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Die schönsten Erzählungen der Bibel

 

 

 

Gliederung:

 

1. Einführung

  2. Schöpfungsbericht

  3. Sündenfall

  4. Kain und Abel

  5. Noah im Rausch

  6. Abraham hadert mit Gott

  7. Isaaks Opferung

  8. Der Segen für Jakob, dem Jüngeren

  9. Josef und seine Brüder

10. Moses vor dem Pharao

11. Ruth die moabitische Frau und Ahnfrau Davids

12. David gegen Goliath

13. David und die Frau des Hethiters

14. Esthers Rettung der Juden

15.  Hiobs Leid und Gottvertrauen

16. Die Verleugnung Petrus

17. Der Verrat Judas 

18. Der barmherzige Samariter

19. Die Hochzeit zu Kanaan

20. Die Tempelreinigung

21. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn

22. Jesus und die Ehebrecherin

23. Jesus am Ölberg

24. Der ungläubige Thomas

 

 

Kapitel 9. Josef und seine Brüder

 

 

Gliederung:

 

1. Problem

2. Der Text

3. Interpretation

4. Polygamie?

 

 

 

1. Problem

 

In diesem Kapitel wollen wir uns mit dem Verhältnis Josefs, des Sohnes von Jakob, zu seinen Brüdern befassen. Wie wir bereits bei der Geschichte von Esau und Jakob gesehen haben, zeigt uns das Alte Testament ein Bild der Menschen, das von Zwist und Hader zwischen den einzelnen Menschen berichtet und durchaus auch sündhaftes Verhalten aufzeigt, das nicht auf wenige Personen beschränkt war und vor allem auch bei den von Gott auserwählten Führungskräften zu beobachten ist.

 

Bei Esau und Jakob handelte es sich jedoch sicherlich um kleinere Übeltaten, Jakob nützte eine Notlage Esaus aus, um ihm das Erstgeburtsrecht abzuluchsen und täuschte – angestachelt von seiner Mutter  Rebecca – den Vater, um auf diese Weise den väterlichen Segen zu erschleichen, der eigentlich nach dem Willen Isaaks dem Esau erteilt werden sollte. Zwar hat hier Jakob sicherlich Falsches getan, trotzdem handelt es sich eher um durchaus verständliche und keinesfalls schwere Vergehen, schließlich hatte ja Gott selbst Jakob als seinen Verbündeten auserwählt.

 

Esau hingegen verzichtete leichtfertig mit einem Linsengericht auf sein Erstgeburtsrecht. Folgen wir Paulus, so handelte er damit gottlos, da die Erstgeburt eigentlich Gott geweiht sein sollte. Allerdings wurde dieses Recht erst im Zusammenhang mit dem Exodus der Israeliten aus Ägypten bekannt, sodass Esau vermutlich nicht wissentlich auf dieses Recht verzichtete und dass damit Esau auch kein schwerwiegendes Vergehen in diesem Zusammenhang nachgewiesen werden konnte.

 

Nachdem Jakob seinen Bruder Esau auch um den väterlichen Segen gebracht hatte, hegte Esau zunächst Mordabsichten gegen seinen Bruder, die er jedoch letzten Endes nicht in die Tat umsetzte. Am Schluss dieser Geschichte trennte er sich von seinem Bruder friedlich und ließ ihn ziehen.

 

Ganz Anderes erfahren wir von Josef und seinen Brüdern. Jakob hatte zwölf Söhne, wobei die ersten zehn Söhne von Lea, seiner ersten Frau geboren wurde, während Jakob die beiden weiteren Söhne, Josef und Benjamin, mit seiner zweiten Frau, Rahel gezeugt hatte.

 

Nun müssen wir uns daran erinnern, dass Jakob ja eigentlich Rahel heiraten wollte. So wird verständlich, dass Lea nur aufgrund einer List seines Onkels Laban seine erste Frau wurde, dass die väterliche Liebe Jakobs seinen beiden letzten mit Rahel gezeugten Söhnen, vor allem aber Josef gegolten hatte. Er bevorzugte deshalb Josef vor seinen mit Lea erstgeborenen Söhnen, schenkte ihm ein besonderes Gewand und übertrug ihm auch Aufgaben, die üblicher Weise den älteren Söhnen vorbehalten waren.

 

Gerade diese Bevorzugung Josefs neideten ihm jedoch seine Brüder, welche Josef deshalb hassten und ihn sogar töten wollten. Sie waren schon dabei, diese Absicht auszuführen, als – mehr aufgrund eines Zufalls, als bewusst herbeigeführt – Sklavenhändler vorbeikamen, sodass sie Josef nicht töteten, sondern an Sklavenhändler verkauften. Nur Rubens, der Erstgeborene Jakobs, versuchte die Mordabsichten seiner Brüder zu verhindern. Wenn die Brüder Josefs ihn auch nicht tatsächlich töteten, so blieb der Verkauf an die Sklavenhändler trotzdem ein ausgesprochen schweres Vergehen.

 

Die Brüder Josefs werden also als durch und durch schlechte Menschen geschildert. Josef hingegen wird als ein Mann gekennzeichnet, der ehrbar ist und später in seiner Rolle als oberster Beamter des ägyptischen Pharao der Menschheit viel Gutes getan hatte. Trotzdem ist auch Josef sicherlich kein Unschuldslamm. Er trug durch die Erzählung seiner Träume seinen Brüdern gegenüber selbst dazu bei, dass der Hass auf ihn zunahm. Und sein anfängliches Verhalten als Beauftragter des Pharao gegenüber seinen Brüdern, welche der Hunger nach Ägypten verschlagen hatte, war ja sicherlich auch nicht nur von Nachsicht und Verzeihen geprägt. Er ließ seine Brüder durchaus spüren, dass er dessen mörderisches Verhalten ihm gegenüber vielleicht verziehen, aber keinesfalls vergessen hatte.

 

Im Gegensatz zu der Erzählung über Esau und Jakob handelt es sich somit bei den Beziehungen der Söhne Jakobs sehr wohl um schwerwiegende Vergehen, welche um so schwerer wiegen, da ja immerhin alle Söhne Jakobs die Stammväter der einzelnen israelitischen Volksstämme waren und somit im Bündnis Gottes mit den Israeliten eine entscheidende Rolle spielten.

 

Aber nicht nur die Tatsache, dass selbst die Auserwählten Gottes Menschen mit menschlichen und zum Teil sogar verbrecherischen Schwächen waren, lässt sich aus dieser hier zu behandelnden Geschichte herauslesen. Wir erfahren in dieser Geschichte auch, dass ein im Neuen Testament – und seither in der Christenheit – postuliertes Gebot: die Monogamie offensichtlich von den Patriarchen nicht eingehalten wurde. Die Patriarchen hatten oftmals mehrere Frauen und es war fast selbstverständlich, dass dann, wenn der Mann (wie z. B. Abraham) zunächst von seiner angetrauten Frau vermeintlich keine Nachkommen erwarten konnte, und zwar ausgerechnet die Ehefrau selbst den Vorschlag unterbreitete, Abraham solle mit seiner Magd ein Kind zeugen.

 

Es muss hier festgestellt werden, dass diese Verhaltensweisen (die Polygamie) in der Bibel keinesfalls als Vergehen gegen Gott geschildert werden, für welche die Menschen bestraft werden müssen. Ganz im Gegenteil hat es den Anschein, dass eben gerade aufgrund dieses polygamen Verhaltens der Patriarchen Gottes Absichten überhaupt erst zum Zuge kamen. Dies geschieht ganz im Gegenteil zum Beispiel Davids, welcher Ehebruch beging und anschließend den Mann dieser Frau ermorden ließ; Hier erfahren wir, dass David von Gott für diese Untaten bestraft wurde, in dem er die Vollendung des Tempels nicht mehr erleben konnte und dies trotz der Tatsache, dass David sein Vergehen bereut hatte. Wie ist dieser Gegensatz (Polygamie statt Monogamie) zwischen Altem und Neuem Testament zu erklären, obwohl doch Jesus ausdrücklich davon sprach, dass das mosaische Gesetz auch für ihn gelte und er sogar in der Bergpredigt bereits lüsterne Gedanken als Sünde brandmarkte?

 

 

2. Der Text

 

Wenden wir uns zunächst wiederum dem Wortlaut der Erzählung zu. In dem Buch Genesis Kapitel 37 heißt es:

 

12 ‚Als seine Brüder fortgezogen waren, um das Vieh ihres Vaters bei Sichem zu weiden,

13  sagte Israel (Jakob) zu Josef: Deine Brüder weiden bei Sichem das Vieh. Geh, ich will dich zu ihnen schicken. Er antwortete: Ich bin bereit.

14  Da sagte der Vater zu ihm: Geh doch hin und sieh, wie es deinen Brüdern und dem Vieh geht, und berichte mir! So schickte er ihn aus dem Tal von Hebron fort und Josef kam nach Sichem.

