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Geschichte der Ökonomie

 

 

 

 

 

Gliederung:

 

1. Einführung

2. Merkantilismus

4. Klassik

5. wissenschaftlicher Sozialismus

6. historische Schule

7. Wiener Schule

8. Lausanner Schule

9. Cambridge Schule

10. Keynesianismus

11. Neoliberalismus

 

 

7. Wiener Schule Teil I

 

 

Gliederung:

 

1. Einführung: Renaissance der Klassik

2. Die wichtigsten Vertreter

3. Das erste Gossen’sche Gesetz

4. Das zweite Gossen’sche Gesetz

5. Das Problem der Wertantinomie

6. Das Zurechnungsproblem

7. Minderschätzung zukünftiger Bedürfnisse

8. Die Adgio-Theorie des Zinses

9. Macht oder ökonomisches Gesetz?

              

              

 

 

 

1. Einführung: Renaissance der Klassik

 

Wir wollen uns nun in den nächsten drei Kapiteln der Neoklassik zuwenden. Die klassischen Theorien haben nicht nur Widerspruch erregt und damit den Auftakt sowohl für den wissenschaftlichen Sozialismus als auch für die historische Schule gebildet. Etwa seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts entstanden zur gleichen Zeit an drei verschiedenen Orten Bemühungen, die klassischen Theorien wieder neu zu beleben, nachdem sowohl der Sozialismus wie vor allem in Deutschland die historische Schule das theoretische Wissen verdrängt hatte. Es kam zu einer Renaissance der Klassik, der sogenannten Neoklassik und zur Bildung der Grenznutzenschule in Wien, der Lausanner Schule in der Schweiz und in Italien sowie der Cambridge-Schule in Großbritannien.

 

Obwohl sich die Vertreter aller drei Schulen bemühten, das Erbe der Klassik weiterzuführen, zeichnen sich doch alle drei Schulen durch eine spezielle Fragestellung aus. Der Wiener Schule ging es im Wesentlichen darum, nachzuweisen, dass der Wert der Güter keinesfalls objektiv von der Angebotsseite aus, also von dem Mengeneinsatz der Produktionsfaktoren bestimmt werde, sondern dass sich der Wert der Güter letztlich von dem Nutzen ableite, den ein Gut beim Konsumenten, also beim Endverbraucher hervorrufe. Da es sich hierbei nicht um objektive, sondern subjektive Größen handelt, wird die Richtung der Wiener Schule auch als subjektive Werttheorie bezeichnet. Diese Richtung wird aber auch Grenznutzenschule genannt.

 

Während also im Mittelpunkt der Erörterungen der Wienerschule das einzelne Gut und der Wert, der diesem Gut zugewiesen wird, steht, geht es der Lausanner Schule, der zweiten Variante der Neoklassik primär darum die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge aufzuzeigen, wobei Walras, der Hauptvertreter dieser Richtung diese Zusammenhänge in einem Gleichungssystem einzufangen suchte.

 

Die Cambridge-Schule schließlich, die dritte Variante der Neoklassik widmete sich ähnlich wie die Wiener Schule dem einzelnen Markt, wobei allerdings die Cambridge-Schule sich sehr viel stärker an die theoretischen Ergebnisse der älteren Klassik anlehnte und die These, dass die Kostenfaktoren für die Preisbildung verantwortlich seien, eigentlich nie aufgegeben hat. Im Gegensatz zu Ricardo waren jedoch die Vertreter der englischen Neoklassik der Meinung, dass die Preise der Güter nicht nur von den Kosten, also von Angebotsfaktoren, sondern zusätzlich auch von der Nachfrageseite aus beeinflusst würden.

 

Wir wollen uns in diesem Kapitel mit der ersten Variante der Neoklassik, mit der Wiener Schule ausführlicher befassen. Wie bereits erwähnt, besteht das Hauptinteresse dieser Gruppe genauso wie bei den Altklassikern in der Frage nach den Bestimmungsgründen der Preise, wobei es ebenfalls nicht – wie bei den Klassikern – primär um die absolute Höhe der Preise, sondern vielmehr um die Preisrelationen zueinander geht und dies wiederum deshalb, weil auch die Neoklassiker den Preisen die zentrale Rolle im Rahmen der Produktionslenkung zuerkennen. Auch hier zwingt uns der zur Verfügung stehende Platz dazu, uns auf die Kernfragen der Grenznutzenschule: auf die Werttheorie der Wiener Schule zu beschränken.

