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Seminar über Ökonomische Gesetze

 

 

Gliederung:

 

  1. Gibt es überhaupt ökonomische Gesetze?

  2. Das Bevölkerungsgesetz von Malthus

  3. Das Gesetz von der Gleichgewichtstendenz

  4. Das Cobweb-Theorem 

  5. Das Gesetz vom abnehmenden Grenzertrag 

  6. Die Gossen‘schen Gesetze

  7. Das Gesetz von der Minderschätzung zukünftiger Bedürfnisse

  8. Das Harberger Dreieck

  9. Das Gresham’sche Gesetz

10. Das Okun’sche Gesetz

11. Das Gesetz vom Zusammenbruch der kapitalistischen Gesellschaft

12. Das Arrow-Paradox

 

 

 

Kapitel 9. Das Gresham‘sche Gesetz

 

 

Gliederung:

 

1. Historische Einführung

2. Wie wird das Gresham’sche Gesetz begründet?

3. Was heißt schlechtes Geld?

4. Voraussetzungen

5. Maßnahmen zur Vermeidung

6. Papiergeldwährung

7. Eurobonds

 

 

1. Historische Einführung

 

Das sogenannte Gresham’sche Gesetz besagt, dass das schlechtere Geld das gute Geld verdränge. Dieses Gesetz ist nach Thomas Gresham benannt, welcher von 1519 bis 1579 lebte. Er war englischer Finanzagent zunächst unter König Eduard VI., dem Nachfolger Heinrich des XVIII. von England. Später wurde Gresham Ratgeber von Königin Elisabeth von England. Er war gleichzeitig Begründer der Börse in London.

 

Allerdings wurden diese Gesetzmäßigkeiten auch schon früher formuliert, so etwa von Nicolaus Copernicus, einem preußischen Domherrn. Dieser hatte diese Gesetzmäßigkeit in seinen Denkschriften zum Münzwesen bereits im Jahre 1519 beschrieben. Unabhängig hiervon soll  etwa 150 Jahre später Arai Hakuseki dieses Gesetz entdeckt haben, er war ein japanischer Gelehrter, welcher sich mit der konfuzianischen Lehre befasste.

 

Bereits im griechischen Altertum wurde dieser Zusammenhang angeblich beschrieben. So hat Aristophanes im Jahre 405 v. Chr. in seiner Komödie kritisiert, dass die schlechteren ausländischen Münzen den inländischen Münzen vorgezogen wurden, obwohl diese Münzen anerkanntermaßen eine bessere Geltung besessen hätten. Allerdings haben diese Beobachtungen wohl nur sehr wenig mit dem Gresham’schen Gesetz zu tun, sie spiegeln eher gewisse Vorurteile gegenüber Fremden im Allgemeinen wider.

 

 

2. Wie wird das Gresham’sche Gesetz begründet?

 

Als erstes wird angeführt, dass das wertvollere Geld aus dem Verkehr gezogen und gehortet werde. Wir gehen davon aus, dass dem Geld mehrere Funktionen zugesprochen werden. So ist das Geld in erster Linie ein Tauschmittel, das den Tausch wesentlich erleichtert. Ohne ein allgemein anerkanntes Tauschmittel könnte derjenige, welcher ein Gut A anbietet und ein anderes Gut B nachfragt, nicht erwarten, unmittelbar einen Tauschpartner zu finden, der gerade Gut B anbietet und gleichzeitig Gut A nachfragt. Er müsste also zumeist mehrere Tauschakte vornehmen, bis er schließlich das gewünschte Gut B erhalten würde.

 

Neben der Funktion als Tauschmittel fungiert das Geld zweitens als Recheneinheit. Nur dadurch, dass wir alle Güter mit einer einzigen Recheneinheit vergleichen können, ist es möglich dann, wenn man zwischen zwei verschiedenen Gütern zu wählen hat, dasjenige auszuwählen, das den höchstmöglichen Nutzen gewährt. Ohne eine anerkannte Recheneinheit müsste man jedes Gut mit jedem andern Gut vergleichen, um den Wert dieses Gutes zu eruieren.

 

Schließlich dient das Geld auch als Wertaufbewahrungsmittel. Wir können nicht davon ausgehen, dass wir die Güter unmittelbar nach ihrem Erwerb auch in der Produktion einsetzen und somit verbrauchen. Wir brauchen also eine Möglichkeit, in der Gegenwart erworbene Werte in die Zukunft zu transferieren. Von dieser Funktion als Wertaufbewahrungsmittel wird nun Gebrauch gemacht, wenn das wertvollere Geld aus dem Verkehr gezogen  und gehortet wird. Voraussetzung dafür, dass sich Geld als Wertaufbewahrungsmittel eignet, ist natürlich, dass der Wert des Geldes nicht mit der Zeit verringert wird, dass also eine Geldwertstabilität garantiert wird.

 

Das wertvollere Geld kann noch aus einem zweiten Grund aus dem Verkehr gezogen werden. Wenn nämlich der Warenwert eines Geldstückes höher ist als der Wert als Tauschmittel, dann lohnt es sich für den Besitzer, dieses Geld einzuschmelzen und beim Verkauf dieses Edelmetalls einen höheren Preis zu erzielen als den nominellen Wert  des Geldes. Wenn also z. B. eine Münze den Wert 1 Krone hat, gleichzeitig aber der Wert des Edelmetalls, aus dem diese Münze geprägt wurde, wesentlich höher als eine Krone ist, dann macht jeder einen Gewinn, wenn er die Münze einschmelzen lässt und dieses Edelmetall zum geltenden Preis dieses Edelmetalls verkauft.

 

In Wirklichkeit dürfte jedoch im Mittelalter ein ganz anderer Grund dafür verantwortlich gewesen sein, dass das minderwertige Geld das höherwertige allmählich verdrängt hatte. Wir hatten im Mittelalter im europäischen Wirtschaftsraum eine Vielzahl von Königreichen und Fürstentümer, von denen nahezu jeder die Münzhoheit hatte, also das Recht besaß, Münzen zu prägen und diese zum allgemein anerkannten Zahlungsmittel zu erklären. Dies gilt vor allem für den heutigen Wirtschaftsbereich Deutschlands, wo neben einigen größeren Staaten eine Fülle von Zwergstaaten existierte.

