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Die Zehn Gebote

 

 

 

Gliederung:

 

0. Einführung

1. Das erste Gebot

2. Das zweite Gebot

3. Das dritte Gebot

4. Das vierte Gebot

5. Das fünfte Gebot

6. Das sechste und neunte Gebot

7. Das siebte und zehnte Gebot

8. Das achte Gebot

 

 

Kapitel 6: Das sechste und neunte Gebot

 

 

Gliederung:

 

1. Einführung

2. Scheidung

3. Abtreibung und Verhütung

4. außerehelicher und vorehelicher Geschlechtsverkehr

5. Monogamie, Polygamie, Promiskuität

                 6. gleichgeschlechtliche Partnerschaft

7. Selbstbefriedigung

8. Sonstige sexuelle Verfehlungen wie Inzest, Sodomie, Päderastie

 

 

 

6. gleichgeschlechtliche Partnerschaft

 

Wohl bei keinem anderen Thema im Umfeld geschlechtlicher Beziehungen wird die Frage der Erwünschtheit gleichgeschlechtlicher Beziehungen so kontrovers zwischen weltlicher und religiöser Moral diskutiert wie bei der Frage nach der Bewertung einer Homo-Ehe. Im Rahmen der weltlichen Ordnung wird nicht nur die Forderung erhoben, dass die Frage gleichgeschlechtlicher Beziehungen allein Sache der freien Entscheidung des Einzelnen sein müsse, es wird auch postuliert, die Gesellschaft dürfe in dieser Frage dem einzelnen keine Einschränkungen auferlegen.

 

Gleichzeitig wird sogar die Forderung erhoben, dass den gleichgeschlechtlichen Ehepartnern die gleichen Rechte wie den heterogen geschlechtlichen Ehepartner zugestanden werden müssten, unabhängig davon, inwieweit die gleichgeschlechtlichen Ehepartner auch der Gesellschaft gegenüber gleiche Leistungen wie die Ehen mit Man und Frau erbringen. Demgegenüber entspricht es der Lehre der Katholischen Kirche sowie fast aller protestantischer Kirchen, dass der Vollzug gleichgeschlechtlichen Verkehrs nach wie vor als sündhaftes Verhalten zu bewerten ist.

 

Bei der Diskussion um die Bewertung der Homosexualität gilt es streng zwischen zwei ganz unterschiedlichen Problemen zu unterscheiden. Auf der einen Seite geht es bei diesem Fragenkomplex um die Rechte, welche jedem, der gleichgeschlechtliche Neigungen aufweist, in unserer Gesellschaft zustehen. Entspricht es wirklich den Grundprinzipien eines Rechtsstaates, wenn allein wegen unterschiedlicher Neigungen bestimmte Minderheiten ausgegrenzt werden? Eine ganz andere Frage steht jedoch zur Diskussion, wenn es darum geht, wie der Vollzug gleichgeschlechtlicher Beziehungen zu bewerten ist und vor allem, ob mit diesem Verhalten die gleichen Vorrechte erworben werden wie bei einem heterogen geschlechtlichen Verhalten. Befassen wir uns zunächst mit dem ersten Fragenkomplex.

 

Hier gilt es als erstes festzustellen, dass es sich bei den geschlechtlichen Neigungen um vererbte Anlagen handelt. Derjenige, der sich im Gegensatz zur Mehrheit zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt, unterliegt hier gewissen instinktiven und triebhaften Neigungen und ist gerade deshalb für diese Anlagen nicht verantwortlich. Schuld hat es immer damit zu tun, dass etwas getan wird, das nicht getan werden soll oder dass etwas unterlassen wird, was getan werden soll. In beiden Fällen setzt jedoch die Schuldfähigkeit voraus, dass man das tun kann, was man tun soll oder dass man das unterlassen kann, was man unterlassen soll. Für eine vererbte Veranlagung kann der einzelne deshalb auch keine Verantwortung übernehmen und kann deshalb auch nicht wegen dieser Veranlagung zur Rechenschaft gezogen werden.

 

Wir haben davon auszugehen, dass jeder Mensch Erbanlagen aufweist, welche aus männlichen sowie weiblichen Merkmalen bestehen. Diese Anlagen sind sehr breit gestreut, für die überwiegende Mehrheit der Männer gilt jedoch, dass die männlichen Erbeigenschaften dominieren und dass Männer deshalb sich mehrheitlich zum andern Geschlecht hingezogen fühlen, genauso wie für Frauen mehrheitlich gilt, dass die weiblichen Erbanlagen überwiegen und dass sie aus den gleichen Gründen sich ebenfalls zum andern Geschlecht hingezogen fühlen. Für eine Minderheit der Männer und Frauen gilt jedoch, dass bei ihnen die jeweils anderen geschlechtlichen Merkmale stärker ausgeprägt sind, sodass diese sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen.

 

Gerade deshalb, weil diese Verteilung der Erbanlagen nur bei einer Minderheit der Männer bzw. der Frauen auftritt, besteht die Gefahr, dass sich die Mehrheitsgruppen gegenüber diesen Minderheiten abzugrenzen versuchen. Weil sich diese Minderheiten in Bezug auf die geschlechtlichen Beziehungen anders als die Mehrheiten verhalten, entsteht bei den Mehrheitsgruppen leicht Unsicherheit, weil sich das Verhalten der Minderheit nicht mit dem eigenen Verhalten verstehen lässt. Aus diesem Anderssein entsteht leicht Furcht und Ärger und man will diese Unsicherheit dadurch überwinden, dass man die Minderheiten ausgrenzt und als schlechthin böse bezeichnet.

