Startseite

 

Berühmte Irrtümer

 

 

 

Gliederung:

 

  1. Problemeinführung

  2. Golddeckung Voraussetzung für Geldwertstabilität?

  3. Vorteil des einen stets Nachteil des anderen (Merkantilismus)

  4. Nur Arbeit erzeugt Wert?

  5. Sättigungsthese

  6. Gibt es Deterministische Prozesse?

  7. Wachstum notwendig für Vollbeschäftigung?

  8. Kaufkrafttheorie

  9. Quotenregelung geeignet zur Vermeidung  von Diskriminierungen?

10. Volkswille nur beim Verhältniswahlrecht erfüllt?

 

 

 

 

 Kapitel 6. Gibt es Deterministische Prozesse?

 

 

Gliederung:

 

1. Einführung

2. Karl Marx: Der Kapitalismus führt notwendiger Weise zum Sozialismus

3. Walter Eucken: Ein Mischsystem führt notwendiger Weise zur Zentralverwaltungswirtschaft

 

 

 

1. Einführung

 

Wir wollen uns in diesem Kapitel mit Thesen befassen, welche von der Vorstellung ausgehen, dass der geschichtliche Prozess deterministisch erfolge, dass also eine bestimmte Abfolge von Einzelschritten notwendiger Weise eintrete und dass es deshalb einzelnen politischen Führungskräften auch nicht möglich sei, diese Entwicklung langfristig in eine bestimmte Richtung zu lenken. Einzelne Führungskräfte seien zwar vielleicht in der Lage, diese Entwicklung kurzfristig aufzuhalten und vielleicht auch gewisse oberflächliche Korrekturen gegenüber der allgemeinen Entwicklung vorzunehmen. Der Zwang, der von gewissen gesellschaftlichen Kräften ausging, sei aber so stark, dass die Entwicklung allenfalls verzögert, aber nicht aufgehalten werden könne.

 

Ganz im Gegenteil sei zu befürchten, dass der Versuch, eine vorherbestimmte Entwicklung aufzuhalten, geradezu zu einer Verschlimmerung der Situation führen müsse. So war z. B. Karl Marx der Auffassung, dass die in der kapitalistischen Gesellschaft auftretenden Widersprüche zwangsweise zu einer sozialistischen Gesellschaft führen müssten. Es sei das Beste nicht zu versuchen, diese Entwicklung aufzuhalten, sondern sie sogar zu beschleunigen. Versuche man nämlich die sozialen Missstände der kapitalistischen Gesellschaft durch Sozialreformen zu mildern, erreiche man nur, dass der Prozess der Verelendung hinausgezögert werde und dass deshalb das Leiden der Arbeiter unnötig verlängert werde. Es sei aber nicht möglich, die Ausbeutung der Arbeitnehmer unter Beibehaltung der kapitalistischen Gesellschaft nur allein durch Sozialreformen abzuschaffen, noch nicht einmal entscheidend zu mildern.

 

Die wohl im Verlaufe der wirtschaftswissenschaftlichen Lehrmeinungen formulierte wichtigste Theorie eines deterministisch vorgezeichneten Entwicklungspfades war die marxistische Lehre von dem zwangsweise Zusammenbruch der kapitalistischen Gesellschaft und des notwendigen Übergangs in eine sozialistische (kommunistische) Gesellschaft. Danach ergäben sich aus dem Wirken der im Kapitalismus bestehenden Kräfte Widersprüche, welche notwendiger Weise schließlich zum Zusammenbruch des kapitalistischen Wirtschaftssystem führen müssten. Die kritische Auseinandersetzung mit dieser These steht im Mittelpunkt dieses Kapitels.

 

Die These von der zwangsläufigen Entwicklung begegnet uns allerdings auch in den ordnungspolitischen Vorstellungen Walter Euckens. Walter Eucken war der Meinung, dass ein wirtschaftliches Mischsystem, in welchem Elemente der Marktwirtschaft (in den Ausdrücken Euckens der Verkehrswirtschaft) mit Elementen einer staatlichen Planwirtschaft (Zentralverwaltungswirtschaft) verbunden würden, notwendiger Weise in einer totalen Zentralverwaltungswirtschaft enden müsse. Der Versuch, die sozialen Mängel der Marktwirtschaft dadurch abzumildern, dass man Teile der Volkswirtschaft nach den Prinzipien einer staatlichen Planwirtschaft zu steuern versucht und damit bewusst in den Marktprozess eingreift, scheitere und führe nur dazu, dass weitere dirigistische Maßnahmen notwendig würden, bis man dann schließlich bei einer totalen Zentralverwaltungswirtschaft angelangt sei.

 

Während aber Karl Marx von der deterministischen Entwicklung der Geschichte überzeugt war, sich also die These von der zwangsweisen Überführung der kapitalistischen Gesellschaft in ein sozialistisches Gesellschaftssystem nahtlos in diese Grundüberzeugung einordnete, lehnte Walter Eucken grundsätzlich eine deterministische Gesellschaftslehre ab. Er war vielmehr davon überzeugt, dass die erwünschte marktwirtschaftliche Ordnung nur dadurch erhalten werden könne, dass sich der Staat aktiv darum bemühe, den Wettbewerb zu erhalten, in dem er Monopolbildungen nicht zulasse oder zumindest überwache.

 

Walter Eucken hatte im Methodenstreit zwischen Carl Menger und Gustav von Schmoller eine vermittelnde Position eingenommen. Er war mit den Vertretern der historischen Schule der Auffassung, dass die Entscheidungen der einzelnen wirtschaftenden Individuen eine Vielfalt unterschiedlicher Marktstrukturen herbeiführe. So war er auch davon überzeugt, dass jede Konjunktur ihre individuellen Züge trage und dass es aus diesen Gründen auch keine allgemeine Konjunkturtheorie geben könne.

 

Wenn er trotzdem mit Carl Menger von der Möglichkeit und Notwendigkeit einer allgemeinen, immer gültigen Theorie überzeugt war, so lag das daran, dass nach Auffassung von Walter Eucken zwar eine Vielfalt der Marktstrukturen gegeben war, dass aber von jeder einzelnen Marktform ganz bestimmte Anreize ausgingen, die im Rahmen einer allgemeinen Theorie beschrieben werden könnten und in diesem Sinne auch immer gültig seien.

 

 

2. Karl Marx: Der Kapitalismus führt notwendiger Weise zum Sozialismus

 

Karl Marx war der Begründer des sogenannten ‚wissenschaftlichen‘ Sozialismus. Er vermeinte nachweisen zu können, dass sich die kapitalistischen Gesellschaften notwendiger Weise zum Sozialismus (Kommunismus) entwickelten. In geschichtsphilosophischer Hinsicht war er Schüler Hegels, der von der Überzeugung ausging, dass die Geschichte in einem Dreierschritt: These, Antithese und schließlich Synthese voranschreite.

 

In einem ersten Schritt werde nach Hegel eine Idee entwickelt, die ‚These‘. Diese werde jedoch nicht unwidersprochen hingenommen, sondern rufe in einem zweiten Schritt eine Gegenthese, die sogenannte Antithese hervor. Es komme schließlich in einem dritten Schritt durch Auseinandersetzung von These und Antithese zur Synthese, welche schließlich Elemente sowohl der These wie auch der Antithese enthalte.

 

In einem entscheidenden Punkt allerdings widersprach Karl Marx Georg Friedrich Hegel. Während Hegel der Überzeugung war, dass die Geschichte schließlich durch Ideen fortschreite, meinte Karl Marx, dass Hegel die Verhältnisse auf den Kopf gestellt habe, dass die Ideen nur die Entwicklung in den materiellen Verhältnissen widerspiegelten und dass es deshalb die Entwicklung in diesen materiellen Verhältnissen sei, welche die Geschichte vorantrieben.

 

Die Vorstellung, dass die Menschen Ideen entwickeln, dass diese Widerspruch erfahren und dass sich aus der Auseinandersetzung dieser Meinungen schließlich Vorstellungen bilden, welche Elemente aller an der Diskussion beteiligter Ideen enthalten, entspricht nun sicherlich der Wahrheit. Falsch ist hierbei allerdings die Auffassung, dass dieser Prozess deterministisch erfolgt, in dem Sinne, dass es für eine bestimmte These immer nur eine ganz bestimmte Antithese gebe und dass aus der Auseinandersetzung dieser beiden Thesen schließlich eine von vornherein bestimmte Synthese entstehe.

 

Vielmehr zeigt die Erfahrung, dass auf der einen Seite eine bestimmte These durchaus mehrere Antithesen hervorrufen kann und dass es keinesfalls vorherbestimmt ist, welche Elemente der unterschiedlichsten Thesen sich schließlich durchsetzen. Auf der anderen Seite ist es eine Art schöpferischer Prozess, der Ideen und Antithesen entstehen lässt, sodass schon aus diesen Gründen nicht von vornherein feststeht, welche Antithesen entwickelt werden.

 

Weiterhin ist es sicherlich ebenfalls richtig, dass die materiellen Interessen einen entscheidenden Einfluss auf die Ideen und mit ihnen auf die geschichtliche Entwicklung nehmen. Wiederum ist es jedoch falsch zu unterstellen, dass diese materiellen Interessen die einzigen Bestimmungsgründe der geschichtlichen Entwicklung darstellen. Auch in der Frage der Beziehung von materiellen Interessen und Fortschreiten der Entwicklung gilt, dass bestimmte materielle Daten keinesfalls immer nur eine und die gleiche Idee erzeugen, dass vielmehr die ideelle Antwort auf bestimmte materielle Gegebenheiten zumeist eine unter mehreren möglichen Antworten ist.

 

Auch hier liegt ein schöpferischer Prozess vor, es hängt von den intellektuellen Leistungen einzelner geschichtlicher Persönlichkeiten ab, welche Antworten auf vorgegebene Fragen schließlich gefunden werden und es hängt in gleichem Maße von der Durchsetzungsfähigkeit dieser Persönlichkeiten ab, welche Idee sich schließlich durchsetzt.  

 

Das, was am geschichtlichen Prozess wissenschaftlich erfasst werden kann, liegt in einem ganz anderen Zusammenhang. Diese Frage wurde in der Auseinandersetzung zwischen neoklassischer Wirtschaftslehre und historischer Schule im ausgehenden 19. Jahrhundert ausführlich diskutiert. Während die Vertreter der neoklassischen Schule - allen voran Carl Menger – die Meinung vertraten, dass auch wirtschaftliche Gegebenheiten mit den gleichen wissenschaftlichen Methoden analysiert werden könnten wie die Fragestellungen der Naturwissenschaft, warben die Vertreter der historischen Schule – hier vor allem Gustav von Schmoller – für die Idee, dass sich geschichtliche Prozesse der naturwissenschaftlichen Analyse entzögen, dass sie nur durch Methoden der Geschichtswissenschaft verstanden, aber nicht ursächlich erklärt werden könnten.

 

Walter Eucken versuchte in diesem Streit zu vermitteln. Auch er war der Meinung, dass es im Bereich der gesellschaftlichen, vor allem der wirtschaftlichen Prozesse keine allgemein gültigen Gesetze in dem Sinne gebe, dass jedes einzelne Ereignis durch die historischen Prozesse vorherbestimmt sei. Jede wirtschaftliche Situation sei einmaliger Natur und gerade aus diesen Gründen lehnte Walter Eucken die Berechtigung einer Konjunkturtheorie ab, da der konkrete Verlauf einer Konjunktur immer einmaliger Natur sei.

 

Diese Erkenntnis bedeute jedoch nicht, dass im Bereich von Wirtschaft und Gesellschaft keine allgemeingültigen Zusammenhänge vorlägen. Vielmehr ging Walter Eucken von der Vorstellung aus, dass es eine begrenze Anzahl von wirtschaftlichen Ordnungselementen gäbe und dass von diesen elementaren Ordnungsformen ganz bestimmte Wirkungen auf die Lösung wirtschaftlicher Probleme ausgehen. Jede konkrete Situation sei somit einmalig in dem Sinne, dass jeweils sehr unterschiedliche und in diesem Sinne einmalige Mischungen der einzelnen Ordnungselemente vorliegen. Trotzdem könnten sehr wohl von der Wirtschaftstheorie allgemeine Gesetzmäßigkeiten untersucht werden, sofern man sich auf die einzelnen Grundformen des Marktes oder der Wirtschaftseinheiten beziehe. So könne z. B. festgestellt werden, dass Konkurrenzmärkte in besserem Maße in der Lage seien, die Produktion an den Konsumentenwünschen auszurichten als monopolistische oder oligopolistische Märkte.

 

Zurück zu der These von Karl Marx, dass die sozialistische Gesellschaft automatisch und notwendigerweise aus dem Zusammenbruch der kapitalistischen Gesellschaften entstehe. Die geschichtliche Erfahrung hat gezeigt, dass die allgemeine geschichtliche Entwicklung gerade nicht diesem Schema gefolgt ist und deshalb auch nicht deterministisch vorgegeben ist. Das führende kommunistische Land in der Vergangenheit war die Sowjetunion. Diese ist jedoch gerade nicht aus einer industrialisierten kapitalistischen Volkswirtschaft hervorgegangen, wie es eigentlich nach der marxistischen Theorie hätte sein müssen. Russland stand im Zeitpunkt der kommunistischen Revolution noch auf einer vorindu­striellen Phase. Ähnliche Überlegungen gelten auch für China, ebenfalls einem führenden kommunistischen System.

 

Nur für die ehemalige DDR kann gelten, dass hier ein bereits industrialisiertes und vorwiegend kapitalistisches Wirtschaftssystem von einem sozialistisch geordneten System abgelöst wurde. Aber gerade hier entsprach der Übergang zur kommunistischen Gesellschaft nicht dem von Karl Marx vorgezeichneten Entwicklungsweg. Die ehemalige DDR wurde eben gerade nicht aufgrund der kapitalistischen Widersprüche zu einer sozialistischen Gesellschaft, sondern allein deshalb, weil die sowjetische Besatzungsmacht mit Waffengewalt die sozialistische Revolution erzwang. Die drei Westzonen waren genauso wie die Ostzone aus einem industrialisierten und kapitalistisch geordneten Wirtschaftssystem hervorgegangen – der Anteil am Industriesektor war in den Westzonen sogar noch höher als in der Ostzone – und trotzdem kam es hier nicht zu der Errichtung einer kommunistischen Wirtschaft, sondern – wiederum unter maßgebenden Einfluss der Besatzungsmächte – zu einem marktwirtschaftlich geordneten Wirtschaftssystem.

 

Dass die Prophezeiungen der marxistischen Theorie nicht eintraten, lag unter anderem daran, dass sich entgegen den Voraussagen von Karl Marx die Kernaussagen der Verelendungstheorie nicht bestätigten, wonach sich die materielle Lage der Arbeitnehmer im Verlaufe der wirtschaftlichen Entwicklung immer mehr verschlechtern müsse. Zu Beginn der Industrialisierung war zwar die wirtschaftliche Lage der Industriearbeiter katastrophal schlecht, im Zuge der Weiterentwicklung der Industrialisierung konnte jedoch das reale Einkommen absolut in starkem Maße ansteigen, noch nicht einmal der Anteil der Arbeitnehmer am Inlandsprodukt verminderte sich auf langfristige Sicht.

