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Geschichte der Ökonomie

 

 

 

 

 

Gliederung:

 

1. Einführung

2. Merkantilismus

4. Klassik

5. wissenschaftlicher Sozialismus

6. historische Schule

7. Wiener Schule

8. Lausanner Schule

9. Cambridge Schule

10. Keynesianismus

11. Neoliberalismus

 

 

9. Cambridge Schule Teil III

 

Gliederung:

 

1. Problemstellung

2. Die wichtigsten Vertreter

3. Die Nachfrage des Haushaltes nach Konsumgütern

4. Das Konzept der Konsumentenrente

5. Das Angebot einer Unternehmung an Gütern

6. Die Aggregation von Angebot und Nachfrage

7. Die Gleichgewichtstheorie des Marktes

8. Der Elastizitätsbegriff

9. kurz- und langfristiges Angebot

       10. Die Grenzproduktivitätstheorie

       11. Die Theorie des Arbeitsleides

       12. Das Ausschöpfungstheorem

 

 

 

8. Der Elastizitätsbegriff

 

Es ist das besondere Verdienst Alfred Marshalls, im Zusammenhang mit der Markttheorie zwei Denkinstrumente entwickelt zu haben, welche die Analyse des Marktgeschehens wesentlich erleichtert haben. Das eine neue Denkinstrument ist der Elastizitätsbegriff, das andere die Unterscheidung zwischen kurzfristigen und langfristigen Reaktionen. Wir wollen uns in diesem Abschnitt etwas ausführlicher mit dem Elastizitätsbegriff auseinan­dersetzen.

 

Betrachten wir hierzu ein Diagramm mit einer Angebots- und Nachfragekurve. Wir haben bisher gesehen, dass die Frage, ob ein Markt tatsächlich auf einen Gleichgewichtszustand zusteuert, entscheidend von der Steigung der beiden Reaktionskurven abhängt. Nun ist die Angabe der Steigung für die Charakterisierung einer Reaktions­kurve ein sehr unvollkommenes Instrument. Auf der einen Seite wissen wir, dass sich die Steigung einer Kurve immer dann verändert, wenn wir entlang einer Kurve fahren und wenn diese Funktion nichtlinear ist. Zwar haben wir in dem vorherigen Abschnitt mit linearen Angebots- und Nachfragekurven gearbeitet, wir haben aber hinzugefügt, dass dies nur geschieht, um die Darstellung zu vereinfachen, dass aber in der Realität eigentlich fast immer mit nichtlinearen Funktionen gerechnet werden muss, bei denen die Steigung bei unterschiedlichen Abszissenwerten auch unterschiedliche Werte annimmt.

 

Auf der anderen Seite liefert die bloße Angabe einer Steigung nur eine unvollkommene Information, da es ja in Wirklichkeit sehr viel weniger darauf ankommt, wie groß eine Reaktion in absoluten Größen ist, als vielmehr mit welchen relativen Prozentsätzen in der Reaktion gerechnet werden muss. Aber gerade diese relativen Änderungen werden mit dem Elastizitätsbegriff eingefangen.

 

Der Elastizitätsbegriff kann im Grunde genommen auf alle ökonomischen Beziehungen zwischen zwei Variablen angewandt werden. Bezogen auf die Nachfragefunktion nach Gütern gibt die Elastizität der Nachfrage in Bezug auf den Preis dieses Gutes an, um wie viel die Nachfrage prozentual steigt, wenn der Preis dieses Gutes um einen Prozent (streng genommen um einen unendlich kleinen Prozentsatz) sinkt.

 

Wenn wir mit dX die absolute Veränderung in der nachgefragten Produktionsmenge und mit X die absolute Nachfragemenge bezeichnen und wenn dp andererseits die absolute Veränderung im Preis und p den absoluten Preis bezeichnet, dann verstehen wir unter der Elastizität der Nachfrage in Bezug auf den Preis h  folgenden Ausdruck:

 

Wenn wir nun diesen Elastizitätsbegriff auf die Nachfragefunktion anwenden und einen linearen Verlauf unterstellen, so stellen wir fest, dass die Elastizität der Nachfrage in jedem Punkt der Nachfragekurve unterschiedlich ist und Werte von ∞ bis 0 durchläuft. Fragen wir hierzu zunächst nach dem Elastizitätswert im Schnittpunkt der Nachfragefunktion mit der Ordinate. In diesem Punkt ist die nachgefragte Gütermenge gleich null. Also wird der Term der Elastizität durch null dividiert. Somit ist der gesamte Term unendlich groß. Fragen wir nun als zweites nach dem Elastizitätswert im Schnittpunkt mit der Abszisse. Hier geht der Preis gegen null und damit wird auch der gesamte Term null.

 

 

 

 

 

Fragen wir uns nun, welchen Verlauf eine isoelastische Kurve mit stets gleicher Elastizität in allen Punkten hat. Mathematisch gesehen hat eine Parabel einen isoelastischen Verlauf:

 

 

 

 

 

Der Elastizitätsbegriff hat die Analyse ökonomischer Probleme wesentlich erleichtert. Wir werden im zweiten Teil dieser Vorlesung Anwendungen dieses Denkinstrumentes bei den verschiedenen Spezialgebieten ausführlich kennen lernen. So zeigt die Marshall-Lerner-Bedingung in der Außenwirtschaftstheorie, dass eine Abwertung nur dann zu einer Reduzierung eines passiven Saldos der Devisenbilanz führt, wenn die Summe der inländischen und ausländischen Importelastizitäten größer eins ist. In der Lohntheorie erfahren wir, dass dann, wenn die Nachfragekurve der Unternehmer nach Arbeitskräften einen isoelastischen Verlauf aufweist, es den Gewerkschaften nicht gelingen kann, durch eine Verknappung der Arbeitskraft einen höheren Lohn zu erkämpfen. Im Rahmen der Amoroso-Robinson-Formel wird innerhalb der Marktformen­lehre gezeigt, dass der Grenzerlös nur dann mit dem Verkaufspreis übereinstimmt, wenn die Elastizität der Nachfrage gegen unendlich tendiert.

 

 

9. Kurz- und langfristiges Angebot

 

Alfred Marshall hat weiterhin zwischen einer kurzfristigen und einer langfristigen Angebotskurve unterschieden. Auch diese Unterscheidung trägt zu einer Vertiefung der ökonomischen Analyse bei.

 

Die kurzfristige Angebotskurve unterrichtet über die Anpassungen einer Unternehmung auf Preisvaria­tionen, welche aus Sicht der Unternehmung als nicht unbedingt langfristig angesehen werden. Im Augenblick der Zunahme von Aufträgen ist es einem Unternehmer in Zeiten der Konjunkturkrise zunächst nicht klar, ob mit diesen Aufträgen bereits ein Konjunkturumschwung eingeleitet wird oder ob es sich um einmalige Sonderaufträge handelt, von denen nicht erwartet werden kann, dass sie sich in naher Zukunft wiederholen.

 

Angesichts dieser Ungewissheit ist es für eine Unternehmung ratsam, zwar diese Sonderaufträge mitzuneh­men, aber keinesfalls sofort die gesamte Kapazität auf eine größere Ausbringung auszurichten. Es dürfte vielmehr ratsam sein, zu versuchen, diese Mehrproduktion auch mit den bestehenden Maschinen und auch Arbeitskräften zu übernehmen.

 

Im Allgemeinen kann man davon ausgehen, dass Unternehmungen ohnehin bei der Neuanschaffung von Maschinen nicht vom augenblicklichen Produktionsstand ausgehen, sondern den Maschinenpark so einrichten, dass auch kleinere Produktionserweiterungen jeder Zeit möglich erscheinen.

 

Eine vorübergehende Mehrproduktion setzt im Allgemeinen auch einen vermehrten Arbeitseinsatz ein. Auch hier wird eine Unternehmung versuchen, diesen Mehreinsatz solange mit Überstunden ihrer Belegschaft zu erreichen, als nicht sichersteht, ob diese Zunahme in den Aufträgen langfristig anhält.

 

Dies gilt aus mehreren Gründen. Auf der einen Seite hindert oftmals eine rigorose Kündigungsschutzpraxis Arbeitskräfte wieder zu entlassen, wenn sich herausstellt, dass der Bedarf an Arbeitskräften wegen einiger Aufträge überschätzt wurde. Auf der anderen Seite bringt eine Neueinstellung von Arbeitnehmern der Unternehmung zusätzliche Kosten im Zusammenhang mit der Anwerbung und der Ausbildung neu eingestellter Arbeitnehmer.

 

In der Regel findet die Unternehmung genügend Arbeitnehmer aus dem eigenen Betrieb, welche an Überstunden interessiert sind, zumal Überstunden besser bezahlt werden als die normalen Arbeitszeiten. Auch besteht die Möglichkeit, gewisse vorübergehende Mehrbelastungen dadurch auszugleichen, dass den Arbeitnehmern, welche kurzfristig mehr Stunden Arbeiten, über Zeitkonten ein späterer Ausgleich ermöglicht wird.

 

Falls eine Unternehmung nicht genügend Beschäftigte zu Überstunden bewegen kann, besteht immer noch die Möglichkeit, vorübergehend Zeitarbeiter einzustellen, welche jeder Zeit wiederum entlassen werden können.

 

Wenn allerdings feststeht, dass der Umsatz langfristig gestiegen ist, lohnt es sich für eine Unternehmung, die Produktionskapazität diesem vermehrten Bedarf anzupassen und dies bedeutet einmal Anschaffung von neuen Anlagen sowie Einstellung neuer Arbeitskräfte.

 

Versuchen wir nun diese unterschiedlichen Verhaltensweisen in zwei Angebotskurven bei kurzfristiger und bei langfristiger Anpassung an die Marktdaten einzufangen.

 

Beginnen wir mit der Konstruktion der kurzfristigen Angebotskurve. Wir hatten davon gesprochen, dass bei kurzfristigen, vorübergehenden Anpassungen Überstunden anfallen, die im Allgemeinen mit Lohnzuschlägen entlohnt werden, sodass die Arbeitskosten bei kurzfristiger Ausweitung der Produktion stark ansteigen dürften.

 

Ähnliches gilt auch für andere Kostenarten. Wenn an dem bestehenden Maschinenpark höhere Einsätze gefahren werden, so führt dies oftmals entweder zu einem höheren Ausfall oder auch zu einer Minderung der Qualität der erbrachten Produkte. Wir haben davon auszugehen, dass die im Betrieb realisierte Technik und Organisation so eingerichtet wurde, dass sich die einzelnen im Betrieb eingesetzten Produktionsfaktoren optimal ergänzen. Wird nun der Einsatz der Arbeitskräfte bei konstantem Betriebsmitteleinsatz erhöht, führt dies zumeist zu einer gewissen Minderung in der Effizienz.

 

Wir wollen also festhalten, dass die kurzfristige Angebotskurve eine relativ starke positive Neigung aufweisen dürfte. Fragen wir uns nun, welchen Kostenverlauf wir zu erwarten haben, wenn es darum geht, bei langfristig anhaltenden Aufträgen die Kapazität selbst zu erhöhen.

 

Zunächst entstehen höhere Kosten, da neue Arbeitskräfte angeworben und ausgebildet und auch neue Anlagen gekauft werden müssen. Trotzdem dürften die Stückosten geringer ausfallen als bei der kurzfristigen Reaktion. Auf der einen Seite entfallen die zusätzlichen Lohnkosten in Form von Überstunden. Auf der anderen Seite können moderne Anlagen errichtet werden, welche in der Regel aufgrund eines permanenten technischen Fortschritts bei jedem neuen Kauf effizienter werden. Wir wollen also festhalten, dass die Steigung der langfristigen Angebotskurve in aller Regel einen flacheren Verlauf aufweist:

 

 

 

 

Genauso wie auch das Konzept der Elastizität hat auch die Unterscheidung zwischen kurzfristigen und langfristigen Angebotskurven die Weiterentwicklung der Gleichgewichtstheorie gefördert. Wir werden im zweiten Teil dieser Vorlesung bei der Diskussion über das Cobweb-System sehen, dass der Gleichgewichts­prozess  sehr viel komplizierter verläuft als von der neoklassischen Theorie zunächst unterstellt. So wird dort gezeigt, dass der Anpassungsprozess wellenförmig verläuft und bisweilen sogar vom Gleichgewicht wegführt, obwohl mit normaler Preisflexibilität als auch mit normaler Elastizität von Angebot und Nachfrage gerechnet wird. Bei der Beweisführung spielt der Umstand, dass das Angebot kurzfristig konstant ist und erst in späteren Perioden auf Preissteigerungen reagiert, eine entscheidende Rolle. Bei diesem Theorem hängt es vom Verhältnis der Angebotselastizität zur Nachfrageelastizität ab, ob der Marktprozess explosiv oder gedämpft verläuft.

 

 

 

 

10. Die Grenzproduktivitätstheorie

 

Die neoklassische Theorie entwickelte eine Markttheorie, welche für alle Märkte gilt. Unsere bisherigen Untersuchungen beschränkten sich auf die Probleme, welche auf den Gütermärkten auftreten. Die Neoklassik, vor allem John Bates Clark versuchte allerdings auch, die allgemeinen auf den Gütermärkten entwickelten Gesetzmäßigkeiten auf die Faktormärkte zu übertragen.

 

Genauso wie das Angebot der Unternehmer an Produkten letztlich vom Verlauf der Grenzkosten bestimmt wird, geht Clark von der These aus, dass die Nachfrage der Unternehmungen analog zum Gütermarkt im Rahmen einer Marginalanalyse dargestellt werden kann, wobei die Nachfrage nach Produktionsfaktoren hierbei vom Verlauf der Grenzproduktfunktion abgeleitet werden kann.

 

Damit beschreitet Clark einen ganz anderen Weg als die Grenznutzenschule. Während die Vertreter der Grenznutzenschule bemüht waren, auf direktem Wege den Gesamtertrag eines Produktes den an der Produktion beteiligten Produktionsfaktoren zuzurechnen, bemüht sich Clark um den Nachweis, dass sich die Entlohungssätze der Produktionsfaktoren auf einem Markt bilden und automatisch dort ihr Gleichgewicht erreichen, wo Angebot an und Nachfrage nach Produktionsfaktoren übereinstimmen.

 

Diese Grenzproduktivitätstheorie wurde im Prinzip für alle Faktormärkte entwickelt, ist jedoch in der Literatur vor allem für die Erklärung der Lohnsätze herangezogen worden. Allerdings gilt es daran zu erinnern, dass bereits die Altklassiker vom Gesetz des abnehmenden Bodenertrages gesprochen haben, wobei der Ausdruck Grenzertrag nicht anderes darstellt als der Begriff Grenzprodukt. Weiterhin wurde die Grenzproduk­tivitätstheorie auch auf die Kapitalmärkte angewandt, man sprach hier vom Gesetz des fallenden Grenzproduktes einer Investition.

 

Im Mittelpunkt der Grenzproduktivitätstheorie steht also – wie der Name bereits andeutet – der Begriff des Grenzproduktes, der synonym mit dem älteren Begriff des älteren Grenzertrages verwandt wird. Hierbei gilt es zwischen dem physischen Grenzprodukt und dem Wertgrenzprodukt zu unterscheiden. Der Begriff physisches Grenzprodukt bezieht sich hierbei auf physische Größen, gibt also an, um wie viel das physische Produkt erhöht, wenn ein bestimmter Faktor - bei Konstanz aller anderen eingesetzten Produktionsfaktoren - um eine (unendlich kleine) Einheit vermehrt wird.

 

Der Begriff des Wertproduktes geht aus dem Begriff des physischen Grenzproduktes dadurch hervor, dass man dieses physische Grenzprodukt mit dem Preis des erzeugten Produktes multipliziert. Mit anderen Worten: Das Wertgrenzprodukt gibt an, um wie viel sich der Wert der Produktion erhöht, wenn ein Produktionsfaktor um eine Einheit vermehrt eingesetzt wird.

 

Nun gehen wir hier mit den Neoklassikern zu Beginn dieser Entwicklung stillschweigend davon aus, dass auf den Gütermärkten Konkurrenz besteht, mit der Folge, dass für die Unternehmungen der Güterpreis konstant und vorgegeben ist (Annahme des Mengenanpassers). Im Rahmen der Marktformenlehre im zweiten Teil dieser Vorlesung werden wir einen dritten Begriff des Grenzproduktes kennen lernen, den des Grenzerlösproduktes. Hier wird davon ausgegangen, dass der Erlöszuwachs beim Monopolisten und Oligopolisten von dem Güterpreis mehr oder weniger abweicht, da bei Produktion einer zusätzlichen Einheit der Monopolist zwar genauso wie der Mengenanpasser den Preis als zusätzlichen Erlös erzielt, dass aber gleichzeitig der Gesamterlös partiell auch zurückgeht, da die Mehrproduktion nur dadurch abgesetzt werden kann, dass der Güterpreis entsprechend der Nachfragekurve für alle Güter reduziert wird.

 

Die Unterscheidung zwischen physischem Grenzprodukt und Wertgrenzprodukt hat ein Pendant in der Theorie des Güterangebotes. Auch dort wird bei Verwendung einer Produktionsfunktion die Beziehung zwischen physischer Ausbringung und Einsatz der verschiedenen Produktionsfaktoren untersucht, während die Kostenfunktion den Wert der eingesetzten Produktionsfaktoren in Abhängigkeit der Produktionsmenge sieht.

 

Wir wollen im Folgenden die Grenzproduktivitätstheorie anhand des Arbeitsmarktes analysieren. Hierbei werden drei Annahmen getroffen:

 

Erstens wird davon ausgegangen, dass die Unternehmer in Konkurrenz auf Güter- wie Faktormärkten zueinander stehen und somit den Preis der Güter wie Produktionsfaktoren aus dem Markt nehmen, ohne zu versuchen, ihn zu beeinflussen.

 

Zweitens wird Gewinnmaximierung unterstellt, also angenommen, dass die Unternehmungen jede mögliche Gewinnsteigerung mitnehmen, selbstverständlich unter Beachtung der Gesetze.

 

Drittens schließlich wird eine Produktionsfunktion vom Typ Cobb-Douglas unterstellt mit folgenden zwei Eigenschaften: wird ein einzelner Produktionsfaktor vermehrt eingesetzt, so steigt zwar das Gesamtprodukt, das Grenzprodukt, also der Zuwachs in der Produktion geht jedoch mit wachsendem Faktoreinsatz zurück. Werden jedoch alle eingesetzten Produktionsfaktoren bei gleichbleibendem Einsatzverhältnis vermehrt, dann bleibt der Zuwachs der Produktion konstant, es gilt also das Gesetz vom konstant bleibenden Grenz­niveauprodukt.

 

Diese Formulierung der Annahmen wurde nun insbesondere von Hans Albert kritisiert, wobei Albert der Neoklassik einen ‚Modellplatonismus‘ vorwarf, wonach sich diese Theorie darauf beschränke, von vorgegebenen und nicht weiter zu untersuchenden Annahmen auszugehen und allein hieraus mittels  logischer Ableitungen die wichtigsten Aussagen der Grenzproduktivitätstheorie abzuleiten. Aus logischen Gründen würde jedoch hier keine zusätzliche Information gewonnen, der Erkenntniswert dieser Theorie sei nicht größer als der der unterstellten Annahmen, da man auf dem Wege logischer Ableitungen immer nur das erkennen kann, was bereits in den Annahmen enthalten sei. Die Realistik dieser Annahmen werde hier nicht überprüft, diese Aufgabe werde allenfalls anderen Wissensdisziplinen zugedacht. Diese Disziplinen dächten jedoch gar nicht daran, die Fragestellungen der Wirtschaftstheorie zu übernehmen und sich als Hilfswissenschaften zu verstehen.

 

Bei aller berechtigten Kritik an dieser neoklassischen Grenzproduktivitätstheorie lässt sie sich doch relativ einfach so umformulieren, dass empirisch gehaltvolle Annahmen formuliert werden, die es dann im Rahmen der Nationalökonomie selbst zu überprüfen gilt.

 

Man geht in diesem Falle erstens von der Annahme eines intensiven Wettbewerbs aus. Wettbewerb ist nicht selbstverständlich, weil die Unternehmer Wettbewerb als ausgesprochen lästig empfinden und deshalb bestrebt sind, durch Zusammenschlüsse und Kartellabsprachen Wettbewerb soweit wie möglich zu unterbinden.

 

Ob jedoch diese Bemühungen Erfolg haben, hängt von der jeweiligen Ordnungspolitik des Staates ab. Monopole entstehen in der Regel nur dann, wenn der Staat die inländischen Unternehmungen durch Zölle und andere Importbeschränkungen vor ausländischer Konkurrenz schützt. Auch hängt der Wettbewerbs­grad einer Volkswirtschaft davon ab, wie intensiv der Staat Kartelle und Unternehmungszu­sammenschlüsse auf dem Wege der Monopolaufsicht verhindert. Ob also in der Tat mit Wettbewerb gerechnet werden kann, stellt sehr wohl eine informativ gehaltvolle Hypothese dar.

 

Weiterhin kann zweitens von der Hypothese ausgegangen werden, dass vom Wettbewerb starke Anreize ausgehen, dass die Unternehmer bemüht sind, jede mögliche Gewinnsteigerung auszunutzen. Unter Wettbewerbsbedingungen kann sich nämlich ein Unternehmer kaum leisten, sich mit einem bestimmten Gewinnniveau zufriedenzugeben und auf weiteren Gewinn zu verzichten, da er in diesem Falle sehr schnell Gefahr läuft, von den Mitkonkurrenten aus dem Markt gedrängt zu werden. Unter intensiven Wettbewerbs­bedingungen stehen die Unternehmer vor der Entscheidung: ‚alles oder nichts‘.

 

Andererseits ist es aber auch nicht selbstverständlich, dass Wettbewerb ein gewinnmaximierendes Verhalten erzwingt. Es gibt nämlich auch unter Wettbewerbsbedingungen ein Verhalten des Gleichschritts: Wenn ein Unternehmer von der Gewissheit ausgeht, dass alle seine Mitkonkurrenten auf bestimmte Gewinnsteige­rungen verzichten, dann läuft er auch nicht Gefahr, dass er aus dem Markt geworfen wird, wenn auch er dieser allgemeinen Praxis folgt.

 

Drittens schließlich muss empirisch getestet werden, welchen Verlauf die Produktionsfunktionen in praxi haben. Es waren Cobb und Douglas, welche in zahlreichen empirischen Untersuchungen festgestellt haben, dass die realen Produktionsverhältnisse am besten mit einer Cobb-Douglas-Produktionsfunktion abgebildet werden können.

 

Wir wollen nun in einem ersten Schritt aus diesen drei Annahmen (Konkurrenz, Gewinnmaximierung und Cobb-Douglas-Produktionsfunktion) die Nachfragekurve der Unternehmungen nach Arbeitskräften ableiten. Hierbei spielt der Verlauf der Grenzproduktfunktion in Abhängigkeit des Arbeitseinsatzes die entscheidende Rolle. Wenn der Unternehmer seinen Gewinn zu maximieren versucht, wird er eine bestehende Nachfrage nach Arbeitskräften solange ausweiten, als ihm dieser Schritt einen Zuwachs des Gewinnes in Aussicht stellt.

 

Unter Konkurrenzbedingungen auf dem Arbeitsmarkt entstehen dem Unternehmer dann, wenn er eine Arbeitseinheit (eine Arbeitsstunde) mehr als bisher nachfragt, Zusatzkosten in Höhe des Stundenlohnsatzes. Sein Erlös steigt hierbei – wiederum unter der Annahme, dass auch auf den Gütermärkten Wettbewerb herrscht – um das Produkt aus erzieltem Preis multipliziert mit dem physischen Grenzprodukt. Solange die Differenz zwischen Grenzausgaben (Lohnsatz) und Wertgrenzprodukt positiv ausfällt, steigt der Gewinn und unter den gemachten Annahmen wird der Unternehmer also diesen Mehreinsatz an Arbeit vornehmen. Anders ausgedrückt, er wird seine Nachfrage nach Arbeit erst dann nicht mehr ausweiten, wenn der Gewinnzuwachs null würde, wenn also die Grenzausgaben (der Lohnsatz) gerade den Erlöszuwächsen, dem Wertgrenzprodukt entsprechen. Es gilt die Gleichgewichtsbedingung:

 

l: Lohnsatz    p: Güterpreis    dX/dA: physisches Grenzprodukt.

 

Machen wir uns diese Zusammenhänge anhand einer Graphik klar, wobei wir auf der Abszisse den Arbeitseinsatz in Stunden gerechnet und auf der Ordinate den Reallohnsatz (l/p) sowie das physische Grenzprodukt (dX/dA) abtragen.

 

Die Annahmen über die Produktionsfunktion ergeben einen fallenden Verlauf der Nachfragekurve nach Arbeit. Hierbei werden in der Literatur zwei verschiedene Verläufe der Grenzproduktfunktion unter­schieden. Im Allgemeinen wird von einem im Hinblick auf den Koordinatenursprung konkaven Verlauf ausgegangen. Hier schneidet die konkav gekrümmte Funktion beide Koordinatenachsen. Bei einer alternativen Darstellung wird von einer konvexen Krümmung, also z. B. von einer parabelförmigen Kurve ausgegangen, wobei sich die Kurve in diesem Falle asymptotisch den Achsen nähert, ohne diese zu schneiden. In diesem Falle  wird bisweilen unterstellt, dass es sich um eine isoelastische Kurve handelt:

 

 

 

 

Ausgehend von einer Grenzproduktivitätsfunktion können wir nun die Nachfragekurve nach Arbeit ableiten, sie fällt unter den gemachten Annahmen mit der Grenzproduktivitätskurve zusammen. Jeder alternativen Nachfrage nach Arbeit entspricht ein bestimmtes Grenzprodukt; der Unternehmer wird diese Nachfrage nur dann ausüben, wenn er höchstens einen Lohn in Höhe dieses Grenzproduktes zu zahlen hat. Also erhalten wir eine Nachfragekurve, welche einer alternativen Arbeitsnachfrage jeweils die Lohnsätze zuordnet, welche der Unternehmer maximal zu zahlen bereit ist. Umgekehrt können wir diese so entstehende Nachfragekurve auch so deuten, dass sie angibt, wie viele Arbeitsstunden von Seiten einer Unternehmung bei alternativen Lohnsätzen nachgefragt werden.

 

Wir wollen nun im Weiteren der Einfachheit halber wiederum von einer linearen Kurve der Nachfrage nach Arbeit ausgehen. Das Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage wirkt dann auf die Höhe des Lohnsatzes ein. Wir wollen dabei unterstellen, dass auch das Angebot an Arbeit im Sinne der neoklassischen Markttheorie normal verläuft, also eine steigende Neigung aufweist.

 

Der Schnittpunkt beider Kurven markiert dann den gleichgewichtigen Lohnsatz, bei dem Angebot und Nachfrage übereinstimmen. Sofern – wie hier angezeigt – sowohl das Angebot als auch die Nachfrage normal reagieren, besteht auch eine Tendenz zum Gleichgewicht.

 

Unterstellen wir, dass aus irgendwelchen Gründen das Arbeitsangebot die Nachfrage übersteigt, also Arbeitslosigkeit besteht. Auf einem normalen freien Markt wird in diesem Falle der Lohnsatz sinken, da die noch arbeitslosen Arbeitnehmer bereit sein werden, auch zu einem geringeren als dem geltenden Lohnsatz zu arbeiten. Aufgrund der Lohnsenkung steigt die Nachfrage und sinkt das Angebot mit der Folge, dass die Arbeitslosigkeit sinkt und dass der Markt von selbst die Tendenz zum Abbau von Arbeitslosigkeit hat.

 

 

 

Kritisch muss angemerkt werden, dass wir in der Realität in aller Regel keinen Wettbewerb auf den Arbeitsmärkten antreffen, dass vielmehr in fast allen Branchen Tarifverhandlungen stattfinden, welche eine Art bilaterales Monopol auf den Arbeitsmärkten darstellen. Wir werden uns im zweiten Teil dieser Vorlesung im Zusammenhang mit der Marktformenlehre sowie mit den collective Bargaining-Modellen mit dieser Problematik noch ausführlich beschäftigen.

 

 

11. Die Theorie des Arbeitsleides

 

Die neoklassische Theorie hat nicht nur zur Entwicklung der Nachfragekurve nach Arbeit, sondern auch zur Entwicklung der Arbeitsangebotsfunktion beigetragen. In diesem Zusammenhang ist vor allem auf die Arbeiten von Stanley Jevons hinzuweisen. Im Grunde geht auch er von einer subjektiven Bestimmung der Preise aus, auch er leidet die Nachfrage nach Gütern aus dem Grenznutzen ab, den die Konsumgüter stiften.

 

Diese Betrachtung kann nun auch auf das Angebot der Produktionsfaktoren angewandt werden. Das Angebot an Produktionsfaktoren geht genauso wie die Nachfrage nach Konsumgütern letztlich aus den subjektiven Entscheidungen der Haushalte hervor.

 

Im vorhergehenden Kapitel haben wir gesehen, dass das Indifferenzkurvensystem nicht nur zur Bestimmung der Nachfrage nach Konsumgütern eingesetzt werden kann, dass es vielmehr auch möglich ist, aus einem solchen System das Angebot an Arbeit in Abhängigkeit vom jeweiligen Lohnsatz abzuleiten. Wir hatten dort gesehen, dass bei der Frage, ob ein  Haushalt eine Arbeitsstunde mehr anbieten soll, der Nutzenverlust, der dadurch entsteht, dass nun eine Stunde weniger Freizeit zur Verfügung steht, mit dem Nutzengewinn verglichen wird, den der Haushalt dadurch erreicht, dass er aufgrund der vermehrten Arbeit ein höheres Einkommen erhält, aus dem er dann auch mehr Konsumgüter als bisher nachfragen kann, wobei dieser Mehrkonsum zu einem Nutzenzuwachs führt.

 

Beide Größen (der Nutzenverlust aufgrund verminderter Freizeit und der Nutzengewinn aufgrund vermehrten Konsums) werden miteinander verglichen und das Arbeitsangebot so lange ausgeweitet, als der Nutzenzuwachs größer ausfällt als der Nutzenverlust.

 

Stanley Jevons wählte nun einen etwas anderen Weg zur Bestimmung des Arbeitsangebotes in Abhängigkeit zum Lohnsatz. Entscheidet sich nämlich der Arbeitnehmer dazu, eine Arbeitsstunde mehr anzubieten, dann entstünden ihm aufgrund dieser erwerblichen Arbeit zusätzliche Mühen und Anstrengungen, welche Jevons im Arbeitsleid zusammenfasst, das aufgrund dieser Mehrarbeit entsteht. Und dieses Arbeitsleid wird nun bei Jevons mit dem Nutzenzuwachs verglichen, welcher mit dem zusätzlichen Einkommen aufgrund der Mehrarbeit erwartet werden kann. Jevons geht davon aus, dass der Haushalt jederzeit in der Lage ist, Arbeitsleid und Nutzengewinn miteinander aufzurechnen.

 

Genauso wie bei Anwendung der Grenznutzengesetze der Verlauf des Grenznutzens der Freizeit letztendlich die Arbeitsangebotskurve bestimmt, genauso kann man hier mit Jevons aus der Kurve des Arbeitsleides im Hinblick auf alternative Arbeitsangebote letztlich die Kurve des Arbeitsangebotes ableiten.

 

 

 

 

Wenn man will, ist es sogar möglich und auch sinnvoll, die Ansätze des Grenzarbeitsleides und des Grenznutzens der Freizeit miteinander zu kombinieren. Ein Arbeitnehmer, welcher vor der Entscheidung steht, ob er eine Arbeitsstunde mehr anbieten soll, wird also folgende Veränderungen in der persönlichen Wohlfahrt miteinander vergleichen. Der Umstand, dass er mehr arbeitet, verursacht ein Grenzarbeitsleid. Der Umstand, dass hierbei notwendiger Weise auch eine Stunde Freizeit weniger in Anspruch genommen werden kann, verursacht zusätzlich eine Nutzenminderung. Schließlich gilt es drittens festzustellen, um wie viel der Nutzen deshalb ansteigt, weil aufgrund eines zusätzlichen Einkommens auch mehr Konsumgüter konsumiert werden können.

 

Wenn wir mit Jevons unterstellen, dass das Grenzarbeitsleid mit wachsender erwerbswirtschaftlicher Arbeit ansteigt, dass also mehr Arbeit nicht nur mehr Arbeitsleid verursacht, sondern dass der Zuwachs an Arbeitsleid, also das Grenzarbeitsleid ebenfalls mit wachsender Beschäftigung ansteigt, erhalten wir auch bei dem von Jevons gewählten Weg eine Arbeitsangebotskurve mit steigendem Verlauf.

 

Zum Abschluss gilt es noch zu überprüfen, ob das Arbeitsangebot in der Realität tatsächlich von dem Arbeitsleid bestimmt wird, das der Arbeitnehmer bei seiner Arbeit erfährt.

 

Selbstverständlich können wir davon ausgehen, dass erwerbswirtschaftliche Arbeit fast immer Anstrengungen und Mühen verursacht, welche durchaus als Arbeitsleid zusammengefasst werden können. Allerdings gilt es auch zu sehen, dass zumindest zum Teil erwerbswirtschaftliche Arbeiten auch Freude und Befriedigung verursachen, das Gegenteil also von Arbeitsleid. Muss man nun diese beiden psychischen Faktoren miteinander aufrechnen, um die mit der erwerbswirtschaftlichen Arbeit verbundene Wohlfahrt zu erhalten?

 

Es dürfte auch fraglich sein, ob das Arbeitsleid und die Arbeitsfreude in der Realität in den Lohnsatz eingehen, der als gerechtfertigt erscheint. Zumindest kann man feststellen, dass diese Frage (der Berück­sichtigung von Arbeitsleid und Arbeitsfreude) in unterschiedlichen Berufszweigen unterschiedlich gehand­habt wird. So kann man feststellen, dass bei den Ingenieuren, welche an den Ölplattformen beschäftigt werden oder bei den Piloten moderner Düsenflugzeuge, weiterhin auch bei Managern mit besonders hohem Stressfaktor sicherlich diese zusätzlichen Belastungen mit dazu beigetragen haben, dass in diesen Berufen überdurchschnittlich hohe Einkommen gewährt werden.

 

Bei anderen Beschäftigungen werden in viel stärkerem Maße die Leistung, die der einzelne erbringt und der Erfolg, den seine Tätigkeit hervorruft, die Grundlage zur Bestimmung des auszuzahlenden Einkommens abgeben. Hier interessieren weniger die Belastungen, die dieser Beruf mit sich bringt. Die Berücksichtigung dieser Faktoren dürfte vor allem bei vielen akademischen Berufen, aber auch bei Maklern an der Börse oder auch bei Spitzensportlern ausschlaggebend sein.

 

 

12. Das Ausschöpfungstheorem

 

Zum Abschluss wollen wir uns mit dem von Philipp Henry Wicksteed und John Bates Clark entwickelten Ausschöpfungstheorem befassen. In diesem Theorem wird nachzuweisen versucht, dass dann, wenn die Produktionsfaktoren zu ihren Wertgrenzprodukten entlohnt werden, auch die Summe aller Faktorentgelte dem gesamten Wert der Produktion entspricht, was gleichbedeutend damit ist, dass im Gleichgewicht kein reiner Gewinn erzielt wird.

 

Dies bedeutet natürlich nicht, dass in einer realen Marktwirtschaft keine Gewinne ausgewiesen werden. Es ist immer Raum für ‚windfall profits‘, welche in den Zeiten entstehen, in denen Nachfrageüberhänge vorliegen und diese sich in vorübergehenden Gewinnen niederschlagen. Auch wird man bedenken müssen, dass in der Realität Unternehmer Kapital, Böden und die eigene Arbeitskraft in die Produktion einbringen, dass für diese Leistungen eine Entlohnung in Form von Bodenrenten (Pachten), Zinseinnahmen und Unternehmerlohn anfallen, die oftmals etwas ungenau dem Gewinn des Unternehmers zugeordnet werden.

 

Wir wollen bei der jetzt folgenden Beweisführung von dem denkbar einfachsten Fall ausgehen und unterstellen, dass bei der Produktion eines Gutes lediglich Arbeitskräfte beschäftigt werden und Zinsen für das ausgeliehene Kapital entstanden sind. Es wird also lediglich von zwei Produktionsfaktoren: Arbeit und Kapital ausgegangen. Gleichzeitig wird eine Cobb-Douglas-Produktionsfunktion unterstellt. Diese besagt:

 

X = b *Aα * K(1-α)  mit:

 

X: Ausbringungsmenge  b: Wachstumskoeffizient   A: Arbeitseinsatz  K: Kapitaleinsatz   α: Produktionselastizität in Bezug auf Arbeit



Entsprechend der oben entwickelten Grenzproduktivitätstheorie werden die Löhne (l) im Gleichgewicht zu ihren Wertgrenzprodukten (p*dx/dA) entlohnt. Die Lohnquote (λ), das Verhältnis von Lohnsumme (l*A) zu dem Wert des Inlandsproduktes (p*X) ist somit:

 

 

 

    In diesem Ausdruck kann der Term für p heraus gekürzt werden:

 

1b)           

 

Wir ersetzen nun den Ausdruck für dX/dA durch die erste Ableitung der Cobb-Douglas-Funktion:

 

2)     

 

In dem Ausdruck auf der rechten Seite kann man den Term b * Aα-1 * K1-α mit  b * (Aα-1)/A * K1-α = X/A ersetzen, also können wir für Gleichung 2) auch schreiben:

 

  
 = α *

 

 

In die Gleichung 1b) eingesetzt ergibt sich schließlich: 

 

 

 

In ähnlicher Weise lässt sich nachweisen, dass der Anteil der Zinseinkommen am Inlandsprodukt gerade der Produktionselastizität in Bezug auf Kapital, also 1 - α entspricht.

 

Zählt man nun die beiden Anteile der Produktionsfaktoren am Inlandsprodukt zusammen, so ergibt sich:

 

α + 1 - α = 1.

 

Dies bedeutet, dass die Summe beider bei der Produktion von X eingesetzten Produktionsfaktoren gerade dem Inlandsprodukt entspricht, sodass im Gleichgewicht kein Platz für Gewinne oder auch Verluste ist.