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Volkswirtschaftslehre für Laien

 

 

 

 Gliederung:

 

  1. Genügt der gesunde Menschenverstand?

  2. Was heißt Wirtschaften?

  3. Wie funktioniert ein Markt?

  4. Ist von ‚Arbeitsmarkt‘ zu sprechen entwürdigend?

  5. Ist das Eigeninteresse moralisch verwerflich?

  6. Die Rolle des Wettbewerbs

  7. Umverteilung zu Lasten der Millionäre?

  8. Moral Hazard und Versicherung

  9. Von ideologischen Betrachtungsweisen

10. Können Werturteile wissenschaftlich bewiesen werden?

11. Die Rolle des Staates in einer sozialen Marktwirtschaft

12. Staatliche Planwirtschaft versus Marktwirtschaft

 

 

8. Moral Hazard und Versicherung

 

Gliederung:

 

1. Problemeinführung

2. Unsicherheiten in unserem Wissen

3. Strategien zur Bewältigung der Unsicherheit

4. Das Versicherungsprinzip

5. Voraussetzungen des Versicherungsprinzips

6. Organisationsformen

7. Einflussnahme auf das Risiko

8. Moral Hazard im  weiteren Sinne 

9. Moral Hazard im  engeren Sinne

 

 

 

1. Problemeinführung

 

Das menschliche Leben ist voll von Unsicherheiten, sogenannten Risiken. Der Mensch plant mehr oder weniger sein Leben und macht sich hierbei Gedanken darüber, was er zu erwarten hat und auf welche Weise er seine Ziele und Bedürfnisse befriedigen kann.

 

Dass der Mensch sich niemals sicher sein kann, nicht enttäuscht zu werden und somit auch mannigfaltigen Gefahren ausgesetzt ist, hat mehrere Ursachen. Einmal hängt die Unsicherheit unseres Lebens damit zusammen, dass das Verhalten der Mitmenschen unser Leben auf vielfältige Weise beeinflusst, dass aber das Verhalten der Mitmenschen nie vollständig voraus erkannt werden kann, wobei hierbei entscheidend ist, dass der einzelne dem anderen niemals voll vertrauen kann. Selbst dann, wenn der andere einem z. B. verspricht, sich in einer ganz bestimmten Weise zu verhalten, kann er sich auf dieses Versprechen nicht hundert­prozentig verlassen.

 

Die Menschen haben einen freien Willen, selbst dann, wenn jemand eine ganz bestimmte Handlung geplant hat, er kann seine Meinung ändern, er kann auch ganz bewusst den anderen täuschen, um auf diese Weise eigene Vorteile zu erlangen. Aber auch dann, wenn der andere guten Willens ist, ist keinesfalls sicher, dass er sich so verhält, wie anderen gegenüber angedeutet, er kann z. B. unfähig sein, die geplante Handlung zu vollziehen oder aber die Daten, die sein Leben bestimmen, können sich so verändert haben, dass er sich aus diesen Gründen anders als geplant verhalten muss.

 

Unsicherheit über die Verhältnisse, denen man ausgesetzt ist, hängt jedoch nicht nur mit den Eigenschaften der Menschen zusammen. Auch dann, wenn man vollständige Klarheit über das Verhalten des jeweils anderen hätte oder sein Leben so einrichten könnte, dass es vom Verhalten der anderen unabhängig wird, wäre man immer noch zahlreichen Unsicherheiten ausgesetzt. Unser Leben wird nämlich nicht nur durch das Verhalten unserer Mitmenschen beeinflusst, sondern auch dadurch, inwieweit es uns gelungen ist, die natürlichen Gesetzmäßigkeiten zu erkennen und zu beherrschen.

 

 

2. Unsicherheiten in unserem Wissen

 

In der Tat ist die Entwicklung der Menschheit dadurch ausgezeichnet, dass der Mensch durch Beobachtungen gelernt hat, wie sich die Umgebung verändert und er hat dieses Wissen dazu eingesetzt, Techniken zu entwickeln, um das menschliche Leben leichter und angenehmer zu gestalten. Dieses Wissen über die Natur kann aber niemals 100%ig sein, stets müssen wir damit rechnen, dass die technischen Abläufe nicht immer so verlaufen, wie wir es erwarten. Es gibt keine Technologie, die wir 100%ig beherrschen und bei denen in keinem einzigen Fall andere Wirkungen eintreten als wir erwartet haben.

 

Der Grund für diese immer gegenwärtige Unsicherheit für die technischen Abläufe liegt in der Art, wie wir zu diesen Erkenntnissen über empirische Gesetzmäßigkeiten gelangen. Es gibt für die Feststellung empi­rischer Gesetzmäßigkeiten kein Verfahren, aufgrund dessen wir von einer 100%igen Verifizierung einer Hypothese über den Ablauf dieser Gesetzmäßigkeiten sprechen können, die genauso wie logische Gesetze eindeutig für alle Fälle gilt. Wir können zwar mit 100%iger Sicherheit logische Gesetze aufstellen, so etwa, dass ein Anstieg der Lohnquote mit einer genauso großen Verringerung der Gewinnquote verbunden ist, wenn wir das Volkseinkommen lediglich in diese zwei Kategorien (Lohn- und Gewinneinkommen) einteilen.

 

Die Feststellung, dass z. B. die Nachfrage steigt, wenn der Güterpreis sinkt, lässt sich hingegen nie 100%ig verifizieren. Fragen wir uns, wie wir dieses Wissen gewonnen haben. Wir gehen beispielsweise von der Beobachtung aus, dass in der Regel dann, wenn eine Preissenkung beobachtet wurde, nach kurzer Zeit die Nachfrage nach diesem Gut angestiegen ist. Man hat sich vielleicht auch Gedanken darüber gemacht, warum denn Preissenkungen zu Nachfragesteigerungen führen und dabei einen überzeugbaren Grund gefunden, warum dies so ist. Man bildet aus diesen zunächst mehr zufällig entstandenen Beobachtungen die Hypothese, dass immer dann, wenn Ereignis A (Preissenkung) eintritt, dieses das Ereignis B (Nachfragesteigerung) auslöst.

 

Nach Formulierung dieser Hypothese erfolgt nun eine systematische Untersuchung, darüber, ob tatsächlich immer dann, wenn Ereignis A auftritt auch nach einer gewissen Zeit Ereignis B folgt. Nun muss man natürlich damit rechnen, dass die Verifizierung in der Natur äußerst schwierig wird, da ja fast immer in der Realität nicht nur Ereignis A vorliegt, sondern eine Vielzahl von Gegebenheiten (C, D…Z) zur gleichen Zeit vorliegt. Eine Sicherheit darüber, ob Ereignis A tatsächlich immer von Ereignis B gefolgt wird, könnten wir nur gewinnen, wenn wir Situationen vorfänden, in denen zunächst nur Ereignis A auftreten würde. Hier beginnen aber die Schwierigkeiten. Wie finden wir Situationen, in denen tatsächlich nur Ereignis A eintritt.

 

Im Bereich der Naturwissenschaften schaffen wir deshalb in Laborexperimenten eine künstliche Welt, in der nach Möglichkeit nur das Ereignis A isoliert auftritt. In den Wissenschaften über menschliches Verhalten wie z. B. in den Wirtschaftswissenschaften können wir nur sehr selten solche künstlichen Laborexperimente durchführen. Um z. B. die These der Quantitätstheorie zu testen, dass eine Verdopplung der umlaufenden Geldmenge auch zu einer Verdopplung des Güterpreisniveaus führt, können wir ja nicht in der Realität die Notenbank veranlassen, die Geldmenge tatsächlich zu verdoppeln, dies würde vermutlich zu verheerenden Folgen führen, wir würden nicht unser Wissen vermehren, sondern uns in eine Katastrophe stürzen.

 

Wir müssen deshalb in diesen Wissenschaften versuchen, im Verlaufe der vergangenen Geschichte Perioden zu finden, in denen vermutlich vorwiegend nur Ereignis A eingetreten war – und dies dürfte uns nur in sehr seltenen Fällen gelingen – oder aber wir versuchen abzuschätzen, welchen Einfluss andere Faktoren (das Ereignis C) auf die Problemgröße B vermutlich nimmt, um daraus abzuleiten, welcher Einfluss von Faktor A auf Größe B ausgegangen ist. Es sollte klar sein, dass das Wissen, das wir auf diese Weise erlangen, immer sehr unvollkommen ist, da wir nie wissen können, welche Gegebenheiten (A, C…Z) tatsächlich vorlagen und inwieweit wir den Einfluss der sonstigen Faktoren richtig eingeschätzt haben.

 

Aber selbst dann, wenn wir – wie in den Naturwissenschaften üblich – in einem künstlichen Labor die sonstigen Ereignisse isolieren könnten, sodass also vermeintlich im Zeitpunkt 0 nur das Ereignis A vorlag, können wir uns trotzdem nicht sicher sein, dass es uns tatsächlich gelungen ist, eine künstliche Welt herzustellen, in der nur das zu untersuchende Ereignis A im Zeitpunkt 0 auftritt. Dies könnten wir ja nur dann, wenn wir schon eindeutig geklärt hätten, ob und in welchem Ausmaße andere Ereignisse das Ereignis B beeinflussen. Aber über ein solches Wissen können wir gar nicht verfügen.

