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Die schönsten Erzählungen der Bibel

 

 

 

Gliederung:

 

  1. Einführung

  2. Schöpfungsbericht

  3. Sündenfall

  4. Kain und Abel

  5. Noah im Rausch

  6. Abraham hadert mit Gott

  7. Isaaks Opferung

  8. Der Segen für Jakob, dem Jüngeren

  9. Josef und seine Brüder

10. Moses vor dem Pharao

11. Ruth die moabitische Frau und Ahnfrau Davids

12. David gegen Goliath

13. David und die Frau des Hethiters

14. Esthers Rettung der Juden

15.  Hiobs Leid und Gottvertrauen

16. Die Verleugnung Petrus

17. Der Verrat Judas 

18. Der barmherzige Samariter

19. Die Hochzeit zu Kanaan

20. Die Tempelreinigung

21. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn

22. Jesus und die Ehebrecherin

23. Jesus am Ölberg

24. Der ungläubige Thomas

 

 

 

Kapitel 13. David und die Frau des Hethiters

 

 

Gliederung:

 

1. Das Problem

2. Der Text

3. David der auserwählte König

4. Der Ehebruch Davids

5. Die Ermordung des Hethiters

6. Die Strafe Gottes

7. Die Reue Davids

 

 

 

1. Das Problem

 

Im vorhergehenden Kapitel hatten wir David als Helden erlebt, welcher trotz seiner geringen Größe den sehr viel größeren und stärkeren Goliath allein mit List überwunden hat. Hier in diesem Kapitel wird von einem anderen, sehr viel weniger rühmlichen Handeln Davids berichtet. Wir erfahren nämlich im 2. Buch Samuel, Kapitel 11 Vers 1 bis Kapitel 12 Vers 25 von einem Ehebruch und sogar von einem im Zusammenhang mit diesem Vergehen gegen das sechste Gebot stehenden Mordanschlag auf den Mann der Frau, mit der David Ehebruch begangen hatte.

 

Diese Erzählung soll uns also von den Schwächen der Menschen vor allem in moralischer Hinsicht berichten, wobei von besonderer Bedeutung die Tatsache ist, dass von dieser Unvollkommenheit nicht nur einfache Menschen, sondern auch, ja sogar in besonderem Maße die Auserwählten Gottes, die Führer des israelitischen Volkes, befallen werden.

 

Die Untreue Davids ist hierbei keinesfalls eine Ausnahme, sie findet sich in der Heiligen Schrift immer wieder: Bereits Moses hatte ja vor seiner Berufung einen Ägypter getötet und musste sich deshalb vor dem Pharao verbergen. Von Bedeutung ist hier vor allem, dass diese Verfehlung zeitlich vor seiner Berufung erfolgte, sodass Gott also Moses trotz dieser Verfehlung dazu beauftragte, die Israeliten aus Ägypten zu führen.

 

Nach Moses und David erfahren wir dann von Salomo, dem Sohn und Nachfolger Davids, dass er sogar seiner Geliebten zuliebe heidnische Götzen anbetete und einer seiner Geliebten einen heidnischen Tempel errichtete. Auch hier verstieß also ein Auserwählter und König der Israeliten gegen die zehn Gebote, dieses Mal sogar gegen das im Zentrum dieser göttlichen Weisungen stehende erste Gebot. Wie bei David war hier die Berufung lange Zeit erfolgt, bevor Salomon sündig wurde. Über Salomos Bundesbruch wird uns im 1. Buch der Könige Kapitel 11,1 - 8  berichtet:

 

11,1  ‚König Salomo liebte neben der Tochter des Pharao noch viele andere ausländische Frauen: Moabiterinnen, Ammoniterinnen, Edomiterinnen, Sidonierinnen, Hetiterinnen.

11,2  Es waren Frauen aus den Völkern, von denen der Herr den Israeliten gesagt hatte: Ihr dürft nicht zu ihnen gehen und sie dürfen nicht zu euch kommen; denn sie würden euer Herz ihren Göttern zuwenden. An diesen hing Salomo mit Liebe.

11,33  Er hatte siebenhundert fürstliche Frauen und dreihundert Nebenfrauen. Sie machten sein Herz abtrünnig.

 

11,4  Als Salomo älter wurde, verführten ihn seine Frauen zur Verehrung anderer Götter, sodass er dem Herrn, seinem Gott, nicht mehr ungeteilt ergeben war wie sein Vater David.

11,5  Er verehrte Astarte, die Göttin der Sidonier, und Milkom, den Götzen der Ammoniter.

11,6  Er tat, was dem Herrn missfiel, und war ihm nicht so vollkommen ergeben wie sein Vater David.

11,7  Damals baute Salomo auf dem Berg östlich von Jerusalem eine Kulthöhe für Kemosch, den Götzen der Moabiter, und für Milkom, den Götzen der Ammoniter.