 

Diese Staaten standen nun sehr oft vor dem Dilemma, auf der einen Seite einen enormen Geldbedarf für die zahlreichen Kriege, aber auch zur Errichtung zahlreicher Kunstwerke zu haben, auf der anderen Seite jedoch nur über sehr begrenzte Vorräte an Edelmetall zu verfügen. Hier lag es nahe, den  Geldbedarf dadurch zu befriedigen, dass man zu dem wertvollen Edelmetall in Form einer Legierung minderwertige Metalle wie Kupfer etc. hinzufügte und damit den Geldvorrat automatisch vergrößerte. 

 

Nun standen natürlich die einzelnen Staaten in Konkurrenz um die Anerkennung von Münzen untereinander. Wenn nur ganz wenige Staaten von dieser Möglichkeit der Streckung der Münzen Gebrauch gemacht hätten, wäre es vielleicht denkbar gewesen, dass sich die schlechteren Münzen nicht durchgesetzt hätten, dass Unternehmer und Staaten nur die wertvolleren Münzen anerkannt hätten und dass dann sogar das minderwertige Geld verdrängt worden wäre.

 

Nun wurde auf eine ganze Reihe von Mechanismen hingewiesen, wie ganz allgemein schlechtere Waren oder Bedingungen allgemeine Akzeptanz erhalten können. Götz Briefs hat darauf hingewiesen, dass im Markt die Grenzmoral den Ton angebe, dass derjenige, der sich nicht an die allgemeinen moralischen Standards hält, Wettbewerbsvorteile erlangt und auf diese Weise die anderen, die moralisch besseren aus dem Markt drängt. Auch bei der Ausgabe von Münzen durch die einzelnen Staaten findet ein solcher Wettbewerb statt. Wem es gelingt, seinen Geldvorrat durch Verwässerung des Edelmetallgehaltes zu vergrößern, gewinnt damit auch wirtschaftliche Stärke, die sich schließlich auch in politischer Vorherrschaft auswirken kann.

 

Weiterhin hat C. A. Phillips in seiner Arbeit über Bank Credit von 1921 darauf hingewiesen, dass durch Gleichschritt die Privatbanken durchaus in der Lage sind, den Spielraum für Giralgeld auch gegen den Willen der Notenbank auszuweiten. Wenn nämlich alle größeren Banken vermehrt Kredite ausleihen, so kann die einzelne Bank davon ausgehen, dass die hierdurch eingegangenen Verpflichtungen dadurch kompensiert werden, dass ein großer Teil der Kreditsummen der jeweils anderen Bank auf Konten bei der eigenen Bank zurücküberwiesen wird.

 

Wenn wir beide Gesetzmäßigkeiten (Prinzip der Grenzmoral und Prinzip des Gleichschritts) zusammen betrachten, ergibt sich, dass ein Großteil der Staaten in der damaligen Zeit auf der einen Seite das Bedürfnis hatten, ihre Geldmittel durch Streckung der Edelmetalle auszuweiten, dass sie weiterhin ein starkes Interesse hatten, zu diesen Mitteln zu greifen, um die Vormachtstellung innerhalb der Staatengemeinschaft zu festigen und schließlich dann auch die Möglichkeit dazu hatten, wenn sie davon ausgehen konnten, dass auch die jeweils anderen Staaten nach diesem Prinzip verfahren, sodass auch nicht mehr die Gefahr bestand, dass das schlechtere Geld keine allgemeine Anerkennung findet.

 

 

3. Was heißt schlechtes Geld?

 

Befassen wir uns etwas ausführlicher mit der Frage, was man denn als minderwertiges Geld aufzufassen hat und wovon es abhängt, dass eine Münze als minderwertig eingestuft wird. Ganz eindeutig wurde bei Gresham und bei anderen Autoren die Wertigkeit einer Münze (einer Geldeinheit) daran gemessen, welchen Wert das Geld als Ware erzielt. Wenn sich also z. B. auf der einen Seite Goldmünzen und auf der anderen Seite Silbermünzen im Verkehr befinden, so wird die Wertigkeit der Goldmünze daran gemessen, welchen Preis das Gold auf dem Markt erzielt.

 

Dieses Prinzip, den Wert des Geldes einfach am Warenwert zu messen, mag zwar in der damaligen Zeit als einleuchtend angesehen werden, ist jedoch aus heutiger Sicht keinesfalls selbstverständlich. Wir gehen heute davon aus, dass der Wert des Geldes dadurch bestimmt wird, wie viele Gütereinheiten mit einer Geldeinheit gekauft werden können. Diese Frage hängt jedoch allein vom jeweiligen allgemeinen Preisniveau ab. Je höher die Inflationsrate ist, umso geringer ist der Geldwert. Der Wert des Geldes wird also vom Kehrwert des Preisniveaus bestimmt.

 

Das Preisniveau, welches sich in einer freien Marktwirtschaft einstellt, hängt selbst wiederum davon ab, in welchem Verhältnis die Geldmenge zu der Menge an Gütern steht, welche mit diesem Geld gekauft werden sollen. Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass ein Geldschein innerhalb einer Periode mehrere Tauschakte finanzieren kann. Wir sprechen hierbei von der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes. Diese gibt an, wie viel Tauschakte ein Geldschein im Durchschnitt in einer Periode ermöglicht.

 

Es gilt nun die einfache Regel, dass das Produkt aus umlaufender Geldmenge (M) und Umlaufsge­schwindigkeit des Geldes (U) immer gleich ist dem Produkt aus Handelsvolumen (X) und Preisniveau (P):

 

M * U = P * X

 

 

Diese Regel wird als Fisher’sche Verkehrsgleichung bezeichnet, da Irving Fisher zu den ersten Wissenschaftlern zählte, welche diese Zusammenhänge zwischen Geldmenge und Preisniveau aufgezeigt haben. Wir können diese Gleichung ex post als eine Beziehung auffassen, welche ex definitione, also immer, in jedem Augenblick gilt. Die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes ist eben so definiert, dass sie dem Quotienten aus Umsatz (P * X) und Geldmenge entspricht.

