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Seminar über Ökonomische Gesetze

 

 

Gliederung:

 

  1. Gibt es überhaupt ökonomische Gesetze?

  2. Das Bevölkerungsgesetz von Malthus

  3. Das Gesetz von der Gleichgewichtstendenz

  4. Das Cobweb-Theorem 

  5. Das Gesetz vom abnehmenden Grenzertrag 

  6. Die Gossen‘schen Gesetze

  7. Das Gesetz von der Minderschätzung zukünftiger Bedürfnisse

  8. Das Harberger Dreieck

  9. Das Grasham’sche Gesetz

10. Das Okun’sche Gesetz

11. Das Gesetz vom Zusammenbruch der kapitalistischen Gesellschaft

12. Das Arrow-Paradox

 

 

 

Kapitel 6. Die Gossen‘schen Gesetze

 

 

Gliederung:  

 

1. Lehrgeschichtliche Einführung

2. Das erste Gossen‘sche Gesetz für einzelne Güter

3. Übertragung des 1. Gesetzes auf Einkommen

4. Zunächst zunehmender Grenznutzen?

5. Konstanter Grenzniveaunutzen?

6. Das zweite Gossen’sche Gesetz

7. Kardinaler versus ordinaler Nutzenmaßstab

8. Das Paretianische Indifferenzkurvensystem

 

 

1. Lehrgeschichtliche Einführung

 

Wir wollen uns in diesem 6. Kapitel mit den beiden Gossen’schen Gesetzen und ihren Weiterentwicklungen befassen. Während sich die klassische Volkswirtschaftslehre als eine objektive Wertlehre verstand, entwickelte die neoklassische Theorie zumindest in ihrer Variante als Wienerschule eine subjektive Wertlehre.

 

Bekanntlich entstand im Rahmen der Wirtschaftswissenschaften seit etwa den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts eine Renaissance klassischer Gedankengänge, die als Neoklassik in die Geschichte eingegangen waren. Hierbei fand der Start dieser Wiedergeburt klassischer Lehren an drei verschiedenen Stellen statt und zwar in Österreich (Wien) um Carl Menger Eugen von Böhm-Bawerk und Friedrich von Wieser, kurz als Wiener Schule oder auch Grenznutzenschule bezeichnet, weiterhin in Großbritannien (Cambridge) um W. St. Jevons und Alfred Marshall, kurz Cambridge-Schule genannt und drittens schließlich in der Schweiz (Lausanne) um L. Walras und Vilfredo Pareto, kurz Lausanner Schule genannt. Wir befassen uns hier in diesem Kapitel allein mit der Grenznutzenschule.

 

David Ricardo, einer der Hauptvertreter der Frühklassik, versuchte nachzuweisen, dass der langfristige Wert der Güter letzten Endes davon bestimmt wird, wie viele Arbeitsstunden zur Produktion einer Gütereinheit benötigt werden. Das Anliegen der Wiener Schule hingegen bestand darin, aufzuzeigen, dass letztendlich der Nutzen, den der Konsum eines Gutes in seiner letzten Verwendung stiftet, den langfristigen Wert eines Gutes bestimmt.

 

Diese subjektiven Theorien finden ihre Wurzel allerdings in Vorstellungen, welche sehr viel früher etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts von Hermann Heinrich Gossen entwickelt worden waren und zu Ehren dieses Forschers als Gossen’sche Gesetze in die Geschichte eingegangen sind.

 

Zunächst wurden diese Theorien von den Vertretern der Wiener Schule mehr oder weniger übernommen. Später wurde eine gewisse Korrektur notwendig, da Vilfredo Pareto darauf aufmerksam gemacht hatte, dass Nutzen weder kardinal gemessen noch interpersonell verglichen werden könne. Im Rahmen des von der Lausanner Schule entwickelten Indifferenzkurvensystems wurden dann diese Gedankengänge in etwas abgewandelter Form übernommen. Später hat Gary S. Becker die Konsumtheorie weiterentwickelt, in dem er die Bedarfsstruktur näher analysierte und zeigte, dass die Struktur der Indifferenzkurven selbst wiederum von wirtschaftlichen Variablen bestimmt wird und dass es deshalb möglich ist, den Datenkranz der Wirtschaftstheorie weiter hinauszuschieben.

 

 

2. Das erste Gossen‘sche Gesetz für einzelne Güter

 

Das erste Gossen’sche Gesetz besagt in seiner ursprünglichen Form, dass der Nutzen, den man aus dem Konsum eines Gutes zieht, mit wachsendem Konsum steigt, dass aber der Zuwachs an Nutzen, der als Grenznutzen bezeichnet wird, mit jeder zusätzlichen Konsumeinheit abnimmt.

