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Gliederung der Vorlesung:

 

01. Einführung                    

02. Das Ziel der Vollbeschäftigung

03. Das Ziel der Geldwertstabilität

04. Das Ziel eines angemessenen wirtschaftlichen Wachstums

05. Die theoretischen Grundlagen der Beschäftigungspolitik

06. Die theoretischen Grundlagen der Stabilisierungspolitik

07. Die theoretischen Grundlagen der Wachstumspolitik

08. Die geld- und außenwirtschaftspolitischen Mittel

09. Die finanzpolitischen Mittel

10. Die einkommenspolitischen Mittel

11. Institutionelle Maßnahmen

12. Die Träger der Konjunktur- und Wachstumspolitik

 

 

 

Kapitel 8: Die geld- und außenwirtschaftspolitischen Mittel

 

 

Gliederung:

 

01. Die Wirkungsweise der Diskontsatzpolitik

02. Schwierigkeiten im Bankenapparat

03. Maßnahmen zur Überwindung dieser Schwierigkeiten

04. Außenwirtschaftlich bedingte Schwierigkeiten

05. Maßnahmen zur Überwindung dieser Schwierigkeiten

06. Schwierigkeiten aufgrund zu geringer Zinselastizität

07. Schwierigkeiten aufgrund zu geringer Preisflexibilitäten

08. Das geldpolitische Instrumentarium der europäischen Notenbank

 

 

 

 01. Die Wirkungsweise der Diskontsatzpolitik

 

Traditionell wurde vor Gründung der Europäischen Währungsunion zwischen folgenden Instrumenten der Notenbank unterschieden:

 

·        dem Diskontsatz,

·        dem Lombardsatz und

·        dem Leitzinssatz für Pensionsgeschäfte.

 

Befassen wir uns zunächst mit der Wirkungsweise einer Diskontsatzvariation. Der Diskontsatz ist der Zins, den die Notenbank gegenüber den privaten Banken erhebt, welche einen Kredit bei der Notenbank nehmen. Eine Diskontsatzerhöhung führt zu:

 

·        einem Rückgang der Kreditnachfrage der Banken,

·        einem geringeren Geldangebot der Banken,

·        höheren Sollzinsen gegenüber den Bankkunden und schließlich zu

·        einer geringeren Investitionskreditnachfrage.

 

Als Folge ergibt sich aufgrund einer Diskontsatzerhöhung eine Konjunkturdämpfung. Wie bei jedem Gut wirkt sich auch bei einer Kreditnachfrage der privaten Banken gegenüber der Notenbank eine Steigerung des Zinses nachfragedämpfend. Wenn aber die privaten Banken weniger Kredite von der Notenbank in Anspruch nehmen, verfügen sie auch über weniger Liquidität und können deshalb auch nur weniger Kredite an private Kunden (Unternehmungen und Haushalte) vergeben.

 

Die Verringerung des Kreditangebotes der Privatbanken ist mit einer Erhöhung der Sollzinsen verbunden, den die Bankkunden an die Privatbanken zu zahlen haben. Die Unternehmungen und Haushalte reagieren schließlich auf die Zinserhöhung mit einem Rückgang in der Nachfrage nach Krediten. Eine Diskontsatzerhöhung der Notenbank ist also in Zeiten einer überhitzten Konjunktur im Prinzip ein geeignetes Mittel zur Dämpfung der Konjunktur.

 

Analoge Wirkungen zeigen sich bei einer Diskontsatzsenkung. Es kommt zu:

 

·        einem Anstieg der Kreditnachfrage der Banken,

·        einem gesteigerten Geldangebot der Banken,

·        niederen Sollzinsen und schließlich zu

·        einer gestiegenen Investitionskreditnachfrage.

 

 

02. Schwierigkeiten im Bankenapparat

 

Allerdings können wir nicht immer damit rechnen, dass die Privatbanken auf eine Veränderung im Diskontsatz in der oben beschriebenen Weise reagieren und damit den Erfolg der Politik der Notenbank garantieren. Es kommt nämlich zu keiner Reaktion der Banken, wenn diese über eine hohe Liquidität verfügen und deshalb auf die Kredite der Notenbanken gar nicht angewiesen sind. Wenn aber den Privatbanken aufgrund einer Erhöhung des Diskontsatzes gar keine höheren Kosten entstehen, gibt es auch keinen Grund dafür, dass die von der Notenbank eingeleiteten Zinsvariationen an die Kunden der Privatbanken weitergegeben werden. Wenn die Privatbanken in Konkurrenz zueinander stehen, werden sie nur dann ihre Sollzinsen erhöhen, wenn sie selbst höhere Kosten haben. Eine nicht notwendige Erhöhung der Sollzinsen würde die Gefahr mit sich bringen, dass Kunden zu den Konkurrenten abwandern.

 

Nun sind die Spareinlagen der Kunden bei den Privatbanken sicherlich begrenzt. Wenn aber die Privatbanken oftmals trotzdem über eine hohe Liquidität verfügen, auch ohne dass sie bei der Notenbank Kredite aufnehmen, so liegt dies daran, dass die Privatbanken die Möglichkeit der Giralgeldschöpfung haben, aufgrund derer die Banken ein Vielfaches der Einlagen als Kredite vergeben können.

 

Diese Möglichkeit zur Giralgeldschöpfung gilt in erster Linie für den gesamten Bankenapparat. In begrenztem Maße hat jedoch auch eine Einzelbank für sich allein die Möglichkeit zu einer begrenzten Giralgeldschöpfung. Diese Möglichkeiten einer einzelnen Bank ergeben sich aus der Tatsache, dass auf der einen Seite ein Teil der geliehenen Gelder auf Kunden derselben Bank überwiesen werden, und dass auf der anderen Seite die beantragte Kreditsumme zumeist nicht zu 100% verbraucht wird.

