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Pathologie der Marktwirtschaft

 

 

Gliederung der Vorlesung:

1. Problemeinführung

2. Pathologische Branchen

3. Wettbewerb versus Monopol

4.  Externe Kosten und Erträge

5.  Der Allokationsmechanismus

6.  Der Verteilungsmechanismen der Wohlfahrt

7.  Die Weiterentwicklung des Liberalismus

 

    

     Kapitel 3. Wettbewerb versus Monopol Teil II

 

 

Gliederung:

 

 1. Einführung

 2. Die Wettbewerbsfunktionen

 3. Der Begriff der Wohlfahrtsoptimierung

 4. Wohlfahrtsoptimierung bei Mengenanpassung

 5. Die Marktform des vollständigen und vollkommenen Wettbewerbs

 6. Die Rolle der potenziellen Konkurrenz

 7. Die Bedeutung der Einstiegs- und Ausstiegskosten

 8. ruinöse Konkurrenz

 9. Natürliches Monopol

                10. Quasimonopol durch Gleichschritt und Wissensmonopol

                11. Quasimonopol durch Diskriminierung

                12. Patentgesetzgebung und Wettbewerb

 

 

 

3. Der Begriff der Wohlfahrtsoptimierung

 

Entsprechend der von Vilfredo Pareto entwickelten Wohlfahrtstheorie können wir davon ausgehen, dass der Markt unter Wettbewerbsbedingungen (und natürlich auch nur bei Vorhandensein weiterer Bedingungen) ein Wohlfahrtsoptimum von selbst ansteuert. Hierbei soll der Begriff des Optimums keineswegs auf einen Idealzustand verweisen. Man will mit diesem Begriff lediglich einen Zustand beschreiben, bei dem die knappen Ressourcen so auf die einzelnen Verwendungsarten aufgeteilt sind, dass keine andere, technisch mögliche Verwendung eine höhere Wohlfahrt ermöglicht.

 

Im Rahmen der paretianischen Wohlfahrtstheorie lässt sich nun dieses Wohlfahrtsoptimum mit Hilfe der Transformationskurve und einer Schar von kollektiven Indifferenzkurven bestimmen. Um diese Aussage darzustellen, wählen wir ein einfaches Diagramm, auf dessen Abszisse wir Gut x1 und auf dessen Ordinate wir Gut x2 abtragen. Wir wählen also den denkbar einfachsten Fall einer Allokationsentscheidung, bei welcher die vorhandenen Ressourcen lediglich auf zwei Güterbereiche aufgeteilt werden sollen. In der Wirklichkeit haben wir natürlich von einer Vielzahl von Verwendungsmöglichkeiten auszugehen, diese lassen sich durchaus auch analytisch darstellen, allerdings könnte man dann nicht mehr auf die einfache und unmittelbar einsehbare graphische Darstellung zurückgreifen, nur um das hier vorliegende Problem möglichst anschaulich darstellen zu können, wählen wir den Fall von nur zwei Verwendungsarten der knappen Ressourcen.

 

Wenden wir uns zunächst der Darstellung der Transformationskurve zu. Gegeben ist ein bestimmter Bestand an Ressourcen (Arbeit, Kapital und Natur). Diese Ressourcen können nun auf recht unterschiedliche Weise auf die beiden möglichen Verwendungsarten (x1 und x2) aufgeteilt werden. Wir gehen zunächst davon aus, dass alle Ressourcen für Gut x1 eingesetzt würden. Wir erhalten auf diese Weise einen ersten Schnittpunkt dieser Transformationskurve, der die Menge an x1 aufzeigt, die erreicht werden könnte, wenn die vorhandenen Ressourcen nur für diese Verwendungsart eingesetzt würden.

 

In gleicher Weise könnten wir aber auch die vorhandenen Ressourcen lediglich für die zweite Verwendungsart x2 einsetzen, der Schnittpunkt der zu bildenden Transformationskurve mit der Ordinatenachse würde dann einen zweiten Punkt der Transformationskurve markieren. In Wirklichkeit müssen wir nun davon ausgehen, dass in aller Regel nicht diese beiden extremen Aufteilungen gewählt werden, sondern eine Aufteilung, welche zwischen diesen beiden Extremen liegt, welche also beide Güter enthält. Fassen wir nun alle technisch möglichen Aufteilungen der Ressourcen auf diese beiden Verwendungsarten zusammen, erhalten wir die Transformationskurve. Sie gibt also an, welche Verwendungsarten denn technisch gesehen überhaupt möglich sind. Diese Kurve hat eine – weg vom Koordinatenursprung weisende – Krümmung.

 

Wir können diese Transformationskurve so entwickeln, dass wir in einem ersten Schritt die Ressourcen nur für das Gut x2 verwenden (Schnittpunkt mit der Ordinate). Wir fragen uns nun, wie viel an Gut x1 wir produzieren können, wenn wir von Gut x2 eine Einheit abziehen und diese zur Produktion von Gut x1 einsetzen. Wir erhalten auf diese Weise einen zweiten realisierbaren Punkt auf der Transformationskurve. Auf diese Weise können wir in Gedanken fortfahren, also immer wieder eine Einheit des Gutes x2 weniger produzieren und die hierbei frei werdenden Ressourcen in der Produktion des Gutes x1 einsetzen. Schließlich gelangen wir zu dem Schnittpunkt dieser Transformationskurve mit der Abszisse, hier werden also alle Ressourcen nur noch zur Produktion des Gutes x1 eingesetzt.