11,8  Dasselbe tat er für alle seine ausländischen Frauen, die ihren Göttern Rauch– und Schlachtopfer darbrachten.‘

 

Auch im Neuen Testament wird uns von solchen Verfehlungen berichtet. Ausgerechnet Petrus, den Jesus zu seinem ersten Stellvertreter hier auf Erden bestellt hatte, verriet Jesus im Vorhof des Hohepriesters Kaiphas, als eine Magd ihn ansprach. Im Matthäusevangelium Kapitel 26, 58 - 73 lesen wir:

 

26,58 ‚Petrus folgte Jesus von weitem bis zum Hof des hohepriesterlichen Palastes; er ging in den Hof hinein und setzte sich zu den Dienern, um zu sehen, wie alles ausgehen würde….

 

26,69 Petrus aber saß draußen im Hof. Da trat eine Magd zu ihm und sagte: Auch du warst mit diesem Jesus aus Galiläa zusammen.

 

26,73 Kurz darauf kamen die Leute, die dort standen, zu Petrus und sagten: Wirklich, auch du gehörst zu ihnen, deine Mundart verrät dich.‘

 

Auch hier erfolgt Petrus Verleugnung genauso wie bei David und Salomo erst einige Zeit, nachdem Jesus Petrus mit seiner Stellvertretung hier auf Erden betraut hatte. Im Matthäusevangelium Kapitel 16, 18 - 19 lesen wir:

 

18 ‚Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.

19  Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.‘

 

Allerdings erfahren wir im Matthäusevangelium Kapitel 26,30 - 35, dass Jesus sehr wohl über die Schwächen des Petrus Bescheid wusste:


30  ‚Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus.

31  Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr alle werdet in dieser Nacht an mir Anstoß nehmen und zu Fall kommen; denn in der Schrift steht: Ich werde den Hirten erschlagen, dann werden sich die Schafe der Herde zerstreuen. 

32  Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen.

33  Petrus erwiderte ihm: Und wenn alle an dir Anstoß nehmen – ich niemals!

34  Jesus entgegnete ihm: Amen, ich sage dir: In dieser Nacht, noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

35  Da sagte Petrus zu ihm: Und wenn ich mit dir sterben müsste – ich werde dich nie verleugnen.‘

 

Jesus wusste also sehr wohl von den Schwächen des Petrus und dass Petrus ihn sehr bald verraten werde. Trotz dieses Wissens hatte Jesus offensichtlich Petrus zu seinem Stellvertreter berufen. Nun zurück zu Davids Vergehen.

 

Wir haben uns daran zu erinnern, dass auch für diese Erzählung wie für alle Texte der Heiligen Schrift nicht die korrekte Mitschrift der tatsächlichen Ereignisse berichtet werden soll, sondern dass es darum geht, die Glaubenswahrheiten und den Verlauf der Heilsgeschichte kund zu tun. Natürlich werden wir davon ausgehen können, dass David wirklich gesündigt hat und vermutlich sowohl gegen das 6. Gebot (Ehebruch) wie auch gegen das 5. Gebot (Verbot der Ermordung von Mitmenschen) tatsächlich verstoßen hat und dass nur die Besonderheiten dieser Darstellung unter Umständen eine Ausschmückung der tatsächlich erfolgten Vergehen Davids darstellen.

 

Nochmals: Es soll auch mit dieser Geschichte aufgezeigt werden, dass alle –  auch und gerade die von Gott Auserwählten – Menschen sündige Menschen darstellen, dass Gott trotz dieser Verfehlungen auch diese Menschen auserwählt. Auch hier wiederum wird letzten Ende gezeigt, dass Jahwe der Gott der Israeliten und der Christen den sündigen Menschen verzeiht, sofern sie ihre Tat bereuen und zur Umkehr ernsthaft bereit sind. In der Tat berichtet uns diese Geschichte auch davon, dass David seine Tat bereute und deshalb von Gott verschont wurde.

 

 

2. Der Text

 

Im 2. Buch Samuels Kapitel 11,1 - 12,25 heißt es:

 

1 ‚Um die Jahreswende, zu der Zeit, in der die Könige in den Krieg ziehen, schickte David den Joab mit seinen Männern und ganz Israel aus und sie verwüsteten das Land der Ammoniter und belagerten Rabba. David selbst aber blieb in Jerusalem.

2  Als David einmal zur Abendzeit von seinem Lager aufstand und auf dem Flachdach des Königspalastes hin– und herging, sah er von dort aus eine Frau, die badete. Die Frau war sehr schön anzusehen.

3  David schickte jemand hin und erkundigte sich nach ihr. Man sagte ihm: Das ist Batseba, die Tochter Ammiëls, die Frau des Hetiters Urija.

4  Darauf schickte David Boten zu ihr und ließ sie holen; sie kam zu ihm, und er schlief mit ihr – sie hatte sich gerade von ihrer Unreinheit gereinigt. Dann kehrte sie in ihr Haus zurück.

 

5  Die Frau war aber schwanger geworden und schickte deshalb zu David und ließ ihm mitteilen: Ich bin schwanger.

6  Darauf sandte David einen Boten zu Joab (und ließ ihm sagen): Schick den Hetiter Urija zu mir! Und Joab schickte Urija zu David.