 

Aber eine solche Ausgrenzung widerspricht eindeutig sowohl der weltlichen wie auch der religiös motivierten Moral. In freiheitlichen Rechtsstaaten gilt jeder Mensch unabhängig von seinen Veranlagungen und Überzeugungen vor dem Gesetz als gleich, jede Ungleichbehandlung wird als Diskriminierung per Verfassung geahndet. Und auch die christliche Religion wie die meisten anderen Religionen geht davon aus, dass die Menschen vor Gott gleich sind, sie sind alle von Gott erschaffen worden und haben deshalb auch gleiche Rechte.

 

Man kann sogar in dieser Frage noch einen Schritt weitergehen. Gerade weil ein Teil der Mehrheit de facto Minderheiten immer wieder auszugrenzen versucht, haben diese Minderheiten in unserer Gesellschaft Schwierigkeiten sich in der Gesellschaft zu behaupten, sie weisen schlechtere Startbedingungen auf als die Mehrheiten und gerade deshalb gilt es diese Minderheiten besonders zu unterstützen, um diese anfänglichen Startungleichheiten zu überwinden.

 

In früheren Staatengemeinschaften galt das Gastrecht als heilig. Hatte ein Fremder das Grundstück eines Einheimischen betreten und war als Gast aufgenommen, so durfte der Gast vom Gastgeber in keiner Weise angegriffen werden, auch war der Gastgeber verpflichtet, Angriffe von Dritten abzuwehren. Dieses besondere Gastrecht wurde damit begründet, dass ein Fremder im fremden Land immer größeren Schwierigkeiten begegnet, der Fremde kennt nicht die Einheimischen, es gelten auch andere Sitten und Bräuche und gerade aufgrund dieser Schwierigkeiten sollten Fremde mit besonderer Nachsicht behandelt werden. Eine gleiche Schwierigkeit entsteht auch den Einheimischen, welche sich im Hinblick auf ihre Veranlagung anders verhalten als die Mehrheit.

 

Ähnliche Schlussfolgerungen sind auch zu ziehen, wenn wir aus der Sicht der christlichen Moral argumentieren. Die Evangelien sind voll von Hinweisen, dass Jesus uns das Schicksal all derjenigen in besonderem Maße ans Herz gelegt hat, welche gegenüber den Mehrheiten benachteiligt sind. Das Gebot der Nächstenliebe besagt eben nicht nur, dass wir dem Nächsten keinen Schaden zufügen dürfen, sondern verlangt darüber hinaus, demjenigen, der zu Schaden gekommen ist, zu helfen und dies bedeutet auf unser hier zur Diskussion stehendes Problem bezogen, dass die Mehrheit auch Verständnis für die Nöte der Minderheiten aufbringen soll.

 

Aus diesem im Grundgesetz ausdrücklich geschützten Recht darauf, nicht diskriminiert zu werden, folgt aber keinesfalls automatisch, dass auch der Vollzug gleichgeschlechtlicher Neigungen erlaubt sein und belohnt werden muss. Der Grund dafür, dass nach christlicher Auffassung der gleichgeschlechtliche Verkehr als Sünde zu verstehen ist, liegt in Folgendem begründet: Die geschlechtliche Vereinigung verfolgt den Zweck, die Regeneration der Bevölkerung und die Erziehung der Kinder sicherzustellen. Dem Menschen wurde der Geschlechtstrieb von Gott eingepflanzt, um sicherzustellen, dass die Menschen trotz zahlreicher Mühen und Entbehrungen, welche mit der Geburt und Erziehung von Kindern verbunden sind, in ausreichendem Maße der Regenerations- und Erziehungsfunktion nachkommen. Die hierbei auftretende Geschlechtslust dient dann gleichermaßen als Anreiz und Belohnung dafür, dass der Einzelne diese für den Erhalt der Gesellschaft notwendigen Aufgaben übernimmt.

 

Der gleichgeschlechtliche Verkehr führt nun gerade nicht zur Geburt eines Kindes. Neues menschliches Leben entsteht nur dann, wenn die weibliche Eizelle von einer männlichen Samenzelle befruchtet wird und hierzu ist es notwendig, dass sich ein Mann und eine Frau geschlechtlich verbinden. Insofern kann eine gleichgeschlechtliche Ehe im Hinblick auf die Regenerationsfunktion auch das nicht leisten, was die Ehe mit Mann und Frau für die Gesellschaft tatsächlich leistet.

 

Ohne entsprechende Leistung entfällt jedoch auch die Berechtigung für die Belohnung, welche in diesem Fall in der mit dem Geschlechtsakt verbundenen Lust besteht. Aus dem Umstand, dass ein Individuum aufgrund erblicher Veranlagung zu bestimmten Leistungen gar nicht in der Lage ist, folgt keineswegs das Recht, trotzdem die Belohnung in Anspruch zu nehmen, welche aufgrund gerade dieser Leistungen gewährt wird. Wenn jemand nicht das musische Talent eines Mozarts aufweist, kann man nicht aus falsch verstandenen Gerechtigkeitsgründen verlangen, dass dieser musisch nicht begabte Bürger Anspruch auf all die Ehrungen hat, welche ein Mozart aufgrund seiner Leistungen erfahren hat bzw. zu erfahren berechtigt ist.

