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Geschichte der Ökonomie

 

 

 

 

 

Gliederung:

 

1. Einführung

2. Merkantilismus

4. Klassik

5. wissenschaftlicher Sozialismus

6. historische Schule

7. Wiener Schule

8. Lausanner Schule

9. Cambridge Schule

10. Keynesianismus

11. Neoliberalismus

 

10. Keynesianismus

 

 

Gliederung:

 

1. Problemeinführung

2. Die wichtigsten Vertreter und Gegner

3. Ausgangspunkt: Saysches Theorem

4. Keynes Kritik am Sayschen Theorem

5. Ein einfaches C-I-Modell

6. Kritik an der Kaufkraftparitätstheorie

7. Das alternative S-I-Modell

8. Geldangebot und Geldnachfrage

9. Das Hick’sche IS-LM-Modell

                10. Einbeziehung der Beschäftigungsfunktion

                11. Kritik an den Annahmen von Keynes

               

 

 

 

7. Das alternative S-I-Modell

 

Wir wollen nun unsere Analyse des Keynes’schen Systems fortsetzen und uns wiederum dem S-I-Modell zuwenden. Bei unseren bisherigen Überlegungen gingen wir von der Annahme aus, dass das Investitionsvolumen autonom bestimmt werde und deshalb auch nicht von ökonomischen Größen wie etwa dem Zinssatz abhängt. Wir wollen nun diese Annahme aufheben und expressis verbis davon ausgehen, dass die Investitionsnachfrage vom Zinssatz abhängt und zwar so, dass Zinssenkungen eine Zunahme der Investitionsnachfrage auslösen.

 

Zwar hatten wir gesehen, dass Keynes selbst bezweifelt hat, ob Zinssenkungen in der Lage seien, die Investitionsnachfrage anzuregen. Nun werden wir in dem Abschnitt über die Kritik an Keynes noch zeigen, dass diese Annahme keinesfalls der Realität entspricht, dass man sehr wohl damit rechnen kann, dass Zinssenkungen zu einer Ausweitung in der Investitionsnachfrage führen.

 

Wir wollen deshalb im weiteren Verlauf dieser Analyse die Keynes’sche Annahme über die Zinselastizität insoweit abändern, als wir eine gewisse Zinselastizität unterstellen. Wir können hierbei durchaus bei der Annahme verbleiben, dass über Zinssenkungen zwar eine gewisse Steigerung der Investition erreicht wird, dass aber diese Wirkung nicht ausreicht, über Zinssenkungen allein Vollbeschäftigung zu erreichen, wie dies von der neoklassischen Theorie unterstellt wurde.

 

Wir gehen also nun von unserem S-I-Modell aus, zeichnen jedoch in dieses Diagramm zunächst nur die Sparfunktion ein. Wir fügen nun in dieser Graphik einen neuen zweiten Quadranten ein. Der erste Nordost-Quadrant unterrichtet über den Verlauf der Ersparnis in Abhängigkeit vom Volkseinkommen, während der neu errichtete zweite Quadrant (als Nordwest-Quadrant) die Abhängigkeit der Investitionsnachfrage vom jeweiligen Zinssatz aufzeigt. Wir tragen hierzu im NW-Quadranten auf der Ordinate das Investitions­volumen und auf der Abszisse den jeweiligen Zinssatz ab.

 

 

 

Wir gehen von einem bestimmten Zinssatz i1 aus. Bei diesem Zinssatz sind die Unternehmer zu der Investitionsnachfrage I1 bereit. Gleichgewicht auf dem Kapitalmarkt setzt voraus, dass auch die Ersparnis dieser Investitionsnachfrage entspricht. Entsprechend dem Verlauf der Sparfunktion wird diese Ersparnis bei einem Einkommen E1 erzielt. Wir wollen nun unterstellen, dass dieses Einkom­men nicht ausreicht, Vollbeschäftigung zu garantieren. Vollbeschäftigung setze vielmehr ein Einkommen der Höhe E2 voraus. Bei diesem Einkommen wird nun so viel gespart, dass ein Gleichgewicht auf dem Kapitalmarkt erst bei einem Investitionsvolumen I2 erreicht werde. Um jedoch diese Investitionsnachfrage auszulösen, bedarf es eines Zinssatzes i2.

 

Mit Hilfe dieser Graphik können wir also aufzeigen, dass das Ziel der Vollbeschäftigung auch auf dem Wege einer Zinssenkung auf i2 erreicht werden könnte. Selbstverständlich bleiben die Ergebnisse des vorhergehenden Abschnittes erhalten. Vollbeschäftigung könnte also auch dadurch erzielt werden, dass die I-Kurve (die Kurve der Kaufkraftschöpfung) z. B. über eine Steigerung der defizitär finanzierten Staatsausgaben angehoben wird. In diesem Falle müsste die I-Kurve um dI nach oben verschoben werden:

 

 

 

 

 

  8. Geldangebot und Geldnachfrage

 

Bei unseren bisherigen Überlegungen bezogen wir uns ausschließlich auf die Kritik von Keynes an der Annahme, dass über Zinssenkungen eine für Vollbeschäftigung ausreichende Steigerung der Investitions­nachfrage erreicht werden könnte. Nun hatte Keynes das Say’sche Theorem auch deshalb kritisiert, weil er der Meinung war, dass in Zeiten der Rezession und Depression gar nicht alle Ersparnisse auf dem Kapitalmarkt angelegt würden. Diese Überlegungen führten Keynes zur Entwicklung seiner Liquiditäts­präferenztheorie, der wir uns nun zuwenden wollen. Wir wenden uns hierzu vom Kapitalmarkt dem Geldmarkt zu.

 

Die Nachfrage nach Geld hängt hierbei nach Ansicht von Keynes von zwei Motiven ab. Einmal werde Geld von den privaten Haushalten und den Unterneh­mungen benötigt, um die diversen Transaktionen durchzuführen; diesen Geldbe­darf bezeichnet Keynes als Transaktionsmotiv. Wir haben davon auszugehen, dass die Termine für die täglichen Einnahmen und Ausgaben zeitlich nicht zusammen­fallen. Am ersten eines Monats erhalte ein Arbeitnehmer z. B. sein Monatsgehalt, er gebe dieses Geld im Laufe der folgenden Tage so aus, dass er erst am Ende des Monats alles Geld ausgegeben hat. In diesem Falle hat er einen durchschnittlichen Geldbestand, dessen Höhe  einmal durch die Zahlungssitten, zum andern von der Höhe des Einkommens abhängt. Es wird also unterstellt, dass der Liquiditätsbedarf aufgrund dieses Transaktions­motivs mit wachsendem Einkommen ansteigt.

 

Wie viel Geld von den privaten Wirtschaftssubjekten in Kasse gehalten wird, hängt aber darüber hinaus nach Keynes auch von der Höhe des Zinssatzes ab. Keynes spricht in diesem Zusammenhang vom Spekulationsmotiv. Wir haben bereits weiter oben gesehen, dass es in Zeiten der Rezession und Depression durchaus lohnend sein kann, Geld vorübergehend in Kasse zu halten und auf einen Zinsertrag zu verzichten, weil in diesen Zeiten starke Kursverluste befürchtet werden müssen, welche höher ausfallen als die ohnehin geringen Zinserträge.

 

Diese Nachfrage nach Kasse aufgrund des Spekulationsmotivs hänge von der Höhe des Zinssatzes ab, wobei unterstellt werden kann, dass die Nachfrage nach Kasse aus diesem Motiv heraus umso höher ausfällt, je geringer die Zinsen sind.

 

Wir können nun diese beiden Beziehungen (Transaktionsmotiv und Spekulations­motiv) in einem neuen Diagramm einzeichnen, wobei wir auf der Abszisse die Nachfrage nach Geld, die Liqui­di­täts­präferenz L sowie das Angebot an Geld M und auf der Ordinate die Höhe des Zinssatzes abtragen.

 

 

 

Wenn wir von einem bestimmten Einkommen E1 ausgehen, erhalten wir eine negativ geneigte Kurve der Geldnachfrage L(E1), die Nachfrage steigt also in dem Maße, in dem der Zinssatz sinkt. Wiederum gilt, dass wir nur der Einfachheit halber mit linearen Funktionen rechnen, in der Realität ist davon auszugehen, dass diese Kurven einen gekrümmten Verlauf aufweisen.

 

Unterstellen wir nun ein höheres Einkommen E2, so ist bei gleichbleibenden Zinsen die Nachfrage nach Geld aufgrund des Transaktionsmotivs höher. Wir erhalten auf diese Weise eine ganze Schar von Geldnachfrage­kurven, wobei diese umso weiter  nach rechts verschoben werden, je höher das jeweilige Einkommen ist.

 

Wir können nun in diese Graphik auch eine Kurve einzeichnen, welche das Geldangebot wiedergibt. Da wir davon ausgehen, dass die Geldmenge von der Notenbank autonom festgelegt wird, können wir die Kurve des Geldangebotes als Parallele zur Ordinate einzeichnen. Gleichgewicht herrscht auf dem Geldmarkt dort, wo die Geldangebotskurve eine der Nachfragekurven schneidet. Gehen wir von einer ganz bestimmten Einkommenshöhe aus, so gibt es nur einen eindeutigen Schnittpunkt zwischen Geldangebot und Geldnachfrage.

 

 

 

Unsere Graphik zeigt nun, wie auf dem Wege geldpolitischer Maßnahmen der Beschäftigungsgrad gesteigert werden kann. Wir gehen von einem Zinssatz i1 und einem Einkommen E1 aus. Bei diesem Einkommen herrsche Unterbeschäftigung. Nun könnte die Notenbank bei konstantem Zinssatzes und durch ein vermehrtes Geldangebot ein neues Geldmarktgleichgewicht bei einem Einkommen E3 herbeiführen.

 

Diesem neuen Gleichgewicht entspricht auf jeden Fall mit einem höheren Einkommen auch eine höhere Beschäftigung. Somit kennen wir nun drei Möglichkeiten zur Steigerung der Beschäftigung: Der Staat kann erstens über eine defizitäre Ausgabensteigerung die Beschäftigung steigern, zweitens kann über eine Zinssenkung automatisch ein beschäftigungssteigernder Effekt erzielt werden. Schließlich ist es möglich, durch Vermeh­rung des Geldangebotes das Einkommen und mit ihm die Beschäftigung zu steigern. Allerdings sind die beiden letzten Möglichkeiten nicht voneinander unabhängig, die Erhöhung der Geldmenge führt in aller Regel zu einer Verringerung des Zinssatzes, während eine Erhöhung des Leitzinssatzes seitens der Notenbank eine Verringerung der Geldnachfrage auslöst.

 

 

9. Das Hick’sche IS-LM-Modell

 

Wir haben bisher die Verhältnisse auf den Kapitalmärkten und den Geldmärkten isoliert voneinander untersucht. Dies ist sicherlich unbefriedigend, da ja im Keynes’schen Modell beide Märkte über den Zinssatz gesteuert werden. Man könnte vielleicht diese isolierte Vorgehensweise noch dadurch zu rechtfertigen suchen, dass man zwischen einem kurzfristigen Geldmarktzins und einem langfristigen Kapitalmarktzins unterscheidet. Zwischen diesen beiden Märkten bestehen jedoch vielfältige Substitutionsbeziehungen, die zur Folge haben, dass Veränderungen des Zinssatzes auf dem einen Markt relativ schnell zu gleich­gerich­teten Veränderungen des Zinssatzes auf dem jeweils anderen Markt führen. Es ist deshalb notwendig, beide Märkte zusammenzuführen, was in dem von Hicks entwickelten IS-LM-Modell in der Tat erfolgt.

 

Betrachten wir zunächst einmal die Beziehungen auf dem Kapitalmarkt. In einem Zwei-Quadrantenmodell haben wir den Verlauf der Ersparnis in Abhängigkeit vom Einkommen und die Investitionsnachfrage in Abhängigkeit vom Zinssatz dargestellt. Wir können diese Beziehungen nun in ein neues Diagramm überfüh­ren, auf dessen Abszisse die Einkommenshöhe und auf dessen Ordinate der jeweilige Zinssatz abgetragen wird. Steigenden Zinssätzen entsprechen sinkende Einkommen.

 

 

 

Als nächstes wenden wir uns dem Geldmarkt zu. Wenn wir von einem vorgegebenen konstanten Geldangebot ausgehen, können wir jedem Zinssatz ein bestimmtes Einkommen zuordnen, bei dem gerade das Angebot an und die Nachfrage nach Geld übereinstimmen. Steigt der Zins, so wird ein Gleichgewicht nur bei ebenfalls gestiegenem Einkommen erreicht. Dies bedeutet, dass die LM-Kurve, welche alle möglichen Gleichgewichtspunkte auf dem Geldmarkt verbin­det, einen steigenden Verlauf aufweist.

 

Im Schnittpunkt der IS- und der LM-Kurve erhalten wir eine Kombination von Zinshöhe und Einkommenshöhe, bei der sich sowohl der Geld- wie auch der Kapitalmarkt im Gleichgewicht befindet.

 

 

   

 

 

Wiederum wollen wir unterstellen, dass in diesem Schnittpunkt Unterbe­schäftigung bestehe und dass Vollbeschäftigung erst bei einem Einkommen E2 erreicht werde.

 

 

 

Fragen wir uns nun, auf welchem Wege denn ein Vollbeschäftigungseinkommen realisiert werden könnte. Als erstes lässt diese Graphik erkennen, dass eine Zinssenkung auf i2 offensichtlich automatisch eine Einkommens­steigerung auf E2 herbeiführt, die annahmegemäß Vollbeschäftigung ermöglicht.

 

Eine Einkommens- und damit auch Beschäftigungssteigerung könnte aber auch dadurch erzielt werden, dass die gelb eingezeichnete IS-Kurve nach oben verschoben würde und hierdurch das Marktgleichgewicht bei einem höheren Einkommen erzielt worden wäre. Hierbei könnte die IS-Kurve durch eine Erhöhung der Staatsausgaben (oder allgemein durch eine Kaufkraftschöpfung) nach oben verschoben werden. Der Zinssatz würde dann allerdings auf i3 klettern.

 

 

Drittens könnte jedoch auch dadurch eine Einkommens- und Beschäftigungs­steigerung erzielt werden, dass das Geldangebot ausgeweitet werde und dadurch die LM-Kurve nach rechts verschoben würde. Machen wir uns diese Zusammenhänge nochmals an dem Geldmarkt-Modell klar.

 

 

 

Diese Graphik zeigt, dass bei Erhöhung der Geldmenge das Geldmarktgleich­gewicht bei immer höheren Einkommen liegt. Dies bedeutet, dass dem gleichen Zinssatz ein immer höheres Gleichgewichtseinkommen entspricht, mit anderen Worten: Über eine Geldvermehrung  kann das Gleichgewichtseinkommen erhöht werden, die Zinsen sinken.

 

 

 

Bei unseren bisherigen Überlegungen spielten Bewegungen in den Güterpreisen keine Rolle. Keynes ging in der Tat von der Annahme aus, dass die Güterpreise zumindest im Konjunkturabschwung ohnehin keine entscheidende Rolle spielen. Deshalb brauchten wir bisher auch nicht zwischen einer nominalen und realen Betrachtung unterscheiden. Selbstverständlich muss das reale Volkseinkommen ansteigen, wenn die Beschäftigung zunehmen soll. Wenn man allerdings von der Annahme ausgeht, dass die Güterpreise ohnehin fix sind, lässt sich – ohne große Fehler zu begehen – die Gleichgewichtsbetrachtung auch auf nominale Größen beziehen.

 

In der Realität müssen wir allerdings davon ausgehen, dass die Güterpreise selbst in Zeiten des Konjunktur­rückgangs ansteigen, so wurde in der Nachkriegszeit das Phänomen der Stagflation beobachtet, wobei der Rückgang der Konjunktur mit generellen Preissteigerungen einhergeht. Also ist es erforderlich, dass die entscheidenden Problemgrößen des Keynes’schen Modells in realen Größen ausgedrückt werden, die realen Größen errechnen sich hierbei dadurch, dass wir jeweils die nominellen Größen deflationieren, also durch das Preisniveau dividieren. Wir sprechen deshalb stets von dem realen Volkseinkommen, das im Keynes’schen Modell von der realen Investitionssumme sowie der Nachfrage nach realen Konsumgütern bestimmt wird.

 

Das Preisniveau können wir nun expressis verbis in dem Modell für den Geldmarkt einführen. Auch hier haben wir nach der realen Geldmenge (M/P) sowie der realen Nachfrage nach Geld zu fragen. Eine Vermehrung der Geldmenge kann nun in diesem Modell auf zweierlei Weise stattfinden. Entweder erhöht die Notenbank autonom die nominelle Geldmenge oder aber es findet eine Veränderung in der realen Geldmenge insofern statt, als bei gleichbleibender nomineller Geldmenge das Preisniveau und mit ihm auch die reale Geldmenge variiert. Senkungen im Güterpreis würden damit automatisch zu einer Erhöhung der realen Geldmenge führen.

 

Berücksichtigen wir also in unserem IS-LM-Modell die Möglichkeit von Variationen der Güterpreise, dann könnte ein Gleichgewicht auch dadurch erzielt werden, dass die Güterpreise sinken.

 

Fortsetzung folgt!