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Pathologie der Marktwirtschaft

 

 

Gliederung der Vorlesung:

 

1. Problemeinführung

2. Pathologische Branchen

3. Wettbewerb versus Monopol

4.  Externe Kosten und Erträge

5.  Der Allokationsmechanismus

6.  Der Verteilungsmechanismen der Wohlfahrt

7.  Die Weiterentwicklung des Liberalismus

 

   

     Kapitel 04.  Externe Kosten und Erträge

 

  

  Gliederung:

 

1. Das Problem

2. Zum Begriff der externen Effekte

3. Auswirkungen externer Effekte auf die Allokation

4. Fehlendes Eigentum an knappen Ressourcen

5. Subventionen und Besteuerung als externe Effekte

 

 

 

1. Das Problem

 

Unsere Analyse begann in einem ersten Schritt mit einer Definition des Wohlfahrtsoptimums. Auf der einen Seite gingen wir von einer Tranformationskurve aus, welche alle Aufteilungsmöglichkeiten der vorgegebenen, knappen Ressourcen auf die einzelnen Verwendungsarten aufzeigt, wobei wir uns in unserem Modell aus Gründen der Übersichtlichkeit auf zwei Verwendungsmöglichkeiten (Gut X1  und Gut X2) beschränkt haben. Alle Punkte (Aufteilungsmöglichkeiten), welche auf oder auch unterhalb dieser Transformationskurve liegen, können also realisiert werden.

 

Auf der anderen Seite haben wir unterstellt, dass die einzelnen Verwendungsmöglichkeiten danach zusammengefasst werden können, wieweit sie den Individuen einen gleichen oder einen größeren bzw. kleineren Nutzen (Wohlfahrt) garantieren. Wir haben diese Bewertungen in einer Schar von Indifferenzkurven niedergelegt, wobei eine Indifferenzkurve angibt, welche Verwendungsmöglichkeiten einen gleichen Nutzen aufweisen. Jedem Nutzenniveau konnten wir auf diese Weise eine solche Indifferenzkurve zuweisen.

 

Da wir von der Prämisse ausgingen, dass immer dann, wenn von beiden Gütern mehr Mengen zur Verfügung stehen oder zumindest von einem Gut mehr Einheiten vorliegen, ohne dass von dem anderen Gut deshalb weniger Gütermengen gegeben sind, das realisierte Nutzenniveau höher ausfällt als im Vergleichsfalle ohne diese Steigerungen, muss von zwei Indifferenzkurven diejenige einen höheren Nutzen zum Ausdruck bringen, welche in unserem Diagramm weiter vom Koordinatenursprung entfernt liegt.

 

Für die Transformationskurve hatten wir einen konkaven, das heißt weg vom Koordinatenursprung gekrümmten Verlauf unterstellt. Dahinter stand die Annahme des Gesetzes vom abnehmenden Grenzertrag. Wenn eine Unternehmung sukzessive ihre Produktionsmenge ausweitet, also mehr Ressourcen aufwendet, wird zwar der Ertrag mit jedem Mehraufwand an Ressourcen ansteigen, der Ertragszuwachs der letzten Ressourceneinheit, der sogenannte Grenzertrag, wird mit wachsender Produktion jedoch zurückgehen.

 

Für die Indifferenzkurven hatten wir hingegen einen konvexen, das heißt hin zum Koordinatenursprung gekrümmten Verlauf unterstellt, dahinter stand die Annahme des ersten Gossen’schen Gesetzes, dass nämlich eine Ausweitung des Konsums zwar zu einer Steigerung des Gesamtnutzens führt, dass aber die Nutzenzuwächse der letzten Konsumeinheit mit wachsendem Konsum zurückgehen.

 

In der Sprache der Paretianischen Wohlfahrtstheorie bewirken diese beiden Gesetzmäßigkeiten, dass die Grenzrate der Transformation bei einer Bewegung entlang der Transformationskurve abnimmt, wird also sukzessive eine Ressourceneinheit von der Produktion de Gutes X1 abgezogen und bei der Produktion des Gutes X2 eingesetzt, so können immer weniger zusätzliche Einheiten des Gutes X2 produziert werden. Die Grenzrate der Substitution sinkt bei wachsender Substitution des einen Gutes durch das andere Gut ebenfalls. Um also den Nutzenverlust auszugleichen, der dadurch entsteht, dass von Gut X1 eine Einheit weniger konsumiert wird, bedarf es bei wachsender Substitution einer immer größer werdenden Menge  des Gutes X2.

 

Betrachten wir nun unser Diagramm, auf dessen Abszissenachse das Gut X1 und auf dessen Ordinatenachse das Gut X2 abgetragen wird und zeichnen wir in dieses Diagramm sowohl die Transformationskurve sowie eine Schar von Indifferenzkurven ein, so stellen wir fest, dass die Transformationskurve eine Indifferenzkurve in einem und nur einem Punkt P1 tangiert. Dieser Tangentenpunkt garantiert nun das Wohlfahrtsoptimum.

 

Es gibt keinen andern Punkt (keine andere Aufteilung der Ressourcen), der eine höhere Wohlfahrt ermöglicht. Alle Punkte, die unterhalb der Transformationskurve liegen, sind zwar möglich, bringen jedoch gegenüber allen Punkten auf der Transformationskurve oder auch darüber einen geringeren Gesamtnutzen.

