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Pathologie der Marktwirtschaft

 

 

    

Gliederung der Vorlesung:

 

1. Problemeinführung

2. Pathologische Branchen

3. Wettbewerb versus Monopol

4.  Externe Kosten und Erträge

5.  Der Allokationsmechanismus

6.  Der Verteilungsmechanismen der Wohlfahrt

7.  Die Weiterentwicklung des Liberalismus

      

 

 

Kapitel 2. Pathologische Branchen Teil IV

 

 

Gliederung:

 

1. Die Verpackungsindustrie

2. Werbeindustrie

3. Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel

4. Die öffentlichen Medien

5. Drogen- und Waffenhandel

6. Diskriminierung auf Arbeitsmärkten

7. Leih- und Zeitarbeit

8. Finanzmärkte

9. Umweltgefährdungen

 

 

 

9. Umweltgefährdungen

 

Zum Abschluss dieses Kapitels wollen wir uns mit den durch Produktion und auch Konsumtion verursachten Umweltgefährdungen befassen. Rein äußerlich hat es den Anschein, als gingen diese pathologischen Erscheinungen von ganz bestimmten Gütermärkten aus. So dürfte ein Großteil der in die Luft und in die Flüsse entwichenen Umweltgiften der chemischen und der pharmazeutischen Industrie entstammen, weiterhin ist vor allem der Verkehrssektor zusammen mit dem Einsatz der Verbrennungsmotoren sowie ein Teil der Industrie für den gefährlichen Kohlendioxidausstoß verantwortlich. Insofern läge es nahe, diese Art von pathologischen Erscheinungen im Bereich der Gütermärkte anzusiedeln, welche wir in den ersten Abschnitten dieses Kapitels untersucht haben.

 

Eine nähere Analyse zeigt jedoch, dass nahezu bei allen Güterproduktionen Umweltschäden hervorgerufen werden. So hat gerade der Umstand, dass in großem Maßstab Regenwälder vernichtet wurden, das Gleichgewicht zwischen Ausstoß und Aufnahme von Kohlendioxid gestört, Rodungen haben zu Erosionen geführt, weiterhin wird nahezu bei allen Verarbeitungen von Rohstoffen und bei fast allen Warenproduktionen umweltbelastende Verbrennungen durchgeführt, schließlich trägt auch die Heizung in den Haushalten und damit der größte Teil der Konsumtion zur Erwärmung der Erde mit all ihren negativen Konsequenzen für das ökologische System bei.

 

Somit kommen wir zu dem Schluss, dass es sich im Grunde genommen bei all diesen Umweltbelastungen um einen im Hinblick auf das ökologische System nicht sachgerechten Umgang mit dem Produktionsfaktor Natur handelt. Deshalb ist es auch zweckmäßig die Umweltgefährdungen in dem zweiten Abschnitt über die Faktormärkte zu behandeln. Traditionell unterscheiden wir drei Gruppen von Produktionsfaktoren, mit deren Hilfe Güter erzeugt werden. Es sind die Arbeitskräfte, das Kapital sowie die Natur. Früher hat man in diesem Zusammenhang vom Produktionsfaktor Boden gesprochen, es ist jedoch klar, dass der Boden nur einen Teil der Ressource ‚Natur‘ umfasst.

 

Wir hatten uns im zweiten Teil dieses Kapitels mit pathologischen Erscheinungen auf den Arbeitsmärkten befasst, wir sind dann übergegangen, uns mit unbefriedigenden Ergebnissen der Finanzmärkte (also Kapitalmärkte) zu befassen. Last not least soll nun auch der Umgang mit dem dritten Produktionsfaktor: dem Boden bzw. – was dem Produktionsprozess besser entspricht – der Natur diskutiert werden.