 

Nehmen wir folgendes Beispiel. Es soll untersucht werden, ob Ereignis A das Ereignis B auslöst. In Wirklichkeit – was wir aber natürlich nicht wissen – können – so wollen wir unterstellen – die Faktoren A und C das Ereignis B auslösen und zwar so, dass immer alle beiden Gegebenheiten A und C vorliegen müssen.  Darüber hinaus dürfe jedoch Ereignis D nicht vorliegen. Wir wollen nun unterstellen, dass wir zunächst von der Annahme ausgehen, Ereignis A reiche aus, um Ereignis B auszulösen. Wir würden jedoch im Rahmen unserer Testserien feststellen, dass zusätzlich Ereignis C vorliegen muss, um das Ereignis B zu bewirken. Aufgrund zahlreicher Untersuchungen kämen wir also zu dem Ergebnis: Das Vorliegen von A plus C löst nach einer gewissen Zeit die Problemgröße B aus. Wir würden hier davon sprechen, dass wir von einer vorläufig bestätigten Theorie über diese Zusammenhänge ausgehen könnten. Es ist uns nämlich nicht gelungen, die Hypothese (A + C löst B aus) zu widerlegen.

 

Aber auch diese Theorie ist eben nur vorläufig. Wir müssen damit rechnen, dass in Zukunft Faktoren auftreten, aufgrund derer dieser strikte Zusammenhang nicht mehr gilt. So hatte ich unterstellt, dass in Wirklichkeit Faktor D nicht vorliegen darf, um diese Gesetzeskette auszulösen. Nun wollen wir davon ausgehen, dass Faktor D im Augenblick gar nicht vorhanden ist und dass deshalb auch der negative Zusammenhang zwischen beiden Größen (D und B) gar nicht gekannt werden konnte. Wenn nun aufgrund einer neuen Gegebenheit, welche vielleicht in einer neu auftretenden kosmologischen Veränderung liegt oder ausgelöst wird von einer Erfindung, welche wir erst nach vielen Jahren machen werden, das Ereignis D auftritt, würde nun trotz wiederholter bisher erfolgreicher Tests trotzdem die Theorie eindeutig widerlegt sein. Dieses Beispiel soll deutlich machen, dass wir niemals über ein 100%ig sicheres Wissen verfügen können, sodass es vollkommen unmöglich ist, alle durch die Technik ausgelösten Ereignisse vorherzusagen. Man hat auch davon gesprochen, dass es in der Technik nur ein einziges  ‚niemals‘ geben darf, nämlich dass ein ‚nie‘ niemals gegeben sein wird.

 

 

3. Strategien zur Bewältigung der Unsicherheit

 

Unsicherheiten entstehen somit durch das nicht vollkommene Wissen über die technischen Abläufe sowie über die Freiheiten menschlichen Handelns. Trotzdem können wir davon ausgehen, dass der Mensch durchaus zahlreiche Strategien entwickeln kann, um diesen Unsicherheiten zu begegnen.

 

Eine erste Strategie liegt bereits darin, dass man versuchen kann, den Risiken auszuweichen. Es gibt risikofreudige, aber auch risikoscheue Menschen. Der risikofreudige Mensch ist bereit, Risiken einzugehen, ja das Eingehen solcher Unsicherheiten, das prickelnde Erlebnis wird als etwas Positives angesehen. Der risikoscheue Mensch wird riskanten Problemfeldern aus dem Wege gehen, wenn immer möglich ausweichen und ist sogar bereit, um dieses Zieles willen Wohlfahrtsminderungen in Kauf zu nehmen.

 

Aber vollständig wird das niemand gelingen. Man kann nicht allen Risiken ausweichen. Ob ein Risiko eintritt, hängt eben nicht nur vom eigenen Verhalten ab, sondern auch vom Verhalten der Mitmenschen, denen wir begegnen. Man mag sich z. B. noch so vorsichtig im Straßenverkehr bewegen, ob sich ein Unfall ereignet, kann eben auch durch das fehlerhafte Fahren eines anderen Verkehrsteilnehmers liegen. Man kann auch nicht allen Risiken ausweichen. Mein Beruf mag es mitbringen, dass ich wiederholt unsicheren Situationen im Straßenverkehr oder bei der beruflichen Arbeit im Betrieb ausgesetzt bin.

 

Eine zweite Strategie der Risikobeherrschung kann darin liegen, nicht dem Risiko als solchem auszuweichen, sondern dafür zu sorgen, dass die negativen Folgen dieser Risikotatbestände reduziert werden. Nehmen wir das Beispiel einer Infektionskrankheit, welche mitunter zu schwerwiegenden gesundheitlichen Beein­trächtigungen führen kann. So kann man an sich arbeiten, dass man auf Infektionen weniger anfällig wird. Es ist z. B. bekannt, dass Kinder, welche auf dem Land aufgewachsen sind und in Scheunen herumgetobt haben, welche voll Bakterien und Viren sind, sehr viel weniger an Krankheiten – von Bakterien und Viren ausgelöst – befallen werden, als Stadtkinder, welche sich auf weitgehend keimfreien Spielplätzen aufhielten.

 

Der Grund für diese unterschiedliche Anfälligkeit liegt nun darin, dass der menschliche Körper Antiviren und Antibakterien-Körper entwickelt, wenn dieser von Bakterien oder Viren befallen wird. Je mehr also ein Mensch in seiner Kindheit von solchen Zellen befallen wurde, umso mehr verfügt sein Körper über Mechanismen, welche diese feindlichen Zellen so erfolgreich überwinden, dass die Infektionskrankheit entweder gar nicht ausbricht oder einen nicht ganz so bedrohenden Verlauf nimmt. Ganz allgemein formuliert: Es wäre also falsch, wenn wir in der Erziehung unserer Kinder bemüht wären, diese vor allen Gefahren zu schützen. Diese Kinder hätten dann später als Erwachsene sehr viel größere Schwierigkeiten der Lebensbewältigung, da sie es nicht gelernt haben, wie sie auf diese Herausforderungen reagieren müssen.

 

In aller Regel handelt es sich hierbei aber um Strategien, welche dem einzelnen Menschen verwehrt sind, welche nur von der Gemeinschaft entwickelt werden können. So hat die Entwicklung in der Autobranche sicherlich dazu beigetragen, dass die Fahrzeuge sehr viel sicherer wurden und auch kleinere Unfälle überstehen können, wobei vor allem die Sicherheit der sich im Fahrzeug aufhaltenden Personen wesentlich gesteigert werden konnte. Auch im Hinblick auf die vielfältigen Maschinen in den Fabriken konnte aufgrund vielfältiger Sicherheitsvorkehrungen auf der einen Seite die Anzahl der Unfälle drastisch verringert und auf der anderen Seite auch die Schwere der dadurch hervorgerufenen Schäden reduziert werden. Aber selbstverständlich gilt auch hier wiederum, dass es auch bei noch so starken Anstrengungen aus den oben aufgezeigten Gründen nicht ausgeschlossen werden kann, dass Unfälle in Zukunft passieren und dass diese auch zu schweren Schäden führen können.

 

Eine dritte Strategie der Risikobewältigung bezieht sich auf den Umstand, dass Unsicherheiten sehr häufig zu materiellen Belastungen führen. Wer erkrankt, hat zumeist materielle Mittel aufzubringen, um die Krankheit zu bekämpfen oder auch um die mit dem Auftreten dieses Risikos verbundenen Einkommensausfälle zu kompensieren. Man kann nun Rücklagen bilden, um beim Auftreten eines Unfalls über die Geldmittel zu verfügen, welche zur Überwindung der eingetretenen Schäden notwendig sind. Man kann auf diese Weise zwar nicht den Eintritt der Risikotatbestände verringern, hat jedoch die Voraussetzung dafür geschaffen, dass man die Unfälle einigermaßen ohne größere Blessuren überwinden kann.

 

Nun leuchtet ohne weiteres ein, dass man mit dieser dritten Strategie in nur sehr begrenztem Umfang überhaupt den materiellen Risikofolgen begegnen kann. Die Zahl der möglichen Risiken, gegenüber denen man sich materiell absichern will, ist unendlich groß, zumeist ist man sich gar nicht aller möglichen Risiken bewusst und der Umfang der notwendigen Rücklagen ist auf der einen Seite gar nicht bekannt und steigt selbst bei den bekannten Risiken sehr schnell ins Unermessliche. So sind heute eine große Zahl möglicher Operationen bekannt, die Kosten verursachen, die ein Vielfaches eines durchschnittlichen Jahreseinkommens eines Arbeitnehmers ausmachen. Hier versagt der Versuch, durch Bildung von Rücklagen aus dem laufenden Einkommen eine voll ausreichende Absicherung gegenüber allen denkbaren Risiken zu erreichen. Aber selbst dann, wenn wir in der Lage wären, auf diese Weise allein eine ausreichende Absicherung zu erreichen, diese Methode wäre – wie wir gleich noch sehen werden – anderen möglichen Strategien auch ganz eindeutig unterlegen und deshalb ineffizient.

 

 

4. Das Versicherungsprinzip

 

Betrachten wir deshalb eine vierte Strategie zur Risikobewältigung: das Versicherungsprinzip. Im Rahmen einer Versicherung schließen sich mehrere Personen zusammen und versuchen auf diese Weise die anstehenden Risiken zu bewältigen. Dass auf diesem Wege eine effizientere Strategie als bei persönlichen Rücklagen erreicht werden kann, hängt nun damit zusammen, dass normalerweise bekannt ist, in wie viel Fällen ein bestimmtes Risiko auftritt. So weiß man aus Erfahrung, dass ganz bestimmte Krankheiten sagen wir nur etwa 2% der Versicherten befällt und man weiß auch aus vergangenen Statistiken, wie viel Ausgaben im Zusammenhang mit dem Auftreten dieser Krankheiten innerhalb einer Versicherungsgemeinschaft für die vergangenen Jahre aufgebracht werden mussten.

 

So weiß die Versicherungsgesellschaft, mit welchen Ausgaben sie für das laufende Jahr in etwa rechnen muss und kann festlegen, welcher Beitrag auf den einzelnen Versicherungsnehmer entfällt. Sie kann also z. B. davon ausgehen, dass von einer bestimmten Krankheit sagen wir der Grippe vermutlich ..zig Tausend Personen betroffen werden und dass deshalb Kosten in Höhe von circa  x Millionen € entstehen werden. Sie kann allerdings nicht voraussehen, welches Mitglied der Versicherung von dieser Krankheit betroffen wird, dies ist aber auch nicht notwendig. Da – so wollen wir einmal unterstellen  – jedes Mitglied das Risiko hat, von dieser Krankheit befallen zu werden, kann die Versicherung  von jedem Mitglied einen Beitrag verlangen.

 

Dies bedeutet aber, dass der auf eine einzelne Person entfallende Beitrag wesentlich niedriger angesetzt werden kann, als dann, wenn jede Person für sich selbst eine Rücklage bildet. Bei der Bildung einer eigenen Rücklage wird nur ein sicherer Schutz erreicht, wenn die betreffende Person eine Rücklage in voller Höhe der erwarteten Kosten bildet, während im Rahmen der Versicherungsgemeinschaft jedes Mitglied einen Bruchteil der Gesamtkosten aufbringen muss, der umso geringer ist, je mehr Mitglieder diese Versicherung umfasst. Allerdings hat die betreffende Person bei der Rücklagenbildung nur einen bestimmten Betrag zurückzulegen, der nur dann bezahlt werden muss, wenn diese Person tatsächlich von diesem Risiko befallen wurde. Dies ist aber annahmegemäß nur bei einigen wenigen Prozentpunkten der Fall. Bei der Versicherungslösung muss der Beitrag unabhängig davon gezahlt werden, ob der Versicherungsfall bei einem bestimmten Mitglied tatsächlich eintritt oder nicht.

 

 

5. Voraussetzungen des Versicherungsprinzips

 

Damit dieses Versicherungsmodell aber auch funktioniert, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Als erstes ist es erforderlich, dass die Versicherungsgemeinschaft eine bestimmte kritische Größe übersteigt. Nur dann, wenn die Versicherung eine größere Anzahl von Versicherungsteilnehmer hat, kann damit gerechnet werden, dass sich die Risiken bei den Mitgliedern so streuen, dass die Streuung der Risiken in der Versicherungsgemeinschaft der der gesamten Volksgemeinschaft und damit den berechneten Verteilung entspricht. Nähmen wir einmal an, dass unsere Versicherungsgemeinschaft aus nur 10 Personen bestehe. In diesem Falle könnte es durchaus sein, dass gerade alle oder auch nur fast alle Mitglieder in besonderem Maße von einer bestimmten Krankheit befallen werden und der erwünschte Risikoausgleich würde in diesem Falle nicht eintreten.

 

Es bedarf also schon etwa 1000 oder auch mehr Mitglieder, damit das Gesetz der großen Zahl erfüllt ist, wonach die Risikostreuung der Versicherungs­gemeinschaft in etwa der der gesamten Bevölkerung entspricht. Erst bei einer relativ großen Zahl kann man davon ausgehen, dass auf ein Mitglied, das ein besonders hohes Krankheitsrisiko aufweist, auch ein  Mitglied kommt, das in besonderem Maße von diesem Risiko verschont wird. Wie groß diese notwendige Zahl an Mitgliedern tatsächlich sein muss, hängt selbst wiederum von der Häufigkeit des Risikobefalls ab.

 

Wenn z. B. in der gesamten Bevölkerung etwa 80% der Personen einmal im Jahr von Grippe befallen wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch in der Gruppe der Versicherungsmitglieder ein sehr großer Anteil von Mitgliedern von dieser Krankheit befallen wird. Hier dürften einige wenige 100 Mitglieder als Mindestgröße ausreichen. Wenn wir jedoch eine Krankheit erfolgreich versichern lassen wollen, die sagen wir in einer Population einer Million von Menschen nur einmal auftritt, dann bedarf es aus verständlichen Gründen einer sehr viel größeren Anzahl von Versicherten.

 

Allerdings reicht es für einen vollständigen Risikoausgleich nicht aus, dass eine Mindestanzahl an Mitgliedern erreicht wird. Es dürfen zweitens auch keine Gründe vorliegen, dass die Mitglieder einer Versicherung von einer ganz bestimmten Krankheit sehr viel häufiger befallen werden als es dem Durchschnitt der gesamten Bevölkerung entspricht. Nehmen wir einmal an, dass wir eine Krankheit versichern lassen wollten, die in aller Regel erst ab einem bestimmten hohen Alter auftritt, die es also vor allem mit Verschleiß des Körpers zu tun hat, der erst im hohen Alter befürchtet werden muss. Es leuchtet wohl ein, dass eine Versicherung, welcher nur Rentnern ab einem bestimmten Alter Zugang erlaubt, natürlich nicht gerade dieses Risiko versichern kann, da hier vermutlich nahezu jeder der Versicherten von diesem Risiko befallen wird.

 

Dies bedeutet, dass die Streuung der Risiken einer Versicherungsgemeinschaft in etwa der der Volksge­meinschaft entsprechen muss und dies kann im Grunde nur auf zweierlei Weise erreicht werden. Entweder wählt man die Mitglieder so aus, dass alle wesentlichen Merkmale, die für eine Krankheit maßgeblich sind, in etwa gleichem Anteil wie in der Gesamtbevölkerung vertreten sind. Wenn also z. B. die Frage der Selbständigkeit für das Auftreten eines bestimmten Risikos verantwortlich wäre, müsste die Versicherung Sorge dafür tragen, dass der Anteil der Selbstständigen in etwa dem Anteil in der gesamten Bevölkerung entspricht. Genauso müsste mit allen für das Risiko relevanten Merkmalen verfahren werden.

 

Nun leuchtet es ohne weiteres ein, dass ein solches Auswahlverfahren in der Realität kaum verwirklicht werden kann. Eine Versicherung wird deshalb nach einem zweiten möglichen Auswahlverfahren vorgehen. Nach dem Gesetz der großen Zahl kann nämlich damit gerechnet werden, dass man die Struktur der Versicherungsgemeinschaft der der gesamten Bevölkerung annähernd auch dann erreichen kann, wenn erstens die Zahl der Mitglieder sehr hoch ist, also mehrere Tausend Mitglieder umfasst und wenn zweitens die Auswahl vollkommen willkürlich erfolgt. 

 

Diese zweite Voraussetzung wurde in der Vergangenheit sehr oft gravierend verletzt. Dies gilt einmal für die Bildung berufsbezogener Krankenkassen wie etwa die Krankenkassen für den  Bergbau. Der Grund dafür, dass trotz unbefriedigender Risikostreuung solche Krankenversicherungen gebildet wurden, lag vermutlich darin, dass eine – auf bestimmte Berufe spezialisierte – Versicherung auf der einen Seite Spezialwissen über die Entstehung dieser Krankheiten, auf der anderen Seite aber auch über mögliche Missbrauchsfälle erwerben konnte.

 

An zweiter Stelle sind hier auch Ortskrankenkassen zu nennen. Zwar ist hier das formale Gliederungsprinzip die Gemeinde und a priori könnte man erwarten, dass sich in einer größeren Gemeinde auch die verschie­denen Risiken ausgleichen. Trotzdem gibt es Gemeinden, in welchen nur einige große Unternehmungen angesiedelt sind, sodass auch die Arbeitnehmer ganz bestimmte berufsbezogene Krankheiten aufweisen, was wiederum einer Streuung der Risiken im Wege stand. Die Bildung von Ortskrankenkassen mag der Tatbestand begünstigt haben, dass wegen der Ortsnähe der Kontakt zwischen Versicherung und Mitglieder hier besonders groß ist, aber auch der bloße Umstand, dass es sich hierbei um gesetzliche, also nicht erwerbswirtschaftlich ausgerichtete Versicherungen handelt, bei denen die Vorstände nicht unter dem Druck stehen, jeweils die kostengünstigste Alternative zu wählen, dürfte für diese Wahl maßgeblich gewesen sein.

 

Drittens können in diesem Zusammenhang auch einige Betriebskrankenkassen erwähnt werden, bei denen ebenfalls die Gefahr besteht, dass sich berufsbezogene Risiken häufen. Der Grund dafür, dass sich trotzdem lange Zeit die Betriebskrankenkassen recht gut halten konnten, mag daran liegen, dass der informelle Kontakt zwischen den Mitgliedern dieser Krankenkassen zu einer informellen Kontrolle geführt hat, sodass die Anreize zum Missbrauch der Krankenkassen hier gering war.

 

In der Tat konnten eine Reihe von Betriebskrankenkassen lange Zeit überdurchschnittliche Erfolge aufwei­sen. Dies war offensichtlich vor allem zu den Zeiten von Bedeutung, in denen die Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle noch nicht von den Arbeitgebern übernommen wurde und infolgedessen das Krankengeld von den Krankenkassen übernommen werden musste. Hier wirkte sich die informelle Kontrolle der Mitglieder untereinander besonders günstig aus, um ein nicht berechtigtes Fernbleiben der betrieblichen Arbeit zu verhindern. In diese Überlegungen passt, dass die Betriebskrankenkassen seit einiger Zeit nicht mehr überdurchschnittlich gute Ergebnisse aufweisen konnten.

 

Die Folge davon, dass hier wegen berufsbedingter Krankheiten keine normale Streuung der Risiken innerhalb der Versicherungsgemeinschaft erreicht werden konnte, bestand darin, dass die Ausgaben dieser Versicherung und damit auch die Beiträge überdurchschnittlich hoch waren. Man sprach in diesem Zusammenhang davon, dass diese Krankenkassen ein ‚schlechtes Risiko‘ versichern müssten und es wurde die Forderung erhoben, dass die Allgemeinheit für diese überdurchschnittlich hohen Risiken durch eine Solidargemeinschaft in Form einer Ausgleichszahlung an diese Kassen aufkommen müsse. In der Tat wurde ein solcher Risikoausgleich zwischen den einzelnen Krankenkassen per Gesetz eingeführt.

 

In Wirklichkeit liegt das schlechtere Risiko jedoch vorwiegend darin begründet, dass unsere zweite Voraussetzung für eine erfolgreiche Absicherung gegenüber Risikotatbeständen nicht erfüllt wurde. Hier einen Ausgleich durch die Allgemeinheit zu fordern ist genauso, wie wenn ein Metzgermeister sein Geschäft inmitten einer Vegetariersiedlung eröffnen würde und sich über den schlechten Absatz beklagen würde und deshalb staatliche Zuschüsse dafür verlangen würde, dass sein Absatz geringer ausfällt als der seiner Kollegen in anderen Gegenden der Gemeinde. Auch hier wird man mit Recht diesen Metzger darauf hinweisen, dass sein unterdurchschnittlicher Absatz dadurch ausgelöst wurde, dass er sein Geschäft in einer Gegend eröffnet hat, in der eben die Nachfrage nach seinen Produkten extrem gering ist.

 

Es gibt noch eine dritte Voraussetzung, welche vorliegen muss, damit eine effektive Absicherung gegenüber Risikotatbeständen erreicht wird. Wir hatten bisher unterstellt, dass die Versicherung über Statistiken verfügt, welche über die tatsächliche Streuung der Risikotatbestände informiert. Diese Annahme ist zwar bei sehr vielen Risikotat­beständen gegeben, aber keinesfalls selbstverständlich. Wir müssen mit der Möglichkeit rechnen, dass erstens solche Gesetzmäßigkeiten überhaupt nicht existieren, dass also die tatsächliche Streuung der Risikotat­bestände auch in sehr großen Bevölkerungsgruppen willkürlich erfolgt und dass folgerichtig keinerlei Gesetzmäßigkeit in dieser Verteilung zu erkennen ist. Zweitens könnten zwar solche Gesetzmäßigkeiten vorliegen, aber eben bisher nicht erkannt worden sein, sodass auch hier die Versicherung über keine brauchbaren Daten zur Absicherung verfügt. Drittens muss mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass der Umfang des Risikoeintritts von den Versicherten oder auch von der Politik maßgeblich beeinflusst werden kann, sodass auch nicht aus dem Vorliegen der bisherigen Streuung auf die im nächsten Jahr zu erwartende Streuung mit Sicherheit geschlossen werden kann.

 

In all diesen Fällen sprechen wir davon, dass immer dann, wenn diese dritte Voraussetzung nicht erfüllt ist, das Risiko schlecht oder gar nicht versicherungsfähig sei. Ein solch schlecht versicherungsfähiges Risiko sah man lange Zeit in dem Arbeitslosenrisiko. Da es hier entscheidend davon abhängt, ob der Staat eine Politik zur Erhaltung der Vollbeschäftigung durchführt und wie erfolgreich er mit seinen Maßnahmen ist, und wie hoch deshalb die Arbeitslosigkeit ausfällt, verfügt die Versicherung – so wird unterstellt – auch über keine verlässlichen Daten über den Gesamtumfang der Arbeitslosigkeit.

 

Es sei hier primäre Aufgabe des Staates, gar keine Massenarbeits­losigkeit  aufkommen zulassen und es hänge von den politischen nicht voraussehbaren Faktoren ab, ob und in welchem Umfang die Regierung tatsächlich Beschäftigungsprogramme auflegt. Eine einzelne, nicht voraussehbare Maßnahme der Regierung könne die Berechnungen der Versicherung vollkommen über den Haufen werfen und damit eine Versicherung in den Konkurs treiben. Wenn man überhaupt das Ziel verfolge, einen Schutz gegenüber dem Arbeitslosenrisiko einzurichten, so könne dies nur auf dem Wege einer staatlichen Sicherungsform (Versorgung oder Sozialver­sicherung) gewählt werden.

 

In der Tat wurden in Deutschland nahezu keine privaten Arbeitslosenversicherungen gebildet, obwohl im Gegensatz zu den Risiken Krankheit und Alter schon sehr früh unter Bismarck eine gesetzliche Kranken- und Altersversicherung geschaffen worden war. Trotz dieser gesetzlichen Einrichtungen bildeten sich sehr früh private Kranken- und Lebensversicherungen, welche all den Personen, die entweder in der gesetzlichen Versicherung nicht versicherungsberechtigt waren oder dort einen zu geringen Schutz erfuhren, ebenfalls eine Absicherung gegenüber den Risiken der Krankheit und des Alters ermöglichten.

 

 

6. Organisationsformen

 

Das Versicherungsprinzip kann nun auf unterschiedliche Weise organisiert werden. Wir haben erstens rein erwerbswirtschaftlich ausgerichtete private Versicherungen. Wir haben zweitens die Möglichkeit, eine Absicherung gegenüber Risiken in Form von staatlichen Versorgungseinrichtungen durchzuführen. Drittens gibt es noch eine Mischform zwischen diesen beiden idealtypischen Ausgestaltungen: die sogenannten Sozialver­sicherungssysteme.

 

Eine private Versicherung wird nach den gleichen Grundsätzen betrieben wie jede andere erwerbswirt­schaftlich ausgerichtete Unternehmung. Dies gilt erstens für die Rentabilitätsorientierung der Versicherung. Die Versicherung ist wie jede andere Unternehmung darum bemüht, eine höchstmögliche Rendite zu erzielen.

Zweitens erfolgt der Anpassungsprozess des Angebotes an die Nachfrage über den Markt. Fallen Angebot und Nachfrage auseinander, so verändert sich der Beitragssatz solange, bis das Ungleichgewicht abgebaut ist. Die Höhe der Beiträge entspricht der Höhe der zu versichernden Risiken. Für den Versicherungsmarkt gilt viertens, dass der Markt nur dann seine Aufgaben voll erfüllt, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Hierzu zählen vor allem der Wettbewerb unter den Anbietern, sowie normale Reaktionen in Preisflexibilität als auch in der Angebots- und Nachfrageelastizität.

 

Im Rahmen einer staatlichen Versorgung werden die Leistungen aus dem Steueraufkommen bezahlt. Dies bedeutet, dass die Belastung der einzelnen versorgten Bürger nach sozialen Kriterien wie Einkommenshöhe und Familienstand erfolgt, aber nicht von der Höhe der zu versorgenden Risiken abhängt. Begründet wird diese fehlende Berücksichtigung des Risikoumfangs damit, dass das einzelne Mitglied dieser Versorgungs­gemeinschaft mit gewissen Ausnahmen die Höhe des Risikos nicht beeinflusst. Wenn also z. B. eine einzelne Person in überdurchschnittlichem Maße von dem Krankheitsrisiko betroffen wird, dann sollen diese Mehr­aufwen­dungen auch von der gesamten Versorgungsgemeinschaft getragen werden.

 

In der reinen Form der staatlichen Versorgung entscheidet das Versorgungswerk darüber, welche Leistungen gewährt werden, das einzelne Mitglied hat im Normalfall nicht die Möglichkeit – unter Umständen durch Bezahlung  eines Zusatzbeitrages – selbst zu bestimmen, welche Leistungen es beziehen möchte. Folge dieser Organisation ist dann auch, das alle positiven Anreize für eine effiziente Zurverfügungstellung der Leistungen, die im Allgemeinen von der Konkurrenz der Versicherungsgeber ausgeht, hier entfallen.

 

Wie bereits erwähnt, stellt die Sozialversicherungsform eine Mischform dieser beiden Idealtypen dar. Es sind nicht alle Bürger automatisch versichert, nur ein Teil der Bevölkerung – die einen besonderen  Schutz benötigen wie etwa die Arbeitnehmer bis zu einer bestimmten Einkommenshöhe – sind versicherungspflichtig. Es werden wie in der Privatversicherung Beiträge zur Versicherung erhoben, welche Zweckabgaben darstellen und nur für ganz bestimmte Aufgaben reserviert sind, im Gegensatz zu den allgemeinen Steuern, für die das Nonaffektationsprinzip gilt, wonach für die einzelnen Steuern keine Zweckbindung vorgesehen ist.

 

Die Höhe der Beitragssätze richtet sich wiederum wie bei der staatlichen Versorgung an sozialen Kriterien aus, so entspricht der Beitragssatz zumeist einem bestimmten Prozentsatz des Einkommens, oft wird auch der Familienstand bei der Festsetzung der Beitragshöhe berücksichtigt. Ein progressiver Beitragssatz entspre­chend der progressiven Einkommensbesteuerung ist jedoch nicht vorgesehen. Im Prinzip entscheidet auch die Sozialversicherung darüber, welche Leistungen gewährt werden. Oftmals werden jedoch Wahlleistungen angeboten, für die dann bei Inanspruchnahme ein Zuschlag zum generellen Pflichtbeitrag erhoben wird.

 

 

7. Einflussnahme auf das Risiko

 

In der Vergangenheit beschränkten sich die Sicherungseinrichtungen im Wesentlichen auf eine Absicherung im Hinblick auf die materiellen Risikofolgen. Eine Bekämpfung der Risiken und damit eine Reduzierung der Risikofälle waren im Allgemeinen nicht beabsichtigt.

 

In der Zwischenzeit hatte man jedoch erkannt, dass der Umfang der nachgefragten Sicherungsleistungen ganz entscheidend vom Verhalten der Versicherten abhängt. Um das Beispiel der Krankenversicherung zu wählen: Die Höhe der Ausgaben, welche im Zusammenhang mit dem Ausbruch von Krankheiten entstehen, hängt unter anderem auch vom Verhalten der einzelnen Versicherten ab.

 

Wenn der einzelne Patient rechtzeitig den Arzt aufsucht, so kann bisweilen der Ausbruch dieser Krankheit vermieden werden oder der Verlauf und die Schwere der Krankheit kann wesentlich abgekürzt bzw. vermindert werden. Weiterhin beeinflusst der Patient den Krankheitsverlauf auch dadurch, in welchem Maße er den Anweisungen der Ärzte folgt, also z. B. gewissenhaft die verordneten Medikamente einnimmt.

 

Schließlich trägt im Allgemeinen das Verhalten der Versicherten wesentlich dazu bei, dass bestimmte Krankheitsbilder entweder begünstigt oder seltener werden. Man kann z. B. durch regelmäßigen Sport (allerdings nicht unbedingt durch Leistungssport) die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten reduzieren. Viele Zusammenhänge bestehen auch zwischen der Ernährungsweise und bestimmten Krankheitsbildern. Vor allem das Rauchen trägt nachweislich dazu bei, das Risiko eines Lungenkrebses zu erhöhen. Auch durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen kann ein potentieller  Krankheitsverlauf maßgebend reduziert werden.

 

Wenn aber das Verhalten der Versicherten maßgeblich den Umfang der Risikotatbestände beeinflusst, ist es notwendig, die Spielregeln einer Versicherung eigens daraufhin zu überprüfen, inwieweit sie entweder das Entstehen von Krankheiten begünstigen oder aber reduzieren helfen. Vor allem die Krankenversicherer sind seit längerer Zeit dazu übergegangen, die Beitragssätze unter anderem auch danach zu staffeln, inwieweit ein Versicherter sich so verhalten hat, dass der Ausbruch bestimmter Krankheiten unwahrscheinlicher geworden ist.

 

Bei der Arbeitslosenversicherung besteht ein etwas anders begründeter Zusammenhang zwischen dem Wirken der Arbeitslosenversicherung und der Arbeitslosigkeit. Zumindest dann, wenn wir mit Keynes davon ausgehen, dass gesamtwirtschaftliche Arbeitslosigkeit vorwiegend aufgrund einer zu geringen privaten Nachfrage nach Gütern hervorgerufen wird, kann das Wirken der Arbeitslosenversicherung unter gewissen Bedingungen die Ursache der Arbeitslosigkeit verringern helfen und damit dazu beitragen, dass die Arbeits­­losigkeit zurückgeht.

 

Werden im Zuge eines Konjunkturrückganges Arbeitnehmer entlassen, verringern sich automatisch die Beitragseinnahmen der Arbeitslosenversicherung, da ja die Beiträge vom Einkommen der Arbeitnehmer abhängen. Gleichzeitig vergrößern sich auch die Ausgaben der Arbeitslosenversicherung, da ja an die arbeitslos gewordenen Arbeitnehmer ein Arbeitslosengeld gezahlt wird. Dies bedeutet, dass die private Nachfrage aus zweierlei Gründen größer wird: Auf der einen Seite wird über das Auszahlen des Arbeitslosengeldes Geld und damit Nachfrage in die Wirtschaft gepumpt, auf der anderen Seite werden von den Einkommen weniger Beiträge gezahlt. Sofern eine zu geringe private Nachfrage nach Gütern die Arbeitslosigkeit verursacht, wird die Zahl der Arbeitslosen zurückgehen.

 

Allerdings müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, damit diese erwünschten Wirkungen auf das Ausmaß der Arbeitslosigkeit auch tatsächlich eintreten. Erstens tritt diese Wirkung natürlich nur dann ein, wenn der Staat die verringerten Beitragseinnahmen und die konjunkturbedingten Zuwächse in den Staatsausgaben nicht zum Anlass nimmt, die Beitragssätze zu erhöhen und/oder das Arbeitslosengeld zu kürzen. Der Staat muss also bereit sein, das Anwachsen des Defizites der Arbeitslosenversicherung hinzunehmen. Es wäre auch nichts gewonnen, wenn der Staat die durch dieses Defizit entstehenden zusätzlichen Ausgaben dadurch finanzieren wollte, dass er die Steuersätze erhöhen oder sonstige Staatsausgaben kürzen würde. Diese positive, Arbeitslosigkeit verringernde Wirkung setzt voraus, dass das Budget aller öffentlichen Einrich­tungen einschließlich der Arbeitslosenversicherung einen Zuwachs des Defizites erfährt.

 

Zweitens können wir nicht davon ausgehen, dass gesamtwirtschaftliche Arbeitslosigkeit immer nur aufgrund von Nachfrageausfällen entsteht. Auch Angebotsfaktoren können Arbeitslosigkeit auslösen. So können die Stückkosten z. B. aufgrund erhöhter Rohstoffkosten ansteigen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit verringern und auf diese Weise Arbeitslosigkeit auslösen. Auch mangelnde Ausbildung kann dazu führen, dass Arbeitskräfte arbeitslos bleiben. Selbst dann, wenn man davon ausgeht, dass die vorherrschende Arbeitslosigkeit durch Nachfrageausfälle verursacht ist, nützt es wenig, wenn die Nachfrage von Seiten des Staates ansteigt, sofern die Unternehmungen die für die Mehrproduktion notwendigen Arbeiten von Arbeits­kräften aus dem Ausland verrichten lassen.

 

 

 8. Moral Hazard im  weiteren Sinne

 

Unsere bisherigen Überlegungen haben gezeigt, dass das Verhalten der Versicherten maßgeblichen Einfluss auf das Entstehen der Risikotatbestände (z. B. Krankheiten) nimmt. Das Verhalten der Versicherten beeinflusst jedoch noch aus einem ganz anderen Grunde die Ergebnisse der Versicherung. Es ist nämlich damit zu rechnen, dass Fehlverhalten der Versicherten die Inanspruchnahme der Versicherungen und damit die Kosten der Versicherungsfälle enorm ansteigen lässt. Diese Gefahr wird in der Literatur unter dem Stichwort des ‚Moral Hazard‘ diskutiert. Mit diesen Problemen wollen wir uns in diesem Abschnitt etwas ausführlicher befassen. 

 

Unter dem Begriff des ‚Moral Hazard’ werden in der Literatur zwei grundverschiedene Sachverhalte diskutiert. Von ‚Moral Hazard‘ wird einmal gesprochen, wenn man zum Ausdruck bringen will, dass die Inanspruchnahme der Leistungen der sozialen Sicherheit in viel stärkerem Maße erfolgt, als dies eigentlich sowohl im Interesse der Volksgemeinschaft, aber auch jedes einzelnen liegt. Amoralisch ist in diesem Falle nicht der einzelne Versicherungsnehmer, er verhält sich nur ja so, dass sein Eigeninteresse optimal gewahrt wird, er unternimmt keine illegalen Handlungen. Wenn trotzdem mehr ausgegeben wird als einem gesell­schaftlichen Optimum entspricht, liegt allenfalls ein ‚amoralisches System‘ vor, das als solches Anreize zu moralisch unerwünschtem Verhalten aussendet.

 

Der Begriff ‚Moral Hazard’ wird darüber hinaus für ein missbräuchliches Verhalten im Bereich der sozialen Sicherheit verwendet. Der Name ‚Moral Hazard’ ist eigentlich nur für diese zweite Variante berechtigt, denn das in der erstgenannten Variante erwähnte Verhalten hat mit Missbrauch oder amoralischem Verhalten nichts zu tun, wir werden sehen, dass sich dieses Verhalten aus einem ganz normalen zweckgerichteten Verhalten ergibt.

 

Moral Hazard wird in der Literatur vor allem im Rahmen der Krankensicherungseinrichtungen diskutiert. Es stellt jedoch ein ganz allgemeines Problem dar, das damit zusammenhängt, dass sich die einzelnen Individuen im Rahmen kollektiver Sicherungsgemeinschaften versichern und dass in diesen Einrichtungen die in einer Marktwirtschaft normalerweise wirkenden Anreize zu einem effizienten und fairen Verhalten nicht oder nur zum Teil wirksam sind.

 

Wenden wir uns zunächst der erstgenannten Variante eines ‚Moral Hazard’ zu. Es ist zweckmäßig, wenn wir diese Diskussion damit beginnen, dass wir uns fragen, wie denn auf einem allgemeinen Gütermarkt unter Konkurrenzbedingungen der Umfang der zu erstellenden Leistung bestimmt wird.

 

Betrachten wir hierzu zunächst ein einfaches Diagramm, auf dessen Abszisse die Menge an angebotenen Gütern einschließlich Dienstleistungen, auf dessen Ordinate hingegen die Preishöhe, bzw. der Grenznutzen und die Grenzkosten der entsprechenden Mengen abgetragen werden.

 

 

 

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Bekanntlich führt ein freier Konkurrenzmarkt dazu, dass Preise und Mengen auf den Schnittpunkt der Angebots- mit der Nachfragekurve hintendieren; der Schnittpunkt dieser beiden Kurven markiert den Gleichgewichtspreis, bei dem Angebot und Nachfrage sich entsprechen. Unter normalen Voraussetzungen kann auch davon ausgegangen werden, dass der Markt von sich aus eine Tendenz aufweist, diesen Gleichgewichtspreis von selbst – das heißt ohne staatlichen Eingriff – zu erreichen.        

 

Die Angebotskurve, welche angibt, mit welchem Güterangebot bei alternativen Preisen gerechnet werden kann, lässt sich unter Konkurrenzbedingungen aus dem Verlauf der Grenzkostenkurve ableiten, wobei die Grenzkostenkurve jeder möglichen angebotenen Gütermenge die entsprechende Höhe der Grenzkosten (Kostenzuwächse bei einer Ausweitung der Produktion) zuordnet. Wir unterstellen im Allgemeinen, dass die Grenzkosten – zumindest ab einer bestimmten Angebotsmenge an – mit wachsender Menge ansteigen. Wenn sich nun die Anbieter wie Mengenanpasser verhalten, also keinen monopolistischen Einfluss auf den Güterpreis nehmen, so wird ein Anbieter bei jedem alternativen Preis genau die Gütermenge nachfragen, bei der er ein Gewinnmaximum erzielt.

 

Gehen wir von einer bestimmten angebotenen Gütermenge aus und fragen wir uns, ob der Betreffende Anbieter seinen Gewinn dadurch vergrößern könnte, dass er eine Einheit mehr (oder weniger) anbieten würde. Bei Mehrangebot (Minderangebot) einer zusätzlichen Gütereinheit entstehen ihm ex definitione Kostenzuwächse (Kostenminderungen) in Höhe der Grenzkosten, einen zusätzlichen (verminderten) Erlös erzielt er in Höhe des geltenden Marktpreises.

 

Solange nun die Grenzkosten niedriger sind als der Güterpreis, erzielt der Unternehmer bei Ausweitung des Angebotes einen Gewinnzuwachs, es lohnt sich also das Angebot auszuweiten. Umgekehrt gilt, wenn die Grenzkosten den Güterpreis übersteigen, erzielt der Anbieter eine Verringerung seines Gewinnes, es lohnt sich also, das Angebot zu reduzieren. Offensichtlich erreicht der Anbieter genau dort sein Gewinnmaximum, wo Grenzkosten und Preis zusammenfallen. Folglich entspricht das (gewinnmaximale) Angebot jeweils der Gütermenge, bei der Grenzkosten und Preis zusammenfallen, also fällt auch die Angebotskurve mit der Grenzkostenkurve zusammen.

 

In analoger Weise können wir die Nachfragekurve ableiten. Die Nachfragekurve gibt an, welche Gütermengen von den Nachfragern bei alternativen Güterpreisen nachgefragt werden. Diese Nachfragekurve lässt sich aus dem Verlauf der Grenznutzenkurve ableiten, wobei die Grenznutzenkurve angibt, welche Nutzenzuwächse bei alternativen Gütermengen zu erwarten sind. Traditionell gehen wir vom Gesetz des abnehmenden Grenznutzens aus, jede zusätzlich nachgefragte Gütermenge wird zwar in der Regel einen Nutzenzuwachs (Grenznutzen) bringen, dieser Zuwachs wird jedoch bei jeder zusätzlichen Gütermenge geringer, bis schließlich der Grenznutzen auf null sinkt, also eine Sättigung eintritt.

 

Wir unterstellen nun, dass jeder Haushalt, der bestimmte Güter nachfragt, bemüht ist, diejenige Gütermenge nachzufragen, welche ihm ein Maximum an Nutzen bringt. Auch für die Haushalte unterstellen wir, dass sie keinen Einfluss auf den Güterpreis nehmen können, den Preis also als Datum nehmen. Um die für den einzelnen Nachfrager optimale Nachfragemenge zu bestimmen, gehen wir wiederum von einer gegebenen Menge aus und fragen uns, ob durch Veränderung dieser Menge ein Nutzenzuwachs erzielt werden kann. Eine Mehrnachfrage von einer Gütereinheit verursacht dem Haushalt auf der einen Seite einen Nutzenzuwachs entsprechend dem Verlauf der Grenznutzenkurve.

 

Auf der anderen Seite hat der Nachfrager den Preis zu entrichten, was ihm einen Nutzenverlust bringt, da er ja diese Geldmenge nicht für andere Verwendungsarten einsetzen kann. Wiederum gilt, dass eine Ausweitung der Nachfrage solange nutzensteigernd wirkt, als der Nutzenzuwachs größer ist als der Preis; umgekehrt gilt auch, dass dann, wenn der Preis den Grenznutzen übersteigt, eine Verringerung der Nachfragemenge per Saldo nutzensteigernd wirkt. Damit ist aufgezeigt, dass die Nachfragekurve aus der Grenznutzenkurve abgeleitet werden kann.

 

Unsere Ausführungen haben gezeigt, dass es unter normalen Bedingungen sowohl aus der Sicht der Anbieter als auch der Nachfrager eine optimale Gütermenge gibt, bei der Nutzen und Gewinn maximiert werden. Es ist also keinesfalls so, dass jede Ausweitung des Güterangebotes Wohlfahrtszuwächse bringt; zwar steigt – zumindest bis zur Sättigungsmenge – der partielle Nutzen an; da aber mit der Ausweitung der Güterproduktion gleichzeitig immer auch Nutzenverluste insofern entstehen, als knappe Ressourcen von anderen Verwendungen abgezogen werden, gibt es stets eine kritische Gütermenge, von der ab eine weitere Ausweitung des Angebotes per Saldo zu einer Minderung der Wohlfahrt führen müsste. Ein normaler Markt sorgt über Preisvariationen dafür, dass dieser optimale Preis – der Gleichgewichtspreis – von selbst angesteuert wird.

 

Wir sind nun in der Lage, uns mit dem erstgenannten Vorwurf eines ‚Moral Hazard’ im Bereich der sozialen Sicherheit zu befassen. Überall dort, wo die Vorsorge gegenüber den sozialen Risiken im Rahmen kollektiver Sicherungseinrichtungen erfolgt, haben wir von einem etwas anderen Marktmodell auszugehen. Der wichtigste Unterschied zu normalen Gütermärkten besteht darin, dass der Preis für die Leistung (der Beitragssatz) bei kollektiven Sicherungseinrichtungen nicht bei der Inanspruchnahme dieser Einrichtung, sondern unabhängig davon periodisch zu entrichten ist und dass auch die Höhe des Beitrages nicht vom Ausmaß der Inanspruchnahme abhängt.

 

Diese Abweichung vom normalen Gütermarkt gilt gleichermaßen für eine Privatversicherung, für Sozialversicherungen wie auch für Versorgungseinrichtungen. Zwar unterscheiden sich diese drei Formen der sozialen Sicherung in der Frage, von welchen Faktoren die Höhe des Preises abhängig gemacht wird; die Privatversicherung bemisst den Beitragssatz nach der Höhe des Risikoumfanges bei Abschluss des Versicherungsvertrages, während Sozialversicherungen und Versorgungen die Beitrags- oder Steuerhöhe allein an sozialen Risiken ausrichten. Aber auch in der Privatversicherung steht die Summe der ex post gewährten Leistungen in keinem Verhältnis zu der Beitragshöhe. Der Beitragssatz errechnet sich nur ex ante aus dem Risikoumfang. Die im Nachhinein (also ex post) tatsächlich eingetretenen Risikotatbestände weichen entscheidend vom Umfang des Risikos ex ante ab.

 

Dieser Tatbestand (das zeitliche wie quantitative Auseinanderfallen von Inanspruchnahme und Zahlung des Preises) hat nun maßgeblichen Einfluss auf das Verhalten der Nachfrager. Während wir gesehen haben, dass auf normalen Gütermärkten der einzelne Nachfragende im eigenen Interesse seine Nachfrage begrenzt und die Ausweitung der Nachfrage weit vor Erreichen der Sättigungsmenge (dem Schnittpunkt der Nachfragekurve mit der Abszissenachse) beendet, hat ein Nachfragender auf einem Sicherungsmarkt ein Interesse daran, die Nachfrage bis hin zur Sättigungsmenge auszuweiten.

 

 

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Der Grund für dieses andere Verhalten liegt darin, dass bei der Inanspruchnahme der Sicherungsleistung kein Beitrag geleistet werden muss, dass auch die Höhe des Beitragssatzes vom Umfang der individuellen Inanspruchnahme unabhängig ist. Die Inanspruchnahme erfolgt also hier quasi zum Nulltarif; natürlich haben die Sicherungsnehmer in ihrer Gesamtheit letztendlich für die Inanspruchnahme aufzukommen. Trotzdem stellt sich der einzelne Sicherungsnehmer keinesfalls finanziell besser, wenn er nur eine – im Sinne der Gemeinschaft – optimale Nachfrage ausüben würde. Da bei der Inanspruchnahme kein Preis zu entrichten ist, lohnt sich auch eine Ausweitung der Nachfrage bis hin zur Sättigung; denn bis zu dieser Nachfragemenge steigt der Grenznutzen, ohne dass jedoch diese Inanspruchnahme unmittelbar zu einem Nutzenverlust führt, in dem durch Entrichtung eines Preises bei anderen Verwendungsarten Nutzeneinbußen eintreten.

 

Natürlich ist es richtig, dass sich alle Sicherungsnehmer besser stellen würden, wenn jeder wie auf normalen Gütermärkten seine Nachfrage auf die Menge beschränken würde, bei der seine Grenznutzenkurve die Grenzkostenkurve schneiden würde. Da aber der einzelne nur dann damit rechnen könnte, dass ein solches Verhalten ihm Nutzenzuwächse bringen würde, wenn sich alle oder fast alle Sicherungsnehmer in diesem Sinne verhalten würden und da aber wegen fehlender Anreize nicht damit gerechnet werden kann, dass sich die jeweils anderen Versicherten tatsächlich wohlfahrtskonform verhalten, kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich die Masse der Sicherungsnehmer in diesem Sinne zurückhält.

 

Im Verhältnis der Sozialversicherungen zu den Versorgungseinrichtungen gilt in dieser Frage insoweit eine etwas unterschiedliche Feststellung, als bei Sozialversicherungen insoweit noch ein gewisser Zusammenhang zwischen Beitragshöhe und Inanspruchnahme gilt, als eine Beitragserhöhung infolge starker Inanspruch­nahme sowohl in zeitlicher Hinsicht als auch im Zusammenhang mit der offiziellen Rechtfertigung evident wird und doch den einen oder anderen veranlassen wird, aufgrund eines schlechten Gewissens die Kassen nicht zu stark in Anspruch zu nehmen. Bei Versorgungseinrichtungen erfolgt die Finanzierung aus allgemeinen Steuermitteln, hier ist der Zusammenhang zwischen Steuererhöhung und Inanspruchnahme der Einrichtungen der sozialen Sicherheit sehr viel loser und nicht unmittelbar einzusehen. Hier bestehen also sicherlich weniger Anlässe zu einer freiwilligen Reduzierung der Inanspruchnahme der Kassen, wenn die Steuern allgemein angehoben werden.

 

 

9. Moral Hazard im  engeren Sinne

 

Wenden wir uns nun dem zweiten Bereich des ‚Moral Hazard’, dem eigentlichen missbräuchlichen Verhalten zu. Als erstes gilt es natürlich darauf hinzuweisen, dass missbräuchliches Verhalten in allen öffentlichen Einrichtungen, sowohl bei erwerbswirtschaftlichen wie bürokratischen Einrichtungen, bei wirtschaftlichen wie politischen und kulturellen Veranstaltungen auftreten kann. Ein Gesellschaftssystem ohne Missbrauch ist gar nicht denkbar. Es kommt nur darauf an, den Umfang des Missbrauches auf ein erträgliches Maß zu begrenzen. Offensichtlich ist gesellschaftliches Leben durchaus auch bei geringfügigem Missbrauch durchaus möglich und nutzenbringend, erst wenn eine kritische Grenze eines missbräuchlichen Verhaltens über­schritten wird, sind die gesellschaftlichen Organisationen in ihrer Existenz ernsthaft bedroht. 

 

Wenn also auch bei allen gesellschaftlichen Erscheinungen mit einem gewissen Umfang an Missbrauch gerechnet werden muss, ist die Gefahr eines Moral Hazard–Verhaltens im Bereich der sozialen Sicherheit insgesamt größer. Der Grund hierfür liegt darin, dass die in Verträgen oder Gesetzen festgelegten Leistungen nicht so exakt definiert werden können, dass bei jeder beabsichtigten Inanspruchnahme der Kassen eindeutig geklärt werden kann, ob ein Anspruch auf Leistung überhaupt besteht und in welchem Umfang Zahlungen zu erfolgen haben.

 

Nehmen wir das Beispiel einer Krankenkasse. Man kann in einem Versicherungsvertrag oder in einer Verordnung festlegen, bei welchen Krankheiten eine Leistung gewährt wird, bis zu welchem Betrag gegebenenfalls Zahlungen erfolgen, inwieweit sich der Sicherungsnehmer an den Kosten beteiligen muss und welches Verhalten vom Sicherungsnehmer als Voraussetzung dafür erwartet wird, dass ein Anspruch auf Leistung besteht. Ob aber im konkreten Einzelfall diese in einer Ordnung festgelegten Kriterien vorliegen oder nicht, lässt sich keinesfalls immer eindeutig feststellen.

 

Ob z. B. eine Grippe nach 13 oder 15 Tagen in dem Sinne zu Ende ist, dass der Betroffene wiederum arbeitsfähig ist, kann wohl kaum mit Sicherheit festgestellt werden. Auch dort, wo es objektive Verfahren zur Feststellung von Krankheiten gibt, weicht das subjektive Krankheitsbild oft vom objektiven Tatbestand ab. Es ist schon lange wissenschaftlich anerkannt, dass Krankheiten bisweilen sehr wohl auch dann gegeben sind, wenn die bekannten Messverfahren keine Indikation bringen, dass nicht jedes Fehlen objektiver Krankheits­merkmale in jedem Falle ein Simulieren und damit einen Missbrauch bedeuten.

 

Aber gerade diese Unbestimmtheit eröffnet die Möglichkeit zum Missbrauch. Der einzelne kann sehr wohl ein Vorliegen einer Krankheit vortäuschen, in dem er sich so verhält, wie eine Person sich üblicherweise bei dieser Krankheit verhält.

 

Nun kann natürlich bereits dadurch die Missbrauchsmöglichkeit reduziert werden, dass die Feststellung, ob eine Krankheit vorliegt, nicht vom Patienten selbst, sondern von einem Arzt zu erfolgen hat. Der Arzt besitzt einerseits das Fachwissen, um diese Frage sachgerecht zu entscheiden und ist andererseits auch nicht persönlich involviert. Trotzdem treten hierbei durchaus Interessenkonflikte auf, die dazu führen können, dass im Einzelfall Missbrauch stattfindet, obwohl auch der Arzt und damit eine unabhängige Person an der Feststellung der Krankheit beteiligt wird.

 

Auf der einen Seite besteht eine Konkurrenz zwischen den Ärzten und ein Arzt kann sich aufgrund dieser Konkurrenzsituation durchaus veranlasst sehen, diese Frage stärker zugunsten des Patienten zu entscheiden als dies objektiv geboten ist. Es braucht auch keinesfalls eine missbräuchliche ‚Absicht‘ zum Zuge kommen. Es besteht oftmals die Vorstellung, für die Gesundheit sei das Beste gerade gut genug, aus medizinischer Sicht sei es besser, eine Untersuchung zu viel als eine zu wenig durchzuführen, man meint, sich durchaus moralisch im Sinne der Volksgesundheit zu verhalten. Trotzdem fällt eine solche Verhaltensweise unter ‚Moral Hazard‘.

 

Es geht hier nämlich um den Einsatz knapper Mittel. Auch dann, wenn es im Hinblick auf ein konkretes Krankheitsbild als vorteilhaft angesehen wird, eher zu viel als zu wenig diagnostische und therapeutische Maßnahmen vorzunehmen, jeder Einsatz knapper Mittel bedeutet, dass diese bei anderen Verwendungsarten abgezogen werden müssen und dass der hierbei auftretende Schaden höher ausfallen kann als der Zusatznutzen aufgrund des Mitteleinsatzes im Sicherungsbereich.

 

Das zuletzt genannte Beispiel zeigt, dass eine Missbrauchsgefahr nicht allein von den Sicherungsnehmern ausgeht, sondern auch bisweilen von anderen Personengruppen wie z. B. Ärzten. Gerade aus diesem Grunde schalten Krankenkassen aber auch Unternehmungen bei Arbeitsunfähigkeit einen Vertrauensarzt ein, um einen Missbrauch so weit wie möglich zu unterbinden. Ein Vertrauensarzt hat keine Konkurrenz zu fürchten und ist gerade deshalb eher in der Lage, die Arbeitsfähigkeit eines Kranken objektiv zu beurteilen.

 

Diese Überlegungen gelten natürlich nur dann, wenn die Krankenkasse Krankengeld gewährt. Seit der Verabschiedung des Lohnfortzahlungsgesetzes sind in der Regel die Arbeitgeber verpflichtet, Arbeitnehmer, welche krankheitsbedingt vorübergehend nicht erwerbswirtschaftlich arbeiten können, das Einkommen für eine gewisse Zeit weiter zu zahlen, sodass ein Anspruch auf Krankengeld seitens der gesetzlichen Krankenkassen hier entfällt.

 

Missbrauch kann in der Tat bei allen für die Erbringung der Sicherungsleistungen beteiligten Gruppen auftreten. Auch die Sicherungsgeber können missbräuchlich handeln, so etwa dann, wenn sie bewusst die Voraussetzungen für eine Berechtigung einer Inanspruchnahme der Kassen so kompliziert formulieren, dass die Sicherungsnehmer beim Auftreten eines Sicherungsfalles über ihre Rechte gar nicht richtig Bescheid wissen und deshalb die Sicherungseinrichtungen in zu geringem Maße in Anspruch nehmen.

 

Es ist ja geradezu sprichwörtlich – wenn auch vielleicht nicht generell üblich –, dass Versicherungen bei der Anwerbung neuer Kunden eine sehr großzügige kulante Handhabung der Bestimmungen in Aussicht stellen, sich aber bei Eintritt eines Versicherungsfalles darum bemühen, nicht zahlen zu müssen und bewusst eine gerichtliche Auseinandersetzung ansteuern, in der Erwartung, dass viele Versicherten den Weg vor das Gericht scheuen und auf die Durchsetzung ihrer Ansprüche verzichten. Auch hier gilt natürlich, dass Missbrauch in der Regel immer nur von einzelnen Außenseitern und nicht von der Gesamtheit begangen wird.

 

Halten wir also fest: Missbrauch wird es immer geben und die Vorteile einer kollektiven Lösung eines Schutzes vor den sozialen Risiken sind so groß, dass ein gewisses missbräuchliches Verhalten durchaus verkraftet werden kann, vorausgesetzt, dass sich der Missbrauch auf wenige Prozent des gesamten Leistungsumfanges beschränkt. Es besteht aber durchaus die Gefahr, dass in bestimmten Zeiten der Missbrauch so überhandnimmt, dass die Vorteile einer kollektiven Lösung verloren gehen.

 

Fragen wir uns deshalb, von welchen Faktoren es denn abhängt, ob sich der Missbrauch auf wenige Prozent der Beteiligten beschränkt oder einen solchen Umfang erreicht, dass er die Aufgaben der Sicherungsein­richtungen ernsthaft gefährdet. Wir hatten bereits darauf hingewiesen, dass die Gefahr eines Missbrauches von der Art der Sicherungseinrichtung abhängt, bei bürokratischen Lösungen ist die Missbrauchsgefahr größer als bei marktwirtschaftlichen Systemen, bei unspezifischen Einrichtungen größer als bei spezifischen Versorgungseinrichtungen, bei einem Versorgungsprinzip generell größer als bei einer Sozialversicherung und dort hinwiederum größer als in einer Privatversicherung.

 

Die Ursache für diese Unterschiede liegt vor allem darin, dass die erwerbswirtschaftlich orientierten Systeme im allgemeinen sehr viel gezielter finanzielle Anreize einsetzen können, welche einem Missbrauch entgegensteuern, als dies für bürokratische Einrichtungen gilt. Auch ist der Zusammenhang zwischen missbräuchlicher Inanspruchnahme und dadurch ausgelöster Erhöhung der Beiträge sehr viel größer bei privaten als bei öffentlichen Kassen, bei der Sozialversicherung größer als bei Versorgungseinrichtungen.

Auch das Meinungsbild, das in den öffentlichen Medien entwickelt wird, dürfte dafür verantwortlich sein, ob sich der Missbrauch auf wenige Prozent der Beteiligten beschränkt oder überhandnimmt. Erfährt die Bevölkerung immer wieder in den Medien von missbräuchlichem Verhalten vor allem auch der Führungskräfte, so fühlen sich immer mehr Sicherungsnehmer berechtigt, sich ebenfalls missbräuchlich zu verhalten.

 

Hier kann sich nun ein verhängnisvoller Teufelskreis entwickeln. Aus irgendwelchen zufälligen Gründen und aus hieraus erwachsenden finanziellen Schwierigkeiten sähen sich die Sicherungseinrichtungen gezwungen, die Leistungen zu kürzen oder die Beitragssätze zu erhöhen. Diese Änderungen veranlassen nun immer mehr Versicherte, die Versicherung stärker als bisher auszunutzen, vielleicht in dem Glauben, dass sie berechtigt seien, bei höheren Beiträgen auch höhere Leistungen zu erwarten. Man will dann das, was man in die Versicherung eingezahlt hat, auch wiederum in Form von vermehrten Leistungen zurückbekommen.

 

Mag dieses Verhalten noch so sehr verständlich erscheinen, hier beginnt bereits der Missbrauch, da eine Sicherungseinrichtung überhaupt nur ihre Aufgaben erfüllen kann, wenn diejenigen, welche in unterpropor­tionaler Weise von den sozialen Risiken betroffen sind, auch mehr in die Versicherungen einzahlen, als selbst wiederum Zahlungen von den Kassen erhalten. Hier beginnt nun der Teufelskreis.

 

Weil der Missbrauch ansteigt, geraten die Sicherungseinrichtungen in finanzielle Schwierigkeiten und sehen sich gezwungen, erneut die Beitragssätze anzuheben. Gerade der Umstand, dass aber dann das Verhältnis von Beitrag zu Leistung immer ungünstiger wird, wird immer mehr Sicherungsnehmer veranlassen, nun selbst die Kassen missbräuchlich in Anspruch zu nehmen. Dies verschlechtert jedoch erneut die Finanz­situation, sodass weitere Beitragserhöhungen notwendig werden. Irgendwann einmal gerät das Sicherungs­system in eine Krise, da eben Missbrauch nicht allein dadurch bekämpft werden kann, dass man die Beiträge erhöht oder die Leistungen kürzt.

 

Eine solche Maßnahme mag zwar unerlässlich sein, schließlich kann eine Kasse immer nur das ausgeben, was sie eingenommen hat. Solange es jedoch bei dieser Maßnahme des Kürzens der Leistungen und der Erhöhung der Beiträge allein bleibt, findet nur ein Kurieren am Symptom statt und es ist keine Besserung in Sicht. Im Gegensatz hierzu stellt die Einführung von Wahltarifen, bei denen bestimmte Leistungsgruppen von den Versicherten abgewählt werden können, neben verstärkter Aufklärung über die Funktionsweise der Sicherungseinrichtungen ein effizientes Mittel zur Reduzierung des Missbrauchs dar.

 

Vor allem die Privatversicherungen, neuerdings aber auch die Sozialversicherungen erlauben ihren Mitgliedern zwischen verschiedenen Wahltarifen zu wählen. Die Versicherten entscheiden somit selbst darüber, in welchen einzelnen Risikotatbeständen sie versichert werden wollen. Diese Wahl bringt nun zweierlei Vorteile mit sich.

 

Auf der einen Seite müssen wir davon ausgehen, dass die Bedürfnisse der einzelnen Versicherten im Hinblick auf die Absicherung gegenüber den materiellen Risikofolgen sehr unterschiedlich sind. Es gibt risikoscheue Mitglieder, welche einen möglichst umfangreichen Versicherungsschutz anstreben und es gibt andere Mitglieder, die durchaus bereit sind, vor allem kleinere Risiken selbst zu tragen und welche deshalb nur eine Versicherung für die schwereren Risikofälle abschließen wollen. Die Möglichkeit zwischen diesen Alternativen zu wählen, also gegenüber einem Grundkatalog Leistungsgruppen abzuwählen, kommt diesem Bedürfnis entgegen und steigert damit gegenüber einer Versicherung mit einem einzigen für alle gültigen Leistungskatalog die individuelle Wohlfahrt der Versicherten (Vorschlag von Wahltarifen).

 

Darüber hinaus trägt jedoch das System der Wahltarife aktiv dazu bei, missbräuchliche Inanspruchnahme zu vermindern. Wenn einzelne Mitglieder die Versicherungen missbräuchlich in Anspruch nehmen, so tragen sie dazu bei, die allgemeinen Kosten der Versicherung zu erhöhen. Dies führt im Allgemeinen zu einer Erhöhung der Beitragssätze, welche auch von denjenigen Versicherten mitgetragen werden müssen, welche die Versicherung nicht missbräuchlich ausnutzen.

 

Im Gegensatz zu denjenigen, welche Missbrauch betreiben und auf diese Weise für die höheren Beiträge auch höhere Leistungen in Anspruch nehmen, verschlechtert sich jedoch für die normalen Versicherten das Beitrags- Leistungsverhältnis. Missbrauch bedeutet also letzten Endes, dass die in der Versicherung auftretenden Lasten zugunsten der Versicherten, welche Missbrauch betreiben und zuungunsten der sonstigen Mitglieder umverteilt werden.

 

Gegen diese Umverteilung der Lasten können sich nun die normalen Mitglieder wehren, wenn einzelne Leistungsgruppen jederzeit abgewählt werden können. Die missbräuchliche Ausnutzung der Versicherungen führt bei einzelnen Leistungen zu Kostenerhöhungen, die sich in gestiegenen Preisen niederschlagen. Die übrigen Versicherten können nun diese Mehrbelastung dadurch abwehren, dass sie die von der Beitragserhöhung betroffenen Leistungsgruppen abwählen. Dies führt jedoch weiterhin dazu, dass die Beitragssätze bei den Leistungsgruppen, welche vermehrt missbräuchlich in Anspruch genommen werden, erneut erhöht werden müssen, da die durch Missbrauch entstandenen Mehrkosten nun auf eine immer geringer werdende Mitgliederzahl verteilt werden müssen.

 

Dies bedeutet jedoch auch, dass diejenigen, welche Missbrauch betreiben, die hierdurch entstehenden Kosten immer weniger auf andere abwälzen können und somit die eigentlichen Kosten des Missbrauchs immer stärker selbst tragen müssen. Damit wird jedoch die gesamte Versicherungsgemeinschaft immer weniger durch Missbrauch belastet. Gleichzeitig lohnt sich eine missbräuchliche Inanspruchnahme immer weniger mit der Folge, dass die Anreize, auf Missbrauch zu verzichten, ansteigen. Wenn für bestimmte Leistungsgruppen, die in besonderem Maße von einem Teil der Mitglieder missbräuchlich in Anspruch genommen wurden, am Ende nur noch dieser Teil der Versicherten, welche Missbrauch betreibt, für die dadurch entstehenden Kosten aufkommen muss, fehlt jeder Anreiz für ein ‚Moral Hazard‘.