 

15  Ein Mann traf ihn, wie er auf dem Feld umherirrte; er fragte ihn: Was suchst du?

16  Josef antwortete: Meine Brüder suche ich. Sag mir doch, wo sie das Vieh weiden.

17  Der Mann antwortete: Sie sind von hier weitergezogen. Ich habe nämlich gehört, wie sie sagten: Gehen wir nach Dotan. Da ging Josef seinen Brüdern nach und fand sie in Dotan.

 

18  Sie sahen ihn von weitem. Bevor er jedoch nahe an sie herangekommen war, fassten sie den Plan, ihn umzubringen.

19  Sie sagten zueinander: Dort kommt ja dieser Träumer.

20  Jetzt aber auf, erschlagen wir ihn und werfen wir ihn in eine der Zisternen. Sagen wir, ein wildes Tier habe ihn gefressen. Dann werden wir ja sehen, was aus seinen Träumen wird.

 

21  Ruben hörte das und wollte ihn aus ihrer Hand retten. Er sagte: Begehen wir doch keinen Mord.

22  Und Ruben sagte zu ihnen: Vergießt kein Blut! Werft ihn in die Zisterne da in der Steppe, aber legt nicht Hand an ihn! Er wollte ihn nämlich aus ihrer Hand retten und zu seinem Vater zurückbringen.

 

23  Als Josef bei seinen Brüdern angekommen war, zogen sie ihm sein Gewand aus, den Ärmelrock, den er anhatte,

24  packten ihn und warfen ihn in die Zisterne. Die Zisterne war leer; es war kein Wasser darin.

 

25  Als sie dann beim Essen saßen und aufblickten, sahen sie, dass gerade eine Karawane von Ismaelitern aus Gilead kam. Ihre Kamele waren mit Tragakant, Mastix und Ladanum beladen. Sie waren unterwegs nach Ägypten.

 

26  Da schlug Juda seinen Brüdern vor: Was haben wir davon, wenn wir unseren Bruder erschlagen und sein Blut zudecken?

27  Kommt, verkaufen wir ihn den Ismaelitern. Wir wollen aber nicht Hand an ihn legen, denn er ist doch unser Bruder und unser Verwandter. Seine Brüder waren einverstanden.

 

28  Midianitische Kaufleute kamen vorbei. Da zogen sie Josef aus der Zisterne heraus und verkauften ihn für zwanzig Silberstücke an die Ismaeliter. Diese brachten Josef nach Ägypten.

 

29 Als Ruben zur Zisterne zurückkam, war Josef nicht mehr dort. Er zerriss seine Kleider,

30  wandte sich an seine Brüder und sagte: Der Kleine ist ja nicht mehr da. Und ich, was soll ich jetzt anfangen?

31  Da nahmen sie Josefs Gewand, schlachteten einen Ziegenbock und tauchten das Gewand in das Blut.

32  Dann schickten sie den Ärmelrock zu ihrem Vater und ließen ihm sagen: Das haben wir gefunden. Sieh doch, ob das der Rock deines Sohnes ist oder nicht.

 

33  Als er ihn angesehen hatte, sagte er: Der Rock meines Sohnes! Ein wildes Tier hat ihn gefressen. Zerrissen, zerrissen ist Josef.

34  Jakob zerriss seine Kleider, legte Trauerkleider an und trauerte um seinen Sohn viele Tage.

 

35  Alle seine Söhne und Töchter machten sich auf, um ihn zu trösten. Er aber ließ sich nicht trösten und sagte: Ich will dauernd zu meinem Sohn in die Unterwelt hinabsteigen. So beweinte ihn sein Vater.

 

36  Die Midianiter aber verkauften Josef nach Ägypten an Potifar, einen Hofbeamten des Pharao, den Obersten der Leibwache.‘

 

Halten wir also fest, dass Josefs ältere Brüder ihn nicht nur hassten, sondern ihn sogar umzubringen planten. Nur Rubens, der Erstgeborene wollte Josef insgeheim retten und Juda bewirkte, dass Josef nicht getötet, sondern an die Sklavenhändler verkauft wurde und er verhinderte somit zumindest, dass er nicht ermordet wurde.

 

 

3. Interpretation

 

Um diese Erzählung besser verstehen zu können, ist es notwendig, die Vorgeschichte zu kennen, zu wissen, warum denn die Brüder Josefs ihn so hassten, dass sie ihn sogar umbringen wollten. Das Kapitel 37 der Genesis beginnt mit den Worten:

 

1 ‚Jakob ließ sich in dem Land nieder, in dem sich sein Vater als Fremder aufgehalten hatte, in Kanaan.

2  Das ist die Geschlechterfolge nach Jakob: Als Josef siebzehn Jahre zählte, also noch jung war, weidete er mit seinen Brüdern, den Söhnen Bilhas und Silpas, der Frauen seines Vaters, die Schafe und Ziegen. Josef hinterbrachte ihrem Vater, was die Brüder Böses taten.

 

3  Israel liebte Josef unter allen seinen Söhnen am meisten, weil er ihm noch in hohem Alter geboren worden war. Er ließ ihm einen Ärmelrock machen.

4  Als seine Brüder sahen, dass ihr Vater ihn mehr liebte als alle seine Brüder, hassten sie ihn und konnten mit ihm kein gutes Wort mehr reden.

 

5  Einst hatte Josef einen Traum. Als er ihn seinen Brüdern erzählte, hassten sie ihn noch mehr.

6  Er sagte zu ihnen: Hört, was ich geträumt habe.

7  Wir banden Garben mitten auf dem Feld. Meine Garbe richtete sich auf und blieb auch stehen. Eure Garben umringten sie und neigten sich tief vor meiner Garbe.

8  Da sagten seine Brüder zu ihm: Willst du etwa König über uns werden oder dich als Herr über uns aufspielen? Und sie hassten ihn noch mehr wegen seiner Träume und seiner Worte.

 

9  Er hatte noch einen anderen Traum. Er erzählte ihn seinen Brüdern und sagte: Ich träumte noch einmal: Die Sonne, der Mond und elf Sterne verneigten sich tief vor mir.

10  Als er davon seinem Vater und seinen Brüdern erzählte, schalt ihn sein Vater und sagte zu ihm: Was soll das, was du da geträumt hast? Sollen wir vielleicht, ich, deine Mutter und deine Brüder, kommen und uns vor dir zur Erde niederwerfen?

11  Seine Brüder waren eifersüchtig auf ihn, sein Vater aber vergaß die Sache.‘

 

Es ist also durchaus verständlich, dass Josefs Brüder ihn hassten. Der Vater liebte ihn mehr als seine anderen Söhne und ließ ihm deshalb besondere Gunst erweisen. Seine Brüder gingen davon aus, dass sie als früher Geborene auch mehr Rechte zu beanspruchen hätten und dass sie zumindest den Anspruch hätten, von ihrem Vater genauso geliebt zu werden wie Josef.

 

Fragen wir uns nun, wie diese Erzählung weiter verlief, nachdem Josef an die Sklavenhändler verkauft worden war. In dem Buch Genesis, in Kapitel 39 erfahren wir: 

 

1 ‚Josef hatte man nach Ägypten gebracht. Ein Hofbeamter des Pharao, ein Ägypter namens Potifar, der Oberste der Leibwache, hatte ihn den Ismaelitern abgekauft, die ihn dorthin gebracht hatten.

2  Der Herr war mit Josef und so glückte ihm alles. Er blieb im Haus seines ägyptischen Herrn….

 

7  Nach einiger Zeit warf die Frau seines Herrn ihren Blick auf Josef und sagte: Schlaf mit mir!

8  Er weigerte sich und entgegnete der Frau seines Herrn: Du siehst doch, mein Herr kümmert sich, wenn ich da bin, um nichts im Haus; alles, was ihm gehört, hat er mir anvertraut…

 

11  An einem solchen Tag kam er ins Haus, um seiner Arbeit nachzugehen. Niemand vom Hausgesinde war anwesend.

12  Da packte sie ihn an seinem Gewande und sagte: Schlaf mit mir! Er ließ sein Gewand in ihrer Hand und lief hinaus.

13  Als sie sah, dass er sein Gewand in ihrer Hand zurückgelassen hatte und hinausgelaufen war,

14  rief sie nach ihrem Hausgesinde und sagte zu den Leuten: Seht nur! Er hat uns einen Hebräer ins Haus gebracht, der seinen Mutwillen mit uns treibt. Er ist zu mir gekommen und wollte mit mir schlafen; da habe ich laut geschrien.

15  Als er hörte, dass ich laut aufschrie und rief, ließ er sein Gewand bei mir liegen und floh ins Freie.

 

16  Sein Kleid ließ sie bei sich liegen, bis sein Herr nach Hause kam.

17  Ihm erzählte sie die gleiche Geschichte: Der hebräische Sklave, den du uns gebracht hast, ist zu mir gekommen, um mit mir seinen Mutwillen zu treiben.

