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Vom Tanz um das goldene Kalb

 

 

Gliederung:

 

1. Zum Problem

2. Die Quantitätstheorie

3. Stabiler Warenwert des Goldes?

4. Goldhorten volkswirtschaftlich erwünscht?

 

 

 

1. Zum Problem

 

Einige Meinungsmacher glauben das Gras wachsen zu hören und prophezeien, dass die Notenbanken der Welt kurz vor der Rückkehr zur Goldwährung stünden und geben den Ratschlag, das Vermögen weitgehend in Gold anzulegen, da damit gerechnet werden könne, dass der Goldpreis im Zusammenhang mit dieser weltweiten Währungsumstellung drastisch ansteigen würde.

 

Ich möchte mich an dieser Kaffeesatzleserei nicht beteiligen, auch kann es nicht Aufgabe einer ernst gemeinten Wissenschaft sein, Verhaltensweisen einer Hand voll Notenbankchefs zu prognostizieren. Es ist etwas anderes, wirtschaftliche Ereignisse, wie etwa den Rückgang in der Nachfrage bei einem Anstieg der Güterpreise und das Verhalten einiger ganz weniger Personen vorauszusagen. Der Rückgang in der Nachfrage aufgrund von Preissteigerungen ist das Resultat einer Vielzahl von Verhaltensweisen der Individuen, welche starken Anreizen ausgesetzt sind, sich in bestimmter Weise auf Datenänderungen zu verhalten, die Prognose bleibt auch dann wahr, wenn sich einzelne Individuen anders verhalten.

 

Eine Prognose über das Verhalten einiger weniger Notenbankchefs wäre ja nur dann möglich, wenn wir auf der einen Seite davon ausgehen könnten, dass die Notenbanken der Welt ein einziges festgelegtes Ziel verfolgen würden und wenn sie auf der anderen Seite in der Verfolgung dieser Ziele rational in dem Sinne vorgehen würden, dass sie stets die Maßnahmen ergreifen, welche den höchstmöglichen Erfolg versprechen.

 

Nun werden die meisten Notenbanken der Welt in der Tat zur Geldwertstabilität verpflichtet, sie haben jedoch in der Regel auch die Konjunkturpolitik der Regierungen zu unterstützen. Überprüft man die tatsächliche Politik der Notenbanken seit Ende des zweiten Weltkrieges, so folgten die meisten Notenbanken in viel stärkerem Maße dem Ziel, ein wirtschaftliches Wachstum und eine möglichst hohe Beschäftigung zu erreichen oder eine Finanzkrise zu überwinden, das Ziel der Erhaltung der Geldwertstabilität trat dem gegenüber oftmals in den Hintergrund. Die Notenbank der BRD galt lange Zeit als fast einzige Insel der Seligen, welche das Ziel der Geldwertstabilität strikt befolgte, was zur Folge hatte, dass die Bundesrepublik gegenüber fast allen Mitgliedsländern des IWF (des Internationalen Währungsfonds) und später des EWS (des Europäischen Währungssystems) immer wieder Zahlungsbilanzüberschüsse aufwies, welche es wiederholt notwendig machten, die DM gegenüber anderen Währungen des IWF bzw. des EWS aufzuwerten.

 

Auch wird man nicht davon ausgehen können, dass die Notenbanken immer ihre Ziele in rationaler Weise ansteuern. So ist die Politik des billigen Geldes der Notenbank der Vereinigten Staaten von Amerika sowie Europas in den vergangenen, weltweiten Finanzkrisen sicherlich nicht gerade ein geeignetes Mittel gewesen, um auf lange Sicht ein stabiles Wachstum und Geldwertstabilität zu garantieren.

 

Der Umstand, dass der Zinssatz der Notenbanken gegenüber den Privatbanken nahezu auf null gesenkt wurde, brachte einen Zuwachs der Geldmenge weit über das zu erwartende reale Wachstum der Weltproduktion mit sich, welcher langfristig sowohl die Inflationsrate als auch die Gefahr einer erneuten Rezession wesentlich erhöhte. Zwar wirkte sich diese Zunahme der Inflationsrate nicht unmittelbar aus, da in Zeiten des Konjunkturabschwungs ein großer Teil der Wirtschaftssubjekte Geld in Kasse hält und da davon ausgegangen wird, dass der Zinssatz in nächster Zeit steigen wird. Zinssatzsteigerungen schlagen sich aber in Kursverlusten der festverzinslichen Wertpapiere nieder. In diesem Falle kann es rational sein, lieber auf den ohnehin geringen Zinssatz zu verzichten, als Kursverluste zu riskieren, welche unter Umständen höher ausfallen können als die erwarteten Zinsgewinne.

 

Wir haben aber davon auszugehen, dass die Bereitschaft, diese Gelder Ertrag bringend anzulegen, steigt, sobald die Konjunktur wiederum anzieht. Dieses Verhalten wird dann einen starken generellen Preisanstieg auslösen, da das Produktionswachstum hinter dem Zuwachs an Nachfrage hinterherhinkt. Es kommt dann zu starken Preissteigerungen, welche nicht nur das Ziel der Geldwertstabilität verletzen. Nachfrageüberhänge auf den Gütermärkten bringen es mit sich, dass auch Unternehmungen Fuß fassen und sich einige Zeit halten können, welche unter normalen Bedingungen unrentabel wären. Diese Unternehmungen werden dann, sobald die Konjunktur etwas nachlässt und der Wettbewerb unter den Unternehmungen ansteigt, unweigerlich Konkurs gehen und diese Ereignisse werden selbst wiederum den nächsten Konjunkturumschwung einleiten.

 

Natürlich könnte diese Entwicklung verhindert werden, wenn es der Notenbank gelingen könnte, die überschüssige Geldmenge durch eine kontraktive Geldpolitik (vor allem durch einen Anstieg der Leitzinsen) wiederum aus dem Markt zu nehmen. Aber ein solcher Kurswechsel der Notenbank ist nur schwer zu vollziehen. Zunächst wird die Notenbank den Übergang zu einer kontraktiven Politik hinausschieben, da noch nicht klar ist, ob der Aufschwung bereits robust genug ist, um auch Zinssteigerungen standzuhalten oder ob nicht die Gefahr besteht, dass das Pflänzchen ‚Aufschwung‘ durch eine zu starke Zinserhöhung wiederum abgewürgt wird.