 

Wenn man den Versuch unternimmt, den Wert eines Gutes auf den Nutzen zurückzuführen, den dieses Gut beim Endverbraucher stiftet, dann steht man vor einem ähnlichen Problem, wie die Altklassiker bei dem Versuch, die Kosten für die Höhe des Güterwertes verantwortlich zu machen. Wir hatten in Kapitel 3 dieses Seminars gesehen, dass eine Theorie, welche den Wert eines Gutes auf die zur Produktion benötigte Kostenhöhe zurückführt, vor dem Problem steht, dass eine solche Theorie nur befriedigen kann, wenn man von einem einzigen Produktionsfaktor ausgeht. Erkennt man an, dass zur Produktion eines Gutes immer eine Vielzahl von Produktionsfaktorenarten notwendig ist, hat man das Problem keiner Werttheorie gelöst, da man eine Unbekannte (Wert eines Gutes) auf andere Unbekannte (Wert mehrerer Produktions­faktoren) zurückführt. Eine Werttheorie ist aber erst dann befriedigend, wenn es gelingt, die unbekannte Problemgröße (Wert eines Gutes) auf Größen zurück zu führen, welche alle als bekannt vorausgesetzt werden können.

 

Das hiermit vergleichbare Problem der Grenznutzentheorie besteht nun darin, dass man den Wert, den ein Gut aufgrund des hiermit erreichten Nutzens stiftet, auf die einzelnen Produktionsfaktoren  zurechnen muss, welche bei der Produktion des Produktes eingesetzt wurden. Genauso, wie die Klassiker anerkennen mussten, dass in aller Regel bei der Produktion eines Gutes mehrere Arten der Produktionsfaktoren eingesetzt werden, kommt auch die Grenznutzenschule um diese Erkenntnis nicht herum. Nur dann, wenn ein einziger Produktionsfaktor, etwa homogene Arbeitsstunden eingesetzt würden, könnte der Wert des Gutes diesem homogenen Faktor 100%ig zugerechnet werden. Da bei Einsatz mehrerer inhomogener Faktoren zunächst unklar ist, wie viel die einzelnen Faktoren zu dieser Werterzeugung beigetragen haben, besteht das eigentliche Problem jeder Grenznutzentheorie darin, die Gesamtwerte eines Gutes den an der Produktion beteiligten Produktionsfaktoren zuzurechnen. Und genauso wie im Mittelpunkt der Ricardianischen Werttheorie der Nachweis steht, dass nur die bei der Produktion benötigten normierten Arbeitsstunden als Kostenfaktoren eingehen, genauso steht im Mittelpunkt der Grenznutzentheorie das sogenannte Zurech­nungs­problem auf die einzelnen Produktionsfaktoren.

 

 

 

2. Die wichtigsten Vertreter

 

Zu den wichtigsten Vertretern der Wiener Schule zählen Karl Menger, Eugen von Böhm-Bawerk sowie Friedrich Wieser.

 

Karl Menger lebte von 1841 bis 1921 und  gehört zu den Begründern der Grenznutzenschule. Im Jahre 1871 veröffentlichte er seine ‚Grundsätze der Volkswirtschaftslehre‘, im Jahre 1883 folgten die ‚Untersuchungen über die Methode der Sozialwissenschaften und der politischen Ökonomie insbesondere‘.

 

Bekannt geworden ist Karl Menger vor allem dadurch, dass er im Methodenstreit mit Gustav von Schmoller die Berechtigung einer Wirtschaftstheorie verteidigte, welche in ähnlicher Weise wie die Naturwissenschaft (hier etwa die Lehre von der Mechanik) exakte Gesetze nachweisen könne.

 

Er versuchte nachzuweisen, dass der Preis eines Gutes letztlich vom Nutzen abhänge, den der Endver­braucher durch den Konsum dieses Gutes erfahre. Hierbei sei von Bedeutung, dass der Nutzenzuwachs, der sogenannte Grenznutzen mit jeder konsumierten Menge abnehme. Der Preis eines Gutes werde schließlich  vom Nutzen der letzten konsumierten Einheit bestimmt.

 

Es ist darüber hinaus Karl Menger zu verdanken, dass er das in der Klassik bereits diskutierte, aber nicht gelöste Problem der Wertantinomie erklären konnte. Das klassische Problem der Wertantinomie bestand darin, dass wertvolle Güter wie Luft und Wasser nahezu keinen Wert erlangen, dass aber Gold und Edelsteine mit geringem Gebrauchswert einen sehr hohen Preis erzielen. Wir werden auf dieses Problem weiter unten ausführlich eingehen.

 

Eugen von Böhm-Bawerk lebte von 1851 bis 1914, war einer der bedeutendsten österreichischen Vertreter der Grenznutzenschule sowie lange Zeit  österreichischer Finanzminister. Beachtung fanden vor allem seine 1884 veröffentlichte Arbeit über: ‚Kapital und Kapitalzins. Positive Theorie des Kapitals‘, sowie die 1889 herausgegebene ‚Geschichte und Kritik der Kapitalzinstheorie‘.

 

Großes Interesse fand vor allem seine Agio-Theorie des Zinses. Danach werden Zinsen unter anderem deshalb gezahlt, weil mit einer Minderschätzung zukünftiger Bedürfnisse bei den Konsumenten gerechnet werden müsse. Die Unternehmungen seien allerdings vorwiegend deshalb zur Zinszahlung bereit, da das investierte Kapital im Allgemeinen die Produktivität erhöhe.

