Die schönsten Erzählungen der Bibel

 

 

 

Gliederung:

 

  1. Einführung

  2. Schöpfungsbericht

  3. Sündenfall

  4. Kain und Abel

  5. Noah im Rausch

  6. Abraham hadert mit Gott

  7. Isaaks Opferung

  8. Der Segen für Jakob, dem Jüngeren

  9. Josef und seine Brüder

10. Moses vor dem Pharao

11. Ruth die moabitische Frau und Ahnfrau Davids

12. David gegen Goliath

13. David und die Frau des Hethiters

14. Esthers Rettung der Juden

15.  Hiobs Leid und Gottvertrauen

16. Die Verleugnung Petrus

17. Der Verrat Judas 

18. Der barmherzige Samariter

19. Die Hochzeit zu Kanaan

20. Die Tempelreinigung

21. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn

22. Jesus und die Ehebrecherin

23. Jesus am Ölberg

24. Der ungläubige Thomas

 

 

Kapitel 4: Kain und Abel

 

 

 

Gliederung:

 

1. Der Text

2. Interpretation

3. Mord oder Totschlag?

4. Warum kein ausdrückliches Verbot?

5. Die Bestrafung

6. Das Kainsmerkmal

 

 

 

1. Der Text

 

Beginnen wir auch dieses Kapitel mit dem Text der biblischen Erzählung. In Kapitel 4 des ersten Buches Moses lesen wir:

 

1  ‚Adam erkannte Eva, seine Frau; sie wurde schwanger und gebar Kain. Da sagte sie: Ich habe einen Mann vom Herrn erworben.

2  Sie gebar ein zweites Mal, nämlich Abel, seinen Bruder. Abel wurde Schafhirt und Kain Ackerbauer.

 

3  Nach einiger Zeit brachte Kain dem Herrn ein Opfer von den Früchten des Feldes dar;

4  auch Abel brachte eines dar von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Der Herr schaute auf Abel und sein Opfer,

5  aber auf Kain und sein Opfer schaute er nicht. Da überlief es Kain ganz heiß und sein Blick senkte sich.

 

6  Der Herr sprach zu Kain: Warum überläuft es dich heiß und warum senkt sich dein Blick?

7  Nicht wahr, wenn du recht tust, darfst du aufblicken; wenn du nicht recht tust, lauert an der Tür die Sünde als Dämon. Auf dich hat er es abgesehen, doch du werde Herr über ihn! 

 

8  Hierauf sagte Kain zu seinem Bruder Abel: Gehen wir aufs Feld! Als sie auf dem Feld waren, griff Kain seinen Bruder Abel an und erschlug ihn.

 

9  Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er entgegnete: Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders?

10  Der Herr sprach: Was hast du getan? Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden.

11  So bist du verflucht, verbannt vom Ackerboden, der seinen Mund aufgesperrt hat, um aus deiner Hand das Blut deines Bruders aufzunehmen.

12  Wenn du den Ackerboden bestellst, wird er dir keinen Ertrag mehr bringen. Rastlos und ruhelos wirst du auf der Erde sein.

 

13  Kain antwortete dem Herrn: Zu groß ist meine Schuld, als dass ich sie tragen könnte.

14  Du hast mich heute vom Ackerland verjagt und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen; rastlos und ruhelos werde ich auf der Erde sein und wer mich findet, wird mich erschlagen.

 

15  Der Herr aber sprach zu ihm: Darum soll jeder, der Kain erschlägt, siebenfacher Rache verfallen. Darauf machte der Herr dem Kain ein Zeichen, damit ihn keiner erschlage, der ihn finde.

 

16  Dann ging Kain vom Herrn weg und ließ sich im Land Nod nieder, östlich von Eden.‘

 

 

2. Interpretation

 

Was will uns diese Erzählung sagen? Ähnlich wie im vorhergehenden Kapitel über den ersten Sündenfall Adams und Evas erfahren wir auch in dieser Erzählung von den Verfehlungen der ersten Menschen. Adam und Eva hatten – so berichtet uns die Heilige Schrift – gegen das ausdrücklich von Gott selbst erlassene Verbot verstoßen, nicht von den Früchten des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen. Und wir haben gesehen, dass dieses bildlich umschriebene Verbot offensichtlich zum Ausdruck bringt, dass nach dem Willen Gottes die im Paradies lebenden ersten Menschen keinen Geschlechtsverkehr haben sollten.

 

In ähnlicher Weise erfahren wir in der in diesem Kapitel erzählten Geschichte von der Verfehlung des Kains, des erstgeborenen Sohnes von Adam und Eva, die darin bestand, dass er seinen Bruder Abel tötete.