 

Auch besteht stets die Gefahr, dass der Versuch der Notenbank, durch eine restriktive Geldpolitik die überschüssige Geldmenge zurückzuholen, durch das Verhalten der Geschäftsbanken torpediert wird und zwar dadurch, dass die Privatbanken in dem Maße, in dem die Notenbank die umlaufende Menge an Banknoten reduziert, die Menge an Giralgeld ausweiten. Im Rahmen der Geldtheorie konnte gezeigt werden, dass die Geschäftsbanken sehr wohl eine kontraktive Geldpolitik der Notenbank durchkreuzen können, sofern sie nur bereit sind, im Gleichschritt vorzugehen. Da der größte Teil der den Unternehmungen zur Verfügung gestellten Kreditsummen wiederum auf die Girokonten der Bankkunden zurückfließen wird, geraten die Privatbanken bei Ausweitung ihrer Kreditsumme nicht in Liquiditätsschwierigkeiten, sind aber gerade deshalb nicht darauf angewiesen, sich bei der Notenbank zu verschulden, was aber notwendig wäre, damit die Steigerungen in den Leitzinsen an die Kunden der Privatbanken weitergegeben werden müssen.

 

Sehen sich dann die Notenbanken eines Tages aufgrund starker Preissteigerungen doch gezwungen, das Ruder herumzuwerfen und die Leitzinsen zu erhöhen, kommt es zu dem Konkurs derjenigen Unternehmungen, welche bisher nur aufgrund fehlenden Wettbewerbs bei Nachfrageüberhängen die Produktion aufrechterhalten konnten. Je größer die Anzahl der unrentablen Unternehmungen jedoch ist, um so größer ist dann auch die Gefahr, dass auch sonst gesunde Unternehmungen aufgrund eines rapiden Rückgangs der Umsätze mitgerissen werden.

 

Wenn auch die Wissenschaft wenig dazu beitragen kann, ob in nächster Zeit tatsächlich eine Rückkehr zur Goldwährung stattfinden wird, sie ist sehr wohl in der Lage, darzulegen, zu welchen Auswirkungen ein solch drastischer Kurswechsel führen würde und ob auf diese Weise tatsächlich das Ziel der Geldwertstabilität besser realisiert werden könnte als unter der Regie einer Papierwährung.

 

Wir wollen im folgenden drei Fragen diskutieren. Als erstes soll geklärt werden, von welchen Faktoren es denn abhängt, ob und in welchem Umfang der Geldwert stabil gehalten wird. Worin liegen also die letztlichen Ursachen des Geldwertes? Wir wollen dann zweitens aufzeigen, wovon der Warenwert von Gold abhängt und ob deshalb die Hoffnung, durch Rückkehr zur Goldwährung die Stabilität des Geldwertes zu erreichen, tatsächlich garantiert ist. Drittens schließlich wollen wir der Frage nachgehen, wie sich denn ein Run auf das Gold, also die Bereitschaft der Besitzenden, ihr Vermögen zu einem großen Teil in Gold anzulegen, auf Konjunktur und Wachstum der Volkswirtschaften auswirken wird.

 

 

2. Die Quantitätstheorie

 

Die Quantitätstheorie zeigt auf, dass der Geldwert keineswegs direkt vom Warenwert des Geldes, sondern davon abhängt, in welchem quantitativem Verhältnis die Geldmenge zur Warenmenge steht, welcher das Geld auf den Märkten gegenübersteht. Der Warenwert des Geldes ist weder eine notwendige noch eine ausreichende Voraussetzung dafür, dass der Geldwert stabil bleibt. Diese Voraussetzung ist nicht notwendig, da immer dann, wenn die Menge der getauschten Waren der umlaufenden Geldmenge entspricht, der Geldwert stabil bleibt, auch dann, wenn der Warenwert des Geldes wie bei den Banknoten extrem gering ist. Sie ist aber auch nicht ausreichend, da auch dann, wenn der Warenwert des Geldes konstant bleibt, die Geldmenge aber wesentlich schneller steigt als die Warenmenge, der Geldwert trotzdem sinkt. Auch der Warenwert des Geldes hängt wie der Preis einer jeden Ware von Angebot und Nachfrage ab, Veränderungen in diesen Bestimmungsgründen können im Zeitablauf sehr wohl auch den Warenwert des Geldes verändern, auch müssten nach den Erkenntnissen der Quantitätstheorie bei gleichbleibender Nachfrage die Veränderungen des Angebotes der Ware Geld den großen Schwankungen in der Gesamtproduktion der gehandelten Güter folgen, sollte auf diese Weise eine Stabilität des Geldes garantiert werden.

 

Im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit hatten die europäischen Staaten eine Gold- oder Silberwährung, bisweilen gab es auch eine Doppelwährung (Gold und Silber). Noch der Merkantilismus, die wirtschaftspolitische Konzeption der absolutistischen Herrscher, war davon überzeugt, dass Geld nur dann einen stabilen Wert erhalten könne, wenn auch der Preis der Ware Geld, also in diesem Falle das Gold einen stabilen Wert aufweise. Die Merkantilisten leiteten den Wert des Geldes unmittelbar davon ab, welchen Wert die Ware Geld aufwies. Man ging davon aus, dass die Marktteilnehmer, welche Güter anbieten, primär nicht an dem Geld interessiert seien, sondern daran, welche Gütermengen sie mit diesem Geld erwerben können. Solange das Geld noch keinen von seinem Warenwert unabhängigen Eigenwert besitze, seien die Anbieter von Waren nur bereit, das Geld zu akzeptieren, wenn auch das Geld als Ware einen Eigenwert habe.

