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Geschichte der Ökonomie

 

 

 

 

 

 

Teil II Spezialgebiete der Lehrgeschichte

 

Gliederung:

 

 1. Methodenlehre

 2. Marktformenlehre

 3. Collective bargaining

 4. Wohlfahrtstheorie

 5. Verteilung: macro

 6. Geldtheorie

 7. Außenhandel

 8. Dynamische Theorie

 9. Konjunkturtheorie

10. Wachstumstheorie

 

 

7. Außenhandel Fortsetzung

 

Gliederung:

 

1. Problemeinführung

2. Die Theorie der komparativen Kosten

3. Die neoklassische Version dieser Theorie

4. Das Heckscher-Ohlin-Theorem

5. Einführung in die monetären Probleme der Außenwirtschaft.

6. Ursachen von Devisenbilanzungleichgewichten

7. Der Wechselkursmechanismus

8. Der Geldmengen-Preis-Mechanismus

9. Der Zins-Kredit-Mechanismus

10. Der Einkommens-Mechanismus

11. Die policy-mix-Strategie

 

 

 

5. Einführung in die monetären Probleme der Außenwirtschaft.

 

Wir wollen uns nun im zweiten Teil dieses Kapitels mit der monetären Außenwirtschaftstheorie befassen.  Im Mittelpunkt der monetären Außenwirtschaftstheorie stehen die beiden Begriffe des Wechselkurses und der Zahlungsbilanz.

 

Unter Wechselkurs versteht man das Austauschverhältnis zweier Währungen zueinander. Der Devisenkurs informiert darüber, was eine ausländische Währung in inländischer Währung kostet, man spricht hierbei von Preisnotierung, während z. B. der Euro-Kurs angibt, welchen Wert die eigene Währung in ausländischen Währungseinheiten erzielt, hier liegt eine Mengennotierung vor.

 

Man unterscheidet weiterhin zwischen Leitwährungskursen und bilateralen Kursen, zwischen Leitkursen und Tageskursen. Auch ist die Frage nach dem Währungssystem (feste oder flexible Kurse) zu trennen von der Frage nach stabilen und instabilen Bewegungen des Wechselkurses im Zeitablauf. Die Leitkurse beziehen sich auf die langfristig angestrebten Kurse, die Tageskurse hingegen auf die kurzfristig geltenden Kurse.

 

In einem System fester Wechselkurse ist die Notenbank zur Stabilisierung der Kurse zu einer Intervention verpflichtet. Dabei spricht man von Intervention der Notenbank dann, wenn sie zur Stabilisierung der Wechselkurse Devisen kauft oder verkauft. In einem System freier Wechselkurse kann die Notenbank intervenieren, sie muss es aber nicht.

 

Der reale Wechselkurs (wr) errechnet sich daraus, dass man den nominellen Wechselkurs (wn) mit dem Preisver­hältnis Pa/Pi gewichtet:

wr = wn * Pa / Pi

 

Bei Wahrung der Kaufkraftparität erreicht der reale Wechselkurs gerade den Wert eins. Die Forderung nach möglichst stabilen Wechselkursen überrascht zunächst, da sich entsprechend neoklassischer Überzeugung die Preise einzelner Güter möglichst flexibel verhalten sollten, und da fast jede Datenänderung eine Anpassung des Preises an die veränderte Knappheitslage verlangt.

 

Begründet wird die Forderung nach Wechselkursstabilität wie folgt: Auf einzelnen Gütermärkten sind die Bedingungen des Marktes (Bedarf, Anzahl und Verhalten der Konkurrenten, Kosten der Rohstoffe etc.) überschaubar, sodass auch das unternehmerische Risiko nicht übermäßig hoch erscheint. In den Wechselkurs gehen jedoch Änderungen in allen Gütern, die international gehandelt werden, und aller Länder, die sich am Außenhandel beteiligen, ein und damit ist das Wechselkursrisiko wesentlich höher als das Risiko auf einem einzelnen Gütermarkt.

