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Gliederung der Vorlesung:

 

01. Gegenstand und Aufgaben

02. Währungspolitik: Historische Einführung

03. Währungspolitik: Theoretische Grundlagen

04. Währungspolitik: Das Instrumentarium

05. Währungspolitik: Die policy-mix-Strategie

06. Handelspolitik: Historische Einführung

07. Handelspolitik: Theoretische Grundlagen

08. Handelspolitik: Das handelspolitische Instrumentarium

09. Arbeitsmarktpolitik

10. Kapitalmarktpolitik

11. Integrationspolitik 

12. Politik  zugunsten der Entwicklungsländer

 

 

 

Kapitel 4: . Währungspolitik: Das Instrumentarium

 

 

Gliederung:

 

01. Zielkonflikt zwischen Binnen- und Außenwirtschaftspolitik

02. Ursachen dieses Zielkonfliktes

03. Goldwährungssystem

04. Devisenzwangswirtschaft

05. Bretton Woods-System

06. System freier Wechselkurse

 

 

01. Zielkonflikt zwischen Binnen- und Außenwirtschaftspolitik

Wir wollen uns in diesem Kapitel mit den wichtigsten währungspolitischen Systemen etwas ausführlicher befassen. Wenn man einmal weniger auf die äußeren Merkmale, in denen sich die einzelnen Währungssysteme unterscheiden, achtet, sondern das eigentliche Grundproblem, das jedes der bekannten Währungssysteme zu lösen hat, in den Mittelpunkt der Analyse stellt, versuchen die einzelnen Währungssysteme eine Antwort auf die Frage zu geben, auf welchem Wege der Zielkonflikt zwischen Außenwirtschafts- und Konjunkturpolitik gelöst werden kann.

 

Zielkonflikte entstehen einmal bei einem Defizit in der Devisenbilanz und gleichzeitiger Rezession, zum andern bei Überschüssen in der Devisenbilanz und gleichzeitiger Inflation. Sie treten also situationsgebunden und nicht permanent auf.

 

Beispielsweise wollen wir davon ausgehen, dass zur gleichen Zeit in der Außenwirtschaft DB-Überschüsse vorliegen und in der Binnenwirtschaft eine Inflation gegeben sei.

 

Konjunkturpolitisch ist in einer solchen Situation eine Zinserhöhung erforderlich, um die überschüssige Nachfrage zu dämpfen:

 

 

 

 

Außenwirtschaftspolitisch ist hin gegen eine Zinssenkung erforderlich, um einen Kapitalexport zu veranlassen: 

 

                     

Also gerät die Geldpolitik in einen Zielkonflikt. Sie kann nicht zur gleichen Zeit den Zinssatz aus innenpolitischen Gründen erhöhen und aus außenwirtschaftlichen Gründen erniedrigen.

 

 

02. Ursachen dieses Zielkonfliktes

 

Jan Tinbergen hat in einem etwas anderen Zusammenhang folgende These aufgestellt: Ein Zielkonflikt zwischen quantitativen Zielen besteht immer dann, wenn die Zahl der unabhängigen Ziele größer als die Zahl der eingesetzten unabhängigen Instrumente ist.

 

Als Ziele der Außenwirtschafts- und Konjunkturpolitik gelten:

 

·        Ein ZB-Ausgleich,

·        stabile Wechselkurse,

·        eine freie Konvertibilität

·        und eine autonome Konjunkturpolitik.

 

Als Mittel der Währungspolitik sind möglich:

 

·        Wechselkursvariationen,

·        Zinssatzveränderungen sowie

·        devisenwirtschaftliche Maßnahmen.

 

Ein Zielkonflikt ist somit vorprogrammiert. Wir gehen nun von folgender These aus: Die uns bekannten Währungssysteme unterscheiden sich darin, welches dieser Ziele hintangestellt wird.

 

·        Die Goldwährung sieht einen Verzicht auf eine autonome Konjunkturpolitik vor.

 

·        Der Dirigismus verzichtet auf eine freie Konvertibilität.

 

·        Das System fester Wechselkurse ist durch einen Verzicht auf einen DB-Ausgleich gekennzeichnet.

 

·        Im System flexibler Wechselkurs finden wir schließlich einen Verzicht auf das Ziel der Wechselkursstabilität.

 

 

03. Goldwährungssystem

 

Wenden wir uns als erstes dem Goldwährungssystem zu, das zu Beginn der Neuzeit das vorherrschende Währungssystem war und überprüfen wir, wie die oben aufgezählten Ziele innerhalb dieses Systems erfüllt wurden.

 

Das Ziel des Devisenbilanz-Ausgleiches wurde in diesem System weitgehend erreicht, da z. B. bei einer passiven Devisenbilanz automatisch Gold abfloss. Damit wurde eine Deflation eingeleitet und diese hinwiederum erhöhte die Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Wirtschaft, sodass die Exporte wiederum ansteigen konnten und das Defizit der Devisenbilanz abgebaut wurde. Allerdings war Voraussetzung für diese Wirkungskette eine hohe Elastizität der Importnachfrage. Entsprechend der Marshall-Lerner-Bedingung führt eine Deflation nur dann zum Erfolg, wenn die Summe der Importnachfrageelastizitäten des In- und Auslandes größer eins ist.

 

Das Ziel der Wechselkursstabilisierung wurde im Rahmen der Goldwährung ebenfalls weitgehend erreicht. Zwar traten geringfügige Schwankungen des Wechselkurses auf, diese waren aber begrenzt auf den oberen und unteren Goldpunkt; die Schwankungsbreite wurde hierbei von den Kosten der Verschiffung und Versicherung von Gold bestimmt.