 

Weiterhin gilt, dass alle Punkte (z. B. P2), welche über der Transformationskurve liegen, zwar einen höheren Nutzen versprechen als die Güterkombinationen, welche entweder auf der Transformationskurve oder darunter liegen, aber gar nicht realisiert werden können, schließlich sind zwar alle sonstigen Punkte der Transformationskurve (z. B. P3 oder P4), die nicht eine Indifferenzkurve tangieren, zwar möglich, bringen jedoch eine geringere Wohlfahrt als der Tangentenpunkt. Durch diese Punkte geht nämlich eine Indifferenzkurve, welche näher am Koordinatenpunkt als der Tangentenpunkt liegt und dies bedeutet, dass die hier realisierte Wohlfahrt geringer als im Tangentenpunkt ausfällt.

 

 

 

 

In einem zweiten Schritt haben wir dann aufgezeigt, dass unter den Bedingungen des vollständigen Wettbewerbs der Markt genau bei der Güterkombination ins Gleichgewicht kommt, bei der das Wohlfahrtsoptimum liegt. Die Markteilnehmer verhalten sich nämlich unter den Bedingungen eines vollständigen Wettbewerbs wie Mengenanpasser. Sie nehmen den Preis als vorgegeben und bemühen sich nicht, diesen aktiv zu beeinflussen. Als Mengenanpasser findet jedoch der Unternehmer gerade bei der Produktionsmenge sein Gewinnmaximum, bei der die Grenzkosten dem vorgegebenen Güterpreis entsprechen. Wenn aber die Grenzkosten im Gleichgewicht den Güterpreisen entsprechen, so gilt auch, dass das Preisverhältnis (p1/p2) gerade der Grenzrate der Transformation entspricht. Es gilt die Gleichung:

 

p1 = dK1/dX1 und: p2 = dK2/dX2 bzw.

p1/p2 = dK1/dK2 * dX2/dX2

 

 

Da bei einer Substitution die Grenzkosten  dK1 und dK2 sich gerade entsprechen, erhalten wir folgendes Ergebnis:

 

p1/p2 = dX1/dX2

 

 

In gleicher Weise konnten wir zeigen: Das nutzenmaximierende Verhalten der Konsumenten bewirkt, dass auch die Grenzrate der Substitution dem vorgegebenen Preisverhältnis entspricht. Auch hier gelten folgende Beziehungen:

p1 = dN1/dX1 und: p2 = dN2/dX2 bzw.

p1/p2 = dN1/dK2 * dN1/dX2

 

p1/p2 = dN1/dN2

 

 

Sind aber zwei Größen (die Grenzrate der Transformation und die Grenzrate der Substitution) einer dritten Größe (dem Preisverhältnis) gleich, so sind sie auch untereinander gleich. In diesem Falle müssen sich also auch die Grenzrate der Transformation und der Substitution entsprechen, in diesem Falle wird jedoch ex definitione das Wohlfahrtsoptimum erreicht.

 

Allerdings müssen weitere Bedingungen erfüllt sein, damit auch tatsächlich das Wohlfahrtsoptimum auf freien Märkten automatisch erreicht werden kann. Wir haben bisher unterstellt, dass auch alle Kosten, welche einer Volkswirtschaft im Zusammenhang mit der Produktion und dem Konsum entstehen, den Produzenten bzw. den Konsumenten angelastet werden.

 

In gleicher Weise haben wir stillschweigend unterstellt, dass auch die bei der Produktion anfallenden Erträge den Produzenten bzw. den Konsumenten, welche dieses Gut käuflich erwerben, zufallen. Aber gerade damit können wir nicht immer rechnen.

 

 

2. Zum Begriff der externen Effekte

 

Von externen Effekten spricht man im Rahmen der Wohlfahrtstheorie immer dann, wenn entweder Kosten entstanden, welche nicht demjenigen angelastet wurden, welche diese Kosten verursacht haben oder wenn Erträge erwirtschaftet wurden, welche nicht demjenigen zufielen, welche sie verursacht hatte. Externe Effekte lassen sich somit in externe Kosten und externe Erträge einteilen. Befassen wir uns mit dem Begriff der externen Kosten etwas genauer.

 

Man geht hier davon aus, dass nicht in jedem Falle die Kostensumme, welche von den einzelnen wirtschaftenden Personen hervorgerufen werden, identisch ist mit den Kosten, welche der Volkswirtschaft im Zusammenhang mit dieser wirtschaftlichen Aktivität entstehen. Der Umfang der externen Kosten einer Volkswirtschaft entspricht somit stets der Differenz zwischen allen einer Volkswirtschaft entstehenden Kosten und den Kosten, welche in ihrer Summe von privaten Individuen, den Verursachern dieser Kosten getragen werden.

 

Das heutzutage wohl wichtigste Beispiel externer Kosten stellen die sogenannten Umweltkosten dar. Durch die Produktion industrieller Güter werden die Gewässer oder die Luft verunreinigt und diese Verunreinigungen verringern die Wohlfahrt einer Volkswirtschaft, trotzdem haben die Produzenten dieser Güter in einer vom Staat unbehelligten Marktwirtschaft nicht für die Wohlfahrtsverluste aufzukommen, welche sie mit ihrer Produktion hervorrufen.

 

Diese Verunreinigung der Luft besteht vor allem darin, dass die Ozonschicht, welche die Erde umgibt, beschädigt wird, dass auf diese Weise die Sonnenstrahlen stärker als normal auf die Erde einfallen und zu einer Erwärmung der Erde führen, dass im Zusammenhang mit dieser Erderwärmung die Gletscher vor allem an den beiden Polen der Erde schmelzen, dass auf diese Weise der Meeresspiegel ansteigt und weite Teile von Land überschwemmen.

 

Wie bereits erwähnt, gibt es in unserer Gesellschaft nicht nur externe Kosten, sondern auch externe Erträge. Nicht alle Wohlfahrtssteigerungen fallen in einer Volkswirtschaft denjenigen Produzenten zu, welche sie durch ihre produktiven Anstrengungen verursacht haben. Bringen wir wiederum ein Beispiel. Der Imker, welcher Bienen züchtet, gewinnt nicht nur Honig, dessen Ertrag ihm beim Verkauf von Honig zufällt. Die Bienen erzeugen ja nicht nur Honig, sondern bestäuben auf ihren Flügen die Blüten und tragen auf diese Weise dazu bei, dass die Baum- und Erdfrüchte größeren Ertrag erbringen. Dieser Zuwachs des Ertrages wurde also durch die Tätigkeit der Imker indirekt hervorgerufen, ist also aus der Sicht der Imker ein externer Ertrag.

 

Neben der Einteilung zwischen externen Kosten und externen Erträgen wird in der Wohlfahrtstheorie zusätzlich zwischen externen Produktions- und Konsumeffekten unterschieden. Hierbei ist daran zu denken, dass diese externen Einflüsse während der Produktion, aber auch während der Konsumtion entstehen können. Wenn eine Unternehmung aus dem Bereich der chemischen Industrie giftige Abgase – wie vor allem das Kohlendioxid – über die Schornsteine in die Luft abgibt, entstehen diese Abgase unmittelbar im Zusammenhang und während der Produktion. Wenn auf der anderen Seite ein Konsument einen mit Benzin betriebenen PKW kauft und nun täglich dieses Kraftfahrzeug fährt und auf diese Weise Abgase in die Luft sprüht, so entstehen diese externen Kosten dadurch, dass industrielle Güter benutzt werden, also im Zusammenhang mit dem Konsum dieser Güter.

 

Oftmals wird allerdings der Trennungsstrich zwischen Produktions- und Konsumeffekten etwas anders gezogen. Wenn man will, kann man ja das Fahren eines PKW‘s oder auch das Kochen auf einem Herd durchaus auch noch als einen produktiven Akt ansehen, sozusagen als die letzte Stufe, Rohstoffe so zu bearbeiten und einzusetzen, dass am Ende dieses Prozesses konsumreife Güter entstehen. In diesem Sinne stellt auch der private Haushalt eine Produktionsstätte dar, nur dass diese Produktion nicht für den Erwerb, sondern zum unmittelbaren Nutzen des Produzierenden erfolgt.

 

Oftmals wird von externen Konsumeffekten nur dann gesprochen, wenn ein Individuum Nutzen nicht nur daraus zieht, dass es selbst Güter konsumiert, sondern auch daraus, dass es altruistisch handelt zum Nutzen dritter. Wenn ein Konsument vor der Wahl steht, eine bestimmte Einkommenssumme entweder für den Ankauf von Konsumgüter zu verwenden, die er anschließend selbst konsumiert, oder diesen Geldbetrag einem Dritten zukommen zu lassen, dann kann man zwischen dem Nutzen, den der eigene Konsum bringt, dem sogenannten internen Konsumeffekt und der Wohlfahrtssteigerung im Sinne einer inneren Befriedigung unterscheiden, die der Spender aufgrund der Tatsache, dass er Einkommensteile spendet, dem sogenannten externen Konsumeffekt, unterscheiden. Ein Nutzen maximierendes Individuum wird sich also dann dafür entscheiden, einen bestimmten Geldbetrag als Spende zu verwenden, wenn der externe Nutzen (die Befriedigung, sich im Sinne der Moral verhalten zu haben) den internen Nutzen überwiegt.

 

Allerdings ist die Trennung zwischen externen Effekten der Produktion und der Konsumtion nicht ganz so eindeutig. Wir haben nämlich davon auszugehen, dass die Produktion in einer Marktwirtschaft ausschließlich für den Konsumenten erfolgt. Unternehmungen nehmen die Produktion nur dann auf, wenn sie erwarten können, dass sie die produzierten Waren auch absetzen können. Werden bestimmte Güter von den Konsumenten nicht nachgefragt, wird auch auf lange Sicht die Produktion dieser Güter eingestellt.

 

Die Konsumenten jedoch orientieren sich bei ihren Kaufentscheidungen an den Preisen für die einzelnen Güter. Es sind vor allem die Preise, welche die Konsumenten darüber informieren, bei welcher Einkommensverwendung der höchstmögliche Nutzen erzielt werden kann. Es kommt also weniger darauf an, ob die Unternehmungen für alle durch die Produktion verursachten Kosten aufkommen müssen, sondern ob die Konsumenten im Kaufpreis für alle entstandenen Kosten zahlen müssen. Die Kosten der Unternehmungen interessieren in diesem Zusammenhang nur deshalb, weil es die Kosten sind, welche die Höhe der Endpreise bestimmen.

 

Eine weitere Unterscheidung ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung. Wir unterscheiden in der Wirtschaftstheorie im Allgemeinen zwischen absoluten Preisen und relativen Preisverhältnissen. Es war vor allem Walras, welcher aufgezeigt hat, dass in einer Marktwirtschaft die Allokation allein von den Preisverhältnissen und nicht von dem absoluten Preisniveau bestimmt wird. Würden aufgrund der externen Effekte die Preise aller Güter gegenüber den volkswirtschaftlichen Größen reduziert oder auch erhöht, hätte dies keinen Effekt auf die Aufteilung der Ressourcen auf die einzelnen Verwendungsarten.

 

Über die Preisrelationen erfährt der einzelne Konsument, auf welchen Nutzen er verzichten muss, wenn er sich für die Menge eines bestimmten Gutes entscheidet. Aufgrund des Preises des nachgefragten Gutes im Verhältnis zu dem Preis der zweitbesten Wahl erfährt der einzelne Konsument, welche anderen Gütermengen er für die gleiche Geldsumme hätte erwerben können und ob deshalb die tatsächlich gewählte Güterkombination den höchstmöglichen Nutzen garantiert.