 

Die tatsächlich zu beobachtende Verelendung der Industriearbeiter zu Beginn der Industrialisierung hatte auch nichts mit der Industrialisierung und mit der kapitalistischen Wirtschaftsordnung als solcher zu tun; sie trat ein, weil im Zuge der Industrialisierung das soziale System der mittelalterlichen Ordnung zerbrach und eine Binnenwanderung größten Umfanges in die Städte stattfand und damit unter anderem die in der mittelalterlichen Gesellschaft bestehende sich innerhalb der Familie vollziehende Kontrolle über die Geburtenrate entfiel. Es kam so zu einem immensen Bevölkerungswachstum, wobei die Wachstumsrate der Bevölkerung zunächst die der Güterproduktion überstieg und damit notwendigerweise ein Rückgang im Pro-Kopf-Einkommen der Bevölkerung und damit auch der Industriearbeiter eintreten musste, obwohl die Industrialisierung als solche sehr wohl langfristig zu einer Steigerung in der Wachstumsrate des Inlandsproduktes beigetragen hatte.

 

Dass die Verelendung der Industriearbeiter mit zunehmender Entwicklung entgegen der Aussagen von Karl Marx nicht anstieg, sondern sogar zurückging, lag also gerade daran, dass aufgrund kapitalistischer Methoden die Wachstumsrate der Produktion so stark angehoben werden konnte, dass sie über die Wachstumsrate der Bevölkerung anstieg und damit auch eine Zunahme des Pro-Kopf-Einkommens der Arbeitnehmer ermöglichte.

 

Auch die zweite These von Karl Marx, welche den Zusammenbruch der kapitalistischen Gesellschaft herbeiführen sollte, wurde durch die geschichtliche Erfahrung widerlegt. Nach dieser These führe der erbitterte Konkurrenzkampf der Kapitalisten untereinander dazu, dass die kleinen Unternehmungen durch die größeren übernommen würden und dass auf diese Weise eine starke Konzentration stattfinde, die damit ende, dass nur einige wenige Riesenkonzerne übrig blieben die dann auch relativ leicht von einer in der Zwischenzeit an die Macht gekommenen kommunistischen Regierung übernommen werden könnten.

 

Zwar ist es richtig, dass freie Unternehmer Konkurrenz als lästig empfinden und dass sie sich darum bemühen, Konkurrenz durch monopolistische Zusammenschlüsse zu überwinden. Und in der Tat ist die Geschichte der Industrialisierung auf der ganzen Welt durch Konzentrationsprozesse geprägt. Die Geschichte hat aber auch gezeigt, dass diese Monopolisierungstendenz immer wieder dadurch durchbrochen wird, dass neue Konkurrenz entsteht, zumindest dort, wo sie nicht durch staatliche Maßnahmen behindert wird.

 

Dort, wo sich Monopolsituationen längere Zeit hindurch festsetzen konnten, lag es in erster Linie daran, dass die Staaten durch Abschottung ihrer Volkswirtschaften (vorwiegend durch Importzölle und andere Behinderungen des Außenhandels) sonst mögliche Konkurrenz unterbunden haben. Weiterhin haben Walter Eucken und andere daraufhin gewiesen, dass ein funktionierender Wettbewerb nur durch eine aktive Wettbewerbspolitik erhalten werden kann und dass der Staat die Aufgabe hat, entweder durch eine Kartellverbotsgesetzgebung oder zumindest durch eine Missbrauchskontrolle den Monopolisierungstendenzen in der Volkswirtschaft entgegenzuwirken.

 

Gerade durch den in den letzten Jahrzehnten stattgefundenen Globalisierungsprozess ist immer wieder erneut weltweite Konkurrenz entstanden. Die Größe der Unternehmungen stieg zwar stetig an, führte aber trotzdem in der Regel nicht zu dem Ausmaß an Konzentration, das von Karl Marx prophezeit wurde, da gerade die Großkonzerne vermehrt einem internationalen Wettbewerb gegenüber treten mussten.

 

Für die These Karl Marx vom Zusammenbruch der kapitalistischen Gesellschaft ist es jedoch unerlässlich, dass dieser Konzentrationsprozess solange anhält, bis schließlich nur noch eine geringe Anzahl von Unternehmungen bestehen bleibt, welche dann auch relativ leicht sozialisiert und in Staatshand überführt werden können.

 

 

3. Walter Eucken: Ein Mischsystem führt notwendiger Weise zur Zentralverwaltungswirtschaft

 

Im Hinblick auf die Wirtschaftsordnung unterscheidet Walter Eucken zwischen einer Zentralverwaltungswirtschaft und einer Verkehrswirtschaft. Das wesentliche Unterscheidungsmerkmal ist hierbei die Frage, wer die Wirtschaftspläne aufstellt. In einer Zentralverwaltungswirtschaft ist es der Staat bzw. eine staatliche Bürokratie, welche alle wichtigen wirtschaftlichen Entscheidungen trifft. In einer Verkehrswirtschaft hingegen haben alle Individuen, die privaten Haushalte sowie die privaten Unternehmungen das Recht, über die eigenen Belange selbst zu entscheiden.

 

Bei den Wirtschaftsordnungen ‚Zentralverwaltungswirtschaft’ und ‚Verkehrswirtschaft‘ handelt es sich um Ideal- und nicht um Realtypen. Wir haben davon auszugehen, dass in der Realität im allgemeinen eine Mischung dieser beiden Idealtypen verwirklicht ist, in ihrer reinen Form, welche durch Abstraktion und pointierend hervorhebende Betonung bestimmter, wesentlicher Merkmale entsteht, gibt es weder eine idealtypische Zentralverwaltungswirtschaft noch eine idealtypische Verkehrswirtschaft. In Kriegszeiten kam jedoch die tatsächliche Wirtschaftsordnung dem Idealtyp der Zentralverwaltungswirtschaft sehr nahe.

 

Die in der Öffentlichkeit diskutierten Wirtschaftsordnungen der staatlichen Planwirtschaft sowie des Monopolkapitalismus oder einer reinen Laissez-faire-Ordnung stellen stets Mischformen dieser beiden Idealtypen dar. Die Verkehrswirtschaft würden wir heute als Marktwirtschaft bezeichnen.

 

Befassen wir uns etwas ausführlicher mit der Zentralverwaltungswirtschaft. Diese kann in mehreren Varianten auftreten. In ihrer radikalsten Form übernimmt die staatliche Bürokratie hier die Planung des Konsums wie auch der Produktion. Der Staat legt fest, welche Konsumgüter und in welchen Mengen den einzelnen privaten Haushalten zugeteilt werden und händigt den einzelnen Haushalten Bezugsscheine wie etwa Lebensmittelkarten u. s. w. zu Beginn einer Periode aus. Dem einzelnen verbleibt hier lediglich die Entscheidung, die zugeteilten Güter zu dem vom Staat festgesetzten Preis zu kaufen oder die Bezugsscheine verfallen zu lassen.

 

Eine etwas großzügigere Variante einer Zentralverwaltungswirtschaft stellt es den einzelnen Individuen frei, die Bezugsscheine gegen andere auszutauschen. Dies erfolgt dann in der Regel nicht auf dem Wege der staatlichen Bürokratie, vielmehr entsteht hier ein freier grauer Markt, grau deshalb, weil er von staatlicher Seite zwar nicht gewünscht, aber immerhin geduldet wird. Auf diesem Markt werden die unterschiedlichsten Bezugsscheine gehandelt, wobei diese Bezugsscheine entweder direkt getauscht werden, was sehr mühsam ist oder aber wobei sich ein allgemein akzeptiertes Tauschmittel (z. B. Zigaretten) herausbildet.

 

Zwar besteht auch in einer Zentralverwaltungswirtschaft das offizielle Zahlungsmittel Geld, es fungiert jedoch zumeist nur als Recheneinheit, als Tauschmittel ist es jedoch kaum mehr geeignet, da man ja mit Geld allein – ohne Bezugsscheine – nichts kaufen kann. Es braucht nicht eigens erwähnt zu werden, dass hier die Freiheit des Konsumenten nur in sehr geringem Umfang verwirklicht ist, auf jeden Fall handelt es sich hierbei um eine höchst ineffiziente Methode des Tausches.

 

Eine dritte Variante einer Zentralverwaltungswirtschaft sieht im Grundsatz die freie Konsumwahl vor. Der Konsument bestimmt hier selbst, welche Güter er mit dem ihm zugeteilten Einkommen erwerben will. Problem bleibt natürlich die Frage, auf welchem Wege denn der Staat über die Konsumentenwünsche erfährt. Es ist wohl kaum damit zu rechnen, dass die staatlichen Planungsbehörden ähnlich wie private Unternehmungen Marktforschung betreiben und die Produktionspläne auf diese Konsumentenwünsche einstellen. Es liegt näher, dass die Konsumenten die Möglichkeit erhalten, ihre Wünsche den untersten örtlichen Planungsstellen zur Kenntnis zu bringen, dass diese die Wünsche bündeln und an die jeweils übergeordnete Planungsstelle weiter leiten. Es ist klar, dass in diesem Falle nur ein Bruchteil der tatsächlichen Konsumentenwünsche zur Kenntnis der obersten Planungsbehörde gelangt. Eine befriedigende Lösung des Konsumentenbedarfes ist auf diesem Wege nicht möglich.

 

Auch im Hinblick auf die Planung der Produktion lassen sich verschiedene Varianten der Zentralverwaltungswirtschaft unterscheiden. Wie der Name bereits andeutet, entscheidet in der radikalsten Variante eine zentrale Behörde über die gesamte Planung der Güterproduktion. Natürlich ist es undenkbar, dass diese riesige Aufgabe von einer zentralen Behörde oder sogar von einer einzigen Person – einem Diktator – erfüllt werden kann. In einer großen Volkswirtschaft bedarf es eines großen viele Tausende Bedienstete umfassende Organisation, die in der radikalen Variante hierarchisch gegliedert ist. Die Zentrale trifft die eigentlichen Entscheidungen, die untergeordneten Behörden liefern die für die Planung notwendigen Informationen (z. B. Anzahl der Konsumenten) und führen die Anweisungen der Zentrale aus.