 

Wir können diese Gesetzmäßigkeit in einem Diagramm darstellen, auf dessen Ordinate der Gesamtnutzen aus dem Konsum eines einzelnen Gutes und auf dessen Abszisse die jeweilige Gütereinheit abgetragen wird:

 

 

 

 

 

Aus dieser Funktion können wir dann den Verlauf des Grenznutzens der jeweils letzten konsumierten Gütereinheit ableiten, indem wir auf der Ordinate den Grenznutzen sowie auf der Abszisse die Gütereinheit abtragen:

 

 

 

 

Betrachten wir diese Funktionen etwas genauer: Im Koordinatenursprung (also im Nullpunkt) ist der Gesamt­nutzen gleich null, der Grenznutzen nicht definiert. Bei der Konsummenge 1 entspricht der Ordinatenwert sowohl des Gesamtnutzens als auch des Grenznutzen gerade dem Nutzenwert der ersten konsumierten Gütereinheit.

 

Im weiteren Verlauf steigt der Gesamtnutzen, bzw. sinkt der Grenznutzen, allerdings mit immer geringer werdenden Werten. Für die Frage, wie diese Funktionen sich weiterentwickeln, sind drei Varianten denkbar. Erstens wäre es möglich, dass bei jeder weiteren Konsumgütereinheit der Nutzen – wenn auch immer geringer – steigt, die Gesamtnutzenkurve nähert sich hier asymptotisch dem Sättigungspunkt, der aber bei endlichen Werten niemals erreicht wird.

 

 

 

 

Bei einer zweiten Variante erreicht die Gesamtnutzenfunktion den Sättigungspunkt, steigt dann jedoch bei einem weiteren Güterzuwachs nicht mehr weiter, die Kurve verläuft somit von diesem Punkt an parallel zur Abszisse. Die Grenznutzenkurve hingegen schneidet die Abszisse, ohne dass sie jedoch im negativen Bereich fortgesetzt wird:

 

 

 

 

Bei einer letzten Variante schließlich erreichen die Nutzenfunktionen ebenfalls den Sättigungspunkt; bei einer weiteren Zunahme der Konsumgütermenge hingegen tritt eine Nutzenminderung ein, die Gesamtnutzenkurve erhält einen fallenden Verlauf, während die Grenznutzenkurve in das negative Feld überwechselt:

 

 

 

 

Sicherlich stellen Variante eins und zwei Extremfälle dar, welche in der Realität nur in den seltensten Fällen anzutreffen sind. Die Regel dürfte bei Variante drei liegen, bei der von einer kritischen Menge an der Nutzenzuwachs negativ wird, also von einem positiven Nutzen in einen negativen Schaden überwechselt.

 

Nehmen wir als Beispiel eine Person, die am Verdursten ist und nun mehrere Gläser Wasser trinkt. Das erste Glas Wasser bringt dem Verdurstenden einen extrem hohen Nutzen, verhindert es doch, dass diese Person verdurstet und stirbt. Das zweite und vielleicht dritte Glas steigert vielleicht noch das Wohlbefinden. Trinkt jedoch diese Person weitere Gläser Wasser, so erreicht sie bald einen Punkt, bei dem sich Unwohlbefinden einstellt und der Nutzen in einen Schaden übergeht.

 

 

3. Übertragung des 1. Gesetzes auf Einkommen

 

Wir hatten bereits darauf hingewiesen, dass die moderne Haushaltstheorie und die moderne Unternehmungs­theorie parallel zueinander entwickelt wurden und dass innerhalb der Unternehmungstheorie zwischen partiellem Grenzprodukt und Grenzniveauprodukt unterschieden wird. Während sich das partielle Grenzprodukt lediglich auf die Veränderung in einem einzigen Produktionsfaktor (bei Konstanz der übrigen Produktionsfaktoren) bezieht, spricht man vom Grenzniveauprodukt dann, wenn alle Produktionsfaktoren proportional verändert werden. Es liegt nahe zu fragen, ob nicht auch in der Haushaltstheorie ähnliche Phänomene auftreten, ob man also nicht auch zwischen einem partiellen Grenznutzen und einem Grenzniveaunutzen sprechen kann, wobei sich beide Kurvenverläufe in der Haushaltstheorie nicht auf den Einsatz von Produktionsfaktoren, sondern einzelner Konsumgüter beziehen.

 

Ein solcher Bezug findet dann statt, wenn man den Nutzenverlauf nicht in Abhängigkeit des Konsums einzelner Güter verfolgt, sondern fragt, wie sich der Nutzen eines Haushaltes verändert, wenn sich das privat verfügbare Einkommen dieses Haushaltes verändert.

 

Auch hier wird im Allgemeinen davon ausgegangen, dass eine Zunahme des Einkommens (also etwa eine Zunahme der zur Verfügung stehenden Konsumsumme) zu einer Nutzensteigerung führt, dass aber bei kontinuierlicher Zunahme des Einkommens der Nutzenzuwachs der zuletzt hinzugekommenen Einkommenseinheit abnimmt:

 

 

 

 

Auch beim Grenznutzenverlauf bezogen auf das Einkommen können wir die oben unterschiedenen drei Varianten beobachten: Der Grenznutzenverlauf kann sich erstens asymptotisch der Abszisse nähern, er kann die Abszisse schneiden und dann der Abszisse folgen oder schließlich in den negativen Bereich hineinreichen. Weiter unten werden wir allerdings sehen, dass die dritte Variante hier vermutlich nur sehr selten zu erwarten ist, wahrscheinlicher ist die erste Variante, wonach jede Einkommenssteigerung einen gewissen Zusatznutzen bringt.

