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Die Zehn Gebote

 

 

 

Gliederung:

 

0. Einführung

1. Das erste Gebot

2. Das zweite Gebot

3. Das dritte Gebot

4. Das vierte Gebot

5. Das fünfte Gebot

6. Das sechste und neunte Gebot

7. Das siebte und zehnte Gebot

8. Das achte Gebot

 

 

Kapitel 6: Das sechste und neunte Gebot

 

 

Gliederung:

 

1. Einführung

2. Scheidung

3. Abtreibung und Verhütung

4. außerehelicher und vorehelicher Geschlechtsverkehr

5. Monogamie, Polygamie, Promiskuität

                   6. gleichgeschlechtliche Partnerschaft

7. Selbstbefriedigung

8. Sonstige sexuelle Verfehlungen wie Inzest, Sodomie, Päderastie

 

 

 

4. außerehelicher und vorehelicher Geschlechtsverkehr

 

Wir kommen nun zu den Verfehlungen des sechsten Gebotes, welche in einem außerehelichen Geschlechtsverkehr bestehen. Wenn wir vom Wortlaut des sechsten und neunten Gebotes ausgehen, liegt hier sicherlich der Kern dieses Verbotes: ‘du sollst nicht ehebrechen und du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib oder Mann‘. Ein Ehebruch liegt eben genau dann vor, wenn einer der Ehegatten mit einem Außenstehenden geschlechtlichen Verkehr hat.

 

Mit den Gründen dafür, dass der Ehebruch als Sünde gilt, haben wir uns bereits wiederholt beschäftigt. Wir haben im vorhergehenden Abschnitt gesehen, dass eine der Funktionen der Ehe auch darin besteht, dass die Ehepartner eine intensive Lebensgemeinschaft eingehen, welche vor allem auch in der geschlechtlichen Vereinigung ihren Höhepunkt findet. Dieses Einvernehmen wird gefährdet, wenn einer der Ehepartner ‚fremd‘ geht.

 

Ein Ehebruch bringt vor allem aber stets die Gefahr mit sich, dass das eheliche Leben gestört und bei häufiger Wiederholung auch zerstört wird. Der jeweils Betrogene sieht darin einen Vertrauensbruch. Wir müssen jedoch davon ausgehen, dass die wichtigste Aufgabe der Ehe: das Zeugen und Gebären von Kindern und die Erziehung der eigenen Kinder erschwert wird, wenn das Vertrauensverhältnis zwischen den Ehepartnern entscheidend gestört ist.

 

Nun hatten wir ebenfalls darauf hingewiesen, dass fälschlicher Weise von vielen Gläubigen die Vergehen gegen das sechste Gebot als Sünde aller Sünden gehalten wird, dass aber dieses Verständnis sicherlich nicht den Lehren entspricht, die Jesus verkündet hat. Jesus hat uns darauf hingewiesen, dass im Grunde genommen alle Sünden auf das Gebot der Gottesliebe und der Nächstenliebe zurückgeführt werden können und dass wir Gott insbesondere dadurch ehren und achten, dass wir unseren Nächsten Hilfe gewähren, wann immer sie sie benötigen.

 

Aus dieser Sicht ist der Ehebruch in allererster Linie insoweit eine Sünde, als er die Mitmenschen in Bedrängnis führt und bei den Mitmenschen Schaden hervorruft. Geschädigt wird bei einem Ehebruch der betrogene Ehegatte und immer dann, wenn ein Ehebruch zu einer Störung im Verhältnis der Ehegatten führt, werden zumeist auch die Kinder geschädigt, da ein Hauptteil der Erziehung eben gerade darin besteht, den Kindern ein Vorbild zu sein und ihnen zeigen, wie ein friedliches Nebeneinander möglich ist.

 

Wie schwer nun ein Ehebruch wiegt, hängt nun von einer Reihe unterschiedlicher Umstände ab. Es ist klar, ein einmaliger ‚Ausrutscher‘ wiegt weniger als eine feste, außereheliche Beziehung. Eine Zerstörung der eigenen Ehe ist weiterhin wahrscheinlicher, wenn aus den außerehelichen Beziehungen Kinder hervorgehen. Auch wiegt ein Ehebruch, der im Grunde genommen als eine Reaktion der ehelichen Untreue des anderen Ehepartners hervorgeht, etwas geringer, als dann wenn aus einer einwandfrei guten Beziehung beider Ehegatten der eine Partner mutwillig das Einvernehmen dadurch stört, dass er von sich aus außerehelichen Geschlechtsverkehr beginnt.

 

Schließlich gilt es zu berücksichtigen, dass es für einen Ehebruch immer zweier Partner bedarf und dass eine Ehegatte unter Umständen von einem Dritten Außenstehenden in starkem Maße zum Ehebruch verleitet wird. Zur Beurteilung der Schwere der Versündigung kommt es also immer auch darauf an, welchen Anteil der Ehebrecher am Zustandekommen des Ehebruchs hat.

 

Wie jede Sünde können auch die Verfehlungen gegen das sechste Gebot von Gott vergeben werden. Voraussetzung ist allerdings, dass der sündige Mensch bereut und ehrlich bemüht ist, in Zukunft umzukehren. Aber was heißt denn Reue und Umkehr in Bezug auf das sechste Gebot? Wenn die erotische Liebe gegenüber dem Ehegatten erloschen ist – und dies ist erfahrungsgemäß bei sehr vielen Ehepaaren nach einer Reihe von Jahren der Fall – und wenn sich nun einer der Ehegatten in eine andere Person verliebt, so handelt es sich hierbei um einen Vorgang, der nicht etwa als ein rationaler vom Verstand ausgelöster Akt zu verstehen ist, von dem vielmehr je nach Veranlagung die meisten einfach überwältigt werden. Und gerade deshalb dürfte es für die meisten Betroffenen auch gar nicht möglich sein, diese emotionelle Haltung, das Verliebtsein, einfach durch einen willentlichen Akt zu beenden.

