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Pathologie der Marktwirtschaft

 

 

 

Gliederung der Vorlesung:

 

1. Problemeinführung

2. Pathologische Branchen

3. Wettbewerb versus Monopol

4.  Externe Kosten und Erträge

5.  Der Allokationsmechanismus

6.  Der Verteilungsmechanismen der Wohlfahrt

7.  Die Weiterentwicklung des Liberalismus

                     

   

     Kapitel 03. Wettbewerb versus Monopol Teil III

 

 

Gliederung:

 

 1. Einführung

 2. Die Wettbewerbsfunktionen

 3. Der Begriff der Wohlfahrtsoptimierung

 4. Wohlfahrtsoptimierung bei Mengenanpassung

 5. Die Marktform des vollständigen und vollkommenen Wettbewerbs

 6. Die Rolle der potenziellen Konkurrenz

 7. Die Bedeutung der Einstiegs- und Ausstiegskosten

 8. ruinöse Konkurrenz

 9. Natürliches Monopol

               10. Quasimonopol durch Gleichschritt und Wissensmonopol

               11. Quasimonopol durch Diskriminierung

               12. Patentgesetzgebung und Wettbewerb

       

   

 

7. Die Bedeutung der Einstiegs- und Ausstiegskosten

 

Wettbewerb entsteht dadurch, dass immer dann, wenn bei der Produktion und dem Vertrieb von Waren Gewinne realisiert werden können, andere Unternehmungen einen Anreiz haben, in den Markt einzudringen und die Produktion ebenfalls aufzunehmen. Ob eine solche Konkurrenz zu befürchten ist, hängt nun entscheidend davon ab, inwieweit diese Newcomer über die Rohstoffe und über die Technologie verfügen, welche zur Aufnahme der Produktion notwendig sind. Hierbei hängt es davon ab, welche Einstiegskosten entstehen, ob sich die Aufnahme der Produktion für einen Newcomer lohnt. Hat er überhaupt nicht die Möglichkeit, bestimmte Rohstoffe oder Technologien zu übernehmen, so ist dies gleichbedeutend damit, dass die Einstiegskosten unendlich groß sind.

 

Ob ein Einstieg stattfindet, hängt dann davon ab, in welchem Verhältnis erwarteter Gewinn und Einstiegskosten stehen, wobei auch berücksichtigt werden muss, dass es sich bei den Gewinnaussichten immer nur um erwartete Werte handelt, so dass diese stets mit der Wahrscheinlichkeit gewichtet werden müssen, mit der ein Gewinn erwartet werden kann.

 

Genauso wie die Einstiegskosten darüber entscheiden, ob mit einer Zunahme der Anbieter und damit mit Konkurrenz zu rechnen ist, spielen auch die Ausstiegskosten eine entscheidende Rolle für die Frage nach dem Umfang des Wettbewerbes. Wenn eine Unternehmung jederzeit wiederum ohne größere Kosten die Produktion aufgeben kann, ist die Bereitschaft, in einen Markt einzusteigen, größer als dann, wenn die beim Einstieg verursachten Kostenelemente (vor allem die Errichtung von kostspieligen Anlagen) notfalls nur mit großem Verlust weiterverkauft werden können.

 

 

8. ruinöse Konkurrenz

 

Wir haben oben davon gesprochen, dass die liberalen Wirtschaftswissenschaftler keine Wettbewerbsfetichisten sind und keinesfalls verkennen, dass Wettbewerb für die beteiligten Unternehmungen mit starken Unannehmlichkeiten verbunden sein kann. Darüber hinaus wird auch durchaus von den Anhängern einer Marktwirtschaft anerkannt, dass nicht jeder Wettbewerb wohlfahrtssteigernd wirkt, es gibt auch Arten des Wettbewerbs, welche eindeutig die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt mindern. Man spricht hierbei von ruinösem Wettbewerb. Befassen wir uns mit diesem ruinösen Wettbewerb etwas ausführlicher.

 

Wir wollen von der Annahme ausgehen, dass Unternehmungen in der Regel bestrebt sind, ihren Gewinn zu maximieren, dass sie also nur solche Änderungen in ihren Wirtschaftsplänen vornehmen, die geeignet sind, ihren Gewinn zu steigern oder zumindest nicht zu verringern. Im Allgemeinen unterstellen wir, dass dieses Verhalten für jede Periode gilt. Diese Annahme findet jedoch bisweilen eine Ausnahme. Eine Unternehmung kann bewusst seine Preise reduzieren, obwohl diese Preissenkungen dieser Unternehmung in dieser ersten Periode Verluste bringen. Diese Verluste werden jedoch in Kauf genommen, weil sich eine Unternehmung erhofft, auf diese Weise die lästige Konkurrenz in den Ruin zu treiben (deshalb die Bezeichnung ruinöse Konkurrenz). Sobald dieses Ziel erreicht wurde und die – diese Art der Konkurrenz betreibende – Unternehmung eine Monopolstellung erreicht hat, kann der Monopolist durch Verknappung seiner Güter  seine Preise heraufsetzen und auf diese Weise die anfänglichen Verluste durch zusätzliche Gewinne kompensieren und überkompensieren. Diese Unternehmung hat hier gar nicht das Ziel einer Gewinnmaximierung verlassen, dieses Ziel wurde nur nicht für jede Periode erfüllt, aber sehr wohl auf lange Sicht.

 

Warum ist aber diese Art von Konkurrenz für die Gesamtgesellschaft und nicht nur für den Konkurs gehende Unternehmer wohlfahrtsmindernd? Man könnte ja die Vermutung äußern, dass sich hier der effizientere Unternehmer durchsetzt. Verluste einstecken kann nämlich nur derjenige Unternehmer, welcher über Vermögensrücklagen verfügt, mit denen die vorübergehenden Verluste ausgeglichen werden können. Bei dieser Art von Konkurrenz geht derjenige Unternehmer pleite, welcher über die geringeren Vermögensrücklagen verfügt.

 

Nun könnte man von der Vorstellung ausgehen, dass der Umfang der Vermögensrücklagen einfach widerspiegelt, wie erfolgreich eine Unternehmung in der Vergangenheit war. Weil der Sieger aus diesem Machtkampf  dadurch hervorging, weil er über das größere Vermögenspolster verfügte und weil dieses größere Vermögenspolster Ausdruck dafür sei, dass diese Unternehmung in der Vergangenheit erfolgreicher war, sei auch nachgewiesen, dass sich auf diesem Wege gerade die erfolgreichsten Unternehmungen durchsetzen. In einer funktionierenden Marktwirtschaft bedeutet dies aber auch gleichzeitig, dass die erfolgreichsten Unternehmungen auch die gesamtwirtschaftliche Produktivität am meisten steigern können.

 

Eine solche Argumentation verkennt, dass Vermögen ja nicht nur aufgrund eines vergangenen Erfolges erzielt wird. Es besteht auch die Möglichkeit, dass der eine Unternehmer nur deshalb über ein größeres Vermögenspolster verfügt als sein Konkurrent, weil er eine größere Erbschaft als der andere gemacht hat. In diesem Falle ist das größere Vermögen kein Indiz für eine größere Leistungsfähigkeit. Es war die größere Leistungsfähigkeit des Erblassers, nicht des Erben, welches das größere Vermögen bewirkt hat.

