Startseite

 

 

Berühmte Irrtümer Teil II

 

 

Gliederung:

 

  1. Inflation Voraussetzung für Konjunkturbelebung?

  2. Macht Reichtum wirklich glücklich?

  3. Sicherheit durch Überwachung und korrektes Verhalten?

  4. Moralisches Handeln stets im Interesse jedes Einzelnen?

  5. Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch den Verstand?

  6. Lügen haben kurze Beine?

  7. Abschreckungsstrategie verhindert Atomkrieg?

  8. Rationale Entscheidung stets besser als Intuition?

  9. Bilder lügen nicht?

10. Wo Rauch, da Feuer?

11. Angriff ist die beste Verteidigung?

12. Recht auf Waffe erhöht die Sicherheit?

 

 

 

 

 

Kapitel 1: Inflation Voraussetzung für Konjunkturbelebung?

 

 

Gliederung:

 

1. Das Problem

2. Die Grundannahme

3. Die Entwicklung in den einzelnen Faktorpreisen

4. Eine dynamische Analyse

5. Eine historische Analyse

 

 

1. Das Problem

 

In der Öffentlichkeit wird immer wieder von der These ausgegangen, dass eine leichte Inflation Voraussetzung dafür sei, dass eine Volkswirtschaft aus Rezession und Depression herausfinde. Man bejaht zwar das Ziel der Geldwertstabilität insofern, dass eine hohe und galoppierende Inflation schädlich sei, dass aber eine leichte Inflation, welche sich auf wenige jährliche Prozentpunkte beschränke, nicht nur nicht unschädlich sei, sondern sogar notwendig sei, um Vollbeschäftigung und Wachstum zu ermöglichen. Es wird auch von der Vorstellung ausgegangen, dass eine leichte Inflation ausreiche, um dieses Ziel der Überwindung eines konjunkturellen Niedergangs sicher zu erreichen.

 

Das für die heutige Zeit geltende wichtigste Beispiel einer solchen Haltung ist die derzeitige Politik der Europäischen Währungsunion, so steuerte Draghi, der Präsident der Europäischen Notenbank, ganz bewusst eine jährliche Inflation von 2 bis 3 Prozent an, setzte zur Erreichung dieses Zieles einen Leitzinssatz von 0% für Bankkredite an und pumpte Billiarden von Euro Jährlich in die Volkswirtschaft.

 

Er tut dies, obwohl wichtigstes Ziel der Europäischen Notenbank laut Europäischem Vertrag die Wahrung der Geldwertstabilität ist und obwohl das Ziel der Geldwertstabilität nur bei einer Inflationsrate von 0 erreicht ist.

 

Natürlich kann man nicht davon ausgehen, dass es einer Notenbank immer gelingen kann, das gesamtwirtschaftliche Preisniveau konstant zu halten, es hängt immer von der Ausgangssituation ab, wieweit dieses Ziel tatsächlich erreicht wurde.

 

Wenn in einer Volkswirtschaft in der unmittelbaren Vergangenheit eine zwei- oder sogar dreistellige Inflationsrate erreicht worden war, kann man sicherlich von einem großen Erfolg der Notenbank sprechen, wenn es ihr gelänge, die Inflationsrate auf einen einstelligen Wert, etwa 6% herabzudrücken.

 

Dies bedeutet aber nicht, dass es der Notenbank erlaubt ist, ganz bewusst eine zwei- bis dreiprozentige Inflationsrate anzusteuern, wobei ohne diese Politik das Ziel der Geldwertstabilität nahezu erreicht worden wäre. Und diese Feststellung bleibt auch dann gültig, wenn der Europäische Gerichtshof wohl aus Unkenntnis über wirtschaftswissenschaftliche Zusammenhänge in der Inflationspolitik der Europäischen Notenbank keine Verletzung der Europäischen Verträge sieht.

 

Vor allem kennt unsere demokratische Ordnung eine Arbeitsteilung zwischen Geldpolitik der Notenbank und Fiskalpolitik des Staates. Danach ist es Aufgabe der Notenbank für eine Stabilität des innerpolitischen Geldwertes im Sinne einer Preisniveaustabilität sowie einer außenpolitischen Währungsstabilität im Sinne stabiler Wechselkurse Sorge zu tragen. Aufgabe des Staates hingegen ist es, für eine Stabilisierung der Beschäftigung sowie für ein angemessenes wirtschaftliches Wachstum zu sorgen.

 

Diese Arbeitsteilung gilt übrigens nicht nur für neoklassische und neoliberale Betrachtungsweisen. Es waren die Keynesianer Mundell und Johnson, welche mit ihrer Forderung nach einer politischen Mix-Strategie angeregt haben, dass sich die Notenbank auf die geld- und währungspolitischen Ziele, der Staat (Regierung und Parlament) hingegen auf die beschäftigungs- und wachstumspolitischen Ziele zu beschränken habe.

 

Mundell und Johnson kamen zu diesem Ergebnis in Anwendung einer von Jan Tinbergen formulierten These, dass ein politischer Zielkonflikt nur dann vermieden werden könne, wenn die Anzahl der Mittel der Anzahl der Ziele entspreche, wobei nur dann von einem selbstständigen Mittel gesprochen werden könne, wenn sich ein Mittel nicht logisch notwendig aus einem anderen Mittel ergeben könne.

 

Mundell und Johnson wiesen nun darauf hin, dass bei der traditionellen Geld- und Fiskalpolitik den vier Zielen der Außenwirtschaftspolitik

 

der Wechselkursstabilität,

des DB-Ausgleiches,

der freien Konvertibilität und

der autonomen Konjunkturpolitik.

 

Nur drei unabhängige Mittel der Außenwirtschaftspolitik gegenüberstehen und zwar:

 

die Staatsausgaben,

die Devisenkontrollen sowie

die Wechselkursvariationen.

 

Zwar könne man in der Zinspolitik der Notenbank rein äußerlich betrachtet ein viertes Mittel sehen. Dieses Mittel sei jedoch in der bisherigen keynesianischen Politik gerade nicht als ein unabhängiges Mittel betrachtet worden, da der Notenbank die vorrangige Aufgabe gegeben wurde, die Fiskalpolitik zu unterstützen. Wenn der Staat eine expansive Fiskalpolitik einleitete, dann war es Verpflichtung der Notenbank, diese Politik durch eine ebenfalls expansive Geldpolitik zu unterstützen. Politisch gesehen mussten also Geld- und Fiskalpolitik lediglich als ein einziges Instrument angesehen werden.

