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Gliederung der Vorlesung:

 

01. Gegenstand und Aufgaben

02. Währungspolitik: Historische Einführung

03. Währungspolitik: Theoretische Grundlagen

04. Währungspolitik: Das Instrumentarium

05. Währungspolitik: Die policy-mix-Strategie

06. Handelspolitik: Historische Einführung

07. Handelspolitik: Theoretische Grundlagen

08. Handelspolitik: Das handelspolitische Instrumentarium

09. Arbeitsmarktpolitik

10. Kapitalmarktpolitik

11. Integrationspolitik 

12. Politik  zugunsten der Entwicklungsländer

 

 

Kapitel 7. Handelspolitik: Theoretische Grundlagen

 

 

Gliederung:

 

01. Problemeinführung

02. Die Theorie der komparativen Kosten

03. Die neoklassische Version dieser Theorie

04. Das Heckscher-Ohlin-Theorem

 

 

 

01. Problemeinführung

 

Zu den Zielen der Handelspolitik zählen:

 

·        die Vermehrung der Weltwohlfahrt,

·        die Wohlfahrtssteigerung einer Volkswirtschaft ,

·        der Schutz einzelner Sektoren oder Bevölkerungsgruppen, weiterhin

·        Autarkieziele  sowie

·        die Einnahmen des Staates.

 

Der Beitrag der Außenhandelstheorie besteht in dem Nachweis, dass die Einführung eines Freihandels die Weltwohlfahrt erhöht. Im Rahmen der Außenhandelstheorie wird der Frage nachgegangen, unter welchen Bedingungen die Verteilung der Weltwohlfahrt auf einzelne Länder und Sektoren beeinflusst werden kann. Maßgebliche Theorien zur Beantwortung dieser Fragen sind die Theorie der komparativen Kosten sowie das Heckscher-Ohlin-Theorem.

 

 

02. Die Theorie der komparativen Kosten

 

Die Theorie der komparativen Kosten wurde bereits von David Ricardo, einem der Hauptvertreter der klassischen Wirtschaftstheorie, entwickelt. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist folgende Grundthese: Im Außenhandel bestimmen nicht die absoluten, sondern die komparativen Kosten über die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft.

 

Fragen wir uns zunächst nach dem Begriff der komparativen Kosten: Unter komparativen Kosten versteht man die Kostenverhältnisse:

 

(k1/k2)I / (k1/k2)A 

  

 kn: Stückkosten des Gutes n

 I:    Inland

A:   Ausland

 

Jede Volkswirtschaft hat mindestens in einem Gut einen komparativen Kostenvorteil, auch dann, wenn die absoluten Kosten bei allen Gütern höher als im Ausland liegen. Einzige Ausnahme wäre dann gegeben, wenn die Kostenstrukturen aller Länder  identisch wären.

 

Auf welchen Prämissen beruht nun die Theorie der komparativen Kosten?

 

·        Die relativen Preise sind langfristig nur vom Angebot, und zwar von den Durchschnittskosten bestimmt.

 

·        Die Nachfrage beeinflusst nur kurzfristig die Preishöhe.

 

·        Alle Kosten lassen sich im Rahmen der Arbeitswerttheorie auf einen homogenen Faktor Arbeit und damit auf eine bestimmte Zahl von Arbeitsstunden zurückführen.

 

Die Rente ist Folge von Preissteigerungen, kann also nicht Ursache sein. Die Kapitalkosten erhöhen alle Preise proportional, scheiden also als Bestimmungsgrund der Preisverhältnisse aus. Voraussetzung ist allerdings, dass die Nutzungsdauer bei allen Kapitalgütern gleich groß ist.

 

 

 

 

Die Struktur der einzelnen Arbeitsqualitäten wird technisch bestimmt, sodass verschiedene Arbeitsstunden in eine Standardgröße umgerechnet werden können. Die vorherrschende Technik legt die Höhe der Durchschnittskosten eindeutig fest, es besteht vor allem keine Abhängigkeit von der Ausbringungsmenge.

 

Wie wird nun die Theorie der komparativen Kosten bei Ricardo bewiesen? Es wird eine Vergrößerung der Weltproduktion erzielt, wenn sich jedes Land auf die Güter spezialisiert, in denen es einen komparativen Kostenvorsprung aufweist. Beispielshaft gelte:

 

Das Inland habe vor der Spezialisierung von Gut x1 10 Millionen Einheiten zu Stückkosten von 4 produziert, die Gesamtkosten für dieses Gut betragen also 40 Millionen. Von Gut x2 hingegen werden 12 Millionen Einheiten zu Stückkosten von 5 produziert, die Gesamtkosten für dieses Gut betragen also 60 Millionen. Im Inland werden also insgesamt (für beide Güter) Kosten von 100 Millionen aufgewandt.