 

Aber selbst dann, wenn dieses größere Vermögen aufgrund der vergangenen Leistung des betreffenden Unternehmers entstanden ist, besagt dies noch keinesfalls, dass dieser Unternehmer auch in den zukünftigen Perioden erfolgreicher als die Konkurrenten wirtschaften kann. Es besteht ja die Möglichkeit, dass dieser Unternehmer in der Vergangenheit einfach deshalb überdurchschnittliche Gewinne erzielt hat, weil er das Glück hatte, von unvorhergesehenen und auch unvorhersehbaren Nachfrageüberhängen zu profitieren, also sogenannte ‚windfall‘ Profite erzielt hat.

 

Nun könnte man einwenden, dass ein erfolgreicher Unternehmer auch dann die Möglichkeit habe zu produzieren, wenn er über keine ausreichenden Rücklagen verfügt, es bestehe ja die Möglichkeit, dass die Banken oder andere vermögende Kapitalgeber diesem Erfolg versprechenden Unternehmer Kredite gewährt, sodass auch der weniger vermögende Unternehmer in der Lage ist, diese Durststrecke einer anfänglich verlustreichen Produktion zu überstehen.

 

Eine solche Argumentation verkennt jedoch, dass eine Kreditgabe in unserem Bankensystem nicht allein aufgrund einer ausreichenden Rentabilität erfolgt, dass nur dann Kredite seitens der Banken gewährt werden, wenn die Kredit suchende Unternehmung auch liquide ist und bei Verlusten mit Hilfe seines bestehenden Vermögens die Kredite rechtzeitig zurückzahlen kann. Wiederum hängt auch hier die Erfolgsaussicht davon ab, welcher Unternehmer über die größeren Vermögensreserven verfügt.

 

Eine Art ruinöser Konkurrenz liegt auch bei Dumpingpreisen vor. Von Dumping spricht man immer dann, wenn Unternehmungen für ins Ausland exportierte Waren niedrigere Preise als im Inland verlangen oder Waren zu Preisen exportieren, welche unter den Stückkosten liegen. Im ersteren Falle (Preisdifferenzierung) versuchen sie auf diese Weise auf ausländischen Märkten Fuß zu fassen in der Hoffnung, dass sie dann, wenn sie Fuß gefasst haben, auch im Ausland normale Preise erzielen können.

 

Im letzteren Falle (nicht kostendeckende Preise) liegt ein ähnlicher Fall wie bei der ruinösen Konkurrenz im Inland vor. Der Dumping treibende Unternehmer nimmt anfängliche Kosten in Kauf, um auf diesem Wege ausländische Konkurrenten auszuschalten und dann aufgrund einer Monopolstellung im Ausland den Preis drastisch erhöhen zu können. Aus der Sicht der ausländischen Volkswirtschaft werden zwar zunächst Wohlfahrtsgewinne erzielt, da ja die ausländischen Konsumenten diese Waren zu verbilligten Preisen erwerben können. Langfristig erleiden sie jedoch Wohlfahrtsverluste, da die später zu befürchtenden Preissteigerungen die anfänglichen Wohlfahrtsgewinne in aller Regel überkompensieren werden.

 

Dumping ist allerdings nur erfolgreich, wenn der Staat, von dessen Volkswirtschaft die Dumpingpreise ausgehen, durch Erhebung von  Zöllen oder anderen protektionistischen Maßnahmen verhindert, dass die gedumpten Waren wiederum reimportiert werden. Ohne diesen protektionistischen Schutz könnten ja ausländische Händler mit Gewinn diese Waren wiederum in das Ursprungsland reimportieren, da ja annahmegemäß in diesem Land höhere Preise für diese Waren erzielt werden können.

 

Eine ähnliche Wirkung wie beim Dumping kann auch erzielt werden, wenn der Staat bestimmte Produktionen subventioniert und wenn infolgedessen die inländischen Unternehmungen gegenüber ihren ausländischen Konkurrenten einen Wettbewerbsvorteil erlangen. Volkswirtschaftlich gesehen bedeutet dieses Vorgehen, dass die Produktion nicht von den Unternehmungen durchgeführt wird, welche die höchste Produktivität aufweisen. Auf lange Sicht bleibt eine solche Politik erfolglos, da sich die Staaten der hierdurch geschädigten Volkswirtschaften ihrerseits ihren Unternehmungen Subventionen gewähren werden mit der Folge, dass sich im Endergebnis die Subventionseffekte gegenseitig aufheben und im Endergebnis nur Steuergelder nutzlos vergeudet wurden.

 

 

9. Natürliches Monopol

 

Unsere bisherigen Überlegungen haben gezeigt, dass der Wettbewerb im Normalfall unter den Marktteilnehmern sowohl für das reibungslose Funktionieren als auch für eine Rechtfertigung einer Marktwirtschaft unerlässlich ist. Was gilt aber, wenn Wettbewerb gar nicht möglich ist und zwar nicht etwa deshalb, weil Unternehmer ein massives Interesse daran haben, Wettbewerb zu unterbinden, sondern deshalb, weil die Nachfrage nach den einzelnen Gütern unter Umständen zu gering ist, damit sich eine Vielzahl von Unternehmungen in die Produktion dieser Güter teilen können? Man spricht in diesem Zusammenhang von einem natürlichen Monopol. Ein natürliches Monopol liegt immer dann vor, wenn die Nachfrage nach einem bestimmten Gut so gering ist, dass nur eine einzige Unternehmung die Produktion dieses Gutes rentabel durchführen kann.

 

Im Allgemeinen wurde in der Vergangenheit eingeräumt, dass ein natürliches Monopol, wenn es denn vorliegt, hingenommen werden muss, dass eben hier eine Ausnahmesituation gegeben sei, die nicht geändert werden könne. Allerdings wurde diese Schlussfolgerung mit der Überzeugung verbunden, dass in der Realität nur in den seltensten Fällen die Voraussetzungen für ein natürliches Monopol gegeben seien, sodass die Existenz natürlicher Monopole eine marktwirtschaftliche Ordnung nicht ernstlich bedroht.

 

Allerdings scheint zumindest auf den ersten Blick eine gewisse Tendenz des technischen Fortschritts seit den letzten hundert Jahren diese Überzeugung fragwürdig werden zu lassen. Der technische Fortschritt in den Industrienationen hat nämlich dazu geführt, dass die industrielle Produktion immer kapitalintensiver wurde und dass sich dieses Größerwerden der Kapitalintensität vor allem darin äußerte, dass die Produktion auf immer größere Anlagen verlagert wurde, welche erst dann eine rentable Produktion erlauben, wenn die Güter in Massen produziert werden.

 

Sicherlich ist diese Art des technischen Fortschritts dafür mit verantwortlich, dass die Unternehmungsgröße in den letzten Jahrzehnten sprunghaft angestiegen ist und zwar in einem Maße, dass nicht nur Riesenkonzerne mit wirtschaftlicher Macht entstanden sind, welche eine optimale Produktion verhindern, sondern dass diese Konzerne auch bisweilen eine solche Macht erlangen konnten, dass sie die Unabhängigkeit der politischen Instanzen ernsthaft gefährden. Gelangen nämlich Großunternehmungen in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten, so bleibt dem Staat gar nichts anderes übrig, als diese Unternehmungen durch Subventionen zu unterstützen, auch dann, wenn diese Schwierigkeiten aus Fehlentscheidungen dieser Unternehmungen herrühren. Diese Hilfsmaßnahmen werden einfach deshalb notwendig, weil ohne staatliche Finanzspritzen eine Massenarbeitslosigkeit die Folge wäre.

