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Geschichte der Ökonomie

 

 

 

 

 

 

Teil II Spezialgebiete der Lehrgeschichte

 

Gliederung:

 

 1. Methodenlehre

 2. Marktformenlehre

 3. Collective bargaining

 4. Wohlfahrtstheorie

 5. Verteilung: macro

 6. Geldtheorie

 7. Außenhandel

 8. Dynamische Theorie

 9. Konjunkturtheorie

        10. Wachstumstheorie

 

2. Marktformenlehre Fortsetzung

 

 

Gliederung:

 

1. Problemstellung

 

2. Maßstäbe

2a. vollkommene Konkurrenz

2b. Verhaltensweisen

2c.  Marktmorphologie

2d. Elastizität

 

3. Auswirkungen

3a. Das Cournot‘sche Monopol

3b. Das Nachfragemonopol

3c. Das Oligopol dargestellt anhand des Duopol

3d. Unabhängigkeitsposition im Duopol

3e. Das bilaterale Monopol

3f. Robinson: langfristige Gewinnminderung

3g. Die geknickte Nachfragekurve

 

4. Ursachen

 

 

 

3c. Das Oligopol dargestellt anhand des Duopol

 

Wir wollen uns nun der Frage zuwenden, wie sich der Gleichgewichtsprozess gestaltet, wenn auf der Angebotsseite wenige mittlere Anbieter, auf der Nachfrageseite jedoch wiederum viele kleine Nachfragende vorhanden sind, mit anderen Worten, wenn wir die Marktform des Angebotsoligopol unterstellen können. Um die Zusammenhänge nicht zu sehr zu verkomplizieren, wollen wir von einem Duopol ausgehen, also annehmen, dass lediglich zwei mittlere Unternehmer das Angebot bestreiten. Es war unter anderem Heinrich von von Stackelberg, aber auch schon Antoine Augustin Cournot, welcher die Preisbildung im Duopol beschrieben hatte.

 

Wenn sich zwei Anbieter in den Markt teilen, so können die einzelnen Unternehmungen nicht mehr wie beim Angebotsmonopol von einer vorgegebenen (also konstant bleibenden) Preis-Absatzkurve ausgehen. Der Absatz hängt nämlich nun nicht nur von dem Preis ab, den der jeweilige Unternehmer selbst verlangt, sondern darüber hinaus auch von der Preispolitik seines Konkurrenten. Wir können davon ausgehen, dass bei gegebenem Preis eines Unternehmers A die Absatzmenge umso größer ausfällt, je höher der Preis des Konkurrenten B ist. Erhöht nämlich der Konkurrent B seinen Preis, werden dessen Kunden zum Teil zum Unternehmer A abwandern.

 

Dies bedeutet, dass wir jedem möglichen Preis des Konkurrenten B eine Preis-Absatz-Funktion des Unternehmers A zuordnen können, wobei sich die Preis-Absatzfunktionen umso mehr vom Koordinatenursprung entfernen, je höher der Preis des Konkurrenten B ist. Betrachten wir diese Zusammenhänge anhand folgender Graphik, wobei wir auf der Abszisse den Absatz des Unternehmers A und auf der Ordinate dessen Preis  abtragen.

 

 

 

Nun lässt sich aus dieser Graphik zeigen, welche Preisänderungen Unternehmer A vornimmt, wenn Konkurrent B seine Preise ändert. Wir unterstellen hier, dass Unternehmer A auf die Preispolitik von B selbst mit Preisänderungen reagiert. Unterstellen wir hierzu, dass der Konkurrent B seinen Preis auf p1 festsetzt. Es gilt also die diesem Preis p1 zugeordnete Nachfragefunktion f(p1). Entsprechend den Ausführungen im Zusammenhang mit der Darstellung des Cournot’schen Monopols ergibt sich für den Unternehmer A ein ganz bestimmter Preis pA1, bei dem dieser Unternehmer seinen Gewinn maximiert. Es ist dies der Schnittpunkt der Grenzkostenkurve mit der Grenzerlös­kurve, welche aus der Nachfragefunktion f(p1) abgeleitet wurde.