 

Diese Auffassung kam während des Merkantilismus deutlich dadurch zum Tragen, dass Länder wie Frankreich, welche keine ausreichenden Goldvorkommen besaßen, den Versuch unternahmen, die für den Handel benötigte Goldmenge auf dem Wege zu erlangen, dass sie einen Außenhandelsüberschuss erzielten und dass die ausländischen Käufer der von Frankreich exportierten Waren mit Gold bezahlen mussten. Der Merkantilismus war der Auffassung, dass ohne eine vermehrte Förderung von Gold im eigenen Lande eine für einen steigenden Handel ausreichende Geldmenge nur dadurch garantiert werden könnte, dass das Land einen Exportüberschuss erzielt, sodass für das Ausland die Deviseneinnahmen aus den Exporten des Auslandes nicht ausreichen, deren Importe zu bezahlen und die Bezahlung des Importüberschusses des Auslandes nur durch einen Goldtransfer vom Ausland zum Inland erfolgen könne.

 

Diesen Gedankengängen widersprachen nun die Klassiker, allen voran David Ricardo durch Formulierung der Quantitätstheorie. Allerdings hatte bereits Jean Bodin, ein Vorläufer des Merkantilismus im 16. Jahrhundert, erste Ansätze einer Quantitätstheorie des Geldes entwickelt. Bodin hatte bereits erkannt, dass die umlaufende Geldmenge den Geldwert (also das Preisniveau) bestimmt.

 

David Ricardo vertrat deshalb im Rahmen der von ihm vertretenen Currency-Theorie die Auffassung, dass die Geldmenge politisch begrenzt werden müsse, um inflatorische Prozesse zu verhindern. Diese Forderung ergab sich unmittelbar aus der Quantitätstheorie, wonach sich eine Zunahme der Geldmenge, welche nicht von einer Zunahme des Handelsvolumens begleitet wird, notwendiger Weise in allgemeinen Preissteigerungen niederschlagen müsse.

 

Dieser Position traten die Anhänger der Banking-Theorie (unter anderem Thomas Tooke und John Fullarton) entgegen und vertraten die Auffassung, dass die Geldmenge nur dann  ausgeweitet werde, wenn auch von Seiten der Wirtschaft ein Mehrbedarf an Geld bestehe. Die Gefahr, dass die Geldmenge stärker als das Gütervolumen ausgeweitet werde, bestehe deshalb gar nicht.

 

Diese unterschiedlichen Positionen erklären sich vor allem daraus, dass die Anhänger der Currency-Theorie den Begriff Geld stets im Zusammenhang mit dem von der Notenbank geschaffenen Banknoten, einschließlich der Goldmünzen verwendeten, während sich die Anhänger der Banking-Theorie darauf bezogen, dass der größte Teil des Warenumsatzes mit Warenwechsel und Schecks bezahlt werde, wobei dieses Giralgeld eben nur im Zusammenhang mit dem Handel von Waren und in Relation zu diesen Warenströmen von den Marktteil­nehmern geschaffen werde.

 

Dass ein Großteil des Warenumsatzes mit Giralgeld bezahlt wird, ist sicherlich unbestritten. Dies bedeutet jedoch nicht automatisch, dass deshalb das von der Notenbank geschaffene Geld keinen Einfluss auf das Preisniveau nehme. Wir haben vielmehr davon auszugehen, dass das Giralgeld letztlich mit Hilfe des von der Notenbank angebotenen Geldes geschaffen wird und dass deshalb über die Banknotenmenge sehr wohl auch die Giralgeldsumme beeinflusst und deshalb gesteuert werden kann. Um jedoch der Notenbank auch das Instrumentarium an die Hand zu geben, mit dessen Hilfe die Giralgeldsumme gesteuert werden kann, bedurfte es mehrerer geldpolitischer Instrumente wie Diskontsatzpolitik, Mindestreservepolitik sowie Offenmarktpolitik, welche allerdings erst – von gewissen Ausnahmen abgesehen – nach dem zweiten Weltkrieg geschaffen wurden.

 

Die Kreditnachfrage der Unternehmungen hängt entscheidend von der Höhe des Zinssatzes ab, sinkt dieser, so steigt auch im Allgemeinen die Nachfrage nach Krediten seitens der Unternehmungen. Weitet jedoch die Notenbank die umlaufende Menge an Banknoten aus, so sinkt ceteris paribus, das heißt, wenn diese Geldmengenausweitung nicht einfach nur eine Reaktion auf eine Mehrnachfrage nach Geld seitens der Privaten zum Ausdruck bringt, notwendiger Weise auch der Zinssatz.

 

Befassen wir uns nun etwas ausführlicher mit den Grundaussagen der Quantitätstheorie. Ausgangspunkt ist die sogenannte Verkehrsgleichung, welche in der von Irving Fisher formulierten Form wie folgt lautet:

 

G * U = P * H,

 

wobei G die in einer Volkswirtschaft umlaufene Geldmenge, U die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes, P den Durchschnitt der Güterpreise, das sogenannte Preisniveau und schließlich H das Handelsvolumen, also den realen Gesamtwert aller in einer Volkswirtschaft gehandelten Güter umschreibt.

 

Der Begriff der Umlaufsgeschwindigkeit bedarf noch einer etwas genaueren Umschreibung. Er zeigt an, wie oft im Durchschnitt eine Geldeinheit (z. B. eine Banknote) innerhalb einer Periode einen Warentausch vermittelt. Wenn also jeder Geldschein im Durchschnitt dreimal in einer Periode bei einem Kauf den Besitzer des Geldscheines wechselt, wäre de Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes 3.

 

Bei der Fisher’schen Verkehrsgleichung handelt es sich um eine tautologische, also immer wahre Aussage, sie gilt ex definitione. Und zwar stellt diese Formel die Angebots- und die Nachfrageseite aller Käufe innerhalb einer Periode und einer Volkswirtschaft gegenüber. Betrachten wir die getauschte Wertsumme von der Seite der Nachfragenden aus, dann entspricht dem Wert der getauschten Güter die Wertsumme des Geldes, das die Besitzer wechselt, wobei sich die Wertsumme des Geldes (G * U) aus dem Produkt aus Anzahl der Geldeinheiten (G) multipliziert mit der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes (U) ergibt.

