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Gliederung der Vorlesung:

 

01. Einführung                    

02. Das Ziel der Vollbeschäftigung

03. Das Ziel der Geldwertstabilität

04. Das Ziel eines angemessenen wirtschaftlichen Wachstums

05. Die theoretischen Grundlagen der Beschäftigungspolitik

06. Die theoretischen Grundlagen der Stabilisierungspolitik

07. Die theoretischen Grundlagen der Wachstumspolitik

08. Die geld- und außenwirtschaftspolitischen Mittel

09. Die finanzpolitischen Mittel

10. Die einkommenspolitischen Mittel

11. Institutionelle Maßnahmen

12. Die Träger der Konjunktur- und Wachstumspolitik

 

 

Kapitel 2: Das Ziel der Vollbeschäftigung

 

 

Gliederung:

 

01. Beschränkung auf den Produktionsfaktor Arbeit

02. Die verschiedenen Dimensionen des Beschäftigungsgrades

03. Vollbeschäftigung im Sinne eines Gleichgewichtes

04. Vollbeschäftigung im Sinne eines bestimmten Beschäftigungsgrades

05. Das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit

06. Erfassbare versus erforderliche Konjunkturdaten

07. Selbstbestätigung und Selbstwiderlegung von Prognosen

08. Das Problem einer differenzierenden Konjunkturdiagnostik

09. Zur Problematik der Frühindikatoren

10. Das Konjunkturbarometer des Sachverständigenrates

11. Gesellschaftspolitische Gründe

12. Wachstumspolitische Gründe

13. Staatspolitische Begründung

14. Konflikte zwischen Vollbeschäftigung und Geldwertstabilität

15. Konflikte zwischen Vollbeschäftigung und Einkommensverteilung

 

 

01. Beschränkung auf den Produktionsfaktor Arbeit

 

Die Forderung nach Vollbeschäftigung ist gleichbedeutend mit dem Ziel, auf dem Arbeitsmarkt ein Gleichgewicht zu erzielen. Diese Gleichgewichtsforderung gilt an und für sich für alle Produktionsfaktoren. Hier beschränken wir uns allerdings auf den Faktor Arbeit.

 

Im Zusammenhang mit dem Faktor Arbeit gelten im Vergleich zu den übrigen Produktionsfaktoren zusätzliche, soziale Ziele. Bei den übrigen Produktionsfaktoren ist eine Vollbeschäftigung vor allem deshalb erwünscht, weil ohne Vollbeschäftigung eine Vergeudung knapper Ressourcen stattfindet. Eine Vollbeschäftigung des Faktors Arbeit ist darüber hinaus als Selbstzweck erwünscht. Das Recht auf Arbeit eines jeden Arbeitnehmers entspricht der im Grundgesetz geschützten Menschenwürde.

 

Es geht also dann im Hinblick auf die Arbeitskraft nicht nur darum, dass man eine Vergeudung von knappen Ressourcen vermeiden will, das Recht jedes einzelnen Arbeitnehmers auf eine Tätigkeit möglichst nach freier Wahl, wird um seiner selbst willen angestrebt.

 

 

02. Die verschiedenen Dimensionen des Beschäftigungsgrades

 

Das Vollbeschäftigungsziel bezieht sich zunächst auf die Anzahl der Beschäftigten. Es gilt die Gleichung:

                N = A * a

 

·        N: Gesamtzahl der nachgefragten Arbeitsstunden                                          

·        A: Anzahl der Beschäftigten

·        a: Arbeitszeit pro Beschäftigten

 

Das Ziel der Vollbeschäftigung geht aber weiter und bezieht sich auf mehrere Merkmale.

 

Das Ziel der Vollbeschäftigung bezieht sich einmal auf die Zahl der Beschäftigten, aber auch auf die Arbeitszeit pro Beschäftigten. Eine geringe Nachfrage nach Arbeitskräften könnte immer noch so verteilt werden, dass jeder Arbeitnehmer Arbeit findet, nur dass eben jeder Arbeiter weniger Arbeitsstunden beschäftigt ist, als er eigentlich wünscht. Die Forderung nach Vollbeschäftigung bezieht sich aber nicht nur auf das Ziel, dass jeder Arbeitnehmer einen Arbeitsplatz findet, sondern auch auf das weitere Ziel, dass jeder Arbeitnehmer – sofern er es nur wünscht – auch einen vollen Arbeitsplatz ausfüllt. Das Ziel der Vollbeschäftigung bezieht sich also auch auf die Arbeitszeit pro Beschäftigten.

 

Die Arbeitszeit pro Beschäftigten kann ihrerseits auf unterschiedliche Weise verändert werden. Eine Variation der effektiven Arbeitszeit pro Beschäftigten ist möglich

 

·        durch Veränderung der gesetzlichen oder tariflichen Arbeitszeit,

·        durch Veränderung der durchschnittlichen Überstundenanzahl,

·        durch Zu- oder Abnahme der Kurzarbeit, sowie

·        durch Ausdehnung oder Einschränkung der Teilarbeitszeit.

 

Im Hinblick auf die Arbeitszeit pro Beschäftigten geht es allerdings nicht nur darum, möglichst sicherzustellen, dass jeder Arbeitnehmer soviel Arbeitszeit verwirklichen kann, wie er es sich selbst wünscht, im Vordergrund der politischen Bemühungen steht sehr oft das entgegengesetzte Ziel, nicht möglichst viele Arbeitsstunden leisten zu können, sondern ganz im Gegenteil die durchschnittliche Arbeitszeit zu reduzieren.

 

Im Allgemeinen wird die realisierte Wohlfahrt nicht nur am durchschnittlichen Einkommen, sondern auch an dem Umfang der Freizeit gemessen. Also werden die Gewerkschaften nicht nur dafür kämpfen, für ihre Mitglieder Lohnerhöhungen zu erreichen, sondern ein gegebenes Lohneinkommen auch mit möglichst wenig Arbeitsstunden zu sichern.

 

Das Ziel, die Zahl der Arbeitsstunden zu verringern, ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil der einzelne Arbeitnehmer im Allgemeinen gar nicht frei darüber entscheiden kann, wie viel Arbeitsstunden er zu leisten hat. Er steht zumeist vor der Alternative, entweder ein Beschäftigungsangebot mit einer vorgegebenen, nicht vom Arbeitnehmer beeinflussbaren Stundenzahl anzunehmen oder ganz auf das Angebot zu verzichten.

 

Darüber hinaus wird davon ausgegangen, dass die Tätigkeit des Arbeitnehmers im Gegensatz zu der eines Selbstständigen weitgehend fremd bestimmt ist, sodass eine Zunahme der Freizeit, in welcher der Einzelne selbst bestimmen kann, wie er seine eigene Freizeit gestaltet, in aller Regel als ein Wohlfahrtsgewinn angesehen wird.

 

Nun müssen wir allerdings davon ausgehen, dass die Vorstellungen der einzelnen Arbeitnehmer über die erwünschte Aufteilung ihrer Zeit auf Arbeits- und Freizeit stark differieren. Eine Reduzierung der Arbeitsstunden bedeutet für den Einen eine Wohlfahrtssteigerung, weil er in seiner Freizeit einen größeren Nutzen erzielen kann als dadurch, dass er über mehr Arbeit auch ein höheres Einkommen erreichen kann. Für einen anderen ist jedoch der gleiche Rückgang in der Zahl der Arbeitsstunden ein Wohlfahrtsverlust, da er bei einem höheren Einkommen, das er sich bei mehr Arbeitsstunden leisten könnte, eine höhere Nutzensteigerung als bei mehr Freizeit erzielen könnte.

 

Dieser Konflikt, dass ein und dieselbe Veränderung in der Arbeitszeit für die einzelnen Arbeitnehmer deren Wohlfahrt in unterschiedlicher Richtung beeinflusst, wird im Allgemeinen dadurch geregelt, dass die tariflich oder auch gesetzlichen Lohnsätze in dem Sinne verbindlich sind, dass jeder Arbeitnehmer einen Anspruch auf den tariflich vorgesehenen Umfang an Freizeit hat, dass aber auf dem Wege von Überstunden diejenigen Arbeitnehmer, die weniger Freizeit bevorzugen, die Möglichkeit erhalten, effektiv mehr Arbeitsstunden wahrzunehmen als gesetzlich vorgesehen.

 

Eine optimale Aufteilung von Arbeits- und Freizeit wäre zwar aufgrund der unterschiedlichen Bedarfsstruktur der einzelnen Arbeitnehmer nur dann gewährleistet, wenn jeder Arbeitnehmer selbst bestimmen könnte, wie er seine gesamte Zeit in Arbeits- und Freizeit aufteilt. Da aber in aller Regel  die geltende Produktionstechnik eine solche Wahlfreiheit gar nicht erlaubt und vermutlich dann, wenn solche Techniken möglich wären, die Produktivität stark sinken würde, stellt die augenblickliche Regelung der Festlegung der tariflichen Arbeitszeit verbunden mit der Möglichkeit, bei Bedarf Überstunden zu leisten, immerhin eine second - best - Lösung dar.

 

         

03. Vollbeschäftigung im Sinne eines Gleichgewichtes

 

Von Vollbeschäftigung könnte erstens bei einer Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt im Sinne eines totalen Gleichgewichtes gesprochen werden. Jeder Arbeitswillige findet in diesem Falle einen Arbeitsplatz. Jeder freie Arbeitsplatz kann in diesem Falle ebenfalls besetzt werden.

 

Ausgangspunkt ist die Zahl aller Arbeitnehmer einer Volkswirtschaft. Es erfolgt ein Abzug der Arbeitsunfähigen und der zwar Arbeitsfähigen, aber Arbeitsunwilligen. Es bleiben übrig: Die Zahl der Arbeitsfähigen und Arbeitswilligen, die in einem Arbeitsverhältnis stehen  (die Beschäftigten), sowie die Arbeitslosen.

 

Der Beschäftigungsgrad ist hierbei definiert als das Verhältnis der Beschäftigten zu allen Arbeitnehmern: B/A.

 

B: Gesamtzahl der Beschäftigten

A: Gesamtzahl der arbeitsfähigen und arbeitswilligen Arbeitnehmer

 

Es bestehen allerdings Unterschiede zwischen faktischer und registrierter Arbeitslosigkeit: Arbeitslos registrierte können schwarz arbeiten. Oder aus Unkenntnis und falsch verstandenem Sozialprestige melden sich Arbeitslose nicht arbeitslos. Weiterhin können aufgrund des Kündigungsschutzes zum Teil Arbeitnehmer nicht entlassen werden, obwohl sie nicht effektiv beschäftigt werden können.

 

Es kann darüber hinaus für einen Unternehmer vorteilhafter sein, Facharbeitskräfte trotz mangelnden Bedarfs nicht zu entlassen, als diese zu entlassen und bei einem zukünftigen Bedarf neue Facharbeitskräfte erneut zu suchen und anzulernen.

 

Auch ist mit einer unterschiedlichen Entwicklung der Arbeitslosigkeit auf partiellen Arbeitsmärkten zu rechnen. Wichtigste Ursache hierfür ist eine Überlagerung von konjunkturellen und strukturellen Krisen.

 

Andere Ursachen verlangen aber auch andere Therapien. Deshalb ist zweitens eine Beschränkung des Begriffs der Vollbeschäftigung auf das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht zweckmäßig. Möglicher Maßstab für diesen zweiten Begriff ist das Verhältnis der Zahl der offenen Stellen zur Zahl der Arbeitslosen. Bei der Feststellung der Zahl der offenen Stellen ergeben sich allerdings Schwierigkeiten. Unternehmungen sind ja nicht verpflichtet, offene Stellen dem Arbeitsamt zu melden. Auch üben Unternehmungen zum Teil Nachfrage nach Arbeitskräften auf Verdacht hin aus. Noch besteht unter Umständen kein akuter Bedarf, man will sich jedoch einen Überblick über die Marktlage verschaffen und auch Einstellungsgespräche führen, damit man dann, wenn eine Nachfrage nach neuen Arbeitskräften besteht, sofort bereits getestete Bewerber einstellen kann.

 

 

04. Vollbeschäftigung im Sinne eines bestimmten Beschäftigungsgrades

 

William Beveridge hatte – im Gegensatz hierzu – von einer Verletzung des Vollbeschäftigungszieles dann gesprochen, wenn die Arbeitslosenrate höher ausfällt als 3%.

 

Ausgangspunkt bildet folgender Gedanke: Es besteht eine strukturell bedingte langfristig weitgehend gleichbleibende Sockelarbeitslosigkeit. Also wird man über beschäftigungspolitische Maßnahmen auch diese Sockelarbeitslosigkeit nicht abbauen können. Es ist dann zweckmäßig, erst dann von einem Bedarf an Beschäftigungspolitik zu sprechen, wenn die tatsächliche Arbeitslosigkeit diese Marke von 3% übersteigt. Der Versuch, auch die Sockelarbeitslosigkeit zu verringern, wäre kurzfristig erfolglos. Dann ist es aber auch zweckmäßig, dass man den Begriff der Vollbeschäftigung nur auf die Arbeitnehmer bezieht, für die tatsächlich die Arbeitslosigkeit auf politischem Wege reduziert werden kann.

 

Auf längere Sicht lässt sich allerdings auch die Sockelarbeitslosigkeit bekämpfen. Aber es sind zumeist andere Ursachen, welche den Umfang der Sockelarbeitslosigkeit bestimmen. Andere Ursachen verlangen jedoch auch andere Maßnahmen. So gibt es immer noch einen Sinn, zwischen der Arbeitslosigkeit zu unterscheiden, welche auf mangelnde Güternachfrage zurückzuführen ist und struktureller Arbeitslosigkeit, welche z. B. mit einem unzureichenden Bildungsniveau einiger Arbeitsloser zu tun hat. Während die Arbeitslosigkeit, welche auf zu geringer privater Güternachfrage beruht, unter Umständen mit einer Ausweitung der Staatsausgaben bekämpft werden kann, würde diese Maßnahme keinen Einfluss auf die strukturelle Arbeitslosigkeit haben, wenn z. B. die zusätzlichen Staatsausgaben zum Ausbau des Verkehrsnetzes verwendet würden.

 

In der Tat hat in den letzten Jahrzehnten ein Wandel in den Vorstellungen über den Umfang der Sockelarbeitslosigkeit stattgefunden. Herbert Giersch hatte als Vorsitzender des Sachverständigenrates in den 70er Jahren aufgrund des damals starken Rückganges in der Arbeitslosigkeit vorgeschlagen, erst dann von Vollbeschäftigung zu sprechen, wenn die Arbeitslosenrate unter 0,8% gesunken ist.

 

Mögliche Ursachen dieses Wandels nach Giersch sind:

 

die Schlechtwettergeldregelung von 1957,

eine erhöhte Mobilität,

die aktive Arbeitsmarktpolitik,

die Rolle der Gastarbeiter,

eine zu geringe Ausbildung als Ursache für  Arbeitslosigkeit.

 

Seit den 90er Jahren stieg die Arbeitslosenrate wiederum so stark an, dass man neuerdings bereits von Vollbeschäftigung sprechen würde, wenn die Arbeitslosenrate auf 3% abgesunken wäre.

 

Als Ursachen des Wandels seit den 90er Jahren gelten: Die Wiedervereinigung brachte über den Solidaritätsbeitrag einen starken Anstieg der Produktionskosten und damit eine Verschlechterung in der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, was sich in einer Zunahme der Arbeitslosenrate niederschlug.

 

Gleichzeitig führte die Globalisierung und die Beteiligung einiger Schwellenländer zu einer Verschärfung des internationalen Wettbewerbs, was wiederum eine Erhöhung der Arbeitslosenrate zur Folge hatte.

 

Es ist also durchaus berechtigt, den Begriff der Vollbeschäftigung allein auf die konjunkturell bedingte Arbeitslosigkeit zu beziehen und die Arbeitslosigkeit, welche auf strukturelle Faktoren zurückgeführt werden kann, als Sockelarbeitslosigkeit zu bezeichnen, welche sich mit den traditionellen Konjunkturprogrammen nicht bekämpfen lässt. In jedem Fall muss jedoch zur Kenntnis genommen werden, wenn es gelungen ist, den Umfang der Sockelarbeitslosigkeit zu reduzieren. In diesem Falle ist dann auch das Ziel der Vollbeschäftigung bei einem anderen Umfang an Arbeitslosigkeit erreicht.

 

 

05. Das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit

 

Es ist weiterhin notwendig, nach der Dauer der Arbeitslosigkeit zu unterscheiden. Nach üblichem Verständnis handelt es sich um Langzeitarbeitslosigkeit, wenn die Arbeitslosigkeit mehr als ein Jahr andauert.

 

Eine kurzfristige Arbeitslosigkeit ist als Folge eines wohlfahrtssteigernden Strukturwandels kaum vermeidbar und im Hinblick auf die Folgen durchaus tolerierbar. Eine Wohlfahrtssteigerung ist nur bei einem Wandel in der Technik als auch im Bedarf denkbar. Besteht die hierdurch bedingte Arbeitslosigkeit nur für wenige Monate, so wird man den hierdurch entstehenden Wohlfahrtsverlust geringer einschätzen müssen als den Wohlfahrtsverlust, der dann zu erwarten wäre, wenn man jeglichen Bedarfswandel und jegliche technische Erneuerung nicht zulassen wollte.

 

Aber mit der Langzeitarbeitslosigkeit sind schwerwiegende soziale Folgen verbunden: Vor allem verringert sich die Wiederbeschäftigungsmöglichkeit der Arbeitnehmer, die langzeitarbeitslos sind. Ein internationaler Vergleich der Langzeitarbeitslosigkeit zeigt: In den USA waren lange Zeit circa 14% der Arbeitslosen langzeitarbeitslos, in Europa sind hingegen etwa 40% und darüber langzeitarbeitslos.

 

 

06. Erfassbare versus erforderliche Konjunkturdaten

 

Als Ausgangspunkt müssen wir uns darüber klar werden, dass unterschiedliche Konjunkturphasen auch unterschiedliche Maßnahmen erfordern. Deshalb ist eine Situationsanalyse und Prognose notwendig, welche uns darüber belehrt, in welcher Konjunkturphase wir uns augenblicklich befinden. In Zeiten des Konjunkturabschwungs bedarf es Maßnahmen, welche zu einem Anstieg der Güternachfrage führen, während in Zeiten des überhitzten Konjunkturaufschwungs, in welchem die Nachfragesteigerung kaum mehr zu einem Anstieg in der Gütermenge führt und deshalb weitgehend in Preissteigerungen verpufft, Maßnahmen zur Drosselung der Nachfrage notwendig werden.

 

Diese Situationsanalyse wird nun in praxi dadurch erschwert, dass die konjunkturpolitischen Maßnahmen erst nach einer gewissen Zeit ihre Wirkung hervorrufen. Wir können nicht davon ausgehen, dass z. B. eine durch Steigerungen der Staatsausgaben hervorgerufene Mehrnachfrage augenblicklich zu einer vermehrten Beschäftigung und damit zu einer verminderten Arbeitslosigkeit führt. Vielmehr verstreicht eine gewisse Zeit, bis sich die Mehrnachfrage auf den Gütermärkten in einer zusätzlichen Nachfrage auf den Arbeitsmärkten auswirkt. Man spricht hierbei von time lags (Zeitverzögerungen).

 

Dass es sich hierbei keineswegs um sehr kurze und deshalb vernachlässigbare Zeiten handelt, hat Milton Friedman gezeigt, der darauf hingewiesen hat, zwischen dem Zeitpunkt, in dem sich die Politiker darüber klar werden, dass sie durch Beschäftigungsprogramme die Konjunktur ankurbeln sollten, etwa eineinhalb Jahre vergehen, bis sich diese Programme auf den Arbeitsmärkten auswirken.

 

Diese Tatsache macht es aber notwendig, dass etwaige Konjunkturprogramme nicht erst in dem Zeitpunkt beschlossen werden müssen, in dem eine Veränderung der Konjunkturbewegung notwendig erscheint, sondern eben etwa 1 1/2 Jahre vorher.

 

Und in diesem Zusammenhang entstehen zwei grundsätzliche Probleme. Problem Nr. 1: Es reicht in diesem Falle offensichtlich nicht aus, dass wir uns im Rahmen einer Situationsanalyse die Frage stellen, wie hoch die augenblickliche Arbeitslosigkeit ist und inwieweit diese Arbeitslosigkeit konjunkturell bedingt ist. Wir bedürfen vielmehr eine Prognose, die uns darüber Auskunft gibt, wie die Arbeitslosigkeit in 1 1/2 Jahren, dann nämlich sein wird, wenn die heute eingeleiteten Maßnahmen auf dem Arbeitsmarkt greifen. Problem Nr. 2: Sind die Politiker nicht überfordert, wenn sie z. B. bereits eine kontraktiv wirkende Politik zu einer Zeit einleiten sollen, in der noch eine beachtliche Arbeitslosigkeit besteht.

 

Hier entsteht die grundsätzliche Frage, ob Prognosen im Rahmen der Wissenschaften überhaupt möglich sind. Die Mehrzahl der Ökonomen sind zwar der Überzeugung, dass es zwar möglich ist, mit wissenschaftlich einwandfreien Methoden Prognosen zu machen. Trotzdem unterscheiden sich die Prognosen der Wissenschaftler von den Prophetien entscheidend. Während nämlich Prophetien als unbedingte Aussagen formuliert werden, gelten die von der Wissenschaft aufgestellten Prognosen immer nur unter bestimmten Bedingungen.

 

Der Prophet behauptet, dass zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt ganz bestimmte Ereignisse eintreffen werden. Der Wissenschaftler hingegen formuliert seine Aussage sehr viel vorsichtiger. Er kann nicht mit Sicherheit das zu prognostizierende Ereignis voraussagen. Die Prognosen gelten nur unter der Bedingung, dass ganz bestimmte Voraussetzungen vorliegen, dass z. B. keine größeren Umwälzungen in den politischen Ordnungen eintreten oder dass auch nicht mit Missernten gerechnet werden muss. Die Prognose gilt dann nicht mehr, wenn sich eine dieser Voraussetzungen verändert hat.

 

Darüber hinaus besagen die wissenschaftlichen Prognosen, dass das prognostizierte Ereignis nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist. Prognosen in dem Sinne, dass ein bestimmtes Ereignis bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen mit absoluter Sicherheit eintreten wird, sind im Rahmen der Wissenschaft gar nicht möglich. Wir verfügen nicht über ein absolutes Wissen, unser Wissen über die Realität ist immer mehr oder weniger unvollkommen. Wir können im Prinzip zwar All-Aussagen (z. B. alle Unternehmer maximieren den Gewinn) falsifizieren, wenn wir nur einen Unternehmer finden, der sich anders verhält. In diesem Falle kann also nicht mehr davon gesprochen werden, dass alle Unternehmer ihren Gewinn maximieren.

 

Es ist aber nicht möglich, eine Hypothese zu verifizieren. Wir können immer nur dann, wenn es uns in mehreren empirischen Untersuchungen nicht gelungen ist, eine Hypothese zu falsifizieren, von einer vorläufig bestätigen Theorie sprechen. Diese Theorie bleibt aber stets vorläufig. Wir besitzen keine Möglichkeit, eindeutig zu bestimmen, ob wir wirklich alle Faktoren, welche auf die zu erklärende Variable Einfluss haben, bereits erfasst haben, wir müssen immer mit der Möglichkeit rechnen, dass in Zukunft gewisse Faktoren gefunden werden, die das Ergebnis maßgebend beeinflussen, aber bisher nicht erkannt wurden, obwohl sie bereits vorlagen oder aber überhaupt noch gar nicht aufgetreten sind.

 

Nun einige Worte zu der Frage, inwieweit die Politiker unter Umständen überfordert wären, bereits 1 ½ Jahre vor der erwarteten Überhitzung dämpfende Maßnahmen zu einer Zeit einzuleiten, in der noch in hohem Maße Arbeitslosigkeit besteht.

