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Gliederung der Vorlesung:

 

01. Einführung                    

02. Das Ziel der Vollbeschäftigung

03. Das Ziel der Geldwertstabilität

04. Das Ziel eines angemessenen wirtschaftlichen Wachstums

05. Die theoretischen Grundlagen der Beschäftigungspolitik

06. Die theoretischen Grundlagen der Stabilisierungspolitik

07. Die theoretischen Grundlagen der Wachstumspolitik

08. Die geld- und außenwirtschaftspolitischen Mittel

09. Die finanzpolitischen Mittel

10. Die einkommenspolitischen Mittel

11. Institutionelle Maßnahmen

12. Die Träger der Konjunktur- und Wachstumspolitik

 

 

Kapitel 4. Das Ziel eines angemessenen

wirtschaftlichen Wachstums

 

 

Gliederung:

 

01. Die Unterscheidung: nominelles und reales Wachstum

02. Die Unterscheidung zwischen Brutto- und Nettoinlandsprodukt

03. Die Unterscheidung: extensives und intensives Wachstum

04. Vermögenszuwächse als Maßstab wirtschaftlichen Wachstums

05. Die Unterscheidung: maximales und optimales Wachstum

06. Was heißt optimales Wachstum?

07. Das Problem der wachstumspolitischen Situationsanalyse

08. Das wachstumspolitische Ziel als Selbstzweck

09. Die verteilungspolitische Begründung der Wachstumspolitik

10. Die außenwirtschaftliche Begründung der Wachstumspolitik

11. Wachstumspolitik als Beschäftigungspolitik?

12. Konflikte mit anderen Zielen der Wirtschaftspolitik

 

 

01. Die Unterscheidung: nominelles und reales Wachstum

 

In diesem Kapitel wollen wir uns mit den Zielen der Wachstumspolitik befassen. Es geht also um die Förderung des wirtschaftlichen Wachstums. Was versteht man nun im Einzelnen unter wirtschaftlichem Wachstum und anhand welcher Variablen messen wir den Umfang dieses Wachstums?

 

Ausgangspunkt ist das BIP (Bruttoinlandsprodukt). Für jede einzelne Unternehmung wird festgestellt, wie viel Wert diese Unternehmung zur gesamten Produktion einer Volkswirtschaft in einer Periode beigetragen hat. Das BIP ist jedoch als Wachstumsmaßstab ungeeignet. Ein bloßes Ansteigen des Inlandsprodukts aufgrund von Preissteigerungen stellt keine Wohlfahrtssteigerung dar.

 

Deshalb wird allgemein vorgeschlagen, das Inlandsprodukt zu deflationieren. Das nominelle Inlandsprodukt wird hierbei durch das Preisniveau dividiert, wir erhalten auf diese Weise das reale Inlandsprodukt:

 

Yreal = Y/ P

 

·        Y: nominelles Inlandsprodukt

·        P: Güterpreisniveau

 

 

02. Die Unterscheidung zwischen Brutto- und Nettoinlandsprodukt

 

Ausgangspunkt sei nochmals das Bruttoinlandsprodukt: (BIP). Hiervon leiten wir zunächst das Nettoinlandsprodukt zu Marktpreisen (NIP) ab, das wir dadurch erhalten, dass wir ausgehend vom BIP die Abschreibungen δ abziehen:

 

NIP = BIP - δ    mit  δ : Abschreibungen

 

Die Unterscheidung zwischen Brutto- und Nettogrößen trägt dem Umstand Rechnung, dass im Zuge der Produktion in jeder Periode ein Verschleiß der Anlagen stattfindet, der von dem gesamten Wert abgezogen werden muss, wenn man mit dem Einkommensbegriff feststellen will, um wie viel  der Wert aller Güter in einer Periode angestiegen ist. Die Abschreibungen sind hierbei ein Maßstab für diesen Verschleiß, wobei es zu berücksichtigen gilt, dass diese Größe oftmals nicht exakt bestimmt werden kann und deshalb bisweilen fiktiv festgelegt wird.

