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Gliederung der Vorlesung:

 

01. Einführung                    

02. Das Ziel der Vollbeschäftigung

03. Das Ziel der Geldwertstabilität

04. Das Ziel eines angemessenen wirtschaftlichen Wachstums

05. Die theoretischen Grundlagen der Beschäftigungspolitik

06. Die theoretischen Grundlagen der Stabilisierungspolitik

07. Die theoretischen Grundlagen der Wachstumspolitik

08. Die geld- und außenwirtschaftspolitischen Mittel

09. Die finanzpolitischen Mittel

10. Die einkommenspolitischen Mittel

11. Institutionelle Maßnahmen

12. Die Träger der Konjunktur- und Wachstumspolitik

 

Kapitel 3. Das Ziel der Geldwertstabilität

 

 

Gliederung:

 

01. Galoppierende versus schleichende  Inflation

02. Soll das Güterpreis- oder das Lohnniveau stabilisiert werden?                                      

03. Welche Preisindizes lassen sich unterscheiden ?

04. Ist eine kurzfristige Stabilisierung erwünscht?

05. Wie beeinflusst die Inflation die Faktorallokation ?

06. Lässt sich Inflation allokativ rechtfertigen?

07. Wachstumspolitische Begründung für Stabilität

08. Wie wirkt sich Inflation auf Fixeinkommensempfänger aus ?

09. Welchen Einfluss hat die Inflation auf Lohneinkommen ?

10. Wie verändert die Inflation die Vermögensposition ?

11. Konflikte zwischen Stabilität und LB-Ausgleich

 

 

 

01. Galoppierende versus schleichende  Inflation

 

In diesem Kapitel wollen wir uns mit dem Ziel der Geldwertstabilität befassen. Beginnen wir unsere Analyse mit der Frage, was wir denn unter Geldwertstabilität verstehen und wie wir das Ausmaß einer Inflation mit Hilfe der Inflationsrate messen.

 

Im Allgemeinen wird zwischen einer schleichenden und einer galoppierenden Inflation unterschieden. Der Unterschied zwischen beiden Arten liegt hier im Umfang der Inflation. Eine schleichende Inflation liegt bei einer Inflationsrate von 1 - 5%, eine galoppierende Inflation hingegen bei Preissteigerungen über 5%.

 

Wenn wir allerdings berücksichtigen, dass Inflationen nicht so sehr um ihrer selbst willen bekämpft werden, sondern einfach deshalb, weil Geldwertstabilität eine Voraussetzung dafür ist, dass die wichtigsten sonstigen Ziele der Wirtschaftspolitik erreicht werden können, dann ist der Bezug auf das Ausmaß der Inflation recht unbefriedigend. Es lässt sich nämlich feststellen, dass die Gefahren, welche von einer Inflation ausgehen, auch bei gleichbleibender Inflationsrate recht unterschiedlich stark ausfallen.

 

Viel wichtiger ist die Unterscheidung nach der Rolle der Geldfunktionen. Welche Geldfunktionen sind noch intakt, welche Funktionen sind aufgrund der Inflation außer Kraft? Wir unterscheiden im Allgemeinen drei unterschiedliche Funktionen des Geldes und zwar:

 

·        die Funktion der Recheneinheit,

·        die Funktion des Tauschmittels sowie

·        die Funktion der Wertaufbewahrung.

 

Von schleichender Inflation sprechen wir dann, wenn die Geldfunktionen noch intakt sind, von galoppierender Inflation hingegen, wenn diese Geldfunktionen gefährdet sind.

 

Geld kann im Allgemeinen seine Funktion als Recheneinheit nur dann erfüllen, wenn der Geldwert im Zeitablauf einigermaßen stabil ist. Die Knappheitsrelationen werden an den Preisverhältnissen gemessen und die Preisverhältnisse werden in Geldeinheiten ausgedrückt. Ein Vergleich der Preise, die sich auf unterschiedliche Zeitperioden beziehen, lässt sich jedoch nur dann einigermaßen korrekt durchführen, wenn die Preise in gleichen Werteinheiten ausgedrückt werden.  

 

Ähnliches gilt für die Funktion des Geldes als allgemeines Tauschmittel. Der Verkäufer einer Ware ist ja nicht an dem Geld interessiert, das er als Gegenwert für die verkaufte Ware erhält. Er will das Geld dazu benutzen, um auf diesem Umwege eine Ware zu beziehen. Wenn nun der Wert dieses Geldes im Zeitablauf schwindet, ist eine rationale Planung zumindest erschwert. Ist der Wertverlust des Geldes sogar sehr groß und reduziert sich deshalb der Wert der Geldes in immer geringeren Abständen, so werden die einzelnen Individuen gezwungen, das Geld möglichst sofort wiederum in Waren umzusetzen, es wird immer weniger möglich, vernünftig zu planen, sich vor dem Kauf genau zu überlegen, bei welchen Waren die eigenen Bedürfnisse am besten realisiert werden.

 

Im Allgemeinen treten in den Zeiten, in denen eine hohe Inflation herrscht, ersatzweise andere Tauschmittel an die Stelle des Geldes, vor allem solche, welche einen relativ hohen Warenwert aufweisen und im  Zeitablauf wertstabil sind und deshalb notfalls auch als Ware eingesetzt werden können.

 

Auch hier kommt es im Hinblick auf die Funktion des Geldes als Tauschmittel weniger darauf an, wie groß die Inflationsrate ist. Es ist durchaus denkbar, dass wirtschaftliches Planen auch dann noch möglich ist, wenn Periode für Periode das Geld an Wert verliert. Viel wichtiger als die Stärke der Geldentwertung pro Periode ist die Frage, inwieweit die Entwertung möglichst in gleichen Schritten voran schreitet. Wenn die Individuen z. B. wüssten, dass in jeder Periode (sagen wir in jedem Monat) das Geld um einen ganz bestimmten Betrag, etwa um 1% ansteigen würde, könnten die einzelnen Individuen diese voraussehbare Geldentwertung in ihren Planungen berücksichtigen, man würde eben dann die zu erwartenden Verluste aufgrund der Geldentwertung als Kosten in den Preis der einzelnen Güter miteinbeziehen.

 

Damit ist jedoch nicht viel gewonnen. In aller Regel lässt sich nämlich die Rate der jährlichen Geldentwertung gar nicht eindeutig festlegen. Hat sich einmal eine bestimmte Inflation eingespielt, dann hängt die Schnelligkeit, mit der sich die Inflation ausbreitet, nicht nur davon ab, um  wie viel die umlaufende Geldmenge pro Periode ansteigt. Dies wäre eine noch einigermaßen kalkulierbare Größe. Der Geldwert hängt jedoch sowohl vom Umfang der umlaufenden Geldmenge wie auch von der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes ab.

 

Und wie sich die Umlaufsgeschwindigkeit bei einer Inflation verändert, hängt in erster Linie davon ab, wie schnell die Individuen reagieren und wie lang deshalb im Durchschnitt ein Geldschein in der Kasse der Haushalte bzw. der Unternehmungen verbleibt. Da aber diese Anpassungsgeschwindigkeit selbst wiederum vom Ausmaß der Inflation abhängt, führt dieser Prozess zu einer immer mehr anwachsenden Inflation. Da aber niemand voraussehen kann, wie schnell die einzelnen Individuen auf den Geldwertschwund reagieren, lässt sich auch die Schnelligkeit, mit der sich eine Inflation ausbreitet, nicht berechnen. Es bleibt eine hohe Unsicherheit und es ist in erster Linie diese Unsicherheit, welche dem Geld bei Inflation die Eigenschaft als Tauschmittel nimmt.

 

Schließlich einige Worte zur Wertaufbewahrung. Auch hier gilt, dass sich das Geld nur dann als Mittel der Wertaufbewahrung eignet, wenn der Geldwert relativ stabil ist. Genau um den Betrag, den die Inflation ausmacht, sinkt auch der Wert des in Geld aufbewahrten Vermögens.

 

Allerdings ist für diese Frage weniger der Grad der Unsicherheit als vielmehr der Umfang der Geldentwertung für den Vermögensverlust aufgrund einer Inflation maßgeblich. Man könnte höchstens davon sprechen, dass durch den Grad der Unsicherheit darüber, wie schnell sich eine Inflation ausbreitet, im Hinblick auf die Vermögensdispositionen auch wiederum eine Planung erschwert wird.

 

Im Hinblick auf die Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes gibt es jedoch eine ganze Reihe von Umgehungsstrategien. So können erstens bei Geldgeschäften, welche über eine längere Zeit laufen, Werterhaltungsklauseln vereinbart werden. So könnte z. B. beim Abschluss eines Kreditvertrages, der über 10 Jahre läuft, vereinbart werden, dass der Kreditnehmer am Ende dieser Vertragsdauer nicht nur den Nominalwert des erhaltenen Kredites zurückzuzahlen hat, sondern zusätzlich den Verlust, der aufgrund der Geldentwertung aufgetreten ist.

 

Wenn auch solche Werterhaltungsklauseln für den betroffenen Kreditgeber einen vollen Schutz gegenüber Geldentwertung gewähren könnten, fällt das Urteil über diese Wertklauseln sehr viel schlechter aus, wenn wir nach deren gesamtwirtschaftlichen Wirkungen fragen. Wir erinnern uns, dass Preisvariationen in einer Marktwirtschaft immer eine Funktion haben: Sie dienen dazu, Knappheitsverhältnisse baldmöglichst zu überwinden.

 

Dadurch, dass bei Knappheit der Preis ansteigt, werden Anreize gesetzt, das Angebot zu erhöhen und die Nachfrage zu vermindern. Werden nun Wertsicherungsklauseln vereinbart, werden diese Funktionen zum Teil unterlaufen. Dies hat jedoch zur Folge, dass gerade deshalb, weil sich der Kreditgeber vor inflationsbedingten Verlusten zu schützen versucht, diese Anreize vermindert werden, deshalb besteht die Gefahr, dass dann die Preise noch stärker und noch schneller als bisher steigen.

 

Ein Kreditgeber kann jedoch den mit einer Inflation verbundenen Vermögensverlust auch dadurch zweitens verhindern, dass die Zinsen, welche der Kreditnehmer zu zahlen hat, einen Ausgleich bewirken. Wenn also z. B. eine Inflation von 5% erwartet würde, so stieg der Zins eben um diese 5%, sodass sich also der Kreditgeber auch nicht schlechter stellt, als wenn der Geldwert stabil geblieben wäre.

 

Für diesen zweiten Weg spricht vor allem, dass sich dieser Ausgleich automatisch – also von selbst einstellt –, dass es keiner zusätzlichen Bestimmungen bedarf, um diesen Ausgleich sicherzustellen. In der Tat kann man auch feststellen, dass sich der Zinssatz für weitgehend sichere Anlagen in etwa auf die zu erwartende Inflationsrate einstellt.

 

Der Zinssatz, der für Geldanlagen gezahlt wird, setzt sich deshalb aus zwei Komponenten zusammen: erstens aus dem Ausgleich für die jeweilige Geldentwertung, die bei allen – sicheren wie unsicheren – Geldgeschäften gezahlt wird und einer Risikokomponente, welche im Umfang des zu erwartenden Risiko gewährt wird.

 

Eine dritte Möglichkeit, sein Vermögen anzulegen, besteht darin, dass man vermehrt in reale Güter investiert. Hier kann man davon ausgehen, dass der reale Wert in etwa auch dann erhalten bleibt, wenn der Geldwert stetig sinkt. Allerdings bleibt dieser Schutz suboptimal. Auf der einen Seite gibt es eine optimale Aufteilung der Vermögensanlagen auf die verschiedenen Anlagemöglichkeiten. Wenn aufgrund drohender Inflation verstärkt die realen Anlageformen gewählt werden, führt dies vom gesamtwirtschaftlichen Optimum weg. Bis zu einem gewissen Grad bedarf es also einer Geldanlage.

 

Solange nicht geklärt ist, ob sich eine geplante Investition für eine Unternehmung lohnt, ist es für für diesen Unternehmer zweckmäßig, zunächst die einzelnen hierfür notwendigen Käufe mit solchen Krediten zu finanzieren, welche auch relativ schnell zurückgezahlt werden können, wenn sich herausstellt, dass diese Investition nicht gewinnbringend ist. Erst dann, wenn sichergestellt ist, dass eine Investition langfristig gewinnbringend ist, lohnt sich die Absicherung dieser Investition durch solche Kapitalanlagen, die nicht ohne größere Kosten wiederum aufgelöst werden können.

 

Auf der anderen Seite muss natürlich auch immer damit gerechnet werden, dass auch reale Vermögensanlagen mit Unsicherheit verbunden sind. Wer z. B. sein Vermögen dadurch anlegt, dass er Aktien einer Unternehmung kauft, muss mit der Möglichkeit rechnen, dass gerade diese Unternehmung Konkurs anmelden muss und dass deshalb der Aktionär gerade bei dieser Vermögensanlage besonders hohe Verluste erleidet.

 

Es besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass eine galoppierende Inflation zu verheerenden gesamtwirtschaftlichen Verlusten führt und deshalb mit allen Mitteln vermieden werden muss. Im Hinblick auf eine schleichende Inflation scheiden sich jedoch die Geister. Keynes und seine Anhänger gehen davon aus, dass eine geringfügige Inflation sogar notwendig ist, um das Ziel der Vollbeschäftigung zu garantieren, während Anhänger des Liberalismus die Gefahr sehen, dass es in aller Regel gar nicht möglich ist, die Inflation auf einige wenige Prozentpunkte zu beschränken, dass von der Inflation als solche Anreize ausgehen, den Inflationsgrad zu steigern.

 

Um zu verhindern, dass wir vielleicht ungewollt schließlich in eine galoppierende Inflation geraten, sei es deshalb notwendig, jede Art von Inflation zu vermeiden, unabhängig davon, ob unter Umständen von einer leichten Inflation auch gewisse positive Wirkungen ausgehen.

 

 

02. Soll das Güterpreis- oder das Lohnniveau stabilisiert werden?

 

Generell wird eine Stabilisierung der Güterpreise angestrebt. Milton Friedman vertrat hingegen die Position, dass weniger die Güterpreise als vielmehr die Lohnsätze stabilisiert werden sollten. Es sollte angestrebt werden, dass die Güterpreise in dem Maße gesenkt, also deflationiert werden, als die Produktivität ansteigt.

 

Begründet wird diese Auffassung damit, dass sich auf diese Weise mehr Gerechtigkeit erreichen lasse, es gebe nämlich Personengruppen, die nicht in Interessengruppen organisiert sind und deshalb mit geringeren Einkommenszuwächsen zu rechnen haben. Eine Preissenkung komme jedem in seiner Eigenschaft als Konsument zugute, während Einkommenssteigerungen im Allgemeinen nur diejenigen erzielen, welche sich in Interessengruppen zusammengeschlossen haben und sich unter Einsatz von Machtmitteln wie z. B. Streikdrohungen höhere Lohnsätze erkämpfen konnten.

 

Die Fähigkeit, sich in Interessengruppen zu organisieren, hängt von der Art des Interesses ab und ist deshalb in der Bevölkerung sehr ungleich verteilt. Je größer eine Gruppe ist, um so schwieriger wird es, sich in einer Interessengruppe zu organisieren.

 

Auf der einen Seite werden die Kosten, die aufgebracht werden müssen, um eine effiziente Organisation zu bilden, mit der Gruppengröße steigen. Wenn eine Gruppe nur aus wenigen Unternehmern besteht, so ist es ein leichtes, bei Treffen, die im Allgemeinen sowieso stattfinden, gemeinsame Maßnahmen zu beschließen. Es bedarf keines zusätzlichen Organisationsaufwandes.

 

Ist jedoch die Gruppe groß, so muss zunächst eine Verwaltung gebildet werden, es muss recherchiert werden, wer überhaupt zur Gruppe zählt, die potentiellen Mitglieder müssen angeschrieben werden, es müssen unter Umständen Werbemaßnahmen ergriffen werden, um neue Mitglieder zu werben. Da diese Verwaltung Kosten verursacht, müssen Beiträge erhoben werden und unter Umständen andere Geldquellen erschlossen werden.

 

Je größer die Gruppe ist, die es zu vertreten gilt, um so größer ist auch die Gefahr, dass es einzelne Trittbrettfahrer gibt, welche zwar die durch diese Organisation erkämpften Vorteile in Anspruch nehmen wollen, aber nicht bereit sind, sich auch an den Kosten der Organisation zu beteiligen. Diese Gruppe nützt es aus, dass die Leistungen der Organisation vorwiegend als Kollektivleistungen erbracht werden. Kollektivgüter zeichnen sich nach einem Vorschlag M. Olson dadurch aus, dass es schwierig ist, Nutznießer, welche sich an den Kosten nicht beteiligen, vom Konsum dieses Gutes auszuschließen. Also bedarf es auch einer stetigen Missbrauchskontrolle, die erneut die Verwaltungskosten ansteigen lässt.

 

Weiterhin bedarf es Vorkehrungen, um Versammlungen zu organisieren. Von einer bestimmten Gruppengröße an ist es äußerst schwierig, Versammlungsräume zu finden, die alle Mitglieder aufnehmen können. Es müssen dann unter Umständen Delegierte ausgewählt werden, was wiederum weitere Organisationsanstrengungen erfordert.

 

Die Organisationsfähigkeit sinkt mit wachsender Größe aber nicht nur deshalb, weil die Organisationskosten ansteigen. Mit wachsender Größe steigen auch die unterschiedlichen Bedürfnisse sowie Vorstellungen darüber, auf welchem Wege diese Ziele realisiert werden können. Die Stärke einer Organisation hängt jedoch entscheidend davon ab, dass die Gruppe mit einem einheitlichen Willen auftritt.

 

Wenn also nun die Interessen der einzelnen Mitglieder immer mehr auseinander driften, verringern sich die Erfolgschancen, da die Gegenseite die einzelnen Interessen einander ausspielen kann. Oder aber die Leitung bemüht sich, durch gemeinsame Diskussionen und durch Werbung die Unterschiede abzubauen, sodass die Erfolgsaussichten wiederum steigen. In diesem Falle steigen aber die Kosten der Organisation erneut an. Es ist also nicht viel gewonnen.

 

Die Gewerkschaften wenden sich gegen den Versuch, die Produktivitätssteigerungen in Form von Preissenkungen an die Konsumenten weiterzugeben. Sie befürchten, dass die Unternehmer trotz Produktivitätssteigerungen nicht bereit sind, die Preise zu senken. Die Güterpreise seien in unserer Gesellschaft nach unten starr. Deshalb würden Kostensenkungen nicht immer an die Konsumenten weitergegeben. Die Unternehmungen hätten in Wirklichkeit eine monopolistische Machtposition, sie stünden deshalb auch nicht wie Unternehmer in Konkurrenz unter dem Druck, Kostensenkungen in den Güterpreisen weiterzugeben.

 

Diese Einwendungen sind sicherlich ernst zu nehmen. In der Tat verfügen die Unternehmer oftmals auf den Gütermärkten über eine monopolistische (oder auch oligopolistische) Marktmacht. Es ist klar: Der Vorschlag, die Produktivitätsgewinne in Form von Preissenkungen und nicht in Lohnsteigerungen an die Bevölkerung weiterzugeben, setzt voraus, dass – wie von Walter Eucken gefordert – zuvor ein weitgehender vollständiger Wettbewerb seitens des Staates garantiert wird, dass also Monopolbindungen unterbunden werden. Die Forderung, Produktivitätsgewinne in Form von Preissenkungen weiter zu geben, ist also zwar der bessere Weg, setzt jedoch voraus, dass in einem ersten Schritt auf fast allen Gütermärkten Monopolstellungen beseitigt werden.

 

Theoretisch gibt es natürlich auch die Gefahr eines natürlichen Monopols, dass also die gesamte Nachfrage nach bestimmten Gütern so gering ist, dass diese Gütermenge von einer einzelnen Unternehmung produziert werden könnte und dass deshalb der Versuch, die Produktion auf zwei oder mehrere Unternehmungen aufzuteilen, dazu führen würde, dass keine dieser Unternehmungen verlustfrei produzieren könnte. Es gibt bei der industriellen Produktion in aller Regel eine Mindestgütermenge, von der ab überhaupt erst verlustfrei produziert werden kann. Dies hängt damit zusammen, dass es fixe Kosten gibt und dass aus diesen Gründen die fixen Stückkosten zunächst einmal extrem hoch sind.

 

Diese Gefahr dürfte in der Realität jedoch nicht besonders groß sein, wenn wir berücksichtigen, dass mit dem wirtschaftlichem Wachstum zugleich die internationale Arbeitsteilung zugenommen hat. Es ist jedoch kaum vorstellbar, dass es Güter gibt, für welche der gesamte Bedarf der Welt in einer einzigen Unternehmung produziert werden könnte.

 

 

03. Welche Preisindizes lassen sich unterscheiden?

 

Der Geldwert wird am Kehrwert des Preisniveaus, des Durchschnitts der einzelnen Preise gemessen. Der Geldwert sinkt also in dem Maße, in dem der Durchschnitt der Preise steigt. Das Ziel der Geldwertstabilität ist also genau dann erreicht, wenn das Preisniveau konstant bleibt. Dies bedeutet natürlich keinesfalls, dass dann auch alle Preise im Zeitablauf konstant bleiben müssen. Ganz im Gegenteil kommt den Preisvariationen im Rahmen einer Marktwirtschaft eine entscheidende Bedeutung zu. Sie sollen die Knappheit der einzelnen Güter und Ressourcen widerspiegeln. Entscheidend ist hierbei, dass es nicht auf das absolute Niveau der Preise, sondern allein auf das Verhältnis der Preise zueinander ankommt.

 

Bei der Bestimmung eines Preisindex bilden wir nun für alle relevanten Güter das rechnerische Produkt aus dem Einzelpreis pi und der nachgefragten Menge xi  und addieren diese Produkte. Die so entstehende Summe:

p1 * x1 + p2 * x2  + …. + pi * xi

 

bildet dann die Preissumme, welche für das Bezugsjahr gleich 100 gesetzt wird.

 

 

Wenn man nun für die folgenden Jahre jeweils die für diese Jahre errechneten Preissummen in Beziehung zu der Preissumme im Basisjahr setzt, erhält man den jeweiligen Preisindex für die einzelnen Perioden.

 

Bringen wir ein Beispiel:

 

Für das Basisjahr betrage die so errechnete Preissumme 2000. Für das darauffolgende Jahr steige die Preissumme auf 2200, also um 10%. Wenn wir nun die Preissumme des Basisjahres gleich 100 setzen, so messen die Verhältnisse der Preissummen zum Basisjahr das Ausmaß der Inflation:

 

 

 

Allgemein wird zwischen verschiedenen Preisindizes unterschieden, wobei der Unterschied darin liegt, auf welche einzelnen Güter sich dieser Index bezieht und mit welchem Gewicht die einzelnen Gütermengen berücksichtigt werden. Insbesondere wird zwischen folgenden drei Preisindizes unterschieden:

 

·        dem Preisindex des Handelsvolumens,

·        dem Preisindex des Inlandsproduktes und

·        dem Lebenshaltungskostenindex mit einem Warenkorb ausgewählter Haushalte.

 

Hierbei bezieht sich der Preisindex des Handelsvolumens auf alle innerhalb einer Volkswirtschaft gehandelten Güter und Dienstleistungen. Die Gewichte der einzelnen Güter beziehen sich hierbei auf die tatsächlich auf den Märkten gehandelten Güter.

 

Der Preisindex des Inlandsproduktes hingegen umfasst das Preisniveau des gesamten Inlandsproduktes. Beide Indizes versuchen ein Preisniveau für alle in einer Volkswirtschaft produzierten und verkauften Güter im weiteren Sinne des Wortes zu erfassen. Der Unterschied besteht darin, dass der Preisindex des Handelsvolumens die Frage der Doppelzählung ausklammert, die dadurch entstehen kann, dass der in einer Ware eingesetzte Rohstoff mehrfach berücksichtigt wird, beim Verkauf des Rohstoffes, beim Verkauf des Halbfabrikates, in dem dieser Rohstoff verarbeitet wurde und schließlich beim Verkauf des Endproduktes, das die Halbfabrikate weiterverarbeitete und somit nochmals den Wert des Rohstoffes enthält.

 

Der Preisindex des Handelsvolumens geht von den reinen Tauschakten aus und lässt somit außer Acht, dass Teile der verkauften Güter bereits Gegenstand eines Kaufaktes waren. Bei der Berechnung des Preisindex des Inlandsproduktes will man diese Doppelzählung vermeiden, in dem man beim Verkauf lediglich den Wertzuwachs bestimmt, den dieses Gut durch die Verarbeitung erfahren hat. Auf diese Weise werden bei der Berechnung des Preisindex des Inlandsproduktes Doppelzählungen vermieden.

 

Wie groß der Unterschied zwischen beiden Indizes jeweils ist, hängt vom Grad der Spezialisierung ab. Wenn wir uns eine Volkswirtschaft vorstellen, bei der ein Produkt von der Rohstoffgewinnung über die Anfertigung von Halbfabrikaten bis schließlich zum Verkauf des Endproduktes an den Endverbraucher in einer Unternehmung zusammengefasst wäre, würden sich beide Indizes entsprechen, die einzelnen Güter würden stets nur einmal auf Märkten und zwar als Endprodukte gehandelt.

 

Der Lebenshaltungskostenindex beschränkt die Feststellung der Preisentwicklung auf die Güter, welche unmittelbar für die Lebenshaltung der einzelnen Haushalte maßgeblich sind. In den für die Lebenshaltungskosten maßgeblichen Warenkorb gehen nur Konsumgüter ein und auch hier nur solche, welche von den Empfängern mittleren Einkommensgruppen konsumiert werden. Der Preisindex des Inlandsproduktes hingegen ermittelt die Preisänderungen für restlos alle produzierten oder gehandelten Güter.

 

Die Beantwortung der Frage, welcher Begriff denn im Einzelnen angewandt werden soll, hängt von der zu behandelten Problematik ab:

 

·        Bei Wachstumszielen ist das Inlandsprodukt oder das Handelsvolumen zu wählen,

·        bei Verteilungszielen hingegen die Lebenshaltungskosten.

 

Das wirtschaftliche Wachstum hängt in erster Linie vom gesamten Inlandsprodukt ab. Gerade dann, wenn ein Großteil der knappen Ressourcen für die Produktion von Investitionsgütern eingesetzt wird, steigt die Produktionskapazität und mit ihr die Möglichkeiten, in Zukunft die Produktion zu steigern. Wenn aber der Anteil der Konsumgüter gering ausfällt, besteht die Gefahr, dass gerade die Lebenshaltungskosten steigen und damit das reale, den Haushalten zur Verfügung stehende Einkommen gering ausfällt. Obwohl also in diesem Beispiel die Wachstumschancen gut stehen, wird durch Wahl des Preisindizes (der Lebenshaltungskosten) suggeriert, als ob die Wohlfahrt der einzelnen Konsumenten aufgrund geringerer Konsummöglichkeiten reduziert sei.

 

Wenn wir uns hingegen mit Verteilungsproblemen befassen, steht im Vordergrund die Frage, inwieweit die Konsumgüter gerade den Empfängern geringerer Einkommen zugute kommen. Hier vermittelt der Lebenshaltungskostenindex ein sehr besseres Bild darüber, inwieweit die Empfänger mittleren Einkommens von Inflationsprozessen beeinflusst werden.

 

 

04. Ist eine kurzfristige Stabilisierung erwünscht?

 

Die Forderung nach Preisstabilität gilt zunächst für jede Periode! Wenn – wie wir noch zeigen werden – von Veränderungen im Preisniveau Wohlfahrtsverluste ausgehen, dann sollte eigentlich das Ziel der Geldwertstabilität für jede einzelne Periode gelten und wenn wir einen längeren Zeitraum betrachten, dürfte eigentlich erwartet werden, dass diesem Ziel um so mehr entsprochen wird, je näher wir uns in jeder einzelnen Periode diesem Ziel nähern.

 

Joseph Alois Schumpeter hat jedoch die These aufgestellt, dass sowohl von Preissteigerungen im Aufschwung als auch von Preissenkungen im Abschwung durchaus positive Funktionen ausgehen. Danach entfernen wir uns von diesem Ziel der Geldwertstabilität keinesfalls deshalb, weil in Zeiten der Hochkonjunktur die Preise generell steigen oder weil wir in Zeiten des Abschwungs allgemeine Preissenkungen erwarten können.

 

Die Klassiker der Wirtschaftstheorie gingen von der These aus, dass in einer Marktwirtschaft nur den Verhältnissen der Preise zueinander eine positive Funktion zukomme, im Hinblick auf das Preisniveau wäre es völlig gleichgültig, welches Preisniveau sich einstelle. Die durch die Vermittlung der Preisrelationen realisierte Produktionslenkung sei bei gleichbleibenden Preisverhältnissen die gleiche, wenn die absoluten Preise in dem einen Fall doppelt so hoch seien wie im anderen Fall.

 

Dieser allgemeinen Auffassung scheint nun Schumpeter zu widersprechen. Auch dem Preisniveau fällt für die Allokation eine entscheidende Funktion zu. Es sei nur erwünscht, dass auf lange Sicht, z. B. für einen gesamten Konjunkturzyklus, das Preisniveau weitgehend konstant bleibt, es sei aber gerade nicht erwünscht, dass das Preisniveau auch kurzfristig, also in jedem Jahr gegenüber dem Vorjahr konstant bleibt.

 

Worin liegen nun diese dem Preisniveau zugedachten Funktionen? Preissteigerungen im Aufschwung haben danach die Funktion, die Wirtschaft anzukurbeln, Preissenkungen im Abschwung hingegen sicher zu stellen, dass sich nur rentable Unternehmungen im Markt halten können.

 

Betrachten wir zunächst eine Aufschwungphase. Sie ist dadurch ausgezeichnet, dass die Nachfrage steigt und dass sich das Angebot an diese Steigerung anpasst. Aber diese Anpassung braucht Zeit und dies bedeutet, dass nun vorübergehend Nachfrageüberhänge entstehen, das Angebot kann nicht sofort der Nachfrage entsprechen. Nachfrageüberhänge schlagen sich aber auf freien Märkten in Preissteigerungen nieder. Diese Preissteigerungen haben hierbei die Funktion – wie auch jede einzelne Preissteigerung –, das Ungleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot baldmöglichst zu verringern und zwar dadurch, dass für die Anbieter Anreize gegeben werden, mehr zu produzieren und gleichzeitig die Nachfragenden Anreize erhalten, ihre Nachfrage zu reduzieren.

 

Wenn es also in der Aufschwungphase vor allem darauf ankommt, die freien Produktionskapazitäten abzubauen und zur Realisierung dieser Aufgabe von einem bestimmten Augenblick an die Preise die Tendenz haben, generell zu steigen, ist dieser an und für sich erwünschte generelle Aufschwung gleichzeitig damit verbunden, dass diese Preissteigerungen auch solchen Unternehmern erlauben, die Produktion aufzunehmen, welche unter normalen Bedingungen gar nicht in der Lage wären, eine rentable Produktion durchzuführen. Der Nachfrageüberhang ermöglicht es ja den Unternehmern, jeden Preis zu verlangen. Unter normalen Wettbewerbsbedingungen liefen die Kunden bei diesen überhöhten Preisen zur Konkurrenz über mit der Folge, dass diese unrentablen Unternehmungen die Produktion hätten gar nicht aufnehmen können.

 

Und das allgemeine Sinken der Preise im Konjunkturabschwung hat nun gerade die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass diejenigen Unternehmungen, welche gar nicht in der Lage sind, unter normalen Bedingungen die Produktion aufzunehmen, wiederum aus dem Markt ausgeschieden werden.

 

Gesamtwirtschaftlich ist es nun – nachdem die freien Kapazitäten weitgehend abgebaut worden sind – notwendig, dass die nach wie vor knappen Ressourcen von den Unternehmungen in Anspruch genommen werden, welche auch unter Wettbewerbsbedingungen die Produktion aufrechterhalten können. Hierzu ist es erwünscht, dass die unrentablen Unternehmungen ihre in Anspruch genommenen Ressourcen frei geben und diese Aufgabe erfolgt dadurch, dass in Zeiten des Konjunkturabschwungs diese Unternehmungen durch Konkurs aus dem Markt ausscheiden.

 

 

05. Wie beeinflusst die Inflation die Faktorallokation ?

 

Wir wollen uns nun in den folgenden Abschnitten dieses Kapitels der Frage zuwenden, aus welchen Gründen denn eine Geldwertstabilität gefordert wird. Wir haben schon weiter oben feststellen müssen, dass die Geldwertstabilität ja im Allgemeinen nicht um ihrer selbst willen angestrebt wird, also keinen Eigenwert besitzt, den es zu erhalten gilt, sondern vorwiegend deshalb gefordert wird, da eine Inflation andere Ziele der Wirtschaftspolitik verletzt. Das Stabilitätsziel ist also nur instrumentaler Art.

 

Eine Stabilität des Geldwertes ist erstens Voraussetzung einer optimalen Allokation. Die Allokation ist zwar – wie wir weiter oben gesehen haben – unmittelbar zunächst nur von den Preisrelationen abhängig. Wenn wir von dem allgemeinen Gleichgewichtssystem ausgehen, so wie es von Walras beschrieben wurde, so legen die Marktdaten lediglich die Preise und Mengen der Güter und Produktionsfaktoren fest und somit ist auch das absolute Niveau der Preise und damit natürlich auch das Preisniveau als Durchschnitt dieser Preise für das Marktgeschehen unerheblich. Würde man alle Preise verdoppeln, ohne diese Preisrelationen zu verändern, würde sich an den Ergebnissen der Märkte nichts verändern.

 

Aber warum übt ein Inflationsprozesses dennoch einen Einfluss auf die Marktergebnisse aus? Der Grund liegt darin, dass im Zuge eines Inflationsprozesses die Preisrelationen zumindest vorübergehend verschoben werden und aus diesem Grunde unerwünschte Allokationseffekte ausgelöst werden. Wir können nämlich feststellen, dass die Steigerungen in den Einzelpreisen nicht alle gleichzeitig erfolgen, sondern an unterschiedlichen Zeitpunkten auftreten. Fast jede Inflation beginnt damit, dass sich auf einem einzelnen oder auch auf einigen wenigen Märkten Nachfrageüberhänge bilden, welche einen Anstieg der Preise dieser Güter bewirken.

 

Zwischen den einzelnen Märkten einer Volkswirtschaft bestehen jedoch zahlreiche Verbindungen. So werden Preissteigerungen bei dem einen Gut sicherlich auch Rückwirkungen bei den Gütern hervorrufen, welche zu dem erstgenanten Gut in einem substitutiven Verhältnis stehen. Nehmen wir an, der Butterpreis steigt. Gerade weil der Bezug von Butter nun teurer geworden ist, werden sich viele Konsumenten anderen Fetten, also z. B. der Margarine zuwenden. Da also nun die Nachfrage nach Margarine angestiegen ist, muss auch mit einer Preissteigerung des Margarinepreises gerechnet werden.

 

Inflationen werden weiterhin zumeist dadurch ausgelöst, dass entweder die umlaufende Geldmenge vergrößert wurde oder dass sich bei gleichbleibendem Geldvolumen die Umlaufsgeschwindigkeit erhöht. In beiden Fällen wird in aller Regel die Nachfrage nach mehreren Gütern steigen und zwar einfach deshalb, weil entsprechend dem zweiten Gossen’schen Gesetzes ein Nutzenmaximum nur erzielt werden kann, wenn die Grenznutzen aller Güter ausgeglichen ist.

 

Wenn nun von dem einen Gut mehr nachgefragt wird, so sinkt nach dem ersten Gossen’schen Gesetz der Grenznutzen dieses Gutes und es kann deshalb eine Nutzensteigerung erreicht werden, wenn auch von den anderen Gütern mehr nachgefragt wird. Während wir im ersten Beispiel die Beziehungen der Güter untersucht haben, welche in einem substitutiven Verhältnis stehen, tritt dieser zweite Zusammenhang vorwiegend bei Gütern auf, welche in einem komplementären Verhältnis zueinander stehen. Wer mehr Brot konsumiert, wird im Allgemeinen eben deshalb auch mehr Brotaufstrich nachfragen.

 

Es ist also davon auszugehen, dass sich die Nachfragesteigerungen, welche einen Inflationsprozess auslösen, allmählich und nicht schlagartig auf die gesamte Volkswirtschaft verteilen und dass in diesem Zuge die tatsächlichen Preisrelationen vorübergehend von den Verhältnissen abweichen, welche eine optimale Allokation garantieren würden.

 

Nun handelt es sich hierbei offensichtlich zunächst nur um vorübergehende Verzerrungen in den Preisrelationen. Man könnte deshalb vermuten, dass diese Fehlallokationen von geringerer Bedeutung seien, da sich ja langfristig die Preisrelationen, welche ein optimales Ergebnis bewirken, einstellen werden. Man könnte darauf hinweisen, dass wir eben nicht in einer idealen Welt leben und deshalb gewisse Reibungsverluste in Kauf nehmen müssten. Mit solchen Reibungsverlusten sei ja auch dann zu rechnen, wenn sonstige Datenänderungen auftreten und deshalb die Preise an diese neuen Daten angepasst werden müssten. Auch hier vergeht immer eine gewisse Zeit, in der gerade deshalb, weil die Preise noch nicht den veränderten Knappheitsverhältnissen entsprechen, vorübergehend Wohlfahrtsverluste auftreten.

 

Es gibt aber gute Gründe dafür, dass sich die Preisrelationen bei Auftreten von Inflationsprozessen auch langfristig verändern und dass somit die Preisverhältnisse auch auf Dauer von den Knappheitsverhältnissen abweichen. Der Inflationsprozess bezieht sich ja nicht nur auf die Güterpreise, auch die Entlohungssätze der Produktionsfaktoren sind hiervon betroffen. So steht z. B. die Nachfrage nach Arbeitskräften stets in einem komplementären Verhältnis zu der Produktion von Gütern. Soll die Produktion ausgeweitet werden, bedarf es auch eines vermehrten Einsatzes der Produktionsfaktoren. Also werden auch – wiederum mit einer gewissen Verzögerung – die Faktorpreise  anziehen.

 

Wenn jedoch die Faktorpreise steigen, führt dies auch zumeist zu einer Steigerung der nominellen Einkommen, wobei man natürlich nicht davon ausgehen kann, dass die Lohneinkommen stets proportional mit den Lohnsätzen ansteigen. die Lohneinkommen ergeben sich aus dem Produkt aus Lohnsatz und Arbeitseinsatz und dieser geht zumeist zurück, wenn die Lohnsätze steigen.

 

Verändern sich jedoch die Einkommen, muss auch mit einer Veränderung in der Nachfragestruktur gerechnet werden. Die Bedarfsstruktur unterscheidet sich von Haushalt zu Haushalt, sodass sich zumeist auch Veränderungen in der Zusammensetzung der Güternachfrage einstellen.

 

Man wird nun damit rechnen müssen, dass diese Veränderungen über längere Zeit andauern und in aller Regel nicht mehr dadurch rückgängig gemacht werden, dass zu der Ausgangslage zurückgekehrt wird. Zwar werden die meisten Einkommensgruppen bestrebt sein, gleichzuziehen. Aber wir hatten bereits gesehen, dass die Organisationsfähigkeit der einzelnen Interessengruppen sehr unterschiedlich ist, so dass diese Anpassung auch sehr unterschiedlich ausfällt. Dies bedeutet aber, dass die durch den Inflationsprozess angestoßenen Veränderungen zumeist auch auf Dauer eintreten.

 

Aber selbst dann, wenn es allen Einkommensgruppen gelingen würde, ihre bisherige Position innerhalb der Einkommenshierarchie zurückzuerobern, blieben langfristig trotzdem dauerhafte Wohlfahrtsverluste aufgrund des Inflationsprozesses bestehen. Diese Verluste mögen zwar vernachlässigbar sein, wenn eine einmalige Erhöhung des Preisniveaus eintritt. In der Realität müssen wir jedoch damit rechnen, dass fast jedes Jahr die Preise generell steigen und dass nur in Zeiten der Depression vorübergehend das Wachstum der Preise gestoppt wird. In diesem Falle summieren sich jedoch die Einzelverluste auf lange Sicht dennoch zu einer beachtlich großen Summe.

 

 

Fortsetzung folgt!