 

Möglich ist aber dennoch, dass derjenige, welcher den Ehebruch begangen hat, sich bewusst wird, dass er gegen seinen Ehegatten und seinen Kindern gegenüber Pflichten hat, welche schwerer wiegen als verliebt zu sein. Seine Reue und Umkehr kommt dann vor allem dadurch zum Ausdruck, dass er sich darum bemüht, Situationen, welche dann zu einem neuen Ehebruch führen können, nach Möglichkeit auszuweichen. Natürlich ist das nicht immer möglich, vor allem dann nicht, wenn er aus beruflichen Gründen mit der Person, in der er sich verliebt hat, notwendiger Weise zusammenarbeiten muss. Oftmals gibt es aber sehr wohl Möglichkeiten, wie man einer Begegnung ausweichen kann, z. B. dadurch, dass man einen anderen Weg zur Arbeit wählt, wenn man auf einem bestimmten Weg der verliebten Person über den Weg läuft oder in dem man sich darum bemüht, an einem anderen Arbeitsplatz beschäftigt zu werden.

 

Auf jeden Fall zählt es zu den Verpflichtungen eines jeden erwachsenen Menschen, sich nicht von den Trieben allein leiten zu lassen und auch aktiv daran zu arbeiten, dort einem triebhaften Handeln auszuweichen, wo triebhaftes Handeln Schaden verursacht. Es kommt hierbei vor allem darauf an, dass sich der einzelne darum bemüht, als fehlerhaft erkannte Verhaltensweisen abzubauen, es wäre zu viel verlangt, zu erwarten, dass ein vielleicht über viele Jahre praktiziertes Verhalten sozusagen über Nacht überwunden werden kann.

 

Im Zusammenhang mit der Umkehr steht auch die Frage, ob eine Verfehlung dem anderen Ehegatten ‚gebeichtet‘ werden soll. Sicherlich kann eine Vertrauensbeziehung zwischen den Ehegatten nur aufrechterhalten bleiben, wenn die einzelnen Ehegatten ehrlich zueinander sind. Und da sich die Ehepartner in der kirchlichen Trauung versprochen haben, zueinander zu halten und die Ehe nicht zu gefährden, hat der betrogene Ehepartner sicherlich auch ein Recht, über Verfehlungen des Partners aufgeklärt zu werden. Man wird deshalb in aller Regel von demjenigen, der die Ehe gebrochen hat, auch verlangen können, dass er nach vollzogenem Ehebruch seine Handlungen dem Ehepartner auch gesteht. Der Ehebrecher hat sich mit seinem Ehebruch nicht nur gegen Gott, sondern auch und gerade gegenüber seinem Ehegatten versündigt. Eine Sünde kann vergeben werden, aber eine Vergebung seitens des Betrogenen setzt ja wohl voraus, dass der Betrogene von dieser Verfehlung erfährt.

 

Nun wird man allerdings einräumen müssen, dass in der Realität sehr oft gerade aufgrund des Umstandes, dass der Ehebrecher seinem Ehegatten die Tat gesteht, überhaupt erst die Ehe ernsthaft gefährdet wird, dass aber umgekehrt dann, wenn der geschlechtliche Verkehr mit einem Dritten vor dem Ehegatten verheimlicht wird, das Eheleben normal und friedlich weitergelebt werden kann, vor allem dann, wenn es sich tatsächlich nur um einen einzigen Ausrutscher gehandelt hat. Wäre es hier nicht zur Erhaltung des ehelichen Friedens erwünscht, die Tat vor dem Ehegatten geheim zuhalten?

 

Gegen eine solche Rechtfertigung spricht allerdings der Umstand, dass auch dann, wenn der betrügende Ehegatte seinen Ehebruch vor dem Ehegatten geheim hält, immer die Gefahr besteht, dass der betrogene Ehepartner schließlich doch von dieser Verfehlung von Dritter Seite erfährt und dass dann die Gefahr einer Zerrüttung der Ehe um so größer ist. Der betrogene Ehepartner fühlt sich in diesem Falle verletzt, weil sein Ehepartner mit einer dritten Person geschlafen hat und damit sein Ehegelöbnis gebrochen hat, weiterhin zusätzlich, weil der Ehebrecher seine Tat nicht dem betrogenen Ehegatten gebeichtet hat und schließlich auch deshalb, weil nun das Ehezerwürfnis öffentlich wurde und Nachbarn und Bekannte unter Umständen vor allem auch den betrogenen Partner herabsetzen.

 

Wenn es also den Anschein hat, dass insgesamt gesehen das Eingestehen der sündigen Tat gegenüber dem betrogenen Ehepartner der richtigere Weg darstellt, gilt es auch zu berücksichtigen, dass die Frage, ob ein Geständnis zur Bereinigung oder gerade zu einem weiteren Zerwürfnis einer Ehe führt, nicht nur vom Verhalten des Betrügenden, sondern eben auch des Betrogenen abhängt. Wenn der Ehebrecher weiß, dass sein Ehegatte ein Ehebruch nie und nimmer verzeihen wird, wie sehr auch der Ehebrecher seine Tat bereut, ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass eine Beichte vor dem Ehegatten zu einer Zerrüttung der Ehe führt, größer und gerade deshalb wird die Bereitschaft des Offenlegens der Verfehlung gering sein.