18  Als ich laut aufschrie und rief, ließ er sein Gewand bei mir liegen und lief hinaus.

 

19  Als sein Herr hörte, wie ihm seine Frau erzählte: So hat es dein Sklave mit mir getrieben!, packte ihn der Zorn.

20  Er ließ Josef ergreifen und in den Kerker bringen, wo die Gefangenen des Königs in Haft gehalten wurden. Dort blieb er im Gefängnis‘

 

In Kapitel 40 heißt es dann weiter:

 

1 ‚Einige Zeit später vergingen sich der königliche Mundschenk und der Hofbäcker gegen ihren Herrn, den König von Ägypten.

2  Der Pharao war aufgebracht über seine beiden Hofbeamten, den Obermundschenk und den Oberbäcker.

3  Er gab sie in Haft in das Haus des Obersten der Leibwache, in den Kerker, wo Josef gefangen gehalten wurde.

 

4  Der Oberste der Leibwache betraute Josef mit ihrer Bedienung. Als sie einige Zeit in Haft waren,

5  hatte jeder von ihnen einen Traum. Der Mundschenk und der Bäcker des Königs von Ägypten, die im Kerker gefangen gehalten wurden, hatten in derselben Nacht einen Traum, der für jeden von ihnen eine besondere Bedeutung haben sollte.

 

6  Am Morgen kam Josef zu ihnen und sah ihnen an, dass sie missmutig waren.

7  Da fragte er die Hofbeamten des Pharao, die mit ihm im Hause seines Herrn in Gewahrsam gehalten wurden: Warum seht ihr heute so böse drein?

8  Sie antworteten ihm: Wir hatten einen Traum, aber es ist keiner da, der ihn auslegen kann. Josef sagte zu ihnen: Ist nicht das Träumedeuten Sache Gottes? Erzählt mir doch!

 

9  Darauf erzählte der Obermundschenk Josef seinen Traum. Er sagte zu ihm: Im Traum sah ich vor mir einen Weinstock.

10  Am Weinstock waren drei Ranken und es war mir, als triebe er Knospen. Seine Blüten wuchsen und schon reiften die Beeren an seinen Trauben.

11  Ich hatte den Becher des Pharao in meiner Hand. Ich nahm die Beeren, drückte sie in den Becher des Pharao aus und gab dem Pharao den Becher in die Hand.

 

12  Da sprach Josef zu ihm: Das ist die Deutung: Die drei Ranken sind drei Tage.

13  Noch drei Tage, dann wird der Pharao dich vorladen und dich wieder in dein Amt einsetzen. Du wirst dem Pharao den Becher reichen, wie es früher deine Aufgabe war, als du noch sein Mundschenk warst.

14  Doch denk an mich, wenn es dir gut geht. Tu mir dann einen Gefallen: Erzähl dem Pharao von mir und hol mich aus diesem Haus heraus!...

 

16  Als der Oberbäcker merkte, dass Josef eine günstige Deutung gegeben hatte, sagte er zu ihm: Auch ich hatte einen Traum. Ich hatte drei Körbe Feingebäck auf meinem Kopf.

17  Im obersten Korb war allerlei Backwerk für die Tafel des Pharao. Aber die Vögel fraßen es aus dem Korb auf meinem Kopf.

18  Josef antwortete: Das ist die Deutung: Die drei Körbe sind drei Tage.

19  Noch drei Tage, dann wird der Pharao dich vorladen und dich an einem Baum aufhängen; die Vögel werden von dir das Fleisch abfressen.

 

20  Drei Tage darauf hatte der Pharao Geburtstag. Er veranstaltete für alle seine Hofleute ein Gastmahl. Da lud er vor versammeltem Hof den Obermundschenk und den Oberbäcker vor.

21  Den Obermundschenk setzte er wieder in sein Amt ein; er durfte dem Pharao den Becher reichen.

22  Den Oberbäcker ließ er aufhängen. Alles geschah, wie es Josef ihnen gedeutet hatte.

23  Der Obermundschenk aber dachte nicht mehr an Josef und vergaß ihn.‘

 

In Kapitel 41 erfahren wir dann, wie Josef wiederum die Gunst des Pharao erlangte:

 

1 ‚Zwei Jahre später hatte der Pharao einen Traum: Er stand am Nil.

2  Aus dem Nil stiegen sieben gut aussehende, wohlgenährte Kühe und weideten im Riedgras.

3  Nach ihnen stiegen sieben andere Kühe aus dem Nil; sie sahen hässlich aus und waren mager. Sie stellten sich neben die schon am Nilufer stehenden Kühe

4  und die hässlichen, mageren Kühe fraßen die sieben gut aussehenden und wohlgenährten Kühe auf. Dann erwachte der Pharao.

5  Er schlief aber wieder ein und träumte ein zweites Mal: An einem einzigen Halm wuchsen sieben Ähren, prall und schön.

6  Nach ihnen wuchsen sieben kümmerliche, vom Ostwind ausgedörrte Ähren.

7  Die kümmerlichen Ähren verschlangen die sieben prallen, vollen Ähren. Der Pharao wachte auf: Es war ein Traum.

 

8  Am Morgen fühlte er sich beunruhigt; er schickte hin und ließ alle Wahrsager und Weisen Ägyptens rufen. Der Pharao erzählte ihnen seine Träume, doch keiner war da, der sie ihm hätte deuten können.

 

9  Da sagte der Obermundschenk zum Pharao: Heute muss ich an meine Verfehlung erinnern:

10  Als der Pharao über seine Diener aufgebracht war, gab er mich ins Haus des Obersten der Leibwache in Haft, mich und den Oberbäcker.

11  Da hatten wir, ich und er, in derselben Nacht einen Traum, der für jeden eine besondere Bedeutung haben sollte.

12  Dort war mit uns zusammen ein junger Hebräer, ein Sklave des Obersten der Leibwache. Wir erzählten ihm unsere Träume und er legte sie uns aus. Jedem gab er die zutreffende Deutung.

13  Wie er es uns gedeutet hatte, so geschah es: Mich setzte man wieder in mein Amt ein, den andern hängte man auf.

 

14  Da schickte der Pharao hin und ließ Josef rufen. Man holte ihn schnell aus dem Gefängnis, schor ihm die Haare, er zog andere Kleider an und kam zum Pharao.

15  Der Pharao sagte zu Josef: Ich hatte einen Traum, doch keiner kann ihn deuten. Von dir habe ich aber gehört, du brauchst einen Traum nur zu hören, dann kannst du ihn deuten.

16  Josef antwortete dem Pharao: Nicht ich, sondern Gott wird zum Wohl des Pharao eine Antwort geben.

 

17  Da sagte der Pharao zu Josef: In meinem Traum stand ich am Nilufer.‘

 

Er erzählte Josef seine beiden Träume.

 

25  ‚Darauf sagte Josef zum Pharao: Der Traum des Pharao ist ein und derselbe. Gott sagt dem Pharao an, was er vorhat:

26  Die sieben schönen Kühe sind sieben Jahre und die sieben schönen Ähren sind sieben Jahre. Es ist ein und derselbe Traum.

27  Die sieben mageren und hässlichen Kühe, die nachher heraufkamen, sind sieben Jahre und die sieben leeren, vom Ostwind ausgedörrten Ähren sind sieben Jahre Hungersnot…

 

33  Nun sehe sich der Pharao nach einem klugen, weisen Mann um und setze ihn über Ägypten.

34  Der Pharao möge handeln: Er bestelle Bevollmächtigte über das Land und besteuere Ägypten mit einem Fünftel in den sieben Jahren des Überflusses.

35  Die Bevollmächtigten sollen alles Brotgetreide der kommenden guten Jahre sammeln und auf Weisung des Pharao Korn aufspeichern; das Brotgetreide sollen sie in den Städten sicherstellen.

36  Das Brotgetreide soll dem Land als Rücklage dienen für die sieben Jahre der Hungersnot, die über Ägypten kommen werden. Dann wird das Land nicht an Hunger zugrunde gehen.‘

 

Josef hatte also nicht nur die Träume des Pharao deuten können, sondern konnte auch dem Pharao einen Rat geben, wie er die drohende Hungersnot überwinden konnte. Aus diesem Grunde ernannte der Pharao Josef zu seinem höchsten Beamten:

 

37 ‚ Die Rede gefiel dem Pharao und allen seinen Hofleuten.

38  Der Pharao sagte zu ihnen: Finden wir einen Mann wie diesen hier, einen, in dem der Geist Gottes wohnt?

39  Dann sagte der Pharao zu Josef: Nachdem dich Gott all das hat wissen lassen, gibt es niemand, der so klug und weise wäre wie du.

40  Du sollst über meinem Hause stehen und deinem Wort soll sich mein ganzes Volk beugen. Nur um den Thron will ich höher sein als du.

41  Der Pharao sagte weiter zu Josef: Hiermit stelle ich dich über ganz Ägypten.

42  Der Pharao nahm den Siegelring von seiner Hand und steckte ihn Josef an die Hand. Er bekleidete ihn mit Byssusgewändern und legte ihm die goldene Kette um den Hals.‘

 

Einige Zeit später begegnet Josef wiederum seinen Brüdern und wir erfahren, wie er sich gegenüber seinen Brüdern, welche ihn doch an die Sklavenhändler verkauft hatten, verhielt. In Kapitel 42 heißt es:

 

1 ‚Als Jakob erfuhr, dass es in Ägypten Getreide zu kaufen gab, sagte er zu seinen Söhnen: Warum schaut ihr einander so an?