7  Als Urija zu ihm kam, fragte David, ob es Joab und dem Volk gut gehe und wie es mit dem Kampf stehe.

8  Dann sagte er zu Urija: Geh in dein Haus hinab und wasch dir die Füße! Urija verließ das Haus des Königs und es wurde ihm ein Geschenk des Königs nachgetragen.

9  Urija aber legte sich am Tor des Königshauses bei den Knechten seines Herrn nieder und ging nicht in sein Haus hinab.

 

10  Man berichtete David: Urija ist nicht in sein Haus hinabgegangen. Darauf sagte David zu Urija: Bist du nicht gerade von einer Reise gekommen? Warum bist du nicht in dein Haus hinuntergegangen?

11  Urija antwortete David: Die Lade und Israel und Juda wohnen in Hütten und mein Herr Joab und die Knechte meines Herrn lagern auf freiem Feld; da soll ich in mein Haus gehen, um zu essen und zu trinken und bei meiner Frau zu liegen? So wahr du lebst und so wahr deine Seele lebt, das werde ich nicht tun.

12  Darauf sagte David zu Urija: Bleib auch heute noch hier; morgen werde ich dich wegschicken. So blieb Urija an jenem Tag in Jerusalem. Am folgenden Tag

13  lud David ihn ein, bei ihm zu essen und zu trinken, und machte ihn betrunken. Am Abend aber ging Urija weg, um sich wieder auf seinem Lager bei den Knechten seines Herrn niederzulegen; er ging nicht in sein Haus hinab.

 

14  Am anderen Morgen schrieb David einen Brief an Joab und ließ ihn durch Urija überbringen.

15  Er schrieb in dem Brief: Stellt Urija nach vorn, wo der Kampf am heftigsten ist, dann zieht euch von ihm zurück, sodass er getroffen wird und den Tod findet.

16  Joab hatte die Stadt beobachtet und er stellte Urija an einen Platz, von dem er wusste, dass dort besonders tüchtige Krieger standen.

17  Als dann die Leute aus der Stadt einen Ausfall machten und gegen Joab kämpften, fielen einige vom Volk, das heißt von den Kriegern Davids; auch der Hetiter Urija fand den Tod.

 

18  Joab schickte (einen Boten) zu David und ließ ihm den Verlauf des Kampfes berichten.

19  Und er befahl dem Boten: Wenn du dem König alles über den Verlauf des Kampfes bis zu Ende berichtet hast

20  und wenn dann der König in Zorn gerät und zu dir sagt: Warum seid ihr beim Kampf so nahe an die Stadt herangegangen? Habt ihr nicht gewusst, dass sie von der Mauer herabschießen?

21  Wer hat Abimelech, den Sohn Jerubbaals, erschlagen? Hat nicht eine Frau in Tebez einen Mühlstein von der Mauer auf ihn herabgeworfen, sodass er starb? Warum seid ihr so nahe an die Mauer herangegangen?, dann sollst du sagen: Auch dein Knecht, der Hetiter Urija, ist tot.

 

22  Der Bote ging fort, kam zu David und berichtete ihm alles, was Joab ihm aufgetragen hatte.

23  Der Bote sagte zu David: Die Männer waren stärker als wir und waren gegen uns bis aufs freie Feld vorgedrungen; wir aber drängten sie bis zum Eingang des Tores zurück.

24  Da schossen die Schützen von der Mauer herab auf deine Knechte, sodass einige von den Knechten des Königs starben; auch dein Knecht, der Hetiter Urija, ist tot.

 

25  Da sagte David zu dem Boten: So sollst du zu Joab sagen: Betrachte die Sache nicht als so schlimm; denn das Schwert frisst bald hier, bald dort. Setz den Kampf gegen die Stadt mutig fort und zerstöre sie! So sollst du ihm Mut machen.

 

26  Als die Frau Urijas hörte, dass ihr Mann Urija tot war, hielt sie für ihren Gemahl die Totenklage.

27  Sobald die Trauerzeit vorüber war, ließ David sie zu sich in sein Haus holen. Sie wurde seine Frau und gebar ihm einen Sohn. Dem Herrn aber missfiel, was David getan hatte.

 

 

3. David der auserwählte König

 

Zunächst gilt es sich klar zu werden, von wem denn hier die Rede ist. David war nicht nur ein beliebiger Bewohner Israels, er war vielmehr nach Saul der zweite König, der über Israel herrschte und das Alte Testament macht deutlich, dass es vor allem David und später sein Sohn Salomon waren, die Israel zu höchster Blüte und auch Macht über Israels Feinde geführt hatten. Dieser Ruhm reicht bis in das Neue Testament, in dem die Evangelisten bemüht waren, aufzuzeigen, dass Jesus letzten Endes dem Hause David entstammt.

 

So beginnt z. B. das Matthäusevangelium mit dem Hinweis, dass der Stammbaum Jesu auf David und Abraham zurückgeführt werden kann:

 

1 ‚Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams:‚

 

Um die Glaubwürdigkeit Jesu als Messias unter Beweis zu stellen, versuchten die Evangelisten nachzuweisen, dass Jesus aus dem Hause Davids entstamme. Auch im weiteren Verlauf des Neuen Testamentes erfahren wir immer wiederum, dass Jesus von David abstamme:

 

‚Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.‘ (Matthäus Kapitel 1,20)

 

‚Als Jesus weiterging, folgten ihm zwei Blinde und schrien: Hab Erbarmen mit uns, Sohn Davids!‘  

(Matthäus Kapitel 9,27).

 

22 ‚Damals brachte man zu ihm einen Besessenen, der blind und stumm war. Jesus heilte ihn, sodass der Stumme wieder reden und sehen konnte.

23  Da gerieten alle Leute außer sich und sagten: Ist er etwa der Sohn Davids?‘

(Matthäus Kapitel 12,22-23).

 

‚Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.‘

 (Matthäus Kapitel 15,22).

 

‚Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!‘

(Matthäus Kapitel 21,9).

 

‚Was denkt ihr über den Messias? Wessen Sohn ist er? Sie antworteten ihm: Der Sohn Davids.‘

 (Mt 22,42).

 

Das 1. Buch Samuel berichtet uns ausführlich darüber, wie es zur Auserwählung Davids gekommen ist. Im 1. Buch Samuel Kapitel 16, 1-13 wird berichtet:

 

1 ‚Der Herr sagte zu Samuel: Wie lange willst du noch um Saul trauern? Ich habe ihn doch verworfen; er soll nicht mehr als König über Israel herrschen. Fülle dein Horn mit Öl und mach dich auf den Weg! Ich schicke dich zu dem Betlehemiter Isai; denn ich habe mir einen von seinen Söhnen als König ausersehen.

2  Samuel erwiderte: Wie kann ich da hingehen? Saul wird es erfahren und mich umbringen. Der Herr sagte: Nimm ein junges Rind mit und sag: Ich bin gekommen, um dem Herrn ein Schlachtopfer darzubringen.

3  Lade Isai zum Opfer ein! Ich selbst werde dich dann erkennen lassen, was du tun sollst: Du sollst mir nur den salben, den ich dir nennen werde.

4  Samuel tat, was der Herr befohlen hatte. Als er nach Betlehem kam, gingen ihm die Ältesten der Stadt zitternd entgegen und fragten: Bedeutet dein Kommen Frieden?


5  Er antwortete: Frieden. Ich bin gekommen, um dem Herrn ein Schlachtopfer darzubringen. Heiligt euch und kommt mit mir zum Opfer! Dann heiligte er Isai und seine Söhne und lud sie zum Opfer ein.

6  Als sie kamen und er den Eliab sah, dachte er: Gewiss steht nun vor dem Herrn sein Gesalbter.

7  Der Herr aber sagte zu Samuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt, denn ich habe ihn verworfen; Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.

8  Nun rief Isai den Abinadab und ließ ihn vor Samuel treten. Dieser sagte: Auch ihn hat der Herr nicht erwählt.

9  Isai ließ Schima kommen. Samuel sagte: Auch ihn hat der Herr nicht erwählt.

10  So ließ Isai sieben seiner Söhne vor Samuel treten, aber Samuel sagte zu Isai: Diese hat der Herr nicht erwählt.

11  Und er fragte Isai: Sind das alle deine Söhne? Er antwortete: Der jüngste fehlt noch, aber der hütet gerade die Schafe. Samuel sagte zu Isai: Schick jemand hin und lass ihn holen; wir wollen uns nicht zum Mahl hinsetzen, bevor er hergekommen ist.

12  Isai schickte also jemand hin und ließ ihn kommen. David war blond, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt. Da sagte der Herr: Auf, salbe ihn! Denn er ist es.

13  Samuel nahm das Horn mit dem Öl und salbte David mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des Herrn war über David von diesem Tag an. Samuel aber brach auf und kehrte nach Rama zurück.‘

 

Diese Textstelle unterstreicht also, dass Gott bei seiner Wahl nicht auf Aussehen und staatliche Gestalt achtet, sondern dass Gott im Gegensatz zu den Menschen nicht auf das Äußere, sondern auf das Herz, also auf die innere Gesinnung schaut.

 

 

4. Der Ehebruch Davids

 

Betrachten wir die erste hier zur Diskussion stehende Sünde, den Ehebruch Davids mit der Frau des Urija etwas genauer.

 

Als erstes wird ein Gegensatz aufgebaut. David schickte seine Soldaten – und damit auch den Ehemann Urija, mit dessen Frau er Ehebruch begeht – ins Feld, um die Feinde zu besiegen. Er selbst aber bleibt zuhause. Damit wird natürlich die Untat Davids umso sträflicher. Einem Menschen die Ehefrau wegzunehmen, während der Ehemann für den König auf dem Schlachtfelde gegen die Feinde kämpft, ist ein besonders undankbares und schmähliches Verhalten.

 

Als nächstes erfahren wir, dass David beim Lustwandeln auf dem Flachdach des Königspalastes zur Abendzeit hin– und herging und rein zufällig von dort aus eine Frau sah, die badete und die sehr schön anzusehen war. Zumindest anfangs waren die Gelüste Davids nicht von einer Feindschaft Davids gegenüber Urija bestimmt. Er wollte mit dieser Frau geschlechtlich verkehren, weil sie schön anzusehen war, nicht weil sie die Frau seines Untergebenen war.

 

Also ließ David nachfragen, wessen Mann sie Ehefrau war. Er erfuhr, dass es die Frau mit Namen Batseba,  die Frau des Hetiters Urija, eines seiner Offiziere war. Spätestens hier hätte man von einem tugendhaften Menschen erwarten müssen, dass er von seine Gelüsten absieht, da es besonders verwerflich ist, wenn man mit einer Frau geschlechtlich verkehrt, dessen Mann für den König ins Feld gezogen war. David aber schickt bei voller Kenntnis, wer diese Frau ist, nach ihr und verkehrt anschließend mit ihr.

 

Es kommt wie es kommen musste. Batseba wird schwanger, wobei es sofort klar ist, dass sie ein Kind von David erwartete, da sie mit ihrem Mann, der im Felde war, wohl für lange Zeit gar keinen Geschlechtsverkehr gehabt hatte. Wie sucht sich nun David aus dieser Schlinge zu entziehen? Er versucht es zunächst mit einer List, die verbergen sollte, dass Batseba das Kind von David erwartete.

 

David ließ Urija, den Ehemann der Batseba zu sich kommen. Um aber nicht mit der Tür ins Haus zu fallen, leitete er sein Gespräch mit Urija mit der harmlosen (den Ehebruch nicht erkennenden) Frage ein, wie es denn mit dem Kampf stehe. Dann schickte er Urija sozusagen als Belohnung für seine Verdienste auf dem Felde mit einem Geschenk nach Hause. Er erwartete offensichtlich, dass Urija diesen Feldurlaub – wie wohl jeder Soldat in dieser Situation –, nach langer Entbehrung dazu benutzte, mit seiner Ehefrau zu verkehren.

 

Leider entsprach Urija jedoch dieser Erwartung nicht. Aus schlechtem Gewissen gegenüber seinen Genossen im Felde, welche nicht in einem warmen Bett ausruhen konnten, wollte auch er nicht in das häusliche Heim gehen, sondern legte sich am Tor des Königshauses bei den Knechten seines Herrn nieder. Auch hier wiederum wird der Gegensatz zwischen dem Verhalten des Königs und seines Untergegebenen erneut unterstrichen.

 

 

5. Die Ermordung des Hethiters

 

Damit war jedoch die List des Königs durchkreuzt. Hätte der Hethiter den Empfehlungen Davids entsprochen und mit seiner Frau geschlechtlichen Verkehr gehabt, hätte man die Schwangerschaft Batsebas auf ihren Mann zurückführen können, die Möglichkeit eines Schwangerschaftstestes, also der Klärung der Frage, wer denn der Vater des Kindes wirklich sei, bestand ja zu der damaligen Zeit noch nicht.

 

Wie zieht sich David nun aus dieser Schlinge, nachdem die List, das Kind dem Ehemann unterzuschieben, misslungen war? Nun greift David zu stärkeren Waffen. Nun erst jetzt entstehen Pläne, den Hethiter zu ermorden. Bisher hatte David ja neben dem Ehebruch lediglich zu einer List gegriffen, um zu vertuschen, dass er der wahre Vater war und somit das Wahrheitsgebot verletzt. Nun greift er wohl zu einer der schwersten Sünden überhaupt. Er lässt Urija ermorden.

 

Wie geht David vor? Er lässt Joab, seinem Befehlshaber eine Nachricht zukommen, in welcher er Joab auffordert, Urija an die vorderste Front zu stellen, an einen Abschnitt, an dem er auf jeden Fall umkommt. Er befiehlt also für Urija eine Art Todeskommando. Urija wird damit nicht nur an eine Stelle gestellt, an der die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, getötet zu werden, es wird also nicht nur in Kauf genommen, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit umkommt, aber doch immerhin noch eine leichte Chance hat, doch mit dem Leben davon zu kommen, nein, er wird ex pressis verbis an diese Stelle gestellt, damit er auf jeden Fall umkommt.

 

Ein solcher Befehl ist ein eindeutiger Mord. Es geht hier nicht darum, dass die Verteidigung des Landes den Einsatz seiner Soldaten erfordert und dass mit diesem Einsatz auch Menschen mit großer Wahrscheinlichkeit umkommen können, sondern die Ermordung des Urija ist hier das eigentliche Ziel und der Kampf gegen die Feinde Israels ist hier nur das Mittel, um dieses Ziel zu erreichen.

 

Auch handelt es sich hier um einen Mord unter erschwerten Bedingungen. Er ist ausgesprochen heimtückisch. Anstatt dass David seinen Offizier zu sich bittet und ihm eröffnet, dass er seine Frau geschwängert habe und dass dann David in einem darüber entstehenden Streit die Waffe ergreift und ihn im Kampf, in dem sich der Angegriffene zumindest wehren kann, eigenhändig erschlägt, wird hier nach außen hin vorgetäuscht, dass es notwendig sei, einen Soldaten – und eben hier Urija – an die vorderste Front zu stellen mit dem Risiko, auch getötet zu werden.

 

Besonders hinterhältig ist es weiterhin, dass Urija beauftragt wird, den besagten Brief Joab selbst zu übergeben, Urija wird also beauftragt, den Auftrag ihn zu töten, selbst zu überbringen. Während man bei den bisher genannten Umständen immerhin noch davon sprechen konnte, dass die einzelnen Momente dieser Ermordung sachlich notwendig waren, wollte David vertuschen, dass er gegenüber Urija’s Ehefrau Ehebruch begangen hatte. Ohne diese List wäre vermutlich der Ehebruch ans Tageslicht gekommen und der König, der ja allgemein als tugendhafter und Gott gefälliger Herrscher angesehen wurde, wäre bloßgestellt. Ausgerechnet aber denjenigen, den man beseitigen möchte, damit zu beauftragen, den Befehl an Joab selbst zu überbringen, war keinesfalls zur Vertuschung des Ehebruches notwendig und deshalb besonders niederträchtig.

 

Und es kam wie es kommen musste, Urija wurde im Kampf getötet und Joab ließ David die Mitteilung überbringen, dass die Operation erfolgreich durchgeführt worden sei.

 

Zu allem hin verharmlost und rechtfertigt David nun diese Tat gegenüber Joab: ‚Betrachte die Sache nicht als so schlimm; denn das Schwert frisst bald hier, bald dort. Setz den Kampf gegen die Stadt mutig fort und zerstöre sie! So sollst du ihm Mut machen.‘ Es wird nun so getan, als sei das Sterben Urija einfach nur zwar bedauerlich, aber durchaus notwendig zur Verteidigung des Landes. Joab, der ja diesen Tötungsbefehl hatte ausführen müssen, hatte offensichtlich gewisse Skrupel bekommen, auf der einen Seite hatte er den Befehl seines Königs unbedingt zu befolgen, auf der anderen Seite hatte er jedoch gegen das Gebot Gottes (du sollst nicht morden) verstoßen bzw. geholfen, dass dieser Mord möglich wurde.

 

Nach der Ermordung Urijas führt David diesen Akt zu Ende. Nachdem die Gemahlin Urijas ihre Totenklage wie erforderlich beendet hatte, lies Davis sie in sein Haus holen, sie wurde nun seine Frau und sie gebar ihm einen Sohn.

 

 

6. Die Strafe Gottes

 

Unsere Geschichte erzählt auch, dass und auf welche Weise David von Gott für diese Tat bestraft wurde. Eingeleitet wird diese Strafe mit der Feststellung am Ende der Erzählung über den Ehebruch Davids und der Ermordung des Urija: ‚Dem Herrn aber missfiel, was David getan hatte.‘ Und Gott schickte den Propheten Natan in dieser Angelegenheit zu David.

 

Interessanter Weise beginnt Natan seine Rede vor David nicht damit, dass er sofort zur Sache kommt und David wegen seiner Untaten anklagt. Er beginnt vielmehr mit einem Gleichnis. In Kapitel 12 des 2. Buches Samuel heißt es:

 

1 ‚Darum schickte der Herr den Natan zu David; dieser ging zu David und sagte zu ihm: In einer Stadt lebten einst zwei Männer; der eine war reich, der andere arm.

2  Der Reiche besaß sehr viele Schafe und Rinder,

3 der Arme aber besaß nichts außer einem einzigen kleinen Lamm, das er gekauft hatte. Er zog es auf und es wurde bei ihm zusammen mit seinen Kindern groß. Es aß von seinem Stück Brot und es trank aus seinem Becher, in seinem Schoß lag es und war für ihn wie eine Tochter.

4  Da kam ein Besucher zu dem reichen Mann und er brachte es nicht über sich, eines von seinen Schafen oder Rindern zu nehmen, um es für den zuzubereiten, der zu ihm gekommen war. Darum nahm er dem Armen das Lamm weg und bereitete es für den Mann zu, der zu ihm gekommen war.

5  Da geriet David in heftigen Zorn über den Mann und sagte zu Natan: So wahr der Herr lebt: Der Mann, der das getan hat, verdient den Tod.