 

In aller Regel sind Investitionsvorhaben mit einem gewissen Risiko verbunden, es ist oftmals vor Ausführung einer Investition gar nicht eindeutig klar, welche Kostensumme auf den Investor zukommt. Auch muss stets damit gerechnet werden, dass nicht alles so läuft wie geplant und dass deshalb in Zukunft im Zusammenhang mit einer Investition weitere Kosten entstehen, welche bei Beginn dieser Investition nicht vorhergesehen werden konnten.

 

All diese Gründe veranlassen die Investoren im Allgemeinen dazu eine etwas höhere Kreditsumme zu beantragen, als das Investitionsprojekt beansprucht, wenn alles gut geht. Dies bedeutet aber auch, dass im Durchschnitt nicht die gesamte genehmigte Kreditsumme abgerufen wird. Aus der bisherigen Erfahrung kann die Privatbank davon ausgehen, dass im Durchschnitt ein bestimmter Prozentsatz der Kreditsumme nicht abgehoben wird und gerade deshalb erneut an einen weiteren Kunden als Kredit verliehen werden kann.

 

Die folgende Tabelle zeigt auf, wie groß die Geldschöpfungsmöglichkeiten einer einzelnen Bank sind. Der so berechnete Geldschöpfungsmultiplikator gibt also an, das Wievielfache der Einlagensumme als Kredit verliehen werden kann.

 

Nehmen wir den Fall, dass eine Bank über eine Überschussreserve von 100 (z. B. Hunderttausend €) verfüge. In der ersten Periode kann also diese Bank einen Kredit in Höhe dieser Einlage, also insgesamt 100 gewähren. Wir wollen nun unterstellen, dass erfahrungsgemäß im Durchschnitt 80% der Kreditsumme abgehoben werde, also weder als Überweisung an die kreditgewährende Bank zurückkehrt noch verausgabt wird.

 

Es verbleiben deshalb der Bank 20 Geldeinheiten für einen weiteren Kredit in der nächsten Periode. Dieser Überschuss setzt sich in den folgenden Perioden fort, in der zweiten Periode können 20% von 80 = 4% usw. zusätzlich verliehen werden.

 

Auf diese Weise entsteht eine grundsätzlich unendliche Reihe von weiteren Kreditvergaben. Die Summe all dieser Kredite auf der Grundlage der anfänglichen Überschussreserve von 100 lässt sich entsprechend der Formel für unendliche Summen errechnen, bekanntlich ergibt sich hierbei ein durchaus endlicher Gesamtwert. In unserem Beispiel summiert sich die Gesamtsumme der vergebenen Kredite auf den Grenzwert von 125. Auch wenn es sich im Grundsatz hierbei um eine unendliche Reihe handelt, zeigt unser Beispiel, dass schon sehr bald (in unserem Beispiel bereits nach der dritten Periode) der Grenzwert fast erreicht wurde.

 

 

 

Größere Möglichkeiten entstehen, wenn man das gesamte Bankensystem betrachtet. Voraussetzung ist allerdings ein Gleichschritt der Banken. Die Höhe der Geldschöpfung ist hierbei abhängig von der Kassenhaltung der Wirtschaftssubjekte. Der hier zur Diskussion stehende Geldschöpfungsmultiplikator ist sehr viel größer als der entsprechende Multiplikator einer einzelnen Bank, da der größte Teil der Kreditsumme in Form von Überweisungen an eine der Banken zurückfließt.

 

Wenn ein Kunde einen Kredit von 100 erhält, so wird nur ein geringer Teil dieser Kreditsumme auf Konten der kreditgewährenden Bank überwiesen werden. Es kann aber damit gerechnet werden, dass der größte Teil der in Anspruch genommen Kreditsumme auf Konten irgendeiner Bank überwiesen wird, sodass also der größte Teil der Kreditsumme im Bankensystem verbleibt. Nur ein geringer Teil wird von den Empfängern dieser Geldsummen bar ausgezahlt und kehrt somit nicht mehr per Überweisung in das Bankensystem zurück.

 

Wir wollen nun unterstellen, dass im Durchschnitt 20% einer Kreditsumme von Haushalten und Unternehmungen in Kasse gehalten wird. Gehen wir wieder von einer Überschussreserve von 100 aus, so verbleiben immerhin 80 Geldeinheiten im Bankenapparat und können deshalb in der nächsten Periode erneut verliehen werden. Es entsteht auf diese Weise wiederum eine unendliche Reihe von Kreditsummen. Da aber nun ein wesentlich geringerer Betrag das Bankensystem verlässt, ist die Summe dieser Kredite auch wesentlich höher als beim Geldschöpfungsmultiplikator einer einzelnen Bank. In der zweiten Periode können noch 80 Geldeinheiten, in der dritten weitere 64 Geldeinheiten verliehen werden. Die Gesamtsumme erreicht ihren Grenzwert bei 500 Geldeinheiten. Also wäre hier der Giralgeldschöpfungsmultiplikator 5.

 

 

 

 

Allerdings haben die Banken nur dann die Möglichkeit, ihre Giralgeldsumme auszuweiten, wenn die Banken im Gleichschritt vorgehen, wenn also nicht nur eine einzelne Bank, sondern alle oder doch die meisten Banken den Versuch unternehmen, ihre Giralgeldsumme in prozentual gleichem Umfang auszudehnen.

 

Nehmen wir den Fall, dass nur eine einzelne Bank den Versuch unternimmt, ihre Kredite zu vergrößern, ohne dass die Bankeinlagen zuvor angehoben wurden. In diesem Falle kann die Bank nicht davon ausgehen, dass auch die Konten derjenigen Kunden, welche keinen zusätzlichen Kredit beantragt haben, ansteigen. Nur die Gelder, welche der Kreditnehmer selbst auf Konten der gleichen Bank überweist, fließen wieder zu der kreditgebenden Bank zurück.