2  Und er sagte: Ich habe gehört, dass es in Ägypten Getreide zu kaufen gibt. Zieht hin und kauft dort für uns Getreide, damit wir am Leben bleiben und nicht sterben müssen.

3  Zehn Brüder Josefs zogen also hinunter, um in Ägypten Getreide zu kaufen.

4  Benjamin, den Bruder Josefs, ließ Jakob nicht mit seinen Brüdern ziehen, denn er dachte, es könnte ihm ein Unglück zustoßen.

 

5  Die Söhne Israels kamen also mitten unter anderen, die auch gekommen waren, um Getreide zu kaufen; denn Hungersnot herrschte in Kanaan.

6  Josef verwaltete das Land. Er war es, der allen Leuten im Lande Getreide verkaufte. So kamen Josefs Brüder und warfen sich vor ihm mit dem Gesicht zur Erde nieder.

 

7  Als Josef seine Brüder sah, erkannte er sie. Aber er gab sich ihnen nicht zu erkennen, sondern fuhr sie barsch an. Er fragte sie: Wo kommt ihr her? Aus Kanaan, um Brotgetreide zu kaufen, sagten sie.

8  Josef hatte seine Brüder erkannt, sie aber hatten ihn nicht erkannt.

 

9  Josef erinnerte sich an das, was er von ihnen geträumt hatte, und sagte: Spione seid ihr. Um nachzusehen, wo das Land eine schwache Stelle hat, seid ihr gekommen.

10  Sie antworteten ihm: Nein, Herr. Um Brotgetreide zu kaufen, sind deine Knechte gekommen.

11  Wir alle sind Söhne ein und desselben Vaters. Ehrliche Leute sind wir, deine Knechte sind keine Spione.

12  Er aber entgegnete ihnen: Nichts da, ihr seid nur gekommen, um nachzusehen, wo das Land eine schwache Stelle hat.

13  Da sagten sie: Wir, deine Knechte, waren zwölf Brüder, Söhne ein und desselben Mannes in Kanaan. Der Jüngste ist bei unserem Vater geblieben und einer ist nicht mehr.

 

14  Josef aber sagte zu ihnen: Es bleibt dabei, wie ich euch gesagt habe: Spione seid ihr.

15  So wird man euch auf die Probe stellen: Beim Leben des Pharao! Ihr sollt von hier nicht eher loskommen, bis auch euer jüngster Bruder da ist.

16  Schickt einen von euch hin! Er soll euren Bruder holen; ihr anderen aber werdet in Haft genommen. So wird man euer Gerede überprüfen und feststellen können, ob ihr die Wahrheit gesagt habt oder nicht. Beim Leben des Pharao, ja, Spione seid ihr.

17  Dann ließ er sie für drei Tage in Haft nehmen.

 

18  Am dritten Tag sagte Josef zu ihnen: Tut Folgendes und ihr werdet am Leben bleiben, denn ich fürchte Gott:

19  Wenn ihr ehrliche Leute seid, soll einer von euch Brüdern in dem Gefängnis zurückgehalten werden, in dem ihr in Haft gewesen seid. Ihr anderen aber geht und bringt das gekaufte Getreide heim, um den Hunger eurer Familien zu stillen.

20  Euren jüngsten Bruder aber schafft mir herbei, damit sich eure Worte als wahr erweisen und ihr nicht sterben müsst. So machten sie es.

 

21  Sie sagten zueinander: Ach ja, wir sind an unserem Bruder schuldig geworden. Wir haben zugesehen, wie er sich um sein Leben ängstigte. Als er uns um Erbarmen anflehte, haben wir nicht auf ihn gehört. Darum ist nun diese Bedrängnis über uns gekommen.

22  Ruben entgegnete ihnen: Habe ich euch nicht gesagt: Versündigt euch nicht an dem Kind! Ihr aber habt nicht gehört. Nun wird für sein Blut von uns Rechenschaft gefordert.

23  Sie aber ahnten nicht, dass Josef zuhörte, denn er bediente sich im Gespräch mit ihnen eines Dolmetschers.

 

24  Er wandte sich von ihnen ab und weinte. Als er sich ihnen wieder zuwandte und abermals mit ihnen redete, ließ er aus ihrer Mitte Simeon festnehmen und vor ihren Augen fesseln.

25  Josef befahl dann, ihre Behälter mit Getreide zu füllen, einem jeden von ihnen das Geld wieder in den Sack zurückzulegen und ihnen für die Reise Verpflegung mitzugeben. So geschah es.

26  Sie luden das Getreide auf ihre Esel und zogen fort.

 

27  Als einer seinen Sack öffnete, um in der Herberge seinen Esel zu füttern, sah er sein Geld. Es lag in seinem Getreidesack ganz oben.

28  Er sagte zu seinen Brüdern: Man hat mir mein Geld zurückgegeben. Seht, hier ist es in meinem Getreidesack. Da verließ sie der Mut und sie sagten zitternd zueinander: Was hat uns Gott da angetan?

29  Sie kamen zu ihrem Vater Jakob nach Kanaan und berichteten ihm alles, was ihnen zugestoßen war:

 

36  Ihr Vater Jakob sagte zu ihnen: Ihr bringt mich um meine Kinder. Josef ist nicht mehr, Simeon ist nicht mehr und Benjamin wollt ihr mir auch noch nehmen. Nichts bleibt mir erspart.

37  Da sagte Ruben zu seinem Vater: Meine beiden Söhne magst du umbringen, wenn ich ihn dir nicht zurückbringe. Vertrau ihn meiner Hand an; ich bringe ihn dir wieder zurück.

38  Nein, sagte er, mein Sohn wird nicht mit euch hinunterziehen. Denn sein Bruder ist schon tot, nur er allein ist noch da. Stößt ihm auf dem Weg, den ihr geht, ein Unglück zu, dann bringt ihr mein graues Haar vor Kummer in die Unterwelt.

 

In Kapitel 43 erfahren wir dann, wie sich diese Geschichte weiterentwickelte:

 

1 ‚Der Hunger lastete schwer auf dem Land.

2  Das Getreide, das sie aus Ägypten gebracht hatten, war aufgezehrt. Da sagte ihr Vater zu ihnen: Geht noch einmal hin, kauft uns etwas Brotgetreide!

3  Juda antwortete ihm: Der Mann hat uns nachdrücklich eingeschärft: Kommt mir ja nicht mehr unter die Augen, wenn ihr nicht euren Bruder mitbringt.

4  Wenn du bereit bist, unseren Bruder mitzuschicken, ziehen wir hinunter und kaufen dir Brotgetreide.

5  Willst du ihn aber nicht mitschicken, gehen wir nicht. Denn der Mann hat uns gesagt: Kommt mir ja nicht mehr unter die Augen, wenn ihr nicht euren Bruder mitbringt.

6  Da sagte Israel: Warum habt ihr mir so etwas Schlimmes angetan, jenem Mann zu sagen, dass ihr noch einen Bruder habt?

7  Der Mann, entgegneten sie, hat sich bei uns eingehend nach unserer Verwandtschaft erkundigt und gefragt: Lebt euer Vater noch, habt ihr noch einen Bruder? Wir haben ihm Auskunft gegeben, wie es wirklich ist. Konnten wir denn wissen, dass er sagen würde: Bringt euren Bruder her! 

 

8  Juda schlug seinem Vater Israel vor: Lass den Knaben mit mir ziehen! Dann können wir aufbrechen und uns auf die Reise machen. So werden wir am Leben bleiben und nicht sterben, wir und du und unsere Kinder.

9  Ich verbürge mich für ihn; aus meiner Hand magst du ihn zurückfordern. Wenn ich ihn dir nicht zurückbringe und vor dich hinstelle, will ich alle Tage bei dir in Schuld stehen.

10  Hätten wir nicht so lange gezögert, könnten wir schon zum zweiten Mal zurück sein.

11  Da sagte ihr Vater Israel zu ihnen: Wenn es schon sein muss, dann macht es so: Nehmt von den besten Erzeugnissen des Landes in eurem Gepäck mit und überbringt es dem Mann als Geschenk: etwas Mastix, etwas Honig, Tragakant und Ladanum, Pistazien und Mandeln...

 

12  Nehmt den doppelten Geldbetrag mit! Das Geld, das sich wieder oben in euren Getreidesäcken fand, gebt mit eigenen Händen zurück! Vielleicht war es ein Versehen.

13  So nehmt denn euren Bruder mit, brecht auf und geht wieder zu dem Mann zurück!..

 

16  Als Josef bei ihnen Benjamin sah, sagte er zu seinem Hausverwalter: Führe die Männer ins Haus, schlachte ein Tier und richte es her! Die Männer werden nämlich mit mir zu Mittag essen.