 

Somit war also im Rahmen der traditionellen keynesianischen Fiskalpolitik eine Lösung des Zielkonfliktes zwischen Geld- uns Fiskalpolitik nicht möglich, da vier unabhängigen Zielen nur drei unabhängige Mittel gegenüberstanden. Und Mundell und Johnson suchten diesen Zielkonflikt dadurch aufzulösen, dass sie die Forderung aufstellten, die Notenbank dürfe nur das Ziel verfolgen, die Währung zu stabilisieren, während es alleinige Aufgabe von Parlament und Regierung sei, für Vollbeschäftigung und angemessenes Wachstum zu sorgen.

 

Aber warum ist denn eine Inflation und vor allem eine schleichende Inflation von wenigen Prozentpunkten einer jährlichen Geldentwertung so schlecht? Kann man nicht des höheren Zieles einer Vollbeschäftigung wegen eine jährliche Steigerung der allgemeinen Preise in Kauf nehmen?

 

Das Ziel der Geldwertstabilität gehört zunächst zu den Zielen der Wirtschafts- und Geldpolitik, welche keinen Eigenwert haben, also nicht um ihrer selbst willen verfolgt werden. Sie werden angestrebt, weil mit einer Inflation andere Ziele der Wirtschaftspolitik gefährdet sind.

 

Aber warum sprechen wir im Allgemeinen dann immer noch von einem Ziel und nicht einfach nur von einem Mittel der Wirtschaftspolitik? Der Grund liegt einfach darin, dass sich in einer freien Marktwirtschaft die einzelnen Preise auf den Märkten ergeben, sodass weder Regierung, Parlament oder Notenbank das allgemeine Preisniveau festlegen können. Wenn das Preisniveau in einem Jahr steigt, so ist dies einfach das Ergebnis tausender und abertausender Preisfestlegungen bei den einzelnen Gütern.

 

Die Notenbank, der in unserer Verfassung die Aufgabe übertragen wurde, für Geldwertstabilität zu sorgen, kann also das erwünschte Preisniveau nicht einfach verändern, sie kann vielmehr lediglich das Ziel formulieren, bestimmte inflationäre Prozesse zu verhindern und zur Realisierung dieses Zieles dann die ihr zur Verfügung stehenden geldpolitischen Instrumente wie z. B. den Leitzinssatz so einsetzen, dass das erwünschte Ziel der Geldwertstabilität bestmöglich erreicht wird.

                 

Kehren wir also zu der Frage zurück, warum allgemein eine Inflation als etwas Negatives angesehen wird? Der Grund liegt darin, dass erstens bei Inflation das Grundziel einer jeden Marktwirtschaft in Gefahr ist, nämlich die Güterproduktion bestmöglich am Bedarf der Bevölkerung auszurichten.

 

Ganz generell gilt, dass dieses Ziel nur dann erreicht werden kann, wenn die Preisverhältnisse den jeweiligen Knappheitsverhältnissen der einzelnen Güter entsprechen. Eine höhere Knappheit bedingt also auch einen höheren Preis. Es hat also auf den ersten Blick den Anschein, als käme es im Hinblick auf dieses allokationspolitische Ziel eben gerade nicht darauf an, auch das Preisniveau, also den Durchschnitt aller Güterpreise, konstant zu halten.

 

Die Schwierigkeit liegt nur darin, dass es in einer freien Marktwirtschaft gar nicht möglich ist, zuzulassen, dass das allgemeine Preisniveau verändert wird und dass trotzdem gleichzeitig die Preisverhältnisse davon unberührt bleiben.

 

Gerade weil in einer freien Marktwirtschaft die einzelnen Preise auf den Märkten gebildet werden, ist es gar nicht anders möglich, als dass sich bei einer generellen Inflation die einzelnen Preise zu unterschiedlichen Zeiten und auch in unterschiedlichem Umfang durchsetzen und dies bedeutet, dass bei Zulassen von Inflationsprozessen teilweise vorübergehend, teilweise aber auch auf Dauer Verschiebungen in den Preisverhältnissen stattfinden. Wieweit nämlich auf den einzelnen Märkten Preissteigerungen möglich werden, hängt von der jeweiligen Marktlage ab und diese ist von Markt zu Markt unterschiedlich.

 

Eine Inflation setzt sich in einer freien Marktwirtschaft fort, in dem einzelne Individuen nun über mehr Geld verfügen und dieses Geld dann für den vermehrten Ankauf von Waren verwenden. Die Produktion dieser Güter wird ausgeweitet, dies führt zu einer Mehrnachfrage bei den Produktionsfaktoren, welche zur Produktion dieser Waren benötigt werden, es tritt auf diesen Märkten Knappheit auf mit der Folge, dass auch dort die Preise steigen. Auf diese Weise wird die Inflation dann allmählich auf die gesamte Volkswirtschaft ausgedehnt.

 

Dies bedeutet also, dass bei den Gütern, deren Preis sich noch nicht an das höhere Preisniveau angepasst hat, die Konsumenten fälschlicher Weise von der Annahme ausgehen, dass diese Güter im Vergleich zu den anderen Waren, bei denen bereits der höhere Preis realisiert wurde, nun günstiger seien und deshalb von diesen Waren mehr kaufen als ihrem eigenen Interesse entspricht.

 

Aber auch die Einkommensverteilung wird von einer Inflation in nicht erwünschter Richtung negativ beeinflusst. Ganz generell gilt, dass bei einer Inflation diejenigen den Kürzeren ziehen, deren Einkommen weitgehend fix ist, also nicht immer automatisch an allgemeinen Preissteigerungen angepasst wird.

 

In diesem Zusammenhang muss auch davon ausgegangen werden, dass die Einkommen der Unselbständigen sehr viel langsamer an Preissteigerungen angepasst werden als die Einkommen der Selbstständigen. So werden z. B. die Tariflöhne erst nach Ablauf der Kündigungsfrist der laufenden Tarifverträge an Preissteigerungen angepasst.

 

Weiterhin gilt, dass eine Inflation die Schuldner begünstigt und die Gläubiger benachteiligt. Wenn jedes Jahr die allgemeinen Preise steigen, so ist die Kaufkraft der Schuldensumme, die in Zukunft zurückgezahlt werden muss, aufgrund der Inflation und im Umfang der Preissteigerungen zurückgegangen. In realen Größen gerechnet hat also der Schuldner bei Inflation weniger zurückzuzahlen und der Gläubiger erhält deshalb weniger zurückerstattet als er realiter betrachtet geliehen hatte.