 

Das Ziel der freien Konvertibilität wurde gleichermaßen  vollständig erreicht, da die Wirtschaftssubjekte jederzeit Gold oder Devisen an- und verkaufen konnten.

 

Das Ziel der autonomen Konjunkturpolitik wurde in diesem System allerdings  nicht erreicht, da ganz bewusst Deflation und Inflation als außenwirtschaftspolitisches Mittel eingesetzt wurden, um den DB-Ausgleich herbeizuführen.

 

 DB-Def: Devisenbilanzdefizit

 M: Geldmenge

 P: Preisniveau

 

Die Geldpolitik musste also an den außenwirtschaftspolitischen Erfordernissen ausgerichtet werden; dies führte – wie gezeigt – situationsgebunden zu Zielkonflikten.

 

Fragen wir uns nun, ob eine Wiedereinführung der Goldwährung heute erwünscht wäre?

 

Obwohl die eigentlichen außenwirtschaftspolitischen Ziele (Währungsstabilität, Devisenbilanzausgleich sowie Garantierung der freien Entscheidungen) bestmöglich wie in keinem anderen bekanntem Währungssystem realisiert werden konnten, sprechen doch folgende Argumente gegen eine Wiedereinführung der Goldwährung:

 

Wirtschaftspolitisch hat sich gegenüber früher eine Gewichtsverschiebung in den Zielsetzungen ergeben. Die konjunkturpolitischen Ziele der Vollbeschäftigung und der Inflationsbekämpfung stehen heute im Vordergrund. Zwar führt die Vernachlässigung der außenwirtschaftlichen Ziele langfristig u. U. zu gleich großen Wohlfahrtsverlusten (anhaltende Defizite führen z. B. zu politischer Abhängigkeit), trotzdem wäre eine Demokratie überfordert, da die Effizienz von Inflations- und Deflationsprozessen im Hinblick auf einen Devisenbilanzausgleich gegenüber früher geringer geworden ist.

 

Früher waren nämlich nur geringfügige Änderungen in den nationalen Preisniveaus erforderlich, um einen Zahlungsbilanz-Ausgleich herbeizuführen. Heute treten sehr viel mehr Datenänderungen aufgrund eines technischen und organisatorischen Wandels ein und zugleich ist auch die Mobilität geringer, sodass höhere Preisanpassungen als früher zum Abbau eines Ungleichgewichtes in der Devisenbilanz notwendig werden würden. Bei gestiegener Wohlfahrt sinkt erfahrungsgemäß die Mobilität.

 

Auch gelten die Sekundärwirkungen einer Deflation heute stärker als früher. Während früher Preissenkungen weitgehend durch Lohnsenkungen abgefangen werden konnten, sind die Löhne heute weitgehend nach unten starr mit der Folge, dass bei einem Rückgang der Nachfrage die Produktion und damit auch die Beschäftigung zurückgeht.

 

Es ist auch die Frage zu klären, ob der Goldvorrat ausreichen würde, um den heutigen Geldbedarf bei einer Goldwährung zu befriedigen. Wenn wir von der These ausgehen, dass die Wachstumsrate der Goldproduktion vermutlich geringer als die des Inlandsproduktes ist, wäre weltweit ein Deflationsprozess zu befürchten, wenn heute die Goldwährung eingeführt würde.

 

Allerdings gelten diese Überlegungen nur bei festem Goldpreis. Sinkt der Goldpreis, reicht die vorhandene Goldmenge durchaus zur Finanzierung eines größeren Handelsvolumens aus. Auch könnte der Koordinationsmechanismus der Goldwährung jederzeit durch einen künstlichen Warenkorb ersetzt werden. In diesem Falle würde man dann nicht mehr von einer Goldwährung sprechen, trotzdem wäre der Finanzierungsmechanismus bei einer solchen Warenkorbwährung der gleiche wie bei der Goldwährung. ***

 

 

04. Devisenzwangswirtschaft

 

Wenden wir uns nun der Devisenzwangswirtschaft zu und überprüfen, wie die oben genannten Ziele innerhalb dieses Systems verwirklicht werden.

 

Das Ziel, den Bürgern eine möglichst große wirtschaftliche Entscheidungsfreiheit zu garantieren, wird eindeutig verletzt. Die meisten außenwirtschaftlichen Entscheidungen werden von staatlichen Behörden gefällt. Der Staat legt fest, wem und wieviel Devisen zugeteilt werden, welche Güter exportiert werden und welche Güter importiert werden. Devisenerlöse aus dem Exportgeschäft sind an den Staat abzuführen. Dieser entscheidet auch über die Höhe des Wechselkurses sowie der Preise, die zu zahlen sind. Das sonst in marktwirtschaftlichen Systemen geltende Prinzip, dass der Staat sich nur marktkonformer Mittel bedienen sollte und dass er seine Ziele immer nur auf indirekte Weise ansteuern sollte, wird nicht eingehalten.

 

Das Ziel: Devisenbilanz-Ausgleich wird im Rahmen einer Devisenzwangswirtschaft erreicht. Es ist der Staat, der festlegt, welche Güter exportiert und welche anderen Güter importiert werden. Damit kann er auch sicherstellen, dass die Devisenbilanz stets ausgeglichen ist.

 

Das Ziel: Wechselkursstabilisierung kann erreicht werden, da ja der Staat autonom die Devisenpreise festsetzt und damit selbst darüber entscheiden kann, wann und in welchem Umfang die Wechselkurse verändert werden.