 

 

 

 

In gleicher Weise können wir nun für jeden anderen Preis des Konkurrenten B den Preis des Unternehmers A ableiten, bei dem dieser seinen Gewinn maximiert. Übertragen wir diese Beziehungen zwischen den Preisen beider Unternehmer, so erhalten wir eine neue Kurve, welche uns darüber unterrichtet, welchen Preis Unternehmer A bei alternativen Preisen seines Konkurrenten B verlangt. In diesem neuen Diagramm tragen wir auf der Abszisse den Preis des Konkurrenten B p1…4, auf der Ordinate den Preis des Unternehmers A pA1…4 ab.

 

Wie sich aus unserer Graphik ergibt, ist diese Anpassungskurve des Unternehmers A positiv geneigt: Einem wachsenden Preis des Konkurrenten B entspricht auch ein wachsender Preis des Unternehmers A.

 

 

 

In gleicher Weise können wir auch eine Anpassungskurve des Unternehmers B konstruieren. Auch hier können wir davon ausgehen, dass der Unternehmer B auf die Preissetzungen von Unternehmer A reagiert und dass auch für den Unternehmer B gilt, dass er sein Gewinnmaximum dann erreicht, wenn er eine Preissteigerung beim Konkurrenten ebenfalls mit einer Preisanhebung beantwortet.

 

Wir erhalten also eine zweite ebenfalls positiv geneigte Anpassungskurve. Wir wollen nun unterstellen, dass sowohl die Preis-Absatzfunktion wie auch die Grenzkostenkurve des Unternehmers B von den entsprechenden Kurven bei Unternehmung A abweichen, mit der Folge, dass die Anpassungskurve des Unternehmers B  eine andere Steigung aufweist als die Anpassungskurve von Unternehmer A. Es sei unterstellt, dass die Steigung der Anpassungskurve von B höher ist als die der Anpassungskurve von A. Wir erhalten auf diese Weise einen Schnittpunkt beider Anpassungskurven. Dieser Schnittpunkt besagt, dass die Anpassungsprozesse beider Unternehmungen ein Gleichgewicht bei dem Preis pg  des Unternehmers B und bei dem Preis pAg des Unternehmers A finden.

 

Fragen wir uns kurz, ob wir auch eine Tendenz zu diesem Gleichgewicht erwarten können.

 

 

 

Gehen wir davon aus, dass Unternehmen B einen Preis pg‘ gewählt habe. Er stellt fest, dass Unternehmen A einen wesentlich höheren Preis verlangt als von B unterstellt. Deshalb ist es für ihn vorteilhaft, auch einen höheren Preis zu verlangen. Damit bewegt er sich jedoch auf das Gleichgewicht zu. Da der Preis des Konkurrenten solange höher ausfällt als von ihm selbst unterstellt, wird Unternehmen B mit den Preissteigerungen solange fortfahren, bis der Gleichgewichtspunkt pg erreicht ist.

 

Ähnliche Überlegungen gelten mutatis mutandis für den Fall, dass Unternehmung B von dem Preis pg‘‘ ausgeht. Hier stellt Unternehmung B fest, dass der Preis von A niedriger ist als angenommen, also ist es für ihn lohnend, auch seinen Preis zu senken. Wiederum nähert er sich damit dem Gleichgewichtspunkt an.

 

 

3d. Unabhängigkeitsposition im Duopol

 

Bei unseren bisherigen Überlegungen gingen wir von einem durchaus friedlichen Konkurrenzkampf der beiden Duopolisten aus. Beide passten sich jeweils der durch die Preispolitik des Konkurrenten gesetzten Situation an und erreichten schließlich eine stabile Position.

 

Diese Annahme ist keinesfalls selbstverständlich. Beide Duopolisten könnten auch einen ruinösen Konkurrenz­kampf  führen, mit der Absicht, den Konkurrenten aus dem Markt zu drängen. Diese Situation wurde von Arthur Lyon Bowley beschrieben, der eine Arbeit über das Duopol veröffentlicht hat, in dem die Marktpartner eine Unabhängigkeits­position einnehmen. Diese schlägt sich in unserem Diagramm so nieder, dass jeder Partner seinen Preis unabhängig vom Preis des Konkurrenten festlegt. Dies bedeutet, dass die Reaktionskurven der Unternehmung von A parallel zur Abszisse, diejenige der Unternehmung B parallel zur Ordinate verlaufen. Die Marktlage ist instabil.