 

Man kann jedoch diese Formel auch als ex ante Gleichung (Quantitätstheorie) auffassen, welche angibt, unter welchen Bedingungen auf dem Geldmarkt ein Gleichgewicht vorliegt. In diesem Falle wird angenommen, dass die Umlaufsgeschwindigkeit langfristig durch die vorherrschenden Zahlungssitten und das Handelsvolumen durch den Vorrat an Ressourcen bestimmt wird. In diesem Falle gilt die Geldmenge als Datengröße, das Preisniveau als Problemgröße und diese Theorie kommt zu dem Ergebnis, dass sich Veränderungen in der Geldmenge, welche nicht begleitet werden durch eine prozentual gleichgroße Zunahme des Handelsvolumens in Preissteigerungen niederschlagen.

 

Legen wir diese moderne Sicht über die Determinanten des Geldwertes zugrunde, so gilt ganz im Gegensatz zu dem Gresham’schen Gesetz,  dass die durch Inflation hervorgerufene Verschlechterung des Geldwertes eher dazu beiträgt, dass immer mehr Zuflucht zu Goldreserven stattfindet.

 

 

4. Voraussetzungen

 

Fragen wir uns nun, welche Voraussetzungen denn erfüllt sein müssen, dass das schlechte Geld das gute Geld verdrängt und wie oft denn damit gerechnet werden muss, dass diese Voraussetzungen auch gegeben sind. Sicherlich können wir davon ausgehen, dass sich in einer funktionierenden Marktwirtschaft in aller Regel die Güter durchsetzen, welche die höchste Qualität aufweisen und dies dürfte sicherlich auch für das Prägen von Münzen und von Geld allgemein gelten.

 

Die wichtigste Voraussetzung für die Gültigkeit des Gresham’schen Gesetzes liegt natürlich darin, dass zumindest zwei Währungen nebeneinander bestehen. Hier wird man davon ausgehen müssen, dass in aller Regel innerhalb eines staatlichen Hoheitsgebietes auch nur eine Währung als offizielle Währung anerkannt ist, wobei von einer offiziellen Währung erwartet wird, dass Schulden, welche in dieser Währung beglichen werden, als endgültig getilgt angesehen werden.

 

Allenfalls im Zusammenhang mit außenwirtschaftlichen Beziehungen kann man davon ausgehen, dass hier mehrere Währungen bestehen, die Währung des Schuldnerlandes wie die Währung des Gläubigerlandes. Aber gerade hier kann festgestellt werden, dass hier eher das gute Geld das schlechte verdrängt und nicht umgekehrt. Wenn nämlich Schulden in der jeweils schwächeren Währung bezahlt werden, hat der Gläubiger zu befürchten, dass sich der Wert dieser Währung im Zeitablauf verschlechtert und dass er auf diese Weise Verluste erzielt. Er wird also darauf drängen, dass die Schulden jeweils in einer harten, stabilen Währung bezahlt werden.

 

Diese Gesetzmäßigkeit (Verdrängen der jeweils schlechteren Währung) ließ sich in den zwei wichtigsten Währungssystemen der Nachkriegszeit: dem IWF (Internationaler Währungsfond) und dem EWS (Europäisches Währungssystem) beobachten. Im Bereich des IWF hatten wir Länder wie Frankreich und Italien, welche auf Wachstum setzten und ein Ansteigen des Preisniveaus in Kauf nahmen und andere Länder, wie vor allem die BRD, welche das Ziel der Geldwertstabilität verfolgten. Diese unterschiedlichen Strategien wirkten sich innerhalb des IWF so aus, dass die wachstumsbewussten Länder immer wieder Devisenbilanzdefizite, die stabilitätsbewussten Länder hingegen Devisenbilanzüberschüsse aufwiesen.

 

In der Folge standen die wachstumsbewussten Länder unter starkem Druck, ihre Währung abzuwerten und gerade aus diesen Gründen verstärkte sich die Nachfrage nach den stabilen Währungen, da man ja wusste, dass über kurz oder lang die harte Währung aufgewertet wurde und auf diese Weise Spekulationsgewinne erzielt werden konnten.

 

Das EWS-System war genauso wie das IWF-System ein Währungsverbund mit festen Wechselkursen. Die Notenbanken der beteiligten Länder waren verpflichtet, durch Interventionen auf den Devisenmärkten den jeweils geltenden Wechselkurs zu verteidigen. In einem unterschied sich jedoch das EWS-System vom IWF-System: Während innerhalb des Bereiches des IWF die Währung eines Mitgliedlandes, nämlich der Dollar als internationale Währung galt, in welcher Schulden endgültig abgelöst werden konnten, wurde für das EWS-System eine neue künstliche Währung (der ECU) geschaffen. Da nun der ECU von der Bewertung aller Mitgliedswährung abhing und somit dem Durchschnitt der nationalen Währungen entsprach und da die einzelnen Länder nach wie vor im unterschiedlichen Maße für die Stabilität ihrer Währung sorgten, musste notwendiger Weise mindestens eine nationale Währung als stabiler eingeordnet werden als der ECU. Dies war vorwiegend die DM. Die Notenbanken der einzelnen Mitgliedsländer waren deshalb bemüht, ihre Währungsreserven vorwiegend nicht in der Gemeinschaftswährung, sondern in der jeweils stabilsten Währung, das heißt in DM anzulegen. Nach wie vor verdrängte die stabilere DM die instabileren Währungen, auch den ECU.

 

Dass trotz dieser Zusammenhänge im Mittelalter die schlechtere Währung die besseren verdrängen konnte, lag an den besonderen Bedingungen der damaligen Zeit. Wie oben bereits erwähnt betrieben die Staaten selbst das Geschäft der Verdrängung, in dem sie den Edelmetallgehalt ihrer eigenen Währung sukzessive verringerten. Da mehrere Staaten im Gleichschritt eine solche Politik verfolgten, gelang es ihn en auch, auf diesem Wege ihre Finanzprobleme zu lösen, ohne dass jedoch ihre eigene Währung verdrängt wurde, was sicherlich eingetreten wäre, wenn nicht mehrere Staaten im Gleichschritt vorgegangen wären.