 

 

4. Zunächst zunehmender Grenznutzen?

 

Bleiben wir bei den Parallelen zur Produktionstheorie. Wir hatten bei der Diskussion über die Ertragsgesetze in Kapitel 5 zwischen zwei verschiedenen Ertragsgesetzen unterschieden: zwischen der klassischen Variante und der Cobb-Douglas-Produktionsfunktion. Während die Cobb-Douglas-Produk­tions­funktion eine Abnahme des partiellen Grenzertrages vom ersten Einsatz eines Produktionsfaktors unterstellt, kennt die klassische Variante des Ertragsgesetzes zunächst einen steigenden und erst ab einer kritischen Menge des eingesetzten Produktionsfaktors einen abnehmenden Grenzertragsverlauf.

 

Wie steht es nun in dieser Frage in der Haushaltstheorie? Müssen wir auch hier mit der Möglichkeit rechnen, dass bei geringen Konsummengen der Grenznutzen zunächst steigt und erst dann wiederum ab einer kritischen Konsummenge mit abnehmendem Grenznutzen zu rechnen ist?

 

Bringen wir zur Verdeutlichung ein Beispiel: Eine Person höre sich mehrmals ein Violinkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart an. Hier können wir durchaus damit rechnen, dass diese Person beim ersten Anhören dieses Konzertes noch nicht alle musikalischen Feinheiten wahrgenommen hat, dass einige Klänge und Harmonien erst nach einem zweiten oder dritten Anhören überhaupt erst wahrgenommen werden und dass in dieser Hinsicht das zweite oder auch dritte Anhören einen höheren musikalischen Genuss bereitet als das Anhören dieses Konzertes beim ersten Mal. Hier würde also in der Tat zunächst der Grenznutzen steigen. Aber bei irgendeiner Wiederholung wären diese zusätzlichen Gewinne im musikalischen Genuss aufgebraucht, ein weiteres Anhören würde keine Nutzensteigerung mehr bringen, der Reiz des Neuen würde verschwinden.

 

Bei der Diskussion der Ertragsgesetze haben wir gesehen, dass die gewählte Technik bestimmt, bei welchem Einsatzverhältnis der einzelnen Produktionsfaktoren ein optimales Ergebnis erzielt werden kann und der Umstand, dass eine Zunahme eines Produktionsfaktors zunächst steigende Ertragszuwächse bringt, muss dann damit erklärt werden, dass der untersuchte Produktionsfaktor zunächst in suboptimaler Menge eingesetzt war. In diesem Falle führt der vermehrte Einsatz dieses Faktors dazu, dass man sich dem optimalen Einsatzverhältnis nähert. Ist dies aber erreicht und fährt man fort, den untersuchten Produktionsfaktor weiter vermehrt einzusetzen, so entfernt man sich wieder vom optimalen Einsatzverhältnis mit der Folge, dass die Grenzerträge dieses Produktionsfaktors nun abnehmen.

 

Ähnliche Überlegungen gelten auch für den Verlauf der Grenznutzenkurve. Auch hier kann man davon sprechen, dass ein Nutzenoptimum dann erreicht wird, wenn in einem Komplementaritätsverhältnis stehende Konsumgüter in einem ganz bestimmten Einsatzverhältnis stehen. Wenn wir unser Frühstück damit beginnen, dass wir z. B. fünf Scheiben Brot mit einer winzigen Menge Butter essen, so steigt vielleicht der Grenznutzen der Butter, wenn wir vermehrt Butter konsumieren, aber auch hier dürfte von einer bestimmten Buttermenge an der Grenznutzen der Butter sinken.

 

Das Beispiel des Anhörens eines Musikstückes weist jedoch auf einen anderen Zusammenhang hin. Wir gehen hier davon aus, dass das Abspielen eines Konzertes eine Vielzahl von Eindrücken hervorruft und dass unsere Aufnahmekapazität nicht ausreicht, alle diese Eindrücke bei einem einzigen Anhören aufzunehmen. Dieser Umstand bringt es dann mit sich, dass der musikalische Genuss beim zweiten und vielleicht dritten Anhören noch steigt. In dem Augenblick hingegen, in dem alle Eindrücke erkannt sind, entfällt jedoch der Grund für ein weiteres Ansteigen des musikalischen Genusses.