 

 

3. Auswirkungen externer Effekte auf die Allokation

 

In dem Maße, in dem in der Realität externe Effekte auftreten, weicht die Ressourcenaufteilung von derjenigen Ressourcenverwendung ab, welche ein Maximum an Nutzen ermöglicht hätte. Bringen wir das Beispiel externer Kosten.

 

Die Tatsache, dass die Unternehmungen nicht für alle Kosten aufkommen müssen, welche sie der Volkswirtschaft im Zusammenhang mit der Güterproduktion verursacht haben, hat zunächst zur Folge, dass der Preis, zu dem diese Waren angeboten werden, geringer ausfällt als es der Fall gewesen wäre, wenn die Unternehmung für alle von ihr verursachten gesamtwirtschaftlichen Kosten aufkommen müsste. Da nun die Konsumentennachfrage vom Güterpreis abhängt und im Normalfalle bei Preissenkungen steigt, kommt es in diesem Falle zu einer Mehrnachfrage seitens der Konsumenten.

 

Bei gleichem Einkommen bedeutet dies, dass notwendiger Weise von anderen Gütern weniger nachgefragt werden kann. Die tatsächliche Einkommensverwendung weicht also mehr oder weniger von der Einkommensverwendung ab, bei welcher die Haushalte ein Nutzenmaximum erzielt hätten.

 

Übertragen auf das Problem der Umweltverschmutzung bedeutet dies, dass ausgerechnet von den Gütern, bei denen besonders hohe Umweltbelastungen eintreten, mehr nachgefragt wird als es im eigenen Interesse der Konsumenten liegt und dass gleichzeitig von den Gütern, bei denen kaum Umweltbelastungen auftreten, weniger Güter konsumiert werden als es wiederum im Interesse der Verbraucher liegt.

 

Diese Fehlallokation tritt auf, weil die zu geringen Preisen bei den Gütern mit hoher Umweltbelastung dem Konsumenten vorgaukeln, die Kosten bei der Produktion dieser Güter seien geringer als tatsächlich. Nur aufgrund dieser Fehlinformation neigen die Verbraucher dazu, diese Güter in zu hohem Maße nachzufragen. In zu hohem Maße gilt einmal in dem Sinne, dass die Verbraucher eine Entscheidung treffen, die ihren eigenen Nutzen reduzieren. Zum andern ist diese Einkommensverwendung natürlich auch deshalb unerwünscht, da sie zu einer Belastung der Umwelt führt.

 

Folgende Graphik soll das Ausmaß dieser Fehlallokationen aufgrund externer Effekte aufzeigen. Wir tragen wiederum in unserem Diagramm auf der Abszissenachse Gut X1 und auf der Ordinatenachse Gut X2 ab. Die Tangente der  ausgewählten Indifferenzkurve an der Transformationskurve (weiße Linie) zeigt an, bei welcher Aufteilung der Ressourcen ein Wohlfahrtsoptimum erzielt werden würde. Der Winkel dieser Tangente entspricht dann auch dem Güterpreisverhältnis p1/p2, das dann eintreten würde, wenn keine externen Kosten zu erwarten wären.

 

Aufgrund einer starken Umweltbelastung bei der Produktion des Gutes X1 entspräche hingegen entsprechend des zu geringen Preises des Gutes X1 das tatsächliche Preisverhältnis der weiß gestrichelten Linie. Diese Preislinie zeichnet sich einmal dadurch aus, dass von dem umweltbelastenden Gut X1 eine größere Menge als im Optimum nachgefragt wird, zum andern aber auch dadurch, dass die neue Güterkombination bei einem geringeren Nutzenniveau liegt.

 

 

 

 

4. Fehlendes Eigentum an knappen Ressourcen

 

Fragen wir uns nun, worauf es denn zurückzuführen ist, dass externe Effekte überhaupt entstehen. Externe Effekte hängen mit den Eigentumsrechten zusammen. Wir kennen auf der einen Seite Güter, Nutzenträger, welche knapp sind und andere, deren Vorrat den Bedarf übersteigt und welche deshalb als freie Güter gelten. Für freie Güter bedarf es gerade deshalb keiner Eigentumsordnung, da sie nicht knapp sind und da deshalb auch jeder, der einen Bedarf an diesen Gütern hat, diese in Anspruch nehmen kann, ohne dass ihm an diesen Gütern Eigentumsrechte zugesprochen sind.

 

Umgekehrt gilt, dass immer dann, wenn Güter knapp sind, wenn also der Vorrat an diesen Gütern nicht ausreicht, um den gesamten Bedarf zu befriedigen, auch um das Recht, diese Güter zu nutzen, ein Wettbewerb entsteht. Es wird deshalb auch der Versuch unternommen werden, diese Güter sich anzueignen. Der Besitzer eines solchen knappen Gutes kann nämlich auf der einen Seite seinen Bedarf befriedigen, ohne dass er für diese Nutzung einen Preis zu zahlen hat, auf der anderen Seite kann er jedoch die Nutzungsrechte auch anderen abtreten und kann für dieses Abtreten gerade wegen der Knappheit dieses Gutes einen Preis verlangen.

 

Der Preis, den der Besitzer eines Gutes zumindest verlangen wird, entspricht dem Nutzen, den der Besitzer bei Eigengebrauch aus diesem Gut gezogen hätte. Er hat nur dann ein Interesse an der Veräußerung dieses Gutes, wenn der Preis zumindest diesem Nutzen entspricht. Der Besitzer eines Gutes steht hierbei stets vor der Alternative, ein Gut selbst zu nutzen oder dieses Gut zu verkaufen bzw. seine Nutzungsrechte an andere abzutreten. Solange der zu erzielende Preis geringer ausfällt als der beim Verkauf entgehende Eigennutz, würde der Besitzer Nutzen einbüßen, wenn er dieses Gut veräußerte.