 

Das Ziel: freie Konvertibilität wird nicht erfüllt. Kein Individuum darf Devisenerlöse behalten, wie groß die Devisennachfrage sein darf, entscheidet der Staat.

 

Das Ziel autonome Konjunkturpolitik wird zwar vordergründig erfüllt. Langfristig allerdings kann die Autonomie der Konjunkturpolitik trotzdem gefährdet sein. Dadurch, dass der Staat z. B. eine notwendige Abwertung verhindert, erzielt das Land Handelsbilanzdefizite und sieht sich gezwungen, durch Zinserhöhungen Kapitalbilanzexporte zu erwirtschaften. Damit wird jedoch die Konjunkturlage gefährdet. Zwar bestimmt im Grundsatz der Staat, wie viel importiert werden darf und wie viel Exporte stattfinden dürfen. Jedes internationale Geschäft wird jedoch mit Ausländern abgeschlossen und gegen den Willen der ausländischen Tauschpartner kommt kein Geschäft zustande.

        

Was spricht eigentlich gegen die Einführung einer Zwangswirtschaft? Im Allgemeinen wird die Einführung von Zwangswirtschaft lediglich als vorübergehende Notlösung angestrebt. Eine Devisenzwangswirtschaft wurde allerdings lange Zeit als notwendig erachtet, weil man der Meinung war, dass die Importnachfrageelastizitäten zu gering seien, um über eine Abwertung der eigenen Währung einen Abbau eines Devisenbilanzdefizites zu erreichen. Die bekannten Marktmechanismen des Zahlungsbilanz-Ausgleiches setzen alle voraus, dass die Importnachfrage-Elastizitäten hoch sind.

 

Allerdings wurde im vorhergehenden Kapitel gezeigt, dass heute eher ein Elastizitätsoptimismus vertreten wird. Die Marshall-Lerner-Bedingung wurde durch die Robinsonformel ersetzt, gleichzeitig geht man heute von höheren Elastizitäten der Importnachfrage aus.

 

Worin liegen nun die Probleme zwangswirtschaftlicher Maßnahmen? Eine Zwangswirtschaft bringt hohe Wohlfahrtsverluste mit sich:

 

·        Knappe Ressourcen müssen für die Einrichtung einer staatlichen Planungs- und Kontrollbehörde reserviert werden, die somit der eigentlichen produktiven Tätigkeit entgehen.

 

·        Es tritt darüber hinaus eine Verminderung des Wettbewerbs ein, damit sind die mit dem Wettbewerb einhergehenden Rationalisierungsanreize vermindert.

 

·        Der Zuschlag zur Import- oder Exportberechtigung erfolgt zumeist nach politischen Kriterien und führt – gemessen am Pareto-Optimum – oft zu Fehlallokationen.

 

 

05. Bretton Woods-System

Als drittes Währungssystem soll nun das am Ende des zweiten Weltkrieges vereinbarte Bretton Woods-System darauf hin untersucht werden, wieweit die oben aufgezählten Ziele in diesem System erfüllt werden.

 

Das Ziel der Wechselkursstabilität wird hier vordergründig durch Festsetzung von Währungsparitäten und Bandbreiten erreicht. Das Bretton Wood-System gilt ja als System fester Wechselkurse, die einzelnen Währungsrelationen werden fest vereinbart und die Notenbanken der Nichtleitungswährungsländer sind gehalten, durch Kauf und Verkauf von Devisen auf den Devisenmärkten so zu intervenieren, dass diese politisch festgelegten Relationen auch eingehalten werden.

 

Das Ziel des Devisenbilanz-Ausgleiches wird in diesem System hintangestellt. Die nationalen Staaten sind nicht bereit, lediglich zum Ausgleich der Devisenbilanz Inflationen und Rezessionen hinzunehmen. Sie betreiben eine unabhängige Konjunkturpolitik.

 

Das Ziel der freien Konvertibilität der Währungen wird erreicht, da im Prinzip für alle beteiligten Personen stets ein Umtausch inländischer in ausländische Währung erlaubt ist.

 

Das Ziel der autonomen Konjunkturpolitik wird schließlich ebenfalls vordergründig realisiert. Das Abkommen sieht nämlich keine Verpflichtung der Mitgliedsstaaten zur Koordination der Konjunkturpolitik vor. Auch dann, wenn die Notenbanken intervenieren müssen und damit automatisch die Geldmenge verändert wird, könnten sie – rein theoretisch – diese Veränderung durch eine nachträgliche Politik (und zwar durch eine sogenannte sterilisierende Intervention auf den Kapitalmärkten) kompensieren.

 

Aber hierbei treten folgende Probleme auf:

 

Der ZB-Ausgleich kann gar nicht langfristig hintangestellt werden. Zunächst schlägt sich ein anhaltendes strukturelles Ungleichgewicht in einem erhöhten Liquiditätsbedarf nieder. Deshalb wurde sehr bald die Forderung nach Aufstockung der vereinbarten Kreditquoten erhoben. Zu den Ziehungsrechten kamen zusätzlich Sonderziehungsrechte hinzu. Diese  vergrößerten nicht nur den Spielraum für eine Ausweitung der Importe, sondern ermöglichten den nationalen Notenbanken auch, den ihnen zugeteilten Fonds an Devisen kurzfristig zu überschreiten.