 

Umweltbelastungen können als Störung des ökologischen Systems oder aber auch der marktwirtschaftlichen Ordnung angesehen werden. Im Rahmen des ökologischen Systems geht es letztendlich um die Erhaltung der Lebensbedingungen sowohl für die Tiere wie auch für den Menschen. Das Leben auf dem Planeten Erde setzt ganz bestimmte klimatische Bedingungen voraus, so kann Leben nur entstehen und bestehen innerhalb einer ganz bestimmten Temperaturbreite, es bedarf also einer Mindesttemperatur, welche nicht unterschritten werden darf und einer Höchsttemperatur, die nicht überschritten werden darf. Es muss auch ein freier Zugang zu Wasser und ausreichend Sauerstoff sichergestellt werden und die Befriedigung der natürlichen Bedürfnisse setzt eine Reihe weiterer natürlicher Stoffe wie z. B, Kohlenstoff voraus. Mit dem Prinzip der Nachhaltigkeit soll Sorge dafür getragen werden, dass jede Generation den jeweils nachfolgenden Generationen die zum Leben notwendigen Ressourcen übergibt.

 

Die vor allem in den letzten Jahrhunderten angewandten Produktionsmethoden haben nun dieses ökologische Gleichgewicht entscheidend gestört. Wir müssen zwar davon ausgehen, dass die Entwicklung des ökologischen Systems und der zahlreichen Naturkatastrophen nicht ausschließlich aufgrund des menschlichen Eingreifens in die Naturprozesse ausgelöst wurde, schließlich gab es zahlreiche Naturkatastrophen und gravierende Veränderungen in den Lebensbedingungen während der vor Milliarden von Jahren entstandenen Erde auch schon lange bevor es überhaupt Menschen gab.

 

Aber die geologischen Wissenschaftler sind sich in ihrer Mehrheit darüber einig, dass die Art der menschlichen Aktivitäten zu den heute wieder vermehrt auftretenden Naturkatastrophen entscheidend beigetragen haben. So dürfte vor allem das Abschmelzen der Gletscher in der Arktis und in der Antarktis, damit der Anstieg des Meeresspiegels und davon wiederum ausgelöst die Überschwemmung zahlreicher Landstriche auf den enormen Kohlendioxidausstoß zumindest zum Teil verursacht worden sein. Auch die Verringerung der lebensnotwendigen Ozonschicht dürfte zu einem großen Teil auf die Produktionsweise der industriellen Anlagen zurückgeführt werden.

 

Aus ökonomischer Sicht müssen die Umweltbelastungen auf eine Störung des marktwirtschaftlichen Allokationsmechanismus zurückgeführt werden. Der Preismechanismus der Marktwirtschaft sorgt unter normalen Bedingungen dafür, dass die knappen Ressourcen automatisch in die Verwendungsarten gelenkt werden, in denen diese Ressourcen den höchstmöglichen Nutzen stiften. Dieser Automatismus entsteht dadurch, dass die Konsumenten über die zu entrichtenden Preise darüber unterrichtet werden, welche Opportunitätskosten bei der Produktion der einzelnen Güter aufgebracht werden müssen.

 

Die Opportunitätskosten stellen hierbei die Gesamtheit der Kosten dar, welche durch Produktion und Konsumtion einer Volkswirtschaft entstehen. Man kann auch davon sprechen, dass diese Opportunitätskosten zum Ausdruck bringen, welcher Nutzen den Konsumenten dadurch entgeht, dass sie eine ganz bestimmte Einkommensverwendung gewählt haben und damit auf eine ander mögliche Verwendung des Einkommens, also der zweitbesten Verwendung verzichtet haben.

 

Die Opportunitätskosten entsprechen also dann dem Nutzen der nicht gewählten, zweitbesten Einkommensverwendung. Entscheiden sich nun die Konsumenten für eine bestimmte Verwendung der Einkommen, weil diese Verwendung ihnen einen etwas höheren Nutzen bringt als die zweitbeste Verwendung, deren Nutzen gerade dem zu entrichtenden Preis entspricht, ist bei rationaler Entscheidung sichergestellt, dass jeweils die bestmögliche Einkommensverwendung gewählt wird.