 

 

5. Konstanter Grenzniveaunutzen?

 

Fahren wir mit den Parallelen zur Unternehmungstheorie fort. Bei der Diskussion der Cobb-Douglas-Produktions­funktion hatten wir gesehen, dass hier nur für die partiellen Grenzerträge das Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs gültig ist, dass aber das Grenzniveauprodukt als konstant zu gelten hat. Wir konnten diese Merkmale der Cobb-Douglas-Funktion damit erklären, dass es so etwas wie ein optimales Einsatzverhältnis der Produktionsfaktoren gibt und dass jedes Abweichen von diesem Verhältnis sinkende Ertragszuwächse zur Folge hat.

 

Können wir auch im Bereich der Grenznutzentheorie damit rechnen, dass zwar die partiellen Grenznutzen bei vermehrtem Konsum eines Gutes abnehmen, dass aber der Grenznutzen des Einkommens als konstant zu gelten hat? Auch hier gingen wir ja davon aus, dass es bei komplementären Konsumgütern durchaus ein optimales Einsatzverhältnis gibt.

 

Trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass bei Einkommenssteigerungen und bei Beibehaltung der Struktur der konsumierten Güter mit einem konstanten Grenzniveaunutzen gerechnet werden kann. Zwar gibt es sehr wohl gute Gründe, dass der Grenznutzen des Einkommens konstant ist, diese Tatsache hängt jedoch nicht damit zusammen, dass die Konsumstruktur konstant bleibt.

 

Bringen wir nochmals das Beispiel von Brot und Butter als Brotaufstrich. Obwohl es sicherlich richtig ist, dass es so etwas wie eine optimale Zusammensetzung dieses aus Brot und Butter bestehenden Güterbündels gibt, kann daraus nicht geschlossen werden, dass eine bloße Vermehrung dieses Güterbündels unbegrenzt Nutzenzuwächse bringt. Ganz im Gegenteil würde gerade dann, wenn eine Person immer mehr mit Butter bestrichene Brote essen würde, sehr bald eine Sättigung eintreten und dies bedeutet, dass der Grenznutzen dieses Güterbündels von einer bestimmten Menge an sinkt.

 

Der Grund hierfür liegt darin, dass der menschliche Körper so gebaut ist, dass er nicht unbegrenzte Güter konsumieren kann, dies gilt nicht nur für Nahrungsmittel, sondern aus den verschiedensten Gründen wohl für alle denkbaren Güter. Äußert sich die Wohlstandssteigerung allein darin, dass von denselben Gütern nur einfach mehr konsumiert wird, stößt der Mensch an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit, Unbehagen und Langeweile stellen sich ein, welche abnehmende Grenznutzen herbeiführen.

 

Trotzdem mag es richtig sein, dass trotz eines vermehrten Einkommens bei richtigem Konsumverhalten der Nutzenzuwachs nicht abnimmt. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass immer wieder neuartige Güter konsumiert werden, welche sich in der Qualität von den bisher konsumierten Gütern unterscheiden. Und in der Erfindung neuartiger Konsumgüter hat sich der Mensch als unermüdlich gezeigt. Zwar sind im Laufe der Lehrgeschichte immer wieder Persönlichkeiten aufgetaucht, die prophezeit hatten, dass sehr bald mit einer Sättigung gerechnet werden müsse, dass aus diesem Grunde der Konsum nicht mit dem Einkommen ansteige und dass deshalb aus Gründen einer zu geringen Konsumnachfrage letztlich Massenarbeitslosigkeit zu erwarten sei.

 

Diese düsteren Prophezeiungen sind bisher nicht eingetreten, wie Alois Schumpeter zeigte, sind diese Prophezeiungen immer wieder durch den Gang der Geschichte widerlegt worden, weil es diesen Propheten an Phantasie mangelte, sich vorzustellen, dass der menschliche Bedarf im Grunde unersättlich ist.

 

 

 

6. Das zweite Gossen’sche Gesetz

 

Befassen wir uns nun mit dem sogenannten zweiten Gossen’schen Gesetz. Während das erste Gesetz die Abhängigkeit der Nutzenvorstellungen vom Umfang der Konsummenge beschreibt und insoweit eine Hypothese über menschliches Verhalten darstellt, geht es beim zweiten Gossen’schen Gesetz um eine Maximierungsregel. Sie gibt an, wie sich der einzelne Konsument verhalten sollte, um seinen Nutzen zu maximieren. Es wird hier also nicht behauptet, dass der Konsument immer oder auch nur in der Mehrzahl der Fälle sich nutzenmaximierend verhält, sondern nur festgestellt, dass er sich nach dieser Regel verhalten muss, wenn er seinen Nutzen maximieren möchte.