 

Aber solange die Ursache der strukturellen Ungleichgewichte nicht beseitigt wurde, stellte dieser Weg ein Fass ohne Boden dar. Irgendwann erschöpfen sich die den einzelnen Ländern zugeteilten Quoten immer wieder von neuem.

 

Auch die formelle Garantierung einer autonomen Konjunkturpolitik ist langfristig fraglich, da sich jede Kompensation in der Geldpolitik durch eine sterilisierende Intervention der Notenbanken bei freiem Kapitalmarkt wiederum in Ungleichgewichten der Devisenbilanz niederschlägt und die Notenbank dann diese Politik durch erneute Intervention auf den Devisenmärkten wiederum rückgängig machen muss. Deshalb waren notwendigerweise über kurz oder lang weitergehende Korrekturen unerlässlich.

 

Das Bretton Woods-Abkommen sah nun folgende Korrekturen vor:

 

·        Änderung der Paritäten und damit Aufgabe des Zieles der Wechselkursstabilität,

 

·        vorübergehende Kapitalverkehrskontrollen und damit Aufgabe der freien Konvertibilität der Währungen sowie

 

·        wirtschaftspolitische Auflagen an die Defizitländer und damit Aufgabe der konjunkturpolitischen Autonomie.

 

Bisher wurden in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg zwei Wege fester Wechselkurssysteme erprobt:

 

Beim IWF-System übernimmt ein Land (die USA) die Leitwährung.

 

Beim EWS-System war eine künstliche Währung durch einen Währungskorb (ECU) vorgesehen.

 

Beide Systeme bringen Instabilitäten mit sich: Beim Leitwährungssystem besteht die Gefahr, dass das Leitwährungsland ZB-Defizite durch Schöpfung von Notenbankgeld begleicht und keine Anstrengungen unternimmt, die Defizite in der Devisenbilanz abzubauen. Als Folge wird die Umtauschmöglichkeit von Dollar in Gold in Frage gestellt, deshalb besteht eine mangelnde Bereitschaft der Gläubigerländer, Währungsreserven in der Leitwährung zu halten. Es findet  ein Run auf das Gold weg von der Leitwährung statt.       

 

Beim Währungskorbsystem (EWS-System) gibt es hingegen bei unterschiedlicher Konjunkturpolitik der Mitglieder immer zumindest eine Währung, die stabiler ist als die Korbwährung mit der Folge, dass die Notenbanken bestrebt sind, ihre Reserven in dieser stabileren Währung zu halten. Dies galt lange Zeit für die DM. Somit waren sowohl das IWF- wie auch das EWS-System auf lange Sicht instabil. Sie mussten eines Tages zusammenbrechen.

 

 

06. System freier Wechselkurse

 

Schließlich wollen wir das System freier Wechselkurse auf die Realisierung der außen- und konjunkturpolitischen Ziele untersuchen.

 

Das Ziel des Devisenbilanz-Ausgleichs wird erreicht. Voraussetzung ist natürlich auch hier, dass die Koordinationsmechanismen funktionieren, dass also insbesondere die Summe der in- und ausländischen Importnachfrageelastizitäten größer als eins ist. Allerdings muss angemerkt werden, dass der in diesem System wirkende Wechselkursmechanismus nur auf einen Ausgleich der Devisenbilanz, und nicht der Leistungsbilanz hinwirkt.

 

Das Ziel stabiler Wechselkurse wird hintangestellt, da automatisch Ungleichgewichte zur Veränderung der Paritäten führen. Auf jedem freien Markt sind ja gerade die Veränderungen im Preis die Größe, welche das Marktungleichgewicht abbauen soll. Für den Devisenmarkt bedeutet dies: Datenänderungen führen immer wieder zu Ungleichgewichten und diese Ungleichgewichte werden eben über Korrekturen in den Devisenkursen abgebaut.

                  

Das Ziel der  freien Konvertibilität wird garantiert. Ein System freier Wechselkurse zeichnet sich eben dadurch aus, dass den Marktteilnehmern erlaubt ist, selbst zu bestimmen, in welchem Umfang sie Devisen kaufen oder verkaufen wollen.

 

Das Ziel einer autonomen Konjunkturpolitik wird schließlich ebenfalls tendenziell und vordergründig erfüllt. Der Ausgleich der Devisenbilanz erfolgt hier ja in erster Linie durch Veränderungen im Wechselkurs. Gerade deshalb bedarf es auch nicht der außenwirtschaftlich bedingten Anpassung des Preisniveaus. Die Staaten können unabhängig von der Außenwirtschaftslage im Prinzip ihre eigenen konjunkturpolitischen Ziele verfolgen.

 

Folgende Probleme sind jedoch auch hier  zu erwarten:

 

Gerade weil häufige Wechselkursschwankungen wegen des hiermit verbundenen Risikos politisch unerwünscht sind, gilt es zu überprüfen, inwieweit die Politiker bei gleichem Umfang an Datenänderungen willens sind, einen Teil der Anpassungslast über eine Rezession oder Inflation zu übernehmen, um damit die Notwendigkeit von Wechselkursanpassungen zu verringern?

 

Weiterhin entsteht die Frage, ob die Datenänderungen bei einem System fester Wechselkurse unter Umständen einen geringeren Umfang aufweisen, da Leistungsbilanz-Ungleichgewichte einen starken Koordinationsdruck auf die nationalen Regierungen ausüben und diese dazu veranlassen, sich um eine Koordination der nationalen Konjunkturpolitiken zu kümmern. Hierbei gilt es sich daran zu erinnern, dass in der Vergangenheit Devisenbilanzungleichgewichte insbesondere deshalb auftraten, weil die einzelnen nationalen Regierungen unterschiedliche Inflationsraten zuließen. Würden sich also die einzelnen nationalen Regierungen über eine gemeinsame Konjunkturpolitik verständigen, dürften auch die wichtigsten Gründe für Ungleichgewichte in den Devisenbilanzen weitgehend entfallen.