 

Es ist klar, dass bei einer solchen Preispolitik kein Gewinnmaximum erzielt wird, ja wir müssen sogar davon ausgehen, dass die Marktpartner Verluste einfahren. Sie nehmen diese Verluste in Kauf, weil sie hoffen, auf diesem Wege den Konkurrenten aus dem Markt zu drängen und dann als Monopolist den Preis so stark erhöhen zu können, dass die Verluste der Gegenwart überkompensiert werden.

 

Werden Verluste erzielt, schmilzt das Vermögen der Marktpartner dahin, jeder hofft, dass er einen etwas längeren Atem hat als sein Konkurrent und deshalb diesen Machtkampf überstehen kann.

 

 

3e. Das bilaterale Monopol

 

Wir wollen uns nun der Theorie des bilateralen Monopols zuwenden. Wenn man will, finden sich erste Ansätze zu einer Theorie des bilateralen Monopols bereits in den Anfängen der Neoklassik, da zumeist die Ausführungen zur Preisbildung mit einem isolierten Tausch zwischen zwei Personen beginnen. Die heute in den Lehrbüchern übliche Darstellung bezieht sich zumeist auf die Ausführungen Edgeworth im Zusammenhang mit der Entwicklung von Indifferenzkurven. Da das wohl häufigste Beispiel für bilaterale Monopole in der Realität die Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverband sein dürften, wollen wir hier ein bilaterales Monopol auf dem Arbeitsmarkt besprechen, wobei es vor allem William J. Fellner zu verdanken ist, die Theorie des bilateralen Monopols auf den Arbeitsmarkt übertragen zu  haben.

 

Zu den wichtigsten Annahmen dieses Modells zählen: Die Unternehmer versuchen ihren Gewinn zu maximieren und die Arbeitnehmer sind bestrebt, ihren Nutzen ­zu maximieren. Das bilaterale Monopol zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es im Gegensatz zur vollständigen Konkurrenz, aber auch dem Monopol oder Oligopol keinerlei Anreize zu ganz bestimmten Verhaltensweisen ausübt. In der Marktform des bilateralen Monopols können sich die Beteiligten wie Mengenanpasser oder wie Cournot’sche Monopolisten verhalten; sie können sich auch als Optionsfixierer orten. Von Optionsfixierung spricht man immer dann, wenn der eine Marktpartner den anderen vor die Wahl stellt, einen bestimmten Preis sowie eine bestimmte Menge zu akzeptieren oder ganz auf den Tausch zu verzichten.

 

Die in Tarifverhandlungen am häufigsten durchgesetzte Strategie liegt jedoch in der schrittweisen Verhandlungs­führung: In einem ersten Schritt einigt man sich über die Fragen, in denen man sich bereits einig ist. In den darauf folgenden Schritten wird nach Lösungen gesucht, welche gegenüber der ersten vorläufigen Einigung beiden Partnern noch Vorteile verschaffen. Die Tarifverhandlung findet dann ihr Ende, wenn keine Lösungen mehr gefunden werden können, die beiden Partnern eine Wohlfahrtssteigerung in Aussicht stellen, wenn mit anderen Worten jeder weitere Schritt zumindest einem der Partner einen Nachteil gegenüber den bisher gefundenen Lösungen bringen würde.

 

Wir entwickeln zunächst das Grundmodell: Wir gehen aus von einem Diagramm, auf dessen Abszisse die Arbeitsmenge (A) und auf dessen Ordinate der Lohnsatz (l) abgetragen wird. Wir zeichnen in dieses Diagramm eine Schar von Isogewinnkurven ein. Diese gehen von der durchschnittlichen Arbeitsproduktivitätskurve aus. Die Kurve der durchschnittlichen Arbeitsproduktivität entspricht hier der Isogewinnkurve IGo, da genau dann, wenn die Unternehmer den Arbeitgebern jeweils einen Lohnsatz in Höhe der Arbeitsproduktivität gewähren, ex definitione kein Gewinn entsteht.

 

Ausgehend von dieser Isogewinnkurve IGo können wir jeder möglichen Gewinnsumme eine andere Isogewinn­kurve zuordnen, indem wir die Isogewinnkurven nach unten verschieben. Die Differenz zwischen Arbeitsproduktivität und Lohnsatz gibt dann den jeweiligen Stückgewinn wieder.

 

In analoger Weise können wir eine Schar von Isonutzenkurven der Arbeitnehmer konstruieren. Wir gehen von einer Isonutzenkurve aus, die gerade dem Existenzminimum entspricht. Von dieser Isonutzenkurve Ino ausgehend können wir wiederum eine ganze Schar weiterer Isonutzenkurven konstruieren, welche einen höheren Nutzen bringen, indem wir die Nutzenkurven nach oben verschieben.

 

 

 

Wir unterstellen nun, dass beide Tarifpartner mit einer Kombination von Lohnsatz und Arbeitsmengen beginnen, die beiden Gruppen Nutzenvorteile bringen. Dies sei in der folgenden Graphik Punkt P1. Durch diesen Punkt geht sowohl eine Isogewinnkurve als auch eine Isonutzenkurve.

 

Beide Kurven umschließen eine Fläche, deren sämtliche Punkte beiden Partnern Nutzenzuwächse bringen. Wir können somit unterstellen, dass die Tarifpartner sich auch auf einen weiteren Punkt P2 einigen, der innerhalb dieser Fläche liegt. Da auch durch diesen neuen Punkt wiederum genau eine Isogewinn- und Isonutzenkurve geht und beide Kurven wiederum eine Fläche umschließen, gibt es im Allgemeinen weitere Punkte, auf die sich beide Tarifpartner einigen können.

 

Dieser Prozess findet erst dann ein Ende, wenn sich die durch diesen Punkt gehenden Isokurven tangieren. Denn in diesem Falle führt jede Bewegung weg von diesem Punkt zu einem Zustand, indem mindestens ein Partner Nutzenverluste erleidet.

 

 

Die Tarifpartner hätten sich allerdings auch mit einem ganz anderen Vorschlag in einem ersten Schritt einigen können. Unterstellen wir, dass an die Stelle des Einigungspunktes P1 die erste Einigung bei einem Punkt P1´ getreten wäre, der in unserem Diagramm unterhalb des Punktes P1 liegt.

 

Auch von diesem Anfangspunkt hätte es eine Folge von weiteren Einigungspunkten gegeben, die alle schließlich mit einer Kombination von l und A geendet hätten, bei der eine Isonutzenkurve eine Isogewinnkurve tangiert hätte. Dieser endgültige Einigungspunkt wäre in unserem Diagramm bei einem wesentlich niedrigeren Lohnsatz gelegen. Beide Einigungspunkte würden jedoch bei der gleichen Arbeitsmenge  liegen. 

 

Man könnte von einer weiteren Vielzahl von anfänglichen Einigungspunkten ausgehen, alle würden sich im Lohnsatz unterscheiden und alle würden jedoch bei der gleichen Arbeitsmenge liegen. Diese neuen möglichen Vertragspunkte liegen somit auf einer Parallelen zur Ordinate.

 

Diese Aussage ist identisch mit der Feststellung, dass alle endgültigen Einigungspunkte die gleiche Allokation herbeiführen. Auch die Einigung, die bei beiderseitiger Mengenanpassung (Konkurrenz) erzielt worden wäre, liegt auf dieser Einigungslinie. Da bei Konkurrenz das allokative Optimum erreicht wird, ist eine Verhandlungs­strategie somit allokationsneutral. 

 

 

 

Folgende Schlussfolgerungen können gezogen werden: Der Lohn kann nicht unter das Existenzminimum sinken und nicht über den Durchschnittsertrag ansteigen.

 

 

Auf der Verhandlungslinie erfolgt keine Determination. Die Höhe des Gleichgewichtslohnes wird von der Höhe des Anfangslohnes bestimmt. Das Ergebnis ist allokations­neutral, da die Beschäftigung immer gleich  hoch ist. Der empirische Gehalt dieser Theorie ist jedoch gering.

 

Es wurde die Frage diskutiert, ob eine Determination des Lohnsatzes durch Einführung einer Gerechtigkeitskurve erreicht werden könnte? Man geht hierbei von der Annahme aus, dass beide Tarifpartner Vorstellungen darüber haben, bei welcher Lohnhöhe und bei welcher Beschäftigungsmenge ein fairer Kompromiss, eben eine gerechte Lösung erreicht wird. So könnte man z. B. von der Annahme ausgehen, eine gleiche Aufteilung des Durchschnittsertrages in einen Arbeitnehmer- und in einen Unternehmeranteil gelte als gerecht. In diesem Falle kämen wir zu der Gerechtigkeitskurve dadurch, dass wir von der Durchschnittsertragskurve ausgehen und für jeden  Abszissenwert 50% des Durchschnittsertrages wählen würden.