 

Dass Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten ausgestattet sind, ist ein allgemeines Phänomen, das als Faktum hingenommen werden muss. Die Gerechtigkeit kann man nicht einfach dadurch erzwingen, dass man unabhängig von der erbrachten Leistung für jeden eine gleiche Belohnung fordert, sondern nur dadurch, dass demjenigen, der durch besondere Fähigkeiten ausgezeichnet ist, auch entsprechend höhere Pflichten zuwachsen.

 

Nun wird in der aktuellen Diskussion die Forderung erhoben, dass der Staat den Ehepartnern aus gleichgeschlechtlichen Ehen die gleichen Vergünstigungen zuteil werden lassen muss wie den Ehen zwischen Mann und Frau. In diesem Sinne hat vor kurzer Zeit das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass das den normalen Ehen gewährte Ehegattensplitting, das den Ehegatten unter bestimmten Bedingungen eine Minderung der Einkommenssteuersumme gewährt, auch den Homo-Ehen eingeräumt werden müsse.

 

Begründet hat das Bundesverfassungsgericht diese Entscheidung damit, dass bei unterschiedlicher Behandlung von Homo-Ehen und Ehen zwischen Mann und Frau der grundgesetzlich geschützte Grundsatz der Nichtdiskriminierung verletzt würde. Diese Begründung ist nicht überzeugend, da eine Diskriminierung immer nur dann vorliegt, wenn bei gleicher Leistung eine unterschiedliche Vergütung gewährt wird. Das Ehegattensplitting wurde bei seiner Einführung damit begründet, dass die Ehe der erste Schritt zur Familienbildung darstellt, dass unter normalen Bedingungen die Ehe zur Geburt von Kindern führt und dass also Ehen normaler Weise zur Regeneration der Bevölkerung einen Beitrag leisten, der aber nicht wie normale Leistungen in einer Marktwirtschaft unmittelbar von dem begünstigten Wirtschaftssubjekt bezahlt werden kann und gerade deshalb vom Staat gewährt werden muss. Das bedeutet, dass die Steuervergünstigung als Gegenleistung für die Erfüllung der Regenerationsfunktion anzusehen ist. Da in einer Homo-Ehe aus natürlichen Gründen kein Beitrag zur Regeneration geleistet werden kann, liegt auch keine Diskriminierung vor, wenn diese Steuervergünstigung nur Ehepartnern gewährt wird.

 

Nun kann man natürlich darauf hinweisen, dass es heutzutage nicht mehr zum Normalfall gehört, dass eine Eheschließung nur der erste Schritt zu einer Familienbildung darstellt. Immer mehr Ehen zwischen Mann und Frau werden gebildet mit dem Vorsatz, kinderlos zu bleiben und da es heutzutage zahlreiche Verhütungsmittel gibt, kann dieser Vorsatz auch in den meisten Fällen verwirklicht werden. In der Tat führt im Falle der kinderlosen Ehen das Ehegattensplitting zu einer Diskriminierung, da ja hier auch eine Ehe zwischen Mann und Frau bei Kinderlosigkeit ohne gesellschaftliche Leistung begünstigt wird.

 

Aus diesem Umstand müsste jedoch der Schluss gezogen werden, dass eben eine steuerliche Vergünstigung nicht mehr an dem Tatbestand der Eheschließung, sondern der Geburt eines Kindes festzumachen ist. Wird nun ein Ehegattensplitting an alle eingegangenen Ehen – auch den Homo-Ehen – gewährt unabhängig davon, ob Kinder erzeugt werden, dann wird in Wirklichkeit jene Gruppe von Menschen diskriminiert, welche auf der einen Seite homoerotisch veranlagt sind, welche aber auf der anderen Seite aus religiösen Gründen das Eingehen einer Homo-Ehe ablehne. Diese Menschen werden wegen ihres Glaubens diskriminiert, sie erbringen zwar keine Leistung im Zusammenhang mit der Regenerationsfunktion, aber diese Leistung wird auch von den kinderlosen Ehen nicht erbracht, obwohl auch diese Ehen steuerlich begünstigt werden.

 

Nun gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass der Familie neben der Regenerationsfunktion eine Erziehungsfunktion zufällt. Auch im Zusammenhang mit der Erziehung von Kindern werden für die Gesellschaft Leistungen erbracht, welche nicht unmittelbar in einer Marktwirtschaft bezahlt werden können. Im Gegensatz zur Regenerationsfunktion sind auch die Partner einer Homo-Ehe in der Lage, Kinder zu erziehen, indem sie Kinder adoptieren. Hier liegt also in der Tat eine Leistung vor, welche auch von Homo-Ehen erbracht werden kann.

 

Zwar wird man davon ausgehen müssen, dass eine Erziehung nur dann voll befriedigen kann, wenn die Aufgabe der Erziehung von Mann und Frau erbracht wird. Ein Kind hat sowohl zu lernen, wie sich Männer und wie sich Frauen grundsätzlich verhalten, da ja das Kind dann nach Beendigung der Erziehung immer mit beiden Geschlechtern zu tun hat. In Anbetracht dessen, dass de facto von einer großen Zahl allein stehender Erziehungsberechtigter Kinder notgedrungen erzogen werden müssen, wird man allerdings berücksichtigen müssen, dass eine Erziehung, in die sich zwei Ehepartner teilen, auch dann noch einer Erziehung mit nur einem Erziehungsberechtigten vorzuziehen ist, und dass deshalb grundsätzlich für diejenigen Homo-Ehen, welche diese Erziehungsfunktion erfüllen, durchaus eine Entlohnung seitens des Staates angezeigt ist. Aber auch hier gilt, dass diese Entlohnung daran festgemacht werden sollte, ob diese Erziehungsfunktion geleistet wird und nicht daran, ob eine Ehe geschlossen wurde, unabhängig davon, ob in dieser Ehe diese Erziehungsfunktion erbracht wird.

