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Geschichte der Ökonomie

 

 

 

 

 

 

Teil II Spezialgebiete der Lehrgeschichte

 

Gliederung:

 

 1. Methodenlehre

 2. Marktformenlehre

 3. Collective bargaining

 4. Wohlfahrtstheorie

 5. Verteilung: macro

 6. Geldtheorie

 7. Außenhandel

 8. Dynamische Theorie

 9. Konjunkturtheorie

        10. Wachstumstheorie

 

 

2. Marktformenlehre

 

 

Gliederung:

 

1. Problemstellung

 

2. Maßstäbe

2a. vollkommene Konkurrenz

2b. Verhaltensweisen

2c.  Marktmorphologie

2d. Elastizität

 

3. Auswirkungen

3a. Das Cournot‘sche Monopol

3b. Das Nachfragemonopol

3c. Das Oligopol dargestellt anhand des Duopol

3d. Unabhängigkeitsposition im Duopol

3e. Das bilaterale Monopol

3f. Robinson: langfristige Gewinnminderung

3g. Die geknickte Nachfragekurve

 

4. Ursachen

 

 

1. Problemstellung

 

Der Wettbewerb spielt sowohl für den Liberalismus wie auch für die Klassik eine zentrale Rolle. Dem Wettbewerb ist es nach Auffassung des Liberalismus sowohl in seiner älteren wie auch neueren Version zu verdanken, dass die allgemeine Wohlfahrt sehr viel besser garantiert wird als in staatlichen Planwirtschaften. Gleichzeitig sieht die Klassik wiederum in ihrer älteren als auch neueren Version im Wettbewerb die zentrale Größe, welche ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage ansteuert.

 

Piero Sraffa, der selbst zu den Neoklassikern zählt, hat nun die Auffassung vertreten, dass dem Wettbewerb nicht diese Bedeutung zukommen könne, da in der Praxis der Wettbewerb eher zu den Ausnahmen zähle. Folgerichtig wandte sich das Interesse im Rahmen der Wettbewerbstheorie immer mehr der Frage zu, welche Marktformen denn tatsächlich existieren, und wie die Gleichgewichtsprozesse auf den einzelnen Märkten verlaufen. In diesem Zusammenhange wurden vor allem drei Fragestellungen diskutiert:

 

In einem ersten Teil der Marktformenlehre ging es einfach um die Frage, mit welchen Maßstäben man das Vorhandensein oder auch nicht Vorhandensein von Wettbewerb denn messen könne.

 

Ein weiterer zweiter Teil der Marktformenlehre widmete sich der Frage, wie denn bei den unterschiedlichen Marktformen die Preisbildung genau ablaufe und wie weit sie sich von den ursprünglichen – einen vollständigen Wettbewerb unterstellenden – Marktmodellen unterscheide.

 

Ein letzter dritter Teil der Marktformenlehre ging der Frage nach, von welchen Bestimmungsgründen es denn abhänge, ob in  der Realität Wettbewerb herrsche oder sich Monopolformen entwickelt haben.

 

 

2. Maßstäbe

 

Beginnen wir mit der Frage, wie sich denn die einzelnen Marktformen voneinander unterscheiden lassen, mit welchen Maßstäben konkret überprüft werden kann, welche Marktform im Einzelnen vorliegt.

 

2a. vollkommene Konkurrenz

 

Als erstes wäre in diesem Zusammenhang zu klären, unter welchen Bedingungen denn von Wettbewerb in seiner reinsten Form gesprochen werden kann. Hierzu bildete man den Begriff der vollkommenen Konkurrenz. Voraussetzung dafür, dass man von vollkommenem Wettbewerb sprechen kann, liegt darin, dass alle Produzenten einer Ware Güter gleicher Qualität anbieten. Unterscheiden sich nämlich Produkte in ihrer Qualität, erlangt der einzelne Anbieter bereits eine gewisse monopolistische Position, er wird die Besonderheiten des von ihm angebotenen Gutes herausstellen und versuchen, auf dieser Grundlage für ihn bessere Bedingungen wie etwa einen höheren Preis zu erzielen.

 

Hierbei kommt es in Wirklichkeit noch nicht einmal in erster Linie darauf an, ob die Qualität zweier Waren objektiv gesehen, also tatsächlich identisch ist. Entscheidend ist vielmehr die Frage, ob zwei Waren aus der Sicht der potentiellen Käufer als identisch angesehen werden. Anders formuliert: Es darf keine sachliche Präferenz vorliegen, um von einer vollständigen Konkurrenz zu sprechen.

 

Das Vorhandensein bzw. Nichtvorhandensein von Präferenzen kann sich jedoch nicht nur auf die Qualität eines Gutes beziehen. Präferenzen können sich vielmehr erstens auf die Person des Anbieters beziehen, denken wir z. B. daran, dass ein gewisser Käufer einen ganz bestimmten Einzelhandelsladen bevorzugt, weil er mit dem Verkäufer oder auch nur mit einem Angestellten dieses Geschäftes befreundet ist oder weil er den Einkauf dazu benutzen will, ein kleines ‚Schwätzchen‘ abzuhalten. Hier sprechen wir von persönlichen Präferenzen. Es wäre auch denkbar, dass ein Konsument nur Eier von Hühnern kaufen will, die artgerecht aufgezogen wurden oder Waren deshalb nicht kauft, da sie im Ausland unter menschenun­würdigen Arbeitsbedingungen hergestellt wurden.

 

Präferenzen liegen aber auch vor, wenn eine bestimmte Ware zu einer ganz bestimmten Zeit nachgefragt wird, hier sind die Konkurrenzbeziehungen zu Waren der gleichen Qualität, die aber zu einem späteren Zeitpunkt erst angeboten werden können, bereits unterbrochen (= zeitliche Präferenz).

 

Schließlich können auch räumliche Präferenzen vorliegen, wenn die Güter gleicher Qualität an unterschied­lichen Orten angeboten werden und die Käufer bestimmte Waren einfach deshalb bevorzugen, weil sie näher zu ihrem Konsumort angeboten werden. Ein vollkommener Markt liegt somit nur dann vor, wenn die Waren die gleiche Qualität aufweisen, auf einem Marktplatz und damit sowohl am gleichen Ort wie zur gleichen Zeit angeboten werden und die Marktpartner ihre Kaufentscheidung allein von den Besonderheiten der Ware abhängig sein lassen.

 

Das Fehlen jeglicher Präferenzen ist vor allem deshalb für einen vollkommenen Markt von zentraler Bedeutung, da nur dann ein gleicher Preis für alle in Konkurrenz zueinander stehenden Waren erwartet werden kann, wenn es sich um Waren mit identischen Eigenschaften handelt. Nur in diesem Falle kann damit gerechnet werden, dass die einzelnen Anbieter keine Möglichkeit haben, den Preis zu ihren Gunsten zu beeinflussen, dass sich also der Preis allein danach bestimmt, dass Angebot und Nachfrage in Überein­stimmung gebracht werden.

 

 

2b. Verhaltensweisen


Während also bei der Unterscheidung zwischen einem vollkommenen und einem unvollkommenen Wettbe­werb vor allem auf die Qualität des Gutes (aus der Sicht des Käufers) abgehoben wird, wird bei dem Begriff des vollständigen und unvollständigen Wettbewerbs auf die Verhaltensweisen der Marktpartner abgehoben. Vor allem Edward H. Chamberlin hat sich dieser Definition bedient.

 

Ein Wettbewerb ist genau dann vollständig, wenn die Marktpartner, vor allem die Anbieter den Preis nicht zu beeinflussen suchen. Für sie ist der Preis ein Datum, er ist vorgegeben, er ergibt sich aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Liegt ein Angebotsüberhang vor, so sinkt der Preis, die Anbieter sind bereit, ihre Waren zu niedrigeren Preisen anzubieten, da sie befürchten, ohne ein solches Preisangebot auf ihren Waren sitzen zu bleiben. Werden jedoch mehr Waren nachgefragt als angeboten, so steigt der Preis. Hier sind es die Nachfrager, welche von sich aus zu einem höheren Preis bereit sind, da sie nun befürchten, ohne Zugeständnisse beim Preis leer auszugehen.

 

Wir können diesen Zusammenhang auch anhand der individuellen Nachfragekurve erläutern. Ist der Preis ein Datum, so bedeutet dies, dass die Nachfragekurve zu einer Parallelen zur Abszisse wird, es ist ein ganz bestimmter Preis gegeben und der Schnittpunkt der Preisgeraden mit der Angebotskurve gibt dann an, wie viel Mengen eines Gutes angeboten werden. Entscheidend ist, dass der Anbieter auch keine Absatzschwierig­keiten hat. Dass er nicht mehr verkauft als er tatsächlich verkauft, liegt nicht darin begründet, dass er zu dem vorgegebenen Preis nicht mehr absetzen könnte. Vielmehr wär eine Ausweitung seiner Angebotsmenge mit Gewinnschmälerungen verbunden. Wie die Graphik zeigt, wären bei einer Ausbringungsmenge, die jenseits des Schnittpunktes von Preisgeraden und Angebotskurve liegt, die Kostenzuwächse größer als die Erlöszuwächse. Wir erinnern uns hierbei, dass die Angebotskurve mit der Grenzkostenkurve zusammenfällt.

 

 

 

 

Gleiches würde mutatis mutandis für die Nachfrage gelten. Hier würde also bei vollständigem Wettbewerb die Angebotskurve parallel zur Abszisse verlaufen und der Schnittpunkt dieser Preisgeraden mit der Nachfragekurve würde angeben, welche Gütermenge bei diesem gegebenen Preis gekauft würde.

 

 

 

Umgekehrt liegt ein unvollständiger bzw. monopolistischer Wettbewerb vor, wenn der Marktpartner, also z. B. der Anbieter den Versuch unternimmt, den Preis dieses Gutes zu beeinflussen, also selbst zu bestimmen.

 

In unserer Graphik bedeutet dies, dass sich der Unternehmer darüber Gedanken macht, wie sich seine Preispolitik auf die Nachfrage auswirkt. Wir sprechen davon, dass der Anbieter einer konjekturalen Nachfragekurve gegenübersteht. Er kann sich nicht absolut sicher sein, wie sich sein Preis tatsächlich auf die Nachfrage auswirkt, er stellt nur Vermutungen an, deshalb sprechen wir nur von einer konjekturalen Nachfragekurve.

 

Er wird hierbei den Punkt der Nachfragekurve auswählen, der ihm unter den gegebenen Umständen ein Gewinnmaximum garantiert. Unter dem Stichwort des Cournot’schen Monopols werden wir uns weiter unten mit der Frage befassen, wie wir den Preis bestimmen können, bei dem der Unternehmer seinen Gewinn maximiert.

 

Bei unseren bisherigen Überlegungen gingen wir davon aus, dass der Unternehmer durch Preispolitik seinen Gewinn ausweiten möchte. Ein unvollkommener Wettbewerb liegt aber auch dann vor, wenn der Unternehmer seinen Absatz und damit letztlich auch wiederum seinen Gewinn durch Werbung zu vergrößern versucht.

 

 

 

 

Der Unterschied zu dem Versuch einer Preispolitik besteht hierbei darin, dass der Unternehmer über Werbung den Versuch unternimmt, bei gleichem Preis den Absatz zu steigern. Hier wird also versucht, die Nachfragekurve nach außen zu verschieben. Im Zusammenhang mit einer aktiven Preispolitik wird hingegen versucht, den Gewinn über eine Bewegung entlang einer vorgegebenen Nachfragekurve zu steigern.

 

 

2c.  Marktmorphologie

 

Wieder einen anderen Ansatz wählte Heinrich von Stackelberg und Walter Eucken. Sie bestimmten die Marktform nach der Morphologie. Es wird überprüft, wie viel Wirtschaftseinheiten auf einer Marktseite auftreten und wie groß diese im Hinblick auf ihren Marktanteil sind. Von Stackelberg hat zunächst 3 Möglichkeiten unterschieden: Entweder gibt es einen großen oder wenige mittlere oder schließlich viele kleine Wirtschaftseinheiten. Da diese Möglichkeiten auf beiden Seiten auftreten können, sind deshalb insgesamt 3 x 3 = 9 Konstellationen denkbar. Untenstehende Tabelle zeigt, wie die einzelnen Marktformen bei den unterschiedlichen Konstellationen benannt werden.

 

 

 

 

 

Walter Eucken hat dieses Schema noch ausgebaut, in dem er auf jeder Marktseite auch eine Mischung verschiedener Typen vorsah. So wurde vor allem die Möglichkeit hinzugefügt, dass auf einer Marktseite einer (bzw. wenige) mit vielen Kleinen auftreten kann. Walter Eugen sprach hierbei von Teilmonopolen bzw. von Teiloligopolen. Prinzipiell kann man diesen Ansatz ausbauen und berücksichtigen, dass auf jeder Marktseite nur einer, einer mit wenigen, einer mit vielen, einer mit wenigen und vielen, wenige mit vielen und schließlich viele auftreten können. In diesem Falle gibt es 7 x 7 = 49 unterschiedliche Konstellationen.

 

Der Vorschlag von Heinrich von Stackelberg sowie von Walter Eucken hat den eindeutigen Vorteil, dass das Vorliegen einer speziellen Marktform leicht festgestellt werden kann. Es bedarf sicher keines großen Forschungsaufwandes festzustellen, ob z. B. auf der Angebotsseite nur ein einziger Unternehmer und auf der Nachfrageseite viele kleine Haushalte stehen. Es ist sehr viel schwieriger zu eruieren, ob für bestimmte Güter Präferenzen geäußert werden oder auch, ob sich ein Unternehmer tatsächlich wie ein Mengenanpasser verhält.

 

Allerdings ist der morphologische Ansatz nur dann brauchbar, wenn man auch von eindeutigen Beziehungen zwischen der Marktmorphologie und dem Verhalten der Marktpartner ausgehen kann. Entscheidend ist nämlich allein die Frage, wie sich Preis und Mengen bei unterschiedlichen Marktformen entwickeln.

 

Nun können wir in der Tat davon ausgehen, dass in der Regel eine bestimmte morphologische Marktform auch ein ganz bestimmtes Verhalten auslöst. Der Monopolist kann eine monopolistische Verknappungspolitik betreiben, ohne dass er befürchten  muss, dass er durch dieses Verhalten von anderen Anbietern bedroht wird. Bei vollständiger Konkurrenz hingegen würde sich ein Anbieter nur selbst schaden, wenn er den Versuch machen würde, zu Erzielung eines höheren Gewinnes den Preis zu variieren.

 

Würde er nämlich den Preis erhöhen, so würde er über kurz oder lang seine Kunden an seine Konkurrenten verlieren, welche ihren Preis nicht erhöht haben. Eine Preissenkung würde seinen Gewinn schmälern, er produziert ja ohnehin bis zu seiner Kapazitätsgrenze; er kann also die Reduzierung seines Preises, also seines Stückgewinnes nicht dadurch kompensieren, dass er mehr als bisher absetzt.

 

Allerdings gibt es auch morphologische Marktformen, welche keine eindeutige Beziehung zwischen Morphologie und Verhalten der Marktpartner zulassen. So geht die Theorie davon aus, dass bei einem bilateralen Monopol die unterschiedlichsten Verhaltensweisen möglich und gleich wahrscheinlich sind. Wir werden uns mit dem bilateralen Monopol weiter unten noch ausführlich befassen.

 

 

2d. Elastizität

 

Robert Triffin hat den Ansatz von Chamberlin kritisiert und einen anderen Maßstab dafür vorgeschlagen, die jeweilige Marktform zu bestimmen. Er wählt Kreuznachfrageelastizitäten zur Bestimmung der jeweiligen Marktform. Bei einer Kreuzelastizität fragt man nicht wie bei den normalen Elastizitäten, wie sich eine Preisänderungen auf die Nachfrage desselben Gutes auswirkt, sondern man überprüft wie sich eine Preisvariation von dem Unternehmer j auf den Absatz eines Konkurrenten i auswirkt. Der Term x bezieht sich auf den Absatz, der Term p auf die jeweilige Preisänderung. Die Kreuzabsatzelastizität hi,j bemisst sich dann:

 

 

Triffin unterscheidet nun drei Fälle. Im Falle 1 wirkt sich eine Preisvariation des Unternehmers j überhaupt nicht auf den Absatz des Unternehmers i aus, die Kreuzabsatzelastizität hi,j ist also 0. Wir können hier von einem reinen Monopol sprechen, da die Absatzmöglichkeiten in keiner Weise von der Preispolitik der Konkurrenten abhängen.

 

Im Fall 2 wird davon ausgegangen, dass die Kreuzabsatzelastizität hi,j  unendlich groß wird. Der Konkurrent verliert bei einer Preissenkung des anderen seinen gesamten Absatz, umgekehrt würde gelten, dass bei einer Preisanhebung der Anbieter, welcher seinen Preis erhöht, seinen gesamten Absatz an den Konkurrenten verlieren würde. Hier spricht Triffin von einem vollständigen Wettbewerb.

 

Fall 1 und 2 stellen Extremfälle dar. In der Realität können wir davon ausgehen, dass zumeist ein Fall zwischen diesen beiden Extremfällen vorliegt (Fall 3), bei dem die Preisvariation beim Unternehmer j eine endliche Absatzänderung beim Konkurrenten i hervorruft. Die Kreuzabsatzelastizität hi,j hat hier einen endlichen Wert. Wir können diese drei Fälle in einem Diagramm aufzeichnen, in dem wir auf der Abszisse die Preisänderung von j und auf der Ordinate die Mengenreaktion von i abtragen:

 

 

 

Sicherlich hat Triffin mit seinem Vorschlag einen exakten Maßstab zur Bestimmung der jeweiligen Marktform geliefert. Auch können wir sicherlich davon ausgehen, dass von den auf diese Weise definierten Marktformen in der Regel jeweils eindeutige Wirkungen auf den Preis und auf die Menge im Gleichgewicht ausgehen.

 

Allerdings ist dieser Maßstab nur brauchbar, wenn wir davon ausgehen können, dass diese Elastizitäten im Zeitablauf einigermaßen konstant bleiben, es ist zu befürchten, dass dies gerade nicht der Fall ist und dass die Kreuzabsatzelastizitäten im Zeitablauf großen Schwankungen unterliegen.

 

Zu kritisieren wäre weiterhin, dass die Realisierung dieses Vorschlages einen immensen empirischen Aufwand hervorruft. Es fragt sich, ob z. B. eine Kartellbehörde, welche vor der Frage steht, ob bestimmte Unternehmungen eine marktbeherrschende Stellung einnehmen und deshalb abgemahnt werden müssen, bei der Bestimmung dieser Werte nicht überfordert wäre.

 

 

3. Auswirkungen

 

3a. Das Cournot‘sche Monopol

 

Wir wollen uns nun im Folgenden den wichtigsten Marktformen zuwenden und klären, wie denn der Gleichgewichtsprozess in den verschiedenen Marktformen abläuft und worin denn die wichtigsten Unterschiede zur Marktform des vollständigen Wettbewerbs liegen. Da die Marktform des reinen Wettbewerbs bereits in dem Kapitel über die Neoklassik im ersten Teil dieser Vorlesung beschrieben wurde, wollen wir hier allerdings darauf verzichten, den vollständigen Wettbewerb nochmals zu beschreiben.

 

Beginnen wir mit der Form des reinen Angebotsmonopols. Schon sehr früh, in der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte Antoine Augustin Cournot die Preisbildung innerhalb eines Angebotsmonopol beschrieben und diese Darstellung wird deshalb auch zu Ehren dieses Autors als Cournot‘sches Monopol bezeichnet. Cournot war davon überzeugt, dass in der Realität nicht der Wettbewerb, sondern monopolistische Marktformen den Regelfall darstellen.

 

Den entscheidenden Unterschied zwischen einer vollständigen Konkurrenz und einem reinen Angebots­monopol sah Cournot darin, dass der Monopolist den Preis nicht als vorgegebenes Datum ansieht, sondern den Versuch macht, seinen Gewinn durch Preisvariationen zu erhöhen. Er macht sich hierbei darüber Gedanken, wie sich der Absatz verändert, wenn er den Preis variiert. Der Monopolist steht also einer konjekturalen Preisabsatzfunktion gegenüber, wobei die Preisabsatzfunktion nichts anderes als die Nachfragefunktion darstellt. Konjektural wird diese Funktion deshalb bezeichnet, da es ja nur Vermutungen des Anbieters sind, wie sich der Absatz bei Preisvariationen verändert, die tatsächliche Nachfragefunktion kennt der Monopolist nicht.

 

Wenn ein Monopolist seine Absatzmenge erhöht, wenn er sich also entlang der Preis-Absatz-Funktion bewegt, ergeben sich wesentliche Unterschiede zum vollständigen Wettbewerb. Bei vollständigem Wettbewerb erzielt der Anbieter auf der einen Seite einen Erlöszuwachs, der dem Preis dieses Gutes entspricht, auf der anderen Seite einen Kostenzuwachs, welcher als Grenzkosten bezeichnet wird.

 

Bei dem Monopolisten entspricht der Erlöszuwachs nicht mehr dem Güterpreis. Er muss ja davon ausgehen, dass er sich entlang der Nachfragekurve bewegt und dies ist gleichbedeutend damit, dass eine Variation in der Menge zugleich eine Veränderung im Preis nach sich zieht. Will also der Monopolist eine Menge mehr absetzen, so kann er dies entsprechend dem Verlauf der Nachfragekurve nur tun, wenn er gleichzeitig den Preis herabsetzt. Da auf vollkommenen Märkten das Gesetz der Preisunterschiedslosigkeit gilt, also alle gleichen Produkte zum gleichen Preis abgesetzt werden, erzielt der Monopolist bei Ausweitung der Menge um eine Einheit zwar einen partiellen Erlöszuwachs entsprechend dem Preis der zusätzlich verkauften Gutseinheit, er erleidet aber gleichzeitig eine Erlösminderung insofern, als er alle verkauften Waren nun zu einem verminderten Preis absetzen muss.

 

Wir sprechen hierbei vom Grenzerlös und dieser Grenzerlös (dE) entspricht der Differenz zwischen dem Preis p und der Preisminderung dp multipliziert mit der abgesetzten Menge x. Es gilt also die Gleichung:

 

 

 

Seinen Gewinn maximiert nun der Monopolist gerade bei der Menge und dem Preis, bei dem sich Grenzkosten und Grenzerlös entsprechen. Solange der Grenzerlös größer ist als die Grenzkosten, lohnt sich eine Ausweitung der Produktion, solange jedoch die Grenzkosten über dem Grenzerlös liegen, erhöht sich der Gewinn bei einer Verminderung der Absatzmenge. Wir wollen nun diese Zusammenhänge anhand einer Graphik erläutern. Auf der Abszisse tragen wir die abgesetzte Gütermenge und auf der Ordinate den Preis, den Grenzerlös sowie die Grenzkosten ab.

 

Wir zeichnen in dieses Diagramm erstens eine Grenzkostenkurve ein, wobei wir davon ausgehen, dass die Grenzkosten mit wachsender Produktion ansteigen. Falls wir einen klassischen Verlauf der Kostenfunktion unterstellen, bei dem die Grenzkosten zunächst fallen und erst ab einer bestimmten Gütermenge ansteigen, beschränken wir uns auf den steigenden Ast der Grenzkostenkurve. Wir zeichnen diese Kurve der Einfachheit halber als lineare Kurve ein, in Wirklichkeit muss damit gerechnet werden, dass die Grenzkostenkurve mit wachsender Produktion gekrümmt nach oben verläuft, bis sie bei Vollauslastung der Kapazität in eine Parallele zur Ordinate ausläuft.

 

 

   

Als zweites zeichnen wir in unsere Graphik die Nachfragekurve (genau genommen die konjekturale Preis-Absatzfunktion) ein. Annahmegemäß hat sie eine negative Neigung, steigt der Preis, so verringert sich die Nachfrage. Auch hier wollen wir der Einfachheit halber mit einer linearen Kurve rechnen.

 

Als drittes haben wir die Grenzerlöskurve zu berücksichtigen. Sie lässt sich aus der Nachfragekurve berechnen. Hierzu gehen wir vom Schnittpunkt der Nachfragekurve mit der Ordinatenachse aus. Ex definitione ist in diesem Punkt die nachgefragte Menge x gleich null. Dies bedeutet, dass der Grenzerlös (dE) mit dem Preis (p) zusammen­fällt, denn es gilt die Formel:

 

dE = p - dp * x = p - dp * 0 = p

 

Bei jeder positiven Absatzmenge wird der Grenzerlös geringer ausfallen als der Preis, wobei der lineare Verlauf der Nachfragekurve auch einen linearen Verlauf der Grenzerlöskurve zur Folge hat. Wir halten also fest: Die Grenzerlöskurve beginnt bei der Absatzmenge 0 mit der Nachfragekurve, hat jedoch einen steileren Verlauf als die Nachfragekurve.

 

Das Gewinnmaximum erreicht der Monopolist genau bei der Menge, bei der Grenzerlös und Grenzkosten zusammenfallen und dies ist im Schnittpunkt beider Kurven der Fall. Also stellt sich im Gleichgewicht ein Preis in Höhe pm und eine Absatzmenge Xm ein.

 

Vergleichen wir dieses Ergebnis mit den Gleichgewichtsgrößen bei vollständigem Wettbewerb, so stellen wir fest, dass im Angebotsmonopol der Preis höher und die Menge niedriger ausfallen als unter Konkurrenzbedingungen. Der Monopolist konnte seinen Gewinn dadurch vergrößern, dass er die Ausbringungsmenge künstlich verknappte.

 

 

3b. Das  Nachfragemonopol

 

Die Beweisführung im Rahmen des Cournot’schen Monopols lässt sich nun mit wenigen Änderungen auch auf das Nachfragemonopol übertragen. Betrachten wir hierzu ein Nachfragemonopol der Arbeitgeber auf den Arbeitsmärkten. Bezugskurve ist hier die (konjekturale) Angebotskurve der Arbeitnehmer. Der Nachfragemono­polist steht vor der Frage, ob er seinen Gewinn dadurch vergrößern kann, dass er eine Einheit des Produktions­faktors vermehrt nachfragt und einsetzt. Wir wollen hier unterstellen, dass der Unternehmer eine Arbeitsstunde vermehrt nachfragen möchte. Im Gegensatz zum Mengenanpasser hat er in diesem Fall allerdings nicht nur den Lohnsatz für die zusätzlich nachgefragte Arbeitsstunde zu entrichten. Der Umstand, dass er mehr Arbeit nachfragt, führt dazu, dass er nun für alle bereits eingesetzten Arbeitseinheiten einen Lohnzuwachs zahlen muss, da entsprechend der Arbeitsangebotskurve ein vermehrtes Angebot nur bei einer Lohnsteigerung erfolgt. Dies bedeutet, dass sich die Grenzausgaben (dA) für die erweiterte Arbeitsnachfrage (da) um die Summe aus Lohnsatz (l) plus Lohnzuwachs (dl ) multipliziert  mit der gesamten Arbeitsmenge (a) zusammensetzen. Es gilt die Formel:

 

dA = l + dl * a

 

Bei der Arbeitsmenge 0 also beim Schnittpunkt der Arbeitsangebotskurve mit der Ordinate fallen somit ex definitione die Grenzausgaben mit dem Lohnsatz zusammen, mit wachsender nachgefragter Arbeitsmenge steigen die Grenzausgaben stärker als der Lohnsatz (Nachfragekurve). Dies bedeutet, dass die Kurve der Grenzausgaben im Schnittpunkt mit der Ordinatenachse mit der Angebotskurve zusammenfällt, um dann bei wachsendem Arbeitseinsatz stärker zu steigen als die Angebotskurve.

 

 

 

Der Gewinnzuwachs aus der Ausweitung der Arbeitsnachfrage um eine Arbeitseinheit entspricht einmal dem Grenzprodukt der Arbeit abzüglich der Grenzausgaben. Dort, wo Grenzprodukt und Grenzausgaben zusammenfallen, wo sich also die Kurve der Grenzausgaben und des Grenzproduktes der Arbeit schneiden, erreicht der Nachfragemonopolist sein Gewinnmaximum.

 

Fortsetzung folgt!