 

Auf der anderen Seite wird jedoch der Preis eines Gutes auch nicht den Nutzenwert übersteigen können, den derjenige bei Nutzung dieses Gutes erfahren wird, wenn er dieses Gut vom jeweiligen Besitzer käuflich erwirbt. Würde er einen höheren Preis zu zahlen haben, als er selbst aus diesem Gut an Nutzen zieht, würde ja sein Gesamtnutzen durch diesen Erwerb vermindert. Ein Interesse am Erwerb eines Gutes besteht deshalb nur dann, wenn dieser Ankauf zu einer Nutzensteigerung beim Käufer führt.

 

Wir sprachen bisher stets vom Besitz eines Gutes, unabhängig davon, ob dieser Besitz zu Recht besteht oder nicht. Um zu verhindern, dass zum Erwerb knapper Güter gewaltsame Mitteln eingesetzt werden, bedarf es nun einer vom Staat eingesetzten Rechtsordnung. Diese Ordnung legt fest, unter welchen Bedingungen ein Besitz eines Gutes als rechtsmäßig gilt.

 

Im Allgemeinen gilt für Güter, welche knapp sind, dass sie dann, wenn sie bisher keinem Individuum zugesprochen waren, demjenigen zugesprochen werden, der sie als erster aneignet. Ansonsten ist die Übertragung der Rechte an ein knappes Gut nur gestattet, wenn der bisherige Besitzer die Rechte an diesem Gut einem anderen überträgt, sei es, dass in einem Testament diese Rechte einem anderen (dem Erben) zugesprochen werden, sei es, dass er diese Rechte gegen Zahlung eines Preises einem anderen verkauft oder auch verschenkt. Liegt im Todesfalle kein Testament vor, regelt eine staatliche Ordnung, wem diese Güter auf dem Vererbungswege zugesprochen werden.

 

Das Problem externer Effekte, insbesondere externer Kosten, tritt nun dann auf, wenn auf bestimmte Güter keine solche Rechte definiert wurden, sie also als freie Güter gehandelt werden, obwohl sie in Wirklichkeit knapp sind. Als frei gehandelte Güter hat jedoch derjenige, welcher diese Güter benützt, keinen Preis zu entrichten, obwohl der Volkswirtschaft mit dem Einsatz dieser Güter eben wegen der Knappheit Kosten entstehen.

 

Man spricht in diesem Zusammenhang von Opportunitätskosten. Die Opportunitätskosten geben hierbei an, auf wie viel Nutzen dafür verzichtet wird, dass dieses Gut nicht in einer anderen Verwendung eingesetzt wird. Wir haben also davon auszugehen, dass ein Gut in aller Regel in mehreren Verwendungen alternativ eingesetzt werden kann. Wir können weiterhin davon ausgehen, dass der zu erzielende Nutzen nicht bei allen Verwendungsarten gleich hoch ist.

 

Das eigentliche wirtschaftliche Problem der Allokation besteht nun darin, herauszufinden, in welcher Verwendung ein bestimmtes Gut den höchsten Nutzen stiftet und dafür Sorge zu tragen, dass dieses Gut auch für diese beste Verwendung eingesetzt wird.

 

Nehmen wir an, dass ein Individuum vor den drei Alternativen (A1, A2, A3) steht und zu der Überzeugung gelangt, dass er bei Wahl der Alternativen A1 den höchstmöglichen Nutzen erzielt. Er gelangt zu dieser Überzeugung, indem er den Nutzen der Alternative A1 mit dem Nutzen vergleicht, den er beim Wahl der Alternative A2 und A3 erzielt hätte. Und wenn nun A2 das zweitbeste Ergebnis erzielt hätte, stellt der Nutzenentgang, den dieses Individuum dadurch erleidet, dass es auf die zweitbeste Alternative verzichtet, die eigentlichen Opportunitätskosten seiner Wahl dar.

 

Nur aufgrund der Kenntnis des Nutzens der zweitbesten Alternative sind die Wirtschaftssubjekte überhaupt in der Lage, festzustellen, dass bei der Entscheidung zugunsten der einen Alternative wirklich die bestmögliche Lösung liegt.

 

Wenn allerdings ein Gut knapp ist, ohne dass an diesem Gut Eigentumsrechte bestehen, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass dieses Gut für alle Zeit als freies Gut behandelt wird. Gerade weil der Bedarf nach diesem Gut nicht vollständig befriedigt werden kann - und nur aus diesen Gründen wird dieses Gut als knapp bezeichnet – werden Versuche unternommen, in den Besitz dieses Gutes zu gelangen, zunächst in Form einer unentgeltlichen Aneignung, später sobald dieses Gut in den Besitz einer Person gelangt ist, eventuell auch dadurch, dass man dem Besitzer dieses Gutes für die Übergabe oder auch nur Nutzung ein Entgelt zu zahlen bereit ist.

 

Wie erklärt sich jedoch dann die Tatsache, dass es trotzdem in der Realität immer wieder zu einer Situation kommt, bei der Güter  obwohl sie eigentlich knapp sind, trotzdem wie freie Güter gehandelt werden? Machen wir uns diesen Zusammenhang anhand einer Luftverschmutzung klar, welche im Zusammenhang damit entsteht, dass bei der Produktion bestimmter industrieller Güter Kohlendioxid entsteht, das durch Schornsteine in die Luft abgeführt wird.