 

Bei der Diskussion anderer Formen geschlechtlicher Beziehungen hatten wir darauf hingewiesen, dass zur Beurteilung eines bestimmten Verhaltens auch von Bedeutung ist, ob durch diese Verhaltensweisen das Wohlbefinden des jeweiligen Geschlechtspartners unmittelbar beeinträchtigt wird. Legen wir diesen Maßstab auch für die Homo-Ehe an, so wird man im Allgemeinen davon ausgehen können, dass auch die Homo-Ehe genauso wie die Ehe zwischen Mann und Frau beiden Ehepartnern im Normalfall zugutekommt. Nur in Ausnahmefällen könnten hier Beeinträchtigungen des einen Partners zu befürchten sein. Die Beeinträchtigung bei gleichgeschlechtlichem Verkehr liegt dann also weniger darin, dass den Ehepartnern Schaden zugefügt wird, sondern darin, dass das Ordnungssystem gestört wird, da die Anreize zur Sicherstellung der Regenerationsfunktion weitgehend entfallen.

 

 

7. Selbstbefriedigung

 

Unter Onanie oder Masturbation werden alle Arten einer sexuellen Selbstbefriedigung zusammengefasst, ohne dass hierbei ein Partner beteiligt wird. Die Bezeichnung: ‚Onanie‘ kommt von Onan, einem Sohn Judas. In Genesis Kapitel 38,2-9 lesen wir:

 

2 ‚Juda sah dort die Tochter eines Kanaaniters namens Schua. Er nahm sie zur Frau und wohnte ihr bei.

3  Sie wurde schwanger, gebar einen Sohn und gab ihm den Namen Er.

4  Sie wurde abermals schwanger, gebar einen Sohn und gab ihm den Namen Onan

 

6  Juda nahm für seinen Erstgeborenen Er eine Frau namens Tamar.

7  Aber Er, der Erstgeborene Judas, missfiel dem Herrn und so ließ ihn der Herr sterben.

8 Da sagte Juda zu Onan: Geh mit der Frau deines Bruders die Schwagerehe ein und verschaff deinem Bruder Nachkommen!

9 Onan wusste also, dass die Nachkommen nicht ihm gehören würden. Sooft er zur Frau seines Bruders ging, ließ er den Samen zur Erde fallen und verderben, um seinem Bruder Nachkommen vorzuenthalten.‚

 

Im Gegensatz zu dem heutigen Verständnis der Onanie befriedigte sich somit Onan nicht selbst zur Erlangung der Geschlechtslust, sondern war vielmehr nicht bereit, entsprechend der Thora die Leviratsehe einzugehen, welche in der Verpflichtung bestand, die Frau des kinderlos verstorbenen Bruders zum Zweck der Zeugung eines dem Toten zugerechneten Sohnes und Erben und natürlich auch zur Versorgung der Frau zu heiraten.  

 

In der Vergangenheit wurde von Erziehern und Lehrern oft behauptet, dass eine Selbstbefriedigung zu schweren gesundheitlichen Erkrankungen bis hin zu Rückenmarksschwindsucht und Schwachsinn führe. Medizinisch konnte diese Behauptung noch nie nachgewiesen werden. Ganz im Gegenteil geht ein Teil der Mediziner sogar davon aus, dass eine periodisch durchgeführte Erektion sogar die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung an der Prostata verringern kann. 

 

Nun ist es sicherlich nicht angezeigt, zur Verhinderung eines sündigen Verhaltens die Unwahrheit, die ja ebenfalls eine Sünde ist, zu verbreiten. Hier besteht leicht die Gefahr, dass Personen, welche später erkennen, dass diese Wirkungen gar nicht bestehen, also fälschlicher Weise behauptet wurden, sehr leicht sich nicht nur an dieses eine Gebot nicht mehr halten, sondern Zweifel bekommen, ob sie die gesamte Religion noch als Wahrheit akzeptieren können.

 

Worin liegt nun das sündige Verhalten bei einer Selbstbefriedigung? Als erstes kann sicherlich davon ausgegangen werden, dass eine Selbstbefriedigung eines der Ehegatten zumeist keine negativen Auswirkungen auf den jeweiligen Ehepartner hat. Man wird nur sehr selten davon sprechen können, dass der Ehepartner betrogen wird, wenn sich der andere Partner selbstbefriedigt. Die Selbstbefriedigung kann durchaus den Geschlechtsverkehr ergänzen, so z. B. dass ein gemeinsamer Geschlechtsverkehr nur dann durchgeführt wird, wenn auch beide Partner hierzu bereit sind.

 

Nur dann, wenn sich ein Ehegatte fast völlig von seinem Ehepartner abwendet und sich nur noch einer Selbstbefriedigung hingeben würde, könnte davon gesprochen werden, dass der andere Ehegatte vernachlässigt wird und nicht mehr die Zuneigung empfängt, auf die er eigentlich ein Recht hätte und dass insofern dem Gebot der Nächstenliebe zuwider gehandelt würde. Und wenn die Ehe deshalb zerrüttet wird, könnte in diesen Fällen auch die Funktion der Erziehung der Kinder gefährdet werden.