 

 

Weiter stellt sich die Frage, ob Nutzen- und Produktionsfunktionen wirklich homogen linear verlaufen?   Üblicherweise wird ein abnehmender Grenznutzen des Einkommens unterstellt, in diesem Falle ist die Nutzenfunktion nicht mehr homogen (homothetisch) linear! In diesem Falle verläuft aber auch die Kontraktkurve nicht mehr parallel zur Ordinate und dies bedeutet, dass das Ergebnis nicht mehr allokationsneutral  ist.

 

Es ist auch zu kritisieren, dass alle politischen Bestimmungsgründe vernachlässigt werden. Es wird nur festgestellt, dass der Lohnsatz, auf den sich die Tarifpartner im ersten Schritt einigen (Anfangslohn), letztendlich auch den Lohnsatz zum Abschluss der Verhandlungen bestimmt. Wovon jedoch der Anfangslohn bestimmt wird, bleibt unklar.

 

Es fragt sich weiterhin, ob eine einseitige Monopolisierung tatsächlich eine optimale Strategie darstellt. Der Cournot-Punkt (Gewinnmaximierung bei Angebotsmonopol) liegt diesseits der Verhandlungslinie. Dies bedeutet, dass durch den Cournot-Punkt eine Isogewinn- und eine Indifferenzkurve gehen, welche zusammen eine Fläche umschließen, wobei jeder Punkt innerhalb dieser Fläche für beide Partner  Wohlfahrtssteigerungen ermöglicht. Also gibt es für beide Gruppen, auch für den Angebotsmonopolisten, bessere Lösungen als der Cournot-Punkt.

 

 

 

 

 

 

3f. Robinson: langfristige Gewinnminderung

 

Joan Robinson verdanken wir den Hinweis, dass monopolistischer Wettbewerb den Unternehmungen kurzfristig Gewinnzuwächse bringen kann, dass aber auf lange Sicht der Gewinn auf null absinkt. Betrachten wir hierzu untenstehende Graphik. Auf der Abszisse tragen wir die Gütermenge X, auf der Ordinate den Preis, den Grenzerlös sowie die Grenzkosten ab. Wir tragen in dieses Diagramm erstens die rot eingezeichnete Grenzkostenkurve ein. Da die Beweisführung nur bei einem klassischen Grenzkostenverlauf erfolgen kann, haben wir uns für eine zunächst sinkende und von einer bestimmten Ausbringungsmenge an steigende Grenzkostenkurve entschieden.

 

Zweitens zeichnen wir eine normale grüne Nachfragekurve ein und leiten von dieser drittens die blaue Grenzerlöskurve ab, so wie wir dies weiter oben gezeigt haben. Wir unterstellen, dass der betrachtete Unternehmer zunächst einen Preis pm1 und eine Ausbringungsmenge Xm1 erzielt. Dieser Preis liegt über dem Schnittpunkt zwischen der Grenzkosten- und der Nachfragekurve, sodass der Unternehmer einen Gewinn erzielt.

 

Der Umstand, dass in dieser Branche Gewinne erzielt werden können, bringt nun weitere Unternehmer auf den Plan, der Umstand dass der Wettbewerb zugenommen hat, führt zu einer Verminderung des Absatzes jedes einzelnen Unternehmers, da ein Teil der bisherigen Kunden zur Konkurrenz abgewandert ist. Dies bedeutet, dass sich die Nachfragekurve und mit ihr auch die Grenzerlöskurve in Richtung Koordinatenursprung verschiebt. Der neue Gleichgewichtspunkt liegt bei einem Preis pm2 und einer Absatzmenge Xm2. Wiederum liegt der Preis über dem Wettbewerbspreis, es werden weiterhin, wenn auch geringere Gewinne erzielt, es besteht deshalb nach wie vor ein Zuzug weiterer Unternehmungen.