 

Wir können die getauschte Wertsumme aber auch aus der Sicht der Anbieter betrachten. In diesem Falle entspricht dieser Wert den getauschten Gütermengen (H) multipliziert mit dem Preisniveau (P). Hierbei ist dieses Produkt eine Kurzformel für eine Summe aller gehandelten mit ihren jeweiligen Preisen (pn) gewichteten Güter (hn):

 

p1 * h1 + p2 * h2 + …….. pn * hn

 

 

Beide Seiten müssen also aus logischen Gründen gleich groß sein, da sie sich ja immer auf die gleichen gehandelten Güter beziehen, nur einmal aus der Sicht des Nachfragers und einmal aus der Sicht des Anbieters.

 

Wenn man will, kann man  die Verkehrsgleichung auch als Definitionsgleichung der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes verstehen. Wir lösen hierzu obige Gleichung nach der Variablen U auf:

 

 

 

 

Hier wird der Wert der Umlaufsgeschwindigkeit dadurch ermittelt, dass man den Gesamtwert der gehandelten Waren auf die Gesamtzahl aller Geldeinheiten bezieht.

 

Ähnliche Beziehungen wurden jedoch später auch von den Vertretern der Cambridge-Schule, vor allem von Alfred Marshall, in einer etwas abweichenden Gestalt formuliert. Danach bestehen folgende Beziehungen:

 

 

Danach muss das Geldangebot (M) immer der Geldnachfrage (L) entsprechen, welche die Wirtschafts­subjekte jeweils im Durchschnitt in Kasse halten. Die in Kasse gehaltene Geldmenge wird hierbei in Relation zum Volkseinkommen (Y) gesehen. Steigt das Volkseinkommen, so wird dementsprechend auch mehr Geld in Kasse gehalten, wobei hier davon ausgegangen wird, dass zumindest kurzfristig dieser in Kasse gehaltene Faktor (k) als konstant und vorgegeben angesehen werden kann.

 

Ähnlich wie auch bei der Quantitätstheorie lässt sich die Cambridge-Gleichung zunächst als Definitions­gleichung deuten. Als Definitionsgleichung besagt diese Formel, dass ex post (im Nachhinein) die Geldmenge, welche tatsächlich von der Notenbank ausgegeben wurde, notwendiger Weise identisch ist mit der Geldmenge, welche dann von den privaten Wirtschaftssubjekten in Kasse gehalten wird. Es sind die gleichen Banknoten, einmal aus der Sicht der Anbieter von und einmal aus der Sicht der Nachfrager nach Geld.

 

 

Dass die Cambridge-Gleichung tatsächlich auf den gleichen Sachverhalt hinweist wie die Verkehrsgleichung, lässt sich relativ leicht zeigen, wenn wir beide Gleichungen einander gegenüberstellen:

 

 

 Die Geldmenge (M) in der Cambridge-Gleichung entspricht der Geldmenge G in der Quantitätsgleichung, anstelle des Volkseinkommens (Y) in der Cambridge-Gleichung wird in der Verkehrsgleichung von dem Wert des Handelsvolumens (P * H) gesprochen, setzt man beide Ausdrücke (Y bzw. P * H) gleich, so muss notwendiger Weise der Kehrwert des Kassenhaltungskoeffizienten (k) dem Kehrwert der Umlaufsgeschwin­digkeit des Geldes (U) entsprechen. Anders formuliert: Wenn mehr Geld in Kasse gehalten wird, vermindert sich automatisch die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes.

 

Von der aus logischen Gründen immer richtigen Verkehrsgleichung ist die Quantitätstheorie zu unter­scheiden, so wie sie vor allem von David Ricardo entwickelt wurde. Die Quantitätstheorie geht zwar von der Verkehrsgleichung aus, sie formuliert jedoch Hypothesen über die Beziehung dieser vier Variablen, welche keinesfalls bereits aus logischen Gründen wahr sind, sondern echte, falsifizierbare Annahmen darstellen.

 

Die erste Hypothese der Quantitätstheorie besagt, dass Geldmengenzuwächse zu Preissteigerungen führen, wobei bei einer strengen Auslegung der Umfang der Preissteigerungen auch unmittelbar dem Umfang der Vermehrung der Geldmenge entspricht.

 

Da die Verkehrsgleichung ex definitione gilt, tritt diese Wirkung einer Geldzunahme deshalb auf, weil man unterstellt, dass erstens die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes (U) von den Zahlungssitten bestimmt wird und diese zumindest kurzfristig als konstant angesehen werden können. Zweitens geht man weiterhin davon aus, dass das Handelsvolumen wiederum kurzfristig konstant ist und vor allem nicht aufgrund einer Vermehrung der Geldmenge ausgeweitet werden kann.

 

Hinter dieser zweiten Annahme steht die neoklassische These, dass Märkte von sich aus die Tendenz aufweisen, Ungleichgewichte automatisch abzubauen. Es wird also unterstellt, dass Vollbe­schäftigung herrscht oder bei vorübergehender Unterbeschäftigung relativ schnell wieder hergestellt wird. Es bedarf also keiner Geldvermehrung, um Vollbeschäftigung herbeizuführen, man vertraut auf die Wirksamkeit des Preismechanismus (Lohnmechanismus).

 

Beide Annahmen wurden in der Folge vor allem von John Maynard Keynes kritisiert. Keynes geht davon aus, dass die Nachfrage nach Geld auch kurzfristig unter anderem von der Zinshöhe abhängt. Vor allem, wenn der Zins konjunkturbedingt niedrig ist und vermutlich sein Konjunkturtief erreicht hat, dann wird mit baldigen Zinssteigerungen gerechnet, die selbst wiederum bei den festverzinslichen Wertpapieren Kursverluste auslösen. Wegen der Gefahr dieser Kursverluste werden Gelder nicht zinsbringend angelegt, sondern vorübergehend in Kasse gehalten.

 

Eine Mehrnachfrage nach Kasse ist jedoch in den Ausdrücken der Verkehrsgleichung gleichbedeutend damit, dass die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes zurückgeht. Je mehr und je länger Geld in Kasse gehalten wird, umso weniger finanziert es Warenkäufe und vermindert auf diese Weise die Umlaufsge­schwindigkeit des Geldes.