 

Bei der Beurteilung der einzelnen Währungssysteme haben wir uns stets darüber bewusst zu sein, dass es im Grunde genommen nur zwei Lösungen des Zielkonfliktproblems gibt: Entweder entscheidet man sich für eine Stabilisierung des Wechselkurses und für einen Verzicht auf autonome Konjunkturpolitik bei einem System fester Wechselkurse. Die Koordinierung der Konjunkturpolitik erfolgt hier automatisch dadurch, dass Inflationen und Deflationen bei ZB-Ungleichgewichten hingenommen werden. Oder aber man wählt eine autonome Konjunkturpolitik und verzichtet auf eine Wechselkursstabilität bei einem System freier Wechselkurse. Ein Ausgleich der Ungleichgewichte erfolgt hier wiederum automatisch.

 

Ein System freier Wechselkurse galt früher als ein weitgehend funktionierendes System zur Abschirmung der Konjunkturpolitik gegenüber Schocks, welche vom Ausland ausgehen. Die Skepsis darüber, ob dieses Urteil richtig war, ist heute höher als zehn Jahre nach Einführung flexibler Wechselkurse: Nach wie vor bestehen nämlich trotz Freigabe der Devisenmärkte Ungleichgewichte in der Devisenbilanz. Nach wie vor gehen darüber hinaus zahlreiche Einflüsse der Weltwirtschaft auf die Binnenkonjunktur aus.

 

Als mögliche Erklärungen für diese Widersprüche gelten folgende Argumente:

 

Es findet sehr häufig ein schmutziges Floaten statt: Die Notenbanken haben das Recht, jederzeit auf den Kapitalmärkten zu intervenieren und sie machen auch sehr oft von diesem Recht Gebrauch. Aber nur ohne sterilisierende Intervention auf den Kapitalmärkten würden Ungleichgewichte in den Devisenbilanzen tatsächlich abgebaut.

 

Ein Import der ausländischen Konjunktur erfolgt weiterhin weitgehend über die Leistungs- und nicht über die Devisenbilanz. Das System freier Wechselkurse führt nämlich nur zum Ausgleich der Devisenbilanz, nicht unbedingt der Leistungsbilanz. Auch bei einer ausgeglichenen Devisenbilanz kann die Leistungsbilanz ungleichgewichtig bleiben, dann nämlich, wenn ein Teil der Importe durch langfristige Kredite des Auslandes abgedeckt wird. In diesem Falle lebt das Defizitland auf Kosten des Auslandes, ein Zustand, der nicht auf Dauer aufrechterhalten werden kann. Kein Land kann auf Dauer auf Kosten  anderer Länder leben, jeder Kreditgeber wird eines Tages die Rückzahlung der Kredite verlangen.

 

Es wird schließlich die These vertreten, dass sich gegenüber früher der Anteil der Kapitalbilanz an der ZB entscheidend vergrößert hat und dass deshalb die Leistungsbilanz für die Wechselkursschwankungen heutzutage von geringerer Bedeutung ist.

 

Die europäischen Staaten hatten weiterhin auch nach der Freigabe der Wechselkurse im weltweiten EWF-System lange Zeit unter sich nach wie vor ein System fester Wechselkurse vereinbart. Der Anteil des innereuropäischen Handels lag hierbei z. B. für die BRD immerhin bei 50%.

 

Entsprechend dem Absorptionsansatz von S. S. Alexander kann eine Wechselkursanpassung nur dann zum Erfolg führen, wenn im Defizitland Bereitschaft besteht, die Absorption z. B. durch Konsumverzicht zu vermindern. Erzwingen jedoch die Gewerkschaften aufgrund der durch Devisenkurserhöhung eingetretenen Preissteigerung eine volle Kompensation durch Lohnsatzsteigerungen, tritt der erforderliche Konsumverzicht nicht ein und die Wechselkurskorrektur verfehlte ihr Ziel.

 

 

 

Die Bereitschaft zur Absorption fehlt also, wenn die Gewerkschaften bei Abwertung einen Kaufkraftausgleich durchsetzen.

 

Die Einflüsse der Außenwirtschaft auf die Binnenkonjunktur werden weiterhin nicht nur über ZB-Ungleichgewichte ausgeübt. Wechselkursänderungen beeinflussen aber auch auf direktem Wege die Binnenkonjunktur. Da bei einem Anstieg des Devisenkurses die Preise der importierten Produkte in € gerechnet ansteigen, steigt auch der Lebenshaltungskostenindex an; damit wird aber das Ziel der Preisniveaustabilität verletzt.

 

Diese inflationäre Tendenz wird noch verstärkt, wenn es den Gewerkschaften gelingt, einen Kaufkraftausgleich durchzusetzen und wenn zusätzlich die Unternehmungen die Lohnsteigerungen auf den Preis abwälzen.

