image001

 

 

 

 

Gliederung der Vorlesung:

 

01. Gegenstand und Aufgaben

02. Währungspolitik: Historische Einführung

03. Währungspolitik: Theoretische Grundlagen

04. Währungspolitik: Das Instrumentarium

05. Währungspolitik: Die policy-mix-Strategie

06. Handelspolitik: Historische Einführung

07. Handelspolitik: Theoretische Grundlagen

08. Handelspolitik: Das handelspolitische Instrumentarium

09. Arbeitsmarktpolitik

10. Kapitalmarktpolitik

11. Integrationspolitik 

12. Politik  zugunsten der Entwicklungsländer

 

 

Kapitel 8. Handelspolitik:

Das handelspolitische Instrumentarium

Teil I

 

Gliederung:

 

01. Einführung

02. Das finanzpolitische Instrumentarium

03. Subventionen   

04. Kontingente und Verbote

05. Das Außenhandelsmonopol

06. Das Freihandelssystem

 

 

01. Einführung

 

Wir wollen uns im Folgenden den wichtigsten handelspolitischen Maßnahmen zuwenden. Zu den wichtigsten Handelsregimen zählen:

 

·        das Freihandelssystem,

·        das finanzpolitische System der Zölle und Prämien,

·        Kontingente, Verbote und nicht-tarifäre Handelshemmnisse sowie 

·        das Außenhandelsmonopol.

 

Folgende Kennzeichen gelten für das Freihandelssystem:

 

·       Es wird auf staatliche Eingriffe verzichtet.

 

·       Als Im- und Exporteure treten vorwiegend Privatpersonen auf.

 

·       Die Privatpersonen entscheiden selbst darüber, welche Güter und welche Mengen importiert und exportiert werden.

 

·       Der Preis der einzelnen Güter ergibt sich aus dem Spiel von Angebot und Nachfrage.

 

·       Die außenhandelspolitischen Aktivitäten des Staates beschränken sich darauf, bisherige Behinderungen des Staates abzubauen und die Wahrung der sittlichen Gebote sicherzustellen.

 

·       In Handelsverträgen werden die Grundlagen für einen freien internationalen Handel gelegt.

 

·       Es wird dafür Sorge getragen, dass der freie Zugang zu den Inlandsmärkten auch nicht durch private Kräfte behindert wird.

 

·       Staatliche Regelungen erfolgen nur zur Wahrung der allgemeinen  Rechtsordnung.

 

 

Folgende Kennzeichen gelten für das finanzpolitische Instrumentarium: Es handelt sich hierbei um Zölle, Abgaben sowie Prämien (Subventionen). Sie unterscheiden sich nach folgenden Kriterien:

 

ob sie zu Einnahmen oder Ausgaben des Staates führen. Hierzu zählen:

 

·       Zölle,

·       Ausgleichssteuern,

·       Lizenzgebühren,  

·       Prämien, Subventionen und

·       Steuernachlässe

 

nach der Richtung der Güterströme, welche mit diesen Instrumenten beeinflusst werden, hierzu zählen:   

 

·       Importe

·       Exporte oder

·       Transitwege.

 

nach der Erhebungstechnik: Es wird zwischen

 

Wertzöllen und Mengenzöllen sowie zwischen fixen und variablen Zöllen unterschieden. Bei variablen Zöllen hängt der Zollsatz zumeist vom jeweiligen Güterpreis ab.

 

nach dem Zweck:  

 

·       Finanzzölle,  

·       Schutzzölle,  

·       Erhaltungszölle und Erziehungszölle  sowie

·       Anti-Dumpingzölle;

 

nach der Intensität der Wirkung:

 

·       Normale Zölle, welche den Handel einschränken sowie  

·       Prohibitivzölle, welche den Handel zum Erliegen bringen

 

nach der Verhandlungstechnik:  

 

·       Verhandlungs-,

·       Kampf und

·       Vergeltungszölle

 

nach der Differenzierung zwischen verschiedenen Ländern:

 

·       Präferenzzölle sowie  

·       Meistbegünstigungsklauseln.

 

Das System der Mengenregulierung kennt folgende Instrumente:

 

·        Verbote von Ausfuhr oder Einfuhr,

·        Festlegung von Kontingenten sowie

·        nicht-tarifäre Handelshemmnisse.

 

Das System des staatlichen Außenhandelsmonopols wird schließlich durch folgende Merkmale geprägt:

 

Die eigentlichen Entscheidungen über Export- und Importgüterarten und -mengen sowie über die Höhe der einzelnen Preise und die Festlegung der Standards der einzelnen Güter liegen de facto beim Staat.

 

 

Wenden wir uns nun den Zielen der Handelspolitik zu. Zu den wichtigsten Zielen der Handelspolitik zählen:

 

·       die Garantierung der individuellen Freiheitsrechte,

 

·       die Förderung der weltwirtschaftlichen Produktivität,

 

·       internationale Verteilungsziele (Begünstigung der eigenen Volkswirtschaft gegenüber dem Ausland),

 

·       intranationale Ziele (Schutz einzelner Branchen oder Bevölkerungsgruppen, Entwicklungshilfe),

 

·       allokative Ziele, vor allem autarkische Bestrebungen sowie eine Internalisierung von externen Effekten im Rahmen der Umweltpolitik, schließlich

 

·       die Beschaffung von Einnahmequellen für den Staat.

 

 

Das Freihandelssystem ist geprägt durch den Vorrang des Freiheitszieles.

 

Das finanzpolitische Regimes verfolgt folgende Ziele: verteilungspolitische sowie allokative Ziele, wobei weitgehend nur marktkonforme Einflussnahmen eingesetzt werden.

 

Für die Ziele des Systems der Mengenkontingentierungen gilt: Es überwiegt die Skepsis gegenüber dem freien Markt. Der Staat versucht auf Kosten der individuellen Freiheit seine allokativen und distributiven Ziele durchzusetzen.

 

Die Ziele des staatlichen Außenhandelsmonopols bestehen schließlich in der staatlichen Lenkung des gesamten Außenhandels.

 

02. Das finanzpolitische Instrumentarium

 

Wenden wir uns nun den Zöllen als wichtigstes handelspolitisches Instrument zu. Als erstes sollen die Finanzzölle analysiert werden, welche vorwiegend deshalb erhoben werden, um dem Staat Einnahmen zu beschaffen.

 

Sie erlangen in den hoch entwickelten Staaten nur noch eine geringe Bedeutung. Eine große Bedeutung kam bzw. kommt ihnen auch heute noch in merkantilistischen Systemen sowie in den heutigen Entwicklungsländern zu.

 

Wichtigstes Problem im Zusammenhang mit den Finanzzöllen war die Frage nach dem Zollmaximum, die Frage also, bei welcher Zollhöhe der Staat ein Maximum an Zolleinnahmen erreicht. Nicht jede Erhöhung der Zollsätze führt auch zu einer Zunahme in den Zolleinnahmen.

 

Der Nachweis soll zunächst anhand eines Angebots-Nachfrage-Diagramms erbracht werden. Zölle werden zumeist auf den Güterpreis abgewälzt. Da mit wachsenden Preisen je nach Nachfrageelastizität der Umsatz zurückgeht, steht den Einnahmensteigerungen pro Stück gleichzeitig eine Einnahmenminderung gegenübertritt und zwar dadurch, dass insgesamt weniger Mengen als vor der Zollerhöhung verkauft werden.

 

In der folgenden Graphik sehen wir zunächst die (rot eingezeichnete) Nachfragekurve. Die Nachfrageelastizität ε geht von ∞ im Schnittpunkt mit der Ordinate bis zu 0 im Schnittpunkt mit der Abszisse. Von der Nachfragekurve abgeleitet wird die (grün eingezeichnete) Umsatzkurve. Der Umsatz ist hierbei gleich dem Produkt aus jeweiligem Preis und jeweiliger Nachfragemenge. Da der Zollsatz einen bestimmten Prozentsatz des Umsatzes darstellt, folgt der Verlauf der Kurve der Zolleinnahmen dem Verlauf der Umsatzkurve, erlangt somit wie der Umsatz seinen Höhepunkt bei der Elastizität von eins, während bei beiden Schnittpunkten der Nachfragekurve mit den Koordinatenachsen die Zolleinnahmen wie auch die Unternehmererlöse null werden.

 

 

 

Man kann aber auch den Nachweis eines Zollmaximums anhand der von A. Marshall entwickelten Tauschkurven erbringen. Ausgangspunkt bildet in diesem Falle die inländische Tauschkurve ohne Berücksichtigung der Zölle. Der Staat führe nun Importzölle ein. Tatsächlich lässt sich die Erhebung von Importzöllen in unserem Diagramm dadurch berücksichtigen, dass wir von der Exportgütermenge, die die Privaten anbieten, ein Pendant für die Zollhöhe abziehen. Die verbleibende restliche Menge an Exportgütern (Menge der von den Exporteuren angebotenen Güter abzüglich der Gütermenge, die den Zolleinnahmen entsprechen) ist dann die restliche Menge, welche die Volkswirtschaft dem Ausland anbietet.

 

Aus der Sicht des Auslandes bietet also das Inland nur noch die restliche Menge an Exportgütern an und dies ist gleichbedeutend damit, dass die Zolleinführung und jede weitere Zollerhöhung zu einer Verschiebung der inländischen Tauschkurve nach links führt. Die Einführung von Zöllen bewirkt somit über eine Verschiebung der inländischen Tauschkurve auch eine Verlagerung des Gleichgewichtspunktes.

 

Jeder alternativen Zollsatzhöhe lässt sich auf diese Weise eine Zolleinnahmenhöhe zuordnen. An der folgenden Graphik ist zu erkennen, dass die Zolleinnahmen (die waagrechten roten Linien) bei sukzessivem Anstieg des Zollsatzes zunächst ansteigen, dann ihr Maximum erreichen und wieder abfallen.

 

 

 

Kritisch ist gegenüber dieser Darstellung auf Folgendes zu verweisen: Die Reaktionen des Auslandes werden bei dieser Betrachtungsweise vernachlässigt.

 

Erhebt nun das Ausland in Reaktion auf die Einführung der vom Inland erhobenen Importzölle seinerseits Vergeltungszölle, so wird die ausländische Tauschkurve nach rechts verschoben, damit wird jedoch das maximale Zollvolumen wiederum eingeschränkt.

 

Weiterhin wurden in diesem Modell mögliche Sekundärwirkungen auf das allgemeine Steueraufkommen vernachlässigt. Wenn nämlich das Exportvolumen und mit ihm auch die gesamten Erlöse der inländischen Unternehmer aufgrund der Zollerhebungen zurückgehen, verringert sich automatisch auch das Aufkommen der Umsatzsteuer, Veränderungen, die eigentlich bei der Beurteilung der Finanzzölle berücksichtigt werden müssten.

 

Das wichtigste Ergebnis dieser Analyse besteht also darin, dass nicht jede Erhöhung der Zollsätze zu einer Zunahme der Zolleinnahmen führt. Eine Zollsatzerhöhung kann auch zu einer Verminderung der Zolleinnahmen führen, dann nämlich, wenn der bisherige Zollsatz bereits das Umsatzmaximum erreicht hat.

 

 

Als zweites sollen die Schutzzölle analysiert werden.

 

Mit Schutzzöllen sollen die inländischen Unternehmungen vor ausländischer Konkurrenz geschützt werden. Dieser Schutz wird dadurch erreicht, dass die importierte Gütermenge vermindert und deshalb gleichzeitig die Absatzmenge der inländischen Produzenten auf dem einheimischen Markt ausgeweitet wird.

 

Da nun die inländischen Unternehmer einem geringeren Wettbewerb von Seiten der ausländischen Produzenten ausgesetzt sind, erhalten sie die Möglichkeit, ihre Preise zu erhöhen. Der Preis, den die Konsumenten zu bezahlen bereit sind, hängt entsprechend dem Verlauf der Nachfragefunktion von der Höhe des Güterangebotes ab, je geringer das Güterangebot ausfällt, um so höhere Preise sind die Konsumenten bereit zu zahlen.

 

Dieser Wirkungszusammenhang soll wiederum anhand eines Angebots- Nachfrageschemas aufgezeigt werden. Als Ausgangspunkt sei unterstellt: Der Weltmarktpreis liege unterhalb des inländischen Gleichgewichtspreises bei Autarkie. Die Importmenge bei Freihandel ergibt sich aus dem inländischen Nachfrageüberhang bei diesem Preis.

 

Es wird nun von der – zumeist durchaus realistischen – Annahme ausgegangen, dass der Zollsatz voll auf den Güterpreis überwälzt wird. Die Zollerhöhung (dz) führt somit in gleichem Umfang zu einer Preiserhöhung (dp). Es gilt:

dp = dz

 

Diese Annahme ist allerdings nur im Kleinländerfall voll berechtigt. Nur in diesem Falle können wir von einem unendlich elastischen Angebot des Auslandes ausgehen und nur in diesem Falle wirkt sich die Zollerhebung nicht auf das Preisniveau des Auslandes aus.

 

Aufgrund der Preissteigerung im Inland vermindert sich die Importmenge. Entsprechend der Angebotselastizität steigen die inländische Produktion und der Gewinn der Unternehmungen an. Bei Freihandel gleichen sich die Preise im Inland und im Ausland einander an. Die Preise im In- und Ausland (pi und pA) lassen sich hierbei mit Hilfe des Kurses der eigenen Währung (w = $/€) vergleichen. Stets gilt:

pA = pi * w

 

Ein Gleichgewicht ist dann gegeben, wenn der inländische Nachfrageüberhang (die Importnachfrage) gerade dem ausländischen Angebotsüberhang (Exportangebot) entspricht.

 

 

 

Die Einführung eines Importzolles bewirkt, dass der inländische Preis um den Betrag des Zollsatzes über dem Preis des Auslandes liegt. Nach wie vor gilt, dass sich das Gleichgewicht erst bei Preisen einstellt, bei denen die Importnachfrage des Inlandes dem Exportangebot des Auslandes entspricht. Das bedeutet, dass der Preis solange variiert, bis die Importnachfrage und das Exportangebot übereinstimmen. Ist z. B. das Exportangebot wesentlich geringer als die Importnachfrage, steigt der Preis und mit ihm das Exportangebot. 

 

 

 

Die Einführung des Zolles bewirkt somit eine Reduzierung der Importmenge. Zum Teil kommt die Reduzierung der Importmenge den inländischen Produzenten zugute, indem sie ihr Angebot ausweiten können. Aber die inländische Produktion steigt weniger an, als der Import zurückgeht, da aufgrund des gestiegenen Preises die inländischen Konsumenten weniger Güter nachfragen als vor der Einführung oder Erhöhung des Importzolles.

 

 

 

Fragen wir uns nun nach den gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen eines Importzolles. Die Einführung eines Importzolles verändert die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt einmal, weil die Konsumentenrente sinkt, zum andern weil die Produzentenrente steigt, schließlich drittens, weil der Staat Zolleinnahmen erzielt, die für den Ankauf von Nutzen stiftenden Gütern verwandt werden können.

 

Es lässt sich nachweisen, dass die Einführung eines Importzolles im Allgemeinen per Saldo zu einem Wohlfahrtsverlust führt (= Harberger Dreieck). Unter dem Harberger Dreieck versteht man also den Wohlfahrtsverlust, der durch Einführung einer staatlichen Abgabe (Steuer, Zoll) der Volkswirtschaft entsteht.

 

Wie lässt sich das Harberger Dreieck begründen? Betrachten wir zunächst die Konsumenten- und Produzentenrenten, welche bei Freihandel erzielt werden. Die grüne Fläche verweist auf die Konsumentenrente. Die Fläche unterhalb der Nachfragekurve entspricht hierbei dem Gesamtnutzen, den die Konsumenten bei alternativen Gütermengen erzielen abzüglich der Kaufsumme, welche die Konsumenten beim Kauf dieser Güter zu bezahlen haben.

 

Die Produzentenrente unterrichtet über den Gewinn der Unternehmer, wobei der Gewinn definiert ist als Verkaufserlös abzüglich der Gesamtkosten. Der Verkaufserlös entspricht hierbei dem Produkt aus Preis mal Menge, die Gesamtkosten entsprechen der Fläche unterhalb der Angebotskurve, welche sich bekanntlich aus der Grenzkostenkurve entwickeln lässt.

 

 

 

Nun führen wir einen Importzoll ein und fragen als erstes nach der Reduzierung der Konsumentenrente. Die Einführung eines Importzolles führt sowohl zu einer Erhöhung der Preise als auch einer Reduzierung der Nachfragemenge. Somit ergibt sich in Nutzen gemessen eine Größe, welche der hellgrünen Fläche zwischen der Preisdifferenz und der Nachfragekurve entspricht.

 

 

 

Als nächstes untersuchen wir, um wie viel die Produzentenrente aufgrund der Zollerhebung ansteigt. Aufgrund des gestiegenen Preises sowie aufgrund der Zunahme der verkauften Gütermenge steigt die Gewinnsumme entsprechend der rosarot eingezeichneten Fläche.

 

Schließlich gilt es zu überprüfen, inwieweit die Gesamtwohlfahrt aufgrund der Zolleinnahmen, welche ja zum Ankauf von nutzenspendenden Gütern verwendet werden können, ansteigt. Diese partielle Nutzensteigerung entspricht der grünen Fläche, dem Produkt aus Zollsatz und Importgütermenge.

 

 

 

Zum Schluss zeigen wir in einer Animation, welche Wohlfahrtsveränderungen die Erhebung eines Importzolles insgesamt herbeiführt. Die Animation zeigt, dass per Saldo Wohlfahrtsverluste entsprechend der beiden Dreiecke mit dem Minuszeichen entstehen. Der eine negative Effekt erklärt sich daraus, dass aufgrund des gestiegenen Inlandspreises weniger Güter nachgefragt werden und die Haushalte auf andere Güter ausweichen, welche eine geringere Präferenz besitzen. Der zweite negative Effekt erklärt sich daraus, dass aufgrund der Zollerhebung die Produktion vom Ausland, das produktiver ist, verlagert wird ins Inland. Dieser Effekt wird bei Viner handelsablenkender Zolleffekt genannt.