17  Der Mann tat, wie Josef angeordnet hatte: Er führte die Männer in das Haus Josefs.

18  Die Männer fürchteten sich, weil man sie in Josefs Haus führte, und dachten: Wegen des Geldes, das sich beim ersten Mal wieder in unseren Getreidesäcken fand, werden wir da hineingeführt. Man wird sich auf uns werfen, man wird uns überfallen und uns als Sklaven zurückhalten samt unseren Eseln.

19  Sie traten näher an den Hausverwalter Josefs heran und begannen mit ihm an der Haustür ein Gespräch.

20  Sie sagten: Bitte, Herr, schon früher sind wir einmal hierher gekommen, um Brotgetreide zu kaufen.

21  Als wir aber in die Herberge kamen und unsere Getreidesäcke öffneten, lag das Geld eines jeden von uns oben im Sack, unser Geld im vollen Betrag. Wir bringen es mit eigenen Händen wieder zurück.

22  Darüber hinaus haben wir noch mehr Geld mitgebracht, um Brotgetreide einzukaufen. Wir wissen nicht, wer das Geld in unsere Säcke gelegt hat.

23  Ihr könnt beruhigt sein, antwortete er, fürchtet euch nicht! Euer Gott, der Gott eures Vaters, hat euch heimlich ein Geschenk in eure Säcke gelegt. Bei mir ist euer Geld eingegangen. Dann brachte er Simeon zu ihnen heraus.

24  Als er die Männer ins Haus Josefs geführt hatte, gab er ihnen Wasser zum Füßewaschen und ließ ihre Esel füttern.

25  Sie legten, bis Josef zu Mittag kam, das Geschenk zurecht; denn sie hatten gehört, dass sie dort essen sollten.

 

26  Als Josef ins Haus kam, überreichten sie ihm das Geschenk, das sie mit hineingenommen hatten, und warfen sich vor ihm auf die Erde nieder.

27  Er erkundigte sich, wie es ihnen gehe, und fragte: Geht es eurem alten Vater gut, von dem ihr erzählt habt? Ist er noch am Leben?

28  Sie erwiderten: Deinem Knecht, unserem Vater, geht es gut; er lebt noch. Dann verneigten sie sich und und warfen sich nieder.

29  Als er hinsah und seinen Bruder Benjamin, den Sohn seiner Mutter, erblickte, fragte er: Ist das euer jüngster Bruder, von dem ihr mir erzählt habt? Und weiter sagte er: Gottes Gnade sei mit dir, mein Sohn.

 

30  Dann ging Josef schnell weg, denn er konnte sich vor Rührung über seinen Bruder nicht mehr halten; er war dem Weinen nahe. Er zog sich in die Kammer zurück, um sich dort auszuweinen.

31  Dann wusch er sein Gesicht, kam zurück, nahm sich zusammen und ordnete an: Tragt das Essen auf!

32  Man trug das Essen auf, getrennt für ihn, für sie und für die mit ihm speisenden Ägypter. Die Ägypter können nämlich nicht gemeinsam mit den Hebräern essen, weil das bei den Ägyptern als unschicklich gilt.

33  Die Brüder kamen vor ihm so zu sitzen, dass der Erstgeborene den ersten und der Jüngste den letzten Platz einnahm. Da blickten die Männer einander verwundert an.

34  Er ließ ihnen Gerichte vorsetzen, die vor ihm standen, was man aber Benjamin vorsetzte, übertraf das aller anderen um das Fünffache. Sie tranken mit ihm und waren guter Dinge.

 

44,1  Dann befahl Josef seinem Hausverwalter: Fülle die Getreidesäcke der Männer mit so viel Brotgetreide, wie sie tragen können, und leg das Geld eines jeden oben in den Sack!

2  Meinen Becher, den Silberbecher, leg oben in den Sack des Jüngsten mit dem Geld, für das er Getreide gekauft hat. Er tat, wie Josef es angeordnet hatte.

3  Als es am Morgen hell wurde, ließ man die Männer mit ihren Eseln abreisen.

4  Sie hatten sich noch nicht weit von der Stadt entfernt, da sagte Josef zu seinem Hausverwalter: Auf, jag hinter den Männern her! Wenn du sie eingeholt hast, sag ihnen: Warum habt ihr Gutes mit Bösem vergolten und mir den Silberbecher gestohlen?

5  Das ist doch der, aus dem mein Herr trinkt und aus dem er wahrsagt. Da habt ihr etwas Schlimmes getan.

6  Der Hausverwalter holte sie ein und sagte zu ihnen, was ihm aufgetragen war.

7  Sie antworteten ihm: Wie kann mein Herr so etwas sagen? Niemals werden deine Knechte so etwas tun.

8  Sieh her, das Geld, das wir oben in unseren Getreidesäcken fanden, haben wir dir aus Kanaan zurückgebracht. Wie könnten wir da aus dem Haus deines Herrn Silber oder Gold stehlen?

9  Der von den Knechten, bei dem sich der Becher findet, soll sterben und auch wir sollen dann unserem Herrn als Sklaven gehören.

10  Also gut, sagte er, es soll geschehen, wie ihr sagt: Bei wem er sich findet, der sei mein Sklave, doch ihr anderen sollt straffrei bleiben.

11  Jeder stellte eiligst seinen Sack auf die Erde und öffnete ihn:

12  Er durchsuchte alles, beim Ältesten begann er und beim Jüngsten hörte er auf. Der Becher fand sich im Sack Benjamins.

13  Da zerrissen sie ihre Kleider. Jeder belud seinen Esel und sie kehrten in die Stadt zurück.

14  So kamen Juda und seine Brüder wieder in das Haus Josefs, der noch dort war. Sie fielen vor ihm zur Erde nieder.

15  Josef sagte zu ihnen: Was habt ihr getan? Wusstet ihr denn nicht, dass ein Mann wie ich wahrsagen kann?

16  Juda erwiderte: Was sollen wir unserem Herrn sagen, was sollen wir vorbringen, womit uns rechtfertigen? Gott hat die Schuld deiner Knechte ans Licht gebracht. So sind wir also Sklaven unseres Herrn, wir und der, bei dem sich der Becher gefunden hat.

 

17  Doch Josef gab zur Antwort: Das kann ich auf keinen Fall tun. Derjenige, bei dem sich der Becher gefunden hat, der soll mein Sklave sein. Ihr anderen aber zieht in Frieden hinauf zu eurem Vater!

18  Da trat Juda an ihn heran und sagte: Bitte, mein Herr, dein Knecht darf vielleicht meinem Herrn offen etwas sagen, ohne dass sein Zorn über deinen Knecht entbrennt; denn du bist wie der Pharao.‘

 

Diese Erzählung zeigt uns also, dass Josef keineswegs die Schmach vergessen hatte, die ihm seine Brüder einst angetan hatten. Er verzichtete zwar darauf, sie endgültig für ihre Vergehen zu bestrafen. Er ließ sie jedoch spüren, dass sie ihm früher übel zugetan hatten, indem er sie als undankbare Diebe hinstellte und ihnen dadurch Leid fügte, dass er sie in große Gewissensbisse brachte, in dem sie vor die Wahl gestellt wurden, entweder ihr Wort gegenüber ihrem Vater zu brechen, nämlich den jüngsten Sohn Benjamin seinem Vater ungeschoren zurückzubringen oder von Josef bestraft zu werden, vielleicht sogar getötet zu werden. 

 

Aus der Sicht Josefs dienten diese Versuchungen in aller erster Linie dazu, zu prüfen, ob sich seine Brüder tatsächlich gewandelt haben und ihre Tat an ihm ehrlich bereut haben. Diese Versuchungen erinnern uns an die Versuchungen, welche Gott – folgt man dem Wortlaut der Bibel – Abraham auferlegte, als er ihm befahl, seinen einzigen und geliebten Sohn Isaak als Brandopfer darzubringen. Dort heißt es auch, dass Gott auf diese Weise Abraham prüfen wollte, ob er wohl dazu bereit sei, Gott bedingungslos zu folgen.

 

In dieser Erzählung konnten wir darauf hinweisen, dass die Feststellung, Gott habe auf diese Weise Abraham überprüfen wollen, mit anderen grundlegenden Aussagen der Heiligen Schrift in Widerspruch steht. Gott ist allwissend und braucht deshalb auch keinesfalls die Bereitschaft Abrahams, seinen Sohn zu opfern.

 

Josef hingegen ist im Gegensatz zu Gott selbst keinesfalls allwissend, er kann ohne Prüfung auch nicht wissen, ob seine Brüder sich tatsächlich gewandelt haben und ihr Vergehen an ihm ehrlich bereut haben. Hier ergibt die Prüfung der Brüder also durchaus einen Sinn, sie ist notwendig, um Josef die Sicherheit zu geben, dass eine Versöhnung mit seinen Brüdern möglich ist. Auch wird man einräumen müssen, dass die von Josef verhängten Prüfungen keineswegs das Ausmaß hatten, das der Opferung des einzigen und heiß geliebten Sohnes zugrunde lag.

