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Gliederung der Vorlesung:

 

01. Einführung                    

02. Das Ziel der Vollbeschäftigung

03. Das Ziel der Geldwertstabilität

04. Das Ziel eines angemessenen wirtschaftlichen Wachstums

05. Die theoretischen Grundlagen der Beschäftigungspolitik

06. Die theoretischen Grundlagen der Stabilisierungspolitik

07. Die theoretischen Grundlagen der Wachstumspolitik

08. Die geld- und außenwirtschaftspolitischen Mittel

09. Die finanzpolitischen Mittel

10. Die einkommenspolitischen Mittel

11. Institutionelle Maßnahmen

12. Die Träger der Konjunktur- und Wachstumspolitik

 

Kapitel 3. Das Ziel der Geldwertstabilität Forts.

 

 

Gliederung:

 

01. Galoppierende versus schleichende  Inflation

02. Soll das Güterpreis- oder das Lohnniveau stabilisiert werden?                                      

03. Welche Preisindizes lassen sich unterscheiden ?

04. Ist eine kurzfristige Stabilisierung erwünscht?

05. Wie beeinflusst die Inflation die Faktorallokation ?

06. Lässt sich Inflation allokativ rechtfertigen?

07. Wachstumspolitische Begründung für Stabilität

08. Wie wirkt sich Inflation auf Fixeinkommensempfänger aus ?

09. Welchen Einfluss hat die Inflation auf Lohneinkommen ?

10. Wie verändert die Inflation die Vermögensposition ?

11. Konflikte zwischen Stabilität und LB-Ausgleich

 

 

 

06. Lässt sich Inflation allokativ rechtfertigen?

 

Von Charles Schultze stammt die These, dass – ganz im Gegensatz zu den bisherigen Schlussfolgerungen – Inflationen sogar die Allokation (die Aufteilung der knappen Ressourcen auf die einzelnen Verwendungsarten) verbessern können. Er geht hierbei von der Feststellung aus, dass Preise nach unten ganz allgemein rigide sind. Deshalb seien Anpassungen der Preisrelationen an Datenänderungen nur durch Preissteigerungen möglich. Deshalb sei auch eine geringfügige Inflation aus allokationspolitischen Gründen durchaus erwünscht. 

 

Diese Rechtfertigung inflatorischer Prozesse begegnet jedoch der Kritik: Diese Argumentation gilt nämlich nur für eine nominelle Rigidität der Preise, de facto sind jedoch auch die realen Preise einer Rigidität ausgesetzt.

 

Beispielsweise zeigt die Vereinbarung von Indexlöhnen, dass die Gewerkschaften auch eine Verringerung der Reallöhne (nicht nur der Nominallöhne) zu verhindern versuchen. Bei Vereinbarung von Indexlöhnen beschließen die Tarifpartner, die Lohnsätze automatisch im Umfang der Inflationsrate anzupassen. Dies hat zur Folge, dass nicht nur die Nominallöhne während der Dauer eines Tarifvertrages nach unten unveränderlich sind, dass vielmehr auch die Reallöhne nach unten nicht mehr korrigiert werden können.

 

Wenn aber eine solche Rigidität in Bezug auf die realen Preise besteht, hat dies zur Folge, dass die Preisrelationen auch nicht mehr durch Anhebung der Preise an die Entwicklung angepasst werden können. Nehmen wir an, dass das Lohnzinsverhältnis nicht mehr dem Knappheitsverhältnis von Arbeit und Kapital entspreche, dass die Lohnsätze durch Gewerkschaftseinsatz eine Höhe erreicht hätten, bei der nicht mehr alle Arbeitnehmer beschäftigt werden können.

 

Wenn nun der Versuch unternommen werden würde, diese Fehlentwicklung dadurch zu korrigieren, dass man über eine expansive Geldpolitik generelle Steigerungen in den Güterpreisen zulassen wollte, so würde dies auf lange Sicht zu keiner Korrektur des Lohn-Zinsverhältnisses führen. Die Gewerkschaften würden nämlich die Verringerung ihres Reallohneinkommens aufgrund der allgemeinen Preissteigerungen nicht hinnehmen und eine Erhöhung der Lohnsätze erzwingen, aufgrund derer das bisherige (suboptimale) Lohnzins-Verhältnis wiederum eintreten würde. Ja, es bestünde sogar die Gefahr, dass sich das LohnZins-Verhältnis um ein Weiteres von seiner optimalen Größe entfernen würde, da eine expansive Geldpolitik auch eine Zinssenkung zur Folge hat, mit dem Ergebnis, dass das Lohnzins-Verhältnis um ein Weiteres steigt.

 

Der Versuch, eine Anpassung der Preisrelationen an Datenänderungen über inflatorische Prozesse zu erzielen, stellt ein Kurieren am Symptom dar. Eine anhaltende Lösung wirtschaftlicher Probleme lässt sich jedoch immer nur dadurch erreichen, dass man sich zunächst die Frage stellt, aufgrund welcher Ursachen das vorliegende Problem entstanden ist und dann aufgrund dieser Kenntnisse diese Ursachen zu beseitigen sucht.

 

Weichen die Faktorpreisrelationen von den Knappheitsverhältnissen ab, so liegt dies zumeist daran, dass auf den Märkten monopolistische Verhaltensweisen vorliegen, welche es auf politischem Wege zu korrigieren gilt. Auf den Arbeitsmärkten finden wir die Marktform des bilateralen Monopols vor, welche durchaus monopolistische Verhaltensweisen zulässt. Da Arbeitsmärkte nicht in die Marktform der vollständigen Konkurrenz überführt werden können, gilt es die Spielregeln für die Auseinandersetzungen der Tarifpartner so zu setzen, dass die Machtverhältnisse einigermaßen austariert werden. In der BRD versuchen die obersten Arbeitsgerichte solche Spielregeln einzuführen.

 

So findet die Macht der Tarifpartner dort ihre Begrenzung, wo die Interessen der Allgemeinheit stark verletzt werden. Diese Politik führt aber nur dann zum Erfolg, wenn auch die Bereitschaft besteht, diese Spielregeln zu befolgen und Missachtung dieser Spielregeln auf gerichtlichem Wege zu ahnden. Offensichtlich fehlt diese Bereitschaft heutzutage weitgehend.

 

 

07. Wachstumspolitische Begründung für Stabilität

 

Die neoliberalen Wirtschaftstheoretiker verteidigen die Forderung nach Geldwertstabilität zum Teil auch mit wachstumspolitischen Zielen.

 

Wachstum werde nur durch Innovationen erreicht, Innovationen fänden nur bei intensivem Wettbewerb statt. Bei Inflation bestünden jedoch Nachfrageüberhänge, die keinen Wettbewerb zulassen. Deshalb könne nur bei Geldwertstabilität mit langfristigem Wachstum gerechnet werden.

 

Wir hatten bereits gesehen, dass sich das wachstumspolitische Ziel sowohl auf das Inlandsprodukt als auch auf das Pro-Kopf-Einkommen beziehen kann, dass aber nur dann mit dem Wachstum zugleich Wohlfahrtsgewinne verbunden sind, wenn nicht nur das gesamte Inlandsprodukt steigt, sondern zugleich das Pro-Kopf-Einkommen bzw. die Produktivität gesteigert werden kann. Steigt nämlich das Inlandsprodukt nur deshalb, weil mehr Arbeitskräfte eingesetzt werden, hat sich das Wohlfahrtsniveau der einzelnen Bürger nicht verändert. Es ist zwar mehr produziert worden, aber diese vermehrte Gütermenge muss nun auch auf mehr Individuen aufgeteilt werden.

