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Berühmte Irrtümer in der Volkswirtschaftslehre

 

 

 

Gliederung:

 

  1. Problemeinführung

  2. Golddeckung Voraussetzung für Geldwertstabilität?

  3. Vorteil des einen stets Nachteil des anderen (Merkantilismus)

  4. Nur Arbeit erzeugt Wert?

  5. Sättigungsthese

  6. Gibt es Deterministische Prozesse?

  7. Wachstum notwendig für Vollbeschäftigung?

  8. Die Kaufkrafttheorie

  9. Quotenregelung geeignet zur Vermeidung  von Diskriminierungen?

10. Volkswille nur beim Verhältniswahlrecht erfüllt?

 

 

Kapitel 2. Golddeckung Voraussetzung

für Geldwertstabilität?

 

 

Gliederung:

 

1. Einführung

2. Eigenschaften der Goldwährung

3. Goldwährung im geschichtlichen Verlauf

4. Die Quantitätsgleichung

5. Die Quantitätstheorie

6. Kritik an und Weiterentwicklung der Quantitätstheorie

7. Golddeckung keine ausreichende Voraussetzung für Geldwertstabilität

8. Golddeckung keine notwendige Voraussetzung für Geldwertstabilität

 

 

 

1. Einführung

 

Wir wollen uns in diesem Kapitel mit der These kritisch auseinandersetzen, dass der Wert des Geldes im Rahmen einer Goldwährung durch den Wert bestimmt wird, den das Gold als Ware aufweist. Hierbei wird davon ausgegangen, dass der Wert des Goldes oder eines anderen Edelmetalles nicht nur sehr hoch im Bezug auf sein Gewicht ist, also wertvoll ist, sondern gleichzeitig sehr wertbeständig ist, also im Zeitablauf keine wesentlichen Veränderungen, vor allem keine Verluste erfährt. Gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass es nur auf diesem Wege, dass also das umlaufende Geld durch ein wertbeständiges Edelmetall abgedeckt wird, möglich ist, den Geldwert stabil zu halten.

 

Wir wollen in diesem Kapitel zeigen, dass diese These nicht der Wahrheit entspricht, die Abdeckung der umlaufenden Banknoten mittels Gold oder eines anderen Edelmetalles ist weder eine notwendige, noch eine ausreichende Bedingung zur Erhaltung der Geldwertstabilität. Auch im Rahmen einer Goldwährung kann der Geldwert größeren Schwankungen ausgesetzt sein und im Zeitablauf beachtliche Verluste aufweisen, gleichzeitig kann sehr wohl ohne jegliche Absicherung der Banknoten durch eine als wertbeständig geltende Ware der Geldwert stabil gehalten werden.

 

 

2. Eigenschaften der Goldwährung

 

Von Goldwährung spricht man immer dann, wenn Gold entweder als gesetzliches Zahlungsmittel dient oder wenn die gesetzlichen Zahlungsmittel zu einem festen Preis in Gold umgetauscht werden können. Hierbei wird zwischen einer reinen Goldumlaufwährung, einer Goldkernwährung und einer Golddevisenwährung unterschieden.

 

Besteht eine reine Goldumlaufwährung, so gelten als gesetzliche Zahlungsmittel allein Goldmünzen.

 

Haben wir hingegen eine Goldkernwährung, so wird der Geldbedarf weitgehend durch Banknoten abgedeckt, welche von der Notenbank eines Landes ausgegeben werden, wobei diese Banknoten – oftmals allerdings nur teilweise – durch die bei der Notenbank lagernden Goldbestände gedeckt sind. Zumeist waren bei einer Goldwährung die Notenbanken verpflichtet, bei Verlangen Banknoten gegen Gold einzulösen. Neben Banknoten sind hier allerdings auch Gold- und Scheidemünzen (Münzen mit kleinem Nennwert, welche für den täglichen Kleinverkehr verwendet werden und deren Metallwert zumeist geringer als der festgelegte Nominalwert ist) im Verkehr.

 

Liegt hingegen eine Golddevisenwährung vor, sind die umlaufenden Banknoten neben Gold zusätzlich auch durch in Gold konvertierbare Devisen abgedeckt, welche jederzeit in Gold umgetauscht werden können. Hier besteht nicht immer eine Einlösungspflicht für die Banknoten.

 

Sobald wir die internationalen Beziehungen mitberücksichtigen, gibt es zwei Arten von Währungsstabilität zu unterscheiden. Für die innerwirtschaftlichen Beziehungen bedeutet Geldwertstabilität, dass für eine bestimmte Geldmenge immer auch eine gleichgroße Menge an Gütern gekauft werden kann. Es geht hier also um die Kaufkraft des inländischen Geldes. Betrachten wir hingegen die Außenbeziehungen zweier oder mehrerer Volkswirtschaften, geht es im Zusammenhang mit der Währungsstabilität um das Austauschverhältnis zweier Währungen. Wie viel Euro erhalte ich z. B. für einen Dollar?

 

Beruhen nun die Währungen der einzelnen Volkswirtschaften auf der Goldbasis, so kann sich der Wechselkurs, das Verhältnis der inländischen zu einer ausländischen Geldeinheit, nur in engen Grenzen

verschieben. Ein Importeur kann nämlich die importierten Waren stets entweder in der Währung des Exportlandes oder aber auch in Gold bezahlen. Er wählt jeweils die für ihn billigste und einfachste Methode. Am einfachsten ist natürlich die Bezahlung mit ausländischem Geld, den sogenannten Devisen. Steigt nun aber der Devisenkurs an, muss also der inländische Importeur für eine ausländische Geldeinheit immer mehr inländische Geldeinheiten im Austausch bezahlen, wird es für ihn ab einem bestimmten Wechselkurs an billiger, in Gold zu bezahlen. Gold kann er bei Goldwährung stets zu einem festgesetzten Preis von der Notenbank beziehen, zusätzlich zu diesem Preis entstehen ihm jedoch Transport- und Versicherungskosten für die Verschiffung des Goldes. Dies bedeutet, dass der Wechselkurs nicht über den Goldpreis plus den Verschiffungskosten des Goldes steigen kann. Ähnliche Überlegungen gelten für den ausländischen Importeur beim Kauf inländischer Produkte, nur dass dessen Devisenkurs der reziproke Wert des Devisenkurses für Inländer darstellt mit der Folge, dass aus inländischer Sicht der Devisenkurs auch nicht unterhalb des Goldpreises plus Verschiffungskosten fallen kann.

 

Dieser Mechanismus trägt nun zusätzlich dazu bei, Ungleichgewichte in der Zahlungsbilanz automatisch abzubauen. Erzielt ein Land einen Exportüberschuss, so steigen die Goldreserven der Notenbank, da ein Teil der Importe in Gold gezahlt wird. Die Menge der Banknoten steigt ebenfalls in dem Maße an,, in dem die Goldreserven der Notenbank zunehmen mit der Folge, dass das inländische Preisniveau steigt. Dadurch, dass das inländische Preisniveau zunimmt, werden weniger Güter exportiert und dies bedeutet, dass der Exportüberschuss zurückgeht. Im Ausland hingegen, das einen Importüberschuss aufweist, führt der Export von Gold zu einer Reduzierung der Geldmenge und mit ihr des ausländischen Preisniveaus, was die Exportchancen des Auslandes vergrößert.

 

 

3. Goldwährung im geschichtlichen Verlauf

 

Im 19. Jahrhundert wiesen fast alle größeren Volkswirtschaften eine Goldwährung (oder auch eine Silberwährung) auf. Dieses weltweite Währungssystem brach allerdings während des Ersten Weltkrieges zusammen und konnte nach Beendigung des ersten Weltkrieges in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts nur für kurze Zeit restauriert werden. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde mit der Errichtung des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine Währungsordnung geschaffen mit dem US-Dollar als Leitwährung und der Verpflichtung der US-Notenbank, jederzeit Dollarnoten in Gold zum festgesetzten Preis umzutauschen.

 

Dieses System wurde jedoch dadurch gefährdet, dass die USA vor allem im Zusammenhang mit ihren anhaltenden Zahlungsbilanzdefiziten die Banknotenmenge an US-Dollar weit über die zur Verfügung stehenden Goldreserven ausweitete. Durch diese Praxis schwand das Vertrauen der übrigen Mitgliedsländer in die Stabilität der Leitwährung mit der Folge, dass immer mehr Notenbanken, allen voran die französische Notenbank, ihre Reserven in Devisen (Dollar) gegen Gold umtauschten. Die USA-Notenbank sah sich deshalb gezwungen, die Einlösungsverpflichtung im Jahre 1971 aufzuheben, da sie über zu geringe Goldvorräte verfügte.

 

Wenn wir uns nach der Stabilität eines Währungssystems fragen, gilt es zunächst zu unterscheiden zwischen dem Zeitraum, in dem diese Währung eingeführt wird und der Zeit, in der dieses System bereits etabliert ist. Es ist klar, dass das Vertrauen in eine neu eingeführte Währung dann größer ist, wenn das Geld so wie die Goldmünzen einen eigenen Warenwert besitzen, auf den derjenige notfalls zurückgreifen kann, der eine Ware gegen dieses Geld verkauft hat.

 

Wir haben davon auszugehen, dass in frühen Zeiten die einzelnen Bauernbetriebe weitgehend nur für den eigenen Bedarf produzierten und fast alle benötigten Produkte selbst hergestellt hatten. Mit der Zeit wurde jedoch erkannt, dass die Produktivität der eigenen Leistung wesentlich gesteigert werden könnte, wenn man arbeitsteilig vorginge und sich auf wenige Produkte spezialisieren würde. In diesem Falle müssen die benötigten Produkte, die nicht in eigener Produktion hergestellt wurden, von anderen Produzenten erworben werden und gleichzeitig sollten die selbst produzierten Güter, die den eigenen Bedarf übersteigen, an andere Haushalte (Personen) verkauft werden.

 

Diese Arbeitsteilung setzt also einen Tausch der einzelnen Güter voraus. Rein theoretisch könnte man beide Tauschakte (Erwerb der nicht selbst produzierten Güter, sowie Veräußerung der über den Eigenbedarf hinausgehenden selbst produzierten Güter) in einem einzigen Tausch Ware gegen Ware vollziehen. Ein solches Vorgehen wäre jedoch mit beachtlichen Schwierigkeiten verbunden. Man müsste sich in einem ersten Schritt darum bemühen, einen Tauschpartner zu finden, der gerade einerseits die selbst angebotenen Güter nachfragt und andererseits die selbst benötigten Güter anbietet. Vermutlich wäre ein solcher Tauschpartner gar nicht anzutreffen, es müssten auf jeden Fall sehr hohe Informationskosten aufgebracht werden, um einen solchen Partner zu finden. Deshalb würde sich anbieten, zunächst einmal einen Tauschpartner zu finden, der die selbst angebotenen Güter nachfragt und im Tausch hierfür das von diesem Partner produzierte Gut zu erwerben, obwohl er selbst für dieses Gut keinen eigenen Bedarf aufweist. Es wären weitere Tauschakte notwendig, bis der einzelne schließlich das von ihm selbst benötigte Gut erwerben konnte.

 

In einer solchen Situation brachte die Einführung eines allgemeinen Zahlungsmittel einen enormen Gewinn, da auf diese Weise immer nur zwei Tauschakte notwendig wurden: Man verkauft zunächst das selbst produzierte Gut gegen Geld und kauft dann im Anschluss gegen Geld das benötigte, aber nicht selbst produzierte Gut.

 

Allerdings muss dieses allgemeine Zahlungsmittel, Geld genannt, bestimmte Eigenschaften aufweisen, damit ein solcher Tausch Ware gegen Geld stattfinden kann. Auf der einen Seite darf die Geldeinheit weder zu sperrig noch zu schwer sein, sie muss sich auch gut stückeln lassen. Auf der anderen Seite muss das Geld im Zeitablauf wertbeständig sein. Der Verkäufer muss sicher sein, dass sich der Wert des Geldes, das er als Erlös für den Verkauf seiner Waren erhalten hat, noch annähernd den gleichen Wert besitzt, wenn er im Anschluss an den Verkauf seiner Ware mit diesem Geld andere Waren kaufen möchte.

 

Die Bereitschaft, das Geld als Gegenleistung für die verkaufte Ware zu akzeptieren, wird nun in einer Zeit, in der die Geldeinheit neu eingeführt wird, sicherlich sehr viel größer sein, wenn das Geld auch als normale Ware dient und in seiner Eigenschaft als Ware also einerseits als wertvoll, andererseits als wertbeständig angesehen wird. Sollte es sich also herausstellen, dass sich dieses neue Geld nicht als Tauschmittel eignet, dann besitzt der Verkäufer seiner Ware immer noch eine wertvolle Ware.

 

Andere Überlegungen über die notwendigen Eigenschaften einer Währung sind jedoch angezeigt, sobald einmal diese Währung etabliert und allgemein als Tauschmittel akzeptiert wurde. Eine Währungseinheit kann in diesem Falle sehr wohl als Tauschmittel seine Funktionen erfüllen, unabhängig davon, ob die Währung gleichzeitig einen selbstständigen Wert als Ware besitzt.

 

Damit nämlich das Geld seine Funktionen als Tauschmittel erfüllen kann, bedarf es nur zweierlei: Auf der einen Seite muss eine allgemeine Akzeptanz dieser Währung als Tauschmittel bestehen, der einzelne, welcher bei Verkauf seiner Waren oder auch seiner Leistung Geld erhält, darf im Allgemeinen nicht bestrebt sein, dieses Geld so schnell wie möglich wiederum auszugeben, weil er dem Geld als Tauschmittel misstraut. Für eine solche Akzeptanz reicht es in normalen Zeiten aber aus, dass der Staat das umlaufende Geld gesetzlich anerkennt, in dem er festlegt, dass jeder, der seine Schuld mit der Hergabe dieses Zahlungsmittels begleicht, seine Schuld auch tatsächlich getilgt hat und dass deshalb der Gläubiger nicht vor Gericht die Bezahlung der Schuld mit einem anderen Tauschmittel verlangen kann.

 

Der Wert, den die Geldeinheit jedoch in einer freien Marktwirtschaft erlangt, hängt nicht entscheidend davon ab, ob dieses Geld auch zusätzlich einen Wert als Ware besitzt, sondern ganz allein davon ab, in welchem quantitativem Verhältnis die umlaufende Geldmenge zu dem Warenbündel steht, das mit Hilfe des Geldes getauscht werden soll.

 

 

4. Die Quantitätsgleichung

 

Diese Erkenntnis setzte sich im Verlaufe der Geschichte der wirtschaftswissenschaftlichen Lehrmeinungen als Quantitätstheorie schon sehr früh durch. Bereits einige Theoretiker des Merkantilismus haben Grundzüge dieser Theorie erkannt. Die Quantitätstheorie wurde dann von den Klassikern der Wirtschaftstheorie wie z. B. von David Ricardo zu einer Theorie ausgebaut, welche die Beziehungen zwischen Geld- und Warenwert präzisiert hat.

 

Ausgangspunkt bildet die sogenannte Quantitätsgleichung, welche aufzeigt, dass in jedem Augenblick die Wertsumme des im Umlauf befindenden Geldes stets der Wertsumme der gehandelten Waren entsprechen muss. Diese Identität beider Wertsummen ergibt sich einfach daraus, dass sich beide Summen auf ein und denselben Tauschakt beziehen. Geht man von der Wertsumme der umlaufenden Geldmenge aus, so fragt man nach der Geldmenge, welche von den Käufern den Verkäufern angeboten wird, während man dann, wenn man sich auf die Wertsumme der gehandelten Waren bezieht, nach der Warenmenge fragt, welche von den Verkäufern angeboten wird.

 

Nun muss man sich hierbei darüber klar werden, dass die gehandelten Waren vor allem Verbrauchsgüter darstellen, die also im Prinzip nur einmal gehandelt werden und dann den wirtschaftlichen Kreislauf verlassen, da sie von den Haushalten konsumiert (verbraucht) werden. Im Gegensatz hierzu stellt Geld ein Gebrauchsgut dar, das sich durch den Tauschakt im Grunde nicht verbraucht, das also nach erfolgtem Tauschakt ein zweites, drittes, x-tes Mal einen weiteren Tausch vermitteln kann.

 

Gerade aus diesem Grunde kommt es im Rahmen der  Quantitätstheorie nicht primär auf die physische Menge an Geldeinheiten an, welche den Tausch vermittelt hat, sondern auf die Wertsumme des Geldes, welche sich aus dem Produkt von Geldmenge multipliziert mit der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes errechnet. Die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes gibt hierbei an, wie oft innerhalb einer Periode ein Geldschein im Durchschnitt den Besitzer aufgrund eines Tauschaktes wechselt. Für den Wert des Geldes ist es nun ohne Bedeutung, ob sich diese Wertsumme z. B. verdoppelt hat, weil die umlaufende Geldmenge verdoppelt wurde oder weil bei Konstanz der Geldmenge jeder Geldschein im Durchschnitt die doppelte Anzahl von Tauschakten vermittelt hat. Entscheidend ist immer, welche Wertsumme an Gütern gekauft werden kann und diese Wertsumme entspricht immer ex definitione (aufgrund der Definition der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes) der Wertsumme des Geldes, das die Kaufakte ermöglicht hat.

 

Fassen wir also die Aussage der Quantitätsgleichung zusammen. Es gilt stets die Gleichung:

 

G * U = P * H

 

Mit G als umlaufende (einen Tauschakt vermittelnde) Geldmenge, U als Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes, P als Preisniveau der innerhalb einer Periode gehandelten Güter und X als die reale Menge der getauschten Güter. Die Wertsumme der Güter (P * H) errechnet sich hierbei als folgende Summe:

 

P * H = p1 * x1 + p2 * x2 + ….. pn * xn

 

 

Wenn also auch die Quantitätsgleichung nur auf eine selbstverständliche Identität hinweist, die noch keinen informativen Gehalt aufweist, war diese Gleichung doch maßgebend dafür, anhand dieser Gleichung die wichtigsten Bestimmungsgründe des Geldwertes (der durch das Preisniveau bestimmt wird) zu erforschen.