 

Kein Unternehmer kann über alle Änderungen in diesen Daten informiert sein, sodass das Risiko des Außenhandels bei freien Wechselkursen so hoch ausfallen müsste, dass ohne Risikoschutz überhaupt kein nennenswerter Außenhandel zustande käme. Kritisch muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass über Devisen­termin­geschäfte und Swapsatzpolitik der Notenbanken dieses Risiko verringert werden kann.

 

Der Begriff der Zahlungsbilanz bezieht sich auf eine bilanzielle Gegenüberstellung aller Einnahmen und Ausgaben aus den außenwirtschaftlichen Beziehungen. Hierbei unterscheidet man zwischen verschiedenen Teilbilanzen. Die Handelsbilanz bezieht sich nur auf den internationalen Güteraustausch, während die Leistungsbilanz zusätzlich zu dem Güteraustausch die Einnahmen und Ausgaben aus dem Dienstleistungs­verkehr  und aus den sogenannten Übertragungen (einseitigen Zahlungen) enthält. Die Devisenbilanz listet den Kauf und Verkauf der Devisen auf.

 

 

 

Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Forderung nach einem Ausgleich der Zahlungsbilanz. Hierbei gilt es zu bedenken, dass die gesamte Zahlungsbilanz ex definitione ausgeglichen ist. Die Ausgleichsforderung bezieht sich somit allein auf Teilbilanzen, und zwar zumeist auf die Devisenbilanz oder die Leistungsbilanz.

 

Als Grundidee hinter dieser Forderung steht die Herstellung eines internationalen Gleichgewichts. Deshalb bezieht sich diese Forderung zumeist auch auf die Leistungsbilanz. Kritisch wäre darauf hinzuweisen, dass auch Kapitalbewegungen erwünscht sein können. Deshalb werden zwei Reformvorschläge diskutiert: Michael Funke schlug vor, die Ausgleichsforderung auf die Grundbilanz zu beziehen, welche zusätzlich zur Leistungsbilanz auch noch die langfristigen  Kapitalbewegungen umfasst.

 

Ein zweiter Reformvorschlag unterscheidet zwischen autonomen und induzierten Aktivitäten. Autonom sind hierbei die normalen außenwirtschaftlichen Aktivitäten, induziert hingegen die Aktivitäten, welche von Seiten des Staates oder der Notenbank eigens zum Ausgleich der Zahlungsbilanz durchgeführt werden. Nur die autonomen Aktivitäten gilt es zum Ausgleich zu bringen!

 

Warum ist aber ein Gleichgewicht überhaupt erwünscht? Bei Devisenbilanzdefiziten besteht eine politische Abhängigkeit. Defizite führen nämlich zu Arbeitslosigkeit, Überschüsse hingegen zu Inflation. Ungleichge­wichte bedeuten darüber hinaus Fehlallokationen. Das Gefälle der Inflationsraten zwischen der BRD und dem Ausland in den 60ern schwächte z. B. den Wettbewerbs- bzw. Innovationsdruck in der BRD ab, da aufgrund des permanenten Leistungsbilanzüberschusses die inländischen Unternehmer eine Quasi-Monopol­stellung inne­hatten.

 

Im Allgemeinen fragt eine Gleichgewichtstheorie nach den Preisen und Mengen, bei denen Angebot und Nachfrage übereinstimmen. Auf dem Devisenmarkt stellt die gehandelte Ware ‚die Devise‘ dar, der Preis, der für eine Deviseneinheit zu zahlen ist, bezieht sich hierbei auf die eigene Währung. Nun werden Devisen nachgefragt, um Waren und Dienstleistungen zu importieren oder auch Kapital zu exportieren. Umgekehrt gilt, dass Devisenerlöse aufgrund von Exporten oder auch aufgrund eines Importes von Kapital erzielt werden und dann auf dem Devisenmarkt angeboten werden. Devisennachfrage und Devisenangebot stehen also stellvertretend für den Import und Export, sodass genau dann, wenn Angebot und Nachfrage an bzw. nach Devisen übereinstimmen auch die Leistungsbilanz ausgeglichen ist.