 

Keine Schwierigkeiten wären vermutlich zu erwarten, wenn wir unterstellen könnten, dass nahezu alle Wähler über ausreichende volkswirtschaftliche Kenntnisse verfügen und vollkommen rational handeln würden. In diesem Falle wäre jedem klar, dass eine Beseitigung konjunkturell bedingter Arbeitslosigkeit nur möglich ist, wenn die beschäftigungspolitischen Maßnahmen rechtzeitig, das heißt bereits in einer Zeit eingeleitet werden, in denen nach Arbeitslosigkeit vorliegt.

 

In Wirklichkeit können wir aber nicht davon ausgehen, dass ein großer Teil der Wähler über diese Kenntnisse verfügt. Die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge sind so kompliziert, dass ohne volkswirtschaftliche Vorkenntnisse diese Einsicht für den größten Teil der Wähler nicht erwartet werden können.

 

Unter diesen Voraussetzungen können verantwortungslose Populisten diese Unwissenheit der Wähler ausnutzen und Politiker bekämpfen, welche bereits in einer Zeit, in der noch Arbeitslosigkeit besteht, konjunkturdämpfende Maßnahmen einleiten.

 

Und in einer solchen Situation ist zu befürchten, dass die Politiker diese für einen Erfolg notwendigen Maßnahmen auch dann nicht einleiten, wenn sie selbst der Überzeugung sind, dass eigentlich diese dämpfenden Maßnahmen notwendig sind, einfach aus dem Grund, dass die Wähler sich in einem solchen Falle von diesen Politikern abwenden würden. Das politische Überleben der Parteien wiegt dann wichtiger als sachgerechte Lösungen.

 

Probleme bei der Feststellung der konjunkturellen Situation bestehen im Einzelnen durch:

 

das Hinterherhinken der Statistiken,

die Unterscheidung zwischen inside- und outside-lags,

die Unterscheidung zwischen recognition-, decision- und realization-lags.

 

Wir müssen davon ausgehen, dass immer eine gewisse Zeit verstreicht, bis überhaupt gewisse Mängel erkannt werden. So setzt eine Statistik über Arbeitslosigkeit voraus, dass die Unternehmungen, welche einen Arbeitnehmer entlassen haben, dies den statistischen Ämtern mitteilen. Wir können aber nicht erwarten, dass stündlich solche Entscheidungen mitgeteilt werden. Auch muss geklärt werden, ob es sich um dauerhafte Entscheidungen handelt. Wenn z. B. ein Gelegenheitsarbeiter ohne festen Arbeitsplatz an einem bestimmten Tat keine Arbeit gefunden hat, so sagt dies nichts darüber aus, dass sich die Lage dieses Arbeiters bereits grundlegend geändert hat. Es wäre ja denkbar, dass dieser Arbeiter nur jeden zweiten oder dritten Tag im Durchschnitt einer Arbeit nachgeht, sodass also das Feststellen eines arbeitsfreien Tag noch gar nichts Endgülttiges über mögliche Änderungen in der Beschäftigung dieses Arbeitnehmers aussagt.

 

Folgendes Schaubild gibt einen Überblick über die verschiedenen time lags:

 

 

 

07. Selbstbestätigung und Selbstwiderlegung von Prognosen

 

Von Prognosen gehen Wirkungen auf die zu prognostizierenden Daten aus. Wir sprechen von der Selbstbestätigung einer Prognose, wenn aufgrund der Prognose die prognostizierten Wirkungen eintreten. Das Beispiel einer induzierten Preissteigerung liegt vor, falls eine Preissteigerung prognostiziert wird. Hier steigt die Nachfrage aufgrund der Prognose und mit ihr steigen die Preise.

 

Wir sprechen hingegen von der Selbstwiderlegung einer Prognose, wenn aufgrund der Prognose gerade die prognostizierten Wirkungen nicht eintreten. Das Beispiel einer vermiedenen Überkapazität liegt vor, falls eine Überkapazität von Produktionsanlagen prognostiziert wird. Hier tritt eine Reduzierung der Investition aufgrund der Prognose ein und mit ihr verringert sich die Produktionskapazität.

 

Prognosen gefährden den Erfolg der Politik, wenn unerwünschte Effekte induziert werden. Beispielsweise wäre der Erfolg der Stabilisierungspolitik in Frage gestellt, wenn die Preise schon allein aufgrund von Prognosen steigen würden.

 

Prognosen können aber auch als konjunkturpolitisches Instrument eingesetzt werden, wenn Prognosen erwünschte Effekte hervorrufen. So könnte der Hinweis, dass eine Überkapazität in der Industrie zu erwarten sei, bereits als ein Mittel angesehen werden, auf einen Abbau der Überkapazitäten hinzuwirken.

 

 

08. Das Problem einer differenzierenden Konjunkturdiagnostik

 

Der Umfang der Arbeitslosigkeit ist – wie bereits erwähnt – von verschiedenen Ursachen abhängig:

 

Es gibt:

 

konjunkturelle,

saisonale,

friktionelle und

strukturelle Ursachen.

 

Es bedarf deshalb einer Theorie, um die Arbeitslosigkeit den einzelnen Ursachen zuzuordnen.

 

Erstens ist eine Unterscheidung zwischen strukturellen und konjunkturellen Ursachen notwendig: Der langfristige Durchschnitt der Arbeitslosigkeit entspricht der strukturellen Arbeitslosigkeit, die Schwankungen um diesen langfristigen Pfad weisen auf die konjunkturell bedingte Arbeitslosigkeit hin.

 

Eine Unterscheidung der saisonalen und sonstigen Gründe der Arbeitslosigkeit lässt sich anhand von Erfahrungswerten durchführen: So ist z. B. die überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit in den Wintermonaten vorwiegend saisonal bedingt. Da die Arbeit im Baugewerbe größtenteils im Freien vollzogen wird, kann zumindest bei Anwendung traditioneller Produktionsmethoden und bei Minustemperaturen die Produktion nicht aufrechterhalten werden.

 

Weiterhin kann die Dauer der durchschnittlichen Arbeitssuche als Maßstab der friktionellen Arbeitslosigkeit gelten. Von friktioneller Arbeitslosigkeit wird gesprochen, wenn ein Arbeitnehmer bei Wechsel seines Arbeitsplatzes für eine kurze Zeit ohne Beschäftigung bleibt. Steigt deshalb die durchschnittliche Dauer der Arbeitsplatzsuche (die Zeit also, welche verstreicht vom Verlassen des bisherigen Arbeitsplatzes bis zum Antritt an der neuen Arbeitsstelle), dann steigt die friktionelle Arbeitslosigkeit an.

 

Der Umfang dieser friktionellen Arbeitslosigkeit wird vor allem von zwei Faktoren bestimmt. Auf der einen Seite steigt die friktionelle Arbeitslosigkeit an, wenn bei Konstanz der durchschnittlichen Zeit der Arbeitsplatzsuche mehr Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz wechseln bzw. im Durchschnitt häufiger der Arbeitsplatz gewechselt wird.

 

Auf der anderen Seite hängt der Umfang der friktionellen Arbeitslosigkeit aber auch von den Kündigungsfristen ab. Wenn z. B. die Fristen, mit denen die Arbeitnehmer gekündigt werden können, verlängert werden, sind die gekündigten Arbeitnehmer in der Lage, ihre Arbeitsplatzsuche bereits zu einer Zeit zu beginnen, in denen sie noch am bisherigen Arbeitsplatz beschäftigt sind. (Natürlich muss den gekündigten Arbeitnehmern auch die Zeit gegeben werden, sich nach neuen Arbeitsplätzen umzuschauen.) Die Zeit, welche hier zwischen dem Verlassen des bisherigen Arbeitsplatzes bis zum Antritt an der neuen Arbeitsstelle verstreicht, lässt sich auf diese Weise erheblich reduzieren, was automatisch zu einer Verringerung der friktionellen Arbeitslosigkeit führt.

 

 

09. Zur Problematik der Frühindikatoren

 

Historisches Beispiel eines Frühindikators war das Harvardbarometer (W. M. Persons C. J. Bullock) Das Harvardbarometer bestand aus drei Zeitreihen:

 

der Spekulationskurve (Dividenden und Umsätze bestimmter Aktien)

der Warenkurve (Roheisenproduktion, allgemeiner Preisindex)

der Geldmarktkurve (Diskontsatz, Kreditvolumen etc.)

 

Voraussetzung für die Zweckmäßigkeit eines Frühindikators ist das Vorliegen eindeutiger, dynamischer Gesetzmäßigkeiten:

 

Lohnsteigerungen führen z. B. zu Preissteigerungen, aber Preissteigerungen können auch Lohnsteigerungen induzieren. Wir können aber nicht davon ausgehen, dass das Verhältnis der Steigerungen in Lohnsätzen und Güterpreisen stets das gleiche ist, unabhängig davon, ob Lohnsteigerungen Preissteigerungen oder umgekehrt Preissteigerungen Lohnsteigerungen auslösen. Im Grund liegen diesen Beziehungen ganz unterschiedliche Zusammenhänge zugrunde, welche nichts mit einander zu tun haben.

 

Wenn Steigerungen in den Lohnkosten zu Preissteigerungen führen, so deshalb, weil die Unternehmer bestrebt sind, alle Kosten in den Güterpreis einfließen zu lassen. Schließlich produzieren sie Güter deshalb, um auf diesen Wege Gewinne zu erzielen. Sie werden deshalb auf jeden Fall, falls möglich den Versuch unternehmen, alle Kostensteigerungen auf den Güterpreis weiterzuwälzen. Ob dies ihnen in jedem Falle gelingt, hängt aber auch von anderen Gegebenheiten ab, z. B. davon, ob auch die Konkurrenten vor den gleichen Kostensteigerungen stehen und deshalb ebenfalls die Kosten an die Konsumenten weiterzuwälzen.

 

Wenn andererseits Preissteigerungen zu Lohnsteigerungen führen, hängt dieser Zusammenhang mit dem Verhalten der Gewerkschaften zusammen, von ihren Zielsetzungen, den Anteil der Lohneinkommen und die reale Höhe der bisherigen Einkommen zu verteidigen. Weiterhin entscheidet aber auch die Stärke der Gewerkschaften, welche unter anderem im Organisationsgrad zum Ausdruck kommt, darüber, inwieweit es den Gewerkschaften gelingt, ihre Ziele auch durchzusetzen.

 

Gerade aufgrund dieser unterschiedlichen Zusammenhänge überwiegt heute die Skepsis gegenüber dem Versuch, anhand von Frühindikatoren den Konjunkturverlauf zuverlässig zu prognostizieren.

 

 

10. Das Konjunkturbarometer des Sachverständigenrates

 

Man beschränkt sich hier auf die Diagnose und verzichtet bewusst auf eine Prognose.

 

In einem ersten Schritt wird eine Auswahl der konjunkturrelevanten Einzelindikatoren vorgenommen. Beispielsweise werden Preise, Löhne, Zinsen Umsatz, Arbeitslose als Indikatoren gewählt.

 

In einem zweiten Schritt erfolgt die Normierung des Konjunkturverlaufes: Die Normierung erfolgt hierbei über die Ziffern 1 und 2: Die normierten Variablenwerte werden um 1 erhöht oder verringert, sofern sich die Variablen innerhalb der normalen Abweichungen bewegen. Es wird hingegen eine Veränderung von +/- 2 gewählt, wenn die Abweichungen in den einzelnen Variablen größer als normal sind. Welche Abweichung als normal angesehen wird, kann mit Hilfe des Durchschnitts der vergangenen Werte bestimmt werden.

 

 

In einem dritten Schritt wird ein Gesamtindikator als gleitender Durchschnitt der Einzelindikatoren gebildet.

 

 

 

 

Zur Kritik an diesem Konjunkturindikator lässt sich folgendes sagen:

 

Der Indikator ist zu wenig sensitiv gegenüber Veränderungen.

 

Es ist z. B. unklar, welche Geldmenge gewählt werden soll: M1, M2 oder M3, M1 bezieht sich hierbei auf die Menge der Banknoten und Münzen, M2 enthält darüber hinaus auch das von den Privatbanken geschaffene Giralgeld (Termineinlagen) sowie die Sparkonten, M3 schließlich berücksichtigt darüber hinaus auch andere geldnahe Wertpapiere.

 

Weiterhin ist unklar, welche Lohnsätze denn herangezogen werden sollen, die Effektivverdienste oder die Tariflöhne? Für das Heranziehen von Tariflöhnen spricht, dass die einzelnen Daten relativ einfach den bestehenden Tarifverträgen entnommen werden können. Die Erhebung der Daten wird dadurch noch vereinfacht, dass die Zahl der abgeschlossenen Tarifverträge relativ gering ist.

 

Die Erhebung der Lohndaten auf der Grundlage der Effektivverdienste ist demgegenüber sehr viel mühsamer. Einerseits müssen die Daten aus der Vielzahl einzelner Unternehmungen gewonnen werden, andererseits unterrichten diese Erhebungen nicht eindeutig über den Umfang der Lohnanteile, welche auf freiwilliger Basis von einzelnen Unternehmungen gewährt werden.

 

Die Tarifverträge sind bisweilen so detailliert, dass aus Vereinfachungsgründen einige Leistungen, welche aufgrund eines Tarifvertrages gewährt werden, in der offiziellen Tarifstatistik nicht erhoben werden. Da aber im Rahmen der Statistiken über die Effektivverdienste alle Leistungen einbezogen werden, werden die übertariflichen Leistungen in dem Maße zu hoch ausgewiesen, als die Tariflohnstatistik einige tariflich vereinbarte Leistungen nicht berücksichtigt.

 

Der vom Sachverständigenrat vorgeschlagene Konjunkturindikator wird vor allem bei Vorliegen einer Stagflation zum Problem: Mengen- und Preisgrößen heben sich in einer solchen Situation gegenseitig auf, es wird unter Umständen eine nicht vorhandene Stabilität vorgetäuscht! Unter Stagflation versteht man bekanntlich eine Situation, bei der zur gleichen Zeit allgemeine Preissteigerungen (Inflation) sowie Arbeitslosigkeit (Stagnation) auftreten.

 

 

 

Dieser Gefahr kann man jedoch dadurch begegnen, dass man die Preis- und die Mengenbewegungen getrennt ausweist und dadurch verhindert, dass sich beide Bewegungen kompensieren.

 

Fortsetzung folgt!