 

Das Ausland habe vor der Spezialisierung von Gut x1 10 Millionen Einheiten zu Stückkosten von 3  produziert, die Gesamtkosten für dieses Gut betragen also 30 Millionen. Von Gut x2 hingegen werden 12 Millionen Einheiten zu Stückkosten von 1 produziert, die Gesamtkosten für dieses Gut betragen also 12 Millionen. Im Ausland werden also insgesamt (für beide Güter) Kosten von 42 Millionen aufgewandt. Beide Länder produzieren von Gut x1 20 und von Gut x2 24 Millionen Einheiten.

 

Nach der Spezialisierung beschränkt sich das Inland auf die Produktion des Gutes x1 , das Ausland hingegen auf die Produktion des Gutes x2. Mit der Kostensumme von 100 können nun bei Stückkosten von 4  25 Millionen Einheiten von Gut x1 produziert werden. Das Ausland, das sich nun auf die Produktion des Gutes x2 spezialisiert, kann nun mit der Kostensumme von 42 Millionen bei Stückkosten von 1 42 Millionen Einheiten produzieren. Dies bedeutet, dass nach der Spezialisierung von Gut x1 5 Millionen Einheiten und von Gut x2 18 Millionen Einheiten mehr als bisher produziert werden kann. Von beiden Gütern kann also aufgrund der Arbeitsteilung bei gleichem Ressourcenbestand mehr produziert werden. Freier internationaler Handel lohnt sich also.

 

 

 

 

 

Es besteht eine Tendenz zur vollständigen Spezialisierung, da sich die Kostenverhältnisse nicht verändern. Es wird allerdings keine Aussage darüber gemacht, wie sich der Außenhandelsgewinn auf die beiden Länder verteilt. Der neue Gleichgewichtspreis liegt zwischen den bisherigen komparativen Kosten beider Länder.

 

Fragen wir uns nun, wie sich im Rahmen der Theorie der komparativen Kosten der Außenhandel tatsächlich entwickelt: Zunächst exportiert das Land mit den absolut niedrigeren Kosten beide Güter. Als Folge entsteht ein positiver LB-Saldo, dies führt zu einem Goldimport und dies wiederum zu Preissteigerungen.

 

Das Land mit den höheren Kosten bezahlt hingegen die Importe mit Gold, dies führt aufgrund des Rückgangs in der umlaufenden Geldmenge zu Preissenkungen.

 

Da sich also im Importland die Preise generell verringern, ist das Exportland nach einer gewissen Zeit nur noch in dem Gut absolut billiger, das auch die geringeren komparativen Kosten aufweist.

 

 

03. Die neoklassische Version dieser Theorie

 

Die ältere Theorie der komparativen Kosten enthält mehrere ungeklärte Fragen:

 

·        Welchen Einfluss hat die Nachfrage auf die Höhe des Preises?

·        Es gibt in der Realität mehrere Produktionsfaktoren, nicht nur einen Faktor Arbeit.

·        Die Durchschnittskosten hängen von der Ausbringungsmenge ab.

 

Gottfried von Haberler hat zur Lösung dieser Probleme vorgeschlagen, den klassischen Kostenbegriff, welcher die gesamten Kosten auf die Arbeit zurückführte, durch den Begriff der Opportunitätskosten zu ersetzen. Die Opportunitätskosten von X1  sind die Mengen von X2 (bzw. dessen Nutzen), die aufgrund der Produktion von X1 nicht produziert werden können und auf die deshalb verzichtet werden muss.

 

Das Instrument der Tauschkurven von A. Marshall trug wesentlich zur Weiterentwicklung der Theorie der komparativen Kosten bei: Es liegt hier eine Art kombinierte Angebots- Nachfragekurve vor,  allerdings sind die Tauschkurven gesamtwirtschaftlicher und nicht einzelwirtschaftlicher Natur, der Preis wird durch den Fahrstrahl bestimmt und kann nicht an der Ordinate abgelesen werden, die Koordinaten-Achsen bestimmen weiterhin die Menge des Export- und des Importgutes. Eine Tauschkurve kann somit als Exportangebots- und zur gleichen Zeit als Importnachfragekurve gedeutet werden.

 

Aus den empirisch ermittelten Daten über die realisierten Angebots- und Nachfragemengen bei alternativen Preisen lässt sich der Verlauf der traditionellen Nachfrage- und Angebotskurven aufzeigen. Auf der Ordinate tragen wir den Preis, auf der Abszisse dagegen die Gütermenge ab.

 

Bei der Tauschkurve tragen wir hingegen auf der Ordinate das Importgut, auf der Abszisse das Exportgut ab. Der Preis, die Terms of Trade (ToT), wird über den Fahrstrahl durch den Koordinatenursprung an die jeweils verwirklichten Punkte ermittelt. Hierbei messen die Terms of Trade die Menge an Exportgütern, die ein Land dem Ausland für den Erwerb einer Einheit des Importgutes bezahlen muss.

 

Die Tauschkurve entwickeln wir dadurch, dass wir für jeden Winkel des Fahrstrahls (für alle ToT’s also) nach der jeweils importierten und exportierten Menge fragen und diese Punkte in das Diagramm einzeichnen. Wie Marshall gezeigt hat, weist die Tauschkurve einen gekrümmten Verlauf auf.

