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Geschichte der Ökonomie

 

 

 

 

 

 

Teil II Spezialgebiete der Lehrgeschichte

 

Gliederung:

 

 1. Methodenlehre

 2. Marktformenlehre

 3. Collective bargaining

 4. Wohlfahrtstheorie

 5. Verteilung: macro

 6. Geldtheorie

 7. Außenhandel

 8. Dynamische Theorie

 9. Konjunkturtheorie

                 10. Wachstumstheorie

 

 

 

5. Verteilung: macro

 

Gliederung:

 

1. Einführung

         2. Grundbegriffe

3. Ergebnisse

4. Folgerungen für die Lohnpolitik der Gewerkschaften

5. Die Kritik am Kaldor-Modell

6. Entwicklung einer allgemeinen Verteilungstheorie

7. Schlussfolgerungen aus dem allgemeinen Modell

 

 

1. Einführung

 

Bisher hatten wir uns im Zusammenhang mit Verteilungsfragen einzelwirtschaftlichen Theorien zugewendet. Wir hatten gesehen, dass die Neoklassik die Frage nach dem gleichgewichtigen Lohnsatz dadurch beantwortete, dass sie die allgemeine Markttheorie auch auf die Produktionsfaktoren angewandt hatte und aufzeigte, dass der Lohnsatz im Gleichgewicht dem Wertgrenzprodukt der Arbeit entspricht.

 

Wir hatten weiterhin gesehen, dass das Problem der Macht im Rahmen der Marktformenlehre angegangen wurde, so hatte John T. Dunlop die Gewerkschaften als Cournot’sche Monopolisten verstanden oder William Fellner die Theorie des bilateralen Monopols expressis verbis auch auf den Arbeitsmarkt übertragen.

 

Es gibt aber auch im Rahmen der Verteilungstheorie Fragestellungen, welche nur durch eine gesamt­wirtschaftliche Theorie geklärt werden können. Insbesondere gilt es zu klären, inwieweit die Determinanten der gesamten Volkswirtschaft auch die Einkommensverteilung zwischen Arbeitnehmern und Selbständigen bestimmen.

 

Hier wäre an und für sich die Theorie von John Maynard Keynes angesprochen. Leider spielt die Einkommensverteilung in  dem von Keynes entwickelten System nur eine untergeordnete Rolle. Keynes unterstellt in seinen Modellen eine Konstanz der Einkommensverteilung. Aber gerade diese Annahme ist problematisch, da sich ja die Lohnquote in sehr starkem Maße im Konjunkturverlauf ändert. Ich hatte schon an früherer Stelle darauf hingewiesen, dass Carl Föhl, der Hauptvertreter der sogenannten Deutsch-Keynesianer etwa zur gleichen Zeit, aber unabhängig von Keynes eine Kreislauftheorie entwickelt hat, welche gegenüber der Keynes’schen Lehre den Vorteil hat, dass auch die Einkommensverteilung neben dem Volkseinkommen und dem Preisniveau erklärt werden.

 

Erst Nicholas Kaldor hat dann sehr viel später im Jahre 1956 eine Verteilungstheorie entwickelt, wobei er die wichtigsten Grundannahmen der Keynes’schen Lehre übernommen hat. Genauso wie bei Keynes das Volkseinkommen aus den Investitions- und Sparentscheidungen abgeleitet wird, wird nun bei Kaldor auch die Einkommensverteilung aus den Nachfrageentscheidungen S und I abgeleitet. Dieser Theorie wollen wir uns nun zuwenden.

 

 

2. Grundbegriffe

 

Ausgangspunkt ist eine keynesianische Theorie. Die Theorie von J. M. Keynes kann nämlich alternativ zur Erklärung des Volkseinkommens oder der gesamtwirtschaftlichen Verteilung herangezogen werden. Als Theorie des Volkseinkommens wird eine gegebene Verteilung der Einkommen unterstellt, als Verteilungs­theorie wird von einem gegebenen Realeinkommen ausgegangen.