 

Friedrich von Wieser lebte von 1851 bis 1926 und wurde vor allem bekannt durch seine beiden Hauptwerke, dem 1884 veröffentlichten Werk ‚Über den Ursprung  und die Hauptgesetze des wirtschaftlichen Wertes‘ sowie der 1889 herausgegebenen Schrift: ‚Der natürliche Wert‘.

 

Im Gegensatz zu Karl Menger und Eugen von Böhm-Bawerk  war von Friedrich Wieser der Überzeugung, dass das Problem der Zurechnung nicht mit Hilfe der von Karl Menger und Eugen von Böhm-Bawerk vorgeschlagenen Methoden gelöst werden könnte, sondern nur über Bildung eines simultanen Gleichungssystems.

 

 

 

3. Das erste Gossen’sche Gesetz

 

Zu den wichtigsten Theoremen der Grenznutzenschule zählen die beiden sogenannten Gossen’schen Gesetze. Wie der Name bereits andeutet, sind diese Gesetzmäßigkeiten bereits etwa 20 Jahre vorher von Hermann Heinrich Gossen entwickelt worden. Hermann Heinrich Gossen lebte von 1810 bis 1858 und hatte diese Zusammenhänge bereits 1854 in seiner Arbeit: ‚The Development of the Laws of Exchange among Men and of the Consequent Rules of Human Action’ beschrieben.

 

Das erste Gossen’sche Gesetz besagt in seiner ursprünglichen Form, dass der Nutzen, den man aus dem Konsum eines Gutes zieht, mit wachsendem Konsum steigt, dass aber der Zuwachs an Nutzen, der als Grenznutzen bezeichnet wird, mit jeder zusätzlichen Konsumeinheit abnimmt.

 

Wir können diese Gesetzmäßigkeit in einem Diagramm darstellen, auf dessen Ordinate der Gesamtnutzen aus dem Konsum eines einzelnen Gutes und auf dessen Abszisse die jeweilige Gütereinheit abgetragen wird:

 

 

 

 

 

Aus dieser Funktion können wir dann den Verlauf des Grenznutzens der jeweils letzten konsumierten Gütereinheit ableiten, indem wir auf der Ordinate den Grenznutzen sowie auf der Abszisse die Gütereinheit abtragen:

 

 

 

 

Betrachten wir diese Funktionen etwas genauer: Im Koordinatenursprung (also im Nullpunkt) ist der Gesamt­nutzen gleich null, der Grenznutzen nicht definiert. Bei der Konsummenge 1 entspricht der Ordinatenwert sowohl des Gesamtnutzens als auch des Grenznutzens gerade dem Nutzenwert der ersten konsumierten Gütereinheit.

 

Im weiteren Verlauf steigt der Gesamtnutzen, bzw. sinkt der Grenznutzen, allerdings mit immer geringer werdenden Werten. Für die Frage, wie diese Funktionen sich weiterentwickeln, sind drei Varianten denkbar. Erstens wäre es möglich, dass bei jeder weiteren Konsumgütereinheit der Nutzen – wenn auch immer geringer – steigt, die Gesamtnutzenkurve nähert sich hier asymptotisch dem Sättigungspunkt, der aber bei endlichen Werten niemals erreicht wird.

 

 

 

 

Bei einer zweiten Variante, erreicht die Gesamtnutzenfunktion den Sättigungspunkt, steigt dann jedoch bei einem weiteren Güterzuwachs nicht mehr weiter, die Kurve verläuft somit von diesem Punkt an parallel zur Abszisse. Die Grenznutzenkurve hingegen schneidet die Abszisse, ohne dass sie jedoch im negativen Bereich fortgesetzt wird:

 

 

 

 

Bei einer letzten Variante schließlich erreichen die Nutzenfunktionen ebenfalls den Sättigungspunkt; bei einer weiteren Zunahme der Konsumgütermenge hingegen tritt eine Nutzenminderung ein, die Gesamtnutzenkurve erhält einen fallenden Verlauf, während die Grenznutzenkurve in das negative Feld überwechselt: Dies bedeutet, dass vom Schnittpunkt der Grenznutzenkurve mit der Abszissenachse jede weitere Konsumeinheit einen negativen Nutzen (Missnutzen oder Schaden) hervorruft.

 

 

 

 

Sicherlich stellen Variante eins und zwei Extremfälle dar, welche in der Realität nur in den seltensten Fällen anzutreffen sind. Die Regel dürfte bei Variante drei liegen, bei der von einer kritischen Menge an der Nutzenzuwachs negativ wird, also von einem positiven Nutzen in einen negativen Schaden überwechselt.

 

Nehmen wir als Beispiel eine Person, die am Verdursten ist und nun mehrere Gläser Wasser trinkt. Das erste Glas Wasser bringt dem Verdurstenden einen extrem hohen Nutzen, verhindert es doch, dass diese Person verdurstet und stirbt. Das zweite und vielleicht dritte Glas steigert vielleicht noch das Wohlbefinden. Trinkt jedoch diese Person weitere Gläser Wasser, so erreicht sie bald einen Punkt, bei dem sich Unwohlbefinden (Ekel) einstellt und der Nutzen sogar vielleicht in einen Schaden übergeht.

 

Innerhalb der Unternehmungstheorie wird zwischen partiellem Grenzprodukt und Grenzniveauprodukt unterschieden. Während sich das partielle Grenzprodukt lediglich auf die Veränderung in einem einzigen Produktionsfaktor (bei Konstanz der übrigen Produktionsfaktoren) bezieht, spricht man vom Grenzniveau­produkt dann, wenn alle Produktionsfaktoren proportional verändert werden. Es liegt nahe zu fragen, ob nicht auch in der Haushaltstheorie ähnliche Phänomene auftreten, ob man also nicht auch zwischen einem partiellen Grenznutzen und einem Grenzniveaunutzen sprechen kann, wobei sich beide Kurvenverläufe in der Haushaltstheorie nicht auf den Einsatz von Produktionsfaktoren, sondern auf einzelne Konsumgüter bzw. auf das gesamte Einkommen beziehen.

 

Ein solcher Bezug findet dann statt, wenn man den Nutzenverlauf nicht in Abhängigkeit des Konsums einzelner Güter verfolgt, sondern fragt, wie sich der Nutzen eines Haushaltes verändert, wenn sich das privat verfügbare Einkommen dieses Haushaltes verändert.

 

Auch hier wird im Allgemeinen davon ausgegangen, dass eine Zunahme des Einkommens (also eine Zunahme der zur Verfügung stehenden Konsumsumme) zu einer Nutzensteigerung führt, dass aber bei kontinuierlicher Zunahme des Einkommens der Nutzenzuwachs der zuletzt hinzugekommenen Einkommens­einheit abnimmt:

 

 

 

 

Auch beim Grenznutzenverlauf bezogen auf das Einkommen können wir die oben unterschiedenen drei Varianten beobachten: Der Grenznutzenverlauf kann sich erstens asymptotisch der Abszisse nähern, er kann die Abszisse schneiden und dann der Abszisse folgen oder schließlich in den negativen Bereich hineinreichen. Weiter unten werden wir allerdings sehen, dass die dritte Variante hier vermutlich nur sehr selten zu erwarten ist, wahrscheinlicher ist die erste Variante, wonach jede Einkommenssteigerung einen gewissen Zusatznutzen bringt.

 

Bleiben wir bei den Parallelen zur Produktionstheorie. Dort wird zwischen zwei verschiedenen Ertrags­gesetzen unterschieden: zwischen der klassischen Variante und der Cobb-Douglas-Produktionsfunktion. Während die Cobb-Douglas-Produk­tions­funktion eine Abnahme des partiellen Grenzertrages vom ersten Einsatz eines Produktionsfaktors unterstellt, kennt die klassische Variante des Ertragsgesetzes zunächst einen steigenden und erst ab einer kritischen Menge des eingesetzten Produktionsfaktors einen abnehmenden Grenzertragsverlauf.

 

Wie steht es nun in dieser Frage in der Haushaltstheorie? Müssen wir auch hier mit der Möglichkeit rechnen, dass bei geringen Konsummengen der Grenznutzen steigt und erst dann wiederum ab einer kritischen Konsummenge mit abnehmendem Grenznutzen zu rechnen ist?

 

Bringen wir zur Verdeutlichung ein Beispiel: Eine Person höre sich mehrmals ein Violinkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart an. Hier können wir durchaus damit rechnen, dass diese Person beim ersten Anhören dieses Konzertes noch nicht alle musikalischen Feinheiten wahrgenommen hat, dass einige Klänge und Harmonien erst nach einem zweiten oder dritten Anhören wahrgenommen werden und dass in dieser Hinsicht das zweite oder auch dritte Anhören einen höheren musikalischen Genuss bereitet als das Anhören dieses Konzertes beim ersten Mal. Hier würde also in der Tat zunächst der Grenznutzen steigen. Aber bei irgendeiner Wiederholung wären diese zusätzlichen Gewinne im musikalischen Genuss aufgebraucht, ein weiteres Anhören würde keinen Nutzen mehr bringen, der Reiz des Neuen würde verschwinden.

 

Bei der Diskussion der Ertragsgesetze wird davon ausgegangen, dass die gewählte Technik bestimmt, bei welchem Einsatzverhältnis der einzelnen Produktionsfaktoren ein optimales Ergebnis erzielt werden kann. Der Umstand, dass eine Zunahme eines Produktionsfaktors zunächst steigende Ertragszuwächse bringt, muss dann damit erklärt werden, dass der untersuchte Produktionsfaktor zunächst in suboptimaler Menge eingesetzt war. In diesem Falle führt der vermehrte Einsatz dieses Faktors dazu, dass man sich dem optimalen Einsatzverhältnis nähert. Ist dies aber erreicht und fährt man fort, den untersuchten Produktions­faktor weiter vermehrt einzusetzen, so entfernt man sich wieder vom optimalen Einsatzverhältnis mit der Folge, dass die Grenzerträge dieses Produktionsfaktors nun abnehmen.