 

Keynes übte noch aus einem zweiten Grund Kritik an der Hypothese der Quantitätstheorie, dass Geldzu­wächse immer zu Preissteigerungen führten. Keynes unterstellt, dass der Markt nicht in der Lage ist, Arbeitslosigkeit abzubauen. Dies bedeute jedoch keineswegs, dass auf den Gütermärkten keine Gleich­gewichts­mechanismen am Werk seien. Es wird nur geleugnet, dass diese Gleichgewichtstendenzen von Preisvariationen ausgehen und dass sowohl von der Angebots- wie von der Nachfrageseite aus Ungleichgewichte abgebaut werden. Die Unternehmer reagieren  nach Keynes auf Marktungleichgewichte dadurch, dass sie unmittelbar ohne Preiskorrekturen ihre Angebotsmenge anpassen. Ein Angebotsüberhang führt automatisch dazu, dass die Unternehmer ihre Produktion verringern, während umgekehrt ein Nachfrage­überhang die Unternehmer veranlasst, die Produktion auszuweiten. Indem nun eine Geldausweitung die Nachfrage steigere und damit Nachfrageüberhänge hervorrufe, führe der Zuwachs der Geldmenge entgegen den Ansichten der Neoklassiker dazu, dass die Gütermenge, also das Handelsvolumen steige. Also entspreche auch die zweite Annahme der Quantitätstheorie, dass das Handelsvolumen kurzfristig gesehen konstant bleibe, weil es dem Vollbeschäftigungsniveau entspreche, nicht der Wirklichkeit.

 

Gegen die Quantitätstheorie wurde schließlich ein dritter Vorwurf erhoben: Es bleibe unklar, auf welchem Wege denn Veränderungen in der Geldmenge schließlich allgemeine Preissteigerungen hervorrufen. Sowohl die Klassiker wie auch die Neoklassiker sind sich darin einig, dass Güterpreise auf den einzelnen Märkten gebildet werden und durch Interaktionen zwischen Angebot und Nachfrage zustande kommen. Eine befriedigende Geldtheorie muss klar stellen, unter welchen Bedingungen eine Veränderung des Geldangebotes zu einer Veränderung des Zinssatzes führt, weiterhin wann Zinsvariationen eine Variation in der Nachfrage nach Güter herbeiführen und inwieweit schließlich Nachfragesteigerungen bei den Gütern Preis­steigerungen auslösen.

 

Dieser Vorwurf gilt allerdings nur gegen die älteren Versionen der Quantitätstheorie, während die Neoquantitätstheorie expressis verbis diese drei Fragen zu beantworten versucht.

 

Mit der Quantitätstheorie verbindet sich noch eine zweite Hypothese: Es wird festgestellt, dass Steigerungen in den Güterpreisen immer nur dadurch verursacht werden können, dass auch die Geldmenge im Verhältnis zur Gütermenge angehoben wurde. Das Geldmengenwachstum ist entsprechend den Thesen der Quantitäts­theorie somit nicht nur ausreichende, sondern auch notwendige Voraussetzung dafür, dass es zu Preis­steigerungen kommt.

 

Dieser These widersprechen sowohl die keynesianische Inflationstheorie wie auch die Angebotstheorie der Inflation. Entsprechend der keynesianischen Inflationstheorie ist ein Nachfrageüberhang auf den Gütermärkten wesentliche Voraussetzung dafür, dass Preissteigerungen eintreten. Zwar mag diese Nachfragesteigerung von einem Geldzuwachs begleitet sein, es ist jedoch nach Meinung der Keynesianer die Veränderung in dem Nachfrageverhalten, welche für die Inflation verantwortlich ist.

 

Auch die Angebotstheorie der Inflation, so wie sie etwa von Sidney Weintraub formuliert wurde, geht davon aus, dass nicht so sehr die Geldmenge für Inflationsprozesse verantwortlich ist. Auch hier wird davon ausgegangen, dass die Zunahme des Preisniveaus durch ein elastisches Geldangebot alimentiert werden muss. Maßgeblich für den Inflationsprozess sei jedoch der Anstieg in den Stückkosten bei der Güter­produktion.

 

 

3. Stabiler Warenwert des Goldes?

 

Nachdem wir geklärt haben, dass der Wert des Geldes als Tauschmittel von dem Verhältnis zwischen der Menge  des Geldes zu der Menge der getauschten Güter unabhängig davon bestimmt wird, welchen Eigenwert das Geld als Ware hat, wollen wir überprüfen, wovon denn der Warenwert des Goldes abhängt. Wir wollen uns die Frage stellen, ob nicht unter Umständen eine auf Gold basierte Währung nicht doch ein geeignetes Mittel darstellt, um dafür Sorge zu tragen, dass der Geldwert stabil bleibt und deshalb auf diese indirekte Weise von einer Goldwährung doch die ihr lange Zeit nachgesagte Stabilität ausgeht.

 

Wir wollen hierzu zunächst einmal von der vereinfachenden Annahme ausgehen, dass eine ganz bestimmte Menge an Gold für nicht monetäre Zwecke verwendet wird und dass deshalb auch eine ganz bestimmte Menge des vorhandenen Goldes für diese anderen Verwendungsarten abgezweigt werde. Der restliche Teil der vorhandenen Goldmenge werde für die Absicherung der Währung eingesetzt. Solange diese restliche Goldmenge konstant bleibt und auch die Summe der in einer Periode gehandelten Gütermengen unverändert bleibt, ist auch gesichert, dass das Verhältnis von Warenmenge zur Geldmenge unverändert bleibt und somit die Stabilität des Geldes gewährleistet bleibt.

 

Nun müssen wir allerdings davon ausgehen, dass das Inlandsprodukt einer Volkswirtschaft zumindest langfristig ansteigt. Um nun zu verhindern, dass eine Deflation, eine permanente Entwertung stattfindet, müsste Jahr für Jahr auch die vorhandene Goldmenge um die Wachstumsrate der gesamten Gütermenge ansteigen.  Zwar wird man davon ausgehen können, dass auch die Goldproduktion ansteigen wird, da unter Umständen die Goldvorräte der Welt noch nicht verbraucht sind, sodass neue Mengen an Gold gefördert werden können, dass weiterhin unter Umständen auch neue Goldvorkommen entdeckt werden und dass schließlich die technischen Methoden zum Abbau von Gold verbessert werden, sodass auch bei einem konstant bleibenden Vorrat an Goldvorkommen für eine gewisse Zeit die vorhandene Goldmenge vermehrt werden kann.

 

Wenn wir jedoch davon ausgehen, dass die gesamte weltwirtschaftliche Gütermenge auch langfristig wachsen wird, muss damit gerechnet werden, dass der jährliche Mehrbedarf an Gold doch eines Tages nicht mehr durch Ausweitung der Förderung von neuem Gold befriedigt werden kann. Aber unabhängig davon, dass die notwendige Förderung von Gold auf lange Sicht nicht nachhaltig sein kann, dass eines Tages die Goldvorräte erschöpft sind, kann nicht davon ausgegangen werden, dass von selbst – ohne politisches Dazutun  – die Wachstumsrate des Weltproduktes der Jahr für Jahr neu geförderten Goldmenge entsprechen wird. Es gibt selbst dann, wenn  die vorhandenen Goldvorkommen auf viele Jahre für den wachsenden Goldbedarf ausreichen würden,  keinen Grund dafür, dass z. B. die Entwicklung der Abbautechniken Schritt hält mit dem allgemeinen technischen Fortschritt bei der Gesamtheit der Güterproduktion. Schon aus diesem Grund müsste man eigentlich davon ausgehen, dass das Angebot an zusätzlichem Gold kaum Schritt hält mit der jeweiligen Wachstumsrate der Güterproduktion.

 

Nun könnte man versucht sein, diese Konvergenz in der Förderung von zusätzlichem Gold und Zuwachs der realen Güterproduktion auf politischem Wege zu erzwingen und zwar dadurch, dass die Notenbank gesetzlich verpflichtet wird, gerade im Umfang der erwarteten Wachstumsrate des Inlandsproduktes durch Ausgabe von Banknoten die Goldreserven jeweils so aufzustocken, dass die erwünschte Konvergenz zwischen Goldvorrat der Notenbank und Inlandsprodukt gewahrt bleibt.

 

Nun müssen wir jedoch berücksichtigen, dass ein beachtlicher Teil der jeweils umlaufenden Geldmenge aus Giralgeld besteht, das die Privatbanken kreieren. Es gehört gerade zu den Aufgaben einer Notenbank, diese Schöpfung von Giralgeld zu kontrollieren. Diese Kontrolle erfolgt dadurch, dass die Notenbank den Kreditbanken Kredite gewährt und den Kreditbedarf über Veränderungen im Leitzins zu kontrollieren versucht. Diese Kontrolle kann darüber hinaus durch Offenmarktpolitik erfolgen, die in einem An- und Verkauf von Wertpapieren durch die Notenbank besteht. Diese Aufgabe macht es notwendig, nicht primär die Ausgabe von Banknoten, sondern das Angebot der gesamten (Banknoten und Giralgeld umfassenden) Geldmenge an der erwarteten Wachstumsrate des Inlandsproduktes auszurichten.

 

Selbst dann, wenn es der Notenbank gelingen würde, den Ankauf von Gold am Wachstum des Inlandsproduktes auszurichten, fragt es sich, warum die Notenbanken diesen Umweg über den Ankauf von Gold gehen sollten, um die Geldwertstabilität zu sichern. Es reicht doch, dass die gesamte Geldmenge an die erwartete Wachstumsrate der Güterproduktion angepasst wird.

 

Es wäre auch nicht viel gewonnen, wenn man zu einem Währungssystem übergehen würde, bei dem anstelle der Banknoten der Umlauf von Goldmünzen treten würde. Auch in diesem Falle wäre die Stabilität des Geldwertes keinesfalls gesichert. Genauso wie Fälscherbanden Banknoten fälschen können, können sie auch Goldmünzen prägen und ihren Gewinn dadurch erzielen, dass sie Legierungen verwenden, bei denen der Goldgehalt der Münzen reduziert wird, ohne dass diese Fälschung im normalen Zahlungsverkehr vom Publikum ohne weiteres erkennbar wäre.

 

Weiterhin entspricht es keinesfalls der Wirklichkeit, dass der Bedarf an Gold für andere Zwecke weitgehend konstant bleibt und dass der Warenwert des Goldes deshalb allein von Angebotsfaktoren (vom Verhalten der Notenbanken allein) beeinflusst wird. Entsprechend der neoklassischen Theorie wird der Wert einer Ware stets von Angebots- und Nachfragefaktoren bestimmt, dies gilt auch für den Warenwert des Goldes. Auch die Nachfragefaktoren sind einem Wandel unterzogen.

 

Hierbei können wir zwischen den folgenden Arten der Nachfrage nach Gold unterscheiden. Gold wird erstens in der Produktion benötigt. Dieser Bedarf ist in der Vergangenheit stark zurückgegangen, da bei der industriellen Produktion Gold auch durch andere Metalle und Legierungen ersetzt werden kann. In den ersten Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg wurde Gold auch für Zahnersatz (Goldzähne) verwendet, diese Entwicklung wurde dann gestoppt, da ein Zahnersatz entwickelt wurde, der im Aussehen den natürlichen Zähnen entspricht, deshalb als wesentlich ästhetischer angesehen wird und der gleichzeitig gesundheitliche Gefahren vermeiden hilft, die in der Vergangenheit dadurch entstanden, dass verschiedene Metalle für Zahnersatz eingesetzt wurden und dass dadurch Ströme im Mund entstanden, welche gesundheitlich abträglich waren.

 

Ein zweiter Nachfragebereich liegt in der Nachfrage nach Goldschmuck. Dieser Bedarf ist in der Vergangenheit gestiegen, vor allem auch deshalb, weil sich mit zunehmendem Reichtum immer mehr Menschen Schmuck leisten können und weil aufgrund seiner Reinheit und Schönheit Goldschmuck immer noch im Vergleich zu anderem Schmuck bevorzugt wird. Langfristig gesehen hängt jedoch diese Nachfrage auch von Modeerscheinungen ab und es kann nicht ausgeschlossen werden, dass zukünftige Generationen m Hinblick auf das Bedürfnis nach Schmuck andere Wunschvorstellungen entwickeln.

 

Ein dritter Nachfragebereich besteht darin, dass vor allem in Zeiten des Konjunkturabschwungs, aber auch starker Inflationsraten Gold als Mittel der vorübergehenden Vermögensanlage gilt. Man ist sich noch nicht darüber im Klaren, ob eine Anlage in Industriewertpapieren Erfolg verspricht, man hält sich deshalb mit dem Kauf von Wertpapieren zurück und legt sein Vermögen vorübergehend entweder in Immobilien oder auch in Gold an. In Zeiten starker Inflation steigt die Nachfrage nach Gold vor allem deshalb, weil hier der Nominalwert der Wertpapiere stark sinkt, Gold jedoch als wertbeständiger angesehen wird.

 

Viertens schließlich besteht ein beachtlicher Teil des Goldbedarfes darin, dass die Notenbanken über enorme Goldvorräte verfügen. Würden die Notenbanken in naher Zukunft tatsächlich den hier diskutierten Vorschlägen folgen und zu einer 100%igen Deckung des Banknotenumlaufs in Gold zurückkehren, so würde dieser vierte Nachfragebereich enorm ansteigen. In Anbetracht dessen, dass für die Erhaltung des Geldwertes gar keine Deckung in Gold oder einem andere Edelmetall notwendig ist, dass es zur Stabilisierung des Geldwertes vollkommen ausreicht, für eine parallele Entwicklung der umlaufenden Geldmenge und der Güterproduktion zu sorgen, könnten die Notenbanken eines Tages aber auch umgekehrt sich von ihren Goldbeständen trennen und dadurch versuchen, die Verschuldung der Staaten zu reduzieren, indem die hierbei entstehenden Notenbankgewinne den öffentlichen Haushalten zugute kommen.

 

Es besteht somit kein überzeugender Grund dafür, dass auf alle Zeiten hin der Wert des Goldes steigt oder auch nur Bestand hat. Ein Bedarfswandel im Hinblick auf den Schmuckbedarf oder ein Beschluss der Notenbanken, sich von einem beachtlichen Teil der Goldbestände zu trennen, könnte auf lange Sicht gesehen sehr wohl auch einen hohen Wertverlust des Goldes herbeiführen.

 

Der Umstand, dass die heutigen Notenbanken trotz der Erkenntnisse der Quantitätstheorie große Goldreserven halten, wird mit zwei Argumenten begründet. Auf der einen Seite steige auf diese Weise die Bereitschaft der Marktteilnehmer, das bestehende Währungssystem zu akzeptieren. Auf der anderen Seite benötige eine Notenbank immer gewisse Goldvorräte, damit dann, wenn das Land Importüberschüsse aufweise, mit diesem Gold die zur Bezahlung der Importüberschüsse benötigten Devisen angekauft werden können.

 

Kritisch muss darauf hingewiesen werden, dass das Vertrauen in eine Goldwährung auch dann gestört werden kann, wenn ein Goldstandard gilt. Das vergangene IWF-System beruhte darauf, dass der Dollar zur Leitwährung erklärt wurde, dass aber die Notenbank der USA selbst wiederum jederzeit bereit und verpflichtet war, bei Bedarf Dollar in Gold auszuzahlen. Die tatsächliche Entwicklung hat gezeigt, dass die USA trotz dieser Goldreserve langfristig hohe Importüberschüsse zuließen und diese Überschüsse jeweils damit finanzierten, dass sie die umlaufende Menge an Dollars durch Geldschöpfung vergrößerten. Die Folge war, dass das Vertrauen der nichtamerikanischen Notenbanken in den Dollar schwand und immer mehr Dollars gegen Gold eingetauscht wurden. Um zu verhindern, dass die amerikanische Notenbank ihr gesamten Goldvorräte verliert und deshalb ihrer Verpflichtung, Dollar jederzeit gegen Gold zu tauschen, nicht mehr nachkommen könnte, stellten die USA den Umtausch Gold gegen Dollar kurzerhand ein. Das Währungssystem war instabil geworden, obwohl formal gesehen eine Deckung der Leitwährung durch Gold vorgesehen war.

 

Der weitere Umstand, dass Gold dafür benötigt wird, dass Importüberschüsse finanziert werden, kann den Rückkehr zu einer vollständigen Golddeckung nicht begründen. Auf der einen Seite bedürfte es zur Deckung möglicher Importüberschüsse stets nur eines kleinen Teils der gesamten Geldmenge an Gold, auf der anderen Seite kann in der Finanzierung von Importüberschüssen mit Gold nur eine vorübergehende Maßnahme gesehen werden. Importüberschüsse entstehen aus einem Ungleichgewicht der internationalen Waren- und Geldströme und dieses Ungleichgewicht führt zu hohen Wohlfahrtsverlusten. Langfristig ist es stets notwendig, die eigentlichen Ursachen dieser Devisenbilanzungleichgewichte zu erkennen und diese Devisenbilanzen durch Beseitigung dieser Ursachen zum Ausgleich zu bringen.

 

 

4. Goldhorten volkswirtschaftlich erwünscht?

 

Wenden wir uns schließlich der Frage zu, wie es sich denn volkswirtschaftlich auswirken würde, wenn sich die größeren Notenbanken der Welt tatsächlich dazu entschließen sollten, zu einer vollen Deckung der Währungen in Gold zurückzukehren und wenn deshalb ein großer Teil derjenigen Personen, welche über Kapital in großem Umfang verfügen, aufgrund der erwarteten Preissteigerungen des Goldes beachtliche Teile ihres Vermögens nicht in Wertpapieren bzw. in Unternehmungen, sondern in Gold anlegen würde.

 

Solche Aktionen würden zu beachtlichen Störungen des Wirtschaftsprozesses führen und die Produktion, vor allem die Aussicht auf Wachstum gefährden. Die Aufrechterhaltung der Unternehmungen setzt nämlich voraus, dass ausreichend Bürger vorhanden sind, welche bereit sind, ihr Vermögen den Unternehmungen zur Verfügung zu stellen. Hierbei ist davon auszugehen, dass mit der Zurverfügungstellung dieses Kapitals beachtliche Risiken  verbunden sind. Dies gilt bereits für die Produktion. In einer Marktwirtschaft erfolgt die Produktion der nachgefragten Güter dadurch, dass Unternehmungen das Kapital vorschießen, das zur Auszahlung der Arbeitnehmer und zum Ankauf der Rohstoffe und Halbfabrikate benötigt wird. Bereits diese Aktion ist mit Risiken verbunden. Im Verlaufe der Produktion können unvorhergesehene Unfälle und Produktionsausfälle erfolgen, weiterhin müssen die Unternehmer damit rechnen, dass die Endverbraucher ihren Bedarf ändern und deshalb nicht mehr bereit sind, die produzierten Waren in bisherigem Umfang abzunehmen oder schließlich, dass neue Konkurrenten auftreten und dass deshalb ein Teil der bisherigen Kunden zu den konkurrierenden Unternehmungen abwandert.

 

In viel größerem Maße gilt, dass die Investitionen, welche die Unternehmungen zur Aufrechterhaltung der Produktionsanlagen durchführen müssen, mit Risiken verbunden sind. Investitionen sind volkswirtschaftlich gesehen dadurch gekennzeichnet, dass Produktionsumwege eingeschlagen werden. Bevor überhaupt mit der Produktion der eigentlichen Endprodukte begonnen wird, müssen die knappen Produktionsfaktoren dafür eingesetzt werden, dass Maschinen und andere Produktionsanlagen wie z. B. Gebäude oder Maschinen hergestellt werden. Dieser Prozess der Produktionsumwege zieht sich zumeist über mehrere Jahre hin und dies bedeutet, dass die bei der Produktion auftretenden Risiken um ein Vielfaches ansteigen werden. Dies gilt bereits für die verschiedenen Produktionsstörungen, welche nun in der Zeit der Produktionsumwege auftreten können.

 

Die Gefahr, dass die Endverbraucher gar nicht mehr an den produzierten Waren interessiert sind, wenn schließlich nach Fertigstellung der Investitionsgüter die Endprodukte produziert werden können, steigt in dem Maße, in dem sich dieser Prozess der Produktionsumwege in die Länge hinzieht. Die Unternehmungen, welche eine Ausweitung der Produktion von Konsumgütern planen, müssen sehr viel früher die hierzu benötigten Maschinen in Auftrag geben. Aus den gleichen Gründen wird auch die Gefahr, dass bisherige Kunden zu Konkurrenten überlaufen um so größer, je länger der Prozess der Produktionsumwege dauert.

 

Besonders hohe Risiken sind schließlich dann gegeben, wenn Innovationen geplant werden, wenn also neue Techniken zur Produktion von Gütern oder auch die Produktionen ganz neuer, bisher unbekannter Güter geplant werden. Hier muss davon ausgegangen werden, dass zunächst eine Vielzahl von Laboruntersuchungen durchgeführt werden müssen, dass die einzelnen Techniken erprobt werden müssen, um festzustellen, ob diese neuen Techniken überhaupt zum erwünschten Erfolg führen und ob die neuen Produkte von den Konsumenten angenommen werden.

 

Mit anderen Worten: Die Produktion kann nur aufrechterhalten werden und das Wachstum ermöglicht werden, wenn eine große Bereitschaft besteht, Kapital für riskante Operationen zur Verfügung zu stellen. Nun haben wir davon auszugehen, dass die große Mehrheit der Bevölkerung eher risikoscheu ist. Zu einem größeren Risiko bereit ist immer nur eine Minderheit der Bevölkerung. Auch ist die Mehrheit der Bevölkerung auch gar nicht in der Lage, größere Risiken zu übernehmen. Die unternehmerischen Risiken können nur von denjenigen Bürgern übernommen werden, welche über ein großes Vermögen verfügen. Denn nur dann sind sie in der Lage, auch größere Verluste zu tragen, ohne gleich Konkurs zu gehen.

 

Unterstellen wir nun einmal, dass ein größerer Teil der Vermögenden dem Ratschlag folgen würde, ihr Vermögen vorwiegend in Gold anzulegen und dass auch die wichtigsten Notenbanken der Welt dazu übergingen, ihre Goldvorräte soweit aufzustocken, dass eine volle Deckung des umlaufenden Geldes sichergestellt wäre. In diesem Falle wäre damit zu rechnen, dass aufgrund der stark steigenden Nachfrage nach Gold der Goldpreis ebenfalls stark steigen würde und dies wiederum würde dazu führen, dass Kapital immer mehr von den produktiven Vermögensanlagen abgezogen würde. Wir haben nämlich davon auszugehen, dass die Frage, in welchem Umfang die Vermögenden bereit sind, ihr Kapital in produktiven Unternehmungen einzubringen, weniger davon bestimmt wird, welche absolute Rendite diese Investitionen erwarten lassen, sondern in erster Linie davon abhängt, in welchen Verwendungsarten Kapital die höchste Rendite abwirft.

 

Wenn die Rendite einer Goldanlage aufgrund lang anhaltender Preissteigerungen höher liegt als bei produktiven Anlagen, dann ist auch zu erwarten, dass die Bereitschaft, für Produktion, Investition und Innovation ausreichend Risikokapital zur Verfügung zu stellen, gering ist. Auch ein risikofreudiger Kapitalgeber wird dann, wenn der zu erwartende Zinssatz bei den riskanten Unternehmungen geringer ausfällt als bei der relativ sicheren Anlage in Gold, selbstverständlich die sichere Anlage wählen. Je höher bei einer Investition das erwartete Risiko ist, um so geringer ist der erwartete Gewinn. Dieser entspricht dem Produkt aus erwartetem Gewinn multipliziert mit der erwarteten Eintrittswahrscheinlichkeit. Bereits die Annahme, dass die Zurverfügungstellung von Risikokapital rentabilitätsorientiert erfolgt, bedeutet, dass die Bereitschaft, den Unternehmungen ausreichend Risikokapital zur Verfügung zu stellen, auf jeden Fall stark zurückgehen wird, wenn entsprechend den hier diskutierten Plänen und Empfehlungen gehandelt würde. Das wirtschaftliche Wachstum geriete in Gefahr und es müsste befürchtet werden, dass Zeiten des Konjunkturrückganges und des Konjunkturtiefs immer häufiger würden und längere Zeit anhielten. Aus einer solchen Sicht wäre es unverantwortlich, durch Propaganda diese Entwicklungen noch zu forcieren.