 

Aber eben aufgrund dieser staatlichen Hilfen wird der marktwirtschaftliche Allokationsmechanismus und insbesondere das Haftungsprinzip weitgehend außer Kraft gesetzt. Die Unternehmer streichen zwar hohe Gewinne ein, können jedoch Verluste aufgrund von Fehlentscheidungen auf die Allgemeinheit überwälzen. Diese Möglichkeit widerspricht nicht nur allgemeinen Gerechtigkeitsvorstellungen, sie verleitet auch zu einem verantwortungslosen Handeln beim Eingehen von risikobehafteten Investitionsentscheidungen. Die eigentliche Ursache dieser Entwicklung liegt jedoch darin, dass Konzerne entstehen konnten, welche eine Größe erreicht haben, bei denen sich der Staat gezwungen sieht, bei größeren Verlusten, welche die Existenz dieser Unternehmungen gefährden, einen drohenden Konkurs durch öffentliche Finanzspritzen zu verhindern.

 

Befassen wir uns etwas ausführlicher mit der Frage, warum denn der technische Fortschritt angeblich diese Tendenz zum Großbetrieb ausgelöst habe und was es bedeutet, dass eine Unternehmung erst ab einer bestimmten Mindestproduktionsmenge rentabel wird. Die Kosten, welche eine Unternehmung bei Anschaffung größer maschineller Anlagen aufwenden muss, haben die Eigenschaft von Fixkosten. Man versteht darunter Kosten, welche unabhängig davon auftreten, wie viel Güter mit dieser industriellen Anlage produziert werden. Selbst dann, wenn die Produktion z. B. aufgrund eines Streiks für einen gewisse Zeit eingestellt wird, bleiben die Kosten bestehen. Würde nur eine Einheit produziert, so entsprächen die für die Preiskalkulation notwendigen fixen Stückkosten gerade den Kosten dieser Anlage, welche auf die gegenwärtige Periode entfallen.

 

Die Höhe der Stückkosten verringert sich nun in dem Maße, in dem die Produktion gesteigert wird. Um diese Höhe der fixen Stückkosten zu bestimmen, haben wir also erstens zu entscheiden, für wie viel Perioden diese Anlage geplant wurde und wie viele Gütereinheiten pro Periode mit dieser Anlage produziert werden sollen. Ausgehend von dem Anschaffungspreis der industriellen Anlagen erhält man also die Stückkosten dadurch, dass man diese Geldsumme durch die Anzahl der geplanten Jahre der Anlage dividiert und diese Kostensumme dann auf die Anzahl der zu produzierenden Gütereinheiten umlegt. Dies bedeutet gleichzeitig, dass bei Ausweitung der Produktion die fixen Kosten bis zum Erreichen der Kapazitätsgrenze dieser Anlagen sinken.

 

Wir zeichnen nun diesen Verlauf der fixen Stückkosten in Abhängigkeit der Produktionsmenge in ein Diagramm, auf dessen Abszisse die geplante Gütermenge und auf dessen Ordinatenachse die Höhe der Stückkosten unter anderem eingetragen wird. Wenn wir nun zu den fixen Stückkosten die weiteren variablen Kosten (insbesondere Arbeitskosten, Rohstoffkosten, Zinskosten und Energiekosten) hinzu addieren, erhalten wir den Verlauf der Kurve der gesamten Stückkosten, wobei zunächst davon ausgegangen werden muss, dass auch die gesamten Stückkosten bei Ausweitung der Produktion fallen, da zunächst das Gewicht der fixen Kosten überwiegt und dass erst dann, wenn die Produktion an die Nähe der Kapazitätsgrenze stößt, die variablen Stückkosten so stark ansteigen, dass trotz weiterem Absinken der fixen Stückkosten die Gesamtstückkosten ansteigen.

 

In das gleiche Diagramm zeichnen wir zweitens die Nachfragekurve nach diesem Produkt ein, welche angibt, welche Nachfrage die Haushalte bei alternativen Güterpreisen ausüben, wobei man in aller Regel unterstellen kann, dass die Nachfrage mit steigendem Preis fällt.

 

 

 

Unser Diagramm zeigt, dass die Stückkosten bis zu der kritischen Gütermenge Xm über dem Preis liegen, den die Nachfrager zu zahlen bereit sind und dass deshalb eine rentable Produktion erst ab dieser Menge überhaupt rentabel ist. Ab der Gütermenge Xkm beginnen die gesamten Stückkosten zu steigen und von der Gütermenge Xg ab würden bei einer weiteren Ausdehnung der Produktion erneut Verluste eintreten.

 

Wenn wir nun unterstellen, dass aufgrund des technischen Fortschritts der Fixkostenanteil immer weiter steigt und dass deshalb auch die Mindestgütermenge, von der ab überhaupt erst eine rentable Produktion möglich ist, ebenfalls immer weiter ansteigt, so könnte eines Tages ein Zustand erreicht sein, bei dem die notwendige Unternehmungsgröße bei einer Gütermenge liegt, welche den gesamten Bedarf abdeckt, so dass der gesamte Bedarf jeweils nur von einer einzigen Unternehmung produziert werden kann.

 

Es gibt aber gute Gründe dafür, dass dieser Zustand in der Realität nur in den seltensten Fällen eintritt. Mit dem betriebsgrößenintensiven Fortschritt geht nämlich normalerweise auch eine Zunahme der Globalisierung einher. Während in der Vergangenheit der größte Teil der industriellen Produktion im Inland abgesetzt wurde, stiegen aufgrund der Zunahme des Außenhandels auch die Exporte in ausländische Volkswirtschaften. Die Wettbewerbssituation wird also immer weniger nur durch die Marktstruktur im Inland bestimmt, immer mehr stehen die inländischen Unternehmer in Konkurrenz mit der gesamten Weltwirtschaft. Dies bedeutet, dass eine Unternehmung nicht mehr nur den Bedarf des Inlandes abzudecken hat, sondern ihre Produkte in die ganze Welt verkaufen kann. In diesem Falle wird es jedoch höchst unwahrscheinlich, dass der Bedarf der gesamtgen Welt durch eine einzige Unternehmung abgedeckt werden kann.

 

Wir haben uns zweitens darüber klar zu werden, dass die Art des technischen Fortschritts selbst wiederum von den wirtschaftlichen Daten beeinflusst wird. Der technische Fortschritt fällt nicht wie Manna vom Himmel und ist deshalb auch nicht vorgegeben und politisch unbeeinflussbar. Dass in den letzten Jahrzehnten vor allem technischer Fortschritt kapital- und größenintensiv war, wurde entscheidend auch dadurch mitbestimmt, dass das Haftungsprinzip immer mehr aufgeweicht wurde. Wenn eine Unternehmung damit rechnen kann, dass sie die durch Fehlentscheidungen ausgelösten Verluste auf die Allgemeinheit überwälzen kann, sofern sie nur eine bestimmte Unternehmungsgröße erreicht hat, wird sie auch den technischen Fortschritt so verwirklichen, dass sich schon aus technischen Gründen nur noch Großbetriebe rentabel führen lassen. Es ist also hier eine mangelnde Wettbewerbspolitik, welche dann dazu führt, dass in praxi die Unternehmungen immer mehr wachsen und dass auf diese Weise der Wettbewerb unterbunden wird.

