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  Seminar über Ökonomische Gesetze

 

 

Gliederung:

 

  1. Gibt es überhaupt ökonomische Gesetze?

  2. Das Bevölkerungsgesetz von Malthus

  3. Das Gesetz von der Gleichgewichtstendenz des Marktes

  4. Das Cobweb-Theorem 

  5. Das Gesetz vom abnehmenden Grenzertrag 

  6. Das Gossen‘sche Gesetz

  7. Das Gesetz von der Minderschätzung zukünftiger Bedürfnisse

  8. Das Harberger Dreieck

  9. Das Grasham’sche Gesetz

10. Das Okun’sche Gesetz

11. Das Gesetz vom Zusammenbruch der kapitalistischen Gesellschaft

12. Das Arrow-Paradox

 

 

 

Kapitel 3. Das Gesetz von der Gleichgewichtstendenz des Marktes

 

 

 

Gliederung:

 

  1. Einführung

  2. Was besagt das Marktgesetz nicht?

  3. Die Grundaussage der Gleichgewichtstheorie

  4. Die lehrgeschichtliche Entwicklung dieser These

  5. Die wichtigsten Voraussetzungen

  6. Statische versus dynamische Analyse

 

 

1. Einführung

 

Wir wollen uns in dem heutigen Kapitel mit einer Gesetzmäßigkeit befassen, welche ganz allgemein als das Marktgesetz bezeichnet wird und im Mittelpunkt der klassischen Wirtschaftslehre – sowohl in ihrer älteren Version als auch im Rahmen der neoklassischen Lehre – gestanden hat.

 

Im Mittelpunkt dieses Gesetzes steht die These, dass freie Märkte – allerdings nur unter gewissen Bedingungen – automatisch die Tendenz aufweisen, Ungleichgewichte ohne Zutun des Staates wiederum abgebaut zu werden.

 

Wir wollen als erstes auf die üblichen in der Öffentlichkeit geäußerten Missverständnisse hinweisen und darlegen, was mit der traditionellen Gleichgewichtstheorie gerade nicht behauptet wird. So ist es ein Missverständnis, wenn immer wieder behauptet wird, diese Theorie besage, dass der Markt in jedem Falle oder zumindest in aller Regel zu einem Gleichgewicht führe.

 

Wir wollen in einem zweiten Schritt aufzeigen, wie diese These wirklich zu verstehen ist, unter welchen Bedingungen mit einem Abbau von Ungleichgewichten tatsächlich zu rechnen ist.

 

Wir wollen dann in einem dritten Schritt darlegen, wie sich dieses Gesetz im Verlaufe der wirtschaftswissenschaftlichen Lehrgeschichte entwickelt hat und welche Bedeutung in den einzelnen historischen Phasen dem Marktgesetz zuerkannt wurde.

 

Viertens werden wir dann dazu übergehen, die wichtigsten Voraussetzungen zu benennen und zu besprechen, unter denen das Marktgesetz Gültigkeit hat. Wir haben nämlich davon auszugehen, dass sehr wohl mehrere Voraussetzungen vorliegen müssen, damit das Marktgesetz zum Zuge kommt.

 

Eine Gleichgewichtstendenz wird sowohl für den einzelnen Markt als auch für das gesamte marktwirtschaftliche System behauptet. Wir haben also auch aufzuzeigen, wie sich diese Gleichge­wichts­tendenz innerhalb eines gesamtwirtschaftlichen Systems entwickelt und worin denn die wichtigsten Unterschiede zwischen Mikro- und Makrotheorie in dieser Frage bestehen.

 

Weiterhin wollen wir die Frage aufwerfen, welche Konsequenzen aus diesem Marktgesetz für die Politik gezogen werden müssen, vor allem wollen wir klären, was sich denn ereignet, wenn der Staat in den Marktprozess eingreift, kommt es dann zu einem schnelleren Abbau von Ungleichgewichten oder wird vielmehr der sonst auf freien Märkten wirkende Gleichgewichtsprozess behindert?

 

Zur Diskussion steht jedoch in diesem Zusammenhang nicht nur die Bedeutung eines direkten Eingreifens des Staates in den Marktprozess. Bekanntlich unterscheiden wir in der Wirtschaftstheorie zwischen einer dirigistischen und einer regelgebundenen Einflussnahme des Staates auf das Marktgeschehen. Vor allem im Rahmen des Neoliberalismus wird nur bei den dirigistischen Maßnahmen, welche in direkter Weise in den Marktprozess eingreifen und diesen zu ersetzen versuchen, von marktinkonformen, also unerwünschten Maßnahmen gesprochen, während zugestanden wird, dass der Staat durchaus das Recht und die Pflicht hat, durch Setzung einer marktwirtschaftlichen Ordnung sicherzustellen, dass die allgemeinen Werte und Gesetze auch erfüllt werden.

 

Eine dirigistische Maßnahme liegt z. B. dann vor, wenn der Staat die Preise einzelner Güter unabhängig von der Gleichgewichtslage festlegt. Von einer marktkonformen Maßnahme hingegen sprechen wir, wenn der Staat zwar die wirtschaftlichen Grundentscheidungen wie die Festsetzung der Preise und der Angebotsmengen den privaten Personen überlässt, aber trotzdem dadurch auf das wirtschaftliche Geschehen Einfluss nimmt, dass er finanzielle Anreize positiver oder negativer Art setzt und bestimmte Handlungen, welche den sittlichen Geboten widersprechen, verbietet. Auch die Bedeutung dieser indirekten Maßnahmen und vor allem der vom Staat gesetzten Marktordnung gilt es siebtens zu überprüfen.

 

Wir werden uns dann auch mit der Pathologie der Märkte befassen. Wir wollen hier untersuchen, auf welchen Einzelmärkten traditionell der Gleichgewichtsmechanismus versagt, welche Gründe hierfür verantwortlich sind und mit welchen Reformmaßnahmen diese Anomalie überwunden werden könnte.

 

Abschließend soll zwischen einer statischen und einer dynamischen Theorie des Marktgleichgewichts unterschieden werden. Das Marktgesetz von einer automatischen Gleichge­wichtstendenz wurde zunächst in einer statischen Betrachtung entwickelt und nur diese statische Analyse wird im Allgemeinen angesprochen, wenn man von dem Marktgesetz spricht. Wir wollen uns in diesem Kapitel ebenfalls auf diese statische Betrachtung beschränken und die dynamische Analyse im nächsten Kapitel unter dem Stichwort des Cobwebtheorems abhandeln.

 

 

2. Was besagt das Marktgesetz nicht?

 

Wir wollen unsere Überlegungen mit der Frage beginnen, was das Gesetz vom automatischen Abbau von Marktungleichgewichten nicht besagt, was aber einem weitverbreiteten Irrtum entspricht. Das Marktgesetz besagt nicht, dass auf freien Märkten stets mit einem Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage zu rechnen ist, auch dann nicht, wenn in Wirklichkeit immer vollständige Märkten gegeben wären, wenn also auf allen Märkten intensiver Wettbewerb vorliegen würde.

 

Das Marktgesetz besagt noch nicht einmal, dass in der Mehrzahl der Fälle Angebot und Nachfrage ausgeglichen seien oder dass zumindest sehr häufig mit einer Markträumung gerechnet werden kann.

 

Ganz im Gegenteil haben wir davon auszugehen, dass in der Realität nahezu immer mit Ungleichgewichten zu rechnen ist, dass einmal das Angebot größer als die Nachfrage ausfällt, ein anderes Mal hingegen die Nachfrage das zur Verfügung stehende Angebot übersteigt. Es wird zwar nicht behauptet, dass in keinem einzigen Fall ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage eintreten kann, dass ein Gleichgewicht gar nicht möglich sei; aber eine Gleichgewichtssituation ist eher die Ausnahme als die Regel.

 

Dies ist auch gar nicht verwunderlich. Wir haben nämlich davon auszugehen, dass sich in der Regel das Gesamtangebot an bestimmten Gütern aus einer Vielzahl von Angeboten einzelner Unternehmungen zusammensetzt, genauso wie sich auch die gesamte Nachfrage nach diesem Gut aus der Nachfrage einer Vielzahl von Haushalten zusammensetzt. Da in einer freien Marktwirtschaft jede Unternehmung und jeder Haushalt frei und unabhängig voneinander entscheiden, wie viel Güter sie anbieten oder nachfragen werden, muss eigentlich immer damit gerechnet werden, dass sich Angebot und Nachfrage zumindest zu Beginn einer Periode voneinander unterscheiden.

 

Nun könnte man vielleicht damit rechnen, dass im Zuge des Marktprozesses eine Annäherung zwischen Angebot und Nachfrage erfolge, sodass sich dann irgendwann einmal beide Aktionen (Angebot wie Nachfrage) entsprechen. Dies ist – wie wir weiter unten noch sehen werden – auch tatsächlich in der Regel der Fall. Trotzdem kann nicht davon ausgegangen werden, dass nach Beendigung einer Übergangsphase ein stabiles Gleichgewicht in dem Sinne vorliegt, dass sich nun für alle oder zumindest für eine längere Zeit beide Größen entsprechen.

 

Wir haben nämlich davon auszugehen, dass nahezu in jeder Periode Datenänderungen eintreten, welche ein neues Ungleichgewicht hervorrufen. Die einzelnen Konsumenten können ihre Bedürfnisse ändern, Unternehmungen können aufgrund von Innovationen neue Produkte auf den Markt bringen oder die Produktionskosten senken. Weiterhin können auch aufgrund neuer Vorkommen neue Rohstoffquellen entdeckt werden oder alte Quellen versiegen und schließlich kann sich auch die Anzahl der Konsumenten verändern wegen einer veränderten Geburtenrate oder einfach deshalb, weil die Menschen im Durchschnitt länger leben.

 

Als zweites gilt es ein weiteres weit verbreitetes Vorurteil auszuräumen. Manchmal wird zwar zugegeben, dass wir in der rauen Wirklichkeit kaum in jedem Falle mit einer Markträumung rechnen können. Es wird jedoch unterstellt, dass das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage ein Idealzustand darstellt, den wir zumindest – soweit wie immer möglich – anstreben sollten.

 

Wie wir weiter unten sehen, ist in einer solchen Auffassung sogar ein Körnchen Wahrheit enthalten. In der Tat stellen Ungleichgewichte stets suboptimale Lösungen dar und ein Gleichgewicht deutet – allerdings nur unter ganz bestimmten Bedingungen – einen Optimalzustand dar.

 

Trotzdem wäre es falsch, wenn wir aus dieser Kenntnis den Schluss ziehen würden, dass wir mit allen Mitteln dafür sorgen sollten, dass in jeder Periode die Märkte geräumt werden. Dass ein solcher Schluss falsch wäre, lässt sich relativ leicht erkennen. Wir könnten ja ein Gleichgewicht dadurch erzwingen, dass wir keine Datenänderungen zulassen. Wir hatten gesehen: Ohne Datenänderungen könnte davon ausgegangen werden, dass mit der Zeit – nach Beendigung einer Anfangsphase – das Ungleichgewicht tatsächlich irgendwann einmal abgebaut sein wird.

 

Auch dann, wenn es sicherlich in der Realität nicht möglich ist, alle Datenänderungen zu unterdrücken (schließlich können auch nicht bezwingbare Naturereignisse Datenänderungen hervorrufen), könnte man zu der Auffassung neigen, dass man Datenänderungen zumindest nicht durch vom Staat gesetzte Anreize herbeiführen und verstärken sollte.

 

Aber genau diese Schlussfolgerung wäre ein verhängnisvoller Fehler. In der Tat haben wir davon auszugehen, dass ein großer Teil der Datenänderungen im Grunde für unseren Wohlstand verantwortlich ist. So trägt der technische Fortschritt wesentlich dazu bei, dass auf der einen Seite neue Produkte kreiert, die Qualität der vorhandenen Produkte verbessert und vor allem mit dem vorhandenen Bestand an Ressourcen mehr Produkte als bisher produziert werden konnten.

 

Ähnliche Wohlstandssteigerungen gehen vom Bedarfswandel aus. Wir haben zu berücksichtigen, dass die einzelnen Konsumenten nicht von Anbeginn an jeweils wissen, welche Aufteilung ihres Einkommens für sie am besten ist. Zwar übernehmen sie zu nächst von ihren Eltern gewisse Muster der Verwendung ihres Einkommens. Aber das, was die Elterngeneration für richtig gehalten hatte, braucht noch lange nicht optimal für die Kindergeneration sein.

 

Erstens können die Eltern aus Unwissenheit eine suboptimale Wahl getroffen haben. Zweitens entspricht dem gestiegenen Wohlstand im Allgemeinen auch eine andere Verwendung des Einkommens. Drittens ist es durchaus denkbar, dass neue Produkte erfunden wurden, welche die Bedürfnisse der Menschen besser befriedigen und viertens schließlich ist auch jeder Mensch anders, sodass nicht automatisch die von den Eltern getroffene Einkommensverwendung auch für die Kinder wünschenswert ist. Die Konsumenten zeichnen sich dadurch aus, dass sie in einem langwierigen Lernprozess (durch error and trial) erst allmählich zu der Einkommensverwendung finden, welche ihre Bedürfnisse am besten befriedigen; ganz davon abgesehen, dass auch mit zunehmendem Alter andere Bedürfnisse entstehen.

 

Ein wichtiger Teil der Datenänderungen besteht weiterhin darin, dass sich der Bestand an Produktions­faktoren ändert. Er kann abnehmen, aber auch steigen. Wenn der Bestand an Ressourcen zurückgeht, lässt sich dies ohnehin zumeist gar nicht vermeiden. Ein Anstieg im Ressourcenbestand hingegen wirkt wohlstandssteigernd. So stellt eine Erschließung neuer Rohstoffvorkommen z. B. sicherlich die Quelle für eine Wohlfahrtssteigerung dar.

 

Datenänderungen sind schließlich auch dadurch zu erwarten, dass der Staat Gesetze erlässt, aufgrund derer Haushalte und Unternehmungen ihre Wirtschaftspläne zu verändern haben. Viele Gesetze mögen im Endergebnis die Wohlfahrt mindern. Es kann aber sicherlich nicht bestritten werden, dass von vielen Gesetzen positive Wirkungen ausgehen, entweder dadurch, dass sie für mehr Gerechtigkeit sorgen oder Nachteile verhindern, welche von den jeweils anderen Wirtschaftspersonen zugefügt werden.

 

Wir können also zusammenfassen: Von einem großen Teil der Datenänderungen gehen nachweislich positive, die Wohlfahrt der Volksgemeinschaft steigernde Effekte aus. Datenänderungen sind somit ein wichtiger Faktor, um die Wohlfahrt einer Bevölkerung zu verbessern und der Versuch, Datenänderungen möglichst zu reduzieren, kommt somit einer Wohlfahrtsminderung gleich. Zwar löst nahezu jede Datenänderung ein Ungleichgewicht aus und ruft damit vorübergehend eine suboptimale Lösung hervor. Die gleiche Datenänderung wird jedoch in aller Regel auf lange Sicht diese Nachteile durch Produktivitätssteigerungen mehr als ausgleichen, sodass von den Datenänderungen per Saldo sehr oft Wohlfahrtssteigerungen und nicht Wohlfahrtsminderungen ausgehen.

 

 

3. Die Grundaussage der Gleichgewichtstheorie

 

Nachdem wir geklärt haben, was die Gleichgewichtstheorie nicht besagt, wollen wir zu der Frage übergehen, worin denn die wichtigsten Aussagen der Gleichgewichtstheorie bestehen. Die klassische Markttheorie besagt, dass unter gewissen Voraussetzungen ohne direkte Eingriffe des Staates automatisch Kräfte bestehen, welche einen Abbau eines Ungleichgewichtes herbeiführen. Betrachten wir die einzelnen Bestandteile dieser Hypothese etwas genauer.

 

Es wird von dem Abbau eines bestehenden Ungleichgewichtes gesprochen. Das Ungleichgewicht bezieht sich auf Angebot und Nachfrage, es ist also im Prinzip gleichgültig, ob das Angebot die Nachfrage übersteigt oder die Nachfrage größer ist als das bestehende Angebot. Jede Differenz zwischen Angebot und Nachfrage löst diese Tendenz aus.

 

In der neoklassischen Wirtschaftstheorie wird im Allgemeinen zwischen einer ex post und einer ex ante Betrachtung unterschieden. Angebot und Nachfrage ex post beziehen sich hierbei auf die tatsächlichen zum Zuge kommenden Gütermengen. Ex post sind Angebot und Nachfrage immer gleich groß und zwar ex definitione. Wenn z. B. das tatsächliche Angebot an Waren geringer ausfällt als die geäußerten Kaufwünsche, so kommen eben genau so viele Nachfragewünsche nicht zum Zuge, wie die Nachfragewünsche die angebotene Menge übersteigen. Ex post gesehen stellen Angebot und Nachfrage nur zwei Seiten ein und desselben Tauschvorganges dar. Ein Gut wird gehandelt und wechselt seinen Besitzer. Betrachtet man diesen Vorgang aus der Sicht des Anbieters, der also bisher dieses Gut besaß, so sprechen wir vom Angebot. Fragen wir hingegen nach dem neuen Besitzer, der das gleiche, gehandelte Gut erwirbt, so sprechen wir von Nachfrage.

 

Aus diesen Ausführungen wird klar, dass immer dann, wenn man im Rahmen der Markttheorie vom Gleichgewicht oder auch Ungleichgewicht spricht, eine ex ante Betrachtung zugrunde gelegt wird. Es sind die Pläne der Unternehmungen und Haushalte, welche in ihrer Gesamtheit nicht übereinstimmen. In Folge dessen wird eine Tendenz zum Abbau eines Ungleichgewichtes auch immer voraussetzen, dass die Pläne der wirtschaftenden Personen verändert werden, entweder dadurch, dass sich die Pläne der Konsumenten ändern oder aber auch, dass die Wirtschaftspläne der Unternehmungen angepasst werden. Im Normalfall können wir davon ausgehen, dass Anpassungen in den Wirtschaftsplänen beider Marktseiten (Angebot und Nachfrage) erfolgen, sodass der Abbau eines Ungleichgewichtes dadurch zustande kommt, dass z. B. bei einem Angebotsüberhang das Angebot reduziert und gleichzeitig die Nachfrage gesteigert wird.

 

Wir sprachen weiterhin davon, dass dieser Abbau des Ungleichgewichtes automatisch, d. h. ohne direkten Eingriff des Staates erfolgt. Die Betonung liegt hier auf direktem Eingriff. Das heißt keinesfalls, dass diese Ausgleichstendenz ohne jeglichen Beitrag des Staates erfolgt. Wir unterscheiden im Allgemeinen zwischen dirigistischem und ordnungspolitischem Einfluss des Staates auf das Wirtschaftsgeschehen. Natürlich ist es zwar denkbar, dass ein Markt auch ohne jeden Einfluss des Staates (vielleicht sogar gegen den Staat gerichtet) zustande kommt und seine Tendenzen zum Abbau eines Ungleichgewichtes ausübt. Dies ist aber nicht die Regel. Im Allgemeinen schafft der Staat eine Rahmenordnung, innerhalb der das Marktgeschehen zu erfolgen hat und auch tatsächlich erfolgt.

 

Hier übt der Staat sehr wohl seinen Einfluss aus, aber eben nicht auf direkte Weise, in dem er den Marktpartnern vorschreibt, was sie zu tun haben, sondern nur auf indirekte Weise, in dem er Anreize setzt, aufgrund derer die wirtschaftenden Personen ihre Pläne im Sinne der staatlichen Ziele verändern oder auch in dem der Staat bestimmte Handlungen verbietet. Im letzteren Falle bleibt nach wie vor die Entscheidung über Preis und Menge bei den privaten Personen, die Auswahl der Variablen erfolgt hier nur bei einer gewissen Reduzierung der sonst möglichen Alternativen.

 

Die These von der automatischen Ausgleichstendenz gilt auch nur unter gewissen Voraussetzungen. Wir wollen uns mit diesen Voraussetzungen weiter unten noch ausführlich befassen. Es genügt deshalb an dieser Stelle der Hinweis, dass nicht für alle Fälle von der Markttheorie eine Tendenz zum Abbau von Ungleichgewichten unterstellt wird und dass die wohl wichtigste Voraussetzung für eine Automatik in einem normalen Verhalten der Marktpartner liegt.

 

Wann spricht aber die Markttheorie von einem normalen Verhalten? Für das Verhalten der Nachfrager (Konsumenten) wird immer dann von einer normalen Nachfrage gesprochen, wenn Preissteigerungen zu einem Rückgang, Preisminderungen hingegen zu einem Anstieg in der nachgefragten Gütermenge führen. Für das Verhalten der Anbieter gilt hingegen, dass dann von normalen Reaktionen gesprochen wird, wenn Preissteigerungen zu einer Ausweitung, Preisminderungen hingegen zu einer Reduzierung der angebotenen Menge führen.

 

Auch für die Preisänderungen wird von einem normalen oder anomalen Verhalten gesprochen. Normal ist eine Preisänderung dann, wenn ein Angebotsüberhang Preissenkungen, ein Nachfrageüberhang hingegen Preis­steigerungen zur Folge hat.

 

 

  4. Die lehrgeschichtliche Entwicklung dieser These

 

Die Theorie vom automatischen Abbau der Marktungleichgewichte wurde in der heutigen Form von der neoklassischen Cambridge-Schule entwickelt. Vorläufer dieser Theorie finden sich allerdings bereits in der Frühklassik. So wird vor allem bei J. St. Mill erwähnt, dass kurzfristige Ungleichgewichte über Preisvaria­tionen abgebaut werden. Im Mittelpunkt der frühklassischen Wirtschaftslehre stand jedoch die Frage nach dem langfristigen Wert der Güter. Dieser langfristige Wert wurde hier z. B. bei David Ricardo auf die für die Güterproduktion notwendigen Stückkosten zurückgeführt. Es war das Anliegen von David Ricardo nachzuweisen, dass diese Stückkosten allein von den Arbeitskosten bestimmt werden. Der Wert eines Gutes entsprach hierbei dem Preis, den ein Gut langfristig erzielt. Weiterhin interessierten sich die Frühklassiker nur für die Wertrelationen, die zwischen den einzelnen Gütern bestehen, nicht für die absolute durchschnittliche Preishöhe der  Güter.

 

Nach klassischer Vorstellung setzen sich die Stückkosten aus dem Zins für das eingebrachte Kapital, aus der Rente für die Nutzung der Böden und schließlich aus den Lohnkosten zusammen. Die Renten seien allerdings Folge eines knappheitsbedingten Anstieges der Güterpreise, könnten also nicht zur gleichen Zeit Determinanten des Güterwertes sein. Gleichzeitig würden die Kapitalkosten durch einen einheitlichen prozentualen Zinsaufschlag auf die Arbeitskosten  bestimmt. Da dieser Zinsaufschlag für alle Produktionen gelte, würde zwar die absolute Preishöhe von der Höhe des Zinssatzes bestimmt, die Preisrelationen zwischen den einzelnen Gütern würden jedoch durch diesen Zinsaufschlag nicht berührt. Allerdings gilt diese Aussage nur für die stillschweigende Annahme, dass die Dauer für das eingesetzte Kapital bei allen Gütern gleichhoch sei, was sicherlich nicht der Fall ist.

 

Diese von der Frühklassik entwickelte objektive Werttheorie wurde in wesentlichen Zügen von Karl Marx übernommen. Auch er war der Auffassung, dass der Wert der Güter allein von den Arbeitsstunden bestimmt wird, die für die Produktion eines Gutes notwendig sind. Er unterschied sich allerdings in drei wichtigen Punkten von Ricardo. Erstens versuchte er nachzuweisen, dass dieses Wertgesetz auch für den Lohnsatz, dem Wert für die Arbeit gelte. Die kapitalistische Gesellschaft bringe es mit sich, dass der Lohnsatz auf das Existenzminimum absinke, also auf die Kosten, welche für die Erhaltung der Arbeitskraft aufgebracht werden müssten. Zweitens galten für Marx die Arbeitskosten auch als Maßstab für den absoluten Wert eines Gutes.

 

Drittens schließlich folgte Karl Marx nicht der klassischen Vorstellung, dass das Gesetz vom abneh­men­den Bodenertrag letztendlich zur Folge habe, dass der Wert eines Gutes allein von den  zur Produktion benötigten Arbeitsstunden bestimmt werde. Vielmehr versuchte Marx nachzuweisen, dass der Zwang der Unternehmungen, ihre Gewinne (den Mehrwert) für Investitionen (für Akkumulation) zu verwenden und die Tatsache, dass die Kapitalintensität der Investitionsgüter  ansteige (die organische Zusammensetzung des Kapitals sich verschlechtere) schließlich das Wertgesetz der kapitalistischen Gesellschaft erzwinge, wonach der Lohnsatz auf das Existenzminimum sinke und die Arbeiter auf diese Weise verarmten.

 

Die Wiener Schule, mit der die Renaissance der klassischen Wirtschaftslehre begann, fragt wiederum ähnlich wie Ricardo nach den langfristigen Determinanten des Wertes der Güter, wobei allerdings nun der langfristige Preis eines Gutes primär nicht von der Kostenhöhe, sondern vom Grenznutzenniveau bestimmt wird. Erst die Cambridge-Schule, voran Alfred Marshall entwickelt dann die heute gültige Markttheorie, wonach sowohl Angebot und Nachfrage zusammen die Höhe des Preises eines Gutes bestimmen. Man könne zwar das Augenmerk auf eine der beiden Seiten richten, man verfahre dann wie wenn man mit einer Schere ein Stück Papier trenne und eine Klinge festhalte, in diesem Falle kann man davon sprechen, dass die andere Klinge den Schnitt vollzogen habe. In Wirklichkeit sei der Schnitt natürlich von beiden Klingen durchgeführt worden.

 

Während die Cambridge-Schule in den Mittelpunkt ihrer Untersuchungen den einzelnen Markt eines Gutes stellte, legte die Lausanner Schule (eine dritte Variante der Neoklassik) ihren Schwerpunkt auf die Entwicklung eines marktwirtschaftlichen Gesamtsystems, in welchem sich eine Vielzahl von Einzel­märkten gegenseitig beeinflussen. Das berühmte Walras-Modell (Walras war neben Pareto einer der Hauptvertreter der Lausanner Schule)  beschreibt dann auch, bei welchen Preisverhältnissen ein gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht erreicht wird, bei dem also alle Märkte geräumt werden. Allerdings wurde erst sehr viel später, vor allem 1936 von A. Wald der Versuch unternommen, die genauen Bedingungen herauszuarbeiten, unter denen auch in gesamtwirtschaftlicher Sicht von einer Gleichgewichtstendenz gesprochen werden kann.

 

Schließlich wird auch in der Lehre von John Maynard Keynes das Problem des Abbaus von Ungleichgewichten angesprochen. Keynes war der Überzeugung, dass der Arbeitsmarkt nicht so funktioniere, wie dies in der klassischen Lehre unterstellt wurde. Nach dem von John Baptiste Say entwickelten Theorem arbeitet der Markt immer auf ein Gleichgewicht des Arbeitsmarktes hin, da sich jedes Angebot seine Nachfrage selbst schaffe. Die bei der Produktion und bei dem anschließenden Verkauf erzielten Gesamterlöse würden voll zu Einkommen, entweder als Faktoreinkommen (Lohneinkommen, Zinseinkommen) oder als Gewinn in Form eines Residualeinkommens. Diese Einkommen würden dann wiederum vollkommen zu Nachfrage, entweder dadurch, dass mit dem Einkommen Konsumgüter gekauft werden oder aber dass Einkommensteile gespart werden und auf diese Weise zum Ankauf von Investitionsgütern verwandt werden.

 

Say lebte in einer Zeit, in welcher die Unternehmer für ihre Investitionen eigene Ersparnisse aufbringen mussten und er konnte deshalb von der Annahme ausgehen, dass die Unternehmer nur Ersparnisse anlegen, wenn sie diese auch in ihrer eigenen Unternehmung investieren. Sofern war es zur Zeit Says durchaus berechtigt, davon auszugehen, dass die Summe aus Konsumgüternachfrage und Investitionsgüternachfrage stets dem Gesamteinkommen entspricht, sodass Arbeitslosigkeit nicht damit erklärt werden kann, dass die Nachfrage nach Gütern geringer ausfalle als der Wert des Angebotes.

 

Seit den Zeiten, in denen Say lebte, haben sich in dieser Frage wesentliche Änderungen ergeben. Auf der einen Seite ist das Einkommen der Arbeitnehmer so stark gestiegen, dass immer mehr Arbeitnehmer Ersparnisse machen, welche sie zinsbringend auf dem Kapitalmarkt anlegen wollen. Auf der anderen Seite entstanden Kapitalgesellschaften, welche zusätzliches Kapital neben dem selbst aufgebrachten Eigenkapital benötigen und welche deshalb Aktien ausgeben, welche sie auf den Kapitalmärkten anbieten.

 

Hier ist nicht mehr davon auszugehen, dass die geplanten Ersparnisse immer mit den geplanten Investitionen übereinstimmen, da ja unterschiedliche Personengruppen Ersparnisse machen und Kapital für Investitionen nachfragen. Trotzdem geht die neoklassische Lehre nach wie vor davon aus, dass im Gleichgewicht die Sparsumme der Investitionssumme entspricht. Würden nämlich mehr Ersparnisse angeboten als nachgefragt werden, so würde der Zins sinken, diese Zinssenkung würde dazu führen, dass weniger Ersparnisse angeboten werden und dass gleichzeitig mehr Investitions­kredite nachgefragt werden. Ähnliches gilt mutatis mutandis für den Fall, dass die Nachfrage nach Kapital die Ersparnisse übersteige. In diesem Fall würde der Zins steigen und dies wiederum würde bewirken, dass mehr gespart würde und dass gleichzeitig die Nachfrage nach Investitionskrediten sinken würde.

 

Gegen diese Thesen einer automatischen Tendenz zum Abbau von Arbeitslosigkeit wandte sich nun John Maynard Keynes. Der Markt sei nicht in der Lage dafür zu sorgen, dass Angebot und Nachfrage von bzw. nach Kapital stets zum Ausgleich komme. Vielmehr sei zu befürchten, dass auf der einen Seite Ersparnisse gehortet würden und deshalb gar nicht auf dem Kapitalmarkt angeboten würden. Auf der anderen Seite wären Zinssenkungen zumindest in Zeiten der Depression nicht in der Lage, die Unternehmer zu Investitionssteigerungen zu veranlassen. In Zeiten des Konjunkturabschwungs könnten nämlich die Unternehmungen die bestehenden Produktionskapazitäten nicht auslasten und seien gerade aus diesen Gründen nicht bereit, auch bei Zinssenkungen durch zusätzliche Investitionen ihre Produktionskapazität  sogar noch zu vergrößern.

 

Es müsse deshalb in Zeiten der Depression damit gerechnet werden, dass die Gesamtnachfrage nach Gütern nicht ausreicht, alle Arbeitnehmer zu beschäftigen. Da der Markt versage und zu einem Gleichgewicht der Gütermärkte bei Arbeitslosigkeit (also bei einem Ungleichgewicht des Arbeitsmarktes) neige, sei es Aufgabe des Staates, durch ein Budgetdefizit die fehlende Nachfrage zu schaffen.

 

 

  5. Die wichtigsten Voraussetzungen

 

Fragen wir uns nun, unter welchen Voraussetzungen denn die automatische Ausgleichstendenz des Marktes zu erwarten ist. Wir haben bereits gesehen, dass diese Tendenz zum Abbau von Marktungleichgewichten keinesfalls in jedem Falle eintritt, dass nur davon gesprochen wird, man könne in der Regel mit dieser Tendenz rechnen. Wir haben deshalb den Begriff der Normalität erwähnt: Wichtigste Voraussetzung für diese Gesetzmäßigkeit ist, dass sich die Marktteilnehmer normal verhalten und wir haben auch schon gesehen, wann wir von normalem und wann von anomalem Verhalten sprechen.

 

Beginnen wir zunächst mit der Festsetzung der Preise. Von normalem Preisverhalten haben wir gesprochen, wenn ein Angebotsüberhang zu Preissenkungen und ein Nachfrageüberhang zu Preissteigerungen führen. Wenn wir in der Markttheorie dieses Preissetzungsverhalten unterstellen, gehen wir stillschweigend davon aus, dass sich die Marktpartner rational in dem Sinne verhalten, dass die Unternehmer als Anbieter von Waren immer die Alternativen ergreifen, welche – unter den erlaubten Alternativen – den höchstmöglichen Gewinn versprechen und dass die Konsumenten den Preis bevorzugen, welcher ihnen unter den gegebenen Alternativen den höchstmöglichen Nutzen garantiert.

 

Wir unterstellen also rationales Verhalten. Dies ist eine echte Hypothese, da sich Menschen natürlich auch einmal irrational verhalten können und auch sehr oft so verhalten. Es ist also keinesfalls selbstverständlich, dass sich Menschen auf diese Weise verhalten.

 

Was berechtigt uns nun, in der Regel Rationalität bei wirtschaftlichem Verhalten zu unterstellen? Man könnte darauf hinweisen, dass diese Verhaltensmaxime eben wiederholt beobachtet wurde. Von einer echten Theorie erwarten wir jedoch, dass wir auch wissen, warum sich die Menschen so verhalten. In der Tat gibt es gute Gründe, dass ein solches rationales Verhalten in der Regel tatsächlich beobachtet wird. Von einem marktwirtschaftlichen System gehen nämlich starke Anreize aus, sich so zu verhalten. Wer sich immer wieder irrational verhält, wird dadurch bestraft, dass er als Unternehmer Gefahr läuft, vom Markt verdrängt zu werden und in seiner Konsequenz schließlich Konkurs geht bzw. dass er als Konsument schließlich in die Armut fällt, also durch erwerbswirtschaftliche Tätigkeit nur ein Einkommen erwirtschaften kann, das unterhalb der vom Staat festgesetzten Armutsgrenze liegt.

 

Diese Anreize des Marktes gehen vor allem von dem Wettbewerb der Marktpartner untereinander aus. Nur dann, wenn ein Unternehmer Waren anbieten kann, deren Qualität nicht schlechter und deren Preis nicht höher ausfällt als bei den Mitbewerbern, muss er nicht befürchten, seine Kunden an die Konkurrenten zu verlieren.

 

Wenn die Unternehmungen unter monopolistischen Bedingungen anbieten, dann könnten sie sich sehr wohl  auch irrationales Verhalten erlauben, ohne dass sie Gefahr laufen, deshalb einen Konkurs zu riskieren. Sie könnten sich dann z. B. durchaus erlauben, auch soziale Ziele durchzusetzen, ohne dadurch Gefahr zu laufen, in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht zu sein. Aber zumeist haben Monopolisten eben gerade nicht die Absicht, soziale Ziele zu verfolgen. Vielmehr gilt auch und gerade für das Wirtschaftssystem, dass Macht – und jeder Monopolist verfügt über Marktmacht  – zu Missbrauch verleitet und dies bedeutet für das hier zu analysierende Problem, dass Monopolisten sehr oft den Versuch unternehmen, ihre Macht auszubauen und dies gelingt vor allem dadurch, dass auch sie in diesem Sinne sich rational verhalten.

 

Unter Wettbewerb bestehen diese Möglichkeiten nicht mehr. Es geht dann nicht mehr darum, ob ein Unternehmer auf ein bisschen Gewinn verzichtet. Er steht dann zumeist vor der Frage des ‚alles oder nichts‘. Wenn ein Unternehmer nicht jede Möglichkeit ausnutzt, Verluste zu vermeiden und Gewinne zu erzielen, läuft er Gefahr, von seinen Konkurrenten aus dem Markt gedrängt zu werden.

 

Götz Briefs hat in diesem Zusammenhang davon gesprochen, dass auf Wettbewerbsmärkten eine Grenzmoral den Ton angebe. Es setze sich die moralische Haltung desjenigen Unternehmers durch, der die geringsten moralischen Werturteile befolgt. Wenn sich alle Anbieter eines Marktes darin einig wären, dass man auf Gewinne verzichtet, um z. B. ärmeren Mitbewohnern ihre Waren zu verbilligten Preisen zukommen zu lassen, so könnten sich auch alle Unternehmer nach dieser Maxime verhalten, ohne befürchten zu müssen, dass ihnen diese Haltung schadet. Sofern es aber einzelne Unternehmer gibt, welche die moralischen Anwandlungen einiger Mitkonkurrenten ausnutzen, um die Kunden von diesen Unternehmungen abzuziehen, steht der einzelne Unternehmer unter starkem Druck, sich an das Verhalten dieses ‚Grenzmoralisten‘ anzupassen.

 

Wir können also unterstellen, dass Wettbewerb rationale Verhaltensweisen weitgehend erzwingt. In diesem Falle werden bei einem Angebotsüberhang die Anbieter bereit sein, ihre Preisvorstellungen zu korrigieren und Preisnachlässe anzubieten. Sie haben zu befürchten, dass sie bei Aufrechterhaltung der bisherigen Preisforderungen auf ihren Waren sitzen bleiben und dann mehr verlieren als dann, wenn sie ihre Waren wie bisher absetzen könnten, auch dann, wenn sie aus diesen Gründen einen geringeren Preis als bisher erzielten.

 

Ähnliches gilt mutatis mutandis für Nachfrageüberhänge. Hier sind es die Konsumenten, welche befürchten müssen, leer auszugehen, wenn sie nicht bereit sind, höhere Preise als bisher zu akzeptieren. Auch hier gilt, dass der Verlust dann, wenn sie leer ausgehen, größer ausfallen kann als dann, wenn sie – vielleicht zähneknirschend – die Waren zu einem erhöhten Preis beziehen.

 

Fragen wir nun nun nach den Reaktionen der Marktteilnehmer auf Preisvariationen. Beginnen wir mit dem Nachfrageverhalten, welches in einer Nachfragefunktion beschrieben wird und jedem möglichen Preis eine Nachfragemenge zuordnet. Wir hatten bereits erwähnt, dass von einem normalen Nachfrageverhalten immer dann gesprochen wird, wenn Preissteigerungen Minderungen und Preissenkungen Steigerungen der Nachfrage auslösen. Wie erklärt nun die traditionelle Markttheorie ein solches Verhalten? Im Rahmen der Haushalts­theorie wird von der Annahme ausgegangen, dass ein Haushalt stets seinen Nutzen zu maximieren versucht und dass der Grenznutzen der einzelnen Güter mit wachsender Nachfrage zurückgeht.

 

Wenn nun ein Haushalt für ein bestimmtes Gut (x) einen Preis (y) zu zahlen hat, so liegt der eigentliche Nutzenverlust beim Kauf einer Einheit dieses Gutes darin, dass er die Geldsumme nicht für eine alternative, zweitbeste Verwendung einsetzen kann. Dieser Nutzenverlust stellt die eigentlichen Kosten des Kaufes eines Gutes (die sogenannten Opportunitätskosten) dar. Der einzelne Haushalt wird also durch einen zusätzlichen Kauf genau solange seinen Gesamtnutzen vergrößern können, als die Kosten dieses Gutes geringer sind als der Nutzenzuwachs, den der Haushalt durch den Kauf dieses Gutes erhält. Mit anderen Worten: Die Nachfragekurve ergibt sich aus dem Verlauf der Grenznutzenkurve.

 

Je mehr der Preis eines Gutes steigt, um so wahrscheinlicher wird es, dass dieselbe Geldmenge in einer anderen Verwendung einen höheren Nutzen stiftet und dass deshalb die Nachfrage nach diesem Gut geringer wird.

 

Die traditionelle Haushaltstheorie präzisiert nicht nur die Bedingungen, unter denen mit einer Markt­räumungs­tendenz zu rechnen ist, sondern gibt auch Hinweise darauf, unter welchen Bedingungen mit einem anomalen Nachfrageverhalten gerechnet werden muss. Es ist dies die Definition der inferioren Güter. Von einem inferioren Gut wird immer dann gesprochen, wenn eine Steigerung des Einkommens, die normalerweise ja zu einer Mehrnachfrage bei fast allen Gütern führt, bei speziellen Gütern, eben bei den sogenannten inferioren Gütern, zu einer Minderung der Nachfrage führt.

 

Eine solche anomale Reaktion ist immer dann zu erwarten, wenn ein Haushalt aufgrund seiner Wohlfahrtssteigerung bestimmte Bedürfnisse nun dadurch befriedigen kann, dass er zu qualitativ besseren  Produkten übergeht und gerade deshalb von den minderwertigen (inferioren) Gütern weniger benötigt. Nehmen wir an, dass ein Haushalt bei einem sehr geringen Einkommen sein Fettbedürfnis durch Margarine (oder andere, weniger qualifizierte Fette) befriedigt hatte und der nun aufgrund gestiegenen Einkommens in der Lage ist, sich Butter (höher qualifizierte Fette) zu leisten. Wir wollen hier bewusst die Frage ausklammern, ob Margarine tatsächlich gegenüber der Butter ein minderwertiges Gut darstellt. Es gibt gute Gründe dafür, dass Butter nicht als höher qualifiziert zu gelten hat. Hier an dieser Stelle geht es nur darum, zu zeigen, dass die Nachfrage nach minderwertigen Fetten gerade bei einer Einkommenssteigerung zurückgehen kann. Da Margarine im Allgemeinen einen höheren Preis erzielt als Margarine, wird Butter ex definitione als höherwertig eingestuft.

 

Das Vorliegen eines inferioren Gutes hat nun bisweilen zur Folge, dass eine Preissteigerung auch zu einer Zunahme der Nachfrage nach diesem Gut führt. Erklären lässt sich diese anomale Reaktion damit, dass von einer Preissteigerung zwei verschiedene partielle Wirkungen ausgehen. Auf der einen Seite führt die Preissteigerung dazu, dass das reale Einkommen gesunken ist, mit derselben nominellen Einkommenssumme können nun weniger Güter gekauft werden. Dies ist der sogenannte Einkommenseffekt. Von einer Preissteigerung geht zweitens ein Substitutionseffekt aus, der darin besteht, dass aufgrund der veränderten Preisrelationen eine Verschiebung der Nachfrage von dem Gut, dessen Preis gestiegen ist, zu den Gütern, deren Preis konstant geblieben ist, stattfindet.

 

Sowohl der Einkommens- als auch der Substitutionseffekt bewirkt bei einer Preissteigerung im Normalfall eine Minderung der Nachfrage mit der Folge, dass unter normalen Bedingungen Preissteigerungen auf jeden Fall zu Nachfrage­minderungen führen. Liegt nun ein inferiores Gut vor, so führt eine Preissteigerung – wie gezeigt – zu einer partiellen Steigerung der Nachfrage, welche dem Substitutionseffekt zuwiderläuft. Wenn nun der Einkommenseffekt stärker ausfällt als der Substitutionseffekt, dann wird die Nachfrage auch per Saldo aufgrund der Preissteigerung ansteigen. Wir sprechen hier vom Giffenfall zu Ehren des Wissenschaftlers namens Giffen, der als erster diesen Effekt empirisch nachgewiesen hat.

 

Fragen wir uns nun nach der Begründung für eine normale Angebotsreaktion. Es wird unterstellt, dass unter normalen Bedingungen die Angebotskurve einen positiven Verlauf aufweist, das heißt, dass steigenden Preisen im Normalfall auch steigende Angebotsmengen entsprechen. Diese Hypothese wird damit begründet, dass man auf der einen Seite ein Gewinnmaximierungsverhalten, auf der anderen Seite das Gesetz vom Anstieg der Grenzkosten mit wachsender Menge unterstellt.

 

Unter diesen Bedingungen fällt die Angebotskurve mit der Grenzkostenkurve zusammen. Solange nämlich der Anbieter für die zuletzt angebotene Gutseinheit einen höheren Preis erzielt als die Kosten aufgrund dieser Produktionsausweitung ansteigen, erzielt der Unternehmer einen Gewinnzuwachs. Genau dann, wenn Preis und Grenzkosten sich entsprechen, ist das Gewinnmaximum erreicht, eine weitere Ausdehnung des Güterangebotes würde dazu führen, dass die Grenzkosten über dem Preis liegen und dass deshalb eine Gewinnminderung zu erwarten wäre.

 

Auch für die Angebotsseite wird unterstellt, dass es in der Realität sehr wohl Fälle anomalen Verhaltens gibt. So wird oftmals davon ausgegangen, dass die Grenzkosten bei wachsender Produktion zunächst sinken und erst ab einer bestimmten kritischen Menge an steigen. Produzieren nun die Unternehmer in dem Bereich, in dem die Grenzkosten bei steigender Produktion noch fallen und tritt nun ein Rückgang in der Nachfrage ein, so steigen die Grenzkosten aufgrund der geringeren Produktion und die Unternehmer sind bestrebt, diese Kostensteigerung durch Preissteigerungen wettzumachen. Bei einer normalen Reaktion hätte man aber erwartet, dass die Preise aufgrund des Nachfragerückganges ebenfalls zurückgehen.

 

Anomales Angebotsverhalten wird bisweilen auch noch mit einem weiteren Sachverhalt erklärt. Nehmen wir den Fall eines Unternehmers, welcher mit Hilfe von Schiffen Transportleistungen anbietet. Dieser Unternehmer verfüge jedoch nur über eine sehr geringe Zahl von Schiffen (im Extremfall über ein einziges Schiff). Sinkt nun der Preis aufgrund eines Rückganges in der Nachfrage, besteht die Gefahr, dass dieser Unternehmer bei normaler Reaktion (Rückgang des Angebotes) einen so starken Rückgang seines Gewinneinkommens erzielen würde, dass sein Einkommen unter das Existenzminimum fallen würde. In diesem Falle wäre dieser Unternehmer bestrebt, sein Angebot trotz Preissenkung auszuweiten, um auf diese Weise wiederum mit seinen Verkaufserlösen über das Existenzminimum zu gelangen. Er würde sich somit anomal verhalten und gerade dadurch dazu beitragen, dass der Angebots­überhang noch vergrößert würde.

 

Wir haben also davon auszugehen, dass eine Markträumung nur dann erwartet werden kann, wenn sich Angebot und Nachfrage normal verhalten. Allerdings ist hierzu nicht notwendig, dass jeweils beide Marktseiten ein normales Verhalten aufweisen. Es reicht aus, dass die Summe der Angebots- und Nachfragereaktionen eine Verminderung des Überhanges bewirkt. So wäre es denkbar, dass die Nachfrage überhaupt nicht auf Preisvariationen reagiert; in dem Maße, in dem das Angebot normal reagiert, wird das bestehende Ungleichgewicht trotzdem abgebaut, der Anpassungsprozess dauert in diesem Falle nur länger als dann, wenn beide Marktseiten normal reagieren.

 

Es ist sogar denkbar, dass ein Abbau eines Ungleichgewichtes immer noch stattfindet, wenn die eine Marktseite anomal reagiert, wenn jedoch die Reaktion des normalen Marktpartners größer ist als die anomale Reaktion des anderen Partners. Es kommt nur auf den Saldo der bewirkten Mengenänderungen an.

 

 

 6. Statische versus dynamische Analyse

 

In der traditionellen Markttheorie wird zwischen einer statischen und einer dynamischen Analyse unterschieden. Während sich die statische Analyse im Wesentlichen darauf beschränkt, die Frage nach der Existenz eines Gleichgewichtes zu beantworten, versucht die dynamische Theorie auch eine Antwort darauf zu formulieren, ob und unter welchen Voraussetzungen mit einer Tendenz zu diesem Gleichgewicht gerechnet werden kann. Selbstverständlich ist die Frage nach der Tendenz zum Gleichgewicht das eigentliche Problem der Gleichgewichtstheorie und insofern stellt die statische Theorie des Marktes nur einen ersten Schritt zur Lösung des vorliegenden Problems dar.

 

Nun wird in der allgemeinen Theorie – so etwa bei Ragnar Frisch – auch eine etwas andere Unterscheidung zwischen statischer und dynamischer Analyse gewählt. Danach bewegt man sich auf dem Boden einer (nur) statischen Theorie solange, als man lediglich danach fragt, welche Variablen eine Verbindung zueinander aufweisen, und welche Variablen die verursachenden Größen und welche anderen die Wirkungsgrößen darstellen. Die dynamische Analyse geht von diesen Beziehungen aus, versucht jedoch darüber hinaus die Frage zu klären, wie viel Zeit verstreicht, bis die verursachende Variable die Wirkungsgröße tatsächlich beeinflusst hat.

 

Bringen wir ein Beispiel. Nehmen wir die von John Maynard Keynes formulierte Konsumfunktion. Danach hängt die Höhe des Konsums eines einzelnen Haushaltes, aber auch der gesamten Volkswirtschaft von der Höhe des Einkommens (wiederum dieses Einzelhaushaltes oder der gesamten Volkswirtschaft) ab. Es wird nicht ex pressis verbis die Frage aufgeworfen, welche Verzögerung denn eintritt, bis eine Einkommens­steigerung auch zu einer Zunahme des Konsums führt. Diese Frage wird in der von Robertson umformulierten Konsumfunktion aufgegriffen. Der Konsum der Periode (t) wird hiernach von der Einkommenshöhe in der Periode (t-1) in Abhängigkeit gesehen. Es wird zwar hier immer noch nicht die Frage beantwortet, wie lang denn eine solche Periode andauert, wie viel Tage oder Monate vergehen, bis eine Änderung im Einkommen schließlich eine hiervon abhängige Änderung des Konsums bewirkt.

 

Diese Frage nach dem Zeitpunkt der Auswirkungen kann nun ganz entscheidend für die Beantwortung der Frage sein, ob wir tatsächlich mit einer Ausgleichstendenz rechnen können. So wird z. B. im Rahmen des Cobweb-Theorems die These vertreten, dass die Anpassungsprozesse über ihr Ziel hinausschießen, dass also wellenförmige Bewegungen der Preise und Mengen entstehen und dass es von dem Verhältnis der Angebots- und Nachfrageelastizität zueinander abhängt, ob diese Wellenbewegungen gedämpft erfolgen und ob deshalb immer noch von einer Tendenz zum Gleichgewicht gesprochen werden kann, oder ob sich die Preise im Sinne eines explodierenden Systems immer weiter vom Gleichgewicht entfernen. Wir werden uns im nächsten Kapitel dieses Seminars noch ausführlich mit diesem Cobweb-Theorem befassen, sodass diese kurzen Hinweise an dieser Stelle ausreichen.

 

Die traditionelle Markttheorie beschränkt sich auf eine statische Analyse im Sinne Ragnar Frischs. Sie beschränkt sich jedoch nicht auf die Frage nach der Existenz eines Gleichgewichtes, sondern versucht aufzuzeigen, warum mit einer Gleichgewichtstendenz im Normalfall gerechnet werden kann und in welchen Schritten dieser Anpassungsprozess stattfindet.

 

Im ersten Teil dieser Analyse geht es also um die Frage, ob überhaupt ein Gleichgewichtspreis existiert. Gibt es also mit anderen Worten eine Kombination zwischen Preis und Menge eines Gutes, bei dem sich Angebot und Nachfrage (ex ante!) entsprechen? Diese Frage ist schnell beantwortet: Ein Gleichgewichtspreis existiert immer dann, wenn sich Angebots- und Nachfragekurve in einem Bereich schneiden, der auch realisiert werden kann.

 

Hiermit kann ein Gleichgewicht ausgeschlossen werden, wenn Angebots- und Nachfragekurven parallel zueinander verlaufen. Dies ist z. B. der Fall, wenn Angebot und Nachfrage überhaupt nicht auf Preisänderungen reagieren. Hier verlaufen Angebots- und Naschfragekurve parallel zur Y-Achse (Ordinate). Aber auch dann, wenn Angebot und Nachfrage bei dem vorherrschenden Preis extrem hoch (also unendlich groß sind und beide Kurven parallel zur X-Achse (Abszisse) verlaufen, gäbe es kein Gleichgewicht. Schließlich wäre natürlich auch ein Fall denkbar, bei der Angebot und Nachfrage auf Preisänderungen reagieren, sogar in gleichem Umfang,  die eine Marktseite aber anomal reagiere, sodass wiederum beide Marktkurven parallel zueinander verlaufen.

 

Dass beide Reaktionskurven vollkommen parallel zueinander verlaufen, zählt sicherlich zu den Ausnahmen und dürfte in der Realität nur in den seltensten Fällen gegeben sein. Wir müssen jedoch auch mit der Möglichkeit rechnen, dass es zwar einen Schnittpunkt zwischen beiden Kurven gibt, dass dieser Schnittpunkt jedoch jenseits jeder realisierbaren Kombination zwischen Preis und Menge liegt. Dies gilt z. B. für den Fall, dass der Schnittpunkt beider Kurven links oder unterhalb des Koordinatenursprungs liegt. Es gibt in der Realität weder negative Gütermengen, noch negative Preise. Oder aber es ist auch denkbar, dass der Gleichgewichtspreis bei einer Preishöhe liegt, welche von keinem Haushalt bezahlt werden kann oder dass der Gleichgewichtspreis sich nur bei einer Angebotsmenge einstellen würde, die mangels ausreichender Ressourcen gar nicht hergestellt werden kann.

 

Wichtiger ist der zweite Teil: Die dynamische Analyse befasst sich mit der Frage, ob, unter welchen Bedingungen und in welchen Einzelschritten ein Anpassungsprozess stattfindet. Dieser Prozess beginnt damit, dass Daten­änderungen der unterschiedlichsten Art auftreten. Neue Techniken werden entwickelt, bestimmte Rohstoffe stehen nicht mehr im bisherigen Ausmaß zur Verfügung, es findet ein Bedarfswandel statt oder der Staat verabschiedet eine neue Rahmenordnung.

 

Diese Datenänderungen bringen es mit sich, dass die bisherige Aufteilung der Ressourcen suboptimal wird, die Nachfrage nach bestimmten Produkten und Rohstoffen steigt an oder nimmt auch ab, das Angebot anderer Ressourcen steigt und wird reduziert. Diese Änderungen führen schließlich dazu, dass ein Teil der Märkte nicht mehr im Gleichgewicht ist.

 

Dieses Entstehen von Ungleichgewichten löst seinerseits Preisvariationen aus, auf den Märkten mit Angebotsüberhang sinken die Preise, auf den Märkten mit einem Nachfrageüberhang steigen die Preise. Die Preisflexibilität entscheidet hierbei, wie stark und wie schnell die Preisveränderungen eintreten.

 

Diese Preisvariationen schließlich lösen ihrerseits Reaktionen bei den Anbietern und Nachfragern aus, bei normalem Verhalten wird bei einem Preisanstieg die Nachfrage sinken und das Angebot steigen, bei einer Preisreduzierung hingegen wird das Angebot sinken und die Nachfrage steigen. Diese Reaktionen bewirken, dass das jeweilige Ungleichgewicht von zwei Seiten aus abgebaut wird, womit bewiesen ist, dass der Markt unter normalen Bedingungen automatisch für den Abbau von Ungleichgewichten sorgt.

 

Wie schnell dieser Abbau erfolgt, hängt dann einmal von den Angebots- und Nachfrageelastizitäten sowie von der Preisflexibilität ab, zum andern entscheidet die Reaktionsgeschwindigkeit darüber, wie schnell dieser Abbau des Ungleichgewichtes erfolgt. Prinzipiell gilt, je größer die Elastizitäten und Flexibilitäten sind und je schneller die Reaktionen erfolgen, umso schneller werden die Ungleichgewichte abgebaut.

 

Nun müssen wir davon ausgehen, dass in der Realität auf der einen Seite in jeder Periode neue Datenänderungen auftreten, die einen bestimmten Umfang an Ungleichgewichten auslösen und dass auf der anderen Seite die Marktkräfte dafür sorgen, dass in einem bestimmten Umfang Ungleichgewichte abgebaut werden. Wie groß deshalb letzten Endes das Ungleichgewicht eines Marktes in einer Periode ausfällt, hängt deshalb nicht nur von der Reaktionsgeschwindigkeit und vom Ausmaß der Reaktion der Marktpartner ab, sondern gleichermaßen vom Umfang und von  der Art der Datenänderungen ab.

 

Wenn wir also das Ausmaß des Ungleichgewichtes in einer bestimmten Periode bestimmen wollen, müssen wir uns erstens fragen, wie groß war der Umfang des Ungleichgewichtes am Ende der vorhergehenden Periode, der nicht mehr beseitigt werden konnte, wie viel neue Ungleichgewichte kamen zweitens in dieser Periode aufgrund von neuen Datenänderungen hinzu und in welchem Umfang konnte aufgrund der Reaktionen der Marktpartner in dieser Periode Ungleichgewichte abgebaut werden. Diese Fragen sid jedoch bereits Gegenstand des sogenannten Cobwebtheorems, einer Gesetzmäßigkeit, mit der wir uns im nächsten Kapitel befassen wollen.