 

Fragen wir als erstes nach den Annahmen des Modells: Die Investitionsquote ist weitgehend durch die Konjunkturlage bestimmt und hängt nicht von der Einkommensverteilung ab. Die partielle Sparquote der Arbeitnehmer ist geringer als die der Gewinnempfänger, beide sind kurzfristig konstant. Das Realeinkommen ist wegen Überbeschäftigung konstant. Rückgänge in der Gesamtnachfrage wirken sich nur preismindernd aus; Nachfragezuwächse hingegen wirken nur preissteigernd.

 

Es bestehen folgende definitorische Beziehungen:

 

 

 

 

 


s: gesamtwirtschaftliche Sparquote  sl: Sparquote der Lohnempfänger  sg: Sparquote der Gewinnempfänger

L/Y: Lohnquote; G/Y: Gewinnquote

 

Die gesamtwirtschaftliche Sparquote (s) ergibt sich aus der Summe der Sparquote der Lohnempfänger (sl) und der Gewinnempfänger (sg), wobei die partiellen Sparquoten jeweils mit der Einkommensquote der betreffenden Einkommensbezieher gewichtet werden.

 

Wir berücksichtigen, dass die Lohnquote und Gewinnquote zusammen 1 (eins) ergeben, dass also die Lohnquote auch als ‚1 minus Gewinnquote‘ beschrieben werden kann:  

 

 

Formular

 

 

 

Da in beiden Termen auf der rechten Seite die Gewinnquote erscheint, können wir diese ausklammern und erhalten:

 

 

Formular

 

Die Lohnquote ist definiert als Lohnsumme (L) bezogen auf das Inlandsprodukt (Y), die Lohnsumme selbst wiederum entspricht dem Produkt aus Lohnsatz (l) und Arbeitsstundenzahl (A). Durch Umformulierung erhalten wir die Abhängigkeit der Lohnquote von dem Reallohnsatz und der Arbeitsproduktivität:

 

 

Formular

 

 

l: Lohnquote; lr : realer Lohnsatz  p: Arbeitsproduktivität A: Arbeitsstundenzahl  P: Preisniveau;

X: Reales Inlandsprodukt

 

Ausgangspunkt sei ein Diagramm, auf dessen Abszisse die Einkommensquoten (γ, λ) und auf dessen Ordinate die gesamtwirtschaftliche Sparquote (s) sowie die Investitionsquote (I/Y) abgetragen werden. Wir zeichnen zunächst die Investitionsquote ein, die parallel zur Abszisse verläuft, da annahmegemäß die Investitionsquote nicht von der Einkommensverteilung abhängt. Die gesamtwirtschaftliche Sparquote ergibt sich aus der oben genannten Definitionsgleichung. Der Schnittpunkt beider Kurven unterrichtet über die Einkommens­verteilung, bei der ein Gleichgewicht besteht. Die Graphik lässt sowohl die Höhe der gleichgewichtigen Gewinnquote (g0) sowie der Lohnquote (l0) ablesen.

 

 

 

Diese Graphik lässt auch erkennen, wie die Einkommensverteilung von der Höhe der Investitionsquote abhängt. Steigt die Investitionsquote, so erhöht sich auch die Gewinnquote. Da Vollbeschäftigung unterstellt wird, führt der Zuwachs in der Investitionsnachfrage zu Preissteigerungen, die sich in einer Erhöhung der Gewinnsumme und auch der Gewinnquote niederschlagen.

 

 

 

3. Ergebnisse

 

Die wichtigsten Ergebnisse dieser Theorie lauten: Der Schnittpunkt zwischen der Investitionskurve und der Sparkurve bestimmt die gleichgewichtige Einkommensverteilung. Nur Veränderungen in mindestens einer dieser beiden Reaktions­kurven führen zu einer Umverteilung der Einkommen. Investitionssteigerungen verbessern tendenziell die Gewinnquote, Erhöhungen in den partiellen Sparquoten die Lohnquote. Ein Anstieg der Sparquote der Lohnempfänger wirkt sich also lohnquotensteigernd aus.

 

 

 

Es besteht eine Tendenz zu diesem Gleichgewicht. Ist z. B. die tatsächliche Gewinnquote größer als die-jenige, die Gleichgewicht garantiert, so besteht ein Sparüberhang. Dieser führt zu Preissenkungen und damit zu einer Reduzierung in der tatsächlichen Gewinnquote. Ein Überhang in der Investitionsquote tritt jedoch ein, wenn die tatsächliche Gewinnquote kleiner ist als die gleichgewichtige. Der Nachfrageüberhang führt über Preissteigerungen zu einer Erhöhung der Gewinnquote, was einer Verminderung der Lohnquote und des Reallohnes entspricht.

 

 

 

 

4. Folgerungen für die Lohnpolitik der Gewerkschaften:

 

Nominallohnsteigerungen, die nicht von Produk­tivitäts­steigerungen begleitet sind, führen zu keiner Erhöhung der Lohnquote und des Reallohnes, sondern allein zu Preissteigerungen. Der Grund hierfür liegt darin, dass der Nachfrageüberhang nicht abgebaut wird und dass deshalb die Unternehmungen die Möglichkeit haben, die Lohnsteigerungen voll auf den Güterpreis abzuwälzen.

 

Eine Lohnquotensteigerung wäre zwar durch Senkung der Investitionsquote möglich, aber wegen der damit verbundenen Verminderung des Produktivitätswachstums würden in Zukunft Wachstumsverluste auftreten,

aufgrund derer auch das absolute Reallohneinkommen geringer ansteigen würde.

 

Wir unterstellen in einem ersten Fall, dass die Investitionsquote und mit ihr die Gewinnquote relativ gering sei. Wir tragen in einem Diagramm auf der Abszisse die Zeit ab und auf der Ordinate die Höhe des Lohneinkommens. Aufgrund der geringen Gewinnquote ist das absolute Lohneinkommen zu Beginn der Entwicklung relativ hoch. Da aber die Investitionsquote gering ist, ist auch die Wachstumsrate des Lohneinkommens relativ gering.

 

In einem zweiten Fall unterstellen wir eine hohe Investitions- und Gewinnquote. Zu Beginn der Entwicklung ist das Lohneinkommen relativ niedrig, wegen der höheren Investitionsquote steigt jedoch das Lohnein­kommen im Zeitablauf stärker an. Von einem bestimmten Zeitpunkt ab übersteigt das Einkommen im zweiten Fall das des ersten Falls.

 

 

 

 

Allein eine Erhöhung der Sparquote (der Arbeitnehmer) führt zu einer Erhöhung der Lohnquote, ohne  langfristige gesamtwirtschaftliche Negativwirkungen. Der Investivlohn stellt ein geeignetes Instrument der Gewerkschaften zur Realisierung ihrer verteilungspolitischen Ziele dar. Beim Investivlohn wird zwangsweise ein Teil des Lohnes für investive Zwecke reserviert und damit gespart.

 

 

5. Die Kritik am Kaldor-Modell

 

Die Investitionsquote nimmt in Wirklichkeit mit wachsender Gewinnquote zu; solange allerdings die Steigung der Investitionsfunktion geringer ist als die der Sparfunktion, gibt es immer noch ein stabiles Gleichgewicht. Die Annahmen über die partiellen Sparquoten können als weitgehend empirisch bestätigt angesehen werden.

 

 

 

Wäre allerdings die Steigung der Investitionsgeraden größer als die der Sparfunktion, ergäbe sich ein unstabiles Gleichgewicht, es gäbe also dann keine Marktkräfte, welche automatisch von einem beliebigen Ungleichgewicht aus zum Gleichgewicht hinführten.

 

 

 

Kurt W. Rothschild hat bezweifelt, dass Lohnsteigerungen keinen Einfluss auf die Einkommensverteilung ausüben könnten. Auf sehr lange Sicht würden Lohnsatzsteigerungen die Sparquote der Unternehmer erhöhen. Solange die Lohnsätze sehr niedrig seien, fehle es den Selbständigen an Anreiz zu sparen, da sie auch ohne Sparanstrengungen ihr Realeinkommen erhalten könnten. Steige nun der Lohnsatz, so sähen sich die Selbständigen gezwungen, mehr Kapital als bisher zu bilden, um auf diese Weise die durch Lohnsatz­steigerungen verursachten Einkommensverluste auszugleichen.

 

Rothschild räumt ein, dass allerdings von einer kritischen Lohnhöhe ab die Sparneigung der Selbständigen wieder zurückgehe, da die Selbständigen von der Vorstellung ausgingen, dass sich Sparen nicht mehr lohne. Im Übrigen bleibt Rothschild die Antwort auf die Frage schuldig, warum denn Lohnsatzsteigerungen überhaupt zu Einkommensverlusten der Selbständigen führen, da doch Lohnsatzsteigerungen zu einem Nachfrageüberhang auf den Gütermärkten führen und diese den Unternehmungen die Möglichkeit eröffnen, die Lohnkostensteigrungen voll auf den Güterpreis abzuwälzen.

 

Rothschild war darüber hinaus mit J. S. Duesenberry der Auffassung, dass ein vermehrtes Sparen der Selbständigen auch die Arbeitnehmer dazu verleite, dieses Verhalten nachzuahmen und ebenfalls mehr zu sparen. Damit würde jedoch mit der Erhöhung der Sparquote der Arbeitnehmer die Lohnquote im Gleichgewicht steigen. Kritisch muss jedoch angemerkt werden, dass diese Schlussfolgerung nur gültig wäre, wenn Lohnsatzsteigerungen allein ohne Zwang auch tatsächlich die Sparquote der Selbständigen anheben würden.

 

Luigi L. Pasinetti hat weiterhin Kritik an dem von Kaldor entwickelten Verteilungsmodell geübt, da dann, wenn die Arbeitnehmer ebenfalls sparen und somit Kapital bilden, die Arbeitnehmer neben dem Lohn­einkommen zusätzlich ein Zinseinkommen erhalten. In diesem Falle müssen jedoch die bisherigen Ergebnisse korrigiert werden. Betrachten wir hierzu nochmals die Definitionsgleichung für s:

 

 

Wir haben nun davon auszugehen, dass sich die Sparquote der Arbeitnehmer auf die Summe von Lohneinkommen und Zinseinkommen der Arbeitnehmer bezieht, während die Sparquote der Selbständigen lediglich auf den Teil des Kapitaleinkommens bezogen wird, welcher den Selbständigen zufließt. Dies bedeutet, dass wir in unseren Diagrammen auf der Abszisse nicht mehr die gesamte Zinseinkommensquote, sondern nur noch den Zinsanteil abtragen, welcher den Selbständigen zufließt. Ansonsten können die Ergebnisse des Grundmodells übernommen werden, wobei allerdings das Spar- und Investitionsverhalten nun nicht mehr die Lohnquote, sondern die Einkommensquote der Arbeitnehmer bestimmt.

 

Die wohl wichtigste Kritik an dem Kaldor-Modell besteht in der Annahme, das Realeinkommen bleibe konstant. In Wirklichkeit ist das Realeinkommen nur in Zeiten der Überbeschäftigung konstant. Hier ist wegen Vollauslastung der Kapazitäten keine Zunahme der realen Gütermenge und damit auch keine Realein­kommenssteigerung möglich, Nachfragesteigerungen verpuffen in Preissteigerungen. Diese Annahme kann jedoch nicht auch für Situationen gemacht werden, in denen Unterbeschäftigung herrscht. In diesem Falle verändern Nachfragevariationen sehr wohl auch das Realeinkommen, also handelt es sich bei dem Kaldor-Modell um kein generelles, für alle Konjunkturphasen gültiges Modell. Berücksichtigen wir jedoch Variationen im Realeinkommen, so ist die Einkommens­verteilung im Kaldor-Modell unbestimmt. Wie lässt sich nun diese Unbestimmtheit überwinden?

 

 

6. Entwicklung einer allgemeinen Verteilungstheorie

 

Ausgangspunkt ist eine Sparfunktion, welche von der Einkommenshöhe (Y) und zusätzlich von der Gewinn-quote (γ) abhängt. Wir erhalten auf diese Weise eine ganze Schar von Sparfunktionen  S=f(Y, γ), wobei die Sparfunktion umso höher liegt, je höher die Gewinnquote ist. Einer höheren Gewinnquote entspricht ein geringeres Inlandsprodukt im Gleichgewicht.

 

Das keynesianische Grundmodell kann nun in zwei Varianten betrachtet werden: Keynes selbst ging davon aus, dass die Einkommensverteilung kurzfristig konstant ist, so dass sich die Schar der Sparfunktionen zu einer einzigen Sparfunktion reduziert. Wir erhalten einen Schnittpunkt, der die Höhe des Gleichgewichts­einkommens markiert. Oder aber man kann mit Kaldor von einem gegebenen realen Inlandsprodukt ausgehen. In diesem Falle schneidet nur eine Sparfunktion die Investitionsgerade bei Vollbeschäftigung und damit wird die Einkommensverteilung, die dieser Sparfunktion entspricht, bestimmt.

 

 

Betrachten wir hierzu das Kaldor-Modell etwas ausführlicher:

 

In einem neuen Diagramm, auf dessen Abszisse das Inlandsprodukt und auf dessen Ordinate die Gewinnquote abgetragen wird, zeichnen wir nun diese Beziehung zwischen Inlandsprodukt und Gewinn­quote ein. Wir erhalten auf diese Weise eine negativ geneigte Nachfragekurve der Einkommens­verteilung.

 

Eine Abnahme des Einkommens führt zunächst zu einer Abnahme der Ersparnis. Bei gleichbleibender Investition entsteht ein Nachfrageüberhang, der eine Zunahme des Preisniveaus und damit auch der Gewinnquote auslöst. Da die Nachfragefaktoren die Einkommensverteilung nicht mehr eindeutig determi­nieren, bedarf es zur Klärung der Verteilung zusätzlich der Kenntnis der Angebotsfaktoren.

 

 

 

Es bedarf also zusätzlich zur Nachfragefunktion der Einbeziehung angebotstheoretischer Zusammenhänge.

Einen solchen Zusammenhang liefert z. B. die Grenzproduktivitätstheorie. Danach hängt die Aufteilung des Gesamteinkommens vom Verlauf der Produktionsfunktion ab.

 

Wir tragen auf der Ordinate die Stückkosten, auf der Abszisse die Produktmengen ab, wobei zunächst die Produktmengen der Unternehmung mit den geringsten, dann mit den zweitgeringsten Stückkosten usw. abgetragen werden. Wir erhalten auf diese Weise eine aufsteigende Kostenkurve und für jede Gütermenge einen Gewinn, der sich aus der Differenz zwischen Umsatz (P*X) und Kosten (dem Integral unterhalb der Kostenkurve) ergibt. Diese Kurve wird zu Ehren von Enrico Barone als Baronekurve bezeichnet.

 

 

Diese Beziehungen lassen sich nun in das Verteilungsdiagramm als eine positiv geneigte Angebotskurve einzeichnen. Einem steigenden Inlandsprodukt entspricht eine immer höhere Gewinnquote bei entspre­chender Krümmung der Kostenkurve. Der Schnittpunkt zwischen Nachfrage- und Angebotskurve determiniert das Inlandsprodukt und die Einkommensverteilung im Gleichgewicht.

 

 

 

 

7. Schlussfolgerungen aus dem allgemeinen Modell

 

Fragen wir uns nun, wie sich die aus dem von  Kaldor entwickelten Ergebnisse verändern, wenn wir ein allgemeines Modell zugrunde legen. Als erstes wollen wir den von Kaldor unterstellten Sonderfall, das reale Einkommen bleibe konstant, in unser generelles Schema integrieren:

 

 

 

 

 

 

Befassen wir uns kurz mit dem Sonderfall, dass die Parameter der Cobb-Douglas-Funktion dazu führen, dass die Gewinnquote γ konstant bleibt.

 

 

 

 

Die Realisierung des verteilungspolitischen Zieles geht hier jedoch auf Kosten der Vollbeschäftigung und des Wachstums. Die Folgerungen für eine Lohnpolitik müssen nun modifiziert werden: Eine Barlohnpolitik bleibt nach wie vor erfolglos. Wenn die Notenbank die notwendige Geldmenge zur Verfügung stellt, kommt es zu Preissteigerungen, sonst zu Beschäftigungsrückgängen. Eine Investivlohnpolitik ist in Zeiten der Überbeschäftigung allerdings effizient; auch sind hier keine negativen Sekundärwirkungen auf Preisniveau und Beschäftigung zu erwarten.

 

In Zeiten der Unterbeschäftigung führt ein Investivlohn zwar immer noch zu einer Steigerung der Lohnquote, sofern die Produktionselastizität in Bezug auf die Arbeit mit wachsender Produktion zurückgeht. Eine Investivlohnpolitik würde jedoch die wachstums- und beschäftigungspolitischen Ziele gefährden. Unterstellen wir eine Cobb-Douglas-Produktionsfunktion, so bleibt die Einkommensverteilung konstant und es sind hier nur negative Effekte auf Wachstum und Beschäftigung zu befürchten. Fragen wir uns zunächst nach der Bedeutung einer Investivlohnpolitik unter Vollbeschäftigungsbedingungen:

 

 

 

 

Wenn wir allerdings die Möglichkeit von Unterbeschäftigung mitberücksichtigen, gelangen wir zu folgenden Ergebnissen:

 

 

Wir wollen nun eine Cobb-Douglas-Produktionsfunktion unterstellen und fragen, wie sich unter diesen Bedingungen eine Investivlohnpolitik auswirkt:

 

Es bestehen nun folgende verteilungspolitischen Alternativen zur Investivlohnpolitik: Verteilungspolitische Erfolge könnten in einer solchen Situation nur dann erreicht werden, wenn es gelänge, über eine geeignete Einkommensstrategie die Angebotskurve zu senken. Dies wäre erstens möglich durch Einführung einer inve--stiven Gewinnbeteiligung; auf diese Weise würde nämlich das allgemeine Unternehmungsrisiko im Vergleich mit dem Investivlohn gesenkt, da die an die Arbeitnehmer auszuzahlende Gewinnbeteiligungs­summe von der Gesamtgewinnsumme abhängt. Damit sinkt auch die Mindestrendite, die von den Unterneh­mungen erwartet wird, um eine Produktion aufzunehmen.


 

 

Eine Ausweitung des unternehmerischen Wettbewerbes kann zweitens zu einer Steigerung der Lohnquote führen, sofern auf diese Weise die Kostenunterschiede von Betrieb zu Betrieb abgebaut werden. Die Angebotskurve verläuft in diesem Falle flacher, die Gewinnquote sinkt. Allerdings wirkt sich zunehmender Wettbewerb in zweierlei Weise auf die Steigung der Angebotskurve aus:

 

Auf der einen Seite werden die zunächst weniger produktiven Unternehmungen gezwungen, durch Ra-tionalisierungen ihr Kostenniveau an das Kostenniveau der produktivsten Unternehmungen anzupassen; dies führt tendenziell zu einer Verringerung der Steigung in der Angebotskurve. Auf der anderen Seite entstehen gerade über den Wettbewerb auch wiederum neue Kostenunterschiede, da jeder Unternehmer unter dem Zwang steht, billiger zu produzieren als die Konkurrenten.

 

 

 

Wird die Angebotskurve aufgrund des Imitationsdruckes flacher, hat das zur Folge, dass das Inlandsprodukt steigt, die Gewinnquote hingegen sinkt, was gleichbedeutend ist, dass die Lohnquote ansteigt.

 

 

Wenn nun zusätzlich die Nachfragekurve steigt z. B. weil ein Investivlohn eingeführt wird, steigt auf der einen Seite das Inlandsprodukt um ein weiteres, die Gewinnquote steigt jedoch wiederum geringfügig.

 

 

 

 

Wettbewerb erzeugt allerdings nicht nur einen Imitationsdruck, sondern auch einen Innovationsdruck. Die Unternehmer versuchen sich durch erneute Innovation in ihrer Position zu verbessern. Innovationen führen jedoch dazu, dass die Angebotskurve wiederum steiler verläuft und sich nach rechts unten verschiebt, da nur die qualifiziertesten Unternehmungen zu Innovationen fähig sind. 

 

 

 

Der Umstand, dass der Wettbewerb auch Innovationen auslöst und dass deshalb die Angebotskurve wiederum steiler verläuft, bewirkt schließlich, dass die Gewinnquote erneut steigt und das Inlandsprodukt wegen der negativ geneigten Nachfragekurve leicht zurückgeht: