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Pathologie der Marktwirtschaft

 

 

 

Gliederung der Vorlesung:

 

1. Problemeinführung

2. Pathologische Branchen

3. Wettbewerb versus Monopol

4.  Externe Kosten und Erträge

5.  Der Allokationsmechanismus

6.  Der Verteilungsmechanismen der Wohlfahrt

7.  Die Weiterentwicklung des Liberalismus

     

 

     Kapitel 3. Wettbewerb versus Monopol

 

 

Gliederung:

 

 1. Einführung

 2. Die Wettbewerbsfunktionen

 3. Der Begriff der Wohlfahrtsoptimierung

 4. Wohlfahrtsoptimierung bei Mengenanpassung

 5. Die Marktform des vollständigen und vollkommenen Wettbewerbs

 6. Die Rolle der potenziellen Konkurrenz

 7. Die Bedeutung der Einstiegs- und Ausstiegskosten

 8. ruinöse Konkurrenz

 9. Natürliches Monopol

               10. Quasimonopol durch Gleichschritt und Wissensmonopol

               11. Quasimonopol durch Diskriminierung

               12. Patentgesetzgebung und Wettbewerb

       

   

 

1. Einführung

 

In Kapitel 2 dieser Vorlesung hatten wir aufgezeigt, zu welchen pathologischen Erscheinungen marktwirtschaftliche Systeme führen können und in der Realität auch geführt haben. Wir gingen bei dieser Bestandsaufnahme so vor, dass wir zunächst pathologische Entwicklungen auf den Gütermärkten und im zweiten Teil dieses Kapitels auf den Faktormärkten aufgespürt und beschrieben haben, wobei wir bereits hier ansatzweise der Frage nachgingen, worauf denn diese nicht erwünschten und der marktwirtschaftlichen Theorie auch widersprechenden Ergebnisse zurückgeführt werden können.

 

Wir wollen nun in den folgenden Abschnitten dieser Vorlesung diese Ursachenanalyse vertiefen und systematisieren und eine Theorie skizzieren, welche die Missstände realer Marktwirtschaften auf wenige Ursachen zurückführt. Harold Demsetz hatte den Begriff ‚Nirwana-Ansatz‘ geprägt, um anzudeuten, dass man beim Vergleich der einzelnen Ordnungssysteme immer unterscheiden muss, ob man im Sinne eines Nirwana ein Ordnungssystem unter idealen Bedingungen beschreibt oder ob man sich mit den real existierenden Wirtschaftssystemen mit all ihren Schwächen und Unvollkommenheiten befasst. Stets muss berücksichtigt werden, dass man nur idealtypische Systeme mit idealtypischen und reale Systeme mit anderen realen Systemen vergleichen kann und dass man einem Fehlurteil unterliegt, wenn man die Vorzüge eines idealtypischen Systems mit den Nachteilen eines real existierenden Systems vergleicht.

 

Ein solches Fehlurteil liegt aber vor, wenn man im Rahmen der Wohlfahrtstheorie von Marktversagen und Marktmängel spricht und das Vorliegen solcher Marktunvollkommenheiten zum Anlass nimmt, zu fordern, das marktwirtschaftliche System durch ein staatlich planwirtschaftliches System zu ersetzen. Man vergleicht hier die in der Realität in einer Marktwirtschaft auftretenden Unvollkommenheiten mit einem idealtypisch funktionierenden politischen System. In praxi müssen wir jedoch davon ausgehen, dass auch im Zuge der Verwirklichung eines staatlich planwirtschaftlichen Systems Unvollkommenheiten auftreten, auch hier gibt es Politikmängel und Politikversagen und erst eine vertiefte Analyse kann erkennen lassen, ob in konkreten Einzelfällen die Wohlfahrtsverluste aufgrund von Politikunvollkommenheiten größer oder kleiner sind als die in der Realität beobachteten Unvollkommenheiten des Marktsystems.

 

Diese Unterscheidung zwischen ideal- und real existierenden Ordnungssystemen spielt nun auch im Rahmen einer Pathologie der Marktwirtschaft eine entscheidende Rolle. Während die Wirtschaftstheorie in ihrem geschichtlichen Verlauf zunächst die idealtypische Wirkungsweise aufgezeigt hat, also dargelegt hat, zu welchen Ergebnissen das marktwirtschaftliche System gelangen kann, wenn alle Voraussetzungen für das reibungslose Funktionieren der Märkte erfüllt sind, hat es eine Pathologie der Marktwirtschaft stets mit den in der Realität auftretenden Unvollkommenheiten der Märkte zu tun.

 

Aus diesem Grunde können auch die Ergebnisse dieser Pathologie keinesfalls als Beleg dafür angesehen werden, dass das marktwirtschaftliche System versagt hat und dass es deshalb notwendig sei, ein staatlich planwirtschaftliches System zu installieren. Stets ist davon auszugehen, dass tatsächlich auftretende Mängel prinzipiell immer auf zweierlei Weise behoben werden können: Sie können einmal dadurch beseitigt werden, dass man überprüft, auf welche Ursachen es denn zurückzuführen ist, dass in der Realität eine Marktwirtschaft von den idealtypischen Ergebnissen abweicht und aufgrund dieser Erkenntnis den Versuch unternimmt, diese Ursachen zu beseitigen. Oder aber eine Beseitigung dieser Mängel wird dadurch behoben, dass man eine ganz andere wirtschaftliche Ordnung installiert.