 

 

6. Ursachen von Devisenbilanzungleichgewichten

 

Bei der Frage, welche Bestimmungsgründe ein Ungleichgewicht in der Zahlungsbilanz verursachen, lässt sich zunächst einmal unterscheiden, ob diese Ursachen von der Leistungsbilanz oder von der Kapitalbilanz herrühren. Fragen wir uns zunächst nach den Ursachen, die sich auf die Leistungsbilanz beziehen. Als mögliche Ursachen gelten:

 

-         unterschiedliche Inflationsraten oder

-         unterschiedliche reale Wachstumsraten

 

Wenn z. B. im Inland eine höhere Inflationsrate gegeben ist als im Ausland, wird sich dieser Unterschied in einer Passivierung der eigenen und einer Aktivierung der ausländischen Leistungsbilanz niederschlagen. Im internationalen Wettbewerb stellen sich die inländischen Unternehmer schlechter, da ihre Waren teurer sind als die Waren aus dem Ausland.

 

Wenn weiterhin das eigene Land eine höhere reale Wachstumsrate als das Ausland aufweist, schlägt sich dies wiederum in einer Passivierung der eigenen Leistungsbilanz nieder. Wir müssen nämlich damit rechnen, dass die Importwertsumme von der Einkommenshöhe abhängt. Dies bedeutet, dass der vom  eigenen Land ausgehende Import größer ist als der Import des Auslandes. Da aber der Import des Auslandes (bei einem zwei-Länder-Fall) mit unserem Export zusammenfällt, steigt unser Leistungsbilanzdefizit. Die einseitige Einführung von Importzöllen führt schließlich zu einer Aktivierung der Leistungsbilanz.

 

Wenden wir uns nun den Ursachen eines Ungleichgewichtes zu, die in der Kapitalbilanz liegen. Mögliche Bestimmungsgründe für ein Ungleichgewicht in der Kapitalbilanz liegen insbesondere in:

 

-         dem Zinsgefälle,

-         in spekulativen Kapitalbewegungen.

 

 

Wenn z. B. der inländische Zinssatz über dem des Auslandes liegt, lohnt es sich für Ausländer, ihr Kapital im Inland anzulegen. Auch spekulative Kapitalbewegungen können ein Ungleichgewicht in der Kapitalbilanz auslösen, so dürfte die Erwartung sinkender Wertpapierkurse im Inland dazu führen, dass Kapital aus dem Inland abgezogen wird. Werden schließlich die Einkommenssteuern im Vergleich zum Ausland erhöht, so wird dies zu einer Reduzierung der Zinserträge führen und dies wiederum kann einen Rückgang im Kapitalimport auslösen.

 

 

7. Der Wechselkursmechanismus

 

Unter dem Stichwort des Wechselkursmechanismus wird die Frage untersucht, inwieweit durch eine Variation des Devisenkurses Ungleichgewichte in der Leistungsbilanz reduziert werden können. Es ist hierbei im Grunde gleichgültig, ob wir von einem System fester Wechselkurse ausgehen und unterstellen, dass die Regierung zur Verringerung eines Leistungsbilanzdefizites die eigene Währung abwertet, was gleichbedeutend ist, dass die fremde Währung aufgewertet wird oder ob wir von einem System eines freien Wechselkurses ausgehen, bei dem sich also die Wechselkursänderungen automatisch aufgrund eines Ungleichgewichtes ergeben.

 

Wir wollen unterstellen, dass die Leistungsbilanz des eigenen Landes ein Defizit aufweist. Als Folge des Defizites wird entweder die Regierung die eigene Währung abwerten oder aber der Kurs der eigenen Währung sinkt auf einem freien Devisenmarkt. Dies führt im Allgemeinen zu einem Rückgang der Importe  (Im). Gleichzeitig steigen üblicher Weise die Exporte (Exp) an. Dies bewirkt schließlich einen Rückgang im Devisenbilanz-Defizit.