 

Nun gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass ein Großteil der Klassiker und vor allem auch Neoklassiker in der Tat unterstellt haben, dass sich die Menschen im Allgemeinen auch in dieser Weise tatsächlich verhalten, also ihren Nutzen zu maximieren versuchen. Es ist jedoch äußerst schwierig, eine solche weitergehende Hypothese zu beweisen. Denn entweder versteht man die These von der Nutzenmaximierung im Sinne des Hedonismus, wonach die Menschen dazu neigen, stets lustbetont und unlustvermeidend zu handeln. Eine solche enge Interpretation der These von der Nutzenmaximierung wird jedoch keineswegs von der Mehrheit der Wissenschaftler geteilt. Sie dürfte auch kaum empirisch belegt werden können. Oder aber man weitet bewusst diesen Begriff aus und summiert darunter jeden Versuch, beliebige Zielsetzungen so anzugehen, dass im Endergebnis ein höchstmöglicher Zielerreichungsgrad erreicht wird. Ein solches Verhalten lässt sich zwar durchaus oftmals empirisch feststellen, der Begriff der Nutzenmaximierung wird hier aber so ausgeweitet, dass er fast zur Leerformel wird.

 

Eine Leerformel liegt immer dann vor, wenn keine der denkmöglichen Alternativen ausgeschlossen wird und wenn diese Aussage deshalb immer gültig ist. Der empirische Wahrheitsgehalt einer Hypothese ist demgegenüber um so größer, je mehr denkmögliche Alternativen als faktisch nichtmöglich ausgeschlossen werden.

 

Bringen wir ein Beispiel dafür, dass der Begriff der Nutzenmaximierung oftmals so ausgeweitet wird, dass sich unter diesem Begriff keine echte empirisch gehaltvolle Hypothese verbirgt. Nehmen wir an, wir beobachten eine Person, welche einen 500 €-Geldschein aus seinem Portemonnaie nimmt und diesen vor aller Augen mit Hilfe eines Feuerzeugs verbrennt. Dies stellt sicherlich eine Verhaltensweise dar, welche nach allgemeinem Verständnis als irrational gehalten wird und welche deshalb der Zielsetzung einer Nutzenmaximierung augenscheinlich widerspricht. Mit 500 € hätten sicherlich manch nutzenstiftende Güter oder auch Dienstleistungen erworben werden können.

 

Aber selbst ein solches Verhalten kann man – wenn man will – immer noch als nutzenmaximierend ansehen, wenn man einen möglichst weiten Begriff der Nutzenmaximierung wählt. So könnte man z. B. darauf hinweisen, dass derjenige, welcher eine solch offensichtlich irrationale Tat vollbringt, immer noch seinen Nutzen vergrößert und damit maximiert, da er eben  eine so große Freude an dieser Tat und vor allem an der Zurschaustellung dieser Aktion hat, dass diese ihm mehr Wert ist und damit größeren Nutzen stiftet, als dann, wenn er für diese Geldsumme bestimmte Waren erworben hätte.

 

Hier wird der Begriff der Nutzenmaximierung in der Tat zur nichtssagenden Leerformel. Man bemüht sich gar nicht darum, festzulegen, unter welchen Voraussetzungen ein Nutzen maximierendes Verhalten vorliegt und vor allem unter welchen Voraussetzungen gegen diese Regel verstoßen wird. Man verweist darauf, dass gerade deshalb, weil man ein solches Verhalten empirisch beobachten kann, die beobachtete Person durch ihre Handlung zum Ausdruck bringt, dass sie ihm einen Nutzengewinn bringt und dass sie unter allen dieser Person bekannten Alternativen auch diejenige ist, welche ihm den größten Nutzen stiftet.

 

Hier wird stillschweigend unterstellt, dass sich jeder Mensch bei all seinen Handlungen nutzenmaximierend verhält, dass ein nichtnutzenmaximierendes Verhalten gar nicht denkbar sei. Wenn man von Nutzenmaximierung spricht, will man hier gar keine empirisch gehaltvolle Aussage über das Verhalten der Menschen machen, welche auch falsch sein könnte; man benützt hier vielmehr diese Formel dazu, um aufzuzeigen, welche Aktionen notwendig sind, um Ziele zu erreichen, die sich ein Mensch gesetzt hat.

 

Nun hatten wir bei der Diskussion über die Ertragsgesetze im fünften Kapitel dieses Seminars gesehen, dass es sich auch bei der These von der Gewinnmaximierung um eine Hypothese handelt, die in einem sehr weiten Sinne interpretiert wird und dass die Menschen zunächst einmal oftmals auch andere Zielsetzungen verfolgen, als ihren materillen Gewinn zu maximieren. Allerdings hatte ich darauf hingewiesen, dass in einer realen und funktionierenden Marktwirtschaft ein starker Wettbewerb der Unternehmungen untereinander besteht und dass dieser Wettbewerb starke Anreize setzt, jeden möglichen Gewinn auszunutzen. Auch dann, wenn ein Unternehmer einen Gewinn erzielt, der augenblicklich sehr viel größer ist als er für sein Überleben benötigt und der ihm auch prinzipiell die Möglichkeit eröffnet, altruistische Ziele zu verfolgen, steht derselbe Unternehmer in einer funktionierenden Marktwirtschaft unter starkem Zwang, jede Gewinnmöglichkeit auszunutzen.