 

Wir hatten in den bisherigen Abschnitten dieses Kapitels wiederholt davon gesprochen, dass in Ausnahmefällen durchaus auch ein vor- oder außerehelicher Geschlechtsverkehr geduldet sein kann, weil auf diese Weise die Institution der Ehe nicht gefährdet wird, ganz im Gegenteil sogar ein solches Verhalten zur Stabilität der Eheordnung beitragen kann, so wenn z. B. einem Matrosen, der über lange Zeit fern von seiner Ehefrau auf den Meeren und fremden Ländern verbringen muss und deshalb keinen geschlechtlichen Verkehr mit seiner eigenen Frau eingehen kann, der Besuch eines Bordells geduldet wurde. Was für den außerehelichen Verkehr gilt, hat a fortiori auch für eine Selbstbefriedigung zu gelten, da ja hier die Gefahr, dass ein Geschlechtsverkehr trotz Verhütungsmittel doch zu der Befruchtung führen kann, nicht besteht.

 

Auch wenn ein vorehelicher Verkehr dazu beitragen kann, dass zwei Menschen, welche eine Heirat planen, sich auf diese Weise auch in geschlechtlicher Hinsicht kennen lernen können und dass gerade dadurch die Gefahr einer Zerrüttung der Ehe geringer werden kann, kann auch im Hinblick auf die Selbstbefriedigung davon ausgegangen werden, dass gerade durch Selbstbefriedigung der junge Mensch überhaupt erst mit dem sexuellen Leben Bekanntschaft macht und lernt, ohne Furcht mit diesen Gefühlen umzugehen. Auch hier kann also eine Selbstbefriedigung dazu beitragen, dass sich junge Menschen bei ihrer ersten heterogen geschlechtlichen Beziehung auch so verhalten, dass der Partner durch sein Verhalten nicht abgestoßen wird.

 

Selbstbefriedigung bedeutet vor allem dann keine Verletzung des Gebotes der Nächstenliebe, wenn jemand aufgrund erblicher Veranlagung gar keine geschlechtliche Beziehung zum andern Geschlecht eingehen kann. Es wird hier kein Partner verletzt, man kann hier noch nicht einmal davon sprechen, dass eine mögliche heterogene Ehe verhindert wird, da dies ja schon in diesem Falle aufgrund der erblichen Veranlagung nicht möglich ist.

 

Es bleibt also der Umstand, dass auch bei der Selbstbefriedung der Geschlechtstrieb nicht seiner Funktion, neues Leben zu schaffen, dient und dass deshalb hier Geschlechtslust – also eine Belohnung ohne Gegenleistung – gesucht wird. Aber auch hier gilt es zu bedenken, dass je nach erblicher Veranlagung der Geschlechtstrieb auch eines homosexuell veranlagten Menschen so stark werden kann, dass bei permanentem Verzicht auf geschlechtliche Betätigung ein starker Druck und Unlust entsteht. Hier dient dann die Selbstbefriedigung weniger dazu, Lust zu empfangen, als vielmehr Unlust abzubauen und zu verhindern.

 

Dass die Selbstbefriedigung in den offiziellen Lehren der christlichen Kirchen als Sünde gebrandmarkt wird, wird oftmals unter Hinweis auf den Galaterbrief Kapitel 5,16-19 gerechtfertigt. Dort heißt es:

 

16  ‚Darum sage ich: Lasst euch vom Geist leiten, dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen.

17  Denn das Begehren des Fleisches richtet sich gegen den Geist, das Begehren des Geistes aber gegen das Fleisch; beide stehen sich als Feinde gegenüber, sodass ihr nicht imstande seid, das zu tun, was ihr wollt.

18  Wenn ihr euch aber vom Geist führen lasst, dann steht ihr nicht unter dem Gesetz.

19  Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben.‘

 

Hier wird deutlich, dass Selbstbefriedigung als ein suchtartiges Verhalten verstanden wird und dass Selbstbefriedung vor allem deshalb als Sünde bezeichnet wird, weil sich hier ein Mensch ausschließlich von seinen Gefühlen leiten lässt. Sucht gilt aber ganz allgemein als unerwünscht, der Mensch unterscheidet sich vom Tier gerade darin, dass er seine Triebe beherrschen lernt, dass er Triebe nur dort gewähren lässt, wo sie zum Wohl der Menschen dienen, dort aber unterdrückt oder umlenkt, wo ein triebhaftes Verhalten zu Schaden führt.

 

Wir haben davon auszugehen, dass Gott nach christlicher Überzeugung jede Sünde verzeiht, sofern nur der sündige Mensch seine Tat bereut und sich ehrlichen Herzens um Umkehr bemüht. Ist jedoch ein Mensch süchtig geworden, dann ist er gar nicht mehr in der Lage, sich selbst aus dieser Sucht zu befreien, er hat also einen Zustand herbeigeführt, aus dem er aus eigenen Kräften kaum mehr herausfindet und gerade deshalb auch keine Möglichkeit mehr hat, ohne fremde Hilfe und nur mit äußersten eigenen Anstrengungen zu einem normalen Leben umzukehren.

 

Auf jeden Fall muss also davon ausgegangen werden, dass es hier das Suchtverhalten ist, welches es auf jeden Fall zu vermeiden gilt und die Schwere eines hiermit verbundenen sündigen Verhaltens hängt dann davon ab, ob hier tatsächlich bereits ein suchtartiges Verhalten vorliegt. Weiterhin liegt ein sündiges Verhalten in dem Umfang vor, in dem der einzelne in der Vergangenheit leichtfertig dazu beigetragen hat, dass ein Verhalten schließlich zu einer Sucht ausartet und nicht etwa mehr oder weniger ohne eigene Schuld in ein solches Verhalten von anderen hineingeführt wurde. Schließlich gilt, dass gerade das Gebot der Nächstenliebe uns verpflichtet, denen, welche in Not geraten sind, zu helfen, aus dieser Sucht wiederum herauszufinden. Gerade weil sich ein bereits Süchtiger kaum aus eigenen Kräften aus dieser Sucht befreien kann, bedarf es umso mehr einer tatkräftigen Hilfe der Außenstehenden.

 

 

8. Sonstige sexuelle Verfehlungen wie Inzest, Sodomie, Päderastie

 

Wir wollen uns zum Abschluss dieses Kapitels über das sechste Gebot mit einigen Abarten des sexuellen Lebens wie insbesondere mit dem Inzest, der Päderastie sowie der Sodomie befassen. Alle diese Verhaltensweisen werden sowohl von der weltlichen wie auch der religiösen Sittenlehre als pervers bezeichnet und als ein schwerwiegender Straftatbestand bzw. Sünde verurteilt. Auch in der Begründung dieser Ablehnung bestehen keine größeren Abweichungen zwischen diesen Sittenlehren. Wir können uns also bei der Darstellung und Analyse dieser Vergehen kurz fassen. Beginnen wir mit dem Inzest.

 

Als Inzest oder auch Blutschande bezeichnet man die geschlechtlichen Beziehungen zwischen Eltern und Kindern oder der von den gleichen Eltern abstammenden Kinder untereinander. Schon der Name: Inzest deutet die Verwerflichkeit eines solchen Verhaltens an. Das Wort Inzest entstammt dem Lateinischen und bedeutet so viel wie frevelhaft. Fragen wir nach den Anfängen eines solchen Verbots, so stellen wir fest, dass es sich hierbei um ein sehr altes Verbot handelt, schon sehr früh in der Menschheitsgeschichte wurde der Inzest abgelehnt und dies auch nahezu in allen Kulturen. Im vierten Buch Moses, Deuteronomium Kapitel 23,1 heißt es z. B.: ‚Ein Mann darf eine Frau seines Vaters nicht heiraten; denn er darf das Bett seines Vaters nicht aufdecken.‘

 

Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern lassen sich allerdings darin finden, dass der Grad der Verwandtschaft, von dem ab gemeinsame geschlechtliche Beziehungen untersagt sind, von Land zu Land variiert, so wird z. B. in Deutschland auch von Inzest bei Beziehungen zwischen den Großeltern und ihren Enkeln gesprochen, Unterschiede ergeben sich vor allem in der Frage, inwieweit auch Vettern und Basen, Onkeln oder Tanten und Neffen oder Nichten, Schwiegervater oder -mutter und Schwiegertochter oder -sohn in dieses Inzesttabu einbezogen werden. Allerdings gelten selbstverständlich die Kinder unabhängig davon, ob sie vergewaltigt wurden oder aus freien Stücken an diesen Handlungen beteiligt waren, als nicht straffähig, da ganz generell die Jugendlichen erst allmählich mündig werden, also erst ab einem bestimmten Alter für ihre Handlungen verantwortlich gemacht werden können.

 

Sigmund Freud war davon überzeugt, dass das Inzestverbot für die Entwicklung der menschlichen Kultur unerlässlich sei. In der psychoanalytischen Theorie Siegmund Freuds spielt das Inzesttabu im Zusammenhang mit dem Ödipuskomplex (bzw. dem Elektrakomplex) eine entscheidende Bedeutung. Mit der These des Ödipuskomplexes wird auf die griechische Sage von Ödipus bzw. Elektra Bezug genommen. Nach dieser Sage hatte König Ödipus unwissentlich seinen Vater erschlagen und seine Mutter geheiratet. Elektra hingegen, die Tochter des Agamemnon und der Klytämnestra, trieb ihren Bruder Orest an, Ägisth und ihre Mutter Klytämnestra zu ermorden, da beide ihren Vater Agamemnon ermordet und sich hierauf vermählt hatten.

 

Nach Freud komme in dieser Sage ein allgemeingültiger und entscheidender Entwicklungskonflikt zum Ausdruck. Es werde hier zum Ausdruck gebracht, dass sich die frühkindlichen Wünsche und Gefühle jeweils auf den gegengeschlechtlichen Elternteil beziehen und dass damit der gleichgeschlechtliche Elternteil – wenn auch durchaus geliebt – zum Konkurrenten werde.

 

Dieser Konflikt erreiche nun nach Freud seinen Höhepunkt zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr, weshalb dieser Lebensabschnitt von Freud auch als ödipale Phase bezeichnet wird. Der Übergang zur nächsten Entwicklungsphase, der sogenannten Latenzphase trete dann ein, wenn die inzestuösen Wünsche durch eine Art von Verdrängung bewältigt werden, weil das diffuse Begehren unerfüllt bleibe und wenn sich der Sohn mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter identifiziere, eine Entwicklung, welche sich schließlich im Über-Ich manifestiere. Freud war der Überzeugung, dass psychische Erkrankungen und vor allem Neurosen dann zu befürchten sind, wenn dieser Ödipuskomplex in der Kindheit nicht richtig verarbeitet und damit bewältigt wurde.

 

In der Nachfolge Freuds wird heutzutage der Ödipuskomplex im Rahmen Psychoanalyse etwas anders gedeutet: Zunächst hätte sich in der frühen Phase der Kindheit eine Mutter-Kind-Beziehung herausgebildet, die sich allein auf diese zwei Individuen beziehe. Von einem bestimmten Entwicklungszeitpunkt an wende sich das Kind jedoch dem Vater zu und diese so entstehende Dreierbeziehung löse neue Probleme und Konflikte hervor, die nun vom Kind erst verarbeitet und verinnerlicht werden müssten.

 

Wenn also auch fast zu allen Zeiten und in allen Ländern der Inzest für eines der schwersten Vergehen gehalten wurde, findet sich vor allem bei Königen und Fürsten sehr wohl eine inzestuöse geschlechtliche Verbindung. So war z. B. der der Pharao im alten Ägypten ähnlich wie zahlreiche Könige im sonstigen Afrika sogar verpflichtet, eine sehr enge weibliche Verwandte, vor allem seine Schwester, zu seiner ersten Frau zu nehmen. Diese Verpflichtung ergab sich aus der Vorstellung, dass der König göttlichen Ursprung sei und auch als Gott zu verehren sei und dass nur dadurch dieser göttliche Ursprung gewahrt werden könne, wenn sich der König seine Frau aus der eigenen Familie erwähle. Nur auf diese Weise könne die Reinheit des königlichen Blutes erhalten werden.

 

Dass von diesen Ausnahmen abgesehen ein Inzest streng verboten war, wurde damit gerechtfertigt, dass bei Kindern, welche aus solchen Verbindungen hervorgehen, ein erhöhtes Risiko der Konzentration krankheitsverursachender rezessiver Gene bestehe, aufgrund derer auf der einen Seite mit lebensbedrohenden Krankheiten wie z. B. der Bluterkrankheit, auf der anderen Seite mit Geisteskrankheiten gerechnet werden müsse. In der Tat ließ sich auch in Europa bei den Fürsten, welche die Verheiratung mit näheren Verwandten bei sich selbst zuließen, vermehrt diese Art von Krankheiten feststellen.

 

Befassen wir uns nun kurz mit der Päderastie bzw. mit der Pädophilie. Letztere bezieht sich auf die Neigung eines Erwachsenen, mit einem Kind im Frühstadium der Pubertät sexuelle Beziehungen zu pflegen. Von Päderastie hingegen wird gesprochen, wenn Erwachsene geschlechtliche Beziehungen mit Kindern tatsächlich eingehen, während der Begriff der Pädophilie weiter gefasst ist und alle Formen sexueller Neigungen umfasst.

 

Sofern es zu eindeutigen sexuellen Handlungen mit Kindern kommt, liegt ein sexueller Missbrauch vor, welcher mit einer Gefängnisstrafe geahndet wird. Da es sich bei Pädophilen zumeist um Menschen mit erbbedingten Neigungen handelt, wird allerdings versucht, bevor es zu diesen Straftatbeständen kommt, durch psychotherapeutische Maßnahmen die Gefahr eines Ausbruchs dieser perversen Handlungen zu verhindern oder zumindest einzudämmen.

 

Als besonders strafwürdig gelten päderastische Handlungen dann, wenn sie von Personen ausgeführt werden, welchen die Opfer als minderjährige Schutzbefohlene ausgeliefert sind. Dies gilt vor allem für die Eltern, welche ja gerade die Aufgabe haben, ihre Kinder vor möglichen Gefahren zu bewahren. Auch gilt es zu bedenken, dass die Kinder ja zum Gehorsam gegenüber ihren Eltern verpflichtet sind und als solche sich kaum gegen Angriffe seitens der Eltern wehren können, ganz davon abgesehen, dass bis zu einem bestimmten Alter Kinder sich kaum gegenüber Erwachsenen aufgrund deren körperlicher Stärke durchsetzen können.

 

In ähnlicher Weise gilt natürlich, dass der geschlechtliche Missbrauch, der von Lehrern oder auch Amtspersonen wie z. B. Gefängniswärtern, von Polizisten oder auch Ärzten ausgehen und in einem Missbrauch ihrer Amtsstellung besteht, in besonderem Maße strafwürdig ist.

 

Weiter oben haben wir gesehen, dass Vergewaltigungen gegenüber Erwachsenen als ein besonders schweres Vergehen angesehen werden müssen und zwar deshalb, weil die vergewaltigte Person in aller Regel aufgrund der Vergewaltigung schwerste seelische Nöte erfährt, welche oftmals das gesamte weitere Leben andauern und nur in einer sehr aufwendigen und langwierigen psychotherapeutischen Behandlung kuriert werden können. A fortiori muss eine sexuelle Misshandlung von Kindern als ein besonders strafwürdiges Vergehen angesehen werden. Kinder sind nämlich noch nicht in der Lage, mit sexuellen Beziehungen und Neigungen umzugehen, es besteht die Gefahr, dass auf diese Weise ihre allgemeine Entwicklung behindert und gefährdet wird und dass der Betroffene zeit seines Lebens unfähig bleibt, normale Beziehungen zum andern Geschlecht zu entwickeln.

 

Befassen wir uns schließlich noch kurz mit der Sodomie. Als Sodomie wird der Geschlechtsverkehr eines Menschen mit einem lebenden Tier bezeichnet. Während Sodomie in weiten Kreisen der Bevölkerung im In- und Ausland als ein besonders perverses Verhalten angesehen wird und auch die christlichen Kirchen die Sodomie als ein besonders schweres Vergehen ansehen, wird seit dem ersten Strafrechtsreformgesetz von 1969 die Sodomie in der Bundesrepublik Deutschland nicht mehr strafrechtlich verfolgt. Auch Österreich und die Schweiz kennen heute keinen Straftatbestand der Sodomie mehr. Allerdings wird in der Bundesrepublik auch heute noch die Darstellung sodomistischer Handlungen als Pornographie unter Strafe gestellt. Wenn bisweilen die fehlende Strafverfolgung von sodomistischen Handlungen damit gerechtfertigt  wird, dass Tiere keine rechtsfähigen Subjekte seien, muss allerdings betont werden, dass es ja auch Vergehen gegen Tiere, wie z. B. Tierquälerei gibt.  

 

Machen wir uns klar, was denn die Heilige Schrift zur Verwerflichkeit der Sodomie aufführt. Der Begriff: Sodomie bezieht sich auf die Städte Sodom und Gomora. Im ersten Buch Moses wird darüber berichtet, dass sich die Bewohner dieser beiden Städte durch besondere Lasterhaftigkeit und Verworfenheit ausgezeichnet hatten und dass Gott deshalb die Bewohner dieser beiden Städte mit Ausnahme des als tugendhaft beschriebenen Lots samt seiner Familie vernichtet jatte, in dem der Herr Schwefel und Feuer über diese Städte regnen ließ. Im Buch Genesis Kapitel 13,13 heißt es:

 

‚Die Leute von Sodom aber waren sehr böse und sündigten schwer gegen den Herrn.‘

 

Hier wird also klar gestellt, dass schon im Alten Testament in der Sodomie ein besonders verwerfliches Verhalten gesehen wurde. Über die Gründe, weshalb gerade die Sodomie als besonders schwere Sünde angesehen wurde, wird an dieser Stelle allerdings nicht berichtet. Erst im Neuen Testament im Judas-Brief Vers 7 erfahren wir: ‚Auch Sodom und Gomorra und ihre Nachbarstädte sind ein Beispiel (für besonders schwere Sündhaftigkeit): ‚In ähnlicher Weise wie jene trieben sie Unzucht und wollten mit Wesen anderer Art verkehren; daher werden sie mit ewigem Feuer bestraft.

 

Im Buch Genesis Kapitel 19,1-5 erfahren wir allerdings etwas genauer, worin denn die Sündhaftigkeit der Bewohner von Sodom gesehen wurde:

 

1  ‚Die beiden Engel kamen am Abend nach Sodom. Lot saß im Stadttor von Sodom. Als er sie sah, erhob er sich, trat auf sie zu, warf sich mit dem Gesicht zur Erde nieder

2  und sagte: Meine Herren, kehrt doch im Haus eures Knechtes ein, bleibt über Nacht und wascht euch die Füße! Am Morgen könnt ihr euren Weg fortsetzen. Nein, sagten sie, wir wollen im Freien übernachten.

3  Er redete ihnen aber so lange zu, bis sie mitgingen und bei ihm einkehrten. Er bereitete ihnen ein Mahl, ließ ungesäuerte Brote backen und sie aßen.

4  Sie waren noch nicht schlafen gegangen, da umstellten die Einwohner der Stadt das Haus, die Männer von Sodom, Jung und Alt, alles Volk von weit und breit.

5  Sie riefen nach Lot und fragten ihn: Wo sind die Männer, die heute Abend zu dir gekommen sind? Heraus mit ihnen, wir wollen mit ihnen verkehren.‘

 

Hier ist es also gar nicht so sehr der sexuelle Verkehr mit Tieren, der gebrandmarkt wird, sondern der Hinweis, dass offensichtlich die Bewohner von Sodom gleichgeschlechtlichen Verkehr gepflegt haben. Der heute übliche Gebrauch, Sodomie mit sexuellem Verhalten mit Tieren gleichzusetzen, entspricht somit nicht ganz der biblischen Quelle. Es bleibt allerdings davon unberührt, dass der sexuelle Verkehr mit Tieren von der Bibel als Perversion gebrandmarkt wird.

 

Wie ist es nun zu erklären, dass die geschlechtliche Vereinigung von Menschen mit einem Tier als unnatürlich verworfen wird? Nach heutiger Erkenntnis gehen wir davon aus, dass der Mensch in einem sehr langwierigen Entwicklungsprozess aus den Tieren hervorgegangen ist, also durchaus auch Erbmerkmale der Tiere, wie vor allem Triebe und Instinkte aufweist, sich aber trotzdem entscheidend vom Tier dadurch unterscheidet, dass er in der Lage ist, vernunftbegabt auch einmal gegen seine Triebe und Instinkte zu handeln und dass gerade in diesem Merkmal einer der wichtigsten Gründe für den Unterschied zwischen Mensch und Tier besteht.

 

Bei einem geschlechtlichen Verkehr eines Menschen mit einem Tier besteht deshalb die Gefahr, dass dann bei den so erzeugten Kindern bisweilen wiederum diese für den Menschen wesentlichen Erbmerkmale verloren gehen und gerade deshalb kein neues Wesen geschaffen wurde, das als vollwertiger, sich vom Tier  unterscheidbarer Mensch in jedem Falle gelten muss. Die Entwicklung des menschlichen Lebens sollte also auf keinen Fall umgekehrt werden. Es war ein Fortschritt, dass aus tierischem Leben schließlich der Mensch hervorging, dieser Entwicklungsprozess ist in Gefahr, wenn man auch den geschlechtlichen Verkehr zwischen Mensch und Tier zulassen würde.