 

Drittens schließlich gehen die Neoklassiker und Neoliberalen davon aus, dass Inflationen auch das wirtschaftliche Wachstum drosseln. Inflationszeiten sind dadurch ausgezeichnet, dass auf den Märkten Nachfrageüberhänge bestehen, der Konkurrenzdruck lässt nach, es können sich deshalb auch Produzenten am Markt halten, welche wegen zu hoher Kosten bei normalen Verhältnissen eigentlich gar nicht wettbewerbsfähig wären.

 

Und dies bedeutet, dass die knappen Ressourcen für Projekte verschwendet werden, welche gar nicht langfristig Bestand haben, es fehlt der Konkurrenzdruck, der bei Geldwertstabilität die Unternehmer anhält, stets nach Kostensenkungen und Qualitätsverbesserungen Ausschau zu halten, um so der Gefahr zu entgehen, dass die Kunden zu anderen Anbietern abwandern.

 

Keynesianer gehen demgegenüber im Allgemeinen davon aus, dass gerade wegen der mit den Preissteigerungen verbundenen Gewinnsteigerungen bei Inflation mehr Geld für Investitionen zur Verfügung steht. Sie übersehen hierbei erstens, dass in diesem Falle vorwiegend Erweiterungsinvestitionen getätigt werden, die Wohlstandssteigerung aber im Wesentlichen nur bei Rationalisierungsinvestitionen zu erwarten ist. Zweitens wird bei dieser Argumentation stillschweigend unterstellt, dass Preissteigerungen stets zu Gewinnsteigerungen führen, eine Annahme, welche - wie in diesem Artikel weiter unten gezeigt werden wird -  nicht der Wirklichkeit entspricht.

 

Auch das weitere Argument der Befürworter einer bewusst herbeigeführten leichten Inflation, dass sich der Schaden genereller Preissteigerungen in Grenzen halte, da ja nur jährliche Preissteigerungen von 2 bis 3 % Prozent empfohlen werden, ist wenig überzeugend, da – wie die Erfahrung zeigt – eine schleichende Inflation in aller Regel in eine immer stärker wachsende, also galoppierende Inflation übergeht.

 

Der Grund für diese Entwicklung liegt in der Logik dieser Argumentation selbst begründet. Ob nämlich bei Preissteigerungen die erhofften, konjunkturbelebenden Effekte tatsächlich eintreten, hängt nämlich weniger von der absoluten Höhe der Inflationsrate ab, sondern davon, dass die heutige Inflationsrate etwas höher ist als die Inflationsrate der vergangenen Periode.

 

Und dieser Umstand hängt damit zusammen, dass die Aktivitäten der Unternehmer von den Erwartungen über zukünftige Gewinnsteigerungen bestimmt werden. Die Erwartungen über die zukünftige Entwicklung mögen sich noch so sehr auf positive Gewinne beziehen, wenn die tatsächliche Entwicklung hinter der erwarteten Entwicklung zurückbleibt, sinken an den Börsen die Kurse trotz positiver, vielleicht sogar gegenüber der vergangenen Periode gestiegener Gewinnaussichten.

 

Die Kurse sinken deshalb, weil die bisherigen Erwartungen zu hoch waren und durch eine Kurssenkung korrigiert werden müssen. Aus diesen Gründen wird eine inflationäre Geldpolitik nur dann erfolgreich bleiben, wenn Jahr für Jahr die erwarten Preissteigerungen ansteigen.

 

Es bleibt also dann nicht bei einer schleichenden Inflation, diese geht vielmehr aufgrund der inneren Logik dieses Vorschlages notwendiger Weise in eine galoppierende Inflation über und dass diese für die gesamte Volkswirtschaft schädlich ist, darüber besteht bei allen wissenschaftlichen Schulen Einigkeit.

 

 

2. Die Grundannahme

 

Es besteht kein direkter Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Aktivität der Unternehmer und der Inflationsrate. Vielmehr hängt die wirtschaftliche Aktivität der Unternehmer primär von ihren Gewinnerwartungen ab.

 

Wenn die Gewinnerwartungen der Unternehmer stabil sind, also weder steigen noch sinken, gibt es keinen Grund dafür, dass die Unternehmungen in ihrer Gesamtheit etwas an ihrer wirtschaftlichen Aktivität verändern, die Gesamtproduktion einer Volkswirtschaft wird weder in starkem Umfang wachsen noch schrumpfen.

 

Dann jedoch, wenn die gesamten Gewinnerwartungen der Unternehmer ansteigen, wird es fast immer Unternehmerpersönlichkeiten geben, welche aus diesem Grunde ihre wirtschaftliche Aktivität ausweiten werden und deshalb mehr produzieren.

 

Umgekehrt gilt, dass dann, wenn die Gewinnerwartungen in starkem Maße zurückgehen, die Gesamtproduktion einer Volkswirtschaft diesem Trend folgen wird.

 

Wie werden nun Gewinne definiert? Unter der Gewinnsumme (G) eines einzelnen Unternehmers wie auch einer gesamten Volkswirtschaft versteht man stets die Differenz zwischen den vereinnahmten Erlösen (E) und den aufzubringenden Kosten (K) der Produktion.

 

Die Erlöse sind selbst wiederum definiert als das Produkt von Preis (p) und Menge (x), wobei dann, wenn wir nicht nur nach dem Gewinn einer einzelnen Unternehmung fragen, der Gesamtgewinn einer Volkswirtschaft als Summe der einzelnen Gewinne aller Unternehmer angesehen werden kann. Anstatt von einer Summe zu sprechen, können wir allerdings auch bei einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung den Gesamtgewinn einer Volkswirtschaft als das Produkt aus durchschnittlichem Preis (P) und durchschnittlicher Produktionsmenge (X) ansehen.

 

In gleicher Weise kann man die Summe der bei einer Produktion entstehenden Kosten (K) einer Volkswirtschaft als Produkt des durchschnittlichen Preises der Kostenfaktoren (k) multipliziert mit der Gesamtmenge an materiellen Ressourcen (Km) (Produktionsfaktoren) verstehen.

 

Es gilt also die Formel:

 

G = E - K = (P * X) - (k * A)

 

Und wenn wir nach der Steigerung in den Gewinnen in der Zeit (t) fragen, erhalten wir über die Veränderung in der Gewinnsumme Auskunft, wenn wir den Erlös zu den Kosten in Beziehung setzen, es gilt also die Formel:

 

 

Etwas umformuliert können wir die Veränderungen in den Gewinnen auch messen an dem Produkt aus dem Verhältnis zwischen Güterpreisen und Faktorpreisen und dem Verhältnis der Menge an eingesetzten Produktionsfaktoren und produzierten Gütermengen, wobei dieses Verhältnis dem reziproken Wert der Faktorproduktivität entspricht:

  

 

Wir kommen also zu dem Ergebnis, dass die Frage, von welchen Faktoren es abhängt, wie sich die Gewinnsumme entwickelt, im Wesentlichen von zwei Faktoren abhängt. Gewinne werden sich verändern, wenn entweder die Güterpreise stärker steigen als die Faktorpreise oder wenn die Arbeitsproduktivität ansteigt, ohne dass die Faktorpreise angepasst werden.