 

 

 

James Meade zeigte nun auf, wie sich diese Tauschkurven aus dem Indifferenzkurvensystem ableiten lassen. Das Meade`sche Indifferenzkurvensystem besteht hierbei aus einem Vier-Quadrantenschema, und zwar bildet der 1. Quadrant (Nordwest) das Inland, der 2. Quadrant (Nordost) die  internationalen Märkte, sowie der 3. Quadrant (Südost) das Ausland ab.

 

 

 

Folgende Animation zeigt in Einzelschritten auf, wie sich aus den Indifferenzkurven und Produktionsblöcken des In- und Auslandes schließlich in- und ausländische Tauschkurven entwickeln lassen und bei welchem Außenhandelsniveau Gleichgewicht herrscht.     Animation

 

Aus diesen Ableitungen lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen:

 

Das Ausmaß des Außenhandelvolumens wird bestimmt durch die Preisverhältnisse bei Autarkie. 

 

Bei Identität der Preisverhältnisse entsprechen sich die Fahrstrahle an beiden Tauschkurven im Ursprung. Folglich ist in diesem Falle auch kein Außenhandel vorteilhaft.

 

Je größer der Unterschied der nationalen Preisverhältnisse ist, umso größer ist auch das Außenhandelsvolumen.

 

Da die Stückkosten von der Ausbringungsmenge abhängen, nähern sich die nationalen Preisverhältnisse durch Außenhandel einander an. Dies bedeutet, dass im Allgemeinen keine vollständige Spezialisierung zu erwarten ist. Im Ausgangspunkt sind die Stückkosten des Inlandes höher als die Stückkosten des Auslandes:

 

(k1)I  > (k1)A 

 

Das Inland importiert, das Ausland exportiert dieses Gut. Dies wiederum führt zu einer Annäherung in den Stückkosten. Im Gleichgewicht gilt: Die Stückkosten entsprechen sich im In- und Ausland:

 

(k1)I = (k1)A !

 

 

Internationale Preisunterschiede ergeben sich nicht nur aus unterschiedlichen Kostenstrukturen, sondern auch durch Unterschiede in der Bedarfsstruktur. Jedes Land wird sich auf die Güter spezialisieren, bei denen es komparative Preisvorteile aufweist.

 

 

 

Im Allgemeinen liegt das Tauschgleichgewicht für beide Länder auf einer höheren Handelsindifferenzkurve (bei einer höheren Wohlfahrt) als im Autarkiezustand. Trotzdem könnte ein Land auf kurze Sicht durch Begrenzung des Außenhandels eine höhere Wohlfahrt erzielen als bei Freihandel. Die Wohlfahrt eines Landes im Gleichgewicht (Schnittpunkt der beiden Tauschkurven) wird bestimmt durch diejenige Handelsindifferenzkurve, welche durch diesen Schnittpunkt geht.

 

Da die Tauschkurve positiv gekrümmt ist, wird es in der Regel immer einen anderen Punkt der Tauschkurve geben, welcher auf einer Indifferenzkurve höherer Wohlfahrt liegt. Das höchstmögliche Wohlfahrtsniveau wird dort erreicht, wo eine Handelsindifferenzkurve die Tauschkurve des Inlandes tangiert. Hierbei gilt, dass die Terms of trade für ein Land um so günstiger sind, je größer der Winkel des Fahrstrahles durch den Ursprung ist:

 

 

 

Unten stehende Graphik zeigt drei alternative Lösungen. Die am weitesten rechts gelegene Handelsindifferenzkurve HIAUT zeigt die Wohlfahrt, welche bei Autarkie (überhaupt kein Außenhandel) erreicht worden wäre, sie geht durch den Ursprung. Die im mittleren Feld liegende Handelsindifferenzkurve HIGG zeigt das Wohlfahrtsniveau im Gleichgewicht, das bei freiem Außenhandel erreicht werden kann, es ist der Schnittpunkt zwischen der inländischen und der ausländischen Tauschkurve. Die am weitesten links gelegene Handelsindifferenzkurve HIopt zeigt die höchstmögliche Wohlfahrt, die auf kurze Sicht dadurch erreicht werden könnte, dass das Inland Importzölle erhebt und auf diese Weise die inländische Tauschkurve Ti  und mit ihr auch den Schnittpunkt mit der ausländischen Tauschkurve nach links verschiebt.

 

Dieser Wohlfahrtsgewinn hält jedoch nur solange an, als das Ausland nicht auf diese protektionistische Politik reagiert. Wir werden im nächsten Kapitel zeigen, dass nach der Reaktion des Auslandes die inländischen Wohlfahrtssteigerungen wiederum aufgehoben werden und dass das Niveau der Weltwohlfahrt auf diese Weise stark zurückgeht.

 

 

 

 

Welche Kritik wurde nun gegen die Theorie der komparativen Kosten in ihrer neueren Form geübt?