 

Allerdings können wir nicht immer damit rechnen, dass dieser Wechselkursmechanismus reibungslos verläuft. Es stellen sich vielmehr bisweilen Schwierigkeiten ein, welche einen Ausgleich verhindern. Ein Anstieg der Devisenkurse findet nämlich nur dann statt, wenn die Notenbank auf schmutziges Floaten verzichtet. Von schmutzigem Floaten spricht man immer dann, wenn bei Freigabe der Wechselkurse die Notenbank durch Intervention auf den Devisenmärkten den Wechselkurs zu halten versucht.

 

Weiterhin kann eine Ausgleichstendenz nur erwartet werden, wenn die Elastizitäten der Importnachfrage ausreichend groß sind. Die Exportwert­summe (ExWS) in Dollar gerechnet ist das Produkt aus Eurokurs ($/€) multipliziert mit dem Güterpreis in Euro berechnet ((€/ME), multipliziert mit der Gütermenge (ME). 

ExWS in $: [ ($/€) ¯ * (€/ME) * ME ­ ]

 

Das Defizit sinkt nur, wenn die Summe der Importnachfrageelastizitäten des Inlandes (hI) und des Auslandes (hA) größer 1 ist ( = Marshall-Lerner-Bedingung). Lange Zeit erfolgte eine systematische Unterschätzung von Elastizitäten, man befürchtete, dass diese Summe in praxi nicht erreicht werde, dass die entsprechenden Elastizitäten zu gering seien. Man sprach hierbei von einem Elastizitätspessimismus.

 

In der Zwischenzeit hatte man erkannt, dass diese Elastizitäten in Wirklichkeit höher ausfallen. Dass man lange Zeit von einem Elastizitätspessimismus ausging, lag daran, dass man vorgegebene empirische Werte (Preis–Mengen-Kombinationen) unterstellte und stillschweigend eine Konstanz der Angebotskurve annahm. Indem man die empirischen Werte miteinander verband, erhielt man eine recht unelastische Nachfragekurve (siehe linkes, unteres Diagramm).

 

Man kann aber auch unterstellen, dass zur gleichen Zeit die Angebotskurve nach unten verschoben wurde.  In diesem Falle ergeben die neuen Schnittpunkte zwischen Nachfrage- und Angebotskurve einen recht ela-stischen Verlauf der Nachfragekurve (siehe rechtes unteres Diagramm).

 

 

 

 

 

Weiterhin gilt es zu berücksichtigen, dass die Marshall-Lerner-Bedingung ausschließlich Anpassungen bei der Nachfrage berücksichtigt. Dies ist aber nur dann erlaubt, wenn die Angebotselastizitäten unendlich groß sind. Berücksichtigt man jedoch endliche Angebotselastizitäten, so gilt es die Robinson-Bedingung anzuwen­den. Nach Robinson darf aber die Summe beider Importnachfrageelastizitäten deutlich unter eins liegen, um noch ein Gleichgewicht auszulösen.

 

 In der Frage, wie sich eine Abwertung auf die Leistungsbilanz auswirkt, lassen sich drei Phasen unter­scheiden:

 

In einer kurzfristigen Sicht gilt, dass nur der Wechselkurs sich verändert hat, sodass die Exportwertsumme zunächst einmal sinkt: 

[ExWS] = [ $/€ ¯ * €/ME * ME ] = (J-Kurven-Effekt)

 

 

 

 

Mittelfristig steigt jedoch die gehandelte Menge an:

[ExWS] = [ $/€ ¯ * €/ME * ME ­]

 

 

Die Wirkung auf die Exportwertsumme ist nun von der Elastizität abhängig, nur dann, wenn sie größer als eins ist, tritt – wie erhofft – eine Zunahme ein.

 

Langfristig ist schließlich damit zu rechnen, dass die Auslandsnachfrage ebenfalls ansteigt, und dass deshalb auch mit einem Anstieg der €-Preise zu rechnen ist:

 

[ExWS] = [ $/€ ] ¯ * [€/x] ­ * [x] ­

 

 

Wir wollen diese Abwertungseffekte noch einmal in einer graphischen Darstellung zusammenfassen. Die erste Graphik zeigt in der gelb eingezeichneten Fläche den Exporterlös im Ausgangspunkt an.