 

Als wichtigste Konsequenz aus diesen Schlussfolgerungen kann festgestellt werden, dass zwar in der Tat Preissteigerungen auf indirekte Weise die Gewinnsumme steigern können. Diese Wirkung tritt jedoch nur auf, wenn die Faktorpreise nicht gleichzeitig steigen bzw. in geringerem Maße steigen als die Güterpreise.

 

Und dies bedeutet, dass Preissteigerungen keine ausreichende Voraussetzung für eine Konjunkturbelebung darstellen. Damit die erwünschte Wirkung auch eintritt, ist eine weitere Bedingung notwendig, es kommt auf das Verhalten der Faktorpreise an, ob Preissteigerungen tatsächlich zu einer Belebung der wirtschaftlichen Aktivität der Unternehmer führen.

 

Darüber hinaus zeigt diese Formel zweitens, dass Preissteigerungen auch nicht das einzige Instrument darstellen, um eine Belebung der Konjunktur herbeizuführen. Unsere Formel zeigt, dass in gleicher Weise auch ein Anstieg in der Produktivität der Produktionsfaktoren zu dem gleichen positiven Ergebnis führt. Preissteigerungen sind also auch nicht notwendig, um die erwünschte Konjunkturbelebung herbeizuführen.

 

Wir können sogar noch einen Schritt weitergehen. Entsprechend unserer Formel kommt es auch nicht primär darauf an, wie sich die Preise absolut verändern, ob sie also z. B. generell steigen, entscheidend ist nur der Quotient aus Güter- und Faktorpreisen und dieser Quotient könnte auch dann steigen, wenn die Güterpreise sinken, sie dürfen eben nur nicht genauso stark sinken wie die Preise der Produktionsfaktoren. Die generelle Furcht vor einer Deflation ist also unberechtigt.

 

Wir kommen also zu dem Ergebnis, dass eine Preissteigerung zur Konjunkturbelebung weder notwendig noch ausreichend ist. Der Zusammenhang zwischen Preisentwicklung und Konjunkturbewegung ist also denkbar schwach. Ganz allgemein  messen wir die Stärke eines Zusammenhanges zwischen zwei wirtschaftlichen Variablen daran, ob dieser Zusammenhang notwendig und ob er ausreichend ist.

 

Der stärkste Zusammenhang zwischen zwei Größen besteht dann, wenn eine Variable zur Veränderung einer anderen Variablen sowohl notwendig wie auch ausreichend ist. Wollen wir also das Ergebnis erreichen, dann brauchen wir diese Variable und diese Variable reicht ohne Zusatzmaßnahmen aus, um den Erfolg sicherzustellen.

 

Eine geringere Effizienz liegt bereits dann vor, wenn eine Voraussetzung entweder für den Erfolg notwendig, aber nicht ausreichend oder ausreichend aber nicht notwendig ist, also auch von anderen Maßnahmen erreicht werden könnte.

 

Eine besonders schwache Beziehung zwischen zwei Variablen besteht dort, wo eine Voraussetzung weder notwendig noch ausreichend ist. Und genau diese denkbar schwächste Beziehung besteht zwischen Preissteigerungen und konjunktureller Belebung einer Volkswirtschaft.

 

Aber könnte man sich nicht damit zufrieden geben, dass eine Preissteigerung zu einer Konjunkturbelebung führen kann, sofern eben nachgewiesen werde könnte, dass die Zusatzbedingung (die Preise der Produktionsfaktoren dürfen nicht genauso stark steigen wie die Güterpreise) in Wirklichkeit erfüllt sei?

 

Diese Frage nach den möglichen alternativen Maßnahmen ist deshalb unerlässlich und von großer Bedeutung, weil politische Maßnahmen nahezu immer nicht nur Einfluss auf die Größe haben, welche man beeinflussen will, sondern gleichzeitig zumeist unerwünschte Wirkungen auf andere Ziele der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik nach sich ziehen.

 

Unabhängig davon, ob man nun auf diesem Wege die erwünschte Konjunkturbelebung herbeiführen kann oder nicht, wir haben bereits gezeigt, dass von inflationären Prozessen sogar in sehr starken Maße unerwünschte Wirkungen auf andere Ziele der Wirtschaftspolitik ausgehen können. Die Anpassung der Produktion an den Bedarf der Bevölkerung erfolgt nun weniger effizient als bei Geldwertstabilität, es treten unerwünschte Verschiebungen in der Einkommensverteilung auf und ein Teil der Wirtschaftswissenschaftler geht sogar davon aus, dass das langfristige Wachstum des Inlandsproduktes auf diese Weise verringert wird.

 

In diesem Falle muss deshalb sehr genau überprüft werden, ob der volkswirtschaftliche Nutzen aus einer Konjunkturbelebung per saldo tatsächlich größer ist, wenn man den Weg über eine bewusst herbeigeführte Inflation als dann, wenn man über Produktivitätssteigerungen dieses Ziel zu erreichen versucht.

 

Im Mittelpunkt der weiteren Untersuchung hat nun die Frage zu stehen, mit welcher Entwicklung in den Preisverhältnissen zwischen Gütern und Produktionsfaktoren zu rechnen ist, wir haben ja gesehen, dass eine inflationäre Politik auf jeden Fall eine ineffiziente Methode zur Konjunkturbelebung darstellt, wenn es nicht gelingt, die vollständige Anpassung der Faktorpreise zu verhindern.

 

Diese Frage kann nur beantwortet werden, wenn wir uns in einem nächsten Schritt einer strukturellen Analyse zuwenden, wenn wir also für die einzelnen Produktionsfaktoren getrennt die zu erwartenden Preissteigerungen untersuchen.

 

Auf den ersten Blick erscheint es jedoch unwahrscheinlich, dass es gelingt, die Preise der Produktionsfaktoren von der Preisentwicklung bei den Gütern abzukoppeln. Schließlich ergeben sich die Güterpreise eben dadurch, dass die Unternehmer bestrebt sind, im Preis zumindest die entstandenen Kosten hereinzuholen.