 

Dieser Automatismus funktioniert allerdings nur dann reibungslos, wenn wirklich alle durch die Produktion und Konsumtion einer Volkswirtschaft entstandenen Kosten in den Preis der einzelnen Güter eingehen. Denn nur in diesem Falle werden die Konsumenten bei rationaler Entscheidung jeweils die Einkommensverwendung wählen können, welche den höchstmöglichen Nutzen gewährt.

 

Nehmen wir an, dass bestimmte einer Volkswirtschaft entstehende Kosten nicht von den Produzenten getragen werden, weil sie bestimmte Ressourcen nutzen können, ohne hierfür einen Preis zu entrichten. Da somit die Nutzung dieser Ressourcen den Unternehmungen ohne Kosten zur Verfügung stehen, gehen diese volkswirtschaftliche Kosten auch nicht in die Preise ein, welche die Konsumenten bei der Nachfrage der einzelnen Güter zu zahlen haben. Es wird also den Konsumenten vorgespielt, als ob die Kosten (also auch der Nutzen der nicht gewählten zweitbesten Einkommensverwendung) bedeutend geringer seien als sie tatsächlich sind und gerade dieser zu niedrige Preis veranlasst die Konsumenten von diesem Gut mehr nachzufragen als es eigentlich volkswirtschaftlich erwünscht wäre. Und da jeder Haushalt nur über eine begrenzte Einkommenssumme verfügt, ist dies gleichbedeutend damit, dass von den Gütern, welche aus der Sicht der volkswirtschaftlichen Kosten eigentlich vermehrt nachgefragt werden sollten, zu wenig konsumiert wird.

 

Die Wohlfahrtstheorie spricht hierbei von externen Kosten. Aus der Sicht der Volkswirtschaft stellen sie echte Kosten dar, welche der Gesamtbevölkerung Nutzenentgänge gebracht haben, sie werden jedoch den Unternehmungen und damit letztlich auch den Konsumenten nicht angerechnet. Sie werden den Produzenten nicht angerechnet, weil diese Güter als freie Güter genutzt werden können und somit keinen Preis erzielen. Sofern es sich hierbei tatsächlich um freie Güter handelt, also um Güter, welche nicht knapp sind, bedarf es auch keines Preises, weil immer dann, wenn ein Individuum ein freies Gut in Anspruch nimmt, diese Handlung kein anderes Individuum beeinträchtigt.

 

Der Vorrat eines freien Gutes ist größer als der Bedarf, sodass der Verbrauch des einen Individuums auch nicht auf Kosten eines anderen Individuums geht. Würde es sich hingegen um ein knappes (also nicht freies) Gut handeln, würde ja ex definitione in dem Maße, in dem ein Individuum mehr von einem Gut in Anspruch nimmt, irgend ein anderes Individuum von diesem Gut weniger erhalten.

 

Hier kommt nun die Umweltproblematik ins Spiel. Es erfolge z. B. eine Verschmutzung der Luft. Die Luft gilt in unserer Gesellschaft weitgehend als ein freies Gut, für deren Benutzung kein Preis zu entrichten ist. Wer den  Sauerstoff der Luft einatmet, hat hierfür keinen Preis zu entrichten. Trotzdem entstehen im Zusammenhang mit dem Gebrauch von Luft Nutzenentgänge (Schäden), welche normalerweise nur bei knappen Gütern auftreten.

 

Zwar ist sicherlich der gesamte Vorrat an Luft (Sauerstoff) größer als der normale Bedarf, also in diesem formalen Sinne tatsächlich ein freies Gut, aber durch die Abgase von Industrieunternehmungen kann die Luft so stark verunreinigt werden, dass unsere Atmosphäre nicht mehr die für das ökologische Gleichgewicht notwendigen Funktionen reibungslos erfüllen kann. Es entstehen somit der Volkswirtschaft genauso Kosten, wie wenn knappe Rohstoffe wie z. B. Metalle bei der Produktion eingesetzt würden. Man kann auch davon sprechen, dass zwar nicht die gesamte, aber sehr wohl die reine Luft zu einem knappen Gut geworden ist.

 

Dass es in unserer Volkswirtschaft externe Kosten gibt, welche den Allokationsmechanismus einer Marktwirtschaft stark beeinträchtigen, wurde schon sehr früh im Rahmen der traditionellen Wohlfahrtstheorie erkannt. Arthur Cecil Pigou hatte bereits in seiner 1912 veröffentlichten Arbeit über ‚Wealth and welfare‘ Wege aufgezeigt, wie eine Internalisierung dieser externen Kosten erfolgen könnte. Pigou schlägt eine nach ihm benannte Pigousteuer vor, welche jeweils gerade dem Umfang der externen Kosten entspricht.

 

In diesem Falle haben die Unternehmungen an Steuern und Kosten gerade soviel zu entrichten, dass die bei den Unternehmungen entstehenden Gesamtkosten den volkswirtschaftlichen Kosten entsprechen. Da diese Kosten im Güterpreis weitergegeben werden, ist auch sichergestellt, dass die Konsumenten im zu entrichtenden Preis genau die der Volkswirtschaft entstehenden Opportunitätskosten zu zahlen haben, sodass dann auch nicht die Gefahr besteht, dass gerade von den die Umwelt belastenden Güter zu viel nachgefragt wird.

 

Die Schwierigkeit bei der Umsetzung dieses Steuervorschlages liegt darin, dass der genaue Umfang der externen Kosten nicht bekannt ist. Die Höhe der Kosten kann ja in einer Marktwirtschaft nur durch das Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage auf freien Märkten ermittelt werden und da es für freie Güter keinen Markt gibt, kann auch die genaue Höhe der externen Kosten nicht bestimmt werden.

 

Es gibt allerdings Vorschläge, auf welchem Wege ein Marktgeschehen simuliert werden könnte. Die Regierung setzt fest, welchen Grad an Umweltverschmutzung sie gerade noch tolerieren möchte. Gleichzeitig wird der von den Umwelt verschmutzenden Unternehmungen zu erhebende Steuersatz in einem ersten Schritt mehr oder weniger willkürlich festgesetzt. Am Ende einer Periode überprüft eine staatliche Behörde, inwieweit der von der Regierung festgesetzte Grad der Umweltverschmutzung über- oder unterschritten wurde.

 

Falls dieser Verschmutzungsgrad überschritten wurde, bedeutet dies, dass der Steuersatz zu niedrig angesetzt wurde und deshalb erhöht werden muss. Falls jedoch der in Aussicht genommene Verschmutzungsgrad unterschritten wurde, ist dies ein Zeichen dafür, dass der zunächst festgesetzte Steuersatz zu hoch angesetzt wurde und deshalb wiederum gesenkt werden kann. Nach einigen Perioden tritt eine Art Gleichgewicht auf in dem Sinne, dass die Unternehmungen gerade so viel Umweltschmutz verursachen, wie von der Regierung angepeilt wurde.

 

Dieses Verfahren hat zwei Nachteile. Auf der einen Seite hängt der Erfolg eines solchen Vorgehens davon ab, dass die Regierung gewillt ist, in kleinen Schritten vorzugehen und den Steuersatz immer wieder zu korrigieren. Man wird auch nicht davon ausgehen können, dass es sich hierbei um eine einmalige Prozedur bei der Einführung dieser Steuer handelt. In Wirklichkeit müssen wir davon ausgehen, dass sich die wirtschaftlichen Daten, welche das Agieren der Unternehmungen bestimmen, permanent ändern, diese Änderungen in den Daten lösen Änderungen in der Produktion hervor und diese Änderungen machen es notwendig, dass auch der Steuersatz immer wieder erneut korrigiert werden muss.

 

Nun erfordert das Prinzip der Rechtssicherheit, dass die staatlichen Vorgaben für die Produktion eigentlich langfristig festgelegt werden, damit die Unternehmungen die Sicherheit erlangen und damit sie ohne zu großes Risiko ihre Produktions- und vor allem Investitionsentscheidungen treffen können. Da jedoch die Umweltverschmutzung nicht nur von einigen wenigen Unternehmungen, sondern vom größten Teil der gesamten Industrie einschließlich der Landwirtschaft ausgeht, wäre zur Installierung dieses Steuersystems eine so große staatliche Verwaltung notwendig, dass das Prinzip der freien Marktwirtschaft stark verwässert werden müsste.

 

Auf der anderen Seite verstößt dieses Verfahren auch gegen das Prinzip der Selbstbestimmung der Bürger. Nach diesem Prinzip sollte eigentlich jeder Konsument selbst bestimmen dürfen, bei welcher Verwendung der knappen Ressourcen jeder einzelne seinen höchstmöglichen Nutzen erreicht. Auch von dieser Seite aus würde also die marktwirtschaftliche Ordnung entscheidend aufgegeben.

 

In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Frage nach den eigentlichen Ursachen dafür, dass natürliche Ressourcen, bei deren Inanspruchnahme genauso wie bei knappen Gütern der Volkswirtschaft Kosten und Nutzenentgänge entstehen, trotzdem wie freie Güter behandelt werden, insbesondere von den Vertretern der Property-Rights-Bewegung weiter untersucht. Diese Gruppe erkannte, dass der eigentliche Grund dafür, dass natürliche Ressourcen auch dann noch wie freie Güter behandelt werden, wenn von ihrer Inanspruchnahme Kosten  und Nutzenentgänge ausgehen, darin liegt, dass für diese Güter keine Eigentumsrechte festgelegt wurden.

 

Im Allgemeinen kann man davon ausgehen, dass sich knappe Ressourcen im Besitz eines Eigentümers befinden. Diese Eigentümer sind nun nur dann zum Verkauf oder zur Beleihung dieser knappen Ressourcen bereit, wenn die potenziellen Käufer (Nutzer) den durch den Verkauf dieser Rechte dem bisherigen Eigentümer entstandenen Nutzenentgang zumindest ersetzen. Auf diese Weise werden die Produzenten mit den  Kosten der Inanspruchnahme knapper Ressourcen belastet und aus eigenem Interesse werden die Produzenten diese Kosten im Güterpreis auf die Endverbraucher überwälzen. Auf diese Weise wird im Normalfall sichergestellt, dass der Konsument die Opportunitätskosten der erworbenen Konsumgüter erfährt und auch im Preis bezahlen muss und dass der Konsument gerade dadurch auch in der Lage ist, sein Einkommen auf die Güter zu verteilen, bei denen der einzelne Konsument den höchstmöglichen Nutzen erzielt.

 

Bestehen jedoch an bestimmten natürlichen Ressourcen keine Eigentumsrechte, obwohl die Inanspruchnahme dieser Ressourcen für eine Volkswirtschaft Kosten verursacht, kann dieser Allokationsmechanismus auch nicht funktionieren und eine bestmögliche Verwendung der Ressourcen garantieren. Also wird man aus dieser Kenntnis heraus zu dem Schluss kommen, dass eine befriedigende Lösung des Umweltproblems darin besteht, auch für diese bisher freien Ressourcen Eigentumsrechte zu kreieren. So entstand die Forderung, welche auch bereits zum Teil  realisiert wurde, für Produktionen, bei denen eine Umweltbelastung zu erwarten ist, Verschmutzungsrechte zu schaffen. Danach müssen Unternehmungen, welche Umwelt belastende Güter produzieren, solche Verschmutzungsrechte erwerben und es ist ihnen nur erlaubt, im Umfang dieser Verschmutzungsrechte die Produktion dieser Güter aufzunehmen.