 

Ob nun eine solche zusätzliche Inflationstendenz zu befürchten ist, hängt unter anderem auch vom Verhalten der Notenbank ab. Nur dann, wenn diese die Geldmenge ausweitet, treten zusätzliche Preissteigerungen ein. Verharrt die Notenbank jedoch auf einer restriktiven Geldpolitik, so führt der Anstieg der Löhne zur Verminderung der Produktion und Beschäftigung. In diesem Falle ist zwar nicht das Ziel der Geldwertstabilität gefährdet, wohl aber das Ziel der Vollbeschäftigung. Der Anstieg der Importpreise in € wird auf jeden Fall die Produktionskosten erhöhen. Dies führt wiederum in der Regel zu einem Rückgang sowohl in der Produktion als auch in der Beschäftigung.

 

Wir kommen also zu folgenden generellen Schlussfolgerungen:

 

·        Langfristig muss die DB ausgeglichen werden.

 

·        Es stehen nur zwei Koordinationsmechanismen, die einen vollständigen Ausgleich herbeiführen, zur Verfügung: Variation der Wechselkurse und/ oder Variation der nationalen Preisniveaus.

 

·        Das Ausmaß der Datenänderungen und die Unterschiede in den Politiken der einzelnen Länder bestimmen den Anpassungsbedarf.

 

·        Die politische Bereitschaft zur Anpassung dürfte eher im Hinblick auf Wechselkursvariationen als auf die Hinnahme von Deflationen bestehen.

 

Bei Systemen fester Wechselkurse, die nicht dem vollständigen Mechanismus der Goldwährung folgen, haben die Regierungen immer schließlich zu dem Mittel der Korrektur der Wechselkurse gegriffen, sodass der eigentliche Unterschied zwischen beiden Systemen eher darin liegt, dass die Wechselkursanpassung bei einem System fester Wechselkurse verzögert erfolgt, sie erfolgt aber auch hier, und dass die Politiker in einem System fester Wechselkurse über keine Informationen darüber verfügen, welches Ausmaß an Anpassung notwendig ist, während in einem System freier Wechselkurse der Markt diese Informationen automatisch liefert.

 

Beide Faktoren sprechen für höhere Wohlfahrtsverluste bei einem System fester Wechselkurse, vor allem auch deshalb, weil diese Politik in stärkerem Maße zu destabilisierender Spekulation verleitet.

 

Zu Spekulationen kommt es nämlich immer dann, wenn Wechselkursvariationen erwartet werden. Im System flexibler Wechselkurse werden wegen der Ungewissheit über die Richtung der Änderungen immer denjenigen, welche auf Abwertungen spekulieren andere gegenübertreten, die auf Aufwertungen spekulieren.

 

Im System fester Wechselkurse hingegen wird bei einem DB-Defizit nur auf eine Abwertung spekuliert werden. Diese Erwartung wird notwendigerweise auch erfüllt werden (selbsterfüllende Erwartungen), sie verstärkt also hier die Instabilität.

 

 

 

 

Natürlich bleibt es richtig, dass der Erfolg einer Kurskorrektur immer voraussetzt, dass die an und für sich positiven Effekte nicht wiederum durch eine interne Nachfragesteigerung wettgemacht werden. In Anbetracht dessen, dass in der Realität das System freier Wechselkurse sehr wohl Interventionen der Notenbank gestattet, aber nicht erzwingt, entspricht dieses System am besten den wechselnden Erfordernissen.

 

 

Zusammenfassung:

 

01. Zwischen den Zielen der Konjunktur- und Außenwirtschaftspolitik besteht ein situationsgebundener Konflikt, der entweder bei Zusammentreffen eines Devisenbilanzdefizits und einer Rezession oder eines Devisenbilanzüberschusses und einer Inflation entsteht.

 

02. Entsprechend dem Theorem von Jan Tinbergen ist bei quantifizierbaren Zielen immer dann mit einem Zielkonflikt zu rechnen, wenn die Anzahl der unabhängigen Instrumente geringer ist als die Zahl der angestrebten Ziele.

 

03. Der Zielkonflikt zwischen Binnen- und Außenwirtschaftspolitik entsteht dadurch, dass den vier Zielen: Zahlungsbilanzausgleich, Wechselkursstabilität, volle Konvertibilität und autonome Konjunkturpolitik nur drei Instrumente: Wechselkursvariationen, Diskontsatzänderungen und devisenwirtschaftliche Zwangsmaßnahmen gegenüberstehen. Die uns bekannten Währungssysteme unterscheiden sich darin, welches Ziel hintangestellt wird.

 

04. Innerhalb des Goldwährungssystems wird das Ziel autonomer Konjunkturpolitik hintangestellt, da entsprechend dem Geldmengen-Preis-Mechanismus Devisenbilanzungleichgewichte über In- und Deflationsprozesse abgebaut werden. Die übrigen Ziele: Konvertibilität, DB-Ausgleich und Wechselkursstabilität werden befriedigend erfüllt.

 

05. Gegen eine Wiedereinführung der Goldwährung spricht die größere Sensibilität gegenüber konjunkturpolitischen Zielen, die geringere Elastizität der Nachfrage gegenüber Preisänderungen, der Umstand, dass Deflationsprozesse mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit verbunden sind und die im Vergleich zum Welt-Inlands Produkt relativ geringen Goldvorräte der Welt.

 

06. In einer Devisenzwangswirtschaft wird das Ziel der freien Konvertibilität verletzt, da alle Devisen über den Staat verwaltet und zugeteilt werden.

 

07. Eine Devisenzwangswirtschaft empfiehlt sich lediglich für Notzeiten (z. B. für Kriegswirtschaften). Während der 50er Jahre dieses Jahrhunderts wurde bisweilen eine Devisenzwangswirtschaft deshalb für notwendig erachtet, da man von der Vorstellung ausging, die Importnachfrageelastizitäten würden nicht ausreichen, Zahlungsbilanzungleichgewichte vollständig abzubauen. Heute ist man in der Frage der Elastizitäten eher optimistisch.