 

Stets ist zu überprüfen, welcher dieser beiden Wege größeren Erfolg verspricht und die Antwort auf diese Frage kann erst dann gefällt werden, wenn auch die potenziellen Unvollkommenheiten des alternativen Ordnungssystems bekannt sind. Im Allgemeinen dürfte sogar gelten, dass Einzelkorrekturen im Sinne des erstgenanten Weges die Wohlfahrt einer Bevölkerung sehr viel effizienter steigern helfen als dann, wenn man das gesamte System umkrempelt.

 

Dieser zweite Weg war im Verlauf der Geschichte in aller Regel mit wenigen Ausnahmen nur über eine blutige Revolution mit all ihren menschlichen Opfern möglich. Aber mit diesen Fragen werden wir uns erst im letzten Teil dieser Vorlesung unter der Überschrift: Reformansätze auseinandersetzen. In diesem dritten Teil wollen wir uns auf eine Analyse der Ursachen pathologischer Erscheinungen beschränken.

 

Wir wollen diese Ursachenanalyse in drei Schritten vornehmen. In einem ersten Schritt befassen wir uns mit der Frage, warum die idealtypische Marktanalyse zu dem Ergebnis kommt, dass eine wesentliche und unerlässliche Voraussetzung für das Funktionieren von Märkten der Wettbewerb unter den Unternehmungen ist. Wir haben zu klären, was wir unter Wettbewerb genau verstehen, welche Arten von Wettbewerb es gibt, wie sich die einzelnen Wettbewerbsarten darin unterscheiden, wieweit sie zur Wohlfahrtsmehrung unerlässlich sind und schließlich worin die Ursachen liegen, dass der Wettbewerb in praxi immer wieder unterlaufen wird.

 

In einem zweiten Schritt wenden wir uns dann dem Allokationsmechanismus der Marktwirtschaft zu. Dem Allokationsmechanismus fällt die Aufgabe zu, aufzuzeigen, auf welchem Wege in einer funktionierenden Marktwirtschaft sicher gestellt wird, dass die knappen Ressourcen auch in die Verwendungen gelenkt werden, in denen sie die höchstmögliche Effizienz erbringen. Die meisten materiellen Ressourcen sind knapp, also nicht in der Menge vorhanden, um alle Bedürfnisse befriedigen zu können. Gleichzeitig können jedoch diese knappen Ressourcen in verschiedenen Verwendungen eingesetzt werden, wobei der Grad der Befriedigung in diesen einzelnen Verwendungsarten in aller Regel sehr unterschiedlich ausfällt. Beide Tatbestände (Knappheit und Mehrzweckcharakter der materiellen Ressourcen) machen Wirtschaften notwendig (wegen der Knappheit) und möglich (wegen des Mehrzweckcharakters).

 

Es wird zu zeigen sein, wie dieser marktwirtschaftliche Allokationsmechanismus funktioniert, wobei den Preisrelationen die entscheidende Bedeutung zukommt. Es ist zu klären, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit dieser Preismechanismus des Marktes tatsächlich zu einer optimalen Allokation führt und worin wiederum die Ursachen dafür liegen, dass in der Realität diese Voraussetzungen keinesfalls immer gegeben sind.

 

In einem letzten, dritten Schritt soll dann aufgezeigt werden, welche Mechanismen der Wohlfahrtsverteilung in einer Marktwirtschaft möglich sind, wie diese beurteilt werden, welche Faktoren dazu beitragen, dass die Wohlfahrtsverteilung auf die einzelnen Bevölkerungsgruppen den Verteilungsprinzipien widersprechen und auf welche Ursachen diese Widersprüche zurückzuführen sind. Hierbei ist davon auszugehen, dass in einer funktionierenden Marktwirtschaft die Verteilung der Wohlfahrt nach dem Leistungsprinzip erfolgt, der einzelne Marktteilnehmer wird einen um so größeren Anteil an der Gesamtproduktion erzielen, je größer sein Beitrag zur Wertschöpfung ist.

 

 

2. Die Wettbewerbsfunktionen

 

Die Anhänger einer Marktwirtschaft führen die Überlegenheit des marktwirtschaftlichen Systems über eine staatlich gelenkte Planwirtschaft in erster Linie auf die Wirkung des Wettbewerbs zurück. Die Liberalen sind zwar keine Wettbewerbsfetichisten. Sie halten nicht den Wettbewerb um seiner selbst willen für gut. Sie erkennen durchaus an, dass jeder, welcher gezwungen ist, unter Wettbewerbsbedingungen zu produzieren, zahlreichen Unannehmlichkeiten ausgesetzt ist. Es wird vor allem auch vom Neoliberalismus eines Walter Eucken eingeräumt, dass die Unternehmungen gerade wegen dieser Unannehmlichkeiten bestrebt sind, den Wettbewerb zu unterbinden und dass es gerade deshalb eines starken Staates bedarf, um diese Bestrebungen einzudämmen.