 

 

5. Maßnahmen zur Vermeidung einer Verdrängung

 

Ganz anders hätte die Situation ausgesehen, wenn eine Verdrängung nicht von oben, also von den Regierungen selbst ausgelöst worden wäre, sondern wenn sich die Verdrängung dadurch ergeben hätte, dass einzelne Marktteilnehmer die besseren Qualitäten aus dem Verkehr ziehen und die Münzen einschmelzen würden.

 

Hier läge es in der Tat in der Entscheidung der Regierungen selbst, Maßnahmen zur Unterbindung einer Verdrängung durchzuführen. Es sind die Staaten, welche durch ihre Garantie, dass Schulden als endgültig getilgt angesehen werden, wenn in bestimmten Währungen gezahlt wurde, mehrere Währungen ‘hoffähig‘ machen. Sie können diese Garantie jederzeit auf eine Währung beschränken und dadurch eine Verdrängung verhindern. Sie könnten auch dann, wenn sie mehrere Währungen zulassen, festlegen, dass alle gültigen Währungen den gleichen Edelmetallgehalt aufzuweisen haben, sodass dann auch keine schlechteren oder besseren Währungen auf dem Markt wären.

 

 

6. Papiergeldwährung

 

Nun haben wir schon lange nicht mehr Währungen, deren Wert vorwiegend durch den Edelmetallgehalt bestimmt wird. Die modernen Industrienationen gingen dazu über, ihren Zahlungsverkehr zunächst vorwiegend mit Papiergeld zu begleichen. Nur noch ausnahmsweise wurden Käufe durch Bezahlung mit Gold oder einem anderen Edelmetall durchgeführt.

 

Aber auch das Zeitalter der Papierwährungen wurde schon sehr bald dadurch abgelöst, dass die Banken Giralgeld schufen und dass auf diese Weise die Begleichung von Rechnungen dadurch erfolgte, dass der geschuldete Rechnungsbetrag von Bankkonto zu Bankkonto überwiesen wurde. Auch war es möglich, dass die Begleichung der Schuld dadurch erfolgte, dass ein Scheck auf ein Konto ausgestellt wurde und dass dieser Scheck selbst wiederum wie ein Geldschein zur Bezahlung wiederholt weitergereicht werden konnte.

 

Eine neue Geldqualität entstand dann mit dem Aufkommen des Internethandels. Hier können in der Tat durch neue Formen Eigenschaften ausgelöst werden, die bisher nur dem Geld zukamen.

 

Alle diese Weiterentwicklungen des Giralgeldes haben eines gemeinsam: Sie vergrößern die Umlaufsge­schwindigkeit des Geldes. Die Geldsumme, welche dem Handelsvolumen gegenübertritt und letztlich bei gegebenem Güterangebot über die Höhe des Preisniveaus bestimmt, vergrößert sich, damit steigt die Gefahr der Inflation. Gleichzeitig handelt es sich beim Giralgeld um eine Geldform, welche nur in begrenztem Maße durch die Notenbank beeinflusst und damit gesteuert werden kann.

 

Wir haben oben bereits hingewiesen, dass nach heutigem Verständnis der Wert des Geldes nicht durch seinen Warenwert (Edelmetallgehalt), sondern dadurch festgelegt wird, dass das Verhältnis der umlaufenden Geldmenge zur Menge an gehandelten Gütern die Höhe des Preisniveaus bestimmt. Der Wert einer Währung wird somit durch den Kehrwert der Inflationsrate bestimmt. Je höher die Inflationsrate ausfällt, umso geringer ist der Wert der Währung.

 

Vergessen wir jedoch für einen Augenblick diese Zusammenhänge und messen wir weiterhin den Wert des Geldes an seinem Warenwert und damit an den Kosten der Erstellung dieses Geldes. In diesem Sinne ist natürlich der Wert des Papiergeldes wesentlich geringer als der Wert irgendwelcher Münzen mit einem Edelmetallgehalt.

 

Die oben erwähnten neueren Formen des Giralgeldes zeichnen sich nun dadurch aus, dass die Herstellungs­kosten pro überwiesener Geldeinheit immer mehr zurückgingen. Über ein Konto werden viel mehr Transaktionen abgewickelt als über einen einzelnen Geldschein.

 

In diesem Sinne wurde der Wert des Geldes immer geringer. Da auf der anderen Seite das Girogeld das Papiergeld und dieses wiederum das Edelmetall als Zahlungsmittel abgelöst hat, können wir in der Tat davon sprechen, dass das schlechtere Giralgeld das Edelmetallgeld verdrängt hat. Bei dieser Interpretation dauerte dieser Verdrängungswettbewerb bis auf den heutigen Tag an. Allerdings sehen wir in dieser Verdrängung durchaus eine positive Entwicklung.

 

 

7. Eurobonds

 

Aus den bisherigen Überlegungen könnten wir den Schluss ziehen, dass das Gresham’sche Gesetz für die heutige Zeit keine Bedeutung mehr habe. Entweder gehen wir von dem heutigen Verständnis über den Wert des Geldes aus, dann beobachten wir, dass das stabilere Geld das weniger stabile verdrängt und nicht umgekehrt, wie das Theorem von Gresham behauptet. Oder aber wir legen unserer Betrachtung die damals gültige Definition des Geldwertes zugrunde und messen somit den Geldwert am jeweiligen Warenwert. In diesem Falle haben zwar das weniger wertvolle Papiergeld sowie das Giralgeld die edelmetallhaltigen  Münzen verdrängt. Aber dieser Prozess ist zu begrüßen, da Papiergeld und Giralgeld sehr viel besser die heutigen mit der Verwendung von Geld erwünschten Funktionen erfüllten kann als die älteren Münzen.

 

Allerdings wird heutzutage die Einführung von Eurobands diskutiert, die zwar kein Geld im engeren Sinne darstellen, sondern staatliche Schuldscheine sind, bei denen jedoch ähnliche Zusammenhänge befürchtet werden müssen als wie beim Gresham’schen Gesetz. Es ist zu befürchten, dass die Euro-Bonds die normalen Staatsanleihen verdrängen, wobei die Stabilität und Sicherheit von Euro-Bonds auf jeden Fall geringer ausfallen wird als die Stabilität der Staatsanleihen der Staaten, die am meisten die Stabilitätskriterien erfüllen. Wir wollen uns deshalb in diesem Kapitel abschließend mit der Problematik der sogenannten Eurobonds befassen.