 

Gerade dann, wenn nämlich ein Unternehmer in einer freien Wettbewerbsgesellschaft hohe Gewinne erzielt, werden dadurch neue Unternehmer angelockt, dieses gewinnbringende Gut ebenfalls anzubieten und dadurch den Wettbewerb zu erhöhen. Besteht jedoch die Gefahr, aus dem Markt gedrängt zu werden, so steht der Unternehmer in der Tat vor dem Prinzip: ‚alles oder nichts‘, das will heißen: Entweder nutzt er jede Gelegenheit zur Gewinnerzielung oder aber er läuft Gefahr, Konkurs zu gehen und von seinen Wettbewerbern aus dem Markt gedrängt zu werden.

 

Im vorhergehenden Kapitel haben wir auf das von Götz Briefs formulierte Prinzip von der Grenzmoral hingewiesen. Moralisch hoch stehende Zielsetzungen können von Unternehmungen unter Wettbewerbs­bedingungen nur soweit erwartet werden, als fast alle konkurrierenden Unternehmer bereit sind, diese moralischen Prinzipien zu akzeptieren. Es reicht aus, dass einige wenige Unternehmer geringere moralische Vorstellungen vom Erlaubten und Unerlaubten hegen, damit sich im Verlaufe des Wettbewerbsprozesses die moralischen Vorstellungen gerade dieses Unternehmers, des Grenzmoralisten (des Unternehmers also mit den geringsten moralischen Ansprüchen) schließlich durchsetzen.

 

Zunächst erzielen nur diejenigen wenigen, amoralisch handelnden Unternehmer zusätzliche Gewinne und zwar dadurch dass sie bestimmte Kosten vermeiden, welche immer dann entstehen, wenn man moralische Grundsätze einhalten möchte. Diese Unternehmer sind nun in der Lage, wegen geringerer Kosten auch ihre Waren zu niedrigeren Preisen anzubieten und auf diese Weise andere Unternehmer aus dem Markt zu drängen, welche sich an diese moralischen Grundätze halten. Dieser Wettbewerb bringt nun starke Anreize, auch für die anderen Unternehmer immer mehr die bisher eingehaltenen moralischen Grundsätze aufzugeben. Letztendlich richtet sich die durchschnittliche Moral an den moralischen Vorstellungen des Unternehmers aus, welcher die geringsten moralischen Grundsätze einhält.

 

Wir können also davon ausgehen, dass vom Wettbewerb starke Anreize ausgehen, welche ein gewinn­maximierendes Verhalten begünstigen. Die These von der Gewinnmaximierung wird so zu einer empirisch überprüfbaren und keinesfalls selbstverständlichen Hypothese.

 

Es ist jedoch nicht möglich, auch im Hinblick auf die These von der Nutzenmaximierung von ähnlichen Anreizen des Marktes auszugehen, welche dann mehr oder weniger auch eine Maximierung des Nutzens in aller Regel herbeiführen. Wenn z. B. ein Konsument in starkem Maße altruistische Zielsetzungen verfolgt, so wird er trotzdem nicht als Konsument aus dem Markt gedrängt, wenn er nicht bereit ist, diese altruistischen Zielsetzungen aufzugeben und seinen Nutzen im Sinne eines ausschließlichen Eigeninteresses zu suchen. Wenn seine wirtschaftlichen Aktivitäten dazu geführt haben, ein hohes Einkommen zu erzielen, so gestattet dieses hohe Einkommen eben diesem Konsumenten auch die Möglichkeit, seine altruistischen Zielsetzungen zu verwirklichen.

 

Wenn er wirklich davon überzeugt ist, dass das Verwirklichen altruistischer Zielsetzungen ihm eine größere Befriedigung bringt als dann, wenn er im Sinne des Hedonismus seine Lust zu vergrößern sucht, so wird ihn auch das Verhalten anderer Konsumenten, die dieses Altruismus nicht teilen, nicht zwingen, von diesen altruistischen Zielsetzungen abzurücken. Mit andern Worten: Vom Markt gehen auf eine Nutzenmaximierung im Sinne eines egoistischen Verhaltens keine vergleichbaren starken Anreize aus, welche wir für ein Verhalten nach der Gewinn­maximierungsmaxime beobachtet können.

 

Was besagt nun das zweite Gossen’sche Gesetz? Solange der Grenznutzen des Einkommens nicht bei allen Verwendungsarten gleichgroß ist, solange kann ein Nutzenzuwachs erzielt werden und zwar dadurch, dass man Einkommensteile von denjenigen Verwendungen abzieht, bei denen der Grenznutzen geringer ist und diese Einkommensteile denjenigen Verwendungen zuführt, bei denen der Grenznutzen noch höher liegt. Denn aufgrund des ersten Gossen’schen Gesetzes ist der Nutzenentgang bei den Verwendungsarten mit geringerem Grenznutzen geringer als der Nutzenzuwachs bei den Verwendungen mit höherem Grenznutzen. Per Saldo steigt also der Nutzen bei einer solchen Umstruktuierung.