 

Wenn Liberale trotzdem auf den Wettbewerb setzen, so deshalb, weil es nur dem Wettbewerb zu verdanken ist, dass auf der einen Seite die Unternehmer unter starkem Druck stehen, permanent nach den effizientesten Lösungen zu suchen und auf der anderen Seite eine Koordination der Einzelinteressen nur über den Wettbewerb möglich erscheint. Der Liberalismus setzt auf die Initiative des Einzelnen, der gerade deshalb, weil in einer Marktwirtschaft der Erfolg der Produktionsbemühungen in erster Linie demjenigen zufällt, der die Leistungen erbracht hat, starke Leistungskräfte entfaltet, welche in einer staatlich gelenkten Marktwirtschaft entfallen, weil die Ergebnisse der Produktionsentscheidungen hier nicht den entscheidenden Beamten zufallen.

 

Um aber sicherzustellen, dass die Wohlfahrtssteigerungen auch an die Allgemeinheit, vor allem an die Konsumenten weitergegeben werden, gilt es eine Rahmenordnung zu installieren, welche die Interessen der einzelnen so koordiniert, dass die Unternehmer gerade dann ihr Einzelinteresse am besten erzielen, wenn sie ihre Produktion an den Wünschen der Endverbraucher ausrichten.

 

Betrachten wir die Funktionen des Wettbewerbs im Einzelnen. Dem Wettbewerb in einer Marktwirtschaft fällt als erste Funktion die Aufgabe zu, dafür Sorge zu tragen, dass jeweils die effizienteste Alternative ausgewählt wird. Weil der einzelne Unternehmer unter Wettbewerbsbedingungen stets befürchten muss, dass seine bisherigen Kunden zur Konkurrenz abwandern, wenn diese die einzelnen Waren zu niedrigeren Preisen oder zu besserer Qualität anbieten, wird er sich stets bemühen, seine Kosten zu senken und die Qualität seiner Produkte zu verbessern.

 

Zwei Fälle sind hierbei zu unterscheiden. Zunächst kann man von einer gegebenen Technik ausgehen. Diese gestattet im Allgemeinen, bestimmte Güter auf unterschiedliche Weise zu produzieren. Waren können z. B. arbeits-, aber auch kapitalintensiv hergestellt werden. Es gibt zumeist mehrere alternative Verfahren, um ein bestimmtes Produkt herzustellen. Es ist dem Wettbewerb zu verdanken, dass der einzelne Unternehmer unter dem Druck steht, stets die Alternative zu wählen, welche bei gegebener Qualität die geringsten Kosten, bzw. bei gegebenen Kosten die beste Qualität garantiert.

 

Allerdings leben wir in einer dynamischen Welt, in welcher permanent Datenänderungen eintreten und eine dieser Datenänderungen besteht darin, dass sich das Wissen über die Produktionstechniken selbst verbessert, es gibt Wissenschaftler und Erfinder, welche neue erfolgreichere Produktionsverfahren entdecken und es gibt Unternehmer, welche das Risiko eingehen, solche neuen Verfahren einzuführen.

 

Wiederum ist es der Wettbewerb, der die Unternehmungen anhält, nach solchen kostengünstigeren und qualitätssteigernden Verfahren Ausschau zu halten, denn der einzelne Unternehmer muss stets befürchten, dass ein anderer Konkurrent ihm in dieser Frage zuvorkommt und dass er auf diese Weise wiederum eine Abwanderung seiner bisherigen Kunden befürchten muss. Ein Monopolist braucht um das wirtschaftliche Überleben nicht zu fürchten, er kann seinen Gewinn auch einfach dadurch erhöhen, dass er sein Angebot künstlich verknappt und steht deshalb unter bedeutend geringerem Druck, nach einer verbesserten Produktionstechnik Ausschau zu halten.

 

Nun hat vor allem Joseph Alois Schumpeter eine Diskussion darüber entfacht, ob technischer Fortschritt nicht viel eher unter Monopolbedingungen zu erwarten sei. Der Monopolist verfüge schon allein aufgrund seiner größeren Produktionsmenge und damit auch größeren Eigenkapitaldecke über die besseren Möglichkeiten, Innovationen durchzuführen. Auch gäbe es inkorporierten technischen Fortschritt, der einfach aufgrund der Tatsache, dass produziert wird, sozusagen als erwünschtes Nebenprodukt anfällt, ein Vorteil, der um so größer ist, je größer die produzierte Gütermenge des einzelnen Unternehmers ist.

 

Es kommt noch hinzu, dass für einen Monopolisten auch das Risiko, das mit fast jeder Erneuerung verbunden ist, geringer ausfällt, es entfällt ja in diesem Falle die Gefahr, dass ein anderer Konkurrent das gleiche neue Verfahren etwas früher auf den Markt bringt und gerade aus diesen Gründen nicht jede Innovation zum Erfolg führen kann.