 

Selbst dann, wenn im Zuge einer Zunahme des Inlandsproduktes das Pro-Kopf-Einkommen deshalb steigt, weil sich die durchschnittliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer erhöht hat, ist es fragwürdig, immer von einem echten Wohlfahrtsgewinn zu sprechen. Denn der Vermehrung der Gütermenge entspricht ja in diesem Falle eine Verminderung der Freizeit. Nur dann, wenn in diesem Falle der Nutzenentgang aufgrund der verminderten Freizeit geringer veranschlagt wird als der Nutzenzuwachs aufgrund der vermehrten Konsumgüter, kann von einem echten Wohlfahrtsgewinn gesprochen werden.

 

Wenn wir das Wachstumsziel anhand der Produktivität messen, werden beide Alternativen berücksichtigt. Eine Produktivitätssteigerung verbessert die Wohlfahrt nämlich sowohl dann, wenn bei gleichbleibendem Arbeitseinsatz mehr Güter produziert werden als auch dann, wenn mehr Freizeit in Anspruch genommen werden kann, da aufgrund der Produktivitätssteigerung die bisherige Gütermenge nun mit weniger Arbeitsstunden erstellt werden kann.

 

Produktivitätssteigerungen sind im Allgemeinen (mit gewissen Ausnahmen) nur dann zu erwarten, wenn die Unternehmer zu Innovationen bereit sind. Wenn jedoch die Preise generell steigen, sehen sich die Unternehmer in der Lage, alle Kosten auf den Preis aufzuschlagen, eine Notwendigkeit, nach Kostensenkungen Ausschau zu halten, besteht nicht mehr.

 

Dies bedeutet, dass Preissteigerungen dann möglich werden, wenn Nachfrageüberhänge bestehen, in diesem Falle stehen aber die Unternehmer nicht mehr unter Konkurrenzdruck. Sie können jede Preissteigerung durchsetzen, ohne Gefahr zu laufen, dass ihre Kunden zu den Konkurrenten überwechseln. Insofern verhindert also ein Inflationsklima die Voraussetzung für ein anhaltendes Wachstum.

 

Im Rahmen des Keynesianismus wurde hingegen eine leichte (schleichende) Inflation aus wachstumspolitischen Gründen sogar verteidigt. Ein Wachstum setze ausreichende Investitionen voraus. Der Kapitalmarkt funktioniere aber nicht so, wie von der klassischen Theorie unterstellt wird. Entsprechend der klassischen Theorie sorge der Zinsmechanismus für einen automatischen Ausgleich zwischen Ersparnis und Investition. Sei die Investitionsbereitschaft zu gering, übersteige also die Sparsumme die geplante Investitionssumme, so sinke der Zins und diese Zinssenkung führe automatisch dazu, dass das Investitionsdefizit und somit der Angebotsüberhang auf den Kapitalmärkten abgebaut werde.

 

Keynes bezweifelte, dass ein freier Kapitalmarkt hierzu in der Lage sei. Ein Teil der Ersparnis werde gehortet, also gar nicht dem Kapitalmarkt zugeführt. Im Rahmen seiner Liquiditätstheorie hat Keynes gezeigt, dass vorübergehendes Horten von Geld sogar durchaus rational sein kann, da mögliche Kursverluste schwerer wiegen können als Zinsgewinne.

 

Darüber hinaus hielt Keynes den Kapitalmarkt auch deshalb für ungeeignet, für einen automatischen Ausgleich von Ersparnis und Investition zu sorgen, weil die Unternehmer in Zeiten des Konjunkturrückgangs über freie Kapazitären verfügten und aus diesem Grunde auch bei Zinssenkungen nicht bereit seien, zu investieren und damit die Produktionskapazität sogar noch zu erhöhen.

 

In einer solchen Situation sei eine leichte Inflation hilfreich. In einem Klima permanenter leichter Preissteigerungen verbesserten sich die Gewinnerwartungen der Unternehmer und mit den Gewinnerwartungen auch die Bereitschaft zur Investition. Die Zunahme im Investitionsvolumen sei jedoch die wichtigste Voraussetzung für ein Wachstum.

 

Milton Friedman hat diese These kritisiert. Allenfalls kurzfristig führe eine solche Politik des Zulassens einer leichten Inflation zu einem Erfolg. Langfristig forderten die Gewerkschaften eine Lohnanpassung an die Preissteigerungen, was wiederum zu einer Reduzierung der Gewinne und damit der Produktion führt.

 

Wenn aber die Unternehmer befürchten müssen, dass die anfänglichen Preis- und Gewinnsteigerungen nur vorübergehend eintreten würden, dann wären die Unternehmer auch nicht bereit, Arbeitskräfte neu einzustellen. Sie befürchteten nämlich, dass sie diese Arbeitskräfte wegen einer rigorosen Kündigungsgesetzgebung gar nicht mehr entlassen könnten, wenn die Produktion über kurz oder lang wiederum wegen mangelnden Absatzes reduziert werden muss.

 

Eine leichte Inflation als Mittel für ein Wachstum wäre somit nur dann ein geeignetes Mittel, wenn wir unterstellen könnten, dass die Gewerkschaften keine Anpassung der Löhne an die veränderte Situation fordern würden. Genau damit kann jedoch nicht gerechnet werden.

 

In dem Maße, in dem die Unternehmer ihre Gewinne steigern können, verschlechtert sich die Situation der Arbeitnehmer auf zweifache Weise. Auf der einen Seite sinken die Reallöhne, solange die Nominallohnsätze nicht an die gesteigerten Güterpreise angepasst werden. Auf der anderen Seite verschlechtert sich auch die relative Stellung der Arbeitnehmer in der Einkommensstruktur. Steigen die Gewinne und bleiben die Lohneinkommen davon unberührt, so sinkt automatisch der Anteil der Lohneinkommen am Inlandsprodukt. Die Gewerkschaften werden also bestrebt sein, baldmöglichst – und dies ist nach Auslaufen des gültigen Tarifvertrages – eine Anpassung der Löhne zu erkämpfen. Und im Allgemeinen sind die Gewerkschaften auch stark genug, diese Anpassung zu erzwingen.

 

Damit entfällt jedoch die Voraussetzung dafür, dass ein leichter Inflationsprozess die Gewinnerwartungen und damit das wirtschaftliche Wachstum steigern hilft. Preissteigerungen lassen die Gewinne nur dann steigern, wenn nicht die Kosten in gleichem Umfang angehoben werden. Gleichzeitig muss auch daran erinnert werden, dass die Gewinne sehr wohl auch bei konstanten oder sogar sinkenden Preisen steigen bzw. erhalten werden könnten, sofern die Kosten aufgrund von Produktivitätssteigerungen gesenkt werden und diese Kostensenkungen nicht wieder voll dazu benutzt werden, um die Lohneinkommen in gleichem Ausmaße wie die Produktivität zu erhöhen.

 

 

08. Wie wirkt sich Inflation auf Fixeinkommensempfänger aus?

 

Unsere bisherigen Überlegungen haben gezeigt, dass sich eine Inflation negativ sowohl auf die Allokation wie auch auf das wirtschaftliche Wachstum auswirken kann. Trotzdem dürfte der wichtigste Grund dafür, dass von Inflationen negative Auswirkungen ausgehen, darin liegen, dass durch Inflationsprozesse die Einkommensverteilung in nicht erwünschtem Sinne beeinflusst wird. Eine Inflation benachteiligt erstens die Fixeinkommensempfänger, kann sich zweitens auch auf die Lohnquote negativ auswirken und belastet drittens die einzelnen Vermögenden je nach Vermögensposition recht unterschiedlich.

 

Beginnen wir zunächst mit der Benachteiligung der Fixeinkommensempfänger. Ein Fixeinkommen liegt immer dann vor, wenn keine Anpassung der Nominaleinkommen an allgemeine Preissteigerungen stattfindet. Das Realeinkommen der Fixeinkommensempfänger sinkt somit aufgrund konstanter Nominaleinkommen bei Inflation. Die Einkommensquote der Fixeinkommensempfänger sinkt bei steigendem Inlandsprodukt allerdings auch dann, wenn die Preise konstant bleiben!

 

Man könnte sich die Frage stellen, ob es heute überhaupt noch Fixeinkommensempfänger gibt? Sicherlich ist die Zahl der Fixeinkommensempfänger gegenüber früher entscheidend zurückgegangen. Früher (vor 1957) galten vor allem die Altersrenten als Fixeinkommen. Die Renten wurden nicht jedes Jahr ähnlich wie z. B. die Löhne an die Preissteigerungen angepasst. Nur unmittelbar vor den Wahlen gewährten die Politiker den Rentnern eine Erhöhung ihrer Einkommen, um auf diese Weise die Rentner dazu zu veranlassen, ihre Stimme für die jeweilige Regierungspartei abzugeben.

 

Seit der Reform der Altersversicherung im Jahre 1957 werden die Renten im Grundsatz an die Lohnentwicklung und damit auch indirekt an die Preisentwicklung angepasst. Eine volle Automatik wurde zwar nur für die Zugangsrenten (also für die erste Rente nach dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben) beschlossen. Aber immerhin waren die Regierungen mit wenigen Ausnahmen bereit, auch die Bestandsrenten (die Renten in den folgenden Jahren nach der Verrentung) an die Lohneinkommensentwicklung anzupassen. In der Folgezeit wurden auch andere Renten wie z. B. die Unfallrenten dynamisiert.

 

Trotzdem konnte man bis vor kurzem immer noch davon sprechen, dass die Rentner keine volle Anpassung an die Inflationsrate erfahren haben, da bis in die 90er Jahre die Renten nicht an die Lohneinkommen der gleichen Periode, sondern mit einer Verzögerung von drei Jahren an vergangene Lohneinkommen angepasst wurden. Es gibt darüber hinaus auch nicht-dynamisierte Transfereinkommen wie z. B. das Wohngeld.

 

Es gibt keinen einleuchtenden Grund, die Empfänger von Fixeinkommen nicht am generellen Wachstum zu beteiligen. Im Grunde gibt es eine Grundsatzentscheidung, auf welchem Wege Produktivitätssteigerungen an die Bevölkerung weitergegeben werden. Eine Weitergabe der Produktivitätssteigerungen kann sowohl dadurch erfolgen, dass die Güterpreise entsprechend der Kostensenkungen ebenfalls gesenkt werden oder dadurch, dass die Nominaleinkommen im Ausmaß der Produktivitätssteigerungen gesteigert werden.

 

In Wirklichkeit kommt fast nur der zweitgenannte Weg zum Zuge. In diesem Falle entspricht es jedoch den allgemeinen Verteilungsprinzipien, dass bei dieser Weitergabe keine Bevölkerungsgruppe ausgenommen werden darf. Es gibt keinen überzeugenden Grund, dass ein Teil der Bevölkerung an allgemeinen Wohlfahrtssteigerungen ausgenommen wird.

 

Die Lösung dieses Problems liegt natürlich darin, dass der Versuch unternommen wird, die Zahl derjenigen, welche ein Fixeinkommen beziehen, so weit wie nur möglich, zu reduzieren.

 

 

09. Welchen Einfluss hat die Inflation auf Lohneinkommen?

 

Wenden wir uns nun der Frage zu, ob bzw. unter welchen Bedingungen auch die Empfänger von Lohneinkommen aufgrund von Inflationsprozessen benachteiligt werden. Oftmals wird die These vertreten, dass die Tariflöhne nur verzögert an Preissteigerungen angepasst werden (These vom wage lag). Der Tariflohn gilt nämlich für die Dauer des Tarifvertrages und damit in der Regel für ein bis zwei Jahre, während Preissteigerungen kontinuierlich stattfinden. Aus diesem Grunde verringert sich das reale Lohneinkommen in dem Maße, indem die Löhne nur verzögert an die allgemeinen Preissteigerungen angepasst werden.

 

Nun können wir davon ausgehen, dass die Gewerkschaften bemüht sein werden, die Nominallohnsätze baldmöglichst an die allgemeine Preisentwicklung anzupassen. Diese Anpassung erfolgt in den Tarifverträgen, welche die Gewerkschaften mit den Arbeitgebern (bzw. den Arbeitgeberverbänden) abschließen. Tarifverträge haben jedoch in aller Regel gewisse Mindestlaufzeiten oder Kündigungsfristen. Die Gewerkschaften können deshalb eine Anpassung der Lohnsätze an allgemeine Preissteigerungen immer erst verzögert, nach Auslaufen des bisherigen Tarifvertrages erzwingen. Je länger die Laufzeit eines Tarifvertrages ist, um so größer ist demnach auch der reale Einkommensverlust der Arbeitnehmer.

 

Und wenn wir berücksichtigen, dass in der Realität Inflationen nicht einmalige Vorkommnisse darstellen, sondern permanent, also Jahr für Jahr, ausbrechen, kann sich auf dem Wege über Inflationen das reale Lohneinkommen und mit ihm die Lohnquote entscheidend verringern. Auch hier gilt das Gleiche, was wir bereits für die Fixeinkommensempfänger festgestellt haben, es gibt keine Rechtfertigung, dass die Arbeitnehmer bei der Weitergabe der Wohlfahrtsgewinne benachteiligt werden.

 

Allerdings konnten wage lags empirisch nicht nachgewiesen werden, Volkswirtschaften mit hoher Inflationsrate weisen keine geringere Lohnquote auf. Erklären lässt sich dieser empirische Befund damit, dass Kompensationen in den Lohneinkommen zwischenzeitlich durch übertarifliche Lohnzuschläge möglich sind. Zwar lassen sich die tariflichen Lohnsätze aufgrund der Laufzeiten der Tarifverträge nur verzögert an die Preisentwicklung anpassen, zwischenzeitlich besteht die Möglichkeit, das Einkommen der Arbeitnehmer dadurch an inflatorische Prozesse anzupassen, dass die Unternehmer übertarifliche Lohnzuschläge gewähren.

 

In der Tat haben die Unternehmer in der Vergangenheit von dieser Möglichkeit wiederholt Gebrauch gemacht. Diese Leistungen sind jedoch freiwillig, es gibt keine Möglichkeit der Arbeitnehmer, solche Leistungen zu erzwingen.

 

Zum anderen wird bisweilen auch die These vertreten, dass wir es in Wirklichkeit weniger mit einem wage Lag, als mit einem wage Lead zu tun haben: Danach fordern Gewerkschaften eine Anpassung der Löhne nicht etwa für die vergangenen, sondern für die in der kommenden Periode erwarteten Preissteigerungen. Gerade weil die Gewerkschaften wissen, dass sie eine nachträgliche Anpassung der Lohnsätze an allgemeine Preissteigerungen nur verzögert durchsetzen können, versuchen sie bereits in den vorhergehenden Tarifverhandlungen die für die nächste Periode zu erwartenden Preissteigerungen bei ihren Lohnforderungen zu berücksichtigen.

 

Gelingt den Gewerkschaften dieser Versuch und sind die Arbeitgeber bereit, bei ihrem Lohnangebot tatsächlich die zu erwartenden Preissteigerungen zu berücksichtigen, dann in der Tat wird nicht nur ein wage Lag vermieden, ganz im Gegenteil werden nun die Gewinne verzögert an die Preisentwicklung angepasst. Gehen nämlich die Arbeitgeber auf diese gewerkschaftlichen Forderungen ein, so vermindert sich zunächst einmal ihr Realgewinn und dieser steigt erst dann, wenn sie durch weitere Produktivitätssteigerungen und damit Kostensenkungen ihr nominelles Gewinneinkommen wiederum an die allgemeine Einkommensentwicklung angepasst haben.

 

 

10. Wie verändert die Inflation die Vermögensposition?

 

Nach allgemeiner Überzeugung werden durch eine Inflation die Schuldner gegenüber den Gläubigern bevorzugt. Schuldverträge werden im Allgemeinen in nominellen Werten abgeschlossen. Wenn der Schuldner A von dem Gläubiger G einen 10 jährigen Kredit von 100 000 € erhält, hat er nach 10 Jahren eben diese 100 000 € zurückzuzahlen. Wenn jedoch in der Zwischenzeit das Preisniveau aufgrund einer permanent wirkenden Inflationsrate auf insgesamt 25% angestiegen ist, entspricht der Realwert der nach 10 Jahren zurückgezahlten Kreditsumme nicht mehr dem Wert, den diese nominelle Geldsumme vor 10 Jahren hatte. Der Wert des Geldes ist um ein Viertel zurückgegangen, sodass der Gläubiger nach zehn Jahren mit der ausgeliehenen Geldsumme nur noch 3/4 des Warenwertes vor 10 Jahren erwerben kann. Und je höher die Inflationsrate ist, um so höher ist der Verlust des Gläubigers und damit auch der Gewinn des Schuldners. Wiederum gibt es keine Rechtfertigung für diese verteilungspolitischen Wirkungen.

 

Kritisch muss allerdings hinzugefügt werden, dass diese These nur unter gewissen einschränkenden Annahmen gültig ist. Es darf keine Antizipation der Preissteigerungen im Zins vorliegen. In der Tat gehen in den Zins unter anderem auch die erwartete Inflationsrate ein. Allgemein kann auf funktionierenden Kapitalmärkten davon ausgegangen werden, dass die Höhe des Zinssatzes von zwei Faktoren abhängt: erstens von der Höhe der Inflationsrate und zweitens vom Umfang des hierbei auftretenden Risikos.

 

Für Wertanlagen, bei denen nahezu kein Risiko besteht, also mit weitgehender Sicherheit damit gerechnet werden kann, dass der Schuldner seine Kredite zurückzahlen kann, entspricht auf funktionierenden Kapitalmärkten der Zinssatz für Spareinlagen sowie festverzinslichen Wertpapieren der Inflationsrate. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Notenbank keine expansive Geldpolitik mit dem Ziel verfolgt, die Inflationsrate anzuheben. Hier erhält also der Gläubiger bei einer Inflation einen vollständigen Wertausgleich, wird somit auch nicht benachteiligt.

 

Bei risikoreichen Kapitaleinlagen wie vor allem bei Aktien enthält der Zinssatz zusätzlich eine Risikoprämie, die um so höher ausfällt, je höher das eingegangene Risiko ist. Aktienfonds zeichnen sich dadurch aus, dass der Fonds eine Mischung verschiedener Aktien darstellt, wobei der Versuch unternommen wird, möglichst Aktien mit unterschiedlichem Risiko in den Fonds aufzunehmen. Auf diese Weise kann ein gewisser Schutz vor Kursverlusten erreicht werden. Dieser Schutz ist allerdings niemals vollkommen, Risiken, welche im Zusammenhang mit dem Konjunkturverlauf entstehen, können nicht auf diese Weise vollkommen abgedeckt werden, da die meisten Unternehmungen von konjunkturbedingten Einflüssen beeinflusst werden.

 

Eine zweite Möglichkeit, den inflationsbedingten Kapitalverlust zu vermeiden, besteht darin, dass bei der Kreditvergabe Wertsicherungsklauseln vorgesehen werden. So kann der Schuldner verpflichtet werden, zusätzlich zur nominellen Kreditsumme einen Aufschlag für inflationsbedingten Wertverlust zu zahlen. Und dieser Wertverlust könnte z. B. an der tatsächlich eingetretenen Inflationsrate gemessen werden.

 

Inwieweit durch Inflationen der Wert des Vermögens verringert wird, hängt weiterhin von der Art der Vermögensanlage ab. Sachanlagen verlieren durch Preissteigerungen nicht grundsätzlich ihren Wert, Geldvermögen hingegen verlieren ex definitione im Umfang der Inflation ihren Wert, falls nicht die oben erwähnten Ausgleichsmechanismen gewählt wurden. Auch wenn Sachvermögen ex definitione nicht von der Preissteigerungsrate betroffen sind, gelingt auf diesem Weg eine Absicherung vor Wertverlust nur zum Teil. Es ist immer damit zu rechnen, dass Sachanlagen im Zeitverlauf an Wert verlieren, entweder deshalb, weil sich der Bedarf auf andere Güter verlagert hat oder auch deshalb, weil die gleichen Güter aufgrund technischen Fortschritts kostengünstiger hergestellt werden können.

 

 

11. Konflikte zwischen Stabilität und LB-Ausgleich

 

Der wohl wichtigste Konflikt, mit dem das Ziel der Geldwertstabilität in Konflikt geraten kann, ist der Konflikt mit dem Ziel der Währungsstabilität. Während es im Rahmen des Zieles der Geldwertstabilität darum geht, den Wert des inländischen Geldes beim Kauf von Gütern möglichst zu erhalten, bezieht sich das Ziel der Währungsstabilität darauf, sicher zu stellen, dass die eigene Währung im Vergleich zu Währungen fremder Länder möglichst stabil bleibt, das heißt, dass der Wert des eigenen Geldes nicht gegenüber dem Wert fremden Geldes (der Devisen) absinkt. Und da ex definitione das Absinken der einen Währung stets eine Aufwertung einer anderen Währung bedeutet, widerspricht auch eine Aufwertung der eigenen Währung dem Ziel der Währungsstabilität.

 

Beide Ziele (das der Geldwertstabilität sowie das der Währungsstabilität) verfolgen somit das gleiche Ziel. Es soll sichergestellt werden, dass der Wert des eigenen Geldes sowohl gegenüber den Gütern, welche mit dem Geld erworben werden können als auch gegenüber fremden Geldes, das gegen das eigene Geld getauscht werden kann, einigermaßen stabil bleibt.

 

Allerdings besteht auch ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Zielen. Wir haben in den vorhergehenden Abschnitten dieses Kapitels gesehen, dass das Preisniveau im Vergleich zu den Einzelpreisen bei der Lösung der wirtschaftlichen Probleme eigentlich keine Bedeutung hat. Der Einzelpreis soll in einer Marktwirtschaft die Knappheit eben dieses Gutes zum Ausdruck bringen und in dem Maße, in dem die Einzelpreise die Knappheit widerspiegeln, tragen die Preisverhältnisse wesentlich dazu bei, die Produktion am Bedarf der Konsumenten auszurichten.

 

Das Preisniveau hingegen, welches die absolute Höhe der einzelnen Preise wiedergibt, beeinflusst nur auf direkte Weise die Allokation der Produktionsfaktoren nicht. Für die Ausrichtung der Produktion am Bedarf wäre es unerheblich, wenn alle Preise doppelt so hoch wären oder auch nur die Hälfte betragen würde.

 

Wenn wir trotzdem zu dem Ergebnis kamen, dass auch Inflationsprozesse letztendlich die Allokation stören können, liegt dies daran, dass bei Inflationen nahezu nie alle Preise zur gleichen Zeit und in gleichem Umfang verändert werden. Inflationsprozesse beginnen bei einzelnen Gütern und breiten sich allmählich aus, sodass zumindest vorübergehend die Preisrelationen verschoben werden und somit vorübergehend Wohlfahrtsverluste eintreten. Da der Anpassungsprozess weiterhin auf den einzelnen Märkten je nach Anpassungsfähigkeit der einzelnen Marktpartner unterschiedlich verläuft, ist sogar damit zu rechnen, dass durch Inflationsprozesse die Preisrelationen auf Dauer ihr Optimum verfehlen.

 

Anderes gilt für das Ziel der Währungsstabilität. Anders als das Preisniveau ist der Wechselkurs, der den Wert der einen Währung im Vergleich zu fremden Währungen bestimmt, ein Einzelpreis, der sehr wohl im Rahmen des internationalen Verkehrs eine wesentliche Funktion erfüllt. Während der Einzelpreis in der Binnenwirtschaft die Funktion hat, Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage dieses Gutes automatisch, das heißt ohne Eingreifen des Staates, abzubauen, fällt dem Wechselkurs auf freien Devisenmärkten die Aufgabe zu, für einen Ausgleich zwischen den Importen und Exporten einer Volkswirtschaft sicherzustellen.

 

Die Devisenbilanz, welche die Einahmen aus Exportgeschäften und die Ausgaben für Importgüter gegenüber stellt, kann zwar kurzfristig Ungleichgewichte aufweisen. Auf Dauer muss jedoch die Devisenbilanz ausgeglichen sein. Jeder, der Waren exportiert, erwartet eine Bezahlung im Grunde in der Währung des eigenen Landes und diese Devisen erwirbt eine Volkswirtschaft eben nur dadurch, dass Waren in gleichem Werte vorher exportiert wurden und damit Devisen vereinnahmt wurden.

 

Es ist zwar möglich, dass vorübergehend die Importsumme die der Exporte übersteigt. Dieser Weg kann aber nur beschritten werden, wenn entweder zuvor Devisenbilanzüberschüsse erzielt wurden oder das Ausland einen Kredit gewährt. Aber die Kreditgeber erwarten im Allgemeinen, dass diese Kredite in Zukunft zurückgezahlt werden.

 

Wenn ein Land einen Importüberschuss aufweist, kann dieses Problem nicht einfach dadurch gelöst werden, dass die Importmenge beliebig reduziert wird. Oftmals – vor allem im Hinblick auf Rohstoffe – besteht ein dringender Bedarf nach diesen Importgütern, weil die eigene Volkswirtschaft gar nicht über diese Rohstoffe verfügt, diese Rohstoffe aber zur Produktion der lebenswichtigen Güter unerlässlich sind.

 

Wie auf allen freien Märkten, kann auch auf Devisenmärkten ein Ungleichgewicht dadurch abgebaut werden, dass der Wechselkurs verändert wird. Hat ein Land ein Defizit in der Devisenbilanz erzielt, so kann dieses Defizit dadurch abgebaut werden, dass die eigene Währung abgewertet wird. Auf diese Weise sinkt der Preis der im Inland produzierten Waren für die Ausländer in fremder Währung gerechnet.

 

Beispielsweise betrage der Preis eines im Inland produzierten Gutes 10 €. Auf dem Devisenmarkt habe die inländische Währung (der Euro) 2 Einheiten der ausländischen Währung (Dollar) betragen. Also habe ein Ausländer bisher zum Ankauf dieses Importgutes 20 Dollar aufwenden müssen. Denn mit 20 Dollar konnte er auf dem Devisenmarkt 10 Euro erwerben und 10 Euro waren annahmegemäß der Preis dieses Importgutes.

 

Nun sinke der Wert des Euro wegen des inländischen Importüberschusses auf 1 Dollar. Diese Abwertung hat zur Folge, dass Ausländer nun für den Kauf einer Einheit dieses Importgutes nur noch 10 Dollar ausgeben müssen. Bei normalen Reaktionen der ausländischen Käufer kann davon ausgegangen werden, dass die Nachfrage nach inländischen Gütern aufgrund der Preissenkungen in Dollar gerechnet, ansteigt.

 

Dieser Anstieg in der ausländischen Importnachfrage wird (unter gewissen Voraussetzungen) den Export steigern, damit die Deviseneinnahmen erhöhen und schließlich zu einem Abbau des Importüberschusses des Inlandes führen. Allerdings gilt die Einschränkung, dass diese positive Wirkung nur unter gewissen Voraussetzungen zu erwarten ist, da die Abwertung der eigenen Währung die Exportwertsumme auf zweierlei Weise beeinflussen wird.

 

Auf der einen nehmen die Devisenerlöse zu, weil mehr Gütermengen exportiert werden können. Auf der anderen Seite gehen die Devisenerlöse partiell aber auch zurück, da ja in Dollar gerechnet pro Exportgut (trotz gleichbleibender Europreise) weniger Dollars vereinnahmt werden. Der erwünschte positive Effekt (Anstieg der Devisenerlöse) ist nur dann zu erwarten, wenn die Exportgütermenge prozentual stärker steigt als der Exportgüterpreis (in Dollar gerechnet) sinkt. In diesem Falle sprechen wir davon, dass die ausländische Importgüternachfrage elastisch ist und das Defizit in der Devisenbilanz sinkt nur dann, wenn die ausländische Importnachfrageelastizität größer eins ist.

 

Eine gewisse Zeit lang befürchteten einige Außenwirtschaftstheoretiker, dass diese Bedingung oftmals nicht erfüllt sei, dass also die Importnachfrageelastizitäten in Wirklichkeit kleiner eins sein. Man sprach von einem Importpessimismus. Die Erfahrung und die wissenschaftliche Diskussion hat aber gezeigt, dass in Wirklichkeit in aller Regel durchaus Importnachfrageelastizitäten größer eins erwartet werden können und dass deshalb davon ausgegangen werden kann, dass Abwertungen im Allgemeinen zu dem erwünschten (Defizit abbauenden) Effekt führen werden.

 

Abwertungen haben also im Gegensatz zu Variationen im Preisniveau eine Funktion, sie dienen genauso wie die Einzelpreise zum Abbau von Marktungleichgewichten. Da nun davon auszugehen ist, dass aufgrund des technischen Fortschritts wie auch aufgrund eines Bedarfswandels, die sich beide in den einzelnen Ländern unterschiedlich entwickeln können, immer wieder Ungleichgewichte in den Devisenbilanzen entstehen werden, bedarf es auch eines Mechanismus, um diese Defizite wiederum abzubauen. Der wichtigste bekannte Mechanismus zum automatischen Abbau ist aber die Korrektur der Wechselkurse.

 

Genauso aber, wie Inflationsprozesse zu unerwünschten Wirkungen im Hinblick auf die übrigen wirtschaftspolitischen Ziele führen, sind häufige Korrekturen der Wechselkurse aus allgemeinpolitischen Gründen unerwünscht. Häufige Wechselkursänderungen erhöhen das mit dem Außenhandel verbundene Risiko außerordentlich. Es wird oftmals befürchtet, dass diese Unsicherheit eine solche Höhe erreicht, dass aus diesen Gründen Außenhandel unterbleibt, dass damit die internationale Arbeitsteilung außerordentlich behindert wird und mit ihr die hiermit verbundenen Produktivitätssteigerungen in starkem Maße zurückgehen.

 

Zwar bringe nahezu jede unternehmerische Tätigkeit Unsicherheit mit sich. Im Allgemeinen kann man damit rechnen, dass es trotzdem in einer Volkswirtschaft genügend Unternehmer gibt, welche trotz Risiko zur Produktion bereit sind. Risiken, welche den Unternehmern jedoch im Binnenland entstünden, seien wesentlich geringer als die Unsicherheiten aufgrund von häufigen Wechselkursvariationen.

 

Die Unsicherheit im Inland bezieht sich nämlich auf ein einziges Gut, die des Außenhandels auf alle Güter, welche international gehandelt werden, sodass die Zahl der notwendigen Wechselkurskorrekturen bedeutend höher ausfällt als die Notwendigkeit, im Inland einen Preis zu korrigieren. Darüber hinaus könne sich der Unternehmer die relevanten Daten (Bedürfnisse der Verbraucher, mögliches Angebot von Konkurrenten sowie die unterschiedlichsten Rechtsverordnungen) im Inland sehr viel leichter beschaffen als im Ausland. Aus all diesen Gründen sei zu befürchten, dass auf freien Devisenmärkten die Wechselkursvariationen ein so starkes Risiko hervorrufen, dass die internationale Arbeitsteilung gefährdet erscheint.

 

Gerade aus diesen Gründen wurde in der Vergangenheit der Versuch unternommen, die Notenbanken dazu zu verpflichten, auf eine Stabilisierung der Wechselkurse hinzuarbeiten. Ein solches System fester Wechselkurse wurde in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg im IWF-System (Internationaler Währungsfonds) weltweit sowie im EWS-System (Europäisches Währungssystem) vorgesehen. Der wichtigste Unterschied beider Systeme beruhte darin, dass das IWF-System den Dollar als gemeinsame Währung vorsah, während im EWS-System eine neue, künstliche Währung (der ECU) vorgesehen wurde.

 

Betrachten wir die Verhältnisse in einem System fester Wechselkurse. Hierbei gehen wir von einem Zahlungsbilanzüberschuss aus. Die Devisenerlöse aus den Exporten übersteigen die Devisenausgaben aus den Importen. Die Notenbanken treten nun als Käufer auf den Devisenmärkten auf, sie fragen in unserem Beispiel Devisen nach. Um den Wechselkurs trotz Devisenbilanzüberschuss konstant zu halten und eine Aufwertung zu verhindern, muss die Notenbank alle überschüssigen (das heißt nicht für den Import benötigten) Devisen aufkaufen.

 

Da die Notenbank diese Devisen mit einheimischer Währung bezahlt, wird die umlaufende Geldmenge ansteigen. Entsprechend der Quantitätstheorie führt dies ceteris paribus zu Preissteigerungen. Es gilt die Gleichung:

G * U = P * H

 

mit:

 

·        G = umlaufende Geldmenge

·        U = Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes

·        P = Güterpreisniveau

·        H = Handelsvolumen (Gütermenge)

 

Im Ausland erfolgt ein analoger Prozess mit umgekehrten Vorzeichen: Dem Devisenbilanzüberschuss des Inlandes entspricht ein Devisenbilanzdefizit des Auslandes. Auch hier haben die Notenbanken zu intervenieren. Um eine Abwertung zu verhindern, haben die ausländischen Notenbanken Devisen zu verkaufen. Da diese Verkäufe mit dem Geld der ausländischen Notenbanken beglichen werden, wird ausländisches Geld aus dem wirtschaftlichen Kreislauf genommen, die Geldmenge im Ausland sinkt also und dies führt dann im Ausland zu einer Verringerung des Preisniveaus.

 

Die Inflation im Inland sowie die Deflation im Ausland bewirken, dass der Export aus der Sicht des Inlandes zurückgeht und der Import ansteigt. Und diese Veränderungen schlagen sich im Ausland mit umgekehrten Vorzeichen nieder: Der Import des Auslandes geht zurück, der Export hingegen steigt an. Wenn wir wiederum elastische Importnachfrageelastizitäten unterstellen, wird somit aufgrund der Interventionen der Notenbanken der Zahlungsbilanzüberschuss des Inlandes (bzw. das Zahlungsbilanzdefizit des Auslandes) über Inflations- bzw. Deflationsprozesse abgebaut.

 

Es gibt somit nur zwei Möglichkeiten, Zahlungsbilanzungleichgewichte in einer freien Marktwirtschaft abzubauen:

 

In einem System fester Wechselkurse erfolgt also der Zahlungsbilanz-Ausgleich über Inflations- oder Deflationsprozesse, in einem System freier Wechselkurse erfolgt der Zahlungsbilanz-Ausgleich hingegen über Wechselkursanpassungen. Folglich besteht in einem System fester Wechselkurse ein Zielkonflikt  zwischen interner Stabilität und LB-Ausgleich.

 

Achten wir allerdings auf die langfristigen Wirkungen, lässt sich feststellen, dass die Wechselkurse bei Freihandel in einem System fester Wechselkurse gar nicht auf Dauer stabil gehalten werden können. Im Defizitland müsste die Notenbank immer wieder erneut Devisen anbieten. Irgendwann einmal sind die Devisenreserven erschöpft, kein Land wird bereit sein, immer wieder neue Kredite zu gewähren, wenn es aufgrund der Zunahme des Schuldenstandes immer unwahrscheinlicher wird, das die Schulden jemals zurückgezahlt werden können.

 

Gleichzeitig bereitet aber auch die mit dieser Politik der Notenbank verbundene Deflationierung erhebliche Probleme. Keynesianer meinen, dass Deflationsprozesse unbedingt vermieden werden müssten, da Deflationen notwendiger Weise auch zu einem Rückgang in der Produktion und damit auch in der Beschäftigung führen. Wenn man auch darauf hinweisen muss, dass Deflationen keinesfalls immer zu einem Konjunkturrückgang führen, dies ist nur dann der Fall, wenn mit dem Preisniveau auch die Gewinne und damit auch die Gewinnerwartungen zurückgehen, so wird man berücksichtigen müssen, dass sich eine Deflationierung über eine längere Zeit hinweg politisch kaum durchsetzen lässt, mögen die zugrundeliegenden Hypothesen (über den Einfluss einer Deflation auf die Konjunktur) noch so fragwürdig sein.