 

 

 

Dass diese Kurve einen konkaven Verlauf aufweist, hängt letzten Endes mit dem sogenannten Ertragsgesetz zusammen. Danach führt zwar der vermehrte Einsatz von Ressourcen (z. B. von Arbeit) zu Ertragszuwächsen, diese Ertragszuwächse, welche als Grenzertrag bezeichnet werden, sinken jedoch mit wachsender Produktion. Wenn wir also beginnend mit dem Schnittpunkt der Transformationskurve mit der Ordinate sukzessive die Ressourcen von der Produktion des Gutes x2 in die Produktion des Gutes x1 umlenken, müssen wir aufgrund dieses Ertragsgesetzes immer mehr Ressourcen abziehen, um eine Einheit von Gut x1 weniger zu produzieren und wir können gleichzeitig von Gut x2 mit diesen Ressourcen immer weniger zusätzliche Einheiten produzieren. Dies bedeutet, dass die Kurve sich immer mehr in Richtung Abszisse neigt, je mehr Ressourcen für Gut x2 eingesetzt werden.

 

Wenden wir uns nun den kollektiven Indifferenzkurven zu. Die kollektiven Indifferenzkurven sagen etwas darüber aus, wie bestimmte Güterkombinationen (also die einzelnen Verwendungsarten der Ressourcen) von den Konsumenten bewertet werden. Eine einzelne Indifferenzkurve fasst alle Güterkombinationen zusammen, welche von den Konsumenten als gleichwertig eingeschätzt werden. Gehen wir hierzu in unserem Diagramm von einem beliebigen Punkt (x1,x2) aus und weisen dieser Güterkombination  ein bestimmtes Nutzenniveau zu. Wir ersetzen nun eine Einheit von Gut x1 durch Gut x2, indem wir solange die Menge des konsumierten Gutes x2 vermehrt konsumieren, bis der Nutzenverlust bei Gut x1 gerade durch den Nutzenzuwachs bei Gut x2 ausgeglichen wird. Mit anderen Worten: wir substituieren das eine Gut durch das andere Gut. Auf diese Weise erhalten wir eine Vielzahl gleichbewerteter Punkte (Güterkombinationen), welche wir miteinander zu einer ersten Indifferenzkurve verbinden können.

 

Diese Indifferenzkurve weist nun im Gegensatz zur Transformationskurve nicht eine konkave, sondern eine konvexe, also eine – hin zum Koordinatenursprung gerichtete – Krümmung auf. Diese Krümmung kann mit dem Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen erklärt werden. Nach diesem Gesetz steigt bei einem vermehrten Konsum eines Gutes zwar der Nutzen an, der Nutzenzuwachs (der sogenannte Grenznutzen) sinkt jedoch bei zunehmenden Konsum. Wird nun Gut x1 sukzessive durch Gut x2 ersetzt, führt die Reduzierung der Gütermenge von x1 dazu, dass der Nutzenentgang der letzten abgezogenen Einheit immer größer wird und dass es gleichzeitig immer mehr Einheiten von Gut x2 bedarf, um diesen Nutzenentgang gerade zu kompensieren. Die Grenzrate der Substitution sinkt also mit wachsender Substitution.

 

 

 

Gehen wir nochmals von einem beliebigen Punkt auf der so entwickelten Indifferenzkurve aus und vermehren den Konsum eines dieser beiden Güter, ohne jedoch von dem jeweils anderen Gut weniger zu konsumieren. Stattdessen hätten wir natürlich auch den Konsum beider Güter um eine Einheit vergrößern können. Das dadurch erzielte Mehr an Gütern führt auf jeden Fall zu einem Nutzengewinn, sodass der neu gewonnene Punkt (die neu eingezeichnete Güterkombination) ein höheres Nutzenniveau anzeigt. Von diesem Punkt eines höheren Nutzenniveaus aus können wir nun wiederum all die Güterkombinationen in einer neuen Kurve zusammenfassen, welche dieses höhere Nutzenniveau garantieren. Auf diese Weise können wir eine ganze Schar von Indifferenzkurven in unser Diagramm einzeichnen. Für diese Schar von Indifferenzkurven gilt, dass sie alle konvex gekrümmt sind und dass das Nutzenniveau einer Kurve um so höher ausfällt, als die Kurve vom Koordinatenursprung entfernt ist. Es handelt sich hierbei um eine dichte Schar von Indifferenzkurven, da wir ja von jedem beliebigen Punkt dieses Diagramms eine Indifferenzkurve beginnen können.

 

 

 

 

 

Zusätzlich gilt, dass sich zwei Indifferenzkurven niemals schneiden können. Würden sich nämlich zwei Indifferenzkurven in einem bestimmten Punkt schneiden, müsste die diesem Punkt entsprechende Güterkombination zwei unterschiedliche Nutzenniveaus aufweisen, da ja dieser Punkt auf zwei Indifferenzkurven mit unterschiedlichem Nutzenniveau liegt. Dies ist aber aus logischen Gründen unmöglich.

 

Wir können nun beide Kurvensysteme in unserem Diagramm gemeinsam betrachten, wobei wir in dieses neue Diagramm nur diejenige Indifferenzkurve eintragen, welche die Transformationskurve tangiert. Dieser Tangentenpunkt P1 stellt nun das Wohlfahrtsoptimum dar, da es keine andere Güterkombination gibt, welche auf der einen Seite technisch möglich ist und gleichzeitig ein höheres Nutzenniveau als der Tangentenpunkt garantiert.

 

 

 

 

Jeder Punkt, der unterhalb der Transformationskurve liegt, ist zwar technisch möglich, liegt aber sicherlich nicht auf der höchstmöglichen Indifferenzkurve. Ausgehend von einem Punkt innerhalb der von der Transformationskurve zusammen mit den  Koordinatenachsen gebildeten Fläche finden wir stets eine andere Güterkombination mit einem höheren Nutzenniveau, in dem wir uns in Richtung Transformationskurve bewegen. Mit anderen Worten: Nur Güterkombinationen, welche nicht unterhalb der Transformationskurve liegen, gewährleisten ein Wohlfahrtsoptimum.

 

Alle Punkte, welche jedoch jenseits der Transformationskurve liegen, bieten zwar ex definitione einen höheren Nutzen als der Tangentialpunkt, sind aber technisch gar nicht realisierbar. Die optimale Kombination muss also notwendiger Weise auf der Transformationskurve liegen. Aber warum können nicht andere Punkte auf der Transformationskurve einen höheren Nutzen als der Tangentialpunkt bringen? Betrachten wir hierzu die Punkte P4 und P3. Beide Punkte liegen  zwar auf der Transformationskurve, wären also möglich, sie schneiden jedoch jeweils eine Indifferenzkurve, welche näher am Koordinatenursprung liegt und deshalb eine geringere Wohlfahrt garantieren als der Tangentenpunkt P1. Also kommen wir zu dem Ergebnis, dass die Güterkombination, bei der gerade eine Indifferenzkurve die Transformationskurve berührt, als optimal bezeichnet werden kann.

 

Nun wird die Frage, wieweit es denn überhaupt möglich ist, kollektive Indifferenzkurven zu konstruieren, kontrovers diskutiert. Nach Paul A. Samuelson lassen sich kollektive Indifferenzkurven lediglich dann logisch einwandfrei konstruieren, wenn entweder a) ein Diktator für die Bevölkerung von sich aus die einzelnen Güterkombinationen bewertet, was eindeutig dem Selbstbestimmungskriterium widerspricht, oder wenn b) alle betroffenen Individuen eine identische Bedarfsstruktur aufweisen, was aber unrealistisch wäre oder wenn sich c) Veränderungen in der Zusammensetzung der Güterkombinationen nicht auch in Veränderungen der Einkommensverteilung niederschlagen würden. Auch diese dritte Voraussetzung ist unrealistisch, da in einer Marktwirtschaft in aller Regel Allokation und Verteilung uno actu erfolgen, sodass fast jede Änderung in der Allokation auch Änderungen in der Einkommensverteilung zur Folge haben. Ein und derselbe Lohnsatz entscheidet z. B. über die Arbeitsintensität sowie über die Höhe der Lohneinkommen. Nur unter der Marktform des bilateralen Monopols ist es denkbar, dass sich Veränderungen im Lohnsatz die Allokation unberührt lassen.

 

Trotz dieser eigentlich vernichtenden Kritik an der Konstruktion von kollektiven Indifferenzkurven wird nach wie vor im Rahmen der Wohlfahrts- und Außenwirtschaftstheorie mit dem Instrument der kollektiven Indifferenzkurven gearbeitet. Ein solches Vorgehen lässt sich durchaus rechtfertigen, wenn man bedenkt, dass sowohl über Volksbefragungen wie auch über die Wahlen zum Parlament de facto eine Bewertung unterschiedlicher politischer Entscheidungen regelmäßig stattfindet. Das Konstrukt einer kollektiven Indifferenzkurve ergibt sich hierbei zwar nicht aus der bloßen Aggregation individueller Indifferenzkurven, es sind vielmehr gesellschaftliche Mechanismen, welche letzten Endes zu dieser Bewertung führen.

 

Auch gilt es sich in Erinnerung zu rufen, dass es im Rahmen unserer Analyse ja nicht darum geht, dass eine staatliche Behörde bei jeder Änderung der wirtschaftlichen Daten, die sich in einer Veränderung der Transformations- oder Indifferenzkurven niederschlagen, erneut konkrete kollektive Indifferenzkurven ermitteln muss, sondern dass es hier allein um die Wirkungsweise einer Marktwirtschaft geht, wobei die Anhänger einer Marktwirtschaft davon ausgehen, dass der Markt diese Bewertung automatisch vollzieht. Zur Frage, ob bzw. unter welchen Bedingungen diese Aufgabe erfüllt werden kann, reicht es aus, nachzuweisen, dass die Konstruktion kollektiver Indifferenzkurven prinzipiell möglich ist, es ist gerade nicht notwendig, wie im Rahmen einer staatlichen Planwirtschaft solche kollektiven Indifferenzkurven für konkrete Einzelfälle zu berechnen.

 

 

4. Wohlfahrtsoptimierung bei Mengenanpassung

 

Nachdem wir die Frage geklärt haben, wann man denn von einer optimalen Wohlfahrt einer Bevölkerung sprechen kann, wollen wir uns der Frage zuwenden, warum denn dieses Optimum gerade dann auf Märkten von selbst angesteuert wird, wenn wir – neben anderen Bedingungen – einen intensiven Wettbewerb vorfinden, bzw. aus der Sicht einer Pathologie, warum bei Fehlen von Wettbewerb das Wohlfahrtsoptimum verfehlt wird.

 

Ausgangspunkt der Überlegungen ist die These, dass bei starkem Wettbewerb die Unternehmer auf eine aktive Preispolitik verzichten. Für einen Wettbewerber ist in diesem Falle der Preis ein vorgegebenes Datum, das sich aus dem Spiel von Angebot und Nachfrage ergibt, der einzelne Unternehmer passt seine Angebotsmenge an diesen vorgegebenen Preis an, er ist – wie die Wohlfahrtstheorie es bezeichnet – Mengenanpasser, er dehnt seine Güterproduktion solange aus, als auf diesem Wege der Gewinn des Unternehmers gesteigert werden kann.

 

Zur Erklärung dieser Aussage gehen wir davon aus, dass ein Unternehmer bisher eine bestimmte Menge x an Gütern produziert habe und er frage sich, ob er seinen Gewinn dadurch steigern kann, dass er die Produktionsmenge ausweitet. Wenn er eine Einheit des Gutes mehr produziert, erwachsen ihm Kostensteigerungen, die als Grenzkosten bezeichnet werden. Wenn er diese zusätzliche Gütereinheit auf dem Markt verkauft, entsteht ihm in Höhe des Güterpreises eine Steigerung seines Erlöses, Grenzerlös genannt. Sein Gewinn steigt solange, als der Grenzerlös höher ausfällt als die Grenzkosten, der Unternehmer kann also unter diesen Bedingungen sein Gewinnmaximum gerade dann erreichen, wenn der Grenzerlös – und dieser entspricht hier dem Güterpreis – gerade den Grenzkosten entspricht. Würde der Unternehmer die Produktion noch weiter ausdehnen, würde sein Gewinn schrumpfen, da die Grenzkosten zumindest von einer bestimmten Menge an bei wachsender Produktion ansteigen.

 

Ein Unternehmer, welcher sich als Mengenanpasser verhält, produziert somit nicht deshalb nicht mehr als bisher, weil er nicht mehr Waren absetzen kann, sondern schlicht deshalb, weil eine Mehrproduktion seinen Gewinn schmälern würde. Es liegt deshalb auch nicht im Interesse eines Unternehmers, unter diesen Marktbedingungen auf dem Wege einer aktiven Preispolitik seinen Absatz zu vergrößern. Würde ein Unternehmer nämlich unter diesen Bedingungen den Preis herabsetzen, um auf diesem Wege seinen Absatz zu vergrößern, würde zwar die Nachfrage nach diesem Produkt steigen, diese Nachfragesteigerung brächte jedoch dem Unternehmer keinen zusätzlichen Gewinn, da bei einer Mehrproduktion die Kosten stärker steigen würden als der Grenzerlös.

 

Würde hingegen dieser Unternehmer versuchen, durch Preissteigerungen seinen Stückerlös zu erhöhen, würden seine bisherigen Kunden zu seinen Konkurrenten abwandern, da diese annahmegemäß ihre Waren zu dem bisherigen Preis verkaufen. Aus den gleichen Gründen bringt hier übrigens auch eine Werbung keinen zusätzlichen Gewinn. Werbung und aktive Preispolitik haben gemeinsam, dass ein Unternehmer seinen Absatz zu steigern versucht, im Rahmen einer aktiven Preispolitik dadurch, dass er bei gegebener Nachfragekurve (Preis-Absatz-Kurve) entlang dieser Kurve agiert, im Rahmen einer Werbungskampagne hingegen dadurch, dass er sich darum bemüht, bei gegebenem Preis die Absatzmenge zu erhöhen, also die Nachfragekurve selbst zu beeinflussen.

 

Im Rahmen der traditionellen Wohlfahrtstheorie wurde nun gezeigt, dass ein solches Verhalten der Unternehmer als Mengenanpasser automatisch dazu führt, dass der freie Markt das Wohlfahrtsoptimum ansteuert. Machen wir uns diese Schlussfolgerung anhand der oben entwickelten Graphik klar. Wir haben dort gesehen, dass ein Wohlfahrtsoptimum genau dann erzielt wird, wenn die Grenzrate der Transformation der Grenzrate der Substitution entspricht. Ein Mengenanpasser verhält sich wie gezeigt so, dass sich im Gleichgewicht Grenzkosten (dK/dX) und Preis (p) entsprechen:

p = dK/dX 

 

Wenn wir wiederum der Einfachheit halber davon ausgehen, dass lediglich zwei Güter (x1 und x2) produziert werden, ergibt sich aus dem Verhalten der Unternehmer ein Gleichgewicht auf den Märkten dann, wenn folgende Bedingung erfüllt ist:

 

 

 

 

Nun entspricht das Verhältnis der Grenzkosten zueinander gerade der Grenzrate der Transformation. Wenn wir nämlich berücksichtigen, dass eine Verlagerung knapper Ressourcen von der einen Produktion des Gutes x1 zur Produktion des Gutes x2 bedeutet, dass bei der Transformation die gleiche Menge an Ressourcen und damit auch an Kosten aufgewandt wird, können wir in unserer Gleichung den Ausdruck dK herauskürzen, sodass die Gleichgewichtsbedingung für die Unternehmer schließlich lautet:

 

p1/p2 = dX1/dX2 ,

 

 

also entspricht im Gleichgewicht das Preisverhältnis p1/p2  auch der Grenzrate der Transformation.

 

Da sich auch die Konsumenten als Mengenanpasser verhalten, erreichen sie ihren größten Nutzen dann, wenn entsprechend dem zweiten Gossen’schen Gesetz der Grenznutzen in all seinen Verwendungen (also in unserem vereinfachten Modell bei Gut x1 und Gut x2) die gleiche Höhe erreicht. Also gilt im Gleichgewicht für die Haushalte:

 

p1/p2 = dN1/dN2,

 

die Haushalte erreichen ihren höchsten Nutzen genau dann, wenn das Verhältnis der Grenznutzen und damit die Grenzrate der Substitution (auch subjektives Austauschverhältnis genannt) gerade dem Preisverhältnis, also dem objektiven Austauschverhältnis entspricht.

 

Das Verhalten der Unternehmer führt somit im Gleichgewicht dazu, dass die Grenzrate der Transformation dem Preisverhältnis entspricht, das Verhalten der Konsumenten hingegen, dass die Grenzrate der Substitution ebenfalls dem Preisverhältnis entspricht. Sind zwei Größen einer dritten gleich, sind sie auch untereinander gleich. Also führt die Mengenanpassung der Marktteilnehmer auch dazu, dass im Gleichgewicht die Grenzrate der Substitution der Grenzrate der Transformation entspricht, was wie gezeigt gleichzeitig bedeutet, dass unter diesen Bedingungen eine optimale Wohlfahrt erreicht wird.

 

 

5. Die Marktform des vollständigen und vollkommenen Wettbewerbs

 

Wir wollen nun in einem weiteren Schritt untersuchen, weshalb denn ein Wettbewerb unter den Marktteilnehmern gerade zu einem Verhalten der Mengenanpassung führt, bzw. welche Eigenschaften ein Wettbewerb aufweisen muss, damit sich die Marktteilnehmer wie Mengenanpasser verhalten. In der traditionellen Marktformenlehre geht man nun davon aus, dass die Zahl der Marktteilnehmer auf einer Marktseite sowie der Anteil, den die einzelnen Marktteilnehmer am gesamten Umfang der umgesetzten Gütermenge einnehmen, das Verhalten der Marktteilnehmer bestimmen. Je größer die Anzahl der Marktteilnehmer ist, um so geringer ist die Möglichkeit, über eine aktive Preispolitik Einfluss zu gewinnen. Aber ob sich eine Einflussnahme auf den Preis auszahlt, hängt auch von dem Anteil ab, den ein Marktteilnehmer am gesamten umgesetzten Güterumfang einnimmt. Nehmen wir als Beispiel einen Markt, welcher insgesamt 100 Anbieter zählt, wobei jedoch ein einzelner Unternehmer einen Marktanteil von 60% bestreite. Es ist ganz klar, dass es sich für diesen großen Anbieter sehr wohl lohnt, aktive Preispolitik zu betreiben, obwohl annahmegemäß sehr viele Anbieter vorhanden sind.

 

Nun lässt sich sicherlich nicht exakt angeben, ab welcher Zahl von Anbietern und bei welchen Anteilen am Gesamtumsatz ein funktionsfähiger Wettbewerb beginnt, als Faustregel wird man jedoch festlegen können, dass die Anzahl von Marktteilnehmern einer Marktseite sicherlich eine zweistellige Zahl sein sollte und dass darüber hinaus kein Marktteilnehmer eine zweistellige Prozentzahl am gesamten Umsatz bestreiten sollte. Sind diese beiden Bedingungen erfüllt, spricht man von vollständiger Konkurrenz.

 

Die Marktmacht eines einzelnen Unternehmers hängt jedoch nicht nur von der Anzahl und dem jeweiligen Anteil der einzelnen Marktteilnehmer ab, sondern darüber hinaus auch davon, inwieweit die Marktgegenseite unterschiedliche Präferenzen zu dem jeweiligen Produkt hat. Hierbei wird im Allgemeinen zwischen sachlichen, räumlichen, zeitlichen und persönlichen Präferenzen unterschieden. Eine sachliche Präferenz erwächst aus unterschiedlichen Qualitätsmerkmalen. Aus diesen unterschiedlichen Qualitätsmerkmalen erwächst dem Anbieter die Möglichkeit, das Verhalten der Marktgegenseite zu seinen Gunsten zu beeinflussen und damit auch höhere Preise zu erzielen. Eine räumliche Präferenz liegt hingegen dann vor, wenn ein bestimmtes Gut an unterschiedlichen Orten angeboten wird und wenn die Nachfrager bestimmte Ort präferieren, weil ihnen z. B. beim Kauf in Nähe der Wohnung geringere Kosten entstehen. Eine zeitliche Präferenz kann sich daraus ergeben, dass die gleichen Produkte zu unterschiedlichen Zeiten angeboten werden und dass die Käufer dieser Waren z. B. dieses Produkt dringend benötigen und deshalb auch bereit sind, für ein schnelleres Angebot einen Aufpreis zu zahlen.

 

Eine persönliche Präferenz liegt schließlich dann vor, wenn die persönlichen Beziehungen zwischen Anbietern und Nachfragern, darüber entscheiden, bei welchem Anbieter ein Nachfrager bestimmte Güter kauft. So kann z. B. ein Käufer einen bestimmten Händler einfach deshalb bevorzugen, weil er mit ihm befreundet oder verwandt ist oder aber auch einfach deshalb, weil man mit dem Verkäufer besser als in anderen Geschäften ein ‚Schwätzchen‘ halten kann. Umgekehrt muss jedoch auch mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass bestimmte Verkäufer aufgrund bestimmter persönlicher Merkmale gemieden werden, sei es, weil ein Käufer mit dem Verkäufer aufgrund von Umständen, welche nichts mit der zu erwerbenden Ware zu tun haben, in Streit liegt oder auch aufgrund gewisser Vorurteile den Umgang mit bestimmten Personengruppen (z. B. Ausländer) meiden möchte.

 

Ganz generell kann davon ausgegangen werden, dass jede Art von Präferenz seitens der Käufer dem Verkäufer die Möglichkeit eröffnet, Einfluss auf Preis und sonstigen Verkaufsbedingungen zu verschaffen und dass aus diesen Gründen das Wohlfahrtsoptimum verfehlt wird. Märkte, auf denen solche Präferenzen in beachtlichem Maße auftreten, werden als unvollkommene Märkte bezeichnet. Nur Märkte ohne Präferenzen, also vollkommene Märkte bieten die Gewähr, dass der Markt ein Wohlfahrtsoptimum ansteuert.

 

Diese Schlussfolgerungen bedürfen allerdings einer gewissen Korrektur. Man könnte nämlich versucht sein, es ebenfalls als eine Art sachliche Präferenz anzusehen, wenn ein Konsument z. B. nur Eier von Freilandhühnern, weiterhin keine Lederwaren von Tieren, deren Art bedroht ist, kauft und es ebenfalls ablehnt, Waren zu beziehen, welche nur deshalb so billig angeboten werden können, weil sie in Fernost mit Kinderarbeit erstellt wurden. Bei diesen Beispielen kann man jedoch nicht davon sprechen, dass ein Konsument irrational handelt, weil er sich nicht für die billigsten Waren entscheidet, man kann vor allem nicht davon sprechen, dass in diesen Fällen aufgrund dieser Art von Präferenzen eine Wohlfahrtsminderung zu erwarten sei. Wir haben nämlich daran zu erinnern, dass die Kaufakte der Konsumenten nicht nur dem leiblichen Wohl der Individuen dienen, dass das Wirtschaften vielmehr die Aufgabe zu erfüllen hat, die gesamten Zielsetzungen der einzelnen Konsumenten zu realisieren und zu diesen Zielsetzungen zählt selbstverständlich auch die Beachtung moralischer Werte.

 

Wenn wir in der Wirtschaftstheorie davon sprechen, dass die Unternehmer ihre Produktionsentscheidungen einem Gewinnkalkül unterwerfen, bringen wir ja auch nicht zum Ausdruck, dass ein Unternehmer dieses Ziel der Gewinnmaximierung mit betrügerischen Machenschaften zu erreichen versucht, schon gar nicht, dass es sogar erwünscht sei, dass sich ein Unternehmer amoralisch verhält. Wir haben vielmehr davon auszugehen, dass jeder Wettbewerb im Rahmen einer Ordnung abläuft, welche festlegt, welche Handlungen als illegal und auch als amoralisch eingestuft werden und deshalb auch nicht zu den erlaubten, schon gar nicht erwünschten Handlungen eines Unternehmers zählen.

 

In gleicher Weise müssen wir aber auch berücksichtigen, dass das Verhalten der Konsumenten wiederum moralischen oder gesetzlichen Geboten widersprechen kann und dass auch das Verhalten der Konsumenten an eine Ordnung gebunden ist, welche festlegt, was getan werden darf und was nicht als legal oder moralisch geduldet werden kann. Also wird man auch von den Haushalten erwarten können, dass sie ihren Nutzen nur im Rahmen einer legalen und moralischen Ordnung zu maximieren versuchen.

 

Oftmals wird dem marktwirtschaftlichen System vorgeworfen, es lasse amoralische Handlungen zu, ja würde sogar Anreize zu einem amoralischen Verhalten ausüben. Demgegenüber muss festgestellt werden, dass das marktwirtschaftliche System an und für sich wertneutral ist. Die Einrichtung der Marktwirtschaft kann von Mafiabossen benutzt werden, um ihre verbrecherischen Ziele durchzusetzen, sie kann aber auch von caritativen Einrichtungen benutzt werden, um den von Naturkatastrophen bedrohten Menschen Hilfe zu gewähren.