 

In diesem Zusammenhang wird gefordert, dass die Regierungen, dann wenn sie für ihre Vorhaben Kapital benötigen, nicht nur die Möglichkeit haben sollen, eigene Schuldverschreibungen auszugeben, sondern sich auch gemeinsamer europäischer Bonds bedienen können, wobei ein europäisches Geldinstitut solche Bonds an der Börse verkauft und einzelne Mitgliedsstaaten über die hierbei vereinnahmten Gelder verfügen können.

 

Es werden zurzeit in der Öffentlichkeit recht unterschiedliche Modelle von Eurobonds diskutiert, die sich in den einzelnen Festlegungen beachtlich unterscheiden. So ist unklar, ob sich Staaten immer dann, wenn sie Kapital aufnehmen wollen, der Einrichtung der Eurobonds bedienen oder ob sie nach wie vor auch eigene Staatsanleihen ausgeben können. Weiterhin ist bei einer gemischten Finanzierung (Eurobonds und eigene Staatsanleihen) zu klären, ob solche Bonds nur dann in Anspruch genommen werden sollen, wenn ein Staat Schwierigkeiten hat, eigene Anleihen auf dem Kapitalmarkt auszulegen oder zumindest überproportionale Zinssätze dafür entrichten muss, die nicht mehr aus eigener Kraft aufgebracht werden können.

 

Unklar ist weiterhin, wie die Haftung zu erfolgen hat, wenn ein Staat die Schulden nicht mehr zurückzahlen kann. Haftet die gesamte Euro-Union gleichermaßen entsprechend ihrer Wirtschaftskraft oder vielleicht auch entsprechend der eigenen Inanspruchnahme von Euro-Bonds, oder muss ein wesentlich größerer Teil der Schulden von den Ländern  aufgebracht werden, für die diese Anleihen erfolgt sind. Von der Ausgestaltung dieser neuen Anleihen hängt es jedoch entscheidend ab, ob die Überwindung der Schulden­krise gelingt oder nicht.

 

Das Ziel der Einführung von Euro-Bonds besteht in der Überwindung der Schuldenkrise und damit indirekt der Stabilisierung des Euro. Der erste Versuch der Überwindung dieser Krisen bestand darin, dass die europäische Gemeinschaft einen Fonds (einen Rettungsschirm) bildete, aus dem dann den überschuldeten Ländern Kredite gewährt werden, allerdings mit der Auflage, dass die staatlichen Schulden abgebaut werden und Maßnahmen eingeleitet werden, um die marode Volkswirtschaft dieser Staaten von Grund auf zu reformieren.

 

Dachte man auf diesem Wege einigen wenigen Ländern: Griechenland, Irland, und vielleicht Portugal und Spanien wirksam helfen zu können, stellte sich sehr schnell heraus, dass auch Italien und eventuell sogar Frankreich Gefahr laufen, auf dem Kapitalmarkt keine Anleihen zu normalen Zinsen auflegen zu können und somit ebenfalls den europäischen Rettungsschirm in Anspruch nehmen müssen. Sehr schnell stellte sich jedoch heraus, dass das in diesen Rettungsschirm eingebrachte Kapital keinesfalls ausreicht, auch diese Länder zu bedienen.

 

Zwei Wege wurden in der Folge vorgeschlagen, um diese Krise dennoch überwinden zu können. Man wollte erstens die Wirksamkeit des Rettungsschirms durch eine sogenannte Hebelwirkung entscheidend erhöhen. Und man schlug zweitens vor, dass neuartige Schuldentitel, Euro-Bonds geschaffen werden, um die Kapitalmittel aufzubringen.

 

Die vorgeschlagene Hebelwirkung des Rettungsschirms besteht darin, dass bei gleichbleibender von den Mitgliedsländern eingezahlter Kapitalsumme insgesamt ein Vielfaches an Krediten den überschuldeten Ländern gewährt werden können. Man wollte auf diesem Wege das Risiko, das mit dem Ankauf von Staatsanleihen der überschuldeten Länder verbunden ist, dadurch reduzieren, dass dieser Fonds den Käufern dieser Papiere Sicherheiten gewährt, in dem für die Schulden seitens der europäischen Gemeinschaft gebürgt wird und die Käufer dieser Anleihen nur noch ein geringes Risiko eingehen, dass diese Kredite eines Tages nicht mehr zurückgezahlt werden können. Man erhoffte sich aus diesem Schritt, dass wesentlich mehr Gläubiger bereit sein werden, die Staatsanleihen der überschuldeten Länder zu zeichnen.

 

Auf diesem Wege mag es in der Tat möglich sein, dass insgesamt die Kreditsumme, welche von den Privaten zum Ankauf der Schuldentitel der überschuldeten Länder zur Verfügung gestellt wird, zwar ansteigt. Viel gewonnen ist hierdurch jedoch nicht, da ja die Wahrscheinlichkeit, dass aus dem Rettungsschirm verlorene Zuschüsse gewährt werden müssen, ebenfalls ansteigt. Insofern ist der Rettungsschirm bei einer gleich gebliebenen Gesamtsumme genauso schnell verbraucht, als wenn man diese Hebelung nicht vorgenommen hätte.

 

Was ändert sich nun dann, wenn man anstelle eines Rettungsschirmes die Ausgabe von Eurobonds vorsieht? Die Tatsache der Überschuldung einzelner Länder wird auf diese Weise überhaupt nicht beeinflusst. Es bleibt unklar, was denn eigentlich mit Euro-Bonds besser werden soll als mit der heutigen Praxis des Rettungsschirmes. In beiden Fällen ist zumindest die gleiche Kreditsumme aufzubringen, ja es ist sogar damit zu rechnen, dass nach Einrichtung dieses neuen geldpolitischen Instrumentes eine weit größere Kreditsumme über die Euro-Bonds laufen wird als heute für den Rettungsschirm vorgesehen ist, da ja Euro-Bonds sicherlich auch für ganz normale staatliche Investitionsprojekte vorgesehen werden und deshalb auch dann in Anspruch genommen werden, wenn keine Überschuldung eines Mitgliedslandes vorliegt.