 

 

In der zweiten Graphik tragen wir die kurzfristigen Veränderungen in der Exporterlössumme ab.

 

 

Die nächste Graphik lässt erkennen, wie sich die Exporterlössumme mittelfristig verändert:

 

 

 

8. Der Geldmengen-Preis-Mechanismus?

 

Wenden wir uns nun dem Geldmengen-Preis-Mechanismus zu. Eine Ausgleichstendenz lässt sich nämlich auch bei konstant bleibenden Wechselkursen feststellen. Wir gehen hierzu von einem Devisenbilanz-Defizit aus. Aufgrund des Defizites erfolge erstens ein Ankauf von Devisen durch die Notenbank. Dies führe zweitens zu einer Geldmengenreduzierung. Drittens werde hierdurch entsprechend der Quantitätstheorie eine Preisniveaureduzierung bewirkt. Als Folge hiervon sinken viertens die Importe und die Exporte steigen. Dies bedeutet schließlich, dass fünftens das Devisenbilanz-Defizit sinkt.

          

Allerdings müssen wir auch bei diesem Ausgleichsmechanismus mit gewissen Schwierigkeiten rechnen. Die Notenbank könnte nämlich die erzwungene Geldkontraktion durch eine gleichgroße expansive Geldpolitik zu kompensieren versuchen (= sterilisierende Geldpolitik). Damit entfiele jedoch die für eine Ausgleichstendenz notwendige Preisniveaureduzierung.

 

Der Rückgang der Geldmenge könnte weiterhin durch einen Anstieg der Umlaufsgeschwindigkeit oder durch einen Rückgang des Handelsvolumens wettgemacht werden. Es gilt nämlich die Quantitätsgleichung: 

G * U = P * X

 

G : Geldmenge

U : Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes

P : Güterpreisniveau

X : reales Inlandsprodukt

 

Auch hier müssen wir schließlich die Frage stellen, ob ein Elastizitätspessimismus gerechtfertigt erscheint und ob aus diesen Gründen der Geldmengen-Preis-Mechanismus versagt. Es gelten jedoch die gleichen Bedenken wie beim Wechselkursmechanismus.

        

 

 

9. Der Einkommensmechanismus

 

Von einem Leistungsbilanzüberschuss (LB-Überschuss) gehen einkommenssteigernde Effekte aus, die selbst wiederum einen Abbau der LB bewirken. Als Beispiel sei ein LB-Überschuss (LB-Üb) gewählt. Aufgrund des Exportmultiplikators steigt das Inlandsprodukt: Y­, aufgrund der Inlandsproduktsteigerung steigt auch der Import: IM ­, damit sinkt der LB-Überschuss: LB ¯. Der Einkommensmechanismus führt allerdings nur zu einem begrenzten Ausgleich.

 

1) ΔLB = ΔEX - ΔIM (Y)                      Definition des LB-Saldos

(2) LB/ EX = (1 - m) * Y/ EX    Ableitung nach EX

(3) ¶ Y / ¶ EX =  1 / (1 - c + m)             Exportmultiplikator

 

 

Gleichung (3) in Gleichung (2) eingesetzt, ergibt:

 

 

 

Ein vollständiger Einkommensmechanismus würde verlangen, dass LB / EX im Gleichgewicht null wird. Dies wäre jedoch nur dann der Fall, wenn (1 - c) null würde, was voraussetzen würde, dass c = 1 wäre, was wiederum den Exportmultiplikator zu (1 / m) werden ließe!