 

·        Der empirische Test ist erschwert, da die Opportunitätskosten nicht messbar sind und da Preisverhältnisse zumeist nur nach Einführung des Außenhandels bekannt sind. Die Preisverhältnisse nach Einführung des Freihandels sind jedoch für alle Länder gleich hoch.

 

·        Die Theorie der komparativen Kosten kann nicht erklären, warum Außenhandel vor allem zwischen Volkswirtschaften ähnlicher Strukturen stattfindet.

 

Die These der neueren Theorie lautet demgegenüber: Nicht die Preisverhältnisse, sondern vor allem die Güterqualität und die Marktformen entscheiden über den internationalen Wettbewerbsvorteil. Auch die Daten der neoklassischen Außenhandelstheorie bedürfen der Erklärung.

 

So hängt z. B. die Entwicklung der Bedarfsstruktur vom Pro-Kopf-Einkommen ab. Mit zunehmendem Wohlstand steigt zunächst der Anteil der Industrieprodukte und damit der kapitalintensiven Güter an; bei weiterem Wachstum erhöht sich der Anteil der Dienstleistungen und damit  der arbeitsintensiven Güter.

 

Auch der Wandel in der Technik kann selbst wiederum vom Wohlstandsniveau abhängen. Dies gilt vor allem im Rahmen der These vom - in den Kapitalgütern - verkörperten technischen Fortschritt. Danach findet im Zuge der Produktion mehr oder weniger automatisch ein technischer Fortschritt statt. Schließlich hängt vom Wohlstand auch die Entwicklung der Produktionsfaktoren ab. Die Bevölkerungswachstumsrate geht zurück, die Wachstumsrate des Kapitals steigt relativ an.

 

 

04. Das Heckscher-Ohlin-Theorem

 

Das Heckscher-Ohlin-Theorem besteht aus einer allokativen und einer distributiven These. Die allokative These lautet: Die einzelnen Länder unterscheiden sich darin, mit welchem Produktionsfaktor sie reichlich und mit welchem sie knapp ausgestattet sind. Die Faktorintensität eines Gutes misst hierbei den Anteil der einzelnen Produktionsfaktoren an den Gesamtkosten dieses Gutes. Ein Land wird jeweils die Güter exportieren, bei denen der relativ reichliche Produktionsfaktor eine hohe Faktorintensität aufweist.

 

Der Begriff der relativen Knappheit wird hierbei wie folgt definiert: Faktor 1 gilt als relativ knapp, wenn das Mengenverhältnis dieses Faktors zu einem zweiten Faktor im Inland größer ist als im Ausland.

 

(F1/F2)I > (F1/F2)A

                  

F1 : Faktor 1 z. B. Arbeit

F2 : Faktor 2 z. B. Kapital

 

Bisweilen wird die relative Knappheit nicht an den Mengen, sondern an den Werten der Produktionsfaktoren gemessen. In diesem Falle gilt Arbeit als relativ knapp, wenn das Verhältnis der Lohnkosten zu den Kapitalkosten im Inland höher ist als im Ausland.

 

 (L/K)I  >  (L/K)A          

 

L: Lohnkosten 

K: Kapitalkosten

                                                                                                                                             

Das Heckscher-Ohlin-Theorem geht nun von folgender These aus: Mit zunehmender Entwicklung wird Arbeit immer knapper und deshalb teurer, also wird sich ein hoch entwickeltes Land vorwiegend auf kapitalintensive Güter spezialisieren und arbeitsintensive Güter importieren.

 

Wenden wir uns nun der distributiven These des Heckscher-Ohlin-Theorems zu: Aufgrund des Außenhandels nähern sich die Faktorpreisverhältnisse einander an. Da die arbeitsintensiven Güter in einem hoch entwickelten Land importiert werden, geht die Nachfrage nach Arbeit und damit auch der Lohn relativ zurück. Der jeweils knappe Faktor erleidet also aufgrund einer Liberalisierung relative Einkommensverluste.

 

Als Beispiel diene das Verhältnis der USA zu Japan in den frühen 50er Jahren des 20. Jahrhunderts. Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg galten die USA im Vergleich zu Japan als besonders reichlich mit Kapital und besonders knapp mit Arbeit ausgestattet.

 

In der Literatur wird das Heckscher-Ohlin-Theorem oftmals als ein Modell dargestellt, in dem aufgezeigt wird, unter welchen Bedingungen mit einem vollständigen Ausgleich der Faktorpreisverhältnisse gerechnet werden kann. Befassen wir uns deshalb mit der These vom vollständigen Ausgleich der internationalen Faktorpreisverhältnisse: Als Annahmen gelten:

 

·        Identische Produktionsfunktionen im In- und Ausland,

·        Cobb-Douglas-Produktionsfunktionen,

·        die Gültigkeit des Grenzproduktivitätssatzes und

·        nicht umkehrende Faktorintensitäten

 

Beispielsweise ein arbeitsintensives Gut bleibt auch nach Einführung des Außenhandels arbeitsintensiv! Wie lässt sich unter diesen Annahmen die These vom vollständigen Ausgleich der Faktorpreise beweisen?

 

Der Freihandel baut die Güterpreisunterschiede ab. Bei gleichen Güterpreisverhältnissen entsprechen sich auch die Faktoreinsatzverhältnisse. Es gilt der Grenzproduktivitätssatz, nach dem der Faktorpreis gleich dem Wertgrenzprodukt dieses Faktors bei allen Güterarten ist.

 

 

GP1A : Grenzprodukt der Arbeit in Produkt 1

GP2A : Grenzprodukt der Arbeit in Produkt 2

 

 

Nun hängen die Grenzprodukte von insgesamt drei Faktoren ab, und zwar:

 

·        von den Strukturparametern der Produktionsfunktion,

·        von dem jeweiligen Produktionsniveau und

·        von der jeweiligen partiellen Faktorintensität (K/A = k).

 

Die Strukturparameter sind im In- und Ausland gleich, wenn identische Produktionsfunktionen unterstellt werden.

 

Wenn darüber hinaus homogen-lineare Produktionsfunktionen angenommen werden, hängen die Grenzprodukte nicht mehr vom Produktionsniveau ab.

 

Es verbleibt also die Abhängigkeit vom relativen Faktoreinsatz:

 

p1/p2 =  f1(k1)/f2(k2)

 

 

 

Gleiche Faktoreinsatzverhältnisse führen schließlich zu gleichen Faktorpreisverhältnissen. Es gilt somit für beide Produkte x1 und x2: Im Gleichgewicht entspricht der Lohnsatz dem Wertgrenzprodukt der Arbeit, sowie der Zinssatz dem Wertgrenzprodukt des Kapitals. Also muss das Lohn-Zins-Verhältnis im Gleichgewicht gleich dem Verhältnis der Grenzprodukte beider Faktoren sein, was seinerseits von der jeweiligen Faktorintensität abhängt.

 

l = p * GPa ;  i = p * GPk

 

 

 

Also entspricht einem bestimmten Faktoreinsatz auch ein bestimmtes Faktorpreisverhältnis.

 

 

 

Zusammenfassend lässt sich das Theorem vom vollständigen Faktorpreisausgleich wie folgt darstellen:

 

Der Freihandel führt zu gleichen Preisverhältnissen im In- und Ausland. Bei gleichen Faktorpreisverhältnissen k müssen notwendiger Weise auch die Faktorpreisverhältnisse im In- und Ausland die gleiche Höhe erreichen.

 

 

 

 

Wir wollen nun die Aussagen des Heckscher-Ohlin-Theorems mit der Theorie der komparativen Kosten vergleichen. Die Theorie der komparativen Kosten kennt nur einen allokativen Aspekt, da nur ein einziger Faktor (Arbeit) unterstellt wird. Das Heckscher-Ohlin-Theorem kennt auch einen distributiven Aspekt. Heckscher und Ohlin versuchen eine Antwort auf die Frage, warum ein bestimmtes Gut relativ billiger produziert werden kann. Bei Ricardo wird die Frage nach den Gründen für die komparativen Kostenvorteile nicht gestellt. Bisweilen spricht man allerdings von Ricardo-Gütern, wenn der Kostenvorteil auf einer überlegenen Technik beruht.

 

Das Heckscher-Ohlin-Theorem wurde vor allem aufgrund des Leontief-Paradoxes von 1953/54 kritisiert. Leontief wies in einer empirischen Untersuchung nach, dass – obwohl die USA damals im Vergleich zu Japan knapp mit Arbeit und reichlich mit Kapital ausgestattet waren –, gerade auch arbeitsintensive Produkte von den USA ausgeführt wurden. In der Literatur gab es mehrere Versuche, dieses Paradox aufzulösen:

 

Der erste Erklärungsversuch stammt von Leontief selbst. Das Heckscher-Ohlin-Theorem unterstellte gleichen Stand an Technik in allen durch den Außenhandel verbundenen Ländern; de facto sei jedoch die Arbeitsproduktivität in USA höher gewesen; höhere Arbeitsqualität bedeute quasi hohes human capital und damit seien auch diese Güter reichlich mit Kapital (nämlich mit human capital) ausgestattet.

 

Ein zweiter Erklärungsversuch erklärt das Leontief-Paradox mit einer unterschiedlichen Bedarfsstruktur in den einzelnen Ländern. Die USA sind zwar reichlich mit Kapital ausgestattet, gleichzeitig weisen die USA jedoch auch eine überdurchschnittlich große Nachfrage nach kapitalintensiven Gütern auf, sodass sich die Faktorpreisverhältnisse wieder annähern.

 

Ein dritter Erklärungsversuch wurde von R. Harrod unternommen: Im Zuge der internationalen Arbeitsteilung können sich u. U. die Faktorintensitäten umkehren. Ein Gut, das zunächst bei geringer Produktion arbeitsintensiv war, kann ab einer bestimmten Ausbringungsmenge an kapitalintensiv werden. Das Heckscher-Ohlin-Theorem gilt aber nur bei nicht umschlagenden Faktor-Intensitäten.

 

 

In der oben stehenden Graphik betrachten wir die rote Isoquante des Gutes IQ1 und die blaue Isoquante des Gutes IQ2, die sich schneiden. Vor der Spezialisierung tangiert die schwarze, für beide Güter gemeinsame Isokostenlinie die beiden Isoquanten so, dass Gut 1 arbeitsintensiver ist als Gut 2. Nach der Spezialisierung hingegen tangiert die grüne Isokostenlinie die beiden Isoquanten so, dass nun Gut 2 arbeitsintensiver ist als Gut 1.

 

 

 

Zusammenfassung:

 

01. So unterschiedlich die Ziele der Handelspolitik im Einzelnen sind, stets geht es um die Steigerung der Wohlfahrt der gesamten Welt, der Volkswirtschaft, sowie einzelner Bevölkerungsgruppen. Die Theorie der komparativen Kosten sowie das Heckscher-Ohlin-Theorem überprüfen, von welchen international relevanten Determinanten die Wohlfahrt abhängt.

 

02. Die von D. Ricardo entwickelte Theorie der komparativen Kosten weist nach, dass Außenhandel auch für Länder vorteilhaft ist, die in allen für den internationalen Tausch relevanten Gütern absolut höhere Kosten aufweisen als das Ausland, sofern sich nur die Kostenstrukturen des In- und Auslandes unterscheiden und sich jedes Land auf die Produktion jener Güter spezialisiert, in denen es gegenüber dem Ausland einen komparativen (relativen) Kostenvorteil aufweist.

 

03. Entsprechend der klassischen Arbeitswertlehre werden die Kosten an der Anzahl der zur Produktion notwendigen Arbeitsstunden gemessen. Die Realisierung dieser Lösung erfolgt dadurch, dass sich durch Goldabfluss in den Ländern, die anfangs absolut höhere Kosten und damit auch höhere Preise aufweisen, die nationalen Preisniveaus einander annähern und zwar so, dass schließlich der nationale Preis der Güter, auf die sich ein Land spezialisiert, jeweils auch absolut niedriger liegt als im Ausland. Diese Schlussfolgerungen gelten analog in Systemen freier Wechselkurse durch Auf- bzw. Abwertung der Devisenkurse.

 

04. Die Theorie der komparativen Kosten musste in der Zeit der Neoklassik umformuliert werden, da die Arbeitswertlehre aufgegeben wurde. Gottfried von Haberler schlug vor, die Kosten eines Gutes im Sinne von Opportunitätskosten umzudefinieren. Alfred Marshall führte das Konzept der Tauschkurven ein, das darüber informiert, welche Mengen an Exportgütern bei alternativen realen Austauschverhältnissen (Terms of Trades) angeboten und welche Mengen an Importgütern nachgefragt werden.

 

05. James Meade zeigte auf, dass man die von Marshall entwickelten Tauschkurven aus dem allgemeinen Modell der Wahlhandlungstheorie ableiten kann. Durch Verschiebung der Produktionsblöcke entlang einer kollektiven Indifferenzkurve werden die Handelsindifferenzkurven abgeleitet, die darüber unterrichten, welche Kombinationen von Export- und Importmengen als gleichwertig angesehen werden. Aus der Schar der Handelsindifferenzkurven lassen sich schließlich die Tauschkurven ableiten, indem man für alternative Terms of Trade diejenige Kombination von Export- und Importmengen ermittelt, die jeweils die höchste nationale Wohlfahrt garantiert.

 

06. Der Schnittpunkt der in- und ausländischen Tauschkurven zeigt die Export- und Importmengen an, bei denen In- und Ausland ihr Gleichgewicht erreichen. Die neoklassische Version der Theorie der komparativen Kosten kommt hierbei zu folgenden Schlussfolgerungen:

 

07. Das Ausmaß des Außenhandels wird bestimmt durch die Preisverhältnisse bei Autarkie. Bei Identität der Preisverhältnisse im In- und Ausland bei Autarkie  entsprechen sich die Fahrstrahle an beiden Tauschkurven im Ursprung. Außenhandel ist deshalb nicht von Vorteil. Je größer der Unterschied der nationalen Preisverhältnisse ist, umso größer ist bei Freihandel das Außenhandelsvolumen.

 

08. Da Kosten von der Ausbringungsmenge abhängen, nähern sich durch Außenhandel die Preisverhältnisse einander an. Dies bedeutet, dass im Allgemeinen keine vollständige Spezialisierung zu erwarten ist. Internationale Preisunterschiede ergeben sich nicht nur aus unterschiedlichen Kostenstrukturen, sondern auch aus Unterschieden in der Bedarfsstruktur.

 

09. Jedes Land wird sich auf die Güter spezialisieren, bei denen es komparative Preisvorteile aufweisen kann. Je größer der Winkel des Fahrstrahles ist, um so günstiger sind die ToT (Terms of Trade)  für das Land.