 

Umgekehrt gilt, dass ein Haushalt, bei dem der Grenznutzen des Einkommens bei allen Verwendungsarten gleich groß ist, durch Veränderungen in der Verwendung allein kein weiterer Nutzenzuwachs erzielt werden kann. Es ist also unter diesen Bedingungen (gleicher Grenznutzen in allen Verwendungen des Einkommens) das Nutzenmaximum erreicht.

 

Da wir aufgrund des ersten Gossen’schen Gesetzes davon ausgehen können, dass der Grenznutzen bei denjenigen Verwendungen, welche nun vermehrt konsumiert werden, sinkt und dass umgekehrt der Grenznutzen bei denjenigen Verwendungen, welche nun vermindert konsumiert werden, steigt, findet also von zwei Seiten aus eine Annäherung der Grenznutzen der einzelnen Verwendungsarten statt mit der Folge, dass über kurz oder lang durch diese Umstruktuierung ein Zustand erreicht wird, bei dem die Grenznutzen des Einkommens in allen Verwendungen gleich groß ist.

 

 

7. Kardinaler versus ordinaler Nutzenmaßstab

 

Vilfredo Pareto hatte bekanntlich die Meinung vertreten, dass sich Nutzen weder kardinal messen lassen noch das Nutzen interpersonell verglichen werden können. Er leugnete also, dass es einen kardinalen Nutzenmaßstab gäbe. Es sei nur möglich, Nutzen ordinal zu messen, das heißt, das einzelne Individuum könne nur angeben, ob der Nutzen zweier Güter gleich groß oder der Nutzen des einen Gutes größer bzw. kleiner als der Nutzen eines anderen Gutes sei. Man könne aber nicht angeben, um das wie vielfache der Nutzen des einen Gutes größer ist als der Nutzen eines anderen Gutes.

 

Wenn aber der Nutzen  der einzelnen konsumierten Güter gar nicht kardinal gemessen werden kann, können wir auch nicht in einem Diagramm den exakten Verlauf der Nutzen- oder Grenznutzenfunktion angeben. Zwar lässt sich mit Not eine Nutzenfunktion abbilden; aber wenn wir zwei beliebige Punkte dieser Kurve herausgreifen, können wir nicht bestimmen, welchen genauen Wert diese beiden Punkte einnehmen, wir können nur angeben, ob einer der Punkte einen höheren Wert als der andere einnimmt.

 

Die Mehrheit der Wirtschaftswissenschaftler ist in der Frage der möglichen Nutzenmessung Pareto gefolgt und lehnt mit ihm ab, Nutzeneinheiten kardinal zu messen. Nur einige wenige Wissenschaftler, so etwa A. P. Lerner oder auch Jan Tinbergen gingen weiterhin davon aus, dass ein kardinaler Nutzenmaßstab möglich sein müsse und bemühten sich deshalb darum, einen solchen kardinalen Maßstab zu entwickeln. Wir hier wollen der Mehrheit der Wissenschaftler in dieser Frage folgen und Nutzeneinheiten nur ordinal messen. Dies bedeutet aber auch, dass wir uns um ein neues Instrument bemühen müssen, um  den Verlauf des Grenznutzens in Abhängigkeit der Konsummenge bestimmen  zu können.

 

 

8. Das Paretianische Indifferenzkurvensystem

 

Pareto hatte vorgeschlagen, Nutzen bzw. Ophelimitäten – wie er es nannte – in  einem Indifferenzkurvensystem zu bestimmen. Wir tragen hierzu in einem Diagramm auf beiden Achsen die Anzahl der jeweils konsumierten Gütermengen ab. Wir gehen von einem beliebigen Punkt aus und weisen diesem Punkt in ordinalem Sinne einen Nutzengrad zu (I1). Wir nehmen nun von dem einen Gut x1 eine Einheit weg und fügen solange von dem andern Gut x2 Einheiten hinzu, bis der Nutzenentgang bei Gut x1 durch den Nutzenzuwachs bei Gut x2 gerade wettgemacht wird. Mit andern Worten: wir substituieren das eine Gut durch das andere.

 

Wir fahren mit dieser Substitution fort, bis wir bestimmt haben, welche Gütermengen vom jeweils andern Gut notwendig sind, um das erreichte Nutzenniveau beizubehalten. Wir erhalten auf diese Weise eine Indifferenzkurve, welche alle möglichen Güterbündel beschreibt, die den gleichen Ophelimitätsgrad I1 aufweisen.

 

Wir gehen nun von einem beliebigen Punkt auf dieser Indifferenzkurve aus und fügen von Gut x1 eine Einheit hinzu, ohne dass wir vom andern Gut etwas wegnehmen. Der so entstandene Punkt liegt oberhalb der Indifferenzkurve I1 und markiert ein zweites Nutzenniveau I2. Nach demselben Verfahren wie bei der Entwicklung der Indifferenzkurve I1 fragen wir nun nach allen Güterkombinationen, welche das Nutzenniveau I2 garantieren. Wir erhalten auf diese Weise eine zweite Indifferenzkurve mit dem Nutzenniveau I2. Das Nutzenniveau I2 liegt eindeutig über dem Nutzenniveau I1, da wir ja von dem einen Gut x1 eine Einheit mehr konsumieren bei gleichbleibender Menge von Gut x2.