 

Als nächstes bestimmen wir das Nettoinlandsprodukt zu Faktorpreisen (NIPF), es ergibt sich daraus, dass wir vom Nettoinlandsprodukt zu Marktpreisen die Subventionen (Subv) hinzuzählen und die indirekten Steuern (Tind) abziehen:

 

NIPF = NIP + Subv - Tind

 

Subv: Subventionen;

Tind:    indirekte Steuern

 

Mit dem Begriff des Inlandsproduktes zu Faktorpreisen wird die Frage gestellt, wie viel Wert denn nun an die Produktionsfaktoren, welche an der Produktion beteiligt waren, ausgezahlt werden kann. Diese Wertsumme unterscheidet sich von den Verkaufserlösen (dem Nettoinlandsprodukt zu Marktpreisen) einmal dadurch, dass die Unternehmung vom Umsatz einen bestimmten Prozentsatz an Umsatz- und Verbrauchssteuern an den Staat abführen muss, es sind die indirekten Steuern, welche also vom Verkaufserlös abgezogen werden müssen. Zum andern erhält eine Unternehmung auch staatliche Subventionen, welche genauso wie die echten Verkaufserlöse an die Produktionsfaktoren verteilt werden und somit die an die Produktionsfaktoren zu verteilende Einkommenssumme vergrößern.

 

In seinem Marktwert gleichbedeutend mit dem Nettoinlandsprodukt zu Faktorpreisen ist das Volkseinkommen (E). Während der Begriff des Inlandsproduktes von der Angebotsseite ausgeht, zeigt der Begriff des Volkseinkommens die Gesamtproduktion von der Nachfrageseite aus.

 

Vom Volkseinkommen lässt sich schließlich das privat verfügbare Einkommen (Eprv) ableiten. Es errechnet sich daraus, dass wir ausgehend vom Volkseinkommen die Transferzahlungen (TR) hinzuzählen und die direkten (Tdir) Steuern abziehen:

 

Eprv = E + TR – Tdir

 

Dieser letzte Begriff berücksichtigt, dass sich das Einkommen, welches den privaten Haushalten tatsächlich zur Verfügung steht, aus zweierlei Gründen vom Volkseinkommen unterscheidet. Auf der einen Seite müssen die Haushalte einen Teil ihres Bruttoeinkommens in Form von direkten Steuern, zu denen vor allem die Einkommenssteuern zählen, an den Staat abführen, über diese Einkommensteile können also die privaten Haushalte nicht verfügen. Auf der anderen Seite erhalten viele Haushalte aber neben ihrem regulären Erwerbseinkommen weitere Einkünfte, die in ihrer Summe als Transfereinkommen bezeichnet werden.

 

Grundsätzlich lassen sich diese verschiedenen Einkommensbegriffe sowohl als nominelle wie auch als reale Größen definieren. Wie bereits angedeutet, eignen sich jedoch nur die realen Einkommensbegriffe als Maßstab für das wirtschaftliche Wachstum.

 

 

03. Die Unterscheidung: extensives und intensives Wachstum

 

Weiterhin wird im Allgemeinen zwischen einem extensiven und einem intensiven Wachstum unterschieden. Der Begriff des extensiven Wachstums bezieht sich auf das Inlandsprodukt (Y) als Maßstab. Es wird die Frage gestellt, wie viel Güter für die gesamte Volkswirtschaft hergestellt werden, ohne die Frage zu stellen, was dies für die einzelnen Individuen dieser Volksgemeinschaft bedeutet.

 

Der Begriff des intensiven Wachstums hebt eben gerade auf diesen letztgenannten Unterschied ab. Es wird darauf abgehoben, wie viel der Einzelne im Durchschnitt zur Produktion beigetragen hat, bzw. wie viel Einkommen der Einzelne wiederum im Durchschnitt erhält.