 

 

5. Die Quantitätstheorie

 

Die Klassiker der Wirtschaftstheorie gingen nun von der Annahme aus, dass sich erstens die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes aus den Zahlungssitten ableitet und dass diese Zahlungssitten zumindest in kurzfristiger Sicht vorgegeben und weitgehend konstant sind. Zweitens wurde auch von der Überzeugung ausgegangen, dass die reale Gütermenge weitgehend vorbestimmt sei, da die materiellen Ressourcen wiederum kurzfristig als konstant angesehen werden müssen und da darüber hinaus der Markt daraufhin wirkt, dass alle vorhandenen Produktionsfaktoren auch beschäftigt werden. In diesem Falle ist es tatsächlich nicht möglich, das reale Warenangebot kurzfristig über eine Ausweitung der umlaufenden Geldmenge zu erhöhen.

 

Wenn man diese beiden Annahmen unterstellt, wird eine autonome Zunahme der umlaufenden Geldmenge notwendiger Weise zu einer prozentual gleichhohen Steigerung des Preisniveaus führen und gleichzeitig gilt, dass das Güterpreisniveau auch nur dann und in dem Umfange steigen kann, in dem die Geldmenge steigt. Dies bedeutet, dass der Wert des Geldes, welcher im Güterpreisniveau ausgedrückt wird, immer konstant gehalten werden kann, wenn das Produkt aus Geldmenge multipliziert mit der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes in gleichem Maße verändert wird wie die reale Gütermenge. Wir können nämlich die Quantitätsgleichung auch wie folgt umformulieren:

 

G * U = P * H   ergibt   (G * U)/H = P

 

 

Wohlbemerkt: Im Gegensatz zur Quantitätsgleichung, welche immer (ex definitione) gilt, liegt hier eine echte Theorie vor, welche nur dann als wahr bezeichnet werden kann, wenn die unterstellten Annahmen (Konstanz der Umlaufsgeschwindigkeit und der realen Gütermenge) der Wirklichkeit entsprechen.

 

 

6. Kritik an und Weiterentwicklung der Quantitätstheorie

 

Nun hat die Diskussion um die Quantitätstheorie gezeigt, dass diese beiden Annahmen keinesfalls immer der Wirklichkeit entsprechen. Es war vor allem John Maynard Keynes, der an der Quantitätstheorie in ihrer klassischen Variante Kritik geübt hat. Erstens müsse man damit rechnen, dass die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes gerade kurzfristig von der Höhe des Zinssatzes abhänge und zweitens könne das reale Handelsvolumen aufgrund einer Geldmengenvermehrung sehr wohl ansteigen, sofern die bestehenden Produktionsfaktoren nicht voll ausgelastet seien, also vor allem gesamtwirtschaftliche Arbeitslosigkeit bestehe.

 

In der Tat ist davon auszugehen, dass die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes um so mehr sinkt, je geringer der aktuelle Zinssatz ist. Zu erklären ist dieser Zusammenhang wie folgt: Es besteht zunächst eine inverse Beziehung zwischen den Kassenbeständen der Wirtschaftssubjekte und der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes. Ex definitione gilt, dass die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes um so mehr steigt (sinkt), je weniger (je mehr) Geld die Wirtschaftssubjekte in Kasse halten.

 

Die Entscheidung darüber, wie viel Geld in Kasse gehalten wird, hängt nun nicht nur davon ab, wie viel Geld die Wirtschaftssubjekte benötigen, um ihre laufenden Käufe durchzuführen. Es kann sich für einen Haushalt auch lohnen, vorübergehend einen Teil des Geldvermögens in Kasse zu halten, obwohl das Geldvermögen an und für sich normalerweise in Wertpapieren angelegt wird, welche dem Eigentümer einen Zinsertrag bringen.

 

Dass Individuen unter bestimmten Bedingungen trotzdem vorübergehend ihr Geldvermögen teilweise in Kasse halten, obwohl sie bei dieser Verwendung keinen Zinsertrag erhalten, liegt darin, dass der erwartete Nettoertrag aus einer zinsbringenden Wertanlage nicht nur von der Höhe des Zinsertrages, sondern zusätzlich auch davon bestimmt wird, ob sich der Kurs eines Wertpapieres verändert. Es muss mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass der aufgrund von Kursenkungen eines Wertpapieres entstehende Vermögensverlust größer ist als der mögliche Zinsertrag, sodass also dann die Anlage des Geldvermögens in Wertpapieren per saldo sogar zu einem Wertverlust führt.

 

Eine solche Gefahr ist nun dann gegeben, wenn die aktuellen Zinsen ein geringes Niveau aufweisen. Auf der einen Seite ist hier der Zinsertrag ohnehin gering, auf der anderen Seite kann man davon ausgehen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen in naher Zukunft wieder steigen, um so größer ist, je geringer die aktuelle Zinshöhe ist.

 

Die Erwartung eines baldigen Anstiegs des allgemeinen Zinsniveaus ist jedoch auch verbunden mit der Erwartung eines baldigen Kursverlustes bei den festverzinslichen Wertpapieren. Festverzinsliche Wertpapiere zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass nicht der augenblickliche Marktzins, sondern ein bei der Ausgabe dieses Wertpapieres festgelegter Zins gezahlt wird. Steigt nun der allgemeine Zins, so könnte ein Wertpapierbesitzer davon profitieren, dass er seine festverzinslichen Wertpapiere mit dem unterdurchschnittlichen Zinssatz verkauft und gegen Wertpapiere mit einem variablen Zins tauscht. Der Verkauf der festverzinslichen Wertpapiere führt jedoch automatisch zu dem befürchteten Kursverlust.

 

Diese Überlegungen zeigen, dass es immer dann, wenn der Zins ein sehr niedriges Niveau erreicht, vorteilhaft sein kann, sein Geld vorübergehend in Kasse zu halten und somit auf eine Verzinsung zu verzichten. Dies bedeutet aber, dass die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes um so mehr sinkt, je geringer der aktuelle Zinssatz ist.