 

Entweder wird ein Unternehmer, welcher zusätzliche Kredite dazu benutzt, die Produktion auszuweiten, zunächst Rohstoffe und Anlagen, also Produktionsfaktoren nachfragen und es ist diese Mehrnachfrage, welche zunächst zu einem Anstieg der Faktorpreise führt und die Güterpreise steigen hier in erster Linie deshalb, weil diese Kostensteigerungen auf den Güterpreis weitergewälzt werden.

 

Oder aber das zusätzliche Geld führt dazu, dass auf den Endproduktmärkten mit der Mehrnachfrage zunächst die Güterpreise steigen, mit der Folge, dass die Unternehmer vermehrt Produktionsfaktoren nachfragen, was selbst wiederum einen Anstieg auch in den Preisen der Produktionsfaktoren auslöst.

 

Es besteht also mit anderen Worten eine enge Verbindung aller Preise untereinander und es ist auf den ersten Blick unwahrscheinlich, dass fest damit gerechnet werden kann, dass über inflationäre Prozesse durch eine Geldvermehrung ausgelöst die Faktorpreise daran gehindert werden können, in etwa gleichem Umfang anzusteigen wie die Güterpreise. Aber erst eine Analyse der einzelnen Entwicklungen in den Faktorpreisen wird Klarheit darüber schaffen, wie wahrscheinlich ein konjunkturpolitischer Erfolg einer inflationären Geldpolitik ist.

 

 

3. Die Entwicklung in den einzelnen Faktorpreisen

 

Wir wollen also nun berücksichtigen, dass bei der Produktion unterschiedliche Produktionsfaktoren eingesetzt werden und dass sich die Preise dieser einzelnen Produktionsfaktoren unterschiedlich in einem Inflationsprozess verhalten können. Hierbei wollen wir zwischen vier Kostenarten unterscheiden: Als erstes wäre der Block der Arbeitskosten zu erwähnen. Dieser nimmt den größten Teil ein und beträgt in etwa 60% der gesamten Produktionskosten.

 

Als zweites gelten die Materialkosten, vor allem die Preise der Rohstoffe, sie dürften in etwa weitere 10 bis 20 Prozent ausmachen.

 

An dritter Stelle stehen die Steuern, wobei hier nicht nur die indirekten Steuern, sondern auch die Einkommensteuern zu erwähnen sind. Zwar geht der Gesetzgeber nur bei den indirekten Steuern davon aus, dass diese auf den Güterpreis überwälzt werden, während im Hinblick auf die Einkommensteuern der Gesetzgeber keine Überwälzung vorsieht. Trotzdem müssen wir davon ausgehen, dass für die Unternehmer vor allem die Lohnsteuern Kosten darstellen, welche sie auf die Güterpreise stets weiter zu wälzen versuchen.

 

Schließlich sind an vierter Stelle die Kapitalkosten, also vor alle die Zinskosten sowie die Abschreibungen zu berücksichtigen.

 

Beginnen wir mit der Analyse der Arbeitskosten. Hier müssen wir berücksichtigen, dass Preissteigerungen ceteris paribus bei den Gütern zunächst eine gleichgroße Reduzierung der Kaufkraft der Löhne bedeuten und dass gleichzeitig der Anteil der Lohneinkommen am Inlandsprodukt zurückgeht.

 

Beide Tatbestände rufen die Gewerkschaften auf den Plan. Diese sind bestrebt, in den jeweiligen periodisch stattfindenden Tarifverhandlungen die Löhne an das gestiegene Preisniveau anzupassen und damit sicher zu stellen, dass auch die Lohnquote, der Anteil der Lohneinkommen am Inlandsprodukt wiederum auf seine bisherige Höhe ansteigt.

 

Da der Gesetzgeber den Gewerkschaften das Recht verliehen hat, ihre Forderungen notfalls mit Streikdrohungen zu verbinden, haben die Gewerkschaften im Allgemeinen auch die Möglichkeit, diese Ziele durchzusetzen.

 

Wir haben also davon auszugehen, dass es zumindest auf längere Sicht (bei den jeweils nächsten Tarifverhandlungen) zu einer nahezu vollständigen Anpassung der Löhne an die Preissteigerungen kommt und dass sich deshalb das Preis-Lohn-Verhältnis trotz Steigerungen in den Güterpreisen nicht wesentlich erhöht hat. Und da ja wie gezeigt, die Lohnkosten den Löwenanteil an den gesamten Produktionskosten ausmachen, bedeutet dieses Ergebnis bereits, dass auf dem Wege einer allgemeinen Steigerung bei den Güterpreisen die Gewinne der Unternehmer auch nicht entscheidend erhöht werden können.

 

Vor einem abschließenden Urteil wollen wir aber zuvor auch die zu erwartende Entwicklung in den anderen Kostenarten überprüfen.

 

Nehmen wir als zweites die Materialkosten. Wir hatten bereits daraufhin gewiesen, dass fest damit gerechnet werden muss, dass auch die Preise der Materialkosten stark ansteigen werden, wenn die Güterpreise steigen. Die Steigerung der Güterpreise soll ja nach Meinung der Befürworter einer schleichenden Inflation zu einer Mehrproduktion führen und diese wiederum führt unweigerlich auch zu einer Mehrnachfrage nach Rohstoffen.

 

Nun gehören gerade die Rohstoffe zu den materiellen Ressourcen, die ohnehin aufgrund der Zunahme der Weltbevölkerung in den letzten Jahrzehnten immer knapper wurden und Knappheit äußert sich nun einmal in einer Marktwirtschaft durch Anstieg der Preise der knapp gewordenen Güter.

 

Es muss deshalb fest damit gerechnet werden, dass die Materialkosten mindestens genauso stark ansteigen werden wie die Preise der Endprodukte, vermutlich sogar stärker. Also tragen auch die Preise der Rohstoffe nicht dazu bei, die Differenz zwischen Warenpreise und Preise der Materialkosten zu erhöhen. Dies ist jedoch wie gezeigt Voraussetzung dafür, dass Preissteigerungen zu einer Gewinnsteigerung und damit zu einer anhaltenden Konjunkturbelebung beitragen.

 

Wenden wir uns drittens der Entwicklung in den Steuereinnahmen zu. Wir hatten bereits gesehen, dass Unternehmungen die Steuerzahlungen als Kosten ansehen, welche möglichst 100 Prozent auf die Güterpreise weitergewälzt werden.

 

Wie sich nun diese Kosten im Verhältnis zu den Endproduktpreisen entwickeln werden, hängt nun entscheidend davon ab, ob es sich um indirekte oder direkte Steuern handelt. Indirekte Steuern, wie Umsatz- und Verbrauchsteuern, steigen ex definitione in gleichem Umfang wie die Endproduktpreise an, direkte Steuern hingegen, also die Einkommensteuern, steigen wegen der Steuerprogression sogar überproportional an.