6  Das Lamm soll er vierfach ersetzen, weil er das getan und kein Mitleid gehabt hat.‘

 

Dieses Gleichnis handelt von einem Reichen und einem Armen. Der Reiche hatte Besuch, er war aber nicht bereit wie es eigentlich das Recht der Gastfreundschaft verlangt, diesen Fremden zu bewirten und hierzu eines seiner Schafen oder Rinder zu schlachten. Nein, er bewirtete zwar den Fremden, wie es die Sitte verlangte, nahm jedoch dem Armen sein einziges Lamm weg und bereitete aus diesem Lamm dem Fremden das geschuldete Mahl.

 

Gleichnisse beziehen sich nie auf das, was eigentlich angesprochen werden soll. Sie gehen von etwas Bekanntem aus, wollen aber hiermit auf etwas zunächst Unbekanntes hinweisen. Hier in diesem Beispiel steht der Reiche für den König. Auch dieser ist reich, aber darüber hinaus mächtig. Der Arme steht jedoch für den Untergebenen Offizier Urija. Verglichen mit David ist dieser natürlich arm, für den Sinn des Gleichnisses ist aber vielmehr von Bedeutung, dass dieser Offizier ein Untergebener ist, der die Befehle seines Königs ausführen muss und sich alles gefallen lassen muss, was der König anordnet.

 

Das Lamm im Gleichnis steht für die Ehefrau des Untergebenen. Im israelitischen Reich war es üblich, dass Könige, Herrscher und Reiche sich oftmals mehrere Nebenfrauen hielten, im Gegensatz zu dem armen Untergebenen konnten sich die Reichen diese Nebenfrauen leisten.

 

David, der offensichtlich zunächst den Sinn des Gleichnisses nicht erfasst hatte, sondern als bare Münze hielt, reagiert sofort auf diese geschilderte Ungerechtigkeit und meint, dass dieser Reiche hart bestraft werden müsse. Er solle nicht nur den eigentlichen Schaden ersetzen und dem Armen ein Lamm zurückgeben, sondern, da er mitleidlos gehandelt habe, da er also dem Armen das Lamm weg nahm, obwohl von diesem Lamm die Existenz des Armen abhing – hatte er doch nur dieses einzige Schaf –, sollte er zur Abgabe von vier Lämmern verurteilt werden und getötet werden.

 

Nachdem sich nun David festgelegt hatte und die geschilderte Tat verurteilte, weist Natan David darauf hin, dass er selbst dieser Reiche sei:

 

7  ‚Da sagte Natan zu David: Du selbst bist der Mann. So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe dich zum König von Israel gesalbt und ich habe dich aus der Hand Sauls gerettet.

8  Ich habe dir das Haus deines Herrn und die Frauen deines Herrn in den Schoß gegeben und ich habe dir das Haus Israel und Juda gegeben, und wenn das zu wenig ist, gebe ich dir noch manches andere dazu.

9  Aber warum hast du das Wort des Herrn verachtet und etwas getan, was ihm missfällt? Du hast den Hetiter Urija mit dem Schwert erschlagen und hast dir seine Frau zur Frau genommen; durch das Schwert der Ammoniter hast du ihn umgebracht.‘

 

Nun, da der tiefere Sinn dieses Gleichnisses erkannt war und David selbst das Urteil über diesen Sünder gesprochen hatte, weist Natan daraufhin, dass in Wirklichkeit er selbst diese Rolle des Reichen und dessen Verfehlungen erfüllt habe. Und im Anschluss daran, wird auch von Natan ausführlich erläutert, warum die Tat des David: der Ehebruch sowie der anschließende Mord dem Verhalten des Reichen im Gleichnis entspricht. Natan zählt hierbei auf, was der Herr bereits für David getan hatte: Gott hatte David zum König gesalbt und aus der Hand Sauls befreit und mit dieser Einsetzung als König wurde er zum Herrscher des gesamten israelitischen Königreichs erkoren und gleichzeitig übernahm er das Haus des Sauls samt seiner zahlreichen Nebenfrauen. Gerade im Hinblick auf die Beziehungen des Königs zu den Frauen glich also David hier in der Tat dem Reichen, der auch im Gegensatz zum Armen über mehrere ‚Schafe und Rinder‘ verfügen konnte.

 

Im Anschluss daran verkündete Natan, worin denn nun die Strafe bestehe, welche der Herr David zufügte:

 

10 ‚Darum soll jetzt das Schwert auf ewig nicht mehr von deinem Haus weichen; denn du hast mich verachtet und dir die Frau des Hetiters genommen, damit sie deine Frau werde.

11  So spricht der Herr: Ich werde dafür sorgen, dass sich aus deinem eigenen Haus das Unheil gegen dich erhebt, und ich werde dir vor deinen Augen deine Frauen wegnehmen und sie einem andern geben; er wird am hellen Tag bei deinen Frauen liegen.

12  Ja, du hast es heimlich getan, ich aber werde es vor ganz Israel und am hellen Tag tun.‘

 

Die Strafe, die David wegen seiner beiden Vergehen Ehebruch und Mord zur Vertuschung seines Ehebruches von Gott erhält, besteht also darin, dass er erstens von seinen Feinden für immer bedroht werden wird: Das Schwert soll auf ewig nicht mehr von seinem Haus weichen.

 

Dass sich zweitens seine eigenen Kinder gegen ihn wehren und ihm seine Frauen wegnehmen werden.  So befahl Abschalom – sein Sohn – seinen jungen Leuten: ‚Schlagt Amnon tot!‘ (2. Buch Samuel Kapitel 13,28). Amnon, ein weiterer Sohn Davids, hatte nämlich zuvor seine Schwester Tamar vergewaltigt. Und diese Ereignisse werden nicht im Geheimen erfolgen, wie er selbst gesündigt hat, sondern in aller Öffentlichkeit, sodass ihn auch öffentliche Schmach zuteil werden wird.

 

 

7. Die Reue Davids

 

Die Geschichte über Davids Verfehlungen handelt jedoch nicht nur von seinen Sünden, sondern auch davon, dass David alsbald seine Tat bereute und sich zu seiner Tat bekannte und zur Umkehr bereit war. So lesen wir im 2. Buch Samuel Kapitel 12:

 

13 ‚Darauf sagte David zu Natan: Ich habe gegen den Herrn gesündigt. Natan antwortete David: Der Herr hat dir deine Sünde vergeben; du wirst nicht sterben.

14  Weil du aber die Feinde des Herrn durch diese Sache zum Lästern veranlasst hast, muss der Sohn, der dir geboren wird, sterben.

15  Dann ging Natan nach Hause. Der Herr aber ließ das Kind, das die Frau des Urija dem David geboren hatte, schwer krank werden.

16  David suchte Gott wegen des Knaben auf und fastete streng; und wenn er heimkam, legte er sich bei Nacht auf die bloße Erde.

17  Die Ältesten seines Hauses kamen zu ihm, um ihn dazu zu bewegen, von der Erde aufzustehen. Er aber wollte nicht und aß auch nicht mit ihnen.

18  Am siebten Tag aber starb das Kind. Davids Diener fürchteten sich, ihm mitzuteilen, dass das Kind tot war; denn sie sagten: Wir haben ihm zugeredet, als das Kind noch am Leben war; er aber hat nicht auf uns gehört. Wie können wir ihm jetzt sagen: Das Kind ist tot? Er würde ein Unheil anrichten.

 

19  David jedoch sah, dass seine Diener miteinander flüsterten, und merkte daran, dass das Kind tot war. Er fragte seine Diener: Ist das Kind tot? Sie antworteten: Ja, es ist tot.

20  Da erhob sich David von der Erde, wusch sich, salbte sich, wechselte seine Kleider, ging zum Haus des Herrn und warf sich (davor) nieder. Als er dann nach Hause zurückkehrte, verlangte er (zu essen). Man setzte ihm etwas vor und er aß.

 

21  Da fragten ihn seine Diener: Was soll das bedeuten, was du getan hast? Als das Kind noch am Leben war, hast du seinetwegen gefastet und geweint. Nachdem aber das Kind tot ist, stehst du auf und isst.

22  Er antwortete: Als das Kind noch am Leben war, habe ich gefastet und geweint; denn ich dachte: Wer weiß, vielleicht ist der Herr mir gnädig und das Kind bleibt am Leben.

23  Jetzt aber, da es tot ist, warum soll ich da noch fasten? Kann ich es zurückholen? Ich werde einmal zu ihm gehen, aber es kommt nicht zu mir zurück.

 

24  Und David tröstete seine Frau Batseba; er ging zu ihr hinein und schlief mit ihr. Und sie gebar einen Sohn und er gab ihm den Namen Salomo. Der Herr liebte Salomo

25  und sandte den Propheten Natan, damit er ihm um des Herrn willen den Namen Jedidja (Liebling des Herrn) gebe.‘

 

Und wir erfahren, dass gerade deshalb, weil David offensichtlich zur Umkehr bereit war und nun die Gebote Gottes einhalten wollte, Gott bereit war, David nicht wegen seiner Vergehen mit dem Tode zu bestrafen, wie David selbst im Zusammenhang mit dem von Natan vorgetragenen Gleichnis gefordert hatte. Auch durfte David erleben, dass Gott Davids Sohn Salomon zum König weihte.

 

David hoffte nun insgeheim, dass Gott, der sich nun wiederum David zugewandt hatte, ihn auch nicht dadurch bestrafte, dass er den Sohn, den er ehebrechend mit Batseba gezeugt hatte - wie angekündigt - sterben ließ. Aber die von Natan angedrohten Strafen traten ein. Er musste sich zeit seines Lebens der Feinde erwehren, er wurde von seinem eigenen Sohn Abschalom bekämpft und musste zeitweise aus Jerusalem fliehen, er musste mit ansehen, wie sein Sohn Amnon seine Schwester vergewaltigte, wie deshalb Abschalom seinen Bruder Amnon erschlug und wie schließlich gegen seinen Befehl Abschalom selbst wiederum von Davids Befehlshaber Joab erschlagen worden war.