 

In diesem Zusammenhang gilt es auch daran zu erinnern, dass nach christlicher Überzeugung nur derjenige von Gott Vergebung seiner Sünden erwarten kann, der selbst bereit ist, die Sünden, welche ein anderer gegen ihn selbst begangen hat, zu vergeben. Im Vaterunser bitten die Gläubigen: ‚Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben (eigentlich heißt es vergeben haben)‘ unsern Schuldigern‘. Dies bedeutet aber, dass auch der Betrogene selbst dazu beitragen kann, dass eine Bereinigung der Ehe möglich wird. Wohl kein Mensch ist ohne Sünde und auch die Sünde gegen das sechste Gebot wiegt auch nicht schwerer als die anderen im Dekalog aufgezählten Vergehen, sodass auch dem betrogenen Ehepartner die Pflicht zufällt, durch sein Verhalten zu einer Befriedung einer gestörten Ehe beizutragen. Und wenn der betrogene Ehepartner von vornherein durch sein Verhalten kund tut, dass er durchaus dieser Pflicht des Vergebens nachkommen will, dürfte es auch für den Ehebrecher sehr viel einfacher sein, seine Tat zu bekennen.

 

Diese allgemeine Verpflichtung zur Vergebung wird vor allem dann gravierend verletzt, wenn bestimmte Verhaltensvorschriften dann anders ausgelegt werden, wenn ein anderer gegen einem selbst sündigt als dann, wenn man selbst sündigt.  Nach Matthäus Kapitel 7,12 sagt Jesus: ‚Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.‘ Geschlechtlicher Verkehr mit einem Außenstehenden ist unabhängig vom Geschlecht des Ehebrechers eine Sünde, wenn ein Mann die Ehe bricht, ist das genauso eine Sünde, wie wenn die Frau die Ehe bricht. Am Ehebruch ist immer ein Mann und eine Frau beteiligt und insofern machen sich auch beide Personen schuldig, wenn sie die Ehe brechen. Davon unberührt ist natürlich, dass der Anteil am Zustandekommen eines Ehebruches bei den beteiligten Personen im Einzelfall durchaus unterschiedlich groß sein kann, dass also der eine Teil mit List und aller Gewalt einen anderen zu verführen versucht, während der andere einfach denn Versuchungen des anderen unterliegt und nachgibt.

 

Das sechste Gebot spricht nur davon, dass der geschlechtliche Verkehr sündhaft ist. Zwar verlangt das neunte Gebot, dass man noch nicht einmal des Nächsten Weib begehren soll und Jesus hatte in seiner Bergpredigt gesagt, dass schon derjenige, der einen andern lüstern anschaut, sich sündig gemacht hat. Dies bedeutet jedoch nicht, dass jede Zuwendung zu einem Dritten bereits als Verstoß gegen das sechste und neunte Gebot aufgefasst werden muss. Gerade der Umstand, dass die berufliche Tätigkeit in einer industriellen Gesellschaft in aller Regel nicht mehr in dem eigenen Familienbetrieb stattfindet, bringt es mit sich, dass die Herstellung von Gütern und Dienstleistungen eine zum Teil intensive Zusammenarbeit der einzelnen Beschäftigten voraussetzt. Wollte man verbieten, dass ein verheirateter Mann mit keiner anderen Frau als mit der Ehegattin sprechen darf oder ihr Gefälligkeiten erweist, wäre die berufliche Arbeit ernsthaft gestört.

 

Auch dann, wenn ein Mann eine andere Frau küsst oder sich in einem Flirt mit einer Frau unterhält, ist sicherlich das sechste Gebot noch nicht verletzt. Nur der geschlechtliche Verkehr und natürlich auch die Absicht einer solchen Handlung, also das geschlechtliche Begehren ist untersagt, dieses Verbot bezieht sich jedoch nicht auf generelle freundschaftliche Beziehungen. Ein Ehegatte besitzt keineswegs ein monopolartiges Recht auf schlechthin alle zwischenmenschlichen Beziehungen des anderen Ehegatten. Monopolansprüche sind nur in ganz wenigen Fällen angezeigt, in denen bestimmte gesellschaftliche Leistungen nur auf diese Weise garantiert werden können. Nach religiöser Überzeugung gehören die geschlechtlichen Beziehungen zu diesen Ausnahmetatbeständen, für alle anderen Beziehungen gilt, dass Monopolansprüche für das allgemeine Wohl eher hinderlich sind.

 

Auch dann, wenn nach dem sechsten Gebot grundsätzlich jeder außereheliche Geschlechtsverkehr als Verfehlung bezeichnet werden muss, gilt es jedoch auch hier grundsätzlich wie bei jedem Gebot zu überprüfen, ob in Einzelfällen trotzdem kein sündhaftes Handeln vorliegt, weil entweder der Sinn des Gebotes gar nicht verletzt wird bzw. sogar gefördert wird oder weil gerade auf diesem Wege andere Werte geschützt werden.

 

Eine solche Ausnahmesituation könnte z. B. dann vorliegen, wenn der eine Ehegatte krankheitsbedingt gar nicht mehr zum geschlechtlichen Verkehr fähig ist und wenn nun der andere Ehepartner gerade dadurch, dass er mit einer dritten Person Geschlechtsbeziehungen unterhält, eine Zerrüttung der Ehe zu verhindern versucht. Dies könnte dann sowohl dem kranken Ehepartner wie auch den gemeinsamen Kindern zugute kommen, wenn auf diese Weise der gesunde Ehepartner sich in der Lage fühlt, sich dem kranken Ehepartner zu widmen und gleichzeitig den Erfolg der Erziehung der Kinder nicht gefährdet.