 

Hierbei wird dieser Begriff in unterschiedlichem Sinne verwendet. Dieser Begriff wird erstens im Sinne von Produktivitätssteigerungen verstanden. Es wird danach gefragt, wie viel Güter die einzelnen Bürger im Durchschnitt produziert haben:

 

Maßstab: Yreal/F        F: Faktor z. B. Arbeit

 

Es gibt allerdings unterschiedliche Produktivitätsbegriffe je nachdem, ob das Inlandsprodukt in Wertgrößen auf den Faktor Arbeit oder auf den Faktor Kapital bezogen wird:

 

Yreal/A, Yreal/K Arbeits-, Kapitalproduktivität

 

Der Begriff: intensives Wachstum wird zweitens im Sinne von Steigerungen des Pro-Kopf-Einkommens verstanden:

 

Y/B                     B: Bevölkerung

 

Wozu eignen sich nun die verschiedenen Begriffe? Der Wert des Pro-Kopf-Einkommens lässt erkennen, was sich die einzelnen Konsumenten leisten können, wobei das Einkommen entweder zum Ankauf von Konsumgütern oder aber auch für Sparzwecke verwandt werden kann. Spart ein Haushalt bestimmte Einkommensteile, so verschiebt er die Konsummöglichkeiten auf zukünftige Perioden. Ersparnisse können aber auch dazu dienen, Vermögen an die Kinder oder andere Personen zu vererben.

 

Die Produktivität umfasst im Gegensatz zum Pro-Kopf-Einkommen auch Freizeitveränderungen. Steigt die Produktivität, so kann der Lohnsatz angehoben werden und das Lohneinkommen kann somit auch dann steigen, wenn nicht mehr Arbeitsstunden als bisher aufgebracht werden. Oder aber das Lohneinkommen bleibt im Vergleich zu der Vorperiode konstant und kann aufgrund der Produktivitätssteigerung mit einem geringeren Arbeitseinsatz erbracht werden, sodass die einzelnen Arbeitnehmer über mehr Freizeit verfügen. Sowohl der Verbrauch von Konsumgütern wie die Freizeitaktivitäten bringen dem Einzelnen Nutzenzuwächse, wobei es von der individuellen Bedarfsstruktur eines jeden Einzelnen abhängt, welche dieser beiden Alternativen (mehr Konsum oder mehr Freizeit) einen größeren Nutzen bringt.

 

 

04. Vermögenszuwächse als Maßstab wirtschaftlichen Wachstums

 

Die Klassiker verstanden unter Wachstum im Gegensatz zu der bisher dargestellten Betrachtung den Zuwachs von Produktionsmöglichkeiten. Mögliche Maßstäbe waren:

 

·        das erwerbswirtschaftliche Vermögen, sowie

·        der Bildungsstand

 

Das Vermögen sowie der Bildungsstand der Arbeitnehmer gestatten eher eine Aussage über die Wachstumschancen als das Inlandsprodukt. Ein Teil des Inlandsprodukts wird ja konsumiert und kann deshalb nicht wie die Ersparnisse dafür eingesetzt werden, die Produktion in den nächsten Perioden zu steigern.

 

Misst man das Wachstumsniveau einer Volkswirtschaft an einem Einkommensbegriff, so erfährt man etwas darüber, was sich die Volksgemeinschaft in der augenblicklichen Periode leisten kann. Die Einkommensteile, welche konsumiert werden, sind verbraucht und können gerade deshalb nicht dafür eingesetzt werden, die Produktionsmöglichkeiten in den zukünftigen Perioden zu verbessern.

 

Misst man jedoch den Wohlstand an dem Vermögen einer Volkswirtschaft, so erfährt man etwas darüber, welchen Wert die Produktionsanlagen aufweisen und wie viel deshalb in den kommenden Perioden produziert werden kann.

 

Die Wachstumschancen einer Volkswirtschaft hängen jedoch nicht nur von den sachlichen Produktionsanlagen ab. Auch der Bildungsstand der Arbeitnehmer ist maßgebend dafür, ob die Produktion in den zukünftigen Perioden aufrechterhalten und sogar gesteigert werden kann.

 

Nun verbinden wir im Allgemeinen mit dem Begriff des Wachstums weniger die Frage, welchen Wohlstand sich eine Bevölkerung in der gegenwärtigen Periode leisten kann. Wachstum bedeutet wachsen und dieser Begriff verweist vielmehr darauf, dass die Volkswirtschaft sich verbessern kann und will zum Ausdruck bringen, dass das Produktionsniveau in den zukünftigen Perioden ansteigen wird.

 

Insofern könnte man zu dem Schluss kommen, dass Vermögensstand und Bildungsniveau sehr viel geeignetere Maßstäbe für das wirtschaftliche Wachstum darstellen als die verschiedenen Einkommensbegriffe.