 

Schließlich erfahren wir in Kapitel 45 wie sich Josef schließlich seinen Brüdern zu erkennen gab:

 

1 ‚Josef vermochte sich vor all den Leuten, die um ihn standen, nicht mehr zu halten und rief: Schafft mir alle Leute hinaus! So stand niemand bei Josef, als er sich seinen Brüdern zu erkennen gab.

2  Er begann so laut zu weinen, dass es die Ägypter hörten; auch am Hof des Pharao hörte man davon.

3  Josef sagte zu seinen Brüdern: Ich bin Josef. Ist mein Vater noch am Leben? Seine Brüder waren zu keiner Antwort fähig, weil sie fassungslos vor ihm standen.

 

4  Josef sagte zu seinen Brüdern: Kommt doch näher zu mir her! Als sie näher herangetreten waren, sagte er: Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt.

5  Jetzt aber lasst es euch nicht mehr leid sein und grämt euch nicht, weil ihr mich hierher verkauft habt. Denn um Leben zu erhalten, hat mich Gott vor euch hergeschickt…

 

9  Zieht eiligst zu meinem Vater hinauf und meldet ihm: So hat dein Sohn Josef gesagt: Gott hat mich zum Herrn für ganz Ägypten gemacht. Komm herunter zu mir, lass dich nicht aufhalten!

10  Du kannst dich im Gebiet von Goschen niederlassen und wirst in meiner Nähe sein, du mit deinen Söhnen und deinen Kindeskindern, mit deinen Schafen und Ziegen, mit deinen Rindern und mit allem, was dir gehört.

11  Dort werde ich für dich sorgen; denn noch fünf Jahre dauert die Hungersnot. Du mit deinem Haus und allem, was dir gehört, du brauchst dann nicht zu darben…

 

14  Er fiel seinem Bruder Benjamin um den Hals und weinte; auch Benjamin weinte an seinem Hals.

15  Josef küsste dann weinend alle seine Brüder. Darauf unterhielten sich seine Brüder mit ihm.

16  Am Hof des Pharao verbreitete sich die Nachricht: Die Brüder Josefs sind gekommen. Dem Pharao und seinen Dienern war das recht.

17  Der Pharao sagte zu Josef: Sag zu deinen Brüdern: So sollt ihr es machen: Beladet eure Tragtiere und reist nach Kanaan zurück!

18  Holt euren Vater und eure Familien und kommt zu mir! Ich will euch das Beste geben, was Ägypten bietet; von den besten Erzeugnissen des Landes dürft ihr essen.‘

 

Josef hatte sich offensichtlich aufgrund der von ihm verhängten Versuchungen davon überzeugt, dass seine Brüder sich gewandelt haben und dass deshalb einer Versöhnung nichts mehr im Wege stand. Während nun die Brüder einst Josef übel mitgespielt haben, vergilt er nun diese Untaten nicht nur damit, dass er ihnen verzeiht, sondern dass er nun in vorbildlicher Weise dafür sorgt, dass seine Familie die noch mehrere Jahre andauernde Hungersnot  überstehen konnte.

 

Auch Josef hatte sich nun so verhalten, wie es Gott von seinen Gläubigen verlangt und wie Jesus sehr viel später im Vaterunser uns beten lässt, vergib uns unsere Schuld wie auch wir unseren Schuldigern vergeben (eigentlich heißt es sogar: vergeben haben). Er versteht nun seinen Gang in die ägyptische Knechtschaft als Fingerzeig Gottes, dass er eben nur auf diese Weise schließlich in die Lage versetzt wurde, Gutes zu tun: ‚Denn um Leben zu erhalten, hat mich Gott vor euch hergeschickt.‘

 

Der Verkauf an die Sklavenhändler war notwendig, um nach Ägypten zu kommen, dem Land, das auch in Zeiten der Hungersnöte über ausreichende Nahrung verfügte. Er musste weiterhin von der Frau des Pharao verleumdet und deshalb ins Gefängnis geworfen werden, um auf diese Weise dem Obermundschenk und dem Oberbäcker, welche ebenfalls ins Gefängnis geworfen waren, deren Träume zu deuten. Und diese Deutung der Träume des Obermundschenks selbst wiederum war notwendig, damit sich der Obermundschenk, nachdem er wieder aus der Haft entlassen worden und in sein ursprüngliches Amt eingesetzt worden war, des Josefs erinnerte, als der Pharao selbst wegen seiner Träume in Sorge war.

 

Und die richtige Deutung der Träume des Pharao, sowie der Hinweis, wie die drohende Gefahr vermieden werden könne, war schließlich notwendig, damit der Pharao ihn zu seinem obersten Beamten ernannte und damit Josef die Möglichkeit gab, seiner Familie in der Hungersnot zu helfen und sie nach Ägypten ziehen zu lassen. Die anfänglich böse Tat (Verkauf Josefs an die Sklavenhändler durch seine Brüder) gereichte schließlich zum Segen der Israeliten.

 

 

4. Polygamie?

 

Wir erwähnten bereits eingangs, dass sich die Vorstellungen über die Ehe, vor allem über die Frage, ob ein monogames Verhalten der Ehepaare als gefordert anzusehen ist, zwischen Altem und Neuem Testament in wesentlichen Punkten unterscheiden. Wir wollen an dieser Stelle dieser Frage etwas intensiver nachgehen und uns mit den unterschiedlichen Auffassungen ausführlicher befassen. Lassen wir zunächst einmal den Wortlaut der verschiedenen Bibelstellen zu diesem Thema sprechen.

 

Im Alten Testament begegnen wir einer patriarchalen Gesellschaft: Es sind die Männer, welche die führende Position, auch in der Ehe einnehmen. So gilt der Ehemann als Vorsteher der Familie, es wird dementsprechend vom Vaterhaus gesprochen. Es ist die Frau, welche bei der Verehelichung in das Haus des Mannes einzieht und die Kinder einer Familie werden als Nachkommen des Vaters benannt. Während die Frau ihrem verehelichten Manne die Treue zu halten hat und ein geschlechtlicher Verkehr außerhalb dieser Ehe als Ehebruch geahndet wird, kann der Mann sehr wohl mehrere Ehefrauen haben und durchaus auch mit Mägden geschlechtlichen Verkehr ausüben.

 

Gerade in dieser Frage unterscheidet sich jedoch der Sittenkatalog der Israeliten in keiner Weise vom generellen Verhalten im Alten Orient. Das Altertum war weitverbreitet patriarchal geregelt. Im alten Rom hatte sogar der Familienvater alle Macht über die übrigen Familienmitglieder, so war es sogar rechtlich erlaubt, dass der Familienvater Familienmitglieder, welche seinen Anweisungen nicht folgten, äußerstenfalls sogar mit dem Tode bestrafen durfte.

 

Allerdings lässt sich feststellen, dass in dieser Zeit ganz allgemein, nicht nur in Israel polygames Verhalten der Männer fast nur in begüterten Familien gegeben war, während in mittleren und ärmeren Kreisen praktisch die Monogamie praktiziert wurde.

 

Allerdings finden sich an mehreren Stellen des Alten Testamentes sehr wohl Hinweise, die unter Umständen so gedeutet werden können, dass die Einehe immerhin das Ideal sei, das anzustreben sei, aber eben nicht immer erreicht wird.

 

So wird im Buch Genesis in Kapitel 2,24 davon berichtet, dass Gott unmittelbar nach der Schöpfung der Welt den Menschen verkündete, ‚darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau und sie werden ein Fleisch‘. Hier wird also von nur einer Frau gesprochen.

 

Und im Buch der Sprüche heißt es in Kapitel 5:

 

15 ‚Trink Wasser aus deiner eigenen Zisterne, Wasser, das aus deinem Brunnen quillt.

16  Sollen deine Quellen auf die Straße fließen, auf die freien Plätze deine Bäche?

17  Dir allein sollen sie gehören, kein Fremder soll teilen mit dir.

18  Dein Brunnen sei gesegnet; freu dich der Frau deiner Jugendtage,

19  der lieblichen Gazelle, der anmutigen Gämse! Ihre Liebkosung mache dich immerfort trunken, an ihrer Liebe berausch dich immer wieder!

20  Warum solltest du dich an einer Fremden berauschen, den Busen einer andern umfangen?‘

 

Und auch im Buch Kohelet, Kapitel 9 wird von der einen Frau gesprochen:

 

9 ‚Mit einer Frau, die du liebst, genieß das Leben alle Tage deines Lebens voll Windhauch, die er dir unter der Sonne geschenkt hat, alle deine Tage voll Windhauch. Denn das ist dein Anteil am Leben und an dem Besitz, für den du dich unter der Sonne anstrengst.‘



Im Buch Maleachi, Kapitel 2 lesen wir schließlich:

 

13 ‚Außerdem bedeckt ihr den Altar des Herrn mit Tränen, ihr weint und klagt, weil er sich eurem Opfer nicht mehr zuwendet und es nicht mehr gnädig annimmt aus eurer Hand.

14  Und wenn ihr fragt: Warum?: Weil der Herr Zeuge war zwischen dir und der Frau deiner Jugend, an der du treulos handelst, obwohl sie deine Gefährtin ist, die Frau, mit der du einen Bund geschlossen hast.