 

Selbstverständlich gilt es bei der Beurteilung einer solchen Handlung die einzelnen Umstände sehr genau zu prüfen und gegeneinander abzuwägen. Billigt der kranke Partner das Verhalten des anderen, drängt er unter Umständen sogar den gesunden Ehegatten zu einem solchen Verhalten, um auf diese Weise eine Trennung zu verhindern? Auch ist zu überprüfen, welche erblich bedingte Veranlagung der gesunde Ehepartner aufweist, wie sehr es ihn also belastet, auf geschlechtliche Beziehungen überhaupt zu verzichten.

 

Ein zweiter Ausnahmefall kann vorliegen, wenn der eine Ehegatte beruflich für längere Zeit von seinem Ehegatten getrennt leben muss. Hier besteht wiederum die Möglichkeit, dass bei dem einen odere anderen erblich bedingt der Geschlechtstrieb so stark ausgeprägt ist, dass er bei einer vollständigen Enthaltsamkeit über längere Zeit hinweg einer starken seelischen Belastung ausgesetzt wäre. Im Mittelalter zählten hierzu z. B. Matrosen, welche für mehr als ein Jahr auf Seefahrt waren und aus diesen Gründen auf die geschlechtliche Beziehung mit der Ehegattin verzichten mussten. Hier wurde die Einrichtung von Bordellen in einzelnen Hafenstädten von der Kirche zwar nicht gerechtfertigt, aber dennoch geduldet.

 

Eine besondere Form eines außerehelichen Geschlechtsverkehrs liegt in den vorehelichen Geschlechtsbeziehungen. Wir hatten weiter oben bereits darauf hingewiesen, dass der Zusammenhalt einer Ehe entscheidend davon abhängt, ob die Ehepartner im Hinblick auf ihre Neigungen und Verhaltensweisen überhaupt zu einander passen. Wir haben daraus den Schluss gezogen, dass die Stabilität einer Ehe nur garantiert werden kann, wenn sich die Partner vor der Ehe gewissenhaft prüfen, ob sie wirklich in der Lage sind, die Ehe in guten und schlechten Zeiten zu erhalten.

 

Die Eignung zweier Partner zur gemeinsamen Ehe bezieht sich nun nicht nur auf die allgemeinen Eigenschaften der beiden Partner. Auch gerade die Frage, ob zwei Menschen bei der geschlechtlichen Beziehung harmonieren, ist für die Stabilität einer Ehe von entscheidender Bedeutung. Sehr oft scheitern Ehen daran, dass gerade die geschlechtlichen Beziehungen Probleme aufwerfen, welche eine geschlechtliche Vereinigung unmöglich machen oder sogar bei dem einen Partner Unlust hervorrufen. Also würde aus dieser Sicht gerade ein vorehelicher Geschlechtsverkehr unter Umständen die Stabilität der Ehe fördern, da dann nur diejenigen Partner eine Ehe eingehen, welche auch in geschlechtlicher Hinsicht harmonieren.

 

Allerdings gilt es zu bedenken, dass der voreheliche Geschlechtsverkehr auch zu einer ungewollten Geburt führen kann. Gerade junge Ehepaare sind bestrebt, erst dann Kinder zu zeugen, wenn die berufliche Ausbildung beendet ist und damit die materiellen Voraussetzungen für das Führen einer Familie gegeben sind. Es müssten dann auf jeden Fall die üblichen Vorsorgemaßnahmen eingeleitet werden, um eine Schwangerschaft möglichst zu vermeiden. Im vorherigen Abschnitt hatten wir allerdings gesehen, dass keine Vorbeugungsmaßnahme absolut sicher eine Geburt verhindert und dass ausgerechnet die Anwendung der natürlichen Vorbeugung, welche als einzige von der katholischen Kirche empfohlen wird, besonders unsicher ist.

 

Weiterhin gilt es zu beachten, dass diese Zielsetzung (sicherzustellen, dass die potenziellen Ehepartner auch geschlechtlich zueinander passen) ja dann erreicht sein kann, wenn die beiden Partner festgestellt haben, dass sie durchaus auch in geschlechtlicher Beziehung miteinander harmonieren, dass sie aber gerade deshalb dann zumeist die vorehelichen Beziehungen fortsetzen. In diesem Falle wäre also auch nicht mehr die Rechtfertigung gegeben, gegen das prinzipielle Verbot des Ehebruches zu verstoßen.

 

Auch hier gilt natürlich, dass dann, wenn der voreheliche Verkehr zur Befruchtung der Frau geführt hat, Reue und Umkehr gerade dadurch erschwert werden und die Schwere der Verletzung verstärkt wird, wenn nun entweder der Versuch gemacht wird, das Kind abzutreiben um es vor den Eltern zu verbergen oder wenn sogar die Eltern eine Abtreibung verlangen. Hier ist sicherlich der richtige Weg, dass die Partner ehelichen und in der Bildung einer Ehe tatkräftig von den Eltern der beiden Partner materiell wie auch seelisch unterstützt werden.

 

 

5. Monogamie, Polygamie, Promiskuität

 

Bei unseren bisherigen Überlegungen verstanden wir unter Ehe immer die Lebensgemeinschaft zwischen einem Mann und einer Frau. Man spricht hierbei von der Monogamie. Im Verlaufe der Geschichte bildeten sich jedoch vor allem in afrikanischen und asiatischen Staaten polygame Ehen heraus, bei denen der eine Ehepartner – zumeist der Mann – zwei oder auch mehrere Frauen (bzw. zwei oder mehrere Männer) geehelicht hatte.

 

Im Gegensatz zu den Verfehlungen im Zusammenhang mit dem sechsten Gebot, welche wir bisher behandelt haben, liegt im Hinblick auf polygame Ehen die hier zu behandelnde Problematik etwas anders. Bei den bisher behandelten Verstößen mussten wir feststellen, dass sich spätestens seit etwa 100 Jahren die weltliche vom Atheismus getragene Sexualmoral immer mehr von der christlich (oder auch ganz allgemein religiös) geprägten Sittenlehre entfernt hat. Dies kann im Hinblick auf die Bewertung der Polygamie nicht gesagt werden, ganz im Gegenteil stellen wir hier fest, dass die Heilige Schrift nur sehr wenig auf dieses Thema eingeht, während in fast allen modernen Staaten dieser Erde Polygamie unter Strafe steht.

 

Beginnen wir mit der Behandlung polygamischer Ehen im Alten Testament. Von den Patriarchen Abraham und Jakob wird berichtet, dass sie neben einer Hauptfrau auch eine (wie z. B. Abraham) oder sogar mehrere Nebenfrauen (wie z. B. Jakob) hatten. Diese Tatsache wird hierbei in keinster Weise als sündhaftes Verhalten gebrandmarkt. Der Grund dafür, dass die Patriarchen des Alten Testamentes neben einer Hauptfrau auch noch Nebenfrauen hatten, hing offensichtlich damit zusammen, dass Gott zwar Abraham und seinem Geschlecht zugesagt hatte, Stammvater eines sehr großen Menschengeschlechts zu werden, dass aber Abraham auch im hohen Alter, in dem normaler Weise Männer keine Kinder zeugen und Frauen keine Kinder mehr gebären können, noch keinen Sohn hatte. So erfahren wir im ersten Buch Moses, in der Gen Kapitel 15,21-16,6:

 

1  ‚Sarai, Abrams Frau, hatte ihm keine Kinder geboren. Sie hatte aber eine ägyptische Magd namens Hagar.

2  Sarai sagte zu Abram: Der Herr hat mir Kinder versagt. Geh zu meiner Magd! Vielleicht komme ich durch sie zu einem Sohn. Abram hörte auf sie.

3  Sarai, Abrams Frau, nahm also die Ägypterin Hagar, ihre Magd, – zehn Jahre, nachdem sich Abram in Kanaan niedergelassen hatte – und gab sie ihrem Mann Abram zur Frau.

4  Er ging zu Hagar und sie wurde schwanger. Als sie merkte, dass sie schwanger war, verlor die Herrin bei ihr an Achtung.

5  Da sagte Sarai zu Abram: Das Unrecht, das ich erfahre, komme auf dich. Ich habe dir meine Magd überlassen. Kaum merkt sie, dass sie schwanger ist, so verliere ich schon an Achtung bei ihr. Der Herr entscheide zwischen mir und dir.

6  Abram entgegnete Sarai: Hier ist deine Magd; sie ist in deiner Hand. Tu mit ihr, was du willst. Da behandelte Sarai sie so hart, dass ihr Hagar davonlief.‘

 

Über die Frauen von Jakob erfahren wir in Genesis Kapitel 29,20 - 30,24:

 

20  Jakob diente also um Rahel sieben Jahre. Weil er sie liebte, kamen sie ihm wie wenige Tage vor.

21  Dann aber sagte er zu Laban: Gib mir jetzt meine Frau; denn meine Zeit ist um und ich will nun zu ihr gehen.

22  Da ließ Laban alle Männer des Ortes zusammenkommen und veranstaltete ein Festmahl.

23  Am Abend nahm er aber seine Tochter Lea, führte sie zu ihm und Jakob wohnte ihr bei.

24  Laban gab seine Magd Silpa seiner Tochter Lea zur Magd.

25  Am Morgen stellte sich heraus: Es war Lea. Da sagte Jakob zu Laban: Was hast du mir angetan? Habe ich dir denn nicht um Rahel gedient? Warum hast du mich hintergangen?

26  Laban erwiderte: Es ist hierzulande nicht üblich, die Jüngere vor der Älteren zur Ehe zu geben.

27  Verbring mit dieser noch die Brautwoche, dann soll dir auch die andere gehören um weitere sieben Jahre Dienst.

28  Jakob ging darauf ein. Er verbrachte mit Lea die Brautwoche, dann gab ihm Laban seine Tochter Rahel zur Frau.

29  Laban gab seine Magd Bilha seiner Tochter Rahel zur Magd.

30  Jakob wohnte Rahel ebenfalls bei und er liebte Rahel mehr als Lea. Er blieb noch weitere sieben Jahre bei Laban im Dienst.

31  Als der Herr sah, dass Lea zurückgesetzt wurde, öffnete er ihren Mutterschoß, Rahel aber blieb unfruchtbar.

32  Lea wurde schwanger und gebar einen Sohn. Sie nannte ihn Ruben (Seht, ein Sohn!); denn sie sagte: Der Herr hat mein Elend gesehen. Jetzt wird mein Mann mich lieben.

33  Sie wurde abermals schwanger und gebar einen Sohn. Da sagte sie: Der Herr hat gehört, dass ich zurückgesetzt bin, und hat mir auch noch diesen geschenkt. Sie nannte ihn Simeon (Hörer).

34  Sie wurde noch einmal schwanger und gebar einen Sohn. Da sagte sie: Jetzt endlich wird mein Mann an mir hängen, denn ich habe ihm drei Söhne geboren. Darum nannte sie ihn Levi (Anhang).

35  Abermals wurde sie schwanger und gebar einen Sohn. Da sagte sie: Diesmal will ich dem Herrn danken. Darum nannte sie ihn Juda (Dank). Dann bekam sie keine Kinder mehr….

 

 

30, 1  Als Rahel (die Hauptfrau Jakobs) sah, dass sie Jakob keine Kinder gebar, wurde sie eifersüchtig auf ihre Schwester. Sie sagte zu Jakob: Verschaff mir Söhne! Wenn nicht, sterbe ich.

2  Da wurde Jakob zornig auf Rahel und sagte: Nehme ich etwa die Stelle Gottes ein, der dir die Leibesfrucht versagt?

3  Sie antwortete: Da ist meine Magd Bilha. Geh zu ihr! Sie soll auf meine Knie gebären, dann komme auch ich durch sie zu Kindern.

4  Sie gab ihm also ihre Magd Bilha zur Frau und Jakob ging zu ihr.

5  Bilha wurde schwanger und gebar Jakob einen Sohn.

6  Rahel sagte: Gott hat mir Recht verschafft; er hat auch meine Stimme gehört und mir einen Sohn geschenkt. Deshalb nannte sie ihn Dan (Richter).

7  Bilha, Rahels Magd, wurde abermals schwanger und gebar Jakob einen zweiten Sohn.

8  Da sagte Rahel: Gotteskämpfe habe ich ausgestanden mit meiner Schwester und ich habe mich durchgesetzt. So nannte sie ihn Naftali (Kämpfer).

9  Als Lea sah, dass sie keine Kinder mehr bekam, nahm sie ihre Magd Silpa und gab sie Jakob zur Frau.

10  Leas Magd Silpa gebar Jakob einen Sohn.

11  Da sprach Lea: Glück auf! So nannte sie ihn Gad (Glück).

12  Als Leas Magd Silpa Jakob einen zweiten Sohn gebar,

13  sagte Lea: Mir zum Glück! Denn die Frauen werden mich beglückwünschen. So nannte sie ihn Ascher (Glückskind).

14  Einst ging Ruben zur Zeit der Weizenernte weg und fand auf dem Feld Alraunen. Er brachte sie seiner Mutter Lea mit. Da sagte Rahel zu Lea: Gib mir doch ein paar von den Alraunen deines Sohnes!

15  Sie aber erwiderte ihr: Ist es dir nicht genug, mir meinen Mann wegzunehmen? Nun willst du mir auch noch die Alraunen meines Sohnes nehmen? Da entgegnete Rahel: Gut, dann soll Jakob für die Alraunen deines Sohnes heute Nacht bei dir schlafen.

16  Als Jakob am Abend vom Feld kam, ging ihm Lea entgegen und sagte: Zu mir musst du kommen! Ich habe dich nämlich erworben um den Preis der Alraunen meines Sohnes. So schlief er in jener Nacht bei ihr.

17  Gott erhörte Lea. Sie wurde schwanger und gebar Jakob einen fünften Sohn.

18  Da sagte Lea: Gott hat mich dafür belohnt, dass ich meine Magd meinem Mann gegeben habe. Sie nannte ihn Issachar (Lohn).

19  Noch einmal wurde Lea schwanger und gebar Jakob einen sechsten Sohn.

20  Da sagte Lea: Gott hat mich mit einem schönen Geschenk bedacht. Jetzt endlich wird mein Mann bei mir bleiben, da ich ihm doch sechs Söhne geboren habe. Sie nannte ihn also Sebulon (Bleibe).

21  Schließlich gebar sie eine Tochter und nannte sie Dina.

22  Nun erinnerte sich Gott an Rahel. Gott erhörte sie und öffnete ihren Mutterschoß.

23  Sie wurde schwanger und gebar einen Sohn. Da sagte sie: Gott hat die Schande von mir genommen.

24  Sie nannte ihn Josef (Zufüger) und sagte: Der Herr gebe mir noch einen anderen Sohn hinzu.‘

 

Das 2. Buch Samuel Kapitel 3,1-5 und 5,13-16 berichtet weiterhin, dass auch König David mehrere Nebenfrauen hatte:

 

2 ‚In Hebron wurden David folgende Söhne geboren: Sein Erstgeborener Amnon stammte von Ahinoam aus Jesreel,

3  sein zweiter, Kilab, von Abigajil, der (früheren) Frau Nabals aus Karmel; der dritte war Abschalom, der Sohn der Maacha, der Tochter des Königs Talmai von Geschur,

4  der vierte Adonija, der Sohn der Haggit, der fünfte Schefatja, der Sohn der Abital,

5  der sechste Jitream von Davids Frau Egla. Diese Söhne wurden David in Hebron geboren.

 

13  Als David von Hebron gekommen war, nahm er sich noch Nebenfrauen, auch Frauen aus Jerusalem. So wurden ihm noch mehr Söhne und Töchter geboren.

14  Das sind die Namen der Söhne, die ihm in Jerusalem geboren wurden: Schima, Schobab, Natan, Salomo,

15  Jibhar, Elischua, Nefeg, Jafia,

16  Elischama, Eljada und Elifelet.

 

Bekannt ist schließlich, dass Salomo, der Sohn und Nachfolger Davids als König von Judäa unzählige Frauen hatte, es wird von 1000 Frauen einschließlich Nebenfrauen berichtet, wenn auch diese Zahl vermutlich übertrieben ist und lediglich als Synonym für ‚sehr viel‘ gebraucht wird. So heißt es im 1. Buch der Könige, Kapitel 3,1 und 11,1-3:

 

1  ‚Salomo verschwägerte sich mit dem Pharao, dem König von Ägypten. Er nahm eine Tochter des Pharao zur Frau und brachte sie in die Davidstadt, bis er sein Haus, das Haus des Herrn und die Mauern rings um Jerusalem vollendet hatte.‘

                  

11,1  ‚König Salomo liebte neben der Tochter des Pharao noch viele andere ausländische Frauen: Moabiterinnen, Ammoniterinnen, Edomiterinnen, Sidonierinnen, Hetiterinnen.

2  Es waren Frauen aus den Völkern, von denen der Herr den Israeliten gesagt hatte: Ihr dürft nicht zu ihnen gehen und sie dürfen nicht zu euch kommen; denn sie würden euer Herz ihren Göttern zuwenden. An diesen hing Salomo mit Liebe.

3  Er hatte siebenhundert fürstliche Frauen und dreihundert Nebenfrauen. Sie machten sein Herz abtrünnig.‘

 

Im Neuen Testament wird das Thema der Polygamie gar nicht angesprochen, vor allem ist auch nicht bekannt, ob Jesus die Tatsache, dass Juden zu früheren Zeiten oftmals mehrere Frauen hatten, verurteilt oder gutgeheißen hat. Dass Juden bisweilen mehrere Frauen zur gleichen Zeit hatten, wird nur einmal bei Matthäus Kapitel 19,8 indirekt angesprochen: ‚Er antwortete: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen (Plural!!) aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so.‘

 

Die christlichen Kirchen haben die Polygamie in aller Regel abgelehnt. Polygamie wurde deshalb in nahezu allen christlichen Staaten unter Strafe gestellt. Allerdings hatten die Normannen und Germanen die Mehrehe auch nach ihrer Christianisierung noch jahrhundertelang weitergepflegt. Auch Karl der Große hatte wie viele andere christliche Fürsten der damaligen Zeit mehrere Ehefrauen oder Nebenfrauen. Luther und Melanchthon hielten die Zweitehe des Landgrafen Philipp von Hessen für unbedenklich. Sie waren allerdings der Auffassung, dass diese Praxis geheim gehalten werden sollte, weil sonst der Kaiser und die Bürger daran Anstoß nehmen könnten und damit der Sache des Protestantismus geschadet würde.

 

Bis in die Neuzeit war es weiterhin üblich, dass Könige und Fürsten Maitressen hielten, mit denen eine weitgehend feste Beziehung wie mit einer Nebenfrau gepflegt wurde. Die Eheschließung mit der offiziellen Ehefrau war dann auch weniger eine Frage der gegenseitigen Liebe, sie sollte vielmehr dazu dienen, Bündnisse mit befreundeten Fürsten und Königen einzugehen und zu festigen. Die Ehefrau sollte zwar für die Geburt eines Nachfolgers verantwortlich sein, die Fürsten nahmen sich jedoch heraus, zahlreiche Liebesaffairen mit Maitressen und anderen Frauen zu haben. Maitressen erlangten zumeist auch einen starken Einfluss am Hofe und die Fürsten benutzten ihre Maitressen dazu, um den Einfluss des Adels am Hofe einzudämmen.

 

Zu den wenigen christlichen Sekten, welche Polygamie zuließen, sogar förderten, zählen die Mormonen, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage, welche 1830 in Fayette von Joseph Smith gegründet wurde. Es war dann Young, welcher im Jahre 1852 die Vielehe als offizielle Lehre eingeführt hat. Hierbei sollte die Vielehe dazu beitragen, dass sich möglichst viele ‚jenseitige Geister‘ in einer großen Zahl von Kindern verkörpern könnten.

 

Gerade diese polygame Praxis der Mormonen erschwerte die Aufnahme der Mormonen, welche einen eigenen Bundesstaat: Utah gebildet hatten, in die amerikanische Staatengemeinschaft. Im Jahre 1862 wurde die Mehrehe als nicht mit der Verfassung vereinbar verboten. Zunächst versuchten die Mormonen, sich diesem Urteil zu entziehen, indem sie sich auf die in der Verfassung garantierten Religionsfreiheit beriefen. Die amerikanischen Staaten verweigerten jedoch den Mormonen das Wahlrecht und beschlagnahmten auch ihren Kirchenbesitz. Erst als die Polygamie von den Mormonen 1890 offiziell aufgegeben wurde, waren die Vereinigten Staaten von Amerika bereit, 1896 Utah als 45. Staat in die amerikanische Staatengemeinschaft aufzunehmen.

 

Polygamie findet sich darüber hinaus auch in zahlreichen Staaten des Islam und gilt deshalb dort als legal. Bekannt in diesem Zusammenhange ist vor allem der ehemalige saudische König Abd al-Aziz ibn Saud, der etwa 3000 Frauen (Konkubinen, Töchter und Sklavinnen) in seinem Harem gehalten haben soll. Am häufigsten findet sich die Polgamie in Westafrika unter Muslimen sowie in einigen arabischen Staaten.

 

Nach islamischen Recht darf ein Mann bis zu vier Frauen ehelichen. Die Beschränkung der Mehrehe auf vier Frauen für alle Muslime fußt hiernach auf dem Koran, Sure 4:3:

 

„Und wenn ihr fürchtet, den Waisen nicht gerecht werden zu können, nehmt euch als Frauen, was euch gut erscheint, zwei oder drei oder vier. Doch wenn ihr fürchtet, ihnen nicht gerecht werden zu können, heiratet nur eine …“

 

Einige muslimische  Gelehrte vertraten hingegen die Auffassung, dass auch der Koran die Polygamie verbiete. Dabei berufen sie sich auf Sure 4:129:

 

 „Und ihr könnt zwischen den Frauen keine Gerechtigkeit üben, so sehr ihr es auch wünschen möget.“

 

Welches sind nun die Gründe, weshalb Polygamie sowohl von den weltlichen Gesetzen wie auch von der christlichen Sittenlehre abgelehnt wird?