 

Betrachten wir nun  die Situation im Exportüberschussland. Um eine permanente Aufwertung zu verhindern, müsste die Notenbank permanent Devisen im Umfang des Exportüberschusses aufkaufen. Dies ist natürlich prinzipiell immer möglich. Aber die mit dieser Politik verbundene Inflationierung führt­ – wie in diesem Kapitel bereits gezeigt – zu erheblichen Beeinträchtigungen in der Allokation und in der Verteilung. Also wird eine solche Politik auch langfristig kaum politisch durchsetzbar sein.

 

Gerade aus diesen Gründen werden die Länder über kurz oder lang bei anhaltenden Devisenbilanzungleichgewichten eine Kurskorrektur vornehmen, die Defizitländer werden ihre Währung abwerten, die Überschussländer werden Aufwertungen zulassen. Dies bedeutet aber, dass bei langfristiger Betrachtung in beiden Systemen anhaltende Ungleichgewichte in der Devisenbilanz durch Wechselkursvariationen abgebaut werden.

 

Der Unterschied zwischen beiden Systemen (einem System freier Wechselkurse und einem System fester Wechselkurse) beruht dann lediglich darin, dass in den sogenannten Systemen fester Wechselkurse diese Wechselkursanpassungen verzögert erfolgen, während in einem System freier Wechselkurse diese Kursanpassung kurzfristig nach jedem Auftreten eines Ungleichgewichtes erfolgt.

 

Aber gerade diese Verzögerung innerhalb eines Systems fester Wechselkurse bringt erhebliche Gefahren mit sich. Wenn nämlich ein Land für längere Zeit ein Devisenbilanzdefizit erzielt hat, ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann sich die Notenbank gezwungen sieht, ihre Währung abzuwerten. Und dies bedeutet, dass es sich lohnt, auf eine Abwertung zu spekulieren. Man kauft Devisen des Überschusslandes auf, um sie dann nach der Aufwertung dieser Währung mit Gewinn abstoßen zu können.

 

Entscheidend ist nun, dass mit dieser Spekulation kein größeres Risiko verbunden ist. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Notenbank über kurz oder lang gar nicht anders kann, als ihre Währung abzuwerten, es steht allenfalls zur Diskussion, ob diese Abwertung bereits morgen oder erst nach Verstreichen einer geringen Frist zu erwarten ist. Kommen wird sie auf jeden Fall und je länger diese Abwertung verzögert erfolgt, um so wahrscheinlicher wird es, dass in unmittelbarer Zukunft diese Wechselkurskorrektur erfolgt.

 

Auch dann, wenn die Abwertung nicht in der nächsten Periode erfolgt, hat der Spekulant aufgrund dieser Verzögerung keinerlei Kursverlust zu befürchten. Der Umfang der Abwertung wird ja von dem vorhandenen Devisenbilanzdefizit bestimmt, dadurch, dass die Notenbank eine weitere Periode mit der Abwertung abwartet, wird die Notwendigkeit der Abwertung stets größer und keinesfalls geringer.

 

Gleichzeitig trägt aber gerade der Umstand, dass es sich hierbei um eine risikoarme Spekulation handelt, zu einer Destabilisierung der Devisenmärkte und damit auch des gesamten internationalen Handels bei. Auf der einen Seite werden Kurskorrekturen häufiger und in stärkerem Umfang notwendig. Der Spekulant kauft ja die harte Währung auf, verringert damit die Möglichkeit, mit diesen knappen Devisen Importe zu kaufen, die Notwendigkeit einer Kurskorrektur tritt nun schneller als sonst ein.

 

Auf der anderen Seite bringt es gerade der Umstand, dass es sich hierbei um eine Spekulation fast ohne jedes Risiko handelt, mit sich, dass sich vor allem Laien an diesem Geschäft beteiligen. Für die Frage, wie sich Spekulationen auf den Märkten auswirken, ist aber von entscheidender Bedeutung, ob die Spekulation von Maklern mit ausreichendem Wissen über die Marktentwicklung oder von Laien, denen der Marktüberblick fehlt, betrieben wird.

 

Nehmen wir den Fall, dass an der Börse aus mehr zufälligen Gründen ein enormer Kurssturz eingetreten sei. Informierte Spekulanten wissen, dass dieser Kurssturz keinesfalls durch die Marktdaten begründet werden kann, sie gehen davon aus, dass wegen des Fehlens einer Ursache für diesen Kurssturz über kurz oder lang die Kurse wiederum auf ihr bisheriges Niveau zurückfinden werden. Diese Art Spekulanten wird also diese Devisen aufkaufen, um sie dann später mit Gewinn zu verkaufen. Ein nichtsahnender Laie hingegen befürchtet, dass sich dieser Kursverlust fortsetzen wird und er wird aus diesem Grunde solche Devisen abstoßen, um den drohenden Kursverlusten in naher Zukunft zu entgehen.

 

Der Makler mit Hintergrundwissen trägt durch Ankauf dieser Devisen dazu bei, dass der Kursverlust reduziert wird. Umgekehrt trägt der Laie aufgrund des Verkaufs dieser Devisen dazu bei, dass der Kursverlust stärker wird und anhält. Dadurch, dass nun bei einem System fester Wechselkurs die Spekulation auf Abwertung absolut sicher ist, besteht die Gefahr, dass sich in besonders starkem Maße Laien an der Spekulation beteiligen und dass sich deshalb in diesem Währungssystem die Spekulation insgesamt destabilisierend auswirkt.

 

Zusammenfassung:

 

01. Für die Unterscheidung zwischen schleichender und galoppierender Inflation ist die Frage entscheidend, ab wann das Geld seine Funktionen als Wertaufbewahrungsmittel, als Tauschmittel und als Recheneinheit verliert.

 

02. Das Ziel der Geldwertstabilität bezieht sich in der Regel auf das Preisniveau der Güter. Nur Milton Friedman hatte vorgeschlagen, das Stabilitätsziel auf das Lohnniveau zu beziehen, da auf diesem Wege die Partizipation am wirtschaftlichen Wachstum auch für die Bevölkerungsgruppen möglich sei, die sich nicht politisch organisieren können. Die Gewerkschaften bestreiten die größere Gerechtigkeit, da die Unternehmungen bei monopolistischen Strukturen gar nicht unter dem Druck stehen, Kostensenkungen im Preis weiterzugeben.

 

03. Im Allgemeinen wird zwischen den Preisindizes des Handelsvolumens, des Inlandsproduktes und der Lebenshaltungskosten unterschieden, wobei es auf die jeweilige Problemstellung ankommt, welcher Begriff herangezogen wird.

 

04. Da Preisschwankungen im Konjunkturverlauf eine positive Funktion erfüllen, ist es zweckmäßig, das Ziel der Geldwertstabilität auf den gesamten Konjunkturzyklus zu beziehen.

 

05. Geldwertstabilität ist die Voraussetzung für eine befriedigende Allokation, da der Inflationsprozess zu einer Verzerrung der Preisrelationen führt.

 

06. Charles Schultze hielt eine gewisse Inflation aus allokationspolitischen Gründen für notwendig, da aufgrund von Vermachtungserscheinungen die Preise nach unten inflexibel sind. Wenn jedoch Interessengruppen eine nominelle Reduzierung ihrer Einkommen verhindern können, ist es unwahrscheinlich, dass sie eine Korrektur der Realeinkommen hinnehmen.

 

07. Liberale Theoretiker sehen in der Geldwertstabilität die Voraussetzung für anhaltendes Wachstum. Wachstum setzt Innovationen voraus, zu diesen sind jedoch die Unternehmer nur bereit, wenn sie unter stetigem Wettbewerbsdruck stehen. In Zeiten von Inflationen und Nachfrageüberhängen entfällt der Wettbewerbsdruck, der Unternehmer kann fast jede Kostensteigerung auf die Preise abwälzen.

 

08. Keynesianer hielten eine geringfügige Inflation für ein Wachstum notwendig, da mit den Güterpreisen auch die Gewinne und mit ihnen die Investitionsbereitschaft ansteige. Milton Friedman machte allerdings darauf aufmerksam, dass dieser Effekt verpufft, sobald die Gewerkschaften in den Tarifverhandlungen einen Kaufkraftausgleich durchgesetzt haben.

 

09. Geldwertstabilität wird auch aus verteilungspolitischen Gründen gefordert.  Inflationen benachteiligen die Fixeinkommensempfänger, da die Nominaleinkommen ex definitione nicht an die Preissteigerungen angepasst werden. Allerdings ist die Zahl der Fixeinkommensempfänger seit der Dynamisierung der Renten stark gesunken. Die Renten werden prinzipiell an Lohnsteigerungen angepasst, jedoch anfangs nur verzögert, weiterhin besteht die Möglichkeit der Aussetzung einer Rentenanpassung.

 

10. Nach allgemeiner Vorstellung benachteiligen Inflationen bei einer verzögerten Lohnanpassung auch die Lohnempfänger. Dieser wage-lag-Effekt konnte jedoch empirisch nicht nachgewiesen werden, da die Verzögerung durch übertarifliche Lohnzuschläge reduziert wird und da die Gewerkschaften ihre Lohnforderungen an der erwarteten Preissteigerung ausrichten.

 

11. Im allgemeinen werden durch Inflationen die Gläubiger benachteiligt, die Schuldner begünstigt. Dieser Effekt tritt jedoch nur dann ein, wenn keine Wertsicherungsklauseln vereinbart werden. Weiterhin gilt, dass auf einem unbeeinflussten Kapitalmarkt und bei rationalem Verhalten die erwartete Inflationsrate im Zinssatz berücksichtigt wird.

 

12. In einem System fester Wechselkurse besteht ein Konflikt zwischen dem Ziel des Devisenbilanzausgleiches einerseits und den konjunkturpolitischen Zielen andererseits. Der Überschuss in der Devisenbilanz kann bei Verzicht auf eine Aufwertung nur dadurch beseitigt werden, dass ein Anstieg des nationalen Preisniveaus, also ein Inflationsprozess (in den Ländern mit Devisenbilanzüberschuss) zugelassen wird.

 

 

Fragen zu Kapitel 3:

 

01. Was versteht man unter schleichender, was unter galoppierender Inflation? 

 

02. Soll das Güterpreisniveau oder das Lohnniveau stabilisiert werden?

 

03. Welche Preisindizes werden unterschieden?

 

04. Gilt die Forderung nach Preisniveaustabilität kurz- oder langfristig?

 

05. Auf welchem Wege beeinflusst eine Inflation die Allokation?

 

06. Wie rechtfertigt Ch. Schultze eine gewisse Inflation aus allokativen Gründen?

 

07. Warum wirkt sich nach neoliberaler Ansicht eine Inflation wachstumsbehindernd aus?

 

08. Warum hielten Keynesianer eine gewisse Inflation für das Wachstum für notwendig?

 

09. Welche Bevölkerungsgruppe ist am meisten durch Inflationen bedroht?

 

10. Wie wurde die These vom wage lag begründet?

 

11. Verschlechtern Inflationen die Position derjenigen, welche Geldforderungen besitzen?

 

12. Wann besteht ein Zielkonflikt zwischen Geldwert- und Wechselkursstabilisierung?

 

 

 

Antworten zu Kapitel 3:

 

01. Ob eine Inflation schleichend oder galoppierend ist, wird oftmals am Umfang der Inflation gemessen. Bei einer Inflationsrate bis zu etwa 5% wird von schleichender Inflation gesprochen, sonst von galoppierender Inflation.

 

02. Im Allgemeinen wird das Ziel verfolgt, die Güterpreise zu stabilisieren, nur Milton Friedman schlägt vor, das Lohnniveau zu stabilisieren.

 

03. Im Allgemeinen unterscheidet man zwischen einem Preisindex, der sich auf die Handelspreise oder auf das Inlandsprodukt bezieht und dem sogenannten Lebenshaltungskostenindex, welcher nach den Preissteigerungen fragt, welche eine durchschnittliche Familie erfährt. 

 

04. Im Allgemeinen wird die Forderung nach Preisniveaustabilität für jede Periode erhoben. Schumpeter schlägt jedoch vor, dieses Ziel nur für den gesamten Konjunkturzyklus zu verfolgen, da Variationen im Preisniveau positive Funktionen besitzen.

 

05.  Die Allokation hängt in erster Linie von den Preisrelationen und nicht vom Preisniveau ab. Da aber über Inflationsprozesse indirekt auch die Preisrelationen zumindest kurzfristig verzerrt werden, übt die Inflation auch einen unerwünschten Einfluss auf die Allokation aus.

 

06. Ch. Schultze hat die Auffassung vertreten, dass eine Anpassung der Preise an Datenänderungen nur über allgemeine Preissteigerungen erreicht werden kann, da machtbedingt einige Preise nicht sinken können.

 

07. Nach neoliberaler Ansicht beeinflussen Inflationen das Wachstum negativ, da bei Inflationen Nachfrageüberhänge entstehen, welche den Anreiz zur Innovation abschwächen, da die Unternehmer alle Kostensteigerungen auf den Güterpreis abwälzen können.

 

08. Keynesianer befürchten, dass das wirtschaftliche Wachstum daran scheitert, dass die Unternehmer zu wenig investieren. Bei einer leichten Inflation würden hingegen die Gewinne steigen und die Unternehmer wären zu vermehrten Investitionen bereit.

 

09. Inflationen führen automatisch zu einer Verringerung der Fixeinkommensempfänger. Ex definitione wird ein Fixeinkommen nicht automatisch an Preissteigerungen angepasst.

 

10. Entsprechend der These vom wage lag verringert sich bei permanenten Preissteigerungen das Realeinkommen der Arbeitnehmer, da die Lohnanpassungen nur verzögert nach Auslaufen des jeweils gültigen Tarifvertrages erfolgen.

 

11. Inflationen verschlechtern bei Inflation nur dann das Realvermögen der Gläubiger, wenn im Zins kein Ausgleich für Preissteigerungen gewährt wird und wenn keine Wertsicherungsklauseln vereinbart werden.

 

12. In einem System fester Wechselkurse sind die Notenbanken verpflichtet, durch Devisenmarktinterventionen Veränderungen im Wechselkurs zu verhindern. In diesem Falle kann jedoch ein Ausgleich der Devisenbilanz nur dadurch ermöglicht werden, dass Anpassungen der nationalen Preisniveaus zugelassen werden.