 

Es bleibt also unklar, weshalb man befürchtet, dass ein größeres Land wie z. B. Italien den Rettungsschirm überfordern würde, dass aber eine Ausweitung der Kredit­summe ohne größere Schwierigkeiten mit Hilfe der neu zu schaffenden Euro-Bonds möglich sein soll. In beiden Fällen ist eine größere Kreditsumme aufzubringen und in beiden Fällen haftet die Gesamtheit der europäischen Mitgliedsstaaten für den Fall, dass ein Land nicht in der Lage ist, die aufgenommenen Gelder voll und rechtzeitig zurückzuzahlen.

 

Weitere Unterschiede in der Ausgestaltung der Euro-Bonds bestehen darin, dass in einigen Varianten vorgesehen ist, dass ein Teil der Staatsausgaben der einzelnen Mitgliedsländer von diesen selbst aufzubringen ist oder dass den Ländern, welche dieses Instrument in Anspruch nehmen, eine überdurchschnittliche Beteiligung an der etwaigen Haftung auferlegt wird. Doch wie soll dies gehen, da ja eine solche Notsituation eben gerade dann eintritt, wenn das betreffende Land zahlungsunfähig wird und deshalb auch keine zusätzliche Haftung übernehmen kann.

 

Weiter ist zu klären, ob Euro-Bonds zu einem einheitlichen Zinssatz ausgegeben werden oder ob je nach Güte der zu finanzierenden Objekte unterschiedliche Zinsen vorgesehen werden. Die meisten Vorschläge gehen davon aus, dass allen kreditnehmenden Mitgliedsstaaten ein gleicher Zinssatz abverlangt wird.

 

Aus der Sicht der Käufer solcher Bonds gleichen die Euro-Bonds gewissermaßen einem Wertpapierfonds. In beiden Fällen findet eine Mischung unterschiedlicher Projekte statt, bei einem normalen Fonds erwirbt der Käufer Anteile auf Wertpapiere unterschiedlicher Unternehmungen, bei den Euro-Bonds hingegen repräsentiert dieses Wertpapier Projekte unterschiedlicher Staaten. Bei den normalen Fonds gehen jedoch die Anteile der einzelnen Unternehmungen jeweils mit dem vom Markt bewerteten Kurs ein, während diese Unterschiede verwischt werden, wenn Euro-Bonds – wie zu erwarten ist – mit einem einheitlichen Kurs ausgegeben werden.

 

Darüber hinaus dürfte bei allen möglichen Varianten von Euro-Bonds vorgesehen werden, dass ein europäisches Geldinstitut die Berechtigung solcher Anleihen prüft und gegebenenfalls die Ausgabe solcher Anleihen von ganz bestimmten Kriterien abhängig machen wird. Man wird vermuten können, dass sich diese Bedingungen auch nicht wesentlich von den Bedingungen unterscheiden, welche die überschuldeten Mitgliedsländer heute erfüllen müssen, wenn sie Hilfen aus dem europäischen Rettungsschirm in Anspruch nehmen wollen. Also werden sich auch die Konsequenzen aus diesem neuen Geldinstrument gar nicht wesentlich von der Praxis des europäischen Rettungsschirms unterscheiden.

 

Selbst dann, wenn wir davon ausgingen, dass je nach Güte der einzelnen Projekte unterschiedliche Zinsen gezahlt werden müssen, liegt der Unterschied zwischen beiden Wertpapiertypen (Euro-Bonds und allgemeine Wertpapierfonds) darin, dass bei den Euro-Bonds eine staatliche Instanz darüber entscheidet, welches Gewicht einzelnen Staaten und deren Projekten zukommt, während bei den Fonds der Markt selbst darüber befindet, welches Gewicht den einzelnen Anteilen zugesprochen wird.

 

Nun wird man im Allgemeinen davon ausgehen können, dass der Markt die Höhe eines Risikos und den realen Wert eines Teilprojektes besser bewerten kann als dies einer staatlichen Behörde je möglich sein wird. Zwar wird man zugeben können, dass auch bei der Marktbewertung an der Börse oftmals irrationale Momente mitschwingen, die tatsächlichen Schwankungen der Kurse an den Börsen spielen keinesfalls immer ein korrektes Spiegelbild der realen Ertragsverhältnisse wider. Aber auch die Börse findet unter normalen Bedingungen sehr schnell zu einer realistischen Bewertung zurück und sie könnte dies noch sehr viel besser, wenn bestimmte Reformmaßnahmen eingeführt würden.

 

Die teilweise rasanten Kursbewegungen der Vergangenheit sind vor allem auf zwei Faktoren zurück­zuführen. Auf der einen Seite werden destabilisierende Spekulationen vor allem von unkundigen Laien ausgelöst, welche nicht in der Lage sind zu beurteilen, ob bestimmte Kursveränderungen auf reale Veränderungen zurückgeführt werden können. Sie werden deshalb Kurssenkungen immer mit der Erwartung verbinden, dass weitere Kurssenkungen folgen werden und gerade deshalb ihre eigenen Wertpapiere abstoßen. Dieser Prozess verstärkt die Abwärtsbewegung. Kundige Makler werden hingegen auf eine Preissenkung nur dann mit Verkäufen reagieren, wenn sie feststellen können, dass auch die realen Faktoren auf eine Preissenkung drängen.

 

Darüber hinaus werden auch dadurch abrupte Schwankungen in den Wertpapierkursen ausgelöst, dass viele größere Unternehmungen Programme installiert haben, welche automatisch einen Verkauf von Wertpapieren dann auslösen, wenn der Kurs dieser Papiere auf eine bestimmte Höhe fällt bzw. um einen bestimmten Betrag zurückgeht. Handeln viele größere Unternehmungen auf diese Weise und setzen unter Umständen sogar die gleichen Programme ein, kann es in kürzester Zeit aufgrund eines einmaligen auch rein zufälligen Kursabfalls zu einem rasanten Verkauf dieser Wertpapiere und dadurch ausgelöst zu einem Kurssturz führen, der in keinster Weise durch die realen Vorgänge gedeckt ist. Auf diese Weise kann aufgrund eines Fallens bestimmter Kurse eine große Menge an Wertpapieren in einem Zuge verkauft werden, was dann zu einem allgemeinen Kurssturz und damit zu einem Börsencrash führen kann.