 

Insgesamt heißt dies wiederum: Es gilt die gleiche Schlussfolgerung für die Steuerkosten wie für die Rohstoffe. Vermutlich steigen Steuerkosten sogar stärker als die Endproduktpreise an, können also wiederum nicht erklären, weshalb aufgrund der Preissteigerungen die Gewinnsumme ansteigen soll.

 

Wir kommen schließlich zu einem vierten Kostenposten: den Kapitalkosten, also zu Zinskosten sowie Abschreibungen. Hier hat es zumindest auf den ersten Blick den Anschein, als würden diese Kosten sinken, da ja annahmegemäß der Inflationsprozess dadurch eingeleitet wird, dass die Geldmenge ausgeweitet und der Leitzinssatz der Notenbank herabgesetzt wird.

 

Zwar steigen die Abschreibungen ebenfalls an, da ja die Abschreibungssumme eben vom Niveau der Kosten für die Anlagen abhängt. Aber immerhin treten diese Steigerungen stark verzögert auf und die Zinskosten sinken sogar.

 

Da allerdings die Kapitalkosten im Verhältnis zu den Gesamtkosten absolut gering sind, führt dieser vierte Kostenfaktor allenfalls zu einer sehr geringfügigen Gewinnsteigerung. Dis Skepsis darüber, das von Preissteigerungen Gewinnsteigerungen und damit auch eine Konjunkturbelebung ausgehen, bleibt also bestehen.

 

Es kommt noch ein weiterer Tatbestand hinzu, der den Erfolg einer inflationären Geldpolitik in Frage stellt. Der Erfolg einer solchen Politik hängt nicht nur vom Umfang der wirtschaftlichen Aktivität ab, sondern wird insbesondere auch von qualitativen Merkmalen bestimmt.

 

Es gibt Unternehmer, welche durch ihren Einsatz wesentlich die Zunahme des materiellen Wohlstandes bestimmen und Schumpeter spricht nur in diesem Zusammenhang von Unternehmern, während es immer auch (Nur)-Produzenten gibt, welche sich in Normalzeiten gar nicht gegenüber der Konkurrenz durchsetzen könnten, welche sich anfangs nur deshalb im Markt halten konnten, weil wir eben wegen der inflationären Geldpolitik auf den Gütermärkten einen Nachfrageüberhang erzielen, in dem fast jeder Unternehmer rentabel bleibt, weil jede Kostensteigerung auf den Güterpreis weitergewälzt werden kann. Schumpeter nannte diese Art von Produzenten Wirte.

 

In dem Augenblick jedoch, in dem die Nachfrageüberhänge eben aufgrund der Preissteigerungen abgebaut sind und wieder das Angebot an die gestiegene Nachfrage angepasst ist, geht diese Art von Produzenten in Konkurs, da sie der Konkurrenz nicht auf Dauer standhalten können.

 

Indem die inflationäre Geldpolitik das Entstehen dieser Wirte ermöglicht hat, hat sie gleichzeitig den ersten Sargnagel zum Konjunkturgeschehen eingeschlagen und damit die Voraussetzung für den nächsten Konjunkturabschwung selbst geschaffen.

 

Diese inflationäre Politik ist also nicht in der Lage, einen anhaltenden Konjunkturaufschwung zu bewirken. Ganz davon abgesehen, dass eine solche Politik zu einer großen Vergeudung knapper Ressourcen führt und damit die Wachstumsrate des Inlandsproduktes schmälert.

 

 

4. Eine dynamische Analyse

 

Für die Frage, mit welchem Erfolg einer inflationären Geldpolitik im Hinblick auf die Konjunkturbelebung zu rechnen ist, kommt es nicht nur darauf an, in welchem Verhältnis per saldo Güter- und Faktorpreise stehen, es kommt darüber hinaus auch darauf an, wie sich die Preise im Zeitablauf verändern.

 

Von den Anhängern einer inflationären Geldpolitik wird oftmals die Vorstellung entwickelt, dass von Seiten der Geldpolitik lediglich eine Art Initialzündung ausgehen sollte, dass dann, wenn die Konjunktur einmal in Fahrt gebracht sei, der Markt von selbst in der Lage sei, die Aufwärtsbewegung in der wirtschaftlichen Aktivität  fortzusetzen.

 

Diese Gedankengänge wurden bereits im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts unter dem Namen ‚Pump Priming‘ entwickelt. Legt man allerdings die von Keynes selbst entwickelte Beschäftigungstheorie zugrunde, gibt es wenig Argumente zugunsten dieser These.

 

Zwar ist es richtig, dass die durch eine Zunahme im Defizit des Staatsbudgets verursachte Steigerung im Volkseinkommen entsprechend der Multiplikatortheorie mehrere Perioden anhält, dieser Prozess verlangsamt sich jedoch schnell und nach wenigen Perioden ist das Volkseinkommen entsprechend dieser Theorie wiederum auf das bisherige Niveau abgesunken.

 

Etwas günstiger kann die wirtschaftliche Entwicklung beurteilt werden, wenn man mit Samuelson die Multiplikatortheorie mit dem Akzelerationsprinzip verbindet. Entsprechend diesem Prinzip wird bei einer Zunahme des Volkseinkommens selbst wiederum auch eine Steigerung der Investitionssumme entstehen, da die höhere Güterproduktion auch eine höhere Produktionskapazität erfordere.

 

Wenn man aber die Wirkungen des Einkommensmultiplikators mit denen des Akzelerationsprinzips verbindet, können in der Tat Einkommenssteigerungen für eine Vielzahl von Perioden ausgelöst werden und dies bedeutet dann in der Tat, dass eine vom Staat ausgehende Initialzündung eine länger anhaltende Einkommenssteigerung auslösen könnte.

 

Ob allerdings diese periodisch auftretenden Schwankungen im Einkommen tatsächlich die Konjunkturbewegungen voll erklären können, ist in der Literatur umstritten. Und dass de facto von einer vom Staate verursachten Initialzündung deshalb tatsächlich diese lang anhaltenden Wirkungen je ausgelöst wurden, konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

 

Unabhängig davon, ob also eine solche Initialzündung ausreicht, mit ihr kann nur gerechnet werden, wenn eine inflationäre Geldpolitik dazu führt, dass in den ersten Perioden die Preise der Güter steigen und wenn die dann induzierten Preissteigerungen bei den Produktionsfaktoren erst verspätet eintreten.