 

 

10. Der Zins-Kredit-Mechanismus

 

Fragen wir schließlich nach der Wirksamkeit des Zins-Kredit-Mechanismus. Als Beispiel sei ein DB-Überschuss (DB-Üb) gewählt. Die Geldmenge steigt aufgrund des Ankaufs von Devisen seitens der Noten­bank (M ­). Es kommt zu einer Senkung des Zinssatzes (iI). Deshalb verringert sich der Kapitalimport (KIm¯), vorausgesetzt der ausländische Zins (iA) bleibt konstant! Gleichzeitig erhöht sich der Kapitalexport (KEx­). Schließlich kommt es zum Rückgang im Devisenbilanz–Überschuss (DB-Üb). Auch hier ist ebenfalls kein vollständiger Ausgleich möglich! Ob eine weitere Zinssenkung eintritt, hängt nämlich nicht davon ab, ob die Devisenbilanz ausgeglichen ist, sondern davon, ob der Kapitalmarkt ausgeglichen ist, also S und I sich entsprechen. Zinssenkungen treten solange ein, als die Sparsumme S die Investitionssumme übersteigt.

 

Schwierigkeiten beim Zins-Kreditmechanismus entstehen dann, wenn die Notenbank eine sterilisierende Geldpolitik betreibt. Unter sterilisierender Geldpolitik versteht man den Versuch der Notenbank, die durch Intervention auf dem Devisenmarkt ausgelöste Geldmengenerweiterung durch entgegengesetzte Intervention auf dem Kapitalmarkt (also durch Ankäufe von Wertpapieren) zu kompensieren. Ein Zinsgefälle führt allerdings nur dann zu Kapitalwanderungen, wenn die Risiken nicht zu hoch werden. Langfristig ziehen Kapitalexporte allerdings wiederum Güterexporte nach sich.

 

 

11. Die policy mix-Strategie

 

Wir haben gesehen, dass die Ausgleichsmechanismen nicht immer reibungslos funktionieren. Robert A. Mundell und Harry G. Johnson gingen hierbei davon aus, dass ein Zielkonflikt zwischen den Zielen des Devisenbilanzausgleichs und der Konjunkturstabilisierung besteht. Sie erklären das Vorliegen dieses Zielkonfliktes mit einem von Jan Tinbergen formulierten Postulat, wonach nur dann gesamtwirtschaftliche Zielkonflikte vermieden werden könnten, wenn die Anzahl der unabhängigen politischen Instrumente der Anzahl der Ziele entspreche. In der Vergangenheit sei die Notenbank bestrebt gewesen, die Fiskalpolitik zu unterstützen, also z. B. eine expansive Fiskalpolitik des Staates (Ausgabensteigerung) mit einer expansiven Geldpolitik (Geldmengenzuwachs) zu alimentieren. Damit würden jedoch die vier Ziele der Außenhandels­politik (die Wechselkursstabilität, der DB-Ausgleich, die freie Konvertibilität und eine autonome Konjunkturpolitik) nur mit drei unabhängigen Instrumenten (kombinierte Geld- und Fiskalpolitik,  die Devisenkontrollen sowie die Wechselkursvariationen) angegangen. Es wäre also aus diesen Gründen ein Zielkonflikt vorprogrammiert.

 

Welche Lösung des Zielkonfliktes sehen nun Mundell und Johnson vor? Sie schlagen vor, die Kopplung zwischen Geld- und Fiskalpolitik aufzuheben, also z. B. nicht eine expansive Fiskalpolitik mit einer expansiven Geldpolitik zu begleiten. Damit erhalten wir vier unabhängige Instrumente für vier Ziele. Als Ziele gelten weiterhin:

 

-         die Wechselkursstabilität,

-         der Devisenbilanz-Ausgleich,

-         die freie Konvertibilität der Währungen und

-         eine autonome Konjunkturpolitik.

 

Zu den Mitteln zählen nun hingegen:

 

-         die Zinssatzänderungen,

-         die Staatsausgabenvariationen,

-         die Devisenkontrollen sowie

-         die Wechselkursvariationen.

 

Die Notenbank sollte also fortan mit der Diskontsatzpolitik lediglich einen ZB-Ausgleich, der Staat hingegen mit seiner Fiskalpolitik lediglich eine Konjunkturstabilisierung anstreben. Die These von Mundell lautet somit: Wenn die Notenbank den Diskontsatz nur an der Zahlungsbilanz ausrichtet, der Staat hingegen sein Defizit nur an der angestrebten Inlandsprodukt-Höhe, können beide Ziele zur gleichen Zeit realisiert werden.

 

Diese policy-mix-Strategie lässt sich anhand einer Konjunktur- und Zahlungsbilanzlinie erklären. Es soll als erstes die Konjunkturlinie entwickelt werden. Sie gibt an, welche Staatsausgabenhöhe bei alternativen Zinssätzen notwendig ist, um das konjunkturpolitische Ziel der Regierung zu erreichen.

 

 

 

 

Als zweites soll die Zahlungsbilanzlinie entwickelt werden. Sie gibt an, welcher Zinssatz der Notenbank notwendig ist, um bei alternativem Umfang der Staatsausgaben das Ziel des Devisenbilanzausgleichs zu erreichen. 

 

 

 

 

 

Ausgangspunkt ist eine Kombination von Staatsausgaben und Zinssatz oberhalb des Schnittpunktes beider Linien. Dieser Ausgangspunkt liegt oberhalb der Konjunkturlinie (im inflationären Bereich) und unterhalb der Zahlungsbilanzlinie (im Bereich des DB-Überschusses). Der Staat wird deshalb seine Ausgaben reduzieren, die Notenbank hingegen wird den Zinssatz senken. Beide Maßnahmen zielen auf eine Reduktion des Ungleichgewichtes  ab. Insofern findet also eine Tendenz zum Gleichgewicht statt.

 

 

 

Wir haben bisher angenommen, dass die Zahlungsbilanzlinie einen steileren Verlauf aufweist als die Konjunkturlinie. Fragen wir uns, ob wir zu anderen Ergebnissen im Hinblick auf den Gleichgewichtsprozess kommen, wenn wir davon ausgehen, dass die Konjunkturlinie steiler verlaufe als die Zahlungsbilanzlinie.

 

Ausgangspunkt sei nun eine Kombination von Staatsausgaben und Zinssatz unterhalb des Schnittpunktes beider Linien. Dieser Ausgangspunkt liegt nach wie vor oberhalb der Konjunkturlinie (im inflationären Bereich) und unterhalb der Zahlungsbilanzlinie (im Bereich des DB-Überschusses). Der Staat wird deshalb seine Ausgaben reduzieren, die Notenbank hingegen wird den Zinssatz senken. Beide Maßnahmen bewirken eine Entfernung vom Gleichgewichtspunkt. Insofern findet also hier keine Tendenz zum Gleichgewicht statt:

 

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Literatur wird die Meinung geäußert, dass die Zahlungsbilanzlinie tatsächlich steiler verläuft als die Konjunkturlinie. Gehen wir vom Schnittpunkt beider Kurven aus und unterstellen ein Wachstum entlang der Konjunkturlinie. Staatsausgaben und Zinsen – so sei unterstellt - steigen. Da eine Bewegung entlang der Konjunkturlinie bedeutet, dass das Inlandsprodukt konstant bleibt, muss notwendigerweise auch der Leistungs­bilanzsaldo konstant bleiben.

 

Da aber der Zinssatz steigt und mit ihm der Kapitalbilanzüberschuss, könnte ein Devisenbilanzausgleich (Bedingung für eine Bewegung entlang der Zahlungsbilanzlinie) nur erzielt werden, wenn gleichzeitig der Leistungsbilanzsaldo im gleichen Umfang negativ werden würde.  

 

 

 

Welche Kritik wurde nun an der policy-mix-Strategie geübt?

 

Fragen wir uns, wovon denn die Steigung der Konjunkturlinie abhängt. Die Steigung der Konjunkturlinie hängt einmal von der Zinselastizität der Investitionen, zum andern von der Größe des Multiplikators ab. Je geringer der Investitionsrückgang aufgrund der Erhöhung des Zinssatzes ausfällt und je größer die multiplikative Wirkung der Steigerung in den Staatsausgaben ist, umso geringer ist der notwendige Zuwachs der Staatsausgaben, um die - durch Zinserhöhungen ausgelöste - restriktive Wirkung zu kompensieren. Damit sinkt jedoch die Wahrschein­lichkeit, dass die Konjunkturlinie flacher verläuft als die Zahlungs­bilanzlinie!