 

Dass diese Gefahr tatsächlich bestehen kann, wird im Allgemeinen zugegeben und es wurde gerade aus diesen Gründen eine Patentgesetzgebung eingeführt, die dem Innovator für eine gewisse begrenzte Frist das Recht zuspricht, ein patentiertes Verfahren als einziger anzuwenden. Wir werden uns weiter unten noch ausführlich mit der Problematik einer Patentgesetzgebung befassen und zeigen, dass die mit der Einführung des Patenschutzes verbundene Minderung des mit einer Innovation verbundenen Risikos auch erreicht werden kann, ohne den Wettbewerb für eine gewisse Zeit auszuschalten.

 

Kritisch wäre einzuwenden, dass in diesem Zusammenhange zwischen absoluter Größe einer Unternehmung und der relativen Größe, dem Anteil an der Gesamtproduktion der Branche unterschieden werden muss. Sicher ist es richtig, dass es der technische Fortschritt mit sich brachte, dass die Mindestgröße für eine rentable Produktion immer mehr hinausgeschoben wurde. Diese Tendenz hängt damit zusammen, dass die Produktion immer mehr auf kostspielige Großanlagen übertragen wurde, der Anteil der Fixkosten an den Gesamtkosten steigt an, die Stückkosten sind bei einer geringen Produktionsmenge extrem hoch, sinken jedoch mit wachsender Produktion, sodass eine rentable Produktion überhaupt erst ab einer relativ großen Mindestmenge möglich wird.

 

Allerdings muss berücksichtigt werden, dass mit dieser Tendenz zum Großbetrieb eine Ausweitung der Märkte einherging, wobei nicht nur von Inländern aufgrund des wirtschaftlichen Fortschritts mehr Güter nachgefragt werden, sondern auch immer mehr Waren ins Ausland exportiert werden können. Die Zunahme der Unternehmungsgröße bedeutet somit nicht zwingend, dass auch die Marktanteile insgesamt ansteigen.

 

Gleichzeitig muss auch bedacht werden, dass diese Tendenz zu einem immer größer werdenden Fixkostenanteil selbst wiederum Ergebnis einer Durchlöcherung des Haftungsprinzips darstellt. Gerade weil Unternehmungen darauf hoffen können, dass sie dann, wenn sie eine bestimmte Größe und einen bestimmten Marktanteil erreicht haben, fast nicht mehr Konkurs gehen können, weil notfalls der Staat diese Unternehmungen unterstützt, haben die Unternehmungen einen massiven Anreiz, zu wachsen und technischen Fortschritt, der sich in Großanlagen niederschlägt, zu bevorzugen. Es gibt keinen Grund dafür, dass sich technischer Fortschritt quasi naturgemäß in Großanlagen niederschlagen muss. Es ist vielmehr eine verfehlte Politik, welche diese Tendenz unterstützt hat.

 

Auf jeden Fall neigen Monopolisten oftmals dazu, patentgeschützte Verfahren aufzukaufen, weniger, um diese Verfahren selbst anzuwenden, sie verschwinden vielmehr oftmals in der Schublade bloß um zu verhindern, dass Konkurrenten  diese Verfahren anwenden können. Gerade aufgrund dieser Gefahren dürfte der Anreiz zur Innovation unter Konkurrenzbedingungen sehr viel stärker ausfallen als die Tatsache, dass ein Monopolist unter Umständen die besseren Möglichkeiten zur Einführung von Innovationen hat. Was nützen die besseren Möglichkeiten, wenn von ihnen kein Gebrauch gemacht wird?

 

Eine zweite Funktion des Wettbewerbes besteht darin, dass der Wettbewerb auch zusätzlich (zum Zwang einer möglichst effizienten Produktion) dazu beiträgt, dass Kostensenkungen auch an den Endverbraucher zumindest zum Teil weitergegeben werden. Nur dann nämlich, wenn der Produzent die realisierten Kostensenkungen an den Verbraucher in Form von Preissenkungen weitergibt, hat er die Gefahr gebannt, dass Konkurrenten, die ebenfalls Kostensenkungen erreicht haben und deshalb ihre Produkte zu verringerten Preisen verkaufen, nicht Kunden an sich ziehen.

 

Kommen wir nochmals auf die Diskussion zwischen Schumpeter und den Liberalen zurück. Selbst dann, wenn wir davon ausgehen müssten, dass die Monopolisten die größere Chance zur Innovation hätten und dass die Monopolisten auch tatsächlich in stärkerem Maße als Unternehmer, welche im Wettbewerb stehen, technischen Fortschritt realisierten, wäre immer noch nicht die Gewähr gegeben, dass diese Kostensenkungen an die Endverbraucher weitergegeben werden. Ein Monopolist steht nicht unter dem Druck, Kostensenkungen an die Endverbraucher weiter zu geben. Somit ist auch aufgrund dieser zweiten Wettbewerbsfunktion die größere Wohlfahrtswirkung bei Wettbewerb und nicht bei Monopolsituationen zu erwarten.