 

Hinter diesen Thesen eines Pump Priming steht die Vorstellung, dass die Unternehmer aufgrund der Zinssenkungen zunächst Gewinnsteigerungen erfahren und dass diese Gewinnsteigerungen dann ausreichen, die Unternehmer zu einer Ausweitung der Produktionskapazität zu veranlassen, auch dann, wenn die Gewinne nach einigen Perioden wiederum auf ihr bisheriges Niveau zurücksinken.

 

Wichtigste Voraussetzung dafür, dass die Unternehmer aufgrund einer inflationären Geldpolitik in den ersten Perioden zunächst Gewinnsteigerungen erfahren, besteht jedoch darin, dass die Steigerungen zunächst bei den Güterpreisen stattfinden und bei den Faktorpreisen erst verzögert eintreten. Fragen wir also, ob mit einer solchen Entwicklung tatsächlich zu rechnen ist.

 

Beginnen wir mit den zu erwartenden Veränderungen bei den Lohnsätzen. Hier hat es in der Tat zunächst den Anschein, dass sich die Löhne stets verspätet an die Steigerungen in den Güterpreisen anpassen. Denn die Tariflöhne können erst verspätet an die Preisentwicklung angepasst werden, da die laufenden Tarifverträge aufgrund bestehender Kündigungsfristen erst nach Ablauf einiger Monate gekündigt werden können. Man sprach in diesem Zusammenhang von einem wage lag.

 

Empirisch konnte diese These jedoch nicht bestätigt werden. Denn bei Gültigkeit dieser These müsste ja in den Ländern, welche eine überdurchschnittlich hohe Inflationsrate aufweisen, die Lohnquote aufgrund der verzögerten Lohnanpassung geringer ausfallen, was aber nicht nachgewiesen werden konnte.

 

Dieser fehlende Beweis für ein wage lag lässt sich nun damit erklären, dass die Gewerkschaften aus der Entwicklung gelernt haben. Ein wage lag ist nur dann zu erwarten, wenn Preissteigerungen überraschend kommen.

 

Wenn jedoch die Notenbank ankündigt, dass sie für längere Zeit eine inflationäre Geldpolitik betreiben will, werden sich die Gewerkschaften an diese Politik anpassen und bei den Lohnforderungen in den Tarifverhandlungen diese zu erwartenden Preissteigerungen einbeziehen.

 

Anstelle eines wage lag ist dann ein wage Lead zu erwarten und dies bedeutet, dass die Güterpreissteigerungen den Lohnsteigerungen hinterherhinken. Es kommt in diesem Falle nicht zu einer anfänglichen Steigerung, sondern sogar zu einer anfänglichen Senkung der Unternehmergewinne.

 

Selbst dann, wenn man von einem wage lag ausgehen würde, käme jedoch dieser gewinnsteigernde Effekt zu Beginn einer Inflationspolitik nur in begrenztem Maße zum Zuge. Denn nur für die Tariflöhne gilt die Kündigungsfrist. Es können auch vor Ablauf dieser Frist die außertariflichen Lohnsätze an die Güterpreisentwicklung angepasst werden und sie werden dies auch, wenn aufgrund der Ausweitung der Produktion die Nachfrage der Unternehmer nach Arbeitskräften ansteigt.

 

Wir hatten bereits darauf hingewiesen, dass im Hinblick auf die Materialkosten ohnehin damit zu rechnen ist, dass auch hier zumeist zunächst eine Knappheit auf den Rohstoffmärkten eintritt und erst dann aufgrund dieser Kostensteigerungen auch die Güterpreise angehoben werden.

 

Die erhoffte Initialzündung wird zusätzlich deshalb nur in vermindertem Maße erwartet werden können, weil ja nicht nur die Gewerkschaften, sondern auch die Unternehmer auf Veränderungen in der Politik reagieren werden.

 

Die Unternehmer werden auch dann, wenn neue Aufträge in Sicht sind, sich nur dann zu Beschäftigungssteigerungen bereit finden, wenn sie damit rechnen können, dass es sich bei den neuen Aufträgen nicht nur um einmalige Aufträge handelt. Denn immer dann, wenn die Unternehmer zusätzliche Arbeitnehmer eingestellt haben und aufgrund der in Zukunft ausbleibenden Aufträge die dann nicht mehr benötigten Arbeitskräfte entlassen wollen, stoßen sie wegen der bestehenden Kündigungsgesetzgebung auf Schwierigkeiten.

 

Wir wollen also festhalten, dass die Erfolgsaussichten einer inflationären Geldpolitik äußerst fragwürdig sind und dass die Theorien, welche von einem Erfolg dieser Politik ausgegangen sind, vor allem daran leiden, dass sie die Reaktionen der Privaten auf die Maßnahmen des Staates und der Notenbank nicht ausreichend berücksichtigt haben. Allenfalls einmalige und nicht erwartete Maßnahmen der Politik führen zu den erwünschten konjunkturbelebenden Wirkungen.

 

 

5. Eine historische Analyse

 

Wir wollen uns zum Abschluss dieses Artikels fragen, wie so sich denn eine so offensichtlich falsche Theorie (eine Inflation sei eine notwendige und zugleich ausreichende Voraussetzung, um eine konjunkturelle Erholung herbeizuführen) so lange halten konnte. In der Tat begegnen wir diesen Vorstellungen bereits im ausgehenden 18. Jahrhundert im Rahmen des Merkantilismus.

 

Der Merkantilismus war die Wirtschaftslehre der absolutistischen Herrscher. Die absolutistischen Herrscher waren wie bekannt darum bemüht, ihre Abhängigkeit von den ständischen Parlamenten, welche sich in langer Zeit das Recht erkämpft hatten, Steuererhöhungen zu genehmigen, zu lösen.

 

Sie führten hierzu indirekte Steuern und Zölle ein, welche nicht vom Parlament genehmigt werden mussten, hierzu war es aber notwendig, dass die Wirtschaft florierte. Und in der damaligen Zeit war man der Auffassung, dass dieses Ziel nur erreicht werden könnte, wenn das Land über ausreichende Goldvorräte verfügte.

 

Man ging nämlich von der ebenfalls irrigen Meinung aus, dass Geld nur dann akzeptiert werde, wenn es wie z. B. Gold oder Silber über einen selbstständigen Warenwert verfügt. Und wenn die Menge an vorrätigem Gold weitgehend konstant bliebe (Frankreich unter Ludwig XVI war das wichtigste Land mit einem absolutistischen Herrscher), dann könne man auch nicht damit rechnen, dass sich eine Volkswirtschaft ausweite.