 

Befassen wir uns nun etwas ausführlicher mit der zweiten Annahme der Quantitätstheorie in ihrer klassischen Variante. Es muss ohne weiteres zugegeben werden, dass die in der Quantitätstheorie aufgezeigte strikte Verbindung zwischen Geldmenge und Preisniveau nur bei Vollbeschäftigung aller Produktionsfaktoren besteht und dass in der Tat in Zeiten des konjunkturellen Abschwungs ein Teil der Produktionsfaktoren brach liegt. Also müssen wir auch mit der Möglichkeit rechnen, dass eine autonome Zunahme der Geldmenge durchaus zu einer Steigerung der realen Gütermenge führen kann, sodass also eine Geldmengenvermehrung nicht automatisch und vollständig in Preissteigerungen verpuffen muss.

 

Allerdings entspricht die Annahme der keynesianischen Theorie, dass eine Geldmengenvermehrung solange zu Steigerungen der realen Warenmenge bei gleichbleibenden Güterpreisen führt, als noch nicht alle Produktionsfaktoren beschäftigt sind, ebenfalls nicht der Wirklichkeit. Wir haben nämlich damit zu rechnen, dass bei Unterbeschäftigung immer nur ein Teil der Geldmengenvermehrung zu einer Steigerung der realen Gütermenge führt und dass ein restlicher mehr oder weniger große Teil der Geldvermehrung nach wie vor in Preissteigerungen verpufft.

 

Für diese Annahme sprechen folgende Umstände: Erstens vergeht bei einer Zunahme der Nachfrage aufgrund einer Geldmengenausweitung immer eine gewisse Zeit, bis das Angebot der Nachfragesteigerung entspricht. Zweitens sind nicht alle Wirtschaftszweige in gleichem Umfang von einer Unterbeschäftigung betroffen. Lange bevor in der gesamten Volkswirtschaft alle Produktionsfaktoren vollbeschäftigt sind, stellen sich in einzelnen Wirtschaftszweigen Knappheitserscheinungen ein. Diese bewirken einen Anstieg der Preise in diesen Wirtschaftszweigen. Und da ein Teil dieser Güter als Halbfabrikate oder als reales Kapital in die Produktion der restlichen Güter eingeht, steigen auch dort mit den Kosten deren Preise. Drittens schließlich zeigen empirische Untersuchungen, dass in den industriellen Betrieben Cobb-Douglas-Produktionsfunktionen Anwendung finden und dass sich diese Produktionstechnik darin äußert, dass bei einer Ausweitung der Produktion die Stückkosten steigen. Diese Zunahme in den Stückkosten führt jedoch in aller Regel auch zu einer Zunahme der Preise.

 

Trotz berechtigter Kritik von Keynes an der klassischen Variante der Quantitätstheorie haben wir also davon auszugehen, dass autonome Geldmengenvermehrungen in aller Regel zu Preissteigerungen führen und damit die Geldwertstabilität verletzen. Aufgrund des oben beschriebenen Verhaltens der Besitzer von Geldvermögen wird zwar eine autonome Zunahme der Geldmenge nicht sofort zu einer allgemeinen Preissteigerung führen, trotz Senkung der Zinssätze warten die Wirtschaftssubjekte mit dem Kauf von Aktien ab, bis es deutlich geworden ist, dass sich der allgemeine Konjunkturaufschwung  durchsetzt. Sobald aber die zusätzlichen Gelder nicht mehr mehrheitlich in Kasse gehalten werden, wird auch die Nachfrage und mit ihr das Preisniveau steigen.

 

Prinzipiell könnte auch jetzt noch die Notenbank durch eine restriktive Geldpolitik die Ruder herumwerfen und hierdurch soviel Geld wiederum dem wirtschaftlichem Kreislauf entziehen, dass im Endergebnis die Wertsumme des umlaufenden Geldes nur noch dem Anstieg im realen Güterangebot entspricht. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Notenbanken lange Zeit zu diesem Schritt nicht bereit sind, da sie befürchten, durch eine zu schnell durchgeführte restriktive Geldpolitik das noch junge Pflänzchen Konjunkturaufschwung zu gefährden und so zu schnell abzuwürgen. In aller Regel werden sie eine restriktive Geldpolitik erst dann einleiten, wenn die Preise bereits so stark gestiegen sind, dass ein inflatorischer Prozess nur noch durch eine starke Zinserhöhung vermieden werden kann.

 

Auch dann, wenn wir diese Korrekturen an der klassischen Variante der Quantitätstheorie akzeptieren, bleibt die Erkenntnis, dass der Geldwert eindeutig und allein davon abhängt, ob das Verhältnis zwischen dem Produkt aus umlaufender Geldmenge und Umlaufsgeschwindigkeit sowie der realen Gütermenge gewahrt werden kann, ob also die Notenbank mit anderen Worten in der Lage ist, die Wertsumme des Geldes (nicht also die Menge der Banknoten) jeweils an die Bewegungen in der realen Gütermenge anzupassen. Im Gegensatz zu der Position der Klassiker, hat die Notenbank im Rahmen ihrer Geldpolitik nicht nur darauf zu achten, die umlaufende Geldmenge zu kontrollieren, sie muss auch in der Lage sein, auf Änderungen in der Umlaufsgeschwindigkeit zu reagieren und darüber hinaus in ihrem Kalkül berücksichtigen, dass die reale Gütermenge durchaus durch Geldmengenzuwächse stimuliert werden kann.

 

Dies bedeutet aber, dass die Bindung des Geldes an einen möglichst wertbeständigen Warenwert wie z. B. Gold oder einem anderen Edelmetall weder notwendig noch ausreichend ist, um die Stabilität des Geldes zu gewährleisten.

 

Nun haben die Notenbanken in den letzten Jahren die Geldmenge drastisch erhöht, ohne dass jedoch das Preisniveau – auch nicht nach einer gewissen Zeit – wie erwartet angestiegen ist. Bedeutet diese Feststellung nicht, dass die Quantitätstheorie die Bestimmungsgründe der Geldwertstabilität nicht korrekt beschreibt? Wohl kaum, der eigentliche Grund dafür, dass nämlich die eigentlich zu erwartenden Preissteigerungen bisher ausgeblieben sind, liegt in zweierlei Entwicklungen.

 

In früheren Zeiten hatten sich die Banken untereinander die kurfristig überschüssigen Geldbestände gegenseitig ausgetauscht. Dieses Verleihen von kurzfristigen Geldbeständen kam einer Erhöhung der Umlaufsgeschwindigkeit gleich, da ja aufgrund dieses Verhaltens der Privatbanken wesentlich weniger Banknoten benötigt wurden, um den Warentausch zu finanzieren. Dieses Verhalten der Banken setzt jedoch ein gegenseitiges Vertrauen der Banken untereinander voraus, denn nur dann, wenn sie fest darauf vertrauen können, dass die jeweils anderen Banken auch in der Lage sind, diese kurzfristig geliehenen Gelder wieder zurückzuzahlen, wird eine Bank zu diesem Verhalten bereit sein.

 

Dieses Vertrauen wurde jedoch nun nachhaltig durch den Umstand zerstört, dass viele Banken in der Vergangenheit höchst riskante Investitionen tätigten, deshalb zahlungsunfähig wurden und auf diese Weise die vergangene weltweite Finanzkrise überhaupt erst ausgelöst haben. Dieses Vertrauen ist trotz einiger geldpolitischer Reformmaßnahmen noch nicht zurückgekehrt. Solange jedoch diese kurzfristigen Transaktionen ausbleiben, bleibt die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes gegenüber den Zeiten vor den letzten Finanzkrisen stark gesunken, sodass also trotz Ausweitung der Menge der Banknoten die Wertsumme des Geldes sehr viel geringer als sonst üblich angestiegen ist.

 

Es besteht jedoch die Gefahr, dass in dem Augenblick, in dem dieses gegenseitige Vertrauen der Banken untereinander zurückgekehrt ist, die dann überschüssige Geldmenge zu einem starken Anstieg in der Nachfrage nach Gütern führt. Und wenn dann die Notenbank aus den oben genannten Gründen nicht in der Lage oder einfach nicht bereit ist, die Menge an Banknoten drastisch zu reduzieren, ist nach wie vor eine starke allgemeine Preissteigerung zu erwarten.

 

Ein zweiter Grund dafür, dass trotz starken Anstieges der Geldmenge in jüngster Vergangenheit trotzdem die prognostizierte Inflation ausblieb, kann darin gesehen werden, dass die überschüssigen Geldbestände in  Händen der privaten Wirtschaftssubjekte nicht vorwiegend wie erwartet für Investitionen im produktiven Sektor verwandt wurden, dass vielmehr eine Anlage dieser Gelder in Gold oder auch in Immobilien erfolgte und somit die Gründe für einen Preisanstieg bei den Industrieprodukten ausblieben. Dass die privaten Wirtschaftssubjekte hingegen diese weitgehend unproduktiven Geldanlagen bevorzugt haben, kann wiederum damit begründet werden, dass das Vertrauen in den Erfolg der Unternehmungen noch nicht hergestellt werden konnte.

 

Gerade aufgrund des Verhaltens der Banken, sind diese auch nicht bereit, in gleichem Maße wie früher den Unternehmungen diejenigen Investitionskredite zu gewähren, welche zur Rationalisierung der Unternehmungen notwendig wären. Als Folge muss hier das Ausbleiben der zu befürchtenden Preissteigerungen auch damit erklärt werden, dass es an Vertrauen der privaten Kapitalgeber gegenüber der Rentabilität der Unternehmungen mangelt.

 

 

7. Golddeckung keine ausreichende Voraussetzung für Geldwertstabilität

 

Eine derartige Bindung (des Geldes an Gold) ist erstens nicht ausreichend. Für keine Ware kann für alle Zeiten ausgeschlossen werden, dass sich sein Wert nicht doch verändert. Auch für die Ware Gold gilt, dass sie zwar sicherlich im Vergleich zu anderen Gütern einen relativ hohen Wert aufweist und dass deren Wertschwankungen geringer ausfallen als bei anderen Gütern. Trotzdem wird auch der Wert des Goldes letztendlich davon abhängen, wie sich der Bedarf und der Vorrat an Gold im Zeitablauf verändert.

 

Beginnen wir unsere Überlegungen zunächst mit den möglichen Veränderungen des Vorrates an Gold. Wie wir bereits angedeutet haben, gehört Gold zu den Waren, die beim Gebrauch nicht verbraucht werden, wir können also davon ausgehen, dass die bereits vorhandene Goldmenge weitestgehend erhalten bleibt. Konsumgüter verschwinden von der Oberfläche, wenn sie konsumiert werden, der Goldbestand bleibt weitgehend bestehen.

 

Gold kann zweitens gefördert und damit kann der Vorrat an Gold vergrößert werden. Zwar sind die Goldvorkommen auf dieser Erde begrenzt und je mehr bisher bereits Gold aus der Erde gefördert wurde, um so höher werden im Allgemeinen die Förderungskosten, da natürlich zunächst einmal die Goldlager abgebaut werden, bei denen die Förderung mit relativ geringen Kosten möglich ist. Es ist vor allem unmöglich, die genauen in der Erde liegenden Vorkommen an Gold zu bestimmen. Gleichzeitig ist auch vollkommen unbekannt, ob nicht im Zukunft einmal Techniken entwickelt werden, aufgrund derer auch solche Goldvorkommen gefördert werden können, bei denen die heute bekannten Techniken eine Förderung als zu kostspielig erscheinen lassen.

 

Für die Werterhaltung des Geldes ist jedoch weniger die Frage von Bedeutung, ob und wie viel Gold angeboten wird, sondern allein, ob das Angebot an Gold dem im Zeitablauf wechselnden Angebot an realen Gütern angepasst werden kann. Generell gilt, dass es vor allem der technische Fortschritt ist, der darüber entscheidet, mit welchen Wachstumsraten im Angebot an Waren insgesamt und an Gold zu rechnen ist. Es wäre reiner Zufall, wenn die technische Fortschrittsrate bei Gold jeweils genauso verliefe wie bei allen Gütern insgesamt. Von der Angebotsseite her ist vielmehr davon auszugehen, dass die Wachstumraten von Gold und den übrigen Gütern unterschiedlich ausfallen und dass von dieser Seite her mit einem im Zeitablauf wechselnden Geldwert gerechnet werden muss.

 

Fragen wir uns nun nach der Entwicklung des Bedarfes an Gold. Wir haben hierbei zwischen folgenden Arten des Bedarfes an Gold zu rechnen. Wir benötigen erstens Gold für das Prägen von Goldmünzen bzw. der Deckung der Banknoten. Da Geldwertstabilität bei Konstanz der Umlaufsgeschwindigkeit voraussetzt, dass die bei der Notenbank gelagerte Geldmenge dem Warenangebot zu entsprechen hat, steigt bei einer Goldwährung der Bedarf für Gold aus diesem ersten Grunde mit dem Zuwachs an realen Gütern. Allerdings müssen wir auch berücksichtigen, dass das Gold nicht zur Deckung der Banknoten benötigt wird, wir haben gesehen, dass Geldwertstabilität allein davon abhängt, ob es gelingt, die Wertsumme des Geldes der Entwicklung im realen Gütervorrat zu folgen. Aus diesem Grunde könnten die Notenbankchefs auch eines Tages auf die Absicherung der Banknoten durch Goldlagerung verzichten und ihre bisherigen Bestände verkaufen.

 

Zweitens wird Gold zur Herstellung von Schmuck benötigt. Dieser Bedarf war zwar in der Vergangenheit weitgehend konstant oder ist mit dem Reichtum einer Nation angestiegen. Es gibt aber keinen Grund dafür, dass in Zukunft einmal nicht doch eine Bedarfsänderung eintritt, aufgrund derer der Bedarf drastisch sinkt.

 

Drittens wird Gold als Rohstoff für die Produktion von Gütern benötigt. Der Bedarf hängt hier entscheidend vom technischen Fortschritt ab. Jederzeit können künstliche Stoffe erfunden werden, welche das Gold als Rohstoff ersetzen, sogar bessere Eigenschaften aufweisen. So wurde in der Vergangenheit Gold auch für künstliche Zähne benötigt. In der Zwischenzeit gibt es Materialien, welche dem Zahnersatz ein weit natürliches Aussehen ermöglichen, welche darüber hinaus auch das gesundheitliche Wohlbefinden fördern. Werden nämlich außer Gold auch andere Metalle für Füllungen verwendet, entstehen im Mundraum elektrische Ströme, welche Beschwerden hervorrufen können.

 

Viertens ist Gold auch ein beliebtes Mittel, Vermögen vorübergehend in Form von Gold zu halten. Je mehr dieser Neigung entsprochen wird und deshalb mehr Gold nachgefragt wird, um so mehr steigt der Wert des Goldes mit der Folge, dass die Neigung, das Vermögen in Gold anzulegen, weiter steigt. Hier haben wir ein deutliches Zeichen dafür, dass ein bestimmtes Verhalten (hier die Anlage eines Vermögens in Gold) privatwirtschaftlich zwar Nutzen steigernd sein kann, gesamtwirtschaftlich hingegen großen Schaden anrichtet. Das Vermögen der Haushalte wird zur Produktion benötigt, je mehr das Vermögen in weitgehend unproduktivem Gold angelegt wird, um so weniger verfügen die Unternehmungen über das Kapital, das zur Produktion der Güter benötigt wird.

 

Fassen wir diese Überlegungen zusammen, so können wir feststellen, dass auf lange Sicht wenig dafür spricht, dass der Wert des Goldes im Zeitablauf unverändert bleibt. Damit entfällt jedoch auch die Möglichkeit, im Rahmen einer Goldwährung die Geldwertstabilität zu garantieren. Die Absicherung der Währung durch Gold stellt also keine ausreichende Bedingung für eine Geldwertstabilität dar.

 

Nun könnte man vielleicht einwenden, dass im Rahmen einer Goldwährung der Staat den Preis, den die Notenbank für den Ankauf und Verkauf von Gold zahlt bzw. verlangt, willkürlich festlegt und das scheint auf den ersten Blick auch zu bedeuten, dass der Staat die Möglichkeit habe, den Goldpreis willkürlich im Zeitablauf konstant zu halten und damit auf indirekte Weise auch eine Stabilität des Geldwertes erzwingen könnte.

 

Eine einfache Überlegung zeigt jedoch, dass in einem Einfrieren des Goldpreises keine Lösung zu sehen ist. Auch für das besondere Gut Gold gilt, dass der Preis eines Gutes dafür Sorge trägt, dass eine Tendenz zum Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage besteht. Wird dem Preis die Möglichkeit genommen, sich an die jeweiligen Knappheitsverhältnisse anzupassen, wird unweigerlich die Knappheit verewigt. Da in diesem Falle die Preisrelationen nicht mehr den Knappheitsverhältnissen entsprechen, kann der Markt auch nicht mehr seine vordringliche Aufgabe, die Güterproduktion am Bedarf der Endverbraucher auszurichten und für eine angemessene Verteilung der Güter zu sorgen, erfüllen. Somit kann über Schwankungen im Warenwert des Goldes auch bei einer Golddeckung des Geldes der Geldwert instabil werden.

 

 

8. Golddeckung keine notwendige Voraussetzung für Geldwertstabilität

 

Wie steht es nun mit der zweiten Frage, ob eine Absicherung der Währung mit Gold zumindest eine notwendige Bedingung für eine Geldwertstabilität darstellt. Müssen wir also davon ausgehen, dass eine Geldwertstabilisierung nicht ohne Absicherung der Währung durch Goldbestände bei der Notenbank gelingen kann? Nach dem bisher Gesagten können wir diese Frage eindeutig verneinen. Wir haben gezeigt, dass der Geldwert dann stabil bleibt, wenn es gelingt, die Wertsumme des Geldes den Veränderungen in der realen Gütermenge anzupassen. Hat eine Notenbank die Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen?

 

Natürlich dürfen wir uns diese Aufgabe nicht so einfach vorstellen, dass die Notenbank einfach die Menge an Banknoten der Entwicklung der realen Gütermenge anzupassen hat. Wir haben gesehen, dass es zur Geldwertstabilisierung nicht so sehr auf die Menge an Banknoten, sondern auf die Wertsumme ankommt, welche mit den umlaufenden Banknoten Tauschakte vermitteln kann. Die Wertsumme des Geldes hängt jedoch sowohl von der Geldmenge wie auch von der Umlaufsgeschwindigkeit ab. Wenn wir einmal davon ausgehen, dass die Notenbank primär nur die Menge der von ihr selbst ausgegebenen Banknoten kontrollieren kann, kommt es für die Stabilisierung des Geldwertes darauf an, dass die Geldmenge (im Sinne von Banknoten und Münzen) dem Verhältnis von Wert der gehandelten Gütermenge dividiert durch die Umlaufsgeschwindigkeit angepasst wird. Es gilt:

 

G * U = P * H è G = (P * H)/U

 

 

Die Notenbank hat also nicht nur die Veränderungen in der realen Gütermenge, sondern zusätzlich auch in der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes zu verfolgen und die Banknotenmenge an diese Veränderungen anzupassen.

 

Nun haben wir davon auszugehen, dass ein sehr großer Teil der Warenumsätze nicht mit Banknoten oder Münzen bezahlt wird, sondern durch Überweisungen vom Bankkonto des Käufers auf das Bankkonto des Verkäufers. Wir sprechen hierbei davon, dass das umlaufende Geld nicht nur aus Banknoten, sondern zusätzlich auch aus Giralgeld besteht. Über den Umfang des umlaufenden Giralgeldes verfügen jedoch die Privatbanken und nicht die Notenbank. Es besteht also stets die Gefahr, dass die Geldpolitik der Notenbank durch die Schöpfung von Giralgeld seitens der Privatbanken vereitelt wird. Die Notenbank möchte z. B. die umlaufende Geldmenge reduzieren, da konjunkturbedingt die Güterproduktion zurückgeht, die Privatbanken durchkreuzen diese Zielsetzung der Notenbank dadurch, dass sie die umlaufende Giralgeldmenge ausweiten.

 

Im Grunde genommen entspricht jedoch diese Praxis der Privatbanken dem Umstand, dass die Umlaufsgeschwindigkeit des Banknotengeldes verändert wird. Anstatt festzustellen, dass die Geldmenge aus Banknoten und Giralgeld besteht und dass über die Höhe des Giralgeldes die Privatbanken autonom verfügen, hätten wir auch davon sprechen können, dass über die Veränderung der Giralgeldmenge die Umlaufsgeschwindigkeit des Banknotengeldes erhöht wird. Der Umstand, dass ein Käufer seine Einkäufe durch Überweisungen bezahlen kann, bedeutet ja, dass mit der vorhandenen, gleichbleibenden Banknotenmenge mehr Kaufakte bewerkstelligt werden können.

 

Gerade aufgrund dieser Zusammenhänge bestehen seit der Weltwirtschaftskrise, insbesondere aber seit Ende des zweiten Weltkrieges Bemühungen, die Notenbanken mit zusätzlichen Instrumenten auszustatten, die ihnen gestatten, das Verhalten der Privatbanken zu beeinflussen. So haben die Notenbanken das Recht erhalten, als Käufer oder Verkäufer von Wertpapieren auf den Geld- und Kapitalmärkten aufzutreten um auf diese Weise den Privatbanken Anreize zu geben, ihre Politik an die Zielsetzungen der Notenbanken anzupassen und damit die gesamte Geldmenge zu beeinflussen. Gleichzeitig haben die Notenbanken auch das Recht, von den Privatbanken zu verlangen, einen bestimmten, aber veränderbaren Prozentsatz der Bankverbindlichkeiten bei der Notenbank als Mindestreserve einzuzahlen. Während die Bundesbank von beiden Instrumenten reichlichen Gebrauch machte, hat die Europäische Notenbank bisher auf die Möglichkeit einer Mindestreservepolitik weitgehend verzichtet.

 

Mit beiden Instrumenten kann nun die Notenbank auch Einfluss auf die Giralgeldmenge der Privatbanken nehmen. Unterstellen wir beispielsweise, dass die Privatbanken über ausreichend Geld verfügen und dass sie die Absicht haben, auf diesem Wege ihr Kreditangebot an die Unternehmungen und Haushalte auszuweiten und auf diesem Wege Giralgeld zu schaffen. Die Notenbank kann hier den Versuch unternehmen, den Banken hochverzinste Wertpapiere anzubieten und sie auf diese Weise dazu zu bewegen, ihre Geldbestände in diesen Wertpapieren anzulegen oder aber sie kann den Mindestreservesatz heraufsetzen und auf diese Weise die Banken zwingen, einen Großteil ihrer flüssigen Mittel durch die Mindestreserveeinlage bei der Notenbank zu binden.

 

Nun mag die Notenbank überfordert sein, die zukünftigen kurzfristigen Veränderungen in der realen Gütermenge sowie in der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes realistisch einzuschätzen. Gerade aus diesen und auch anderen Gründen empfahl z. B. Milton Friedman, die Notenbank solle grundsätzlich darauf verzichten, im Sinne einer Go and Stop - Politik Einfluss auf das wirtschaftliche Verhalten zu nehmen. Gerade durch die häufige Veränderung im Zinssatz vergrößere sich die Unsicherheit bei den langfristigen Investitionen. Dem Ziel der Geldwertstabilität würde sehr viel eher entsprochen, wenn die Notenbank ihr Geldangebot an den langfristigen Erwartungen über die Veränderungen des Inlandsproduktes und der Umlaufsgeschwindigkeit ausrichten würde.

 

Auf diese Weise würde zwar kurzfristig aufgrund der Konjunkturschwankungen auch das Preisniveau kurzfristig Schwankungen unterliegen. Trotzdem würde der Geldwert langfristig stabil gehalten, sofern die Notenbank die langfristigen Wachstumsraten des Inlandsproduktes realistisch einschätzen würde. Veränderungen im Zinssatz der Notenbank würden in diesem Falle nur dann erfolgen, wenn die Notenbank ihre Prognosen über die langfristige Wachstumsrate des Inlandsproduktes korrigieren müsste.

 

Diese Überlegungen zeigen, dass also eine Absicherung der Währung durch Goldlagerung bei den Notenbanken auch keine notwendige Voraussetzung dafür bildet, dass der Geldwert im Zeitablauf stabil bleibt.