 

Wenn man will, kann man im Banknotenmonopol auch eine Art natürliches Monopol sehen. Wenn wir einmal von der Position Friedrich August von Hayek‘s absehen, waren es gerade die Liberalen, welche die Forderung erhoben haben, dass die Ausgabe von Banknoten nicht dem Wettbewerb mehrerer Privatbanken überlassen werden dürfe, dass es vielmehr notwendig sei, dass die Banknotenausgabe in einer (und zwar der öffentlichen) Hand liegen müsse und auch nicht nach erwerbswirtschaftlichem Grundsätzen erfolgen dürfe.

 

So vertrat vor allem David Ricardo die Position der Currency-Theorie, welche es für notwendig hielt, dass die Geldmenge politisch begrenzt werden müsse, um inflatorische Prozesse zu verhindern.

 

Diese Forderung ergab sich unmittelbar aus der Quantitätstheorie, wonach sich eine Zunahme der Geldmenge, welche nicht von einer Zunahme des Handelsvolumens begleitet wird, notwendiger Weise in allgemeinen Preissteigerungen niederschlagen müsse.

 

Dieser Position traten zwar die Anhänger der Banking-Theorie (unter anderem Thomas Tooke und John Fullarton) entgegen und vertraten die Auffassung, dass die Geldmenge nur dann  ausgeweitet werde, wenn auch von Seiten der Wirtschaft ein Bedarf an Geld bestehe. Die Gefahr, dass die Geldmenge stärker als das Gütervolumen ausgeweitet werde, bestehe deshalb gar nicht.

 

Diese unterschiedlichen Positionen erklären sich vor allem daraus, dass die Anhänger der Currency-Theorie den Begriff Geld stets im Zusammenhang mit dem von der Notenbank geschaffenen Banknoten, einschließlich der Goldmünzen verwendeten, während sich die Anhänger der Banking-Theorie darauf bezogen, dass der größte Teil des Warenumsatzes mit Warenwechsel und Schecks bezahlt werde, wobei dieses Giralgeld eben nur im Zusammenhang mit dem Handel von Waren und in Relation zu diesen Warenströmen von den Marktteil­nehmern geschaffen werde.

 

Dass ein Großteil des Warenumsatzes mit Giralgeld bezahlt wird, ist sicherlich unbestritten. Dies bedeutet jedoch nicht automatisch, dass deshalb das von der Notenbank geschaffene Geld keinen Einfluss auf das Preisniveau nehme. Wir haben vielmehr davon auszugehen, dass das Giralgeld letztlich mit Hilfe des von der Notenbank geschaffenen Geldes kreiert wird und dass deshalb über die Banknotenmenge sehr wohl auch die Giralgeldsumme beeinflusst wird.

 

Den Grund dafür, dass das Überlassen der Banknotenausgabe die Gefahr der Inflation auslöse, sahen die Klassiker vor allem darin, dass die ‚Produktion‘ von Banknoten mit geringeren Kosten verbunden sei als der Wert des Geldes eigentlich einnehme, so dass stets die Gefahr besteht, dass die Geldmenge bei wettbewerblicher Produktion in stärkerem Maße ausgeweitet werde als das Gütervolumen, welches das Geld finanzieren soll.

 

Friedrich August von Hayek hat demgegenüber die Position vertreten, dass auch oder gerade bei wettbewerblicher Herstellung von Banknoten die Geldwertstabilität gesichert sei. Für das Verhalten der Privatbanken, welche das Recht erhalten, Banknoten in Umlauf zu setzen, komme es nämlich nicht primär auf die Herstellungskosten von Banknoten im engeren Sinne des Wortes an. Entscheidend seien vielmehr die Opportunitätskosten bei einer inflationären Ausgabe von Banknoten, welche darin  liegen, dass eine Bank, deren Banknoten  an Wert verlören, auch das Vertrauen ihrer Kunden verlöre, sodass eine inflationäre Notenausgabe unweigerlich dazuführe, dass die Kunden zu den Konkurrenten dieser Bank abwandern. Es läge also im ureigenen Interesse der privaten in Konkurrenz zu einander stehenden Notenbanken, für die Erhaltung des Wertes ihrer eigenen Banknoten zu sorgen.

 

Die Mehrheit der auch liberalen Geldtheoretiker ist jedoch nach wie vor der Meinung, dass das Banknotenmonopol der bessere Weg darstellt, Geldwertstabilität zu garantieren. Genauso wie sich die Einzelpreise auch bei Stabilität im gesamten Preisniveau permanent verändern und wegen der laufend zu erwartenden Datenänderungen auch verändern müssen, genauso wird man damit rechnen müssen, dass das Wertverhältnis der einzelnen Banknoten ebenfalls großen Schwankungen ausgesetzt ist, was jedoch zu schwerwiegenden sozialen Folgen führen müsse. Es ist politisch kaum zu vertreten und auch nicht zu verwirklichen, dass Arbeitnehmer wie in Zeiten einer Hyperinflation mit einem realen Einkommensverlust einfach deshalb rechnen müssen, weil gerade der Wert der Banknoten, in denen der Lohn ausgezahlt wurde, wegen fehlerhaften Entscheidung einer Notenbank zurückgeht.

 

Es bleibt also bei der Forderung nach einem Banknotenmonopol. Dass man in diesem Zusammenhang von einem natürlichen Monopol sprechen kann, liegt darin, dass es im Wesen der Geldfunktionen liegt, dass Geld knapp gehalten wird und dass eine Ausweitung der Geldmenge, welche nicht durch Vergrößerung der Warenmenge begleitet wird, als wohlfahrtsmindernd bezeichnet werden muss. Zwar gilt auch in diesem Zusammenhang, dass die Produktion von Banknoten einer einzelnen Bank durchaus ausreicht, um den Gesamtbedarf an Geld sicherzustellen. Diese Tatsache ist jedoch nicht der Grund, hier von einem natürlichen Monopol zu sprechen. Es ist vielmehr die Überzeugung, dass das Ziel einer Stabilität des Geldwertes nur unter einer monopolistischen Banknotenausgabe gesichert werden kann, dass in diesem Bereich eine monopolistische Marktstruktur gefordert wird.

 

 

10. Quasimonopol durch Gleichschritt und Wissensmonopol

 

Wir hatten weiter oben gesehen, dass sich ein Unternehmer nicht in jedem Falle, in dem die morphologische Struktur eines Monopols vorliegt, auch als Monopolist verhalten wird. Friedrich August von Hayek hat aufgezeigt, dass ein Monopolist nur dann seine Macht ausspielen kann, wenn eine Volkswirtschaft durch protektionistische Maßnahmen (Zölle und Kontingente) geschützt wird und der Monopolist keine Konkurrenz aus dem Ausland befürchten muss. Es komme also nicht auf die tatsächlichen morphologischen Verhältnisse der einzelnen Märkte an, sondern allein darauf, ob Konkurrenz möglich ist, ob ein Unternehmer, welcher im Inland als einziger das Angebot bestreitet, befürchten muss, dass bei dem Versuch einer monopolistischen Verknappungspolitik neue Konkurrenz aus dem Ausland zu befürchten ist. Nicht die tatsächliche, sondern die potenzielle Konkurrenz sei von Bedeutung.

 

In ähnlicher Weise müssen wir damit rechnen, dass auch dann, wenn morphologisch gesehen die Bedingungen einer vollständigen Konkurrenz gegeben sind, wenn sich also eine Vielzahl von Unternehmungen in das Angebot (oder auch in die Nachfrage) teilen, trotzdem Verhaltensweisen möglich werden, in denen sich Unternehmer wie Monopolisten benehmen und ihre Macht ausspielen, welche eigentlich bei echter Konkurrenz gar nicht möglich sein dürfte.

