ein normaler Verlauf unterstellt, sodass die angebotene Arbeitsmenge (z. B. über einen Zuwachs an Überstunden) mit wachsendem Lohnsatz ansteigt. Ausgehend von dieser Arbeitsangebotskurve leiten wir die Grenzausgabenkurve ab, welche beim Arbeitseinsatz einer Einheit mit der Angebotskurve zusammenfällt, aber stärker ansteigt als die Arbeitsangebotskurve.

 

Eigentlich müssten wir in diesen Quadranten auch noch die Arbeitsnachfragekurve (Grenzproduktivitätskurve) einzeichnen. Diese Kurve ergibt sich jedoch unmittelbar aus dem Verlauf der Grenzkostenkurve, der Unterschied beider Kurven besteht nur darin, dass derselbe Zusammenhang bei der Grenzkostenkurve die Höhe der Kosten von der Produktmenge abhängig sein lässt, während bei der Grenzproduktivitätskurve der Zuwachs der Produktmenge vom Einsatz der Kosten darstellenden Produktionsfaktoren abhängig ist. Wir können aus diesen Gründen darauf verzichten, diesen Zusammenhang ein zweites Mal im Quadranten Südwest einzuzeichnen.

 

Betrachten wir zunächst den Schnittpunkt zwischen der Güternachfragekurve mit der Grenzkostenkurve, er zeigt, welche Gütermenge und welcher Güterpreis bei vollständiger Konkurrenz erzielt worden wäre. Wir können nun im Schnittpunkt zunächst das Lot auf die Beschäftigungsfunktion und von hieraus auf die Arbeitsangebotskurve fällen und erhalten auf diese Weise den Lohnsatz, der bei Konkurrenz auf Güter- und Arbeitsmärkten erzielten worden wäre.

 

Als Nächstes wollen wir uns die Frage stellen, welcher Lohnsatz realisiert worden wäre, wenn erstens auf den Gütermärkten, nicht aber auf den Arbeitsmärkten monopolistische Verhältnisse gelten, wenn zweitens auf den Arbeitsmärkten, nicht aber auf den Gütermärkten ein Monopol gegeben wäre und wenn schließlich drittens beide Märkte eine monopolistische Struktur (Angebotsmonopol auf den Gütermärkten und Nachfragemonopol auf den Arbeitsmärkten) aufweisen würden.

 

Die Graphik zeigt deutlich, dass der Lohnsatz nicht nur dann nach unten vom Konkurrenzlohn abweicht, wenn auf den Arbeitsmärkten ein Nachfragemonopol vorliegt, sondern auch dann, wenn die Unternehmer auf den Gütermärkten eine monopolistische Macht aufweisen. Auch wird in dieser Graphik die Abhängigkeit der Lohnhöhe von dem Ausmaß der Steigung bzw. der Elastizitäten der beiden relevanten Funktionen (Güternachfrage bzw. Arbeitsangebot) deutlich.

 

 

 

Fortsetzung folgt!