 

Der Wettbewerb trägt drittens auch zur Durchsetzung des Haftungsprinzips bei. Die Wohlfahrtsverteilung einer Marktwirtschaft lässt sich nur rechtfertigen, wenn auch diejenigen, welche Risiken eingehen, voll für die eventuell eintretenden Verluste haften. Dieses unumschränkte Haftungsprinzip zählt nach Walter Eucken zu den konstituierenden Prinzipien einer jeden Marktwirtschaft. Wer Risiken eingeht, soll zwar bei Erfolg auch die hierbei entstehenden Gewinne zumindest zum Teil einstreichen dürfen, soll aber auch mit seinem gesamten Vermögen für etwaige Verluste haften.

 

Ausgangspunkt zur Begründung des Haftungsprinzips ist die Erkenntnis, dass wohl kaum eine Produktion oder Investition, schon gar nicht eine Innovation durchgeführt werden kann, ohne Risiken einzugehen. Wer Güter produziert und die Produktion erweitert, läuft Gefahr, dass er sich in der Bereitschaft der Konsumenten, diese Güter auch aufzukaufen, getäuscht hat oder dass Konkurrenten die gleichen Waren zu geringeren Preisen absetzen können und deshalb Kunden an sich ziehen oder schließlich, dass bei der Produktion oder bei einer Investition durch unvorhergesehene Unglücksfälle nicht erwartete Kosten entstehen. Diese Risiken sind besonders groß, wenn neue Verfahren eingesetzt werden oder auch neue Produkte hergestellt werden, da ja hier nicht von vornherein bekannt ist, ob diese Verfahren auch wie geplant ablaufen werden.

 

Zur Durchführung dieser Vorhaben (Produktion, Investition, Innovation) muss jemand gefunden werden, der trotz dieser Risiken bereit ist, Kapital vorzustrecken. In einer freien Gesellschaft kann jedoch niemand gezwungen werden, solche hohen Risiken einzugehen. Eine ausreichende Bereitschaft zu solchem Handeln kann nur erwartet werden, wenn derjenige, welcher Risiken eingeht, auch für diese Handlung belohnt wird. In einer Marktwirtschaft besteht diese Belohnung darin, dass der Investor bei Erfolg zumindest einen Teil dieser Wohlfahrtsmehrung und auch nur für eine gewisse Zeit als Gewinn einbehalten kann.

 

Nun bedarf es im Zusammenhang mit diesen risikoreichen Aktivitäten eines sehr verantwortungsvollen Vorgehens. Es ist gesamtwirtschaftlich gesehen nicht erwünscht, jedes noch so große Risiko einzugehen. Nur solche Aktivitäten, bei denen man mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen kann, dass sie auch zum Erfolg führen, sind erwünscht, während es unerwünscht ist, dass Aktivitäten eingegangen werden, die aller Wahrscheinlichkeit nach scheitern und nur aus Zufall erfolgreich sind.

 

Das marktwirtschaftliche Haftungsprinzip trägt nun dazu bei, dass die Unternehmer in aller Regel bei risikoreichen Entscheidungen verantwortungsvoll vorgehen. Der Umstand, dass sie bei Erfolg einen Teil der Wohlfahrtsmehrung als Gewinne einbehalten können, stellt einen starken Anreiz dar, solche risikoreichen Investitionen zu wagen, welche wegen hoher Erfolgswahrscheinlichkeit gesamtwirtschaftlich auch erwünscht sind. Umgekehrt wird der Umstand, dass mögliche Verluste risikoreicher Entscheidungen von dem Investor selbst getragen werden müssen, diese Investoren abhalten, von Anfang an aussichtslose Investitionen durchzuführen.

 

Läge die Entscheidung solcher riskanten Investitionen bei staatlichen Behörden, bestünde auf der einen Seite die Gefahr, dass zu wenig aussichtsreiche Investitionen durchgeführt würden, da solche Entscheidungen denjenigen Beamten, welche diese Entscheidungen zu treffen haben, keinen materiellen Gewinn bringen. Auf der anderen Seite würden jedoch Hasardeure unter den Staatsbeamten auch nicht von aussichtslosen Investitionen abgehalten, da sie ja nicht selbst für die möglichen Verluste haften müssen.

 

Dieses Haftungsprinzip ist nun bereits dadurch durchlöchert, dass Aktienbesitzer nicht mit ihrem vollen Vermögen, sondern nur mit ihrem Aktienbesitz im Falle des Misserfolges haften.

 

Es ist zwar durchaus verständlich und auch berechtigt, dass Personen, welche nur über ein sehr geringes Vermögen besitzen und einige wenige Aktien erworben haben, nicht mit ihrem gesamten Vermögen gegebenenfalls haften sollen. Weder ist dieser Personenkreis aufgrund eines relativ geringen Vermögens in der Lage, eine volle Haftung zu übernehmen, noch hat ein Aktienbesitzer im Allgemeinen die wirtschaftlichen Kenntnisse, um riskante Investitionsentscheidungen von Aktiengesellschaften beurteilen zu können.