 

Dieser Anstieg des monopolistischen Wettbewerbs führt dazu, dass die Nachfragekurve immer weiter nach links wandert. Dieser Prozess endet spätestens bei einem Preis pm3 und einer  Absatzmenge Xm3. In diesem Punkt tangiert die neue Nachfragekurve die Kurve der Grenzkosten, was gleichbedeutend ist, dass der Gewinn auf null abgesunken ist. Damit wird auch der Zuzug neuer Unternehmungen gestoppt, da ja jeder Gewinnanreiz verloren ging.

 

 

 

 

 

 

3g. Die geknickte Nachfragekurve

 

Robert L. Hall, Charles J. H. Hitch und Paul M. Sweezy entwickelten die Theorie der geknickten Preis-Absatz-Kurve, mit deren Hilfe gewisse Preisrigiditäten erklärt werden können. Ausgangspunkt bildet wiederum ein Diagramm, auf dessen Abszisse wir die Absatzmenge X und auf dessen Ordinate wir den Preis des Gutes p sowie den Grenzerlös dE und schließlich die Grenzkosten dK abtragen.

 

Wir zeichnen in unser Diagramm erstens die Grenzkostenkurve ein, welche einen normalen, ansteigenden Verlauf aufweist, der Einfachheit halber stellen wir diese Kurve linear dar. Zweitens fügen wir die konjekturale Preis-Absatz-Funktion (Nachfragefunktion) hinzu. Sie hat einen fallenden Verlauf, weist allerdings – und die ist die neue Annahme – in dem augenblicklich realisierten Punkt (Xg, pg) einen Knick auf, das heißt, die Steigung dieser Kurve ist bei einer Ausweitung der Produktion steiler als dann, wenn der Absatz reduziert wird.

 

Wie lässt sich nun dieser Knick erklären? Der betrachtete Unternehmer A unterstellt, dass seine Konkurrenten B seiner Preispolitik folgen, wenn er seine Preise senkt. Die Konkurrenten werden der Preissenkung folgen, da sie sonst befürchten, Kunden an den Unternehmer A zu verlieren. Deshalb ist die Neigung im zweiten Teil des Astes der Preis-Absatz-Kurve groß.

 

Der Unternehmer A unterstellt weiterhin, dass seine Konkurrenten B ihren Preis konstant halten, wenn er seinen Preis heraufsetzt. Die  Konkurrenten erhoffen sich mit dieser Taktik, ihren Kundenstamm auch langfristig an sich zu binden und eventuell neue Kunden zu gewinnen. Diese Strategie der Konkurrenten B hat jedoch für die Preis-Absatz-Funktion von A zur Folge, dass weniger Kunden das Produkt kaufen als dann, wenn die Konkurrenten B ebenfalls ihren Preis erhöht hätten. Dies bedeutet, dass die Neigung der Preis-Absatzfunktion im ersten Ast geringer ist als im zweiten Ast, was gleichbedeutend damit ist, dass diese Funktion in dem augenblicklich verwirklichten Punkt (Xg, pg) einen Knick aufweist.

 

 

 

Leiten wir nun die Grenzerlöskurve von der Preis-Absatzfunktion ab, so entsteht in dem Punkt, der einen Knick aufweist, eine Unstetigkeitsstelle, soll heißen, dass die Grenzerlöskurve einen Sprung aufweist, also senkrecht nach unten weiterverläuft, wobei die Länge dieser Unstetigkeitsstelle davon abhängt, wie stark die Preis-Absatz-Funktion abknickt.

 

Wir wollen nun unterstellen, dass die Grenzkostenkurve in unserem Diagramm der rot durchgezeichneten Linie entsprochen habe und dass nun aufgrund von Datenänderungen die Grenzkosten gesenkt werden. Die neue Grenzkostenkurve entspreche nun der rot gestrichelten Kurve. Unser Diagramm zeigt, dass das Unternehmen auch nach der Senkung der Grenzkosten nach wie vor sein Gleichgewicht beim bisherigen Preis und damit auch bei der bisherigen Absatzmenge findet.

 

Obwohl also im Normalfall Kostensenkungen auch zu Preissenkungen führen, halten die Unternehmer hier ihren Preis konstant. Wenn nur die Stärke des Knicks und damit die Unstetigkeitsstelle groß genug ist, wird der Preis über längere Zeit konstant gehalten werden trotz kleinerer Veränderungen in den Wirtschaftsdaten.

 

Diese Preisfrigidität lässt sich nun in der Realität oftmals vor allem bei Markenfirmen beobachten. Sie versuchen ein Abwandern ihrer Kunden dadurch zu verhindern, dass sie bei ihren Kunden den Eindruck von Stabilität erwecken. Die Preisstabilität wird hier als Indiz auch für die Stabilität der Qualität angesehen.



4. Ursachen

 

Wir wollen zum Abschluss dieses Kapitels kurz auf die Frage eingehen, worin denn die Bestimmungsgründe dafür liegen, dass auf den einen Märkten vorwiegend intensiver Wettbewerb vorherrscht, während andere Märkte zu monopolistischen oder auch oligopolistischen Formen neigen.

 

Ein erster Grund dafür, dass wir in  der Realität oftmals monopolistische Marktformen antreffen, liegt oftmals darin, dass in der Vergangenheit der Staat solche Praktiken unterstützt hat. In dem Kapitel über den Merkanti­lismus haben wir gesehen, dass der Staat zur Förderung des wirtschaftlichen Wachstums von sich aus einzelnen Unternehmern ein Monopol (Regal) entweder zur Förderung bestimmter Rohstoffe oder zur Produktion und zum Vertrieb bestimmter Waren verliehen hat. Diese merkantilistische Praxis hat nun für sehr lange Zeit diesen Unternehmungen eine monopolistische Stellung verschafft.

 

Da nur den Unternehmungen erlaubt war, ein bestimmtes Produkt zu erzeugen, welche über das vom Staat verliehene Monopolrecht verfügten, konnte sich auch auf lange Sicht kein Wettbewerb bilden, es wäre aussichtslos gewesen, wenn andere Unternehmungen Anstrengungen unternommen hätten, um in diesen Markt einzudringen. Erst mit dem Entstehen des Liberalismus und der damit verbundenen Auflockerung des Unternehmerrechtes erhielten auch andere Unternehmungen das Recht, auf diesen Märkten zu produzieren und zu verkaufen.

 

Diese merkantilistische Industriepolitik wurde nun dadurch noch wesentlich verstärkt, dass der merkantilistische Staat die einheimische Produktion durch hohe Importzölle und andere Handelsbeschränkungen vor ausländischer Konkurrenz schützte. Angesichts eines solchen Zollschutzes konnten Unternehmungen, welche auf den Binnen­märkten eine Monopolstellung erlangt hatten, ihre Monopolmacht auch voll ausspielen, da sie keine Konkurrenz vom Ausland befürchten mussten.

 

Auch hier brachte die Freihandelsbewegung, welche der Liberalismus im ausgehenden 18. Jahrhundert einleitete, vorübergehend Entlastung und führte zu einem Erstarken des Wettbewerbs. Diese Freihandelsepoche wurde jedoch ab Mitte des 19. Jahrhunderts wieder weitgehend aufgehoben. Friedrich List hatte mit seiner Forderung nach Erziehungszöllen die geistige Voraussetzung für ein Wiedererstarken des Protektionismus gelegt und Otto von Bismarck hatte dann mit der Einführung von Getreide- und Stahlzöllen den europaweiten Startschuss für eine protektionistische Außenhandelspolitik gegeben. Der erste Weltkrieg hat selbst wiederum dazu beigetragen, dass diese Politik bis zum Ende des ersten Weltkrieges beibehalten wurde.

 

Unmittelbar nach Beendigung des ersten Weltkrieges gab es zwar im Rahmen des Völkerbundes Bemühungen, die protektionistischen Maßnahmen einzuschränken, diese Bemühungen wurden jedoch angesichts der Inflations­gefahren in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts und der Weltwirtschaftskrise Ende der zwanziger Jahre schnell wieder begraben, das Aufkommen des dritten Reiches sowie der zweite Weltkrieg taten ihr Übriges, um jeden Freihandel im Keim zu ersticken.

 

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gab es zwar Bemühungen in Richtung Freihandel, aber die Tatsache, dass die Havanna-Charta nicht ratifiziert wurde, gab auch hier wieder der aufkommenden Freihandelsbewegung einen starken Dämpfer. Im Rahmen des GATT-Abkommens wurden in zahlreicher Kleinarbeit einige Zölle und Kontingentierungen reduziert, aber erst mit dem Kennedy-Abkommen Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts fanden Zollsenkungen größeren Umfangs statt. Die beiden Ölkrisen Anfang und Ende der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts brachten erneut einen Rückschlag in der Ausweitung des Freihandels, in dem die meisten Staaten dazu übergingen, sogenannte nichttarifäre Außenhandelsbeschränkungen einzuführen.

 

Erst der Zusammenschluss der europäischen Staaten und eine weltweite Liberalisierung im Zusammenhang mit der Beendigung des Ost-West-Konfliktes brachte dann einen durchgehenden Abbau der meisten Handelsbe­schränkungen und in dessen Folge eine Globalisierung des Welthandels.

 

Mit dem Freihandel vergrößerte sich jedoch auch der Wettbewerb. Auch Unternehmungen, welche innerhalb einer Volkswirtschaft eine Monopolstellung erreichen konnten, waren nun nicht mehr in der Lage, ihre Machtposition auszunutzen, da sie bei jeder größeren Preissteigerung ihrer Produkte befürchten mussten, dass es nun ausländischen Unternehmungen gelingen würde, in den inländischen Markt einzudringen.

 

Vor allem Friedrich von Hayek hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die Macht der Unternehmungen auch dann beschnitten werden könnte, wenn sie zwar im Innern einer Volkswirtschaft eine Monopolstellung inne hätten, aber stets ausländische Konkurrenz befürchten müssten. Auch von einem potentiellen Wettbewerb gingen die der Konkurrenz zugedachten positiven Funktionen aus, es sei nicht so wichtig, welche Morphologie ein Markt aufweise, wichtig sei allein, dass über eine Offenhaltung aller Märkte gegenüber dem Ausland immer dann Wettbewerb entstehen könnte, wenn die Unternehmungen den Versuch unternehmen würden, ihre Machtposition auszuspielen. Es komme auf die potentielle und nicht auf die tatsächliche Wettbewerbsposition an.

 

Wie stark der Wettbewerb ist, hängt aber nicht nur allein vom Verhalten des Staates ab. So haben  vor allem William J. Baumol und andere darauf aufmerksam gemacht, dass die Wettbewerbsposition auch entscheidend davon abhängt, wie hoch die Einstiegs- und Ausstiegskosten der Unternehmungen sind.

 

Wettbewerb entsteht dadurch, dass immer dann, wenn bei der Produktion und dem Vertrieb von Waren Gewinne realisiert werden können, andere Unternehmungen einen Anreiz haben, in den Markt einzudringen und die Produktion ebenfalls aufzunehmen. Ob eine solche Konkurrenz zu befürchten ist, hängt nun entscheidend davon ab, inwieweit diese Newcomer über die Rohstoffe und über die Technologie verfügen, welche zur Aufnahme der Produktion notwendig sind. Hierbei hängt es davon ab, welche Einstiegskosten entstehen, ob sich die Aufnahme der Produktion für einen Newcomer lohnt. Hat er überhaupt nicht die Möglichkeit, bestimmte Rohstoffe oder Technologien zu übernehmen, so ist dies gleichbedeutend damit, dass die Einstiegskosten unendlich groß sind.

 

Ob ein Einstieg stattfindet, hängt dann davon ab, in welchem Verhältnis erwarteter Gewinn und Einstiegskosten stehen, wobei auch berücksichtigt werden muss, dass es sich bei den Gewinnaussichten immer nur um erwartete Werte handelt, so dass diese stets mit der Wahrscheinlichkeit gewichtet werden müssen, mit der ein Gewinn erwartet werden kann.

 

Genauso wie die Einstiegskosten darüber entscheiden, ob mit einer Zunahme der Anbieter und damit mit Konkurrenz zu rechnen ist, spielen auch die Ausstiegskosten eine entscheidende Rolle für die Frage nach dem Umfang des Wettbewerbes. Wenn eine Unternehmung jederzeit wiederum ohne größere Kosten die Produktion aufgeben kann, ist die Bereitschaft, in einen Markt einzusteigen größer als dann, wenn die beim Einstieg verursachten Kostenelemente (vor allem die Errichtung von kostspieligen Anlagen) nur mit großem Verlust weiterverkauft werden können.