 

Wovon hängt nun die Steigung der ZB-Linie ab? Die Steigung wird bestimmt durch die Kapitalmobilität. Kapitalbewegungen werden jedoch auch durch Wechselkursspekulationen ausgelöst. Je geringer die Zinselastizität der Kapitalbewegung ist, umso höhere Zinserhöhungen sind notwendig. Eine Erfolg des policy-mix ist deshalb nur in einer keynesianischen Welt mit relativ geringen spekulativen Bewegungen zu erwarten.

 

 

 

Keynesianer gehen im Allgemeinen davon aus, dass die Zinselastizität gering, der Einkommensmultiplikator jedoch relativ hoch ist. In einer keynesianischen Welt wird man also erwarten können, dass die Konjunkturlinie relativ flach verläuft und dass deshalb die Chance, dass die Konjunkturlinie eine geringere Steigung aufweist als die Zahlungsbilanzlinie, relativ groß ist.

 

Die Steigung der Zahlungsbilanzlinie wird ihrerseits einmal dadurch bestimmt, wie hoch der Importzuwachs ist, der von einem Anstieg in den Staatsausgaben aufgrund der Einkommenssteigerung induziert wird, zum andern dadurch, wie groß die internationale Kapitalmobilität ist. Je geringer der Importzuwachs ausfällt und je flexibler die Kapitalmobilität auf Zinsänderungen reagiert, umso geringer ist der notwendige Zinsanstieg, um durch Kapitalimporte das Defizit in der Handelsbilanz auszugleichen. Umso steiler verläuft somit die Zahlungsbilanzlinie. Die Zinsreagibilität des gesamten internationalen Kapitalverkehrs hängt allerdings davon ab, welchen Anteil spekulative Kapitalbewegungen haben.

 

Je größer der Anteil der spekulativen Kapitalbewegungen am Gesamtkapitalverkehr ist, umso geringer reagiert der Kapitalstrom auf Zinsänderungen, umso höher müssen die Zinsänderungen ausfallen, um ein Defizit in der Handelsbilanz zu kompensieren und umso flacher verläuft deshalb die Zahlungsbilanzlinie.  Dies ist gleichbedeutend mit der Aussage, dass bei vorwiegend spekulativen Kapitalströmen die Chance sinkt, dass die Zahlungsbilanzlinie steiler verläuft als die Konjunkturlinie und dass deshalb die policy-mix-Strategie stabil ist.

 

 

 

Es wird oftmals die These vertreten, durch den policy-mix werde lediglich der eine Zielkonflikt durch einen anderen ersetzt. So würde der traditionelle Zielkonflikt (Außenwirtschaftspolitik versus Konjunkturpolitik) abgelöst durch einen Konflikt zwischen Konjunkturpolitik und Wohlfahrtspolitik. Langfristig sollten die Infrastrukturinvestitionen und damit das Defizit im Staatshaushalt mit dem wirtschaftlichen Wachstum ansteigen. Dies wird aber unter Umständen verhindert, wenn das Defizit des Staatshaushaltes nur an der kurzfristigen Konjunkturlage ausgerichtet wird.

 

Weiterhin komme es zu einem Konflikt zwischen dem Ziel der Währungsstabilität und dem Ziel der Wohlfahrts­politik. Langfristig sollte das Verhältnis des inländischen und ausländischen Zinssatzes dem internationalen Verhältnis der Kapitalproduktivität entsprechen. Wird der Zinssatz nur an dem kurzfristigen Ziel des Devisenbilanzausgleichs ausgerichtet, besteht die Gefahr, dass der Zinssatz nicht mehr die Kapitalproduktivität widerspiegelt.