 

Der Bedarf an Luft besteht nun insbesondere darin, dass die Luft zu einem Teil aus Sauerstoff besteht und dieser Sauerstoff zum Atmen lebenswichtig ist. Der Bedarf an Sauerstoff ist also bezogen auf die Menge der benötigten Luft sehr groß, gleichzeitig wäre der Nutzenentgang bei Entzug von Sauerstoff enorm groß. Das Gut Luft bzw. Sauerstoff ist weiterhin dadurch ausgezeichnet, dass sie jedem zur Verfügung steht, ja sogar – wenn man von Ausnahmefällen absieht – in ausreichendem Maße vorhanden ist. Im eigentlichen Sinne des Wortes ist also Luft gar nicht knapp und gerade deshalb für den Einzelnen ein freies Gut.

 

Die Qualität des Gutes Luft wird jedoch nicht nur dadurch bestimmt, dass ein Teil des Luftvolumens aus Sauerstoff besteht, den jeder Mensch zum Atmen benötigt, sie wird vielmehr auch dadurch bestimmt, dass aufgrund der Zusammensetzung der Luft die Ozonschicht aufrechterhalten wird, und inwieweit auf diese Weise eine zu starke Einstrahlung von Sonnenenergie verhindert wird.

 

Der Umweltschaden, der dadurch eintritt, dass Kohlendioxid in die Luft abgeführt wird, liegt gerade darin, dass Kohlendioxid die Ozonschicht beschädigt und auf diese Weise zu einer Erderwärmung führt. Diese Erderwärmung führt dann ihrerseits unter anderem zu einem Abschmelzen der Gletscher, was selbst wiederum einen Anstieg des Meeresspiegels auslöst, aufgrund dessen schließlich große Landesteile im Meer versinken.

 

Wenn man also nun Luft nicht nur als Lieferant von Sauerstoff betrachtet, sondern weiterhin berücksichtigt, dass über das Vorhandensein von Umweltgiften wie z. B., Kohlendioxidgehalt bestimmte Aufgaben der Luft im ökologischen Gesamtsystems beeinträchtigt werden, kann man nun davon sprechen, dass Luft in Form einer bestimmten Zusammensetzung zu einem knappen Gut wird, in dem von der Luft nur noch dann bestimmte ökologische Aufgaben erfüllt werden können, wenn die Volksgemeinschaft bestimmte Vorkehrungen trifft, um die Reinhaltung der erforderlichen Luftqualität sicherzustellen.

 

Diese notwendigen Maßnahmen sind nun ihrerseits mit Kosten verbunden. So bedarf es z. B. bestimmter Filter, welche verhindern, dass das bei der Produktion entstehende Kohlendioxid ungefiltert in die Luft abgeführt wird, deren Anbringung aber Kosten verursacht. Kosten im Sinne von entgangenen Nutzen entstehen aber auch bereits dadurch, dass z. B. wegen der drohenden Umweltschäden bestimmte Produktionen unterbleiben müssen und bei Wegfall dieser Produkte Nutzenentgänge hingenommen werden müssen.

 

Da nun aber diese Umweltschäden sich nicht unmittelbar in privatwirtschaftlichen Kosten niederschlagen, sondern die Funktionsfähigkeit und damit auch die Produktivität des gesamtwirtschaftlichen Systems beeinträchtigen, gibt es zunächst auch keinen unmittelbaren Marktteilnehmer, der von  sich aus Maßnahmen ergreift, um diese Umweltschäden zu vermeiden bzw. zumindest zu verringern.

 

Solche Maßnahmen würden ja bedeuten, dass von demjenigen, der diese Maßnahmen durchführt, Kosten aufgebracht werden müssen, während die erhofften Erträge aus diesen Maßnahmen, welche in einer Verbesserung der Luftqualität liegen, der Gesamtheit zufallen würden, unabhängig davon, ob und in welchem Maße der einzelne zum Zustandekommen dieser Wirkungen beigetragen hat.

 

Diese Maßnahmen haben mit anderen Worten den Charakter eines Kollektivgutes, bei dem sich ein Trittbrettfahrerverhalten lohnt: Man nimmt die Vorteile dieser Maßnahmen mit, ohne sich jedoch an den Kosten dieser Maßnahmen zu beteiligen. Es muss damit gerechnet werden, dass die Bereitschaft zu solchen Maßnahmen aufgrund ihres Kollektivgutcharakters zu gering ausfällt, um das vorliegende Problem befriedigend zu lösen.

 

Eine befriedigende Lösung würde darin bestehen, dass die Bereitschaft zu solchen Maßnahmen solange ansteigt, als die hierbei entstehenden (der Gesamtwirtschaft entstehenden) Grenzkosten geringer ausfallen als die hierbei erzielten Erträge in Form einer Verbesserung der Luftqualität.

 

Hier setzt nun der Beitrag der Property-Rights-Bewegung ein. Diese Gruppe von Ökonomen hat vorgeschlagen, das Problem der Umweltverschmutzung dadurch zu lösen, dass auch an diesen Gütern, deren Qualität durch produktive Maßnahmen beeinträchtigt werden, vom Staat Eigentumsrechte zur Verschmutzung der Umwelt geschaffen werden. Wir werden uns mit der Problematik dieser Vorschläge im nächsten Teil dieser Vorlesung, der sich mit den Reformansätzen befasst, ausführlich beschäftigen. Hier an dieser Stelle reicht es aus, daraufhinzuweisen, dass ein Teil der externen Effekte offensichtlich dadurch entsteht, dass an Gütern, zu deren Bereitstellung Kosten aufgewandt werden müssen, trotzdem bisher keine Eigentumsrechte geschaffen wurden, die sicherstellen, dass die bei der Produktion der Güter entstehenden Kosten auch den Produzenten und damit letzten Endes den Verbrauchern in Rechnung gestellt werden.