 

Es gibt jedoch keinen Rechtfertigungsgrund dafür, dass diese beschränkte Haftung auch für Personen mit hohem Vermögen gilt oder dass die Haupteigner einer Kapitalgesellschaft, welche genauso die Unternehmungsführung kontrollieren, wie persönlich haftende Unternehmer nur deshalb keine volle Haftung ihrer Entscheidungen zu übernehmen haben, weil sie die Unternehmungsform einer Kapitalgesellschaft und nicht die persönlich haftender Personengesellschaften gewählt haben.

 

Das Haftungsprinzip ist jedoch heutzutage auch noch aus einem weiteren Grund durchlöchert. Wenn nämlich eine Unternehmung einen wesentlichen Anteil am Gesamtangebot bestreitet, besteht bei einem Konkurs dieser Unternehmung die Gefahr, dass die gesamte Branche in finanzielle Schwierigkeiten gerät und dass deshalb der Staat durch Subventionen diesen Konkurs zu verhindern versucht. Auf diese Weise wird jedoch das Haftungsprinzip außer Kraft gesetzt. Die Unternehmer streichen bei erfolgreichen Investitionen hohe Gewinne ein, während mögliche Verluste von der Allgemeinheit getragen werden. Eine der wichtigsten Rechtfertigungsgründe für eine marktwirtschaftliche Regelung entfällt hier.

 

Diese Außerkraftsetzung des Haftungsprinzips bedeutet jedoch nicht nur, dass die Verteilung der Wohlfahrt Gerechtigkeitsüberlegungen verletzt, indem die Wohlfahrtssteigerungen einer kleinen Personengruppe zufallen. Auch der Anreiz zu einer verantwortungsvollen Investitionsentscheidung entfällt hier weitgehend. Da die Unternehmer in diesem Falle gar nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie Fehlentscheidungen treffen, verlieren sie auch jedes Interesse daran, nur solche Investitionen durchzuführen, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit volkswirtschaftlich erfolgreich sind.

 

Dass auf diese Weise das Haftungsprinzip weitgehend außer Kraft gesetzt wurde, liegt nun entscheidend daran, dass zuvor der Wettbewerb eingeschränkt wurde. Hätten wir die Marktform einer vollständigen Konkurrenz mit einer Vielzahl von Unternehmungen, deren Marktanteil relativ klein ist, bestünde auch bei dem Konkurs einiger weniger Unternehmungen nicht die Gefahr, dass durch den Konkurs einzelner Unternehmungen die gesamte Branche zusammenfallen würde und es wäre gerade deshalb auch nicht notwendig, dass der Staat gefährdete Unternehmungen mit Steuermitteln unterstützen müsste, um auf diese Weise einen Konkurs zu verhindern. Bei intensiver Konkurrenz behielte das Haftungsprinzip Geltung, gleichzeitig wären jedoch die Anreize, nur erfolgsversprechende Investitionen durchzuführen, wesentlich höher.

 

Der mögliche Einwand, dass auch in diesem Falle ein Konkurs einzelner Unternehmungen vermieden werden müsse, da bei einem Konkurs Arbeitsplätze verloren gingen und deshalb Arbeitnehmer arbeitslos würden, verkennt das eigentliche Problem. Auf lange Sicht kann sich keine Unternehmung halten, welche wegen ineffizienter Produktion in jeder Periode Verluste erzielt. Wenn aber letzten Endes ineffiziente Produktionen eines Tages doch aufgegeben werden müssen, ist es besser, dass ineffiziente Produktionen sofort aufgegeben werden.

 

Wenn nämlich Arbeitnehmer bereits arbeitslos werden, wenn die allgemeine Konjunktur noch nicht stagniert, bestehen für die arbeitslos gewordenen Arbeitnehmer sehr viel größere Chancen, in anderen Unternehmungen einen neuen Arbeitsplatz zu erhalten, als dann, wenn sie erst zu einer Zeit entlassen werden, in der wegen einer Rezession (oder sogar Depression) auch die an und für sich effizient produzierenden Unternehmungen mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen haben und deshalb auch nicht bereit sind, neue Arbeitskräfte einzustellen.

 

Ganz davon abgesehen, werden wir weiter unten Wege aufzeigen, wie Arbeitnehmer, welche im primären Arbeitsmarkt ihren Arbeitsplatz verlieren, in neu zu bildenden sekundären Arbeitsmärkten vorübergehend Arbeit erhalten können.