 

Wenn aber auch die übrigen Banken bereit sind, ihr Kreditvolumen auszuweiten und wenn sie dies genau in dem Umfang der erstgenannten Bank tun, kann damit gerechnet werden, dass in etwa der gleiche Prozentsatz der vergebenen Kreditsumme wie bisher auf Konten der gleichen Bank zurückfließt. Diese Gelder fließen zwar nicht zurück, weil sie letzten Endes von dieser Bank selbst ausgegeben wurden, es kommen aber trotzdem Gelder zurück, weil die anderen Banken eben auch ihr Kreditvolumen in gleichem Umfang annahmegemäß ausgeweitet haben.

 

Dies bedeutet aber, dass die Macht der Privatbanken, Giralgeld zu schaffen und damit die Ziele der Notenbank zu durchkreuzen, davon abhängt, ob die Banken bereit sind, ihre Kreditsumme in gleichem Umfang auszuweiten, also im Gleichschritt vorzugehen.

 

Ein Gleichschritt in diesem Sinne liegt nicht nur vor, wenn die Banken über diese Absicht eine kartellartige Absprache vornehmen würden. Ein solches Vorgehen würde ohnehin von den meisten staatlichen Aufsichtsbehörden unterbunden. Es reicht vollkommen, wenn die Banken von sich aus, also ohne eigene Absprache in gleichem Umfang ihr Kreditangebot ausweiten. An der Zunahme der Konten ihrer Kunden, welche von dieser Bank keinen Kredit erhalten haben, kann ja eine Bank sehr wohl registrieren, ob und in welchem ungefähren Umfang die anderen Banken ihre Kreditangebote erweitert haben.

 

 

03. Maßnahmen zur Überwindung dieser Schwierigkeiten

 

Zur Überwindung dieser Schwierigkeiten wurden in der Nachkriegszeit der Notenbank zwei Instrumente an die Hand gegeben: die Erhebung einer Mindestreserve und die Möglichkeit der Offenmarktpolitik.

 

Die Mindestreserve besteht darin, dass die privaten Banken einen bestimmten Prozentsatz ihrer Verbindlichkeiten als Mindestreserve bei der Notenbank hinterlegen müssen. Die Notenbank hat nun das Recht, die Mindestreservesätze zu variieren und je nach Modalität auch unterschiedliche Sätze festzusetzen. Ursprünglich wurde die Mindestreserve nicht verzinst.

 

Im Rahmen der Offenmarktpolitik kann die Notenbank als Käufer oder Verkäufer auf den Geld- und Kapitalmärkten auftreten und damit die umlaufende Geldmenge und die Höhe des Zinssatzes beeinflussen.

 

Der Unterschied zwischen dem Geld- und Kapitalmarkt besteht darin, dass kurzfristige Kredite auf den Geldmärkten und langfristige Kapitalanlagen auf den Kapitalmärkten gehandelt werden. Prinzipiell kann die Notenbank den Zinssatz festlegen, zu dem sie Gelder oder Wertpapiere kauft oder verkauft und es dem Markt überlassen, wie groß der Umfang dieser Umsätze ist. Oder aber die Notenbank kann auch die Menge an Geld bzw. die Wertpapiersumme festlegen. Hier entscheidet der Markt, welcher Zinssatz sich aufgrund dieser Marktbewegungen schließlich einstellt. 

 

Beginnen wir zu nächst mit der Analyse der Mindestreservepolitik:

 

Ein bestimmter Prozentsatz der Verbindlichkeiten der Banken ist bei der Notenbank zu hinterlegen. Dieser Prozentsatz schwankt je nach Anlage. Diese Einlagen waren im nationalen Währungssystem der Bundesrepublik zinslos. Wie später noch gezeigt werden wird, sieht das Währungssystem der Europäischen Gemeinschaft eine Verzinsung dieser Einlagen vor, wobei allerdings die Mindestreservepolitik nicht mehr im Mittelpunkt geldpolitischer Bemühungen der Europäischen Zahlungsbank steht.

 

Die Verpflichtung zur Mindestreservehaltung verändert den Giralgeldschöpfungsmultiplikator der Privatbanken. Nun bezieht sich der Teil der Überschussreserve, der nicht mehr weiterverliehen werden kann, sowohl auf die durchschnittliche Kassenhaltung (k = 0.2) als auch auf die gesetzliche Mindestreserve (r = 0,2*V). Dementsprechend ergibt die Summenformel auch einen wesentlich geringeren Wert für die gesamte Giralgeldschöpfung. In unserem Beispiel liegt der Multiplikator bei etwas mehr als das 2,7-fache.

 

 

 

Die Verpflichtung zur Mindestreserve wurde bereits im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts eingeführt. Sie erfüllte allerdings zunächst lediglich eine Sicherungsfunktion. Es sollte auf diese Weise sichergestellt werden, dass die Banken in der Lage sind, ein vermehrtes Abheben von Geld in Zeiten des Abschwungs zu befriedigen. Die Mindestreserve war also damals eine Art Rücklage, auf welche die Privatbanken zurückgreifen können, wenn sich die Kunden in Zeiten einer beginnenden Finanzkrise ihre Spareinlagen auszahlen lassen und die Privatbanken deshalb ohne diese Rücklage zahlungsunfähig würden.

 

In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg wurde die Mindestreserve als Steuerungsinstrument eingeführt. Die Notenbank sollte auf diese Weise die Möglichkeit erhalten, die Giralgeldschöpfung der Privatbanken zu steuern.

 

Es wurde eine Differenzierung nach der Fristigkeit der Einlagen und der Größe des Bankinstituts vorgesehen. Unterschiede ergaben sich weiterhin darin, ob Kredite an Gebietsansässige oder Gebietsfremde gewährt werden, ob Haupt- und Nebenplätze vorliegen und ob die Mindestreserve auf den Bestand oder den Zuwachs der Einlagen erhoben wird. Während zunächst eine Mindestreserve nur für Passivgeschäfte gebildet werden musste, wurde später eine Ausweitung der Mindestreservepflicht auch auf Aktivgeschäfte eingeführt.

 

Befassen wir uns nun etwas ausführlicher mit dem Instrument der Offenmarktpolitik:

 

Die Notenbank hat das Recht, Wertpapiere zu kaufen oder zu verkaufen. Hierbei wird zwischen Preis- und Mengen- (Tender)-Politik unterschieden. Bei der Preispolitik setzt die Notenbank den Zinssatz fest, zu dem sie Wertpapiere kauft oder verkauft. Die Tauschpartner der Notenbank entscheiden nun darüber, wie viel Wertpapiere sie bei diesem von der Notenbank festgesetzten Zinssatz kaufen oder verkaufen wollen.

 

Bei der Mengenpolitik legt die Notenbank fest, welches Wertpapiervolumen sie kauft oder verkauft und überlässt es dem Markt, den Zinssatz zu finden, bei dem Angebot und Nachfrage übereinstimmen.

 

Beide Instrumente (Mindestreserve plus Offenmarktpolitik) wurden in der Praxis kombiniert angewandt: Auf der einen Seite wurden durch die Mindestreserveverpflichtung freie Gelder gebunden, auf der anderen Seite wurden die Banken über die Offenmarktpolitik veranlasst, ihre freien Geldreserven in Wertpapiere anzulegen. 

 

Worin liegen nun die Grenzen einer Offenmarktpolitik? Die Notenbank verfügt nicht immer über genügend Wertpapiere im Portefeuille. Diese Schwierigkeiten wurden jedoch in der Vergangenheit dadurch überwunden, dass der Bund eigens so genannte Mobilisierungspapiere schuf, um diese Schwierigkeit zu überwinden.

 

Eine zweite Begrenzung einer Offenmarktpolitik ist dann gegeben, wenn die Liquiditätspräferenz der Privaten hoch ist und deshalb ihre Bereitschaft, Wertpapiere zu kaufen, gering ausfällt. Wir haben bereits weiter oben gesehen, dass Keynes im Rahmen seiner Liquiditätstheorie gezeigt hat, dass es durchaus rational sein kann, wenn Wirtschaftssubjekte ihre Ersparnisse vorübergehend in Kasse halten und deshalb auf den Zinsertrag verzichten, den sie bei Kauf von Wertpapieren erhalten hätten.

 

Ein solches Verhalten kann dann rational sein, wenn der Zinssatz extrem niedrig ist und davon ausgegangen werden kann, dass der Zinssatz alsbald ansteigen wird. Gestiegene Zinsen bedeuten, dass die Anlage in festverzinslichen Wertpapieren nun einen geringeren Zins als bei anderen Anlagen bringt und dass deshalb festverzinsliche Wertpapiere verkauft werden. Dies aber führt zu einer Kursminderung. Und diese Kursminderung kann so hoch ausfallen, dass der hierdurch hervorgerufene Verlust größer ist als der ohnehin geringe Zinsertrag. Also kann es sehr wohl rational sein, Geld in Zeiten niedriger Zinsen vorübergehend in Kasse zu halten.

 

Wenn sowohl die Diskontsatzpolitik sowie die Ofenmarktpolitik ihr Ziel verfehlen, können die Notenbanken zumeist als ultima ratio zu dirigistischen Maßnahmen greifen. Hierzu zählen:

 

·        die Rediskontkontingentierung,

·        die Kontingentierung der Wertpapierbeleihung und

·        die Kreditplafondierung.

 

Hierbei verweist das Instrument der Rediskontkontingentierung auf die Möglichkeit der Notenbank, den einzelnen Banken  nur ein begrenztes Kontingent an Krediten zur Verfügung zu stellen, auch für die Wertpapierbeleihung könnten die Notenbanken Höchstkontingente vorsehen. Schließlich könnte auch die Kreditvergabe der Privatbanken begrenzt werden.

 

 

04. Außenwirtschaftlich bedingte Schwierigkeiten

 

Aufgrund der Konvertibilität der Währungen kann die Geldmengensteuerung in gewissen Fällen unterlaufen werden. Die Privatbanken sowie die Unternehmungen haben zumeist die Möglichkeit, sich Geld im Ausland zu besorgen. Hier versagt die Steuerung durch die Notenbank, da sie keine Möglichkeit besitzt, bei grundsätzlich freiem internationalen Kapitalverkehr diese Kreditnahme zu unterbinden.

 

Weiterhin ist mit der Möglichkeit zu rechnen, dass in einem System fester Wechselkurse ein Import von Inflation und Arbeitslosigkeit stattfindet. Hierbei kommen Klassiker und Keynesianer zwar zu gleichen Ergebnissen, begründen jedoch dieses Ergebnis mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen.

 

Bei keynesianischer Betrachtungsweise gilt: Ist die Inflationsrate im Ausland größer als im Inland, verbessern sich die Exportmöglichkeiten, gleichzeitig sinkt die Nachfrage nach Importgüter aus dem Ausland. Es entsteht so ein Leistungsbilanzüberschuss, dieser vergrößert selbst wiederum die inländische Nachfrage und mit ihr die Inflation im Inland.

 

 

Bei klassischer Betrachtungsweise gilt hingegen: Ist die Inflationsrate im Ausland größer als im Inland, entsteht ein Leistungsbilanzüberschuss. Soweit die Gemeinsamkeit beider Schulen. Aufgrund der Intervention der Notenbank an den Devisenmärkten wird jedoch die inländische Geldmenge ausgeweitet und diese Geldmengenausweitung führt zu einer Inflation im Inland. Der Unterschied dieser beiden Betrachtungsweisen liegt also darin, dass bei einer quantitätstheoretischen Betrachtung das inländische Preisniveau aufgrund einer Ausweitung der Geldmenge ansteigt, während bei einem nachfragetheoretischen Ansatz die Zunahme im Preisniveau unmittelbar mit Nachfrageüberhängen erklärt wird.

 

 

Eine Behinderung der inländischen Geldpolitik kann weiterhin aufgrund von Kapitalwanderungen ausgelöst werden. Wenn nämlich nicht davon ausgegangen werden kann, dass im Ausland die gleichen geldpolitischen Maßnahmen ergriffen werden, entsteht ein Zinsgefälle zwischen In- und Ausland mit der Folge, dass es zu zinsinduzierten, internationalen Kapitalwanderungen kommt: Wenn z. B. der inländische Zins sinkt und das Ausland dieser Politik nicht folgt, findet ein Kapitalexport statt, da ja nun eine Kapitalanlage eine höhere Verzinsung im Ausland als im Inland erfährt. Diese Kapitalwanderung kann nun im Rahmen eines Systems fester Wechselkurse zu einem Zinsanstieg führen und so die expansive Geldpolitik behindern. Machen wir uns diesen Zusammenhang an einem konkreten Beispiel klar.

 

Ein Inländer möchte seine Ersparnisse in einem ausländischen Wertpapier anlegen. Zum Ankauf dieses ausländischen Wertpapieres benötigt er Devisen. Diese Mehrnachfrage nach Devisen würde auf einem freien Devisenmarkt zu einem Anstieg des Devisenkurses führen. Um diesen Anstieg zu verhindern, muss die Notenbank in einem System fester Wechselkurse Devisen anbieten und dieser Verkauf von Devisen bewirkt, dass inländisches Geld aus dem Kreislauf genommen wird.

 

Eine Verminderung der umlaufenden inländischen Geldmenge führt jedoch selbst wiederum zu einem Anstieg des Zinssatzes. Dies bedeutet aber, dass die expansive Geldpolitik (die Zinssenkung) unterlaufen wird. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem aufgrund des internationalen Kapitalverkehrs ausgelösten Crowding out. Es gilt also folgende Wirkungskette:

 

 

·        KEX: Kapitalexport

·        i: Zinssatz

·        NEDEV: Nachfrage nach Devisen

·        MI: inländische Geldmenge

 

Schließlich kann ein Import von Inflation auch in einem System freier Wechselkurse entstehen, so etwa dann, wenn z. B. der Ölpreis steigt (p$­):  Es werden mehr Devisen nachgefragt (NEDevisen+), der Devisenkurs steigt (w$+) und mit ihm auf der einen Seite die Lebenshaltungskosten (pC$) sowie die Preise der importierten Rohstoffe (pInl$). Beide Prozesse erhöhen im Inland die Inflation (PInl$).

 

 

 

 

05. Maßnahmen zur Überwindung dieser Schwierigkeiten

 

Es könnte erstens die freie Konvertibilität aufgegeben werden. Diese Maßnahme  widerspricht jedoch eindeutig den allgemeinen Grundsätzen innerhalb der EG und steht deshalb nicht zur Diskussion.

 

Zweitens kann durch Besteuerung die Rentabilität des ausländischen - aber im Inland angelegten - Kapitals verringert werden, allerdings sieht das Außensteuergesetz vor, dass diese Möglichkeiten auf bestimmte Arten des Kapitalimports begrenzt sind.

 

Drittens könnten die Wechselkurse durch Freigabe der Wechselkurse oder einer Erweiterung der Bandbreiten angepasst werden.

 

 

06. Schwierigkeiten aufgrund zu geringer Zinselastizität

 

Die geldpolitischen Maßnahmen sind nur erfolgreich, wenn die Investitionen von der Höhe des Zinssatzes abhängen. Nun hatte Keynes bezweifelt, dass Zinsvariationen in der Lage sind, das Investitionsvolumen nennenswert zu beeinflussen, dass also die Zinselastizität der Investitionsnachfrage gering sei.

 

Mögliche Gründe für eine geringe Zinselastizität von Anlageinvestitionen sind:

 

Die Zinskosten können auf den Güterpreis überwälzt werden. Dies bedeutet, dass z. B. eine Zinssenkung gar nicht wie beabsichtigt, die Gewinnsituation der Unternehmungen verbessert, die Unternehmer müssen ja diesen Zinsgewinn aufgrund eines starken Wettbewerbs in Zeiten des Konjunkturrückganges an die Konsumenten weitergeben.

 

Auch kann der Anteil der Zinskosten an den Gesamtkosten so gering sein, dass Zinsänderungen das Investitionsverhalten der Unternehmer nicht beeinflusst (Bedeutung der sogenannten Pay-off-Methode).

 

Die Bauinvestitionen spielen eine besondere Rolle, da in diesem Falle sehr lange Investitionsperioden vorliegen und deshalb dort mit hoher Investitionselastizität gerechnet werden muss.

 

Für die Frage nach der Zinselastizität spielt es auch eine Rolle, ob Rationalisierungs- oder Erweiterungsinvestitionen vorliegen: Rationalisierungsinvestitionen reagieren sehr wohl auf Zinsen! Dies gilt auch oder gerade in Zeiten des Konjunkturabschwungs. Im Konjunkturabschwung können die Unternehmer durch kostensenkende oder qualitätssteigernde Investitionen ihre Absatzlage verbessern. Nur Erweiterungsinvestitionen gehen in Zeiten des Konjunkturabschwungs zurück, da die Produktionskapazität ohnehin zu groß ist.

 

Fragen wir uns nun, welchen Einfluss die Zinspolitik auf die private Ersparnis hat: Nach neoklassischem Verständnis sollte eine Zinssteigerung eine Zunahme in der Ersparnis und damit einen Rückgang im Konsum auslösen.