 

In dem zweiten Teil dieser Vorlesung, welcher sich mit dem Befund der Marktwirtschaften befasste, sind wir bereits der Tatsache begegnet, dass die Marktteilnehmer auch dann ein konformes Verhalten aufweisen, wenn sie nicht eigens durch Zusammenschluss einzelner Unternehmungen oder durch kartellartige Absprachen juristisch gesehen unabhängig bleibender Unternehmungen die morphologische Struktur eines Monopols erlangt haben. So hatte C. A. Phillips in einer Arbeit von 1921 darauf aufmerksam gemacht, dass Privatbanken durchaus die Macht besitzen, auch dann, wenn die Banknoten allein von einer einzigen zentralen Notenbank ausgegeben werden können, die Geldmenge auszuweiten und zwar dadurch, dass es ihnen gelingt, Giralgeld zu schöpfen.

 

Diese These wurde damals noch ganz allgemein für falsch gehalten, es entsprach dem common sense, dass Privatbanken bei einer Kreditvergabe lediglich die Gelder, welche sie zuvor entweder von den Spareinlagen ihrer Kunden geliehen bekamen oder aufgrund eines Kredites seitens der Notenbank zur Verfügung gestellt bekamen, an ihre Kunden weiterverleihen könnten und somit gerade nicht in der Lage seien, die vorhandene umlaufende Geldmenge auszuweiten.

 

Phillips hat hingegen aufgezeigt, dass die Privatbanken durchaus in der Lage sind, die umlaufende Geldmenge zu vergrößern, also Giralgeld zu schöpfen und zwar dadurch, dass es ihnen unter bestimmten Voraussetzungen  gelingt, ein Vielfaches der zur Verfügung stehenden Geldeinlagen als Kredit an die Unternehmungen und Haushalte auszuleihen. Die wohl wichtigste Voraussetzung für eine solche Möglichkeit der Geldschöpfung auch von Seiten der Privatbanken besteht darin, dass die Privatbanken im Gleichschritt vorgehen, also alle gemeinsam bemüht sind, den Kreditrahmen auszuweiten. Auch hier geht Phillips ex pressis verbis davon aus, dass es keiner formeller, kartellartiger Absprachen, schon gar nicht eines monopolistischen Zusammenschlusses der Privatbanken bedürfe, damit ein solcher Gleichschritt auch zum Erfolg führt.

 

Diese Ausweitung der Kreditsumme über die zur Verfügung stehenden Einlagen wird möglich, weil erfahrungsgemäß die Kreditnehmer den ihnen gewährten Kreditrahmen in aller Regel nicht voll ausschöpfen. Es bleibt also ein bestimmter Betrag auf dem Konto der Kreditnehmer, sodass diese Beträge ein zweites Mal ausgeliehen werden können. Die Investitionsvorhaben, welche die Kreditnehmer mit den ihnen gewährten Krediten durchführen, sind zumeist mit Risiken verbunden und dies bedeutet, dass die notwendige Geldsumme nicht eindeutig ex ante bestimmt werden kann, also ist es für den Kreditnehmer zweckmäßig, eine etwas höhere Kreditsumme als die erwartete Kostensumme zu beantragen.

 

Weiterhin kann wiederum erfahrungsgemäß davon ausgegangen werden, dass der größte Teil der abgehobenen Geldbeträge von den Kreditnehmern auf Bankkonten überwiesen werden, da ja auch die Lieferanten des Kreditnehmers über Bankkonten verfügen. Zwar wird die kreditgebende Bank, vor allem wenn ihr Kundenkreis relativ klein ist, auf diesem Wege nur einen kleineren Teil der Geldbeträge wiederum erhalten, sodass der Giralgeldschöpfungsmultiplikator einer einzelnen Bank relativ gering bleibt.

 

Betrachten wir jedoch das gesamte Bankensystem, so fließt der größte Teil der in Anspruch genommenen Kreditsumme auf Konten anderer Banken zurück. Nur der Teil der in Anspruch genommenen Gelder, welcher von den Haushalten und Unternehmungen in Kasse gehalten wird, findet seinen Weg nicht mehr zurück zum Bankensystem. Wenn also nun nahezu alle oder zumindest die meisten Banken ihre Kreditaktivität gleichmäßig ausdehnen, können sie auch ein Vielfaches ihrer Einlagensumme als Kredit vergeben und somit in der Tat größere Mengen Giralgeld schöpfen.

 

Diese quasimonopolistische Macht durch Gleichschritt der Unternehmer findet nun nicht nur im Bankensektor bei der Schöpfung von Geld statt. Auch auf den Arbeitsmärkten finden wir vielfältige Verhaltensweisen der Unternehmer, welchen ein ähnlicher Zusammenhang zugrunde liegt. Man spricht hierbei davon, dass die Arbeitgeber quasi über ein Nachfragemonopol bei der Einstellung von Arbeitnehmern verfügen.

 

Zu Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert lag in der Tat in vielen Fällen ein tatsächliches Nachfragemonopol der Unternehmer nach Arbeitskräften vor. Auf der einen Seite gab es in einer Gemeinde für eine bestimmte Arbeitsqualität oftmals nur einen einzigen Arbeitgeber, auf der anderen Seite brachte es die noch nicht ausgebaute Verkehrsinfrastruktur mit sich, dass ein Arbeitnehmer einen Arbeitsplatz nur in seiner Wohngemeinde, allenfalls in einen nahe gelegenen Nachbargemeinden finden konnte.

 

Der einzelne Arbeitnehmer verfügte in  der Regel weder über eigene Fahrzeuge, mit deren Hilfe er täglich zu einem Arbeitsplatz außerhalb seiner Gemeinde fahren konnte, auch gab es kaum öffentliche Verkehrsmittel wie Bahnen und Busse, welche ein Arbeitnehmer benutzen konnte, um einen Arbeitsplatz außerhalb seiner Wohngemeinde täglich aufzusuchen. Also war der Arbeitnehmer sehr oft auf einen einzigen Unternehmer angewiesen und dieser Arbeitgeber hatte auf diese Weise eine in der Natur der Sache liegende Monopolmacht gegenüber seinen Arbeitnehmer. Der Arbeitnehmer war also auf Gedeih und Verderb auf seinen Arbeitgeber angewiesen.

 

Diese natürliche Monopolmacht der Arbeitgeber gegenüber den Arbeitnehmern konnte nun in der Weiterentwicklung der Volkswirtschaft in der Zwischenzeit weitgehend überwunden werden. Die Gemeinden sind gewachsen und insofern konkurrieren in den größeren Gemeinden zumeist mehrere Unternehmer um Arbeitnehmer. Gleichzeitig ist die öffentliche Verkehrsinfrastruktur (Straßen und Schienen) soweit ausgebaut, dass Arbeitnehmer durch Inanspruchnahme der öffentlichen Verkehrsmittel auch zu entfernt liegenden Betrieben fahren können. Auch ist das Durchschnittseinkommen der Arbeitnehmer so stark angestiegen, dass der größte Teil der Arbeitnehmer über eigene Fahrzeuge verfügt, mit deren Hilfe sie auch Betriebe aufsuchen können, welche viele Kilometer entfernt von ihrer Wohnung angesiedelt sind. De facto gilt somit für den größten Teil der Arbeitnehmer, dass mehrere Arbeitgeber um die Arbeitnehmer konkurrieren. Dieses natürliche Nachfragemonopol auf den Arbeitsmärkten ist somit heutzutage weitgehend beseitigt.