 

10. Im Allgemeinen liegt das Tauschgleichgewicht für beide Länder auf einer höheren Handelsindifferenzkurve (bei einer höheren Wohlfahrt) als im Autarkiezustand. Trotzdem könnte ein Land auf kurze Sicht (und zwar bis das Ausland reagiert) durch Begrenzung des Außenhandels höhere Wohlfahrt erzielen als bei Freihandel.

 

11. Die Kritik an der Theorie der komparativen Kosten bezieht sich einmal darauf, dass Opportunitätskosten empirisch nur sehr schwer ermittelt werden können und dass deshalb ein empirischer Test erschwert ist. Zum andern lässt sich im Rahmen der ursprünglich entwickelten Theorie nur schwer erklären, dass sich der Außenhandel vorwiegend als interindustrieller Handel entwickelt hat. Die Theorie der komparativen Kosten hätte nahegelegt, dass die Kostenverhältnisse insbesondere zwischen den weniger und den hoch entwickelten Volkswirtschaften differieren und dass deshalb insbesondere ein Handel zwischen diesen beiden Ländergruppen vorteilhaft ist.

 

12. Die Weiterentwicklung der neoklassischen Theorie hat jedoch gezeigt, dass bei Berücksichtigung monopolistischer Marktformen und Möglichkeit von Skaleneffekten auch das Überwiegen eines interindustriellen Handels erklärt werden kann.

 

13. Die Weiterentwicklung der neoklassischen Theorie erfolgte darüber hinaus vor allem dadurch,  dass der Einfluss des Außenhandels auf die Bedarfsstruktur, auf den technischen Fortschritt und auf das Angebot der Produktionsfaktoren mit in die Betrachtung einbezogen wurde.

 

14. Das von E. Heckscher und B. Ohlin formulierte Theorem enthält eine allokative wie eine distributive Hypothese. Der allokative Teil dieses Theorems besagt, dass ein Land sich jeweils auf die Güter spezialisiert, für deren Produktion vorwiegend der jeweils reichlichere und damit auch billigere Produktionsfaktor benötigt wird.

 

15. Die distributive These des Heckscher-Ohlin-Theorems kommt zu dem Ergebnis, dass Freihandel zu einem Abbau in den internationalen Unterschieden der Faktorpreisverhältnisse führt. Wenn ein Land, das knapp mit Arbeit ausgestattet ist, arbeitsintensive Produkte aus dem Ausland importiert, geht auch die Nachfrage nach Arbeit im Vergleich zur Nachfrage nach Kapital zurück; Diese Tendenz bewirkt auf freien Arbeitsmärkten einen Druck auf die Lohnsätze. Umgekehrt gilt, dass die Länder, die sich auf die Produktion und den Export von arbeitsintensiven Produkten spezialisieren, wegen der damit verbundenen größeren Knappheit der Arbeitskraft einen Anstieg der Lohnsätze erfahren.

 

16. In einem Denkmodell lässt sich feststellen, unter welchen Bedingungen mit einem vollständigen Ausgleich der internationalen Faktorpreisverhältnisse gerechnet werden kann. Zu diesen Bedingungen zählen u. a. identische Produktionsfunktionen (und damit auch identische technische Entwicklung) sowie eine vollständige Mobilität der Produktionsfaktoren innerhalb einer Volkswirtschaft. Da diese Bedingungen in  der Realität nahezu nie erfüllt sind, kommt es auch bei vollständigem Freihandel niemals zu einem vollständigen Ausgleich der Faktorpreisverhältnisse.

 

17. W. Leontief wies in den 50er Jahren in empirischen Untersuchungen nach, dass die USA nach Japan vorwiegend arbeitsintensive Produkte exportierten, obwohl entsprechend dem Heckscher-Ohlin-Theorem die USA wegen ihres relativen Kapitalreichtums eigentlich kapitalintensive Güter hätten exportieren müssen.

 

18. Es gibt mehrere Versuche, dieses Paradoxon aufzulösen: Erstens: Heckscher und Ohlin unterstellen einen gleichen Stand an technischer Entwicklung; de facto ist jedoch die Arbeitsproduktivität in den USA höher; höhere Arbeitsqualität bedeutet höheres human capital und damit sind auch diese Güter relativ reichlich mit Kapital ausgestattet (Lösungsvorschlag Leontief).

 

19. Zweitens: Die USA sind zwar reichlich mit Kapital ausgestattet, gleichzeitig weisen sie jedoch auch eine überdurchschnittlich große Nachfrage nach kapitalintensiven Gütern auf, sodass sich die Faktorpreisverhältnisse wieder annähern.

 

20. Drittens: Im Zuge der internationalen Arbeitsteilung können u. U. die Faktorintensitäten umschlagen (R. F. Harrod). Ein Gut, das zunächst bei geringer Produktion arbeitsintensiv war, kann ab einer bestimmten Ausbringungsmenge als kapitalintensiv angesehen werden. Das Heckscher-Ohlin-Theorem gilt aber nur bei nicht umschlagenden Faktor-Intensitäten.