 

Ähnliche Überlegungen gelten auch für den Verlauf der Grenznutzenkurve. Auch hier kann man davon sprechen, dass ein Nutzenoptimum dann erreicht wird, wenn in einem Komplementaritätsverhältnis stehende Konsumgüter in einem ganz bestimmten Einsatzverhältnis stehen. Wenn wir unser Frühstück damit beginnen, dass wir z. B. fünf Scheiben Brot mit einer winzigen Menge Butter essen, so steigt sicherlich der Grenznutzen der Butter, wenn wir vermehrt Butter konsumieren, aber auch hier dürfte von einer bestimmten Buttermenge an der Grenznutzen der Butter sinken.

 

Das Beispiel des Anhörens eines Musikstückes weist jedoch auf einen anderen Zusammenhang hin. Wir gehen hier davon aus, dass das Abspielen eines Konzertes eine Vielzahl von Eindrücken hervorruft und dass unsere Aufnahmekapazität nicht ausreicht, alle diese Eindrücke bei einem einzigen Anhören aufzunehmen. Dieser Umstand bringt es dann mit sich, dass der musikalische Genuss beim zweiten und vielleicht dritten Anhören noch steigt. In dem Augenblick hingegen, in dem alle Eindrücke erkannt sind, entfällt jedoch der Grund für ein weiteres Ansteigen des musikalischen Genusses.

 

Fahren wir mit den Parallelen zur Unternehmungstheorie fort. Bei der Diskussion der Cobb-Douglas-Produktions­funktion geht man davon aus, dass hier nur für die partiellen Grenzerträge das Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs gültig ist, dass aber das Grenzniveauprodukt als konstant zu gelten hat. Auch hier gibt es so etwas wie ein optimales Einsatzverhältnis der Produktionsfaktoren und jedes Abweichen von diesem Verhältnis hat sinkende Ertragszuwächse zur Folge.

 

Können wir auch im Bereich der Grenznutzentheorie damit rechnen, dass zwar die partiellen Grenznutzen bei vermehrtem Konsum eines Gutes abnehmen, dass aber der Grenznutzen des Einkommens als konstant zu gelten hat? Auch hier gingen wir ja davon aus, dass es bei komplementären Konsumgütern durchaus ein optimales Einsatzverhältnis gibt.

 

Trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass bei Einkommenssteigerungen und bei Beibehaltung der Struktur der konsumierten Güter mit einem konstanten Grenzniveaunutzen gerechnet werden kann. Zwar gibt es sehr wohl gute Gründe, dass der Grenznutzen des Einkommens konstant ist, diese Tatsache hängt jedoch nicht damit zusammen, dass die Konsumstruktur konstant bleibt.

 

Bringen wir nochmals das Beispiel von Brot und Butter als Brotaufstrich. Obwohl es sicherlich richtig ist, dass es so etwas wie eine optimale Zusammensetzung dieses aus Brot und Butter bestehenden Güterbündels gibt, kann daraus nicht geschlossen werden, dass eine bloße Vermehrung dieses Güterbündels unbegrenzt Nutzenzuwächse bringt. Ganz im Gegenteil würde gerade dann, wenn eine Person immer mehr mit Butter bestrichene Brote essen würde, sehr bald eine Sättigung eintreten und dies bedeutet, dass der Grenznutzen dieses Güterbündels von einer bestimmten Menge an sinkt.

 

Der Grund hierfür liegt darin, dass der menschliche Körper so gebaut ist, dass er nicht unbegrenzte Gütermengen konsumieren kann, dies gilt nicht nur für Nahrungsmittel, sondern aus den verschiedensten Gründen wohl für die meisten denkbaren Güter. Äußert sich die Wohlstandssteigerung allein darin, dass von denselben Gütern nur einfach mehr Mengen konsumiert werden, stößt der Mensch an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit, Unbehagen und Langeweile stellen sich ein, welche abnehmende Grenznutzen herbeiführen.

 

Trotzdem mag es richtig sein, dass trotz eines vermehrten Einkommens bei richtigem Konsumverhalten der Nutzenzuwachs nicht abnimmt. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass immer wieder neuartige Güter konsumiert werden, welche sich in der Qualität von den bisher konsumierten Gütern unterscheiden. Und in der Erfindung neuartiger Konsumgüter hat sich der Mensch als unermüdlich gezeigt. Zwar sind im Laufe der Lehrgeschichte immer wieder Persönlichkeiten aufgetaucht, die prophezeit hatten, dass sehr bald mit einer Sättigung gerechnet werden müsse, dass aus diesem Grunde der Konsum nicht mit dem Einkommen ansteige und dass deshalb aus Gründen einer zu geringen Konsumnachfrage letztlich Massenarbeitslosigkeit zu erwarten sei.

 

Diese düsteren Prophezeiungen sind bisher nicht eingetreten. Wie Alois Schumpeter gezeigt hat, sind diese Prophezeiungen immer wieder durch den Gang der Geschichte widerlegt worden, weil es diesen Propheten an Phantasie mangelte, sich vorzustellen, dass der menschliche Bedarf im Grunde nahezu unersättlich ist.

 

 

 

4. Das zweite Gossen’sche Gesetz

 

Befassen wir uns nun mit dem sogenannten zweiten Gossen’schen Gesetz. Während das erste Gesetz die Abhängigkeit der Nutzenvorstellungen vom Umfang der Konsummenge beschreibt und insoweit eine Hypothese über menschliches Verhalten darstellt, geht es beim zweiten Gossen’schen Gesetz um eine Maximierungsregel. Sie gibt an, wie sich der einzelne Konsument verhalten sollte, um seinen Nutzen zu maximieren. Es wird hier also nicht behauptet, dass der Konsument immer oder auch nur in der Mehrzahl der Fälle sich nutzenmaximierend verhält, sondern nur festgestellt, dass er sich nach dieser Regel verhalten muss, wenn er seinen Nutzen maximieren möchte.

 

Nun gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass ein Großteil der Klassiker und vor allem auch Neoklassiker in der Tat unterstellt haben, dass sich die Menschen im Allgemeinen auch in dieser Weise tatsächlich verhalten, also ihren Nutzen zu maximieren versuchen. Es ist jedoch äußerst schwierig, eine solche weitergehende Hypothese zu beweisen. Denn entweder versteht man die These von der Nutzenmaximierung im Sinne des Hedonismus, wonach die Menschen dazu neigen, stets lustbetont und unlustvermeidend zu handeln. Eine solche enge Interpretation der These von der Nutzenmaximierung wird jedoch keineswegs von der Mehrheit der Wissenschaftler geteilt. Sie dürfte auch kaum empirisch belegt werden können. Oder aber man weitet bewusst diesen Begriff aus und summiert darunter jeden Versuch, beliebige Zielsetzungen so anzugehen, dass im Endergebnis ein höchstmöglicher Zielerreichungsgrad erreicht wird. Ein solches Verhalten lässt sich zwar durchaus oftmals empirisch feststellen, der Begriff der Nutzenmaximierung wird hier aber so ausgeweitet, dass er fast zur Leerformel wird.

 

Eine Leerformel liegt immer dann vor, wenn keine der denkmöglichen Alternativen ausgeschlossen werden kann und wenn diese Aussage deshalb immer gültig ist. Der empirische Wahrheitsgehalt einer Hypothese ist demgegenüber umso größer, je mehr denkmögliche Alternativen als faktisch nichtmöglich ausgeschlossen werden.

 

Bringen wir ein Beispiel dafür, dass der Begriff der Nutzenmaximierung oftmals so ausgeweitet wird, dass sich unter diesem Begriff keine echte empirisch gehaltvolle Hypothese verbirgt. Nehmen wir an, wir beobachten eine Person, welche einen 500 €-Geldschein aus seinem Portemonnaie nimmt und diesen vor aller Augen mit Hilfe eines Feuerzeugs verbrennt. Dies stellt sicherlich eine Verhaltensweise dar, welche nach allgemeinem Verständnis als irrational gehalten wird und welche deshalb der Zielsetzung einer Nutzen­maximierung augenscheinlich widerspricht. Mit 500 € hätten sicherlich manch nutzenstiftende Güter oder auch Dienstleistungen erworben werden können.

 

Aber selbst ein solches Verhalten kann man – wenn man will – immer noch als nutzenmaximierend ansehen, wenn man einen möglichst weiten Begriff der Nutzenmaximierung wählt. So könnte man z. B. darauf hinweisen, dass derjenige, welcher eine solch offensichtlich irrationale Tat vollbringt, immer noch seinen Nutzen vergrößert und damit maximiert, da er eben eine so große Freude an dieser Tat und vor allem an der Zurschaustellung dieser Aktion hat, dass diese ihm mehr Wert ist und damit größeren Nutzen stiftet, als dann, wenn er für diese Geldsumme bestimmte Waren erworben hätte.

 

Hier wird der Begriff der Nutzenmaximierung in der Tat zur nichtssagenden Leerformel. Man bemüht sich gar nicht darum, festzulegen, unter welchen Voraussetzungen ein Nutzen maximierendes Verhalten vorliegt und vor allem unter welchen Voraussetzungen gegen diese Regel verstoßen wird. Man verweist darauf, dass gerade deshalb, weil man ein solches Verhalten empirisch beobachten kann, die beobachtete Person durch ihre Handlung zum Ausdruck bringt, dass sie ihm einen Nutzengewinn bringt und dass sie unter allen dieser Person bekannten Alternativen auch diejenige ist, welche ihm den größten Nutzen bringt.

 

Hier wird stillschweigend unterstellt, dass sich jeder Mensch bei all seinen Handlungen nutzenmaximierend verhält, dass ein nichtnutzenmaximierendes Verhalten gar nicht denkbar sei. Wenn man von Nutzen­maximierung spricht, will man hier gar keine empirisch gehaltvolle Aussage über das Verhalten der Menschen machen, welche auch falsch sein könnte; man benützt hier vielmehr diese Formel dazu, um aufzuzeigen, welche Aktionen notwendig sind, um Ziele zu erreichen, die sich ein Mensch gesetzt hat.

 

Bleiben wir nochmals bei dem Vergleich mit der Unternehmungstheorie. Dort entspricht der These von der Nutzenmaximierung die These von der Gewinnmaximierung. Nun mag diese These genauso fragwürdig sein wie die These der Nutzenmaximierung, wenn wir wirklich behaupten wollten, restlos alle Unternehmer verhalten sich gewinnmaximierend. Trotzdem lässt sich die These der Gewinnmaximierung so deuten, dass sie durchaus zu einer realistischen Hypothese wird, dann nämlich, wenn wir intensiven Wettbewerb unterstellen, vom dem starke Anreize ausgehen, jeden möglichen Gewinn mitzunehmen, um im Konkurrenzkampf überhaupt überleben zu können.

 

Es ist jedoch nicht möglich, auch im Hinblick auf die These von der Nutzenmaximierung von ähnlichen Anreizen des Marktes auszugehen, welche dann mehr oder weniger auch eine Maximierung des Nutzens in aller Regel herbeiführen. Wenn z. B. ein Konsument in starkem Maße altruistische Zielsetzungen verfolgt, so wird er trotzdem nicht als Konsument aus dem Markt gedrängt, wenn er nicht bereit ist, diese altruistischen Zielsetzungen aufzugeben und seinen Nutzen im Sinne eines ausschließlichen Eigeninteresses zu suchen. Wenn seine wirtschaftlichen Aktivitäten dazu geführt haben, ein hohes Einkommen zu erzielen, so gestattet dieses hohe Einkommen eben diesem Konsumenten auch die Möglichkeit, seine altruistischen Zielsetzungen zu verwirklichen.

 

Wenn er wirklich davon überzeugt ist, dass das Verwirklichen altruistischer Zielsetzungen ihm eine größere Befriedigung bringt als dann, wenn er im Sinne des Hedonismus seine Lust zu vergrößern sucht, so wird ihn auch das Verhalten anderer Konsumenten, die dieses Altruismus nicht teilen, nicht zwingen, von diesen altruistischen Zielsetzungen abzurücken. Mit andern Worten: Vom Markt gehen auf eine Nutzen­maximierung im Sinne eines egoistischen Verhaltens keine vergleichbaren Anreize aus, welche wir für ein Verhalten nach der Gewinn­maximierungsmaxime beobachten können.

 

Was besagt nun das zweite Gossen’sche Gesetz? Solange der Grenznutzen des Einkommens nicht bei allen Verwendungsarten gleichgroß ist, solange kann ein Nutzenzuwachs erzielt werden und zwar dadurch, dass man Einkommensteile von denjenigen Verwendungen abzieht, bei denen der Grenznutzen geringer ist und diese Einkommensteile denjenigen Verwendungen zuführt, bei denen der Grenznutzen noch höher liegt. Denn ex definitione ist der Nutzenentgang bei den Verwendungsarten mit geringerem Grenznutzen geringer als der Nutzenzuwachs bei den Verwendungen mit höherem Grenznutzen. Per Saldo steigt also der Nutzen bei einer solchen Umstruktuierung.

 

Umgekehrt gilt, dass ein Haushalt, bei dem der Grenznutzen des Einkommens bei allen Verwendungsarten gleich groß ist, durch Veränderungen in der Verwendung kein weiterer Nutzenzuwachs erzielt werden kann. Es ist also unter diesen Bedingungen (gleicher Grenznutzen in allen Verwendungen des Einkommens) das Nutzenmaximum erreicht. Jede Änderung würde zu einer Verminderung des Gesamtnutzens führen.

 

Da wir aufgrund des ersten Gossen’schen Gesetzes davon ausgehen können, dass der Grenznutzen bei denjenigen Verwendungen, welche nun vermehrt konsumiert werden, sinkt und dass umgekehrt der Grenznutzen bei denjenigen Verwendungen, welche nun vermindert konsumiert werden, steigt, findet also von zwei Seiten aus eine Annäherung der Grenznutzen der einzelnen Verwendungsarten statt mit der Folge, dass über kurz oder lang durch diese Umstruktuierung ein Zustand erreicht wird, bei dem die Grenznutzen des Einkommens in allen Verwendungen gleich groß sind. Von dieser Grundaussage ist auch nicht sehr viel verloren, wenn wir berücksichtigen, dass in der Realität natürlich die Gütermengen nicht unendlich klein unterteilt werden können. Wir sprechen in diesem Falle einfach davon, dass ein Maximum an Nutzen dann erzielt ist, wenn die Grenznutzen in allen Verwendungen annähernd gleich sind und durch weitere Substitutionen nicht mehr angenähert werden können.  

 

 

 

5. Das Problem der Wertantinomie

 

Bereits bei der Vorstellung der wichtigsten  Vertreter der Wiener Schule haben wir darauf hingewiesen, dass   es Karl Menger gelungen war, das Wertantinomie-Problem der Klassik zu lösen. Befassen wir uns in diesem Abschnitt etwas ausführlicher mit dieser Problematik.

 

Die Klassiker konnten das Problem nicht lösen, dass bestimmte Güter wie Luft und Wasser lebenswichtig sind, trotzdem aber auf den Märkten keinen Wert erzielen, während umgekehrt andere Güter wie z. B. Gold oder Edelsteine bisweilen einen sehr hohen Marktwert erzielen, obwohl der Nutzen dieser Güter im Vergleich zur ersten Gütergruppe relativ gering ist.

 

Karl Menger löste dieses in der Zeit der Klassik ungelöste Problem dadurch, dass er zwischen dem Gesamtnutzen, den ein Gut stiftet und dem Grenznutzen der letzten konsumierten Gütereinheit unterschied. Wenn wir davon sprechen, dass ein Gut einen besonders hohen Stellenwert besitzt, so beziehen wir den Nutzenbegriff auf den Gesamtnutzen dieses Gutes. Das erste Glas Wasser mag uns vor dem Verdursten retten, hat also einen unendlich großen Nutzen, das zweite und dritte Glas mag zwar immer noch eine gewisse Nutzensteigerung bringen, indem es unseren Durst weiter löscht. Von einer bestimmten Menge an Wasser erzielen wir jedoch keinen zusätzlichen Nutzen, der Grenznutzen ist auf null gesunken.

 

Wenn wir aber über den Wert im Sinne des erforderlichen Marktpreises sprechen, beziehen wir uns auf den Grenznutzen (also auf den Nutzen der letzten kon­sumierten Einheit). Wir haben davon auszugehen, dass der Preis auf dem Markt jeweils dem Grenznutzen der abgesetzten Gütermengen entspricht. Ein Konsument wird nämlich, wenn er seinen Nutzen zu maximieren sucht, solange seine Nachfrage nach einem Konsumgut ausdehnen, solange der Konsum der letzten Einheit einen Nutzenzuwachs bringt, der größer ist als der Nutzen, den er erzielt hätte, wenn er diese Einkommensteile für ein anderes Gut ausgegeben hätte.

 

Luft und Gold galten in der Zeit, in der die Klassiker und Neoklassiker lebten, als freie, also nicht knappe Güter, welche gerade aus diesen Gründen bis zu ihrer Sättigung befriedigt werden konnten. Da aber – wie wir im vorhergehenden Abschnitt gezeigt haben – der Grenznutzen und mit ihm der auf dem Markt erzielte Preis mit wachsendem Konsum abnimmt, ist der tatsächliche Preis (Wert) dieser Güter nahezu null.

 

Umgekehrt ist die Menge der zur Verfügung stehenden Goldstücke oder Edelsteine extrem gering, sodass wir verglichen mit der Luft oder mit Wasser trotzdem noch einen beachtlich hohen Marktpreis erzielen.

 

Einige kritische Anmerkungen zur Auswahl dieser Güter mögen angebracht sein. Während nämlich zu Zeiten von Karl Menger Luft und Wasser tatsächlich als freie Güter eingestuft werden konnten, für die somit auch kein Preis entrichtet werden musste, gilt dies für unsere Zeiten schon lange nicht mehr.

 

Nehmen wir das Beispiel Wasser. Es mag zwar für einen unvoreingenommenen Beobachter so scheinen, dass er auch heute noch ein Glas Wasser ohne Entrichtung eines Preises aus der Leitung entnehmen kann. Der erste Eindruck trügt jedoch. Schon lange verlangen die Wasserwerke und die Gemeindeverwaltung für Wasser und Abwasser hohe Gebühren, deren Höhe auch von der Menge des verbrauchten Wassers abhängt.

 

Für die zur Verfügung stehende Luft gilt ähnliches, auch dann, wenn wir natürlich beim Atmen des Sauerstoffes nicht an Uhren hängen, welche den Verbrauch der Luft messen. Die tägliche Produktion sowie auch der tägliche Konsum führen auf vielfältige Weise zu einer Verschmutzung der Luft, sodass der Staat nur mit hohen Kosten die Luft wieder so reinigen lassen kann, wie sie für unser tägliches Leben benötigt wird. Da die Luft aber kein Individual- sondern ein Kollektivgut darstellt, zahlen wir für den Gebrauch und Verbrauch der Luft nicht in individuellen Preisen, sondern über die kollektiv erhobenen Steuern.