 

Trotzdem haben die Arbeitgeber vor allem von Großbetrieben nach wie vor gegenüber ihren Arbeitnehmern (ohne sozialpolitische Korrekturen) eine monopolistische Macht, aufgrund derer sie die Lohnsätze und die übrigen Arbeitsbedingungen genauso einseitig bestimmen könnten, wie dies bei Vorliegen eines tatsächlichen Nachfragemonopols der Fall wäre. Diese quasimonopolistische Macht liegt nun darin begründet, dass eine Unternehmung bei der Aushandlung und Abfassung der Arbeitsverträge über viel mehr Wissen und Fähigkeiten verfügt als der einzelne Arbeitnehmer und zwar steigt dieses Spezialwissen und diese speziellen Fähigkeiten mit der Größe der Unternehmung. Ein einzelner Arbeitnehmer steht im Allgemeinen nur einmal oder einige wenige Mal in seinem Berufsleben vor der Aufgabe, eine neue Arbeitsstelle zu suchen und mit einem neuen Arbeitgeber einen Arbeitsvertrag auszuhandeln.

 

Eine Unternehmung beschäftigt hingegen eine Vielzahl von  Arbeitnehmern, Großbetriebe sogar mehrere Tausende, sie erlangt deshalb Wissen über die hierbei entstehenden Probleme und kann gerade deshalb, weil diese Probleme der Einstellung von Arbeitskräften fast täglich auftreten, eine eigene Personalabteilung einrichten, welche sich auf Arbeitsfragen spezialisieren und gerade auf diesem Wege Wissen und Erfahrungen sammeln kann. Und gerade deshalb, weil diese Aufgaben permanent anfallen, können auch Spezialfachkräfte für diese Aufgaben angestellt werden.

 

Auf sich allein gestellt wäre der einzelne Arbeitnehmer beim Aushandeln eines Arbeitsvertrages weit überfordert und dem Arbeitgeber ausgeliefert, auch dann, wenn nach der morphologischen Struktur betrachtet der Arbeitnehmer einer Vielzahl konkurrierender Unternehmer gegenübersteht. Mangels Wissen kann er seine Wettbewerbsposition gar nicht ausspielen. Rein theoretisch könnte der einzelne Arbeitnehmer zwar einen privaten Rechtsbeistand in Anspruch nehmen, diese Möglichkeit scheitert jedoch in den meisten Fällen daran, dass sich der einzelne Arbeitnehmer für diese Belange gar keinen Rechtsanwalt leisten kann und dass er gerade deshalb, weil er den Umgang mit Rechtsanwälten nicht kennt, auch gar nicht von diesen Möglichkeiten Gebrauch macht. Hier bedarf es also sozialpolitischer Korrekturen (kollektive Tarifverhandlungen, Vertretung der Arbeitnehmer durch einen Betriebsrat und durch andere Mitbestimmungsorgane), um diese quasimonopolistische Macht der Arbeitgeber zu begrenzen.

 

 

11. Quasimonopol durch Diskriminierung

 

Wir können auf den Arbeitsmärkten auch weitere Arten eines Quasimonopols beobachten. In Kapitel 2 dieser Vorlesung konnten wir feststellen, dass auf den Arbeitsmärkten zahlreiche Diskriminierungen insbesondere im Hinblick auf das Alter und das Geschlecht der Arbeitnehmer stattfinden, welche eigentlich ansonsten nur auf Monopolmärkten beobachtet werden, obwohl de facto zumindest in morphologischer Hinsicht sehr wohl Wettbewerbsverhältnisse vorherrschen.

 

Gary Becker konnte nachweisen: Diskriminierungen bedeuten, dass die Unternehmer, welche Arbeitskräfte diskriminieren, auf mögliche Produktivitätssteigerungen und damit auch auf mögliche Gewinnsteigerungen verzichten. Und wenn nun tatsächlich auf den Arbeitsmärkten ein Wettbewerb unter den Unternehmungen um die qualifiziertesten Arbeitnehmer besteht, müssten eigentlich die Unternehmer unter starkem Druck stehen, jede mögliche Produktivitätssteigerung auszunutzen, da sie sonst stets Gefahr laufen, dass die Konkurrenten diese Möglichkeiten wahrnehmen, deshalb Kostenminderungen erreichen, aufgrund derer sie die Preise senken können und Kunden von den Konkurrenten abziehen können, welche diese Möglichkeiten nicht in Anspruch nehmen. Es spricht also alles dafür, dass die Unternehmer unter Wettbewerbsbedingungen auf Diskriminierungen verzichten. Es bleibt ungeklärt, wieso trotz wettbewerblicher Strukturen die Unternehmer in der Vergangenheit sowohl ältere als auch weibliche Arbeitnehmer nicht nur vereinzelt, sondern in großem Umfang diskriminiert haben.

 

Auch hier kann dieses zunächst unverständliche Verhalten der Unternehmer mit einer Art Gleichschritt erklärt werden. Den Führungskräften unserer Gesellschaft wurden in der Vergangenheit Leitbilder anerzogen, in denen unter anderem von einer geschlechtsbezogenen gesellschaftlichen Arbeitsteilung ausgegangen wurde. Es galt als zweckmäßig, dass die notwendigen Arbeiten innerhalb der privaten Haushalte, vor allem auch die Erziehung der Kinder von den Müttern, von Frauen also wahrgenommen werden, weil Frauen gerade bei der Erfüllung dieser Aufgaben eine ‚natürliche‘ Begabung aufwiesen, während von Männern unterstellt wurde, dass sie bei der Erfüllung der Aufgaben außerhalb der Familie die besseren Eignungen aufwiesen.

 

Es mag durchaus sein, dass tatsächlich – vorwiegend aufgrund dieses lange Zeit als unbestritten geltenden Leitbildes –  eine solche geschlechtsspezifische Rollenverteilung beobachtet werden konnte, es war jedoch zum größtenTeil gerade dieses anerzogene Rollenverständnis, das diese Unterschiede auslöste. Wenn Frauen z. B. aufgrund ihrer Erziehung von einem Studium abgehalten werden, dann eignen sie sich in der Tat weniger für bestimmte Führungspositionen in der Wirtschaft und in der Politik. In Wirklichkeit lassen sich jedoch die wenigsten geschlechtsspezifischen Unterschiede auf unterschiedliche Erbanlagen zurückführen.

 

Aber selbst dann, wenn man nachweisen könnte, dass Männer und Frauen für ganz bestimmte Aufgaben besser geeignet sind als das jeweils andere Geschlecht, würde nachwievor gelten, dass dies Unterschiede zunächst nur für den Durchschnitt der Männer oder Frauen nachgewiesen wurde. Biologie und Medizin lehren uns, dass die einzelnen Erbanlagen auch innerhalb eines Geschlechtes sehr unterschiedlich verteilt sind, nahezu jeder Mensch ist mit Genen ausgestattet, welche weibliche und männliche Eigenschaften aufweisen und diese Verteilung der einzelnen Erbanlagen ist nun innerhalb eines Geschlechts stark gestreut.

 

Im Hinblick auf die Frage der Diskriminierung ist nun bei der Besetzung von Arbeitsplätzen nicht so sehr entscheidend, ob Frauen oder Männer im Durchschnitt für bestimmte Aufgaben besser geeignet sind, sondern vorwiegend, welcher der für eine bestimmte Position konkurrierende Arbeitnehmer für diese Position am besten geeignet ist. Auch dann, wenn z. B. das Körpergewicht und die Körperkraft der Männer im Durchschnitt etwas größer sein sollte als das der Frauen, kann im Einzelfall trotzdem eine konkrete Bewerberin eine größere Körperkraft aufweisen als ein konkreter Bewerber und somit trotzdem für eine Stelle, welche besondere Körperkraft verlangt, besser geeignet sein als ihr männlicher Mitbewerber.