                                                                                                                               Animation

 

Kommen wir nun zur Kritik am Schutzzollargument: Zumeist wird stillschweigend unterstellt, dass der Zoll voll auf den inländischen Güterpreis überwälzt wird. In diesem Falle entspricht die Preissteigerung der Zollerhöhung. In der Realität kann jedoch nicht unbedingt mit einer vollständigen Überwälzung des Zolles gerechnet werden. Damit sind die Schutzwirkungen zumeist geringer als zunächst unterstellt. Überwälzungsausmaß und Protektionsschutz sind umso größer, je unelastischer die Inlandsnachfrage und das inländische Angebot und je elastischer das ausländische Angebot und die ausländische Nachfrage reagieren.

 

Beginnen wir mit der Möglichkeit unterschiedlicher Nachfrageelastizitäten. Drei Fälle sind hierbei zu unterscheiden:

 

·       Annahme i: Die Nachfrageelastizität ist unendlich. Die Inlandspreissteigerung ist null.

 

·       Annahme ii: Die Nachfrageelastizität ist null. Die Inlandspreissteigerung entspricht der Zollsatzsteigerung.

 

·       Annahme iii: Die Nachfrageelastizität ist größer null, aber endlich. Der Inlandspreis steigt geringer als die Zollsatzsteigerung.

 

 

 

 

Fahren wir in unserer Analyse fort mit unterschiedlichen Angebotselastizitäten:

 

·       Annahme i: Die Angebotselastizität ist unendlich. Die Inlandspreissteigerung ist gleich der Zollerhöhung.

 

·       Annahme ii: Die Angebotselastizität ist null. Die Inlandspreissteigerung ist null.

 

·       Annahme iii: Die Angebotselastizität ist größer null aber endlich. Der Inlandspreis steigt geringer als die Zollsatzsteigerung.

 

 

 

Weiterhin sind auch hier Vergeltungsmaßnahmen des Auslandes von Bedeutung. Man spricht hierbei von Retorsionszöllen. Diese führen zu einer Reduzierung des Außenhandelsvolumens. Soweit dadurch die wirtschaftliche Aktivität reduziert wird, vermindert sich auch c. p. die Nachfrage nach den Importkonkurrenzgütern.

 

 

Als drittes folgt die Analyse der Forderung nach Erziehungszöllen im Sinne Friedrich Lists.

 

Die wohlfahrtssteigernde Wirkung eines Freihandels im Sinne von Smith gelte –– laut List – nur für Industrien auf gleichem Entwicklungsniveau. Deshalb müsse eine noch nicht voll entwickelte Industriegesellschaft bis zur Ausreifung geschützt werden.

 

Friedrich List entwickelte folgende These: Es sei ein vorübergehender Schutz notwendig, da im Zusammenhang mit der Industrialisierung zunächst Entwicklungskosten entstehen, die bei den bereits voll entwickelten Volkswirtschaften wegfallen. Dadurch entstünden bei Freihandel Wettbewerbsnachteile für die einheimische Industrie.

 

Gegen den Schutzzollgedanken von Friedrich List richtet sich folgende Kritik: Es ist schwer, Zölle wiederum abzubauen. Aufgrund der Marktzugangsbegrenzungen entfallen weiterhin Rationalisierungsanreize. Bei Unterstellung eines langfristigen Kalküls müssten die Unternehmer eigentlich auch bereit sein, vorübergehende Verluste zu tragen. Jede Investition stellt eine Entscheidung dar, bei welcher zunächst nur Kosten entstehen und die Gewinne erst in den zukünftigen Perioden erzielt werden. Wenn aber auch langfristig keine Gewinnchance besteht, ist es auch volkswirtschaftlich nicht erwünscht, dass diese Güter im Inland produziert werden. Die Politiker sind aber nicht in der Lage, im Voraus festzustellen, ob Investitionen langfristig Vorteile bringen.

 

Nur bei Existenz externer Effekte wäre unter Umständen ein Schutz berechtigt, da in diesem Falle ein langfristiger volkswirtschaftlicher Gewinn vorliegen kann, gleichzeitig aber privatwirtschaftlich trotzdem auch langfristige Verluste entstehen können. Auch dann, wenn die erwarteten Erträge die Entwicklungskosten übersteigen, ist nicht klar, ob diese Erträge nur derjenigen Unternehmung zufließen, die diese Kosten aufgebracht hat. 

 

Allerdings lässt sich in diesen Fällen über eine Patentschutzgesetzgebung ein sehr viel effizienterer Schutz erzielen. Während der Dauer des Patenschutzes hat nämlich ein Innovator (ein Unternehmer, welcher eine Erfindung einführt) einen effektiven Schutz vor Mitbewerber, welche neue Verfahren übernehmen (imitieren) wollen, ohne sich an den Entwicklungskosten zu beteiligen.

 

In der Realität werden allerdings oftmals gerade die Industrien durch eine Schutzzollpolitik gefördert, welche hohe negative externe Effekte zur Folge haben und gerade deshalb eigentlich nicht gefördert werden sollten.

 

Als negativ muss auch eingestuft werden, dass der technische Fortschritt oftmals so rasant ist, dass nach Ablauf des Patentschutzes die bisher geschützten Güter bereits von neueren Produkten verdrängt sind. Die Einschränkung des Wettbewerbs ist in diesen Fällen also von Dauer. Damit entfällt jedoch eine essentielle Voraussetzung für eine funktionierende Marktwirtschaft.

 

 

Als viertes wollen wir verteilungspolitisch begründete Zölle untersuchen.

 

Ausgangspunkt bildet die Common-Sense-These, wonach eine Konkurrenz mit Niedriglohnländern zu einem Druck auf die Lohnhöhe im Inland führe. Kritisch wäre allerdings anzumerken, dass ein hoher Lohn zumeist deshalb gewährt wird, weil im Inland eine höhere Produktivität erzielt wird. Für die Wettbewerbsfähigkeit kommt es jedoch nicht auf das Verhältnis der Stundenlöhne (l), sondern der Lohnstückkosten (l/) an.

 

 

Obige Gleichung zeigt, dass nur Lohnsteigerungen, welche größer sind als die Produktivitätssteigerung, die Güterpreise erhöhen und so die Wettbewerbsfähigkeit gefährden.

 

 

Als fünftes sei die Rechtfertigung eines Zollschutzes im Zusammenhang mit dem Heckscher-Ohlin-Theorem besprochen:

 

Freihandel benachteiligt den jeweils knappen Faktor. Bei Autarkie erzielt der knappe Faktor einen hohen Faktorpreis, bei Freihandel werden die betreffenden Güter verstärkt importiert, deshalb sinkt im Inland die Nachfrage nach dem knappen Faktor und damit auch der Faktorpreis. Freihandel benachteiligt also die Arbeitnehmer in den Ländern mit Arbeitsknappheit. Zur Vermeidung dieser Nachteile wurde z. B. in den USA eine Zollpolitik gefordert.

 

Kritisch wäre folgendes anzumerken: Aufgrund des Leontief-Paradoxons muss bestritten werden, dass z. B. in den USA vorwiegend arbeitsintensive Produkte eingeführt werden (wurden). Die Arbeit wird nämlich nicht durch Freihandel benachteiligt, wenn ein hoher human capital-Anteil besteht, wenn weiterhin eine hohe Nachfrage nach kapitalintensiven Produkten vorhanden ist oder wenn die Faktorintensitäten umschlagen. Auch wenn ein Nachteil nachzuweisen wäre, bleibt die Frage, ob es nicht bessere Wege zur Lösung dieses Problems gibt als eine Zollerhebung. Diese führt nämlich immer zu Wohlfahrtsverlusten im In- und Ausland.

 

Man könnte z. B alternativ Freihandel zulassen und die hierbei entstehenden Minderungen des Einkommens durch entsprechende Kompensationszahlungen im Sinne des von Kaldor und Hicks entwickelten Kriteriums ausgleichen. Auch hier gilt nämlich, dass ein Vergeltungszoll des Auslandes die erwünschte Zollwirkung wiederum zunichtemachen könnte.

 

 

Als sechstes wollen wir uns mit der Rechtfertigung von Zöllen im Zusammenhang mit dem Theorem vom Zolloptimum beschäftigen:

 

Das Handelsgleichgewicht liegt – wie bereits gezeigt – im Allgemeinen nicht auf der höchstmöglichen Handelsindifferenzkurve. Deshalb entsteht die Frage, ob die inländische Wohlfahrt nicht durch eine Zollerhebung verbessert werden könnte. Ausgangsthese bildet die Feststellung, dass jede Zollerhöhung zu einer Verbesserung der Terms of Trade führt und damit zu einer partiellen Wohlfahrtssteigerung.

 

Wenn der Staat einen Importzoll erhebt, wird dem Ausland nur der Teil der – von den Privaten verkauften – Menge angeboten, der nach Zollabzug verbleibt. Dies bedeutet, dass die inländische Tauschkurve im Umfang der Zolleinnahmen nach links verschoben wird. Dadurch entsteht ein neuer Schnittpunkt der durch Zölle modifizierten Tauschkurve (TImod) des Inlandes mit der Tauschkurve des Auslandes (TAmod). Dieser Schnittpunkt kann auf einer Handelsindifferenzkurve des Inlandes mit höherem Nutzen liegen, da der Schnittpunkt höheren Terms of Trade (ToT) entspricht. 

 

Es lässt sich anhand folgender Graphik zeigen, dass eine Zollerhöhung solange eine Wohlfahrtssteigerung auslöst, als die durch den Schnittpunkt gehende inländische Handelsindifferenzkurve die ausländische Tauschkurve tangiert. 

 

 

Ausgangspunkt bildet der Schnittpunkt der hellblauen Tauschkurve des Inlandes (TI) mit der grünen Tauschkurve des Auslandes (TA), bei dem unter den Bedingungen des Freihandels ein Gleichgewicht erreicht wird. Diesem Schnittpunkt entspricht die Handelsindifferenzkurve (HIFH).

 

Durch Erhebung eines Importzolles des Inlandes wird die inländische Tauschkurve nach links verschoben (TImod). Der neue Schnittpunkt der inländischen mit der ausländischen Tauschkurve liegt auf einer Handelsindifferenzkurve (HIz) mit eindeutig höherem Wohlfahrtsniveau des Inlandes.

 

Dort, wo schließlich eine inländische Handelsindifferenzkurve (HIopt) die ausländische Tauschkurve TA tangiert, liegt das höchstmögliche Wohlfahrtsniveau des Inlandes. Ein optimaler Zoll ist also dort gegeben, wo die inländische Tauschkurve (TI) gerade die ausländische Tauschkurve schneidet.

 

Aber auch diese Analyse unterliegt der Kritik: Es muss nämlich zwischen den Terms of Trade aus der Sicht der Privaten und aus der Sicht der gesamten Volkswirtschaft unterschieden werden. Die Volkswirtschaft insgesamt (der Staat und die Privaten) hat mit wachsenden Zöllen für eine Importgütereinheit immer weniger Exportgüter an das Ausland zu entrichten. Die Privaten hingegen haben bei wachsenden Zöllen für eine Importgütereinheit immer mehr Exportgüter zu zahlen.

 

Eine endgültige Beurteilung ist weiterhin nur möglich, wenn man die Verwendung der Zolleinnahmen mit berücksichtigt. Denn von der Verwendung der Zolleinnahmen hängt es ja ab, welchen Gesamtgewinn an Wohlfahrt eine Volkswirtschaft bei Erhebung von Zöllen erzielt.

 

 

 

Die obenstehende Graphik vergleicht mit einander drei verschiedene Terms of Trade. Der Schnittpunkt der grünen ausländischen und der blauen inländischen Tauschkurve markiert die Terms of Trade (ToTFH), welche bei Freihandel erzielt worden wären. Der Schnittpunkt der modifizierten (dunkelblauen) inländischen Tauschkurve mit der ausländischen Tauschkurve gibt an, welche Terms of Trade (ToTz) für die gesamte Volkswirtschaft aufgrund der Zollerhebung erreicht wurde.

 

Ziehen wir von diesem Schnittpunkt ausgehend eine waagrechte rote Linie nach rechts, so zeigt der Schnittpunkt dieser Linie mit der inländischen modifizierten Tauschkurve an, welche Terms of Trade für die Privaten gelten. Diese Graphik zeigt deutlich, dass aufgrund der Zollerhebung zwar die gesamtwirtschaftlichen, nicht aber die privatwirtschaftlichen Terms of Trade verbessert wurden. Die Privaten müssen sogar eine Verschlechterung ihrer Wohlfahrt aufgrund der Zollerhebung hinnehmen.

 

Zweitens sollte erwähnt werden, dass die Wohlfahrt einer Volkswirtschaft nicht nur von den Terms of Trade, sondern auch vom Außenhandelsvolumen abhängt. Dieses wird jedoch durch eine Zollerhöhung stets vermindert. Mengen- und Preiseffekte wirken also gegeneinander. Es gibt eine bestimmte Zollhöhe, bei der ein Optimum erreicht wird; und dies entspricht dem Zoll, bei dem die inländische Tauschkurve die HI-Kurve tangiert.

 

Zur Beweisführung ist darauf hinzuweisen, dass hier eine Analogie zum Verhalten eines Monopolisten besteht, der vor der Frage steht, ob er durch eine weitere Preissteigerung seinen Gewinn vermehren kann. Eine Preissteigerung verursacht eine Zunahme des Stückgewinnes; der Gesamtgewinn steigt partiell im gleichen Ausmaß wie der Preis an. Gleichzeitig sinkt jedoch die Nachfragemenge und damit wiederum partiell der Gesamtgewinn. Welche partielle Tendenz überwiegt, hängt bekanntlich von der Nachfrageelastizität ab.

 

Nur dann, wenn diese Elastizität kleiner als eins ist, überwiegt der positive Preiseffekt. Ex definitione ist hier der prozentuale Rückgang der Menge geringer als der prozentuale Anstieg des Preises. Bei Unterstellung linearer Nachfragekurven, die die Achsen schneiden, steigt die Elastizität der Nachfragekurve – vom Schnittpunkt mit der x-Achse aus gerechnet – bei sukzessiver Verknappung der Gütermenge. Das Umsatzmaximum ist dort erzielt, wo die Elastizität der Nachfrage den Wert eins erreicht.

 

 

 

Diese Schlussfolgerungen für ein Zolloptimum lassen sich auch anhand der Marshall‘schen Tauschkurven beweisen. Eine sukzessive Zollerhöhung führt ceteris paribus zu einer Verlagerung der inländischen Tauschkurve nach links. Damit findet eine Bewegung entlang der ausländischen Tauschkurve statt in Richtung Ursprung. Die Terms of Trade für das zollerhebende Land steigen an. Dies entspricht der Zunahme des Stückgewinnes; es ist der Preiseffekt. Gleichzeitig werden zunächst Handelsindifferenzkurven mit einem höheren Wohlfahrtsindex geschnitten. Dies ist gleichbedeutend damit, dass der Mengeneffekt zunächst überwiegt.

 

Es gibt jedoch eine kritische Zollhöhe, bei der die ausländische Tauschkurve eine Handelsindifferenzkurve tangiert. Bei dieser Zollhöhe ist das Optimum an Wohlfahrt erreicht. Bei weiteren Zollerhöhungen werden wiederum Handelsindifferenzkurven geschnitten, die eine geringere Wohlfahrt anzeigen.

 

 

 

Entscheidend ist jedoch eine dritte Kritik: Wenn das Ausland Retorsionszölle einführt, gehen auf der einen Seite die Gewinne aufgrund der verbesserten  Terms of Trade zurück. Gleichzeitig vermindert sich das Außenhandelsvolumen erneut. Per Saldo verbleibt es beim negativen Mengeneffekt.

 

 

 

Obige Graphik zeigt eine Situation, bei der In- und Ausland Importzölle erheben und infolgedessen sowohl die inländische Tauschkurve nach links und die ausländische Tauschkurve nach rechts verschoben werden. Das Wohlfahrtsniveau nach Zollerhebung beider Länder liegt nun nicht nur eindeutig unterhalb dem Wohlfahrtsniveau bei einseitiger Zollerhebung des Inlandes, sondern auch unter dem Wohlfahrtsniveau, das bei Freihandel, also bei Verzicht auf eine Zollerhebung eintreten würde.

 

 

Als siebtes sollen schließlich Zölle analysiert werden, welche gesamtwirtschaftliche Zielsetzungen verfolgen:

 

Allgemeine Zollerhöhungen werden in diesem Falle gefordert, wenn ein Land ein Defizit in der Devisenbilanz erreicht hat. Hier sei eine Zollerhöhung etwa deshalb notwendig, da eine Wechselkursvariation nicht möglich und eine Anpassung über eine Deflation etc. nicht erwünscht sei.

 

Als weitere Begründung für Zölle wird bisweilen angeführt, dass auf diesem Wege eine selektive Wirkung erzielt werden könnte, indem man einzelne Güter von der Zollerhebung befreit, im Gegensatz zu Wechselkursänderungen, die stets alle Güter betreffen.

 

 

Zusammenfassung:

 

01. Das Freihandelssystem zeichnet sich dadurch aus, dass sich der Staat jeglichen Eingriffes in den Marktprozess enthält, er beschränkt sich auf die Wahrung der allgemeinen Marktordnung. Demgegenüber versucht der Staat in einem System finanzieller Anreize die Marktergebnisse zu beeinflussen. Allerdings beschränkt sich der Staat hier auf die marktkonform wirkenden Mittel der Zölle und Subventionen.

 

02. Beim Einsatz von Verboten und Kontingenten greift der Staat unmittelbar in die Märkte dadurch ein, dass er gewisse Marktergebnisse erzwingt.

 

03. Das Außenhandelsmonopol zeichnet sich schließlich dadurch aus, dass die wichtigsten außenwirtschaftlichen Entscheidungen über Umfang und Preis der Ex- und Importe von einer staatlichen Behörde festgelegt werden. Beteiligte Unternehmungen handeln hier nur noch im Auftrag des Staates.

 

04. Zölle werden oftmals deshalb erhoben, um dem Staat zusätzliche Einkommensquellen zu eröffnen (Finanzzölle). Dies war z. B. das Hauptmotiv für die protektionistischen Maßnahmen des Merkantilismus. Auch für die heutigen Entwicklungsländer gilt, dass die Zolleinnahmen einen beachtlichen Anteil an den Gesamteinnahmen des Staates ausmachen. In den hoch entwickelten Staaten ist jedoch der Anteil der Zolleinnahmen extrem gering, in der BRD erreichten die Zolleinnahmen im letzten Jahrzehnt weniger  als 1 % der Gesamteinnahmen des Staates.

 

05. Nicht jede Zollsatzerhöhung führt zu einem Zuwachs der Zolleinnahmen. Jede Zollsatzerhöhung vergrößert zwar die Staatseinnahmen dadurch, dass pro importierter Einheit höhere Einnahmen erzielt werden, verringert jedoch partiell wiederum die Zolleinnahmen, da die Zollerhöhung zu einer Preissteigerung führt und die Preissteigerung eine Reduzierung der Nachfrage nach Importen auslöst. Da bei Preissteigerungen im Allgemeinen die Nachfrage-Preis-Elastizität ansteigt, wird der zollmindernde Effekt einer Zollsatzerhöhung immer größer, sodass bei einer kritischen Zollhöhe die Zolleinnahmen ihr Maximum erreichen.

 

06. Die Einführung oder Erhöhung von Schutzzöllen zugunsten eines Wirtschaftssektors führt zu einer Erhöhung des Preises, das inländische Angebot, die Beschäftigung  und die Gewinne steigen, die Importmenge geht zurück. Allerdings verringert sich aufgrund der Preissteigerung auch die Nachfrage nach diesen Gütern, sodass die inländische Mehrproduktion geringer ausfällt als der Rückgang der Importmenge. Kritisch muss angemerkt werden, dass dieser Schutzeffekt in dem Maße geringer ausfällt, in dem die ausländischen Unternehmungen mit Preissenkungen reagieren.

 

07. Auch gilt es zu berücksichtigen, dass Protektionismus stets zu einer Verringerung in der Produktivität und damit im realen Volkseinkommen führt und dass auf diesem Wege die Konsumnachfrage um ein weiteres zurückgeht.

 

08. Fr. List hatte die Schutzzölle als vorübergehende Erziehungszölle verteidigt. In der Anfangsphase entstünden Entwicklungskosten, die den bereits weiterentwickelten Volkswirtschaften nicht mehr entstünden. Deshalb sei auch eine Industrie, die langfristig international konkurrenzfähig sei, in der Entwicklungsphase nicht in der Lage, sich gegenüber den höherentwickelten ausländischen Unternehmungen zu behaupten.

 

09. Gegen diese Argumentation muss eingewandt werden, dass Zölle nur sehr schwer wieder abgebaut werden können, dass sich während des Schutzes wegen Verminderung des Wettbewerbes die Anreize zur Rationalisierung vermindern und dass auch die Unternehmungen zur Produktion bereit sein müssten, wenn zu erwarten ist, dass die vorübergehenden Verluste durch Erträge in der Zukunft kompensiert werden. Nur im Falle externer Entwicklungskosten (die zukünftigen Erträge fallen anderen Unternehmungen zugute!) überzeugt die List'sche Argumentation. Die Lösung externer Kosten lässt sich jedoch besser mit Hilfe einer Patentschutzgesetzgebung als mit Protektionismus erreichen.

 

10. Schutzzölle werden auch zugunsten von Arbeitnehmern verlangt, da Freihandel über eine internationale Konkurrenz mit Niedriglohnländern zu einem Lohndruck führe. Kritisch muss angemerkt werden, dass höhere Löhne in der Regel wegen höherer Arbeitsproduktivität gewährt werden können und somit die Stückkosten und die internationale Wettbewerbsfähigkeit gar nicht tangieren. Allerdings führt das Heckscher-Ohlin-Theorem zu einer gewissen Rechtfertigung von Schutzzöllen, da Freihandel dazu führt, dass der jeweils knappere Faktor weniger knapp wird und da deshalb auch die Entlohnung dieses Faktors relativ zurückgeht.

 

11. Das Leontief-Paradox zeigt allerdings, dass die hoch qualifizierte Arbeit in den USA nicht zu den knappen Faktoren zählt und deshalb auch nicht durch Freihandel benachteiligt wird. Das Verteilungsargument kann danach allenfalls für die untersten Leistungsklassen der Arbeit aufrechterhalten werden. Aber auch hier wäre es günstiger, den negativ Betroffenen Kompensationszahlungen zu gewähren als über Schutzzölle die gesamte Wohlfahrt einer Volkswirtschaft zu reduzieren.

 

12. Im Rahmen der These des Zolloptimums wird behauptet, dass eine einzelne Volkswirtschaft durch ein gewisses Ausmaß an Protektionismus seine Wohlfahrt vergrößern könne, da jede Zollerhöhung mit einer Verbesserung der Terms of Trade verbunden ist. Kritisch muss angemerkt werden, dass bei Zollerhebung zwischen privaten und gesamtwirtschaftlichen Terms of Trade unterschieden werden muss und dass sich die privaten Terms of Trade bei Zollerhöhung verschlechtern.

 

13. Weiterhin wird der wohlfahrtssteigernde Terms of Trade-Effekt stets durch einen wohlfahrtsmindernden Mengeneffekt teilweise kompensiert, da eine verminderte internationale Arbeitsteilung mit Produktivitätsverlusten verbunden ist. Aus diesen Gründen geht dieses Theorem auch davon aus, dass Zollerhöhungen nur bis zu einer kritischen Grenze (dem Zolloptimum) wohlfahrtssteigernd wirken. Vor allem ist jedoch langfristig mit Retorsionszöllen des Auslandes zu rechnen, welche die positiven Wohlfahrtseffekte wiederum aufheben, die negativen Mengeneffekte jedoch verstärken.

 

14. Bisweilen wurden Zölle auch eingesetzt, um Defizite der Leistungsbilanz zu vermindern, sofern eine Abwertung politisch nicht möglich erscheint oder sofern die Korrektur auf einen Teilbereich des gesamten Außenhandels (z. B. auf den Agrarbereich) beschränkt werden soll.

 

 

 

Fragen zu Kapitel 8:

 

01. Warum führt nicht jede Zollsatzerhöhung zu einem Zuwachs in den  Zolleinnahmen?

 

02. Warum spielt die Diskussion um das Zollmaximum in den hoch entwickelten Staaten eine geringe Bedeutung?

 

03.  Worin besteht der Schutz der einheimischen Industrie bei Erhebung eines Schutzzolles?

 

04. Warum ist die Absatzsteigerung der einheimischen Unternehmungen aufgrund einer Zollerhebung in der Regel geringer als der Rückgang in der importierten Gütermenge?

 

05. Warum hielt Fr. List zu Beginn der Industrialisierung Deutschlands einen Zoll auf die importierten Waren für notwendig?

 

06. Warum hielt die traditionelle Außenhandelstheorie die Argumentation von Fr. List für nicht überzeugend?

 

07. Stellen höhere Löhne im Inland in jedem Falle ein überzeugendes Argument zugunsten der Einführung von Importzöllen dar?

 

08. Inwiefern brachte das Heckscher-Ohlin-Theorem eine nachträgliche Rechtfertigung für verteilungspolitisch motivierte Importzölle?

 

09. Obwohl der Rückgang des Protektionismus zu einer Wohlfahrtssteigerung geführt hat, ging die neoklassische Außenhandelstheorie lange Zeit von der These aus, dass eine begrenzte Erhebung von Importzöllen wohlfahrtsteigernd wirkt. Wie wurde diese Position gerechtfertigt?

 

10. Mit welchen Argumenten wendet sich die moderne Außenhandelstheorie gegen die Thesen des Zolloptimums?

 

11. Inwiefern kann eine Zollerhöhung eine Abwertung ersetzen?

 

12. Worin bestehen die Unterschiede zwischen einer Abwertung und einer Erhöhung der Importzölle?

 

 

Antworten zu Kapitel 8:

 

01. Die Zolleinnahmen entsprechen dem Produkt aus Zolleinnahmen pro Wareneinheit multipliziert mit der Menge der importierten (exportierten) Waren. Jede Zollsatzerhöhung vergrößert zwar die Zolleinnahmen pro Wareneinheit. Da jedoch die Zölle auf die Güterpreise abgewälzt werden, verringert sich mit der Preissteigerung  die Menge der zu verzollenden Waren. Je nach Elastizität kann dieser Mengeneffekt stärker ausfallen als der Preiseffekt.

 

02. Die Diskussion um das Zollmaximum spielt in den hochentwickelten Staaten eine geringere Bedeutung, da die Zolleinnahmen nur einige wenige Prozentpunkte der staatlichen Gesamteinnahmen ausmachen.

 

03. Der Schutz der einheimischen Unternehmungen im Zusammenhang mit einem Schutzzoll besteht darin, dass sich die Absatzmöglichkeiten der Importeure verschlechtern, da nun der Preis der Importgüter um den Zollsatz erhöht wird.

 

04. Der Anstieg in der inländischen Absatzmenge ist fast immer geringer als der Rückgang in der Importmenge, da mit dem Zoll der einheimische Preis steigt und bei gestiegenem Preis die Absatzmenge zurückgeht.

 

05. Fr. List ging davon aus, dass Deutschland zu Beginn der Industrialisierung in der wirtschaftlichen Entwicklung hinter der Entwicklung Englands hinterherhinkte und dass aus diesen Gründen kein fairer Wettbewerb zwischen deutschen und englischen Waren stattfinden könne, da nur in der ersten wirtschaftlichen Entwicklungsphase Entwicklungskosten entstehen.

 

06. Die traditionelle Außenwirtschaftstheorie hielt die Argumentation Fr. List‘s für nicht überzeugend, da nur dann, wenn die Entwicklungskosten den Charakter externer Kosten annehmen, die inländischen Unternehmer auch auf lange Sicht aufgrund der Entwicklungskosten benachteiligt sind.

 

07. Höhere inländische Löhne rechtfertigen keinesfalls immer einen Importschutz aus verteilungspolitischen Gründen, da höhere Löhne im Ausland oftmals lediglich zum Ausdruck bringen, dass auch die Arbeitsproduktivität im Ausland höher ist. Für den Wettbewerb sind jedoch allein die Lohnstückkosten und nicht die Lohnsatzhöhe maßgeblich.

 

08. Entsprechend dem Heckscher-Ohlin-Theorem gehen bei Freihandel  die relativen Faktorpreise des jeweils knappen Faktors zurück, da nun die Güter, welche in dem knappen Faktor intensiv sind, durch die internationale Arbeitsteilung weniger knapp werden und deshalb einen geringeren Preis erzielen.

 

09. Jede Zollerhöhung führt auf der einen Seite zu einer Verbesserung der Terms of Trade, auf der anderen Seite zu einer Verringerung der Importgütermenge und damit der internationalen Arbeitsteilung.

 

09. Bis zu einer kritischen Zollhöhe kann die partielle Steigerung der Wohlfahrt aufgrund des Anstiegs in den Terms of Trade höher ausfallen als die partielle Wohlfahrtsminderung aufgrund des Rückgangs in der internationalen Arbeitsteilung.

 

10. In der modernen Außenhandelstheorie geht man davon aus, dass das Ausland die Einführung eines Importzolls damit beantwortet, dass es ebenfalls Importzölle erhebt. In diesem Falle geht der positive Terms of Trade-Effekt für das erste Land verloren. Gleichzeitig verschlechtert sich die internationale Arbeitsteilung um ein weiteres, sodass per Saldo die Gesamtwohlfahrt zurückgeht.

 

11. Es besteht bisweilen die Gefahr, dass eine an und für sich notwendige Abwertung wegen des damit verbundenen Prestigeverlustes unterbleibt. Hier könnte von einer generellen Erhöhung der Importzölle eine ähnliche Wirkung wie von einer Abwertung ausgehen. In beiden Fällen (Abwertung wie Zollerhöhung) ist damit zu rechnen, dass die Importnachfrage wegen Preissteigerungen bei den importierten Gütern zurückgeht.

 

12. Während eine Abwertung über die Veränderung des Wechselkurses im Prinzip den Preis aller importierten Güter erhöht, können bei einer Erhöhung der Importzölle gezielt einzelne Güter von dieser Preissteigerung ausgeschlossen werden.

 

Fortsetzung folgt!