 

Eine vierte mögliche Funktion des Wettbewerbes besteht darin, dass aufgrund des Wettbewerbes auch Anreize gesetzt werden, Diskriminierungen abzubauen. Wir haben im ersten Kapitel dieser Vorlesung gesehen: Vor allem Gary Becker hat darauf hingewiesen, dass es eigentlich im eigenen Interesse einer Unternehmung liegt, jeweils die geeignetsten Bewerber für die einzelnen Positionen auszuwählen und dass sich jede Diskriminierung, welche von diesem Prinzip abweicht, darin äußert, dass die Produktivität nicht ihren Höchststand erreicht, dass also die Unternehmung auf mögliche Kostensenkungen verzichtet und sich im Wettbewerb gegenüber Konkurrenten, welche auf eine Diskriminierung verzichten, Wettbewerbsnachteile erleidet.

 

Wir haben zwar auch gesehen, dass diese Nachteile allerdings dann nicht zum Tragen kommen, wenn die Gesamtheit der Unternehmer in Art eines Gleichschrittes (zumeist ohne förmliche Absprachen) an einer Diskriminierung festhält. Wir werden uns weiter unten mit der Problematik eines Gleichschrittes noch ausführlich befassen.

 

Schließlich sei noch eine letzte, fünfte Funktion des Wettbewerbs erwähnt. Die Klassiker der Wirtschaftstheorie gingen davon aus, dass eine freie Marktwirtschaft unter gewissen Voraussetzungen in viel besserem Maße in der Lage ist, die Produktion an den Wünschen der Bevölkerung auszurichten. Zu diesen Voraussetzungen zählt in erster Linie der Wettbewerb aller Marktteilnehmer. Wettbewerb bedeutet aber in erster Linie, dass die Produktion von mehreren voneinander unabhängigen Unternehmungen erfolgt, während in einer staatlichen Planwirtschaft eine einzige zentrale, staatliche Planungsbehörde die Produktion leitet.

 

Hierbei kommt es primär nicht auf die Anzahl und Größe der einzelnen Produktionsstätten an. Selbstverständlich gibt es auch in einer staatlichen Planwirtschaft eine Vielzahl von einander abgetrennter technischer Betriebseinheiten. Entscheidend ist vielmehr, dass die Pläne, welche darüber entscheiden, was produziert wird und auf welchem Wege diese Produktion erfolgt, in einer staatlichen Planwirtschaft in ihrer reinen Form von einer einzigen zentralen Planungsbehörde erfolgt, während in einer Marktwirtschaft jede einzelne selbstständige Unternehmung ihren Wirtschaftsplan aufstellt. Die in beiden Wirtschaftssystemen notwendige Koordination der Produktionsentscheidungen erfolgt in einer staatlichen Planwirtschaft zentral innerhalb der staatlichen Planungsbehörde, während sie in einer Marktwirtschaft über den Markt – wie Adam Smith gesagt hatte quasi von einer unsichtbaren Hand, ohne dass einzelne Marktteilnehmer diese  Koordination bewusst anstreben oder durchführen – erfolgt.

 

In dem Maße, in dem der Wettbewerb verlassen wird und Konzerne bisher selbstständige Unternehmungen übernehmen, wird nun diese Zahl unabhängiger Entscheidungsträger reduziert, die Produktionsweise nähert sich wiederum dem Wirtschaftssystem einer staatlichen Planwirtschaft an. Und dies gilt vor allem auch deshalb, weil staatlich planwirtschaftliche Systeme oftmals einen Teil der Entscheidungen untergeordneten Planstellen übertragen, sodass auch hier wiederum mehrere Entscheidungsträger vorhanden sind.

 

Wenn wir uns in Gedanken vorstellen, dass dieser Konzentrationsprozess immer weiter vorangetrieben werde, bis schließlich nur noch ein riesengroßer Konzern übrig geblieben wäre, würde im Hinblick auf die Produktionslenkung kein wesentlicher Vorteil vor einer staatlichen Planwirtschaft bestehen. In diesem Falle würde in beiden Wirtschaftssystemen eine zentrale Planungsinstanz über die Produktion entscheiden, die Koordination würde in beiden Fällen bürokratisch und eben nicht über den Markt erfolgen.

 

Hierbei ist es von geringerer Bedeutung, ob dieser Riesenkonzern auch im juristischen Sinne die Selbstständigkeit der einzelnen Produktionsstätten aufgehoben hat. Diese Annäherung der beiden Systeme würde auch bereits dann vorliegen, wenn in juristischen Sinne eine Vielzahl von Unternehmungen bestehen bliebe, aber die Koordination der Einzelpläne durch kartellartige Absprachen erfolgen würde.

 

Worin besteht nun der wesentliche Vorteil einer Marktwirtschaft, in welcher eine Vielzahl selbstständiger Unternehmungen agiert? Diese Atomisierung der Wirtschaftspläne bewirkt, dass die Anpassung der Produktion zeitlich, räumlich und auch im Hinblick auf die Richtung der Entscheidungen getrennt erfolgt. Je weniger Entscheidungsträger hingegen handeln, um so geballter erfolgen die einzelnen Anpassungen an die wirtschaftlichen Daten.