 

Geschlechtsbezogene Kriterien spielen bei der Besetzung konkreter Arbeitsplätze nur insoweit eine Rolle, als bestimmte Merkmale bei allen Bewerbern eines bestimmten Geschlechts höhere Kosten verursachen, so z. B. dass Frauen insofern höhere Kosten verursachen können als Männer, als nur sie schwanger werden können und aufgrund des gesetzlich vorgeschriebenen Schwangerschaftsurlaubs längere Zeiten der Abwesenheit verursachen können. Aber auch in diesen Fällen können diese höheren Kosten dadurch aufgefangen werden, dass die hiermit verbundenen Kosten im Rahmen einer Versicherung übernommen werden.

 

In ähnlicher Weise können wir nun davon ausgehen, dass auch im Hinblick auf das Alter der Arbeitnehmer bisher anerzogene Leitbilder festgelegt haben, dass Arbeiten vor allem mit physischen Anstrengungen verbunden sind und dass deshalb, weil im Allgemeinen die körperlichen Kräfte mit dem Alter zurückgehen, die Überzeugung praktiziert wurde, dass ältere Arbeitnehmer ganz generell für erwerbswirtschaftliche Arbeiten ungeeignet seien und dass deshalb, wenn sich mehrere Arbeitnehmer um eine Stelle bewerben, stets die jüngeren Arbeitnehmer als geeigneter zu bezeichnen seien.

 

Auch hier begegnen wir wiederum den für die geschlechtliche Diskriminierung aufgezeigten Fehlurteilen. Es mag zwar richtig sein, dass im Durchschnitt die physische Arbeitskraft mit dem Alter zurückgeht und dass für einzelne Tätigkeiten in der Tat besondere physische Kräfte benötigt werden. Aber auch hier müssen wir davon ausgehen, dass auch die zeitliche Entwicklung physischer Fähigkeiten sehr stark gestreut sind, dass es sehr wohl Personen gibt, welche auch im hohen Alter noch eine überdurchschnittliche physische Leistungskraft besitzen. Auch hier gilt, dass im konkreten Einzelfall einer Besetzung einer Arbeitsstelle sehr wohl ein älterer Bewerber diese physischen Fähigkeiten in besserem Maße erfüllt als ein jüngerer Bewerber.

 

Vor allem aber muss erkannt werden, dass wohl kaum ein Berufsstand lediglich durch die erforderlichen physischen Fähigkeiten allein bestimmt wird, stets bedarf es einer Mischung von physischen und geistigen Merkmalen. Hierbei lässt sich feststellen, dass mit dem Alter zwar die physischen Fähigkeiten zurückgehen, dass aber gleichzeitig die berufliche Erfahrung und auch zumeist das Verantwortungsbewusstsein mit dem Alter ansteigen.

 

Wenn mit dem Alter die physischen Fähigkeiten zurückgehen, dann bedeutet dies allein, dass ältere Arbeitnehmer im Durchschnitt für spezifische Arbeiten, welche Körperkraft verlangen, weniger geeignet sind, dass sie aber gleichzeitig gerade wegen ihres höheren Alters für andere Arbeiten, welche Erfahrung und Verantwortungsgefühl verlangen, im Durchschnitt besser als ihre jüngeren Kollegen geeignet sind. Nirgends steht geschrieben, dass ein Dachdecker nur solange beschäftigt werden kann, als er selbst Arbeiten hoch auf dem Dach verrichten kann, auch im Beruf des Dachdeckers gibt es eine Vielzahl von Arbeiten, welche in stärkerem Maße Erfahrung und Verantwortung voraussetzen. Es geht dann darum, dass die Arbeiten eben so verteilt werden, dass den älteren Arbeitnehmern in stärkerem Maße solche Arbeiten zugeteilt werden, die vor allem Erfahrung und Verantwortungsgefühl und weniger physische Leistungsfähigkeit voraussetzen.

 

Bei der Bestimmung der gesellschaftlichen Wohlfahrt gingen wir von der Transformationskurve aus, welche alle technisch möglichen Alternativen (Ressourcenverwendungen) aufzählt. Wir hatten dort gesehen: Wir müssen davon ausgehen, dass unsere Gesellschaft durch Gesetz und Moral immer gewisse technisch mögliche Alternativen ausschließt. Die Annahme der Gewinnmaximierung schließt nicht aus, dass bestimmte Alternativen, welche durchaus den Gewinn vergrößern könnten, trotzdem als nicht erlaubt angesehen werden müssen. Der Gewinn einer Unternehmung darf z. B. nicht durch betrügerische Machenschaften vergrößert werden. Auch der Konsument hat zu berücksichtigen, dass eine Nutzenmaximierung dort ihre Grenzen findet, wo gesellschaftliche Normen (Tierquälerei oder auch Kinderarbeit im Ausland) verletzt werden.

 

Nun müssen wir zwischen Normen unterscheiden, welche in unserer Gesellschaft formell eingeführt werden und solchen, welche aufgrund der Zugehörigkeit zu informellen Gruppierungen gelten. Gesetze, Verordnungen der staatlichen Bürokratie, aber auch die in einer Unternehmung offiziell festgelegten Vorschriften gelten als formelle Regelungen, da sie von Seiten des Staates oder der Unternehmungsführung aufgestellt wurden.

 

Aber jede Gruppe – ob Familie, Teilnehmer an Schulen oder privaten Vereinen, sogar Gefängnisinsassen – kennt eine Vielzahl informell aufgestellter und praktizierter Spielregeln, welche unabhängig von den formellen Ordnungen eingehalten werden, bisweilen sogar in Widerspruch zu den offiziellen Ordnungen stehen. Kommt es zu einem Konflikt zwischen formeller und informeller Ordnung wird oftmals die informelle Regel den offiziellen Ordnungen vorgezogen, obwohl die formelle Ordnung für sich stets ein Primat postuliert.

 

Diskriminierungen aufgrund bestimmter allgemeiner Merkmale wie Alter oder Geschlecht erfolgen nun im Allgemeinen aufgrund solcher informeller Spielregeln. Sie wurden vor allem in Erziehungsstätten entwickelt und werden nun auch lange Zeit, nachdem die einzelnen diesen Lebensabschnitt hinter sich gebracht haben, wie selbstverständlich fast wie ein Tabu eingehalten, das auf keinen Fall verletzt werden darf. Die Verbundenheit zu dieser elitären Gruppe kommt gerade dadurch zustande, dass man an diesen alten Traditionen festhält und – ohne diese auf ihre Berechtigung hin überprüfen – einhält.

 

Gerade weil diese Regeln oftmals den Charakter eines Tabus haben, spricht man nicht über sie, man ist sich sicher, dass auch die anderen Mitglieder dieser informellen Gruppe diese Regeln einhalten, man kann sich darauf verlassen, dass diese Regeln nicht durchbrochen werden. Aber gerade deshalb braucht ein Unternehmer (eine Führungspersönlichkeit) auch nicht befürchten, dass ihm im alltäglichen Wettbewerb Nachteile daraus erwachsen, dass er an diesen offiziell nicht berechtigten Regeln festhält. So ist es zu erklären, dass sich Diskriminierungen halten, obwohl sie doch eigentlich – wie Gary Becker gezeigt hat – dem einzelnen Unternehmer Produktivitätsminderungen bringen, welche sich bei einem funktionierenden Wettbewerb als Wettbewerbsnachteil auswirken.