 

Nach dem gleichen Schema lässt sich nun für jeden Punkt innerhalb des Diagramms und damit für jede denkbare Güterkombination aus beiden Gütern eine neue Indifferenzkurve entwickeln, sodass wir im Endergebnis eine dichte Schar von Indifferenzkurven erhalten.

 

 

 

 

Dieses System von Indifferenzkurven gestattet uns nun auch, das Gesetz der abnehmenden Grenzrate der Substitution zu veranschaulichen. Dieses Gesetz besagt, dass bei wachsender Substitution des einen Gutes x1 durch das andere Gut x2 die Grenzrate der Substitution abnimmt. Dies bedeutet, dass für eine Einheit des Gutes x1, welche vermindert und damit substituiert wird, eine immer größere Menge an Gut x2 notwendig ist, um den Nutzenverlust bei Gut x1 gerade auszugleichen.

 

Hierbei ist davon auszugehen, dass beide Gesetze, das Gesetz vom abnehmendenierbeHH Grenznutzen und das Gesetz von der abnehmenden Grenzrate der Substitution auf ein- und dieselbe Gesetzmäßigkeit zurückgeführt werden können. Wenn es nämlich notwendig ist, dass für eine aufgegebene Gütereinheit von x1 immer mehr Einheiten von Gut x2 eingesetzt werden müssen, um wiederum auf das gleiche Nutzenniveau zu gelangen, so liegt das daran, dass auf der einen Seite der Grenznutzen des verminderten Gutes x1 ansteigt und deshalb einen größeren Ausgleich verlangt und dass auf der anderen Seite der Grenznutzen des Gutes x2 sinkt und auch aus diesen Gründen bei einer Substitution mehr Einheiten von Gut x2 benötigt werden.

 

Gehen wir in unserem Diagramm von einem beliebigen Punkt einer ebenfalls beliebigen Indifferenzkurve aus und legen an diesen Punkt eine Tangente an die ausgewählte Indifferenzkurve. Der Winkel dieser Tangente entspricht hierbei der Grenzrate der Substitution.

 

Wenn wir nun von diesem Punkt ausgehend die Tangente entlang der Indifferenzkurve verschieben, so verändert sich der Winkel dieser Tangente: die Grenzrate der Substitution geht zurück oder steigt an, je nachdem in welche Richtung wir die Tangente verschieben:

 

 

 

 

 

Die Nutzenmaximierungsregel erfolgt zusammen mit dem System der Indifferenzkurven und der sogenannten Bilanzgeraden. Sie entspricht dem zweiten Gossen’schen Gesetz. Die Bilanzgerade gibt an, wie ein vorgegebenes Einkommen bzw. eine vorgegebene Konsumaus­gabensumme bei gegebenen Preisen für Gut x1 und Gut x2 auf die beiden Güter verteilt werden kann. Wird das gesamte Einkommen für das Gut x1 ausgegeben, so gilt die Gleichung:

 

E = p1 * x1  à  x1 = E/p1

 

In gleicher Weise können wir bestimmen, wie viel Mengen von Gut x2 konsumiert werden können, wenn das gesamte Einkommen für Gut x2 ausgegeben wird. Wir erhalten die Gleichung:

 

E = p2 * x2  à  x2 = E/p2

 

Wir können nun diese beiden Eckpunkte miteinander verbinden und erhalten auf diese Weise die Bilanzgerade und mit ihr alle Kombinationen von Gut x1 und Gut x2, die mit dem vorgegebenen Einkommen realisiert werden können.

 

Diese Bilanzgerade tangiert eine der Indifferenzkurven; der Tangentenpunkt gibt an, bei welcher Güter­kombination der Haushalt seinen Nutzen maximiert. Da die Bilanzlinie alle möglichen Güterkombinationen umfasst, muss die Optimallösung notwendigerweise auf der Bilanzgerade liegen. Da alle anderen Punkte der Bilanzgeraden eine Indifferenzkurve schneiden, welche unterhalb der Indifferenzkurve mit dem Tangentialpunkt liegen, sind alle anderen Punkte der Bilanzgeraden suboptimal.

 

Gehen wir von irgendeinem Schnittpunkt der Bilanzgeraden mit einer Indifferenzkurve aus, können wir dadurch den Nutzen noch vergrößern, dass wir uns in Richtung Tangentialpunkt bewegen. Ist jedoch der Tangentialpunkt erreicht, gibt es keinen weiteren Punkt auf der Bilanzgeraden, der eine weitere Nutzensteigerung möglich macht. Also weist der Tangentialpunkt auf die Güterkombination hin, welche den Nutzen maximiert: