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Geschichte der Ökonomie

 

 

 

 

 

Gliederung:

 

1. Einführung

2. Merkantilismus

4. Klassik

5. wissenschaftlicher Sozialismus

6. historische Schule

7. Wiener Schule

8. Lausanner Schule

9. Cambridge Schule

10. Keynesianismus

11. Neoliberalismus

 

 

9. Cambridge Schule Teil I

 

Gliederung:

 

1. Problemstellung

2. Die wichtigsten Vertreter

3. Die Nachfrage des Haushaltes nach Konsumgütern

4. Das Konzept der Konsumentenrente

5. Das Angebot einer Unternehmung an Gütern

6. Die Aggregation von Angebot und Nachfrage

7. Die Gleichgewichtstheorie des Marktes

8. Der Elastizitätsbegriff

9. kurz- und langfristiges Angebot

       10. Die Grenzproduktivitätstheorie

       11. Die Theorie des Arbeitsleides

       12. Das Ausschöpfungstheorem

 

 

 

1. Problemstellung

 

Wir wollen uns in diesem Kapitel mit der dritten Varianten der neoklassischen Theorie, mit der Cambridge-Schule befassen. Von allen drei Varianten der Neoklassik hält die Cambridge-Schule noch am meisten an den Vorstellungen der älteren Klassik fest. Gemeinsam mit den Klassikern, allen voran David Ricardo gehen auch die Vertreter der Cambridge-Schule davon aus, dass der Wert der Güter von der Angebotsseite mitbestimmt wird und dass deshalb die Kosten einen wesentlichen Bestimmungsgrund der langfristigen Güterpreise darstellen.

 

Anders als die älteren Klassiker gehen jedoch diese Neoklassiker von der Überzeugung aus, dass auch Nachfragefaktoren genauso wie Angebotsfaktoren den Preis mitbestimmen. Berühmt ist das Scherenbeispiel von Alfred Marshall, dem Hauptbegründer der Cambridge-Schule: Marshall vergleicht die Preisbildung mit einem Schnitt mittels einer Schere; beide Blätter der Schere würden den Schnitt eines Papieres vollziehen. Man könne natürlich das eine Blatt in Gedanken festhalten und dann den Schluss ziehen, dass das jeweils andere Blatt den Schnitt vollzogen habe.

 

Wenn wir dieses schöne Bild vom Schnitt der Schere weiterspinnen, lässt sich feststellen, dass zwar im allgemeinen beide Blätter, sprich Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen, dass aber unter besonderen Bedingungen auch Situationen denkbar sind, in denen die Marktergebnisse fast ausschließlich nur von einer Marktseite bestimmt werden, sodass die jeweils andere Marktseite vernachlässigt werden kann. In diesem Sinne kann die keynesianische Theorie als eine Theorie verstanden werden, welche die Arbeitslosigkeit allein auf Mängeln in der Nachfrage zurückführt, genauso wie die antikeynesianische Lehre als eine Theorie verstanden wird, welche Arbeitslosigkeit vorwiegend auf Angebotsfaktoren zurückführt.

 

Genauso wie die Wienerschule beschränkt sich die Cambridge-Schule weitgehend auf die Analyse von Einzelmärkten, dies gilt vor allem für Alfred Marshall, weniger für Stanley Jevons, der sich sehr wohl  wie Leon Walras mit Problemen eines mathematischen Gleichungssystemes für die gesamte Volkswirtschaft beschäftigt hat.

 

Wir wollen unsere Analyse der neoklassischen Theorie dieser dritten Variante damit beginnen, dass wir danach fragen, von welchen Bestimmungsfaktoren die Nachfrage eines Haushaltes nach Konsumgütern abhängt. In diesem Zusammenhang kommt auch das von Marshall u. a. entwickelte Konzept der Konsumentenrente zur Sprache. In einem nächsten Schritt wird dann die Frage untersucht, welche Bestimmungsgründe für das Güterangebot einer Unternehmung verantwortlich sind.   

 

In einem nächsten Schritt werden dann sowohl die Nachfrageentscheidungen aller Haushalte sowie die Angebotsentscheidungen aller Unternehmungen im Hinblick auf ein einziges Gut zusammengefasst und die Frage beantwortet, von welchen Bestimmungsfaktoren der Preis und die Menge, bei denen der einzelne Markt geräumt wird, abhängen. Es gilt hierbei auch auf den von Marshall eingeführten Elastizitätsbegriff einzugehen. Auch die Unterscheidung zwischen einer kurzfristigen und einer langfristigen Angebotskurve soll in diesem Zusammenhang angesprochen werden.

 

Als nächstes wenden wir uns den Faktormärkten zu. Auch hier beginnen wir zunächst bei der einzelnen Unternehmung und fragen uns, von welchen Bestimmungsgründen der gleichgewichtige Faktorpreis abhängt. Im Hinblick auf das Faktorangebot eines Haushaltes wollen wir dann auf die spezielle Theorie des Arbeitsleides eingehen, welche von Jevons entwickelt wurde und die Grenznutzenbetrachtung der Wiener Schule vervollständigt. Zum Abschluss soll im Rahmen des Ausschöpfungstheorems geklärt werden, ob bei einer gleichgewichtigen Entlohnung aller Produktionsfaktoren die Summe dieser Faktorentgelte gerade dem Wert des gesamten Produktes entspricht.

 

 

2. Die wichtigsten Vertreter

 

Als wichtigste Vertreter der Cambridge-Schule gelten Alfred Marshall und Stanley Jevons, weiterhin Philip- Henry Wicksteed sowie Francis Ysidro Edgeworth, den wir allerdings wegen seiner wichtigsten Arbeiten den Vertretern der Lausanner Schule zugerechnet haben und deshalb hier nicht mitbehandeln werden.

 

Alfred Marshall lebte von 1842 bis 1924, er war britischer Ökonom und Hauptbegründer der Cambridge-Schule, zu seinen Hauptwerken zählen: The Pure Theory of Foreign Trade‘ (1879), weiterhin: Principles of economics (1890) sowie: ‚Some Aspects of Competition‘ (1891).

 

Seine Analysen beschränkten sich im Wesentlichen auf eine Partialanalyse. Wie bereits erwähnt brachte Marshall das Scherenbeispiel, wonach Angebot und Nachfrage den Preis wie die zwei Blätter einer Schere bestimmen. Er war bemüht, die Anfänge einer Marginalanalyse bei den Klassikern zu vervollständigen.

 

Er zeigte weiterhin, wie sich die Einzelentscheidungen der Haushalte und Unternehmungen zu einer Gesamt­nachfrage- und Gesamtangebotskurve eines Einzelmarktes aggregieren lassen. Zur vertieften Analyse des Marktgeschehens führte er den Elastizitätsbegriffes ein.

 

Vor allem im Bereich des Außenhandels ist Alfred Marshall durch die Entwicklung der Tauschkurven bekannt geworden. Wir werden allerdings erst im zweiten Teil dieser Vorlesung im Rahmen der Außenwirtschaftstheorie auf diese Theorie eingehen.

 

Stanley Jevons lebte von 1835 bis 1882, er war englischer Hauptvertreter der neoklassischen Schule neben Alfred Marshall. Seine Hauptwerke gelten folgenden Themen: ‘Notice of a General Mathematical Theory of Political Economy’ (1862), weiterhin: ‘Theory of political economy’ (1871), schließlich: ‘The Periodicity of Commercial Crises and its Physical Explanation’ (1878). Im Gegensatz zu Marshall finden wir bei Jevons Grenznutzenbetrachtungen wie bei Wiener Schule, er hat vor allem die Marginalanalyse auf den Faktor Arbeit übertragen, wobei die Grenzkosten der Arbeit das Arbeitsleid darstellen, das mit wachsendem Arbeitseinsatz steigt und einen Ausgleich mit dem Grenznutzen sucht, der mit dem aufgrund des Arbeitseinkommens erworbenen Konsumgut erzielt wird. Bekannt ist darüber hinaus seine Sonnenflecken­theorie zur Erklärung der Konjunkturbewegungen.

 

Philip-Henry Wicksteed lebte von 1844 bis 1927 und war neben Jevons britischer Neoklassiker. Zu seinen Hauptwerken zählen: ‘An Essay of the Co-ordination of the Laws of Distribution’ (1894), weiterhin: ‘Common sense of political economy including a study of the human basis of economic law’ (1910).

 

Bekannt ist vor allem sein Ausschöpfungstheorem: Bei Entlohnung aller Faktoren nach dem Grenzprodukt wird das Gesamtprodukt voll ausgeschöpft, der reine Gewinn wird null.

 

Enrico Barone lebte von 1859 bis 1924 und war Italienischer Ökonom in Tradition der Cambridge-Schule. Zu seinen Hauptwerken zählen: 1896: ‚Studi sulla Distribuzione‘ (1896), ‚Studi di economia finanziaria‘ (1912) und: ‚Grundzüge der theoretischen Nationalökonomie‘ (1927). Es gelang ihm der Einbau der Grenzproduktivitäts­theorie in das Walras-System. Er zeigte auch eine neue Methode der Ableitung von Branchen-Kostenfunktionen auf, indem er die Durchschnittskosten der einzelnen Anbieter nach der Höhe geordnet auf der Abszisse abträgt, sodass eine treppenförmige Gesamtkostenkurve entsteht. Schließlich wies er nach, dass eine effiziente Kalkulation von Preisen auch in einer staatlichen Planwirtschaft möglich ist.

 

John Bates Clark  lebte von 1847 bis 1938 und war amerikanischer Vertreter der Neoklassik. Seine Hauptwerke befassen sich mit Verteilungsfragen: ‚Distribution as Determined by a Law of Rent‘ (1891) sowie: ‘Distribution of wealth’ (1899) und: ‘Wages and Interest as Determined by Marginal Productivity’ (1901).

 

Statt des Versuchs der Wienerschule, den Gesamtwert der Produktion auf direkte Weise den einzelnen Produktionsfaktoren zuzurechnen, entwickelte Clark eine funktionale Verteilungstheorie, die eine Verbin­dung zwischen Grenznutzentheorie und objektiver Cambridge–Theorie anstrebte. Das Angebot an Produktionsfaktoren gilt danach als konstant, die Höhe des Faktorpreises wird durch die Höhe des Grenzertrages dieses Faktors bestimmt, wobei dieser selbst wiederum von der nachgefragten Faktormenge abhängt. Clark hat darüber hinaus im Rahmen des Ausschöpfungstheorems nachzuweisen versucht, das bei einer Entlohnung der Produktionsfaktoren nach dem Grenzprodukt die Summe der Faktoreinkommen für Arbeit, Kapital und Boden dem gesamten Inlandsprodukt entspricht, so dass der reine Gewinn null wird.

 

 

 

3. Die Nachfrage des Haushaltes nach Konsumgütern

 

Als erstes fragen wir nach den Bestimmungsgründen der Nachfrage eines Haushaltes nach den einzelnen Konsumgütern. Hierbei wird das Problem ausgeklammert, dass zumindest ein großer Teil der Haushalte aus mehreren Personen besteht, dass also eigentlich von den Nutzenvorstellungen der einzelnen Familienmit­glieder ausgegangen und diese Nachfrage dann zu einer kollektiven Nachfrage des Haushaltes zusammen­geführt werden müsste. Die Neoklassik geht jedoch im Allgemeinen von einem einzigen Individuum aus, das diese Nachfrageentscheidungen allein trifft, sei es, dass der Haushalt tatsächlich nur aus einer Person besteht, sei es dass der Familienvater oder auch die Hausfrau darüber selbst entscheidet, welche Güter nachgefragt werden oder sei es schließlich, dass die Bedürfnisse der einzelnen Familienmitglieder einander so ähnlich sind, dass man von einer einheitlichen, identischen Bedarfsstruktur ausgehen kann.

 

Betrachten wir nun die Nachfrage eines Haushaltes nach einem einzelnen Konsumgut. Um die Bestimmungs­gründe dieser Nachfrage zu ergründen, führt Marshall das Konzept einer Nachfragekurve ein, welche aus den Nutzenvorstellungen des Konsumenten hervorgeht. In einem Diagramm tragen wir auf der Abszisse die Menge eines nachgefragten Konsumgutes (X) ab, auf der Ordinate soll hingegen auf der einen Seite der Preis dieses Gutes sowie auf der anderen Seite die Wertschätzungen des Haushaltes gegenüber diesem Gut (die Grenznutzen) abgetragen werden.

 

Entsprechend den Ergebnissen der Grenznutzentheorie ist der Preis, den der Haushalt bei einer sehr geringen Menge (bei einer einzigen Menge) allenfalls zu zahlen bereit ist, sehr hoch, da ja auch der Nutzen, den sich der Haushalt von dieser Gutseinheit verspricht, ebenfalls hoch ist. Obwohl Marshall hierbei auf subjektive Nutzenvorstellungen rekurriert, fasst er die Werteinstellungen des Haushaltes dennoch in objektiven Geldgrößen. Aufgrund der subjektiven Bewertung ist der Konsument bereit, maximal eine Geldsumme für den Ankauf dieses Gutes zu bezahlen. Dabei wird diese maximal zu bezahlende Geldgröße so bestimmt, dass mit derselben Summe bei einer alternativen Entscheidung, also beim Kauf eines zweitbesten Gutes, kein größerer Nutzen möglich gewesen wäre.

 

Wir können nun fragen, zu welchem Maximalpreis der Konsument bereit ist, wenn ein zweites, drittes, x-tes Gut zur Diskussion steht. Da wir unterstellen, dass das Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen des Einkommens gilt, wird der Maximalpreis, zu dem der Konsument zu einem weiteren Kauf einer Einheit bereit ist, abnehmen. Wir erhalten auf diese Weise eine negativ geneigte Nachfragekurve, welche oftmals auch aus Vereinfachungsgründen linear dargestellt wird.

 

 

 

 

Anstatt dass wir mit Marshall danach fragen, welchen Preis ein Haushalt bei einer bestimmten Menge maximal zu zahlen bereit ist, also den Preis in Abhängigkeit der nachgefragten Menge sehen, könnten wir natürlich auch davon ausgehen, dass der Preis für den Konsumenten als vorgegeben gilt und dass man mit der Konstruktion einer Nachfragekurve überprüft, welche Gütermengen dieser Haushalt bei alterna­tiven Preisen nachfragt. In diesem Falle wird also die nachgefragte Gütermenge in Abhängigkeit alternativer Preise gesehen.

 

Während uns also diese zweite Interpretation eine Antwort auf die Frage gibt, welche Gütermenge von einem Haushalt bei alternativen Preisen nachgefragt wird, erklärt der erste von Marshall gewählte Ansatz die Höhe des Preises, den ein Haushalt bei alternativen angebotenen Gütermengen maximal zu zahlen bereit ist. Beide Betrachtungsweisen beziehen sich jedoch auf den gleichen Zusammenhang.

 

In gleicher Weise können wir für alle Konsumgüter, die unser Haushalt nachfragt, eine Nachfragekurve ableiten. Diese Nachfragekurven haben alle die gleiche Form, es gilt:

 

Ni = f(pi),    

für  Ni: Nachfrage nach Gut Xi       pi: Preis des Gutes Xi

 

              

 

wobei allerdings stillschweigend unterstellt wird, dass sowohl das Einkommen wie auch die Preise aller anderen nachgefragten Konsumgüter als gegeben vorausgesetzt werden. Es wird davon ausgegangen, dass wegen des Gesetzes vom abnehmenden Grenznutzen die Nachfragekurven im Normalfall eine negative Neigung aufweisen.  



 

 4. Das Konzept der Konsumentenrente

 

Ausgehend von der Nachfragekurve können wir das von Marshall entwickelte Konzept der Konsumenten­rente darstellen. Es sei nur angemerkt, dass dieses Konzept sehr viel früher auch schon von Arsene Juvenal Dupuit entwickelt wurde.

 

Ausgangspunkt sei das oben entwickelte Diagramm einer Nachfragefunktion. Es sei unterstellt, dass der untersuchte Haushalt die Gütermenge X1 nachfrage. Bei dieser Nachfrage stellt sich auf dem Markt ein Preis von p1 ein. Wenn nämlich für den Haushalt auch noch die letzte gerade noch bezogene Einheit Nutzen stiften soll, so darf der aktuelle Preis nicht höher als der Maximalpreis bei dieser Menge sein. Ansonsten  wäre es ja für den Haushalt vorteilhafter, die letzte Einheit nicht mehr nachzufragen und die hierdurch eingesparten Geldsummen für den Kauf eines anderen Gutes einzusetzen.

 

 

 

Gleichzeitig gilt auf freien Märkten das Gesetz der Unterschiedslosigkeit, wonach für ein und dasselbe Gut immer nur derselbe Preis verlangt werden kann. Da aber der untersuchte Haushalt für die Güter mit Ausnahme der letzten Einheit einen höheren Maximalpreis zu zahlen bereit wäre, erhält er aufgrund des Gesetzes der Unterschiedslosigkeit im Preis in Form einer Rente einen Nutzengewinn. Dieser entspricht in unserem Diagramm der grünen Fläche unter der nachgefragten Gütermenge X1.

 

 

 

5. Das Angebot einer Unternehmung an Gütern

 

Bei der Entwicklung der Kurve des Güterangebotes gehen wir analog zur Entwicklung der Nachfragekurve vor. Genauso, wie der Maximalpreis bei einer bestimmten Angebotsmenge des Haushaltes von der Höhe des Grenznutzens bei dieser Menge abhängt, können wir auch bei einer Unternehmung davon ausgehen, dass bei einer bestimmten Güternachfrage der Unternehmer nur dann zu dem zusätzlichen Angebot bereit ist, wenn er einen Mindestpreis erzielt, der den Grenzkosten entspricht. Also haben wir bei der Entwicklung der Angebotskurve von den Kosten auszugehen, welche einer Unternehmung im Zusammenhang mit der Produktion von Gütern entstehen.

 

Hierbei gilt es zwischen verschiedenen Kostenarten zu unterscheiden. Im Allgemeinen wird zwischen fixen und variablen Kosten unterschieden. Fix sind die Kosten dann, wenn diese Kosten in ihrer Höhe unabhängig davon anfallen, ob und wie viel Güter produziert werden. Ein typisches Beispiel für fixe Kosten ist der Maschinenpark, für den in jeder Periode Abschreibungen anfallen, unabhängig davon ob und wie viel produziert wird.

 

Von variablen Kosten sprechen wir hingegen immer dann, wenn die Kosten erst im Zusammenhang mit der Produktion anfallen und zumeist auch von der produzierten Gütermenge abhängen. Die Lohn- und Material­kosten stellen zumeist solche variablen Kosten dar.

 

Darüber hinaus unterscheidet man in der Regel zwischen den Gesamtkosten, den Stückkosten und den sogenannten Grenzkosten, wobei es sinnvoll ist, bei den Stückkosten die variablen oder die gesamten – auch die fixen Kosten umfassenden – Stückkosten zu unterscheiden.

 

Der Verlauf der einzelnen Kosten hängt nun entscheidend von der zugrunde gelegten Produktionsfunktion ab, wobei eine Produktionsfunktion die Beziehungen zwischen Ausbringungsmenge und den bei der Produktion eingesetzten Produktionsfaktoren aufzeigt. Der Zusammenhang und Unterschied zwischen Kosten- und Produktionsfunktion besteht darin, dass in beiden Fällen überprüft wird, wie bei einer Änderung der Produktionsmenge entweder die Mengen der eingesetzten Produktionsfaktoren verändert werden – und dies ist die Fragestellung bei einer Produktionsfunktion – oder die Kostensummen verändert werden, die sich ihrerseits aus dem Produkt aus Faktormenge und Preis dieses Faktors ergeben.

 

Im Allgemeinen werden in der Literatur zwei unterschiedliche Produktionsfunktionen unterstellt. Bei den Klassikern ging man in der Regel davon aus, dass bei einer Zunahme der Produktionsmenge die Grenzkosten zunächst zurückgehen, dann ein Minimum erreichen, um von dann ab mit wachsender Produktion anzusteigen. Bei der sogenannten Cobb-Douglas-Produktionsfunktion, welche von Cobb und Douglas wiederholt empirisch getestet wurde, geht man davon aus, dass schon von Anfang an die Grenzkosten mit wachsender Produktion ansteigen.

 

Betrachten wir zunächst den Verlauf einer Gesamtkostenfunktion. Auf der Ordinate tragen wir hier die Höhe der Gesamtkosten, auf der Abszissenachse hingegen die jeweilige Produktionsmenge ab. Die Fixkosten entscheiden darüber, wie hoch die Gesamtkosten sind, solange noch nicht produziert wird, die Kostenfunktion beginnt im Schnittpunkt mit der Ordinate und erreicht hier die Höhe der Fixkosten.

 

Wenn wir eine Cobb-Douglas-Funktion unterstellen, steigen die Gesamtkosten mit wachsender Produktion sofort überproportional an. Würden wir aber eine klassische Funktion unterstellen, so wären die Gesamtkosten zunächst unterproportional, von einer bestimmten kritischen Menge an überproportional angestiegen und die Kurve würde von einer bestimmten Menge an einen Wendepunkt aufweisen.

 

 

 

Betrachten wir nun den entsprechenden Verlauf der Grenzkostenkurve sowie der Kurven der beiden Stückkosten. Auf der Ordinate werden nun Grenzkosten, bzw. Stückkosten abgetragen. Bei Unterstellung einer klassischen Funktion würden die Grenzkosten und mit ihnen auch die variablen Stückkosten zunächst sinken, würden dann bei einer kritischen Produktionsmenge ihr Minimum erreichen und von dann an ansteigen. Bei einer Cobb-Douglas-Funktion würden die Grenzkosten von Anfang an steigen.

 

Die Stückkostenkurve weist einen ähnlichen Verlauf auf, lassen sich doch die Veränderungen in den Stückkosten auf Veränderungen in den Grenzkosten zurückführen. Nehmen wir den Fall einer Cobb -Douglas-Funktion. Gehen wir dazu über, eine Gütereinheit mehr zu produzieren, steigen annahmegemäß die Grenzkosten. Dieser Kostenzuwachs wird jedoch bei den Stückkosten auf die bereits produzierten Gütermengen verteilt, sodass die Stückkostenkurve langsamer ansteigt als die Grenzkostenkurve.

 

Vergleichen wir die variablen mit den gesamten Stückkosten, so stellen wir fest, dass die gesamten Stückkosten längst nicht so schnell wie die variablen Stückkosten ansteigen, da ja die fixen Stückkosten ex definitione mit wachsender Produktion zurückgehen.

 

 

 

 

Was gilt nun für den Verlauf von Grenzkosten und Stückkosten, wenn wir eine klassische Produktions­funktion unterstellen? Die Grenzkosten sinken bei wachsender Produktion zunächst, erreichen bei einer bestimmten Produktionsmenge ein Minimum, um dann bei steigender Menge anzusteigen. Für die variablen Stückkosten gilt, dass die Verminderung wiederum geringfügiger als bei den Grenzkosten verläuft, da ja die Kosteneinsparungen nun auf die bereits produzierten Güter umgelegt werden. Also erreicht die Kurve der variablen Stückkosten ihr Minimum erst nach dem Minimum der Grenzkostenkurve. Vom Minimum an gelten die Überlegungen, welche wir für die Cobb-Douglas-Funktion angestellt hatten. Bei den gesamten Stückkosten sinken die Kosten bis zum Minimum sogar stärker als bei den variablen Stückkosten, da ja nun die Stückkosten nicht nur sinken, weil die Grenzkosten zunächst zurückgehen, sondern darüber hinaus auch deshalb geringer werden, da ja die fixen Kosten auf immer mehr Gütereinheiten aufgeteilt werden.

 

 

 

Nachdem wird die Beziehungen zwischen den Kostenverläufen und der Gütermenge sowie die Beziehungen zwischen Grenzkosten, variablen Stückkosten und gesamten Stückkosten geklärt haben, wollen  wir uns im weiteren Verlauf der Analyse auf den Verlauf der Grenzkosten beschränken. Es sind die Kostenzuwächse, also die Grenzkosten, welche darüber entscheiden, welchen Mindestpreis ein Unternehmer verlangen muss, um die Produktion um eine Einheit auszuweiten. Die jeweilige Grenzkostenhöhe fällt somit mit dem geforderten Mindestpreis zusammen. Da wiederum das Gesetz der Preisunterschiedslosigkeit gilt, also alle Güter gleicher Qualität auch zum gleichen Preis verkauft werden, andererseits aber der Unternehmer zur Ausweitung der Produktion nur bereit ist, wenn er den Mindestpreis (der selbst wiederum von den Grenzkosten bestimmt wird) erzielt, fällt die Angebotskurve des Unternehmers mit seiner Grenzkostenkurve zusammen, zumindest dann, wenn auf dem aufsteigenden Grenzkostenast produziert wird. Die Angebotskurve gibt hierbei Antwort darauf, wie viel Gütermengen ein Unternehmer bei alternativen Preisen anbietet.

 

 

 

 

Auch innerhalb der Unternehmungstheorie gilt es zu berücksichtigen, dass es nur Gründe der Vereinfachung waren, welche uns veranlasst haben, das Güterangebot lediglich in Abhängigkeit des jeweiligen Güterpreises zu sehen. Mit Walras werden wir in der Realität immer davon ausgehen müssen, dass das Angebot eines beliebigen Gutes in aller Regel von allen Güterpreisen sowie den Entlohnungssätzen aller eingesetzten Produktionsfaktoren abhängt.

 

Fortsetzung folgt!