 

Diese Verschmutzungsrechte werden von der Regierung eingeführt, wobei die Regierung so viel Verschmutzungsrechte schafft, dass gerade nur noch so viel Umweltbelastung durch Produktionen hervorgerufen wird, wie es nach dem Willen der Regierung gerade noch tolerierbar erscheint. In diesem Punkt gleicht dieses Verfahren dem Prozedere, das weiter oben im Anschluss an die Diskussion über die Pigousteuer beschrieben wurde.

 

Auch bei diesem Prozedere hatte die Regierung in einem ersten Schritt den Umfang der zu duldenden Umweltbelastung zu bestimmen. Zumeist wird vorgeschlagen, in einem ersten Schritt von dem bisher realisierten Umfang an Umweltverschmutzung auszugehen und jeder Unternehmung diese Umweltverschmutzungsrechte in dem Umfang zuzuteilen, in dem diese Unternehmung auch schon bisher Umweltverschmutzungen hervorgerufen hatte.

 

Für diese Umweltverschmutzungsrechte wird ein Markt geschaffen, das heißt, es ist den Unternehmungen jederzeit gestattet, auf dem freien Markt Umweltverschmutzungsrechte an ander Unternehmungen zu verkaufen und umgekehrt auf dem Markt auch zusätzliche Verschmutzungsrechte zu erwerben. Der freie Markt entscheidet dann darüber, zu welchem Kurs diese Papiere gehandelt werden und welche Kosten hiermit für den Erwerb solcher Rechte aufgewandt werden müssen.

 

Allerdings unterscheidet sich der Vorschlag der Schaffung von Umweltverschmutzungsrechten in zweierlei Hinsicht entscheidend von der konkurrierenden Prozedur einer Pigousteuer. Die Unternehmungen erhalten bei der Lösung der Verschmutzungsrechte einen starken Anreiz, nach neuen Methoden Ausschau zu erhalten, um technische Verfahren zu entwickeln, bei denen die Umweltverschmutzung reduziert wird. Ist es nämlich einer Unternehmung gelungen, ein solches Umweltbelastung reduzierendes Verfahren zu entwickeln, kann es die ihm zugeteilten Verschmutzungsrechte veräußern und auf diesem Wege Gewinne erzielen. Aus der Sicht der Volkswirtschaft bedeutet dies, dass Anreize entstehen, durch technischen Fortschritt die Möglichkeit zu schaffen, die Umweltbelastung zu reduzieren.

 

Zunächst ist es nur eine Möglichkeit, die Umweltbelastung zu reduzieren. Solange die Gesamtsumme der gehandelten Verschmutzungsrechte unverändert bleibt, hat sich auch am Umfang der tatsächlichen Verschmutzung nichts geändert. Nun kommt der zweite Unterschied dieses Vorschlages ins Spiel. Gerade, weil es technisch möglich wird, die gleiche Gütermenge und damit den bisherigen materiellen Wohlstand auch mit einem geringeren Umfang an Umweltbelastung zu produzieren, erhält die Regierung die Möglichkeit, einen Teil der ausgegebenen Verschmutzungsrechte aufzukaufen, ohne dass auf diese Weise Wachstum und davon abhängig auch die Beschäftigung reduziert wird.

 

Dass man in diesem Zusammenhang von Verschmutzungsrechten spricht, ist eine sehr missverständliche Praxis. Es geht ja hier nicht darum Rechte zu schaffen, die Umwelt zu belasten; das Ziel bei der Einführung dieser Rechte besteht vielmehr darin, die Umweltbelastung zu reduzieren, also auch die Rechte auf eine Umweltverschmutzung zu verringern. Man sollte deshalb vielmehr von Rechten auf Nutzung natürlicher Ressourcen sprechen.