 

 Nur deshalb, weil diese informellen Regeln bestehen, bedarf es auch keines monopolistischen Zusammenschlusses oder kartellartiger Absprachen, damit die einzelnen Unternehmer diese Diskriminierungen durchführen. Natürlich üben diese informellen Gruppierungen, welche vielleicht in früher Jugend auf Eliteinternaten gebildet wurden, auch im Erwachsenenalter ihren Einfluss vor allem auch deshalb aus, weil diese Verbindungen ein Leben lang gepflegt werden und deshalb auch diese informellen Regeln immer wieder gestärkt werden. Es ist auch nicht notwendig, dass auf diesen Treffen eigens Beschlüsse gefasst werden, welche als kartellartige Absprachen (sogenannte Frühstückskartelle) bezeichnet werden müssten.

 

 

12. Patentgesetzgebung und Wettbewerb

 

Wir hatten eingangs dieses Kapitels gesehen, dass zu den wichtigsten Funktionen eines Wettbewerbs im Rahmen einer Marktwirtschaft zählt, dass vom Wettbewerb zwischen den Unternehmern starke Anreize ausgehen, permanent nach Möglichkeiten zur Qualitätsverbesserung sowie zur Kostensenkung zu suchen; denn nur dann, wenn ein Unternehmer alle möglichen Kostensenkungen ausnutzt und diese an die Endverbraucher weiter gibt, muss er nicht befürchten, dass seine Kunden zur Konkurrenz abwandern, da diese alle möglichen Kostensenkungen ergriffen und diese auch an die Endverbraucher weiter gegeben haben.

 

Allerdings haben wir gesehen, dass es im Zusammenhang mit der Einführung des technischen Fortschritts auch ein Zuviel an Wettbewerb geben kann, dass unter Umständen gerade deshalb, weil Konkurrenz besteht, die Unternehmer die Innovationen gar nicht durchführen, welche zu solchen Kostensenkungen und Qualitätsverbesserungen führen würden.

 

Wir haben nämlich davon auszugehen, dass die Einführung neuer technischer Verfahren und Produkte in einem ersten Schritt kostspielige Untersuchungen und Investitionen erfordern, die sogenannten Entwicklungskosten und dass dann, wenn diese neuen Verfahren erforscht sind und angewandt werden können, andere Unternehmer auftreten, welche diese Verbesserungen übernehmen und kopieren, ohne dass sie sich aber an den Entwicklungskosten beteiligt haben. Gerade deshalb, weil diese Imitatoren in diesem Falle keine Entwicklungskosten aufzubringen haben, können sie die neuen Produkte bzw. die mit neuen Verfahren produzierten  Produkte auf dem Markt auch billiger anbieten, mit der Folge, dass die ursprünglichen Innovatoren gar nicht mehr auf ihre Kosten kommen. Sie werden deshalb auf die Erforschung dieser Verfahren verzichten, da sie per saldo nur Kosten verursachen.

 

Wir haben weiterhin gesehen, dass gerade zur Abwendung dieser Gefahr eine Patengesetzgebung eingeführt wurde, welche dem Innovator für eine bestimmte Frist Schutz vor Imitationen seitens der Wettbewerber gewährt. Ist eine Erfindung zum Patent angemeldet, darf für eine Frist von 20 Jahren dieses Patent nur vom Patentnehmer verwertet werden. Dies bedeutet, dass auf diesem Wege durch einen staatlichen Akt der Wettbewerb für eine gewisse Zeit außer Kraft gesetzt wird.

 

Diese Patengesetzgebung wurde zwar eigens eingeführt, weil nur dann technischer Fortschritt und damit eine Wohlfahrtssteigerung gesichert ist, wenn der Erfinder und Innovator für eine gewisse Zeit als Monopolist tätig sein kann. Dieser Wohlfahrtssteigerung steht jedoch auch eine gravierende Verletzung der allgemeinen Wohlfahrt gegenüber. Gerade weil ein Patentinhaber über eine längere Zeit hinweg als Monopolist gar nicht unter dem Zwang steht, die Produktivitätssteigerungen in Form von Preissenkungen an die Verbraucher weiterzugeben, kommen diese Wohlfahrtsgewinne auch oftmals nicht der Allgemeinheit zugute.

 

Weiterhin ist nicht gesichert, dass der Patentinhaber das Patent auch in der Produktion einsetzt. Er kann auch Patente aufkaufen und diese in der Schublade verschwinden lassen, um so zu verhindern, dass mögliche Konkurrenten diese Verfahren anwenden können und sich damit Wettbewerbsvorteile sichern. In diesem Falle wird eine mögliche Wohlfahrtssteigerung verhindert, damit entfällt jedoch auch jede Rechtfertigung des Patenschutzes. Die durch eine zeitweise Ausschaltung des Wettbewerbes in Kauf genommene Wohlfahrtsminderung kann nur gerechtfertigt werden, wenn als Gegenleistung davon ausgegangen werden kann, dass aufgrund dieses Patentschutzes auch tatsächlich Erfindungen zur Verbesserung der Produktion eingesetzt werden, sodass per Saldo die allgemeine Wohlfahrt ansteigt.

 

Wir werden im letzten Teil dieser Vorlesung sehen, dass es zum Patentschutz in der heute praktizierten Form Alternativen gibt, welche auf der einen Seite die sonst möglichen Behinderungen des technischen Fortschrittes aufheben, auf der anderen Seite jedoch nicht die bei der heutigen Praxis der Patentgesetzgebung zu befürchtenden Wohlfahrtsminderungen zur Folge haben. So könnte man vor allem vorsehen, dass für zum Patent angemeldete Verfahren und Produkte Lizenzen unter Aufsicht einer staatlichen Behörde ausgeschrieben werden und dass diese Lizenzen bei Nachfrage auch an mehrere Unternehmungen vergeben werden können. Auf diese Weise würde auf der einen Seite erreicht, dass jeder, der eine Lizenz erwirbt und die Produktion aufnimmt, an den Entwicklungskosten beteiligt wird, sodass also die Imitatoren auch keine Wettbewerbsvorteile erlangen und es wäre auf der anderen Seite in aller Regel gewährleistet, dass von Anfang an der Wettbewerb aufrechterhalten bleibt und dass damit starke Anreize bestehen, dass die aufgrund der Erfindungen erzielten Kostensenkungen auch an die Allgemeinheit weiter gegeben werden.

 

Zwar sehen die heute geltenden Gesetze diese Möglichkeiten bereits vor. Die Patengesetze schreiben vor, dass Lizenzen  erteilt werden müssen, wenn das allgemeine Wohl ansonsten beeinträchtigt würde. Offensichtlich gingen jedoch die Gerichte bisher zumeist von der Überzeugung aus, dass die durch die Patentgewährung vorübergehende Aussetzung des Wettbewerbes keine Verletzung des Allgemeinwohles bedeutet. Es wäre deshalb eigentlich nur notwendig, dass die Gesetzgeber und die Rechtssprechung zur Kenntnis nehmen würden, dass jede Behinderung des Wettbewerbes in einer Marktwirtschaft für die Allgemeinheit mit gravierenden Wohlfahrtsverlusten verbunden ist und dass deshalb bei fast jedem Patentverfahren das Allgemeinwohl unmittelbar berührt ist.