 

08. Im System fester Wechselkurse (IWF, EWS) wird vordergründig das Ziel des Zahlungsbilanzausgleiches hintangestellt. Dem Prinzip nach kann aufgrund der angestrebten Wechselkursstabilität weder der Wechselkursmechanismus noch – aufgrund der Forderung nach autonomer Konjunkturpolitik - der Geldmengen-Preismechanismus zum Abbau von Devisenbilanzungleichgewichten eingesetzt werden.

 

09. Längerfristig können jedoch Devisenbilanzdefizite nicht aufrechterhalten werden, da kein Gläubigerland bereit ist, weitere Kredite zu gewähren, wenn keine Gewähr besteht, dass die bisher gewährten Kredite in der Zukunft zurückgezahlt werden.

 

10. Aus diesen Gründen sahen sich die Defizitländer gezwungen, entweder die eigene Währung abzuwerten, was der Aufgabe des Zieles der Wechselkursstabilität gleichkam, oder vorübergehende Kapitalverkehrskontrollen einzuführen, was eine Aufgabe der freien Konvertibilität bedeutete oder aber um neue Kredite nachzusuchen und wirtschaftspolitische Auflagen und damit einen Verzicht auf eine autonome Konjunkturpolitik in Kauf zu nehmen.

 

11. Systeme fester Wechselkurse lassen sich entweder als Leitwährungssysteme oder als Korbwährungen einrichten.

 

12. Das IWF-System war ein Leitwährungssystem mit dem Dollar als Leitwährung. Es war systembedingt instabil, da die USA Defizite in der Leistungsbilanz mit einer Ausweitung der Dollarmenge bezahlten. Dadurch schwand jedoch das Vertrauen in den Dollar, da bei gleichbleibenden Goldvorräten der US-Notenbank keine Gewähr mehr für eine Umwandlung der Dollars in Gold bestand.

 

13. Das EWS-System war ein Korbwährungssystem mit einer künstlichen Währung (dem ECU). Auch dieses System hat sich als instabil herausgestellt, da es bei unterschiedlicher Stabilitätspolitik der einzelnen Mitgliedsstaaten immer mindestens eine nationale Währung gibt (in der Vergangenheit die DM), die stabiler ist als der Durchschnitt der Währungen und die deshalb von den Notenbanken als Reservewährung anstatt dem ECU bevorzugt wird.

 

14. In einem System flexibler Wechselkurse wird das Ziel der Wechselkursstabilität hintangestellt, da der Abbau der Devisenbilanzungleichgewichte über Wechselkursvariationen erfolgt. Obwohl in einem System flexibler Wechselkurse an und für sich keine längerfristigen Devisenbilanzungleichgewichte bestehen bleiben dürften, wiesen die Devisen- und Leistungsbilanzen der europäischen Staaten nach Freigabe der Wechselkurse gegenüber Drittstaaten 1973 nach wie vor Devisenbilanzungleichgewichte auf.

 

15. Man führte diesen Tatbestand darauf zurück, dass die Notenbanken nach wie vor auf den Devisenmärkten intervenierten (schmutziges floaten), dass bei ungleichgewichtiger Kapitalbilanz die Leistungsbilanz notwendigerweise unausgeglichen sein müsse, dass die europäischen Staaten untereinander an der Interventionsverpflichtung festhielten und dass ein Abbau von Devisenbilanzdefiziten nur dann zu erwarten gewesen wäre, wenn die Inländer zu einer Reduzierung der Nachfrage (Absorption) bereit gewesen wären.

 

16. An dieser Bereitschaft fehlte es vor allem den Gewerkschaften, die bei einer Abwertung einen Kaufkraftausgleich gefordert haben, obwohl eigentlich zum Abbau des Devisenbilanzdefizits eine Verringerung des Lohn- und Konsumniveaus notwendig wäre.

 

17. Die realen Systeme fester Wechselkurse zeichneten sich dadurch aus, dass der langfristige Abbau der Devisenbilanzungleichgewichte vorwiegend nicht durch In- und Deflationsprozesse, sondern durch Wechselkurskorrekturen angesteuert wurde.

 

18. Die realen Systeme flexibler Wechselkurse zeichneten sich andererseits nicht dadurch aus, dass die Notenbanken auf jegliche Devisenmarktintervention verzichteten, sondern dass sie lediglich die automatische Verpflichtung zu einer ganz bestimmten Intervention aufgaben.

 

19. Unter Berücksichtigung dieser Entwicklungen dürften die Wohlfahrtsverluste bei festen Wechselkurssystemen größer sein, da hier längere Zeit hindurch Ungleichgewichte bestehen bleiben.

 

20. Wechselkursschwankungen, die nicht reale Datenänderungen widerspiegeln, können in einem System flexibler Wechselkurse durch Interventionen der Notenbanken weitgehend unterbunden werden. Zugunsten flexibler Wechselkurssysteme spricht auch, dass bei festen Wechselkurssystemen die destabilisierende Spekulation, bei flexiblen Systemen hingegen die stabilisierende Spekulation überwiegt.