15  Hat er nicht eine Einheit geschaffen, ein lebendiges Wesen? Was ist das Ziel dieser Einheit? Nachkommen von Gott. Nehmt euch also um eures Lebens willen in Acht! Handle nicht treulos an der Frau deiner Jugend! 

16  Wenn einer seine Frau aus Abneigung verstößt, [spricht der Herr, Israels Gott,] dann befleckt er sich mit einer Gewalttat, spricht der Herr der Heere. Nehmt euch also um eures Lebens willen in Acht und handelt nicht treulos!‘

 

Trotzdem wird oftmals bezweifelt, dass diese Textstellen Beweis dafür seien, dass im Alten Testament die Monogamie immerhin bereits als Ideal hingestellt wurde. Gerade der Hinweis bei Maleachi, dass das Ziel der Ehe die Nachkommenschaft sei, kann durchaus so gedeutet werden, dass zur Erreichung dieses Zieles es sehr wohl erwünscht sein kann, gerade durch polygames Verhalten oder durch geschlechtlichen Verkehr mit einer Magd dieses Ziel sicherzustellen, wenn die eigene erste Frau unfruchtbar bleibt.

 

So finden sich vor allem bei den Patriarchen Hinweise darauf, dass polygames Verhalten keineswegs als sündhaft verstanden wurde. In Kapitel 16 des Buches Genesis erfahren wir von dem Verhalten Abrahams in dieser Frage:

 

1 ‚Sarai, Abrams Frau, hatte ihm keine Kinder geboren. Sie hatte aber eine ägyptische Magd namens Hagar.

2  Sarai sagte zu Abram: Der Herr hat mir Kinder versagt. Geh zu meiner Magd! Vielleicht komme ich durch sie zu einem Sohn. Abram hörte auf sie.

3  Sarai, Abrams Frau, nahm also die Ägypterin Hagar, ihre Magd, – zehn Jahre, nachdem sich Abram in Kanaan niedergelassen hatte – und gab sie ihrem Mann Abram zur Frau.

4  Er ging zu Hagar und sie wurde schwanger….

 

10  Der Engel des Herrn sprach zu ihr: Deine Nachkommen will ich so zahlreich machen, dass man sie nicht zählen kann.

11  Weiter sprach der Engel des Herrn zu ihr: Du bist schwanger, du wirst einen Sohn gebären und ihn Ismael (Gott hört) nennen; denn der Herr hat auf dich gehört in deinem Leid…

 

15  Hagar gebar dem Abram einen Sohn und Abram nannte den Sohn, den ihm Hagar gebar, Ismael.

16  Abram war sechsundachtzig Jahre alt, als Hagar ihm Ismael gebar.‘

 

In Kapitel 25 erfahren wir, dass Abraham nicht nur mit seiner Magd Hagar seinen Sohn Ismael gezeugt hatte, sondern dass er auch mehrere Nebenfrauen hatte:

 

1  ‚Abraham nahm sich noch eine andere Frau, namens Ketura.

2  Sie gebar ihm Simran, Jokschan, Medan, Midian, Jischbak und Schuach…

 

5  Abraham vermachte Isaak alles, was ihm gehörte.

6  Den Söhnen der Nebenfrauen, die er hatte, gab Abraham Geschenke und schickte sie noch zu seinen Lebzeiten weg nach Osten, ins Morgenland, weit weg von seinem Sohn Isaak.‘

 

Isaak selbst blieb zwar auch bis zu seinem hohen Alter, in dem man üblicher Weise keine Kinder mehr zeugen kann, mit seiner Frau Rebekka ohne Nachkommen, versuchte jedoch nicht wie Abraham oder nach ihm Jakob die Nachkommenschaft dadurch zu erzwingen, dass er sich eine Nebenfrau nahm oder einer Magd beiwohnte. In hohem Alter schließlich konnte Abraham einen Sohn, Isaak zeugen. Er blieb danach kinderlos.

 

Auch von Jakob erfahren wir in Kapitel 29 der Genesis, dass er zwei Frauen hatte:

 

14  ‚Da erwiderte ihm Laban: Du bist wirklich mein Bein und mein Fleisch. Als Jakob etwa einen Monat bei ihm geblieben war,

15  sagte Laban zu ihm: Sollst du mir umsonst dienen, weil du mein Bruder bist? Sag mir, welchen Lohn du haben willst.

 

16  Laban hatte zwei Töchter; die ältere hieß Lea, die jüngere Rahel.

17  Die Augen Leas waren matt, Rahel aber war schön von Gestalt und hatte ein schönes Gesicht.

18  Jakob hatte Rahel lieb und so sagte er: Ich will dir um die jüngere Tochter Rahel sieben Jahre dienen.

19  Laban entgegnete: Es ist besser, ich gebe sie dir als einem anderen. Bleib bei mir!

20  Jakob diente also um Rahel sieben Jahre. Weil er sie liebte, kamen sie ihm wie wenige Tage vor.

21  Dann aber sagte er zu Laban: Gib mir jetzt meine Frau; denn meine Zeit ist um und ich will nun zu ihr gehen.

22  Da ließ Laban alle Männer des Ortes zusammenkommen und veranstaltete ein Festmahl.

23  Am Abend nahm er aber seine Tochter Lea, führte sie zu ihm und Jakob wohnte ihr bei.

24  Laban gab seine Magd Silpa seiner Tochter Lea zur Magd.

25  Am Morgen stellte sich heraus: Es war Lea. Da sagte Jakob zu Laban: Was hast du mir angetan? Habe ich dir denn nicht um Rahel gedient? Warum hast du mich hintergangen?

26  Laban erwiderte: Es ist hierzulande nicht üblich, die Jüngere vor der Älteren zur Ehe zu geben.

27  Verbring mit dieser noch die Brautwoche, dann soll dir auch die andere gehören um weitere sieben Jahre Dienst…

 

Jakob ging darauf ein. Er verbrachte mit Lea die Brautwoche, dann gab ihm Laban seine Tochter Rahel zur Frau…

 

Mit Lea, seiner ersten Frau  zeugte Abraham insgesamt 7 Kinder. Abraham wohnte auch Rahel bei, da aber diese unfruchtbar blieb, wurde sie eifersüchtig auf ihre Schwester:

 

30,1 ‚Sie sagte zu Jakob: Verschaff mir Söhne! Wenn nicht, sterbe ich.

2  Da wurde Jakob zornig auf Rahel und sagte: Nehme ich etwa die Stelle Gottes ein, der dir die Leibesfrucht versagt?

3  Sie antwortete: Da ist meine Magd Bilha. Geh zu ihr! Sie soll auf meine Knie gebären, dann komme auch ich durch sie zu Kindern.

4  Sie gab ihm also ihre Magd Bilha zur Frau und Jakob ging zu ihr.

5  Bilha wurde schwanger und gebar Jakob einen Sohn….

 

22  Nun erinnerte sich Gott an Rahel. Gott erhörte sie und öffnete ihren Mutterschoß.

23  Sie wurde schwanger und gebar einen Sohn. Da sagte sie: Gott hat die Schande von mir genommen.

24  Sie nannte ihn Josef (Zufüger) und sagte: Der Herr gebe mir noch einen anderen Sohn hinzu.‘

 

 Das mosaische Gesetz geht auf die Frage der Polygamie nur am Rande ein. So wird z. B. in Kapitel 21 des letzten Buches Moses (Deuteronomium) das Erbrecht des erstgeborenen Sohnes geregelt und hierbei die Polygamie als ein ganz normaler, keinesfalls sündhafter Fall behandelt:

 

15 ‚Wenn ein Mann zwei Frauen hat, eine, die er liebt, und eine, die er nicht liebt, und wenn beide ihm Söhne gebären, die geliebte wie die ungeliebte, und der erstgeborene Sohn von der ungeliebten stammt,

16  dann darf er, wenn er sein Erbe unter seine Söhne verteilt, den Sohn der geliebten Frau nicht als Erstgeborenen behandeln und damit gegen das Recht des wirklichen Erstgeborenen, des Sohnes der ungeliebten Frau, verstoßen.

17 Vielmehr soll er den Erstgeborenen, den Sohn der Ungeliebten, anerkennen, indem er ihm von allem, was er besitzt, den doppelten Anteil gibt. Ihn hat er zuerst gezeugt, er besitzt das Erstgeborenenrecht.‘

 

Bereits im Buch Exodus wird für den Fall, dass ein Israelit sich als erste Frau eine Sklavin nimmt, dieser die normalen Rechte einer Ehegattin zugestanden auch dann, wenn sich dieser Israelit eine weitere Frau nimmt. So heißt es im Kapitel 21 dieses Buches:

 

‚Nimmt er sich noch eine andere Frau, darf er sie in Nahrung, Kleidung und Beischlaf nicht benachteiligen.