 

Diese Irritationen könnten durchaus vermieden werden, wenn die Ordnung der Börsen geändert würde. Auf der einen Seite setzt ein rationales Verhalten an den Börsen fundierte Kenntnisse über die realen wirtschaftlichen Vorgänge voraus. Laien verfügen im Allgemeinen nicht über ausreichende Kenntnisse. Zwar werden an Börsen nur Makler und Banken zugelassen. Trotzdem beeinflussen Laien in großem Umfang das Börsengeschehen, in dem sie ihre Banken zum Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren beauftragen. Nun können zwar die Banken verpflichtet werden, ihre Kunden zu beraten und gegebenenfalls von beabsichtigten Transaktionen abraten. Dies wird jedoch nicht befriedigend funktionieren können, da Banken an den Umsätzen ihrer Kunden verdienen und ein Interesse haben, das keinesfalls immer mit dem Interesse ihrer Kunden zusammenfällt. Eine bessere Beratung könnte von eigens hierfür vorgesehenen Agenten erfolgen, deren Interesse nicht mit dem Interesse der Banken zusammenfällt.

 

Auch diese Crashs könnten durchaus vermieden werden. So wird erwogen, dass die Börsenleitung notfalls die Börse für eine kurze Zeit schließen kann, wenn ein solcher Crash bevorsteht. Noch besser wäre es, wenn die Menge an Wertpapieren, welche in einem einzelnen Akt gehandelt werden dürfen, beschränkt wäre. Wenn also das Abfallen des Kurses eines Wertpapiers in einem ersten Schritt nur zu einer relativ kleinen Menge an Transaktionen führen dürfte, wären die durch diese Verkäufe induzierten weiteren Kursverluste ebenfalls beschränkt. Gerade der Umstand, dass dann der Kurssturz sehr viel geringer als erwartet ausfällt, trägt dann selbst wiederum dazu bei, dass sich die Märkte relativ schnell wiederum beruhigen.

 

Es geht also hier nicht darum, dass staatlicherseits die Anzahl der Transaktionen begrenzt wird, sondern lediglich darum, dass die geplanten Veränderungen in möglichst kleinen Schritten vollzogen werden. Eine Preisänderung löst dann zunächst nur eine kleine Mengenreduktion aus, gerade dieser Umstand trägt dann dazu bei, dass auch die dadurch ausgelösten weiteren Preissenkungen geringer ausfallen. In diesem Falle ist die Gefahr, dass die Kursänderungen jeweils über ihr Ziel hinausschießen und damit wellenförmige Kursschwankungen verursachen, sehr viel geringer.


 Alle bisher in Aussicht genommenen Maßnahmenkomplexe stellen im Grunde ungeeignete Instrumente dar, um das Problem der europäischen Schuldenkrise zu lösen. Sie leiden alle darunter, dass sie nicht die eigentlichen Ursachen der Schuldenkrise in Angriff nehmen, sondern an äußeren Symptomen ansetzen. Es geht nicht primär darum, dass den Mitgliedsstaaten Instrumente an die Hand gegeben werden, mit denen sie alle volkswirtschaftlich noch so fragwürdigen Ausgaben finanzieren können, sondern es ist sicherzustellen, dass in naher Zukunft alle Mitgliedsländer der Europäischen Währungsunion ihre Volkswirtschaften soweit reformieren, dass sie in der Lage sind, die als notwendig erachteten Staatsausgaben aus dem laufenden Inlandsprodukt zu finanzieren.

 

Die Schuldenkrise kann auch nicht dadurch gelöst werden, dass eine Verringerung der Staatsverschul­dung vorwiegend auf dem Wege angesteuert wird, dass die Summe der Steuern wesentlich gesteigert wird. Auf einem solchen Wege wird keine dauerhafte Lösung zu erwarten sein, da Steuererhöhungen den Konjunkturaufschwung und das wirtschaftliche Wachstum gefährden und da deshalb auf diese Weise keine befriedigende Lösung auf Dauer erreicht werden kann. Vielmehr kommt es darauf an, die Staatsausgaben auf ein Niveau zurückzuschrauben, das auch auf Dauer aus dem Inlandsprodukt finanziert werden kann. Natürlich gibt es zahlreiche Aufgaben des Staates, die an und für sich wünschenswert sind, die aber nie und nimmer aus einem zu geringen Inlandsprodukt getragen werden können. Es kommt zuerst darauf an, dass ein ausreichendes Inlandsprodukt garantiert wird, aus dem dann die ehrgeizigen sozialen Ziele finanziert werden können.

 

Der richtige Weg in einen modernen Sozialstaat besteht darin, dafür Sorge zu tragen, dass möglichst effizient produziert wird, dass durch Innovationen das Inlandsprodukt wächst. Dann erhält der Staat auch von selbst die Steuereinnahmen, welche notwendig sind, ehrgeizige soziale Ziele zu realisieren. Im Gegensatz zu den beiden zunächst angegangenen Versuchen aus der Krise zielt jedoch der Vorschlag der Einführung von Euro-Bonds auf eine dauerhafte Einrichtung, die wie noch zu zeigen sein wird, auch nicht mehr so schnell verlassen werden kann. ***

 

Ein ähnlicher fataler Zusammenhang wie bei dem Gresham’schen Gesetz wäre auch bei der Einführung von Euro-Bonds zu erwarten. Auch hier wäre damit zu rechnen, dass mit der Zeit die Staatsanleihen einzelner Länder zugunsten der Euro-Bonds verdrängt werden. Während aber bei den Staatsanleihen der Zinssatz, den ein einzelnes Land zu zahlen hat, den Marktwert dieser Wertpapiere widerspiegelt, entspricht der Marktwert der Euro-Bonds dem durchschnittlichen Ertrag der Staatsanleihen in der gesamten Europäischen Währungsunion und wäre damit auf jeden Fall geringer als der der jeweils produktivsten Volkswirtschaften.