 

 

Fragen zu Kapitel 4:

 

01. Welche Art von Zielkonflikten liegt beim Zielkonflikt zwischen Geldwertstabilität und Wechselkursstabilität vor?

 

02. Welche These vertrat Tinbergen im Hinblick auf das Auftreten von Zielkonflikten?

 

03. Inwieweit verfügt die Währungspolitik über weniger Instrumente als Ziele angestrebt werden?

 

04. Aus welchen Gründen ist in der Währungspolitik ein Zielkonflikt vorprogrammiert?

 

05. Welches Ziel wird im Rahmen der Goldwährung nicht erfüllt?

 

06. Welche Argumente sprechen gegen eine Wiedereinführung der Goldwährung?

 

07. Welches Ziel wird im Rahmen einer Devisenzwangswirtschaft hintangestellt?

 

08. Aus welchen Gründen wird bisweilen eine Devisenzwangswirtschaft für notwendig gehalten?

 

09. Welches Ziel wurde im Rahmen des IWF hintangestellt?

 

10. Warum wird in einem System fester Wechselkurse auf lange Sicht keines der vier angestrebten Ziele der Währungspolitik erreicht?

 

11. Welches Ziel wird im Rahmen eines Systems freier Wechselkurse verletzt?

 

12. Warum kann sich eine Volkswirtschaft auch in einem System freier Wechselkurse nicht vollkommen gegenüber den Außeneinflüssen abschirmen?

 

 

Antworten zu Kapitel 4:

 

01. Bei dem Zielkonflikt zwischen Geldwertstabilität und Wechselkursstabilität liegt ein situationsgebundener Zielkonflikt vor, der entweder bei einem DB-Defizit und gleichzeitiger Rezession oder bei einem DB-Überschuss und gleichzeitiger Inflation auftritt.

 

02. Jan Tinbergen führte das Auftreten eines Zielkonfliktes darauf zurück, dass die Anzahl der angestrebten Ziele größer ist als die Anzahl der zur Verfügung stehenden Instrumente.

 

03. In der Währungspolitik werden die vier Ziele: Wechselkursstabilität, autonome Konjunkturpolitik, Konvertibilität der Währungen sowie ein Devisenbilanzausgleich angestrebt. Diesen vier Zielen stehen nur die drei Instrumente: Wechselkursanpassungen, Zinssatzänderungen und devisenwirtschaftliche Maß-nahmen zur Verfügung. 

 

04. Ein Zielkonflikt ist in der Währungspolitik vorprogrammiert, da jedes uns bekannte Währungssystem mindestens ein Ziel nicht realisieren kann.

 

05. Im Rahmen der Goldwährung wird das Ziel einer autonomen Konjunkturpolitik nicht erreicht, da Deflations- und  Inflationsprozesse zum Ausgleich der Devisenbilanz eingesetzt werden.

 

06.  Gegen die Wiedereinführung der Goldwährung spricht einmal der Umstand, dass die Flexibilität der Märkte gegenüber früher zurückgegangen ist und dass deshalb größere In- und Deflationen zum Ausgleich der Devisenbilanz hingenommen werden müssten. Zum andern ist die mögliche Wachstumsrate der Goldproduktion wesentlich geringer als die des Inlandsproduktes.

 

07. Im Rahmen der Devisenzwangswirtschaft wird das Ziel einer freien Konvertibilität der Währungen vernachlässigt.

 

08. Eine Devisenzwangswirtschaft wird einmal in Kriegszeiten für notwendig gehalten, weil hier der öffentliche Bedarf den Vorrang besitzt. Zum andern wurde im Rahmen des Elastizitätspessimismus die Befürchtung geäußert, dass ein freier Devisenmarkt mangels ausreichender Elastizitäten einen DB-Ausgleich verfehle.  

 

09. Im Rahmen des IWF-Systems wurde das Ziel eines Devisenbilanzausgleichs verfehlt, da bei einer autonomen Konjunkturpolitik der Mitgliedsländer immer die Gefahr besteht, dass aufgrund unterschiedlicher Inflationsraten immer wiederum die gleichen Länder DB-Defizite aufweisen.

 

10. In einem System fester Wechselkurse kann auf lange Sicht das Ziel des DB-Ausgleiches vernachlässigt werden, da kein Gläubigerland bereit sein wird, auf Dauer Kredite zu gewähren, wenn keine Aussicht besteht, dass diese Kredite eines Tages zurückgezahlt werden. Um einen DB-Ausgleich zu erzwingen, sahen sich die Länder immer wieder gezwungen, entweder die Wechselkurse zu korrigieren und damit das Ziel der Wechselkursstabilität zu verletzen oder aber Devisenkontrollen einzuführen und damit die freie Konvertibilität zu verletzen oder aber schließlich doch außenwirtschaftlich bedingte Inflationen oder Deflationen hinzunehmen.

 

11. Im Rahmen eines Systems freier Wechselkurse wird das Ziel der Wechselkursstabilität hintangestellt. Der freie Devisenmarkt erzwingt die Wechselkursanpassungen, welche für einen Ausgleich der Devisenbilanz notwendig sind.

 

12. Es gibt mehrere Gründe, weshalb auch in einem System freier Wechselkurse keine vollständige Abschirmung gegenüber Außeneinflüssen gelingt. Auf der einen Seite bewirkt der Wechselkursmechanismus nur einen Ausgleich der Devisenbilanz. Die Leistungsbilanz kann unausgeglichen bleiben und es ist die Leistungsbilanz, von der eine Gefährdung der Geldwertstabilität und des Zieles der Vollbeschäftigung ausgeht. Auf der anderen Seite ist es nicht nur der DB-Überschuss, welcher die Geldwertstabilität gefährdet. Es besteht auch in einer offenen Volkswirtschaft ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den Preisen des In- und Auslandes.