 

 

 

Fragen zu Kapitel 7:

 

01. Welche zwei Fragestellungen stehen im Mittelpunkt der Außenwirtschaftstheorie?

 

02. Was versteht man unter komparativen Kosten?

 

03. Zu welchem Ergebnis kam die Theorie der komparativen Kosten?

 

04. Von welchen Annahmen geht die Theorie der komparativen Kosten aus?

 

05. Wie wird im Rahmen der Theorie der komparativen Kosten der dynamische Verlauf des Außenhandels erklärt?

 

06. Kommt es im Rahmen der Theorie der komparativen Kosten zu einer vollständigen Spezialisierung?

 

07. Durch welchen Vorschlag gelingt es Haberler, die Theorie der komparativen Kosten auch im Rahmen der neoklassischen Theorie beizubehalten?

 

08.  Was versteht man unter Opportunitätskosten?

 

09. Warum kann man davon sprechen, dass die von Marshall eingeführten Tauschkurven eine Art Kombination zwischen Angebots- und Nachfragekurven darstellen?

 

10. Was messen die Handelsindifferenzkurven im Meade‘schen Schemas?

 

11. Zu welchem allokativen Ergebnis gelangt das Heckscher-Ohlin-Theorem?

 

12. Zu welcher distributiven Folgerung gelangt das Heckscher-Ohlin-Theorem?

 

 

Antworten zu Kapitel 7:

 

01. Im Mittelpunkt der Außenwirtschaftstheorie steht einmal die Frage, welche Faktoren die Wohlfahrt bestimmen, zum andern die Frage, von welchen Faktoren die Aufteilung dieser Wohlfahrt auf die einzelnen am Außenhandel beteiligten Volkswirtschaften  abhängt.

 

02. Unter komparativen Kosten versteht man das Verhältnis der Stückkosten zweier Güter  in zwei Ländern.

 

03. Die Theorie der komparativen Kosten kam zu dem Ergebnis, dass sich ein internationaler Handel auch für die Länder lohnt, welche in allen relevanten Gütern absolut höhere Stückkosten aufweisen, sofern sich nur die Länder auf die Produktion jener Güter spezialisieren, in denen sie einen komparativen Kostenvorsprung aufweisen.

 

04. Die Theorie der komparativen Kosten geht davon aus, dass die Güterpreise langfristig allein von Angebotsfaktoren bestimmt werden, dass nur der Einsatz an Arbeit die relativen Preise bestimmt und dass die Stückkosten von der Ausbringungsmenge nicht bestimmt werden.

 

05. In einem ersten Schritt führt das Land mit den absolut niedrigsten Kosten (Land A) beide (alle relevanten) Güter aus. Das Importland bezahlt diese Importe mit Gold. Dieser Goldtransfer bewirkt im Exportland (Land B) einen Rückgang im Preisniveau, im Importland jedoch einen Güterpreisanstieg mit der Folge, dass von einem bestimmten Augenblick an auch die absoluten Kosten des einen Gutes  in Land A geringer ausfallen als in Land B.

 

06. In der ursprünglichen Theorie der komparativen Kosten kommt es immer zu einer vollständigen Spezialisierung. Der Grund liegt darin, dass die Stückkosten auch dann konstant bleiben, wenn sich ein Land auf die Produktion des einen Gutes spezialisiert. Dies bedeutet, dass das eine Gut bei jedem Grad der internationalen Arbeitsteilung vorteilhaft bleibt und dass deshalb eine weitere Ausdehnung der internationalen Arbeitsteilung bis zur vollständigen Spezialisierung vorteilhaft ist.

 

07. Haberler gelingt es, die Gültigkeit der Theorie der komparativen Kosten auch im Rahmen der neoklassischen Theorie aufrechtzuerhalten, indem er den Begriff der Opportunitätskosten einführt.

 

08. Der Begriff Opportunitätskosten bezieht die Kosten auf den Nutzen, der dadurch der Volkswirtschaft entgeht, dass man sich für die Produktion des einen Gutes entscheidet und deshalb auf den Nutzen verzichten muss, den man von dem andern Gut erfahren hätte.  

 

09. Die von Marshall eingeführten Tauschkurven unterrichten auf der einen Seite darüber, wie viel Exportgüter bei alternativen Terms of Trades angeboten werden. Auf der anderen Seite geben diese Kurven aber auch an, wie viel Importgüter bei alternativen Terms of Trades nachgefragt werden.

 

10. Die Handelsindifferenzkurven fassen jeweils die Kombinationen von Export- und Importgütermengen zusammen, welche einem Land den gleichen Nutzen stiften.

 

11. Das Heckscher-Ohlin-Theorem weist nach, dass sich ein Land jeweils auf die Güter spezialisiert, welche in dem Faktor intensiv sind, der in einem Land reichlich vorhanden ist.

 

12. Das Heckscher-Ohlin-Theorem gelangt zu dem Ergebnis, dass nicht nur die internationale Faktorwanderung, sondern auch der internationale Güteraustausch  zu einer Annäherung der internationalen Faktorpreise führt.