 

Die gesellschaftlichen Aufgaben werden in unserer modernen Welt arbeitsteilig wahrgenommen. Es ist Aufgabe der kulturellen Systeme, für die Erhaltung der Werte zu sorgen und es ist Aufgabe des wirtschaftlichen Systems die Knappheit der materiellen Ressourcen zu bewältigen. Wenn wir feststellen, dass bei der Produktion oder beim Kauf amoralische Verhaltensweisen stattfinden, so hat in erster Linie das kulturelle und nicht das wirtschaftliche System versagt. Wenn sich die Konsumenten an die moralischen Grundsätze halten würden und beispielsweise nur solche Waren nachfragen würden, bei denen keine Kinderarbeit vorgenommen wurde, dann würden auch in einer freien Marktwirtschaft solche moralisch verwerflichen Produktionen nicht durchgeführt werden. Unternehmungen führen nur solche Produktionen durch, welche gewinnbringend sind. Der Einsatz von Kinderarbeit wäre aber nicht gewinnbringend, wenn keine Nachfrage nach – auf diese Weise produzierten – Waren ausgeübt würde.

 

Anstatt dass wir bei solchen moralisch verwerflichen Verhaltensweisen von Präferenzen sprechen, wäre es sachdienlicher, wenn wir bei der Definition der gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrt die Kurve der Möglichkeiten nicht daran messen, was technisch möglich ist, sondern daran, was zwar auf der einen Seite technisch möglich ist, aber auf der anderen Seite keinen moralischen Maßstäben widerspricht. Die Alternativen, welche die Transformationskurve aufzeigt, würden sich also auf diejenigen technisch möglichen Verwendungsarten beschränken, welche auch den moralischen und legalen Gesetzen entsprechen.

 

 

6. Die Rolle der potenziellen Konkurrenz

 

Unsere bisherigen Überlegungen haben gezeigt: Wir haben in einem ersten Schritt das gesamtwirtschaftliche Wohlfahrtsoptimum definiert als diejenige Ressourcenverwendung, bei welcher die Grenzrate der Transformation mit der Grenzrate der Substitution zusammenfällt. In einem zweiten Schritt wurde dann gezeigt, dass dies so definierte Wohlfahrtsoptimum in einer Marktwirtschaft unter anderem voraussetzt, dass die Marktteilnehmer darauf verzichten, den Preis aktiv zu beeinflussen, dass sich also die Marktteilnehmer als Mengenanpasser verhalten, welche den Preis, der sich aus dem Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage automatisch ergibt, als vorgegebenes Datum nehmen und ihre Angebotsmenge (Nachfragemenge) so ausrichten, dass sie unter den gegebenen Verhältnissen ihren Gewinn maximieren. In einem letzten dritten Schritt haben wir nachgewiesen, dass im Allgemeinen die Marktform das Verhalten der Marktteilnehmer prägt und dass unter den Marktbedingungen einer vollständigen und vollkommenen Konkurrenz erwartet werden kann, dass sich die Marktteilnehmer auch tatsächlich in aller Regel wie Mengenanpasser verhalten.

 

Die Voraussetzungen für eine vollständige Konkurrenz ist hierbei dann gegeben, wenn auf beiden Marktseiten eine Vielzahl von Marktteilnehmern auftreten und wenn diese Marktteilnehmer ausnahmslos  nur über einen (verschwindend) kleinen Marktanteil verfügen. Von einer vollkommenen Konkurrenz sprechen wir hingegen dann, wenn die Käufer der einzelnen Waren keinerlei Präferenzen aufweisen, weder in sachlicher, zeitlicher, räumlicher wie auch persönlicher Hinsicht.

 

Wir sprachen von ‚im Allgemeinen‘. Bereits im Rahmen der traditionellen Marktformenlehre wurde nämlich erkannt, dass es eine spezielle Marktform: das bilaterale Monopol gibt, bei welcher dieser Zusammenhang zwischen Marktmorphologie durchbrochen wird. Ein bilaterales Monopol liegt bekanntlich dann vor, wenn sowohl Angebot wie auch Nachfrage lediglich einen einzigen Marktteilnehmer aufweisen.

 

Das bilaterale Monopol gibt im Gegensatz zu den anderen Marktformen keine Anreize zu einem ganz bestimmten Verhalten. Vielmehr geht man in der Theorie des bilateralen Monopols davon aus, dass im bilateralen Monopol mehrere Verhaltensweisen möglich sind. Die Marktpartner können sich wie Mengenanpasser verhalten, sie können den Versuch unternehmen, durch monopolistische Verknappungspolitik den Preis in die Höhe zu treiben, sie können weiterhin die Position eines Optionsfixierers einnehmen, der seinen Partner vor die Option stellt, entweder den verlangten Preis sowie die angebotene Menge anzunehmen oder ganz auf den Tausch zu verzichten.