 

Trotzdem wird das Wachstumsziel heute ganz allgemein mit der Steigerung des Einkommens verbunden; dass die Produktionskapazitäten viel eher etwas über die Wachstumsmöglichkeiten aussagen, wird allenfalls am Rande vermerkt.

 

Wenn wir uns nach den Gründen fragen, warum denn die Wachstumschancen einer Volkswirtschaft nicht anhand der Vermögensbegriffe gemessen werden, liegt dies sicherlich daran, dass auch der Vermögensbegriff keinen zuverlässigen Wachstumsmaßstab darstellt.

 

Erstens besagt die Produktionskapazität ja nichts darüber aus, ob bzw. in welchem Umfang diese Produktionskapazitäten in den zukünftigen Perioden ausgelastet werden. Es handelt sich hierbei allein um die Möglichkeiten der Produktion. In einer Marktwirtschaft wird aber nur das produziert, was auch nachgefragt wird. Die Konjunktur, also das tatsächliche Produktionsniveau der kommenden Periode kann aber auch zurückgehen, auch wenn noch so viel Produktionskapazitäten vorhanden sind.

 

Die Produktionskapazität ist also nur eine notwendige, aber nicht ausreichende Voraussetzung dafür, dass mehr produziert wird. Wenn man aber diese Einschränkung macht, dann kann man das potentielle Wachstum auch am Einkommen messen. Es steht ja nicht von vornherein fest, wie viel der heutigen Einkommen konsumiert werden, ein gesteigertes Einkommen setzt eine Volkswirtschaft ebenfalls in die Lage, mehr zu sparen, mehr zu investieren und damit die Produktionskapzität auszuweiten. Sowohl der Einkommensbegriff wie auch der Vermögensbegriff beschränken sich also darauf, auf Möglichkeiten des Wachstums hinzuweisen. Ob bzw. in welchem Umfang von diesen Möglichkeiten auch Gebrauch gemacht wird, hängt von weiteren Faktoren ab.

 

Darüber hinaus müssen wir uns auch die Frage stellen, von welchen Bestimmungsgründen es denn abhängt, in welchem Umfang die Produktionskapazitäten ausgeweitet werden. Und in diesem Zusammenhang ist das heutige Einkommen und der heutige Einkommenszuwachs eines der wichtigsten Variablen, welche auch eine Zunahme der Produktionskapazität im Allgemeinen auslösen. Insofern dringt der Einkommensbegriff als Maßstab für das wirtschaftliche Wachstum tiefer in die Ursachenanalyse ein als der Vermögensbegriff.

 

Zweitens eignet sich der Hinweis auf den Umfang der Produktionsanlagen weniger als Maßstab für das zukünftige Wachstum, da ja der bloße Umstand, dass eine Volkswirtschaft über zahlreiche Produktionsanlagen verfügt, wenig darüber aussagt, wie produktiv diese Anlagen sind. Wir müssen mit der Möglichkeit rechnen, dass wegen Veränderung im Bedarf ein Teil der Produktionsanlagen gar nicht zum Zuge kommt oder dass aufgrund neuer Erfindungen ein Teil der bisherigen Anlagen als veraltet zu gelten hat.

 

Vor allem wenn der technische Fortschritt in einer Verbesserung der Qualität der Produkte besteht, wird es an Bereitschaft der Konsumenten fehlen, die mit den bisherigen Anlagen erstellten Produkte überhaupt noch nachzufragen. Und auch dann, wenn der technische Fortschritt vorwiegend in einer Kostensenkung besteht, ist zu befürchten, dass die bisherigen Kunden zu den Produzenten abwandern, welche diese neuen Verfahren anwenden, sodass auch in diesem Falle die bisherigen Produktionsanlagen zum Teil still stehen werden.

 

 

05. Die Unterscheidung: maximales und optimales Wachstum

 

Weiterhin wird in der Literatur zwischen maximalem und optimalen Wachstum unterschieden. Wenden wir uns zunächst dem Begriff des maximalen Wachstums zu: Ein maximal technisch mögliches Wachstum würde erreicht, wenn einerseits für den Konsum nur das physische Existenzminimum, sowie andererseits für Freizeit  nur das Freizeitminimum verbleiben würde.