 

Diese Wirkung tritt nach keynesianischer Vorstellung nicht ein, da die Ersparnis nur ein Residuum darstelle und die entsprechende Konsumquote nur vom Einkommen abhänge. Wird aus einem erwerbswirtschaftlichem Motiv heraus gespart, treten allerdings die erwünschten Zinseffekte auf. Wird jedoch für einen bestimmten Zweck gespart, bewirkt eine Zinssteigerung sogar einen Rückgang in der Ersparnis. Es muss also damit gerechnet werden, dass sich die unterschiedlichen Reaktionen auf Zinsänderungen zumindest zum Teil gegenseitig aufheben, sodass per saldo von Zinsveränderungen keine nennenswerten Veränderungen im Sparvolumen ausgehen.

 

 

07. Schwierigkeiten aufgrund zu geringer Preisflexibilitäten

 

Die Geldpolitik kann auch aufgrund zu geringer Preisflexibilitäten scheitern. Betrachten wir zunächst den Fall einer restriktiven Konjunkturpolitik. Beabsichtigt wird mit einer kontraktiven Geldpolitik den Preisanstieg zu stoppen. Statt der Preise gehen jedoch unter Umständen die Gütermengen zurück, wenn auf Angebotsüberhänge nicht mit Preissenkungen reagiert wird.

 

Bei Stagflation findet sogar trotz Nachfragerückgang eine Preissteigerung statt. Eine mögliche Erklärung liegt darin, dass die Kosten aufgrund des hohen Fixkostenanteil bei einer Reduzierung der Produktionsmenge ansteigen. Die Unternehmer produzieren hier also in dem noch fallenden Ast der Stückkostenfunktion. Bei dieser Entwicklung von Preisen und Mengen ist jedoch eine Beeinflussung der Preise nicht mehr möglich. Wenn nämlich die Notenbank durch eine kontraktive Geldpolitik die Preissteigerung zu unterbinden versucht, dann vermindert sich zwar die Nachfrage, der Nachfrageüberhang wird abgebaut. Trotzdem steigen die Preise an.

 

Gehen wir beispielsweise von der Produktion x aus. Da die Stückkostenkurve zunächst einen fallenden und dann erst ab einer kritischen Grenze einen steigenden Verlauf aufweist und da die bisherige Produktion noch im Bereich fallender Stückosten lag, wirkt sich der Rückgang der Nachfrage preissteigernd aus. 

 

 

 

Betrachten wir nun den Fall einer expansiven Konjunkturpolitik: Es besteht hier die Gefahr struktureller Arbeitslosigkeit. Bei Existenz von Flaschenhälsen stößt jedoch die Konjunkturpolitik an ihre Grenzen. Die Zinssenkung soll zu einer Steigerung der Nachfrage nach Gütern und über die Nachfrage zu einem Anstieg in der Beschäftigung führen.

 

Es wird hier also in dem aufsteigenden Ast der Kostenfunktion produziert. Da aber nun bereits die Kapazitätsgrenze (x1) erreicht ist, kann hier zumindest kurzfristig die Produktion gar nicht ausgeweitet werden, die Nachfragesteigerungen verpuffen fast vollkommen in Preissteigerungen.

 

 

 

 

 

08. Das geldpolitische Instrumentarium der europäischen Notenbank

 

Das geldpolitische Instrumentarium weicht von dem bisher in der BRD geltenden geldpolitischen Instrumentarium ab. So wurden die Instrumente der Diskontsatz- und Lombardsatzpolitik abgeschafft. Nach wie vor findet jedoch eine Refinanzierung der Banken statt. Maßgeblich hierbei sind die Leitzinsen.

 

Es wird zwischen kurzfristigen Pensionsgeschäften und endgültigen Käufen bzw. Verkäufen von Wertpapieren unterschieden. Während bei den Pensionsgeschäften verkaufte Wertpapiere wiederum von den Banken in einer zukünftigen Periode zurückgenommen werden müssen, werden im Rahmen der Offenmarktpolitik Wertpapiere endgültig gekauft bzw. verkauft. Es bestehen Zugriffsmöglichkeiten nationaler Währungsbehörden auf die Devisenkredite (Fazilitäten).

 

Die Bedeutung der Mindestreservepolitik ist gesunken. Ein begrenzter Einsatz der Bankeinlagen ist zwar noch möglich, allerdings findet im Prinzip nun eine Verzinsung dieser Einlagen statt. Der aktuelle Zinssatz kann allerdings auch einmal auf null fallen.

 

 

Zusammenfassung:

 

01. Der Diskontsatz stellte den Zinssatz dar, den die Notenbank den Geschäftsbanken abverlangte, wenn diese einen Kredit bei der Notenbank nahmen. Neben dem Diskontkredit konnten sich die Geschäftsbanken auch durch einen Lombardkredit und durch Pensionsgeschäfte bei der Notenbank refinanzieren. Während beim Diskontkredit die kreditnehmende Geschäftsbank Wechsel einreichte, wurden beim Lombardkredit Wechselpapiere verpfändet.

 

02. Bei den Pensionsgeschäften kauft die Notenbank Wertpapiere, die kreditnehmenden Geschäftsbanken sind jedoch gezwungen, diese Wertpapiere zu einem bestimmten Termin zurückzukaufen.

 

03. Mit der Diskontsatzpolitik verfolgte die Notenbank das Ziel, die Konjunktur zu beeinflussen, wobei eine restriktive Diskontsatzpolitik dazu diente, letztlich die Inflation zu bekämpfen, eine expansive Diskontsatzpolitik hingegen das Ziel verfolgte, die Konjunktur zu beleben und damit den Beschäftigungsgrad zu steigern.

 

04. Bei einer idealtypischen Betrachtung wird ein Anstieg im Diskontsatz zu einem Anstieg in den Sollzinsen der Geschäftsbanken führen, dieser Anstieg wird die Unternehmungen veranlassen, weniger Kredite aufzunehmen und deshalb auch weniger zu investieren; dieser Rückgang in der Nachfrage wird sich schließlich in einem Rückgang in der Inflationsrate niederschlagen.

 

05. Ähnliche Wirkungen werden mutatis mutandis von einer expansiven Diskontsatzpolitik erwartet, wobei davon ausgegangen wird, dass der Zuwachs in der Nachfrage zu einem Anstieg in der Produktion und in der Beschäftigung führt.

 

06. Der idealtypische Wirkungsprozess kann aufgrund von Schwierigkeiten im Bankenapparat unterbunden sein. Wenn die Geschäftsbanken über Liquidität verfügen, brauchen sie sich nicht bei der Notenbank zu refinanzieren, damit entfällt jedoch auch die Ursache für einen Anstieg der Sollzinsen. Gleichzeitig kann der Bankenapparat in seiner Gesamtheit Giralgeld schöpfen und damit eine restriktive Geldpolitik der Notenbank unterlaufen.

 

07. Voraussetzung hierfür ist ein Gleichschritt der Banken bei der Ausweitung des Kreditvolumens, da eine Bank bei der Kreditvergabe damit rechnen kann, dass wegen der gleichzeitigen Kreditvergabe der anderen Banken, und durch Überweisungen auf Konten der eigenen Kunden ein großer Teil der Gelder wiederum zurückfließt.

 

08. Um diesen Schwierigkeiten zu begegnen wurde das geldpolitische Instrumentarium der Notenbanken in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg um die Mindestreservepolitik und die Offenmarktpolitik ausgeweitet.

 

09. Mit der Festlegung von Mindestreserven wurden die Geschäftsbanken gezwungen, einen bestimmten Prozentsatz ihrer Verbindlichkeiten zinslos bei der Notenbank als Mindestreserve zu halten.

 

10. Die Offenmarktpolitik gibt der Notenbank das Recht, auf den Geld- und Kapitalmärkten als Käufer oder Verkäufer aufzutreten und damit die umlaufende Geldmenge und die Zinsen zu beeinflussen.

 

11. Bei einer Heraufsetzung der Mindestreservesätze wird überschüssige Liquidität bei den Geschäftsbanken gebunden, die Kosten der Banken steigen an, da früher ein Teil ihrer Geldbestände zinslos bei der Notenbank gehalten werden musste, schließlich wird bei einer Heraufsetzung der Mindestreserve der Giralgeldschöpfungsmultiplikator verringert.

 

12. Der Versuch der Notenbanken, über Offenmarktpolitik die Konjunkturlage zu beeinflussen, wird bei einer restriktiven Politik durch den Bestand an Wertpapieren der Notenbank begrenzt. Bei einer expansiven Geldpolitik findet die Notenbank dann ihre Grenzen, wenn die Geschäftsbanken oder auch andere Privatpersonen zu einem Verkauf von Wertpapieren nicht bereit sind.

 

13. Auch die außenwirtschaftlichen Beziehungen können in einem System fester Wechselkurse den oben geschilderten Wirkungszusammenhang der Diskontsatzpolitik stören. Bei einem Leistungsbilanzüberschuss ist die Notenbank im Rahmen eines Systems fester Wechselkurse zur Stabilisierung des Wechselkurses gezwungen.

 

14. Die Gefahr eines Anstieges des Inland-Kurses wird dadurch verhindert, dass die Notenbank Devisen aufkauft und damit die umlaufende Geldmenge vergrößert. Weiterhin führt eine Erhöhung der Zinssätze im Inland ceteris paribus zu einem Kapitalimport, der wiederum einen Devisenbilanzüberschuss auslöst und die Notenbank innerhalb eines Systems fester Wechselkurse zur Devisenmarktintervention zwingt.

 

15. Die anfängliche Zinserhöhung sollte zu einer Reduzierung der Geldmenge führen, die notwendige Devisenmarktintervention führt jedoch de facto wiederum zu einer Ausweitung der umlaufenden Geldmenge, sodass auf lange Sicht die Geldmenge nicht entscheidend reduziert wurde.

 

16. Die außenwirtschaftlich bedingten Schwierigkeiten konnten durch Freigabe der Wechselkurse reduziert werden, da hier die Notenbanken nicht mehr gezwungen sind, Devisen aus dem Markt zu nehmen. In der Vergangenheit waren die Regierungen bemüht, Zahlungsbilanzungleichgewichte auch durch vorübergehende Kapitalverkehrskontrollen abzubauen. Zumindest innerhalb der Europäischen Union bestehen diese Möglichkeiten nicht mehr.

 

17. Nach dem Verständnis der Keynesianer ist die Geldpolitik der Notenbank ineffizient, da aufgrund einer geringen Zinselastizität der Investitionen bei einer Diskontsatzsenkung die Güternachfrage in zu geringem Maße ansteigt.

 

18. Die Kritik an der Keynesianischen Theorie hat gezeigt, dass es sehr wohl Investitionen gibt (im Bausektor, weiterhin die Rationalisierungsinvestitionen), die auf Zinsänderungen reagieren.

 

19. Teilt man allerdings die Skepsis der Keynesianer, so kommt man zu dem Ergebnis, dass die Konjunktursteuerung überhaupt nicht primär über geldpolitische, sondern über fiskalpolitische Instrumente angegangen werden sollte.

 

20. Auch dann, wenn die Güternachfrage aufgrund einer expansiven Geldpolitik steigen sollte, besteht immer noch die Gefahr, dass die eigentliche konjunkturelle Absicht nicht erreicht wird, da der Anstieg in der Güternachfrage nicht zu einem Anstieg in der Produktion und der Beschäftigung führt, sondern in Preissteigerungen verpufft. Diese Gefahr besteht immer dann, wenn die Ursachen der Ar-beitslosigkeit in erster Linie in zu hohen Durchschnittskosten liegen. Mangelt es nicht an Güternachfrage, kann eine Ausweitung der Güternachfrage auch nicht zu einer Beseitigung der Arbeitslosigkeit beitragen.