 

Wir haben davon auszugehen, dass wir in einer dynamischen Welt leben. Die wirtschaftlichen Daten, von denen es abhängt, bei welcher Aufteilung der Ressourcen auf die einzelnen Verwendungsarten und bei welcher angewandter Produktionstechnik die höchstmögliche Effizienz erzielt wird, ändern sich permanent. Die Haushalte verändern ihre Konsumwünsche, der technische Fortschritt ermöglicht zusätzliche Produktivitätssteigerungen, der Vorrat an Ressourcen verändert sich permanent und auch der Staat ändert wiederholt die wirtschaftliche Rahmenordnung.

 

Diese Datenänderungen machen es nun notwendig, die Produktionsentscheidungen immer wieder an die veränderte Ausgangssituation anzupassen. Gibt es nun nur einen zentralen Entscheidungsträger, so erfolgt diese Anpassung in einem Schritt. Alle Betriebe und privaten Haushalte in allen Regionen erfahren diese Änderungen zum selben Zeitpunkt, die notwendigen Anpassungen (Zunahmen oder Abnahme einer bestimmten Nachfrage oder eines bestimmten Angebotes erfolgen stets in die gleiche Richtung. So wird z. B. aufgrund einer staatlich verordneten Steuererhöhung die Nachfrage nach Arbeitskräften in allen Betriebseinheiten zurückgehen.

 

Je mehr es nun unabhängige Entscheidungsträger gibt, erfolgt diese notwendige Anpassung an die Datenänderungen zeitlich und räumlich verteilt und wir können davon ausgehen, dass die eine Wirtschaftseinheit auf ein und dieselbe Datenänderung mit einer Zunahme, eine andere Wirtschaftseinheit mit einer Abnahme der Nachfrage nach einem bestimmten Gut reagiert.

 

Hierbei erfolgt der Gleichgewichtsmechanismus des Marktes in folgenden Schritten: Es treten Datenänderungen auf, diese führen zu einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Solange das Ungleichgewicht anhält, werden die knappen Ressourcen nicht in die effizientesten Verwendungen gelenkt. Die bisherigen Preisverhältnisse entsprechen nicht mehr den neuen Knappheitsverhältnissen, es bedarf also einer Korrektur der Preisrelationen. Diese erfolgt nun auf die Weise, dass aufgrund des Ungleichgewichtes Preiskorrekturen erfolgen, welche ihrerseits Anpassungen der Nachfrage und des Angebotes auslösen. Diese Anpassungen verringern nun das Ungleichgewicht, die neuen Gleichgewichtspreise lösen schließlich die vorübergehenden Fehlallokationen auf.

 

Wie dieser Gleichgewichtsmechanismus verläuft, hängt nun entscheidend davon ab, ob die Datenänderungen sowie die Anpassungsreaktionen von einer zentralen Stelle an einem bestimmten Zeitpunkt oder zeitlich und räumlich verteilt von einer Vielzahl von Personen ausgehen. Der Gleichgewichtsmechanismus des Marktes kann hierbei mit einem Kanalisationssystem verglichen werden. Wenn der Regen zeitlich und räumlich verteilt erfolgt, ist das Kanalisationssystem im Allgemeinen durchaus in der Lage, das  Regenwasser zügig in die Kanäle zu leiten, so dass auch kein Wasser auf den Straßen stehen bleibt. Erfolgt jedoch ein Regenbruch, welcher die gleiche Wassermenge in einer kurzen Zeit und auf einem engen Raum auf die Straßen gießt, so ist ein sonst noch so perfektes Kanalisationssystem überfordert, die Kanalzugänge reichen nicht aus, das Regenwasser sofort abzuführen, das Wasser bleibt für längere Zeit auf den Straßen stehen.

 

Für den Gleichgewichtsmechanismus des Marktes gilt in ähnlicher Weise: Werden Datenänderungen vorwiegend vom Staat ausgelöst und setzt der Staat auf dem Gesetzeswege durch, dass die notwendigen Anpassungen zum gleichen Zeitpunkt zu erfolgen haben und dass die Anpassungen in Angebot und Nachfrage stets in die gleiche Richtung erfolgen, so gleicht der Marktmechanismus einem Kanalisationssystem, das von Wolkenbrüchen heimgesucht wird. Der Markt ist überfordert. Die Anpassungsprozesse und der hierdurch ausgelöste Abbau von Ungleichgewichten reichen nun nicht mehr dazu aus, die Zunahme der Ungleichgewichte aufgrund der Datenänderungen zu kompensieren. Trotz Anpassung bleiben Ungleichgewichte bestehen, vergrößern sich sogar unter Umständen.

 

Diese Überlegungen gelten zunächst für einen Vergleich zwischen einer Marktwirtschaft und einer staatlichen Planwirtschaft. Je stärker jedoch die Märkte vermachtet sind und einige wenige große Unternehmungen die Produktion leiten, um so mehr nähert sich – wie gezeigt – die Marktwirtschaft in ihren Ergebnissen denen einer staatlichen Planwirtschaft, die Vorteile einer Marktwirtschaft werden verspielt, je weniger dafür Sorge getragen wird, dass ein intensiver Wettbewerb zwischen den Marktteilnehmern besteht.

 

Fortsetzung folgt!