 

Das Freizeitminimum beschränkt sich auf die Freizeit, welche zur Regeneration unbedingt benötigt wird. Kein Mensch kann auf Dauer ohne Schlaf auskommen, er hat einen Mindestbedarf, der etwa zwischen sechs und acht Stunden pro Nacht schwankt, auch bedürfen die Menschen zur vollen Entfaltungsmöglichkeit bei der beruflichen Arbeit auch eine Mindesturlaubszeit. Würden nun die Arbeitnehmer alle restliche Zeit für die berufliche Arbeit einsetzen, könnte technisch gesehen ein Maximum an Einkommen erzielt werden.

 

Wie stark das Wachstum des Einkommens in den zukünftigen Perioden ausfällt, hängt nun entscheidend auch davon ab, wie viel dieses Einkommens für den Kauf der Konsumgüter verwendet wird und wie viel für die Ersparnisse zurückgelegt wird. Wenn nun diese Ersparnisse für den Kauf von Investitionsgüter verwandt werden, kann die Produktionskapazität und mit ihr die zukünftige Produktion gesteigert werden.

 

Dieser Effekt tritt nicht nur ein, wenn der Sparer die Ersparnisse in einem eigenen Betrieb investiv anlegen würde oder Wertpapiere einer Unternehmung kauft. Wir können davon ausgehen, dass ein Großteil dieser Ersparnisse den Banken angeboten wird und dass diese die Sparsummen als Kredite an Unternehmungen weiterleiten, wobei auf funktionierenden Kapitalmärkten Zinsvariationen dafür verantwortlich sind, dass Angebot (an Ersparnissen) und Nachfrage nach Investitionskrediten einander angenähert werden.

 

Das so berechnete maximale Wachstum ist jedoch als Wohlfahrtsindikator ein ungeeignetes Mittel, da nur dann von Wohlfahrtssteigerungen gesprochen werden kann, wenn auch langfristig gesehen Zuwächse von Konsum und Freizeit möglich sind.

 

In einem Diagramm wollen wir auf der Abszisse den Zukunftskonsum und auf der Ordinate den Gegenwartskonsum abtragen. Auf der einen Seite zeichnen wir in diesem Diagramm eine Schar von Indifferenzkurven ein. Auf der anderen Seite sollen die Produktionsmöglichkeiten durch eine Transformationskurve berücksichtigt werden.

 

Optimal wäre eine Aufteilung zwischen Gegenwarts- und Zukunftskonsum im Tangentialpunkt beider Kurven. Es könnte zwar das Wachstum gesteigert (maximiert) werden, wenn der Gegenwartskonsum auf das Existenzminimum beschränkt werden würde. Das Diagramm zeigt aber, dass dieses maximale Wachstum suboptimal wäre, da es eine andere Aufteilung der Ressourcen gibt, welche einen höheren Nutzen garantieren würde.

 

 

 

In einem weiteren Diagramm wird auf der Abszisse die Freizeit und auf der Ordinate der Konsum abgetragen. Auf der einen Seite tragen wir in diesem Diagramm wiederum eine Schar von Indifferenzkurven ab. Auf der anderen Seite sollen die Produktionsmöglichkeiten durch eine Transformationskurve abgetragen werden.

 

Optimal wäre eine Aufteilung zwischen Freizeit und Konsum im Tangentialpunkt beider Kurven. Es könnte das Wachstum jedoch wiederum gesteigert (maximiert) werden, wenn die Freizeit auf ein Minimum beschränkt werden würde. Aber auch hier gilt, dass dieses maximale Wachstum auf einer Indifferenzkurve liegt, die unterhalb der Indifferenzkurve liegt, welche ein Optimum garantiert.

 

 

 

06. Was heißt optimales Wachstum?

 

Der Begriff optimales Wachstum kann i. S. einer Tautologie verstanden werden. Optimales Wachstum ergibt sich hier aus den freiwilligen Entscheidungen aller Individuen. Dadurch dass sich die Individuen so verhalten, wie sie sich verhalten, geben sie kund, dass sie auf diese Weise ihr Optimum realisieren.