 

 

5. Subventionen und Besteuerung als externe Effekte

 

Bei unseren bisherigen Überlegungen gingen wir stillschweigend davon aus, dass das Vorhandensein externer Effekte, also die Differenz zwischen gesamtwirtschaftlichen und privatwirtschaftlichen Kosten bzw. Erträge allein damit zusammenhängt, dass Güter, welche eigentlich knapp sind oder zumindest keine Mindestqualität garantieren, wie freie Güter behandelt werden. Die Differenz zwischen volks- und privatwirtschaftlichen Variablen kann jedoch auch dadurch hervorgerufen werden, dass der Staat auf der einen Seite über eine Besteuerung der Unternehmungen die privatwirtschaftlichen Kosten erhöht, ohne dass aber die gesamtwirtschaftlichen Kosten ansteigen oder auf der anderen Seite die Unternehmungen aus der Hand des Staates Subventionen also zusätzliche Einnahmen erhalten, welche wiederum unabhängig davon gewährt werden, ob der gesamtwirtschaftliche Ertrag ansteigt oder konstant bleibt.

 

Folgt man den Gedankengängen von Knut Wicksell, dann stellt eine Steuer zunächst einmal das Entgelt dar, das die Bürger dafür zu entrichten haben, dass der Staat seinen Bürgern Kollektivgüter zur Verfügung stellt, ohne dass – eben wegen des Charakters dieser Leistungen als  Kollektivgüter – bei der Inanspruchnahme ähnlich wie beim Verkauf der Individualgüter ein Preis zu zahlen ist.

 

Steuern werden jedoch zu einem großen Teil auch als Steuerungsinstrumente angesehen, welche dem Staat die Möglichkeit eröffnen, die gesamtwirtschaftlichen Ziele des Staates wie etwa Wachstum, Konjunktur, Beschäftigung oder Geldwertstabilität zu beeinflussen.

 

Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass all diese fiskalpolitischen Maßnahmen auch in den Allokationsprozess eingreifen, die Preise und damit auch die Mengen der einzelnen Güter beeinflussen und damit unter Umständen die Produktion von der optimalen Aufteilung der knappen Ressourcen auf die einzelnen Verwendungsarten abbringen.

 

Auch nach der Berücksichtigung der fiskalpolitischen Aktivitäten des Staates gilt die Feststellung der Wohlfahrtstheorie, dass eine optimale Allokation nur erreicht werden kann, wenn die realisierten Preisverhältnisse den jeweiligen Knappheitsrelationen entsprechen. Gleichgültig, wodurch ein Abweichen der tatsächliche Preisverhältnisse von den Knappheitsrelationen ausgelöst wurde: Jede Abweichung dieser beiden Größen bewirkt, dass die knappen Ressourcen nicht so eingesetzt werden, dass das technisch mögliche Wohlfahrtsniveau erreicht wird.

 

Nun haben wir bereits bei der Diskussion der externen Effekte weiter oben darauf hingewiesen, dass es nicht so sehr die absolute Differenz zwischen den volkswirtschaftlichen und privatwirtschaftlichen Variablen ist, welche den Wohlfahrtsverlust auslöst, dass es vielmehr auf die Preisrelationen ankommt, inwieweit Abweichungen zwischen den volks- und privatwirtschaftlichen Wohlfahrtsverluste verursachen. Diese Feststellung gilt natürlich auch für den in allokativer Hinsicht etwaigen schädlichen Einfluss einer staatlichen Steuer- und Subventionspolitik.

 

Nun können wir die Steuern danach einteilen, ob prinzipiell jede wirtschaftliche Aktivität gleich stark mit Steuern belastet wird oder ob nur für einzelne ausgewählte Bereiche eine Steuer erhoben wird. Betrachten wir hierzu die Umsatz- und Verbrauchssteuern.

 

Gemeinsam ist beiden Steuerarten, dass der Handel mit Gütern steuerlich belastet wird. Bei den Verbrauchssteuern werden allerdings nur einzelne ausgewählte Güterarten besteuert. So gibt es z. B. eine Steuer auf Tabak oder bisweilen auch auf alkoholische Getränke. Es ist klar: der Umstand, dass hier nur einzelne Waren besteuert werden, führt zu einer Verzerrung der Preisverhältnisse. Dadurch, dass auf den Verkauf von Tabakwaren eine Tabaksteuer erhoben wird, steigt der Preis der Tabakwaren und dadurch, dass die gleiche Steuer auf andere Waren nicht erhoben wird, hat zur Folge, dass sich das Preisverhältnis zu Lasten der Preise der Tabakwaren verschoben hat und dass deshalb die Nachfrage nach Tabakwaren geringer ausfällt, als wenn der Markt den Bedürfnissen der Verbraucher folgen würde.

 

Dieser allokative Einfluss ist allerdings oftmals gewollt. Man weicht ganz bewusst vom Recht des einzelnen Verbrauchers ab, selbst zu bestimmen, wie er sein Einkommen auf die einzelnen Konsumgüter aufteilt. Der Staat wird hier meritorisch tätig, er geht von der Vorstellung aus, dass im Hinblick auf diese speziellen Güter der einzelne Konsument im eigenen Interesse, also zu seinem eigenen Wohl gezwungen werden müsse, diese Waren in geringerem Maße als selbst gewollt zu konsumieren.

 

Allgemeine Umsatzsteuern werden in aller Regel im Prinzip auf fast alle Waren erhoben, auch der Steuersatz ist für alle Waren im Allgemeinen gleich hoch, sodass hier zwar das absolute Preisniveau, nicht aber das Verhältnis der Preise zueinander durch die Steuerpolitik des Staates beeinfluss wird. Also sind in diesem Falle von diesen Steuern auch keine negativen Auswirkungen auf die Allokation zu befürchten.