 

In den Ländern mit der geringsten Produktivität würden die Regierungen stets Euro-Bonds in Anspruch nehmen, da die Zinsen für eigene Staatsanleihen aufgrund des relativ hohen Risikos unbezahlbar würden. Diese Länder könnten bei Aufnahme von Euro-Bonds stets einen geringeren und damit für sie günstigeren Zins erreichen.

 

Aber auch in den produktivsten Volkswirtschaften würde ein starker Anreiz bestehen, die notwendigen Staatsausgaben mit Euro-Bonds zu finanzieren. Wenn sie schon für die riskanten Aktivitäten der am wenigsten produktiven Volkswirtschaften mit haften müssen, sind auch die anderen Staaten bestrebt, die günstigeren Bedingungen der Euro-Bonds in Anspruch zu nehmen. Es ist natürlich für ein einzelnes Land immer günstiger, die anderen Staaten für riskante Aktivitäten mit haften zu lassen, als selbst die volle Haftung zu übernehmen.

 

Je mehr nun dieses Verfahren der Ausgabe von Euro-Bonds von allen Mitgliedsstaaten übernommen wird, um so um geringer wird die Bereitschaft sein, sich stabilitätsbewusst zu verhalten auch unter denjenigen Ländern, welche sich bisher stabilitätsbewusst verhalten haben. Der Ansatz einer Finanzierung über Euro-Bonds ist somit aus zweierlei Gründen ungeeignet.

 

Auf der einen Seite wird hier – wie bereits weiter oben gezeigt – am Symptom kuriert und nicht die eigentlichen Ursachen der Überschuldung angegangen. Eine Überschuldung eines Landes kommt letzten Endes dadurch zustande, dass die Staatsausgaben im Vergleich zum Inlandsprodukt zu hoch sind und dass die Staatsausgaben zu sehr den Konsum und weniger die produktivitätssteigernden Infrastruktur­investitionen begünstigen. Was also nottut besteht darin, das Niveau der Staatsausgaben in den überschuldeten Ländern insgesamt zu verringern und den Anteil der konsumtiven Staatsausgaben zugunsten der investiven Ausgaben zu reduzieren. Natürlich muss darüber hinaus sichergestellt sein, dass die Belastungen einigermaßen gerecht verteilt sind und dies ist nur dann der Fall, wenn die Reicheren ihre Steuern nicht hinterziehen.

 

Auf der anderen Seite ist dieser Ansatz (Einführung von Euro-Bonds) darüber hinaus verfehlt, da Anreize verstärkt werden, die Geldwertstabilität zu vernachlässigen. Die heute überschuldeten Länder haben keinen Anreiz, die eigene Staatsverschuldung abzubauen, die Euro-Bonds wurden ja gerade geschaffen, um die Finanzierungsmöglichkeiten der überschuldeten Länder zu verbessern. Aber gerade deshalb weil die produktiveren Volkswirtschaften für die Fehlentscheidungen der überschuldeten Länder aufkommen müssen, verlieren sie den Anreiz, sich selbst möglichst stabilitätsbewusst zu verhalten. Aus der Sicht des einzelnen Mitgliedslandes ist es immer vorteilhafter, wenn die Gemeinschaft der Länder mithaftet, wenn also die Haftung auf mehrere Schultern verteilt wird.

 

Zugunsten einer Einführung von Euro-Bonds wird im Allgemeinen angeführt, dass nur auf diese Weise die innerhalb der Europäischen Gemeinschaft geschuldete Solidaritätspflicht erfüllt werden könne. Europa könne nur dann zu einem einheitlichen Staatengebilde zusammenwachsen, wenn die stärkeren Mitglieds­­länder den schwächeren zu Hilfe kommen.

 

Nun übersieht diese Betrachtung, dass die Gründer der Europäischen Union gar nicht die Absicht verfolgten, einen europäischen Zentralstaat zu errichten vergleichbar mit der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika. Aber selbst für die USA gilt, dass für die Schulden eines USA-amerikanischen Landes nur dieses Land aufzukommen hat, es besteht keine Verpflichtung, dass im Rahmen eines Finanzausgleiches alle US-Staaten die Ablösung der Schulden mit übernehmen.

 

Aber selbst dann, wenn man diese Grundidee verlassen wollte und tatsächlich einen einheitlichen zentral geführten Bundesstaat Europa schaffen wollte, ist es fragwürdig, ob gerade auf diesem Wege den überschuldeten Ländern geholfen wird. Im Sinne des Subsidiaritätsprinzips kommt es darauf an, sich auf eine Art Hilfe zur Selbsthilfe zu beschränken. Eine solche Hilfe kann nicht darin bestehen, dass man den überschuldeten Ländern dazu verhilft, auch in Zukunft über ihre Verhältnisse zu leben, sondern nur darin, dass man sie in den Bemühungen unterstützt, die Struktur ihrer eigenen Volkswirtschaft so zu reformieren, dass in Zukunft dieser Staat keiner weiteren finanziellen Unterstützung der europäischen Gemeinschaft bedarf. Dieses Ziel kann jedoch sehr viel besser erreicht werden, wenn die heute überschuldeten Länder gezielt kostengünstige Kredite oder auch verlorene Zuschüsse für konkrete ertragsträchtige Infrastruktur­investitionen erhalten würden.

 

Eine solche Hilfe könnte sich am Marshallplan orientieren, den die USA-Regierung nach Beendigung des zweiten Weltkrieges Deutschland und anderen europäischen Staaten zukommen ließ. Einzelne Unternehmungen bekamen in Form von zinsvergünstigten Darlehen Starthilfen für den Wiederaufbau. Sie mussten diese Kredite später wieder zurückzahlen. Diese Gelder wurden jedoch in einen Fonds eingezahlt, der für weitere Kredite an andere Unternehmungen reserviert war. So übten die Marshallplangelder eine multiplikative Wirkung aus.

 

Aus der Sicht der amerikanischen Volkswirtschaft handelte es sich hierbei um verlorene Zuschüsse, da diese Geldsummen nicht an den amerikanischen Staat zurückgezahlt werden mussten. Trotzdem profitierte die amerikanische Wirtschaft von diesem Plan, da nur ein wiederaufgebautes Deutschland in der Lage war, amerikanische Waren zu importieren.