 

Als erstes gilt es festzustellen, dass in den Ländern, in denen in der Vergangenheit Polygamie praktiziert wurde, diese Form der Ehe fast nur von Reichen und Superreichen geführt wurde. Mehrere Frauen als Ehefrauen zu halten, ist mit erheblichen Kosten verbunden, sodass schon aus diesen Gründen Einkommensempfänger aus mittleren oder sogar unteren Einkommensklassen eine polygame Ehe gar nicht führen können.

 

Aber gerade dann, wenn nur die Mächtigen sich der Polygamie bedienen, besteht leicht die Gefahr, dass das Vorhandensein mehrerer Frauen und erst recht einer sehr großen Zahl von Kindern, dazu missbraucht wird, die ohnehin zu meist zu große Machtstellung auszubauen, in dem diese Reichen bemüht sind, ihren Kindern die wichtigsten Machtstellen eines Staates zuzuteilen. Es entsteht Vetterleswirtschaft und da sich die Herrschenden auf ihre Kinder im Allgemeinen besser verlassen können als auf normale Angestellte (Blut ist dicker als Wasser), kann auf diese Weise die Machtstellung der Reichen um ein weiteres ausgebaut werden. Macht verleiht aber in vielen Fällen zu Missbrauch. Gerade deshalb gehört es zu den wichtigsten Prinzipien eines freiheitlichen Staates, Macht zu kontrollieren und zu verhindern, dass sich die Mächtigen um eine weiteres stärken und dieses Prinzip wird dann eben auch durch die Einrichtung der Polygamie verletzt.

 

Weiterhin haben wir uns daran zu erinnern, dass die Erziehung der Kinder – eines der wichtigsten Aufgaben der Familie – einen besonders intensiven persönliche Einsatz verlangt, um mit der Sprache der Wissenschaft zu sprechen: Die Dienstleistung der Erziehung ist Handarbeit und kann nicht im Rahmen einer Massenproduktion erbracht werden. Natürlich wäre es denkbar, dass auch in einer polygamen Ehe jede Frau ihre eigenen Kinder erzieht und dass auf diese Weise in einer polygamen Ehe die Aufgabe der Erziehung genauso gesichert ist wie in einer monogamen Ehe.

 

Aber gerade deshalb, weil der Mächtige seine Kinder zumeist zum Ausbau seiner eigenen Machtstellung missbrauchen möchte, muss angenommen werden, dass die Aufgabe der Erziehung der Kinder Bediensteten übertragen wird, um so sicherzustellen, dass diese Kinder später auch den Vorstellungen und Weisungen des Vaters folgen. Die Aufgabe der Frauen eines Harems besteht dann vielmehr darin, sich schön zu machen, um so die Lust des Herrschers beim geschlechtlichen Verkehr mit seinen Frauen zu steigern.

 

Weiterhin hatten wir gesehen, dass nicht nur entsprechend den romantischen Leitbildern einer Ehe, sondern durchaus im Rahmen de christlichen Sittenlehre eine weitere Aufgabe der Ehe in der Vervollkommnung der beiden Ehegatten gesehen wird, ein Ziel, das sicherlich in einer Vielehe kaum erreicht werden kann, da instinktiv wohl die meisten Frauen in dem Umstand, dass sie das Liebesleben mit ihren Konkurrentinnen teilen müssen, als entwürdigend ansehen.

 

Weiterhin wird im Allgemeinen der Familie vor allem deshalb die Erziehung der eigenen Kinder übertragen, weil man davon ausgehen kann, dass die Eltern ihren eigenen Kindern gegenüber sehr viel eher bereit sind, die mit jeder Erziehung verbundenen Mühen und Einschränkungen hinzunehmen, Menschen sind dazu veranlagt, gegenüber den eigenen Kindern mehr Liebe und Aufopferung entgegenzubringen. Auch hier gilt wieder, dass Blut dicker ist als Wasser. Da wie wir gesehen haben, die Neigung besteht, in großen polygamen Ehen die Erziehungsaufgabe Bediensteten zu übertragen, kommen hier auch diese Vorteile nicht zum Zuge.

 

Schließlich ist zu befürchten, dass innerhalb einer Vielehe Neid und Missgunst zwischen den Frauen besteht, da jede Frau sich immer wieder die Gunst ihres Ehemanns erkämpfen muss und da dieses Verhalten dann auch den Kindern bewusst wird. Die Kinder lernen dann sehr früh, dass man sich im Leben durchsetzen muss und dass auch Täuschung und Hinterlist die Mittel darstellen sich in der Gesellschaft durchzusetzen. Sicherlich widerspricht eine solche Lebensauffassung dem Ideal eines zwischenmenschlichen Lebens in einer demokratischen und freiheitlichen Gesellschaft. Auf diese Weise nimmt das Aggressionspotenzial zu, das ohnehin aufgrund falscher, die Frustration begünstigender Erziehungsmethoden in unserer Gesellschaft zu hoch ist und ein weitgehend friedliches Miteinander verhindert.

 

Alles in allem gibt es also gute Gründe dafür, dass Polygamie als eine unerwünschte Eheform gehalten wird und deshalb in fast allen modernen Staaten unter Strafe gestellt wird.

 

 

Fortsetzung folgt!