 

Wenn die Individuen nämlich noch nicht ihr Optimum erreicht hätten, wenn es also für die Konsumenten andere Kombinationen gäbe, die eine höhere Wohlfahrt garantierten, wären sie auch nicht mit ihren bisherigen Entscheidungen zufrieden und würden durch Änderungen in ihrem Freizeit- und Sparverhalten kund tun, dass sie noch nicht ihr Optimum erreicht haben und nach neuen Lösungen suchen, vorausgesetzt natürlich, die Individuen verhalten sich rational.

 

Diese Begriffsbestimmung ist für wissenschaftliche Analysen jedoch wenig geeignet, da sie aufgrund ihres tautologischen (immer wahren) Inhalts auch nie falsifiziert werden kann. Was tautologisch immer wahr ist, bringt keine neue Information und täuscht nur neues Wissen vor.

 

Der Begriff optimales Wachstum wird deshalb auch in der Wohlfahrtstheorie etwas anders verwendet. Von optimalen Wachstum wird hier gesprochen, wenn die geplante Investition (die Investition ex ante) der geplanten Ersparnis (der Ersparnis ex ante) entspricht.

 

Im Rahmen der Wohlfahrtstheorie geht man zwar auch aus, dass nur dann von einer optimalen Lösung gesprochen werden kann, wenn die Bedürfnisse der Haushalte im Hinblick auf die Aufteilung der knappen Ressourcen auf Gegenwarts- und Zukunftsgüter erfüllt werden. Es wird aber nicht als selbstverständlich erachtet, dass die freien Entscheidungen stets das Optimum erfüllen.

 

Es wird vielmehr davon ausgegangen, dass unterschiedliche Individuen an der Erfüllung dieser Aufgabe teilnehmen: Die Haushalte legen fest, bei welcher Ersparnishöhe die Zukunftsbedürfnisse der Individuen bzw. die Wachstumsziele  erfüllt werden, während die Unternehmer diese Ersparnisse nachfragen, um sie zu investieren und um damit die Voraussetzungen zu schaffen, dass die Bedürfnisse der Haushalte auch in Zukunft erfüllt werden können.

 

Es ist also wünschenswert, dass Investitionen und Ersparnisse einander entsprechen. Aber der Markt sorgt nur unter ganz bestimmten Bedingungen dafür, dass Ungleichgewichte zwischen Investition und Ersparnis abgebaut werden. Es sind also reale Prozesse, welche das Optimum sicherstellen, das Optimum ergibt sich hier nicht bereits aus der Definition. Es müssen vielmehr Hypothesen formuliert werden, die nur dann als bestätigt angesehen werden können, wenn es nicht in empirischen Untersuchungen gelingt, diese Hypothesen zu falsifizieren.

 

Hierbei wird das Spar- bzw. Konsumverhalten der Haushalte mit Hilfe der kollektiven Indifferenzkurven, das Verhalten der Unternehmer mit Hilfe der Transformationskurve beschrieben. Diese kollektiven Indifferenzkurven fassen alle Kombinationen von Gegenwarts- und Zukunftsgütern zusammen, welche eine gleiche Wohlfahrt bewirken. Die Transformationskurve hingegen unterrichtet darüber, welche Kombinationen von Gegenwarts- und Zukunftsgüter bei gegebener Produktionstechnik und gegebenem Bestand an materiellen Ressourcen möglich sind. Der Einfachheit halber zeichnen wir in unser Diagramm nur eine dieser Indifferenzkurven ein und zwar diejenige, welche gerade die Transformationskurve tangiert.

 

 

 

Dieser Tangentialpunkt zeigt die Kombination beider Güterbündel an, bei welcher die höchstmögliche Wohlfahrt erzielt wird. Jede Kombination (jeder Punkt dieses Diagramms), welche oberhalb dieses Tangentialpunktes liegt, weist auf eine Alternative hin, welche zwar einen höheren Nutzen stiften würde, welche aber gar nicht realisiert werden kann. Jede Kombination unterhalb dieses Tangentialpunktes hingegen verweist auf Lösungen, welche zwar auch möglich sind, aber eine geringere Wohlfahrt garantieren als der Tangentialpunkt.

 

Der Begriff optimales Wachstum wird weiterhin in der Wachstumstheorie im Sinne einer Maximierung der Konsumsumme über die Zeit verstanden. Es wird hier also von einem optimalen Wachstumspfad gesprochen, wenn gerade soviel in den einzelnen Perioden gespart wird, dass über eine längere Zeit hinweg ein Maximum an Konsummöglichkeiten erreicht wird.

 

Entsprechend der neoklassischen Wachstumstheorie wird ein optimales Wachstum dann erzielt, wenn die Summe des Konsums in allen Perioden (gegenwärtig wie zukünftig) maximiert wird. Nach der Ramsey-Regel findet eine Maximierung des Konsums genau dann statt, wenn der Gleichgewichtszins der Wachstumsrate des Inlandsproduktes entspricht. 

 

 

 

Nun lassen sich allerdings Geldsummen verschiedener Perioden nicht ohne weiteres miteinander vergleichen. Wenn man z. B. einen Kredit aufnimmt, um mit diesem Geld die Käufe in zukünftigen Perioden zu finanzieren, so muss man zusätzlich zum zukünftigen Wert dieses Gutes einen Zins entrichten. Dies bedeutet, dass wir dann, wenn wir bestimmte Geldsummen erst in der Zukunft für den Kauf von Gütern verwenden, das Geld in der Zwischenzeit zinsbringend anlegen können, sodass dann der Warenwert dieser Geldsumme aufgrund der Zinserträge gestiegen ist. Aus den gleichen Gründen ist der Wert der heutigen Geldsumme weniger Wert, wenn ich bereits heute über Einkommen der zukünftigen Perioden verfügen möchte, deshalb einen Kredit nehme und dafür Zinsen zahlen muss.

 

Weil also Geldsummen in verschiedenen Perioden einen unterschiedlichen Wert aufweisen, sind wir bei dem Versuch, Werte verschiedener Perioden zu addieren, gezwungen, diese zunächst auf einen einheitlichen Wert zu bringen. Die einzelnen Wohlfahrtswerte der einzelnen Perioden lassen sich hierbei dadurch miteinander vergleichen und auch addieren, in dem man zuvor jeweils die Gegenwartswerte berechnet. Der Gegenwartswert eines Geldbetrages der Vorperiode ergibt sich dadurch, dass wir den Vorjahreswert mit dem Zinsfaktor (1+ i) multiplizieren.

 

Auch in der Umwelttheorie werden Wachstumsprobleme angesprochen. Hier wird von nachhaltigem Wachstum gesprochen, wenn die Umweltschäden berücksichtigt werden, welche aufgrund der Produktion entstehen. Wachstum ist danach nur auf lange Sicht gesichert, wenn mit den knappen Rohstoffen kein Raubbau getrieben wird, wenn also dem Prinzip der Nachhaltigkeit entsprochen wird. Eine Politik gilt hierbei als nachhaltig, wenn sie dafür Sorge trägt, dass im Umfang der heute verbrauchten knappen Ressourcen neue Ressourcen für die Zukunft zur Verfügung stehen.

 

In diesem Zusammenhang ist von Bedeutung, dass in der Realität bei der Produktion von Gütern nicht immer alle Kosten in Rechnung gestellt werden, welche bei der Produktion von Gütern einer Volkswirtschaft entstehen. In der Wohlfahrtstheorie sprechen wir hierbei von externen Kosten (und auch Erträgen). Externe Kosten entstehen immer dann und in dem Umfang, wenn bzw. indem die bei den Unternehmungen entstehenden Kosten geringer ausfallen als die Kosten der gesamten Volkswirtschaft.

 

Beispielsweise entlässt eine Unternehmung bei der Produktion entstehende giftige Gase wie Kohlendioxide über Schornsteine in die Luft und schädigt dabei die Umwelt dadurch, dass auf diese Weise in der näheren Umgebung der Produktionsstätte die Krankheitsfälle zunehmen und damit zusätzliche Kosten zur Behandlung dieser Krankheiten entstehen. Trotzdem werden diese Kosten ohne eigene politische Maßnahmen den Unternehmungen nicht angerechnet, da Luft an und für sich ein freies Gut darstellt.

 

Da deshalb der Unternehmung zu geringe Kosten angerechnet werden, wird bei Konkurrenz auch der Preis dieser Güter nicht mehr der Knappheitslage entsprechen, er ist gemessen an den gesamten einer Volkswirtschaft entstehenden Kosten zu gering.