 

Wir sprachen, dass diese Feststellung in aller Regel gilt. Es gibt in der Realität sehr wohl Ausnahmen von dieser Regel. So werden bestimmte Güter entweder von der Umsatzsteuerpflicht ausgenommen oder aber es wird für diese Güter nur ein ermäßigter Steuersatz erhoben. Diese Ausnahmen werden im Allgemeinen damit gerechtfertigt, dass auf diese Weise entweder soziale Härten vermieden werden sollen, so wird oftmals auf lebensnotwendige Güter ein geringerer Umsatzsteuersatz erhoben, um zu verhindern, dass der Preis für bestimmte Grundnahrungsmittel für Empfänger der untersten Einkommensklassen unbezahlbar wird.

 

Bisweilen werden gewisse Ausnahmen auch damit begründet, dass auf diese Weise Wettbewerbsverzerrungen verhindert werden sollen, die dadurch zustande kommen, dass das Ausland geringere Umsatzsteuern erhebt. Der tatsächliche Katalog der Ausnahmeregelungen zeigt jedoch, dass in einer Vielzahl von Fällen keine plausiblen Rechtfertigungsgründe für Ausnahmen gefunden werden können, dass sie historisch gesehen nur damit erklärt werden können, dass es einzelnen Interessengruppen gelungen war, durch Druck auf die Politiker nicht gerechtfertigte Vergünstigungen zu erlangen.

 

Im Gegensatz zur Steuerpolitik, bei der sich der Staat im Allgemeinen gezwungen sieht, für die einzelnen Steuerzahler möglichst gleiche Voraussetzungen zu schaffen, werden Subventionen zumeist bewusst auf einzelne Unternehmungen, welche man fördern will, beschränkt. Allerdings führt gerade der Umstand, dass aufgrund dieser Subventionen die Startchancengleichheit verletzt wird, dazu, dass die Interessengruppen durch lobbyistischen Einfluss den Versuch unternehmen, ebenfalls Subventionen zu erkämpfen.

 

Während nun die Steuerpolitik nur in einzelnen Fällen bewusst einen Einfluss auf die Allokation zu nehmen versucht und zumeist primär dazu dient, dem Staat Einnahmen zu verschaffen, liegt die Zielrichtung bei der Vergabe von Subventionen zumeist in der Absicht, auf diese Weise Einfluss auf die Allokation zu nehmen. Da die Allokation aber nur dann überhaupt durch die Fiskalpolitik des Staates beeinflusst wird, wenn die Preisrelationen verschoben werden, bleibt auch der Erfolg der staatlichen Subventionspolitik aus, wenn es den lobbyistischen Gruppen gelingt, für möglichst alle Branchen ähnlich hohe Subventionen zu erkämpfen.

 

Eine zweite Einschränkung zu der Feststellung, dass die generellen Umsatzsteuern nur einen geringen Einfluss auf die Allokation nehmen, ist notwendig. Auch dann, wenn eine allgemeine Umsatzsteuer wirklich auf alle Güter erhoben würde und wenn ein einheitlicher Steuersatz für alle Güter gelten würde, wären die Preisrelationen dennoch durch die staatliche Fiskalpolitik beeinflusst. Eine allgemeinen Umsatzsteuer hat ja nur auf die Preisrelationen für Güter keinen Einfluss. Wird der Umsatzsteuersatz erhöht bei sonst gleichbleibenden Steuersätzen, so verändert sich das Verhältnis der Güterpreise zu den Faktorpreisen.

 

Wenn wir aber davon sprechen, dass die Allokation von den Preisrelationen gesteuert wird, so wird nicht nur an das Verhältnis der Güterpreise untereinander, sondern auch an das Verhältnis der Faktorpreise zu den Güterpreisen gedacht. Während das Güterpreisverhältnis vorwiegend die Zusammensetzung des Güterbündels festlegt, wird die Faktorintensität einer Produktion, also die Frage, ob die Produktion eines Gutes eher arbeits- oder kapitalintensiv erfolgt, vorwiegend durch die realen Faktorpreise gesteuert. Der Reallohn (l/p) kann jedoch nicht nur dadurch, dass der Nominallohnsatz (l) verändert wird, sondern auch dadurch, dass bei gleichbleibendem Nominallohnsatz das Preisniveau (p) verändert wird, variieren und damit die Nachfrage nach Arbeit nachhaltig beeinflussen.

 

Aber hier gilt, dass die Faktorintensität der Produktion in viel stärkerem Maße von dem Verhältnis der Faktorpreise untereinander (l/i) bestimmt wird. In dieser Hinsicht können wir die einzelnen Steuern auch auf die Faktorpreise wiederum danach unterscheiden, inwieweit sie diese Faktorpreisrelationen beeinflussen oder nicht. Der allgemeinen Umsatzsteuer entspricht hierbei die Einkommenssteuer, welche zumindest bis zur Einführung der Abgeltungssteuer für Kapitaleinkommen, alle Einkommen gleichmäßig besteuerte, unabhängig von der Einkommensquelle (Arbeit, Kapital) und den Steuersatz nur an der Höhe der Einkommen ausrichtete.

 

Auch im Bereich der Steuern auf Produktionsfaktoren findet sich bisweilen eine Entsprechung zu den spezifischen Verbrauchssteuern. So erheben Gemeinden bisweilen eine Lohnsummensteuer, welche für die betroffenen Unternehmungen den Faktorpreis für Arbeit erhöhen und damit die Kosten für arbeitsintensive Produktionen einseitig erhöhen. Auch die Erhebung von Gewerbesteuern, die sich am Kapitalertrag einer Unternehmung ausrichten und deren Hebesätze von Gemeinde zu Gemeinde variieren können, trägt dazu bei, die Faktorpreisrelationen und damit die Allokation zu beeinflussen.