 

Schließlich ist es auch möglich, dass sich die Verhandlungspartner einer schrittweisen Strategie bedienen: Man stellt zunächst fest, in welchen Punkten Übereinstimmung besteht und versucht dann in weiteren Schritten Möglichkeiten auszukundschaften, in denen beide Partner ihr Ergebnis verbessern können. Diese Strategie des schrittweisen Vorgehens endet dann, wenn keine Änderungen gefunden werden, bei denen beide Partner eine Verbesserung ihres Ergebnisses erzielen können.

 

Entscheidend ist nun die Erkenntnis, dass bei einem schrittweisen Vorgehen im Hinblick auf die Allokation genau die gleichen Ergebnisse erzielt werden können wie bei vollständiger Konkurrenz. Und da bei vollständiger Konkurrenz wie gezeigt ein Wohlfahrtsoptimum angesteuert wird, bedeutet dies, dass auch im bilateralen Monopol (also unter bestimmten Monopolbedingungen) das Wohlfahrtsoptimum erreicht werden kann. John Kenneth Galbraith sprach in diesem Zusammenhang, dass die countervailing powers (ein Monopolist wird durch einen Monopolisten auf der Marktgegenseite kontrolliert) die Funktionen übernehmen können, welche die klassische Theorie dem Wettbewerb zugedacht hatte.

 

Friedrich August von Hayek ging in der Frage, inwieweit auch bei monopolistischen Marktformen die gleichen Ergebnisse wie bei Konkurrenz erzielt werden können, noch einen Schritt weiter. Er wies nämlich darauf hin, dass es weniger auf die Morphologie der Märkte, also auf die Frage ankomme, wie viele Marktteilnehmer auf beiden Marktseiten agieren und welchen Anteil am gesamten Angebot die einzelnen Marktteilnehmer einehmen, ob die erwünschte Wohlfahrtswirkung zu erwarten ist. Auch von einer potenziellen Konkurrenz können genauso wohlfahrtssteigernde Effekte ausgehen wie von einer tatsächlichen, vollständigen Konkurrenz. Ein Unternehmer kann im Inland sehr wohl eine bestimmte Ware als einziger anbieten und infolgedessen im morphologischen Sinne ein Angebotsmonopolist sein und trotzdem sich so verhalten, als stünde er im Inland in Konkurrenz.

 

Wenn nämlich Freihandel zugelassen wird, also Waren gegebenenfalls auch aus dem Ausland bezogen werden können, steht ein Monopolist im Inland vor der Tatsache, dass jeder Versuch, die monopolistische Stellung im Sinne der Morphologie auszunutzen und durch eine künstlich herbeigeführte Verknappung des Angebotes den Preis heraufzutreiben, zum Scheitern verurteilt ist, da bei Freihandel diese versuchte Preiserhöhung Anbieter aus dem Ausland veranlasst, Waren zu den bisherigen Preisen zu importieren. Monopolistische Preissteigerung würden also automatisch dazu führen, dass die bisherigen Kunden des Monopolisten zu den Konkurrenten aus dem Ausland abwandern.

 

Nach von Hayek reicht es also aus, dass der Staat Freihandel garantiert, um zu verhindern, dass etwaige Monopolisten im Inland ihre Monopolstellung zu unberechtigten (das heißt nicht durch Kostensteigerungen ausgelöste) Preissteigerungen vorgenommen werden. In der Vergangenheit sei es vor allem die merkantilistische Schutzzollpolitik des Staates gewesen, welche etwaigen Monopolisten die Möglichkeit eröffnet habe, durch künstliche Verknappung die Preise über die Grenzkosten anzuheben. Verzichte der Staat auf Schutzzölle und andere Behinderungen des Außenhandels, würde ein internationaler Wettbewerb erzielt, vom dem die erwünschten Wohlfahrtswirkungen ausgehen.

 

Von Hayek richtet sich also mit dieser Aussage gegen die Überlegungen Walter Euckens, wonach es nicht ausreiche, dass der Staat Freihandel in den internationalen Beziehungen einführe und Wettbewerb in der Binnenwirtschaft zulasse, dass der Staat vielmehr die permanente Aufgabe habe, das Verhalten der Unternehmer zu kontrollieren und das Entstehen einer binnenwirtschaftlichen Monopolmacht zu unterbinden. Die Freiheit der Märkte sei nämlich nicht nur durch den Staat, sondern auch durch den Versuch der Unternehmungen bedroht,  den Wettbewerb zu unterbinden.

 

Wettbewerb bedeute nämlich aus der Sicht der Unternehmer stets eine Einschränkung ihrer Handlungsfreiheit und die Unternehmer seien deshalb bemüht, den Wettbewerb soweit wie möglich durch Zusammenschluss von Unternehmungen und durch gemeinsame Absprachen auszuschalten. Es bedürfe deshalb nach Meinung Walter Euckens eines starken Staates, um diese Versuche der Privaten, den Wettbewerb auszuschalten, zu verhindern.

 

Obwohl also sicherlich Freihandel dazu beiträgt, Monopolstellungen aufzuweichen, muss mit Eucken vermutet werden, dass Freihandel allein nicht in der Lage ist, monopolistische Zusammenschlüsse zu verhindern, sodass auch bei Freihandel nach wie vor eine staatliche Monopolkontrolle notwendig erscheint.

 

 

Fortsetzung folgt!