 

Wenn wir nach den Gründen fragen, worin denn diese Verfehlungen von Adam und Eva sowie Kain bestanden, so war es bei Adam und Eva offensichtlich die Unmöglichkeit, dass die Menschen ewig leben konnten – wie es dem Plan Gottes entsprach – und gleichzeitig sich beliebig vermehren konnten. Trotz des Reichtums der Natur im Paradies, mussten die Früchte des Gartens Edens einmal zu Ende gehen, wenn sich die Menschen vermehren. Eines Tages musste notwendiger Weise der natürliche Vorrat des Nahrungsspielraumes zu Ende gehen und das bedeutet hinwiederum, dass die Menschen dann vor Hunger sterben.

 

Bei Kain verstieß die Tötung Abels offensichtlich gleichermaßen gegen den Plan Gottes. Er hatte die Menschen erschaffen, nicht damit sie von Menschenhand erschlagen werden, sondern dass sie sich in gegenseitiger Achtung einander helfen und friedlich zusammenleben. Auch bringt jede Tötung eines Mitmenschen zum Ausdruck, dass sich der Tötende über den Getöteten erhebt und damit die von Gott gewollte Gleichheit aller Menschen verletzt.

 

Wir erfahren auch in beiden Erzählungen (dem Sündenfall Evas und Adams sowie der Erschlagung des Abels durch Kain) über die Motive, welche die Menschen verleitet haben, diese Verfehlung zu begehen. Wenn man will, stellen beide Erzählungen ein Lehrstück menschlicher Schwächen dar.

 

Von Adam und Eva wird berichtet, dass sie sich allzu leicht verführen ließen und die Lügengeschichten der Schlange allzu leichtfertig glaubten, dass nämlich Gott dieses Verbot nicht etwa zum Nutzen und Wohl der Menschen selbst erlassen hat, sondern dass Gott auf diese Weise verhindern wollte, dass die Menschen bei Genuss dieser Früchte vollkommene Erkenntnis über Gut und Böse erlangen würden und dass damit die Menschen Gott gleich würden. Adam und Eva konnten also der Versuchung nicht widerstehen, sie machten auch keine Anstrengungen, diesen Versuchungen standzuhalten, sie verfielen der Hybris, Gott gleich zu sein.

 

Von Kain hingegen erfahren wir, dass er offensichtlich auf sein Erstgeburtsrecht pochte. Obwohl Gott alle Menschen als gleiche Lebewesen erschuf, wollte er mehr sein als sein jüngerer Bruder und sich über ihn stellen. Er ertrug es nicht, dass Gott – wie er fälschlicher Weise meinte – sein Opfer weniger annehme als das seines Bruders.

 

Wie aber kam Kain zu der falschen Überzeugung, Gott sei ihm nicht so gefällig wie seinem Bruder Abel, was war geschehen? Beide hatten Gott ein Dankopfer gebracht, beide verwendeten hierzu die Früchte, welche sie selbst produzierten. Kain hatte sich dem Ackerbau zugewandt, sein jüngerer Bruder hingegen züchtete Vieh. Also bestand das Opfer Kains aus Ackerfrüchten, währende Abel eines seiner Tiere als Opfer brachte.

 

Die Opferung beider bestand also darin, dass sie Gott ein Brandopfer darbrachten. Die gewonnenen Früchte des Ackerbodens wie das Fleisch der Tiere dienten in erster Linie der Nahrung der Menschen, indem sie jedoch von diesen Früchten Gott ein Brandopfer darbrachten, gaben sie damit kund, dass sie auf einen Teil dieser Früchte verzichten, um sie Gott anzubieten und um auf diese Weise Gott zu danken.

 

Warum war nun Kain der Meinung, dass Gott nur das Brandopfer Abels, nicht aber sein eigenes angenommen habe? Kain sah, dass der Rauch des verbrannten Tieres mit heller Flamme verbrannte und nach oben zum Himmel zog, während der Rauch des von Kain gewählten Opfertieres am Boden hängen blieb und dunkler Rauch sich verbreitete. Kain zog aus diesem rein äußeren Ablauf den Schluss, dass Gott das Opfer Abels, nicht aber sein eigenes annehme und dass die Haltung Gottes in dem Aussehen der Flamme und des Rauches zum Ausdruck komme.

 

In diesem Verhalten kommt eine Einstellung zum Zuge, die in den Anfängen der Menschheit immer wieder zu Tage trat. Die natürlichen Ereignisse, vor allem die Naturkatastrophen wurden als eine unmittelbare Antwort Gottes oder auch der Götter angesehen, welche auf diese Weise die Menschen für ihre Verfehlungen bestrafen. Genauso wie ein Sturm oder ein Gewitter von den frühen Menschen als Strafe der Götter angesehen wurden, ging offensichtlich auch Kain von der Vorstellung aus, dass der Umstand, dass das Feuer seines Opfers nicht hell leuchtend zum Himmel zog, als Beweis gelten müsse, dass Gott an diesem Opfer kein Gefallen gefunden habe.

 

In Wirklichkeit war jedoch von einer solchen Haltung Gottes keine Rede. Gott selbst, der offensichtlich die Enttäuschung und Wut des Kain beobachtet hatte, sprach Kain an und fragte ihn, warum denn Kain enttäuscht war: ‚Warum überläuft es dich heiß und warum senkt sich dein Blick? Nicht wahr, wenn du recht tust, darfst du aufblicken; wenn du nicht recht tust, lauert an der Tür die Sünde als Dämon. Auf dich hat er es abgesehen, doch du werde Herr über ihn!‘

 

Gott macht also Kain den Vorwurf, dass er offensichtlich Abel mit seinem Opfer übertrumpfen wollte, dass er also nicht reinen Herzens dieses Opfer brachte, sondern gleichzeitig auch seinen Bruder durch ein Gott gefälligeres Opfer übervorteilen wollte. Sonst wäre er vermutlich gar nicht auf den Gedanken gekommen, dass nur wegen der Richtung des Rauches sein Opfer von Gott nicht angenommen wurde.

 

Es kommt hier klar zum Ausdruck, dass Gott die Menschen danach richtet, ob sie Rechtes tun. Und wenn Gott sich von einzelnen Menschen abwendet, dann deshalb, weil sie  Unrechtes getan haben, nicht etwas deshalb, weil Gott ein Brandopfer aus Tieren höher einschätzt als ein Opfer aus Früchten der Äcker. Offensichtlich hat Gott erkannt, dass Kain von schlechten Gedanken erfüllt war, aber auch hier wird Kain nicht allein schon deshalb verurteilt, weil er sündige Gedanken in sich trägt, sondern Gott ermahnt Kain nur, Herr über diese sündigen Gedanken zu werden.

 

Auch dann, als Kain von Gott auf seine Verfehlungen angesprochen wird, reagiert Kain in ähnlicher Weise wie Adam und Eva nach ihrem Sündenfall. Auf die Frage Gottes, ‚Wo ist dein Bruder Abel?‘ entgegnete Kain: ‚Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders?‘, warum sollte ich denn wissen, wo mein Bruder sich gerade aufhält? Die Antwort fällt so aus, als ob Gott Kain vorgeworfen habe, er habe seine Aufsichtspflicht als älterer Bruder gegenüber seinem jüngeren Bruder verletzt.

 

Natürlich weiß Kain, wo sein Bruder ist, er hatte ihn ja gerade erschlagen. Aber anstatt dass er sich zu seiner Tat bekennt, mimt er den Unwissenden, obwohl ihm klar sein müsste, warum Gott gerade ihn nach Abel gefragt hatte. In gleicher Weise hatten Adam und Eva auf die Frage Gottes, warum sie sich denn versteckten, ausweichend darauf hingewiesen, dass sie sich ihrer Nacktheit und nicht etwa wegen des Übertretens des einzigen Verbotes schämten.

 

Nicht ganz so deutlich sind die Parallelen im Hinblick auf die Strafen Gottes für das sündige Verhalten. Zwar werden beide Paare von Gott bestraft. Adam und Eva werden aus dem Paradies vertrieben, Kain wird verflucht und vom Ackerboden verbannt und wenn er den Ackerboden bestellten wollte, würde er keinen Ertrag mehr bringen. Kain wird von Gott prophezeit, dass er rastlos und ruhelos auf Erden sein werde.

 

Adam und Eva müssen in letzter Konsequenz ihres Vergehens eines Tages sterben, Kain jedoch wird zwar vertrieben, gleichzeitig schützt jedoch Gott Kain, in dem er jeden verflucht, der Kain erschlagen wollte. Kain wird also zwar wie jeder Mensch eines Tages sterben, aber eben nicht deshalb, weil er eine böse Tat begangen hatte, im Hinblick auf diese seine eigene Tat wird er sogar von Gott durch das Kainsmerkmal auf seiner Stirn geschützt.

 

 

3. Mord oder Totschlag

 

Befassen wir uns nun mit den wesentlichen Lehren dieser Geschichte etwas ausführlicher. Hier wäre zunächst die Frage zu klären, wie wir denn mit unseren heutigen Begriffen die Tat Kains umschreiben würden. War Kains Tat lediglich ein nicht geplanter Totschlag oder müssen wir von Mord sprechen, da sich Kain etwa ganz bewusst gegen Abel wandte, um ihn zu töten?

 

Kains Tat ist die in der Heiligen Schrift erwähnte erste Tötung eines Menschen. Adam und Eva, die ersten Menschen, haben zwar gegen das Gebot Gottes verstoßen, aber sich oder ihre Kinder nicht umgebracht. Kain und Abel waren aber die ersten Nachkommen Adam und Evas. Also müssen wir davon ausgehen, dass Kain auch nicht über das Wissen verfügte und auch nicht verfügen konnte, wie man einen Menschen tötet oder ob Schläge gegen einen Mitmenschen tatsächlich zum Tode führen. Aus dieser Sicht wird man zu dem Ergebnis kommen, dass man bei dieser Tat nicht eindeutig von Mord sprechen kann, wir müssen durchaus mit der Möglichkeit rechnen, dass sich Kain nicht darüber klar war, dass Schläge gegen seinen Bruder zu dessen Tode führen.

 

Bereits bei der Geschichte um den ersten Sündenfall von Adam und Eva hatten wir erwähnt, dass die geschilderten Ereignisse über die Entwicklung der Menschheit oftmals verglichen werden mit der individuellen Geschichte eines jeden einzelnen Menschen. Genauso wie der einzelne Mensch zunächst eine Phase der Kindheit durchschreitet, in welcher er noch keine volle Verantwortung für sein Handeln übernehmen kann, genauso müsse man davon ausgehen, dass auch die gesamte Menschheit eine solche Phase der Kindheit durchschritten habe, in der die Menschen noch keine volle Verantwortung übernehmen könnten.

 

In diesem Sinne ist bekannt, dass Kinder zwar sehr leicht gegen ihre Geschwister oder auch gegen ihre Eltern Gedanken mit sich tragen, welche auf eine Vernichtung des anderen ausgerichtet sind und so auch deren Tod wünschen, dass aber diese Absichten keinesfalls wie bei den Erwachsenen als ein endgültiges unwiderrufbares Ereignis angesehen wird, es ist vielmehr dann im nächsten Augenblick, nachdem die Wut oder Enttäuschtheit verraucht ist, der Wunsch genau so stark, dass diese Mitmenschen eben nicht getötet wurden und es ist dann auch die Überzeugung vorhanden, dass dieses Auslöschen dieser Tat wie selbstverständlich wiederum rückgängig gemacht werden kann.

 

Von Kain können wir aufgrund der Berichte im 4. Kapitel der Genesis durchaus annehmen, dass er seinen Bruder so sehr hasste, dass in ihm Wünsche entstanden waren, dass sein Bruder nicht mehr leben würde. Aber vielleicht war der Stand der Entwicklung bei Kains noch nicht soweit fortgeschritten, dass er sich wie ein heutiger Erwachsener bewusst sein musste, dass die Tötung eines Menschen endgültig ist, dass man ihn nicht dann, wenn die Wut vergangen ist, wiederum zum Leben erwecken kann.

 

Wir wollen also davon ausgehen, dass wir Kains Tat eher als Totschlag und damit weniger als Mord bewerten müssen. Fragen wir uns nun, wie denn im Alten Testament ein nicht geplanter Totschlag im Gegensatz zu einem echten Mord eingestuft wird? Als Moses vom Berge Sinai die zwei ehernen Tafeln mit den Zehn Geboten Gottes den Israeliten brachte, wurde im fünften Gebot lediglich davon gesprochen, dass die Israeliten nicht morden sollten. Also beziehen sich die zehn Gebote Gottes eben gerade nicht auf jeden Totschlag, sondern nur auf solche Tötungsdelikte, welche mit Tötungsabsicht erfolgen.

 

Trotzdem wird auch dann, wenn wir vermuten müssen, dass Kain gar nicht wissen konnte, ob die Schläge gegen Abel tödlich ausgehen, im 4. Kapitel der Genesis ganz eindeutig von einer Verfehlung, sogar von einer sehr schwerwiegenden Verfehlung gesprochen. Wenn in den Zehn Geboten Gottes nur von Morden, aber nicht von Töten allgemein gesprochen wird, erfolgt dies offensichtlich deshalb, weil man von einer Verfehlung und Schuld eigentlich nur dann sprechen kann, wenn die Tat auch gewollt ist.

 

Nun muss man davon ausgehen, dass Tötungen oftmals einfach deshalb erfolgen, weil sich jemand eines Angriffs erwehren muss. Es entspricht allgemeiner Überzeugung auch der jüdischen und christlichen Lehren, dass jeder das Recht hat, sich gegen Angriffe anderer Mitmenschen zu erwehren, selbst dann, wenn die Verteidigung die Tötung des Angreifenden notwendig macht.

 

Es ist aber dabei wichtig, dass dieses Recht zu Töten nur gilt, wenn erstens die Abwehr nur dadurch möglich wurde, dass der Angreifer getötet wird und zweitens, dass die Tötung des Angreifenden nur dann erlaubt ist, wenn das Leben des Angegriffenen in Gefahr ist. Beschränkt sich der Angreifende darauf, den Angegriffenen zu berauben oder nicht tödlich zu verletzen, besteht auch kein Recht, den Angreifenden zu töten.

 

Es geht hierbei stets um die Erhaltung des Lebens. Nur dann, wenn fest damit gerechnet werden muss, dass der Angreifer auf jeden Fall beabsichtigt, den Angegriffenen zu töten und wenn es keine andere Möglichkeit gibt, den Angreifer von seinem Vorhaben abzubringen, ist die Tötung des Angreifers erlaubt. Denn, wenn schon das Leben von Menschen bedroht ist, ist es immer noch besser, dass das Leben des Angreifers als das des Angegriffenen ausgelöscht wird.

 

Wie ist nun die Tat Kains in dieser Hinsicht einzustufen? Wir haben zwar gesehen, dass nicht mit Sicherheit davon gesprochen werden kann, dass Kain die feste Absicht hatte, Abel zu töten und dass deshalb nicht unbedingt von Mord in diesem Zusammenhang gesprochen werden kann.

 

Trotzdem dürften bei der Handlung des Kain auch nicht die Gründe gegeben sein, welche im Allgemeinen angeführt werden, um in speziellen Fällen das Töten zu erlauben. Abel hat ja in dieser Geschichte Kain nicht angegriffen, sodass sich Kain des Angriffs seines Bruders hätte erwehren müssen. Dass Kain den Abel erschlug, lag ja daran, dass er verärgert war, dass Gott seiner Meinung nach (allerdings zu Unrecht) das Brandopfer Abels höher einschätzte als das von Kain.

 

Wir können noch nicht einmal davon ausgehen, dass Abel mit seinem Opfer in irgendeiner Weise vor Gott besser darstellen wollte als sein Bruder Kain und somit auch nicht die Absicht hatte, seinem Bruder Nachteile dadurch zu verschaffen, dass er bei Gott besser dasteht als sein Bruder. Abel hat genauso wie sein Bruder gehandelt: Beide haben von den Früchten ihrer Arbeit Gott ein Brandopfer dargebracht. Es lag nicht in der Absicht oder auch nicht in der Möglichkeit Abels, dass die Flamme des tierischen Brandopfers hellleuchtend gegen den Himmel zog, der Rauch des pflanzlichen Brandopfers hingegen gegen den Boden drückte.

 

Also wird man auch davon ausgehen müssen, dass gerade die Gründe, welche in gewissen Fällen auch das Töten eines Menschen erlauben, bei der Tat Kains gerade nicht vorlagen. Es waren niedere Beweggründe, welche Kain veranlasst haben, seinen Bruder zu erschlagen und aus diesen Gründen war es auch nur folgerichtig, dass Gott Kain für sein Vergehen bestrafte.

 

 

4. Warum kein ausdrückliches Verbot?

 

Trotz vieler Parallelen zwischen den Verfehlungen Kains und denen von Adam und Eva, in einem Punkt unterscheidet sich die Erzählung über Kains Totschlag von dem ersten Sündenfall von Adam und Eva. Adam und Eva gegenüber hatte Gott ein eindeutiges Verbot erlassen: Ihr dürft zwar die Früchte von allen Bäumen des Gartens essen mit einer Ausnahme. Vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse dürft ihr nicht essen. Denn wenn ihr diese Früchte esst, dann werdet ihr Sterben. Adam und Eva mussten sich also von Anfang an bewusst sein, dass sie mit dem Essen dieser Früchte Gottes Gebot überschreiten.

 

Im Falle Kains hingegen berichtet uns die Erzählung über kein eigenes Verbot, den Bruder oder auch die Eltern zu töten. Vielleicht kann man davon ausgehen, dass das Tötungsverbot so elementar und von selbst einsichtig ist, dass Gott dieses Verbot nicht eigens erwähnen musste. Wenn Gott die Menschen erschaffen hat, sicherlich nicht dazu, dass sich die Menschen untereinander umbringen.

 

Aber vielleicht hatte Gott doch ein solches Verbot den ersten Menschen verkündet, nur dass diejenigen, welche diesen Bericht erzählt, weitergetragen und dann schließlich aufgeschrieben haben, von der Überzeugung ausgingen, dass ein solches Verbot selbstverständlich ist und gerade deshalb nicht eigens erwähnt werden muss.

 

Aber auch in diesem Falle wird man einräumen müssen, dass deshalb, weil Kain‘s Tat zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte erfolgte, Kain eigentlich gar nicht wissen konnte, dass Schläge gegen seinen Bruder zum endgültigen Tod des Geschlagenen führen werden. Wir hatten oben bereits festgestellt, dass wir gerade aus diesen Gründen heraus nicht unbedingt von einem geplanten Totschlag, also von Mord im Zusammenhang mit Kains Tat sprechen können. Es bleibt also auch dann richtig, dass sich Kains Tat von der Adam und Evas sehr wohl im Hinblick auf das Wissen über diese Tat unterscheidet.

 

Wir haben uns auch zu fragen, warum sich denn die gegenüber Adam und Eva und gegenüber Kain und Abel ausgesprochenen Verbote so gravierend unterscheiden. Sollte nicht auch für Adam und Eva gegolten haben, dass sie sich nicht gegenseitig umbringen? Dass umgekehrt gegenüber Kain und Abel das Verbot eines geschlechtlichen Verkehrs nicht ausgesprochen wurde, lässt sich hingegen damit erklären, dass dieses Verbot damit zusammenhing, dass es ein Leben im Paradies von selbst verbietet, dass sich die Menschen unbegrenzt vermehren und trotzdem die Möglichkeit eines ewigen Lebens haben.

 

Für die Menschen, welche aus dem Paradies vertrieben waren, galt diese Anweisung gerade nicht. Wir hatten bereits in dem zweiten Kapitel dieser Vorlesung gezeigt, dass für Menschen außerhalb des Paradies im ersten Schöpfungsbericht die eigens ausgesprochene Weisung gilt: Wachset und vermehret euch und macht euch die Erde untertan. Gerade in den Anfängen der Menschheit bedeutet diese Anweisung, dass Gott wünscht, dass sich die Menschen vermehren und dies gelingt eben nur dadurch, dass sich Mann und Frau geschlechtlich vereinen.

 

Damit ist jedoch nur erklärt, warum die Weisungen an Adam und Eva offensichtlich nicht mehr für Kain und all seinen Nachkommen gelten. Wie steht es jedoch mit der Frage, dass Gott gegenüber Adam und Eva kein Verbot des Tötens ausgesprochen hat, bzw. dass in den Berichten der Heiligen Schrift von keinem solchen Verbot des gegenseitigen Tötens die Rede ist?

 

Wir hatten bereits in früheren Kapiteln davon gesprochen, dass sich das Leben im und außerhalb des Paradieses vor allem dadurch unterschied, dass die zur Verfügung stehenden materiellen Ressourcen im Paradies in Hülle und Fülle vorhanden waren und auch fast ohne jegliche Arbeit benutzt werden konnten, während für die aus dem Paradies vertriebenen Menschen galt, dass sie nur unter großen Mühen die vorhandenen Ressourcen zur Konsumreife bringen können und dass diese Ressourcen wohl in jedem Augenblick knapp sind.

 

Die einzelnen Menschen müssen also außerhalb des Paradieses um das fürs Überleben Notwendige kämpfen und dies bringt automatisch mit sich, dass stets die Gefahr besteht, dass einzelne Menschen aus diesen Gründen morden, rauben, betrügen und ihre Mitmenschen täuschen, da sie davon überzeugt sind, dass sie nur auf diese Weise (nur durch Kampf gegen jeden) überhaupt überleben können.

 

Diese permanente, durch die Knappheit der materiellen Ressourcen hervorgerufene Notsituation war gerade im Paradies nicht gegeben. Um die für das Leben notwendigen Nahrungsmittel zu erlangen, brauchten die ersten Menschen nicht ihre Mitmenschen belästigen, der Nahrungsspielraum war so groß, dass jeder genügend an Nahrungsmitteln zur Verfügung hatte, unabhängig davon, wie viel Ressourcen der jeweils andere beanspruchte.

 

So wird es verständlich, dass die Gefahr des gegenseitigen Tötens im Paradies sehr viel geringer war als außerhalb des Paradieses. In der Mehrzahl der Fälle erfolgen Mord und Totschlag aus Gründen der Knappheit. Ohne Knappheit ist auch die Gefahr, dass gemordet wird, insgesamt geringer, sodass auch ein Verbot des Mordens solange, als die ersten Menschen im Paradies lebten, auch nicht ex pressis verbis ausgesprochen werden musste.

 

Allerdings ist Knappheit sicherlich nicht der einzige Grund dafür, dass gemordet wird. Gerade das Beispiel Kains zeigt ja, dass Kain seinen Bruder Abel keineswegs deshalb erschlagen hatte, weil ihm Abel die notwendigsten Nahrungsmittel streitig machte. Kain erschlug seinen Bruder vielmehr deshalb, weil er die angebliche Bevorzugung seitens Gottes seinem Bruder neidete. Er wollte von Gott zumindest genauso anerkannt werden wie sein Bruder. Also hätte ein Tötungsverbot eigentlich bereits auch im Paradies ausgesprochen werden müssen.

 

Nun hatten wir gesehen, dass ja auch gegenüber Kain und Abel dieses Tötungsverbot nicht eigens ausgesprochen wurde, obwohl außerhalb des Paradieses stets Knappheit herrscht und damit eine reelle Gefahr besteht, dass sich die Menschen aus Sorge für dass Überleben gegenseitig umbringen. Und genauso wie wir im Zusammenhang mit Kain die Nichterwähnung eines eigenen Tötungsverbotes zu erklären versuchten, können wir auch für ein Leben im Paradies davon ausgehen, dass das Tötungsverbot so selbstverständlich erscheint, dass Gott dieses Verbot für die Menschen im Paradies nicht ausgesprochen hat oder dass ein solches Verbot von denjenigen, welche diese Geschichte weitererzählt und schließlich niedergeschrieben haben, als selbstverständlich betrachtet wurde.

 

 

5. Die Bestrafung

 

Wenden wir uns nun der Frage zu, welche Strafe denn Kain für den Totschlag seines Bruders erhält? Im Kapitel 4 der Genesis erfahren wir: ‚Der Herr sprach: Was hast du getan? Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden. So bist du verflucht, verbannt vom Ackerboden, der seinen Mund aufgesperrt hat, um aus deiner Hand das Blut deines Bruders aufzunehmen. Wenn du den Ackerboden bestellst, wird er dir keinen Ertrag mehr bringen. Rastlos und ruhelos wirst du auf der Erde sein‘.

 

Die Strafe, welche Kain erwartete, bestand also vor allem in der Verbannung. Genauso wie Adam und Eva wegen ihres Vergehens aus dem Paradies vertrieben wurden, musste nun auch Kain die Gegend verlassen, in der er sich bisher aufgehalten hatte. Des Weiteren kündigt Gott an, dass Kain wegen seiner Tat auch in Zukunft nicht zu Ruhe kommen wird. Diese Ankündigung stellt aber weniger eine Bestrafung dar, sondern ist eher eine natürliche Folge menschlichen Fehlverhaltens. Weil Kain seinen Bruder getötet hat, wird er von seinen Mitmenschen verfolgt oder zumindest verachtet. Und dies ist eine unmittelbare, automatisch zu erwartende Folge der Tat, weniger eine von der Gemeinschaft oder von Gott verhängte Bestrafung.

 

Die dem Bericht über die Erschlagung Abels durch Kain folgenden Texte (Gen 4,16-24) stellen fest, dass Kain nach seiner Verbannung in der Gegend, in die er gezogen war, ein ganz normales Leben führte wie auch alle anderen Menschen, welche keinen Totschlag begangen hatten. Kain heiratete, zeugte mit seiner Frau Kinder, welche wiederum zahlreiche Nachkommen hatten und beruflichen Aufstieg erreichten und Kain gründete schließlich eine Stadt namens Henoch, welche nach seinem Sohn benannt wurde.

 

 

6. Das Kainszeichen

 

Fragen wir uns zum Abschluss nach der Bedeutung des Kainsmerkmals. Nachdem der Herr Kain gegenüber seine Strafe ausgesprochen hatte, grub er auf die Stirn des Kains ein Merkmal, das sogenannte Kainszeichen. Im Volksmund wird dieses Zeichen oftmals als Teil der Strafe angesehen. Eben durch dieses Zeichen wird Kain gegenüber seinen Mitmenschen als Mörder ausgewiesen und diese Kennzeichnung habe dann auch zur Folge, dass Kain von seinen Mitmenschen gemieden und verfolgt werde als sei er ein Rechtsloser geworden, den man ungestraft belästigen, ja sogar töten darf.

 

Genau diese Befürchtung spricht ja Kain auch dem Herrn gegenüber aus:

 

‚Du hast mich heute vom Ackerland verjagt und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen; rastlos und ruhelos werde ich auf der Erde sein und wer mich findet, wird mich erschlagen.‘

 

Aber diese Deutung des Kainszeichen entspricht weder dem Wortlaut der Heiligen Schrift noch der Intention dieses Merkmales. Im 4. Kapitel der Genesis heißt es vielmehr:

 

‚Der Herr aber sprach zu ihm: Darum soll jeder, der Kain erschlägt, siebenfacher Rache verfallen. Darauf machte der Herr dem Kain ein Zeichen, damit ihn keiner erschlage, der ihn finde.‘

 

Wir erfahren also hier, dass Gott das Kainszeichen auf die Stirn des Kain zeichnete, um ihn sogar vor den Mitmenschen zu schützen. Denn mit dem Kainszeichen hatte Gott angekündigt, dass jeder, der Kain zu erschlagen versuche, siebenfacher Rache verfalle. Mit dem Hinweis auf eine siebenfache Rache soll natürlich nicht zum Ausdruck gebracht werden, dass die Strafe desjenigen, der Kain angreift und tötet, so hoch sein werde, wie wenn dieser 7 Morde begangen habe.

