Startseite

 

Erziehung auf dem Prüfstand

 

 

Gliederung:

 

1. Verrohung der Sitten und ihre Ursachen

2. Erziehung in den Frühjahren der Kinder

3. Erziehung in den Grundschulen

4. Erziehung in den weiterführenden Schulen

5. Erziehung auf den Hochschulen

6. Weiterbildung als permanente Aufgabe

 

 

5. Erziehung auf den Hochschulen

 

Die traditionellen Universitäten haben die Aufgabe der Ausbildung und der Forschung. Sie stehen hierbei sowohl im Bereich der Lehre wie der Forschung in Konkurrenz zu anderen Einrichtungen. Im Gegensatz zu den Universitäten verfolgen auch die Fachhochschulen Ausbildungsziele, aber betreiben keine Forschung oder im geringeren Maße als die Universitäten. Auf der anderen Seite gibt es Institute, die sich nur mit Forschung befassen.

 

Man könnte sich nun die Frage stellen, ob es nicht zweckmäßiger wäre, wenn eine Spezialisierung erfolgen würde, etwa so, dass sich die einen Einrichtungen - vorwiegend die Hochschulen - auf die Lehre spezialisieren und nur Ausbildung betreiben, während andere Einrichtungen, die Forschungsinstitute, sich auf die Erforschung neuen Wissens beschränken.

 

Demgegenüber gilt es zu betonen, dass die Verbindung zwischen Forschung und Lehre an den Universitäten eindeutige Vorzüge hat. Auf der einen Seite gibt diese Verbindung den Forschern die Möglichkeit, ihr neues Wissen den Studenten vorzutragen und sie an der Forschung zu beteiligen. Die Möglichkeit, neue Ideen zunächst einem Forum vorzutragen und zur Diskussion zu stellen, verbessert sicherlich den Forschungsprozess.

 

Auf der anderen Seite wird auf diese Weise der Prozess der Weitergabe neuen Wissens an die Praxis wesentlich beschleunigt. Der größte Teil der Studenten wird nach Abschluss des Studiums in der wirtschaftlichen und politischen Praxis beschäftigt. Es ist auf diese Weise die Gewähr gegeben, dass die ehemaligen Studenten dieses neue Wissen in der Praxis sofort umsetzen können. Die Transformationsrate des Wissens erhöht sich.

 

Wenden wir uns nun zunächst der Ausbildung zu. Ziel der universitären Ausbildung ist eine optimale Vermittlung des Wissens, das die Studenten zur Ausübung ihres künftigen Berufes benötigen. Hierbei kommt es nicht darauf an, möglichst an allen Universitäten das gleiche Wissen zu vermitteln. Aber gerade diese Tendenz lässt sich an den politischen Aktivitäten der Regierungen erkennen.

 

Mit dem Ziel der Vergleichbarkeit werden alte Lehrgänge, wie z. B. der Lehrgang, der mit einem Diplomexamen endet, abgeschafft, um weltweit äußerlich die gleichen Abschlüsse des „Bachelors“ und des „Masters“ zu erreichen. Es ist ein Irrtum zu meinen, dass auf diese Weise gleiche Studiengänge auf der ganzen Welt erreicht werden. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass sich die Inhalte der einzelnen Studiengänge der einzelnen Länder und Universitäten nach wie vor unterscheiden werden.

 

Kurzfristig werden die Inhalte vor allem davon geprägt, welche Professoren gerade einen Lehrstuhl innehaben und welche Forschungsziele diese Professoren verfolgen.

 

Es wäre aber auch nicht erwünscht, dass sich alle Studiengänge materiell gleichen, genauso wenig wie es erwünscht wäre, nur einige Grundnahrungsmittel zu produzieren oder einige wenige Einheitskleider auf den Markt zu bringen. Die Unternehmungen haben einen sehr unterschiedlichen Bedarf an ausgebildeten Arbeitskräften, der nur optimal befriedigt werden kann, wenn ein dementsprechend differenziertes Angebot an unterschiedlichen Abschlüssen besteht.

 

Für eine Unternehmung oder für einen anderen Arbeitgeber (Staat, Verbände, internationale Organisationen) ist es nicht so sehr von Bedeutung, mit welchem Namen ein Abschluss gekennzeichnet wird, von wesentlich größerer Bedeutung ist, dass sich eine bestimmte Qualifikation und Güte an bestimmten Hochschulen herausbildet, sodass sich die einzelne Unternehmung wie auf ein Gütesiegel darauf verlassen kann, dass es mit Absolventen einer bestimmten Hochschule auch eine bestimmte Qualität „einkauft“.

 

Die Unterschiedlichkeit der Bildungsgänge der einzelnen Hochschulen ist auch noch aus einem anderen Grunde erwünscht.

 

Genauso wie für die Produktion von Waren gilt auch für die Erstellung der Dienstleistungen einer Universität im Bereich der Lehre, dass permanente Innovationen möglich und notwendig sind. Nie wird die beste Technik vermittelt werden, immer werden mögliche Verbesserungen denkbar sein und der beste Anreiz zur permanenten Verbesserung des Leistungsangebotes der Universitäten dürfte ein Wettbewerb der einzelnen Fachbereiche und Hochschulen untereinander sein. Wobei es einmal darum geht, die begabtesten Studenten zu gewinnen und zum andern die eigenen Studenten nach ihrem Abschluss an die qualifiziertesten Unternehmungen und Organisationen und dort in die bedeutendsten Führungspositionen zu vermitteln.

 

Ein solcher die Innovation der Lehre fördernder Wettbewerb bringt es jedoch notwendiger Weise mit sich, dass sich die einzelnen Hochschulen und Fachbereiche voneinander unterscheiden, Innovation kommt dadurch zustande, dass einzelne Fakultäten mit ihren Erneuerungen vorpreschen und die anderen folgen oder auch dadurch, dass sich im Zuge der Spezialisierung unterschiedliche Angebote entsprechend einem unterschiedlichen Bedarf herauskristallisieren.

 

Bei dem Zustandekommen dieses Wettbewerbes spielt die Finanzierung der Lehre eine entscheidende Rolle. In der Vergangenheit wurde die Finanzierung der Ausbildung von Seiten der Universitäten nahezu allein vom Staat übernommen. Demgegenüber wird von wissenschaftlicher Seite die Forderung erhoben, dass die Lehre vorwiegend durch Studiengebühren, welche die Studenten zu entrichten hätten, finanziert werden sollte.

 

Gegen eine vorwiegende Finanzierung der Ausbildung durch den Staat sprechen mehrere Gründe. Erstens gehörte Ausbildung zumindest in der Vergangenheit zu den politischen Themen, die ausgesprochen unpopulär waren und bei denen man deshalb nicht damit rechnen konnte, dass Politiker durch eine Verstärkung der Finanzierung der Hochschulen bei den Wahlen Stimmen gewinnen können. Also wurden in Zeiten, in den der Staat sparen musste, vorwiegend auch die Zuschüsse an die Universitäten reduziert. Vielleicht mag sich in dieser Frage der politischen Beliebtheit von Bildungsfragen in Zukunft ein gewisser Wandel zum Besseren einstellen.

 

Vor allem gilt es zweitens zu berücksichtigen, dass in Zeiten des konjunkturellen Rückganges mit den Steuereinnahmen auch die Zuschüsse an die Universitäten gekürzt werden, was sicherlich den Zielen der Bildungspolitik zuwiderläuft.

 

Drittens ist schließlich zu befürchten, dass der Staat bei einer ausschließlichen Finanzierung der Universitäten auch einen politischen Einfluss nehmen wird und damit u. U. die Freiheit der Lehre gefährden könnte.

 

Gegen die Erhebung von Studiengebühren zur Finanzierung der Lehre werden vor allem verteilungspolitische Argumente vorgetragen.

 

Es wird darauf hingewiesen, dass ohnehin der Anteil der Arbeiterkinder an den Studierenden wesentlich geringer sei als der Anteil der Arbeiter an der Bevölkerung und es wird befürchtet, dass bei Erhebung von Studiengebühren dieser Anteil weiter sinken werde und somit wichtige Ziele der Bildungspolitik, nämlich die Hochschulen allen Schichten zugänglich zu machen, gefährdet seien.

 

Demgegenüber muss betont werden, dass die Frage der Studiengebühren primär keine verteilungspolitische, sondern eine allokationspolitische Frage darstellt. Wie das Beispiel der meisten Länder, die Studiengebühren eingeführt haben (die angelsächsischen Staaten, aber auch viele kontinentaleuropäische Staaten) zeigt, lassen sich Studiengebühren sehr wohl einführen, ohne deshalb Studierende aus ärmeren Bevölkerungskreisen vom Studium abzuschrecken. Fast alle Länder, die Studiengebühren kennen, gewähren den Studierenden, deren Eltern nicht aus eigener Kraft die Studiengebühren aufbringen können, Stipendien, die so berechnet werden, dass nicht nur die Lebenshaltungskosten, sondern auch die Studiengebühren bezahlt werden können.

 

Andere Länder (so auch Westdeutschland unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg) gewähren oder gewährten dieser Gruppe von Studierenden Gebührennachlass. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Studierenden durch Nachweis von Leistungsscheinen unter Beweis stellen, dass sie überhaupt die intellektuellen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium besitzen. Aus verteilungspolitischen Gründen können deshalb Studiengebühren nicht ernsthaft abgelehnt werden.

 

Eine effiziente Verteilungspolitik ist ohnehin nicht möglich, wenn man Umverteilungsmaßnahmen an den unterschiedlichsten Stellen der Gesellschaft durchführt. Ein solches Eingreifen in den Marktprozess stört die Allokation, verringert dadurch die allgemeine Wohlfahrt und mit ihr gleichzeitig die Möglichkeit, die Gelder für sozialpolitische Maßnahmen aufzubringen.

 

Weiterhin kann eine an Gerechtigkeitskriterien orientierte Umverteilung nur bei einer von einer einheitlichen Stelle ausgehenden zentralen Umverteilung durchgeführt werden.

 

Werden die unterschiedlichsten Kaufakte mit Umverteilungsmaßnahmen verbunden, werden zwei Personen, die aus verteilungspolitischer Sicht eigentlich das gleiche Einkommen oder die gleiche Subventionssumme erhalten sollten, sehr unterschiedlich begünstigt, je nachdem wie sie ihre Einkünfte verwenden. Die Umverteilungsergebnisse werden durch Willkür bestimmt.

 

Was spricht aber allokationspolitisch für die Einführung von Studiengebühren?

 

Die Studiengebühren stellen den Preis des Bildungsangebotes dar und sollen wie alle Preise in einer funktionierenden Marktwirtschaft Menge und Qualität des Bildungsangebotes unmittelbar auf die Bedürfnisse der Studierenden, aber mittelbar auch auf den Bedarf der Praxis, der Nachfrager nach Studierenden (vorwiegend der Unternehmungen, Verbände und staatlichen Organisationen) bestmöglich ausrichten.

 

Die einzelnen Fachbereiche erstellen das Lehrangebot und versuchen auf der einen Seite Studenten anzuwerben, andererseits diese dann nach dem Studienabschluss an die Praxis weiter zu vermitteln. Die Fachbereiche haben hierbei ein Interesse daran, ihr Angebot so auszurichten, dass sich möglichst qualifizierte Studenten bewerben, aus denen die Fachbereiche die höchstqualifizierten Studierenden auswählen. Gleichzeitig haben die Fachbereiche ein Interesse daran, dass die Abgänger in möglichst aussichtsreichen Stellungen in der Praxis eine Anstellung finden.

 

Diese Marktregelung funktioniert natürlich nur dann, wenn auch ein intensiver Wettbewerb zwischen den einzelnen Universitäten und Fachbereichen besteht. Nur in diesem Falle ist damit zu rechnen, dass die Fachbereiche alle Anstrengungen unternehmen, ein bedarfsgerechtes Lehrangebot zu erstellen und dass sie bei der Weiterentwicklung der Lehrmethoden innovativ tätig sind.

 

Diese Marktregelung funktioniert allerdings weiterhin nur dann, wenn einige weitere Voraussetzungen erfüllt sind. So ist es notwendig, dass die einzelnen Fachbereiche frei darüber entscheiden können, wie sie sich organisieren, wie groß also ein Fachbereich z. B. sein sollte, welche Lehrgebiete für ein befriedigendes Lehrangebot angeboten werden u. s. w. Der Wettbewerb sorgt letztlich dafür, dass die Universitäten, die Innovationen anbieten und auf Nachfrageänderungen seitens der Studenten und Unternehmungen reagieren, finanzielle Vorteile, die anderen Universitäten hingegen Nachteile erhalten.

 

Weiterhin ist es notwendig, dass auch die Studenten frei sind, sich an der Universität und an dem Fachbereich zu bewerben, die der einzelne Student bevorzugt, genauso wie die Fachbereiche frei sein müssen, aus dem Angebot an Studierenden diejenigen auszuwählen und diejenigen Auswahlkriterien anzulegen, die sich für das spezielle Lehrangebot am besten eignen. Damit ist selbstverständlich nicht ausgeschlossen, dass die Regierungen bestimmte Rahmenordnungen erlassen, die eine Vergleichbarkeit der einzelnen Leistungen möglich machen.

 

Diese Vergleichbarkeit ist vor allem erwünscht, um den Studenten zu ermöglichen, Teile des Studiums im Ausland oder an einer anderen Universität zu absolvieren. Allerdings ist eine Gleichheit der Ordnungen weder erwünscht noch in praxi möglich.

 

Wenden wir uns nun der Forschung zu. Forschung wird in der Bundesrepublik sowohl an eigenständigen Forschungsinstituten, an Universitäten und in Großunternehmungen betrieben.

 

Hierbei muss zwischen Grundlagen- und Zweckforschung unterschieden werden, wobei Grundlagenforschung sowohl an Universitäten als auch an eigenständigen Forschungsinstituten, aber kaum in Unternehmungen durchgeführt wird, während Zweckforschung sich vor allem auf die Unternehmungen beschränkt; allerdings werben vor allem natur- und ingenieurwissenschaftliche Fakultäten auch Forschungsprojekte an, die von Unternehmungen finanziert werden und die deshalb eher der Zweckforschung zugeordnet werden müssen.

 

Hier interessiert vor allem die Forschung der Universität, die vorwiegend aus Grundlagenforschung besteht. Die Finanzierung dieser Forschung erfolgte in der Vergangenheit vor allem unmittelbar durch den Staat, während die Forschungsprojekte der Forschungsinstitute vorwiegend durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert wurden, die sich selbst wiederum teilweise durch staatliche Gelder, teilweise durch Zuschüsse aus der Industrie refinanziert hat.

 

Auch hier gelten im Wesentlichen die Argumente, die bereits oben gegen eine Finanzierung der Lehre durch den Staat angeführt wurden: Eine unmittelbare Finanzierung der Grundlagenforschung durch den Staat kann also erstens unerwünscht sein, weil die Regierungen u. U. die Finanzierung an politische Zwecke koppeln, die der grundsätzlich in der Verfassung garantierten Freiheit der Forschung widersprechen, nach der jeder Forscher das Recht hat, seine Forschungsziele im Rahmen der bestehenden Rechtsordnung selbst zu formulieren.

 

Zweitens spricht gegen eine unmittelbare Finanzierung der Grundlagenforschung durch den Staat ebenfalls die Tatsache, dass Ausgaben für Universitäten zumindest in der Vergangenheit als unpopulär galten, mit denen man keine Wahlen gewinnen kann, sodass die Bereitschaft demokratischer Parteien, für eine Ausweitung der Ausgaben für die Forschung einzutreten, gering war.

 

Drittens spricht gegen eine staatliche Finanzierung der Grundlagenforschung auch der Umstand, dass die Einnahmen des Staates in Zeiten des Konjunkturrückganges ebenfalls zurückgehen und dass deshalb damit zu rechnen ist, dass auch die Zuschüsse für die Forschung an die Universitäten in diesen Zeiten gekürzt werden.

 

Umgekehrt wurde aber lange Zeit gerade dieser Umstand als Rechtfertigung angesehen, dass Universitäten und die unabhängigen Forschungsinstitute für ihre Grundlagenforschung nicht mit Mitteln erwerbswirtschaftlicher Organisationen, sondern mit öffentlichen Geldern unterstützt werden.

 

Wenn also Grundlagenforschung zweckmäßigerweise weder von privatwirtschaftlichen, erwerbswirtschaftlich ausgerichteten Organisationen noch unmittelbar durch den Staat finanziert werden sollen, entsteht die Frage, auf welchem Wege und mit welchen Geldmitteln denn die Grundlagenforschung finanziert werden kann.

 

Eine mögliche Antwort auf diese Frage gibt das Verfahren, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft schon seit langer Zeit bei der Vergabe von Zuschüssen zu einzelnen Forschungsprojekten eingeschlagen hat. Anträge auf Finanzierung von Forschungsprojekten erfolgen danach von einzelnen Forschern bzw. von Fachbereichen, Universitäten und unabhängigen Forschungsinstituten.

 

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft entscheidet über diese Anträge vorwiegend nach wissenschaftlichen Kriterien. Dies ist notwendig, da natürlich immer durch unabhängige Wissenschaftler geprüft werden muss, wie notwendig und sachgerecht einzelne Forschungsanträge sind, in welcher Rangfolge die einzelnen Forschungsanträge stehen und ob sie der geltenden Rechtsordnung entsprechen.

 

Die Überprüfung der Einordnung in die Rechtsordnung ist z. B. im Zusammenhang mit der Embryonenforschung von Bedeutung. Die Zuweisung von öffentlichen Geldmitteln an einzelne Forschungsprojekte mag noch so sehr aus rein wissenschaftlichen Gründen sinnvoll sein, sie darf nicht genehmigt werden, wenn die Realisierung dieser Forschungsprojekte allgemeine Werte unserer Rechtsordnung verletzt.

 

Die Finanzierung der Deutschen Forschungsgemeinschaft erfolgt ihrerseits durch staatliche sowie private Geldzuweisungen. Der Unterschied zur unmittelbaren Finanzierung von Forschungsprojekten durch den Staat oder durch einzelne Unternehmungen besteht darin, dass über die Vergabe dieser Geldmittel vorwiegend nach wissenschaftlichen Kriterien und durch unabhängige Sachverständige und nicht nach rein politischen oder erwerbswirtschaftlichen Erwägungen entschieden wird.

 

In jüngster Zeit wurde der Versuch unternommen, durch Bildung und Förderung von Eliteuniversitäten Lehre und Forschung finanziell stärker zu unterstützen. Es scheint mir allerdings fraglich, ob dieser Weg im Vergleich zu der bisherigen Methode, einzelne Projekte nach vorheriger Prüfung zu fördern, vorzuziehen ist.

 

Natürlich war es notwendig und höchst erwünscht, die materielle Förderung von Lehre und Forschung auszuweiten. Natürlich war es auch richtig, diese Förderung selektiv nur einzelnen ausgewählten Bereichen zugutekommen zu lassen und nicht im Sinne des Gießkannenprinzips allen zur Verfügung zu stellen. Schließlich ist es sicherlich auch richtig, dass die Effizienz solcher Mittel bei denjenigen Wissenschaftlern besonders hoch sein dürfte, welche sich bereits bisher durch wissenschaftliche Innovationen hervorgetan haben.

 

Durch diese Art der Förderung entstehen jedoch monopolartige Strukturen, welche sich auf den wissenschaftlichen Fortschritt auch negativ auswirken können. Es ist unwahrscheinlich, dass sich in allen Fakultäten und Bereichen einiger weniger Universitäten jeweils die besten Wissenschaftler konzentrieren, der Umstand, dass einige Wissenschaftler eines bestimmten Fachgebietes (z. B. in Chemie) hervorragendes geleistet haben, lässt nicht unbedingt erwarten, dass gerade an derselben Universität auch in an allen anderen Fachbereichen jeweils die Spitze der Gelehrten versammelt ist.

 

Es besteht bei einer solchen Monopolisierung immer die Gefahr, dass unter der Sonne einer Eliteuniversität einerseits auch zweitrangige Wissenschaftler begünstigt werden und dass anderseits hochrangige Wissenschaftler an anderen Universitäten gerade deshalb in ihrer Forschung behindert sind, weil sie in kurz- und mittelfristiger Sicht keinen Zugang zu diesen Fördermittel haben.

 

Dieses Verfahren ist weiterhin vergangenheitsorientiert, die bisherigen Leistungen entscheiden darüber, wer zum Zuge kommt und nicht – wie bei der bisherigen Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft – die jeweils in Aussicht genommenen Forschungsvorhaben. Die Effizienz des Einsatzes materieller Mittel lässt sich jedoch sicherlich anhand einzelner Projekte (natürlich auch Großprojekte) besser feststellen.

 

Bei einer solchen Konzentration auf ganz wenige Schwerpunkte besteht immer auch eine gewisse Gefahr, dass mehr politische Überlegungen als allein wissenschaftliche Kriterien den Ausschlag geben. Dies bedeutet nicht, dass die bisher gefällten Entscheidungen tatsächlich dieser Gefahr unterlegen sind.

 

Des Weiteren ist die langfristige Bindung von Fördermitteln, die notwendigerweise einheitlich erfolgen muss, sicherlich dem bisher angewandten Verfahren unterlegen, die Bindung der Mittel jeweils an konkreten Projekten auszurichten. Auch hier gilt, dass es effizienter wäre, wenn der Bindungszeitraum für die Gewährung dieser Mittel für jedes einzelne Projekt festgelegt würde.

 

Die bildungspolitischen Maßnahmen werden also unter Umständen zwar dazu führen, dass insgesamt weniger Arbeitskräfte geringerer Qualität und mehr Arbeitskräfte höherer Qualität angeboten werden. Die technischen Beschränkungen auf der Nachfrageseite bewirken jedoch, dass das Angebot nicht voll beschäftigt werden kann und dass deshalb diejenigen qualifizierten Arbeitskräfte, die in höheren Positionen nicht eingestellt werden können, notwendigerweise zu den Arbeitsplätzen mit geringeren Leistungsanforderungen abwandern werden.

 

Ein solcher Verdrängungswettbewerb ist jedoch weder für die verdrängenden Akademiker noch für die verdrängten Arbeitnehmer noch schließlich für die Allgemeinheit wünschenswert. Die Akademiker, welche keinen adäquaten Arbeitsplatz finden, werden zwar dann nicht unbedingt arbeitslos, sie finden jedoch nur eine Anstellung in einem Beruf, auf den sie gar nicht vorbereitet wurden. Sie sind frustriert, da sie ja mit der Studienaufnahme einen höheren Aufstieg in ihrem zukünftigen Berufsleben erhofft hatten. Sie erreichen ein Einkommen, das ihren Einkommenserwartungen nicht entspricht und sie sind auch nicht in der Lage, ihr während des Studiums erlerntes Wissen sachgerecht anzuwenden.

 

Für die Gruppe der Verdrängten gilt sinngemäß: Auch sie verdrängen Arbeitnehmer, die gemessen an ihrer Ausbildung auf einem unteren Platz einer Berufsskala stehen, auch sie müssen sich mit weniger Einkommen als erwartet zufrieden geben, auch für sie gilt, dass sie ihr erlerntes Wissen an den neuen Arbeitsplätzen nicht einsetzen können. Den allerletzten innerhalb dieser Berufsskala, die ungelernten Arbeitnehmer ‚beißen die Hunde‘. Sie haben Schwierigkeiten, überhaupt einen Arbeitsplatz zu finden, für sie vergrößert sich die Gefahr der Arbeitslosigkeit.

 

Auch aus gesamtwirtschaftlicher Sicht führt der Verdrängungswettbewerb zu unerwünschten Folgen. Arbeitskräfte stellen stets knappe Produktionsfaktoren dar. Für sie gilt die Forderung, sie möglichst effizient einzusetzen. Werden Akademiker für Berufe ausgebildet, welche sie später nicht wahrnehmen können, so bedeutet ihre Ausbildung eine Vergeudung knapper Ressourcen. Auch die Ausbildung der verdrängten Nichtakademiker muss als Vergeudung angesehen werden. Eine Vergeudung von Produktionsfaktoren führt jedoch immer zu gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrtsverlusten.

 

Im Zusammenhang mit der Beurteilung der Pisa-Studien wird oftmals der Eindruck erweckt, als komme es darauf an, dass ein möglichst hoher Prozentsatz der Arbeitnehmer eine akademische Ausbildung erhalte und dass die Volkswirtschaft, welche den höchsten Prozentsatz an Akademikern aufweisen könne, den bildungspolitischen Zielen am nächsten gekommen sei.

 

Dem gegenüber muss betont werden, dass es auch ein zu viel an höherer und höchster Ausbildung geben kann. Es ist immer nur erwünscht, dass auch genau so viele Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt werden wie es auch Arbeitsplätze gibt. Natürlich braucht das vorgegebene Angebot an Arbeitsplätzen für Akademiker nicht als ein nicht zu veränderndes Datum angesehen werden.

 

Es kann durchaus erwünscht sein, dass man sich Gedanken darüber macht, wie dieses Angebot vergrößert werden könnte. Wir haben weiter oben gesehen, dass dieses Angebot vom jeweiligen technischen Fortschritt und von der Organisation der Unternehmungen abhängt und dass es durchaus Ansätze gibt, durch Änderung der Technik oder der Unternehmungsorganisation das Angebot an Führungsstellen zu vergrößern.

 

Es bleibt aber unerwünscht, für die einzelnen Führungspositionen mehr Ausbildungsplätze anzubieten als beim gegenwärtigen Stand der Technik entsprechende Arbeitsplätze angeboten werden können. Nochmals sei daran erinnert, dass man hierbei zwischen Ausbildung und Bildung unterscheiden muss, dass eine Ausweitung der Bildung als Konsumgut durchaus erwünscht und auch möglich ist. Die Begrenzung des Bildungsangebotes bezieht sich allein auf Ausbildungsplätze im engeren Sinne. Sie sind kostenintensiv im Gegensatz zu den Möglichkeiten, den allgemeinen Bildungsstand zu vergrößern.

 

Bildungspolitische Maßnahmen können jedoch nicht nur daran scheitern, dass die Angebotsstruktur nicht der Nachfragestruktur auf dem Bildungsmarkt entspricht, sondern auch daran, dass das Ziel der Vollbeschäftigung gefährdet wird, dass also der Arbeitsmarkt ungleichgewichtig wird. Wir haben davon auszugehen, dass die Gefahr der Arbeitslosigkeit bei den Arbeitskräften, die eine langwierige Ausbildung erfahren haben, groß ist, weil der Marktmechanismus auf diesen Märkten schlechter funktioniert als auf anderen Märkten. Da das Angebot an diesen Arbeitskräften eine Ausbildung voraussetzt, wird auch bei beachtlichen Steigerungen der Entlohnungssätze das Angebot kurzfristig nicht ansteigen.

 

Wenden sich aufgrund dieses Lohnanstieges Arbeitskräfte vermehrt der Ausbildung dieser speziellen Berufe zu, so wird sich das Angebot zwar langfristig vergrößern. Dieser Zuwachs tritt jedoch verspätet auf, zu einer Zeit, in der vielleicht die Entwicklung der Nachfrage bereits eine Verringerung des Angebotes notwendig macht. Es besteht die Möglichkeit, dass das Arbeitsangebot nun insgesamt zu groß ist. Eine größere Markttransparenz könnte die Gefahr der Arbeitslosigkeit vermindern, obwohl bei freier Berufswahl eine endgültige Lösung dieses Problems nicht möglich erscheint.

 

Diese Zusammenhänge zwischen Einkommenszuwächsen und Reaktion des Arbeitsangebotes lassen sich anhand des Cobweb-Systems veranschaulichen. Das Cobweb-System wurde erstmals auf den Schweinemärkten entdeckt, hat jedoch mit Schweinen oder anderen landwirtschaftlichen Produkten nichts zu tun. Vielmehr entstehen Cobweb-Systeme überall dort, wo das Angebot erst langfristig auf Preisvariationen reagiert und wo man deshalb zwischen einer kurzfristigen und einer langfristigen Angebotskurve unterscheiden muss. Kurzfristig ist das Angebot vollkommen unelastisch, die Angebotskurve verläuft parallel zur Ordinatenachse. Langfristig reagiert das Angebot jedoch auf Preisvariationen sehr elastisch.

 

Hierbei werden drei dynamische Verläufe unterschieden: den gedämpften Verlauf, den explodierenden Verlauf, und das Perpetuum mobile.

 

 

 

 

 

Wir gehen stets von einer Nachfragsteigerung aus, die durch eine Verschiebung der Nachfragekurve nach rechts oben zum Ausdruck gebracht wird. Weiterhin gehen wir davon aus, dass das Angebot kurzfristig auf Preisänderungen nicht reagiert, dass also die Angebotskurve kurzfristig eine Parallele zur Ordinate darstellt. Erst nach Ablauf einer Periode reagiert das Angebot auf Preisänderungen der Vorperiode.

 

Kurzfristig gesehen steigt der Preis aufgrund der Nachfragesteigerung bis zum Schnittpunkt der neuen Nachfragekurve mit der kurzfristig vollkommen starren Angebotskurve. Langfristig hingegen reagiert das Angebot auf die Preissteigerung entsprechend der langfristig gültigen elastischen Angebotskurve. Diese Angebotsausweitung schießt jedoch über die Nachfrage hinaus, weil ja auch der Preis kurzfristig stärker als erwünscht angestiegen ist und führt deshalb in der nächsten Periode zu entsprechenden Preissenkungen und Angebotsanpassungen und so weiter.

 

Dieses Spiel von Preisveränderung und langfristiger Angebotsanpassung erfolgt nun über eine Vielzahl von Perioden, wobei es nun von dem Verhältnis der Elastizitäten von Angebot und Nachfrage abhängt, ob der Preis tendenziell vom Gleichgewicht wegführt oder zum Gleichgewicht hinführt oder schließlich sogar im Sinne eines Perpetuum mobile unbegrenzt um den Gleichgewichtspreis pendelt.

 

Wenn die Elastizität der Nachfrage geringer ist als die des Angebots, führt dies zu einem explodierendem Fall, falls jedoch die Elastizität der Nachfrage größer als die des Angebots ist, liegt ein gedämpftes System vor, gleich hohe Elastizitäten führen schließlich zum Perpetuum mobile.

 

Müssten wir damit rechnen, dass das Verhalten des Cobweb-Systems auf vielen Märkten zu beobachten wäre, so wäre es um die Funktionstüchtigkeit eines marktwirtschaftlichen Systems schlecht bestellt. Es gibt jedoch gute Gründe anzunehmen, dass ein solches Verhalten eher zu den Ausnahmen zählt. Was sind es für eigenartige Menschen, welche feststellen müssen, dass die Preissteigerungen – und ähnliches gilt für Preissenkungen – stets über ihr Ziel hinausschießen und deshalb in ihren Erwartungen enttäuscht werden, trotzdem aber immer wieder in den gleichen Fehler verfallen und ihr langfristiges Angebot an den anfänglichen Preissteigerungen ausrichten.

 

Im Allgemeinen unterstellen wir in der Wirtschaftstheorie ein rationales Verhalten der Marktpartner und hierzu zählt auch die Annahme, dass die Menschen lernfähig sind, also aus Fehlern der Vergangenheit lernen und ihr Verhalten an die veränderte Situation anpassen. Man müsste also erwarten, dass sie aus ihren Erfahrungen gelernt haben, dass nämlich langfristig gesehen die anfänglichen Preissteigerungen wiederum korrigiert werden und dass sie deshalb bei ihrem Angebot von geringeren Preissteigerungen ausgehen.

 

In diesem Falle wäre jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem explodierenden System oder zu einem Perpetuum mobile kommt, äußerst gering und auch die Dauer der Anpassungsprozesse wäre stark reduziert. Die Linien, durch welche das Cobweb charakterisiert würde, hätten dann nicht mehr einen waagrechten, sondern einen mehr oder weniger geneigten Verlauf, mit der Folge, dass der Gleichgewichtsprozess stark abgekürzt würde.

 

 

In unserem Zusammenhange interessiert jedoch weniger die Frage, ob mit einem Cobweb-Verhalten im Allgemeinen zu rechnen ist, sondern allein, ob auf den Arbeitsmärkten für Akademiker ein solches Verhalten erwartet werden muss. Hier geht es jedoch weniger um die Frage, wie stark jeder Einzelne Betroffene bei Preissteigerungen sein Angebot ausweiten wird, schließlich hat der Einzelne nur zu entscheiden, ob er ein bestimmtes Studium aufnehmen wird oder nicht. Stellen z. B. die Studierenden fest, dass wegen zunehmender Knappheit die zu erwartenden Ärztehonorare stark ansteigen, wird es auf jeden Fall zu einem vermehrten Studium in der Medizin kommen. Da aber das medizinische Studium sehr lange dauert, besteht die Gefahr, dass dann, wenn die Zahl der ausgebildeten Ärzte ansteigt, der Bedarf bereits wieder gesunken ist und mit ihm auch die zu erwartenden Einkommen.

 

Das Arbeitslosenrisiko ließe sich erstens durch eine größere Flexibilität der Ausbildung verringern. Diese Forderung nach größerer Flexibilität kann sich einmal auf die größtmögliche Durchlässigkeit während des Ausbildungsganges (also auf die Möglichkeit während der Ausbildung auf einen anderen Ausbildungsgang überzuwechseln) beziehen. Größere Flexibilität kann jedoch auch bedeuten, dass sich die Ausbildung zunächst auf die Vermittlung generellen Wissens beschränkt bzw. dass erst sehr spät im Ausbildungsprozess mit einer Spezialisierung begonnen wird.

 

Auf diese Weise könnte erreicht werden, dass die Arbeitskräfte bei einem Überangebot auf dem einen Markte auf einen anderen (verwandten) Markt überwechseln können. Aber auch hier muss vor einem zu großen Optimismus gewarnt werden. Die Entwicklung des wissenschaftlichen Fortschrittes war nur möglich aufgrund einer weitgehenden Spezialisierung des Wissens.

 

Eine größere Markttransparenz wäre weiterhin sowohl für die voraussichtliche Entwicklung der Nachfrage wie des Angebotes nach bzw. an qualifizierten Arbeitskräften erforderlich. Beide Entwicklungsreihen hängen jedoch von so vielen Unsicherheitsfaktoren ab, dass von dieser Seite eine entscheidende Verminderung des Arbeitslosenrisikos nicht zu erwarten ist.

 

Die Entscheidung darüber, welcher Beruf ergriffen werden soll, wird oftmals unabhängig von der Frage nach den Berufsmöglichkeiten der Absolventen gefällt. So wird oftmals gefordert, dass jeder Bürger, unabhängig von den tatsächlichen Berufschancen ein verfassungsmäßig geschütztes Recht auf Ausbildung besitzen soll. Es verwundere deshalb nicht, wenn das Angebot an Akademikern der Nachfrage der Industrie nicht entspreche und wenn deshalb Arbeitslosigkeit bei den Akademikern entstehe. Es wird deshalb eine bedarfsorientierte Planung der Bildungspolitik gefordert, die das staatliche Bildungsangebot an der zu erwartenden Nachfrage ausrichten solle.

 

Diese Forderungen übersehen, dass hier vom Staat mehr verlangt wird, als er leisten kann. Gerade wegen der zeitlichen Länge des Studiums kann zumindest in einer Marktwirtschaft nicht festgestellt werden, wie sich der Bedarf für einzelne Berufe nach 5 – 8 Jahren entwickeln wird. Soweit sich aber bestimmte Tendenzen in der Berufsentwicklung abzeichnen, ist es nicht einzusehen, weshalb der Staat diese Entscheidung den einzelnen Bildungswilligen abnehmen soll, warum die Einzelnen aufgrund ihrer sehr individuellen Risikobereitschaft diese Entscheidung nicht sehr viel zweckmäßiger fällen können als der Staat in einer globalen Grundsatzentscheidung.

 

Natürlich muss man sich darüber im Klaren sein, dass die Nachfrage nach Ausbildung umso größer ausfällt, je stärker die individuellen Ausbildungskosten von den gesamtwirtschaftlichen Ausbildungskosten abweichen. In diesem Falle bleibt wegen Knappheit der Güter dem Staat nichts anderes übrig, als gewisse Begrenzungen im Studium vorzusehen.

 

Alternativ hierzu wird vorgeschlagen, Bildungsgutscheine einzuführen, die den Studenten für eine begrenzte Studienzeit kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Diese Zeit bezieht sich auf die Regelstudienzeit plus 2 – 4 Semester zur Vorbereitung auf das Abschlussexamen. Überschreitet der einzelne Student diese Zeiten, so soll er für jedes weitere Semester eine bestimmte Gebühr entrichten.

 

Die Effizienz dieser Bildungsgutscheine wird im Allgemeinen gering eingeschätzt. Nur ein sehr geringer Prozentsatz der Studenten wird diese festgesetzte Zeit überschreiten. Für die Masse der Studenten gehen somit keine Effekte auf die tatsächliche Studienzeit aus. Es werden aus den gleichen Gründen auch keine nennenswerten zusätzlichen Finanzierungsmittel gewonnen. Schließlich ist zu bezweifeln, ob der Staat wirklich bestrebt sein sollte, die Studienzeit einer relativ kleinen Studentengruppe zu begrenzen. Jeder Student hat bereits einen massiven Anreiz, sein Studium so kurz wie möglich zu halten, da die Einstellungschancen mit wachsender Studiendauer drastisch zurückgehen. Es ist fraglich, ob eine erzwungene Verkürzung des Studiums die knappen Ressourcen der Universitäten entlastet, da die Zahl der Prüfungen auf diesem Wege wohl kaum reduziert, oftmals sogar erhöht wird.

 

Es kann weiterhin nicht damit gerechnet werden, dass eine Vergrößerung der Bildungsausgaben automatisch und in jedem Falle die Verteilung des Zugangs zu den Bildungseinrichtungen verbessert. Es besteht erstens die Gefahr, dass die Finanzierungsmittel so ineffizient angelegt werden, dass das reale Angebot an Bildungsleistungen kaum oder nicht im erwünschten Maße zunimmt. Auch die Bildungsgüter werden wie fast jedes Gut aus der Kombination mehrerer komplementär zueinander stehender Produktionsfaktoren erstellt.

 

Es kann somit nur dann eine Zunahme des Angebotes der Bildungsgüter erwartet werden, wenn alle komplementären Faktoren vermehrt werden. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, entstehen Engpässe, die eine Vermehrung des Gesamtangebotes verhindern. Abschließend muss allerdings festgestellt werden: Wenn auch das Risiko eines Akademikers groß ist, keinen geeigneten Arbeitsplatz zu finden, ist dieses Risiko doch wesentlich kleiner als das Risiko der Arbeitslosigkeit ungelernter Arbeitskräfte, da die moderne Produktionstechnik eine Mindestausbildung voraussetzt.

 

 

6. Weiterbildung als permanente Aufgabe

 

In der Vergangenheit war die Ausbildung eindeutig eine Frage des ersten Lebensabschnittes, mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter war die Ausbildung abgeschlossen. Man konnte im Großen und Ganzen mit Sicherheit davon ausgehen, dass das Wissen, das sich der Einzelne in seinen Jugendjahren angeeignet hat, für das gesamte Leben, vor allem aber für die berufliche Arbeit ausreicht.

 

Heutzutage gilt diese Schlussfolgerung nicht mehr. Auch dann, wenn der Jugendliche ins Erwerbsleben eintritt, kann er nicht mehr davon ausgehen, dass er nun für den Rest seines Lebens genug gelernt hat. Ganz im Gegenteil, wir haben davon auszugehen, dass eine Fortbildung auch während des Berufslebens notwendig wird und zwar nicht nur ausnahmsweise und vielleicht ein- oder zweimal, sondern für fast alle Erwerbstätige und auch für die gesamte Berufszeit.

 

Verschiedene Gründe können für diese Änderung maßgeblich sein. Die Globalisierung und die rasante Entwicklung in der Technologie bringen es mit sich, dass bisherige Berufe verschwinden und neue entstehen. Eine permanente Fortbildung ist aber auch dann in aller Regel notwendig, wenn ein Arbeitnehmer seinen Beruf und seinen Arbeitsplatz beibehält, die angewandten Techniken ändern sich so schnell, dass das bisher Erlernte nach einigen Jahren auch am gleichen Arbeitsplatz obsolet geworden ist.

 

Die Entwicklung in der angewandten Technik ist sogar so rasant geworden, dass sich auch die Art du Weise, wie Wissen auf den Schulen und Hochschulen zu vermitteln ist, wesentlich gewandelt hat. Früher bestand Wissen im Rahmen der Ausbildung in allererster Linie in der Vermittlung von Fakten. Es waren die Fakten, die der Einzelne im beruflichen Leben anzuwenden hatte.

 

Heutzutage haben wir davon auszugehen, dass das aktuelle Faktenwissen, das in der Ausbildung gelehrt werden könnte, bereits veraltet ist, wenn der Jugendliche ins Erwerbsleben eintritt. Deshalb liegt der Schwerpunkt einer Ausbildung heutzutage weniger in der Vermittlung konkreter Fakten und Einzeldaten. Es geht vielmehr heutzutage darum, dem Lernenden beizubringen, wie Probleme gelöst werden können, auch dann, wenn man noch nicht über die für die Lösung notwendigen Daten kennt. Lernen besteht heute vorwiegend darin, das Lernen zu üben.

 

Das Auswendiglernen von Fakten ist heutzutage aber nicht nur nicht mehr ausreichend, da sich in einigen Jahren das Faktenwissen überholt hat. Es ist auch nicht mehr notwendig, um einen Beruf sachgerecht ausüben zu können. Die Entwicklung des Computers und hier vor allem des Internets macht es möglich, das für die Ausübung einer Aufgabe notwendige Faktenwissen jeder Zeit im Internet abzufragen.

 

Allerdings kann nicht davon ausgegangen werden, dass dieses aus dem Internet heruntergeladene Faktenwissen auch stets der Wirklichkeit entspricht. Während früher im Allgemeinen davon ausgegangen werden konnte, dass das Fachwissen nur von in diesem Fach ausgebildeten Lehrkräften vermittelt wurde und deshalb eine hohe Wahrscheinlichkeit bestand, dass das vermittelte Wissen der Wahrheit entspricht, ist diese Sicherheit bei einem aus dem Internet heruntergeladenen Wissen äußerst ungewiss, da heutzutage Jeder unabhängig von seiner Ausbildung Wissen ins Internet stellen kann.

 

Aus diesen Gründen muss der Einzelne, der sein Wissen aus dem Internet bezieht, auch in der Lage sein, die ‚Spreu vom Weizen‘ zu trennen. Aber genau dieses Wissen ist heute auch Teil der Ausbildung.

 

Einige Zukunftsforscher meinen weiterhin prophezeien zu können, dass in naher Zukunft nahezu alle Arbeitsplätze wegrationalisiert werden, da die Arbeitnehmer durchgehend durch Roboter ersetzt werden.

 

Diese Befürchtungen sind jedoch keineswegs sicher. Ähnliche Befürchtungen wurden übrigens auch zu Beginn der Industrialisierung im Zusammenhang mit den Maschinenstürmern geäußert. Es wurde damals befürchtet, dass aufgrund der Einführung von Maschinen die Arbeitskraft überflüssig würde.

 

Diese Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet. Es entstanden neue Berufe und diese neuen Berufe brachten den Arbeitnehmern in aller Regel einen zweifachen Vorteil. Auf der einen Seite konnte das mit der Arbeit verbundene Arbeitsleid verringert werden, auf der anderen Seite entstanden im Zuge der Industrialisierung neue Berufe.

 

In gleicher Weise wird man auch davon ausgehen können, dass auch die Roboterisierung auf der einen Seite dazu führen wird, dass die Arbeitsbedingungen verbessert werden können, indem schwere und unangenehme Arbeit in Zukunft von Robotern übernommen werden. Und auf der anderen Seite werden mit der Weiterentwicklung der Technologie neue Berufe entstehen. Ganz generell ist davon auszugehen, dass die bereits in den letzten Jahrzehnten zu beobachtende Tendenz weg von der landwirtschaftlichen und der industriellen Produktion hin zum Dienstleistungssektor fortschreiten wird.

 

Allerdings ist es ein grundsätzlicher Fehler, davon auszugehen, dass diese Entwicklung zur Robotisierung der Wirtschaft notwendig und unabweislich sei. Vielmehr ist diese Entwicklung in den letzten Jahren zu einem großen Teil Ergebnis falscher politischer Entscheidungen.

 

Der technische Fortschritt fällt nicht wie Manna vom Himmel. Seine Entwicklung wird vielmehr maßgeblich dadurch bestimmt, wie sich das Verhältnis der Lohnsätze zu den -Zinssätzen entwickelt. Dass in der Vergangenheit der technische Fortschritt vor allem größenintensiv und arbeitssparend ausfiel, lag eindeutig daran, dass sich die Zinssätze im Verhältnis zu den Lohnsätzen immer wieder verringert haben.

 

Wenn diese Veränderungen im Zins-Lohn-Verhältnis die tatsächliche Knappheitsentwicklung von Arbeit und Kapital widerspiegeln würden, wäre es auch in der Tat gesamtwirtschaftlich erwünscht, dass immer mehr Arbeitsleistungen durch Roboter, also durch Kapital, ersetzt würden.

 

Diese Ersetzung wäre notwendig und erwünscht, weil wegen Knappheit an Arbeitskräften eine Wohlfahrtssteigerung sonst nicht stattfinden könnte. Die Robotisierung würde hier nur zum Ausdruck bringen, dass trotz Knappheit an Arbeitskräften auf dem Wege einer Zunahme der Kapitalintensität trotzdem die Produktion und damit die allgemeine Wohlfahrt ausgeweitet werden konnte.

 

Es ist aber in jedem Falle unerwünscht, Arbeit durch Kapital auch dann zu ersetzen, wenn auf diesem Wege Arbeitskräfte auf Dauer arbeitslos werden. Auch in der modernen Welt ist die Knappheit nicht aufgehoben und es können aus Gründen der Knappheit längst nicht alle Ziele realisiert werden und deshalb liegt immer eine Vergeudung vor, wenn an und für sich knappe Ressourcen nicht zum Einsatz kommen.

 

Wenn Arbeitskräfte auf Dauer unbeschäftigt bleiben, tritt in jedem Falle eine Wohlfahrtsminderung der Gesamtgesellschaft ein, ein technischer Fortschritt ist nur dann auch in sozialer Hinsicht ein Fortschritt, wenn durch die Zunahme der Kapitalintensität keine Arbeitskräfte auf Dauer arbeitslos werden.

 

Nun hat gerade die keynesianische Politik dazu beigetragen, dass das Zins-Lohnverhältnis von den Knappheitsverhältnissen abweicht. Erwünscht wäre, dass das tatsächliche Lohn-Zins-Verhältnis gerade dem Knappheitsverhältnis von Arbeit zu Kapital entsprechen würde und wenn deshalb auf Dauer Vollbeschäftigung garantiert wäre.

 

In Wirklichkeit hat die keynesianische Politik dazu beigetragen, dass das Lohn-Zins-Verhältnis höher ausfällt als das Knappheitsverhältnis und dass gerade aus diesen Gründen diese Politik eine Technologie begünstigt, welche langfristig zu Arbeitslosigkeit führt.

 

Das Lohn-Zins-Verhältnis wurde im Namen einer keynesianischen Politik aus zweierlei Gründen in die falsche Richtung verschoben. Auf der einen Seite betreiben Keynesianer eine Politik des billigen Geldes und setzen den Leitzins unter den Zinssatz, welcher dem realen Zinssatz (der Kapitalrendite) entspricht. Zwar hatte Keynes bezweifelt, dass durch eine Zinsänderung die Investitionen der Unternehmer erhöht werden könnten, da in Zeiten des Konjunkturrückgangs die Produktionskapazitäten ohnehin nicht voll ausgelastet seien und deshalb eine Erweiterung der Kapazität durch eine Zunahme der Investitionen unerwünscht sei.

 

Trotzdem setzt sich die keynesianische Geldpolitik dafür ein, den Zinssatz bewusst unter den Realzins zu setzen, da der Staat auf diese Weise für seine Verschuldung geringere Zinskosten aufbringen muss und da neuerdings auch von dem keinesfalls bewiesenen Glauben ausgegangen wird, Vollbeschäftigung sei nur erreichbar, wenn die Inflationsrate etwa 2% betrage.

 

Auf der anderen Seite wird oftmals von Gewerkschaftsseite unter Berufung auf die keynesianische Beschäftigungslehre eine expansive Lohnpolitik gefordert und Lohnsatzsteigerungen erkämpft, welche bewusst über den erwarteten Produktivitätssteigerungen liegen.

 

Auch diese Kaufkrafttheorie beruft sich zu Unrecht auf Keynes. Entsprechend der keynesianischen Lehre wirken durch Lohnsteigerungen bewirkte Steigerungen der Konsumnachfrage nur dann beschäftigungssteigernd, wenn die Konsumquote steigt, wenn also die Konsumausgaben stärker steigen als das Lohneinkommen.

 

Es wäre also in hohem Maße erwünscht, dass das Zins-Lohn-Verhältnis erhöht und der Knappheitsrelation von Arbeit und Kapital angepasst würde. In diesem Falle verliefe die Entwicklung zum größenintensiven und arbeitssparenden technischen Fortschritt sehr viel langsamer und diese Entwicklung käme den Arbeitnehmern zugute, in dem weniger Arbeitsplätze durch Roboter ersetzt werden. Gleichzeitig würde die Anpassung des Lohn-Zins-Verhältnisses an die Knappheitsrelation von Arbeit und Kapital zu mehr realem Wachstum führen.