 

Erst sehr viel später erkannte man im Rahmen der Quantitätstheorie, dass auch Papiergeld durchaus seinen Wert behalten könne, dass der Geldwert allein davon bestimmt werde, in welchem Verhältnis das umlaufende Geld zur Warenmenge stehe. Voraussetzung für eine Geldwertstabilität sei allein, dass der Staat garantiere, dass eine Schuld dann als beglichen gilt, wenn sie mit diesem Geld bezahlt wurde.

 

Und da Frankreich zu der damaligen Zeit über keine eigenen Goldbergwerke verfügte, konnte man sich das für eine blühende Volkswirtschaft notwendige Geld nur dadurch besorgen, dass man Exportüberschüsse erzielte und das Ausland seinen Importüberschuss mit Gold bezahlen musste.

 

Zu der damaligen Zeit entsprach die These, dass man über eine Geldvermehrung eine Ausweitung des Handels bewirken kann, also durchaus der Wirklichkeit.

 

So gab es vor allem zu Zeiten des Absolutismus noch keine Gewerkschaften, welche stark genug waren, bei einer Verschlechterung der Kaufkraft ihrer Löhne eine Anpassung der Lohnsätze an die Preissteigerungen zu erzwingen. Die Macht der Produzenten war so stark, dass sie auch dann, wenn die Preise generell stiegen, trotzdem keine Anpassung der Löhne vornehmen mussten.

 

So konnte man also zu diesen Zeiten durchaus davon ausgehen, dass sich bei einer leichten Inflation das Verhältnis der Güterpreise zu den Lohnsätzen verbessern konnte und dass damit die wichtigste Voraussetzung dafür gegeben war, dass der Gewinn der Unternehmer bei Preissteigerungen tatsächlich anstieg und damit den Produzenten einen Anreiz verschaffte, ihre wirtschaftliche Aktivität zu intensivieren.

 

Auch im Hinblick auf die Rohstoffvorkommen waren andere Voraussetzungen als heute gegeben. Die mittelalterliche Wirtschaft war im Wesentlichen dadurch gekennzeichnet, dass die Produktion weitgehend auf ihrem bisherigen Niveau verharrte, auch die Bevölkerung blieb weitgehend konstant und es gab wenig Erfindungen, welche den Bedarf an Rohstoffen deutlich erhöhte.

 

Die Rohstoffe waren also zu dieser Zeit noch nicht in besonderem Maße knapp und gerade deshalb konnte man bei einer Ausweitung der Volkswirtschaft noch davon ausgehen, dass trotz Mehrnachfrage nach Rohstoffen deren Preis noch nicht stark anstieg. Also  trug auch der Rohstoffmarkt zu diesen Zeiten dazu bei, dass sich bei Steigerungen der Güterpreise das Verhältnis der Güterpreise zu den Materialkosten noch nicht durch Anstieg auch der Materialkosten verschlechterte.

 

Auch im Hinblick auf die Kapitalkosten haben sich in der Zwischenzeit die Verhältnisse entscheidend verändert. Während die heutige Industrieproduktion durch eine enorm hohe Kapitalintensität geprägt ist und die Produktion in diesen Bereichen durch sehr hohe fixe Kosten ausgezeichnet ist, war die damalige Produktion im Vergleich zu heute vorwiegend arbeitsintensiv.

 

Es musste deshalb damals auch nicht befürchtet werden, dass bei einer Ausweitung der Produktion mit den Abschreibungen für die Produktionsanlagen die Kapitalkosten stark anstiegen. Also auch im Hinblick auf die Kapitalkosten führten Preissteigerungen und damit verbunden Erhöhung der Produktion noch nicht zu einem Anstieg auch in den Kapitalkosten.

 

Im Hinblick auf die Steuerkosten ergab sich schließlich ebenfalls eine günstigere Ausgangssituation für eine Ausweitung der Produktion. Zwar war der Merkantilismus dadurch geprägt, dass er zur Finanzierung seiner Ausgaben neue Steuern einführte, es waren aber fast ausschließlich indirekte Steuern. Und auch bei Einführung der allgemeinen Einkommensteuern, lagen Steuersätze vor, welche noch keine Steuerprogression kannten und welche deshalb auch nicht die Steuerlasten der Unternehmungen bei einer Ausweitung der Produktion überproportional ansteigen ließ.

 

Alles in allem waren in der Tat in der damaligen Zeit die Voraussetzungen gegeben, dass allgemeine Preissteigerungen bei den Gütern nicht zu gleichzeitigen und gleich großen Steigerungen bei den Faktorpreisen führten und dass deshalb Preissteigerungen Gewinnsteigerungen ausgelöst haben.

 

Eine inflationäre Geldpolitik hatte sich somit in der Vergangenheit tatsächlich bewährt. Und es gehörte zu einer allgemeinen Praxis, dass man politische Instrumente, welche sich in der Vergangenheit bewährt hatten, eben aus diesen Gründen auch für die Zukunft beibehielt, ohne dass man sich bewusst machte, dass aufgrund einer veränderten Ausgangssituation die Bewährung in der Vergangenheit nichts darüber aussagt, ob sich diese Instrumente auch in Zukunft wiederum bewähren. Das Zurückgreifen auf bewährte Maßnahmen der Vergangenheit ist nur berechtigt, solange die Volkswirtschaften weitgehend stationär sind.

 

Unsere heutige Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie erstens dynamisch ist, das heißt, dass sich insbesondere die Produktionstechniken permanent verändern und dies wiederum hat zur Folge, dass die bestehenden Mängel immer wiederum auf andere Ursachen zurückgeführt werden müssen.

 

Zweitens ist unsere Gesellschaft in hohem Maße komplex, dies bedeutet, dass die einzelnen Einheiten miteinander vernetzt sind und dies wiederum bewirkt, dass Eingriffe an bestimmten Stellen unserer Volkswirtschaft auch zum Teil unerwünschte Sekundärwirkungen an ganz anderen Stellen unser Volkswirtschaft bewirken.

 

Und dies wiederum bedeutet, dass es bei der Bekämpfung unerwünschter Zustände nicht ausreicht, diese Mängel zu erkennen und per Gesetz zu verbieten, auch kann man auf bewährte Maßnahmen der Vergangenheit nicht zurückgreifen.

 

Der Erfolg in der Vergangenheit garantiert nicht auch den heutigen Erfolg. Stets ist es notwendig, in einem ersten Schritt nach den Ursachen des vorhandenen Übels zu fragen, nur wenn man die Ursachen kennt, kann man die geeigneten Instrumente bestimmen. Darüber hinaus sind die einzelnen möglichen und effizienten Instrumente stets darauf hin zu überprüfen, inwieweit sie andere Ziele der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik beeinträchtigen.