 

Da aber nun die private Nachfrage entscheidend von der Höhe des Preises abhängt, wird bei Vorliegen externer Kosten von diesen umweltbelastenden Gütern zu viel nachgefragt.

 

Man hat nun den Versuch unternommen, in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung bei der Ermittlung des Inlandsproduktes diese externen Kosten abzuziehen, da bei Vorliegen externer Kosten der zunächst ausgewiesene Wert des Inlandsproduktes eben um diese externen Kosten zu hoch ausgewiesen wird.

 

Die Schwierigkeit hierbei besteht jedoch darin, dass der genaue Marktwert dieser externen Kosten nicht bekannt ist. In einer Marktwirtschaft wird über das Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage der Wert der einzelnen Güter ermittelt. Es sind die Nutzen, welche die einzelnen Käufer der Waren erzielen, Nutzen sind jedoch zunächst subjektive Größen, welche sich nicht miteinander vergleichen lassen. Es ist dem Markt zu verdanken, diese zunächst subjektiven Größen in objektiv mit einander vergleichbare Variablen (in Preise) umzuwandeln.

 

Dies bedeutet aber auch, dass für externe Kosten gar keine Marktwerte bekannt sind, da ja freie Güter nicht auf Märkten gehandelt werden. Man ist also bei der Bestimmung der Marktwerte für die externen Kosten auf Annäherungswerte angewiesen. Nach einem Vorschlag der Vertreter der property-rigth’s Bewegung kann der Staat allerdings durch Schaffung von Verschmutzungsrechten Märkte simulieren und auf diesem Wege Werte auch für die externen Kosten erhalten.

 

 

07. Das Problem der wachstumspolitischen Situationsanalyse

 

Aussagen über das erwünschte Wachstum der zukünftigen Perioden setzen Prognosen über die wirtschaftlichen Daten voraus. Es gibt jedoch keine langfristig gesicherten Prognosen über wirtschaftliche Daten. Auch kleine Prognosefehler kumulieren sich. Weiterhin steigt die Variationsbreite der Möglichkeiten mit der Zeit. Damit verringert sich der Aussagewert einer Prognose, je länger der Zeitraum ist, für den eine Prognose durchgeführt wird.

 

Aufgrund des Umstandes, dass unser Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge stets mehr oder weniger unvollkommen ist, sind wir fast nie in der Lage, den genauen Wachstumspfad der zukünftigen Perioden anzugeben. Wir sind deshalb gezwungen, für die Prognosen eine ganz bestimmte Variationsbreite anzugeben. In der folgenden Graphik wollen wir unterstellen, dass das Inlandsprodukt (Y) günstigstenfalls entsprechend der eingezeichneten roten Linie verlaufe, im ungünstigsten Falle hingegen den in der gelben Linie gezeigten Verlauf nehme. Es ist klar, dass der Informationsgehalt einer Prognose um so geringer ist, je größer diese Variationsbreite ist. In dem hier unterstellten Fall kann noch nicht einmal mit Sicherheit gesagt werden, dass das Inlandsprodukt steigen wird, dass also mit einer positiven Wachstumsrate fest gerechnet werden kann. Es besteht hier die Gefahr, dass unter Umständen das Inlandsprodukt sogar fallen wird.

 

 

 

Die weitere Graphik geht nun davon aus, dass für die nächste Periode in der Tat zwei verschiedene Wachstumspfade möglich sind. Der Unterschied in der Höhe des Inlandsproduktes zwischen der heutigen und der nächsten Periode mag – wie in dieser Graphik unterstellt – gering sein. Die Graphik zeigt aber, dass die Variationsbreite um so größer wird, je länger der Zeitraum ist, für den eine Prognose formuliert werden soll. Dieses zeigt, dass im Rahmen der Wirtschaftswissenschaften längerfristige Prognosen immer fragwürdiger werden, dass ihr Informationsgehalt mit der Länge des Prognosezeitraumes immer geringer wird, sodass nur Prognosen über einen mittleren Zeitraum von wenigen Jahren überhaupt sinnvoll sind.

 

 

Fortsetzung folgt!