 

Eine etwas großzügigere Variante der Zentralverwaltungswirtschaft überlässt einen Teil der Produktionsaufgaben untergeordneten Behörden, die auf diese Weise einen gewissen Handlungsspielraum erhalten. Die Zentrale legt in diesem Falle den großen Rahmen fest, also z. B. wie viel Ressourcen insgesamt für einen Teilbereich vorzusehen sind, während die jeweils untergeordneten Stellen die Freiheit erhalten, selbst zu bestimmen, wie und für die Produktion welcher Güter diese zugeteilten Ressourcen eingesetzt werden. Man spricht hier von einer dezentralen Variante der Zentralverwaltungswirtschaft, so wie sie im Ansatz in der letzten Phase der UDSSR weitgehend verwirklicht war.

 

In einer solchen Variante besteht sehr leicht Gefahr, dass sich die Maßnahmen der einzelnen untergeordneten Behörden widersprechen und dass es zu punktuellen Entscheidungen kommt, ein Ergebnis, das Walter Eucken vor allem gegen die staatliche Planwirtschaft während der Weimarer Republik kritisiert hatte.

 

Wenn man will, kann man auch die Beschränkung der staatlichen Planung auf einzelne Schlüsselindustrien als eine Variante der Zentralverwaltungswirtschaft ansehen. Bei dieser Konzeption, welche vor allem von den sozialdemokratischen Parteien während der Weimarer Republik angestrebt wurde, sollten lediglich die Sektoren: Stahl, Energie und Banken verstaatlicht werden. Man ging von der Vorstellung aus, dass im Prinzip die gesamte Wirtschaft auf diese Weise gelenkt werden könne, da der größte Teil der Unternehmungen sowohl Kredite als auch Energie und Stahl zur Produktion benötige und auf diese Weise durch Zuteilung dieser Güter letztlich im Sinne der Staatsziele gelenkt werden könnte.

 

Die Errichtung einer die gesamte Volkswirtschaft umfassenden Staatswirtschaft sei auf der einen Seite gefährlich, da hier die staatlichen Planungsbehörden über soviel Macht verfügen, dass sie den Entscheidungsspielraum des Parlamentes bedrohen können, auf der anderen Seite sei jedoch eine totale Planwirtschaft auch gar nicht notwendig, die wirtschaftlichen Ziele des Staates könnten auch bei Beschränkung einer Verstaatlichung nur auf die Schlüsselindustrien erreicht werden.

 

Es bleibt natürlich die Frage, wie eine staatliche Behörde überhaupt in der Lage sein soll, knappe Ressourcen im Sinne der wirtschaftlichen Ziele effizient einzusetzen. Walter Eucken war skeptisch, ob dieses Grundproblem jeden Wirtschaftens überhaupt im Rahmen einer staatlichen Planung gelöst werden kann. Wir haben nämlich davon auszugehen, dass auf der einen Seite die Festlegung der Konsumgütermengen voraussetzt, dass der Wert der einzelnen Ressourcen (Arbeitskräfte, Kapital und Rohstoffe) bereits bekannt ist, dass aber auf der anderen Seite die Festlegung des Wertes der einzelnen Ressourcen ihrerseits voraussetzt, dass die Festlegung der einzelnen Konsumgütermengen bereits erfolgt ist. K. Paul Hensel, ein Schüler Walter Euckens glaubte allerdings den Nachweis führen zu können, dass eine Zentralverwaltungswirtschaft im Prinzip durchaus eine effiziente Planung durchführen könne.

 

Unterstellt man realistischer Weise Produktionsfunktionen höherer Ordnung, so dürfte selbst unter Heranziehung der modernsten Computersysteme eine Lösung der wirtschaftlichen Gleichungssysteme äußerst schwierig sein. Man behalf sich dann damit, dass man kurzer Hand für alle Produktionsfunktionen einen linearen Verlauf unterstellte und damit die Lösung des Wirtschaftsproblems über ein ‚linear Programming’ prinzipiell ermöglichte. Zumeist kranken aber diese Überlegungen weiterhin daran, dass zu wenig die speziellen Anreizsysteme innerhalb behördlicher Organisationen Beachtung finden.

 

Wenden wir uns nun der Funktionsweise einer Verkehrswirtschaft zu. Auch diese kennt zahlreiche Varianten, welche wir allerdings hier nicht ausführlich diskutieren können. Grundsätzlich gilt, dass in einer Verkehrswirtschaft jeder Haushalt und jede Unternehmung frei darüber entscheidet, welche Güter und Produktionsfaktoren nachgefragt bzw. angeboten werden. Die wechselweise Abstimmung untereinander erfolgt dann auf den Märkten, in dem für die einzelnen Güter Preise vorliegen, an welche die Marktpartner ihre Entscheidungen ausrichten.

 

Es war vor allem das Anliegen der modernen Wohlfahrtstheorie aufgezeigt zu haben, dass die Preise in einer freien und funktionierenden Marktwirtschaft im Gleichgewicht den Knappheitsrelationen entsprechen und dass auf diese Weise automatisch – ohne Gesamtplan – eine Lösung angesteuert wird, welche eine wohlfahrtsoptimale Aufteilung der Ressourcen auf die einzelnen Verwendungsarten herbeiführt.

 

Allerdings muss eine Reihe von Voraussetzungen gegeben sein, damit der Markt von sich aus dieses Wohlfahrtsoptimum erreicht. Zu diesen Voraussetzungen zählt die Forderung, dass die Unternehmungen für alle Kosten aufkommen müssen, welche der Volkswirtschaft im Zusammenhang mit der Produktion entstehen; es darf also mit anderen Worten keine externen Kosten geben. Eine zweite Voraussetzung für eine wohlfahrtsoptimale Lösung liegt darin, dass auf allen Märkten die Marktform der vollständigen Konkurrenz verwirklicht ist.

 

Walter Eucken hat in seinen Grundsätzen der Wirtschaftspolitik die Vielzahl der politischen Korrekturen während der Weimarer Republik vor allem deshalb kritisiert, weil sie punktuell ansetzen, aber gerade dadurch die Preisverhältnisse von den Knappheitsverhältnissen entfernen lassen und damit überhaupt erst die Voraussetzung dafür schaffen, dass der Markt zu suboptimalen Ergebnissen führt. Die Folge bestünde dann darin, dass gerade aus diesen Gründen neue Eingriffe notwendig würden und damit eine Tendenz hin zu staatlichen Planwirtschaften beobachtet werden könne.

 

Aber auch ein ähnlicher Zusammenhang hat dazu beigetragen, dass gerade der Eingriff des Staates in den Markt an den unterschiedlichsten Stellen zu einer Schwächung der vom Markt ausgehenden Kräfte und damit zu pathologischen Erscheinungen geführt hat. So hat z. B. die Kündigungsgesetzgebung verhindert, dass sich die Arbeitsnachfrage zügig an Veränderungen in den wirtschaftlichen Daten anpassen kann. Der Umstand, dass die Tarifverträge die Tariflohnsätze für eine bestimmte Frist festschreiben und dass somit diese Frist nicht verringert werden kann, auch dann nicht, wenn ein  Angebotsüberhang (Arbeitslosigkeit ) auf den Arbeitsmärkten eigentlich eine Lohnsenkung notwendig macht, hat zur Folge, dass sich die Arbeitslosigkeit sogar noch verstärkt. Die traditionelle Sozialpolitik besteht leider in vielen Fällen in Maßnahmen, die zwar von ihrer Zielsetzung her einige Mängel des Marktes bekämpfen sollen, aber zumeist dieses Ziel verfehlen und dazu beitragen, dass die Marktmängel per saldo sogar noch verstärkt werden.

 

Walter Eucken war im Gegensatz zu seinem Schüler K. Paul Hensel der Auffassung, dass eine effiziente zentrale Planung im Rahmen einer Zentralverwaltungswirtschaft gar nicht möglich sei, sodass im Grunde genommen nur eine einzige befriedigende Wirtschaftsordnung denkbar sei: die Verkehrswirtschaft. Diese radikale Auffassung ähnelt somit den Vorstellungen von Karl Marx, der – wie gezeigt –  nachzuweisen versuchte, dass sich die kapitalistische Gesellschaft notwendigerweise zu einer sozialistischen Wirtschaft entwickle. Beide Autoren gehen also davon aus, dass es auf lange Sicht nur eine Wirtschaftsordnung geben könne, die sozialistische Gesellschaft bei Karl Marx, die Verkehrswirtschaft bei Walter Eucken.

 

Begründet wird diese These Walter Euckens damit, dass es ganz unmöglich sei, die für eine optimale Allokation der Ressourcen notwendige Kenntnis über alle markträumenden Preisrelationen von einer zentralen Planungsbehörde aus zu erstellen. Auf der einen Seite seien ja die Endpreise erst dann zu ermitteln, wenn zuvor die Preise der Produktionsfaktoren bekannt wären, auf der anderen Seite hänge jedoch der Preis der einzelnen Produktionsfaktoren selbst wiederum vom Preis der Endprodukte ab. Nur ein simultan ablaufender Marktprozess sei in der Lage, diese Informationen zu liefern.

 

Es kommt noch hinzu, dass zu Lebzeiten von Walter Eucken die Computertechnologie in ihren Anfängen stand und dass Funktionen dritten Grades, welche sowohl bei den Produktionsfunktionen wie auch bei den Nutzenfunktionen unterstellt werden müssen, damals keinesfalls maschinell errechnet werden konnten.

 

In der Zwischenzeit ist die Computertechnologie so vorangeschritten, dass sicherlich auch Funktionen höheren Grades bestimmt werden können. Auch gilt es daran zu erinnern, dass K. Paul Hensel, der Schüler Walter Euckens, in der Folgezeit nachzuweisen versuchte, dass auch im Rahmen einer Administration diese Bewertungsvorgänge prinzipiell gelöst werden könnten.

 

Allerdings war jedoch Walter Eucken der Auffassung, dass Mischsysteme, also marktwirtschaftliche Systeme mit interventionistischem Einfluss instabil seien. Eine Intervention ziehe weitere nach sich, mit der Folge, dass dieser Prozess schließlich eines Tages in einer Zentralverwaltungswirtschaft ende.

 

Nun wird man sicherlich zugeben müssen, dass in aller Regel Interventionen in der Tat weitere Interventionen nach sich ziehen. Hierfür sind mehrere Faktoren verantwortlich. Zunächst bestehen zwischen einzelnen Gütern Substitutions- und Komplementaritätsbeziehungen. Diese Beziehungen machen es unerlässlich, dass in aller Regel mehrere Bereiche in die Intervention einbezogen werden müssen, um erfolgreich zu sein. Nehmen wir den Fall substitutiver Güter. Der Staat wolle z. B. den Drogenkonsum eindämmen, würde aber nur einen Teil der Drogen verbieten. In diesem Falle wäre mit Sicherheit damit zu rechnen, dass sich die Nachfrage zu den noch erlaubten Drogen bewegen würde, mit der Folge, dass der Drogenkonsum insgesamt nur geringfügig vermindert wurde.

 

Nehmen wir als zweites Beispiel zwei Märkte, welche in einem Komplementaritätsverhältnis zueinander stehen: etwa Brot und Brotaufstrich. Wir unterstellen, dass der Staat beabsichtige, den Brotkauf zu subventionieren, um auch den Empfängern geringsten Einkommens einen ausreichenden Brotkonsum zu ermöglichen. Der Preis für Brot würde also aufgrund der Subventionierung fallen und das hätte hinwiederum zur Folge, dass die Nachfrage wie erwünscht steigen würde. Es muss jedoch erwartet werden, dass dann auch die Nachfrage nach Brotaufstrich steigt mit der weiteren Folge, dass der Preis für Brotaufstrich steigen würde und damit den positiven Effekt beim Brotpreis wiederum zumindest teilweise kompensieren würde.

 

Aber auch weitere Zusammenhänge führen dazu, dass die eine Intervention weitere nach sich zieht. Wenn der Staat eine Dynamisierung der Altersrenten (also z. B. eine Anpassung an den Lohnzuwachs) beschließt, so wird er sich sehr bald aus Gerechtigkeitsgründen veranlasst sehen, auch die Unfallrenten zu dynamisieren. Des Weiteren wird eine Regierung, welche einer bestimmten Branche Subventionen oder andere Vergünstigungen gewährt, sich sehr bald dem Druck der Interessenverbände anderer Wirtschafts­zweige ausgesetzt sehen, da diese in dieser Maßnahme Wettbewerbsverzerrungen sehen.

 

Also müssen wir in der Tat davon ausgehen, dass es zumeist nicht bei einzelnen Interventionen in den Marktprozess bleibt, dass in der Tat zumeist weitere Interventionen in benachbarten Bereichen notwendig werden, um den Erfolg dieser Maßnahme nicht zu vereiteln. Dies bedeutet jedoch noch lange nicht, dass dieser Prozess immer weiterschreiten wird und schließlich notwendiger Weise in einer totalen staatlichen Planwirtschaft enden muss.

 

Die Entwicklung der Marktwirtschaft zu Beginn der Bundesrepublik zeigt ein ganz anderes Bild. Zunächst wurden bei der Freigabe der wichtigsten Märkte wichtige Wirtschaftszweige wie z. B. der Wohnungsmarkt ausgenommen. Wir begannen also unsere Marktwirtschaft in der BRD mit einem Mischsystem. Mit der Zeit wurde es nun möglich, die bisher von der Marktwirtschaft ausgenommen Bereiche ebenfalls freizugeben. Die von Walter Eucken formulierte These hatte genau das Gegenteil behauptet.

 

Voraussetzung dafür, dass ein Mischsystem nicht immer zwangsweise zu einer totalen Zentralverwaltungswirtschaft führt, besteht allerdings darin, dass die Politiker ganz bewusst das Ziel verfolgen, das marktwirtschaftliche Ordnungssystem aufrechtzuerhalten und bestrebt sind, die Marktkorrekturen nach Möglichkeit nur mit marktkonformen Maßnahmen durchzuführen. Nur dadurch, dass die Politiker durch aktive Wettbewerbspolitik zur Erhaltung der marktwirtschaftlichen Ordnung beitragen, verhindern sie, dass sich der reglementierte Teil der Volkswirtschaft permanent ausdehnt.

 

Als marktkonform gilt danach eine Maßnahme nur solange, als der Staat sich darauf beschränkt, die wirtschaftlichen Daten zu verändern, als jedoch die eigentlichen wirtschaftlichen Entscheidungen über den angemessenen Preis und die erwünschte Gütermenge nach wie vor den privaten Haushalten und Unternehmungen überlassen werden. Wenn der Staat beispielsweise von der Überzeugung ausgeht, dass bestimmte Güterpreise aus sozialen Gründen gesenkt werden sollten, würde eine marktkonforme Maßnahme darin bestehen, dieses Ziel z. B. durch Förderung des Wettbewerbes oder durch Anreize zu einem vermehrten technischen Fortschritt zu erreichen. Eine zwangsweise Herabsetzung des Preises wäre jedoch marktinkonform, da sie die Entscheidungen der privaten Personen durch eine staatliche Entscheidung ersetzen würde. Sie würde ihr Ziel nicht erreichen, da diese zwangsweise verordnete Herabsetzung der Preise nur die Knappheit verewigt.