 

21. Im Falle einer restriktiven Geldpolitik kann ebenfalls die Gefahr des Misserfolgs bestehen, nämlich dann, wenn die Bedingungen einer Stagflation vorliegen. Hier führt der Rückgang in der Produktion wegen dann steigender Stückkosten zu einem Anstieg der Güterpreise.

 

22. Der Übergang zur Europäischen Währungsunion führte dazu, dass Diskont- und Lombardpolitik abgeschafft wurden. Selbstverständlich kennt die Europäische Währungsordnung nach wie vor Steuerungsinstrumente zur Refinanzierung der Banken, wobei allerdings die aktiven Instrumente (Leitzinspolitik bei Pensionsgeschäften) immer näher an die passiven Geschäfte der Offenmarktpolitik heranrücken. Die Mindestreservepolitik soll nur noch in Ausnahmefällen angewandt werden. Im Gegensatz zu früher werden die Mindestreserveeinlagen der Banken verzinst.

 

 

Fragen zu Kapitel 8:

 

01. Wie wirkt eine Diskontsatzerhöhung in idealtypischer Weise?

 

02. Wie muss die Liquiditätslage der Banken sein, damit der Wirkungsprozess idealtypisch in Gang kommt?

 

03. Warum ist es dem Bankenapparat möglich, auch bei gleichbleibender Notenbankgeldmenge die gesamte Geldmenge zu vergrößern?

 

04. Kann auch eine einzelne Bank Giralgeld schöpfen?

 

05. Welche Aufgaben hatte die Mindestreservepolitik der deutschen Notenbank?

 

06. Auf welchem Wege kann über die Mindestreservepolitik Einfluss auf die Giralgeldmenge genommen werden?

 

07. Was versteht man unter Offenmarktpolitik?

 

08. Worin besteht der Unterschied zwischen einer Preis- und Mengenpolitik im Rahmen der Offenmarktpolitik?

 

09. Worin liegen die Grenzen einer Offenmarktpolitik?

 

10. Inwiefern kann bei keynesianischer Sicht durch außenwirtschaftliche Beziehungen eine Politik der Geldwertstabilisierung behindert werden?

 

11. Inwiefern kann bei klassischer Sicht durch außenwirtschaftliche Beziehungen eine Politik der Geldwertstabilisierung behindert werden?

 

12. Inwieweit unterscheidet sich das Instrumentarium der europäischen Notenbank vom Instrumentarium der ursprünglichen Bundesbank?

 

 

Antworten zu Kapitel 8:

 

01. Eine Diskontsatzerhöhung führt zu einem Rückgang der Kreditnachfrage der Banken, zu einem geringeren Geldangebot, zu höheren Sollzinsen und schließlich zu einer geringeren Investitionskreditnachfrage.

 

02. Die Banken dürfen nicht über ausreichende Liquidität verfügen und müssen deshalb Kredite bei der Notenbank nachfragen.

 

03.  Da die von den Banken im Zuge der Kreditgewährung zur Verfügung gestellten Gelder zu einem großen Teil wiederum in den Bankenapparat zurückfließen, kann die Geldmenge insgesamt ausgeweitet werden, wenn die Banken im Gleichschritt ihr Kreditvolumen ausweiten.

 

04. In begrenztem Maße kann auch eine einzelne Bank Giralgeld schaffen, da ein Teil der gewährten Kredite erfahrungsgemäß nicht abgerufen wird und da ein Teil der gewährten Gelder auf Konten von Kunden dieser Bank überwiesen werden.

 

05. Die Einführung einer Mindestreserve sollte ursprünglich lediglich verhindern, dass Banken bei einer Finanzkrise illiquide werden.  In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg diente die Mindestreservepolitik jedoch der Steuerung der Giralgeldmenge.

 

06. Wird der Mindestreservesatz erhöht, so verringert sich der Giralgeldschöpfungsmultiplikator und mit ihm die bei einer bestimmten Notenbankgeldmenge mögliche Giralgeldmenge.

 

07. Im Rahmen der Offenmarktpolitik tritt die Notenbank als Käufer oder Verkäufer auf den Geld- und Kapitalmärkten auf und übt aufgrund ihre Größe einen Einfluss auf den Zinssatz sowie auf die Geldnachfrage aus.

 

08. Bei der Preispolitik setzt die Notenbank den Zins fest, zu dem sie Wertpapiere kauft oder auch verkauft. Bei der Mengenpolitik bestimmt die Notenbank die Menge der gehandelten Wertpapiere und überlässt es dem Markt, welcher Zins sich einstellt.

 

09. Die Notenbank kann nur die Wertpapiere anbieten, über die sie selbst verfügt. Sie kann auch die Banken nicht zwingen, Wertpapiere zu kaufen oder zu verkaufen.

 

10. In keynesianischer Sicht kann die Stabilisierungspolitik der Notenbank dadurch erschwert werden, dass bei einem Leistungsbilanzüberschuss die inländische Nachfrage steigt.

 

11. In klassischer Sicht kann die Stabilisierungspolitik der Notenbank dadurch erschwert werden, dass die Notenbank in einem System fester Wechselkurse bei einem Leistungsbilanzüberschuss Devisen aufkaufen muss und damit die inländische Geldmenge vergrößert.

 

12. Die europäische Notenbank verfügt nicht über das Instrumentarium der Diskontsatzpolitik; werden Mindestreservesätze erhoben, müssen diese verzinst werden. Die aktive Leitzinspolitik rückte näher an die passive Offenmarktpolitik heran.