11  Wenn er ihr diese drei Dinge nicht gewährt, darf sie unentgeltlich, ohne Bezahlung, gehen.‘

 

Auch im Buch Richter wird im 19. Kapitel sogar davon gesprochen, dass sich ein Levit, von dem man ja wohl ein besonders sittenstrenges Leben erwartet, eine zweite Frau auserwählt:

 

1  ‚In jenen Tagen, als es noch keinen König in Israel gab, lebte im entlegensten Teil des Gebirges Efraim ein Levit als Fremder. Er hatte sich eine Frau aus Betlehem in Juda zur Nebenfrau genommen.‘

 

Polygames Verhalten wird übrigens im Buch Genesis nicht erst im Hinblick auf die Zeiten erwähnt, in denen Abraham seinen Bund mit Jahwe geschlossen hatte. So heißt es bereits im Buch Genesis Kapitel 4 über die Nachkommen Kains:

 

17 ‚Kain erkannte seine Frau; sie wurde schwanger und gebar Henoch. Kain wurde Gründer einer Stadt und benannte sie nach seinem Sohn Henoch.†

18  Dem Henoch wurde Irad geboren; Irad zeugte Mehujaël, Mehujaël zeugte Metuschaël und Metuschaël zeugte Lamech.

19  Lamech nahm sich zwei Frauen; die eine hieß Ada, die andere Zilla.‘

 

Von Noah und seinen drei Söhnen hingegen erfahren wir in der Genesis, Kapitel 7, dass er und seine Kinder nur eine Frau zum Weibe genommen hatte:

 

13  ‚Genau an jenem Tag waren Noach, die Söhne Noachs, Sem, Ham und Jafet, Noachs Frau und mit ihnen die drei Frauen seiner Söhne in die Arche gegangen.‘

 

Wenn also auch in den Büchern Moses die Polygamie als ein ganz normales Verhalten angesehen wurde, so kann davon ausgegangen werden, dass sich de facto

vor allem nur die Reicheren und die Könige polygam verhielten, die Mehrheit der Israeliten lebten offensichtlich monogam.

 

In dieser Frage brachte Jesus bekanntlich einen entscheidenden Wandel. Im Kapitel 5 seines Evangeliums lässt Matthäus Jesus sagen, dass er im Grunde genommen fest am mosaischen Gesetz festhält:

 

18 ‚Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist.‘

 

Trotzdem stellt Jesus im folgenden Kapitel 19 des Matthäusevangeliums fest, dass nur die Einehe Gottes Willen entspreche:

 

3  ‚Da kamen Pharisäer zu ihm, die ihm eine Falle stellen wollten, und fragten: Darf man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen? 

4  Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat

5  und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein? 

6  Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.‘

 

In seiner Bergpredigt (nach Matthäus, 5) hat es sogar den Anschein, dass Jesus das sechste Gebot wesentlich verschärft. Hier lesen wir über den Ehebruch :

 

27 ‚Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. 

28  Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.

29  Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.

30  Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt.

 

31  Ferner ist gesagt worden: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt, muss ihr eine Scheidungsurkunde geben. 

32  Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch.



Und auf die Entgegnung der Schriftgelehrten, dass doch Moses selbst es den israelitischen Männern zugestanden hat, ihre Frau zu entlassen, entgegnete Jesus nach Matthäus, Kapitel 19:

 

7 ‚Da sagten sie zu ihm: Wozu hat dann Mose vorgeschrieben, dass man (der Frau) eine Scheidungsurkunde geben muss, wenn man sich trennen will? 

8  Er antwortete: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so.

9  Ich sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch.‘

 

Hat es also den Anschein, dass Jesus sogar im Vergleich zu Moses das sechste Gebot strenger auslegt, finden wir aber auch in den Evangelien Hinweise, dass Jesus gegenüber einer Ehebrecherin sehr viel weniger streng umging, als es das mosaische Gesetz offensichtlich vorschreibt. Im Johannesevangelium in Kapitel 7 heißt es:

 

1 ‚Jesus aber ging zum Ölberg.

2 Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es.

3 Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte

4 und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt.

5 Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du?

6 Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde.

7 Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.

8 Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.

9 Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand.

10 Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?

11 Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!‘

 

Obwohl also das mosaische Gesetz die Steinigung einer Frau vorschrieb, welche beim Ehebruch ertappt worden war, sagt nach Johannes Jesus eindeutig, ich verurteile dich nicht, was ja sicherlich dem Wortlaut nach eindeutig dem Mosaischen Gesetz zu widersprechen scheint.

 

Wenn wir diese unterschiedlichen Verlautbarungen Jesu zum Ehebruch zusammenfassen, lässt sich folgendes feststellen:

 

1. Grundsätzlich ist für Jesus nach wie vor auch das sechste der Zehn Gebote bindend. Im Kern der Aussage des 6. Gebotes ist danach weder etwas hinzuzufügen noch wegzunehmen. ‚Aber eher werden Himmel und Erde vergehen, als dass auch nur der kleinste Buchstabe im Gesetz wegfällt (Lukas, Kapitel 16,17).



2. Es gilt jedoch zu unterscheiden zwischen den letztlichen, in den Zehn Geboten Gottes niedergelegten Grundwerten, die zu allen Zeiten zu gelten haben und der Anwendung dieser Maximen, bei der stets auch die vorliegenden und mit der Zeit wechselnden näheren Umstände zu berücksichtigen sind. So ist es zu verstehen, dass Moses nach Auffassung Jesu den damaligen Israeliten eine Scheidung zugestanden hatte, da bei dem damaligen Verhalten eine volle Erfüllung des 6. Gebotes nicht erreicht werden konnte.

 

3. Jesus machte wiederholt darauf aufmerksam, dass es bei der Erfüllung der Zehn Gebote Gottes nicht etwa auf den Buchstaben des Gesetzes ankomme, sondern auf die Gesinnung der Betroffenen. Es sollte das sichergestellt werden, was mit dem Gesetz letztendlich erreicht werden soll. So ist es zu verstehen, dass Jesus auch am Sabbat Kranke heilte, obwohl das Mosaische Gesetz jegliche Tätigkeit am Sabbat untersagte. Bei der Heilung Kranker ging es jedoch darum, Leben zu retten und damit genau die Werte zu erhalten, welche mit der Gesamtheit der Zehn Gebote Gottes sichergestellt werden sollen.

 

4. Das Beispiel der auf frischer Tat ertappten Ehebrecherin zeigt weiterhin, dass im Vordergrund der Zehn Gebote Gottes nicht die Bestrafung der sündigen Menschen steht. Es ist alleinige Sache Gottes, über die sündigen Menschen zu richten, er allein kann in die Seele der Menschen schauen und er allein weiß, wie groß die subjektive Schuld jedes Einzelnen ist.

 

5. Viel entscheidender als die Bestrafung und damit Sühne des Sünders ist das Angebot Gottes, dem sündigen Menschen die Möglichkeit zu geben, seine Tat zu bereuen und umzukehren. Jesus hat zu der ertappten Ehebrecherin ja nicht gesagt, dass der begangene Ehebruch keine schwere Sünde darstelle. Er hat sie jedoch trotzdem nicht verurteilt, weil viel wichtiger als die Verurteilung die Möglichkeit der Reue und Umkehr ist. Dass man ehrliche Reue gezeigt hat und zur Umkehr bereit ist, kann man jedoch nur dann zeigen, wenn man nicht sofort nach Ergreifung der Ehebrecherin diese steinigt und ihr damit die Möglichkeit zur Umkehr nimmt.

 

6. Im ersten Korintherbrief des Paulus in Kapitel 6 erfahren wir dann auch, worin denn eigentlich der wahre Sinn  des 6. Gebotes liegt:

 

12 ‚Alles ist mir erlaubt – aber nicht alles nützt mir. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich.

13  Die Speisen sind für den Bauch da und der Bauch für die Speisen; Gott wird beide vernichten. Der Leib ist aber nicht für die Unzucht da, sondern für den Herrn, und der Herr für den Leib.

14  Gott hat den Herrn auferweckt; er wird durch seine Macht auch uns auferwecken.

15  Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? Darf ich nun die Glieder Christi nehmen und zu Gliedern einer Dirne machen? Auf keinen Fall! 

16  Oder wisst ihr nicht: Wer sich an eine Dirne bindet, ist ein Leib mit ihr? Denn es heißt: Die zwei werden ein Fleisch sein. 

17  Wer sich dagegen an den Herrn bindet, ist ein Geist mit ihm.

18  Hütet euch vor der Unzucht! Jede andere Sünde, die der Mensch tut, bleibt außerhalb des Leibes. Wer aber Unzucht treibt, versündigt sich gegen den eigenen Leib.

19  Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst; 

20  denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leib!‚

 

Wenn aber der Leib der Gläubigen als ein Tempel des Heiligen Geistes verstanden werden soll und jeder einzelne somit ein Teil dieses geistigen Tempels ist, dann ist es auch geboten, diesen Leib so und nur so einzusetzen, damit die von Gott den Menschen gesetzten Ziele erfüllt werden können. Die geschlechtliche Vereinigung von Mann und Frau innerhalb der Ehe soll den Fortbestand der Menschheit sicherstellen und darf gerade deshalb nicht außerhalb der Ehe stattfinden.