 

Wie so oft in der Bibel werden auch hier numerische Zahlen dazu verwandt, möglichst plastisch und eindringlich die Schwere der zu erwartenden Strafe zu betonen. Siebenfach heißt dann einfach, dass denjenigen, der sich an Kain vergeht, eine besonders harte Strafe erwartet und dass der bloße Umstand, dass ja auch Kain schon getötet hatte, keinesfalls ausreicht, um auch einen Mord an Kain zu rechtfertigen.

 

Wie haben wir es aber zu verstehen, dass Gott hier offensichtlich Kain gegenüber den Mitmenschen, welche ihn als Mörder behandeln, zu Hilfe kommt. Er hätte ja auch in der Verfolgung Kains durch seine Mitmenschen einfach eine natürliche und auch gerechtfertigte Strafe sehen können.

 

Gott gilt in erster Linie als ein gerechter Gott. Gerechtigkeit verlangt, dass die Strafe der Schwere der Tat entsprechen soll. Im 2. Buch Moses (Exodus, Kapitel 21,23-25) heißt es in diesem Zusammenhang:

  

 „… so sollst du geben Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß, Brandmal für Brandmal, Wunde für Wunde, Strieme für Strieme.“

 

Würde man diese Maxime auf den von Kain verübten Totschlag anwenden, wäre auch das Leben Kains verwirkt. Er hat seinem Bruder Abel das Leben genommen, also muss er entsprechend dieser Maxime auch mit dem Tode bestraft werden.

 

Gott ist aber nach den Auskünften der Heiligen Schrift nicht nur ein gerechter, sondern vor allem auch ein gütiger, barmherziger Gott, der immer dann, wenn der Sünder Reue zeigt und zur Umkehr bereit ist, dem Sünder vergibt, ihm eine neue Chance gibt und diese Bereitschaft gilt nicht nur einmal in dem Sinne, dass jeder eine zweite Chance (aber keine dritte?) erhalten soll, sondern immer wieder von neuem.

 

Als Jesus z. B. von Petrus gefragt wurde, wie oft er denn dem Bruder vergeben müsse, wenn dieser sich gegen ihn versündigt habe, etwa siebenmal, antwortete Jesus: ‚Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.‘ Und dies ist so zu verstehen, dass er seinem Peiniger unbegrenzt verzeihen solle, sofern dieser nur Reue zeige.

 

Deshalb findet sich auch in der Bergpredigt eine deutliche Absage von Jesus an ein striktes Befolgen der Maxime ‚Auge um Auge‘. Bei Matthäus 5,38-39 lesen wir:

 

38 ‚Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn.

39 Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.‘

 

Folgt man den Ausführungen der gesamten Heiligen Schrift, so bezieht sich die Güte Gottes eben nicht nur darauf, dass er gerecht ist, sondern dass er auch immer wieder bereit ist, den Menschen zu verzeihen, wenn sie ihre Tat bereuen und ernsthaft um eine Umkehr bemüht sind.

 

Dieser Gedanke der Umkehr ist bereits in den Schriften des Alten Testamentes entwickelt, wird aber vor allem von Jesus in den Mittelpunkt des christlichen Glaubens gerückt. Trotzdem lässt sich schon in den Anfängen des Alten Testamentes im Bericht über den Totschlag Abels durch Kain dieser Grundsatz der Verzeihung bei einer Umkehr zumindest erahnen.

 

Obwohl Kain seinen Bruder erschlagen hatte und damit nach den Prinzipien der Gerechtigkeit eigentlich sein eigenes Leben verwirklicht hat, lässt Gott trotzdem Kain nicht nur weiterleben, durch das Kainszeichen schützt er sogar Kain vor den Verfolgungen der Mitmenschen. Er ermöglicht auf diese Weise Kain eine Umkehr und einen Neuanfang.

 

Folgen wir den Predigten Jesu, dann ist Voraussetzung für eine Vergebung der Sünden, die aufrichtige Reue. Hat nun Kain diese Reue gezeigt? Im Kapitel 4 der Genesis erfahren wir:

 

 ‚Kain antwortete dem Herrn: Zu groß ist meine Schuld, als dass ich sie tragen könnte.‘

 

Er streitet also offensichtlich seine Tat nicht ab, er bekennt sich zu seiner Schuld und versucht auch nicht seine Tat zu rechtfertigen. Er stellt nur fest, dass seine Schuld so groß sei, dass er sie gar nicht tragen könne.

 

In der Tat kann man bereits in der Abfolge, Kain bekennt sich zu seiner Schuld und Gott gibt dem Kain zu seinem Schutze ein Zeichen, als eine erste Erwähnung dafür ansehen, dass Gott dem reuigen Sünder vergibt und ihm einen Neubeginn ermöglicht.